Mr.gSS. S«.I-Hrg. BczsgSpreiS t aiittelja�i v- Mi. mcnafi. V-«t frei ins Hau», voraus zahlbar. Post- bczug: Monatlich tr- Mh. rrkl. gu- stellungsgebühr. Unter Lcruzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn KLS Mk. fSr da» übrig, Ausland 10 SB Mh, bei täglich einmal, gustellung SLö Mk. Postbestcllunge»»«hmen an Dänemari, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingerragen in die Post-ZeiUrngs-Preisliste. Der„VonvSrts" mit der Sonntagsbeilage«Boll iL Seit* erscheint wochen- tüziich zweimal. Sonntag» einmal. Abend-Ansgade. Telegramm-Abreffe: �Sozialdemokrat DerN»-. Berliner VolKsblnkl. ( 1Sp?»nn?o) SEnzcifltttsirrtjl! St» achrgespalten» RoiryarelUezell« lostet hZO Ml �Kleine Anzelgen", da» fettgedruckte Wort»0 Pfg. szulälflg i fettgedruckte Worte), jedes weiter» Wort'S Pfg. Strllengrsuche und Schlafstellenanzeige» da» erste Wort «0 Pfe» je de, wettrre Wort 20 Pfg. Worte über>5 Buchstaben zahlen kür zwei Worte. Teuerungszuschiag bve/» Familien-Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen l�O Ml. die geil«. Anzeigen wr dl« nächste Nummer wüsten bis» Ahr nachmittags ftn Hauptgeschäft, Berlin Sffi 68, Andenstraße S, abgegeben werden. Deästnet von 9 Uhr früh bis S Uhr abend». Zerstralorgan der rozi'aldemokratfrcben Partei Deutfdstlarsds. Reüaktion trnd Expedition:©SD. öS, Linüenstr. Z. Fernsprecher: Amt Morihplast, Nr. IZI Sv— 1SI S7. Sonnabend, de« lA. Juli IvIV. vorwärts-vekiag G.m.b. H., SW. SS, Linöenstr. Z« Fernsprecher: Amt Moriftplaii, Nr. 117 SS— 54. k Krifis in Italien. B e r«, tl. Juli. Die vewes««s'�eze« Tie L e b e n S m itt r lt e« e r»« g scheist»» ganz Italien im Aduehmeu begriffe». Trotzdem� bringen die Zeitungen taglich Rachrichten über neae Znsammenstvhe, bei drne» es, wie zum Beispiel gesteru ht Padtm, Tote und Verwundete gab. Wie jebt in den Wandelgänge« der Kammer bekannt wird, wollte der sozialistische Abgeordnete Lucci in Neapel eiuen Arbeiter- und Soldatenrat einrich- t e n, was nur infolge des euergischen Einschreitens des ebenfalls sozialistischen Bürgermeisters von Neapel verhin- dert wurde. Man steht aber dir Lage in Neapel immer noch als bedrohlich an. Die Wasserwerke streike» weiter, und man befürchtet neu« Sabotage- aktr. I« Rom herrscht wieder normales Leben. Sowohl aus der Hauptstadt wie aus anderen Mittelpunkten treffe« ernste Nachrichten über Warenmangel ein. Laut„Corriera drlla Sera" führte in der gestrigen Kammersttzung der Unterstaatssekretär für Verpflegung aus, daß die Eruähruugslage Italiens sich immer mehr verschlechtere und nur noch Lebensmittel für eine» Monat varhanden seien. Die Lage werde durch Frachtranmmangel noch schwieriger. Ebenso notwendig wie die Einfuhr von Getreide sei die von Kohle. Die Verteilung des Schiffsraumes sei ein kaum zu lösendes Problem, besonders wenn man bedenke, daß die Lieferungen von Getreide einfach verfalle», wenn die Ware nicht bis zum 1. August abtransportiert ist. Darum müßten freiwillige Ewschränknngrn eintreten. Das schlimmste sei, daß die Produktion in allen Zweige», in de« indn- stricllen wie in den landwirtschaftlichen, zurückgehe. Milchprodukte kommen immer weniger auf den Markt und scheiden für den Export ganz ans. Krüher habe Italien seinen Zuckerbedars selber gedeckt, jetzt müsse es 800 000 Doppelzentner einführen. Der UntcrstaatSsckretär wies auf die Gefahren der wirtschaftlichen Uebermacht Englands und Amerikas hin. Früher habe die Gefahr eines deutschen Handelsmonopols bestanden, heute bestehr die eines angel- sächsischen. Darum werde sich bald ein Zusammen- schloß der weniger reichen Nationen not- wendig machen, um gegen die wirtschaftlichen ErstickuugS- versuche der Angelsachsen Front zu macheu. Bc r u, 11. Juli. Gesteru abend fand eine»erteanNche Be- sprrchuug Tittoni» mit verschiedene» Kammermitglieder» statt. „Corriera della Sera*»ad„Secolo* berichte« anS Rom, daß die Mitteilungen TittoniS wenig erfreulicher Ratnr waren. Die Aussichten feien alles audere alS befriedigend. Die Sachlage fei so kompliziert, erklärt„Setolo", daß man die Hoffnung aus- geben müsse, die Berhandlnngen noch einmal ans eine» oen Italienern günstige« Bode» zu bringen. Di« drei Meldungen schildern trotz der Behauptungen der Besserung die Lage sehr ernst. Ob sich die Not Italiens durch Reformen wird beilegen lassen, erscheint doch mehr als fraglich.___ Ein französischer Sergeant erstochen. In der F riebe ichstvatze, zwischen Linden und Mittelstratz«, kam es m der vevgangenen Nacht kurz nach 12 HHc wieder zu etnem Zusammenstoß zwischen dem StratzenpuMkum und ftanzöfischen Soldaten, der damit endete, dah ein Franzose, der Sergeant Pauk Mannheim, vom W. Dragonerregrment. vor dem Hause Mittelstratze IS erstochen wurde. Der Vorgang ist noch ungeklärt. Di« Kriminalpolizei ist trogen- blicklich damit beschäftigt, nachznprüfen, welch« von den beiden Dar- stellungen, die über die Ursache des ZusammenstotzeS gemacht werden, die richtige ist. Die Nachforschungen nach dem unerkannt geblieben enen Täter waren bisher noch ohne Erfolg. Zu dem Totschlag an den französischen Sergeanten Paul Mannheim erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Gleich nach der Tat wurde die Mordkommission alarmiert, die bereits um 2 Uhr nachts am Tatort erschien. Die Leiche, die nach der Klinik in der Ziegeistratze gebracht worden war, unterzog man sofort einer genauen Besichtigung. Heute vormittag haben umfang- reiche Vernehmungen im Polizeipräsidium Berlin begonnen. Die Aussagen sind verschieden, zum Teil ganz widersprechend. Ein vollständig klares Bild wird sich wohl erst nach den Bekundungen sämtlicher Zeugen ergebe». Bisher ist jedenfalls festgestellt, datz Mannheim mit einem Kameraden in der Fricdrichstratze prome- nierte und dort mit deutschen Soldaten in Streit geraten ist. Bei der sich entwickelnden Rauferei wurde Mannheim von einem deutschen Soldaten am Halse gepackt, sein Begleiter durch einen � Faustschlag ins Buge verletzt. Beide flüchteten nun, und Mann- heim hatte bereits sein Hotel in der Mittelstratze erreicht und die Türklinke angefaßt, al» er nach Aussog« des Portiers von einem Mvilkstea tm Strohhut einen Messerstich in de» Rück« crHWfl. Er schleppte sich noch bis in den Hausflur hinein, wo er an der Trespe zusammenbrach. Mehrer« Polizeiwachtmeister, die unter Aufbietung aller Kräfte versucht hatten, die Menge zurückzuhalten, brachten den bewußtlosen Schwerverletzte» nach der Klinik in der Ziegelstraße, wo er aber bald wohl infolge innerer Verblutung verstarb. Sein Begleiter, der in dem nahen Alexandra-Hotel wohnt, flüchtete dorthin, wurde aber bald darauf von einer deutschen Soldatenpatvomlle abgeholt und noch der Wache am Brandenburger Tor geführt. Noch einer kurzen Vernehmung brachte man ihn nach der französischen Botschaft. Oberrsgiernngsrat Poppe hat wegen der Wichtigkeit des überaus bedauerlichen Borünnmnisses Depeschen gerichtet an da» Auswärtige Amt, den NrichStvehrmintster Noske, au daS Ministerium des Innern und an den Polizeipräsi- denten Eugen Ernst, der sich zurzeit noch in Weimar befindet. Auf die Ermittelung und Ergreifung des Täter» find 10 000 M. Belohnung ausgesetzt. Die Schulfrage in Weimar. Di« Schwierigkeiten in