Nr.347.36.Iahrg. Bezugspreis: Bicneljährl.S,-- SSt, monalL 8,— Ml. frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich Z,— Mb, sxll. Zu- siellmtgsgebühr. linier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn KLö Ml., für da» üdrtge Ausland lN2öMk.. bei täglich einmal. Zustellung 8Lö Ml. Postbestellungen nehmen an Dänemark, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Der„Vorwärts" mlt der Sonntag»- bcilage„Volk u. gelt" erscheint Wochen- täglich zweimal. Sonntag» einmal. Morgen-Ausgabe. Telegramm-Adresse: .Lozialdemokra» Berlin-. Derlinev Volksblstt. � ISpksnnig� AuzetgeupretS: Di« achtgripattene Ronvarrtllezelle kostet l.20 Ml»Kletne Unzeigen". da» fettgedruckte Wort SV Mg. tzulässtg i fettgedruckte Motte), fede» weiter« Wort 2S Psg Stellengesuche und Schlafstellenanzetgen da« erste Wort <0 Pfg. fede« weitere Wort 20 Pfg. Worte Uber 15 Buchstaben zählen für zwei Wort«. Teuerungszuschlag 50°/» Familten- Anzeigen, politische und gewertschastliche Verein»- Anzeigen 120 Mk. die geile Anzeigen für die Nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittag» im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Lindenstrahe 3, abgegeben «Verden. Seöffnet von 9 Uhr früh bt» b Uhr abends. Zentralorgan der roziatdemokratifchen Partei Deutfchlandd. ReSaktion und Expedition: SW. 6$, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morrnplat!. Nr. IS1SY— lätS7. Donnerstag, den 10. Juli 1019. Vorwärts-Verlag G.m.b. h., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz- Rr. 117 55—51. Ratifikation öurch üen Reichspräfiöenten. Dem Beschlüsse der Nationalversammlung sol- gend, hat am Mittwoch- abends 8 Uhr- der Reichs- Präsident E b e r t die Ratifikation des FriedcnSvcr- träges vollzogen. Ter traurigste Akt in der Geschichte Deutschlands ist voll- zogen. Ter Friedensvertrag, der unter dem fürchterlichen Druck der Feinde Deutschlands unterschrieben worden ist, hat gestern der Nationalversammlung in Weimar zur Ratifikation vorgelegen. Die Nationalversammlung hat mit 208 gegen 115 Stimmen die Bestätigung des Friedensvertrages beschlossen. Und gestern abend 8 Uhr ist vom Reichspräsidenten E b e r t die Ratifikation vollzogen worden. Damit ist von seiten Teutschlands der Schlußstrich unter die fürchterliche Tragödie gezogen worden, deren Wirrungen seit den Augusttagen dcS Jahres 1911 Europa init Blut und Tränen getränkt haben. Leider ist in der Nationalversammlung die für diesen Tag erforderliche Würde durch taktloses und unpolitisches Kraft- protzentum der Dcutschnationalen gestört und auch bei dieser Gc- legcnheit das Gift des Parteigezänkes aufgerührt worden. Wir hatten in dieser geschichtlichen Stunde ein anderes Bild erwartet. Mit der Ratifikation des Friedens durch Deirtichland ist der Frieden noch nicht endgültig geschlossen. Erst müssen drei der gegnerischen Großmächte ihrerseits die Ratifika- tion vollzogen haben, bevor der Friedenszustand auch formell eintritt. Aller Loraussicht.nach wird die Ratifikation bei einigen der Westmächtc riichi lange auf sich warten lassen. Immerhin ist es angebracht, auf die großen Schwierigkeiten hinzuweisen, die Italien gegenwärtig zu durchkämpfen hat und die die Rati- fikation des Friedens durch Italien stark verschleppen, wenn nicht gar gefährden können. Außerdem wird in Amerika um den Frieden noch ein sehr lebhafter.Komps entbrennen, der immerhin sich praktisch in einer Verzögerung der Ratifikation äußern kann. In Japan wird man sich vor Ablauf von 4 bis 5 Wochen nicht mit dem Abschluß des Friedensvertrages be- schäftigen können. Immerhin ist damit zu rechnen, daß seitens Englands, Frankreichs und Amerikas in nicht allzu weiter Ent- fernung die Ratifikation erfolgt. Was wir durch den gestrigen Tag für das deutsche Volk im- mittelbar erhalten, ist die Zurückgabe unserer jahrelang von ihren Lieben ferngehaltenen Kriegsgefangenen. Diese Aermsten, die ihre Familien und ihr Vaterland so lange ent- behren mußten, und die durch die hermetische Abschließung von allen Nachrichten über die in Deutschland neugeschaffenen Ver- Hältnisse nur ein ganz unvollkommenes Bild hoben, das in der .Hauptsache auf Gerüchte und Einzillmitteilungen sich stützen kann, werden nun wieder in die Heimat zurückdürfen. Das ist das einzige Licht, dos wir in dieser dunklen Zeit sehen. Mit banger Sorge blickt das ganze Volk auf den Tag, wo drei der gegnerischen Mächte die Ratifikation vollzogen haben werden. Von diesem Zeitpunkt an datiert die Z e r st ü ck e l u n g Deutschlands. Millionen deutscher Staatsangehöriger an allen deutschen Fronten und auf ehemals österreichischem Gebiet werden unter fremde Herrschast und fremde Kultur gezwungen. Von diesen Brüdern müssen wir Abschied nehmen, auf wie lange, wissen wir nicht, aber wir haben die feste Hoffnung, daß es nur vorübergehend sein kann. Das Werk nackter Gewalt, das dieser Frieden ist, kann nicht am Leben bleiben. Wenn die Gewalt, die es stützt, zu bröckeln anfängt, beginnt der Tag der Freiheit für unsere vergewaltigten Landsleute zu tagen. Wenn wir uns von ihnen verabschieden, so möchten wir nicht, daß sie sicki einen Tag von uns verlassen fühlen. Unsere Gedanken und unsere Gefühle werden stets mit ihnen sein, und in allen Bitter- nisten, die sie unter der fremden Herrschaft werden ertragen müssen, wird ihnen das deutsche Volk treu mitfühlend zur Seite stehen und mit ihnen nach dem Tag hungern, an dem teils durch die Ohnmacht der Feinde, teils unter dem Einfluß der Kraft des deutschen Volkes ihre Fesseln zerbrochen werden können. Die deutsche Regierung hat durch den Mund ihrer Mit- glicder bei jeder Gelegenheit bekannt gemacht, daß sie ehrlich den Frieden halten und erfüllen werde. Diese von hohem Friedensbedürfnis und dem Bedürfnis endlicher Ruhe für Deutschland diktierte Gesinnung wird von allen Teilen im Volke respektiert werden. Wer wir dürfen uns keinen Augen- blick darüber einer Täuschung hingeben, daß wir auch beim besten Willen nicht fähig sind, die uns auferlegten Be- dingungen zu erfüllen. Unter Berücksichtigung der gegenwärti- gen Armutszuständc Deutschlands, der starken moralischen Erschütterung unseres Volkes und der starken Henimnisse, die dem Wiederaufbau unserer Wirtschost durch den Friedensvertrag be- reitet worden sind, ist selbst daran nicht zu denken, daß der Frieden in dem Umfange erfüllt wird, der durch die deutschen Gegenvorsebläae auf das Friedensdiktat der Gegner vorgezeichnet worden ist. Eine Erfüllung dessen, was wir erfüllen können, wird aber von den Gegnern zweifellos nicht als Friedens- erfüllung anerkannt werden. ES ist deswegen gut- daß man sich jetzt schon auf ernste Zerwürfnisse zwischen den Unter- legenen und den Siegern gefaßt macht. Wenn wir uns nicht selbst als freies Volk aufgeben und in unwürdige Sklaverei begeben wollen, so müssm wir von Stund an die W i d e r st ä n d e in unserem Volke gegen diesen Frieden der Schmach und der Vergewaltigung festigen. Die Regierung mag den guten Willen haben, Konfliktsfälle zu vermeiden, die schwierige Situation Deutschlands aber macht es ganz u n- m ö g l ich, ihnen aus dem Wege zu gehen. Nur eines könnte sie verhindern: das wäre eine Besinnung der Gegner auf das Re'ch t. Wenn diese erkennen würden, was ausländische und auch feindliche Blätter wiederholt geschrieben haben, daß dieser Frieden nichts anderes als die Pause zwischen zwei Krie-gen ist, und wenn sie deshalb alle unmenschlichen Härten und entwürdigenden Bedingungen nachträglich herausnehmen würden, so wäre es möglich, zu einem Zustand zu gelangen, der uns zwar sehr harte Bedingungen zu erfüllen verpflichtete, aber der doch wenigstens in unserem Herzen das reine Gefühl für einen wirklichen Frieden aufkommen ließe. Dieser Frieden ist kein Frieden! Und wenn er von allen Mächten ratifiziert würde, und wenn er durch tausend Sieges- und Jubelfeiern verherrlicht werden würde. Kein Mensch in Deutschland erkennt ihn innerlich an. Jeder- mann lehnt ihn als brutale Gewalttat ab. An den Gegnern liegt es jetzt, ihn so zu verändern und so zu korri- gieren, daß er in Teutschland als Frieden empfunden werden kann. Nur dann kaün es zw eine'm Dauersrieden kommen! die Nationalversammlung und die Ratifikation des ßriedens Weimar, g. Juli. Tie heutige Sitzung der Ratio- n a l v e r f a m m I u n g, in der die Ratifikation des Friedensver- träges auf der Tagesordnung stand, wird zu den denkwürdigsten Tagen der deutschen Geschichte gehiiren. T ic Anteilnahme des Hause? war ausser ordentlich sturk, pie Tribünen waren überfüllt und auf aller Mienen lag eine gewisse Erregung, die noch durch dir Verzögerung de? Beginnes der Sitzung gesteigert wurde. Mit ruhiger Stimme, die sich von Zeit zu Zeit hob, um seine Worte wirkungsvoll zu unterstreichen, trug der Reichsminister des Auswärtigen Müller seine Ausführungen vor. Er fand den Beifall des ganzen Hauses, als rr erklärte, dass heute und immer der einstimmige Protest gegen diese Bertrag grwordcne Vergewaltigung aufrecht erhalten werde. Besonderen Nachdruck legte er auf die Betonung, der unbedingten BertragS- treue. Er sprach die Hoffnung auf haldige Rückkehr unserer Kriegsgefangenen aus und fand damit ebenso die beifällig« Zustimmung des Hauses wie mit dem Tank an die Neutralen für ihre Jürsorge für unsere Kriegsgefangenen. Er schloss mit der Ver- sicherung. dass wir niemals derer vergessen werden, die jetzt in Erfüllung des Friedensvertrages vom Deutschen Reich getrennt sind. Der starke Bei- fall, der seinen Anöfghrungen folgte, fand einen Widerhall in de» nachfolgende« Debatten, in denen von alle« Parteien Erklärungen abgegeben wurden, die sich im wesentlichen mit der bereits brkann- te» Stellungnahme der einzelnen Parteien deckt. Eine recht lebhafte parteipolitische Auseinander- setzung gab es noch bei der Besprechung rine-s Antrag? deir Deutschnationalr« auf Einholung eines Gutachtens von Bälkrr- rechtslrhrrrn über die Zulässigkeit der Bildung eines Gerichtshofes zur Aburteilung von Verstößen gegen das Völkerrecht sowie der Einsetzung eines neutralen Gerichtshofes zur Untersuchung der Schuldfragc. Tiefer Antrag wurde schließlich abgelehnt und der Gesetzentwurf zur Ratifikation des Friedentzvertvages in na- mentlicher Abstimmung mit 208 gegen 115 Stimmen angenommen. • 61. Sitzung vom Mittwoch, 9. Juli 1919, 1l> Uhr. (Schluß aus der Abendousgabc.) Abg. Krätzig(Soj.) erklärt ncinens der soKicrlidemokrati scheu Fraktion l Wir stimmen der Ratifikation zu aus denselben Gründen, die uns neulich ver- anfaßten, der Regierung die Bollmacht zu erteilen, den Vertrag zu unterzeichnen. Roch immer schmachten Hunderttaufende Deutsche in Gefangenschost. Mit der Ratifikation reißen wir die Schranken nieder, die diesen Opfern des Weltkrieges die Heimat und die Familie versperren. Wir protestieren gegen den Gewaltfrieden, der die Bersöhmino der BölZer hintertreibt und Europa zu einer» Ex° plofionSherd für neue blutige Kriege zu machen droht. Wir wer- den nie aufhören, dagegen zu protestieren, daß Elsaß- Lothringen unter Nichtachtung de» SelbslbeftiMmung» recht» an Frankreich abgetreten werden muß. Nie werden wir unß damit abfinden, daß man unser Vaterland in Stücke reißt und eine große Anzahl von Volksgenossen unter fremde Herren zwingt. Wir ge- loben heute: die uns entrissenen Landesteile werden wir nie ver- gesscn, sondern alle Zeit dafür sorgen, daß sie als Deutsche nicht zugrunde gehe«, (Beifall.) Unzerreißbar bleibt das Bündnis mit Oesterreich und die Hoftrrung. daß alle Deutsche auf Grund des Selbstbe- stimmungsrcchts alle in einem Etuhertsstaat vereinigt werden. Protest erheben mir gegen die Wegnahme unserer Kolonien. Das deutsche Volk wollte diesen Krieg nicht. Der Krieg war nicht das Werk einzelner Personen, sondern des i m p c r i a l i st i s ch e n internationalen K a p i t a- l i s m u s— und wer unser Volk als den Schuldigen am Krieg hinstellt, spricht eine wissentliche Unwahrheit aus. Wir werden uns bemühen, den Vertrag loyal durchzuführen. Wenn erst die Erregung, die unseren BolkSkörper jetzt erschüttert infolge der unerhörten Kriegsnot, vorüber ist, dann wird der Welt offen- bar werden, daß die kuliurfördcrnde Anbei t des deutschen Volkes aus diesen Fesseln svei gemacht werden muß. Das wird geschehen in dem Zusammenwirken der klasscnbrwusste« Arbeiter aller Länder. Wir sind überzeugt, an einem Tage wird sich die Macht der imer- nationalen klassenbewußten Arbeiter stärker.erweisen als der Im- perialismus. Dann wird auch das Unrecht dieses Krieges wider- rufen werden/ Abg. Dr. Spahn(Z.): Der Friedensvertrag entspricht nicht den Grundsätzen des die Völker verbindenden christlichen Geistes. sondern ist das Ergebnis einer uns bis über den Friedensschluß hinaus verfolgenden- Um Versöhnlichkeit. Das Reich wird noch besten Kräften suchen den Vertrag zu erfüllen, aber, binnen kurzem wird es sich zeigen, daß er in vielen und wesentlichen Teilen unerfüllbar ist. Mg. Schücking(Dem.): Die Fraktion der Deut schenDcmokratischen Partei erklärt, daß sie dem Gesetz über den Friedensvertrag nicht zu- stimmen kann, sie überläßt vielmehr diese Zustimmung der Mehrheit des Hauses, die am 27. Juni die Regierung erniächiigt hat, diesen Frieden zu unterzeichnen. Wir protestieren feierlich bor aller Welt gegen diese Verletzung des Delbstbestimmungsrechts der Völker. (Lebhaftes Bravo.) Wir fetzen unsere Hoffnung auf das Gc- wissen der Welt und auf daS Wiedererwachen und Erstarken des Rechtsgedankenö.(Lebhafter allseitiger Beifall.) Deutsche Brüder und Schwestern im Norden, im Westen und im Osten, wir deutsche Demokraten rufen euch zu: Bleibt Deutsch- land treu!(Lebhafter Beifall.) Abg. Traub(Tnat. Vp.): Im Namen der deuischnationalen Fraktion habe rcli folgende Erklärung abzugeben: Einmütig hat die deutschnationale Fraktion beschlossen, der Ratiftzicrung de? Friedensvertrages zu widersprechen. Wir sind uns der Folgen einer Ablehnung voll hewusst, gerade deswegen aber lehnen wir die Verantwortung für diesen Vertrag ab. Redner beschäftigt sich sodann in großer Breite mit den Reden Lloyd Georges und Clemenceans. Di« Wunde dieses Friedensschlusses wird nie vernarben, sie soll nicht vernarben.(Siürmiifchn Beifall rechts, auch auf den Tribünen lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Präsident Kehrenbach: ES ist der Tribüne nicht gestattet, sich an Beifallskundgebungen zu beteiligen.(Rufe bei den Unab- hängigen: Bestellte Arbeit!) Im Falle der Wiederholung werde ich die Tribünen räumen lassen.(Große Unruhe.) Abg. Dr. Kahl(D. Vp.): Die Deutsche VoltSportei eiklärt, daß sie ihre Zustimmung zur Ratifikation dieses Friedensvertrages nach bestem Wissen und Gewissen nicht zu geben vermag. Wir lehnen einen solchen Frieden heute und immer ab.(Beifall und Hände- klatschen.) Abg. Henke(N. Soz.)» erklärt im Namen sei»« Partei: Auf unsere Initiative ist die Re- gierung am 22. Juni zur Unterzeichnung des Friedens veranlaßt worden.(Gelächter im ganzen Hause.) Wir stimmen dem Friedens- vertrage zu unter dem Zwange der Gewalt, gegen die wir uns nicht wehren tonnen. Wir reichen den Pro- lelariern der ganzen Welt die- Bruderhand zum Kampfe für dir Weltfreiheit.(Lebhafter Beifall bei den Unabhängigen.) Abg. Winnig(Soz.) erklärt im Namen der Abgeordneten des OstenS: Die Bestimmungen des Versailler Friedens über der deutschen Osten entbehren in ihrer Gesamtheit der von bei Verbündeten und vereinten Mächten selbst geforderten Rechts- grundlag e. lZustimmung.) Darauf gestützt, legen die Ab- geordneten de» Ostens zugleich im Namen der von ihnen ver- tretenen Bevölkerung in dieser weltgeschichtlichen Stunde einmütig feierlich Berwahruug ein gegen die Zerstückelung des deutschen Ostens. Einst wird kommen der Tag, da der Sieg des RechlS das Unrecht von Versailles wieder gm machen wird.(Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Abg. Adolf vllokotte(Z.) legt namens der Abgeordneten und der Bevölkerung der im Weston von Deutschland losgerissenes Frankreich vor üer Ratifikation. Aufhebung von Zensur und Belagerungszustand in Ticht. Paris, S. Juli. lHavaS.) In Erwiderung auf verschiedene Reden in der Abgeordnetenkammer erklärte Pichon, daß die Re- gierung gewillt sei, die Zensur nach Ratifikation des Frirdensver» träges aufzuheben. Derselbe gilt als vollzogen, wenn drei Mächte den Friedensvertrag ratifiziert haben. Gleichzeitig wird auch der Belagerungszustand aufgehoben werden; es wird ein Gesetzentwurf hierüber eingebracht werden, der gleichzeitig die Einstellung der Feindseligkeiten und die Aufhebung der Zensur und des Belagerungszustandes verkünden wird. Man wird also damit nicht bis zum Abschluß des Friedensvertrages mit Oesterreich oder der Türkei und Bulgarien warten. Die Regierung ist der Ansicht, daß die Garantien, die im nationalen Interesse in dem Gesetz vom S. August 1S14 niedergelegt worden sind, bis zur Ratifikation des Friedensvertrages in Kraft bleiben müssen. Die Regierung übernimmt die Verantwortung dafür, daß Zensur und Belagerungszustand jetzt nicht aufgehoben werden können, damit falsche militärische und diplomatische Nachrichten, die den inneren Frieden gefährden, unterdrückt werden können. Rückbeförüerung üer deutschen Kriegs- gefangenen. Berlin, 8. Juli. Von zuständiger Stelle wird erklärt: In einer von einem hiesigen Mittagsblatt gebrachten Meldung aus dem Haag ist von einer Besprechung zwischen dem Vorfitzenden der Deutschen Friedcnsdelegation Freiherrn v. LerSner und dem General- sekretär der Ententekonferenz Dutasta über die Rückbeförde- rung der deutschen Kriegsgefangenen die Rede. Hierin findet sich die Bemerkung, es stehe grundsätzlich fest, daß die Rücksendung der Kriegsgefangenen in gleichem Maßstabe erfolgen tolle, in welchem d e u t s ch e Z i v i I a r b e i t er in Frankreich zu den Wiederherstellungsarbeiten im zerstörten Gebiet eintreffen. Dieser Ausfassung muß auf das Entschiedenste entgegengetreten werden. Deutschland ist selbstverständlich bereit, an dem Wieder- aufbau in Nordfrankreich mitzuwirken und zu diesem Zwecke ge- schulte deutsche Arbeiter zur Verfügung zu stellen. ES ist'indes nicht angängig, die Bereitstellung dieser Arbeitskräfte in irgend- einer Weise mit der Heimbeförderung der Kriegsgefangenen in Zu- sammenhang zu bringen; diese hat vielmehr nach Art. 214 des Friedensvertrages ohne weiteres nach Inkrafttreten mit der größten Beschleunigung zu erfolgen. Die finanziellen öeüingungen für Gefierreich. Amsterdam, 0. Juli.„Daily Telegraph" meldet aus Paris, daß die finanziellen Bestimmungen im Friedens- vertrag mit Oesterreich anscheinend große Schwierigkeiten mit sich brächten, da man der Ansicht sei, daß sie den Grundsatz bekräftigten, daß die gesamte österreichifch-un garische Schuld mit Inbegriff der Kriegsschuld auf einer proportionalen Grundlage von allen Staaten, die auf dem Gebiete der früheren österreichisch- ungarischen Monarchie entstanden find, bezahlt werden müßten. Man könne also erwarten, sehr laute Proteste über den finanziellen Teil des Vertrages zu hören. Dieser Frage werde entschiedene Bedeutung beigemessen, da die Unzufriedenheit unter de« kleinen Staaten überaus gewachsen sei, obgleich diese Staaten sich nicht von ihrem Gefühl hätten hinreißen lassen und klug seien, nicht dem Beispiel BratianuS zu folgen. Die polnische Re- gier un g sei mit dem Teil des Vertrages, die den Schutz der ethnographischen Minderheiten und die Regelung gewisser Wirt- schaftlicher Grundsätze betrifft, sehr unzufrieden. Italien tue, obwohl es scheinbar mit der Friedenskonferenz einverstanden sei, sein Bestes, um sich für den im April erlittenen Mißerfolg zu ent- schädigen, während die Lage'n Ungarn und Kleinasien zu neuen Verwicklungen führe. Alle diese Anzeichen wiesen auf eine ernste Krisis hin. Wilsons finkunft in Amerika. Das Werk des Friedens hat erst begönne«. Newyork, 9. Juli.