Zlr.3o4. 36.Iahrg. Bezugspreis: Dierteljährl. 9,— M!., monat!. 8,— Mt. frei ins Haus, voraus zahlbar. Post» bezug: Monatlich S,— M�. exkb Zu- fteüungsgebuhr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 6,2') Mi., für das übrige Ausland 10 25 Mk., bei täglich einmal. Zustellung 8.25 Mk. Postbesiellungen nehmen an Dänemark, Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Der„Vorwärts" nur der Sonntags» deilage„Volk u. Zerr" erscheint wochen» täglich zweimal. Sonntags einmal. �elegramm-Adresie: �Sozialdemokrat Verl»»-. Morgen-Ausgabe. Serliner Volksblskt. �entrslorgan der lozialdcmokrat» fcbcn Partei Deutschlands. ( 15 Pfennig� Anzeigenpreis; ®te achlgelpaUene Nonpareillezell» foftet 1,20 3K(-.Aletae Unselaen", das tettgeörutfte Wort SO Pjg. tzuläfstg 2 fettgeürudte Worte), jedes weiter» Worl 2Z Pfg. Stellengesuche und Schlasltellenanzetgen da» erste Wort «0 Pfg. jede« weitere Wort 20 Psg. Worte über ld Buchstaben zählen für zwe« Wone. Teuerungszuschlag S00/> Familien- Anzeigen, politisch» und gewerkschastliche Verein»- Anzeigen 1,20 Ml. die geile. Anzeigen siil dl- nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin GW 68, Lindenstraße 8, abgegeben werden. GeLfsnet von S Uhr früh bis b Uhr abend». Reöaktion unö Expedition: Stv. öS, Linüenstr.?. Fernsprecher: Aul« Morinpla», S!r. ISI SV— 151 97. Montag, den 14. Juli 1919. vorwarts-veriag G.m.b. H., SV. öS, Änüenstr. 3. Fernsprecher: Amt MoriKPlaK, Nr. 117 53— 54. im Heute, vormittags 9 Uljr, stimmen die Strasten» b a h u e r geheim über die Wiederaufnahme der Arbeit ab. Auf den Stimmzetteln stehen nur die Worte Streik— Arbeit. Die Angestellten der Holl)- und Unter» grnndbahn versammeln sich vormittags im Bahnhof Gleisdreieck. Das O m n i b u s p e r f o n a l hat dem Schiedsspruch zugestimmt, macht jedoch die Dienstaufnahme von dem Beschluß in den großen Verkehrsbetrieben abhängig. Die gestrigen Straßenbahnerversammlungen ergaben kein einheitliches Bild. Die Gegner, des Streikabbruchs waren sehr laut. Die Streikleitung operierte besonders da- mit, daß die Unabhängigen Wiederaufnahme der Arbeit emp- fehlen. Verdächtigungen gegen die Streikleitung waren der Lohn für die Verleumdungen, die man stets gegen den„Vor- warts" geschleudert hatte. (Bericht siehe 3. Seite.) Unsere Kriegsgefangenen kehren zurück! Uns wird gemeldet: Die Rückkehr der Kriegsgefaugc- neu in das rheinisch-weftsälische Industriegebiet hat bcgou- neu. Gestern und heute sind mehrere TranSportzügc cingc- troffen. Es handelt sich um Truppen' aus Saloniki, die zum Teil im besetzten linksrheinischen Gebiet und zum Teil im rechtsrheinischen und westfälischen Industriegebiet behei» matet sind. Tic Truppen kamen in Duisburg an, von wo sie in die� verschiedenen Städte wcitergeleitet wurden. Die nächsten Transporte werden aus Eugland erwartet. Oefterreichifche Gegenvorschläge in Versailles. St. G er m ain, 12. Juli. Dir drutsch-österreichtschc Frie- Kensdelegation hat heute eine neue Note nberrcicht, die genau formulierte Gegenvorschläge zu sänitlichen Klauseln des Vertrags- cutwurfes, ausgenommen die wirtschaftlichen Bestimmungen, macht. Die neuen Abänderungsvorschläge beziehen sich in erster Linie auf die Fragen der Staatsbürgerschaft, des Rechts der Minderheiten und des Arbeiterschntzes. Bezüglich des letzteren wird auf B e- schlüsse der Berncr Konferenz hingewiesen. öestätigung unsrer Irieöensratifikation öurch Clemenceau. Versailles, 12. Juli. Ministerpräsident Clemenceau hat eine Note folgenden Inhalts an den Präsidenten der deutschen Friedensdelegation gerichtet: Sie haben mir durch Note vom 10. Juli mitgeteilt, daß der Präsident des Deutschen Reichs(„reiell allemand") am 9. dieses Monats nach Zustimmung der gesetzgebenden Ver- sammlungen die Ratifikation des am 28. Juni gezeichneten Friedensvertrages, des angeschlossenen Protokolls und ches Abkommens betreffend die militärische Besetzung der Rhein- lande, die am selben Tag unterzeichnet wurden, vollzogen hat. Die Ratifikationsurkunde ist in einmaliger Ausserli- gung heute im Generalsekretariat der Friedenskonferenz niedergelegt worden. Ich habe die Ehr«, Ihnen mitzuteilen, daß die alliierten und assoziierten Regierungen Kenntnis davon genommen haben, daß die ordungsmäßige und vollständige Ratifizie- rung des Friedensvertrages durch die Deutsche Republik ihnen offiziell notifiziert wurde. Es ist infolgedessen Be- fehl gegeben worden, die Blockade Deutschlands vom 12. Juli ab auszuheben._ Persien und öer Frieden. Versailles, 13. Juli. Die persische Regierung überreichte der Friedenskonferenz in Paris eine Note, in der sie gegen die� Ver- letzung der politischen, wirtschaftlichen und juristischen Unabhängig- Zeit Persiens protestiert. Vor und während des Krieges seien ihm Verträge und Abmachungen und Konzessionen abgerungen worden, die seine Unabhängigkeit vermindern, und die seine �wirtschaftlichen und politischen Interessen geschädigt hätten. Die persische Regierung verlangt die Annullierung dieser Abmachungen und außerdem Entschädigung für die Ver- Wüstung, die seitens der Türken und Russen während des Krieges verübt worden sei. An diesen Entschädigungen soll auch Deutsch- land beteiligt werden. Zum Schluß verlangt Persien die Rück- erstattung der Gebiete, die Rußland und die Türkei ihm entrissen habem Die Schweizer Sozialdemokratie. Ab- Emtritt in die bolschewistische Internationale. lehnung des Völkerbundes. Bern, 13. Juli.(Eigener Drahibcricht des„Vorwärts".) Der Partcivorstand der schweizerischen Sozialdemokratie hat in seiner Sitzung in Ölten sich mit der Baseler internationalen Sozialisten- konferenz beschäftigt. Mit 26 gegen 2 Stimmen wurde ein Antrag aus Beitritt zur dritten Fnternativnalc, mit 26 gegen 16 Stim- men ein Antrag auf Propaganda gegen Eintritt in den Völker- bund und einstimmig ein Antrag aus Herabsetzung der Lebens- mittelpreise gefaßt. Keine freie fahrt für öeutfche Schiffe. Haag, 13. Juli. Hollandsch Nieuwsbureau meldet aus London: Durch die Ratifizierung des Friedensabkommens wurde der Han- del mit Deutschland den Alliierten und Neutralen künftig wieder gestattet. Der Handel bleibt lediglich den Bestimmungen jedes einzelnen Landes unterworfen, sowie dem Vorbehalt, daß Schiffe mit feindlicher Flagge keilte Reise machen dürfen, zu der sie nicht von der alliierten maritime« Waffensttllstandskommission ermächtigt sind. Die beschränkenden Besttmmungen für die Fischerei wur- den gleichfalls rückgängig gemacht. Hegen den Ententekapitalismus! Aufruf des Vollzugsausschusses der A.-Räte Teutschösterreichs. Wien, 13. Juli. Ein Aufruf des Reichsvollzugsaus- schusics der Arbeiterrätc Deutschösterrcichs in der Arbeiter- zeitung weist auf die kraftvolle Kundgebung von Proletariern der Ententcländer gegen den beutegierigen Imperialismus und gegen das geplante Eingreifen der Entente in Rußland und Ungarck hin und ruft das Proletariat zur Bekämpfung des Imperialismus und der Gegenrevolution sowie zur Er- ringung der sozialistischen Gcsellschastsorduung aus, und zwar zunächst zu einer großen Kundgebung internationaler Solidarität und brüderlicher Gefühle durch Masscnversamm- lungcn und Straßcnumzüge am Sonntag, den 29. Juli in ganz Deutschösterrcich. Der Wiener Kreisarbcitcrrat hat eine solche Kundgebung in Wien für den 29. Juli vormittags ent- sprechend der letzten Maifeier beschlossen. Trustbildungen amerikanischer Fleischproduzenteu. Haag, 13. Juli.