Nr.333. 36.Iahrg» Bezugspreis: Vi-rteljährl. g,— Mk.,«onatl 3,— Mk. frei ins Saus, voraus zahlbar. Postbezug: Monatlich 3,— Ml. ejll. fiu- stellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn k�ö Mk. für das llbrtge Ausland 1025 Mk., bei täglich einmal. Zustellung 3.25 Mk. Postbestellungen nehmen an Dänemark, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Der.Vorwärts� mit der Sonntags- beilag?.Volk u. Zeit" erscheint wachen» täglich zweimal. Sonntags einmal, Telegramm-Adresse: .Sozialdemokrat verlin- �* Serltnev Volksblatt. DuzeigenpreiS: Di« achlge�paltene Sionparetllezeil« kostet l.2l> Mk..Kleine Anzeige»-. das fettgedruiite Wort 30 Pfg. fzuläfftg 2 fettgedruckte Worte), jede« welter» Wort 2S Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzetgen das erste Wort tst Pfg. jedes weitere Wori 20 Pfg. Worte llber lb Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag SO»/» Familien» Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Pereius- Anzeigen 1,20 Ml. die Zeile. Anzeigen für die nächste Rwmner müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Verl!» SW 68, Lindenstrasje 3, abgegeben werden. Geöffnci von 9 Uhr früh bis b Uhr abends. Zentralorgan der foÄaläemoKrati fcken Partei Deutfchiands. Neöaktion und«Expedition: SW. b8, Lindenstc. 3. Fernsprecher! Amt Moristplatz, Nr. 13190— lal»7. Sonntag, den 13. Juli 1919. vorwärts-verlag G.m.b. h., SW. HS, Eindenftt. 3. Fernsprecher: Amt Morestplat«. Nr. 117 öZ—öX. Der Rücktritt wissells. Berlin, 12. Juli. Amtlich. Der Reichswirtschaftsminister Wissel! und der Unterstaatssckretär im Reichswirtschaftsministerium von Moellendorff habe« heute ihr Abschiedsgesuch ein- gereicht; ebenso Herr Bankier Andre ae, der dem Ministerium in Handels- und Finanzfragen ehrenamtlich zur Seite gestanden hat. Genosse Rudolf Wissell, der bisher das Reichswirtsckafts- Ministerium geführt hat, ist zurückgetreten. Dieses Er- cignis.ist der Abschluß einer längeren Krise iil der Regierung, wo die Wissellschen Wirtschastspläne aus Widerstand stießen. Genosse Wissell ist glühender Anhänger einer gebundenen Plan- mäßigen Wirtschaft für die nächste Zeit, ivährend die übrigen Kabinettsniitglieder der sozialisierung der reifen Betriebe und einer gewissen Freiheit im übrigen kapitalistisch bleibenden Wirtschaftsleben zuneigem In Rudolf Wissell scheidet einer der markantesten Persönlichkeiten aus der Rcichsregierung aus. Die Arbeiterschaft kennt seinen starken edlen Charakter und sein warnies Gefühl für das Schicksal des Proletariats. An Stelle Wissells hat Genosse R o b e r t S ch m i d t die Leitung des Reichswirtsckxiftsamts übernommen. Er behält kommissarisch auch die Leitung des Rcichsernährungsamtcs. Wir sind überzeugt, daß aus dieser kommissarischen Verwaltung sehr bald die dauernde Vereinigung der beiden Aemter werden wird. Damit hat dann der Gedanke gesiegt, für den Wissell alle Zeit gefochten hat. Wenige Tage nach der Bildung des Kabinetts Scheidemann war Wissell sich bereits klar darüber geworden, daß an eine Ordnung der Verhältnisse nur zu denken sei, wenn Reichsernährungsamt und Reichswirt- schaftsamt in einer Hand vereinigt würden, denn Deutschlands Rettung beruht darauf, daß wir mit aller Anstren- gung arbeiten, und diese Arbeit hängt ab vom Arbeiter und vom Rohstoff. Der Arbeiter muß halbwegs ausreichend ernährt und versorgt sein, um Schafsensfreudigkeit zu haben, und der Arbeitsfreude muß dann auch das vorhandene Material ent» sprechen. Solange die beiden Aemter getrennt waren, war es eine notwendige ewige Rcfsortkonkurrenz: das Reichswirtschafts. amt schrie Rohstoffe, das Reichsernährungsamt Rahrungs- mittel, und für beides wollte das Geld nicht reichen. Erst wenn einer entscheidet, kann die Beschaffung von Rohstoffen und Lebensmitteln nacki Maßgabe der vorhandenen Mittel gerecht verteilt- werden. Wissell hat schon vor vielen Monaten Robert Schmidt angeboten, zurückzutreten und ihn aufgefordert, die Leitung der beiden vereinigten Aemter zu übernehmen. Schmidt hat damals und lange Zeit sich dagegen gesträubt— jetzt hat er es doch tun müssen. Der Wisscllsche Organisations- gedanke siegt, gerade weil er zurücktritt. * Die„Deutsche Tageszeitung" ist ob deS Rücktritts des Genossen Wistell ganz aus dem Häuschen geraten. Sie behauptet allen Ernstes, daß die Fraktionen der Deutschnationalcn und der Deutschen V o l k s p a r t e i bei der Regierung auf eine Ent- scheidung über die Frage der Planwirtschaft gedrängt hätten, und daß dadurch die Krise veranlaßt worden sei. Die»Deutsche Tages- zeitung hat den Größenwahnsinn. China gegen üen Gewaltfrieöen. Sonderfrieden mit Teutschland? Amsterdam, 12. Juli. Tic„Times" meldet aus Peking, daß in ganz China eine verzweifelte Stimmung über die Lösung der S ch a n t u n g s r a g e im Friedensverträge herrscht. Die Haltung der chinesischen Delegation, die sich geweigert hat, das Verhängnis- volle Dokument zu unterzeichnen, findet allseitige Zustimmung. Die Aussichten auf einen Sonderfrieden zwischen den Chi- ncscn und Deutschland erscheint keinem einzigen Chinesen als etwas außergewöhnliches. China hat die Deutschen stets sehr freundlich behandelt. Wenn es gegen sie einschritt, so tat es dies unter dem Druck der Alliierten. Mit Ausnahme der Dcutschasiati- schen Bank ist das meiste Eigentum der Deutschen unliquidiert gc- lilicbcu und wartet auf die Rückkehr seiner Besitzer. Der Times- korrcspondcnt sieht den Grund für die Freundlichkeit der Chinesen gegenüber den Deutschen darin, daß die De u t s ch e n seit der China- rxpcdition die Ch i n e s e ,, stets m i t g r o ß e r Mäßigung de- handelt haben. Er schreibt: Teutschland hat seine Stellung in Schantung nie zu einer Haltung ausgenutzt, die die Chinesen für ihre Souveränität fürchten ließ. Diese Haltung Deutschlands sticht sehr von der Haltung der Entente ab, ebenso war es Teutschland, das die Initiative zur Erleichterung der chinesischen Anleihe» für die Anlage von Bahnen ergriff. In China dauert der Boy- kott gegen die Entente fort. Im ganzen Lande halten chinesische Studenten japanfeindlichc Ansprachen und fordern die chinesische Industrie auf, sich von Japan unabhängig zu machen. Ultimatum üer Entente an üie ungarische Räteregierung. Wien, 12. Juli.(Meldung des Hollandsch Nieulosbureaus.) Aus Bukarest wird gemeldet: Das Regierungsorgan„L'Jn- depcndance Romaine" teilt mit: General F ra-nche t- d'E s- p e r« y richtete an den Oberkommandicrenden der tschechoslowaki- schen Truppen, General Pcll�, ein Telegramm, in dem dieser an- gewiesen wird, keine weiteren Verhandlungen mit der ungarischen Räterepublik zu führen und keine ihrer Noten zu be- antworten. Wie ferner verlautet, hat General Franchet von der Friedenskonferenz die weitgehendsten Vollmachten zum Vor- gehen gegen Sowiet-Ungarn erhalten. Er wird an die Budapester Räteregierung eine letzte Meldung richten mit der Aufforderung, sofort abzudanken und einer vom Volk frei gewählten Regierung Platz zu machen. Diese Note wird kurz b e- fristet sein. Sollte ihr nicht entsprochen werden, so wird die militärische Aktion sofort ausgenommen werden. Aufnahme wirtschaftlicher öeziehungen zwischen Deutschland und Irankreich. Versailles, 12. Juli. Das„Journal Officiel" wird morgen vormittag ein Dekret veröffentlicht, durch das die Wiederausnahme der wirtschaftlichen Beziehungen zu Deuischland gestattet wird. Unruhen in Portugal. Badajoz, 11. Juli. sReutcr.) Tie Lage in Portu- gal verschlimmert sich beständig. Ter Eisenbahnverkehr liegt vollständig still. Schienen sind aus den Schwellen gehoben, Tunnels verbarrikadiert. Ueble Schädlinge der Slsenbahnerbewegung. Berlin, 12. Juli. Der Vorstand des Deutschen Ei send ahn erverbandes teilt mit: Der auf dem Rätetongreß in Berlin am 24. April 1919 ge- wählte Zentralrat der Eisenbahner, bestehend aus den Mitgliedern Hertel-Franlfurt a, M., Klütz-Hamburg, Bormann- Danzig, Monch-Elberfeld, Förster-Potsdam, Michaelis-Münster, Wild-Magdeburg, wurde von der Generalversammlung des Deut- schen Eisenbahner-Berbandes in Jena anerkannt und beauf- tragt, im Einvernehmen mit dem Bcrbandsvorstand die Einheits- organtsation und die Einführung der Betriebsräte zu propagieren. Die Kosten dieser Propaganda sollte die Hauptkassc des Verbandes tragen. In Ausführung dieses Beschlusses wurden dem Zentral rat bisher erhebliche Summen aus der Hauptkasse des Verbandes gezahlt. Außerdem sind dem Zentralrat nicht unbedeutende Sum- men aus Sammlungen zugeflossen. Der Vorstand ist trotz wieder- Holter Ausforderung vom Zentralrat nicht in einwandfreier Weise über die Verwendung der Gelder unterrichtet worden. Zu welchen Zwecken aber die Gelder verwendet werden sollen und wie das Zusammenarbeiten des Zentralrats mit dem Berbandsvorstand aussieht, ergibt sich aus einem Schreiben, das der Obmann des Zentralrats am 1. Juli 1919 aus Frankfurt a. M. an ein anderes Mitglied richtete und in dem folgende Sätze enthalten sind: „Gestern, Montag nachmittag 5 Uhr, hatten wir eine große Funktionärversammlung, in der ich über den Berliner Streik, seine Ursachen und Verlauf Bericht erstattete. Auch berichtete ich über die Verhandlungen, sowie über die erbärmliche Haltung un- seres Zentralvorstandes. Das Ergebnis der Verhandlung war der einstimmige Beschluß, sofort in den General st reik ein- zutreten. Wir wollen von hier aus eine Aktion ein-- leiten. Die nötigen Vorbereitungen sind bereits getrosten. Gestern abend sind bereits die Kuriere mit ihren Instruktionen versehen nach den verschiedenen Bezirken abgereist. Diese Be- wegnng darf keine Teilaktion werden. Es gilt jetzt den großen Schlag zu führen. Wir werden von hier aus den Generalstreik offiziell im Namen des Deutschen Eisenbahnerverbandes und des Jen- tralrats proklamieren. Es ist aber unbedingt nötig zur erfolgreichen Durchführung der Aktion, daß der Hauptvorstand in Berlin unschädlich gemacht wird. Die Berliner Kollegen müssen einen provisorischen Hauptvorstand bilden, der sich an die Spitze der Bewegung stellt." Dem Vorstand ist nicht bekannt, daß alle Mtglieder des Zentralrats hinter diesen Machenschaften stehen, in einer Verhand- lung mit dem Zentralrat konnte darüber keine Klarheit geschaffen werden, aber es bat sich auch keiner dagegen erklärt. Deshalb hat der Vorstand im Beisein der Bezirksleiter beschlossen, dem Zentral- rat zu erklären, daß der Kcrbandsborstand es ablehnen müsse, mit dem Zentralrat in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung weiterhin geschäftlich zu verkehren oder ihm Verbandsgelder auszuhändigen. Es wurde ferner beschlossen, diese Erklärung zu veröffentlichen mit dem ausdrück- liehen Hinweis darauf, daß es sich hierbei nicht um eine Maß- nähme gegen den Rätegedanken und die Institution des Zentral- rats, sondern um eine notwendige Maßnahme im Interesse der Organisation handelt, wobei es vorbehalten bleiben muß,»och weitere Schritte gegen einzelne Mitglieder des ZentrolratS einzuleiten. durchgreifende«Erbschaftssteuer. Die von der Regierung vorgeschlagene Erbschaftssteuer kann nicht befriedigen. In ihr lebt trotz unverkennbarer grund- sätzlicher Fortschritte noch viel zn viel vom Geist der alten Erb- schoftssteuer. Bei der gegenwärtigen katastrophalen Finanzlage des Reiches müssen die Erbschaften viel wirksaincr erfaßt wer- den, als das im Regierungsentwurf beabsichtigt ist. Tie Erbanfälle sind Vermögensstücke, die n i ch t durch eigene Leistungen erworben sind. Sie fallen dem Erben als eia Geschenk in den Schoß. Dieser Charakter des Vermögens- erwcrbes hat einige Verwandtschaft mit dem unverdienten Wert- Mwachs. Ist normalen Zeiten mit verhältnismäßig bescheide- nein Steuerbedarf ist es möglich, ihm gegenüber eine gewisse Toleranz zu üben; jetzt aber, wo es sich für das deutsche Volk um nichts weniger als um die Abwehr des Staatsbankerotts handelt, müssen alle stimmungsmäßigen Bedenken unterdrückt werden. Ter wirtschaftlich Kräftigste, und der, der am leichte- sten an den Finanzbedürfnissen des Reiches beteiligt werden kann, muß sich gefallen lassen, im weitesten Maße für die Rettung der Finanzlage Deutschlands eingespannt zu werden. Wir gehen nicht so weit, zu fordern, daß das private Erbrecht zugunsten des Staates völlig beseitigt wird. Solange der Kapitalismus fortbesteht,— und das ist selbst nach der Meinung der Radikalen auf der äußersten Linken auf unabsehbare Zeiten noch sicher— muß mit dem psychologischen Anreiz zur Kapitalsbildimg gerechnet werden. In dem Augen- blick, wo der private Besitzer nicht mehr die Gewißheit hat, die Früchte- seiner besonderen Tüchtigkeit und Arbeitsleistung für seine Kinder nutzbar machen zu können, fällt bei ihm der Trieb zur fortgesetzten Vergrößerung seines Vermögens weg. Bei dem Mangel an Gemcinsamkeitsempsinden, das mit dem stich- stilistischen Zeitalter untrennbar verbunden ist, denkt selten je- mand daran, für andere ihm Fernstehende, mit ihm nicht un- mittelbar Verbundene, besondere Anstrengungen zu machen. Die Private Initiative ist nur darum so kühn und aktiv, weil die Forderung des persönlichen Vorteils damit verbunden ist. Taraus zieht aber mich die Allgemeinheit starken ökonomischen Nutzen. Trotz der intensiven privaten Ncichtumsvildung—? oder vielmehr gerade durch sie— ist bis zum Jahre 1911 der Nationalwohlstand Teutschlands bis zu einer überragenden Höhe gediehen. Tie völlige Beseitigung des privaten Erbrechts wäre also eine ernste wirtschaftliche Gefahr für Deutschland. Aber nur so weit, als es zum Schutze der Interessen der All- g e m e i n h c i t notwendig ist, darf es jetzt aufrechterhalten werden. Darum muß der Regierungsentwurs einen viel ent» schiedencrcn und mutigeren Zug bekommen. Das- Erbrecht der unmittelbaren Blutsverwandten, der Eltern und der Abkömmlinge(Kinder und.Kindeskinder) muß grundsätzlich festgehalten werden. Jedoch die ini RegierustgDent- Wurf vorgesehene Steigerung ist unzureichend. Daß die pro- gressive Steigerung der Erbschastsbesteuerung da schon bei einem Erbanfall von einer Million Mark aufhört, ist entschieden ein Mangel, der beseitigt werden muß. Außerdem tut es gewiß nicht weh, wenn die höchsten Erbschaften, die an Abkömmlinge oder Eltern fallen, progressiv bis in's Unendliche pro- gressiert werden. Die Staffelung der Steuer bei den kleineren Erbanfällen ist gerecht; man vollende diese Gerechtigkeit durch stärkeren Zugriff bei den hohen und höchsten Erbschaftsbeträgen. Wo die mittelbaren Blutsbande aufhören, muß kräftig bis zur Konfiskation durchgegriffen werden. Denn da höceit die oben geschilderten wirtschaftlichen Gefahren für den Allgemein- Wohlstand auf. Der Erbonkel muß der fürchterlichen Finanznot Deutschlands geopfert werden. Ihm gegenüber ist es ganz am Platze, das alleinige Erbrecht des Staates festzusetzen. Die Nichten und Neffen als solche haben keinen rechtlichen Unter- stüdungsanspruch. Ihre verwandtschaftliche Entfernung vom Erblasser ist groß genug, daß der Staat sich, wenn er in starker Bedrängnis ist, an ihre Stelle setzen kann. In der gegenwärti- gen schweren Zeit ist ibr Erbrecht ein kapitalistischer Auswuchs. Hinsichtlich des Erbrechts vo n N r ch t v e r w a n d- t e n gilt natürlich das gleiche. Soweit der Nichtverwandte in einem Dienstverhältnis zum Erblasser stand, muß ein Erbanfall in g e w i s s e n Grenzen zulässig und in den niederen Klassen auch vor allzu starkem steuerlichen Zugriff geschützt sein. Der Erb- onkel hat in den Fällen, wo seine Verwandten in einem festen Dienstverhältnis zu ihm standen, auch ferner Eristenzrecht. Diese Verwandte sind aber steuerlich genau so zu behandeln, wie bedienstete Nichtverwandte. Hinsichtlich des Erbrechts wohltätiger S t i f t u n- gen und der sogenannten„Toten Hand" sollte min endlich reiner Tisch gemacht werden. Grundsätzlich ist die soziale Fürsorgetätigkeit Aufgabe des Staates. Er als der organi- satorische Gesamtausdruck des Volkes hat den Schutz aller Volksglieder vor wirtschaftlichen Nöten zu übernehmen. Cr hat das in weitem Maße schon getan. Seine Wohlfahrts- tätigkeit muß aber überall hinreichen und allmählich ein lückenloses Monopol sozialer Pflichtansübnng werden. Diese Tendenz mutz einem sozialen Staate innewohnen. Daraus ergibt sich aber, daß er die für Wohltätigkeit und soziale Für- sorgemaßnah'men bestimmten Vinte rlass enstbaften öon Pri- vatpersonen grundsätzlich in seine Hände führt. Das ist um so notwendiger, weil die private Fürsorge ebenso wie die tote Hand in ihren Wohltätigkeitsmaßnahmen durchaus nicht unpolitisch handeln. Wir brauchen wohl, namentlich soweit die katholische Kirche— die Trägerin der größten Ver- mögen der toten Hand— in Frage kommt, keine Beweise dafür anzuführen. Was wir wollen, ist die grundsätzliche Herstellung des Erbrechts des Staates überall da, wo es ohne Ge- fahren für das allgemeine Interesse möglich ist. Die sozial- demokratische Fraktion der Nationalversammlung wird auf diesem G.sjbiete ein Stück praktischer Sozialisierung zu er- kämpfen haben. Die breite Masse des Volkes wartet sicher darauf._ Greisenschwachsinn. Versailles, 12. Juli. Vor der FriedenZkommifsion der Kammer erklärte Clemenceau gestern, der Friedensvertrag sei auf dem Grundsatz aufgebaut, der Gerechtigkeit Genug- wu-ng zu verschaffen, in deren Namen der aufgezwungene Krieg geführt worden sei. Der Grundgedanke des Vertrages sei, den Weltfrieden durch Vereinigung der vier alliierten und assoziierten Großmächte aufrechtzuerhalten. Um diesen großen Gedanken durchzuführen, hätten Opfer gebracht werden müssen. Der Vertrag müsse als geschlossenes Ganze be- trachtet werden. Er gebe Frankreich eine Macht, aus der es Nutzen ziehen könne, wenn es seine Nnrtschaftlichen An- strengungen auf der Höhe erhalte, auf die es seine Tapferkeit ge- bracht habe. Frankreich müsse an dem Völkerbund'fest- halten, aber versuchen, ihn im Sinn« des Zusatzantrages Leon Bourgeois zu vervollkommnen. Auf eine Anfrage Barthous erklärte Clemenceau, es sei charakteristisch für den Vertrag und müsse wie eine Befriedigung der Moral angesehen.wer- den, daß die für den Krieg verantwortlichen Persönlichkeiten an- geklagt und abgeurteilt würden; das sei eine Strafe und Mah- nung zugleich. Die Entente werde davon nicht abgehen. Nach dem Abschluß des von Clemenceau erstrebten Frie- dens könnte sich Clemenceau das ethische Beiwerk schenken._ Der Rest ist freilich nackteste Brutalität; diese aber wirkt in ihrer, Ungeschminktheit bedeutend schöner. Was den„Völkerbund" anlangt, wissen wir auch, daß Clemenceau darunter die heilige Allianz der Sieger versteht. Ob sie allerdings so lange anhält wie Clemcnceaus ferneres Erdenwallen, ist