(Reuter.) Wilson ist gelandet und wurde von riesigen Menschenmengen begrüßt. Er fuhr nach der Earncgic-Hall, wo er eine Rede hielt und darüber sprach, was die Nationen von Amerika erwarten, welches diesen Erwartungen gc- recht werden müßte. Wilson erklärte, das Werk deS Friedens habe erst begonnnen, als der Friede unterzeichnet wurde. Amsterdam, 9. Juli. Den englischen Blättern vom 1. Juli zufolg: hat Präsident Wilson vom Dampfer George Washington aus drahtlos auf die Kritik der Männer geantwortet, die dafür ein- treten, daß Amerika zu einer Politik des isolierten ameri- konischen Nationalismus zurückkehren soll. Der Präsi- beut erklärte, daß Amerika sich in den Dienst der Menschheit stellen. müsse, und daß er wahrscheinlich einen Feldzug für dieses Ziel in den Vereinigten Staaten führen werde, weil er der Anficht sei, daß es notwendig sei, die Versicherungen auszuführen, die er der Pariser Konferenz bezüglich Amerikas Bereitschaft, seinen Teil an den Lasten aus der Neuordnung der Dinge zu über- nehmen, gegeben habe. Die Kaiserfrage. Amsterdam, 9. Juli. Laut Pressebureau Radio meldet„New Aork Herald", daß in Deutschland wieder«in neuer Natio- nalismus aufflammt, und daß die Alliierten dadurch, daß sie auf der Auslieferung des Kaisers bestehen, Oel in dieses Fetter gießen. Dasselbe Blatt meldet aus Paris: Die Franzosen fürchteten, daß bei einer in London stattfindenden Verhandlung gegen den Kaiser die Einflüsse der englischen Dr,- n a st i e, die mit den Hohenzollern so nahe verwandt seien, mit- d c r n d auf das Urteil wirken können. Tie amerikanischen Befürchtungen, von einer nationa- listischen Welle in Teutschland wegen der Kaiserfroge sind übertrieben. Deutschland empfindet es aber als eine Schmach. daß Deutsche vor ausländische Gerichte gezogen werden. Und daß diese elende Beleidigung Deutschlands in unserem Volke ihre Wirkungen üben wird, ist ohne Zweifel. Amsterdam, 9. Juli. Der parlamentarische Mitarbeiter der „Times" schreibt, das Unterhaus sei fest entschlossen, eins zu v e r- meiden, nämlich einen deutschen König zum Märty- rer zu machen. Die Ratgeber der Alliierteu in dieser Frage hätten sich bei den Beratungen, die dem in Paris gefaßten Be- fchluß borausgingen, di.se Tatsache ständig vor Augen gehalten. Tie„Times" vom 7. veröffentlicht einen Brief von Graham Bowrr, worin er den Beschluß, den Kaiser in London vor ein Gericht zu ziehen, für unklug und ungesetzlich erklärt und sagt, in England habe man sich schon längst davon überzeugt, daß es besser sei, einen Missetäter von einer Lücke in der Gesetzgebung profttie- reu zu lassen, als ihn auf ungesetzliche Weise zu verurteilen. Auch früher sei gegen Könige und Königinnen gerichtlich vorgegangen worden, aber in jedem derartigen Falle sei das Urteil innerhalb einer Generation von der öffentlichen Meinung umgestoßen wor- den und hätten sich die Sympathien dem Verurteilten zugewendet. Die türkischen Schwierigkeiten üer Entente. Aufstand im südlichen Kurdistan. Amsterdam, 9. Juli. Das britische KriegSamt teil�- mit, daß im Mai in Suleimanie im südlichen Kurdistan, hundert- siebenzig Meilen nördlich von Bagdad, ein Aufstand unter Fuh- rung deS Scheichs Mahmud ausbrach. Die britischen Truppen haben diesen Aufstand, der die Unabhängigkeit Kurdistans unter türkischer Suzeränität bezweckte, unterdrückt. Am 17. Juni ist die britische Kavallerie in Suleimanie eingerückt und hat die britischen Gefangenen befreit. Am 19. Juni ist die britische Haupt- macht eingetroffen. Scheich Mahmud, der ernst verwundet war, wurde gesangen genommen. Die Lage in Südkurdistan ist jetzt befriedigend. Gebietsteile Verwahrung gegen das Unrecht ein, das den Ländern und der Bevölkerung dieser Gebiete geschehe. Desgleichen der Abg. Waldstein(Dem.) im Namen der Abgg. Schleswig- Holsteins. Präsident Fchrenbach: Ein echter deutscher Stamm kann in dieser Stunde nicht zu Ihnen sprechen, Elsaß-Loihringen. Ich fühle mich vor der Nationalversammlung verpflichtet, mich der Ver- Wahrung der Vertreter der anderen von Deutschland losgerissenen Gebiete anzuschließen. Abg. Schiffer(Dem.) zur Geschäftsordnung: Vor Eintritt in die zweite Beratung bitte ich um Einlegung einer Pause. Der Präsident beraumt die nächste Sitzung um 12Va Uhr an. Das Haus gehl zur zweiten Beratung des RatifiziernngSgcsctzes über. Jnzwiichen haben die Deutschnationalen ihre Eutschücßung umgeändert zu einem Abänderungsantrag zum Gesetzentwurf selbst, so daß dieser lauten würde, der Unterzeichnung des Friedensvertrages werde zugestimmt unter Vorbehalt, wie es in der Ent- schließung ausgesprochen war. Abg. Dr. Schiffer(Dem.): Wir werden gegen den Antrag �"mmeil und bedauern, daß er überhaupt eingebracht wurde.(Sehr richtig!) Abg. Groeber(Z.): Sonderbar genug lag uns der Antrag der Deutschnationalen erst in letzter Minute nur in einem Exemplar in der Hand des Präsidenten vor. Heute heißt es nur: entweder dafür»der dagegen stimmen. Welchen Zweck Sie(nach rechts) mit ihrem Antrage verfolgen, darüber ist niemand in diesem Hause im Zweifel.(Sehr wahr und lebh. Zustimmung b. d. MehrheilSparte, en.) Sie wollen ihre Parteisuppe an diesem Antrag« kochen.(Sehr wahr u. lebh. �Zustimmung b. d. Mehrheitsparteien); aber wir wollen dafür sorgen, daß ihnen dieses Manöver nicht gelingt.(Lebh. Zustimmung b. d. Mebrheitsparteien.) Abg. Schultz-Bromberg(Dnat. Vp.): Daß der Antrag, den wir in letzter Stunde eingebracht haben, noch nicht gedruckt vorliegt, ist nicht unsere Schuld, das Bureau ist nicht in der Lage gewesen, ihn zu Truppen. Unser Antrag ist der letzte Schrei nach Gerechtigkeit eines Volkes, daß dem Untergange bestimmt ist.(Beifall rechts.) Reichsminister des Auswärtigen Müller: Ich bedauere ganz außerordentlich, was wir in dieser historischen Stunde erleben müssen. Im übrigen glaube ich: die Zeit der Borbehalte ist vorbei, heute kann es nur ein Ja oder Nein geben. Was würden unsere .Feinde in diesem Antrag sehen? Nichts weiter als ein letztes Manöver, eine letzte Schiebung.(Sehr richtig I und leb- hafte Zustimmung d. Mehrheitsparteien,) Ich glaube die Schieber- geschäste auch in der Politik müssen ein für allemal Vorbeisein. Nur mit loyalen Mitteln können wir die Revision des Vertrages er« reichen, aber mit solchen Anträgen wird sie schlecht eingeleitet. Abg. Lorbe(Soz.): Das Generalsekretariat der Deutschnatio- nalen Volkspartei hat hier kundgegeben, daß die Situation der niederschmetternden FriedcnSbedingungrn agitatorisch ausgenützt werden müsse.(Hört, hört l) Die Abstimmung ergibt die Ablehnung deS Antrages der deutschnationalen Volkspartei gegen die Stimmen der Antrag- steller und einiger Mitglieder der deutschen Volkspartei und die Annahme des Gesetzentwurfes ohne Aenderungen. Auf Vorschlag des Präsidenten Fehrenbach tritt daS Haus zugleich in die dritte Beratung ein. Das Wort wird nicht verlangt. Auf Antrag des Abgeordneten Richter- Ostpreußen(Dt. natl.) erfolgt namentliche Abstimmung. Daran beteiligen sich 323 Abgeordnete: 203 mit ja, 116 mit nein. Damit ist das Gesetz angenommen. Schluß 1,20 Uhr, Nächste Sitzung Mittwoch, nachmittag 3 Uhr. DaS neue Sprachrohr der Regierung. DaS„Z-Ubr-Abendblatt" wird in jüngster Zeit mit besonderer Vorliebe als PubbikationS- organ der sozialdemokratischen Minister benützt. Nach Südeku m, Icheidcmann und Ha enisch hat das Blatt am Dienstag abend auch vom preußffchen Ministerpräsidenten Hirsch einen Artik-l veröffentlicht. Der Schlußakt. Von Josef Altmaie r. ES ist still geworden in Versailles, im Schloß, im Park und im Hotel des Reservoirs. Brockdorff-Rantzau, der seinsinnige Mensch und gewandte Diplomat, vor dem selbst die Franzosen große Ach- tung haben, ist abgereist mit der Delegation und dem Schwärm der Sachverständigen, unter denen mancher der besten Köpfe Deutsch- lands zu finden ist. Der emsige Fleiß ist verschwunden, der alle Räume von oben bis unten Tag und Nacht durchzog. Selbst die Journalisten sind lässig geworden, unter denen sonst eine wilde Hetzjagd und ein heimliches Ringen tobte um Nachrichten, Telephon und Telegraph. Während sonst die zahllosen Schreibmaschinen wie Maschinengewehre knatterten, hört man jetzt nur noch langsam und selten das Tipp tippl Im Park sieht man keine anfgeregten Grup- pcn mehr. Die Wenigen, die zurückgeblieben, füttern sogar die Fische, Morgens kommt höchstens ein Kurier auS Deutschland, und die Abfahrten vollziehen sich des Abends still und geräuschlos. Ein einziges Zluto genügt für Gepäck und Reisende, nur drei, vier drücken den nach Deutschland Fahrenden die Hand, wo sonst Dutzende in der Dämmerung standen, Zlbend für Abend und einen Gruß mit- gaben nach Teutschland, nach dem sie Sehnsucht hatten, Heimweh, irotz des Ueberflusses, in dem man schwelgen konnte. Heimweh nach dem armen, ausgehungerten Land, zu dem man gehörte und vor dem man sieh innerlich schämte, wenn man an den vollbesetzten Tafeln saß, die uns Frankreich fiir teures Geld hinstellte. Man hört nicht mehr Klavier, Flöte und Grammophon in dem SitzungSzim- mer der Delegation, die dort spielten, wenn die Delegierten be- rieten. Die Franzosen, die dort Mikrophone angebracht hatten, um von Ferne die Gespräche abzulauschen, konnten höchstens, wenn Richard Wagners„Lied an den Abendstern" gar zu mißtönend hinausklang,„Unstimmigkeiten in der Delegation" feststellen. Das Klavier klang nicht mehr, nicht mehr tönte die Flöte und kein Grammophon krächzte. Tie Funkenstation auf dem Dach war ab- gebaut, abgefahren der Wagen mit der Druckerei aus dem ehe- moligen großen Hauptquartier, die Telegraphenbeamten, die schon in Brest-Litowsk dabei waren, lagen jetzt faul im Grase und des Nachmittags stauten sich nicht mehr vor den Staketen unseres Ge- iängnisscs die neugierigen Pariser, die einmal einen„Boche" sehen wollten. Still war es geworden. Im Park, im Hofe und in den Gebäuden, Der Tag des Schlußaktes war gekommen. Von Tag zu Tag war die Ungeduld Frankreichs gewachsen. Die Zeitungen schimpf- ten, daß„nur" ein Müller zum Unterzeichner bestimmt wurde. Ein Graf oder Baron wäre ihnen lieber gewesen, ihnen, den Republi- kanern, denen ein Titel ein Stück„Gloire" bedeutet. Endlich kommen die Blätter, die Photographien von Müller und Bell bringen, das Rätselraten hatte aufgehört:„morgen ist der Tag des Ruhmes, der große Tag." Am Abend vorher erwarteten die Pariser Bericht- «rstatter und Photographen zäh und ausdauernd die Ankunft und warteten dennoch vergeben», denn der Zug hatte gut vier Stunden Verspätung und traf erst morgens gegen drei Uhr in Moissh ein, statt in Paris. Samstag morgen. Trompetenfignale und Reitergetrampel wecken Versailles aus dem Schlaf. Kompagnieweis« ziehen die Regimenter vor den Trianonpalast und sperren ihn und die um» liegenden Straßen. Die Stadt gleicht einem einzigen bunten Heer- lager. Feldmarschmäßig bepackt liegen die Infanteristen auf den Bürgersteigen. An den Straßenkreuzungen flattern die weiß-roten Fähnchen der Kavalleristen. Jedes Hau? trägt üppigen Fahnen- schmuck in den satten Farben Frankreichs und seiner Verbündeten. Auto folgt hinter Auto. Offiziere und Generäle in Gala, dicht fluten die Massen aus Paris, das kommende Schauspiel zu erleben. Um ein Uhr hebt sich der Vorhang. Die ersten Wagen kommen. die wenigen„Auserlesenen" dieser Erde bringend, die in den «piegelsaal dürfen. Zwei Uhr! Fünfzehn deutsche Pressevertreter sind zugelassen, fünfzehn Deutsche werden zum Trianon geleitet. Niemals war ein Gang so schwer. Zum Begräbnis! Es war als begleite uns Beethovens Adagio, unsagbar traurig, klagend um ein Volk von sechzig Millionen Menschen, das von stolzer Höhe in den tiefsten Abgrund gestürzt war. Weinend um die Toten, die Mütter, die Krüppel; um die Väter, die Söhne und Freunde? Schluchzend um die fünfzehn Millionen Franzosen, Deutsche, Russen, Oester- reicher, Italiener, Engländer, Belgier, Neger, Kanadier, um die fünfzehn Millionen, die in den Massengräbern faulen! Jammernd um das entsetzliche Elend der vergangenen Jahre, um die nieder- gebrannten Städte und der heimatlos Gewordenen. Erinnernd an das Glück und den Frieden vor 1914, den Segen der Felder, an die Früchte der Arbeit, an alle die Kränze und Bänder, die die Ein- tracht und die Wohltat der Völker gewoben hatten. Schatten kommen! Es klagt und zeigt. Die Schützengräben, die Blutfelder, die grausen Nächte und sonnenloeren Tage. Schmerzlich klagt eS im wunden Herzen, daß kein frischer Frühlingswind den Haß und die Rgche hinwegfegt. Es ist, als müsse man aufschreien, nach Luft, nach Versöhnung, nach Menschen, als wären wir allein und verlassen in einer weiten, weiten, wasserlosen, dürren Wüste. Und doch mußten wir uns durch Tausende zum Eingang durchkämpfen, brandete der Ruf von Zehntausenden an das Ohr, die die Mäch- tigen dieser Erde begrüßten. An jedem Eingang stehen Riesen- Wächter in Paradeuniform und ein« Elfässerin in Nationaltracht erinnert an den„Sieg" Frankreichs. Es sind nur einige Tausend, die Zutritt zum Park haben, wo die großen Waffer zum erstenmal seit fünf Jahren spielen. Es sind nur einige Hundert, die in den zweiten Ring eindringen dürfen, der die Wege zum Schloß einschließt. Es sind nur einige Dutzend, die vor der Terrasse stehen können. Was muh da drinnen vor sich gehen? Wir Deutsche haben unsere Plätze in der letzten Reche und unsere beiden Delegierten sind eingereiht zwischen den Vertretern der südamerikanischen Negerrepubliken. Im Spiegelsaal«in wüstes Durcheinander, Rufen, Schreien, Schwatzen. Di« Mehrzahl der Anwesenden steht auf den Bänken, nach der Mitte schauend, zum Schreibtisch,-wo der goldene Federhalter liegt, den gestiftet zu haben sich Elsatz-Lothrtngen rühmt, die Schulkinder der verwüsteten nordfranzösischen Gebiete und na» tionale Vereine, die sich um die Ehre streiten. Unsere Klage zer- rinnt beim Anblick des Saales, dessen Menfckengewoge und Getriebe einem Renntag gleicht. Dunkle Fräcke, weiße Westen: Frankreich! Sportanzüge: England und Amerika! Schwarze Jacken und rot« Rosen im Knopilcch� Japan! So leuchtet eS in allen Farben. Und es schwirrt in allen Sprachen der Welt, wie beim Turmbau zu Babel, dem der Bertrag ähnelt, der den Krim beenden soll. In einer Ecke kurbelt ei« Amerikaner für? Kino. Hunderte von photvgraphischen Apparaten knipsen. Jeden Augenblick werfen Engländerinnen ihren Taschcnkodax hoch, um irgend einen berühmten Mann auf der Platte festzuhalten. Hoch oben auf einem Marmorvorsprung sitzt ein Maler, ein Begleiter hält die Farben und eifrig fährt der Pinsel über die Leinwand. Drückende Schwüle! Ein Fenster wird ge- öffnet.„Es zieht! Es zieht!" schreien einige Damen. Schimpfen, Streiten, ein Huissier schließt das Fenster.„Setzen, setzen", rufen Dutzende. In den schmalen Gängen schieben, drücken, stoßen und ereifern sich die Offiziere, Zivilllsten, Wächter, Damen und sogar Halbweltdamen, die hmingeschnmggelt werden. Händeklatschen: Wilson, Clemenceau und Lloyd George betreten den Saal. Das Gedränge und Schubsen verstärkt sich. Die drei Gewaltigen unterschreiben den Herandrängenden unmishörlick» Postkarten und Fest- Programme. Drei Uhr! Ein Stockzeichen! Tiefe Stille! Tie deutschen Delegierten betreten den Saal, verneigen sich knapp und werden auf ihre Plätze geführt. Niemand steht auf, keiner erwidert den Gruß! Jetzt schneidet Clemenceaus scharfe, bissige Stimme die Luft. Müller und Bell werden an den Tisch in der Mitte geführt, alle Photographen arbeiten, die Kurbel des Kinooperateurs rasselt leise! Drei Urkunden werden unterschrieben, Clemenceau beugt sich vor, stützt den Kopf auf die Hand, läßt wie ein Tiger kein Auge von den Deuffchen. draußen donnert der erste Schuß. Clemeneeau lehnt sich zurück. Ein Ausahnen! Sie haben unterschrieben, ohne Protest, kein Wort mehr als den Namen. Wilson, erhebt sich, ihm folgen seine Ratgeber. Amerika leistet die Unterschrift. Wilson geht zurück und wirft«inen kurzen Blick auf seine an der Wand stehende Gattin. England folgt und jetzt Frankreich. Von Paris her rollt der Donner der Geschütze; Maurice Barres, der unter den Zuschauern sitzt, lächelt? Der Triumph eines Lebews. Unterschrift folgt mtf Unterschrift. Jetzt taucht der weiße Kopf deS Geigenkünstlers und polnischen Staatsmannes Paderewski auf, der alle Blicke auf sich zieht und dessen intimes Verhältnis zu Wilsons Gattin noch einmal die Geschichtsschreiber beschäftigen wird. Ter Maharadscha von Bikcmir trägt als einziger im Saal«ine Kopfbedeckung, den Turban. Nachdem er gezeichnet, erlahmt das Interesse der Zuschauer. Die Nebensäle füllen sich, wo ein lebhafter Briefmarkenverkauf stattfindet. Hunderte drängen sich um den Be- amten, der den eigen? für diese Stunde hergerichieten Poststempel unermüdlich aus die Marken drückt. Andere lassen sich Visitenkarten stempeln oder Brieftaschen, und einer sogar, der sicherlich den Geiil des„Friedensvertrages" am besten erfaßt hat: das Porten oroiaie. Kurz vor fünf Uhr sind die zwölf Unterschriften geleistet. Clemcn- eeau verkündet den Frieden und bittet die Anwesenden sitzen zu bleiben, bis die Deutschen hinausgeleitet sind. Inzwischen donnern die Kaitonen aus allen Richtungen, die großen Wasser springen, daS Publikum hat alle Schranken durch- brochen, die unendliche Reihe der Tausenden von Automobilen geben Signale, die Sirenen heulen, Wilson, Clemeneeau und Lloyd Georg« müssen vor der jubelnden Volksmenge flüchten nnd den Weg durch unser abgesperrtes Gebiet nehmen, am Hotel deS Re- servoirS vorbei. Einige Stunden später sitzen wir im Zug. Di« Nacht leuchtet rot vom Raketenfeuer. Wir denken an die 15 Millionen Tote, an alle Mühseligen und Beladenen, an die KomÄne im Trianon. und es ist, als hörten wir den Himmel in ein unendliches Gelächter ausbrechen über den Vertrag vom 28. Juni 1919, die Frucht eines fünfjährige« Weltkrioge»! Nr. 347 ❖ 36, Jahrgang 1. Seilage öes vorwärts Vonnerstag, 16. IuK1416 Die neuen Steuern vor öer Nationalversammlung. hl. Sitzung, Mittwoch, den 9. Juli 1919.(Nachmittag.) Am Regierungstisch: Bauer, David, Erz- berger. Bell. Präsident Fchrenbach eröffnet die Sitzung 3 Uhr 26 Minuten. Die erste Beratung der Steuervorlage n wird fortgesetzt. Abg. Dr. Graf PosadowZky(Dnat.) mifcert Zweifel, ob die Nationalversammlung überhaupt der zu- treffende Ort für die Beratung von Steucrvorlagen sei.(Lebhaftes Hört! Hört!> Das deutsche Volk hat ungeheuere Lasten aufzu- dringen, die seine harte Lage noch verschlimmern. Die Jahreslast von 26 Milliarden Mark, die wir aufnehmen muffen, entspricht einem BoltSrcrmögen von 500 Milliarden Mark, obwohl das deutsche Volksvermögen im Frieden nur auf dreihundert Milliarden Mark geschätzt wurde. Der Steuerbetrag von jährlich 25 Milliarden, den der Finanzminister berechnet, kann sich noch erhöhen. Der Vermehrung des Vermögen? durch F l e i st und Sparsamkeit ist der Kriegsgewinn nicht ohne weiteres gleich- zuictzen. Hinsichtlich der Erbschaftssteuer wollen wir ange- sichis der Not der Zeit von unseren Grundsätzen nachlaffen. Da- gegen ist bei der riesigen direkten Steuerlast ein Ausbau auch der indirekten Steuern unbedingt geboten. Mit der Rayonsteuer, Vergnügungssteuer, Spielkartensteuer und Zündwarensteuer kann man einverstanden sein. Wir würden der grasten Vermögensabgabe, die 80 bis 90 Milliarden ergeben soll, nicht zustimmen können, wenn sie zu einer plötzlichen Tilgung eines, grasten Teils unserer Schulden dienen soll. Denn die plötzliche Herausziehung von 80 bis 90 Milliarden aus unserem Wirtschaftsleben würde unserer Volkswirtschaft neuen Verlust bringen. Mit der Arbeitslosenunterstützung mutz ausgeräumt werden; vor allein fordere ich von der Regierung eine Nachkontrolle und eine Stalistik der Ausgaben der Arbeiter- und Soldatenräte. .(Beifall rechts.) . Reichsfinanzminister Erzbcrger: Sämtliche Redner bekundeten den ernsten Willen, an der Sa- nicrung der Finanzen mitzuarbeiten. Graf Posadowsky beklagt. daß die Stabilität im Reichsfinanzministerium geschwunden sei, aber auch früher kamen und gingen die Finanzminister in schneller Folge, und sie erfüllten nie, ivaS sie beim Amtsantritt gesagt hatten.(Ruf rechrs: Das Zentrum machte Schiirierigketten!) Das Zentrum hat gerade in allen Finanz reformen■ ausschlaggebend mitgewirkt. Ich werde alle Energie aufwenden, um �. die Finanzschwierigkeiten zu beseitigen. Ich Echte nicht um ein mildes, sondern um ein gerechtes Urteil. Mein Urleil war nicht nur gerecht, sondern äußerst milde.(Wider- spruch rechts.) Staatssekretär H e l s f e r i ch hat sich jeder ordcnt- lichen Steuergesetzgebung, namentlich der KriegSgewinnsteuer widersetzt, sie glatt abgelehnt, wie überhaupt jede durchgreifende Finanz- j reform während des Krieges. Wer das Gegenteil behauptet, besitzt lein finanzpolitisches Urteil. Nach dem grundlegenden Gesetz über die vorläufige Neichsgetvalt vom 10. Februar ist die Verfassung- - grvende Versammlung berufen, dringende Rcichsgesetze zu be- schließen; das Dringendste ist aber die Sanierung unserer Finan- zen.(Sehr richtig!; Wir würden unsere Aufgabe nicht erfüllen, inörden wir diesem Reform nicht beschleunigt verabschieden. Der Gesamtbedarf des Reiches kann tatsächlich nicht durch direkte � Steuern allein gedeckt loerden. Das große Reservoir, aus dem wir die 25 Milliarden jährlicher Belastung aufbringen, wird das Ar- GitSeiilkommen bleiben. Es muß also in den verschiedensten F rmcn mitbesteuert werden. Gegen den Partikularismus kann die Reichsfinanzverwaltung angesichts der Vermehrung ihrer Kom- petenz kräftiger auftreten. Nur ein schlechter Finanzminister v. iirde davon keinen Gebrauch machen.' Ter Friedensvertrag schafft ganz neue Verhältnisse in der Struktur Deutschlands. Der wird ganz ander? wirken, als diejenigen glauben, die ihn uns ausge- zwungen haben. Wie Napoleon nicht bindern konnte, daß Deutsch- l ud später zu einem Staate wurde, so wird aus dem jetzigen'Frie- den, der nicht dauern wird, einst der deutsche Nationalstaat entstehen. Er wird Deutschland als geschlossenen Nationalstaat entstehen lassen. In dieser Richtung wird auch der Finanzminister wirken. Der Staatenausschuß wünschte eine frühe Veröffentlichung der Gesetze nicht,»m nicht unter dem Druck der Oeffentlichkeit zu sieben. Ich meinerseits werde das meinige dazu tun. Für die Ein- nahmen auS der Zuwachssteuer haben wir die Verwendung nicht ' angegeben und sehen dein Beschlüsse der Versammlung darüber entgegen. Wir können aber unter Umständen dann keine Bürg- ichaft übernehmen, daß eine Balancicrung unserer Finanzen zu- stände kommt. Grundsatz bleibt, daß laufende Ausgaben aus laufenden Einnahmen gedeckt werden, und das andere, daß die Steuern zusammen verabschiedet werden. Wenn wir gute, Volks- wirtschaftlich nützliche Arbeit leisten wollen. Die Steuerflucht ist nicht eine Folge der Revolution, wie Graf Posadowsky behaup- tet Hai; es sind doch die besitzenden Kreise, die die Revolution be- nutzt haben, um vor der Steuer auszukiicifcn. (Lebhafte Zustimmung links.) Die besitzenden Klaffen haben dadurch ihrer Vaterlandsliebe ein äußerst trauriges Zeugnis ausgestellt.