(Meldung des Hollandsch Niouwsbuveaus.) Hollandsch Rieusbureau meldet aus Washington: Die Staats- Handelskommission hat in einem Bericht an Wilson erklärt, daß es nunmehr nachweislich feststehe, das) die fünf großen Fleisch- Produzenten Chiles sich die Kontrolle über sämtliche wichtigen Nahrungsmittel in den Bereinigten Staaten erobert haben und daß sie weiter Beziehungen mit ähnlichen Organisationen im Ausland unterhalten, wodurch ihre Herrschaft sich über sehr viele Nahrungsmittel auf der gaazen Welt ausdehnt. Es steht fest, daß die fünf große« Fleischproduzenten die unmittelbare Kontrolle über 571 andere Gesellschaften haben und weiter wesentlich an 95 anderen amerikanischen Gesellschaften interessiert sind, wüh- rend' ihre Beziehungen zu 93 anderen Unternehmungen in Amerika nicht nachweisbar sind. Insgesamt beherrschen sie »icht weniger als 775»erschiedeae N a h r u n g S-- mittel uud Bedarfsartikel. Die Kammission verlangt von Wilson energische Maßnahmen, da die gegenwärtige» Gesetze unzureichend sind, um diesem Uebel abzuhelfen. Die Bevölkerung der ganzen Erde hat ein starkes In- teresse daran, daß die Ernährungsmittel Amerikas, die Europa mitversorgen, nicht in die Gewalt einer Kapitalisten- gruppe gerät, die durch willkürliche Preisschraubung Verar- mung und Not des Proletariats herbeiführen kann. Man sieht, wohin„das freie Spiel der Kräfte" führt. Snigungsbeftrebungen im Kattowitzer Ciseabahnerstretk. Wiederaufnahme der Arbeit. In einer Sitzung des Staatskommissars Hörfing mit den Deputierte« der streikenden Kattowitzer Eisenbahner wurde be, schlössen, zur Regelung der strittigen Fragen ein« dreigliedrige Kommission zu wählen, die mit dem Eisenbahn, und Finanz- minister in Berlin verhandeln splle. �je Eisenbahner beschlossen, die Arbeit am Montag früh wieder aufzunehmen. Maßregelungen sollen unterbleiben. Ein Notgesetz! Die fchwierige inncrpolitifche Situation Deutschlands, die besonders durch die Wirkungen des Versailler G e- w a I t f r i e d c n s und dann auch durch die Behandlung der Schul frage gelegentlich der Verfassungsberatungen in Weimar geschaffen worden ist, birgt für Preußen und damit namentlich für die staatliche Einheit des deutschen Volkes Gefahren in sich. Durch die Lasten, die uns der Frieden auf- erlegt, und durch die kommenden Gebietsveränderungen ist die in dem Schlagwort„Los von Berlin" ausgedrückte Ten- denz-gewisser Landesteile, die auf die Reichszersplitterung ausgeht, gewaltig gestärkt worden. Im Osten und un Westen sind sehr ernst zu nehmende Bestrebungen auf staatliche Äelb- ständigkeit zu bemerken. Diese Bestrebungen haben durch die Behandlung der Schulfragc gelegentlich der Verfasfungs- beratung neue Nahrung erhalten. Die Propagandisten der Neichszersplitterupg haben in den katholischen Gebietsteilen geschickterweise die Frage der Konfessionsschule für sich aus- zuschlachten verstanden. Die- katholische Bevölkerung ist köpf- scheu gemacht und von gewissenlosen Landesverrätern ver- hetzt worden. Die sozialdemokratische Partei hat die Schwierigkeit der ganzen Situation voll gewürdigt. Nicht Schwäche war es, daß sie mit dem Zentrum in der Frage der-Konfession?- schule zu einem Kompromiß zu kommen versucht hat, sondern das volle Verantwortlichkeitsgesühl gegen- über der unmittelbar drohenden Gefahr des Auseinander- follens des Reiches im Osten und Westen. Unsere Leser wissen, daß in der letzten Zeit in Weimar im Zusammenhang mit den Beratungen über die Schulsrage in der Reichsveriassung sebr eingehende Beratungen mit preußischen Ministern stattgefunden haben. Es mußte aus jeden Fall ein Ausweg aus der kritischen' Situation gefunden werden, der dem starken Interesse, das das gesamte deutsche Volk an seiner einheitlichen staatlichen Zusammenfassung hat, gesucht wurde. Das Wolffsche Telegraphcnbureau veröffentlicht nun eine- Information, die wir wiedergeben, und in der ein Aus- weg aus der akuten Gefahr in der Einführung p r o v i n- zieller Autonomie in Schul- und Verwal- tungsangelegenheiten angedeutet wird. Wenn Politik heißt, das Notwendige erkennen und da? Notwendigste sofort tun, so haben wir es hier zweifellos mit einem Akt von hoher politischer Bedeutung für die Z u- kunft Deutschlands zu tun. Die weltliche Schule liegt uns gewiß allen am Herzen und wir hätten sehr ge- wünscht, daß dem deutschen Volke diese große Garantie küns- tiger freier geistiger. Entwicklimg hätte gegeben werden kön- neu. Höher aber noch als dies« ernste pro-grarnmatische Forderung, zu der sich weite.Kreise des deutschen Volkes beken- nen, steht die Einheit des Volkes selbst. Dieser Ein- heit muß jedes erträgliche Opier gebracht Werdetv Unter anderen Verhältnissen hätte man es auf einen Zwang an- kommen lassen können, die Sicherung der geistigen Freiheit des Volkes für alle Landest-erle gültig durchzudrücken. Jetzt � aber, wo die Feinde-der Einheit des deutschen Volkes von außen und von innen zusammenwirken, um das Volk au?» einanderzureißen und wo wir im Innern de? Landes nicht mehr genug eigener Herr sind, um dieses hochverräterische Treiben radikal zu unterdrücken, müssen wir. der Gewalt der Tatsachen folgend, die unsere schwache Macht nicht-mehr zu meistern vermag, einen Ausgleich versuchen, der den Sonder- stimmungen der Minderheiten in unsere« Volke entgegen- kommt. Durch ein Gesetz der angedeuteten Art wird es sich wahr- scheinlich ermöglichen lassen, die droften-de Reichsslncht der rein katholischen Gebietsteile, deren Bevölkerung die hohe Bedeutung freiheitlicher Fortschritte noch nicht voll erfaßt hat, aufzuhalten. Gleichzeitig wird damit die Voremgenom- menheit gegen die Zentralregievung in Berlin, die im Osten wie im Westen sehr stark ist, und ihre Wurzeln in der alten preußischen Verwaltung hat. erheblich gemildert werden. Die bedeutsamste Veränderung des gegenwärtigen Der- waltungssystems liegt in der Schassung einer autonomen Provinz Oberschlesien-, wodurch den lebhaften Wünsche« Oberschlesiens auf Selbständigkeit im denkbar weitesten Maße Rechnung getragen wird. Die preußische Verwaltung ist stets von dem Gedonken aus» gegangen, daß Preußen bereit sei, im Reiche autzugeben. Da i»- dessen zurzeit der Uebergang zum vnttarism-us durch dundeSstaat» liche Hemmungen außerhalb PveußenS gehindert ist, sucht die preußische Verwaltung den Zusmmx«ch«!t d«S Staates durch«ine zweckmäßiger« Gestaltung des Verhältnisses der Zentral» rogierung zu den Provinzen sicherzustellen. Von diesem Gesichts- punfte Hot daS Staatsministerium in der Sitzung vom 12. Juli beschlossen, einen Gesetzentwurs über die Einräumung er» Weiterter Selbständigkeirsrecht« an die Pro- vinzialverbände unverzüglich der Landesversammlung vorzulegen, um vor deren A u Se i na nde r gths n noch seine Durchberatung zu erreichen. In diesem Gesetz wird dem Provinziallandtag das Recht der statutarischen Regelung solcher Fwagen der Schul» und Kommunalverfassung eingeräumt, die der Provinziolbevolkerung nach den gemachten Erfahrungen gang besonders am Herzen liegen. Bei den Fragen der Schulversassung wird man besonders an die Erteilung des Religionsunterrichts in den Volks- schulen und den Gebrauch der Muttersprache in den gemischt- sprachigen Landesteilen zu denken haben. Von besonderer Wichtigkeit ist die E i n r ä u m u ng d e S provinziellen Statu tarrechtes in Angelegevcheiten der staatlichen Verwaltung. Der beherrschende Ge- danke ist hier der, daß der Provinziallandtag durch das Statut einigen Vertretern der breiten Schichten der Bevölkerung eine Beteiligung an der Verwaltung einer Staatsbehörde innerhalb der Proving, also