zu bezweifeln. Eine jüngere Welt, als sie Clemenceaus geistige Verkalkung zum Begriff zulassen könnte, wird ihr ein Ziel setzen. Rusiisihe Sozialöemokraten als Geiseln! ! Genosse A. Grigorjanz schreibt uns: In der Nr. 344 des.Vorwärts" wird unter der lleberschrif! „Kottschaks Reich" manches über die Zustände in Sibirien erzählt, das der Wirklichkeit bei weitem nicht entspricht. In dieser Notiz wird wörtlich gesagt, daß„der größte Teil(des Landes) Sowjet- republiken sind", was selbstverständlich nicht zutreffend ist. Es ist verständlich, daß in völliger Ermangelung zuverlässiger Nach- richten die Parteipressc auch äußerlich wenig Vertrauen einflößende Mitteilungen der Oeffentlichkeit unterbreitet. Der Leser muß aber dabei Obacht geben, auch gegenüber Mitteilungen, die als von „informierter Seite" stammend bezeichnet werden. Bis zur höch- sten Virtuosität verstehen es die Bolschewiki und ihre Nacbbeter, die Welt über die wahre Lage und über die Tätigkeit ihrer Regie- rung in Rußland zu täuschen. Hierher gehört u. a. das Kapitel des bolschewistischen Terrors zur Ausrottung der unbequemen Ver- terter des sozialistischen Gedankens. Mit einer Handbewegung pflegt man von dieser Seite die Tatsache abzuleugnen, daß in Sowjet-Rußland der r o h e st e, blutigste Terror herrscht, ein Terror, gerichtet nicht so sehr gegen Klassengegner, wie gegen Vertreter anderer sozialistischer Parteien und zwar in einer Zeit, in der nacb eigenen Bekundungen die Sowjetmacht fester denn je sei. Wir dürfen dabei nicht NsecessltÄS— Vis— Libertas. Von Iwan Turgenjew. Eine lange, hnSchrige SreiNn mit cifenhartern Hntlits und unbeweglich ftumpfem Blich homint mit großen Schritten und stößt mit ihrer ftochdürren Rand ein anderes Meid vor sieh her. Dies CQeib ist von mächtigem Muchs, hräftig, voll, mit blusheln gleich einem nerhutee, aber einem winzigen Köpfchen auf einem Stiernachen,— ift blind,— und stößt ihrerseits ein schmächtiges Rädchen vor fich hin! Dies hlädchen allein bat fehende Hugen; sie fträubt sieh» versucht sieh umzuwenden, bebt ihre zarten, schönen Bände empor; ihr lebensvolles Hnttitz hat den Husdruch der Üngeduld und Entschlossenheit... Ne möchte nicht willenlos gehorchen, nicht dabin gehen, wohin sie gestoßen wird.» ♦ und dennoch muß fle sich unterwerfen und geben. Necessitas— Vis— Libertas. Wer Luft bat— mag es übersetzen. Die Rosenknospe. Von Wilhelm Schacrelmann. Hoch oben, am Fenster der Vierten, das auf einen engen, schmutzigen Hofplatz hinuntersah, der ringsum von ebenso hohen, rußgeschwärzten Hauswänden und lichtlosen, ärmlich verhängten Fenstern umgeben war, blühte ein Rosenstock. Aber er trug nur eine einzige bcennendrote Blüte, die fast noch eine Knospe und eben gm Erblühen war. Es war ein lauer Abend und die Luft zwischen den Häusern war stickig und schwül. Die meisten der Fenster standen offen. Die Bewohner waren eben von der Arbeit nach HauS gekommen, und aus den Fenstern erscholl das Klappern von Schüsseln, die für das Abendbrot gebraucht wurden. Hier und dort schrie �ein Säugling und von imier drang der Lärm der Kinder herauf." die dort den ganzen Nachmittag gespielt hatten und noch kein Ende finden konnten. Hoch über ihnen, am offenen Fenster, neben dem blühenden Rojelnstock, der der einzige Schmuck in dem ärmlichen Zimmer war, saß ein einsames Kind und sah in den Hof hinab. Seine Füße waren seit der Geburt gelähmt, und darum saß es tagein, tagaus tu dem hohen Stuhle am Fenster und schaute auf den Hofplatz hinaus. Aber der Lärm der Kinder war immer der gleiche und die HauÄväude waren immer dieselben. Nur der Him- mel war jeden Tag neu, bald blau und �heiter, bald grau und düster und dann wieder von silberhellen Wolken überzogen. Aber am schönsten war es, wenn die Wollen wie ferne, leuchtende Ge- ' Wsq&££ tae NMpöit 38mm Md D-Ä« ZerauM-gm Mid öergessen, daß die russische Sozialdemokratie'(„Menfchewiki" ge- nannt) in der Hauptsache Ansichten vertritt, die denen der deutschen Unabhängigen entsprechen, und ferner, daß die russischen Sozia- listen in Rußland fast ohne Ausnahme Gegner der Entente- Intervention sind und daher eine Art Burgfrieden innezuhalten bestrebt sind. Vor mir liegt eine Bekanntmachung der„Allruffischen Außer- ordentlichen Kommission zur Bekämpfung der Gegenrevolution, Spekulation und Vergehen im Amt". Sie erklärt darin: „daß sie keinen Unterschied machen tvird zwischen der weißen Garde aus den Reihen der KraSnolvfchen Truppen und weißen Garde(!!!) aus der Partei der Menschewiki und der So- zialisten-Revolutionäre des linken Flügels. „Die strafende Hand der Außerordentlichen Kommisson wird mit gleicher Härte die einen wie die anderen treffen! Die von uns verhafteten Sozialisten-Revolutionäre und Menschewiki werden als Geiseln gelten, deren Schicksal von dem Verhalten der beiden Par- teien abhängen wird." Dieser schreckliche Ukas ist veröffentlicht in dem Regierung?- amtsblatt„Jswestija" Nr. 59 vom 1. März dieses Jahres. Jedes weitere Wort würde nur die Wirkung dieser Bekanntmachung ab- schwächen. In den nachfolgenden Wochen haben überall in Sowjet-Ruß- land besonder? ausgedehnte Massenverhaftungen stattge- funden. In Moskau allein find ca. 3999 Sozialdemokraten und Sozialrevolutionäre„wegen Agitation gegen die Räte und die Ar- mee" verhaftet worden. Unter den Verhafteten befindet sich das Zentralkomitee der sozialdemokratischen Par- t e i(d. h. Menschewiki) in corpore mit dem Genossen M a r t o!v an der Spitze. Martow wurde nach fünftägiger Haft entlassen, doch ist eine Veränderung in dem Schicksal der anderen nicht«in- getreten. Auch sonst entwickeln, wie mir weiter geschrieben wird, die Zentrale und die örtlichen Außerordentlichen Kommissionen, nachdem sie zu Beginn des Jahres infolge der deutschen Revolution sich einige Beschränkung auferlegt hatten, jetzt wieder eine sehr rege Tätigkeit. Die Menschewiki und Sozialrevolutionäre werden auf jede nur erdenkliche Weise drangsaliert und verfolgt. Nachdem ihnen endlich die Erhlaubnis zur Herausgabe ihrer Zeitungen ge- geben worden war, scheute man nicht davor, diese wiederum schon nach einigen Nummern zu unterdrücken. Die Gefängnisse sind so mit politischen„Verbrechern" bezeichneter Art überfüllt, daß neu: geschaffen werden mutzten usw. usw. Furchtbar trübe sieht es in dem unglücklichen Rußland aus. Hört man aber, was die Bolschewiki über Sowjet-Nußlarck verbrei- ten, so bewundert man aufrichtig die Fähigkeiten zur Stimmungs- mache, die sich diese Revolutionäre, seitdem sie am Regierungsruder stehen, in so vollendeter Weise angeeignet haben, wie sie die Ver- treter des alten Regimes nur selten zu offenbaren wagten. Der Stern öes Generalleutnants Keim. Es ist immer erfteulich, wenn man in dieser Zeit hört, daß einzelnen Mitbürgern in der Nacht der Betrübnis ein Stern leuchtet. Zu diesen Glücklichen gehört der rühmlichst bekannte General- leutnant Keim. Der Lichtstrahl, der ihm das Leben einigermaßen erträglich gestaltet, ist— der Ehrenkodex des preußischen Offiziers. Natürlich ist es die böse Regierung der Roten, die diesen Ehren- schild seiner Exzellenz wieder einmal befleckt hat, indem sie sich gezwungen zur Auslieferung Wilhelms und sonstiger Volks- freunde bereit erklärt hat. Auch wir sind nicht im geringsten Anhänger der Auslieferung vor ein feindliches Gericht, sind vielmehr der Ansicht, daß alle diese Burschen. Herr Keim an der Spitze, vor einem deutschen Gericht gerechte Richter gefunden hätten. Nur können wir uns nicht erklären, was die Auslieferung mit der Ehre des deutschen Volkes zu tun hat. Ehrlos sind doch diejenigen, die durch systematische Hetze vor dem Kriege und wildes AnnexionSgeschrei während desselben unser Volk so weit gebracht haben, daß eS jeden Frieden unterzeichnen mußte. EbrloS sind die- jenigen, die sich gegen einen Verständigungsfrieden erklärten, als es für diesen noch nicht zu spät war. Dreimal ehrlos aber sind die. die in dieser Zeit eine Sonderehre für eine einzelne Kaste aufrechterhalten wollen. langsam über das kleine Stück des Himmels, das die Kleine von ihrem Stuhle aus zu sehen vermochte, hinwegzogen und neuen Platz machten, noch schöner und schimmernder, als eS die vorigen gewesen.« Und dann hatte daS Kind den Rosenstock. Den hatte es vor einem Jahre von seiner Mutter geschenkt bekommen, weil es sich so sehr ein« wirkliche, lebendige Blume gewünscht hatte, die wachsen und blühen konnte und nicht so langweilig war, wie der verstaubte künstliche Palmenwedel, der über'dem Spiegel an der Wand be- festigt war. Im vorigen Jahre hatte der Stock drei große Blüten getragen. In diesem Jahre trug er nur ein«. Aber dafür war die eine auch unter der eigenen Pflege gewachsen, und das Kind konnte stundenlang sitzen und sie anstaunen, wie ein Wunder, das plötzlich in der stillen, verschlossenen Stube erwacht war. Die Blüte war wie eine kleine rote Flamme. Aber sie veränderte sich von Stunde zu Stunde, und jetzt sah es beinahe aus, als bätte der Rosenstock in seiner Blüte ein Gesicht bekommen und sehe scheu und verwundert in das armselige Zimmer, in dem in der Ecke die Tapete von der Wand hing, und daS Bett noch ungemacht stand, weil die Mutter am Morgen keine Zeit mehr gehabt hatte, es in Ord- nung zu bringen. Da ertönten plötzlich lustige Klänge von unten herauf. Ein Orgeldreher war in den Hof getreten, und wie mit einem Zauber- schlage füllten sich die Fenster, stürzten wieder aus den Türen die Kinder, die man vorher zum Abendbrot in die Häuser gecufen hatte. Freuet euch des Lebens! spielt« die Orgel, und dt« Leute lächelten aus den düsteren Fenstern, und die Kinder lachten, und ein paar Mädchen begannen in einer Ecke zu tanzen, und sangen mit: Pflücket die Rose, eh' sie verblüht...... Und dann regnete eS Kupferstücke. Aus allen Fenstern flo- gen die Pfennige nach unten. Sogar das Fräulein Lomitich, das Tag für Tag an ihrem Fenster hinter der Nähmaschine saß, hatte einen Pfennig für den Orgeldreher über und warf ihn von oben in den breitrandigen Hut hinab, als sie sah, wie er ihr damit zuwinkte. Wenn aber ein Kupferstück vorbeiflog, griffen es die Kinder und stviten sich darum, wer es dem Orgeldreher bringen dürfe.— Mit brennenden Augen sah die Kleine von oben in den Hof hinab. Das Lied war so schön gewesen, und alle gaben sie. Rur sie hatte nichts. Nicht einen Pfennig. Und ihre Mutter war noch incht da. Aber sie wollte auch etwas geben— und plötzlich brach es die Rosenknospe, die das Schönste und einzigste war, was es zu verschenken hatte. Mitten auf die Orgel fiel die Blume, daß der Orgeldreher lächelnd und überrascht nach oben grüßte und die Rose an die Lippen führte. Dann nahm er sie mit dem Stiel zwischen die Zähne und begann lächelnd ein neues Lied: Heissa, heissa, hopfassa, ist der Bräut'gam noch nicht da? Als der Orgeldreher eine Stunde später in sein Logis kam, schenkte er die Rose seiner Geliebten, die jede Nacht als Blumen- verkäujerüg voz den großen Tanzlokalen jtagp und heg Liebes» die Tötung ües franzosisthen Sergeanten. Erregung in der französischen Militärinission.— Hetze der„Freiheit". Der beklagenswerte Vorfall, der in der Nacht zum Sonnabend einem französischen Soldaten das Leben kostete, bat, wie aus den Blättern zu entnehmen ist, in der hiesigen französischen Militärmission lebhafte Erregung hervorgerufen. Die Darstellung. die die französische Militärmission von der Bluttat gibt, weicht, namentlich in dem Bericht über die Vorgeschichte des Unfalls von den deutschen Aussagen erheblich ab, ist aber durchaus wahrschein- lich. Ein französischer Major, der dem„Achtuhrabend- blatt" gegenüber Erklärungen abgab, führt den Zwischenfall auf die„aufregende Sprache zurück, die seiner Meinung nach seit eini- gen Tagen in der deutschen Presse geführt wird". Daß die deutsche Presse über den Frieden, der Deutschland tödlich an seiner na:io- nalen und wirtschaftlichen Existenz trifft, erregt ist, ist weniger dia Schuld der Presse, als der unversöhnlichen Gesinnung. die im Lager unserer Gegner gegen das deutsche Volk b e st e h-t. Keiner der denffchen Redakteure hat damit ge- wollt, daß unschuldigen französischen Soldaten, die für die Macht- Politik ihrer Regierung nicht verantwortlich sind, ein Leid ge- schehe, und allenthalben wird die Bluttat aufs ernsteste beklagt werden. Aber auch in der französischen Militärmission scheint die Er- regung über das Ziel hinaus zu schieben, wenn sie dem Reichswehrminister N o s k e den Vorwurf der Drückebergerei in folgendem macht:„seines(des französischen Majors) Wissens befindet sich der Ifeichswehrminister Noske zurzeit in Berlin. Als er, der Major aber, gestern vormittag das K r i e g S m i n i- sterium auffuchte, habe er Herrn Noske dort nicht treffen können." Diese Darstellung ist in höchstem Matze unwahr- s ch e i n l i ch, denn wenn der Major im Kriegsministerium war. um nach Noske zu fragen, hätte ihm jedermann sagen können. daß er im Reichswehrministerium in der Bendlerstraße zu sin- den ist. Ferner sagte der Major, daß die deutsche Regierung bisher keine Notiz von dem Vorkommnis genommen habe, geschweige denn ein Wort der Entschuldigung gefunden hat. Wie wir zuverlässig erfahren, ist heute vormittag, 19 Uhr, der Ge- sandte v. Hantel im Auftrage des Auswärtigen Amts zur Spanischen Botschaft gefahren und hat dort gebeten, der französischen Regierung da? Bedauern der deutschen Reichs- regierung über den Barfall auszusprechen. Da Deutschland zur- zeit keine diplomatischen Beziehungen zur französischen Regierung unterhält, der Schutz der französischen Interessen vielmehr in den Händen der Spanischen Botschaft liegt, hat die deutsche Regie- rung ganz korrekt dem internationalen Brauch folgend, gehandelt, wenn sie sich an die Spanische Botschaft in dieser Angelegenheit gewandt hat. Nach der Darstellung des französischen Major? steht un- zweifelhaft fest, daß der Täter eine Zivilperson war. Wenn in der„Freiheit" zu lesen ist:„Es muß hervorgehoben werden, daß die französischen Offiziere und Soldaten, wie es Kultur- menschen geziemt, außer Dienst keine Waffen tragen, während die Noske-Regierung ihre Offiziere und Soldaten nach wie vor schwer bewaffnet herumziehen läßt. Die Ermordung des unbe- waffneten französischen Soldaten ist also ein besonders fei» ger und niederträchtiger Akt!"— so zeigt es von neuem, daß die„Freiheit" keine Gelegenheit zu Bübereien un» genützt vorbeigehen läßt. Das Zitat aus der„Freiheif, das wir hier angeführt haben, muß in jedem Menschen den Glauben er» wecken, als sei die Mordtat durch deutsche Offiziere oder Soldaten verübt worden. Daß das nicht der Fall ist, weiß aber die„Frei- heit" ganz genau. Sie benutzt wider besseres Wissen das bedauer- liche Ereignis zu einem Anlaß, Stimmung gegen die Soldaten der Regierung zu machen. Das sieht allerdings dem Blatt ganz ähnlich! Die sozialdemokratische Fraktion der Preußischen Landes»«- sammlung überwies dem Parteivorstand als erste Rate auS ver FraktionSkasse den Betrag von S999 Mark. paaren kleine Sttäußchcn verkaufte. Die steckte die Rose zwischen die übrigen Blumen in ihren Korb und verkaufte sie ein paar Stunden später an ein junges Liebespaar, das mit heißen Wangen auS dem Ballhause kam und dann engumschlungcn in die warme Sommernnacht hinauSschritt. Das Mädchen steckte die Rose an die Brust und küßte den jungen Mann, als sie die nächste Laterne hinter sich hatten. Dabei verlor eS die Rose von der Brust, die in einem Hauseingang auf die Stcinstufen fiel und unbeachtet liegen blieb, als die beiden weitergingen./ Tort lag sie bis an den Morgen. Da kam ein« Zettungs- trägerin und hob sie auf. Die schön« Rose, dachte sie. Daran kann sich meine Aonne noch erfreuen, wenn ich heute nachmittag in« Krankenhaus gehe. Und noch nicht ein bißchen welk. Ich habe Dir etwas mitgebracht, sagt« si«, als sie an das Bett ihrer Tochter trat, und legte ihr die breunendrate Blume auf die Bettdecke. Die Kranke nahm die Blume mit fieberheißen Händen und lächelte und sog den Duft Än und wollte sie auch noch nicht wie- der aus den Händen geben, als ihre Mutter mit heimlichem Seufzen gegangen war. Sie ging mit in ihren Fieberttaum hinein. Da wurde sie zu einem großen Rosenbusch, der über und über voll, Blüten stand. Darunter saß sie selber, wiegte ein Kind in ihrem Schoß« und summte leise: Rose, Rose, Ros'marie— bist du dort oder bist du hie? Und dann fielen von dem Rosenbusch, unter dem sie saß, die Blüten herab und bedeckten sie, daß sie kaum atmen konnte vor lauter Rosenduft. Am anderen Morgen war sie tot, und die Rose war auch welk geworden, als hätte der Tod sie mit berührt, wie er an das Bett der Kranken getreten war. So hat die Rose ein Kind erfreut, und ist ein Wunder ge- wesen in einer kahlen, freudelosen Stube, hat einem Orgelspieler ein Lächeln geschenkt, der Blumenfrieda einen Groschen verdient, ein paar Liebende zu einem Kuß vereint, hat sich einer Mutter für ihr krankes Kind in die Hände gelegt, und einer Sterbenden einen letzten, beglückend schönen Traum eingetragen. Es gibt nicht viele so bescheidene Dinge von denen man das jagen kann._ Notizen. — Theater. Im Berliner Theater spielt Direktor Walter Bromme mit Kräften des Nationaltheaters vom 1. August ob in einmonatlichem Gastspiel„Die Dame i mF r a ck", Operette von Pordes-Milo. Musik von Walter Bromme— In den Potsdamer Wald spiele n wird Anzengrubers«Pfarrer von Kirch- feld" heute zum letztenmal gegeben. — Der Erfinder der Nähmaschine. EliaS Howe, wurde vor hundert Jahren als Sohn eines armen Farmers im Staate Masiachusett» rn den Vereinigten Staaten geboren. Die un- geheuer erfolgreiche Erfindung gelang ihm 1845. — Necessitas— Vis— Libertas. Diese lateinilcheu Worte über dem Tergenjewschen Gedicht in Prosa bedeuten: Kol- wendigleu— Gewalt— Freiheit. Nr. 353 ❖ 36. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts Sonntag, 13. �uli l�ly Das Volk ist nicht fchuld. Der bisherige Außenminister Graf Brockdorfi-Rantzau der- öfientlicht im„Berliner Tageblatt"„Gedanken zum Friedensschluß". die zur Kritik herausfordern. Graf Rantzau fühlt offenbar das Bedürfnis, sich gegen den in der Tat ja völlig ungerechtfertigten Vor- Wurf zu verteidigen, daß die deutsche Friedensdclegation in Ver- sailles nicht besser abgeschnitten habe, lind er macht es sich dabei äußerst bequem, in dem er dem deutschen V o l k die Schuld an dem negativen Resultat der Versailler Unterhandlungen gibt. Die ganze Arbeit der Delegation, meint Grat Rantzau, war darauf gerichtet, den Entwurf erst zu verbessern und dann zu unterzeichnen. Anfang Juni habe diese Politik der Dclega- tion Aussicht auf Erfolg gehabt und eine festere Haltung des deutschen Volkes würde den Erfolg gesichert haben. Aber der Umschwung der deutschen Stimmung vom„Unannehmbar" zum „Unterzeichnen in jeder Form" habe die Arbeit der Delegation zur Unfruchtbarkeit verurteilt. Mit dieser Behauptung wirft Graf Rantzau einen ungemein gefährlichen Zündstoff in die politische Diskussion. Der frühere Leiter unserer Außenpolitik tut genau dasselbe, was vke nationalistischen Kreise nach dem militärischen Zusammenbruch vom November taten. Wie man damals und in all der Folgezeit die öffentliche Meinung vergiftete durch die Behauptung, daß wir gesiegt hätten, wenn die Heimat der Front nicht in den Rücken gefallen wäre, kommt man uns jetzt damit, daß die Arbeit der Delegation in Versailles ein ganz anderes Resultat erzielt haben würde, wenn nur das deutsche Volk dem Friedensschluß gegenüber eine festere Haltung gezeigt hätte. Wie einst der militärischen Front soll jetzt wieder die deutsche Hei- mat auch der diplomatischen Front in den Rücken gefallen sein. Wer heute noch über die Ursachen unserer militärischen Nieder« läge einen Zusammenhang sucht, der außerhalb des rein Milita- ristischen steht, dem ist nicht zu helfen, denn der will nicht sehen. Und wer der Meinung ist, daß an dem Versailler Vertrage sich irgend etwas Wesentliches hätte ändern lassen, auch wenn das deutsche Volk sich noch weit stärker als eS ohnehin schon geschehen ist, dem Vertrage widersetzt hätte, der verrät damit nichts weiter als eine unglaubliche Unkenntnis der auf der Gegenseite herrschenden Stimmungen. Wer die Dinge nicht vom rein deutschen Stand- punkte aus betrachtete, wer die Dinge sah, wie sie waren und nicht so, wie er sie sehen wollte, der durfte sich auch nicht einen Augen- blick darüber im Unklaren sein, daß auf irgendein Entgegen« kommen der anderen Seite nicht zu rechnen war. Der Feind war unbarmherzig und er wollte seinen Triumph auskosten bis zur Neige. Diese Stimmung war ein Faktum, mit dem politisch gerechnet werden mußte. Jeder Versuch der Spekulation auf senti- mentale oder bangherzige Regungen bei diesem Feinde war von vornherein aussichtslos. Ebenso wie es jeder Versuch einer „Blufftaktik" war, in einem Augenblick, wo die Gegenseite über unsere Ohnmacht und unsere Ohnmachtsstimmung so restlos in- formiert war. Das Ausland besaß die Fähigkeit, die Stimmung bei uns zu beurteilen, besaß sie nicht erst in den Wochen der Versailler Verhandlungen, sondern besaß sie seit Jahren. Uns ist die Stimmung der Ausländer in der ganzen KriegSzeit fremd gewesen, wir waren stets die Blinden, waren es in Ver- sailles und sind es, wie man aus ungezählten Zeitungsartikeln und auch jetzt wieder aus der Zuschrift des Grafen Rantzau sehen kann, bis auf den heutigen Tag. Und dieses Nichterkennen der Wirklichkeit, dieses innere Sträuben gegen die Erkenntnis von Dingen, die nun einmal unabänderlich find, verurteilt unsere ganze Außenpolitik praktisch zur llnfruchtbarkeit, bringt uns dem Ausland gegenüber zu offensichtlich ins Nachteil. Es wurde auch in den Tagen von Versailles sehr viel St im- mungsmache bei uns getrieben. Es wurde so dargestellt, als ob das feindliche Ausland die mögliche Ablehnung des Friedens- Vertrages„furchte". Wer nur einigermaßen die Presse des Aus- lands verfolgte, wer zu lesen und Stimmungen zu beurteilen imstande war, der konnte von solcher Furcht nichts merken. Der merkte nur eins: den unbarmherzigen Willen des Siegers, seine Macht durchzusetzen gegenüber einem Feinde, der am Boden lag. Diese Tatsache, die auch in der gesamten neu- trolen Presse anerkamit wurde, wo man nicht einen Augenblick mit der Ablehnung des Friedensvertrages durch Deutschland rechnete, mußte unser politisches Handeln bestimmen, nichts anderes. Diese Tatsache und diese Stimmung hätte dem Leiter der deutschen Außenpolitik bekannt sein müssen. Jahre Kopenhagener Aufenthalts svllten an dem Baobachtec nicht ganz so fruchtlos vor- übergehen. Zum mindesten in Versailles hätte man die brntäl« Wirklichkeit erkennen sollen. Es ist Zeit, daß sich die Politiker endlich frei machen von der Sucht, die nur ein Zeichen eigener Schwäche ist, für Unabänderliches die Schuld auf fremde Schultern zu wälzen. Nein, das deutsche Volk ist nicht schuld an dem unglückseligen Ausgang dieses Krieges, es ist nicht schuld an diesem Zwangsfrieden. Diesem Volk, das Uebermenschliches ge- leistet hat bis zum letzten bittern Rest, die Schuld zuzuschieben für das Mißlingen der Versailler Frieden sarbeit ist ein Frevel. Dr. Paul R a ch e, Lanöwirtsthastliche Streiks und Volksernährung. In letzter Zeit greifen die landwirtschaftlichen Streiks in einer Weise um sich, daß sie zu einer ernstlichen, nicht zu unter- schätzenden Gefahr für unsere Volksernährung zu werden drohen. Nicht nur, daß die Arbeitnehmer in häufig nicht zu rechtfertigender Weise, teils unter Tarifbruch in Streiks lreten, versuchen auch die Arbeitgeber, Stimmung zur Inszenierung eines Lebensmittelablieferungssireiks zwecks Beseitigung der Zwangs- Wirtschaft zu machen. Wenn das letzlere unter allen Umständen auf das schärffte zu verurteilen und zu bekämpfen ist, so können andererseits auch die Arbeitnehmer nicht nachdrücklich genug davor gewarnt werden, leichtsinnig und ohne genügende Ver- suche zur gütlichen Einigung in den Streik zu treten. ES soll nicht verkannt werden, daß das Verhalten gcwiffer Besitzerkreise die Arbeiterschaft geradezu zwingen kann, vernünftige und angemessene Forderungen durch den Streik durchzu- setzen, er muß aber immer das äußerste und letzte Mittel bleiben, zu dem sie greisen darf. Nicht zu verantworten ist es, wenn die Streikenden sich dazu hinreißen lassen, die Besitzer zur Verschärfung deS Streiks an der Fütterung und dem Melken ihres Viehs zu Verbindern. Abgesehen davon, daß die Polksernährnng gerade bei der außerordent« lichen Fleisch- und Milchknappheit sehr schwer geschädigt wird, be- denken die Streikenden nicht, daß der Besitzer durch etwaiges Ein- gehen seines Viehs durch das Verhalten der Streikenden kaum ge- I schädigt wird, da die Betroffenen auf Grund des TumultgesetzeS �entfchädigungsbercchtigt sind und zwar durch die Ge- ' meinden, so daß also letzten Endes die Streikenden selbst den Schaden zu tragen haben würden. Die Landarbeiterschast muß sich vor allen Dingen von der Bevormundung nicht zu ihrem Berufs st ande ge- höriger Personen frein, achen. Sie wird und dari sich nicht das Armutszeugnis ausstellen, daß sie unter ihren eigenen Angehörigen keine Leute hat, die imstande sind, ihre Interessen selbst zu wahre». Fester Zusammenschluß aller landwirtschaftlichen Arbeitnehmer in den großen Berufsverbänden ist immer das beste und sicherste Mittel, die eigenen Forderungen mit dem gehörigen Nachdruck vertreten zu können und dadurch die Streiks von vorn- herein überflüssig zu machen. Die landwirtschaftliche Arbeiterschaft muß sich darüber klar sein, daß sie durch den Eintritt in den Streik und ganz besonders in den Erntestreik ihren Genossen gegenüber eine Verantwortung übernimmt, die sie nur schwer, ja vielleicht gar nicht zu tragen vermag. Streiks in der Erntezeit werden immer die unwiederbringliche Vernichtung von Nährmitteln zur Folge haben, die besonders die städtische Arbeiterschaft und die unbemittelten Genossen nie zu ent« behren vermögen. Weite Kreise der i n d u st r i e I l e n Arbeiter- schaft baben denn auch schon erkannt, daß die Sicherung der rest- losen Bergung unserer Ernte das einzige Mittel zur Hebung und Verbesserung der Volksernährung darstellt und sind demgemäß bereit, ihrerseits mit allen Kräften an der Lösung dieser Aufgabe mitzu- wirken, sei eS durch Aufklärung ihrer ländlichen Genossen, sei eS durch eigenes tatkräftiges Eingreifen. Denn nur zu wohl wissen alle einsichtigen Kreise, daß die Grundlage unserer gesamten Vollsernährung nur die aus heimischen, Boden erzeugten Nahrungsmittel bilden können, da die vom AuS- lande zu erwerbenden Nahrungsmittel bei dem jetzigen Stande unserer Valuta und unserers Auslandskredits nur eine recht bc- scheidene, dafür aber eine sehr kostspielige Ergänzung sein kann. Daher müssen alle landwirtschaftlichen�Berufsangehörigen mit ihren besten Kräften dahinwirken, daß Streiks überhaupt vermieden werden, was am nützlichsten dadurch geschieht, daß sie die B i l- dung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerver- bänden unter Aufbietung der größten Energie betreiben und durchsetzen und dann mit ihrer Hilfe allen Teilen gerecht werdende Tarifverträge abschließen, die für beide Teile absolut ver- bindlich sein müssen. Ein Bruch ordnungsgemäß abgeschlossener Tarifverträge von einer von beiden Seiten aber muß, besonders wenn er eine Gefährdung der Ernte und damit der Volksernährung zur Folge hat, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln verhindert bezw. bekämpft werden. Die deutsche Ernte ist das wertvollste und unentbehrlichste Mittel zum Wiederaufbau unserer Volksgesundheit und damit unseres Wirtschaftslebens. Sie darf nicht von einzelnen, unver- ständigen und verhetzten Elementen, die beileibe nicht nur in den Arbeitnehmerkreisen gesuckit werden dürfen, zum Schadendes gesamten deutschen Volkes gefährdet werden, darum muß die Sicherung ihrer restlosen Einbringung mit allen rechtlichen Mitteln unterstützt werden. die Arbeit öes sächsischen Volks- Parlaments. Aus Dresden wird uns geschrieben: Gestern, am 12. Juli, ist die Volkskammer in die Ferien gegangen, nachdem sie 1 Monate praktische Arbeit geleistet hat. Sie läßt gegen ihren Willen das Land in einer alles eher denn idyllischen Lage zurück. Sie hat auch nicht vermocht, die seit dem törichten Vorstoß der Unabhängigen, also seit S Tagen bestehende Minister krisis zu lösen. Die sächsische Regierung war seit der Revolution überhaupt in einer alles eher denn beneidenswerten Lage. Als am 1ö. Ja- nuar die drei Unabhängigen aus Zorn über die Verhaftung des Spartak, stensühror s Rühle aus der Regierung ausgetreten waren, sahen sich unsere Genossen gezwungen, nunmehr ihrerseits samt- l i ch e Sitze«inzunehmen, obwohl hinter ihnen dank der Treibe- reien der Unabhängigen keine Mehrheit des Volkes oder Paria- ments stand. Zwar waren die Unabhängigen bei den Wahlen in der Minderheit geblieben, allein ihre Stimmen fehlten zur Bildung einer sozialistischen Mehrheit, denn von den 96 Mandaten erhielt unsere Partei infolge der Weigerung der Unabhängigen, mit uns zusammenzugehen, nur 39, während die Unabhängigen 15 erhielten. Es war klar, daß die Unabhängigen diese verzwickte Situation bei der ersten Gelegenheit benutzen würden, der Regierung Schwierig- leiten zu bereiten oder sie zu stürzen. Denn in dem Augenblick, da mit ihnen auch nur evne der bürgerlichen Parteien gegen die Regierung stimmen würde, war diese gestürzt. Diese Gelegenheit bot der vorige Freitag. Vor der Abstim- mung über das Gehalt des Ministerpräsidenten erklärten plötzlich die Unabhängigen, daß sie dagegen stimmen würden. Diesen Augenblick benutzten die seit langer Zeit auf der Lauer liegenden und nach Mnistersesseln lüsternen Demokraten, nun auch ihrerseits zu erklären, gegen die Regierung stimmen zu müssen, weil sie nicht den demokratischen und parlamentarischen Regeln entspräche. In diesem verhängnisvollen Augenblick rettet« der Vorsitzende unserer Fraktion, Genosse Sinderman», die Situation dadurch, daß er er? klärte, auch seine Partei empfinde diesen Zustand nicht als idyllisch und habe sowieso vorgehabt(wie auch die Demokraten aus Ver- Handlungen wußten), alsbald nach Friedensschluß gemeinsam mit anderen Parteien zwecks Neubildung der Regierung in Verhandlungen einzutreten. Darauf hatten die Demokraten nur gewartet, und so erklärten sie, angesichts der damit veränderten Lage nunmehr für das GeHaft bei Präsidenten stimmen zu wollen. Unmittelbar darauf begann unsere Partei, die Unabhängigen zu veranlassen, in die Regierung mit einzutreten, um eine rein sozialistische Regierung mit einer festen Mehrheit im Parlament bilden zu können. Allein die Unabhängigen stellten derart uner- füllbare Bedingungen und zeigten ein derart undemakratischcs Ver- halten, daß es bis zum letzten Tag der Tagung nicht möglich war, zu einer Verständigung zu kommen. Während diese Zeilen ge- schrieben werden, dauern die Verhandlungen an, und es hat den Anschein, als müsse nun die Regierung angesichts der rein Partei- politischen Haltung der U. S. P. mit den bürgerlichen Demokraten eine Koalition eingehen. Geschieht das, so werden die Unab- hängigen aufs neue über„Verrat" schimpfen, und das ist ihnen viel wertvoller als die gemeinsame praktische Arbeit im Sinn« einer sozialistischen Demokratie, im Sinne der Mehrheit der Arbeiter- schaft. Die Kammer hat in den 4 Monaten erhebliche Arveft geleistet. Wie der Präsident, Genosse Fräßdorf, schon vor einiger Zeit mit- teilen konnte, hat noch niemals eine sächsische Volksvertretung ein so reichhaltiges Material ausgearbsitet wie diese. Und Fräßdorf kennt die Arbeit der früheren Kammern, da er auch damals schon Mitglied des Präsidiums war. In dem vorläufigen Grundgesetz, das die Kammer beschlossen, ist mi: manchem Zopf aus der Vorzeit aufgeräumt, sind den dcniokratijchen Forderungen weitgehende Kon- Zessionen gemacht worden. Auch den notwendigen neuen Unterbau der finanziellen Gestaltung nabm die Kammer vor, wobei eben- falls nach Kräften den Wünschen der sozialistischen Demokratie entgegengekommen wurde. Das war sehr schwierig, denn da di« Eisenbahnen infolge der bekannten Vorkommnisse keine Ueberschüsse mehr abwarfen, sondern Riesenzuschüsse erforderten, mußten unge- heuce Summen aus neuen Quellen erschlossen werden. Un-d es war um so schwieriger, als der bis dabin amtierende Finanzminister keinerlei vernünftigen Reformen den Weg zu bahnen fäbig ge- Wesen war. Ohne Ruhmredigkeit nahm die Kammer alsbald eine neue Verteilung der Staatslasten vor. eine erbcbliche Steigerung der direkten Steuern und Milderung der niedrigsten Einkommen, sie belegte alle Einkommen über 4669 M. mit ganz erheblichen Zu- schlagen in progressiver Staffelung, sie vermehrte und erhöhte die Steucrstrafcn, wodurch die Mogeleien der resjhen Steve rhinter- zieher gefaßt wurden— kurzum: es wurde praktische Arbeit ge- leistet zum Wohle der Volksmehrheit. Trotz der unaufhörlichen Opposition der mehr verärgerten als zielklaren Unabhängigen. Die Kammer beschloß ferner, daß bis Ende d. I. eine vollständige Er- Neuerung aller Gemeindevertretungen auf breitester demokratisciier Grundlage durchgeführt sein mutz. Das Schulwesen hätte erbeb- lich umgestaltet werden können, wenn nicht die Reichsgesctzgebnng hindernd im Weg« gestanden hätte. Immerhin wurde grundsäp lich die unentgeltliche allgemeine Volksschule geschaffen, und zwar für alle Kinder ohne Unterschied des Vermögens und der Religion. Gin neues KirchenanStrittsgesctz beseitigte auch auf diesem Gebiete manchen Zopf und bahnte der kommenden vollständigen Freiheit den Weg. � Auf wirtschaftlichem Gebiete schuf die Kammer ein Landen a m t für Gcmcinwirlschast, dem unser Genosse M a r Schippe! vorsteht. Er ist bereits seit Wochen mit einem Stab sachverständiger Helfer aus den Reihen der Gewerkschaftsführer bei den Vorarbeiten zur Soziali sieruug und dürste in ab- sehbarcr Zeit auch mit praktischen Erfolgen aufwarten. Er würde es um so eher können, wenn nicht die Unabhängigen sich andauernd als Bremsklötze am Wagen des Sozialismus erlveiscn würde». Während wir arbeiten, schimpfen sie, weil das weniger anstrengend ist. Sie achten all das, was die Kammer geschaffen hat, für gering und warten gemeinsam mit den Kommunisten aus die Welt- rcvolutiou, sintemalen das bequemer ist als die mühselige Klein- arbeit des TageS. Die Arbeiter Sachsens aber stehen in ihrer über- wiegenden Mehrzahl hinter der Regierung, weil sie einsichtig genug sind, zu wissen, daß sich ein neuer Sozialstaat nicht auf Negation, sondern einzig und allein auf intensiver Kleinarbeit aufbaut. parteinachrichten. Franz Starossons Leichenbegängnis. Zu einer Trauerkundgebung, wie sie Rostock noch nie gesehen, gestaltete sich die letzte Fahrt Franz StarossonS. War der Tote selbst im Leben auch allem FührerkultuS abhold, war gerade er auch der, der das Verdienst um die Partei den Namenlosen zusprach, denen, die die Kleinarbeit in Stadt und Land vollbracht haben, so ist doch das Verlangen nur zu begreiflich, ihm als letzten Dienst ein Liebes zu erweisen. So hatten die Körperschaften des Proletariats, ans den Kreisen von Partei und Gewerkschaften. die zahllosen Kranzspenden gewidmet! Arbeiterdeputierte der Organisationen Rostocks und anderer Städte Mecklenburg?. Lübecks und darüber hinaus waren herbeigekommen; die Unabhängigigen beteiligten sich sowohl an den Kränzspenden als auch am Gefolge zum letzten Geleit, wozu sie sich den Gcwerl- schaften einordneten; die Ministerien beider Mecklenburg, die deutsche Nationalversammlung, die Bürgervertretung und der Rat der Stadl Rostock hatten Vertreter entsandt, und viele aus allen Kreisen waren aus Eigenem gekommen. Nachdem die weihevollen Tranerklänge der Bläser verklungen waren, sang der Männerchor der Rostockcr Arbeitersänger das Lied, von dem er gewünscht hatte, daß es zu seinem Tode gesungen werde: „Ein Sohn des Volkes will ich sein und bleiben." Im Namen der Partei und der Landtagsfraktion sprach alsdann Parteiselretär und Landtagsabgeordneter Wilhelm Kröger innige Worte zu des Verstorbenen Gedächtnis. Auf dem Friedhofe sang der gemischte Chor des Arbeitergesangvereins:„Ins Reich der Gräber führen uns die Freunde." Im Namen der Fraktion der Bürgervertretung sprach alsdann Genosse Paul Schroeder Worte, die vom Geiste StarossonS erfüllt waren und in den Schwur der Arbeiterschaft ausmündeten, daß dieser Geist uns ferner führen soll. Im Namen des Schweriner Ministeriums gedachte Staatsminister Sivkovisch de? Toten als des unvergeßlichen BolksnianneS; ein Vertreter des Strelitzer Ministeriums brachte ein kurzes Gedenkenswort; Redakteur Stelling-Lübeck sprach als Vertreter der Deutschen National- Versammlung, Parteisekretär B r o m m e- Lübeck im Namen de? mit Mecklenburg verbundenen Bezirkes Lübeck. Theater der Woche. Dluftch«» Opcrnhau«, Eharlottenburfl: 13.„öoffmannc. Erzählungen", 14., 15.„Tiefland", 15�, 17.„Die gledermaus", 13. nachm.„gidelio". Schluß der Spielzeit 17.— Walhalla. Theater �„Kleine Sklavin", sonst„Die grau des Debütanten". Tägliche Volkabühne:„Der heilige Florian".— Deutschc« Theatc«,„Auch ich war ein Jllngling".— Sommerspiele:„Das Weit, und der Hampelmann".— Sleine» Schauspielhaus:„Die Biichse der Pandora".