(Andauern- der lebhafter Beifall links.) Ich bestreite, daß aus meiner Rede ein Gegensatz zum Besitz berausgeklungen haben soll. Auch ich bin der Meinung, daß alles Kapital in unserer Volkswirtschaft arbeitet. Es kommt doch aber auch darauf an, für wen es arbeitet, wer die Gewinne einstreicht. Ich wandte mich gestern gegen die lieber- kapitalisierung und glaube, daß mit mir Gras Posadowsky, den ich ql? sozial denkenden Politiker kennen gelernt habe, der Meinung ist, daß in früheren Zeiten das Kapitaleinkommeti nicht scharf genug besteuert worden ist.(Graf Posadowsky nickt zustimmend.) Die Vergeudung des HeereSgutes ist nicht nur der Eigenmächtigkeit einiger Arbeiter- und Soldatenräie zuzuschreiben, sondern eine Folge der Pslichtversäumnis militärischer Stellen und mancher Verwaltungsorgane.(Zuruf bei den lln- abhangigen: Die Offiziere baben alles verschoben!) Das weiß ich nicht, aber dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie mir solche Fälle nachweisen könnten. Zum Kapitel der Sparsamkeit nur eins: Für sozialisierte Betriebe bin ich als Finanzminister nicht in der Lage, Zuschüsse aus den Mitteln der Allgemeinheit zu geben. Wenn die Pastverwaltung z. B. so teuer arbeitet, daß sie für 1918 mit einem Defizit von 500 Millionen abschließt, so muß eben das Publikum mehr zahlen. Tie Gehälter der Postbeamten sind keinesfalls zu hoch, im Gegenteil, gegenüber denen weiter Arbeiterkreise sind sie zum Teil als zu niedrig anzusehen. Weiteren Forderungen aber entgegenzukommen, ist undciiklor, denn das wäre ein- Schraube ohne Ende. Die einzige Abhilfe liegt darin, systematisch auf eine Senkung der Preise hinzuarbeiten, und zwar nicht nur der Preise für Lebensmittel, denn die sind im Auslände fast ebenso hoch, sondern in erster Linie für Kleider und Schuhe. Das muß und das wird geschehen, denn ein absolut uiivcrschnldter Beamtrnstand ist da? erste Erfordernis für eine Wieder gefundung Deutschlands. (Beifall.) Abg. Wurm lll. Soz.): An den Sünden der Vergangenhcii, an der leichtsinnigen Fiiianzwirtschaft trägt das Zentrum die größte Schuld. Helfen kann uns nur eine Sozialisierung im Sinne von Marx und Engels, also eine Sozialisierung, die wirklich der All- gemeinheit zugute kommt. Dann wird auch für die Arbeitermasse das Wort gelten: arbeiten und nicht verzweifeln.(Beifall bei den U.-Soz.) Abg. Dr. Bcckcr-Hessen(D. Vp.): Tie Kritik, die Herr Erz- berger an der Amtsführung seines Vorgängers Hclfferich geiiiEt hat, war zum mindesten in der Form sehr eigenartig, denn sie geht direkt an die Ehre des betreffenden Beamten.(Sehr richtig! rechts.) Eine, solche Kritik war schon deshalb unangebracht, weil sie von der sicheren Tribüne dieses Hauses aus(Zuruf rechts: Ausgezeichnet!) erfolgt einem Manne gegenüber, der sich hier nickst verteidigen kann. Bei einer kürzeren Dauer des KrßegcS wäre die Helfserichschc Finairzpolitik zweifellos erträglich, wenn nicht viel- leicht die einzig richtige gewesen.(Sebr richtig! rechts.) . Erfreulich ist, daß der Streit zwischen Reich und Einzclstaaten über die Ausnutzung der Steuerquellen verschwunden ist. Dieses ganze Bündel von Steuern ist zusammenhanglos und cS fehlen vie Hauptstücke wie die Erhöhung der Postgebühren, die große Per- mögensabgabe und die Umsatzsteuer. Auch wir� verlangen die absolute Sicherheit der Kriegsanleihe. DaS Kindeserbe darf nicht so scharf herangezogen werden, wie die Vorloge es will. Mit altprcutzkfcher Sparsamkeit müssen wir uns wieder emporhungern. Sie muß ansetzen an allerhöchsten Stellen in dem Ministerium und bei den Ministcrn selbst. Der Volks- körper darf durch>zu starke Kapitalsentziehung nicht blutlos ge- macht werden. Fortdauernde Einnahmen sind für Staaten und Gemeinden wichtiger als noch so hohe allgemeine Abgaben. Tie Steuergesetzc dürfen nicht zur Konfiskation oder nach dem yeuti- �gen Ausdruck zur Sozialisierung führen. Damit schließt die Besprechung. Die sämtlichen Steuervor- lagen werden an drei Ausschüsse von je 28 Mitgliedern verwiesen. Das noch zur dritten Beratung stehende Reichssiedlungsgesetz wird an den Ausschuß zurückverwiesen. Nächste Sitzung: Donnerstag 3 Uhr.(Verfassungsentwurf.) preußische Lanöesversammlung. 42. Sitzung, Mittwoch, den 9. Juli 1919. Am Ministertisch: F i s ch b e ck. Präsident L e i ne r t eröffnet die Sitzung um 1.15 Uhr. Die Aussprache über die Handels- und Gewerbeverwaltung wird sortgesetzt. Abg. Düker(Dem.) bringt Wünscher der Handwerker vor. Es ist notwendig, HeereSgerät den notleidenden Handwerkern zur Ver- fügung zu stellen. Abg. Ehristange(U. Soz.) fordert Maßnahmen gegen den un- geheuren Preiswucher, der sich überall breitmacht. Der Red- »er bespricht die Fragen der Pl a n wi r t s ch a f 1. öandclSministcr Fischbeck: Im Mittelpunkt der Erörterung ha! �cr Mittelstand, das Handwerk undJjaS Kleingewerbe gestanden. Ter gewerbliche Mittelstand gehört tatsächlich zu den Hauptleidtragenden des Krieges. Wir sind bemüht gewesen, dem sstandwerk Rohstoffe zuzuführen, ihm am HeereSgut seinen Anteil zukommen zu lassen, ihm Kredit zu eröffnen. Eine Haupt- aufgäbe vieineS Ressorts wird in der Pflege des Genossenschaftswesens l-egen, auf dem ja jetzt die früheren Gegensätze ausgeglichen und in gemeinschaftliche Arbeit ans dem Boden der Selbsthilfe zu- sammengeflossen sind. Ich werde unsere Bemühungen, dem Handwerk Aufträge und Arveit zu verschaffen, fortsetzen, und auch für die Ausbildung des Nachwuchses, �soviel At UNU liegt, Sorge tragen. Das Mitbestimmungsrecht des Arbeiter? wird akzeptier� soweit es in den Grenzen bleibt, daß die P r v d"u k t i o n S f ä h i g- k e i t deS Betriebe» dadurch nicht gehindert wird. DaS KoalitionS- recht wird nichKallein vom Recht auf Streik ausgefüllt; der Streik ist erst das alleräußerste Macht- und Abwehrmittel nach srnckstlosen Versuchen friedlicher Verständigung. Unterschriebene Abniawungen sind auch ein B e st a n d t e i l des Koalitionsrechts,' und derjenige handelt gegen daS geheiligte Recht der Ar- beiierkoalition, wenn er Tarif ver träge und' Abmachungen beiseite schiebt und willkürlich unter Bruch der Verträge zum Streik greift.(Lebhafte Zustimmung.) Wa? nützt Ihnen die schönste Regierung, wenn die ganze Volkswirffchast ruiniert ist? Zu einer Senkung derP reise kommen wir nur, wenn der Kaufmann um der Konkurrenz willen wieder gezioungen ist, nach Groschen und Pfennigen zu rechnen. Jede Förderung jedem ehrlichen Streben! DaS soll der Grundsatz sein, von dem alle Wünsche und Projekte in meinem Ministerium im Hinblick auf das Ziel der Wiederaus- richtung unserer Wirtschaft geprüft werden sollen.(Beifall.) Damit schließt die Beratung. Der Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung wird bewilligt. Die zu dem Etat gestellten Anträge de? H a n d e l s a u s- schusseS gelangen fast durchweg zur Annahme. Angenommen werden die Ausschußanträge betreffend Schutz des Koal�tions- rechts, gegen Tertlorismus, betreffend A 6� a u der Zwangswirtschaft, betreffend S o z i a I i s i e r u n g und K o m m u n a l i s i e r u n g im Handwerk, Sozialisierung und G:- meinwirtschaft im Handwerk, auf Förderung des Genossen- s cb a f t>5 w e s e n S, sowie über das Verbot deS Stratzenhandels mit Süßigkeiten. Durch Auszählung wird mit 139 gegen 114 Stimmen der beiden sozialdemokratischen Parteien auch der Antrag deS HandelSausschusseS angenommen, wonach in die preußische Verfassung die Bestimmung ausgenommen werden soll:„Der kauf- männische und gewerbliche Mittelstand ist lebenskräftig zu erhalten und insbesondere gegen Aufsaugung zu schützen". ES folgt die erste Lesung der Vorlage auf Abänderung der Zusammensetzung der Schuldeputattonen, Schulvorstände und Schulkommiffionen. Geheimrat Götsch bringt an Stelle des durch die Nationalversammlung in Weimar am Erscheinen verhinderten Kultus- minister? die Vorlage ein: Der Regierung liegt außerordentlich viel an der schnellen Verabschiedung de? Entwurfs. Der Schulvorstand soll nicht mehr ernannt, sondern gewählt werden. Das enffpricht dem demokratischen Grundsatz. Dann werden die Frauen den Männern gleichgestellt. Dann hat die Regierung die Frage geprüft, ob die Zugehörigkeit der Geistlichen als geborene Mitglieder zu den Schuldeputationqn beibehalten werden soll od»: nicht, Sie hat diese Frage nach eingehender Prüfung unter Zu» rückstellung gewisser Bedenken verneint. Einmal schwebt ja die gesetzgeberische Lösung der Trennung von Kirche und Staat und dann haben die Geistlichen das passive Wahlrecht erhalten, so daß sie zu Mitgliedern der'Schuldeputationen gewählt werden können. Abg. König(Soz.): Wir sind mit der Vorlage einverswnden. Sie ist dringend notwendig.»Perbesseruitgsvorschläge beHallen wir unS vor. Der Grundgedanke der Vorlage ist, daß nur Männer de? Vertrauens in die Deputattoiten gewählt werden. Genießt der Geistliche da? Vertrauen der Gemeinde, so wird er gewählt werden, genießt er es nicht, so gehört er in die Deputatton nicht hinein,(lln ruhe im Zentrum.) Von einer Verletzung religiöser Gefühle kann nicht die Rede sein. Vielmehr erleichtert gerade diese Vorlage das Zu» sammcnarbeiten aller Volksschichten. Wir wünschen über die Bor- läge hinan? , sofortigen Wegfall des BestätigungsrechtS. Das Bestättgungsrecht hat früher viel Erbitterung hervorgerufen, weil vielfach die polfiische Gesinnung' den Ausschlag gab, nicht die Tüchtigkeit. Sogar heute soll so etwa? noch vor- kommen.(Hört, hört! links.) Wir wollen das Bestätigungsrecht restlos beseitigen.(Bravo! lbei den Sozialdemokraten.) Abg. Rürup(Z.): Da? Gesetz richtet sich gegen den Einfluß der Kirche auf die Schule. Es will den Zustand beseitigen, daß der Geistliche von Amts wogen der Schuldeputation angehört. Er soll sich einer Wahl unterziehen müssen. Nun ist ja anzunnhmen, daß der Geistliche in den meisten Fällen das Vertrauen genießen und gewählt werden wird. lZurufe links: Na also!) Aber diese Einschränkung wird neuen Zündstoff unter die gläubigen VolkSmassen werfen.(Sehr richltzZ! im Zentrum.) Wir können der Vorlage so nicht zustimmen. (Zuruf link?: Regierungspartei!) Die Kinder gehören in erster Linie der Familie, in zweiter Linie der Kirche(!!) und >in dritter Linie dem Staat.(Hört, hört! links.) Di« Schule i st gewiß eine staatliche Einrichtung, aber sie muß auch sein«ine H i l f s a n st a l t der Kirche.(Unruhe links.) Der Geistliche gehört in alle Schuldeputationen hinem, damit der Einfluft der Kirche erhalten bleibe.(Sehr richtig! rechts. Widerspruch links.) Der dringend notwendige innere Friede ist schwer gefährdet, wenn das so bleibt.(Unruhe links.) Die Eicsinnungsgemeinfchaft mit un- sercn Landsleuten in den gefährdeten Bezirken des Westens wird damit einer starken Belastungsprobe ausgesetzt.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.'Stürmische! Hört, hört! links.) Schließ- lich protestieren wir gegen i einen Artikel im„Vorwärts" vom Sonntag, überschrieben:„Erpresserpolitik des Zentrums". lHört. hört! im Zentrum.) Dort ttssrd gesagt, daß da? Zentrum die höchste Not des Vaterlandes für seipe_firchkichen Zwecke aus- zunutzen suche.(Sehr richttg! bei den Soz.) DaS sind nichtsnutzige und haltlose Verdächttgungen. Wir wehren uns gegen eine Beseitigung alter begründeter Rechte.(Zuruf links: Vorrechte!) Im demokratischen Volksstaat muß Freiheit auch'für die gläubigen Teile des Volkes herrschen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Otto(Dem.): Wir haben Bedenken gegen die Wahl deS Schulvorstandes, weil wir nicht glauben, daß auf diese Weise ftniner'der geeignetste Mann zum Vorstand gyvählt werden wird. Die Haltung des Zentrums ist ja sehr interessant. Sozialdemokraten, Demokraten und Zen» trum haben die Regierung gotildet und haben sich auf ein Kultur- Programm geeinigt, das im Auftrage dieser Parteien vom Minister- Präsidenten verkündet worden ist. Wir sind fest entschlossen, an diesem Kulturprogramm festzuhalten, dem damals ' auch das Zentrum zugesttmmt hat.(Lebhafte Zurufe im Zentrum: Nein!) Gewiß, Sie haben einige Einschränkungen gemacht, aber Sic haben dem Pragramm zugestimmt.(Widerspruch im Zentrum.) Wenn Sie nun heute sagen, daß wir, weil wir an dem Programm festhalten, den inneren Frieden störten, so ist das ein Verhalten, daS vielleicht in den Gesichtskreis des Zentrums paßt, für da? uns aber jedes Verständnis fehlt.(Sehr vichtig! links. Unruhe im Zentrum.) Gegen die Behauptung, daß die Schule eine Hilfsanstalt der Kirche ist, legen wir schärfste Verwahrung ein. Die Schule ist in jeder Beziehung gleichberechtigt. Abg. Lukossowitz(Dnat. Vp.): Auch wir haben Bedenken gegen die Wahl desT Schnlvorstandes. Bei dieser Wahl wird nicht immer der Lehrer und der Geistliche gewählt werden, obwohl deren Zu- geHörigkeit stets wünschenswert ist. Auch wir wünschen ein« weitere ungeschmälerte Einflußnahme der Kirche auf die Schule. Elternhaus und Schule allein reichen für die Erziehung nicht aus, die Kirche gehört dazu.(Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Abg. Adolf Hoffmann(U. Soz.) richtet scharfe Angriffe gegen daS Zcn.rum. Das Zentrum droht mit der Zertrümmerung des Reiche», wenn die Schule nicht der Kirche ausgeliefert wird. ES treibt eine Erpresserpolitik.(Lärm im Zentrum.) Abg. Hollmonn(D. Vp.l: Wir begrüßen cS. daß der Schul- deputation auch Frauen angehören sollen. Die Geistlichen darf man von diesen Ausschüssen nicht fernhalten. 'Abg. Dr. Heß(Z?): Wir sind in die Regierung eingetreten unter Aufrechterhaltung unserer Parteigrundsätze. Abg. Nenmann-Königsberg(Soz.): Wenn die Absicht bestände, die Geistlichen auS den Schuldeputationen usw. hinauszuwerfen, so wäre sie durchaus berechtigt. (Aha! und hört, hört! im Zentrum.) Ist tge Schule etwa eine Hilfsanstalt der Kirche, weil die Kirche selbst sonst nicht lebensfähig ist? Weit deutlicher als bei der Beratung über die Aushebung der Orts- sch ula u flicht läßt jetzt daS Zentrum seine Absicht hervortreten, di« Schule unter die Herrschaft der Kirche zu zwingen. Die Volks- schullehrer wollen van der Herrschaft der Geistlichen befreit werden. Man soll sich nicht fürchten vor dem schwarzen Mann. Freiheit für alle, Freiheit auch für die Volksschule. Abg. Dr. Fricdbcrg(Dem.): Herr Hoffmann könnte als lang- jähriger Berliner Stadtverordneter wissen, daß m allen Deputatio- neu ein MagistraiSmuglied den Vorsitz führt.(Abg. Adolf Hoff- mann: Das ist aber undemokratisch.) Ja, aber jedenfalls zweck- mäßig, denn es handelt sich um die Erfüllung von VerwaltungS- aufgaben.(Widerspruch des Abg. Hofsmann.)' Unter wiederholten Unterbrechungen durch den Abg. H o f f m a n n führt Redner auS, daß die Demokratie eine äußere Form deS organisierten VolkSwillenS ist, daß deshalb alles auf Grund dieses Volkswillen? Beschlossene bindend ist und daß die Demokratie innerhalb dieser Grenzen nach Zweckmäßigkeitsrllck sichten verfahren kann. Abg. Dr. Rosenscld jU. Soz.): Wir fordern die Räterepu- blik als Uebcrgang zu einer wahren Demokratie. Tie Lande?- vcrsamisilung muß beseitigt werden. Ihre kulturwidrige Mehr- heit findet im Volke keinen Boden. Abg. Frau Poehimann(D. Vp.) bedauert, daß in dieser ernsten Zeit solche Gegensätze zutage treten. ?lbg. Reinhardt(Z.) warnt davor, die Schule zum Spielball der Parteien zu machen. Der Gefetzentwurs gebt darauf an den UnterrichtöauSschuß. Donnerstag, 1 Uhr, Ministerium des Innern. Schluß gegen 7 Uhr. Enölich verhanölungen im Verkehrsstreik. Der Boll�ulzSrat hat am Mittwoch seine Mitglieder Maltzahn und Cano zum ReichSarbcitSininister Gen. Schlicke entsandt, um diesem den Borschlag zu machen, ein EinigungZamt einzusehen, wie dies letzthin im Streik der Hilfsarbeiter im Bnchdruckergewerbe erfolgte. Nach Anficht des VollzugSrotS könnte dieses EinigungSamt eine Entscheidung iällcn, ohne dadurch mit dem Hauptautschuh zu kollidieren. Minister- Schlicke hat sich bereit erklSrt, am heutigen Donnerstag beide Parteien an den BerhandlungStifch zu bringen. SS soll heute eine Konferenz im ReichsarbeitSminisierium statt- finden, wahrscheinlich unter dem Borsitz Schlickes. » Zum Aufruf des BiirgcrratS gegen den Streik der Strahenbahn- angestellte» stellt der Bunv der technischen Augestellten und Beamten fest, dah sich natürlich der Bürgerrat mit ihm nicht in Verbindung gesetzt hat. ES müsse dem Bürgerrat überlassen werden, Anfklärung darüber zu gebe», woher ihm die Kenntnis kommt, dah Tausende von Technikern bereit wären, vorübergehend alS Führer und Schaffner auszuhelfen. Nebcr daZ Einkommen bei der Hochbahn teilt uns ein Bahnsteig- schaff»«, der bei der Gescllichast bereits 2 Jahre beschäftigt ist, mit, dah er ein Gehalt von 3fKZ— 305 M. pro Monat beziehe, das ent- spreche einem Wocheuverdienst von 75—80 M. inklusive Teuerungszulagen. Das Zugpersonal habe allerdings etwas mehr, aber nur wenige der älteren Angestellten kämen über 400 M. Monats- einkommen hinaus. Die in der Bevölkerung verbreitete Annahme, dah die Hochbahnangestellten ein Monatsgehalt von S00 M. bezögen. beruhe auf einem Irrtum. Jeder fein eigener Streikbrecher. Wie eine Korrespondenz be« richtet, erzählt ein bekannter Abgeordneter gelegentlich einer UnAer« rrdung mit einem der prenhischen Minister, er habe mehrere Strahcnbahncr, die er vom Ansehen und auch dem Namen nach kenne, beobachtet, wie sie trotz des Streiks sich die Beförderung von Personen mit geliehenem Pserd und Wagen angelegen sein lassen. WaZ kostet der Hafer? Natürlich nicht legitim, sondern an der breiten Hinterfront unseres ErnährungSbaue« herum. Jeder Aus- hilssfubrwerker gibt eine andere Antwort: 120 bis 200 M. Aber nach dem äuheren Anschein und den Preisen unserer Retter zu schliehen lieg: die Wahrheit hier nicht in der Mitte, sondern bei den ehrlichen 1L0-M.