etwa der Bezirksregierung, ermög- lichen kann. Diese Vertreter, als Beirat in geringer Anzahl organisiert, würden periodisch am Sitze der staatlichen Behörde, der sie beigegeben sind, zusammentreten und an den Vorstand dieser Behörde Wünsche, Anregungen und Beschwerden aus der Provinziallbevölkerung heranzubringen haben. Dem P r o v i n- ziollandtag würde es freistehen, die Zusammensetzung und die Art der Wahl dieser Beiräte statutarisch zu bestimmen. In letzter Linie will der Gesetzentwurf dem Pvovinziälaus- schuß das Recht einräumen, vor Besetzung der wichtigsten Staats- stellen, d. h. der Stellen der politischen Beamten der Provinz, mit fernem Votum gehört zu werden. Was Oberschlesien betrifft, das bekanntlich zurzeit einen Regierungsbezirk, aber keine Provinz bildet, so will die Staats- regierung für die Zeit, nachdem die Abstimmung zu seinem Ver- bleiben bei Preußen geführt haben wird, die Bildung eine: besonderen Provinz Oberschlesien erwägen. Damit würde auch Oberschlesien von den erweiterten Autonomierechten, die der Gesetzentwurf den Provinzen zuerkennen will, Nutzen ziehen können. Der beschlossene Gesetzentwurf wird der Ausdruck des demo- kratischen Gedankens sein, daß die auf Stammverwandtschast be- gründeten Provinzen«inen lebendigeren Anteil an Gesetzgebung und Verwaltung im Rahmen des Staatsganzen für sich in An- spruch nehmen und damit dem Vaterlande einen. wirksameren Halt bieten sollen, als das bei der bisherigen strafferen Organisation der Fall gewesen ist. Der Gesetzentwurf wird etwa so lauten: Gesetzentwurf über die Einräumung erweiterter Selbständig- keitsrechte der Provinzialverbände. § 1. Die Provinziallandtage sind berechtigt, Provinzialftatuten über folgende Angelegenheiten zu beschließen: 1. lieber die Regelung solcher Fragen der Schulder- fassung, welche für die Bevölkerung der einzelnen Provinzen ein besonderes Interesse haben; 2. über Besonderheiten des provinziellen Gemeinde-, KveiS- und Provinzial- Verfassungsrechts, soweit die Gesetze Ab- weichungen gestatten oder auf solche verweisen; 3. über die Einführung einer zweiten Amtssprache neben der deutschen in gemischtsprachigen Gebieten; 4. über die Einrichtung von Beiräten, die den staatlichen Behörden innerhalb der Provinz beizugeben sind. Ausgabe des ProvinzialstatutS ist es, die Zusammensetzung und die Art de: Wahl dieser Beiräte entsprechend den Interessen der Provinzial- bevölkerung zu regeln. tz 2. Die Provinzialftatuten(8 1) unterliegen der Bestätigung durch die Staats'iegierung. Z 3- Vor Besetzung der Stellen der politischen Beamten inner- halb einer Provinz ist der Provinzialausschuß zu Hörem 8 4. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft. Die Internationale öes Gedankens. Ein Ruf von Henry Barbusse. In Paris hat sich die erste große„Bereinigung der Geistigen" konstituiert unter dem Namen„C karte", der zurückführt auf den großen Roman von Henry Barbusse, dessen deutsche llebersetzung der„Vorwärts" jetzt als erstes Blatt unter dem Titel„Erleuch- tung" veröffentlicht. Der Vereinigung gehören folgende hervor- ragende Franzosen an: Anatole France, Charles Richet, Romain Rolland, Victor Marguevitte, Antoine Genner, Henry Bataille, Madame Curie, Steinten, Leon Werth, A. Charpentier, Tristan Bernard. Dieser Bund will wirken für die Hingabe an die edelsten inoralischen Ideen, und ihr Programm spricht Henry Barbusse als ihr Beauftragter in einem Aufruf aus, der in deutscher lieber- setzung in der nächsten Nummer der„Weißen Blätter" erscheint. Es heißt darin: Der neue Geist der Befreiung, der Unbotmäßigkert gegen alte barbarische Gesetze, der die ganze Erde durchzittert und aufwühlt, die sichere und tiefere Bewegung des Volkes, die aufsteigt, um eines Tages zu herrschen und da» Antlitz der Ge- sellschaft zu wandeln, sie sind von den Denkern geschaffen. Di« geistigen Arbeiter wollen, wie es ihre Pflicht ist, ihr Teil am Werke dieser endgültigen Wiedergeburt der Menschheit haben, von der man alles erwarten darf, denn sie ist einfach und gerecht. Si« ist da und dort noch nicht mehr als ein schönes Aufleuchten oder ein großes Atemholen; sie ist noch an vielen Punkten der Welt in- mitten ihres Grollens von Zorn und Revolte verdunkelt, verfolgt oder fanatisiert, einem grqusigen Auf und Alb von Exzeß und Rückschlag ausgesetzt. Di« Intellektuellen wollen nun, nachdem sie «inander erkannt und sich brüderlich verbündet und ihre gestern noch zerstreuten Bestrebungen vereinigt haben, gemeinsam sich an alle Lebenden wenden, um sie zu ermutigen, zu belehren, zu ver- teidigen und zu vereinen, um eine bessere Zukunft aufzutauen, mit ihnen und für sie. Das ist nicht alles. Diener der republikanischen Idee in all ihrer tiefen menschlichen Güte und ihrer ganzen Weltenweite, neh- men die französischen Schriftsteller, die sich heute sammeln, an. daß sie den Wettbewerb der Schrift st«ller und Denker anderer Länder nötig hab�n; sie bieten ihnen die Hand und rufen die Internationale deS Gedanken-S aus, parallel zur Internationale der Völker. So handelnd sind sie patriotischer als die Chauvmisteu. Das Volk, das sich mit furchtbarer Macht erhebt, braucht nie- mand mehr, um feine Ketten abzuschütteln. Die Bewegung, an deren Spitze wir uns entschlössen gestellt haben, erfüllt sich ohne uns. Die Demokratie ist unbesiegbar. Aber diese schicksalsschwere AuferHehuug de» Menschengeschlechtes wird sich in einer ruhigeren Das Abschiedsgesuch wiftells. Der bisherige Reichswirtfchastsminister Rudolf W i s s e l l hat mit dem Bemerken, es zur Vermeidung wilder Gerüchte gleichzeitig an die Presse zu geben, dem Reichspräsidenten sein Abschiedsgesuch eingereicht. Nachdem er darin um seine Entlassung vom Amte ge- beten hat, betont er, daß er seine Ansichten über die Planwirt- fchaft wiederholt vor der Oesfentlichkeit vertreten hat, ohne bei sei- nen eigenen Parteigenossen Kritik zu finden. Es heißt dann weiter: „Ich mußte um so mehr glauben, daß meine Parteigenossen hinter mir stünden, als noch auf dem sozialdemokratischen Partei- tag der jetzige Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei erklärt hat, daß die Partei geschlossen hinter meiner,„Planwirtschaft" stünde, und als der Parteitag einen Antrag annahm, der diesem meinem Grundgedanken durchaus gerecht wurde. Die Auffassung hat sich recht schnell bei meinen Parteifreunden gewandelt. Ich muß die notwendige Konsequenz daraus ziehen. Einen organisatorischen Ausbau des Wirtschaftslebens Deutsch- lands hielt ich nur möglich, wenn dieser Aufbau in einem Geiste von den Wirtschaftern erfolge, der die Allgemeininteressen über die Einzelinteressen stellt und der alle Teile des schaffenden Volkes, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Industrie und La»dwirtschaft zu gemeinsamer Arbeit in treuer Pslichterfüllung der Gesamtheit ge- genüber zusammenbringt.... Hierin habe ich mich weniger beim wirtschaftenden Volt als bei den politischen Führern g e- täuscht gesehen. Ich halte eS für ausgeschlossen, daß zurzeit mein Programm, das der Pflicht des einzelnen gegenüber der Ge- samtheit, von mir gegenüber den gesetzgebenden Körperschaften durchgeführt werden kann. Um deswillen halte ich es für ausge- schloffen, weil dort auch noch heute zu wenige Neigung zei- gen, für länger als für einige Wochen hin- aus zu denken und Entschließungen zu fassen. Nichts hat mich so sehr erschüttert, als die Tatsache, daß man.mei- nen Plan, den Plan eines Mannes, dem tiefstes Eindringen m die Probleme der'Zeit und