Weimar hör?» nicht auf. Die Frage des ReichswirtschoftSministeriums und der Stellimg M stell s ist noch nicht erledigt. Eine gewisse Krisenstmnmmg wird in der gesamten deutschen Presse betont. Nun kommt dazu noch eine allgemein ebenso wichtige neue Schwierigkeit. Das ist die Schulfrage. Die Saziardemakratie steht grundsätzlich auf den Boden der Trennung von Kirch««nd Schule. Sie will rein weltliche Schulen, in denen der konfessionelle Religions- Unterricht keinen Platz hat. Die Erteilung des Religions- Unterrichtes ist Sache der Religionsgemeinschaften selbst. Neben der Sozialdemokratie ist aber das Zentrum an der Regierung beteiligt, das, obwohl es in wirtschaftlichen Dingen ein großes Stück Weg mit der Sozialdemokratie ge- meinsam geht, in der Schulfrage den entgegengesetzten Standpunkt von ihr einnimmt. Die Sozialdemokratie muß zur Mehrheitsbildung ent- weder das Zentrum oder die Demokraten hoben. Die De- mokraten, die bis zur Friedensentscheidung als dritte Partei in der Regierung saßen, find ausgeschieden. Zurzeit also müssen Zentrum und Sozialdemokratie gemeinsam handeln, wenn die Regierung für ihre Arbeit eiue Mehrheit im Par- lcrment haben soll. Darin liegt der Angelpunkt der Schwierigkeiten in der Behandlung der Schulfrage. Bei der Behandlung der Grundrechte in der Ver- sassung ist diese Schwierigkeit mm bis zum Konflikt ge- diehen. Es war zunächst ein Kompromiß auf der Linie gesucht worden, daß die Konfessionsschule fortbestehen, aber weder Lehrer noch Schüler zur Erteilung oder Entgegen- nähme des Konfessionsunterrichts gezwungen werden sollten; nebenher sollten die Privatschulen gestattet bleiben. Man konnte dieses Kompromiß als einen gangbaren Ausweg be- trachten— vorausgesetzt, daß die notwendigen Garantien zur Sicherung der ablehnenden Lehrer und Schüler gegeben werden konnten. Wer mit diesen Garantien sieht es einiger- maßen unsicher aus; sie gleichzeitig in der Reichsverfassung festzulegen, geht natürlich nicht. Damit ist aber jede Ge- währ für die fernere Zukunft unmöglich. Die Festlegimg der Konfessionsschule ohne gleichzeitige Festlegung der erforderlichen Garantien hat namentlich bei der preußischen Regierung lebhafte Bedenken wachgerufen. Die Unterhandlungen, die daraufhin in Weimar unter Beteiligung des preußischen Kultusministe- riums stattfanden, haben eine Klärung der Frage noch nicht gebracht. Die Sozialdemokratie schlägt nun, um die Arbeitsfähigkeit der Regierung zu erhalten, vor. die Abstimmung über die Grundrechte in der Verfassung vorläufig auszu- setzen und den übrigen Teil der Verfassung in zweiter Lesimg weiter zu behandeln. Das Zentrum ist jedoch arg- wöhnisch geworden. Es will sich auf eine Verschleppung dieser ihm naturgemäß stark am Herzen liegenden Frage der konfessionellen Schule nicht einlassen. Infolgedessen ist die Situation in Weimar, die der Mehrheit und die der Regierung, durchaus nicht fest. Wenn es nicht gelingt, ein Arrangement zu treffen, so ist es nicht ausgeschlossen, ja sogar wahrscheinlich, daß eine neue Mehrheit gebildet wird und ein neues Ministerium kommen muß. In diesem Falle würde mit einem Wieder- eintreten der T e m o k r a t e n in die Regierung gerechnet werden müssen. Damit würde:war eine Mehrheit kommen, die zwar in der Shulsrage Einigkeit herbeisühren wird, aber die von vornherein Differenzen in Wirtschaft- l i ch e r Beziehung und wahrscheinlich auch inderSteuer- frage in sich birgt. die Sage in RußlanS. Unser Vertreter m Stockholm hatte Gelegenheit, dieser Tage mit dem dort weilenden Genossen B i e n st o ck über die augenblickliche Lage in Rußland zu sprechen. Genosse Bien- stock ist der Vertreter der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (M e n s ch e v i k i) Rußlands in der Permanenten Sozialisti- scheu Kommission und als solcher Wohl berechtigt, sich über die russischen Verhältnisse zu äußern, die er wie wenige kennt. Ge- nosse Bienstock äußerte sich wie folgt: „Die gegenwärtige Lage Rußlands und ihr? wahrscheinliche zukünftige Entwicklung läßt sich mit einiger Sicherheit nur aus ihrem gegenwärtigen ökonomischen Zustande erklären. Hier kann nur eine Tatsache mit vollkommener Sicherheit festgestellt weichen: die immer rascher und gründlicher sich vollziehend: Agrarifierung Rußlands. Als das bedeutendste und dalier- haftest« Resultat der russischen Revolution kann die Schaffung einer zahlreichen Klasse von kleinen freien Grund- eigentümern angesehen werden und die völlige Vernich- tung des mehr oder weniger feudalen Großgrundbesitzes. Hand ! in Hand damit geht die Städteverminderung und Desindustrie- ! alifierung Rußlands. Die großen Städte sind entvölkert. d:e Industrie mehr oder Weniger lahmgelegt, das Proletariat quan- titativ und qualitnftv dezimiert. Die k a t a st r mp h a l e, Des- organisierung des gesamten Transport mittels hat fast jeden Warenaustausch zwischen Stadt und Land unmöglich gemacht, ganz abgesehen davon, daß die städtische Industrie dem Lande nichts bieten kann. Nur aus diese Weste läßt sich die sonst ganz unerklärliche Aushungerung der Städte in dem agrarischen Rußland erklären. So in ganz großen Umzügen die gegenwärtige ökonomische Inge Rußlands. Die bolschewistische Regierung, weit davon entfernt, diesen katastrophalen Niedergang der materiellen Kultur aufzuhalten. hat durch ihre leichtsinnigen Experimente den- selben nur beschleunigt. Gegenwärtig sind die bolschewistischen Machthaber kaum mehr die Schiebenden, sondern mehr die Ge- schobenen, da ihre ursprüngliche und absolut nottvendige soziale Basis— das industrielle Proletariat— sich immer mehr rein guantiwtiv verringert, ganz abgesehen von der starken poli- tischen Opposition, die sich in diesen Kreisen täglich stärker zeigt, versucht die Sowjetregierung, Verbindungen mit den mittleren Schichten des Bauerntums anzuknüpfen. Sie will eine Bauernregierung werden. Daher die Ernennung K a- lininS, eines Arbeiters mit guten Verbindungen auf dem Lande. zum Präsidenten der Zcntralerekutive der Sowjets.(Im übrigen eine mehr repräsentative Funktion.) Daher auch der Vri zicht auf die gewaltsame Requisition des Getreides. Zugleich versucht die Sowjetregieriing, die Arbeiter in das Joch der i n- dustriellen Disziplin zu zwingen. Akkordlobu und Tageslohn sind augenblicklich die beiden offiziell anerkannten Grundpfeiler der sozialistischen Sowjetrepublik, Alles zu dem Zwecke, durch Reorganisierung der Industrie und des Transportes den Bauern billige Waren zu verschaffen. Kurz und gut: Die kapitalistische Gesellschaftsordnung wächst allmählich, aber um so sicherer in diesen„kommunistischen" Staat hinein, Und dieses unter der Aegide der Sovjetregierung. Die phantasiereichen Köpfe der bolschewistischen Führer tragen sich mit dem Gedanken, so langsam die Funktionen einer bäuerlich-bürgerlichen Regierung als unter äugen- blicklichen Verhältnissen in Rußland einzig möglschen zu übernehmen. Vorläufig„natürlich" nur bis zu dem Zeitpunkt, wo die„Weltrevolution" endlich in der ganzen Welt die sozialistische Staatsordnung einführt. Das Naive und Unausführbare dieser Utopie ergibt sich schon daraus, daß eine bürgerliche Gesellschaftsordnung einen billigen� elastischen Regierungsapparat