-Männern. Im Gegenteil, die Fahrer der eleganteren Wagen dürfen als die GesckästSgewandteren eher noch billiger fahren— nicht die Leute»atürlich, sondern beim Hafer- eintauf. Man wird also zu unterscheiden haben wie zwischen»ich- tigern und Papierwcizen, so zwischen Futter» und Nepphaserl Soziales. Di- Aufgaben der WohnungSauffichtsbeimten. Zur Durchführung der Wohr.ungsaussicht sieht das Preußische Wohnungtgesetz in Artikel S, der sich mit der WohnungSaussicht beschäftigt, neben den örtlichen Wohnungsämtern, deren Einrichtung in Gemeinden mit mehr als 100 000 Einwohnern obligatorisch ge- fördert wird, die Einsetzung sogenannter BezirkSwohnungSaufsichtS- bvamtcn vor. Die sind nach den Bestimmungen des Gesetzes zur Aufsicht über die Tätigkeit der Gemeinden und OrtSpolizeibe- Horden Sei Durchführung des genannten Gesetzes berufen. Die Beamten haben ferner den Regierungspräsidenten in allen das Wohnungswesen berührenden Fragen alS'beratende sachverständige Organs zu dienen. Mit diesen Ausführungen des Artikels 3 sind die Oibliegen- heiten der WohnungSaufsichtSbeamtcn jedoch nur ganz im allge- meinen angedeutet. Welche Füll« von Aufgaben von ihnen auf Grund dieser Nahmenbcstimmung im einzelnen übernommen und durchglfführt werden soll, geht aus der besonderen„Dienstan- Weisung für die BezirkSwohnungSaufsichtSbeamten" hervor. Ihre Tätigkeit betrifft danach nicht allem die technische Seite dcS Wohnungswesens, die Fragen des Bebauungsplanes, der Bauordnung. der Baupolizei und des Wohnungsbaues, sondern erstreckt sich weit darüber hinaus auf doS gesamte Gebiet der Wohnungsfürsorge und aller mit ihr aufs engste zusammenhängenden Fragen sozialer, wirtschaftlicher, hygienischer und bevölkerungspolitischer Art. Nach den ihnen zugewiesenen Aufgaben haben die WohmingSauffichtsi Beamten alS Organe der VolkSwohlfahrtSpslege im eigentlichen Sinne zu gelten und sollen als solche in allen das Wohnungswesen berührenden Fragen beratend, fördernd, ausklärend und anregend wirken. In diesem Sinne sind sie vor allem berufen, die ord- nungsmätzige Durchführung der Wohnungseufstcht, insbesondere der Wohnungsordnungcn zu überwachen und bei der Durchfüh- rung praktisch mitzuwirken. Ferner liegt eö ihnen ob. sich über die in ihrem Diensöt'ereich hernschenden WohnungSverhältnisse ein- gehend zu unterrichten und sich Klarheit darüber zu schaffen, wo und wie ein Eingreifen im Interesse der Verbesserung der Woh- uungSverhältnisse notwendig erscheint. Im weitesten Umfange ge- hört es zu ihren Pslichten, die Neubautätigkeit ans dem Gebiete des Wohnungswesens zu beleben und durch Schaffung geeignet« Unterkunftsräume für eine Hebung der Wohnsitten zu wirken. Bor allem aber werden die WohnungSaufsichtsbeamten mit den Kom- muwall'ehörden und Gemeindeverwaltungen in steter und unmittel- barer Verbindung bleiben müssen. Denn gerade von dieser Seite kann durch geschickte und weitsichtige Matznahmen ein weitreichen- der Erfolg auf die Gestaltung des Wohnungswesens ausgeübt werden. Solche Matznahmen, namentlich auf" dem Gebiete der Bodenbeschaffung und Bodenaufteilung, der Bauordnung und der Stadterweiterungsplän«, anzuregen ist eine der wichtigsten Auf- gaben der DezirkSwohnungSauffichtSbeamten. Hier bleibt«S ihrer Aufklärungsarbeit und Werbetätigkeit auch überlassen, den Ge- mcinden mit Vorschlägen zur Förderung und Verbesserung de» Wohnungswesens an die Hand zu gehen, ihnen die Notwendigkeit der Sicherstellung ausreichenden Wohnungsangebotes vor Augen zu führen und sie, wo eS not tut, zur Belebung und zur Unter- stützung der gemeinnützigen Bautätigkeit zu veranlassen, gegebenen- falls auch die Errichtung von Bauten in eigener Regie anzuregen. Auch werden sie den Gemeinden bei der Beschaffung von Baugeld und Baustoffen und bei der Vorsorge zur Schaffung geeigneter Verkehrsmöglichkeiten beratend zur-Seite stehen. Als BezirkswohnungSaufsichtsbcamte sind inzwischen eine Reihe von Beamten der Preußischen Hochbauverwaltung teils Haupt-, teils nebenamtlich bestellt worden. Es sind bisher nur RegierungS- und Bauräte für diese Stellen gewählt worden. AIS hauptamtliche WohnungSauftichtSbeamte wirken bis- her: in Ostpreußen Schmidt-KönigSberg, in Weftpreutzen Bode-Danzig, in Schlesien Schierer-BreSlau, in Sachsen Beh re n d- Magdeb u rg, in Provinz Brandenburg Engelbrecht- Frankfurt a. O., und Redlich-Berlin, in Pommern Koschle- Stettin, in Provinz Hannover Hartung-Hannover, in Sch l e S- w i g- H o l st e i n Gytzlmg-SchleSwig, in Hessen-Nassau Bogel-Kassel und Neumann-Wiesbaden, in Westfalen Kruttge- Arnsberg, in Rheinprovinz Hercher-Düsseldorf, Landsberg- Köln und Müller-Koblenz. Der weitere Ausbau der Einrichtung ist im Werke. In 10 Re- gierungSbezirken sind bereits nebenamtliche WohmingsaufsichtS- beamtc bestellt, und cS ist in Aussicht genommen, alljährlich neue Mittel für hauptamtliche Stellen in den Haushaltplan des Mi- nisteriumS für Volkswohlfahrt, von dem diese Beamtenkategorie ressortiert, einzustellen._ Sriefkasten der Redaktion. Jeder fßt den Briefkasten bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und eine Nummer bei. Briefliche iluAkunft wird nicht erteilt. Eilige An- fragen trage man in der Juristischen Evrechswnde. Lindenstr. 8, 8. Hof links, < Treppen, vor. Schriftstücke und Bertrllg« sind mitzubringen. Trnia 10V. Ihr« Fragen sind an dieser Stelle nicht ausführlich zu beantworten, kommen Sic in die Sprechstunde.— Türkei. Eine Reklamation bat keine Aussicht aus Erfolg.— P. G. 81. 1. Wenn die Ehestau de« Bruders lebt, erbt sie die eine, die Geschwister des Bruder» die andere Hülste. Die Ehestau erbt außerdem die WirtschastSgeaenstünde im Voraus. 2. KriegShinterblieheneiisürsorge der Stadt Berlin, Poststr. 5, 1. — M. R. 13. Ein ZuzugZberSot besteht unseres Wissens nicht, jedoch wird keine Erwerbsloscniinierstutzung gewährt. Arbeitsgelegenheit nicht günstig, da es im Gewerbe zurzeit an Baumaterial fehlt.— B. P. 40. An deii RegicrungSprüsidenten.— B. 100. KricgSwucheramt, Schöne- berg, Apostel- Paulus« Straße. Preis erscheint uns trotzdem nicht un- angemessen bezw. eine Beschwerde mit Ersolg recht srawuiirdig.— K. F. 125. Wenden Sie sich an den Schriststeller Genossen F. Nottebohm, dessen Adresse Sie von dem Arbeilerselretarlat Dortmund, Leibutzstr. 20, erfahren können.— 90. W. R. Das ist nicht Staatssache. Wenden Sie sich au die Untcrstützungskommission um Gewährung einer besonderen Beihilse. — Carolath 100. Verpslichtet zur Unterstützung ist der zuständige Armenvcrband, der Kreis Bcuthcn.— Paul 25. Anfechtung hätte unseres Erachtens keine Aussicht auf Ersolg. Durch daZ Teilament sind die Gegenstände in den Besitz der zweiten Frau übergegangen. — I. T. 60. Die LandcSvcrsichcrungsanstalt ist biS an die Grenze ihrer LeistungSverpflichtung gegangen. Darüber hinaus müßt« die Gemeinde eintreten.— P. Tas. 10—4. 1. Antrag an Verficherungsamt der Stadt Berlin, Klosterstr. 65. 2. Mit der vom Arzt gemachten Keststellunz haben Sie nach keine Aussicht, Rente zu erhalten, ö. Können wir nicht wissen. — H. Sch. 15. Wenden Sic sich an Ihren stühcren Truppenteil.— H. 9». 30. t. Ja, Berechnung erfolgt nach dem 52 fachen Betrage des wöchentlichen Einkommens 2. Sie haben keinen Anspruch.— F. R. 11. 1. Berechtigt wohl! W"' cinigunqsamt ent! che, wirtschajtlichen Verhältnisse W. Si. 1. Wir raten Ihnen, die Angelegenheit mit dem dortigen Kreis- ausschusi zu erörtern oder der zuständigen Partelorganiialion vorzuwagen. — Cr. K. 34. Ihre Braut ist als Minderjährige nicht berechtigt, einen MictSvertrag abzuschließen. Sie Müssen mit dem Hauswirt erneut selbst verhandeln, um die Sache In Ihrem Sinne in Ordnung zu bringen.— R. I. 76. UnIercZ WifstnS waren Kommunalarbeiter überhaupt nicht besrett. Die Befreiung der StaatSangestellle» ist nichl ausgehoben. — fl.®. 66. 1. Eine Rückerstattung von Beiträgen der Jnoaiiden- Versicherung findet nicht mehr statt. Es ist Weiterversicherung zu empjcblen; alle zwei Jahre 20 Marken der niedersten Lohnllasse. 2. Rückerstattung von Beiträgen weiblicher Versicherter nur nach Zahlung von 60 Beitrags- monaten zulätsig. GcschSstsftclle des Ortsausschusses der Vrivatangestellten- Versicherung, Flottwellstr. 4 I.— L. R. 1. Sie find zur Steuerzahlung verpflichtet und zwar von dem 1. desjenigen vollen Monats an, der Ihrer Entlassung gefolgt ist.— H. B. 31. Ja, wenn fahrlässiges Verschulden Ihrerseits oder der Familienmitglieder vorliegt, sonst nicht.— L. R. 100. 1. Pazabteilung des Polizeipräsidium». 2. Etwa drei Wochen. 3. Erkun- digen Sie sich bei dem Verband der Bäcker und Konditoren, Engeluser 14, IV.— Ch. 25. ES macht keinen Unterschied, in welcher Ge- meinde Sie wohnen. Dieses Privileg wird aber demnächst ausgehoben. — ReichSImnd der Jnvalidcu. Wenden Sie sich an den Parteivorstund. Lindenstr. 3.— ivt. I. 07. Auskunft für Unterricht in der GabelS- bergerschen Stenographie bei Adolf Grunwald, Eylauer Str. 18.— Rodt 3. Bestätigung, Vollziehung.— R.®. 1. Eine genaue Be- schreibung läßt sich im Briefkasten nicht geben. Hauptmerkmale Wasser- zeichen.— F. D. 43. Schrislliche Milteilung an daS zuständige Amtsgericht, innerhalb sechs Wochen ebenda mündliche Erklärung vor dem Richter. Eine Aussordcrung zu dem Termin erfolgt nicht.-— —®. 8. 5. Mundartlich ist im».kauft' nicht bekannt; im übertragenen Sinne bedeutet es: sich mit etwas sorstvährend beschästigen, an etwas .herumkauen'. Im übrigen ist„Du taust' 2. Pers. PrätentiS Indikativ des Zeitworts.tauen'.— P. 413. 1. Wenden Sie sich an die Hand- werkskammer. Teltower Str. 1—4. 2. Aus Kolophonium oder Misteln. 3. Gibt cS nicht.— L. Felix, Schäkerst». Mittelschulen lRealschuicn) genügen als Vorbereitung zum Besuch technischer Mittelschulen, zur Be- amteniausbahn, zum Bank- und HandelSaewerbe usw. Vollanstallen, Gymnasien, Realgymnasien bilden die Grundlage zum Besuch der Universitäten und Technischen Hochschulen. Verzeichnis im Adreßbuch II. Teil S. 172 ff. — I. W. 93. Inserat im.Borwärls' oder.ZeitungSoerlag'.— 1. 1. Ja. — M. L06. A, mcnvorsteher des Stadtbezirks, wo Anwagstellenn ihre Wohnung bat.— O. R. 190. Sie sind zum Unterhalt der Mutler ge- letzlich verpflichtet, daher auch zahlungspflichtig. Unerheblich ist, daß sie jetzt von Ihnen selbst unterhalten wird.— W. P. 96. Verjährung tritt erst mit 30 Jahren ein.— R. M. 50. Wenden Sie sich mit einem erneuten Gesuch an die Schweizerische Gesandtschast; sonst nichts zu '» Sie sich zunächst an daS zuständige BezirkS- J jetrat ist nur möglich durch cht, sondern kann bewilligt werden. Ersuchen machen.— W. 44 kommando.— Sk. P. 360. des sie um Beschleunigung.— N.®. 1880. Sie haben keinen Anspruch. — R. 3. Der Ebcmann muß zunächst sür das von ihm nicht erzeugte' Kind bei Gericht«inen Pfleger bestellen. Da» Ktnd ist daraus von dein Ehemann auf Uncheltchkeit zu verklagen. Ist die Klage erledigt, kann der nalürliche Vater auf Unterhalt seitens des Kindes verklagt werden.— D. 25. Die Steuerbehörde ist im Recht. Außergewöhnliche Be- 'MchW I astuugen des Einkommens können, müssen aber irsibt berücksichtigt werden. Durch Ermäßigung um«ine Stufe ist dem Umstand« der Be- laswng bereits Rechnung getragen.— A. W. 9999. 1. Nein. 2. Ja. Verband der Fabrik- arbeiler Deutlcbiands gahlstelle Groß- Berlin. Am«. Juli«erstarb unser Mitglied Paul Luther. Ehr« seinem Andenken! Di» Beerdigung findet am Donnerstag, den 10. Juli, nachnüitag, 4 Uhr, auf dem Oderschvneweibcr Kirchhof statt. Um reg« Beteiligung er- sucht Die Ortsverwaltnng. SpeTtaZarzrt Dr. Haedicke Frledrlchstr. 187/88 (an der Alohrenstraßc). Sprechielt: 11-1,8—7. 72L* _ Sonntag»: 11—1 PreaO. OentinenH*. 10. f Hautjucken ®(Krlitze) wlrlcsameg äpezlalmlttci 1 Pers. 7,50 M,, 2 Pers. 14 M. Apotheker Lauensteins Vers. Spreinbei U. 44* ProUssor Dr. Hebrt's SommersproMRn- Cream I nech Original- Rezept. lOOOfach bewlhrt. In TOpfen h M. 4.50. Bietanten- Apotheke Berlin 828, SW19 Leipziger Str. 74 140,90- 1 „Fraueu-Talisman" foealer, medlz. anerk. Frauenschutz. Versand jetzt direkt an Private gegen Nachnahme. Preis 5>/, Mark. Bestellungen erbeten an: Pottlagerkartc Nr. 87, Berlin, Postamt 89. Der sichere Weg tt zur Heilung der» SyphiBis von Spezlalarzt Dr. med. Karl Reinhardt, Berlin. 68 Seiten. Preis 1.25 Mk.(I. verachloss. BrictumschlagohneAufschrift frei 1,30 Mk, geg. Voreinsendg. d. Betrags). 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Sternberg, Gastspiel Guido Ttaielscher: 8 Uhr; Charleys Tante. neafsrhes Rttnatler- Theater. 8 Uhr; Max Adalbert u. Kurt GStz in: Die Rutschbahn. 7V.U. Uentschcs Theater. 7'/, Uhr: Auch ich trar ein JGngllng,.. (Schwank). Kninmeraptele. Allabendlich 8 Uhr: Leopoldine Konstantin in Das>Velb u. der liampeimann. Theater den Westens Allabendlich 7'/jUhr Mia Werber und Hans Waas- mann in Die Geisha. Central-Theater Kommandamenstrallc 57. JhrVßie ScliflBst£?on Allen. Dentsehes Opernhaus 7 uhr: Tiefland. FFiedp.-WUfieiinsl Tlrealer perfälijj Kleines Tbeater. Vi, Uhr: Unterm Baume der Erkenntnis Komisehe Oper uhr'- Sehwarzwalilniätlel. Lustsplelhans r/.uhr: So ein Mädel. Metropol-Theater. 7 uhr 20: Ole FascilIrgslEe. Neues Operetten haus, t»/. u.: Die Dame voniMiis. Fslast-Thcater 7>/,uhr:Weliieile Erben. Oper, in 3Aktv. R, Dantiger. Schlller-Thcat. Chart, 7-/. uhr: Alt-BelilElbepg. Thalia-Theater Tt/.uJnnglErSonnenschEin Th.am\ollendorfplate 3llt Uhr: Die Anne-Llss. 7'/. uhr: Die Puppe. Theater d. Friedrichstadt 8 Uhr: So eine Frechheit. Versicherung gegen Einbruch. Ein Polterabend. Wallner-Theater VI, Uhr: Das Gesetz. Theater 1, d. RüniggrätzerStrafie ViS Uhr: Der HKuptllns. Komödienhaos Lucie Höflich u. Lud». Harlan 8: Liaelott von der Pfalz. Berliner Theater '/jS Uhr; Die tolle Komtea». Residenz-Theater. Untergrundb. Kloslerstraße, Ausgang Stralauer Straße. TäglichSUhr. Zum 179. Male: Das lere IM Schauspiel von Sudermann. |ie; Alfred Rotter. Rose-Theater. Zum 1. Malet;■/< Uhr: 0 schöne Zeit, o selige Zeit VI, Uhr Gartenbohne: Das sieht sich{sder an. Vorher Kenzerl u. Spezlalltßt. Winter- Garten Tggllcb 7'/» Uhr, Variete-Spielplan Rauchen gestattet I Admlrais-Palasl Die Arena bleibt bis Freitag geschlossen. Sonnabend, 12. Juli: Erster Tag der großen inlern. Kingkämple. Admirats-Klno. Das Buch Bsther.s Der Weiherfeind. berliner Krater 7/9 ÄaitantmaBee 7/9. Täglich; UDariewtiafflciien inuUrÄ Ball. Ansang Vi, Ußt. j Theater a. Kotfbus.Tor Allabendlich 7 Uhr SUte-Singer ' 9 ehem. Mitgl. der Stettiner Sänger -»- Humor, Spielplan Sommerpreise I Büiibgen-Aonzert m~ ISMlmnet SWMsl HnnPtstr. ILL/lL». M große Entscheidongskämple; Mäher(Ostpreußen) gegen Pedtjean(Berlin). Radke(Eharlottendurg) gegen Gametta(Schweiz). Außerdem: Winter(Wim) gegen Wolf(Budapest). Hlntzs(Berlin) gegen Bartkowiak(Polen). V Walhalla-Theater. VI, Uhr: Die hleine Sklavin. Nationai-Theater 8 Uhr Stürm. Erfolg 8 Uhr Mle Donnetnann. LoiseD-Tlieater. �WkWMMkden Sonntag 3 Uhr: Ein gliick]ich.Faniiiienvater Täglich abends V/,: Wen« Stauen liehen. Voigt-Theater Badstraße 58. 7>/j Uhr: Frühlingsluft. Vorher: Varietö-Vvrstetlun?. Eröffnung Z Uhr, Anfang 5 Uhr. Zed. Mrttw., gbb.,gonnt.: BaO. Trianon-Theater. Bhf.Friedrichstr. Ztr. 4927�391 Tägl. 8U. Heute z. 303. Male: Oer gute jtn} von Hermann Sudermann. Sonntag 4 Uhr: Johanniafenep. iPOLLO Friedrichstraße 218 Dir.: James Klein 1 73/ Sonntag>73/| ( /4 i'l, und l/4| Letzter Gast- spiel-Monat der Gesellschaft Anton mit der neuesten Schlager-Burleske Nur nicht seliießeD Vorh. Spezialitäten! ISonnt-S'/jjd.Erwachs. 1 Kind frei! REiehsiialL-TbealEr Gastspiel d. berühmten Dresdener Vielnria-Eäng. Völlig neue» Programm. 1.«. Wieder- �aufuetfn�GtrUin�r�imi�� Linden- Restaurant alngSnge: Unier den£mden 44 Frirdiichffraße 62 allseitig gerühmte Küche! Schi pilsen er und Münchener Äiere Kapelle Mlchalel Seschöfelciumg: Tonndorf.Setrieb« OS. Brno Xonnbsif — tPornehm rnhlge* Bad"ME Station:„Ball SaEhS»", SQdfaarz. Pension 15—39 M. RostenL Dermitlg. Gottschslk. Bad Sachs«. 267D- — Ziehung 19. Juli— Berliner Lollerle I. d. Pcstatozzl-Friibelhaus Gesamt- und Hauptgew. M. 50000 10 000 5000 USW..• I nca Q Porto u. Liste LUav 0. SO Pf. mehr. 10 L.m. Porto u. Liste 30 M- empteh. u. vers. a. 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B.: t uni 2. schreibt Herr Lehrer Zieiate aus Iachzendrück bei Jossen am 21. Dezember 1918:.Nachdem ich in einem Gebirgs-Sanaiorinm sür Lungenkranke 5 Monate ohne Erkoia behandelt worden diu, habe ich in Ihrer Heil- anstalt wieder Heituna gesunden und wurde vom Kreis- arzL der......." genauer Seit dem____ H IWmWMW biochen UuterrichL Dies schreibe ich Ihnen ohne. � Beeinffussung Ihrerseii». 7luch meiner Frau, die bei Ihnen dehnndeli wurde, gehl e» au»gezeichnet(lli tuberkuL Halsdrüsenvereiterung)."— Herr Werkmeister p. VSlfer, Berlin. Utrechier Str. 25,.chreibi:„Nachdem ich mehrere Wochen in einer ärztlichen"' ä>BWBIBW»Wck>W ir schli , lÄKnv b�lie Srl. behandelt worden war und mir schließlich der rechte Arm abgenommen werden sollte, Hobe ich mich in legier Not an Ihre Answli gewandt und bin mit 45 Behanblunge» von meiner Dlutoecgistung unb tieteitecneg de» rechten Armes NN»»er Hemd geheilt worden."— 4. Frau Niagistratsassistent yerrmonn au» K ottbris, Lanntzer Str. 14, schreibt:„Ich bin von meinen TNageu- geschwlleeu mit 30 Behandlungen völlig in Ihrer Anstalt geheilt worden, nachdem ich 12 Jahre' nieltl- lang anbei' ohne Erfolg behandelt worden war. Ich fühle m!d> so wohl»nd gesund, wie ich mich noch nie acsnhii habe."— 5. Herr Feuerwerksleuinani Moschiouto.Neu kvlln, Weser- Straße 31(jehi Kontgsberg L Pr.) fchretbt:„Meine Mutter, meine Schwester, meine Frau und ich sind in Ihrer Bnftali geheilt und gebessert worden; die Mutter von chronischem Blogenleibea. die Schwester von Kopf- schmerzen und SchrnechSrigkelt, meine Frau von Herz- und Mogenleiben und ich von oflgemeiner »eroSser Abspnunung.-—«. Frau Restaur. Hering. Berlin, Schönhauser Allee 87, schreibt:»Ich bin vor mehreren Iahren bei Ihnen von Herzleiden und vnsedowscher Arnntheii geheilt worden. Aus Dank- barkeii habe ich Ihnen viele Panmien mit gleichem Leiden empsohien. Sollte sich irgend ein Leiden bei mir bemerk- bar machen, so werde Ich mich sosori wieber an Sie wenden."— 7. Herr 20. Hees«, Tempelhos Kaiserin- Auauva-Siraße 87: Bon 5 Monat» alter, starr eiternder, dreiier Oprraiions-Bnuch. und vurmfistel geheilt (vorher zweimal operiert).— 8, Herr 20. Herrman», Rahnsdors, Dorssir. 9: V> von hibertuläser vrnst- und den und Aingervereiierung geheilt abgenommen werden).— lZ. Herr , Schöneberg, Ebersstr. 58: Bon oll- JIUl)ll77UUl 1/ 4*.-OWII. Rippensclloereliernng gehellL— 9. Herr A. Schön, Eharloiiendurg, Spandau er Berg 21: Von veonchiai- osfhma geheilt(anhali. Heilung 9 Monate später de» siäirgi).— 10. Frau Ai. vornemonn, Berlin-Trepiow, Graehilr. 8: Von Zlieren-«. vlasenleiden geheilL— II. Frau Sennesch, Berttn, Schrelnerliraße 11: Von Anlerleibsleiden (Finger sollte p. Warsko«, E gemeiner ckleuen! und«naemie 13. Frau C. Zrennd.,. Bon venenentzllubnug Int Anlerfchsniol geheilL— 14. Fra» B. Z!«»boner, Eharlottenbnrg, Kaiserin. Angusta-Allee 91,1. Ausg. I Tr.: Von Zl-r«e»schmerzen in der Hüste»nd Unfähigkeit»um Gehen geheilt.— 15. Frau E. yodors, Berlin, Kolderoer Straße 28/29: Von Tier» an- n. Bnochenhanl-Entzilnbrng(aafl- ft findig gciahml) geheilt.— 16. Frau Iii. flnott, Liditenberg, Schacmuebcrjtt. 62: sin verschiedenen Maien von akuten»nd chronischen Leiben geheilt, u. a. von -. agenkreb».--- ndurg, Kaiser- Aeurofthnnl«, eberonschweNong unb GäNensteinen geheilt(nach kurzer Behandlung Ahoang von 48 Galiensteinen).— 18. Jomiil« Kirchner, Siegliß, Albrechliiraße 107: Vier Personen von verschiedenen Leiden geheilt(gern zu Auskunft darüber bereit).— 19. Frau A. wunderlich, Berlin, Schwedter Straße 250: Von 711 a gen- und Darmgeschwüren geheilL— 20, Frau«. Regles, Berlin, Neanderstraße 5: Von Zleroenschmerzen im ganzen Körper geheilL—(jcircnnic Behandlungsräume(ür Damen u. Herren!— Sprech- u: Behandlung»- zeit: 9-1, ♦— 7'/«.— Sonn- und Feiertag; 9—1, Aerztliche Anstaltsleitung: yellunstallsbesttzer* Professor p. �iistelsk� graduiert und approbiert im Ausland Berlin 30. 16, Brückenstr. 10J am Bahnhof Jnnnowftnhritrko., rg, S�armueBeritt. 62: Ru ten»nd chronischen Letoci yerzsehwäche, ceberschweflung». Ittagenti 17. Frau 91. Guebouer, Charlottenburg, F-iedrich-Siraße 102: Von ullgemeiner.Tlenra! 1 MliOiltOpf Formern, breiter Rosen- n er kante, Porzellan ü Pt 1 Vorraistonne 95«. d' S EißrijSCllSr veiL, 1 AermelpMrett.....'____. 95« 2 Likörgläser auf Fuß. 35« 2 MilchbsGher 95.« 1 Kompottsoküsso! 95« in verschiedenen Formen........ BeHiincce-Sfnisse Gr. Fmukiarier Strasse Brunnen Strasse RefcerDotn B/ümersüorter Strasse IQüirlbrett Einkoch- Apparate/U in guter Ausführung., fei Thermometer... 3.50 2 Essig- od. 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J D Pf 1 Zuckerdose•<*!««. i iu"mTncn 1 MÜOiltOPf wcfdPo'r'ellan i 95« Preuß. Staats-Lotterie Beginn der neuen Lotterie am 15. Juli 1919 Ganzes Halbes Viertel Achtel Lose zu 42 21 10, so 5,2s M. zu haben.„ Lotterie-Einnehmer. IN CU mann, Kerlin W 30, Maaßenstr. 20. In allen einschlägigen Geschäften zu haben Direkt zu beziehen durch Walter Tisdemann Konzern»fr Fabriken für Haus- und Küchengeräte BERLIN W 57, BUlowstrasse 106 ZKsins ZrsAen JTiöhel- Säger mit Sjtelfej'.mmezn, Heerenzlmuier», Sdtlcf- ■ itnmeen, Cebite- u.®obe!tn-fflacnilucen, plöfC;. tofaa, Zzußicans, Scficänfcn, BetSifos, foru- ui.ttan ktüchsnsiurichlungen afro. ftttien ,nic ac- älltgen zwanglosen Bestchiizuna In derZZrunnet.strc.sir' Ar. 7, Ar. 6 u. Ar. 188 nahe Rosenthaler Platz dei MÖdel-Leckner, ÄÄH i | Geöffnet von 8—6 HU-MtjBMiBBPIlfy Ein großer Posten Leder-Schuhsenke! blinkst zu verkaufen. Günstige Gelegenheit für Schuhfabriken und-Geschäfte, Sattlerwaren, Händler, Gctmschtwarenreschäfte, Kantinen usw. 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Bericht des Kassierers. 3. Ergänzungswahl des Aufsichtsrates. 4. Verschiedenes., 3300b Der Borftand. Würdemann. Ritter. Wiesner. Meier. Lengersdorf. Zur Beseitigung der Wolmungsnos U= Plattenbau D.R.G. M., D. R.P. ii. Ausl.-Pat. a. IRIctcrbundGroß�ßerlio «tjitl Moabit.«w MM. MiM'ßfslesliielsiiWlm am Oonnerafaa. io. Tuji, abends Z Ahr, in bsn Meablfer Prachtsälen, BBicIcsflc. 34. Unsere Selbsthilfe durch Mieterräte. Ref.:»r.»ans A. Heyer, Eugen Henning, Walter Uthlee. Nur eine starte Organisation der Mieter kann helfen! Von Magistraten Behörden u. Fachautoritäten empfohlene massive Dauerbau- weisc. für WohüMiiser, Laoerhäuser, laoriwirtschattliGhe und Indnstriebaoten. Kurze Bauzeit sofort trocken, sofort beziehbar, Wärmedicht, kein Putz erforderlich. Innen nagelbar, außen wetterfest. Jede beliebigeMauerstärke herstellbar Erheblich billiger als . Ziegelmauerwerk.: Generalvertretung der Gesellschaft für Beton- u. Eisenbetonbau, Gießen u. Lizenzabgabe für In- u. Ausland: E. Bernstein& Co. Berlin* Charlottenburg I Cauerstraße 5 a s/is« Drahtanschrift: l'pla Berlin. KjirgermeistersteUe. Die hiesige Dürgermeisterftelle soll inSglichst zum I. Oktober b. Je. neu besetzt werden. Die Wahl erfolgt aus 12 Jahre. Grundgehalt 6000 M., 3 Alterszulagen ä 400 M. nach;c 3 Jahren. freie Dienstwohnnng im Werte von!t00 M.. Repräsentation�. kosten 000 M. BIS ans die Repraseniationsiosten sind alle De- ziige ruhegehaltsderedchigt. Teuerungszulagen werden nach staatlichen Sätzen gewährt Herren, welche Erfahrung in der Kommnnalverwaiinng besitzen, sich praktisch bewahrt haben und von demokrgttschem Geiste durchdrungen sind, wollen ihre Bewerbung mit geugutssen bis zum I. August d. Je. an den unterzeichneten Stadw/rordneten-Borsteher einreid/en. 351D' ZehSrnirt o. Havel, den 7. Juli 1919. Ter Stadtverordneten-Vorsteher. Meyer. Redakteur für das Parteidlatt einer norddrutfchr« Grosistadt zum baldigen Antritt gesucht. Ächriftliche Bewerbungen unier Angabe der bis. herigen Tätigkeit sowie der Gcbaiisanspriiche unter Z. 28 air"dic Egpcdilion des»Vorwärts- erbeten. 