vollste Aufrichtigkeit oberstes Bedürfnis ist, so kurzerhand hat abgetan. Ich bin in klarer Erkenntnis der gegenwärtigen Not und der Wege, die allein aus ihr herausführen können, der Parteipolitik vorangeeilt. Die gegen- wältigen Politiker lehnen mich ab, weil sie das Problem, das Deutschland lösen muß, noch nichtbegreifen und innerlich noch nicht fertig sind mit dem Problem der sozialen Revolution; in der wir nus noch immer befinden. Ich erhebe nicht den Anspruch, daß mein Plan der allein und ausschließlich richtige ist, aber irgendwelche andeven programmati- schen Forderungen sind mir nicht entgegengestellt.... Wenn ich unter diesen Umständen aus dem Kabinett ausscheide, so wich dieser Entschluß durch die Beobachtung gestärkt, daß es mir zu meiner Freude allmählich zwar gelungen ist, weite Kreise der produktiven Bevölkerung mit meinen Vorschlägen zugunsten der Gemeinwirt- schaft aufzuführen, daß ich aber nur im Vollbesitz von Vollmachten und politischer Rückendeckung an die Praxis des organisatorischen Aufbaues herantreten kann. Meine Absicht war es, sowie es meine Stellung mit sich brachte, zwischen dem Drängen der produktiven Wirtschafter nach Selbstverwaltung und dem Festhalten der Poll- tiker an hergebrachten RegievungSformen zu vermitteln. Dazu gehört jedoch, in den entscheidenden Monaten, die vor uns liegen, ein Mann, den das Vertrauen auf beiden Seiten stützt. Nachdem mich meine Kollegen im Kabinett und in der Par- tei im Stich gelassen haben, wird zwar die Bewegung der produktiven Wirtschafter nicht stille stehen, aber an ihre Spitze mag sich besser außeramtlich ein freier Führer, als inneramtlich ein überstimmter Minister stellen. Ich jedenfalls habe keine Neigungs die große, doch kommende Reform dadurch zu schädigen, daß ich sie mit gsscjselten Händen zu lenken versuche," » Die Hochschatzung, die wir für Genossen Wissel! immer empfunden hoben, gebietet uns, unser Befremden über den poleniischen Ton dieses Dokumentes auszusprechen. Die Auseinandersetzungen mit der Partei gehören in die Partei- organe, nicht aber in amtliche Akten st ücke. und schönern Form entfalten, wenn sie geklärt wird durch Aus- erwählte, und die Welt bevölkert ist von erleuchteten Gewissen und solchen, die guten Willens sind. /, Deutsche im Mslanöe. Aus dem Haag wird uns zu diesem jetzt wieder wichtigen Thema geschrieben: Der Deutsche im Auslande hat es jetzt mehr als je nötig, durch abwägendes, kluges Verhalten wieder den symva- chischen Umgang mit Angehörigen anderer Völker anzubahnen. Wie bedauerlich mutet es da an, wenn man sieht, wie viele unserer Landsleute durch Unwissenheit und Unvorsichtigkeit oder durch An- maßung gegen diese Notwendigkeit sündigen. War es vor dem Kriege oft der reisende Protz, Mister Snob aus Berlin,.der im Auslande durch sein auffallendes Betragen im Zuge und im Hotel mit einem Gehaben, als ob er da ganz allein wäre—„ich reife ja doch nur im Auslände, um mich benehmen zu können, wie ich will"— Anstoß erregte, so sind es jetzt zwar andere Kategorien Reisender, aber auck sie können immer noch nicht erkennen, wie gerade hier Takt nötig ist zu Erfolgen und zur Ver- meidung von Aergernissen. Da spricht die junge Dame im Cafe so laut, als ob niemand deutsch verstände; zwei reisende Deutsche in der Elektrischen, der eine, etwas gedrückt, gewesener Soldat nach seinen ausgewaschenen Kleidern, der andere, hier eingelebt, gönner- hast, spottet zu ihm über deutsche Vorkommnisse, ein bißchen aus- schneiderisch, um mit seiner Ueberlegenheit über die lieben Lands- leute daheim dem Volksgenossen zu imponieren. Der Holländer— mit gutem Takt begabt und, wenn er einigermaßen zu den Gebil- beten gehört, deutsch verstehend— ist unangenehm berührt, hört aber doch zu, wie der andere in der Oeftentlichkeit seine schmutzig« Wäsche wäscht. Dann die vielem. Anzeigen in der Zeitung, in denen Deutsche hier Beschäftigung suchen. Man kann sie brauchen wegen ihrer Tüch- tigkeit und Intelligenz, aber würden die Volksgenossen sich doch zuerst kümmern um die Art, wie solche Texte hierzulande abgefaßt werden müssen! Jeder ZeitungSangestellte würde ihnen Rat dazu biekenl Geradezu komisch wirkt eS, wenn eine Deutsche annonciert, daß si«„Damen der Gesellschaft" deutschen Unterricht erteilen wolle; denn Damen der Gesellschaft können hier durchgängig drei Sprachen sprechen, wie nicht nur die Besucher der Realschulen, sondern die Gemeindcschüler es bei dem vielen Durchzug durch das Land nötig haben, Sprachkenntnisse zu erwerben. Und dann sind eS die Damen und Dämchen, die nun auch das Ausland beglücken. Wollten doch auch sie bedenken, daß bei ihren lustigen Abenteuerfahrten sie auch immer noch Deutsche sind und daß man auf sie achtet, daß sie also die Ehre ihres Vaterlandes bochzubalten haben. ES ist solche eine leichte und kleine Pflicht, und sie sollte uns doch jetzt doppelt lieb sein. Ganz und par betrübend aber wirkt es, wenn der Deutsche im Ausland« dem Deutschen so unangenehm auffällt, daß dieser von stiner LandeSart den scheußlichsten Eindruck empfängt. Wenn er zum Beispiel, um mit seiner hier schon erworbenen Stellung zu protzen, ihn anschnauzt, den Vorgesetzten anschlägt, den er hier an- deren gegenüber ablegen lernte und der doch auch in unserem Vater- lande letzt glücklicherweise als lästig empftinden wird, so daß der feinfühlige Landsmann sagen muß:.Der Holländer ist mir doch noch Militärische Willkür im Gsten. Aus F i l eh n e wird uns in Form einer offenen Anfrage an den Reichsministerpräsidenten ein Schreiben überfandt, dem wir folgendes entnehmen: Der Führer des hiesigen Grenzschutzunterabschnitts, Major v. Versen, läßt sich fortwährend unglaubliche ungesetzliche lieber- griffe gegen die Zivilbevölkerung diesiger Stadt zuschulden kommen. Folgender neuerlicher Vorfall setzt nun diesem ganzen Ver- halten des hiesigen Grenzschutzabschnitts die Krone auf: Bor einigen Tagen wurde ein Bürger hiesiger Stadt, Zahntechniker Becker. plötzlich von zwei bewaffneten Soldaten aus seiner Wohnung geholt und einem Rittmeister der hiesigen Grenzschutztruppe vorgeführt, welcher dem Bürger erklärte, daß er ihn als„Bürgerwebrmann" auf Befehl des Unterabschnitts v. Versen mit„d r e i Tagen Mittelarrest" bestrafe, weil er als Mitglied der städtischen Pflichlbürgerwehr eS abgelehnt habe, Postendienst zu tun. Aus die Vorstellungen des betreffenden Bürgers hin, daß er kein Soldat, sondern freier Bürger sei, und daß niemand die Berechtigung Hab«, ihn militärisch zu bestrafen., wurde ihm zur Antwort, er, wie alle männlichen Bürger der Stadt, unterstehe als„Bürgerwehrmann" den Militärgesetzen und die militärische Strafe sei. somit zu Recht verhängt. Mein Auftraggeber fuhr daraufhin sofort persönlich zum Generalkommando II. A. K., wo ihm erklärt wurde, daß Vor- gehen des Grenzschutzunterabschnitts sei gesetzlich unzu- lässig und dem Generalkommando unverständlich. Infolge der Entrüstung, die dieses ganze Vorgehen des Grenz- ichutzabschnitts in hiesiger Stadt hervorgerufen hat, hat sich der Unterzeichnete bereits vor etwa zehn Tagen in vorstehender Sache an die Presse wenden wollen. Die sämtlichen Briese des Unter- zeichneten in dieser Angelegenheft haben aber die Adressaten nicht erreicht, wie ich airnehmen muß nur deshalb, weil die hiesigen militärischen Stellen diese Post des Unterzeichneten ohne weiteres abgefangen haben, um meine rechtzeitige Flucht in die Oeffentlich- keit zu verhindern. Der Unterzeichnete muß zu dieser Annahme kommen, da er in Erfahrung