- Lessing. Theater:„Char- leqs Tante".— Deutsche« Künstlerthcatcr:„Die Rittschbahn".— Theater i. d. Siiniggraher Straße:„Der Hituptling".— Samödienhaii»!„Lisclott v. d. Pfalz". — Berliner Theater:„Die tolle Komteß".— Schiller-Thrater:„Alt-Heidelberg". — Theater des Westens:„Die Geisha".— Theater am Rollendorsplaß:„Die Puppe", 13. nachm.„Wo die Lerche singt", 23. nachm.„Drei alte Schachteln". 13., 17., 1».»achm. �Die goldene Eva".- Residenz-Theater:„Das höhere Leben".— Trianon-Theater:„Der g»Ic Ruf".— Kleine» Theater:„Unterm Baume der Erkenntnis", 13., 23. nachm.„Iohannisfcncr",— Komische Oper: „Schwarzwaldmädel".— Lnstspieltza»»:„So ein Mädel".— Metropoltheatcr: „Die Faschingsfee".— Rene» vperettcnhans:„Die Dame vom Zirkus".— Thalia-Theater:„Jungfer Sonnenschein".- Palast-Thcater:„Weinende Erben". — Friedrich. Wilhelmstädtisches Theater:„Der Hias".— Theater der Friedrich. ftadt: Drei Einakter.— Wallner-Theater:..Das Gesetz".- Luisen-Theater: „Wenn Frauen lieben", 13.»achm.„Ein glitcklicher Famtlienvater", 23. nachm. „Der SUttenbefitzer".— Rese-Tdeater:„O schöne Reit, o selige Zeit".- Rational-Theater:„Familie Hannemann". Vorträge, vereine unü Versammlungen. Zentratstclle für Einigung der Sozialdemokratie, Ortsgruppe Neukölln. Dienstag, 7 Uhr: Mitgliederversammlunq in Wolsss Äesellschaslshau?, Neukölln, Kirch bossti. äl. Bericht vom Sozialistcnlag. Rescrcnt: Genosse?! e r I i ch(U. S. P. D). Pcreiilsmiiteilungcn. Per- schiedcnes Freie Bereinigung für Recht»nd Sozialismus. Freitag, 7'/, nhv, im siüherc» Herrenhaus, Leipziger Straße, Saal 6: Besprechung der üntwüffe des Gesetzes über die Belriebsrätc. Einleitender Bericht: Genosse Assessor Dr. F l a t o w- ReichSarbeitsmiiilstcrium- Arbeite»-Samariler- Bnnd. Kolonne Grotz.-Berlin. Lehr- und Ucbungsstimdcn: Montag, den II. August, abends 7", Uhr pünitlich Dempelhof, Restaurant Merten, Berliner Str. 9L. Berlin Süden, l. Abt. Restaurant Feyja«, Melchiorftr. Ib. Gäste haben einmaligen jreien Eintritt. LessIug-fJioater Sommerspielz.: H. Sternberg. (iastsplel Guido Thielsclier: 8 Uhr; Charleys Tante. Deutsches KUnstler- Thcater. Allabendlich 8 Uhr: Max Adalbert in: Die Kutschlmhu. Deutsches Theater..* 71/2 Uhr: \uch ich war ein JüngGng... (Schwank): Kammcrs'plele. Allabendlich 8 Uhr: Leopoldine Konstantin in Das Weib u. der Hampelmann. Theater des Westens Allabendlich T'/jUbr: Mia Werber und Hans Wass- mann In Die Geisha. Centrni-'iTheater Kommandantenstralie ä7. Die Schönste von ABen. Deutsches Oiiernhnus 7 uhr: Hoüinaiins fÄ Friedr.-Wilhelnist. Iheatep z Uhr: Der Mas. V/2 U. per®!as Kleines Theater. ZI, Uhr; Johannisfeuer. 7"2 Uhr: Unterm Baume der Erkenntnis Komische Oper Schwarzwaldinäilel. liustspielhaus 7'AUhr: So ein Mädel. Metropol-Theater. 7 uhr 20: Die Faschingstee. Äeues Opei'etteirhai-us. 7v.u.;üieDanie vom Zirkus. Palast-Theater 7va uhr: Weinende Erhen. Oper, in 3 Akt, v. R.Danziger. Schillcr-Thoat.€harl. 7-/2 uhr: AMeidelherg. Thalia-Theater TV. u.: jungler Sonnenschein Th.aniXolIcndorfpIatr zi/. Uhr; Wo die Lerche singt. 7/2 uhr: Die Puppe. Theater d. Prledrlchstadt 8 Uhr: So eine Frechheit. Versicherung gegen Einbruch. Ein Polterabend. Walliier Theater 7-/2 vhr: Das Gesetz. Residenz-Theater. Untirgrundb. KIosterstraBe, Ausgang Stralauer Straße. Täglich 8 Uhr. Zum 182. Male: Bas km Leben. Schauspiel von. Slid�rmanru Regie; Alfred Rotter. Walhalla-Theater. 7-/2 Uhr: Die Frau des ßeluitanien. Wl�ter-ßarfen. Heins 2 Vorstellungen rizlHir 3�., Uhr Kleine Preise. Kifld d. Hälfte! ���riete.Splelpiaii. — Rauchen gestattet.- _ Theater a. Kottbus.Tor G Allahendlich 7-/2 Uhr; G EUte-Sänser «ä m 9 ehem. Mitgl. der Stettiner Sänger Humor. Spielplan Sommerpreise i Bliithgen-Ronzert. APOLLO Friedrichstraße 218| ' Dir.: James Klein 73/ Sonntag 73/ I I 14 3-/. und I/ 4| Letzter Gastspiel-Monat der Gesellschaft Anton mit'der neuesten Schlager-Burleske Nur nicht Ischjeßenl j Vorh. Spezialitäten! I lionnt.ä'/jid.Erwachsl I Kind frei! Hubertus- Säle, Kohtinliolz. ~ 0 h e n Sonntag. Mittwoch, Donnerstag unb Sonnabend: (in U A Ii 9tiif.6onm.4U fir. Oflbli. üBochent 7 Ufjc 1 Juli: fflcofjcr Opeeellen- Abrnd. Anfang 7-z Uhr. 331Sb a.Spandaoer Scbi«. Kanal n. Bahnhof Beusseislr. Jede» Sonnlax __ Gr. Konzert In allen 3 Sälen Tanz. Jeden Mittwoch: Kinderfest Konzert und Tanz. Ve?gn.-Park. Marion.-Th. 10 Ruderboote. W.WIemer. Volksbühne Theater am Büiowplatz. Täglich 7-/2 Uhr; Der heilige Florian. Theater i. d. KöniggrätzerStraße V28 Uhr; Der Häuptling. Kömädlenhaus Gastspiel Lucie Höflich 8; Llselott von der Pfalz* Berliner Theater '�Uhr; Die tolle Komtess. Trianon-Theater. Bhf.Friedrichstr.Ztr. 4927,2391 Tägl.SU. Heute z. 306. Male: 3er gutefluf von Hermann Sudermann. Sonntag 4 Uhr: Johannisfener. Inisen-Theater. Sonntag 3 Uhr: Ein glücklich. Familienvater Täglich abends 7-/2: Wenn Frauen lieben. Rose-Theater. Täglich 7-/2 Uhr: 0 scfcöne Zeit, 0 selige Zeit 71A- Uhr Oartenblihne: Das'sieht sich jeder an. Vorher Konzert u. Spezialität. Voigt»Theater SBabftrofic 58. 7-/2 Uhr: Frählingsluft. Vorher: Variete-Voistellunx. Eröffnung 3 Uhr, Anfang 5 Uhr. Ied.Mittw.,Sbd.,Sonnt.: Voll. �azzage-Ihester Unter- den Uinden 22/23 Dir. M. Soilrnan. Der kolossalsn I�Iucii- hage wegen und auf vielseitigen Wunsch meines. geehrten Publikums sehe ich mich zur nochmaligen Aufführung des gr.ößtes Aufsehen erregenden Sittenbildes derGegenwart veranlaßt. Die Sage vom Hund v.Baskerville.'VTeü. Spann. Darstellung nach dem bekannten Roman Sherlock Holmes In 3 Akten. In der Hauptrolle Alwin Neuss. Serliner?rater .7/9 Raftauicnattce 7/9. Täglich: iZBfltlete-tealfionen ttÄ Ball. Anfang 4-/z Uhr. Admirals-Palasr Heule Beginn der üntemation. BingUämpJe. Aniang�hr. VamiralS'Kino. Die Schuld mit Henny Porten. Jogischer £00 ldtdi». w v w Heute miliför-Boppeironjett. Elnlrilt 1 M., ab 6 Uhr 75 Pf. Kinder die Hälfte. AQUARIUM. Eintritt I M, Kinder die Hälfte. Relciistiail.-Itieater Gastspiel b.betiihmten Dresdener Victoria-Säng. Völlig neues Programm. 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Die Schuldverschreibungen werden in Abschnitten von 200 SR., 500 M., IOOO M., 2000 M. und 5000 M. angefertigt, lauten auf den Inhaber und sind mit halbjährlichen, am I.Februar und I.August sälligen Zinsscheinen verseben. Der nächste ZinSschein wird am 1. August ISIS fällig. ES sind sofort endgültige Stücke lieferbar. Die Unterbringung der Anleihe ist dem Bankhause Gtto Markiewicz zu öerlin und Hamburg übertrogen. Berlin-Wilmersdorf. im Juli 1919. ver Magistrat zu öerlin'Wllmersdorf. Auf Grund der vorstehenden Bekanntmachung werden 12 Nl. 4Vo Wilmersüorfer Anleihe von 1913 mit Zinsfchef neu per 1. August 1 91 9 und folgende mit 94°/° zum Verkauf gestellt. Verkaufsanträge nehmen entgegen: 1. sämtliche Banken und Bankiers in Groß. Berlin, 2. in Wilmersdorf: Stadthnuptkasse im Nathnuse, Brandenburgische Str. 1, die Sparkassen-Hauptstelle Sigmaringcr Str. 1 und die Sparkasirn-Rebenstellen Kaiser- allee 1—12, Kurfürstendnmm 91, Kaiserplatz 8, die Stcucr-Haupt-Kaffe Gasteiner Str. 11 und die Steuer- Nebenstellen Meierotto-Str. 11. Johann-Georg-Str. 26. Drtmoldrr Str. 2, $. das unterzeichnete Bankhaus. Der Schlußnotenstempel wird dem Käufer berechnet. Der Ver» laus erfolgt unter Berechnung der Stückzinsen. Otto Markiewicz, UntikgeWiärt für Kommunal- und Staatsanleihen, Rentenwerte öerlin NW 7 Hamburg 36 Unter den Linden 59». Gänsemarkt 60, Wrangelhaus. Telegramm-Adresse: Siegmarius. Telegramm-Adress«: MarklNa. Telephon: Zlr, S1S3 S4,»06«. Telephon: hausa 1450/51. Möbel! 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Nach den Verteidigern erhielten noch gestern in später Abend- stunde die Angeklagten das Wort. Erich Mühsam hielt eine lange Verteidigungsrede, in der er auch seine sozialistisch-kommunistischen Ziele zu rechtfertigen suchte. Er wolle sich mit dem Staatsanwalt nicht darüber ausein- andersetzen, ob er eine ehrliche oder verbrecherische Natur sei. Es sei gegen seinen Geschmack zu erklären, ich bin ein Ehren- mann, denn wenn das Gericht gegenteiliger Meinung sei, nütze eine derartige Versicherung dach nichts. Er müsse entschieden be- streiten, daß er und seine Freunde den Bürgerkrieg hätten voraussehen müssen. Der Bürgerkrieg sei nicht von ihnen ausge- gangen, sondern von außen nach München hineingetragen wor- den, unter Herbeiholung perutzischer Truppen, nämlich der Noske- Garden. Die Gewaltsamkeit liege nicht auf ihrer Seite. Es sei falsch, von mehreren Revolutionen zu sprechen. Man habe nur die eine Revolution gehabt, die am 7. November in München begann und welche dauern werde, bis die sozialistisch-kommunistischen Ziele erreicht seien. Das wird man nicht verhindern, ob man auch einige Führer der- urteilt oder an die Wand stellt, damit schafft man nur Mär- t h r e r. Wenn der Staatsanwalt gegen ihn nur Anklage wegen Beihilfe erhebe, wolle er damit andeuten, daß die eigentlichen Hochverräter jene Kommunisten gewesen seien, die am 13. April die Nachfolge von ihm und seinen Freunden angetreten hätten. Alles, was er damals getan, würde cr, abgesehen von der verfrühten Ausrufung der Räterepublik, die er heute bereue, umd abgesehen von dem Vertrauen, das man ge- wissen Personen schenkte, die sich hinterher als Verräter ent- puppt Hütten, wiederholen. Unter einer neuen Ausrufung der Räterepublik würde er genau so handeln. Er wolle sich vor Gericht nicht verantworten, da er nur dem Proletariat Verantwortung schuldig sei. Das Gericht möge ihn behandeln wie Lcwine, er werde nicht zurückschrecken, das zu sagen, was er für notwendig halte. Er bestreite, Hochverrat begangen zu haben, die nach ihm an die Regierung kamen, haben nichts gegen die Regierung Hosfmann begangen, denn sie haben ihn und seine Freunde abge- setzt. Er bitte nicht um mildernde Umstände und um freundliche Gesinnung. Er habe das Recht, vom Gericht Freispruch zu verlangen. Ein anderer Spruch würde im Gewissen des Prole- tariats nicht als Rcchtspruch gelten. Die Regierung Hoffmann sei die Gegenrevolution. Sie mögen mich noch so hoch verurteilen, rch bin überzeugt, daß das Ende meiner Hast nicht von ihrem Urteil bestimmt werden wird, sondern von dem Fortgang der Revo- l u t i o n. Rechtsanwalt Dr. Wadler glaubt, haß außer dem Staats- anwalt wohl niemand Mühsam ehrliche Gesinnung absprechen werde. Er selbst befinde sich in einer schwierigeren Lage, da der Verdacht gegen ihn entstanden sei, daß er seine Gesinnung Plötz- lich gewechselt habe. Er könne nur versichern, daß er schon fast ein Jahr vor der Revolution sich nach schweren inneren Kämpfen zur sozialistischen Gesinnung durchgerungen habe. Er erwarte seine Freisprechung. Vorsitzender Landgerichtsdirektor Singer setzt daraus die Ur- teilsverfündung aus heute mittag 12 Uhr fest. * Die Urteilsverkündung. Kurz nach Mittag verkündete der Vorsitzende, Landgerichts- direktor Singer, das Urteil. Es lautet dahin, daß der Kriegszustand in Bayern noch fortdauere. Die Aus- Hebung des Belagerungszustandes durch den Aufruf der Bolksbe- auftragten vom 12. November für das Deutsche Reich trifft nicht auf Bayern zu. Durch den Versailler Vertrag von 1871 be- steht für Bayern da? Reservatrecht auch für die Verhängung des Kriegszustandes. Auch die Revolution hat den Kriegszustand nicht beseitigt. Das Standrecht besteht daher zu Recht und es ist zu- ständig für Hochverratshandlungen, die während des Kriegszu- standes begangen sind. Auch die Paragraphen, die den Hochverrat betreffen, bestehen zu Recht, solange sie nicht ausdrücklich durch Reichsgesetz abgeändert sind. Der Angeklagte Mühsam hat sich durch seine Tätigkeit bei Ausrufung der Räterepubtit als trei- bendes Element erwiesen. Er ist für die Ausrufung ein- getreten und hat sie beantragt. Er hat den Zentralrat mitbe- gründet und ist dessen Mitglied gewesen. Er ist nach Nürnberg gefahren, um auch dort für die Ausrufung der Räterepublik zu wirken. Ferner hat er an den Proklamationen und an den Funk- sprüchen nach Moskau und Budapest mitgearbeitet. Er wor sich bewußt, daß die Durchsetzung dieser Ziele nur gegen die Regie- rung Hoffmann und mit Gewalt zu erreichen sei. Besonders ist das zutage getreten durch sein Eintreten bei der Bewaff- n u n g der Massen, bei der Festnahme von Geiseln und bei dem gewaltsamen Durchbruch nach Nordbayern. Der Angeklagte Mühsam hat es also unternommen, die Verfassung dauernd mit anderen gewaltsam zu ändern. Der Angeklagte W a d l e r war zwar anfangs der Meinung, daß die Ausrufung der Räterepublik verfrüht sei, er hat sich dann aber an der Ausrufung beteiligt. Er war Mitglied des revolutionären Tribunals und Volksbeaustrogter für das Woh- nungswesen. Er erließ verschiedene Verordnungen und verbot den Beamten, in Verbindung mit der Regierung in Bamberg zu treten, woraus hervorgeht, daß die Regierung in Bamberg noch Vesta n d. Durch seine Handlungsweise hat er bei Gründung der Räteregie- rung mit Rat und Tat anderen Htlfe geleistet. Mühsams Handlungsweise ist nicht ehrloser Gesinnung entsprossen. Er hat zeitlebens aus ehrlicher Ueberzeugung, wenn auch mit psychorathischem Fanatismus die Durch- führung seiner Ziele erstrebt. Er hat in verwerflicher ffrupel- loser Weise auf die erregten Massen eingewirkt. Es war gegen ihn daher auf die Höchststrafe zu erkennen. Beim Angeklagten Dr. Wadler kam das Gericht nicht zu der Ueberzeugung, daß seine Handlungsweise aus ehrlicher Gesinnung entsprossen sei. Er hat jeweils sich auf die Seite geschlagen, die ihm Aussicht bot, hochzukommen. Deshalb waren ihm mildernde Umstände nicht zuzubilligen. Während des Krieges hat er sich allseitig in kapitalistisch- großindustriellem Sinne, was ebenfalls nicht zu billigen ist, betätigt. In Widerspruch dazu ist er nach Ausbruch der Revo» lution als Führer der Arbeiterschaft bervorgetreten. Das kann nicht aus ehrlicher Ueberzeugung, wie bei Mühsam, erfolgt sein, sondern er hat den g ü n st i g e n U m st a n d der politischen Lage sich anzupassen gesucht. Seine Handlungsweise war also als die eines politischen Parvenüs zu'betrachten. Er hat einen unheilvollen Einfluß ausgeübt, das war straferschwereud. Das Urteil geht dahin: Der Angeklagte Mühsam wird wegen Hochverrats zu IS Jahren Festungshaft verurteilt. Der Angeklagte Dr. W a d l e r wird wegen Beihilfe zum Hoch- verrat zu 8 Jahren Zuchthaus und Verlust der bürge r- lichen Ehrenrechte verurteilt. Beiden Angeklagten wurden 2 Monate und 3 Wochen der Untersuchungshaft angerechnet. Die Angeklagten S e l t m a n n und Killer werde« man- gels ausreichenden Beweises, der Angeklagte B a i s o n aus tatsächlichen Gründen freigesprochen. Die übrigen drei Angeklagten Przenga, Hofmann und Kandbindcr wer- den an die ordentlichen Gerichte überwiesen, da ihre Handlungsweise aus subjektiven Gründen als Bergehen gegen die bestehende Ordnung nicht für daS Standgericht zuständig ist. Lärmszene Dr. Wadlers. Dr. W a d l e r führte eine große Lärmszene auf. Er rief mit lauter Stimme wiederholt:„Das ist ein moralischer Justiz- mord!" Der Vorsitzende suchte ihn zu beruhigen und sagte:„Dr. Wadler, seien Sie vernünftig." Dr. Wadler rief:„Nein, da kann man nicht vernünftig sein, das ist Justizmord. Das ist alles Lug und Betrug. Ich gehe reiner aus dem Saal als das Gericht. Die Folgen werden sich zeigen." Er konnte nur mit Dlühe von den Beamten und Soldaten aus dem Saal abgeführt werden. Damit schloß die Verhandlung. GroßSerlm Der verkehrsftreik. Nach mehrstündigen Verhandlungen zwischen Vertretern der Berkehrsgesellschasten und den ausständigen Straßenbahnern und Hochbahnern im Gewerkschaftshaus am Engeluser wurden Sonn- abendnachmittag die Einigungsvorschläge schriftlich niedergelegt. Heute vormittag um 19 Uhr werden die Streikenden sich auf den Bahnhöfen Nordring. Warschauer-, Urban- und Bismarckstraße der- sammeln, um über Annahme oder Ablehnung der Vorschläge ab- zustimmen. Omnibus-Schiedsspruch. Sämtliche beschäftigte Arbeiter, die durch den ArbeiterauSschuß deS Fahrpersonals vertreten sind, erhalten einen nicht Pensions- fähigen Lohnzuschlag von monatlich je 60 M.— sechzig Mark— bis Ende dieses Jahres. Nacb der vollen Wiederaufnahme der Arbeit er- halten die unter 1) genanntenArbeitersoforltOOM.—-oierhunderlMark — gezahlt. Von diesem Betrage werden für die Zeit bis zum 39. Juni dieses Jahres 229 M. als Nachzahlung gewährt und 189 M. vor- schußwelse für die Monate Juli— August�September 1919 gezahlt. Von den letzteren 139 M. sollen je 69 M.