2S4/1S MiSkl SvmlkMkiA. der selbständige Karosserie-Werkstätte leiten kann, . � aufl�enomm e.n. KZfgLBei'iLssjzi'jjs Zi'lidei' SeiislfsneZt. rvten X, QueNenstr. SS. 184/14 vMMgsi. �üköli-ssdfiji, M5nnl:che u. weibliche Arbeiter werden baldigst gesucht. Pundik9 Landemfirket 9. Kopenhagen. ST* II! SnUSlUlllEl!! Da der Stadt- u. Ringbahnverkehr ab heute fahrplanmäßig aufeenommen ist, finden nunmehr die Termine in Arbeitersachen von Donnerstag, den 10. d. M., einschließlich und in Angestelltensachen von Montag, den 14. d. M., einschließlich wieder statt. Schlicbtungsaasschuß GroB-Beriin 265 2 Berlin N 4, Scfitegelstr. 2. sofort lohnender dauernder Verdienst Oessauer Strasse 6 part. ;3ai imi EWhetWos Ä4Tn�0/Ä , Etwa 100 neue eiserne Auhebekten, hohes Modell . mit Kopfstütze und Spiralfedermatratze einschließlich Auf» > legematratze aus Papierstoff und stopspolfter. . Etwa Ivo hölzerne und eiserne Sasernsn- und OaznretlbettfkeNen mit gebrauchten Kapok- und See- > grasmattatzen. j Etwa SO tveifs« Solznachltlfche mit Holz, und i Marmvrplnkte. 81/16*( Etwa SO eiserne Anchttische m. Sfav- n. viechplatte. G Außerdem einiges Wirtschastsgerät und Werfzeug. Besichtigung u. Berkanf an Ecidstgebraucher. Kommunen, Landwirtschaftsgüter den 14. nnd 10. Znii d. 3. Keiiöaierajerlunssßinf. 3oÄne Berlin w s, Potsdamer S«raste 134. viis«srtell d. fr.kMerksLbsftkv Ksisse sucht zum solorugen Antritt einen 265/1* Arbeitersekretär. Reflektier« wird auf eine tüchtige Kraft. Gehalt nach Uenereinkunft. Bewerbungen mit der Arbeit betitelt„Aufgaben eines Arbeitersekretärs" sind sofort zu senden an den Vorsitzenden A. Gottwald, Ncisse, Blschotfslr. 66. Wir suchen für unsere werkzengmacherei einen, mit allen einschlägigen Arbeiten vertrauten, tüchtigen Meister zu möglichst baldigem Eintritt. Bewerbungen mit Lebenslauf, Gehaltsaitsprüchen, Referenzanaaben erbittet Oimkin& Koppel- Artur Koppel Akt.'Qes., Lokomotivfabrik, Nowawes. 88Öf> Nr. 347 ♦ 36. Jahrgang 2. Oeilage öes Vorwärts Donnerstag, Nochmals: Unabhängige Zrieöenssabotage. Eine Erwiderung. Die„Freiheit" zitiert als Beweis für die angebliche Unrichtigkeit meiner Behauptung, daß K a u t s k y keines- Wegs ein unbedingtes„Ja" empfohlen, sondern die Ab- lehnung als erwägbar erachtet habe, falls auch die En- tentesozialisten die Bedingungen für ungerecht er- klären sollten(etwas anderes habe ich nicht behauptet), eine ihr bequeme Stelle der betreffenden Kautskyfchen Aufsätze, die sie am 24. April veröffentlichte. Die Stellen, aus�die ich meine Ausführungen stützte, lauten folgendermaßen: „Buchstäblich genommen, bedeutet die Ablehnung deS Friedens die Wiederaufnahme des Krieges. Das wäre natürlich Heller Wahnsinn. Daran denkt niemand. Einen Sinn bekäme die Ablehnung des Friedensvertrages nur dann, wenn es ihr gelänge, jetzt schon mit einem Schlage das zu erreichen, was ich von einer einige Jahre lang dauernden Entwicklung erwarte: dttS Anschtvellcn der Empörunz der ehrlich demokratischen Ele- ncnte in den Ländern der Entente gegen die Bergewaltigung Deutschlands, Sturz ClcmeneeauS, Sieg der Internationale. Nichts spricht dafür, daß wir e-ncn solchen Umschwung jetzt schon plötzlich zu erwarten haben. Auf jeden Fall würde er nur dann eintreten, wenn die Fricdensbedingungcn nicht nur nach deutscher, sondern auch nach französischer und englischer Auf- fassung unvereinbar wären m>t den Wilsonschen Grundsätzen." Weiter heißt es darin: „Die deutschen FriedenSuntcrhäadler müssen selbstverständ- lich trachten, de.r Frieden für Deutschland so günstig als mög- lich zu gestalten. Sollte der Friedensvertrag Forderungen ent- halten, die von der demokratischen Seite der Entente selbst als Berlctzung der Wilsonschen Punkte anerkannt werden, dann könnte auch der Gedanke der Nichtnnterzeichnung erwogen werden. Aber dieser Entschleuß sollte auf keinen Fall gefaßt werden, bloß von einseitig deutschen Gesichtspunkten aus, er dürfte nur gefaßt werden nach sorgfältiger Abwägung aller Vor- und Nachteile de? SchrüteS unter völliger Ausschaltung jeglicher nationaler Leidenschaft. Sicher kann ohne Leidenschast nichts Großes geschaffen werden. Aber c8 muß die Leidenschaft sein zur Verwirklichung dessen, was klare Erkenntnis geschaut hat." Es gibt keinen dieser schönen Sätze, dem wir nicht alle schon damals zustimmten und ich glaube behaupten zu können, daß sämtliche deutschen Friedensunterhändler stets nach solchen Gesichtspunkten gehandelt haben. Aber ich be- Haupte auch und noch einmal, daß der Versuch der deutschen Friedensunterhändler, den Frieden so günstig als möglich für Deutschland zu gestalten um so aussichtsvoller war, je geschlossener das Volk, vor allem die Arbeiterschaft, hinter der Regierung gestanden wäre, und daß das von dunklen Nevolutionsdrohungen begleitete Annahmegeschrei der Unabhängigen, das bereits am 8. Mai einsetzte, die Stellung der deutschen Delegation außerordent- lich erschwerte. Auch meine ich, daß zumindest ein „Bluffen" der Ablehnung, selbst von feiten derer, die ent- schlössen waren, sich letzten Endes zu unterwerfen, u n e r- läßlich war, wollte man beträchtliche Milderungen er- ringen. Mit einem bloßen Apvcll an das Gerechtigkeits- gefühl der Clemenceau, Lloyd George und Tardieu konnten wir herzlich wenig ausrichten. Tie„Freiheit" spricht da spöttisch von der Politik der A lt k le id e r h ä n d l e r des m i Mühlendamms. Vorläufig ist nun einmal die Welt, namentlich die diplomatische Welt der Entente, auf diese Methoden der ursprünglichen Maximalforderungen eingestellt, die nicht nur die des Altkleiderhandels, sondern auch, unter anderem, die der gewerkschaftlichen Kämpfe ist und bleibt. Solange die internationale Politik nickst nach den erhabenen Jdealgrundsatzcn der Herren vom Schiff- bauerdamm getrieben wird, müssen es auch unsere Diplomaten in den Kauf nehmen, mit der ehrbaren Zunft vom M ii h I e n d a m m in einem Atem genannt zu werden... Die Erinnerung an die Begleitumstände des Januar- putsches der Unabhängigen und Kommunisten fertigt die „Freiheit" als„kindische Behauptung" und„G-eschwätz" ob. Was sagte aber Radek am 30. Dezember 1918 ans der Reichs- kcmferenz des Spartakusbundes: „Mit dem Augenblick, wo der Spartakusbund zur Macht gelangt, wird der Ring der Völker sich schließen, und man kann schon jetzt die rn ssischeu Arbeiter �mit Enthusiasmus erfüllen, wenn man ihnen sagt, daß sie mit den deutschen Ge- nassen zusammen am Rhein kämpfen wer- den. Ich hoffe, daß in Berlin der Rat der-Sowjet-Kongresse zusammen mit den Delegierten aller Länder über den Welt- frieden beraten werde." Am nächsten Tag entwickelte Rosa Luxemburg in ihrem Referat ähnliche Gedankengänge und fünf Tage später ging der Putsch in Verlin los, von den Unabhängigen Eichhorn, Däuniig, Leb ist out usw. zusammen mit Radek, Rosa Luxentburg und Liebknecht organisiert, der dem Spar- takusbnndes die Regierungsmacht geben sollte. Diese Zu- sammenhänge mögen heute der„Freiheit" unbequem er- scheinen— indem sie ihre Erwähnung als„Geschwätz" be- zeichnet, schafft sie sie nicht aus der Welt. _ Victor Schiff. Oer„Rote Solöatenbunö" vor Gericht. Freisprechung aller Angeklagten. Heber die unter anderem auch von dem als Zeugen geladenen aber nicht erschienenen Roland angedeutete Tätigkeit des Roten Soldatenbundes im Vorwärts- Gebäude wcjhrcnd der Tage der Besatzung fanden längere Erörterungen statt. Angeklagter F r ö hl i ch behauptete, daß Roland ihm wiederholt Waffen zu auf- riihrenfchrn Zwecken acbracht, die er dann aber durch SicherheitS- leute ins Polizeipräsidium habe schaffen lassen. Einmal habe ihm auch Roland zwei von ihm bei Büxenstein gestohlene Schreib- Maschinen überbracht, die er aber auf sein Geheiß»bieder habe zu- rückbringen müssen. Er habe ihm dabei gesagt, er würde ihn künf- big hinausschmeißen, denn mit gestohlenen Sachen gebe man sich nicht ab. Roland habe immer zu Putschen und Gewalttätigkeiten animiert: er habe sich stets bemüht, die Leute gegen die Leitung des Roten Soldatenbundes aufzuhetzen, die nicht radikal genug fei. Nosi»istu habe auch als erster die Besetzung des„Vorwärts" veran- laßt und»viederholt gesagt, man solle sich nicht ergeben, er würde für Munition sorgen. Roland sei Polizeispitzel und ständiger Be- sucher der Komandaniur gewesen. Ein Zeuge, Student Feder, ist im VorwärtSgebäude ge- »vesen, und zNxrr nicht aus eigener Initiative, sondern im Auf- trage des Generalstabs. an den er sich wandte. Er hat den Ein- druck gehabt, daß die Besetzung nicht vom Roten Sobdatenbund aus- gegangen sei. sondern das Werk der revolutionären Obleute ge- Wesen sei. In Versammlungen ist gesvrächstveise von Leuten, die er nicht weiter kennt, mehrfach die Ansicht geäußert worden, daß man anZ den Jannartagen gelernt habe: mit den Besetzungen ein- zelner Gebäude sei es nichts; in Zukunft müsse man bei Putschen ganze Häuserblocks besetzen, von den Dächern schießen und die ge- meinnützigen Betriebe besetzen, denn die Gegner würden doch Be- denken tragen, gegen diese ein Artilleriefeuer zu eröffnen. Der kommissarisch als Zeuge vernommene Leutnant Hilde» brand hat u. a. bekundet: Er habe vom Major Strfani den A»rf» trag gehabt, iin„Vorwärts" zu erkunden, wo die Truppen am. besten einsetzen könnten, und sich an den damaligen Kominondanten Kl»- wunde und Brutus Molkenbuhr zu wenden. Er wurde dort mit Roland bekannt gemach: und'erhielt einen Ausweis deS Roten SoldatcnbnndeS. Von Roland wisse er, daß er im Interesse einer Regierungsstelle tätig war. Ter Zeuge habe die Uniform eines ge- meinen Soldaten mit Artilleriemütze getragen, während Roland Traininütze trug und einen BerichterstatterauSivriS für den„Bor- wärtS"(jedenfalls gestohlen oder nachgemacht. Red.j hatte. Der aus der Untersuchungshaft vorgeführte Malter Haase, der auch zur Vorwärtsbesatzung und zum Roten Soldatcnbund ge- hörte, bekundete, daß letzterer als offizielle Organisation an der Vorwärtsbc'etzilng nicht teilgenommen habe. Richtig sei es, daß der Rote Soldatenbund im Vorwärtsgebäude ein Bureau für sich eingerichtet gehabt hatte, weil er sich sichern wollte geaen Eingriffe von Regierungsfeiie. In diesem Bureau seien auch Anmeldungen zum Eintritt in den Bund entgegengenommen worden. Es sei ein Mann aus dem Ullsteinhause gekommen(auch diesen erklärten die Verteidiger für einen girent provocateur! und habe erklärt, daß die Besatzung dort in Not sei und wohl sich werde ergeben müssen, so daß man wissen möchte. wa§ man tun solle. Da habe er dem Manne einen Zettel unterstempelt, in»nehchem die Order gegeben wurde: Tvpcnkästcn umstürzen, Maschinen beschädigen, Maschinen unbrauchbar machen, Typen durcheinander wühlen. Schließlich wurde noch e-n Zeuge. Voriragslkünstler GraS- nick, vernommen, gegen den die Verteidiger heftige Einivendungen bezüglich seiner Glaubwürdigkeit erhoben. Er war mit Prinz zusammen in den Sicherheitsdienst, dann in das Regiment Reichs- tag eingetreten und arbeitete dort in der Kriminalabteiliuig und der Abteilung für Prcssesachen. Er hat an verschiedenen Verfamm- lungcn des Roten Soldatenbundes teilgenommen. Fröhlich sei nicht der eigentliche Führer gewesen, sondern Piek, Frank und be- kannte Führer der K. P D.— Ten Ausführungen de? Zeugen ge- aenüber machten die Verteidiger und einige Angeklagte gelteist»: Der Zeuge habe stet? provozierend gewirkt, einmal in einer Vw sammlung über Sichhorn im kommunistischen Sinne sich geäußert und den Rat gegeben, nach dem Marstall hinzugehen.— Der Zeuge bekundete weiter, daß bei Diskussionen in den Versammlungen ein- zelne Perionen sich dahin geäußert hätten, daß man künfftahiii nicht einzelne ZeitungSgebäude, sondern große Betriebe, die GaS» und Wasserwerke usw. besetzen müßte.— RechtSanroalt Lieb- knecht meinte, daß solche Reden wahrscheinlich von ähnlichen Eke» mkntcn, zu denen der Zeuge gehöre, geführt worden seien.— Rechtsanwalt Dr. Weinberg belxruptete, daß der Zeuge am 15. Febimar aufgefordert habe, an einem DemonstratimiSzuqe de« VolkSmckrinedivision teilzunehmen. Auf eine weiter« Frage er- klärte der Zeuge, daß er jetzt privatim tätig sei. wogegen die Ver- fteidiger meinten, daß er wohl der„Spitzclorganisation im Kriegs- Ministerium" angehöre.— Rechtsanwalt Dr. Weinberg: Der einzige Geh.eiinbund, von dem man in diesem Falle sprechen kann. ist der Geheimbund der Spitzel und agentz provocateurs- Die Beweisaufnahme ist geschlossen. Das Gericht verneinte nach der Beweisaufnahme die Anwend- barkctt der Z§ 128 oder 129 St. G. B. und sprach sämtliche Angeklagte frei.__ GWWerMl Zentralrat siir Mieterschutz. Der Zentralrat der deutschen sozialistischen Republik bat in einer ge»ici»scimen Sitzung mit dem kommunalen Ausschuß deS VollzugZrateS von Groß-Berlin zu der Verordnung über Sammel» heizungs« und WarmwasierveriorgungSanlagen in Mieträumen vom 22. Juni 1919 Stellung genommen. Die unsoziale Verordnung zu- gmtsten der Vermieter wird besonders die Beamtenschaft und die Arbeiterkreise der westlichen Vororte hart treffen und dazu bei» tragen, die Mietpreise und dadurch die Lebensbedürfnisse der Be- völkerung abermals stark zu verieuern. Die Verordnung ist juristisch unklar gefaßt und vom ReichSjustizminisierium falsch verlautbart»vordeu, so daß eine weitere Schädigung der Mieler durch unrichtige Auslegung der Schiedsstellen erfolgen könnte. Daher haben Erleuchtung. 9� Roman von Henri Barbusse. Hier wogt und wimmelt die Menschheit durcheinander. An der Biegung der„Neuen Straße", die dort seit ewigem Vorhanden ist, warten die Bauern aus der ganzen Umgebung. Sie sind zusammengepfercht»vie die Eier im Korb. Sie stehen mit der Baumwollmütze auf dem Kopf, die ganz glatt und kopflos ist. All diese 5kirchgänger sind mit Eßivaren beladen. Eine Bäuerin geht schräg über den Platz und sie schwingt ein geräumiges, schivarzes Netz,, das sie bei dem Griff gepackt hat und das nun ganz straff und starr zur Erde baunielt. Voin gepflasterten Kirchengrunde heben sich die staubbedeckten Gestalten der Heiligenbilder ab, und andere Bildnisse, die wieder lebhast wie frische Aepfel gefärbt sind. Kinderrcihcn hupfen und jauchzen herum. Die kleinen Mädchen spielen Puppe wie ihre Mutter, und die kleinen Jungen spielen Räuberhauptmann. Die würdigen Bürger stehen ernster und gefaßter herum als die gcivöhnlichen Leute und jeder spricht vor dem Beginn des Gottesdienstes von seinen persönlichen Angelegenheiten. Und»veitcr: Tort liegt die Landstraße, geschmückt von der Helligkeit des Aprillichtes, das die Baumreihen entlang leuchtet und überall bald Schatten wirkt und bald auch heiteres Gold. Dort klingen die Glöcklein der Radfahrer an. Dort hallt das Gerassel der Kutsche»:. Dort schimmert der Strom auf, der gebildet wird von den weit auslaufenden Wasserdecke,», über die wieder helle Soiniendecke»� gebreitet sind und blendende Flimmcrpunkte verstre»rt. Die Augen folgen der Landstraße. Da dehnt sich nebeir dein hart ge- schotterte»»: Steinpflaster die»veiche, bebaute Erde. Scholle an Scholle ist vielfarbig an einander gebettet. Das ist bald anzusehen wie dunkel schwerer Wollenstoff oder Billardtuch, das verläuft bald in zarte Helligkeit zum Räume hin. Stellenioeise»völbt sich auf dieser flachen Farbcnkarte so etwas wie ein Busch>verk. Die Wege sind mit Bäumen besät, die in schlichter Reihe dastehen, und kinderwinzige Schäfereien liegen dazwischen. Ich liebe sie sehr, diese meinem Herzen wohl vertraute Landichaft. In ddr letzten Nacht hat es ein wenig geregnet. Die Straße ist zum Wasserbächlein geworden, in dem die frisch gewaschenen Steine blinken. Tie Dachziegel sehen aus, qls wenn sie frisch bestrichen worden wären, und die Schindel- dächer liegen in neuem Lichte. Das Pflaster glitzert. Stellen- weise überragt es daß Wässerlein. Der Himmel ist zartblau. und die W/dlken daran sind wie aus Scidenpapier geschnitten. Und zirnschen den beiden ockerfarbenen Gebäuden entdeckt das Auge den veilchenfarbenen Flaum der Wälder und darüber den benachbarten Kirchturm, der dem Unseren so ähnlich ist, obgleich er sich doch wieder so stark von dem Nnsnzen unterscheidet. Der Blick umspannt wie ein Regenbogen alle diese Bilder, die sanft behaglich sind. Dann betritt man von dem Platze auS, an dem sich jeder so heimisch suhlt, das Innere der Kirche. Der gute Priester murmelt uns aus dem Buschwald der Kirchenkerzen die große, unendliche Litanei zu. Er segnet uns, er umfaßt»nit seinem Segensspruch jeden einzelnen und jeden insbesondere, Väter- lich und mütterlich zugleich. Vorne in der allerersten Reihe sitzen auf der Herrschaftsbank der Marquis von Monthyon, der ein soldatisches Aussehen hat, und seilte Schwieger- mutier, die Baronin Grille, die wie eine gewöhnliche Daine angezogen ist. Nach dem Schluß deS Gottesdienstes gehen die Männer fort. Die Frauen trennen sich schon schwieriger. Sie ver- weilen noch eine Weile beieinander. Endlich zerftreuen sich all diese schivirrenden Menschenbündel. Hin Mittag werden die Geschäfte geschlossen. Bei den reichen Häusern geschieht das ganz geräuschlos und von selbst. Bei den anderen muß ein Arbeitsmann die Fensterläden hinaustragen und anschrauben. Dann ist alles, alles auch leer geworden. Nach dem Mittagbrot streife ich in den Straßen umher. Zll Hause langweile ich mich, aber bin ich erst draußen, so weiß ich nicht, was ich anfangen soll. Ich habe keinen Freund. Ich habe iliemand, den ich besuchen soll. Ich bin schon zu viel, uin mit den einen zu verkehren, ich bin noch zu»venig, uin mit den anderen zu Verkehren. In den Cafös und Kneipen sumint es schon, dort klingt es schon, dort ballt sich schon der Qualm auf. Ich gehe aber grundsätzlich nicht in die Kneipe, und dann hat»nir meine Tante auch von Jugend an die Neigung eingepflanzt, kein überflüssiges Geld auszugeben. So gehe ich denn ziellos in den öden Straßen herum, die vor meine» Schritten aufgähnen.» Die Uhr schlägt die Stunden an, Ma»i hat den Eindruck, daß die Stunden über- flüssig sind, und daß man doch nichts vor sich bringen»vird. Ich schlage den Weg nach den Gärten der reichen Leute ein; die Anlagen lausen zum Flußufer hinuuter. Mit ein wenig Neid spähe ich über die Mauern in diese üppigen Parkanlagen hinein und aufwärts zu den hohen Baumwipfeln, die noch bekleidet sind von der zerfetzten und beschinutzten Laubbeklei- dung des letzten Soinmers. Ich babe das alles schon wieder hinter mir gelassen, als ich Tudor, den Provisor in der„modernen Apotheke", treffe. Er zögert, er zweifelt, er weiß nicht wohin er sich wenden soll. Jeden Sonntag legt er denselben zerbrochenen Kragen an. Als er bis zu mir gelangt ist,, scheint er erst zu merken. daß er nicht mehr weiter soll, und er bleibt stehen. Eine halb erloschene Zigarette fristet in seinem Munde ihr Leben, hin. Cr begleitet mich ein Stück. Ich schleppe seine Schweig- samkeit bis zu dem Platanenweg. Dann»verden in der Eintönigkeit der Straße einige Ge- stalten sichtbar. Junge Mädchen locken meine Aufinerksamkeit an. Sie zeigen sich beim Vorübergehen in den Häuserfenstern oder vor den geschlossenen Geschäftsläden. Einige dieser jungen Mädchen sind reizend, und sie befinden sich in der Gesellschaft ihrer Mütter, die gleich einem Zerrbild der Töchter anzuseben sind. Tndor hat»nich verlassen, ohne daß ich eS bemerkt hätte. Schon leuchtet und lärmt es überall ein wenig in den Kneipen auf. Durch das Dämmergrau schiebt sich eine düstere Menschenmenge, die nicht mehr aufzuhalten ist. DaS ballt sich zusammen»vre ein finsternisbeladener Geivitter- stürm und Blitze sprühen daraus hervor. « Run ist endlich der Abend gekommen, der Sanftheit über die Straßen ergießt. Schon sind, aber kaum noch bemerkbar, im Gelände des Stromufers, zu dem ich eben einsam und zerstreut hinabgestiegen bin, stille Friedensbilder zu finden. Gestalten huschen vorbei. Sie suchen sich, sie verbünden sich. Paare erscheinen und verschwinden. Sie sind eng verschlungen und»vollen denr geringen Lichte entfliehen, das noch»vahr- »ehmbar ist. Der Abend verlöscht die Farben- und die Menschcnzuge, und die Namen der vorüberhuschenden Menschen und auch das Wesen afler Menschen insbesondere. Ich bemerke eine Frau, die am Flußufer steht und Ivartet. Während sich ihre Gestalt derart vom perlgrauen Grunde abzeichnet, scheint es, als wenn der Schatten selber als Last aus ihrem Leibe, liege. Ich suche ihren Namen, doch ich erkenne nur die Anmut, die sich in der Unbeivcglichkeit dieser Frauengcstalt ausdrückt. Und in der Nähe dieser tief- verschattenden Karyatide, die eingemeißelt ist unter die schwarzen Säulen und das wolkige Gezweige der hohen, den: Versch»vimmenden Azurblau eingepflanzten Bäume, gehen die Paare einher, tztz» sich umschlungen halten, vtit. kauin vernehmbarer Gebärde. Kaum unterscheidet man die beiden Menschen, die sich da umschlingen. Der Schatten schließt sie in sein Tempelgctvölbe ein. Ueber dem GraSabhang erhebt sich eine sehr alte Fischerhütte. Weiter unten rauscht daS Schilf in dem Windwehen. Dann stehen, hier und da über den Boden gestreut, rund gewölbte Blu»nenknospen. Auf ihrem Antlitz blinkt es,»noch sind sie unberührt von' dem Wasser. Die Landschaft hat ein exotisches Aussehen, oder sie ähnelt auch einer altertümlichen Landschaft. Man ist irgendivohin in den Raum verschlagen und irgendivohin in die Jahrhunderte rhckivärts. Man ist verschlagen zu irgend einem Winkel der ewigen Erde, in dem sich Menschen beider Geschlechter nähern und verklammern, um die Nachthülle deS Geheimnisses um ihre Leiber zu Hullen.