gebracht hat, daß seit einiger Zeit, ohne die geringste gesetzliche Grundlage seine Post der militärischen Zensur unterworfen ist. Rechtsanwalt Völler- Fi lehne. Die Angelegenheit, die demnach den vorgesetzten Behörden mit dem Erfolge einer militärischen Briefzensur zur Kenntnis gebracht worden ist, muß sofort untersucht werden. Nicht der Beschwerde- führer darf der Leidende sein, sondern Major v. Versen muß gepackt werden._ politische Narren. Wir haben während der Dauer des Krieges wiederholt die Erfahrung machen müssen, daß Universitätsprofessoren an poli- tischer Einsicht weit weniger besitzen, als man bei Zulukaffern und sonstigen„wilden" Einwohnern europäischer Kolonien zu finden gewohnt ist. Wir müssen schon zu unserem Vergleich so weit enl- fernte Völkerschaften heranziehen, da ein Vergleich mit dem letzten pommerschen Grenadier eine schwere Beleidigung dieser wackeren Volksgenossen enthielte. Wieder einmal stellen sich die Herren von der hohen Wissenschaft mit einem Protest ein, der sich natürlich gegen die Auslieferung Wilhelms und anderer richtet— und ahnen gar nicht, eine wie komische Figur sie mit ihrer regelmäßig arbeitenden Protestfabrik machen- Solange sie sich aufs Jammern um ihre teuren auszuliefernden Lieben be- schränken, sei ihnen ihre Beschränktheit verziehen, wenn sie aber geloben, alles daran zu setzen, ihre vergiftete Gesinnung auf Kinder und Kindeskinder zu.vererben, so werden sie zu einer BolkSgefahr, die von Hochverrat nicht allzu weit entfernt liegt, und auf diese Gefahr sei die Regierung nachdrücklichst hin- gewiesen. Unter den Protestlern finden wir auch den unvermeid- lichen Roethe, Gustav den Uniezwingbaren. Bedauerlich ist, daß sich sin so feiner Kopf wie Wilamowstz-Möllendorff immer wieder von politischen Clowns im Range eines Schäfer u. a. mißbrauchen läßt verhinüerung der Steuerflucht. Weimar, 13. Juki. Der ReichSsinanzmimster hat heute in einer Besprechung mit den Finanzministern der Gliedstaaten mit- geteilt, baß neue Maßnahmen zur Verhinderung der Steuerflucht und der Verschiebung� von Wertpapieren bevorstehen. lieber." Daher kvmmt es, daß die Deutschen im Auslände oft jeder für sich allein stehen und eine unansehnlichere Figur abgeben, als es bei gegenseitiger Hilfeleistung der Fall sein würde, wie man sie bei Angehörigen anderer Völker sieht, die alles, was blamieren kann, still unter sich abmachen. Darum: erst umschauen, umlaufchen im Auslande, und dann sprechen._ Hedwig Franz. Notizen.»> — Theater. Adolf Lußmann von der Staatsopcr in Dres- den und Dr. Hans Winckclmonn vom Stadttheater in Düsseldorf. beides erste Tenore, wurden für die Hauptpartie zu der im August in der V o l ks b ü h n e stattfindenden Aufführung von Wilhelm Kienzl'S„Kuhreigen" verpflichtet. —-D i e Ausstellung der Akademie der Künste wird nur noch bis Sonntag, den 20. Juli, geöffnet sein. Sie ist während der ganzen Woche van 10 bis 6 Uhr zugänglich. — Willy Heß. Heute feiert Willy Heß seinen 60..GeburtZ- tag, sein BOjährigcs Künstlerjubiläum. Als Wunoerkind begann er seine gcigerische Laufbahn, wurde unter der Leitung seines Vaters ein sattelfester Virtuose und vollendete seinen Reife-Prozeß bei Meister Joachim. Mit 19 Jahren war er erster Konzertmeister rn Frankfurt. Dann wirkte er in Rotterdam. Manchester, Köln und abermals zehn Jahr« in England. Seit 1919 gehört er ganz Berlin, wo er als zielbewußter und beliebter Pädagoge eine Meisterklasse für Geigenspiel und die Orchesterschule leitet. In großem Rahmen bewies er seine künstlerischen Fähigkeiten als Führer des nach Halas Tode mit seinem Namen gezierten Streich» quartetts und als Dritter im Bunde mit Schumann und Dechcrt. Heß ist ein Geiger von vornehmstem Sckilifs, abgeklärt und be- stimmt im Geschmack, vorbildlich in der Art, wie er, technisch vollendet, hinter dem Geist des KünstlerwerkZ als Person zurück» tritt. Sein Strich ist groß, sein Ton markig, und es fehlt ihm glücklicherweise jede kleinste Pose, jeder Sinn für Schein und Effekt. Daher wirkt sein Spiel an sich belehrend und förderlich. Sein Ruf als Erzieher ist tief begründet.. 5C. S. — Ein Volkskunstbaus in Jena. Eines der ersten Volkskunsthäuser wird jetzt Jena erhalten. Der dortige Kunst- verein hat im Einverständnis mit der Karl-Zeiß-Stiftung und der Gemeindeverwaltung die Errichtung eines solckien Hauses im Zu- sammenhang mit der Volkshochschule in die Wege geleitet. Die Zeiß-Stistung wird die Kosten der Einrichtung tragen, falls die Stadt die Unterhaltungskosten bestreitet. Der Gemeinderat hat daraufhin 6000 M. für den Kunstverein eingestellt. Man denkt daran, da? Prinzessinnenschlötzchen im Prinzessinnengartcn zunächst auf sechs Jahre zu mieten.. — Die Flucht vor der Konzertrüpelei. Die gesell- schaftliehen Unarten in Konzerten haben überhand genommen. Jetzt will in Berlin«in« Anzahl Kunstfreunde ein« Vereinigung grün- den, die im kommenden Winter musikalische Darbietungen eigeuS für sich zu veranstalten gedenkt und deren Beteiligte sich zu rück- sichtsvollem Benehmen und völligem Vermeiden der störenden Unarten verpflichten. Schön für die Wenigen! Aber dies« Flucht vor der Rüpelhaftigkeit der Vielen bedoutet nichts gegen das llebel selbst. Im großen wird«S ungestört fortwuchern. Steigerung üer Arbeitsleistung. Die Betriebsdiktatur in Ruhland. In welcher Weise die Arbeitsdisziplin in den natio- nalisierten Betrieben durchgeführt wird, zeigt folgender Aufruf eines Betriebsausschusses(Betriebsrat sagt man in Deutschland) in Petersburg, den wir der Sonnabendabend- ausgäbe der„Iioten Fahne" entnehmen: An alle unsere Genossen, Arbeiter und Arbeiterinnen aller Abteilungen! Genossen! Die augenblickliche Lage Räte-Rutzlands, da? von der ganzen Welt abgetrennt und sich selbst überlassen ist, erfordert von allen Bürgern und in erster Reihe von der Arbeiterklasse, die die Wiederaufrichtung unseres Landes in ihre Hände genommen hat, eine außerordentliche Anspannung aller Kräfte und Fähig- leiten, um den Wohlstand Rußlands und die Produktionsfähigkeit unserer Arbeit zu erhöhen. Viele Genossen, Arbeiter und Angestellte unserer Fabrik haben anscheinend die Tragweite des oben Gesagten noch nicht begriffen. Oft werden die Vorschriften über die Arbeitsoisziplin, die von der allgemeinen Versammlung aller Arbeiter angenommen wurden, verletzt; es verhalten sich viele Arbeiter der Fabrik ihrer Arbeit gegenüber nicht gewissenhaft genug. Daraus entstehen für die Fabrik Verzögerungen in der Pro- duktion, die wieder für andere Betriebe Folgen nach sich ziehen. Genossen, Arbeiter! Dieses Ucbel muß mit der Wurzel aus- gerissen iverdem Wir haben beschlossen, mit allen Mitteln gegen des Sinken der ProduktionSkraft und die Uebertretungen der fest- gesetzten Arbeitsdisziplin anzukämpfen. Um diese zu erreichen und die üblichen Beschuldigungen der ganzen Arbeitsgemeinschaft zu vermeiden, wiro von jetzt ab eine genaue Berechnung der Arbeitsleistungen der einzelnen Arbeiter sowie der Abteilungen vorgenommen werden. Hiermit verkünden wir, daß künftighin jeder Arbeiter und Angestellte, der die ihm gesetzt« Norm nicht erreicht oder die Prbeitö- disziplin verletzt, in eine niedere Kategorie überführt oder ganz von der Fabrik ausgeschlossen wird. Anderseits werden Arbeiter und Angestellte, welche sich durch besondere Güte ihrer Arbeitsleistungen auszeichnen, in höhere Kategorien überführt werden. Indem wir Euch die? mitteilen, bitten wir Euch alle zum Wohl der Allgemeinheit als auch Eurer persönlichen Interessen wegen um Eure Mithilfe. Wir hoffen, daß die reifen Arbeiter in diesem Sinne auf die Fabrikjugend einwirken, die Erfahrenen auf die Unerfahrenen und die sich ihrer Verantwortung Bewußten auf die Leichtsinnigen. Sine unsaubere Geschichte. Ein Unteroffizier, früherer Vorsitzender des SoldatenwatS des Instsrburger Inf.