erfordert, während eben das Wesen der Sowjetdiftatnr in einer phantastisch lächerlichen Hyperbureankratie der g a n- zen Verwaltung besteht. Dabei frißt dieser ungeheure Apparat das ganze noch vorhandene Volkseinkommen auf. Jede Reform auf diesem Gebiete wäre nur auf dem Wege der Selbst- Verwaltung, d. h. durch eine Liquidierung des innersten Wesens des Bolschewismus, möglich. _ Das einzige Werk des Bolschewismus, da?, sich einigermaßen bewährt und das ihm gelungen ist, ist zweifelsohne die rote Armee. Es wäre zu weitläufig, die Geschichte dieser Armee hier darzulegen. Jedenfalls haben wir hier mit einer sehr be- deutenden Kraft zu tun, die gewöhnlich sehr unterschätzt wird. Was der bolschewistischen Strategie zuw'te kommt, ist der Bor- zug der inneren Operationslinie, die einheitliche Führung und ein im Vergleich zu ihren östlichen Gegnern— Koltschak und Denikin— ziemlich umfangreiches Bahnnetz. Alle diese Um- stände machen die militärischen Erfolge der gegen die Sowjet- regierung kämpfenden Truppen sehr zweifelhaft, ganz abgesehen von Jwn umeren Slkwierigkeitm. mit denen diese reaktionären Gegner der Sowjets zu kämpfen haben. Während die Arbeiter und Bauern im Sowjetrrchsand eine Befreiung von der Lenin- schen Diktatur sogar von Koltschak erhoffen, sehnen sich die Ar- beiter und Bauern in dem von Koltschak besetzten Gebiete nach einer Befreiung von der militärischen Diktatur des Letzteren. So arbeiten die Bolschswiften und die Reaktionäre füreinander. Der einzig mögliche AuÄveg aus diesem fehlerhaften Zirkel ist die Stärke der russischm Demokratie, lieber früh oder spät mird sich zweifellos Rußland zu einer mehr oder weniger pro- qreisiven Banerndemorratie entwickeln. Es ist aber sehr wahr- ichcinlich, daß als llcbcrgangsstadium Rußland nach dem Bol- schewismus eine Aera der reaktionärsten Militärdiktatur erleben wird. Wird diese Diktatur von Koltschak-Tenikin oder von einem der jetzigen Befehlshaber der roten Armee ausgeübt, ist ziemlich gleichgültig. Alle Voraussetzungen eines russischen Termidors sind vorhanden. Und die Bolschewiken ebenso wie die Jakobiner sind die besten Schrittmacher der Re- a k t i o n. Sollte auch eine reaktionäre Regierung in Rußland un- mittelbar den Bolschewismus ablösen, ihre Dauer kann nicht lang sein. Auch abgesehen von der inneren Opposition, scheint die ganze Weltlage nicht darauf angelegt zu sein, eine reaktio- näre Epoche in Rußland zu begünstigen. Die Demokratie, und zwar die sozialistische Demokratie, ist überall auf dem Marsche, und das ist auch die beste Gewähr für eine demokratische Ent- Wicklung in Nußland. Ebenso wie im demokratischen Deutschland ist auch im Rußland der Demokratie die Politik der Sonderbündnisse nicht mehr populär. Die russische Demokratie wird mit allen Völkern in Frieden und Mitarbeit leben. Die sozialistische Entwicklung in Europa und in der ganzen Welt wird es auch dem bäuer- lichen Rußland ermöglichen, seine Wirtschaft in die Weltwirt- schast einzuordnen und seine Entwicklung auf dem Wege der sozialistischen Gesellschaftsordnung zu beschleunigen. Deshalb werden die russische Demokratie und die Sozialisten danach stre- den. die künstliche Isolierung Rußlands zu beseitigen und es wird am allgeincinen— auf demokratischer Grundlage auf- gebauten— Völkerbimd teilnehmen. Der Gedanke des.Ostblocks", d. h. eines Bündnisses zwischen Rußland, Deutschland, Oesterreich imd Japan, der in manchen Köpfen innerhalb und außerhalb Rußlands aufge- taucht ist, scheint mir ein Ausfluß der Verzweiflung an der Möglichkeit der Wiederaufnahme einer wahrhaft internationalen Arbeiterbewegung und damit einer ollgemeinen Völkergeniein- schaft zu sein. Ich persönlich glaube, daß ein solcher Ostblock ein Bündnis der gemeinsamen Armut und Un- zulänglich keit bedeuten würde. Das gesamte Ost- und Zeutraleuropa bedarf einer wirtschrftlichen Hilfe von der angst- sächsischen Welt. Die Arbeiterdemokratie von Deutschland, Rußland und anderen Zentral- und osteuropäischen Landern soll danach streben, durch Einwirkung auf die sozialistischen Parteien der Ententeländer diese Hilfe unter möglichst günstigen Bedingungen zu erhalten. Nur die gemeinschaftliche Aktion der Arbeiterdemokratie in allen Ländern ist imstande, die Machthaber der Welt überall zu zwingen, die Wiederherstellung Euravas in einer den Interessen des Proletariats möglichst günstigen Weise in die Wege zu leiten. In dieser Aufgabe sind die Arbeiter der ganzen Welt solidarisch und müssen es sein. Darum also keine Isolierung und Sonderbündnifse, sondern gemeinschaftliche Aktion der Arbeiterinternationale zum Schutze der Interessen der Menschheit. Zreigabe des öeutfch-engl, schen yanöels. Blockade seit heute mittag aufgehoben. Versailles, 12. Juli. Der Oberste Rat der Alliierten hat in seiner gestrigen Nachmittagssitzung beschlossen, die Blockade Deutschlands von heute, den 12. Jlfti, ab aufzu- heben. Aufnahme des dentsch-amerikanische» Handels. Washington, 11. Juli.(Reuter.) Die Schiffahrtsver- bindungen mit Hamburg und Bremen werden wiederhergestellt werden, sobald Ladungen dafür aufgebracht werden fbnnem Von Philadelphia wird sofort ein Schiff nach Hamburg ab- gehen. Aus den südlichen Häfen wird Baumwolle direkt nach Deutschland verschifft werden. Günstige Z?olge der Blockcdeaufhebung. Haag, 11. Juli. Heute geht eine Erklärung der niedcrlöndi- scheu Regierung a» die assoziierte» Möchte ab, in der sie sich damit einverstanden erklärt, daß die holländischen Abmachungen mit den assoziierten Mächten bei der Aushebung der Blockade automatisch außer Kraft treten. Aufhebung üer amerikanischen SchUahrtskontroUe. Haag, 12. Juki. DaS amerikanische SchiftahrtSamt teilt mit, daß sämtliche kontrollierenden Bestimmungen für die überseeischen Frachtraten aufgehoben worden sind. vechanölungen überöas besetzte Rheinianü. Versailles, 11. Juli. Heute nachmittag fand im Trianon-Palasthotel die erste Begegnung zwischen .der deutschen Kommission für die besetzten Rheinlonde und den Vertretern der Be- satzungsmächte statt. Den Vorsitz führte auf der deut- schen Seite Unterstaatssekretär im Reichsministerium des Innern Dr. L e w a I d, auf Saften der Alliierten der Ver- tretcr Frankreichs, Loucheur; außerdem nahmen von deutscher Sefte teil: Reichskommiffar v. Starck, Re- gierungsrat v. F r i e d b e r g. Unterstaatssekretär Dr. Lewald führte aus, der deutschen Regierung sei bewußt, daß an dem Wortlaut des Aftkom- mens, nachdem eS gezeichnet und deutscherseits ratifiziert sei, nichts mehr geändert werden könnte, daß es Ober auf zahlreichen Gebieten noch besonderer Verstand'.