(Forts, folgte f!dj der Ieniralrat und der kommunale Ausschuß de? VollzugSrateS von Groß-Berlin veranlaßt gesehen, bei der Regierung die schleunige Aufhebung� resp. Aliiiiidcrniig der Verordnung zu beantragen. Da aber die Schiedsstellen bereus durch Anträge der Verniieter in An« spruch genommen werden und eine große Beunruhigung der Mieler eingetreten ist, io wird es notwendig, daß die Schiedsstellen der- artige Anträge vorläufig nicht zur Verhandlung bringen, sondern zunächst die Enischeidung der Regierung abwarten. Der Zentralrat und der kommunole Ausschuß deS Vollzugs- ratcs Vau Groß-Berlin stellen sich auf den Standpunkt, daß nur Verträge, die vor dem L. November 1817 abgeschlossen worden sind. für eine Steigerung überhaupt in Frage kommen könnlen. Auch bei solchen Verträgen sollte die Mehrvergütung für die gesteigerten Heizstoffpreise gesondert von dem MietzinS nach Anhören des Mieter rat es festgestellt werden. Die Preissteigerung darf in keinem Falle' ani die Mieter allein abgewälzt werden; sie müßte aber nach Auffassung des Zentralrats und des kommunalen Aus- schusses des Vollzugsrats von Groß-Berlin wieder zur Aus« b« b u n g gelangen, wenn der Kokspreis unter 5 M. pro Zentner Gaskoks sinkt. Eine Steigerung müßte ausgeschlossen sein bei Mier« räumen, deren Jahresmictzins vor dem 2. November 1917 in Groß« Verlin weniger als LOOV M.. in Städten von 20— 50 000 Einwohnern weniger als 1500 M., in Städten unter 20 000 Einwohnern weniger als 1200 M. betrug. Die Gemeinden und der Gesetzentwurf Groft-Bcrlin. Zahlreiche Gemeinden haben dem Ministerium des Jnneni mitgeteilt. daß es ihnen unmöglich sei, in der Frist von 4 Wochen die Beratungen ihrer Körperschaften über die Groß-Berliner Frage zu Ende zu führen und um eine N a ch f r i ff von vier Wochen gebeten. In den Gemeinden, wo sozialdemokratische Mehrheiten vorhanden sind, findet der dem Gesetzentwurf zugrunde liegende Gedanke der Eingemeindung Zustimmung, wie in L i rfi t e n b e r g. wo die Ein- gemeindungskommission zu einer dahuigehendsu Entschließung gekommen ist. In T e m p e l h o i wurde der Ansicht Ausdruck gegeben, daß die Befugnisse der Vorortbezirke zu sehr beschräizkt und vor allem nicht scharf genug abgegrenzt seien. Eine unbedingte Ablehnung des Entwurfs trat a»ch in der Tempslhofer Kommission nicht hervor. Die?!otlage der Staatsbeamten. UnS wird geschrieben: Mit welch verschiedenem Maße bei der Behandlung der Beamten uud Arbeiter im Reiche sowie anderer Angestellten gcgeuüher den VerwaltungSbeamten geincffen wird, soll in Nachsuchendem beleuchtet werden. Ein Eisenbamiarbeitcr, Schlosser, 26 Jahre alt, unverheiratet, ertiält, weil er nicht gestreikt, als Belohnung 1 Pfund Speck und 1 Pfund Fett zu je 5 Tit. zugewiesen. Derselbe Arbeiter erhält einerrxahn von 600 I!. monatlich. Daß die Eisenbahner schon lange Zeit neben ihrer Ration an Butter ustv. noch nebenbei von ihrer Dienststelle alle möglichen Zuwendungen an Lebensmitteln erhalten haben, dürft- der Oeffent- lichteit doch wohl auch bekannt sein- Aus welchem Grunde erhalte ich, der ich 34 Jahre lang ohne Unterbrechung und ohne Streik meinen Dienst getan, nicht auch eine Belohnung in irgend einer Form, bin ich ein Arbeiter zweiter Klaffe? Alles dreht sich heute um die Verkehrsbeamten, al? ob diese eine besondere Gattung von Menschen wären. Wie sieht es dagegen bei anderen Beamten aus? Ich habe das Gvmnasium besucht, habe aus der Unterosfiziervorschulc neben freier Station eine Monat- I i ch c Löhnung von 7 5 P f. erhalten, als Neunzehnjähriger 22 Pf. pro Tag, als verheirateter Feldwebel 60 M. monatlich, als 30jähriger verheirateter Beamter nwnatlich III M. und erhalte jetzt nach 3 4 D! e n ff j a h r e n als bOjähriger Mann ein monatliches Gehalt von 350 M. einschließlich Wohnungsgcld als Kanzleifeiretär, also mittlerer Beamter, dazu kommt die TeuerungSzuagc von 185 M. monatlich, macht zusammen 545 M. monatlich. Gibt cS wohl eine größere Ungerechtigkeit in der Bezahlung der geleisteten Dienste? Tic Stadt Berlin zahlt ihren Beamten Entschuldungszulagen und wir muffen durch höhere Steuern diese Zulagen wieder decken. Warum gibt da? Reich seinen Beamten nicht auch auskömmliche Besoldung? Nichts von alledem, sobald es sich um die Verwaltung?- beamten handelt, ist mit einem Male kein Geld da, wahrend es für andere Polksgenossen milliagtenweise ausgegeben wird. Wir Be- achten haben früher am löimgertuche genagt, jetzt nach der Revo- lution verschulden und verelenden wir vollkommen, das sind für uns die Errungenschaften der Revolution. Sollte dieser Verzweiflungs- schrei nicht endlich mal dort gehört werden) wo cr gehört werden müßte?_ Neuregelung der Seifcnverordnnng. Durch erhöhte Zuteilung von Fetten und Oelen an die deutsche Seifeuindustrie wird es möglich, die den Verbrauchern zugeteilten Mengen erheblich zu verbesjern. K.-A.-Seise wird in Zukunft ohne Seifenkarto abgegeben. Unter Beibehaltung des bisherigen Preises ist ihr Fettgehalt von 16 ans 25 Proz. erköht worden. K-A.- Seifenpnlvsr wird unter Verdoppelung des bisherigen Fettgehalts mit monatlich 125 Gramm auf Seifenkorte geliefert. Der Preis erhöht sich auf 0.45 M. für ein Halbpfiludpaket. Es wird eine einwandfreie Kernseife von Friedensgiialffät 160 Proz Fettgehalt) hergestellt. Das 10�-Gramin-Slück kostet 0,80 M..Als Feinseife wird eine gute polichte Toilettenscife<80 Proz. Fettgehalt) geliefert. Für die Selbstrasierer wird statt dessen einwandfreie Rasierieife zur Verfügung gestellt. Das 100-Gramm-Stiick Feinseife wird mit 1,20 Mk., das 50-Gramm-Stiick Rasierseife mit 0,60 M. berechnet. Ein Feinseifenabschnitt berechtigt zum wahlweisen Bezug von 60 Gramm der genannten Erzeugnisse. Bereits Ende August soll mit ihrer Lieferung begonnen werden. Der Vorbczug auf Sep- tembermarlen ist bereits im August zulässig. Angesichts dieser Verbesserungen empfiehlt es sich si"ir die Ver- braucher, vom Kauf ausländischer Seife im Schleichhandel nach Möglichkeit abzusehen, da durch diese Neuregelung in Kürze ein erhebliches Sinken der bisherigen Wucherpreise zu erwarten ist. Laurechtsfragen im VerdnndSausschiiß Groß-Berlin. Der Ver- baiidsausschuß hat sich mit einem Nachtrag zu der erst im April v. I. wesentlich umgestalteten Bauordnung für die Vororte beschäftigt, der eine Lockerung der Bauweise in den Vororten anstrebt. So sehr dieses Bestreben zu begrüßen ist. ist doch dabei wieder zu- tage getreten, daß die neue Vorortbauoidnung, welche gegen das Votuin des Verbandes erlassen worden ist, eine ganz un g e i g n e t e Grundlage für die Reform des Groß-Berliner Siedlungswesens bildet und daß durch die sorlwährenden Aenderuugen das Bau- Ordnungswesen immer komplizierter und unübersichtlicher wird. Der Verbandsausschuß hat daher erneut ans die Notwendigkeit hingewiesen, mit dem bisher geübten Verfahren der fortgesetzten und eines einheitlichen Plaues ermangelnden Aenderuugen zu brechen nnd an seine Stelle eine planvolle Reform treten zu lassen mit dem Ziel, das Waurecht klar, übersichtlich' und ein- heitlich für den Bau- und AZirlschastskörper Groß-Berlin zu ge- stalten. Leider ist den mehrfachen Anregungen des Verbandes in dieser Hinsicht von der Slaatsregierung bisher keine Folge geleistet worden. Berücksichtigung der Kriegsbeschädigten müßte man doch in erster Linie Kon Reichsbebörden erwarten. Die Reichstextilstelle aber Ugt einem Angestellten gekündigt, wejl er infolge seiner Kriegs- beschädigung ab und zu Nervenanfälle erleibet, die aber nicht etwa eine Störung des Betriebs oder eine Beunruhigung des Personals herbeiführen können. Wir könnon unsere Verwunderung über dieses Vorgehen nicht verhehlest. Die Berliner Postämter befinden sich zum Teil in traurigem Zustande. Tagein sitzen die Beamten in ben luit- und lichtlofen Räumen hinter den«chalrern. Es kann nicht gelüstet werden und das elektrische tZickl brennt den ganzen Tag. Dnmpsc Hitze brütet in der staubgesätligten Lust.. Ganz abgcscben davon, daß derartige Räume unhhgicnifch sind und in hohem Aaße der Verbreitung von Jnfektsonskrankheiten Vorschub leisten, hat der Mensch auch Anspruch auf helle geiunde Arbeitsstätten. In solchen geschilderten Räumen kann frohe Arbeit nicht gedeihen. Und was nutzt es, große Krankenhäuser und Heilstätten zu bauen, wen» wir die Lebens- und Arbeitsbedingungen nicht ändern? Pflaster auf offene Wundenl Zu allererst würdige Wohn- imd Arbeitsräume für alle Menschen! Ist diese Forderung erfüllt, dann löunen wir weiter Denkmäler und Kunsthallen errichten. Vorerst haben wir genug. Ich erinnere an das Wort Ruskins:.Seit Jahrtausenden bauen die Menschen, und noch immer haben viele Menschen kein würdiges Dach über ihrem Haupte; seil Jahrtausenden weben die Menichen, nnb noch immer gehen viele unter ibnen in iniedlen Ge- wändern." Von dem neuen Deutschland hoffen wir Luft, Licht und einfache, im täglichen Leben wirkende Schönheit für alle seine Kinder. Und die Blaubeeren? Nach einer MTB-Meldung ist der Früh- obsthandel frei, entgegensieheiide Anordnungen sind ungültig. Einige Berliner Großhändler, die oberichlesische Blaubeeren heranholen wollten, mußten aber seststellen, daß alles von der ReichSstclle für Obst nnd Gemüie bezw. der Provinzialstelle in Breslau dem freien Verkehr entzogen ist. Wo kommen sie hin? In Berlin sind sie unerschwinglich!, Verschiedene Wäschereien haben jetzt ihre Haftung für verlorene oder gestohlene Wäsche auf das 5— 20fachs des Wasch-, Roll- und Plättpreises begrenzt. Das bedeutet bei dem jetzigen Wert, daß unter Umständen z. B. für einen Verlust in Höhe von 700 M. 125 M. Entschädigung gezahlt werden. Man sehe also zu, mit wem man es zu tun hat. Vielleicht interessieren sich auch die Behörden für diese Frage. „?Nangcl an BiircaiihilsSkräftcn bei einer LandeSversicherungs« nnstalt" war vor einiger Zeit in einer Notiz der„Boss. Ztg." be- hauptet. Ein schon lange stellungsuchender Kaufmann mit Er- fahrung in der Sozialversicherung liest das, schreibt hin und wird an die Korre'pondenz„Neuer politischer Tagesdienst" als Verfasser der Notiz verwiesen. Eine Anfrage dort ergibt die Antwort, daß es sich um die L.-V.-A. Berlin handle, bei dieser aber aus Anlaß des Artikels schon Hunderte von Bewerbungen eingegangen seien. Der Mann fragt mit Recht, woher diele Hunderte gewußt haben, um welche Anstalt es sich handle. Natürlich halte seine direite Be- Werbung keinen Erfolg und er meint, die Notiz iei nur Stimmungs- mache gegen die Arbeitslosenunterstützirng gewesen. Es war ganz verdienstlich, einmal der Herkunft solcher Nachrichten nachzugehen. Die Kopra ist nicht zu verwechseln mit der furchtbaren Brillen- schlänge Cobra. Es bandelt sich aber auch r.icht um die Kopra-Nuß, die vor verflogenen Zeiten in ganzen Schiffsladungen aus Afrika nach Deutschland kam, um hier, in der Wellfabrik, auf Fett und Seife verarbeitet zu werden. Nein, unsere liebe„Kommunale Praxis" hat jetzt unterm demokratischen Gcmeindewahlrecht soviel Abonnenten mehr, daß sie ihren— der„Kopra" Umfang erweitern kann. » Keine„Königlichen" RmtSschilder mehr. Der Handelsminister hat an die Behörden einen Erlaß gerichtet, worin es als notwendig bezeichnet wird, auf den Siegel- und Stempelalidrucken sowie bei den Anschriften an und in den Dienstgebäuden der preußischen Staatsbehörde-, das Wort„Königlich" zu entfernen oder durch das Wort„Preußisch" zu ersetzen. Mit Rücksicht aus die derzeitigen Schwierigkeilen empfiehlt der Minister, im allgemeinen von der Beschaffung neuer Amtssiegel und-schilder vorläufig abzusehen. Rentenzahlungen an Kriegsbeschädigte. Beim Verzuge von Mililär-Rentenempfängern tritt oft dadurch eine erhebliche Bei- zögerung bezw. Stockung in der Gebührniszablung ein.?aß die Kriegsbeschädigten pp. die Ueberweisung ibrcr Gebührnisse bei den zurzeit überlasteten PensionsregeliingSbebörden jRegieriingc») direkt beantragen. Die Empfangsberechtigten müssen Neberweiiung ibrer Gebühnnste von einer Ppsianstalt zur anderen zur Vermeidung dieser Verzögerungen nur bei der bisher zahlenden Postanstalt bcan- tragen. Die Kinder, die für den Kreis Rössel bestimmt sind, fahren nicht mit dem Sonderzuge„OuintiliuS", sondern mit dem Zuge„Paul" am 15. Juli, mittags 12 Uhr, vom Stettiuer Bahnhof ab und ver» sammeln sich um, 10 Uhr vormittags Gartenstr. 107 a. Arbeiterwochenkarten weiden auf ve-schiedenen Bahnhöfen nur gegen Arbeiter-Ausweis verkauft. Man richte sich also darauf ei»! Die zbundcsperre in Berlin« ist aus Lichtenberg ausgedehnt und zwar bis 2. Ottober. Der groß« Einbruch in das BcrwaltnngZgebändr der Gemeinde Reinickendorf am 31. Mai ist jetzt von der Kriminalpolizei aufgeklärt und die Täler dingfest gemacht worden. Beteiligt waren ein junger Mann namens Schulz, der schon vor einiger Zeit bei einem Woh- liungseinbruch abgefaßt worden ist, die drei Gebrüder Willi. Paul uud Gustav Fiedler und ein Händler Georg Lawrenz, die jetzt er- miltelt und hinter Schloß und Riegel gebracht wurden. Villtgc Möbel. In der Zuckerversorgungsstelle. Kommandanten- ftraße i>0/8l. bcstcbl eine Abteilung zur Linderung der Atöbelnot. die an Bedürftige eine Einrichtung, bestehend aus Stube und Küche, zum Vreitc von 1825 M. abgibt. Teilzablung ist gestattet. Di« Möbel sind im Siadi- haus zu benchiigen. Eine Bescheinigung des Bezirksvoistehers über die Einkonrmensverhälinifse, Ebe- und Mietskontrakt sind bei der Zinkerversor- gungsstelle vorzulegen; io lange sich die Prelle aus dem sreicn Möbelmarkt und im Altbandel nicht wesentlich senken, wird diese segensreiche Maßnahme bestehen bleiben. Das Osear-Helene-Hei», für Heilnng nnd Grziehnng gebrech- lichcr Kinder in Verlin-Dahlem kZeblciidorf, Kronpriiizenallee hat im Jnm sein BereinSIazareit sür Schwerbeschädigte ausgelöst, um sich wieder ganz der Kinderkrüppelsürsorge zu widmen. Es iverden dadurch über 100 Plätze srei. Dasür kommen neben den schweren Lähmungen, den angeborenen oder erworbenen Vernnftaltungen zurzeit hauptiächiich die Knochen- und Gclcnltuberlulose und die schwere englische Krankheit in Frage, weil in dem 20 Margen großen Waldgelänbe die besten nnd zurzeit einzigen Heilsaktoren— Licht und Luit— vorbanden sind, nachdem die Fnedensbedingiingcn uns die Länder, welche Mlich und Butter erzeugen, und außerdem noch Milchkühe wegnehmen werden. Die Tuberkulös-, auch der Knochen und Gelenke, hat sich bekanntlich während der Hungerblockade in erschreckender Welle ausgebreitet, ,ui>d wenn der neue surchtbare Feind des heranwachsenden Oieschlechis wirksam irtkä mpst iverden soll, kann sS nur dadurch geschehen, daß die Kinder aus den übersüllten Wohnungen in den Wald gebracht werden, besonders dorthin, wo auch alle übrige» Heilmittel der Orthopädie sowie eine Schule vorbanden sind. Auch sn dcn'W e r k- statten der Anstalt werden setzt mehr Plätze sür bewegungstzebeminte Lehrlinge srei. die ein Handwerk, Fabrikarbeit oder Gärtnerei lernen wollen. Tie Annahme der Kinder sür Bebandlimg oder Ausbildung zu einem Berns erfolgt in der vom Oscar-Helenc-Heim unterhaltenen orlho- pädischcn Poliklinik und Beratungsstelle in Berlin.?., Skalitzcr Str. 9. Mon« tags. Mittwochs, Freitags, von 2—8 Uhr, Ivo ambulante Krüppelleiden be- handelt werden und die Kinder Ratschläge sür Unterbringung in geeigneten Anstalten und Wahl eines Bernses erhalten. Wer war der Retter? Am Sonnlag vormittag kenterte auf dem Tegeler See nabe dem Kaiierpavillon ein- Ruderboot. Die Insassen, ein älterer Mann und seine Tochter, fielen ins Wasser und schwebten in Lebensgefahr. Ein junger Mann, welcher den Vorgang beobachtet batt-, warf sich kurz entschlossen ins Wasser und rettete unter eigener Lebens- gesabr olle zwei Personen, welche besinnimaSlos geworden waren. Bei den Dlederbelebungsversi-chen, welche sofort angestellt wurden, verschwand der Netter, ohne jeglichen Dank anzunehmen. Er verlor an der llnsall« stelle ein silbernes Zigarcitelietui, gezeichnet(4. E. Er wird gebeten, sich bei Richard Orlmaini, Schönholzcr Str. 4, zu meiden. Schlichtungsausfchiiff Groft-Berlin. Da der Stadl-»nd Ring- bahuverkehr ab heute ausgenommen ist. finden die Termine in Arbeitersachen ab heute(in Angeslelltensachen ab Montag) wieder statt. Neukölln. Kontrolle der Erwerbslosen. Für die Dauer des Verkehrsstreiks sind diejenigen Erwerbslosen von der Stempelnflicht befreit, die den längeren Weg zu den Berliner FacharbeitSnackweiien zurückzulegen hätten. Diejenigen hier wohnenden Erwerbslosen, für welche die Kontrolle durch eisten der drei städtischen Neuköllner Arbeitsnachweise in Frage kommt, müssen der Dtempelpfltchi nach« kommen. Petcrshagcn. Gemcindcvcrtrctmig. Dr. Manasse-FrederSdorf schilderte die Pflichten und Aufgaben eines Schularztes. Hiernach führte Genosse Mai unter allgemeiner Zustimmung aus, daß die G.-L. bereits seit 15 Jahren sür schulärztliche Untersuchungen der Kinder wohl Mittel im Etat vorgesehen, doch nie verausgabt habe. Diesem Sparen aus Kosten der Gesundheit der Kinder müsse ein Ende bereitet werden. Sein Autrag auf. sofortige Anstellung eines Schularztes wurde einstimmig angenommen. Der Antrag des Ge« meindewaisenrates Pastor Wallis auf Gewährung einer Entschädigung von 300 M. wird abgelehnt. Genosse Mai beantragte, den Kohlen- großhandel in Gemeindeverwaltung zu übernehmen. ES gelte neue Einnahmegncllen ohne Belastung der Einwohnerschaft zu schaffen. Dem Antrag wird einstimmig zugestimmt. Nach einer erregten Debatte über die Pianierung des Abelschen Grundstückes schloß die Sitzung. Lankwitz. Der Gemeindevorstand schreibt uns zu unserem Bericht vom 28. v. M: • Die Gemeindevertretung hat beschlossen, den Markt zu errichten und einen Vertrag mit einem Pächter abzuschließen. Der Beschluß ist jedoch io aufzufassen, daß lediglich eine im Marktverkehr bestens vertraute Person angestellt wird die für ihre Tätigkeit eine ent- sprechende Vergütung erhält, die Markleinnahmen aber der Gemeinde- lasse abliefert. Im günstigsten F�lle handelt eS sich um eine wöchentliche Marktgeldeinnahme von 2- bis 300 M. Bon dieser Summe erhält der Pächter sür seine Arbeit 20 bis 30 Proz. Jeden- falls ist von einer Ausbeutung der Allgemeinbevölkerung durch den Pächter überhaupt keine Rede, ebenso auch von der Stärkung des Kapitalismus nicht. Die Gemeindeverwaltung ist gezwungen, den Markt, um ihn überhaupt lebensfähig zu machen, einem Fachmanns zu übergeben, der aber an der Lehensfähigkeil de» Marlies nur dann Interesse hat, wenn icine Leistungen auch durch entsprechende Ent« schädigung abgefunden werden. Nowawcs.?'!n 80. und 3l. August veranstaltet der Arbeiter-Tumer- bund eine BundeSturusakrt nach NowaweS. Die kiesige Freie Turn- und Svarivereinigirng feiert an diesen Tagen das Fest des 25jäbrigen Be« stehcns. Es ist daher mit einem stai len Zuzug auswärtiger Turnerinnen und Turner zu rechnen. Die'e müssen nun auf ein bis zwei Nächte untergebracht werden. Wir richten an die Einwohnerfchast von NowaweS die Bitte, uns so viel wie irgend möglich Freiquartiere zur Bersügung zu stellen. Grost-Verliner Lebensmittel. Wilmersdorf. Herrenanzug- und Tamen-Kostümstoffe werktägNch von 9— 12 11 hr, Giescicritr. 7, gegen übliche Bezugsscheine. BUilen in neuesten Formen. Kostüme, Röcke, Frauen-Wintermäntel aus Friedens« stostcn in uielcu Größen nnd Farben vorrätig. Bezugsscheine erhält jeder, der im vorigen Jahre kein ReichSkoslüm oder kemeii Reichsmantel bezogen bat. Knabcnanzüge, fertige bunte Bettbezüge, Kopskissen und weiße Lein-n» laken und viele andere Bekleidungsstücke, darunter auch Stiesel mit fester Ledcrsohle, werden ohne Bezugsschein gegen Legitimation abgegeben. Mariendorf-Sudende. 250 Gramm Hasersiocken und 2 Suppen« würsel<32. 33). Für Jugendliche 200 Gramm Teigwaren<35. 36), je 1 Pfund Graupen und Haferflocken 145, 46). Abirenmmg der Abschnitte bis Freitag. 50 Gramm Margarine(X8). Bis U. Juli in den Gemeinde- läden an Kinder im 1.— 6. und an Jugendliche im 7.— 17. Lebensjahre AuslandScier(11). Vollmilch« und Jugendlichen-Karte vorzulegen. Kranken- brol nur 2000 Gramm. Johannisthal. 250 Gramrn Kunsthonig(35), 200 Gramm Sülsen- sruchtmchl<40). 