— sechzig Mark— monatlich aus den Lohn als Rückzahlung in Anrechnung gebracht werden. Der bisher gültige Tarifvertrag wird bis 31. Dezember 1919 verlängert. Auch eine Berkehrsfroge. Die 2, Klasse auf der Stadt- und Ringbahn ist jetzt so überfüllt, daß sich die darunter leidenden Be- sitzer von Fahrkarten 3. Klasse mit den Rechtmäßigen zu- sammen schwer ärgern müssen. Dagegen wenn man ehrlich ist und mit braunem Pappedeckel sich nab braunem Holz zum Sitzen sehnt, ist man oft viel besser dran. Wir eiiipfthlen also durchaus, zweite Klasse zu fahren, damit man in der III. auch weiter Platz finde. Die am 30. Juni gelösten Straßcnbahn-Doppclfahrschcinc können zur zweiten Fahrt an den beiden ersten Tagen nach Wiederauf- nähme des Betriebes benutzt werden. Ein Benzoltriebwagen für die Fernbahn wurde Sonnabend auf der Potsdamer Strecke erprobt. Der Zug hatte nur einen Bei- wagen. Von den Akkumulatoren-Triebwagenzügen unterscheidet er sich nur durch den auf dem Dach angebrachten Kühler. Der Trieb- wagen säbrt auf zwei Drehgestellen, von denen daS Hintere mit zwei Elektromotoren ausgerüstet ist. Der Zug.soll auf weniger befahrenen Strecken Lokomotiven sparen. Er zeichnet sich durch fast geräusck- losen Gang, höhere Geschwindigkeit auf freier Strecke und Fortfall der Rangierbcwegung an den Endpunkten der Strecke aus. Weitere Vorzüge find die leichte Heizbarlei: durch das warme Kühlwasser des Verbrennungsmotors und die elektrische Beleuchtung.. Der Triebwagen kann mit seinem Beiwagen über 299 Personen be- fördern; er wird voraussichtlich nur die 3. Wagenklasse enthalten. Die Fahrt verlief planmäßig, so daß damit zu rechnen ist, daß der Wogen demnächst in den öffentlichen Verkehr eingestellt werden wird, und zwar für die Strecke Wannsee— Stahnsdorf(Friedhof), aus der die Zahl der täglich verkehrenden Züge vermehrt wird. Fürs erste sollen zwei dieser Fahrzeuge in den Dienst gestellt werden. Auf der Wannseebahn soll ab morgen der Zugverkehr zu den Hauptverkehrszeiten erheblich verstärkt werden. Die Juristische Sprechstunde fällt am Dienstag, den 15., nnd Mittwoch, den 16. Juli, aus. 12Z Erleuchtung. Roman von Henri Barbusse. „Simon!" Eine Frauengestalt steht vor mir. Ich entreiße mich den Traumerscheinungen, die in diesem Zimmer Gestalt an- genommen haben. Ich raffe mich aus. Meine Cousine Marie steht vor mir. Sie streckt mir die Hände entgegen, und der Kerzen- schimmer, der um das Bett geistert, fällt auf ihre Hände. Dieses armselige Lichtcsflimmern enthüllt nun ein Antlitz, das tränennaß und schmerzentstellt ist. Meine Tante hat Marien geliebt. Heber dem Rand der blinkenden Zähne zittern die Lippen des Mädchens. Mit aller Wucht hebt sich ihre Brust. Ich bin in den Sessel zurückgesunken. Die Erinnerungen tauchen wieder auf. Derweilen wird der Atem der Kranken bänger und bänger. Erbarmungsloser wird ihre Bewegungs- losigkeit. Zu meinen Lippen kommen Worte zurück, die einst- mals von der nun Sterbenden gesprochen worden sind. Dann hebe ich die Augen empor. Meine Augen suchen, und sie senken sich nieder auf Marien. * Sie hat sich an die Mauer gelehnt, und dort bleibt sie in ihrer Niedergeschlagenheit stehen. Sie weilt dort in ihrem Winkel wie eine kostbare und dem Ueberirdischen enthobene Schönheit, lieber ihrer Stirn und auf ihren lauteren Wangen ruht das halbdunkle Haar. Wie Gold und Bronze ist es, glänzend und im Wirrwarr aufgeschichtet. Dann ist ihr Hals, besonders ihr tveißer Hals sichtbar. Da die Luft hier so glühend ist, daß man beinahe erstickt und verschüttet wird, wie unter einer schweren spürbaren Last, hat sie den Hals entblößt, und von den flammenden Kaminscheitern wird ihre Kehle erleuchtet. Ich lächle ihr ein wenig zu. Meine Blicke irren über die Ueppigkeit ihrer Hüften und das nun enthüllte Stück ihrer Schultern. Wie zertrümmert ist dieses Zimmer, aber meine Blicke haften sich an die Kehle des Mädchens, die weiß ist wie die Morgenröte. * Wieder ist der Arzt gekommen. Schweigend hat er eine zeitlang das Bett angesehen. Und je länger er schwieg und schaute, desto eisiger wurde es in unseren Herzen. Er hat gesagt, daß es diese Nacht zu Ende sein würde. Dann hat er ein Fläschlein in die Tasche zurückgesteckt. Schließlich hat er sich entschuldigt, nicht länger bleiben zu können. Jetzt ist er fort. Nun bleiben wir neben der Sterbenden, die so gebrechlich ist, daß wir kein Wort mehr sagen, daß wir auch keine Berührung mehr versuchen. Frau Piot hat sich in einem Stuhle nieder- gelassen. Sie hat die Arme gekreuzt, sie hat den Kopf ge- neigt. Die Zeit schleicht dahin. Im Schatten der Eingangs- tür tauchen irgendwelche Menschengestalten auf. Auf den Zehenspitzen kommen die Leute herein. Sie sprechen leise mit uns und dann gehen sie wieder fort. Die Sterbende rudert mit Händen und Füßen um sich. Ihr Gesicht ist verzerrt. Aus ihrem Halse dringt ein Röcheln hervor. Kaum bemerkt man es, da sich unter ihrem Kinn eine Vertiefung aushöhlt, einem Schattenneste gleich. Sie ist völlig bleich geworden. Und immer blasser wird die verschrumpelte Haut, die auf dem Knochen ihres Gesichtes wie ein Leinentuch liegt. Wir spähen nach ihrem Atem. Wir drängen uns an die Ster- bende. Wir strecken die Hände nach ihr. So weit ist das, so nah ist das. Man weiß nicht, was man tun soll. Ich sehe Marien an. Sie kauert auf dem kleinen Schemel, aber ihr üppig erblühter Körper flutet über das winzige Ge- rät. Nun preßt sie das Taschentuch zwischen die Zähne. Sie steht aus, um das Kopfkissen zu richten. Sie neigt sich über das Bett und stützt ein Knie auf den Stuhl. Diese Bewegung enthüllt für eine Sekunde ihr Bein. Ihr Bein ist ge- rundet wie ein schöner Krug, und das Fleisch glänzt wie in Gelda-Goldspiegelung durch die Durchsichtigkeit ihres schwarzen Strumpfes. Ach, ich strecke mich zu ihr hin und in mir beginnt etwas zu rufen, das noch erstickt werden mußte. Ich beuge mich zu ihr über dieses Bett, das sich nun in ein Totenbett verwandeln soll. Der Rand ihres schwertragischen Kleides ist wieder gefallen. Aber ich kann meine Augen nicht mehr von dieser tiefen Dunkelheit loslösen. Ich starre Marien an, ich starre sie an. Ich kannte sie doch. Nun bedünkt es mich erst, daß ich sie ganz und gar entdecke. Eine Frau flüstert:„Man hört nichts mehr." „Aber ja--" Eine Andere wiederholt:„Aber nein! Aber nein!—* Da bemerke ich die riesige Rückenwölbung Erillons. Der Mund meiner Tante hat sich sachte geöffnet und er schließt sich nicht mehr. Die Wimpern sind fast ganz über den er- starrten Strahl des Auges niedergefallen. Die Augen schielen nur noch ein winziges in der verknöcherten und ergrauten Maske. Da schwebt über dem schmalen, ausgelaugten Gesicht die riesige Hand Erillons. Er senkt der Sterbenden die Wimpern, er schließt ihr die Augen. Als Marie dann merkt, daß unsere Tante gestorben ist, da stößt sie einen Schrei aus. Sie schwankt. Ich greife nach ihr. Ich ergreife sie. Ich stütze sie. Ich umarme sie. Einer Ohnmacht ist sie nahe und sie klammert sich an mich. Einen Augenblick nehme ich behutsam und schwerfällig die ganze Last des jungen Mädchens auf mich. Ihre Bluse ist aufge- gangen. Wie entblättert ist das auf ihrem Halse und ich sehe nun, durch nichts mehr verhüllt, die wahrhaftige Wölbung ihrer Brust, die in heftigem Schmerze auf und niederpulst. Ihr Körper bebt. In den Händen verbirgt sie das Gesicht. Dann wendet sie mir ihr Gesicht zu. Es ge- schieht, daß unsere Gesichter sich berühren, und mein Mund schlürft den ungewöhnlichen Geschmack ihrer Tränen ein. » Das Sterbezimmer wird von Wehklagen erfüllt. In dem Sterbezimmer nistet sich ein Rascheln von Klagelitancien ein. Nachbarn, die in Freunde verwandelt sind, gehen und kommen. Man schenkt ihnen keine Behauptung mehr. Dann kann ich mein Herz nicht mehr aufhalten, wie es in diesem weiten Verließ, in das der Tod eben ganz blutbedcckt eingetreten ist. laut schlagend zu diesem jungen Mädchen hinüberschlägt. Sie ist niedergekniet, wie die übrigen auch, aber Herrscherin ist sie trotz alledem, meinem eigenen Willen zum Trotze, ihrem eigenen Willen zum Trotze, dem Willen aller Welt zum Trotze. Ich spüre es, ein Rausch, dunkel, bedeutsam und ungeheuerlich, wütet in mir. Mein Gebein und das Eingeweide meines Gebeines werdsn aus diesen Finsternissen geboren. Noch stehe ich neben dieser armen Kreatur, die in mein Leben so nachhaltig eingemengt gewesen ist. Aber sie sinkt schon, schon sinkt sie in eine Hölle der Ewigkeit. Und ich werde hinaufgetragen von einer Hoffnung, von einer Hoffnung I Ich will mit meiner Aufti'crksamkeit unbeweglich bei der Unbeweglichkeit dieses Totenbettes verweilen. Ich presse die Hand auf die Augen, um nur an die Tote zu denken, die schon wehrlos ist, die ja schon auf der Erde liegt, in die sie bald versenkt werden soll. Aber meine Blicke gleiten immer wieder durch das Gitter der Finger hindurch. An- getrieben werden sie von einer übermenschlichen Neugier, hingetrieben werden sie zu diesem frischen Frauenivescn, das noch unerschlossen vor mir steht in der Wirrnis seines Schmerzes. Und ich kann die Augen nicht mehr abheben von ihr.(Forts, folgt.) Au den öeutjch-sranzosischen Ausammensiößen. Bon französischer Seite werden über die beiden Zusammen« stoße, deren zweiter ein Todesopfer gefordert hat, Darstellungen gegeben, nach denen die französischen Soldaten keinerlei Schuld trifft. In einer Zeit, wo die Tat von Versailles dem Nationalis- muS Vorschub leistet, wäre es doch wünschenswert, daß verhetzten Leuten nicht durch den Anblick französischer Uniformen Gelegenheit gegeben würde, sich und andere aufzureizen. Deutsche Uniform- träger in Paris hätten jetzt auch nichts zu lachen. Ohne übrigens die französischen Angaben anzweifeln zu wollen, müssen wir doch feststellen, daß von Zusammenstößen mit den viel zahlreicher anzutreffenden Engländern und Amerikanern bisber nichts bekannt geworden ist. Aber wir hoffen, daß es auch keine >nchr mit den paar Franzosen gibt. Nach unseren Wahrnehmungen kann irgendein Tadel an dem Benehmen des Ententemilitärs in Berlin nicht geübt werden. Von denjenigen Deutschen, die nachts von ihren Schlemmereien kommen, möchten wir das nicht so ohne weiteres behaupten./ Wenn es aber richtig ist, daß schon bei dem Zusammenstoß Unter den Linden vor einigen Tagen deutsche Soldaten und Offiziere die Seitengewehre gegen die sunbewaffneten) Franzosen gezogen hätten, so fragen auch wir. wo denn eigentlich das Verbot des Wafsentragens außer Dien st bleibt, das die Militär- behörden wiederholt bekannt gegeben. Es wäre doch wahr- hastig höchste Zeit, daß diese uralte sozialdemokratische Forderung verwirklicht wird. * Tie Kriminalpolizei hat bereits eine ganze Reihe von Zeugen ermittelt und vernommen, deren Tarstellungen alle mehr oder we- niger von einander abweichen. Nach diesen Bekundungen soll sich der Vorfall so abgespielt haben, daß die französischen Soldaten zu- erst mit Straßenmädchen in einen Wortlvecksel geraten sind, dann aber schließlich ihres Weges gegangen sind und hinterher von Personen aus dem Publikum gestellt worden sind. Die Leiche des erstochenen Sergeanten wurde noch durch die Gerichtsärzte im Bei- sein eines französischen Stabsarztes obduziert. Die Leichenöffnung ergab, daß der Stich in die Lunge gedrungen war und der Tod infolge Verblutung eingetreten ist. Außerdem hatte Manheim noch Verletzungen am Kopf, die von Faustschlägen und Stockhieben berrührcn. Sein Kamerad Tapier hatte einen Schlag ins Auge, das blau angelaufen ist, erhalten. Von dem Täter fehlt noch jede Spur. Dem 8 Uhr-Abendblatt erklärte ein französischer Ma- sor, beide Unteroffiziere seien als ruhige, verträgliche Leute be- kannt, er selbst habe den überlebenden Unteroffizier eindringlich vernommen und den Eindruck gewonnen, daß der letztere durchaus die Wahrheit zu ihm gesprochen habe. Danach habe sich der Vorfall so zugetragen, daß die beiden Unteroffiziere ruhig ibreS We- g e s gingen, ohne irgend jemand, auch kein vorübergehendes Frauenzimmer, anzusprechen oder gar zu belästigen. Plötzlich sei eine Gruppe von Soldaten an ibnen vorübergekommen und habe sie gröblich beschimpft, auf die sie mit keinem Worte er- widert hätten. Zivilisten, die Zeuge des Geschehniffes waren, hätten denn auch Partei für die beiden französischen Unteroffiziere genomen und ihnen geraten, sich vasch zu entfernen, um einem weiteren Acrgernis vorzubeugen. Diesem Rot hätten sie befolgt und sich nach der Mittelstratze begeben, wo sie in den beiden Hotels Schweriner Hof und Hotel Alexandra fast Tür an Tür wohnten. Während der eine Unteroffizier unbehelligt ins Hauö gelangen konnte, wurde dem anderen von einem Zivilisten, der einen Strohhut trug, ein tiefer Stich in die Schulter versetzt, der den Tod herbeiführte. Der Major führt den Zwischenfall auf die a u f- regende Sprache zurück, die seit einigen Tagen von der deutschen Presse(Diese Verallgemeinerung ist unberechtigt. Red.) geführt werde. Los der Invalide«. Der Reichsbund der Invaliden, Erwerbsbescbränkten und Er- wervsumähigen(Sitz Frankfurt a. M.) Ortsgruppe Groß-Berlin, Verlin 3K. Buchstr. 3, Bors. F. Sommer, sendet uns folgende Zeilen: Mit der reichsgesetzlichen Regelung der Erwerbslosenfür- sorge ist denjenigen, die trotz ihrer Arbeitsfähigkeit unverschulder arbeits- und damit einkommenlos geworden sind, ein Anrecht auf staatliche und städtische Zuschußleistung gegeben. Doch zeigt sich eine klaffende Lücke, wenn man an die denkt, die durch Unfall. kapit. Ausbeulung, Alter, Geburt, oder weil sie Ortsarme und alleinstehende Mütter vieler Kinder in ihrer Arbcitsfähiakcit� teil- weise oder gänzlich behindert find. Diese Gruppe von Menschen, Schwerleidenden, ist nach wie vor völlig unversorgt. Während Hunderttausende im Reichtum ein Wohlleben, ja ein Leben voll Uebersättigung und Luxus führten, suchte man die Not dieser Aerm- ften, sog. Veteranen der Arbeit, mit Staatsinvaliden- reuten von 10, 15,20 Mk. monatlich inkl. 2 6 � P fg. T e u- rungszulage zu begegnen. Auch die Revolution und die da- mit verbundene veränderte Staatsgewalt hat an diesen wahrhaft traurigen Zuständen nichts geändert. Sie führen ein trauriges Dasein. Tausende und nochmals Tausende armer Arbeitermva- liden sind gefallen auf dem Schlnchtfelde der Heimatfront. Stumpf, bedürfnislos, abgekämpft, seelisch vergrämt und abgehärmt sind sie lebendig gemordet. Man komme doch nicht mit der sattsam be- kannten Tröstung, die Mittel seien nicht da. Die Erklärung deS Reichskommissars Dr. Löwe vom ReichSarbcitsamt in der Na- tionalversammlung zu Weimar wirkt direkt provozierend: Staat und Berstcherungsämter wären nicht in der Lag«, die z. Zt. be- stehenden..Teuerungszulagen" von 2 6 1h V f g. � täglich für Schwerinvnlidcn zu erhöhen. Hatten dock, die ReichsverstchernngS- anstalten 2 510 Millionen M k.(Off. Bericht 1018.) Sollte sich davon nichts f.üffig machen lassen( Es fehlt nur noch z» be- haupten, daß ein invalider Armenrentner(Tbe) mit 80 Pf. Ar- menunterstützung pro Tag auszukommen imstande ist. Jeder Mensch hat Anspruch aus menichentvürdiges Dasein. Auch wir A rb« i ter° I n da li d e n. Daher fordern wir für Hundert- tausende notleidender Auvaliden und Rentenempfänger Deutsch- lcnids wirtschaftliche Sicherstellung. Selbstverständlich soll das nächste auch fitr Erwerbs b e s ch r ä n k! c die Arbeit sein, soweit sie Arbeit zu leisten imstande sind. Bei denjenigen aber, die dau- ernd Schwerinvalide sind, völlig stech und elend, bat dieses Verlan- gen einfach auszuscheiden. Für die Erwerbsunfäbigen und Er- werbsbeschränkten. deren Gesamteinkommen die Sätze der Arbeits- lo'en nicht erreicht, beantragen wir das Anrecht auf Zu- schußle istung von Staat und Gemeinde. Als Existenz- Minimum wollen wir den reichsgesetzlichen Taris für Erwerbslose unseren Antrag zugrunde legen. Im Austrage taufender organisierter Arbeiterinvaliden(1018 haben wir schon 1147303 Renten festsetzungen) stellen wir folgende Hauptforderungen auf, die von jedem Menschenfreund unterstützt zu werden verdienen: Sofortige Erhöhung der Unfall-, Arbeit?-, Alter?-, Armen- rentcn zur Höbe der Erwerbslosen durch Staat. Gemeinde und Ber. sicherungSämter. Großzügige, humane Nevidierung der Reichs- verstcherungsvrdnung sowie städtischen Wohlkahrtsvflege, die dem Geiste dieser Zeit Rechnung tränt und für die Nnterstühungsberech- tigten positive? zeitigt unter Zuziehung von Jnvalidendelegierte» bzw. Gewcrkschastssrkretären. Bei Streitigkeiten in Fürsorgean- gelegenheiten ein varitätisch zusatnmenqcsetzter SchlichtungSaus- s»uk mit Vertrauensärzten, Rechtsbeiständen unseverfeits. Zu- fchiissen zu vnseren Fürsorgestellen. Mitbestimmungsrecht in allen Fürforaeangelegenheiten. Billige Lebensmittcl feiten? der Stadt für Schwcrinvalidcn. Verstü»imlu»g?zulagen bei Unfallverletzten. Steuerfreiheit, Ssrbcitöuachwcis, Heimausschüssc, Sclbstbcstim- mnNgsrccht._ Bevorstehende Auslösung der Garde»5?avallerie- Schützcn-Divifion. Wie die P. P. N. hören, wird demnächst die Garde-Kaballerie- Schützen-Division aufgelöst. Sie wird in die einzelnen Reichswehr- brigaden eingegliedert und der Stab verschwindet als solcher. Seine Mitglieder treten in den Brigadestab, in den Stab des Korps Lüttwitz oder in den Stab des Reichswehrministeriums über. Hoffentlich trägt das Verschwinden dieser i'o viel genannten militärischen Organisation zur Festigung des inneren Friedens bei. Unentgeltliche Lehrkurse für Proletarier veranstaltet von der Sozialistischen Arbeitsgemeinschaft an der Handelshochschule Berlin: Gemeindeschute Hinter der Garnison- kirche, Neue Friedrichstraße(am Stadtbahnhof Börse). Physiksaal: Französisch für Anfänger. Jeden Dienstag, abends 8—10. Beginn: 15. Englisch für Anfänger. Jeden Freitag, abends 8—10. Beginn: 18. Einführung in die Philosophie. Jeden Sonnabend, abends 7—9. Beginn: 10.— 63. Gemeindeschule, G>psstraße�8, allgemeine Kundgebung: Der Rcichsfinanzminiiter, die Reichsangcstcllteli und Reichsarbeiter. Referent: Bundcssetrctär Vallcnthin. Freie Aussprache. Pflicht aller Kollegen, vollzählich erscheinen. Die Bierpreiscrhiihung. Die Preisprüfungsstelle gibt bekannt: Die Erhöhung der Brauereipreise, insbesondere aber die erheblich erhöhten Lohnforderungen der Gastwirtsangestellten, sowie die auch sonst gestiegenen Unkosten haben zwar eine Erhöhung der Ausschank- preise für Bier erforderlich gemacht. ES können aber auch nnter Berücksichtigung dieser erhöhten Unkosten höchstens folgende Preise für in Groß-Berlin oder der Provinz Brandenburg hergestelltes Bier als angemessen angesehen werden: I. bei Gastwirtschaften ohne besondere Unkosten 0,60 M. für den halben Liter. II. bei Gast- wirtschaften mit höheren Unkosten 0,90 M. für den halben Liter, III. bei Kaffeehäusern und Äonzertlokalen, Kabaretts 1,20 M. für den halben Liter. Für Biere, deren Herkunft außerhalb der Provinz Brandenburg liegt, kann ein Zuschlag von höchstens 50 Proz. zu vorstehenden Preisen genommen werden. Bei kleineren Gemäßen sind diese Preise natürlich enlsprechend herabzusetzen. Zn der 50 Mark-Schein-Krisr teilt uns die Mehlfirma F. O. Schulz, Charlottenburg, Spreesiraße. mit, daß dies» Scheine von der Post und von Banken nicht mehr angenommen werden oder von letzteren nur noch, nachdem die Reichsbank ihre Echtheit bescheinigt hat, wobei sie die falsches nicht mehr herausgibt. Man könne es also den Geschäftsleuten auch nicht verdenken, wenn st« diese Scheine nicht mehr annähmen. Das sind ja heitere Dinge. Die Scheine find gesetzliche Zahlungsmitlel. aber sie werden boykottiert. Was gedenken die Behörden zum Schutz der Besitzer solcher Scheine zu tun? Neber die Auszahlung der Kriegsbefchädigtenrente klagt man yns:»Ich bm 1016 vom Militär entlassen und muß nach der Box- Hagener Stt. 26, um die 50 Mark zu erhalten. Vor der Haustür stand em Posten, von 20 Personen umringt, welche allerhand Fra- gen an diesen richteten. Aus meine Frage, ob ich heute noch mein Gel-d bekomme, bekam ich Äe Antwort: ich soll morgen früh um 0 Uhr kommen, dann werden wieder Marken für übermorgen aus- gegeben. ES werden aber rftir 150 Marken pro Tag ausgegeben und die Kameraden stellen sich schon morgens um 6 Uhr an, damit sie auch um 0 Uhr eine Marke bekommen. Ich hörte von einem Käme-, roden, daß er schon das dritte Mal bierhergefahren wäre, ohne erst mal' eine Marke zu erhalten. Auf dem Hof standen die Leute mit Marken w-ie früher die Frauen nach Butter an. Es heißt immer: Nehmt Rücksicht auf die Kriegsbeschädigten. Man könnte doch wohl nun wenigstens von den Behörden erwarten, daß sie mit gutem Beispiel vorangingen Sind denn die Militärbehörden, welche diese Sache bearbeiten, wirklich so beschränkt, daß sie ncht wiffen, wie sie es besser machen können?" Es scheint bald so, denn die Klagen über das Verhalten der Militärbehörden reißen nicht ab. Schießereien und kein Ende. In der Oudenarderftraße er- schien eine Rotte Burschen vor dem Hause Nr. 26. in der sich eine .e-chankwirtschaft befindet, und begehrten Einlaß, obwobl sie schon geschloffen war. Als ihnen vorn aus ihr Klopfen nicht geöffnet iwurde, kameltcu sie die Haustür auf. um von hinter, einzudringen. Der Wirt weigerte sich aber noch zu öffnen und jetzt feuerten die Burschen nenn Schüsse durch die Tür ab, ohne indessen jemand zu treffen. Als es dann wieder ruhig wurde, ging der Schankwirt mit seinem Sohn aus die Straße hinaus, um sich nach den Burschen umzusehen. Jetzt wurden sie aus einem gegenüber- liegenden Hause, in das sich die Burschen zurückgezogen hatten, be- schössen. Dabei wurde der Sohn des Schankwirts verwundet. Als er mit seinem Vater vom Arzl zurückkehrte, sah er zwei der Bur- scheu, die sich an den Ucberfall beteiligt hatten, des Weges gehen und ließ sie festnehmen. Die anderen waren inzwischen verschwun- den.