- gungen über Detailfragen bedürfe, um die knappen Bestim- mungen des Abkommens in die Praxis umzusetzen. Unterstaatssekretär Dr. Lewald betonte, daß den Be- wohnern des besetzten Rheinlandes in der Ausübung ihrer staatsbürgerlichen Rechte volle Freiheft gewährt, daß der Personen-, Güter- und Nachrichtenverkehr sowohl innerhalb des besetzten Gebietes als auch zwischen dem besetzten Ge- biet und dem übrigen Deutschland von allen Beschränkun- gen befreit werden müßte, sowie daß endlich eine möglichst weitgehende Erleichterung der Einquartierungslasten ein- zutreten habe. Insbesondere gehe auch die deutsche Regie- rung davon aus, daß nunmehr die Zollgrenzen mit den Grenzen des Reiches zusammenfallen müßten. Loucheur erwiderte, daß die hier versammelte Kom- Mission das Abkommen selbst ausgearbeitet habe und daher versichern könnte, daß sie von dem Wunsche geleitet gewesen sei, die Lasten für die Bevölkerung des besetzten Rheinlandes so sehr wie möglich zu erleichtern. Im übrigen seien die von dem Vorsitzenden der deutschen Kommission ausgeworfenen Fragen so vielseitig und so schwerwiegender Art, daß in Gemeinschaft mit den militärischen Stellen in eine weit- gehende Beratung eingetreten werden müsse, vm zu jeder der zn-erörternden Fragen Stellung zu nehmen. Er werde deshalb die Kommission nach Ablauf einiger Tage zu einer neuen Sitzung einladen. Der deutsche Vertreter erklärte sich hiermft einver- standen. Die deutsche Kommission wird nach Deutschland zurück- kehren und die Verhandlungspause dazu benutzen, mit den Abgeordneten und sonstigen Sachverständigen aus den be- setzten Gebieten über die Einzelheiten des Abkommens in Beratungen zu treten.__ Knud Hamsun über den Bersciller Frieden. Knud Hamsun äußerte sich auf eine nordische ZeitunAsumfrage folgendermaßen über den FriedcuZschlutz:„Wenn der vorige Friede m Versailles die Aussaat zu diesem Kriege darstellte, kann dann der Friede von heute der letzte der Welt sein? Oder werden die Angelsachsen mit ihren Friedenschlüssen auf der ganzen Erde fortfahren? Ich weiß eS nicht. Mögen die reden, die sich dessen nicht entblöden." Kriterium. von Hans Bauer. Jrgrndtvo war es zu Straßenkämpfen gekommen. 'u nächsten Morgen waren die Zeiwngen voll davon. Ebe ich selbst Zeit gehabt hatte, in die Blätter zu gucken, traf ich inemen Bekannten. „Haben Sie schon gelesen?' fragte er.»toll ist'S hergegangen, ganz toll!" „Nein," sage ich,„noch nicht reingucken habe ich können in die Zeitung." Da wird sein Ton gewichtig.„Ja, also das Rathaus ist von RegierungSiruppen wieder genommen. ES besteht Ausficht, daß der ganze Norden der Stadt bald wieder gesäubett ist. Vierzig Tote sind geblieben l l" Zu Mittag lese ich selbst nach, was die Blätter schreiben. Und da steht das und das und daS und das geschrieben, über das mein Bekannter referiert hatte und dann, daß die Kämpfe dreißig bis vierzig Tote erfordert hätten. Dreißig bis vierzig Tote! Er hatte gesagt vierzig. Bei ihm war die höhere Zahl hasten gaüiiebeu. Seitdem kann ich den Kerl nicht mehr leiden. Spltzenlelftvngen unö Einheitsschule. Unter den Einwendungen gegen die Einbeitsschuke spielt die >' äauptung, daß die Eiicheitsschule die Letistungen der höheren «hui« herabdvücken werde, eine ganz besondere Roll«. Diese Bs- baüptung stützt stch darauf, daß bor einer länger ausgedehnten Grundschule für den«rbgetrannten höheren Unterricht eine geringere als die heutige Zahl von Schuljahren Übrig bleibt. Daß aber die Vertreter der Heuligen Schulemrichtungen keinen Anlaß haben, auf die„Spitzenleistungen" sich besonders zu stützen, beweisen die Anklagen, die von namhaften pädagogischen Fachleuten gerade da- hin erhoben werden, daß die höchsten Ziele des Unterrichts gegen- wärtig nicht erreicht werden. So urteilt Eduard' Sprang« in sehwr Schoift„Begabung und Studium"(Verlag Quelle und Meyer, Leipzig) über die Leistungen uns«« Studenten: „Immer wieder«hebt sich mit Recht die Klage, daß die Stu- denten nicht deutsch reden und schreiben können; iebon ehe der vortreffliche freie Aufsatz als der einzig Wahre ent- trckt war. konnten nur die wenigsten einen Gedankengang ordent- lich durchführen mid logisch disponieren. Wie mußte es da«st rrit der scharfen Auffassung der Probleme, der Herausarbeitmiz des Wesentlichen und der sicheren Zielsetzung des Denkens bestellt rtn! In der Vorlesung kann fevner nachgerade kein Fremdwort mehr gebraucht werden, ohne daß man es üb«setzen muß;— den-n die einen kennen kein Französisch, die anderen kam Ladoin. D« Begriff der Funktion kann nicht mehr aS bekannt vorausgesetzt worden. Weltberühmt« Schriften. wenn sie nicht gerade in der Schule gelesen sind, kennt kaum jemand. Die Fähigkeit, einen griechischen oder lateinischen Text wirklich zu lesen, wird immer seltener." Geheimer AiegierungSrat Professor Dr. M-iekhe an der Tech- nischen Hochschule zu Berlin fällt ein geradezu vernichtendes Urteil üb« die Leistungen d« dem technischen Studiiun sich zuwendenden Gymnasiasten, bei denen er Qualitäten vermißt,„die dem Volks- schul« bäusig in hohem Maße eigen sind". Solche Stimmen vev> dienen gewiß ernst« Brachtuna.„ Spitzenleisttmgsn" werden um so leichter und um so häuftg« sich«zielen lassen, je wenig« durch ungeeignete Schüler der Unterrickstsbetrieb gehemmt Witt», je gleich- mäßiger die Schick nach Art und Grad d« Begabung ist. Die eigentlichen Spitzen, die Höchstbogabten und die einseitig veranlagten Talente und Genies kann freilich auch die beste Schul« niemals ganz befriedigen. Sie drängen frühzeitig auf eigenen Wegen vor und finden Anregung und geistige Nahrung viel öfter bei einzelnen Menschen, bei Lehrern»nd anderen, und, wie Ml- heim Ostmald nachgewiesen und unendlich viele Lebensbild« zeigen, im Buche. Di« EmheitSschirle mit ihrer großen B«ücksichtigung jed« Eigenart und ihr« Vielheit von tveiterführenden Bildungs- anstalten wind aber auch den„Spitzen" mehr bieten können, als die heutige Schule es kann._ Emst Toller. In der Monatsschrift„Die weißen Blätter" sind einige Ge- dichte des Studenten Ernst Taller abgedruckt, des Oberbefehlshaber? der Truppen du verflossenen Bayerischen Räte-Republik. Eines kautet: Fabrtkschornstetne am Vormorge«. Sie stemmen ihre schwarze Wucht in Dämmuhelle, Gepanzert recken sie sich drohendfteil, Sie spalten zarte Nebel wie getriebner Keik, Daß jeder warme Hauch um sie zerschelle. Aus ihren Mäulern kriechen schwarze Schlangen Fn blasse Fernen, die ein Silberschleier hüllt. Sie künden lautlos:„Wir sind Burg und Schild' Die Gluten winden sich, in un? gefangen." Der Morgen kündet sich mit violettem Lachen. Den Himmel füllt ein tiefes Blau. Da gleichen sie verfrornen Posten, überwachen. Nnd werden spitz und kahl und grau, Und stehen bilffoS da und wie'verloren Im lichten Act her, der einen Gott geboren. Gefahren üer Milch. Daß die Milch Träg« und Vermittler einer ganzen Reihe von Krankheiten ist. zeigt eine Analyse von Milchproben, die in Man- chester vorgenommen worden ist. Dabei«gab sich, wie die„Um- schau" nach englischen Quellen berichtet, daß daS Verhältnis der MM geht. Nach«in« Meldung der..B. Z." hat W i sfell gestern in der' Fraktionssitzung seinen Freunden erklärt, daß er auS dem Reichs- wirtschaftsmini st erium ausscheidet und auch kein anderes Amt in d« neuen Regiervng zu übernehmen gedenkt. Parteitag öer deutschnationalen. In d« Philharmonie hat heute der Parteitag d« Deutsch- nationalen begonnen. Aus den Begrüßungsreden interessi«t die Stelle der Rede des stüheren preußischen Ministers tzergt, wo er sagt, daß die Deutschnationalen nicht an Gegenrevolution dächten. Wenn sie dies vor hätten, so wäre jetzt, wo der Osten in Waffen starre, der gegebene Augenblick zur Aktion gewesen. Sie erstrebten jedoch einen Systemwechsel im Wege der friedlichen Entwicklung. Die