-Weg. 45, veröffentlichte die Nachricht, daß der Silberschatz dce Königs Peter von Serbien unter die Offiziere des Regiments 45 verteilt worden sei. Dem früheren NegimentSkom- mandeur ist es nicht gelungen, den Kern feiner Angaben zu wider- legen, er stellt im Gegenteil die Tatsache fest,»daß der Silberschatz seinerzeit dem Offizierkorps auf ausdrückliche Anforderung-- überwiesen worden sei". Fürwahr«in seltsamer Standpunkt der verflossenen Militär?, über den»Pribatbcsitz eine? feindlichen Königs zu verfügen. Die Verteilung des Geräts unter die Offiziere bei Auflösung des-Regiments muß der Herr bestätigen. Wir sino aber im Gegensatz zu ihm der Meinung, daß die ein- zelnen Ofiziere nicht stolz auf da? bleibende Andenken fein können, die ganze Geschichte ist doch reichlich unsauber und wirft sin seit- lames Licht auf„den besonderen Ehrenkodex", den die Offiziere des Kaisertums für sich in Anspruch»ahmen. Es ist überhauji rätsel- haftz warum das Silberzeug nach Auflösung des Regiments nicht in Staatsbesitz überging. tzecite Entscheiöung im Verkehrsstreik. Streikversammlungen. In der Nordringvcrsammlung berichtete K nobel(Zentral- streikleitung) über die schwierigen Verhandlungen mit dem Unter- nehmerverband. Die Vertrauensleute und Arbeiterausschüsse der einzelnen Bahnhöfe und Betriebe hätten Sonn end beschlossen, den Streikenden die Aufnahme der Arbeit zu empfehlen. In der Diskussion sprechen sich die Redner zum größten Teil für die Fortsetzung des Streiks aus. Die 300 M. seien eine viel zu geringe Summe. Es wurde auch die Befürchtung ausgesprochen, daß der Schiedsspruch des Hauptausschusses ungunstig ausfallen werde und ldie 300 M. dann wieder zurückgezahlt werden müßten. Besonders heftig wurde der Vorsitzende des TranSportarbeiterver- bcmdes Schumann angegriffen. Schütz(Vorsitzender der Streikleitung) führt aus, daß der Hauptausschuß, der den end- gülligen Schiedsspruch fällen soll, neu zusammengesetzt werden wird und so besetz» werden müßte, daß ein ungünstiger Schiedsspruch u n m ö g l! ch sei. Doch müßte man eS ablehneu, diesen Schiedssvruch als bindend zu betrachten. Es sollte jedesmal erst die Masse entscheiden. Bon einer Rückzahlung der 300 M. könne keine Rede sein. Däumig, Maltzahn und Paul und Adolf Hoffmann hätten ihm alle geraten, die Aufnahme der Arbeit zu empfehlen. Der Kampf sei zuletzt nicht mehr um die 700 M. gegangen, fondern es fej eine Machtprobe gewesen. Die Arbeitgeber seien wesentlich von ihrem Standpunkt abgewichen, das Kapltal habe den Rückzug angetreten. Wenn der Vorschlag jetzt nicht angenommen werde, so wird der Kampf bis zum Weißbluten gehen, ucue Berhandlungcn wären unmöglich. Die Arbeit müßte jetzt geschlossen wieder auf- genommen werden, da wir zu dieser gewaltigen Machtprobe z* schwach seien Auf einzelnen Bahnhöfen sei d»e Stimmung schon recht wankelmütig. Eine Resolution, die den gemachten Borschlag mit Entrüstung zurückweist und für die Fortsetzung des Streiks eintritt, wird gegen eine Minderheit angenommen. Die Stimmung der Versammlung war im allgemeinen nicht kanrpi begeistert. Auch der Beifall, der den Rednern für Fortsetzung des Streiks folgte, war nur schwach. Charakteristisch ist es auch, daß eine ganze Reihe von Zwischenrufen erkennen ließ, daß sie überhaupt eine Abstimmung vermeiden möchten. Das endgültige Ergebnis wird die geheime Abstimmung in den Betrieben, heute, Moutag, vormittags 9 Uhr, ergeben. Im Bahnhof Warschauer Brücke, wo sich 8000 Streikeade ver- sammelt hatten, wurde bei Beginn der Versammlung beantragt, den B e r i ch t e r st a t t e r n die Redezeit erheblich zu beschneiden, weil man die Streikenden ciugeseift habe und nun bestrebt sei, sie vollends einzuwickeln. Dagegen protestierte Strehlow(Zen- tralstreikleitung) mit größter Entschiedenheit; wenn die Versammlung sich dieser Aufafssung anschließe, werde die gesamte Zentralstreik« lcitung sofort zurücktreten. Der Vorsitzende des Transportarbeiter- Verbandes Schumann bezeichnete die Behauptung, man wolle die Versammelten einseifen, als wider besseres Wissen erhoben und legte ausführlich dar,� daß die Verbandsleitung auf ausdrückliches Ersuche» der Streikleitung hin eingegriffen und die Verhandlngen herbeigeführt habe. Strehlow gab den Bericht der VerhandliungSkommission, die sich aus je vier Vertretern der Streikleitung und des TranS- portarbeileröerbandes sowie einem Vertreter des Metallarbeiter- Verbandes zusammensetzte. Die S. P. D. wegen des gegen den ! Streik gerichteten Flugblattes scharf angreifend, betonte der Rsd- ner, indem er rein politische Ausführungen machte, daß die Stra- ßcnbahner durch Nichtbcteiligung am politischen Streik im Januar 1L18 die Sympathie der Arbeiterschaft Berlins verscherzt hat» ten. Was sie sich inzwischen an Sympathie wiedererobert haben, bätten sie sich jedoch anläßlich des Begräbnisses von Rosa Lurem- bürg wieder verscherzt, indem sie an diesem Tage nicht ausgesetzt haben. Maitz an vom Vollzugsrat habe am vorigen Tage in der Vertrauensmännersitzung gesagt, man solle ebenso geschlossen aus dem Streik herausgehen, wie man hineingegangen sei, da die Geschlossenheit in einer in wenigen Wochen zu erwartenden Aktion dringend nötig sei. Schumann führte, den Bericht ergänzend, aus, daß an eine Rückzahlung des nur der Form wegen als Vorschuß bezeichneten Betrages keinesfalls zu denken sei. Es müsse vielmehr bestimmt erwartet werden, daß der neu zusammenzusetzende Hauptausschuß den Forderungen der Angestellten erheblich weiter entgegenkam- men werde, als dies in dem Vevhandlungsergebnis zum Ausdruck komme. Der Kampf sei rein wirtschaftlich. Wie es Streh- low getan habe, Unterschiede zwischen den politischen Parteien zu betonen, müsse entschieden verworfen werden.(Großer LärM, Zuruf:„Runter mit ihm!") Bei wachsender Unruhe führte der Redner aus, daß die Organisation in jeder Einsicht ihre Pflickst erfüllt habe und oinwandssvsi verfahren sei.(Zurufs«Kuh- Handel!") In der anschließenden Aussprache wurde von verschiedenen Red- nern entschieden gegen die Wiederaufnahme der Arbeit polemisiert. Es sprachen jedoch auch mehrere Redner mit Erfolg für den Abbruch des Streiks. Einige Zwischenruser, die sich in schwer- sten Beschimpfungen der Gewerkschaftsbeamten ergingen, wurden vom Vorsitzenden energisch zurechtgewiesen. In einem Falle sah sich die Versammlung genötigt, einen solchen Ehrabschneider, der den Getverkschastsbeomten vorwarf, sie hätten sich von den Unier- nehmern Bestechungsgclder abheben lassen, durch Beschluß zu des- avouieren.