— Als der Polizeiwachtmeister Hildebrandt, der vorgestern bei einem Kamps mir Einbrechern durch einen Streifschuß ver- wundet worden war, sich nach Anlegnug eines neuen Verbandes durch den Schillerpark aus dem Heimlveg befand, sielen ihm zwei Männer auf, die sich mit einem Fuhrwerk zu schassen machten, mit dem sie nicht umzugehen verstanden. Als er sich ibnen näherte, wollten sie die Flucht ergreifen. Es gelang ihm aber, den einen zu fassen. Der andere lief davon, wurde aber aus sein Zurufen von dem Publikum angehalten. Als er nun seine Pistole zog, um sich die Leute vom Leibe zu halten und die Waffe auf sie richtete, schoß der Wachtmeister aus ihn und traf ihn tödlich. Die Persönlichkeit des Toten und Verhafteten stehen noch nicht fest.— Der schwere Raubübcrfall aus das Schankwirtsehepaar Bros in der Kolonie- straße 137, der von einer Räuberbande, die sich als Gäste einge- funden hatte, niedergeschlagen, betäubt und um 23 000 Mk. beraubt worden war, hat zur Verbaftung zweier weiterer Räuber ge- führt, nachdem es bereits gelungen war. 7 Beteiligte hinter Schloß und Riegel zu setzen. Tie setzt Verhafteten Otto»Josef und Ar- tur Kirte hatten nicht nur ihren Benteanteil längst durchgebracht, sondern schon wieder mehrere andere Raubzuge unternommen. wegen der sie auch von der Spandauer Kriminalpolizei gesucht wurden. Handgranatenexplofionen. Als Sonnabend nachts kurz nach 12 Uhr in der Nähe des.Volksmarinehaufes" am Brandenburger Ufer einer der dortigen Militärposten unter Gewehr die ganz un- genügend erleuchtete Straße abpatrouillierte, wurde plötzlich eine Handgranate geworfen, die exvlodierte und die Straß» in Rauch einhüllte. Der Soldat nahm sofort in einem Hausflur Deckung und stand mit dem Gewehr im Anschlag. Er konnte aber aus dem erwähnten Grunde nichts bemerken. Kurze Zeit darauf exvlodierte eine zweite Handgranate. Weder der Soldat noch einer der Paffanten wurde verletzt. Die Explosion« waren vom Alexander- platz bis zum Moritzplatz hörbar und lösten in dem Staditeil, der infolge des Verkehrsstreiks noch stark belebt war, große Aufregung aus, umso mehr, als sich das Gerücht verbreitet hatte, daß ein An- schlag aus die Stadtbahn geplant wäre. Wie verlautet, ist eS bis- H4r noch nicht gelungen, den Vorfall aufzuklären. Von einem Bullen schwer verletzt wurde auf dem Berliner Schlachthof der Großfleischermeister Gauditz, Proskauer Str. 3, Gruppenführer der Schlachtgruppe 15. Ehe dem Gefallenen Hilfe gebracht werden konnte, riß das wildgewordene Tier dem Meister mit den Hörnern den Leib auf. Der Sckiwerverletzte, welcher erst vor kurzem aus dem Felde heimgekehrt ist, wurde in das städtische Krankenhaus übergeführt. Lankwitz. Zur Marktfrage schreibt uns unser Berichterstatter: Der Gemeindevorstand stellt in der in Nr. 347 des..Vorwärts" abgedruckten Einsendung die Tatsachen glatt auf den.Kopf. Wäre es richtig, daß der Gemeindsvorstand den Markt in eigener Regie verwalten und lediglich die damit bouustragte Person an den Ein- nahmen interessieren wollte, so wäre die ganze Debatte überflüssig gewesen. Ein solcher Antrag wurde ja gerade vom Genossen il ck o gestellt und von dem sich demokratisch nennenden Schärfen Strei- ding aufs heftigste bekämpft. Der Plan war. den Markt einem kapitalkräftigen Manne gegen einen festgesetzten Pachtzins zur Aus- beutung zu"überlassen. Das ist wiederholt ausgesprochen worden und das geht auch aus dem Antrage des Gemeindevorstandes her- vor, der in der Gevieinde Vertretersitzung mit einer Stimme Mehr- heit angenommen wurde. Der angenommene Antrag lautet in diesem Teil: Die baldige Errichtung eines Wochenmarktes wird beschlossen und der Gcmeindevorstand zum Abschluß eines Per- träges mit einem Hauptpächter ermächtigt. Wenn jetzt der Gr- meindevorstand den sozialdemokratischen Antrag aufnehmen will. so soll uns das gewiß recht sein. Wir müssen es uns aber ver- bitten, die Sache so darzustellen, als wenn die vom Gcmeindevor- stand jetzt gegebene Darstellung seinem Antrage und seinen Dar- legunaen entspricht. Siemensstadt. Ein neues Kleinsiedlungsvnternrhmen. Unter der Bezeichnung..Ballgesellschaft Siemensstadt" hat sich eine G. m b. H. gegründet, welche aus der Stadtgemeinde Spandau, der Märkischen Heimstätte und den Siemenswerken besteht, die nördlich Siemens- stadt Kleinsiedlungen zu erbauen beabsichtigt. Es sollen nur Eigen- Häuser im Flachbau mit Gartenland errichtet werden. Die Hälfte der Baukosten soll der Wobnungsverband als UeberleuorungSzu- schuh beisteuern. Da sieb die eingangs erwähnte Baugesellschast nach Fertigstellung und Uebergabe der Häuser an ihre künftigen Besitzer, welche sich hauptsächlich aus Ardeftern und Angestellten des Siemenskonzern? zirsammensetzen, wieder auflösen soll, so haben letztere unter sich die„Eigenheim Siemensstadt" G. m. b. H. gegründet, zwecks Verwaltung und Bewirtschaftung der Siedlung. Bis auf weiteres findet die"Ausnahme neuer Mitglieder(Korpo- rationen ausgenommen: jeden Mittwoch von llo bis Vsl Uhr im Restauuant Heidetrug, Siemensstadt, statt. Daselbst werden Jnter- effenten auch Auskünfte erteilt. Mariendors-Südende, Gemeindevertretung. Abgelehwt wurde der Antrag der Unabhängigen, welcher den Beamten und Arbeitern eine einmalige Entschuldungssumme von 700 M. für Verheiratet«, 600 M. für Ledige und 200 M. für jede? Kind zugestehen wollte. Der Antrag des Schöffen Gen. Waldheim(den Angestellten und Arbeitern mit einem Gehalt bis 6000 M. 15 Proz., über 6000 M. 10 Proz.) würbe, weil unsere Fraktion dagegen war, zurückgezogen. Angenommen wurde der Antrag de» GemeindevorstandeS, den Beamten, Lehrern und Angestellten einen Gehaltsvorschuß nach den Berliner Sätzen aus die kommende Gehaltsregulierung zu gewäh- reu. Den Arbeitern und Hilssarbertern wird ebenfalls«in Lohn- Vorschuß von 20 M. für die Woche auf die in Aussicht stehende Lohnregulierung vorn 1. Juli ab für ein Vierteljahr vorausae-' zahlt. Ein weitergehender Antrag der Gemeindearbeiter auf Ge- Währung einer einmaligen Entschuldungssummc wird abgelehnt.— Nicht zu verstehen war die Stellungnahme der unabhängigen Fraktion; trotzdem diese den Antrag aus Gewährung einer ein- maligen Entschuldungssumme gestellt hatten, wollten sie die Be- amten und Arbeiter mit einer schönen Resolution ab- speisen, in der die Forderungen und Wünsche der Beamten und Arbeiter als berechtigt anerkannt wurden, man könne aber nicht dafür eintreten, weil ein großer Teil der Einwohner finanziell schlechter gestellt sei. Diese hätten aber für die entstehenden Mehr- ausgaben mit aufzukommen. Ter Gehaltsvorschuß ist also den Be- amten und Arbeitern gegen die Stimmen der Unabhän- g i g e n bewilligt worden.— Zugestimmt wurde einem dringlichen Antrag unseres Genossen Rostock, den Kindevn während der großen Ferien unentgeltliches Baden im Seehad zu gestatten. — Ausruf! Hin Beschädigungen und Diebstähle an den Feld- fruchten nach Möglichkeit auszuschließen, wird die Gemeinde einen Flurüberwachungsbienst einrichten. Es werden besondere Fcldpolizeibeamte eingestellt, deren Unterstützung durch die Einwohnerschaft dringend erwünscht ist. Einwohner, die bereit sind, diesen gemeindlichen Flurdienst freiwillig zu unterstützen, wer- den gebeten, dies persönlich im Rathaus, Zimmer 3. in der Zeit von 8— 12 Uhr zu erklären. Es kommen aber nur Einwohner in Frage, die mit dem Gebrauch der Waffe vertraut sind. Sie er, halten einen Waffenschein._ Groh-Berliner Lebensmittel. Brotkartenttichwort„Getreide". Berti«. Ausländisches Gesrierschwcinefleiich Dsund 4,75 M. oder Nährmittel in doppelter Menge. 250 Gramm amerikanische Speckware»(2 L). SchSneverg. Bis 15. Juli Voranmeldung(ör>/, Pfund amerflan. Weizenmehl(D 101, 400 Gramm Marmelade(27), 625 Gramm Nährmittel (49, 58), 125 Gramm Nährmittel für Jugendliche(39). Ausgabe: ohne Voranmeldung 250 Gramm Maismehl(56), 200 Gramm Hülienfrüchte(55), als Ersatz für fehlende Kartoffeln 750 Gramm Brot(52) und 500 Gramm Nährmittel(53),'I, Pfund amerikanisches Weizenmehl(0 9), 250 Gramm ausländischer Speck'(Z3), 50 Gramm Schmalz(B 9), 660 Gramm Nährmittel(44, 45), 250 Gramm Nährmittel für Jugendliche(37). An Kinder bis zum 17. Lebensjahr Ferienverieilung ron Keks, Schokolade, Kakao, Milchpudding und Leokuchen. Wilmersdorf. 250 Gramm Auslandssleisch oder Nährmittel(29), 750 Gramm Brot(50), 250 Gramm Kartoffelfcheiben(53). Weiterverkauf von 250 Gramm Kunsthonig(35), 400 Gramm Marmelade(27), 125 Gramm Reis(48). 500 Gramm Graupen(45), 200 Gramm Hülsenfrüchte(55), 250 Gramm Maissabrikate(49), je 125 Gramm amerikanische Schweine- flctschproduktc(Z 8 und F). Für werdende Mütter je 1 Dose Malzextrakt und Preiffelbceren. Für stillende Mütter 1 Dose Preiselbeeren. Für Kranke Eier(29). Brist.'I, Pfund Haferflocken(29),'L Pfund Reis(48), Vj Pfund ausländisches Maismehl(49). Für Jugendliche'/, Pfund Nährmittel(37. 38),>/, Pfund amerikanisches Mehl(I) lO).— 1'Hering je Person oder Ptund Heine Fische.(29), Sonderzuteilung(30). Für Kriegsbeschädigte Pfund Haferflocken(3).— 750 Gramm Brot(52) und'/, Pfund gedörrte Kartoffelfcheiben(53) als Kartoffelersatz. (Lharlorteuburg. 150 Gramm Teigwaren(43), 150 Gramm Kar- toffelflärkemebl(44), 500 Gramm Graupen(45), 500 Gramm Hascrnähr- mittel(46), 125 Gramm Reis(48), 250 Gramm amerikanisches PJoismchl (49), 250 Gramm Kunsthonig(63), amerikanisches Schweinefleischerzeugnis /, Uhr, Ostender Straße 39, F u n k t i o n ä r k o n f er c n z. 33., 34., 33. und 36., 44. nnd 43. Abteilung. Msttwoch, 7'/, Uhr, Funttionärkonjer-nz in der Schulaula, Grounstr. 11. 41. Abteilung. Mittwoch, VI, Uhr, Abteilungsvers ammlung in den Arminius- Sälen. Bremer Straße 73. Referent: Genosse Thomas. S. P. T. Funktionäre des SiemeuskonzernS. Morgen, Montag. nachmiitaas 3'/- Uhr, Konferenz aller sich zur S. P. D. bekennenden Metall- arbeitcr. Bertraucnsleute und Partcifunltionäre im Lokal»Zur Schleuse", am Bahnhos Jungsernheide. Erscheinen dringend notwendig. Mitgliedsbuch legitimiert. Drcptow-Bnumichnlenwcg. Dienstag, abends 7 Uhr, Ein- wohneroers ammlung im Spreeaartcn. Stellungnahme zur Ein- gcmemdung. Referent: Dr. N i e s e, stellv. Gemeindevorsteher. Gerichtszeitung. Wcgcn Schiebungen bei der Fettstelle Groß-Berlin waren angeklagt der Butiergrosthändler Rudolf Pockornh(Hehlerei) und die Bureaugehilfin Martha M.(Diebstahl). Gegen einen dritten Angeklagten, den ehemaligen Leiter der Fett- stelle,.Handlungsgehilfen D. ist das Verfahren auf Grund der Amnestie eingestellt worden: Pockornh hat etwa drei Monate in Untersuchungshaft gesessen und ist dann gegen eine Kaution von 100 OVO Mark auf freien Fuss gesetzt worden. Eine Anzahl psychia- tischer Sachverständiger hat den§ 51 St.G.B. für vorliegend erachtet, zu andcrm Gutachten ist Dr. Stürmer gekommen, der den Angeklagten nur als psychopathischen, hysteropathischen und deshalb minderwertigen, aber nicht als geisteskranken Menschen im Sinne des Z 51 ansah. Ein Obecgutachten des Medizinal- tollegiums schloss sich dem Gutachten des Dr. Stürmer voll an.— Pockornh bezog wöchentlich etwa 20 Zentner Butter von � der Fettstelle. Wie feine Verteidiger R.A. Bahn und Selten be- haupteten, habe er ausser au Kleinhändler u. a. auch an den Prinzen August Wilhelm, den früheren Reichskanzler v. Bcthurann Holllveg und Herrn v. Batocki Butter geliefert. Er hat den Krieg mitgemacht und ist verwundet worden. Da er seinerzert bei der Leibkompagnic des 1. Gacderegiments gestanden, hat er, wie die Verteidiger aus einem vorgelegten Briefe beweisen wollten, nach seiner Rückkehr aus dem Felde auch das wohlwollende Interesse der Prinzessin Eitel-Friedrich erregt.— Pockornh hat nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme es verstanden, sich, eine ganze Zeit hindurch mehr Butterkarten zuweisen zu lassen, als ihm zustand. Er erreichte dies dadurch, dah er zunächst' den D., und als dieser nicht mehr mitmachen wollte, die M. durch Ge- schenke bestimmte, von den bei der Fettstelle abgelieferten Fett- karten, die bereits die Kontrolle passiert hatten, grössere Mengen ihm zu übergeben, die er dann sofort bei der Fettstelle toiedcr ab- lieferte und darauf Butter bezog. Diese setzte er im Schleichhandel ab.— Der Gerichtshof verurteilte Pockornh zu 1 Jahr Zucht- Haus unter Anrechnung von 2 Monaten Untersuchungshaft, die M. zu 3 M o n a t e n 2 Wochen Gefängnis, Echte Äriminalbcamte als Bcschlagnahmcschwindlcr. Sonnabend hatten sich wieder zwei Polizeibeamte, der Polizei- Wachtmeister Friedrich Kalinowski und der Polizeiwachtmeister Karl E r d m a n n unter der Anklage deS Betruges in mehreren Fällen und Nötigung unter Mißbrauch der Amtsgewalt zu verant- Worten.— Wie die Verhandlung ergab, hatten die Angeklagten teils jeder für sich, teils gemeinschaftlich unbeauftragt Haussuchungen und Beschlagnahmungen vorgenommen und die Waren dann verschoben. Vor Gericht versuchten sich dieAnge- klagten hecauSzuve>den, indem sie'behaupteten, daß sie angeblich im Auftrage eines Lentnants Bohnen gehandelt hätten, der sie sogar in einem Militärauto au Ort und Stelle geschafft habe. Erdrnann behauptete ausserdem geisteskrmik zu sein und hatte hen Oberarzt Dr. Berg aus der Charit e laden lassen, der E. auf den Geistes- zustand untersucht hatte und jetzr vor Gericht bekundete, daß bei E. lediglich ein gewisse geistige Minderwertigkeit vorhanden sei. Das Urteil lautete gegen Kalinowski auf 1. Jahr 8 Monate Ge- fängnis, gegen Eodmann auf 0 Monate Gefängnis unter Anrech- nung von 8 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Wetteraussichten für das mittlere Norddcntschland bis Montag mittag: Zeitweise ausklarend, aber noch sehr veränderlich, be- sonders im Norden öfter etwas Regen, in den Tagesstunden mäßig warm. Könlistr. 21-26, f Treppe Knaben- Wafch- u. Woll- Anzüge in sehr grosser Auswahl. >r N V5 r* er •C� W A3 cO Entzückende Seidene Ängmädchen-Kleider 195, 255, 285. 5r3l,Ä?Ä*ffl25, 150. soch-w Seiden-Kostüme auch Bastseide, viele Farben zu den seltenen Preisen 250/— und 350.— �—..... N Außergewöhnilch schöne©dJtettC darunter kostbare Modelle Hochelegante Kostüme aus Wollstoffen für Damen und Backfische, neueste Formen, auch große Weiten. �Syidenc Kleiderröcke fesche Formen, riestge Auswahl Wasch-Kleiderröcke weiß u. farbig von SS,- an. Kleiderröcke aus Wollstoffen balunier farbige ä 65,- eeiden- u. Chiffon Blusen viele Farben, neue Formen. Weiße plquö. 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Juli starb an Lungenentzündung unsere liebe Gattin und Mutter, Frau Helene Schreyer geb. itziff. Im Namen der Familie Joset Schrcyer. Hannah Schreyer. Berlin S 14, Neukölln am Wasser 5. Die Feuerbestattung findet am Dienstag, den 15. Juli, mittags I Uhr im Krematorium, Gerichtstraße 36/38(Ringbahnhof Wedding) statt. 3322b Am Mittwoch, den S. Juli, adends SV- Uhr, entschlief sonst an den Folgen elneg Echfaganfalls unser lieber guter Vater, Echwieger- und Großvater J. D. Carl Griitzniaclier im 72. Lebensjahre. Namens der trauernden Sinterdfiebcnen Jean Bd. Fried u. Frau Me Beerdigung findet am Montag, den 14. Juli. nachm. 3i), Uhr, von der Hall« de» Elisabeth-Fried- dose», Prinzen- Allee, aus stau.-- Zahnarzt Korin, Schönhauser Allee 74* SedMW.�SZ"" Preuß, Brotmenflt. 70. Würmer Spul-, Maden- und Band- Würmer, bei Kindern und Erwachsenen, beseitigt sicher und ohne Gefahr das glinz. bewährte Mittel „Bitterin" für Erwachsene M. 4,55 für Kinder.. M. 3,55 inkl. Darmreinigungstee. 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Unbedingtes Erscheine» jedes Einzelnen ist notwendig! Tie Ortsverwaltung. I. 2l.: Rich. Kriegisch. Äekunntmachung der LettlebsMlevlasse m Stadkgemillde Bern«. Nachtrag VI zur Satzung der Bctriebskrankenkaffe der Stadtgemeinde Berlin. 86 erhält folgende Fasiung: ' g 88 � L Die jkaffenbeiträge werden auf!!>/, Hundertstel de« im Z 9 festgesetzten Grundlöhne» festgesetzt und je für 1 Woche de- rechnet: �befte.agea �K7«-b-tt-w�n wöchentlich wbchentllch 0M M. 0,88„ 0,90„ 1.32„ 1,85„ 1,98„ 231„ 2,84.. Sie beiragen: für die 0L9 M. 0.77. 1.18. 1/*„ 1,93„ 231„ 2,70„ 3,06„ Pumpen für ieden Zweck und Größe, kleinsteHand- pumpen zum Selbst- aulsteli.nach kostenlosen Anleitung. fachmänn. Rat. AltesSpezialhaus Viele Anerkennung. Carl KS(;bIin&Co., Berlin SW 68,• Alte JaKobstr. 20/22 I. Lohnstufe ...»-. -" III;" "' V VI.. ,„ VII. .. vill.. Berlin, den 20. Mai 1919. Der Vorstand der Betriebskrankcnkaste der Sfnbfzemslnde Berlin. gez.: V. Schulz. gu Tgd. Rr. 9571 B.A.K./I9. Genehmigt: Charloftenbnrg, den 25. Juni 1919. Oberoerflchecnngsamf Groh-Verlin. (L. S.) gez.: von GostkowskL Nr. PJL 222/19._____ Borstehenden Nachtrag VI vom 20. Mai 1919 zur Satzung bringen w(r hiermit zur Zienninis unserer Mitglieder. Die Beitragserhöhung tritt mit dem 4. August ISIS in Kraft. Berlin, den 10. Juli ISIS. 277/7 vefriebsfronfenkoffe der Skabfgerneinbe verlin. _ gez.: v. Schulz._ Jlaep,®"« E. Prinr.-Allee Herren- und Knibeomoden Berufski., Ein segn.- Anzüge, Joppen. Groß. "loiflag., eleg. Maßanl. Bln., feste Preise. Schreib- Maschinen! fast aller Systeme größ. Posten sofort versandt, ei.' ZekAekei' h Clauss I Berlin W 8 I Leipziger Str. 19 1 Allgem. OrtsMenkasse iiir Berlin• Marienilorf und Am Montag, ben 21. 3uli ISIS, abend» 64, Uhr, im Lokal von Max Streiter, Berlin- Mariendorf, Chauffeestraße 27 Austerordentliche Ausschuhfitzung der Vertreter der«rbetk- gebar unb Versicherten. Tagesordnung: 1. Aenderung bet S§ 20, Ziff. I, 22, Ziff. I<4. Nachtrag), Zia (nen), 32, Abf. 1. 72(4. Nach. trän, Ziffer I), 76, Ziffer II bei Aasstmlatzuna. 2. Beschluhfasiuiig über das Pensionoregulati» für die Be- amten und Angestellten. 