1 Paket 5UkS(462), 500 Gramm Kiichenmehl(42). Lichtenberg. Für Kranke auf den Märkten bis 12. Juli 6 Eier zu 1,25 M. Weizenmehl 11V 8). Garn aus Antrag sür Familie mit mindestens 3 Kindern unter 12 Jabren(369) Belleidmigsitelle Frankfurter Allee 87 bis 15. Juli. Brennbolz-Verkauf Hauptstr. 4 und Deulschmelsterstratze. Dempelhof. Als Eriatz sür fehlende Kartosselmenge 750 g Brot(50), 225 g Kartosielprävarate(51). Kuchenmehl 500 g(42) der Lebensmittelkarte des KrelicS Teltow. Preis 0,32 M. Reis 125 g(48). Für Kinder im 1. und 2. Lebensjahre: I Psund Haferflocken, S Pakete Keks, 125 g Reis. Für hoffende Mütter: I Psund Grieß, 1 Pfund nkr. Weizenmehl, 125 s Ziels. Für stillende Mütter? 1 Psund Grieß, 1 Psund nkr. Weizenmehl, 125 g Reis.— Anmeldung: MaiSgri-ß oder Maizena 250 g(49), am. Hafcrnährmittel 300 g(54). Für Jugendliche: Reis 125 g(39), Hafernähnnittel, 125 g(40), Grieß 125 g(41).— Marmelade. 250 g(35) AriSIändi'cheS oder Jnlandmehl 500 �(V 7, IV 8).— Anmeldung: Je 250 g(0 9, D 10, 1 11, K 12).— 1 Dole amerik. kondensierte Milch(iL 2) für Kinder, Serie VI— Xkl.— Heringe 250 g(32). Grsß-Serliner parteinachrichten. 30., 31. uud 32. Zlbtlg. Sonntag, den 13., Gemeinsamer.Familien- ausslug nach Birlcnwcrder-Lchiiitz und Oranienburg. Absahrt früh 8 Uhr vom Bahnhof Genindbrunuen. Nachzügler treffen sich mittags in Lehnitz. Treffpunkt dor 32. Abtlg. bei Korn. Gleimftr. 10. Neukölln. 5. Abteilung.. Morgen, Freitag, 7 Uhr, in WolsS Ge« sellschastshaus. Kiichhofftr. 41. Abteilungsversammlung. Lankwitz. Moegen Freitag, 8 Uhr, 6. Vorlesung des Gen. Herbert Bcrger über:„Tie Geschichte deS Sozialismus" im Zeichenjaal der Schule II, Seydlitzslraße. vereine unö Versammlungen. Reichsbund der Kriegstciinchmer u»d Kriegshinterbliebene«. Ortsgruppe Hsrzfeldc uns Umgegend. Sonnabend, 12. Juli, 8 Uhr, im Geiellschaslsbaus Taßler, ö s s e n l l i ch e Versammlung aller Kriegsbeschädigten. KricgSleilnehmer und Kriegshinterbliebenen. Das Recht der Kriegsopfer und ihre Zukunst. Reserenien: Fron Schildhauer und Kamerad Stephan. Mitgliedskarten mitbringen. Ausnahme neuer Mitglieder.— Bcfichtigung der Nitolaitirchc(am Molken- markt) nach einem Vortrage und unter Führung des Pfarrers Göhrke heute abends S Uhr. Oeffnung 7ss, Uhr. Eintritt fiei. Serichtszeitung. Falsche„Noskc-Truppcn" auf der Bcutefahrt. Am 17. Februar d. IS. erschienen in der �Wohnung des Mecha- nikers Barthel in der Kleinen Frankfurter Straße zwei mit Ge- wehren und Handgranaten bewaffnete Soldaten unter Führung des Arbeiters Otto, der Vizefeldwebelunisorm trug. Dieser legte einen gefälschten Ausweis des Polizeipräsidiums vor, nach welchem er berechtig: war, Schleichhandelsware zu beschlagnahmen. Die Wohnung wurde durchstöbert, und schließlich fanden die Soldaten. welche falsche Abzeichen des Reinharlt-Regiments trugen, 25 Pfund ifrisches Schweinefleisch, zu dessen Fortschafsung Barthel auch noch einen— Rucksack zur Verfügung stellen mußte. Otto stellte eine Quitinng aus den Namen„Wachtmeister Brandt" aus. Auf der Straße wurde das erbeutete Fleisch dann gleich in drei Teile ge- teilt.— Das Gericht erkannte gegen Otto auf 1 Jahr Gesäng- n i s unter Anrechnung von 4 Monaten der Untersuchungshaft bei sofortiger Haftentlassung. Eines Tages im März d. Js. wurde der Bäckermeister Boge in Weißensee Irlephonisch angerufen mit der Anweisung, sich sofort mit seiner Ehefrau in dem Berliner Polizeipräsidium, Zimmer 86, einzufinden. B.. der sich absolut nicht denken konnte, um was es sich handelte, fuhr sofort nach Berlin. Kaum hatte er seine Woh», nnng verlassen, als dorr drei Männer in Uniform, der Schlosser Hohnk«, die.Sicherheits"soldaten Beyer und Richter, erschienen, dem allein anwesenden Soon des B. die Pistole auf die Brust setzten und im Befehlstone Auskunft verlangten,„wo die Waffen versteckt seien". Der junge Mensch wurde derartig eingeschüchtert, daß cr nicht wagt«, Hilfe herbeizurufen. Die Räuber fanden schließlich eine Kassette mit 38 000 M. Bargelb, welches 53. trotz aller Warnungen gehamstert hatte. Ter fünfzehnjährige B. wurde dann mit in das Militäraulö genommen, und in rasender Fahrt ging es nach Berlin. Unterwegs sollte der innge B. bei voller Fahrt aus dem Wagen geworfen werden. Richter erhob jedoch hier- gegen Einspruch, so daß man das Auto wenigstens halten ließ, nachdem man dem jungen Menschen nochmals die Pistole auf die Brust gesetzt hatte mit den Worten;„Wenn du die Schnauze nicht hältst, kriegst du ein Ding gebrannt!"— Dem Wahrspruche der Gr- schworenen gemäß wurden verurteilt; Hohnke. zu b'A Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust, Beyer zu Z Jahren Zuchthaus und Richter zu 2A Jahren Zuchthaus sowie zu 10 Jahren Ehrverlust. Erich Mühsam und Genossen vor dem Standgericht. die wissell-krise. Weimar, 9. Juli. tEig. Drahtbericht des„Vorwärts'): Ein Teil der liberalen Presse stimmt Triumphgesänge an über das angebliche Scheitern der Wissellichen Planwirtschaft. Daran ist nur soviel wahr, daß das Kabinett allerdings dem vom Reichswirt- schastSminister Wiffell vorgelegten Entwurf über die künftige Plan- Wirtschaft in seinem ganzen Inhalt sich nicht angeschlossen hat. Da- mit ist aber nicht etwa gesagt, dast das Kabinett, wie die liberale Presse annimmt, sich für daS freie Spiel der Kräfte ausgesprochen hätte. Die Reichsregierung denkr tnelmehr garnicht daran, das von der Händler-Presse geforderte freie Spiel der Kräfte auf dem demschen Wirtschoftsmarkt eintreten zu lassen. Sie ist vielmehr der Meinung, daß größere und sofortige Sozialisierungen ins Auge gefaßt werden müsten. Die Stellungnahme des Kabinetts hat nur die Bedeutung, daß es sich nicht allen Wissellschen Vorschlägen be- dingungSlos angeschlosten hat. Die Reichsrcgierung ist aber noch weiter davon entfernt, die Forderungen der M a n ch e st e r p r e ss e erfüllen zu wollen. Infolgedessen ist auch der Jubel der liberalen Presse, die den Rücktritt von Wissell schon gekommen sieht, durch- aus gegenstandslos. ES ist vielmehr anzunehmen, daß es gelingen wird. Wissells bewährte Kraft auf seinem Platze zu erhalten und eine Mittellinie zwischen den verschiedenen Auffassungen zu ziehen. Wissell selber hat seine weiteren Entschlüsse zurückgestellt, bis die sozialistische Fraktion zu der ganzen Materie Stellung genommen hat. Das wird in einer Fraktionssitzung am Donnerstag oder am Freitag abend geschehen. Außerdem ist zu bemerken, daß auch im Kabinett selber von einer scharfen Dissonanz, die eine Trennung Wissells erforderlich machen würde, keine Rede ist. ES ist vielmehr Grund genug vorhanden, zu der Annahme, daß die aufgetauchten sachlichen Meinungs- Verschiedenheiten eine durchaus kollegiale Lösung finden werden. An der Spitze der liberalen Presse, die sich für das freie Spiel der Kräfte, d. h. für die schrankenlose Bereicherung der Händler- kreise einsetzt, steht das„Berliner Tageblatt'. Dieses Organ der demokratischen Partei hat sich während des Krieges eine selbständige Haltung gegenüber den M i l.i t a r i st e n und Imperialisten bewahrt, die durchaus anzuerkennen ist. Es wäre nun sehr zu wünschen, wenn das„Berliner Tageblatt' diese Selbständigkeit auch gegenüber den Händlerkreisen, die auf Lösung aller wirt- schaftlichen Bande drängen, betätigen würde. Die Zeit des Man- chcstcrtums ist endgültig und für immer vorbei. Das sollte sich das „B. T.' ebenfalls sagen lassen und dem Drängen der Profitmacher aus kaufmännischen Kreisen daher den nötigen Widerstand cnt- gegensetzen. Auf jeden Fall ist der Triumphgesang, den das Blatt über die Wissell-Krise angestimmt hat, hinfällig. Es ist nicht nur zu wünschen, sondern ist durchaus wahrscheinlich, daß es ge- lingen wird, sowohl den Reichswirlschaftsminister Wissell in seinem Amt zu erhalten, als die Wisiellschen Ideen in Verbindung mit den Plänen einiger seiner Kollegen in Einklang zu bringen. DaS umsomehr, als der Weimarer Parteitag der Sozialdemokratie sich zu dem Wissellschen Projekt im allgemeinen sympathisch geäußert und in einer Resolution empfohlen hat, zu irgend einer planmäßigen Wirtschaftsordnung überzugehen und nicht der Spekulation und dem freien Spiel der Kräfte die künftige Gestaltung unseres Wirtschaftsmarktes zu überlassen. .(OäÜW? 2'■'..■■ Zur verhastungsaffäre Marx. Der Vorsitzende des Allg. Verb. Herr Marx bittet uns, gegen- über den Erklärungen der Staatsanwaltschaft I um Veröffentlichung folgender Feststellungen:„Daß ich, nach dem Eingeständnis der Staatsanwaltschaft, gleichzeitig mit EmontS am 39. Juni verhaftet werden sollte, ist um so merkwürdiger, als mir, da ich mich aus eigener Initiative zweimal der Staatsanwaltschaft zur Vec« sllgung stellte, Herr Staatsanwalt Z u m b r v i ch erklärte, daß nichts gegen mich vorläge. Es ist unrichtig, daß ich zu einem Ver- hör vorgeladen worden, ebenso unrichtig, daß ich vernommen worden sei. Gegenüber der Behauptung, daß wenn ein Haftbefehl gegen mich vorliege, er jedenfalls nicht mit meinen sozialen Bestrebungen zusammenhänge, sondern auf eine private Angelegenheit zurückzuführen sei, erkläre ich: Ich weiß nicht, was die Staatsanwaltschaft will und muß eS mir nachdrücklichst verbitten, daß sich die Staatsanwaltschaft in so dunklen Andeu- rungen ergeht. Wenn die Staatsanwaltschaft ein so gutes Gewissen hat wie ich, kann ich ihr dazu gratulieren.' Eichhorn vor üem Untersuchungsausschuß. Der Untersuchungsausschuß der Preußischen Landesversammlung setzte heute die Vernehmung des früheren Polizeipräsidenten Eich- Horn fort. Die Mitglieder des Ausschusses legten dem Zeugen eine große Anzahl von Fragen über die Borgänge am S Dezember, über die Vorbereitungen in der Nacht vom 9. aus den 10. Dezember vor dem Einzug der Fronllruppen, über die Wafsenkäufe und Waffenbeschlagnahmen des Polizeipräsidiums zur Zeit Eichhorns und über Eichhorns Tätigkeil in der sogenannten Spar- takuswoche vor. Fragen und Antworten führten wiederholt zu lebhaften Auseinandersetzungen, an denen fich auch die Regierung-- Vertreter, Geheimrat Doyö und erster Staatsanwalt Weißmann, be- . teiligten._ Die Räumung ües Gftens. Eine deutsche Note au Clemenceau. Versailles, 8. Juli. Der Vorsitzende der deutschen Friedens- delegation in Frankreich, Freiherr v. Leisner, übermittelte heute mittag dem Ministerpräsidenten Clemenceau folgenve Note:„Die Ausführung des Friedensvertrags im deutschen Osten macht unmittelbar nach der Ratifikation umfangreiche Vorbereitungen erfotderlich. Insbesondere würde eine unvec- mittelte Zurückziehung der deutschen Behörden aus den abzutre- tenden Gebieten unzweifelhaft große Verwirrung hervorrufen. Ties gilt vor allem für die innere Verwaltung, die Rechtspflege und das Verkehrswesen. Sicherheit und Ordnung erscheinen um so schwerer gefährdet, als die nationalen Gegensätze in den in Frage kommenden Gebieten bereits jetzt zu einer starken Erregung der ganzen Bevölkerung geführt haben. Tie deutsche Regierung hält deshalb die beschleunigte Ei'- I e i t u n g unmittelbarer Verhandlungen mit der polnischen Regierung für unerläßlich. Das Ziel dieser Verhandlungen würde sein, unter Zuziehung vor allem auch oer beteiligten vreußischcn Ressorts, eine geordnete Uebergabe und Ueberleitung der einzelnen Verwaltungszweige sicherzustellen und die Einzelheiten über eine planmäßige Zurückziehung der preu- ßischen Beamten festzulegen. heute Arbeitsaufnahme in Hamburg. Hamburg,!?. Juli. Heute fand eine Versammlung der Ausständigen statt, in der nach längerer Verhandlung die Wiederaufnahme der Arbeit an. Tonners- tag früh beschlossen wurde. Aus der weiteren umfangreichen Beweisaufnahme ist hervor- zuhcben, daß der frühere Laiidwirtschaftsininister Steiner der Meinung Ausdruck gab, daß S ch n e p p e n h o r st es„in i t keiner Seite verderben" wollte. Er selbst habe niemals Zweifel gc- lasten, daß er Gegner der Räterepublik sei. Der Angeklagte Baison erklärt, daß er früyrr nicht politisch tätig gewesen sei. Er habe sich als Arbeiterrat zu der Gruppe geschlagen, aus d r die Mehrheit der Arbeiter sind, das seien seiner Meinung nach die K o m m u ii i st e n gewesen. Er sei Kontrolleur gewesen und habe darauf zu achten gehabt, daß die Verhaftungen von Geiseln reell erfolgten und daß keine unzweckmäßige Person verhaftet wurde. Die Berbafiungcn seien aus Weisung T o l l e r s vorgenommen. Er selbst habe keine Verhaftungen verfügt, nur einmal habe er einge- griffen, um einen 75 Jahre alten Herrn freizulassen. Auch der An- geklagte Brzgema erhielt von Toller an einem Tage zehn Blanko-Anweisungen für Verhaftungen von Geiseln. Der frübere Handclsministcr Simon aus Nürnberg. Müglled- der H. S. P., erklärt, daß seiner Meinung nach die Regierung Hoff- mann am 7. und 8. April nicht mehr bestanden habe. Der Vorsitzende weist den Zeugen darauf hin, daß er doch selbst öffentlich seinen Austritt ans der Regierung erklärt habe. Er könne doch nicht einen Austritt aus etwas erklären, das nicht mehr existiere. Zeuge G r o e h n, Sekretär im Ministerium iür soziale Fürsorge, bekundet, daß drei Unabhängige beim Minister Scgitz er- schienen und erklärten, daß fie dem Zusammentritt des Landtags in keiner Weise dulden würden. Nach Ausrufung der Räte- republik in Augsburg sei ihm die Mitteilung zugestellt worden, daß am nächsten Tage das Gleiche in Nürnberg geplant sei. Es sollten um 9 Uhr alle Glocken läuten zur Einleitung des Generalstreiks als Vorbereitung der Räterepublik. Er habe darauf Dr. Wadler zu sich gerufen, um mit ihm zu verhandeln, wie ein furchtbares Unglück zu verbäten sei/und ihm vorgeschlagen, ein Triumphirat aus einem Unabhängigen, einem Kommunisten und einem Mehr- bcitssozialiften zu bilden, die in.der Lage seien, enffchlossen die Fübrung in die Hand zunebmen. damit die Masten dem Fübrer nicht entglitten. Dr. Wadler sei der Meinung gewesen, daß die Ans- rufung der Räterepublik in diesem Augenblick rin verfrühtes Abenteuer sei, und er sei mit diesem Plane einverstanden gewesen. Minister Scgitz habe aber den Plan glatt abgelehnt und ihn als Verfassungsbruch bezeichnet. Ter Zeuge sagt, er habe allen Grund gehabt anzunebmen, daß Landauer und Wadler so eitel seien, daß sie, wenn sie einmal an die Spitze gelangt seien, alles daran gesetzt hätten, um Blutvergießen und andere schlimme Dinge zu v c r h i n d e r n. In der Sitzung des Kriegsministeriums war auch Gau dorfer für die Räterepublik; er stellte nur die Bedingung,- daß die Sozialisierung bis zu 1999 Tagwerken nicht erfolgen dürfe und daß die ganze Sozialisier ung in Händen der Baueiii liegen müsse. Dr. Wadler war damit e i n v e r st a n- den. Es war einfach ein Skandal, in welcher Lage der Minister S ck n e p pc ii b o r st sich in jener Sitzung befand. Cr stand ganz allein. Tic anderen Minister kümmerten sich um nichts und da war es unmöglich, daß er bei den aufgeregten Leuten gegen die Räterepublik hätte sprechen sollen. Man hätte ihn einfach an die Wand gestellt. Wivderholt hat aber Schncppenhorst mir gegenüber keinen Zweifel gelassen, daß er gegen die Räterepublik sei. Es ist nicht wahr, daß Schneppenhorst erklärt hat, er s etz e s e in e n Kops für die Räterepublik ein. Tie Sache war so: Landauer wendete ein, wenn Schneppenhorst nach Nürnberg gehe, wer bürge dann dafür, daß er von dort aus nicht mit Sol- daten und Flugzeugen nach München vorgehe und die Räterepublik totmache Schneppenhorst erklärte darauf, ich bürge dafür, daß ich in Nürnberg nichts unternehmen werde, solange die Ab- machungen gehalten werden und die Ausrufung der Räterepublik vertagt wird, bis die Stimmung im Lande festgestellt ist. Vorsitzender: Wie kam es dann aber, daß so viele An- wesende den Eindruck hatten, Schneppenhorst sei für die Räte- republik? Zeuge: Da war der Wunsch der Bater des Gedankens. Wenn Schnepphorst das gesagt hätte, wären wir von der MehrhritSpartei ihm inS Gesicht gesprungen. Es hatte doch der Genosse Till erklärt: Wenn die Partei für die Räterepublik sich erklärt, trete ich auS ihr aus. Wir hatten diesen Standpunkt von Schneppenhorst, der als Minister Beauftragter der Partei war, niemals fallen gelassen. Vor- sitzender: Weshalb hat er es denn nicht gemacht wie Dill? Zeuge: Das konnte er als Minister nicht. Er mußte die Sache hinhalten und Zeit gewinnen, bis wir der Situation Herr werden konnten. Wenn die Leute die Abmachung geholten hätten, wäre uns das auck gelungen. Landauer erklärte aber:„Heute nacht rufen wir die Räterepublik aus, mit Euch oder gegen Euch!" Der Angeklagte Mühsam nimmt für sich diese Äeußermig in Anspruch. Zeuge: Das ist möglich. Erich Mühsam: Es haben eine Reibe Leute sich für die Räte» republik ausgesprochen, ohne daß ihre Parteigenossen ihnen ins Gesicht gesprungen sind. Andrerseits ist doch Dill auch nicht an die Wand gestellt worden. Zeuge: Schneppcnhorst war etwas anderes, bei ihm wäre es Partciverrat gewesen. Dill ist es auch nur gelungen, in dem Wirrwarr und der Erregung namentlich über Levine aus der Sitzung und ans München h�e r a u s z u k o m m e n. Schneppen- Horst ist au dem Abend auf Schritt und Tritt verfolgt worden. Tic Frage des Verteidigers, ob einer unter den Angeklagten sich befinde, von dem zu vermuten war, daß er. Schneppen- hör st nieder schießen könnte, verneint der Zeuge. Dr. Wadlcr: Der Zeuge hat crzäblt, daß ihm die Meldung gc- kommen wäre, daß ein Putsch für die Räterepublik geplant gewesen sei Ich nehme an. daß die ganze Sache nicht auf bahcrischem Mist gewachsen ist. Vorsitzende!: TaS nehmen ander- auch an. Tr. Wadler: Ich nenne nur die Namen W e i in ar und Bert!>> Verteidiger Tr FannSler: Sic behaupten also, daß mau die Geschichte inszeniert h a bc Dr. Wadlcr: Ja. ich bin fest davon überzeugt. Ich habe immer vor Putschen und Gewalttätig- keiieu oeworni. Bei der U. S. P. ist solches auch au Ige- schloffen und aus meinem Verkehr mit oeu Kominnnisten weiß ich. daß sie einen Putsch nicht planten, Levine kam nach München, um von den Verfolgungen auszuruhen. Mühsam: Der Verdacht, daß wir in eine Falle gegangen sind, ist bei uns schon in den ersten Tagen der Räterepublik erörtert worden. Ich habe schon bereut, daß wir so vorschnell gewesen sind und habe Levine recht gegeben, daß er die Sache aufschieben wollte. Wir halten erfahren, daß von Bamberg aus zwischen Hoff- mann und Scheidemann Unterhaltungen stattgefunden hatten. Es ist wobl möglich, daß man zu der Einsicht gekommen war. daß in Bayern die Räterepublik nicht mehr aufzuhalten sei. Und da wollte man eine Frühgeburt zustinde bringen. .idätten wir gewartet, bis alles in Sicherheit w ir, dann wäre o.