Pogromhetze. Die Pogromhetze dauert fort. T« sattsam bekannte„Aus.. schuß für Volksaufklärung" schürt weit« den Haß mit den üblichen Mtteln. So werden uns wieder einige Flugschriften zugesandt, die in Zossen von Militärpersonen verteilt und als Plakate angeheftet wirrden, wobei der Hauptbeteiligte, ein Pordepeeträg«, sich zur Herbeischaffunq der kulturhistorischen Doku- mente noch eines Milirärfuhrwerkes vedienie. Wäh reck das eine Flugblatt„vertraulich" an Frauen und Mädchen appelliert, sich von Juden, llnzarn, Russen und Mongolen fernzuhalten, schiebt das sichere alle Verstöße gegen die Wuch«gesetze den Juden in die Schuhe und hetzt so unter der scheinheiligen Maske des Volks- beglückerS. Diese Kostproben sind ja noch verhältnismäßig Harm- los. Sie verheißen nur demjenigen mehr, der sich um die„tot- geschwiegen« Literatur" des sauberen V«hzndes bemüht. Gibt es ab« wirklich kein Mittel, um die Hetztätigkeit mit Hilfe von Mffitärperjonen zu unterbinden? Diese Fvage dürfte sich daS Reichswehrministerium ruhig einmal angelegen sein lassen. Freilassung der Frankfurter Geiseln. Von zuständig« Stelle wird mitgeteilt: Die von aufständischen Lazarettinsassen in Frank- ! furt a. M. als Geiseln festgsnommenen Offiziere, der Ab- schnittskommcnchant und sein Adjutant, sind infolge geeigneter Maßnahmen wieder freigelassen worden. DaS Vorkommnis zeigt aufs nene, daß die Sicherheit szrvstände in Frankfurt a. M. mittler- weile unhaltbar geworden sind. Nationaiyers ammlung zu Weimar 65. Sitzung von Sonnaden d, den 12. Juli, tzk-j Uhr, Am Regierungstisch: Schmidt. Präsident Fehrenbach«öffnet die Sitziwg 9% Uhr. Die Genehmigung xur'Vernehmung des Abg. Holl(Soz.) als Zeuge in einer PrivatbeleidigungSsache wurde erteilt. ES folgen Wahlprüfunge«. D« Wahlprüfungsausschuß beantragt, im 1t>. Wahlkreise Oppeln die Berufung der acht Bewerber der Liste Ulitzka, des Abgeordneten Kubetzki(Zentr) für ungültig zu erklären und folgende Entschließung anzunehmen: Im Gegensatz zu der Auffassung des Wahlausschusses hat der Wablkomnnssar die auf te le g r a p h i fchem Wege«folgt« Listenverbindnng Hörning-Lichtenstein lSvz. und ll. Svz.) für unzulässig und damit für ungültig erklärt. Abg. Allegotte(Zentr.) wendet sich gegen den Beschluß des Wcchlprü fungsauKschusse S. Der Beschluß bei Ausschusses würde zu unabsehbaren Konsequenzen führen können. Abg. Schmidt-Sachsen(Soz.). Schon die Bedürfnisse der Praxis zwingen dazu, die telegraphische Listenvcroindung der schriftlichen gleich zu stellen. Im vorliegenden Falle ist daS um so unbedenklich«, weil die Erklärung nachträglich noch schrift- lich bestätigt worden ist Nach weiteren Erörterungen, in denen sich die Abg. Dr. Spahn(Zentr. l und Graf Dohna gegen und Schmidt�Sachsen(Soz.) für die Auffassung des WahlprüstmgS- ausfchusses aussprachen, wird die Wahl deS Abgeordneten Kubetzki(Zentr.) für ungültig erklärt und die Ent- fchließuug des Ausschusses angenommen. mit Tuberkeln durchsetzten Milch dreimal so groß war als vor dem Kriege. Die Verunreinigung entstand vor allem durch die nach. lässige Behandlung van seilen d« Lieferanten, irpd gerade das Filter, durch das die llnreinigkeiten beseitigt werden sollen und das daher als Schutzmaßregel erscheint, entfernt nur die groben Unrein- lichkeiten, die mit bloßem Auge sichtbar sind, führt aber indirekt un- gezählte Bazillen in die Milch ein. Bei dem Versuch wurde von der für daS Krankenhaus in Manchester bestimmten Milch der Ertrag von 3 Kühen in verschlossene sterilisierte Gesäße gefüllt und hierauf in einem stcrilisi«!cn Milchfaß gemischt. Ein Teil dies« Milch wurde durch ein gewöhnliches sauberes Filter, wie es auf den GutShöfen in Gebrauch ist, ab« ohne daß eS sterilisiert wurde, ge- seiht. Der nichtfiltrterte Rest blieb in dem st«ilisierten Milchfaß. 23 Stunden später wurde in der Stadt die Analyse vorgenommen, und es«gab sich, daß die nichtfiltrierte Milch nur 800 Bazillen auf den Kubikcentimet« enthielt, die filtrierte dagegen 236 Millionen Bazillen. Tie nichtfiltrierte Milch hielt sich 90 Stunden tadellos frisch, die filtri«te wunde schon nach 14 Stunden sauer. Man«- kennt aus diesem Versuch, daß eine sorgsame Ueberwachung d« Milch gefordert werden muß._ Notizen. — Theater. Im Deutschen Opernhaus findet am 17. Juli die letzte Vorstellung in dieser Spielzeit statt. Bis zu diesem Tage müssen sämtliche Gutscheine der Stammsitzinhabec eingelöst sein. — Arbeiter-KnnstanSstellung. Wi« uns mitge- teilt wird, verlegt die Genossenschast sozialistischer Künstler ihre Arbeiter-Kunstausstellung nach Neukölln. Die Eröffnung findet am Mittwoch, 11 Uhr vormittags, statt. Spät« soll diese Ausstellung nach den Fabrikräumen der A. E. G. Brunnenstraße überführt werden. Erstmals gliedert sich dieser Ausstellung eine Ausstellung erw«bslofer Künstler an. — E in neues Zwischensemester werden vom 22. Sep- tember bis 20. Dezember die meisten preußischen Hochschulen vei- anstalten. Die Universitäten Bonn, Cöln, Frankfurt und GreffS- wald. die technischen Hochschulen Aachen und Dunzig legen kein Zwischensemester ein, sondern beginnen das Winterhalbjahr wi« sonst Ende Oktober; die Hochschulen mit Zwischensemester können daS Winterhalbjahr am 5. Januar beginnen lassen. — Gottfried Kellerz Heftigkeit, seine jähzornige Offenherzigkeit, wenn ihm etwas wider die Natur ging, wirb durch zahlreiche Anekdoten bezeugt. Unter anderem kam eS bei solcher Gelegenheit auch einmal zu einem Zusammenstoß mit Ferdinand Lassalle, der inmitten«in« extravaganten Gesellschaft allerlei Kunststücke als Magnet! seur und Tffchrücker zum besten gab. Gerade als er seinen Hoku-poku» über Georg HerweghS Haupte trieb, drang Keller, der sich eines Stuhles als Waste bediente, mit den Worten:„Jetzt ist'S mir zu dick, ihr Lumpenpack, ihr Gauner." wütend auf ihn ein und wurde schließlich von der in unbeschreibliche Vertvirrung geratenen aufgeregten Gesellschaft an die Luft gesetzt. Das geschah gerade am Vorabend seines AintSantrittS, nachdem dre Züricher ihn zum«sten Staatsschreiber de? Großen Rates gewählt hatten. t>$sr Gwßbeelmer Verkehrsstreik. Auf dem Wege zur Berftändrgwng. Berliu, 11. Juli. Zrnn Stand des Berliner Verkehrs- s» r e i? s wird dem WTB von einer der Organisation der Arbeit- xeber nahe stehenden Seite mitgeteilt: Die beteiligten Organi- sationen der ausständigen Verkchrsangestellten nmren wegen wichtiger Veranstaltungen(Verbandstage, Longressc) bisher verhindert, an den Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern teilzunehmen. Um diesen Organisationen Gelegen- heit zu geben, zu Worte zu kommen, fand am geitrigen Nachmittag 111 dem Gebäude der Großen Berliner Straßenbahn eine zunächst ga..z unverbindliche Aussprache zwischen den Organi sationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer statt, die allmählich festere Formen annahm, durch die der nachfolgend: Vergleichs Vorschlag zustande kam: Die Verhandlungskommission verpflichtet sich, den Streikenden die sofortige Wiederau snahiue der Arbeit zu empfehlen, wenn die Arbeitgeber sich ihrerseits bereit erklären dem Personal nach Ausiiöhme des Betriebes einen Vorschuß von 3 0 0 Mark sofort zu zahlen. Insoweit dieser Vorschutz eine