3. Berschiedene». (Etwaige Anfragen und Beschwerden, bei denen Einficht- nähme in die Kassenakten er- soroerlich ist, sind spätestens bis zum 19. Juli d. I». dem Bor- stände schriftlich einzureichen. Berlin-Mariendorf, 277/5) den 10. Juli 191S. vre»asiraoorstand. Aug. Leip, Vorsitzender. JUWELEN Brillanten, Perlen, Perlenschn&re und sonstigen Edelstein- schmuck, Altgold, Silber, Platlna kaufen' I zu höchsten Preisen* mnnte&Co., 3Ze LelpzIicerSlr. 97— 98| i und Könlgstr. 36. Zigarren, Zigaretten ftautobaf n. Schnupltnbat «Erstklassige Marken.«Sehr große AuswahL BMgste Emkauss- quelle. Zigarren- u. Zigaretten- Vertrieb, Berlin NO. 18, Große Frankfurter Straße 87. S/IS laileveillriehlWg Eine lompL für Kolonialwarengeschäft ist sofort preiswert zu verlaufen. S efl. Offerten an I. Psichel. Irllow.BerNn. 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Es wird ersucht, Anfragen, Anträge oder Beschwerden, bei denen die Einsichtnahme in die Kassenakten erforderli-d ist, spä- testens drei Tage vor der Aus- schuß- Versammlung mitzu- ieuen. 277/8 Die Außerordentl. Ausschuß- »i��Ats.� Kenelgl-Vessammlting äeräterdelissse ekem. Pflug'scher Arbeiter (Hetzel'sche Kasse) Sonntag, den 27. Juli 1919, vormittags O'/jUhr, im Logen- Restaurant, Kl. Auguststraße. Tagesordnung: 1. Kassen- Bericht für das Halbjahr 1. 1.— 30. 6. 1919. 2. Bericht der Revisoren. 3. Bestimmung der Publika- tionsorgane 1919 bis 1920. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. 332ibk Der Vorstand. Die Geschäftsräume des diesigen Fürsorgeamt» für Krtegshinterbiiebeue, bisher Scharrenstr. 10, befinden sich van Donnersiaa, d. 17. d. M. ab im hiesigen Sfookschloh, linker Flügel, 1 Treppe. L82D Ehgrlottenburg, 10. Juli 1919. S« Magistrat. Markenfreie Lebensmittel ohne Beschränkung an jeden Groß-Berlinev Einwohner wer- den abgegeben: Gedörrte bosnische Pflaumen, fleischig». süß, per Psd, 4,40 M. Gemüse-Erbsen, delgisd)e Bare. 1 Dos- 3,50 M. Eaiierlohl I Pfd. 0,10 M. Eveisesalz, Tafel» und Köchsalz, l Pfd. 0,08 M. � Stärke, ausländische Marke Erelsior, l Pfd. 17,50 M. Eichorien-Kasiee 1 Pfd. OPV M. Tee in lOO-Gramm-Pakeien, 1 Paket 0,10 M. Bouillonwürfel Stück 0,08 M. Lorbeerblätter 1 Psd. 1,80 M. Knochenbriihertrakt l-Pfund- Dose OPO M. 388D' Toiletteseise Stück IM BL Sultaninen>/, Pfd. 3 W.. Gemeinde berkv-Srili VertausssteAe Hanarmannstr. veknnnkmenhung. Als Karioffelersatz»erden sofort aus Adfchnitr 5l de, Groß-Berliner Lebensmittel/ karte 250 Gramm gedörrte Karioffelscheiben je Perio» ver- abfolgt. 368®- Die Kartoffelkleinhändier er- hatten die Ware am Lagerpia« der Gemeinde von 8—3 Uhl täglich. Berlin-Britz. denlO.ZnI, INS Der Gemeindeoorstand. Schmiedigen, Bürgermeister. Beeanntmadiung.' DiejenigenBritzerEinwohnev die am Montag, den 7, unk Dienstag, den 3. Juli 1910, dae für die Woche vom 30. Juni bis 8. Juli 1919 rlielständigi amerikanische Mehl in der Ge- meindeverkaufsstelle Ruiigi»»/ Ecke Sannemannstraße, irr. tümiich zum Preise von SS. 0,81 erhielten, haben den Unter. schiedsbeirag zwischen M. 2,21 und M. 0/84 mit M. IM nach. träglich bei der obengenannte« Verkaufsstelle am Monlag, de« 14. und Dienstag, den 15. Juli d. J-, entsprechend ihren Aus- weisnummern möglichst unter Vorlage des in Frage koaunen, den Kaflenzetieis einzuzahlen Berlin-Britz, den 10. Juli ISIS Der Geuieindevarstand. Kochherde für Haushalwngen. trau». portableKachelöfen.ciserne Oesen, Gaskocher, Wasch- keffel, verz, und cmaill. liefert vom Lager F. H. Max Ladeniann ö. m.b.H., Seydelstraße 12/13. 5,�.'->0 �'s, s/y�sy/s''*'-��s s. �-o' � �-->--> � /-, weIB. zu erhalten und zu behalten ist der Wunsch jedes Menschen', der seinen Körper pflegt. Die Lebensweise des Kulturmenschen bedingt einen vorzeitigen Verfall des Gebisses, der y'yr' nur aufgehalten werden kann durch eine regelmäßige Zahnpflege. Die Zahnpasta\ ■V„Kaliklorä" erfüllt alle Bedingungen für die Erhaltung der Zähne, sie reinigt die'h*• f Zwischenräume der Zähne von den Speiseresten und desinfiziert Mundhöhle und'i. Rachen sorgfältigst. Besondere Salze lösen Zahnstein und Zahnbelag auf und j erhalten somit das Zahnbein und seinen natürlichen Schmelz. Schlechter Mund- � gcruch und fader Geschmack wird gründlichst beseitigt durch das köstliche Aroma./ < Große Tube M. 2,— Kleine Tube M. 1,20 Sj - Hersteller:——— Queisser& Co., Q. m. b. H. Hamburg 19. � jeder Form und Art in allen mo- dernen Karben und in allen gang« baren Stoffen in gewaltiger Aus- wähl, ganz außerordentlich billig in diesen fünf Hauptpreislagen. �ZÄZZI�K un«j kompL �ohnur-oseinricrtfungen Herren- u. Spetfezlmmer WoKn- ix. 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Da- neben haben die Gemeinden mit den kommunalisierten und noch zu kommunalisierenden Betrieben eilte Armee von Menschen- krästen in ihren Diensten. Und all diese Kräfte arbeiten nicht für privaten Kapitalsgewinn, sondern lediglich für den not- wendigen Tagesbedarf ihrer Volksgenossen, sei es in der Ver- waltung, sei es in der Produktion. Soweit ihre Löhne und Ge- hälter nicht aus Betriebseinnahmen Deckung finden, müssen sie von den Volksgenossen aus Steuern aufgebracht werden. Das hat zur Folge, daß ihre Lebenshaltung nicht so von der Prosperität des Geschäfts, von der guten oder schlechten Konjunktur abhängig ist als bei dem Industriearbeiter. Arbeitslosigkeit, Aussetzen mit Lohneinbuße sind ihnen in der Regel unbekannte Dinge. Dafür haben sie freilich auch nicht jene Bewegungsfreiheit in der Aus- Nützung der Konjunkturen,' wie der Avbeiter im freien Wettbewerb. Abgesehen von der Rücksicht aus die— meist vorhandene — Lebensstellung verbietet ihnen das eigene Berantwortungsge- fühl, ihrem„Arbeitgeber", dem Volksganzen, einmal plötzlich so „den Bettel vor die Füße zu werfen", wie es etwa der ohne Kündigung und Bindung angestellte Maurergeselle tun dürste, denn all solche Plötzlichkeiten würden ja nicht einen einzelnen, sondern eben der Volksmenge bitter treffen. Die willkürliche Ein- stellung der Lebensmittelverteilung, des Transports, Verkehrs, der Licht- und Wassererzeugung, der Anstaltsversorgung der Kranken, der Abwässerbeseitigung, der Brennstofferzeugung u. a. m. kann an den einzelnen Orten direkt verheerende Folgen haben. Solche Fälle können deshalb auch immer nur das letzte, das allerletzte Mittel sein, wenn wirklich„der Gedrückte nirgends Recht kann finden". Das aber dürfte im sozialen Staat eigentlich nie ein- treten. Gegenseitiges Verstehen des Möglichen müßte hier leicht sein. Adel verpflichtet, aber nicht nur die Arbeiter und Angestellten, sondern in erster Linie auch den Arbeitgebor, hier das Volk selbst. Wo wie hier die Lebensnotwendigkeil des Betriebes für die All- gemeinheit den Arbeinehmer, wenigstens moralisch, in seiner Eni- schlußfreiheit einschränkt, hat der Arbeitgeber Staat oder Gemeinde doppelt die Pflicht darüber zu Wache n, daß jeder der bei ihm Beschäftigten die Möglichkeit zum Leben hat. Er muß ver- hindern, daß es in dem Heer von Angestellten neben einigen glän- zeirden Einkünften in der Tiefe Gruppen gibt, die aus den Sargen nicht herauskommen. Will man Explosionen verhindern, gilt es den Zündstoff zu beseitigen. Die im öffentlichen Dienst vielfach noch vorhandenen krassen Einkommensunterschiede sind eine übernommene Schwäche der alten Verwaltung, die ja nicht von heute auf morgen zu beseitigen ist, die aber die an Arbeitgebereinfluß erstarkte Arbeiterschaft all- mählich abbauen muß. Bei der überstürzenden Fülle der neuen Aufgaben vermag auch die beste Leistung nicht so schnell in alle verborgenen Tiefen des Systems einzudringen. Hier können unsere parlamentarischen Körperschaften praktische nutzbringende Arbeit leisten, indem sie überall einzelne ihrer Mitglieder beauftragen und von den maß- gebenden Behörden die erforderlichen Unterlagen erzwingen, um „von Amtswcgen" die Arbeits- und Einkommensverhältnisse aller Beschäftigten zu prüfen und nicht erst, wenn sich endlich in ihrer Verzweiflung eine durch die Entwicklung unbeachtet zurückge- bliebene Kategorie recht lebhaft meldet. Unsere parlamentarischen Vertreter müssen immer das gute Gewissen Halen, daß für alle ihrer Obhut unterstellten„Arbeiter des Volkes" so gut gesorgt ist, als eS die Zcitverhältnisse und das allgemein« Niveau zulassen. Für die Aufbesserung wirklich schlecht gestellter Kräfte wird stets die öffentliche Meinung zu haben fein. Um dieser aber ein Urteil zu ermöglichen, ist jederzeit eine objektive Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse(Tages-, Jahreseinkommen) der um- strittenen Kreise erforderlich, eine Vergleichsmöglichkeit mit der allgemeinen Lebenshaltung, die das Publikum gerade bei den gegenwärtigen Wirtschaftskämpfen schwer vermißt. Ohne solchen Einblick ist der Oeffentlichkeit ein Urteil unmöglich. Willkürlich herausgerissene Bruchstücke höchsten oder niederen Einkommens können freilich nicht genügen. Lausend aber sollten diesen Ein- blick sich die verantwortlichen Vertreter des Arbeitgebers Volk per- schassen. Adel verpflichtet und Vertrauen gleichermaßen. produktive Erwerbslosenfürsorge. Von einem Obmann des Angestelltenausschusses einer hiesigen Firma der chemisch-pharmazeutischen Branche erhalten wir zu unserem Artikel in der Abendausgabe vom 10. Juli betreffend „Produktive Erwerbslosenfürsorge" folgende beachtenswerte Zu- schrift: „Seit einiger Zeit bereits trägt sich unsere Firma mit der Ab- ficht, einen Teil des jetzt noch zirka 83 Personen zählenden Bureau. Personals zu entlassen, mit der Begründung, daß der jetzige Ge- schäftsgang es erforderlich mache, die Unkosten durch Reduzierung des Personals herabzusetzen. Diese Reduzierung des Personals soll durch Einschränkung einiger Abteilungen möglich gemacht werden. Man hat angeblich erkannt, daß einzelne Arbeiten, die jabrelanz für nutzbringend und als im Interesse der Forcierung des Geschäfts liegend erachtet wurden, überflüssig resp. entbehrlich seien. Man befürchtet auch wohl, daß durch den bevorstehenden Tarifvertrag das Gehaltskonto eine weitere Erhöhung erfahren wird, die um so be- trächtlicher sein dürfte, als die Gehaltsaufbesserungen bisher weit hinter den Verhältnissen der jetzigen Zeit zurückgeblieben sind. Da unsere Firma sich anläßlich der Ängestelltenbewegung im März/April dieses Jahres verpflichtet hat, Kündigungen nur im Einverständnis mit dem Angestelltenausschuh vorzunehmen, so steht der letztere in einem ständigen Kampf mit der Geschäftsleitung bezüglich der Zu- stimmung zu den Entlassungen. Ter Angestelltenausschuß steht auf dem Standpunkt, daß der augenblicklicfie Geschäftsgang allein nicht ausschlaggebend dafür sein darf, eine Anzahl Kollegen resp. Kolleginnen auf das Pflaster zu setzen bezw. der Erwerbslosenfnrsorge zu überantworten und da- durch den Arbeitsmarkt zu belasten. Wenn einzelne Arbeiten schließlich momentan auch entbehrlich oder weniger dringend resp. eventuell ausschicbbar sind, so. meinen wir, sollten diese doch vorgenommen werden. Einmal im Interesse der Weiterbeschäftigung des Personals; dann aber auch als Vor- bereitung für einen möglichst flotten Wiederaufbau. In den Vorkriegsjahren sind riesige Gewinne gemacht, aus denen im Interesse des Ganzen jetzt wohl Zubußen geleistet werden können. Leider hängen aber die Befugnisse der Ausschüsse bezüglich deren Mitwirkung bei der Regelung der Produktion und betreffend den Wiederaufbau der Industrie und der Volkswirtschaft total in der Luft. Sonst würde es möglich sein, unserer Ansicht zur Geltung zu verhelfen, wonach da? eingetretene Abflauen des Geschäfts ein temporäres ist und mit Entlassungen abgewartet werden muß, bis die bevorstehenden, auch in früheren Jahren für unser Geschäft günstigeren Wintermonare die Lage erleichtern werden. Im übrigen ist es selbstverständlich rationeller und in jeder Beziehung vorteilhafter für die Gesamtheit, wenn die bisherigen Ausgaben der ErwerbSlosenfürsorge zu produktiven Anlagen ver- wendet werden. Wenn sich diese Ideen zunächst vielleicht auch nur zu einem Teil verwirklichen lassen werden, so ist doch nicht zu ver- kennen, daß bei der heutigen trostlosen Lage jeder, selbst der kleinste Fortschritt bezüglich der Nutzbarmachung der menschlichen Kraft und der materiellen Güter von eminenter Bedeutung ist. Warum soll man schlimmstenfalls nicht einzelnen Unter- nehmungen, welche nachweislich durch die Ungunst der Verhältnisse augenblicklich besonders schlecht dastehen, Zuschüsse zu den Gehalts- resp. Lohnzahlungen gewähren, wenn dadurch vermieden werden kann, daß Arbeitnehmer den öffentlichen Kassen zur Last fallen und dem erwerblosen Müßiggang swnie allerlei moralischen und Wirt- schaftlichen Gefahren ausgesetzt werden?" Iugenüveranstaltungen. Tüd-Vften. Wrangdstr. 128, schule. Morgen, Montag, abends 7 Uhr, Bortrag und Dlslusjion: Sozialismus»nd Kommunismus.— Jeden Dienstag»nd Freitag Spielen mit der Abteilung Treptow. Spielwiese ß in Treptow, abends von 6 bis Dunkelheit. 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Die Stelle des Stadtkämmerers der Stadt Königsberg Pr. ist, da der bisherige Inhaber in den Ruhestand tritt, sofort neu zu besetzen. Die Anstellung erfolgt nad) den in der Städteordnung für die besoldeten Magistratsmitglieder vorgesehenen Bestimmungen aus 12 Jahre. Das ruhegehaltsberechtigte Gehalt ist vorbehaltlich der Genehmigung durch den Bezirksausschuß auf 15 000 M., alle drei Jahre um 1000 M. bis 18 000 M. steigend, festgesetzt, Daneben wtrd bis auf weiteres eine Tcucrunoszulage von 3000 M. und Ainderzulage von 400 A!. für jedes Kind gewährt. Die Uebernahme besoldeter Siebenämter ist nicht gestattet. Bei Dienstunsähigkeit wird ein durch Ortsstatut geregeltes Ruhe. geholt gezahlt. Geeignete Bewerber werden ersucht, ihre Bewerbungen unter Beifügung eines Lebenslaufes und der die Befähigung nachweisenden Zeugnisse an den Unterzeichneten, Aneiphöfilches Rathaus, bis zum 2. August ISIS einzusenden. Königsberg Pr., den 2. Juli ISIS, Vor Sfabtoerordnelen-Dorsteher. Cohn. 128/7* SMMGWM. Das Gewerkschastskartell yeibefberg suchtneben dem Arbeitersekretär auch einen Gemerkschasfssekretdr. Derselbe mutz die Geschäfte des Kartells leiten und den Arbeitersekretär vertreten. Gewerkschaftliche Erfahrung und sozialpolitische Kennwisse Borbedingung. Bewerber wollen sich unter Angabe ihrer seitherigen Tätigkeit bis längstens 1. August nebst Angabc ihrkr Gehaltsansprüche an untenstehende Adresse melden. Llirlstian Stock Arbeitersekretär 265/7 Heidelberg, Rohrbacher Et?. 13. Meister für Metall■. Dreh» und Fräsearbelten verlangt. Nur schriftliche Angebote mit Gehaltsforderungen an F. Gaebert, Berlin, CS4, Sophienstr. 22122a. 122/12 Beamtenstellung finden Kapitulanten und Unteroffiziere des Heeres, der Marine und der Reichswehr als Wachtmeister der Sicherheitspolizei des Berliner Polizeipräsidiums. Gebührnisse: Unter-Wachtmeister 9.— Mark täglich, höhe re Dienstgrade und Verheiratete entsprechende Zulagen. Freie Verpflegung und Unterkunft. Zivilversorgungsschein u. ISOO.— M. Dienstprämie nach 12 jährig. Gesamtdienstzeit. Meldestellen: Berlin C, Prinz-Friedrich-Karl-Straße, Alexander- Kaserne Ost, Zimmer 49. Berlin SW., Friedrichstraße 4. Berlin-Moabit, Turmstraße 95, Neues Kriminalgericht, Zimmer 157. Berlin SW., Friesenstr. 16, Am Tempelhofer Feld, Augusta- Kaserne. Auskunft von 9-3.— Papiere und Uniform mitbringen. Erleichterter Uebertritt für Reichswehr-Angehörige. Stellen noch frei für: Flugzeugmonteure, Kraftfahrer, Punker, Fernsprecher und technisches Personal. Für Auswärtige: Schriftliche Bewerbung an die Meldestellen. 370D Zum möglichst baldigen Eintritt wird ein in Propaganda- und Organisativnsfragen bewanderter smlilihS'SellM gesucht. Die Stellung ist dauernd und gut dotiert. Ausführliche. vorläufig schriftliche Offerten an den Verband der Angestellten von Blusen, Kostümen und verwandten Artikeln e. V. 3331b komtniiiibankeostraüe 63 64. Glaserkittfabrik Meister sucht erfahrenen gegen hohes Einkommen. des„Vorwärts". 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Gemeindesekretär, jüngerer, perfett, nachweislich selbständig gearbeitet, zum baldigen Antritt gesucht. 3K7D* Bewerbungen mit Angabe der Gehaltsansprüche richten an Gemeindevorsteher Hader, Nieder- lehnte Kreis Beeskow-Storkow Niederlehme, den 8. Juli 1919 Set Gemeindevorsteher. Daher. Feldbahnunternehmen sucht tüchtigen Lagerplatz- vetwnliet. Nur branchetun- dige Bewerber wollen stch melden unter L. 28 an die Exped. des„Vorwärts". 3284b* Tüchtiger Redner und Organisator, z. g. im bes. Gebiete, sucht innerhalb Partei geeigneten Wirkungsttels. R. Fvitz,, 371®* i.,«estu! Sinzig a. Rh., umer Weg. IM in Leipzig sucht vollkommen eingerichteten Arbeifet ober Ütcheiiecin für die elektrische Punkt» und Stumpf» schweitzmaschine zur Herstellung von Drahtgestellen. Der Posten soll vollkommen selbständig gemacht werden. Bewerber müssen also imstande sein, eigene Anordnungen zu treffen. Hergestellt werden Lampenschirme, Körbe u. ähnliches. Angebote an vNxva!«! 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Unter ihnen werden viele sein, die kieg-getraur ins Feld gezogen sind oder die jetzt heiraten wollen. Somit erheoi sich di« Frage: Ist ihnen die Möglichteit gegeben, sich cm eigene- Heim zu schassen? Tie Nntwort ist ein glattes Nein, Abgesehen von der Wohnungsnot und�Wohnugsteuerung dürite die Möbel- tnappheit und die enorme Steigerung der Preise für Möbel und Haushaltungsgegenstände die Errichtung eines Heims, die Grün- düng einer Familie den meisten der Heimkehrenden unmöglich machen. Noch immer füllen die Spalten der Tageszeitungen zahl- reiche Anzeigen, in denen Wohnungen mit Einrichtungen zum „Kauf" gesucht und angeboten werden, natürlich zu Wucherpreisen. 