« Räterepublik nicht mehr zu stürzen gewesen. Wir sind das Opfer einer Intrige geworden Der Zeuge, Hotelbesitzer S i m s o n aus T u s i n g. er- hielt eine Verfügung Tr. Wadkers. daß sein Hotel enteignet werden sollte. Es sollten 29 Arbeiterfamilien hineingelegt werden. Er sei mit seinem Onkel bei Wadler vorstellig geworden und habe ihm dargelegt, daß fie beide Kriegsinvaliden seien. und er mit seiner alten Mutter von dem Hotel leben müßten und ruiniert würden. Wadler habe gesagt, er würde dann Unter« st ü tz u n g beksmmen. Ich wandte noch ein, es dürfe doch nicht zugehen, wie im Krieg sgebtet, wo man den Leuten alles weg- nehme. Tr. Wadler erwiderte: „Jetzt ist eben hier innen Krieg!" Zeuge Rcchtspraktickant Löwenfeld ist der Ansicht, daß die sogenannte Einigung des Proletariats nur eine Düpicrung der großen Masse für die Zwecke der Kommunisten war. In den Kreisen der M c h r h e i t s p a r t e i herrschte in jenen Tagen eine reine A n g st p o li t i k. Auch die Mitglieder des Bauern rate- waren bereit, Flugblätter für die Räte- republik herauszugeben. Ter Zeuge Dr. Löwenfeld berichtet weiter, daß er einer Ve» sammlung im Löwenbräulcller beiwohnte. Einen ebenso ungüiv- stigen Eindruck, den der Zeuge als deprimierend und skandalös be- zeichnet, macht der Verlauf des sozialdemokratischen Gautages tür -südbayern. Auch hier war man aus taktischen Erwägungen bc. reit, der Räterepublik z u z u jt i m m c n. Der Zeuge hat dann am 12. und 13. April-die Organisation der Münchener Soldaten gegen die Räterepublik mitge leitet. Dieses Unterncbmen sei gescheitert, weil Militärminister Schneppenborst nicht rechtzeitig die zugesagte Hilfe schickte. Tr. Wadler macht dem Zeugen Vorhaltungen, daß sein Un. ternchmcn doch ebenfalls ein P u t s ch gewesen sei, der sich gegen die in München rechtmäßig beitehendc Regierung richtet« und sich daher als dieselbe Handlung eines Hochverrats charakterisiere, wie dem Angeklagten zur Last gelegt werde. Zeuge Dr. Löwen- feld weist diese Unterstellung entschieden zurück. Es könne von. einem Putsch nicht die Rede sein, sondern es handelte sich um eine Aktion für die rechtmäßig in Bayern, mit Ausnahme von München, bcstebende Regierung. Die Aktion richtete sich gegen die Gewalt. Herrschaft einer kleinen Minderheit, der es in München gelungen war, das Heft in die Hand zu bekommen. Ter Zeuge weist auch die Unterstellung des Äugeklagteu zurück, daß sie hatten von vornherein überzeugt sein müssen, daß dieses Unternehmen aus. sichtslos sei und Blutvergießen herbeiführen köiinte- Im Gegenteil. sie seien überzeugt gewesen, daß es gelingen würde, sonst sei cS ein Selbstmordversuch, denn sie hätten gewärtig sein müssen, totgeschlagen zu werden, falls es mißlänge. Tatsächlich sei ja auch der ums Leben gekominenc S o n d h e i m e r im Automobil herumgefahren, mit der Losung, ihn, den Zeugen, niederzuschießen. Das ganze bayerische Volk sei gegen da» Vorgehen der Macht- Hobe r in München gewesen. Allerdings sei dieses Unternehmen unter Beteiligung der U. S. P. und wie er leider sagen müsse, einer großen Zahl von MehrheitSsozialisten unternommen worden. Als wir diese Aktion unternahmen, waren wir überzeugt, daß die sogenannten Volksbeauftragten, die die Zügel in München in den Händen haten. in wenigen Tassen ohnehin verschwinden wüt- den. Wir waren aber überzeugt, daß hinter den Mühsam, Wadlcr. Landauer und Genossen befähigtere und begabtere Kräfte standen, nämlich Kommunisten unter Dr. L e w i e n, die nur darauf warteten, das Heft au sich zu reißen, wenn senc a b g e w i r t- fch astet haben würden. Sie hätten dann eine Schreckensherr- Dr. Wadler hchauptct, die Komm u nisten seien viel ehrlicher ireweien als die Mehrheitssozialisten. Zeuge Löwcnseld: Das ist ohne weiteres zuzugeben, daß ein großer Teil meiner Parteigenossen sich wesentlich unehrlicher erwiesen hat, als die Kommunisten. In meiner Partei und bei der U. S. P. waren es eine Reihe Schieber, die aus Ehrgeiz die Sache betrieben. Die Kommunisten hatten aber bereits eine Gegenregierung gebildet und Dr. Wadler wird nicht bestreiten, daß sie schon Drohung-en ausgestoßen halte. Ich mutz auch vollkommen zugestehen, daß es nicht zur Räterepublik gekommen wäre, wenn die Minister am t. April eine ganz einmütige Erklärung gegen die Räterepublik abgegeben hätten. Insbesondere gilt das vom Militärminister. Schneppenhorst, dem Stadtkommandanten Dürr, und auch anderen Minfftern. Auch in der Unabhängiaen Partei wären zum größten Teil selbst die Anhänger des Rätcsystems nicht dafür zu haben gewesen, da sie allgemein der Ansicht waren, daß das Unter- nehmen verfrüht sei. Toller war. als er in Nürnberg die Meldung bekam, überrascht und erklärte auch, es sei zu f r ü h. Damals war eS nicht die U. S. P. als solche, die zur Ausrufung getrieben hat, vielmehr waren in ihr und in der Mehrheitspartc, towie im revolutionären Arbeiterrat nur einige ehrgeizige Schieber, die darauf drängten. Tic Mehrheitsportei war der politischen Situation nicht gewachsen und hat aus?lngst mitgemacht. Schuld daran waren auch die verlogenen �Telegramme. die im ganzen Lande über das Anwachsen der Stimmimg für die Räterepublik verbreitet waren. Vorsitzender: Woraus führen Sie es zurück, daß man unterlassen hat. energisch Stellung zu nehmen? Zeuge: Auf verschiedene Gründe. Ich bin absolut nicht der Meinung, daß Schucppcnhorst in der Sitzung im Kriegsministeriuw an die Wand gestellt worden wäre, wenn er gegen die Räterepublik gesprochen hätte. Nachdem sich in dem jetzt eben verhandelten Pro- zcß Schncppenhorst gegen die„Nene Zeitung" 25 bis 30 Zeugen alle übereinstimmend und ergänzend über die Haltung Schncppenkorsts auszesdrochen hatten, muß man zn der Nebcrzcugiing kommen, daß er sich bemüht hatte, die Gunst der Versammlung zu erwerben und daß er mit dem Gedanken der Räterepublik gespielt hat. Da- her konnten die Leute in dem guten Glauben sein, daß er aus ihrer Seite stehe. Das Ganze ist nur die Folge seiner zweideutigen Haltung. Mühsam protestiert dagegen, daß man ihm etwa einen Mangel a» geistigen Fähigkeiten zubilligen könnte. Er bestreitet, daß er irgendwie p s y ch o p a t h i s cd sei. Er würde es zugeben, wenn mau.ihn einen Eholoriker nennen würde, denn dafür habe er in dieser Verhandlung genügend B e w e i s e geliefert. Dr. Löwenseld hat auch gesagt, daß meine Ansichten verworren seien. Ich möchte wissen, worauf er sich dabei stützt und ob nicht bloß bei ihm eine Veränderung der Auffassung über meine Ansichten vorliegt. Ich glaube, der Zeuge schätzt die Grenzen dieser Auffassungsgabe nicht richtig ein. Zeuge Dr. Löwcnseld: Ich möchte noch einmal hervorheben, daß Mühsam mir erklärt hat, Karl Marx sei der größte Idiot der Weltgeschichte. Trotzdem hat er sich mit Lewien und den anderen.Konimumsten verbündet, obwohl diese die konsequentesten und fanatisch sten Marxisten find. Ferner hat er, obwohl er seit Jahren sich als Anarchist bezeichnet, der den Staat abschaffen will. sich mit Spartakisten verbündet, die in der Form der Diktatur die Räterepubtik errichten wollten, durch die auf Jahre hinaus etil Zwangs st aat errichtet würde. Dagegen erkläre ich, daß ich an der politischen Anständigkeit und E h r l i ch k e i l Mühsam« keinen Zweifel habe. Mühsam beschw-r: sich dann darüber, daß von der Regierung in Bamberg aus mit Verleumdungen gegen die Anhänger der Münckcner Rätcrcgterung gearbeitet worden sei, um Stimmung zu machen. Man habe zum Beispiel gegen ihn in Flugblättern die Behauptting verbreitet, er habe noch nie eine Stunde ge- arbeitet,' bringe sein Leben im Kaffeehaus zu, lebe nur von Unterstützung und Ausbeutung anderer und sei so schmutzig, daß er von weitem stinke. Aus dieser amtlich verbretteten Stimmung heraus seien seine Freunde in München ermordet worden. Die weitere Beweisaufnahme ergab am heutigen Tage nichts besmideres Neues: Morgen soll Militärminister Schneppenhorst per« nommeu werden. GeweekschaflsbewElMg Regelung von oben. Von einem erfahrenen Gewerkichastsgenosten wird uns ge- schrieben: Mir diesem Artikel im„Vorwärts" vom 5. Juli schneidet der Einsender eine Angelegenheit an, die tatsächlich dringend eine Regelung erheischt, wobei es im Augenblick noch offen bleiben mag. welche Instanz die Lösung der Frage unternimmt. Eine Lösung durch die einzelne betroffene Gewerkschaft dürfle in diesen Zeit- läuflen am Egoismus der Beteiligten scheitern, so dast hier nur die Generalkommrssion— jetzt Gewerkschaftsbund— helfen kann, wenn sie in diesem Standpunkt durch das allgemeine«olidarilärsver- langen der Arbeiterschaft entschieden gestützt wird, aber auch nur dann. Gesühlsmätzig bar wohl schon mancher es als einen auf die Tauer unmöglichen Zustand empfunden, daß es einzelne Kategorien von Beschäftigten der lebensnotwendigen Berufe lediglich durch ihre Monopolstellung vermögen, Onsbedingungen zu erzwingen, die weit über dem Durchschnitt der Bevölkerung stehen, während andere leichter entbehrliche und darum gegenwärtig weniger dringend be- schäftigte Berufe für diese nun nicht so schnell zu ändernde Berufs- eigeniümlichkeit dauernd am Magen gestraft werden i ja mehr noch. daß u. a. eine gering entlohnte Kategorie aus Solidarität in den Sympathiestreik tritt oder sonst große Arbeitsverluste in den Kauf nimmt, um einer kleineren, vielleicht weit höher ent- lohnten zu einer weiteren Steigerung zu verHelsen. Die Ent- Wicklung von heute mag man als Folgeerscheinung der Teuerungs- Verhältnisse in Kauf nehmen. Bei der Monopolstellung einzelner Betriebe ist aber nicht die Garantie vorhanden, daß deren Arbeiter- oder Beamtenschaft immer jenen Grad sozialistischer Einsicht hat» um ihren Pflichten gegen die Gesamtheit, �die ihnen jene Funktionen anvertraut Hai, die Möglichkeit zur Selbstbereicherung dunch Ausnutzung ihrer Zwangsmittel hintanzustellen. Und s o z i a l ist es -weisellos nicht, einen bevorzugten Teil der Bevölkerung(und seien es in diesem Falle selbst Arbeitnehmer) lediglich auf Grund solcher Monopolstellung ganz aus dem sozialen Milieu herauszuheben. Der sozialistische Staat mutz notwendigerweise auf eine einigermaßen gleiche Lebenshaltung aber Arbeitenden hinwirken, Dieser Zwiespalt macht sich schon heute vielfach bemerkbar dort. wo die Arberter als Arbeitgeber auftreten, wie z. B. in den Ge- nossenichaftsbetrieben und in den Kommunen. Früher, als jeder Pfennig Lohn- oder Gehaltserhöhung mühsam der bürgerlichen Mehr- heit abgestritten werden mutzte, waren unsere Vertreter in den Gemein- den selbstverständlich für jede Aufbesserung., Sollten sie nun auch heute noch unbesehen jeder neuen Forderung zustimmen, auch dann, wenn die soziale Lage der Fordernden schon heute weit über dem Durchschnitt gleichartiger Kräfte im freien Wettbewerb und weil über dem Durchschnitt derer steht, die durch neue Steuern die Mittel für diese Mehrleistungen aufbringen sollen? Diese Frage ist gewitz in manchen Orten schmi so dringlich, daß ernste Sozialdemokraten sie aufwerfen müssen, selbst auf die Ge- fahrhin, sichvon unvernünftigen Leuten„mangelndes soziales Verständ- nis" oder gar mangelnde Arbeiterireundlichkeit vorwerfen zu lassen. Besonders dringlich ist kritische Betrachtung bei Beamten- gehältern, wo beim Vergleich mit dem Lohneinkommen der Arbeiter nur zu leicht die etwaigen Zulagen und der hohe Wert der Pensions- berechtigung imindestens 20 Proz. des Gehalts) und des durch keine Witterungseinflüsse und Konjunkturen gefährdeten Einkommens un- beachtet bleibt. Das Gewähren gleich hoher Zulagen für untere wie obere Beamte wird recht oft wie die viele Klassifizierung über- Haupt unsozial wirken. Sozial gesinnte Vertreter dürfen also nicht unbesehen überall gleich hoch zulegen, weil eben eine andere Kategorie eine bestimmte Zulage erhalten hat, sondern müssen stets erst eine Uebersicht, des vom"Einzelnen tatsächlich bezogenen vollen Einkommens(nicht " allein Gehalt) fordern, um so Unebenheiten zwischen hohen und niederen Sätzen ausgleichen zu können. Ist ei doch jüngst vorgekommen. datz neue Gemeindeverlreter nachträglich über die Höhe einzelner bewilligter Gehälter erschraken, als sie zahlenmäßig die Wirkung auf den Einzelnen vor sich hatten. Soziales Streben mutz auf Ausgleich der oft sehr erheblichen Einkommensunterschiede hingehen, nicht auf deren Verschärfung. S o hilft man den Be- durstigsten. In diesem Sinne sollten auch die verantwortlichen Kreise der Arbeiterschaft einmal diese Frage erwägen und einer Lösung näher- bringen. Dazu aber dürfte unvermeidlich sein, datz eine über den persönlich Interessierten stehende Stelle regulierend eingreift, hier zurückhaltend, dort den Blick und damit die Sympathie der Oeffent- lichkeit auf eine wirtschaftlich zurückgebliebene Gruppe lenkend und dieser damit den Mut und die Sicherheit des Aufstiegs verbürgend. Innerhalb der einzelnen Berufe geschieht dies schon bisher durch die Gewerkschaften. Das soziale Gemeinwesen verlangt aber zwingend solche Regelung innerhalb der ganzen Bevölkerung. Zum Schiedsspruch im Baukgewerbe. Gleichzeitig mit der öffentlichen Bankbeamtenversammlung im Lehrervereinshause hatten sich die Kasienboten und gewerblichen Angestellten der Großbanken in den Musikersälen versammelt, um zum Schiedsspruch im Bankgewerbe Stellung zu nehmen. Nach einem Referat des GeschäsissüHrers Weiß der Sektion Kasienboten des Allgemeinen Verbandes der deutschen Bankbeamten wurde ein- stimmig eine Resolution angenommen, die den Schiedsspruch ab- lehnt. Ferner wurden die Bestrebungen, lokale Kasienbotenorgani- sationen zu gründen, verurteilt und diese Organisationen als gelb gekennzeichnet. Lebhaftes Befremden erregte die Mitteilung, datz diese Zersplitterung vom Deutschen Bankbeamtenverein unter- stützt wird._ Kein Zeitungsarbeiterrat in«Yroft-Berlin. Von kommunistischer Seite war für Dienstag zu einer Zu- sammenkunft eingeladen worden zwecks Bildung eines Zeitungs- arbeiterrates. Zu dieser waren Vertreter einiger Berliner Groß- Druckereien erschienen. Wie der Einberufer, Herr Carl Eckhoff, ausführte, sollte dieser Zeitungsarbeiterrat die höchste Vertretung der Arbeiterschaft des graphischen Gewerbes sein. Zu seinen Auf- gaben würde gehören: l. Vollsozialisierung des Zeitungsgewerbes, 2. Demokratisierung der Zeitungsindustrie, 3. Regelung des Jnse- ratenwcsens, kurz alle Fragen, die den graphischen Arbeiter v o m ersten Redakteur bis zur letzten Zeitungsaus- t r ä g e r i n interessieren. War es schon verdächtig, datz der Vor- beratungsausschutz, der zur Verwirklichung eines Zeitungsarbeiter- raies bereits früher eingesetzt worden war, nichts mehr von seiner Tätigkeit hatte hören lassen, so erregte es um so größeres Erstaunen, daß jetzt plötzlich gerode von l o m tu u n i st i s ch e r Seite der Bildung einer solchen Körperschaft so reges Jntevesie entgegen- gebracht wird. Zum Glück waren aber Vertreter der graphischen Gewerbe an- wesend, die die Verhältnisse ihrer Berufskollegen genau kennen und unschwer den im Hintergründe s ch l.u in m e r n d e n Gedanken errieten. Gleich der erste Diskussionsredner führte aus, daß für diese Gründung im graphischen Gewerbe absolut kein Interesse vorhanden sei, weil die vielgegliederten Berufsgruppen in allen Tarifinstanzen und Schiedsgerichten ihre fachmännischen Vertreter sitzen haben. Das durch festeTarifver- träge verankerte Arbeitsverhältnis der graphischen Arbeiter besitzt in seinen SchlichiungSauSschüsien längst eine feste Stütze, und diese Körperschaften haben auch das Vertrauen ihrer Berufskollegen. Nachdem selbst die anwesenden unabhängigen Vertreter sich gegen diese Gründung ausgesprochen hatten, wurde die Grün- dung eines solchen Zeitungsarbeiterrates abgelehnt. Hinter dem Gründungsplan stecken offenbar tiefere Absichten. Nackdem die Kommunisten sich überzeugt haben, daß die letzten großen Streikbewegungen, w,e der Eiscnbahnerstreik, Verkehrsstreik und viele andere Bewegungen, mißglückt sind, versucht man jetzt durch den Plan eines Zeitungsarbeiterrats die graphische Arbeiter- schaft vorzuschieben, um so vielleicht das bisher verfehlte Ziel zu erreichen. Wir können die graphische Arbeiterschaft nur warnen, sich auf solch« Projekte einzulassen. Tarifabschluft für Kaffeitboten der �euer-, Einbruch-, Lebens-, Vieh-, Hagel-, Transport-, Unfall-und Haftpflicht- Versicherungen. Durch Verhandlungen mit dem Verband deutscher Versicherungs- Unternehmungen sollen die Kasienboten obiger Versicherungen nach dem Einnehmertarif entlohnt werden Grundgehalt 228 Mk., Orts- zuschlag für Berlin 100 M. pro Monat, Dienstalterszulage im 1.. 2. und 3. Dienstjahr je 10 M. monatlich, nach 8 Jahren weitere 10 M., nach 10 Jahren weitere 18 M. pro Monat. Kleidergeld 28 M. pro Monat. ProvisionSzulage 75 M. pro Monat. Urlaub nach 1 Jahr 6, nach 3 Jahren 12, nach 6 und mehr Jahren 18 Arbeitstage. Näheres im Bureau, Engelufer 13, vorn 2 Treppen, Zimmer 33. Sobald der BerkehrSstreik beendet ist. erfolgt eingehende Bericht- erstattung in Versammlungen. Deutscher Transportarbeirerverband(Branche Einkassierer und Kassen- boten). I. A.: Fr. Lucka w, dl 113, Carmen-Sylva-Str. 29. Heber die Lohnverhältnisse in de« Eisenbahnwerkftätte« werden in der bürgerlichen Presse zum Teil völlig falsche Angaben gemacht. Wie wir einer unS von einem Handwerker übersandten Zuschrift entnehmen, hatte derselbe im Januar 410,10 M., Februar 407.88 M., März 424 M.. April 402,30 M., Mai 411,90 M., Juni 367,80 M. als Lohn erhalten. Dies ergibt einen Durchschnittslohn von 93,23 M. pro Woche. Der Einsender bemerkt dazu noch, datz er im besten Mannesalter von 261/1 Jahren steht und seit 8 Jahren als Gehilfe auch in der Privatindustrie tälig war. Diejenigen gelernten Kollegen. welche das 27. Lebensjahr überschritten haben, verdienten zirka 8,18 M. mehr oder einen Höchstlohn von 101,38 M. im Durchschnitt pro Woche. Hat der Minkfler nix to seggen? Wir konnten kürzlich mitteilen, datz der Obmann der Reichs- bekleiduNgsstelle Dr. Kaplan auf Verfügung des ReichSwirtschastS- Ministers wieder in die Reichsbefleidungsstelle eingestellt worden ist. Jetzt weigert sich der Leiter der Reichsbekleidungsstelle, Ober- regierungsrat Ha aselau, die Gültigkeit dieser Verfügung deS Reichswirtschaftsministeriums anzuerkennen. Gibt eS denn auch schon eine Beamtenkamarilla welche sich über die Verfügungen der Ministerien hinwegsetzen zu köunen glaubt? Von der Reichsregierung ist sofort dafür zu sorgen, datz derartige unglaubliche Erscheinungen verschwinden. Das Bureaupersonal der Bersorguugsabteilnng der Bezirks- kommando? 1 bis 6 beschäftigte sich in einer Versammlung mit den dort gezahlten„Gehältern". Die Versammlung nahm folgende Resolution einstimmig an: „In Anbetracht der schlechten Bezahlung für unsere Arbeit und in Erkenntnis dessen, datz wir auf keinem anderen Wege als diesem zu einer Besserung unserer bitteren wirtschaftlichen Notlage ge- langen können, bitten wir Unterzeichnelen um Anstellung aus den für die V.-Ableilunpen bestehenden Zivilvertrag. Die uns gegebenen Versprechen in betreff WohnungSgeldzuschutz von monatlich 3 M. und Kleidung sind in keiner Weise erfüllt worden. DeS- gleichen sind Geldentschädigungen für Abnutzung unserer eigenen Kleidung und unseres eigenen Schuhwerks bisher von keiner Seite berücksichtigt worden. In der gradezu katastrophalen Not- läge, in der wir uns befinden, können Matznahmen. wie z. B. die in Aussicht gestellte Verlängerung unserer Arbeitszeit ohne gleich- zeitige bessere Bezahlung, nicht zur Arbeitslust und ArbeltSfreudig- keit anregen. Indem wir von der Leitung der V.-A. ein einsichrs- volles Verständnis für unsere Notlage erwarten, bitten wir uns bis Sonnabend Vormittag 11 Uhr eine endgültige Entscheidung zu- kommen zu lassen. Sollte wider Erwarten eine solche ausbleiben. so ist bei einer verzweifelten und erregten Stimmung, die unter uns herrscht, unbedingt mit einer Arbeitsniederlegung zu rechnen." Abgesehen von einem sehr geringen Prozentsatz auf Zivilvertrag Angestellter erhalten zirka 800 Personen ohne Unterschied deS Alters und der Familienverhältnisse ein Gehalt von 200 bis 240 M. monatlich. KanfmännischeAngestellte der Sederwareninduftrte n. des Schub grotzhandels. Versammlung heute Donnerstag, abends 7,8 Uhr in den Musikersälen, Kalser-Wilhelm-Stt. 31. Berichterstattung über Tansverhand- lungen. Der Zentraloerband der Handlungsgehilfen. parteinachrichten. Bon der Bereinigung sozialistischer Beamten in Essen geht uns ein Schreiben zu, worin sie den auf dem Weimarer Parteitag gefaßten Beschlutz, innerhalb des ParteivorstandeS eine Zentralstelle für die einheitliche Leitung und Zusammenfassung der sozialistischen Beamten- organisationen zu schaffen, lebhast begrüßen. Die Bereinigung hat an den Parteivorstand das Ersuchen gerichtet, den Landrichter Ge- Nossen Rüben hierfür mit zu berücksichtigen. Znöustrie und Handel. Zunehmende Leistungen im Ruhrkohleubezirk. Essen, 8. Juli. Die Förderung nahm in den letzten Tagen etwas zu, ging dann am 1. Juli auf 200 000 Tonnen zurück, um erst am 8. Juli wieder 228 000 Tonnen zu erreichen. Die Fehlziffern in der Wagengestellung betrugen in der letzten Woche etwa 2800 werktäglich bei einer Gestellung von durchschnittlich 16 000 Wagen. Somit ist eine leicht« Besserung gegenüber der Gestellung an den voraufgehenden Tagen zu verzeichnen. Der Zulauf zu den Kippern in den DuiSburg-Ruhrorter Häfen zeigte ebensalls eine Aufwärrsbewegung. Während in der letzten Juniwoche nur täglich 8000 Tonnen(im letzten Bericht war statt Tonnen irrtümlich Wagen gesagt) geleistet wurden, betrug der Umschlag in dieser Woche durchschnittlich 1 1 000 Tonnen täglich. Umschlag und Abfertigung der Kähne in den Häfen und Kanal- zechen geht nach wie vor glatt von statten bei einer Tagesleistung von rund 26 000 Tonnen._ WetteranSfichten für das mittlere Rorddeutschlanb bis Frcitagmtttag: Zunächst ziemlich kühl und überwiegend bewölkt mit weit verbreiteten, im Westen meist geringen, östlich der Oder stärkeren Regenjällen und lebhasten nmdwesUichen Winden, stärker von Westen nach Osten fortschreitende neue Anshciterung und Erwärmung. Verantwortlich für Politik: Artur giSlc», Eb-llottcnbnrg, für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln; für Anzeigen: Theodor Slottc, Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. in Berlin, Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. l-elpzlgerStfr. Könlgslraße Moritzplatz Rosentbaler Str. A.W1EMT1KI1E3MI O. Versand- M.- Abteilung B. 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Kaffeemühlen, Hoiz........ 7.20 Wandkaffeemühlen, Hoiz...... 7.75 Saftbeutel................ 2.50 Schinkenbeutel............ 9.50 Butterbrotpapier........... 1.15 Wäscheleinen..... 3.00 5.00 6.00 Fleischbretter......... 4.50 5.40 Topfreiniger.............. 60 pi. Scheuertücher....... 80 pi 1.00 Bohnerwachs.......... Dose 2.70 Blitzblank.............. 18 pi Teppichbesen............. 4.40 Schrubber........... 3.20 3.80 Scheuerbürsten........ 1.35 2.50 Straßenbesen.............. 2.00 Staubwedel...... 1 40 1.60 2.00 Markttaschen..... 2.00 2.50 3.20 Roßhaarbesen....... 13.00 16.20 Roßhaarhandteger...... 6.75 8.00 Haarbürsten...... 2.00 2.70 3.60 Kleiderbürsten____ 1.60 2.50 2.70 Gasanzünder......... 27 pl 45 Pf Glühstrümpfe stchiicht....... 85 pi. Glühstrümpfe uiiput......... 75 Pf. Glühstrümpfe Hängelicht...... 85 pf Glühstrümpfe uiiput......... 75 Pf ZO Emalllo-Flolschtöpfe 630,. 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