ctaw von dem Hauptausschuß endgültig festzusetzende Wirtschaftsbeihilfe üverstsigt, ist er in Raten zu den Lohntermirren innerhalb dreier Monate vom Tage der Fällung des Schiedsspruches ab gerechnet zurückzuzablen. Insoweit die von der Hochbahngesellschaft erst Ende vorigen Monats gezahlten Wirtschafksbeihilsen den Betrag von 300 Mark erreichen oder übersteigen, wird ein Vorschutz nicht ge- zahlt. Die Parteien find darüber einig und verpflichten durch diese Erklärung ihre Auftraggeber dahin, daß der zu fällende S ch i e d s svruch des Hauptausschusses für alle in den beteiligten Organisationen befindlichen Arbeitgeber und Arbeit- nehmer endgültig und bindend ist. » Versammlung der Vertrauensleute der Streikende«. In einer am heutigen Sonnabendvormittag im Gewerkschafts- hause tagenden VertrauenSmäimerversammlung der Ausständigen erstattete nach einer lange Zeit beanspruchenden Geschästsordnungs- debatte, deren Gegenstand die Leitung der Versammlung war und in der die Differenzen, die zwisechn der Organisation sie itung und der Zentralstreikleitung bestehen, beigelegt wurden, schließlich der Vorsipende der Zentralst reffleiffrng Schütz Bericht über die Vor- Handlungen, die am gestrigen Abend mit den Arbeitgebern im Sitzungssaal der Großen Berliner Straßenbahn stattgefunden hatten. Als wesentlicher Punkt dar Verhandlu-ngen war die Wirt- 'chastsbeibilfe im Vordergrunde. Die Anbei ti wch merd er treter wurden sivv darüber klar, daß sie die Wicffchastsbeichilse in Gestalt eines Vorschusses annehmen könnten, da mit größter Wahrfcheinlichkeik damft zu rennen ist, daß die Große Berliner in den Besitz"der Kommunalbchörden übergehen wird, und daß von feiten der Kom- munen auf eine Wiederbeitreibung der Vorschüsse verzichtet wird. Die Arbeiigeoer machten den Vorschlag, L00 M. Vorschuß zu be- willigen. Die Arbeitnehmer bezeichneten diesen Betrag als un-- diskutv-bel, worauf die Arbeitgeber als letztes Angebot 300 M. zu- sicherten. Di« Voraussetzung soll die sein, daß der Betrieb unver- züglich aufgenommen wird. Demgegenüber würden die Acdeitgeber die Verpflichtung«vnqehen, die Vorschüsse alsbald zu zahlen. Bezüglich der Hochrahner liegen, weil dieser Betrieb vorerst nchh nicht kommunalisert wird und da erst kürzlich eine Witeschafts- bcihilfe an die Angestellten gezahlt worden ist, besondere Äer- hältniffe bor. Die Direktion dieser Gesellschaft sicherte indessen schließlich zu, 150 Dt Vorschuß im Falle der Bedürftigkeit zu zahlen. Der Berichterstatter führte aus, daß die Stveikteitnng -darauf Werl gelegt habe, das Nsftiltat der Verhandlungen nicht als bindend zu betrachten, sondern der Masse der Streikenden das letzt: Wort zu überlassen. In Erwägung aller Nebenumstände und insbesondere dessen, daß groß« Teile der Berliner Bevölkerung gegen die Streikenden seien, ist die VvrhandlungÄommission und Zentralstrcikleituug zu dem Entschluß gekommen, der aus- ständigen Angestelltenfchaft zu empfehlen, den Betrieb inrter den fixierten Bedingungen wieder auszunehmen. Bei Schluß des Be- richts waren die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. » Ob der Verkehr am morgigen Sonntag wieder aufgenommen werden wird, hängt von den Versammlungen der Ange- stellten ab, die im Laufe des heutigen Tages stattfinden und die zu entscheiden haben, ob sie den Vorschlag der VerijandlungS- kommission annehmen oder nicht. Et» drolliges LorkonrmniS paffrcrte dem«nabhängigen Parteiblatt„Die Tat' in Wilhelmshaven. Ein Artikel über die Räterepublik in Gotha erregte bei ssinsn Lesern höchsten Un- willen, weil er ganz in bürgerlichem Sinne abgefaßt war. Aus vielfache Beschwerden erwiderte nunmehr das Blatt, daß«s aus Sparsamksits- und techwischen Gründen genötigt sei, Matern eines bürgerlichen Korrespondenzbureaus zu benutzen und in der Eile sei der Redaktion das Versehen passiert. Inöustrie un) tzanöel. Börse. An der Börse gestaltete sich das Geschäft trotz der nunmehr be- sSlossenen Aufhebung der Blockade recht still. Die Tendenz war wenig einheitlich, doch überwog«ine feste Grundstimmung. Am Montanmarkt gaben Gelscnkirchener, BiSmarckhütte und Phönix zunächst etwas nach, waren aber im späteren Verlauf be- festigt. Farbwerte wurden erneut höher bewertet, dagegen zeigte sich für Elektro, und Rüstungspapiere keinerlei Nachfrage. Schiffahrtsaktien setzten ziemlich fest ein, konn- ten sich aber sttiter nicht behaupten. Ueberhaupt war gegen Schluß die Tendenz ther schwächer Am Rentenmarkt war die Kursveränderung unbedeutend. Kriegsanleihen stellten sich auf etwa 7SÄ. Höchstpreise für Eisen. Berlin, 11. Juli. DaS Reichswirts chafts ministe- ri u m hat nach langwierigen Berhandlungen mit den Produzenten. verbänden der Eisenindustrie die fortgesetzt im Steigen begriffenen Eisen preise zu einer gewissen Stabilität ge- b r a ib t und es durchgesetzt, daß die Anfang Mai im Einvernehmen mit den Vertretern der Arbeiter, des Handels und der großen Verbrauchergruppen festgesetzten Preise auch, soweit Ler- kausssyndikate nickt bestehen, von den einzelnen Werken und vom Großhandel als Höchstpreis« angesehen werden. Trotzdem fordern eine Reihe von Händlern, unter denen sich besonders solche Firmen befinden, die Kriegs- oder Revolutionsgründungen darstellen, fortgejetzt noch S ch I e i ch h a n d e I s p r ei s«, die 100 bis löv Prozent über den festgesetzten Preisen der Produzenteiiverbände liegen, und beunruhigen mit derartigen Offerten die Verbraucher- kreise. DaS ReickSivirtschaftSministerium wird einem derartigen Wucher mit allen gesetzlichen Mitteln entgegentreten. ES kann daher den Interessenten zwecks Herbeiführung einer Gesundung der Preisverhältnisse nur dringend ge- raten werden, derartige Offerten dem Reichskommissar für Eisen- Wirtschaft in Berlin LlV 48, Verlängerte Hedemannstr. 7, zur weiteren Verfolgung zu übersenden. GeoßSerM Dos n freie Spiel öer Kräfte". Von Karl Schewe. Das freie Spiel der Kräfte ist ein verderblich Spiel, Schieber- und Wuchergeschäfte sind oft ihr einzig Ziel. Wo ihre Schlote rauchen, wird der gemeine Mann zum Werkzeug, da? man brauchen und dann wegwerfen kann. Die Freiheit, die sie meinen, das ist Raubrittergeist, der mit stahlharten Fäusten Reichtümer an sich reißt. Was machts, ob die> im Tale knirschend in Not vergebn, wenn stolz nur auf den Bergen die Ritterburgen stehn. Das freie Spiel der Kräfte ist eines Vampirs Spiel: Er saugt des Volkes Säfte, zermürbt des Schiffes Kiel: aus Demant, Gold und Perlen baut es ein Götzenbild, um dessen morsche Sockel des Aufruhrs Woge schwillt. Das freie Spiel der Kräfte hat Knechtschaft uns gebracht. Drum haben wirs zerschlagen in einer Aufruhrsnacht. Jetzt woll'n das Spiel wir binden, durch Lohngerechtrgkeit, ein neues Deutschland gründen, das allemal befreit. Protest gegen die Entlastungen der Eisenbahner. Eine vom Deutschen Eisenbah oerverband einberufen« Verstimm. lung aus Anlaß der wegen Streik entlassenen Eisenbahner tagte heute mittag im GewerkschaftShausc. Der Referent, Bczirksleiter Schulz, teilte mit, daß der Erlaß des Ministers NoSke, daß jeder, der die Arbeit am 3. Juli nicht wieder aufgenonmten hat, zu ent- lassen ist, mit größter Schärfe durchgeführt wird. Selbst Ange- stellte