(Wie der Schelm ist, so denkt er. Red.) Vielleicht Die reichliche Hälfte der Anwesenden war augenscheinlich für den Ab- bruch des Streikes. Da indessen diejenigen, die weiterstreiken wollen, durch Lärm besonders hertortraten, läßt sich ihre zahlen- mäßige Stärke, die man bei derartigen lauten Kundgebungen leicht überschätzen kann, nicht angeben. * Die Angestellte» der Omnibus-Gescllschaft. haben mit 437 von 490 abgegebenen Stimmen beschlossen, die Ar« beit unter Annahme- des am Sonnabend gefällten Schiedsspruches nnr dann aufzunehmen, wenn die Angestellten der anderen Ver- kehrsinstitute ebenfalls den Streik abbrechen. « Um 10 Uhr findet heute im Bahnhof Gleisdreieck eine Voll- Versammlung der Hochbahner statt. Im Anschluß an diese Per- sammlung wiid abgestimmt. � Sollt« das Ergebnis der Abstimmungen für die Beendigung des AuSstandes ausfallen, so können die Berliner aber doch Nicht darauf rechnen, sich noch heute der Verkehrsmittel zu bedienen. Das gesamte rollende Material und die Weichen sind durch die bei- nahe zweiwöcfientliche Ruhepause in einem Zustand, der eine Rei- nigung und Instandsetzung erfordert. Der Gesamtverkehr wird daher im günstigsten Falle erst am Dienstagmorgen außgenom- men werden können, GroMerlln Die Juristische Sprechstunde fällt am Dienstag, den 15., und Mittwoch, de» 1k. Juli, aus. Zum Protest gegen Eisenbahner-Entlasfungen. Zu diesem Bericht unseres Sonnabend-AbenblatteS schreibt uns ein Eisenbahnarbeiterrat: Der Bezirksleiter Schulz, derselbe Herr, welcher in der Streik- Versammlung im Hofe des Werkstättenamts Berlin 2, Revaler Str. 99, erklärte: Die Lebensmittel- und Kohlenzüge mühten ein- geftellr werden, wenn auch die Frauen und Kinder leiden müßten; er forderte Wetter zum Sturz der Regierung auf. Ausgerechnet dieser Schulz jammert jetzt über die Härte der Etsenbahnverwaltung, wenn sie Leute entläßt, die ganz einfach am Donnerstag, den 3. Juli, nicht zur Arbeit gingen, weil sie annahmen, die Regierung Sei zu ohnmächtig, diesen Erlaß durchzuführen. Uebrigens hat der Zrafident Wulls erklärt, auf Kranke und Urlauber findet der Er- laß keine Anwendung und auch alle Gesuche um Wiedereinstellung sollen in cntgcgenkmnmcnder Weise geprüft werden. Wenn Schulz sagt, durch die Entlassung werden Verbrecher hevangezüchtet, so sage ich: Dadurch daß man dazu auffordert, Lebensmittel- und Kohlenzüge nicht gehen zu lassen, wird man zum Verbrecher' am ganzen Volke und da war es höchste Zeit, daß der Minister ein- griff. Die Entlassenen mögen sich bei Schulz beranken. Die Erstechuug des französtschen Sergeanteu Manheim Während von dem Mardbuben trotz aller Fahndungen und der Ausschreibung der hohen Belohnung noch keine Spur gefunden ist, beginnt sich die Entstehungsursache des Zusammenstoßes zu klären. Eine ganze Reihe von Angenzeugen wurde wieder verhört. Alle Aussagen lassen erkennen, daß der Borfall im Zusammenhang mit der Lärmszene in der Nacht zum Donnerstag an der Kranzlerecke, Unter den Linden steht. Seit diesem ersten Zusammenstoß bestand eine Spannung zwischen dem Straßenpublikum und den französi- schen Soldaten, die durch Hetzer geschürt wurde. Alle Zeugen haben selbst nicht wahrgenommen, daß die Franzosen beleidigende AuS- drücke gebraucht und sich herausfordernd benommen haben. Sie haben nur gehört und gesehen, daß aufgeregte Leute die Beschul- bigung gegen die Franzosen erhoben, daß sie Dtädchen beschimpft und Offiziere verhöhnt hätten. Es haben bischer aber weder Ossi- ziere noch Mädchen gefunden werden können, die tatsächlich be- lästigt worden sind. Bon sehr großer Wichtigkeit wäre es, wsnn- sich der langhaarige alte Mann meldet, über den sich in der Nacht zum Tonnerstag französische Soldaten lustig gemacht haben sollen. Er wird gebeten, sich bei Kriminalkommissar Koppen im Polizeipräsidium zu melden. Unkosten werden vergütet. Ebenso ist eS dringend erwünscht, daß sich der Kaufmann Hans Müller meldet. Er hatte über die Vorgänge in der Donnerstagnacht als angeblicher Äugenzeuge'die darüber veröffentlichte Darstellung aus dem Polizeirevier gegeben. Ermittelt wurden unter anderem auch die Soldaten, die auf die beiden Franzosen eingedrungen sind. Auch sie waren selbst nicht Augenzeuge der gegen die französischen Soldaten erhobenen Beschuldigungen, hatten sich vielmehr nur von anderen Personen hinreißen lassen. » Die„Freiheit� versucht ihre hinlänglich bekannten Methoden, das veufiche Volk vor der Welt zu schädigen und die Behörden der deutschen Republik unter allen Umständen zu verdächtigen, auch hierbei auf? neue anzuwenden. Das Blatt wagt zu behaupten, daß seitens der zuständigen Behörden dem obengenannten Ereignis nicht«die gebührende Bedeutung beigemessen zu werden scheine". Es verlohnt sich kaum, demgegenüber nochmals darauf hinzuweisen, daß selbstverständlich seitens der deutschen Behörden alles getan wird, um des Täters habhaft zu werden, und derartigen, die be-' girmende Völkerversöhnung gefährdenden Untaten einzeln«: vor- sufaiiyn Zur Frage deS EierwucherS legt uns der von der Handels« kammer beeidete Sachverständige für den Eierhandel, Herr M. I. Jacobowitz dar: Der Großstadthändler kann sein« Ware— aus Gründen, die hier näher darzulegen zu weit führen würde— nicht direkt vom Produzenten(Hühnerhaller) beziehen. Er ist darauf angewiesen, die Ware draußen im Lande von einem Aufkäufer(der sie von den vielen Produzenten' zusammenkaust) oder aus dritter oder gar noch späterer Hand zu taufen. Der Händler kann auch heute noch— nach Erlaß eines RicknpreiseS von 60 Pf.— keine Ware unter 1,20—1,25 M. erhalten. Bis die Ware nach Berlin kommt, ergeben sich pro El noch etwa 5 Pf. an Un- kosten(Fracht. Rollgeld, zerschlagene Eier, eventuell Fahrgelder usw.), sodaß der Selbstkostenpreis 1,25— 1,30 M. beträgt. Nun ist dem Händler gestattet, 10 Proz. vom Selbstkostcnvreis zu verdienen, d. h. 12—13 Pf. Die meisten erzielen durchschnittlich keine 5 Pf. Rein« Verdienst, und der Umsatz ist gering. Wenn alS Folge des freien Eierbandels allerhand Leute so„frei" sind, die Preise auf schwindelnde Höhe zu treiben, so muß der legitime Eier« Handel Berlins jede Verantwortimg hierfür ablehnen. Die Jnlandsproduktion hat in Friedenszeilen etwa 4 Proz. des Bedarfs gedeckt. Der Rest mußte auS dem Auslande(Galizien, Russischpolen, Ungarn, Rumänien) importiert werden. Dieser Im- Port ist fortgefallen. In vielen Provinzen(z. B. Westpreußen, Ost« Preußen, Schlesien) besteht ein Ausfuhrverbot. Posen kommt nicht in Frage. So ist der Berliner Eierhandel auf wenige Gegenden (Westfalen, Oldenburg usw.) angewiesen. Und daß man dort die Konjunkliir auszunutzen verstehl, beweisen die oben angeführten Preise. Jedenfalls darf der Berliner Eierhandel bitten, von dem Vorwurf des Wuchers verschont zu bleiben. AuSkunftSstelle für Ofifzirrc und Mannschafte«. Vorläufige Entlassung, Ausstellung von Fahrtausweisen nur bei der Komman- dantur, Kupfergraben 4._- Obstkerne auf dem Gehsteig bedeuten für jedermann die Gefahr des AusgleitrnS und Beinbruchs Kommunale Arbeiterräte. Donnerstag, den 17. Juli, nachmittags 2 Uhr, im Plenarsitzungssaal, Herrenhaus, Bollversammlung. Tagesordnung: Stellungnahme zum Gesetzentwurf des Stadtkreise» Groß-Berlin und Fortsetzung der Tagesordnung von der letzten Vollversammlung.