'Sollten die berufenen Instanzen denn wirklich nicht in der Lage sein, diesem Unfug abzuhelfen und den Wohnungs- wie Zimmer- Handel zu inhibieren? Der Zweck dieser Zeilen soll aber insbesondere sein, die Aufmerksamkeit der zuständigen Stellen aus eine andere Erscheinung zu lenken, dos ist der Handel mit Alt- möbeln. Mit der durch die Schwierigkeiten der Rohstoff- beschafsung, die steigenden Löhne und die ständig sich mehrenden Kosten der Lebenshaltung bedingten Verteuerung der Preise für neue Möbel geht seit Jahren bereits Hand in Hand eine ungeahnte Zunahme des Altmöbelhandels, verbunden mit gerade- zu wucherischen Forderungen für solche. Wer aufmerksamen Auges die Siraßeu Berlins durchgeht, wird mit Erstflunen feststellen müssen, wieviel neue Ladengeschäfte, die Altmöbel vertreiben, sich aufgcton haben. � Ich selbst habe z. B. allein in der Nähe.des Wime-. fechtplahes sechs kurz hintereinander eröffnete Altmöbelgeschäfte festgestellt. Das Geschäft mutz sich also lohnen! Gerade die minder. bemittelten Kreise der Bevölkerung, zu denen in erster Linie die Kriegsteilnehmer und besonders die Kriegsgefangenen gehören, sind bei der Gründung eines Haushalts auf den Ankauf alter Möbel angewiesen. Den Altkleiderhandel hat man seit langem erfaßt und kommunalisiert. Ich fordere daher die zuständigen Stellen im In- teresse der ärmeren Bevölkerung, die ein ungleich größeres Recht bat. sich ein eigenes, menschenwürdiges Heim zu schaffen als die Kriegsgewinnler und Schieber, aus, unverzüglich für die Kom- munalisierung des Altmöbelhandels Sorge zu tragen. Nur soziale Taten werden die Bevölkerung wieder zur Ruhe kommen lassen, Arbeit und Neuaufbau ermöglichen! /tas öer preußischen Lanötagsfraktion. Die Preußische Landtagsfraktion der S. P. D. hat folgenden Antrag W o l d r und Genossen eingebracht: Die verfassunggebende Preußische Landesversammlung wolle beschließen: Die Reichsregierung zu veranlassen, sofortige Maßnahmen zu treffen, um die Umgestaltung der industriellen Staatsbetriebe zu geeigneter F r i e d e n s a r b e i t in die Wege zu leiten und die schleunigste EntMilitarisierung der Betriebe herbeizu« führen. Ferner erging folgende dringende förmliche Anfrage der Abgg. Schmidt-Cöpcnick und Genossen: Nach Nachrichten aus dem Lande, besonder? Pommern, Schlesien und Brandenburg werden seitens der Landwirte Abmachungen ge» troffen, die organisierten land- und forstwirtschaftlichen Ärbeit- nehmer. Arbeiter und Angestellte, zu entlassen, weil diese von dem gesetzlich gewährleisteten Bereinigungsrecht Gebrauch machen. Diese Entlassungen erfolgen zum Teil plötzlich, zum Teil zum nächsten vertraglichen Kündigungstermin zum Herbst. Die Arbeitgeber werden ehrenwörtlich verpflichtet, organisierte Arbeitnehmer, besonders solche, die Vertrauensämter in den G e- w e r l s ch a f t e n ausüben, zu maßregeln. Ein solches Vorgehen verstößt gegen die Bestimmungen des § 16 der vorläufigen Landarbeitsordnung vom 24. Januar 191S, wonach politische und gewerkschaftliche Betätigung kein EntlaffungS» grund ist. Wenn Arbeitnehmer versuchen, die abgeschlossenen Tarifver. träge durchzuführen, wird diesen mit Entlassung gedroht. Ferner wird bei an sich geringfügigen Streitigkeiten seitens der Landwirte Militär herbeigeholt. Landwirte oder deren Beauftragte, wie auch Gendarmen und Hilfsgendarmen greifen bewaffnet in Lohnverhand» l u n g e n ein. Durch diese Maßnahmen wird das Verhältnis zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern verscbärft und drohen Ernte st reiks auszubrechen, die durch das Verhalten der Landwirte direkt hervor- gerufen werden. Was gedenkt die Staatsregierung gegen dieses Vorgehen eines immerhin erheblichen Teiles der Landwirte, das planmäßig von den sogenannten Land bänden gefördert wird, zu tun, und wie ge- denkt sie die arbeitswilligen Landarbeiter gegen diesen Terra» rismus gewisser Kreise der Landwirte zu schützen? Deutsiber Seamtenbunö und Regierung. Der Ministerpräsident Bauer läßt in der.Deutschen Allge» meinen Zeitung" erklären, daß die Nachricht, er habe den Vor- tretern des Deutschen Beamtenbundes die Zusicherung gemacht, im Verlaufe des September 1S19 würde eine einmalige Entschuldungssumme zur Auszahlung kommen, nicht den Tat- fachen entspräche. Er habe nur zugesagt, daß die Frage einer Teuerungszulage nochmals Gegenstand der Beratung mit den Regierungen der Freistaaten und den Bcamtenvertretern sein solle, und daß bei einer etwaigen Gewährung an ein« Auszahlung vor Ende September nicht gedacht werden könne. Ausführungen im gleichen Sinne haben der preußische Fmanzminister Dr. S ü d e- k u m im Staatshaushaltsausschuß und der preußische Eisenbahn- minister Oes er im Plenum der preußischen Landesversammlung gemacht. Demgegenüber stellt der Deutsche Beamtenbund fest, daß seine Vertreter in den Verhandlungen mit dem Reichskabinett am 4. Juli 1919 in Weimar den unzweifelhaften Eindruck gewonnen haben, daß die g r u n d s ä tz l i ch c Z u s a g c, eine eimnalige Beschaffungs- summe zugewähren, abgegeben worden war. Auch die Mgeord- neten der Nationalversammlung, die an den Verhandlungen mit dem Kabinett teilgenommen hatten, waren der gleichen Meinung. Gelegentlich der Besprechungen im interfraktionellen Beamtenaus- schuß der Parteien hielten sie besondere Maßnahmen seitens des Ausschusses in der Frage der Beschaffungsbeihilfe nicht mehr für nötig, da die Zusage der Regierung bereits vorliege. Vertreter des preußischen Furanz- und des preußischen Eisenbahnministeriums waren bei den Verhandlungen mit der Reichsvegierung nicht an- wesend. Durch erneute Verhandlungen mit den Regierungsstellen, auch den preußischen, wird der Deutsche Beamtenbund die Wider- sprüche aufzuklären suchen uud eine klare unzweideutige Stellungnahme der Regierung herbeiführen. Den interfraktionellen Beamtenausschuß der Deutschen Ratio- nalversammlung wird er sofort veranlassen, in der Frage der Ge- Währung einer einmaligen Beschafsungsbeihilfe energische Schritte zu unternähmen. Erhöhung der Srotration. Weimar, 12. Juli. Vom 1. Oktober ab wird eine Erhöhung der Brotration erfolgen. Zugleich soll mit der neuen Ernte eine geringere Ausmahlung des Getreides erfolgen, um für die Vichfütterung eine größere Menge von Kleie zu gewinnen. Es sind in Argentinien ferner große Getrcidemeugen aufgekauft, die bereits zum Teil auf dem Wasserwege unterwegs find. Die Vermögensabgabe. Ter..Reichsanzeiger" wird die SL Paragraphen des Gesetzentwurfes bringen, der die Bezeichnung„Entwurf eines Gesetzes über das Rcichsnotopser" trägt. Der§ 1 und Leitsatz lautet: „Ter äußersten Not des Reiches opferr der Besitz durch eine nach den Vorschriften dieses Gesetzes zu bemessende große W- gäbe vom Vermögen(Reichsnotopfer)". Die Abgabenvfl'cht erstreckt sich auf die Angehörigen des Deut- schen Reiches, aus staatenlose Personen, wenn sie im Deutschen Reich einen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt haben, auf Aus- länder, die sich im Deutschen Reich dauernd des Erwerbs wegen aufhalten. Daneoen sollen Aktiengesellschaften. Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Versicherungsgesellschaften aus Gegencitig- keit, eingetragene Genossenschaften, landschaftliche und ritterschaftliche Kreditanstalten, Aerggewerkschaften usw., aber auch alle sonstig gen juristischen Personen, sowie nichtrechtsfähige Vereine und Stif-. tungen ahne juristische Persönlick>?eit, wenn auch mit Unter- schieden, der Abgabe unterworfen werden. Abgabeftei sind 1. die Gliedstaaten; 2. die Gemeinde» und sonstigen Kommunalverbände aller Art; 3. die Kirchen sowie die kirchlichen und religiösen Gemeinschaften; 1. Anstalten, die mangels eigener Miiiel vom Reiche von den Gliedstaaten oder von sonstigen öffentlich-rechtlichen.Körperschaften teilweise oder dauernd unterhalten werden; 5. die Reich sv an k; 6. die Anstalten der reichsgesetzlichen Unfall-, Invaliden-, Krankenversicherung und Ver- sicherung für Angestellte; 7. die aus Gegenseitigkeit gegründeten Witwen-, Waisen-, Sterbe-, Krankenkassen und Kasskn ähn- licher Art; 8. Stiftungen, Anstalten oder Vereine, die ohne Beschränkung aus einen bestimmten engeren PersonenkreiS und ohne Erwerbsabsichten ausschließlich einem oder mehreren der nach- folgend genannten Zwecke dienen: der Armenpflege, der Kranken- pflege, der Wöchnerinnen?, Säuglings-, Kleinkinder- und Waisen- pflege für Minderbemittelte, der Fürsorge für Kriegsteilnehmer oder Hinterbliebenen von Kriegsteilnehmern. - Vermögen im Sinne des Gesetzentwurfs ist das gesamte de- wegliche und unbewegliche Vermögen nach Zlbzug der Schulden, wobei jedoch Haushaltungsschulden und Schulden und Lasten, die in wirtschaftlicher Beziehung zu nichtabgabepflichtigen Vermögen»- teilen stehen, unberücksichtigt bleiben. Zum Vermögen gehört unter anderem auch der Äapitalwert der Rechte auf Renten und andere wiederkehrende Nutzungen und Leistungen, ferner noch nicht fällige Ansprüche aus Versicherungen. Dagegen sind nichtabgabepflichtig Ansprüche an Witwen-, Waisen- und Pensionskasscn, Ansprüche aus einer Kranken- oder Unfall- Versicherung usw., aus Renten und Bezügen, die mit Rücksicht auf ein früheres Arbeits- oder Dienstverhältnis gewährt weroen. Zum steuerbaren Vermögen gehören auch nicht Möbel und Ha u s r a t, wohl aber Edelsteine, Perlen oder Gegenstände aus edlem Metall, soweit ihr Gesamtwert den Betrag von 29 099 Mark übersteigt. Das Vermögen der Ehegatten wird zusammenge- rechnet, sofern sie nicht dauernd voneinander getrennt keden. Schenkungen, die der Abgabepflichtige oder seine Ehefrau nach dem 31. Juli 1914 an Kinder oder an deren Abkömmlinge vorgenommen hat, sind dem Vermögen des Schenkenden hinzuzu- rechnen. Von größtem Interesse ist die Höhe der Abgabe; sie beträgt für die inländischen Aktiengesellschaften usw., für die sonstigen inländischen juristischen Personen, für nichtrechtsfähige Vereine, Stiftungen usw. 19 vom Hundert des der Abgabe unterliegenden Vermögens. Das bedeutet gegenüber den Abgabe- gesetzen für die sonstigen Abgabepflichtigen eine wesentliche Er- Mäßigung, die aber, soweit es sich um Aktiengesellschaften, Gesell- slbaften mit beschränkrer Haftung handelt, schon wegen der Doppel, besteuerung(Gesellschaft einerseits, Aktionär andererseits) be- rechtigt ist. Die für die sonstigen Abgabepflichtigen vorgesehene Abgabe beträgt für die ersten angefangenen oder vollen 59 999 Mark de» ab- gabepflichtigen Vermögens 19 v. H. Mk. für die nächsten angefangenen oder vollen b9 909 12 v. H. „„„» w„ 109 090 lo„ „„„„*.. 200 000 20„ „„ ,,„»> 200 900 2o« „*„„„„ 200 000 30„ .„„..„„ 200 000 35„ ,„„.. 500 000 40„ n*,,„ mw 500 000 45„ „ 1 000 000 50„ »„„.„«» 2 000 000 55 » 2 000 000 60, für die nächsten weiteren Beträge 65 Abgabepflichtig ist nur der den Betrog von 5000 Mk. über, steigende Teil des Vermögens. Besitzt also jemand 50 000 Mk. Ver- mögen, so würden nur 45 000 Mk. abgabepflichtig sein und erner Abgabe von 4500 Mk. unterliegen. Die Wirkung der Abgäbe tritt m der folgenden lieh erficht klar in Erscheinung. Ehegatten" beide Ehegatten zwei oder mehrere Kinder, so wird für jedes Kind der Betrag von je 5900 Mark von der Abgabe freigestellt. Zugleich wird von dem der Zahl der Kinder entsprechend Viel- fachem von 50 000 M. die Abgabe nur in Höhe von 10 vom Hun- dert erhoben. Vom Rest des abgabepflichtigen Vermögens wird die Abgabe nach dem Satz erhoben, der sich für das gesamte abgäbe- Pflichtige Vermögen ergibt. Ist cm* der Kinder bereits unter Hinterlassung von Abkömnrlingen gestorben, so zählt das ver, storbene Kind mit." Die Bedeutung dieser Borschrift ergibt sich aus folgendem Bei- spiel, bei dem davon ausgegangen wird, daß der Abgabepflichtigo ein Vermögen von 205 900 Mark und drei Kinder hat. Vermögen. Abgabefrei, Kinderprivileg 205 900 Mark 6 000„ 200 000 Mark 15 000. 185 000 Mark Von diesen 185 000 Mk. ist auf 150 000 Mk.(8 Kinder, für jede» 50 000) eine Abgabe von 10 v. H. gleich 15 000 Mk. zu zahlen. Für die restlichen 35 000 Mk. des abgabepflichtigen Vermögen? „wird die Abgabe nach dem Satze erhoben, der sich für daS gesamte abgabepflichtige Vermögen ergibt", d. h. auf die 35 000 Mk. kommt der Satz zur Anwendung, der für ein abgabepflichtiges Vermögen von 200 000 Mk. vorgesehen ist. E? sind also auf 35 000 Mk. 13 v. H. gleich 4550 Mk. zu zahlen. Zuzüglich der bereit» erwähnten 15 000 Mk. beträgt die Abgabe 19 550 M?., hingegen hätte ein Ab- gabepflichtiger, der da? gleiche Vermögen, aber keine Kinder oder ein Kind besitzt, 26 000 Mk. an Abgäbe zu zahlen. Die Zahlung der Abgabe erfolgter-n sind nur 65 351, die der Organisation länger als ein Jahr angehören. 283 805 Mit- glieder oder 81 Prozent der Gesamtzahl sind noch nicht ein Jahr organisiert. Also vier Fünftel der Mitglieder sind Neulinge, die dem GewerkschoftSloben innerlich noch fremd gegenüberstehen. Daraus erklärt es sich, datz gerade in Berlin die radikalen Wort- Helden und Verächter der praktischen Getverkschaftsarbeit Willi- ges Gehör und eine ebenso willige Gefolgschaft finden, und datz die alten geschulten Gewerkschaftsmitglieder in dieser Umgebung einen schweren Stand haben. Im Metall- arbeiterverband übersteigt die Fluktuatton den allgemeinen Durchschnitt ganz erheblich: 99 200 Neuaufnahmen im Laufe des Jahres bei 37 873 Mitgliedern am Jahresschluß. Hier mutz also der Anteil der neuen, ungeschulten Mitglieder an der Gesamt- zahl größer sein als in anderen Gewerkschaften. Dafür feiert auch der politische Radikalismus bei den Berliner Metallarbeitern zurzeit die größten Triumphe. Die Kasscnverhältnisse. Die Einnahmen der Gewerkschaften sind nicht in dem gleichen Matze wie die Mitgliederzahlen gestiegen. Das erklärt sich daraus, datz die stärkste Mitglicderzunahnre erst im vierten Merteljahr, zum großen Teil erst nach dem 9. November, erfolgt ist. Die Ein- nahmen stiegen von 11381 346 M. aus 13 440 4Ö2 M., das ist um rund 15 Prozent. Die Ausgaben sind um 19 Prozent gestiegen, nämlich von 6 429 291 M. auf 7 941 261 M. Am stärksten ist die Steigerung der Ausgaben bei der Arbeitslosenunterstützung, die auf den achtfachen Betrag des Vorjahres gestiegen ist. Die Unter- stützung der Kriegsteilnehmer ist•fünfmal, die Streikunterstützung viermal so hoch wie im Vorjahr. Die einzelnen Ausgabeposten der beiden letzten Jahre sind folgende: 1917 1318 M. M. M. Streikunterstützung.... 13733 51 716+ 37891 Matzregelungsunterstützung. 1 594 3 242+ 2 648 Reiseunterstüyung.... 11 161 14 350+ 3 159 Arbeitslosenunterstützung.. 91 657 760 953+ 669 301 Krankenunterstützung... 687 179 1 150 801+ 463 622 Sterbefallunterstützung... 201 637 246 614+ 44 977 Jnvalidenunterstützung... 206 113 190 792— 69 321 ReckitSschutzunterstützung.. 17 276 Besondere Unterstützung.. Kriegsteilnehmer..... deSgl. Frauen...... An die Hauptlasten.... Oerlliche Ausgaben.... Andere Ausgaben.... Der Kassenbestand, der im im Berichtsjahre aus 5 395 490 1917 M. 125 580 21 348 428 304 2 648 534 1 666 025 308 504 1918 M. 169 860 104 727 267 762 2 672 352 1 864 977 431 267 Vorjahre 4 958 245 M. betrug, ist M. gestiegen. M. 44 280 82 779 160 542 23 818 ISS 954 122 763 11843- 5 433 Der Schiedsspruch im Bankgewerbe abgelehnt. Wie der Allgemeine Verband der deutschen Bankbeamlen mit- teil:, ist der gegen die Stimmen der Arbeitnehmer-Beisitzer am 5. Juli im ReichsarbeilSministerium gefällte Schiedsspruch in s ä m t- I i ch e n Betriebsversammlungen einmütig abgelehnt worden. Samt- liche Versammlungen haben ihre Angestellten- und Arbeiteraus- schüsse beauftragt, von den Bankleitungen die sofortige Auszahlung einer E n t s ch u I d u n g s s u m m e für die Zeit vom 1. April bis 1. Oktober(1500 M. für Verheiratete, 1000 M. für Ledige) zu ver- langen. Der gleiche Beschlutz ist von der Ortsgruppe Hamburg ge- faßt worden._ Tie Not der mittleren Verkehrsbeamte». Aus einer Zuschrift: Ich bin miltlerer Beamter(Eisenbahn- assistenr) mir 2Sjähriger Eisenbahndienstzeit. Mein Einkommen als Verheirateter belrägt monatlich 407,50 M. Ein ungelermer Arbeiter verdient beim Eintritt bei der Eisenbahn 447,20 M. monatlich, ein gelernter 520 M. Mein Einkommen ist demnach noch unter dem eines Arbeiters. Hierzu kommt der Werdegang, den z. B. ein Eisenbahnassistent durchzumachen hat, der früher Unterbeamter war. Anstellung mit 900 M., 108 M. WohnungSgeldzuschutz jährlich, Prüfung, lange Wartezeit bis zur Beförderung, und dann noch 25jähriger Dienstzeit endlich soviel, datz das Einkommen unler dem eines Arbeiters steht. Durch den sogen. Ueberho lungs auS- gleich ist da§ Einkommen der Unterbeamten durchschnittlich um 300 M. höher als das der mittleren. Warum wird den mittleren Beamten dieser UeberholungsauSglcich nicht ebenfalls gewährt? Es hat somit keinen Zweck, datz der Eisenbahner sich Mühe gibt, Prüfungen abzulegen, denn eS wird nicht gewürdigt und auch nicht bezahlt._ Die Asphaltarbeiter und Pappdecker fordern Teuerungszulage. Die Asphaltarbeiter und Pappdecker Berlins haben im April mit der Unlernehmerorganiiation einen Tarifvertrag abgeschlossen. Infolge der in den letzten Wochen eingetretenen enormen Steigerung der Lebensmittelpreise hatten die Arbeiter um Gewährung einer Teuerungszulage nachgesucht. Bei den Verhandlungen wurde ihnen statt der Teuerungszulage der Vorwurf des Tarif- b r u ch s gemacht. Diesen Vorwurf haben sie entschieden zurück- gewiesen; lediglich der ungeheuren Lebensmittelpreise wegen waren die Arbeiter gezwungen, bei den Unternehmern vorstellig zu werden. Eine Entscheidung rst bisher noch nicht gefallen. Die Unternehmer meinten, eine Teuerungszulage könnten sie jetzt nicht gewähren: sie hätten bisher von den Sladtberwalwngen und der Straßenbahn noch keine Preiserhöhung für die Unterhaltungskosten bezw. Neu- Herstellung des Aiphallbelags erhalten, die Stadtverwaltungen zahlten vielmehr auch beute noch den gleichen Satz für die Unter« Haltungskosten wie im Jahre 1914. Nun sagt man, daß die Preise für die Unterhaltungskosten von den Städten wie auch von der Straßenbahn gegenüber 1914 ganz erheblich erhöht worden sind. Jetzt haben die Stadtverwaltungen das Wort! Verantwortlich für Politil: Art»r ftitflet, Eharlotteubnrg, für den übrigen Teil des Blattes: Allred Scholz, NculSlln: für Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin. Bcrlag: Borwärts-Berlag®. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Einger u. Co. in Berlin, Lindenstr. Z. Hierzu 3 Beilagen. Leipziger Str. Königstraße Morltzplatz Uo«entbaler Str. A-WEMTMEaM O. Versand-- M. Abteilung B. Berlin WBö Ii. 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Trikotagen Damenstrümpfe Baumw., gute QuaL, färb, gemustert 9.50 12.50 Damenstrümpfe Baumwolle, schwarz:............. 12.75 Damcnslrümpfe Kunstseide, schwarz............. 10.75 Damenstrümpfe Kunstseide, Florrand u.Florsohle. ohne Naht 16.50 HerrenSOcken aus Baumwolle, Flor und Seide KinderSÖCkchen schwatz, weiß, lederfarb., 10 Oröß 4.75 bis 9.25 Wickelgamaschen für Herren, grau, grün........... 8.25 Herrenhemden Tr kot. grau.................. 17.50 Herrenbcinkleider Trikot, grau................ 12.50 Damen-Sportjacken SÄ"8-. 175.00 225.00 Weilj waren Blusenkragen große Form, ganz aus Spitze..;.. 2.75 Blusenkragen aus gesticktem Batist.......... 4.50 Jabot mit Stehkragen, aus Tüll mit Spitzen- Ansatz 4.50 u. 5.25 BluSCnkragCn au« gepunktem Mull, mit imli Piletspltze 7.75 Reverskragen ausMull, in verschied. AusfObr. 9.00 bitl8.00 Spitzen-Artikel Leinene Klöppel-Spitzen U. Einsätze maschinengearb. Filet-Spitzen U. 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