und Arbeiter, die sich am 3. Juli im Urlaub befanden öder krank waren, sind bei späterem Eintritt in den Dienst rücksichtslos entlassen worden. Der EisenbahnpvÄsident WnllS hat am 5. Juli verfügt, daß alle Bedtensteterr, die am 3, Juli dem Dienst fernge- blieben waren, ausnahmslos weder einzustellen noch weiter zu be- schästigen sind, bevor die Eifenbahndireition die Entschuldigungsgründe geprüft hat. Ausgenommen sind Urlauber und Kranke. Hiernach wird es also möglich sein, die schuldlos Entlassenen wieder in Arbeil zu bringen, aber der größte Teil der Entlassenen wird zu Hause bleiben müssen. Das Ministerium steht aus dem Stand- Punkt: Verhandelt wird wegen der Entlassenen nicht, der Erlaß des Ministers besteht zu Recht und ist unbedingt durchzuführen. Wer sich zu Unrecht entlassen fühlt, soll seine Gründe angeben; sie werden geprüft werden. Der Redner b-zeichnete die Maßnahme als eine ungeheure Härte. Die Entlassenen bekommen keine Arbeitslosen- Unterstützung, auch weigern sich die Arbeitsnachweise, sie einzutragen. Eüva 1000 Entlaffsne liegen jetzt aus der Straße, darunter biete Jugendliche und Lehrlinge. Wenn man ihnen die Arbeits- getegenheit abschneidet, so züchtet man Verbrecher. Wegen Wieder- anstellung der Lehrlinge hat sich die Organisation an di« Hand- werkSkaoimer gewandt, wegen der übrigen Entlassenen soll der Schlichtungsau! schuß angerufen werden, ferner soll die Frage ge- prüft werden, ob niäit der Erlaß des Ministers im Wege der Klage angefochten werden kann. Einstimnrig wurde beschlossen:„Die Zentralvorstände der be- teiligten Verbände werden beauftragt, mit aller Energie dafür ein- zutreten, daß alle Eematzregelten wieder eingestellt werden.' Beigabe weiterer Abschnitte der Kohlentarte. Vom Dienstag, den 15. Juli, ab dürfen zur Entnahme von Kohlen bis auf weiteres nur die folgenden Slbschivitte verwendet werden: 1. Abschnitt 5—7'der Kochkart«, 2. Abschn. 5—10 der d-Zentne» Ofenkarte, Abschn. 5— 8 der 10- bis W-Zentnier-Ofenkarte, 3. Abschn. 1— 10 der Kokskarte, 4. Abschn. 1—14 der Sonderkarte. Bevorzugt zu beliefern sind die beroittS früher freigegebenen: 1. Abschnitt 5— 6 de« Kochkarte, 2. Abschn. 5—7 der 10- bis 60- Zsntner-Ofsnkarte, 3. Abschn. 1— 3 der Kokskarte, 4. Abschn. 1— 12 der Sonderkarte. Auf die Abschnitte 1— 4 der Kochkarte und sämtlicher Osenkartan dürfen demnach vom 15. Juli Kohlen nicht mehr entnommen werden. Mit Micksicht auf die Unsicherheit über die für die Wintermonate zur Verfügung stehenden Kohlenzufuhven muß erneut aus die drin- gende Notwendigkeit, di« numnehr fveigegebenisn Köblemnenaen soweit als möglich für die Heizmonate einzusparen, hingewiesen werde«. von der Post. UnS wird geschrieben: Wie bei einzelnen Aemtern die Wahlen zu den Beamten- und Arbeiterausschüssen gemacht werden, darüber mögen nachfolgende Zeilen ein Bild geben. Beim Fernsprechamt Steinplatz war es infolge Ausscheidens von zwei Mitgliedern deZ ertlichen Ausschusses nötig geworden, diese durch Neutoahl zu er� setzen. Von seinen Kollegen wurde«in rühriger Parteigenosse ein- stimmig als Kandidat vorgeschlagen und dem Wahlausschuß recht- zeitig bekannt geyeben. Aber ein Sozialdemokrat ist airch heute noch bei der Post ein Staatsverbrecher in den Angen seiner hoben und höchsten unmilterbaren Vorgesetzten, und so wurden kurz vor der Wahl Zettel angefertigt, auf denen zwei willige Kandidaten des alten Shstems, angeblich durch 70 Unterschriften gedeckt, vermerkt standen. Die treu hinter ihrem Kandidaten stehenden sozialdemokratischen Kollegen strichen die Namen der vorgeschlagenen Vor- gesetztenkandidatcn und setzten an deren Stelle den Namen des Sozialdemokraten, ihre? Erwählten. DieS hatte aber alles keinen Zweck, denn beim Amt Steinplatz wandern Stimmzettel als„un- gültig' in den Papierkorb, auf denen der vorgeschlagene Kandidat handschristlich durch einen anderen ersetzt wird. Auf diese Weise kommen dann Vertreter heraus, wie wir sie unzählig haben und die gerade das Gegenteil von dem sind, was sie sein sollen, nämlich Schmarotzer deZ alten Systems. Der Vorsteher hat sich unter allen Umständen seder Wahlbeeinslusiuny zu enthalten, auch wenn eS in der verschwiegensten und höflichsten Form geschieht Es ist selbst- verständlich, daß gegen diese Wahl Protest eingelegt wird, schon um dem Wahlausschuß zu beweisen, daß derart handschriftlich abge- änderte Wahlzettel ihre voll« Gültigkeit haben. Den Arbeitern und Angestellten der Post möchte ich aber zurufen:„Wählt bei den demnächst stattfindenden Neuwahlen keine Schreier oder Schmarotzer, sondern zielbewußt denkende Parteigenossen als die Vertretereurer Interessen.' Für die EinhcitSssemeinde.— Gegen Steuererhöhung. Die gestrige Gemeindeverordnetenversamwlung in Steglitz stimmte einer Entschließung zu, die sich fiir die Groß-Berliner Ein- heiisgemsinde auf der Grundlage des Regierungsentwurfes erklärt. Des weiteren lehnte die Versammlung den Antrag des Gemeinde- Vorstandes auf Erhöhung des Steuersatzes van 280 auf 300 Proz. ab. Bei der Neuwahl des Zweckverbands-chgeordnoten wurden die Genossen Szillat und Oswald(als fein Stellvertreter) gewählt. Die An- und Abmcldepf-'icht von vermietbaren Wohnungen ist nunmehr auf Wohnungen aller Größenklassen und auf die Unter- Vermietung von Wohnräumen ausgedehnt worden. Obstkerne auf dem Gehsteig bedeuten für jedermann die Gefahr des AuSgleitenS und Beinbruchs Arbeilerrät« der KrkegSorgauitettouen! Dienstag vorm. 9 Uhr im BollzugSratSgebäud«, In den Zelten 23, Saal 5, Sitzung LA.: gez. Gürlchte. Dreptow. Ferteulpiele. Jeden Dienstag und ssfreitag im Treptower Park, Wiese 11. Abmarsch 1'/, Uhr van der Schule Wildenbruchstratze. Groß-Berliner Lebensmittel. Ntederschönhauscn. Auf Mschnitt 43(Kinder bis 2 Jahren) lL Pfd. Gerstenmehl, Abschnitt 19(Kriegsbeschädigte> Ü- Psd, Sago, Abschnitt 38 (Jugendliche) 100 g Morgenlranl, Abschnür 3ü 500 g Teigwaren, Abschn. 55 200 g Hülseusrüchtc, Abschnitt D 10 � Psd. amerilanischeS Weizenmehl, Abschnitt 147 1 Dose Leberpaste, Kartoffeln gibt es 2 Psund, Tegel. Auf Abschnitt 40 der Groß- Berliner Lebensmittelkarte 200 g Erbsen. Abschnitt 43 150 g Teigwaren.'Abschnitt 33 der Gemeinde- wirtschastskarte 250 g Nährsuppen. Abschnitt 0 9 und D 10 der Eirrsuhr« zusatzkarte je 250 g amerik. Weizenmehl. Pankow. Bon heute ab als Ersatz für fehlende Kartoffel» auf Ab- schnitt 51 der allgemeinen Lebensmittelkarte 150 g Karloffeischeibcn(0,47 M.) vereine unö Versammlungen. Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Bezirk O st e n. DienStag, Tß'j Uhr: Mitgliederveisammlung, Petersburger Str. 86, Gesß-Serliner Varteinachrichten. 3. und 4. Abteilung. Morgen Familienausstüg nach dem Langen See. Treffpunkt>/,7 Uhr Lutherkirche(Dennewitzplatz). SMerWKbeuMWg Die EntschulSungssuNme. Zu der setzt viel umstrittenen Frage betreffs Zahlung einer EntschuldnngSsumme erhalten wir von einem Leser des.Vorwärts' folgende beachtenswerte Zuschrift: Rein objektiv betrachtet ist die Zahlung einer Entschuldungs- summe eine Ungerechtigkeit gegenüber denjenigen, die keine solche erhalten.» �. Wer ist überhaupt in der Lag«, eine solche zu zahlen? Doch nur der Siaat, die großen Gesellschaften, die Banken und wenige große Privatfirmen; es sind also schon auS diesem Grunde alle Angestellten und Arbeiter, die nicht bei diesen beschäftigt find, im Nachteil. Aber die Ungerechtigkeit wird noch größer, wenn man be- denkt, daß letzten Ende« auch die, die keine EntschnldungSsumme erhalten, zur Deckung derselben beitragen müssen. Zahlr der Staat das Geld, so muß es durch Steuern aufgebracht werden, zahlen eS die Verkaufsgesellschaften, so muß eS das Publikum aus- bringen usw. Gewiß ist heute jedem eine solche Unterstützung zu gönnen. aber die Empfänger müßten auch bedenken, wo das Geld herkomme und ihre Forderungen nicht bis ins maßlose hinaufschrauben. Ick bin auch 41/2 Jahre Soldat gewesen, wüßte aber nicht, bei wem ich meine Forderungen anmelden sollte. Etwa beim Siaat? Der ist jetzt froh, daß er selber nicals hat. Nun zu dem Streik der Eisenbahnbeamten! Gewiß sind die mittleren und die Unterbeamten schlecht, zum Teil sogar iehr schlecht bezahlt wordeu, doch habe ich hier bisher stets den Hinweis ver- mißt, daß allen Kriegsteilnehmern während der ganzen Kriegs- dauer das volle Gehalt weiter gezahlt worden ist. Selbst wenn der Beamte— und von den mittleren Beamten find es sehr viele gewesen— Offizier oder Miiitärbeamter im OffizierSrang geworden ist, hat er außer dem Offiziersgehalt drei Zehntel seines Zivilgebalts behalten. Wer von den Millionen der Arbeiter und Angestellten kann sich. einer gleichen Wohltat rühmen? Ferner ist bei den Beamten doch noch ganz besond-rS zu be- rückfichtigen, daß sie lebenslänglich angestellt smd und für sich oder ihre Witwe später Pension beziehen I lieber den Arbeiter und den Angestellten sckwcbt standig das Damoklesschwert der Kündigung. Und waS das im Daseins- kämpf bedeutet, wird besonders der ältere Plann und Familienvater wissen. Welche« Arbeiter, Angestellte, Handwerker oder kleine und mittlere Geschäftsmann kann sich wohl eine Summe ersparen, um an seinem Lebensabend oder bei Arbeitsunfähigkeit eine Rente zu besitzen, die der Pension der unteren und mittleren Beamten gleich- kommt?... Gewiß sind auch die Beamten schlecht daran, wieviele Millionen der freien Berufe aber nicht auch? Wenn der Beamte sich der vielen Vorteile seiner Stellung be- wüßt wird, mutz auch er zu der Einsicht kommen, daß er im Jnter- esse des Allgemeinwohls ein Opfer bringen muß. Selbstverständlich ist es auch, daß der Arbeitec und Angestellte seine Forderungen nicht ins Ujerlose ausdehnen darf und immer bedenken muß, daß man ans einem Sack, in den man 100 Mark hineingesteckt hat, nicht 300 Mark herausnehmen kann. Wie man wirbt. Di« Deukschnationaten verstehen sich auf Ihr Handwerk. Da eZ ihnen an Mitteln nicht fehlt, sind sie in der glücklichen Lage, die Ueborzeugung ihrer Anhänger mit Liebesgaben zu stärken. So schreibt unZ ein Genosse: Diesec Tage erhielt ich von dem Deutsckmationalen HandlungS- yehilfenverbande ein Sparkassenbuch mit einer Stammemlage von 100 M., welche ich heranslezahll bekomme, wenn ich 10 Jahre Mitgliedbin., So weit halten es die aufrechten Unentwegten gebracht. Da sie mit ihren Grundsätzen leinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken können, spendieren sie Sparkassenbücher. Es ist erfreu- lich, daß sie mit solcher offenen Bestechung ihre geistige Armut bestätigen._" Das Erwachen der Landarbeiterschaft. In den beiden oberfränklschen Bezirken Hof und Bamberg sind zurzeit über 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen organisiert. Nach Wochen- langen Bemühungen sind endlich Verhandlungen mitden landwirtschaft- Uchen Arbeitgebern im Gang zur Schaffung eines Tarifvertrags, nachdem in den letzten Tagen auf zwei größeren Gütern schon vor- übergehend die Arbeit eingestellt war, weil die Gntsbefitzer kein Entgegenkommen gegen die berechtigten Forderungen der Arbeiter- schast zeigen wollten. Der Abschluß eines Vertrages für den Be- zirl Hof und Umgegend, in dem sich ea. 30 kleinere und mittlere Güter befinden, steht bevor, für den Bezirk Bamberg und Um- gebung ist ein Lohntarif bereits geschaffen worden. parteinachn'chten. An di« sozialistischen Studenten aller Länder! Der Krieg der feindlichen Nationen ist beendet, der Wettstreit friedlicher Völker beginnt. Nie wieder darf er anders ausgetragen werden als mit der Waffe des Geistes, die unsere Waffe, die Waffe der Jugend sein wird. Wir, die Jugend aller Länder, haben mit unseren Leibern für die geschichtliche Schuld einer alternden Generation gebüßt, deren Greifenhand auf grüne» Tischen Schicksal schrieb für uns, die ihr Werk schaudernd, blutend auZ Wunden des Körpers und der Seele erlttten. Die Jugend der Welt kann nicht mehr an Autoritäten glauben, die zu nicht? an- derem fähig waren als zum Beweise ihrer Unfähigkeit. Es wird Zeit, daß die Jugend sich rüstet, selbst die Bausteine herbeizutra- gen für einen neuen Bau der Menschheil. Noch sind es wenige Taufend, die Hüter dieses jugendlichen Geistes stich, der kein« Fesseln kennen wird als die Achtung vor dem Menschen in der fremden und in der eigenen Brust. Euch allen, die Ihr gleich uns durchdrungen seid von der Notwendig- left de? Neuen, von einer Durchdringung der Welt mit dem Geig trmerM freier und in Freundschast Gwfctier Fug««, fsyrn Wh« „Laht uns einander Helfen!* Genossen und Genossinnen! Nnfang Nugust findet in Lu- zern ein Kongreß der Internationale statt. Wird eS auch jetzt nicht möglich sein, neben ihm einen Kongreß der gesamten sozialistischen Jugend zu stellen, so wollen wir sozialistischen Stu- denten doch versuchen, das Band der geistigen Internationale wieder zu knüpfen. Sendet Eure Vertreter zu einem sozialistischen Studententag nach Luzern, damit wir einander sprechen, einander kennen lernen! Wir werden in einen Austausch unserer Ge- danken treten und erstaunt und voll Freude erkennen, wie vieles wir gemeinsam-wollen. Mne Stelle soll geschaffen werden, die unser« klr&eit berdtn- den wird. Vielleicht ist auch der Augenblick nicht mehr fern, wo einer in des anderen Land gehen wird, damit Mensch und Mensch einander die Hände reichen. Es hat Stimmen gegeben, die uns warnten, diesen Ruf erschallen zu. lassen, denn er werde kerne Antwort finden. Wir aber glauben an Euch, Ihr werdet uns hören, und wenn Eure Antwort auch keine laute sein wird, sie wird kommen und sie wird davon zeugen, daß überall Kämpfer erstehen für den Kampf der Jugend der Welt und ihre Welt. Wir, die Kultur-Nadikalen, die svzialistische Studentenjugend Deutschlands und Deutschösterreichs, wenden uns an Euch, Brü- der, und rufen Euch zum Kongreß nach Luzern. Wir gkapben an de» VWberfwMwg, tote gtauben, daß die Welt'wieder jung werden muß durch uns, ihre Jugend! Brück«. Korrespondenzbureau der sozialistischen Studenten, Akademiker und geistigen Ardeitergruppen Deutschlands und Deutschösterreichs. KJ. Sendet Zustimmungserklärungen mit Angabe der Vertreter an obige Adresse. aim. VerantwoMich für Politik: Artur gicklcr, Eharlottsuburg, siir den übrigen ?eil des Dtattes: Alfred Scholz, Ncukijlla: für Anzeigen: Theodor Glocke, Aorlin. Verlag: Borrviirts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Lorwäri?» Buchdrucksrci und Verlagsanstalt Paul Singer u. 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