— Zwecks Kontrolle müssen die Legitimations- karten mit dem"örtlichen Arbeiterratsstempel versehen werden, ohne diesen kein Zutritt. Vollzugsrat Groß-Bevlin. Kommunaler Ausschuß. I. A. Rich. Lange. Uebcrstnndcn im ReichSverwertungsamt. Das Buch de? Pförtners, wo sich jeder Angestellte beim Verlassen des Hauses zum Zweck der Berechnung der Ueberstunden eintragen muß. zeigt Ein« iragungen wie 9, 10 und 12 Uhr nachts, auch von weiblichen Ange« stelllen. Wenn da soviel zu tun ist, könnten doch ein paar Stellen- lose Beschäftigung finden I Teure Atteste! Wie uns mitgeteilt wird.. ist der Honorarsatz für kreisärztliche Atteste, die mau jjur Aufenthaltsbewilligung in Bädern usw. braucht, auf 30 M. lestzesetzt, wozu noch 3 M. Stempelgebühr kommen. Dazu kommen noch die Ausgaben für mehrere Fahrten zum Polizeipräsidium, in dessen Räumen. z. B. in Charlottenburg, diese sonderbar hohe Gebühr er« hoben wird. Für die hungernden Kinder im deutschböhmischen Erzgebirges Der Reichspräsident Ebert hat für die Sammlung zugunsten des unsagbaren Hungerelends der deutschen Kinder in dem von den Tschechen besetzten oeutschböhmischen Erzgebirge tausend Mark- ge- stiftet. Hoffentlich unterstützt das deutsche Volk durch freigebige Spenden die Erzgebirgler in ihrem schweren Existenzkämpfe. Epen- de» erbeten an Pofigcheckkonto Berlin NW. 7, Nr. 19148, Kam- merzialrat Böhm. Der Volkservähruna in Groß-Berlin droht eine bedauerliche Einschränkung. Die Volks-Kcrffee- und Speisehallen-Gesellschaft sieht sich gezwungen, ihre in neun Hallen und aus vier eigenen Grundstücken unterhaltenen großzügigen Betriebe in nächster Ze:t eingehen zu lassen. Bisher war es ihr gelungen, ihrer gemein- nützigen Aufgabe, der minderbemittelten Bevölkerung gesunde, reichliche und wohlfeile Ernährung zu ermöglichen, in vollstem Maße. gerecht zu werden. Aber die stets wachsenden, für Abgabe der Speisen zu erschwinglichen Preisen jetzt nötig werdenden Zuschüsse kann ein Privatunternehmen auf die Dauer nicht ausbringen und insbesondere nicht Schritt halten mit den aus öffentlichen Mitteln betriebenen städtischen Einrichtungen für Masscnspeisung. Eine Vereinigung dieser mit dem ähnlich geleiteten Betriebe der Gesell- schaft erschien daher geboten. In diesem Sinne hat die Gesell- schaft dem Berliner Magistrat Uebereignung ihres Unternehmens angetragen. Da Ablehnung erfolgte, hat der Gcsellschaftsvor- stand Liquidation beschlvssea. Eine arge Geschmacklosigkeit ist eS, wenn selbst eine deutsche Filmgesellschaft in ihrem aktuellen Wochenfilm französische Militärparaden vorfuhrt. Kein Wunder, wenn es zu lauten Protesten kommt. In der Mordsache Günther, Rcichenberger Str. 141. wivd da? Publikum unter Bezugnahme auf die ausgesetzte Belohnung in Hohe von 5000 M. geöeten, etwa verdächtige Wahrnehmungen ocm Movdbereitschaftsdienst, Zimmer 88, zu melden. Es scheint festzu- stehen, daß der Täter am Dienstag, den 8. Juli, um 9�3 Uhr morgens in raschem Lauf von der Mordstelle durch die Lausitzer Straße über den Lausitzer Platz in die Waldemarstraße gelaufen ist. Viel- leicht haben ihn noch andere Personen oder ein Fuhrwerk gesehen. Dieser Mann soll auffallend groß gewesen sein und dunklen An- zug getragen haben. Vielleicht meldet sich auch das Mädchen als Zeugin, das in der Mordnacht gegen 12 Uhr vor dem Hause Reichen- berger Straße 141 gestanden hat. Allen Zeugen wird auf Wunsch Verschwiegenheit zugesichert. Es ist auch möglich, daß Mei Täter in Frage kommen und daß der über den Lausitzer Platz lau- send gesehene Mann nur Schmiere gestanden hat. Jedenfalls muß oer Täter mit Blut befleckt gewesen sein, hat vielleicht auch Kratzwunden am Handgelenk. Vielleicht ist auch bemerkt worden, daß eine Person seinen Anzug oder seine Wäsche selbst ausge» Iva schen oder zur Reinigungsanstalt gegeben hat. Die Kriminal- kommissare Boese und Dr. Arwschat nehmen alle Mitteilungen im Zimmer 88 oder telephonisch Polizeipräsidium, Anruf IIa,«nl- gegen. Ranbüberfall in der Leipziger Straße. Drei unerkannt ge- bliebene Verbrecher überfielen in der Nacht zum Sonntag Leipziger Str. 82 plötzlich den Wächter, einen 65 Jahre alten Mann namens Hermann Hamann aus der Bellermannstr. 32, als er in seiner Pförtnerstube am Hofe saß, knebelten ihn und zogen ihm einen mitgebrachten Sack über den Kopf. Dann raubten sie ilun die Schlüssel und verschafften sich Eingang in die Räume der Butterhandlung von Wienstruck. Hier stahlen sie für 100 900 Mark bares Geld und Wertpapiere. Einer der Räuber harte unterdessen bei dem Wächter Posten gestanden. Als er sich später, nachdem der Räuber verschwunden war, befreite, war niemand mehr zu sehen. Hamann hat nur leichtere Verletzungen davon- getragen. Eine falsche Kriminatpatrouille, bestehend aus einem „Flicgerleutnant", einem„Vizefelöwebel" und einem„Kriminal- beamten" erschien in der Mulachtraße bei einer Ar«» Mwel ani» ndjm eine HauSsuckung nach ZebensmittelR vor. Der Zivilist wieS sich mit einer Medaille als Kriminalbeamter aus, während sich die Begleiter durch ihre Uniform legitimierten. Schließlich erklärten sie sich bereit, gegen Zahlung von 5(X> M. von der„Beschlagnahme" abzusehen. Die Frau bot ihnen ZM M. und während sie noch verhandelten, kamen richtige Krinlina.- beamte, die inzwischen auf die falsche Patrouille aufmerksam gc- worden waren und verhaftete sie. Der„Herr Fliegerleutnant", der das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse und die österreichische Tapferkcitsmedaille trug, entpuppte sich als ein Gefreirer Paill Sßoigt, der„Vizefeldwebel" als ein gewisser Heinz Schnepf, der „Kriminalbeamte" als ein Schlächtergeselle Karl Eckwert. Wahr- scheinlich handelt eZ sich um die Bande, die bereit? ähnliche er- folgreiche Streifzuge in verschiedenen Siadtgegenden unternom- men hat. Mit 50 000 M. durchgebrannt ist ein Leutnant Sperber, der bei einer Abrechnungsstelle über die besetzt gewesenen italienischen Gebiete beschäftigt war. Der Flüchtige, der hier flott gelebt und Schulden gemacht hatte, wußte schließlich keinen Ausweg mehr, so daß er zuguter Letzt noch einen tiefen Griff in die ihm anvee- traute Kasse machte und mit dem Gelde das Weite suchte. Ein Heiratsschwindler, der sich als Obermaat im Geichs- marineamt ausgegeben hatte, der Lebensmittel usw. beschaffen könne, ist von einem seiner OHfer erkannt worden, als er mit einer anderen„Braut" im Auto fuhr. Die Dame nahm ein Auto, über- holte ihn und ließ ihn auf dem Stettiner Bahnhof verhaften. Der „schöne Eddh" wurde als der Kaufmann Eduard Klöß aus Offen- bach entlarvt. Neukölln sAngestelltenversicherung, OrtSauS- f ch u ß.) Zur Aufnahme von Anträgen auf.Heilverfahren, Zahn- ersatz. Gewährung von Ruhegeld und.Hinterbliebencnraüe, Erstattung von Beilrägen sowie von Auskünften, welche die Auge- stelltenversicherung betreffen, sind folgende Vertrauensmänner des Ortsausschusses bereit: Paul Kießling, Bergstr. 32, Alexander Sorge, Sopfstr. 59, Hermann Schieritz, Wildenbruchstr. 59, Kurt Lockhosf, Fuldastr. 55-50. Ausg. 6, Gustav Sabath, Bergstr. 33. Karl Krobn, Boddinstr. 22, Fritz Eckhardt, Kopfstr. ii, Reinhold Grän- dorff, Roseggerstr. 35. Blt-Glienicke. sGemeindevertretersitzung.) Für den Feld- schütz soll der Landrat ersucht werden, die hiesigen Gendarmen nicht anderweitig abzukommandieren, sondern sie bis zum 1. No- vemder dem Orte zu überlassen, da das Stehlen der Kartoffeln schon jetzt wi, eider einsetzt. Das Mieteimgunasamt wird neben 2 richterlichen Beamten aus 6 Beisitzern iMietern und Verm'e- tern) gebildet. Zur Amtsniederlegung des Erwerbslofenfürforge- ausfchufses führt Bennewitz(lt. S. P.) aus, wenn die Besetzung nicht neu vorgenommen wird, werden die Unabhängigen ihre Ge- nossen aus sämtlichen Kommissionen zurückziehen und die M't- "arbeit verweigern. Auch hier wollen die U. S. P., ähnlich wie tn der Regierung, sich zurückziehen von der Arbeit, es werden nur politische Reden der U. S. P. gehalten, wer die stärkste Partei ist, aber keine positive Arbeit geleistet. Von der S. P. D.-Fraktion erklärt Werlemann sich für Neuwahl des Ausschusses. Die Neu- wähl wird mit Ist Stimme» angenommen. Es wird beschlossen, Wollsachen usw. auS den Heeresbeständen für die Allgemeinheit zu erstehen und eine Baracke vom Flugplatz für zirka 15 000 M. zu kaufen. Die Eingemeindung zu Groß-Berlin wixd ebenfalls beschlossen. Endlich wird der für das Lebens- und Futtermittel- amt angestellte Herr Apcl wieder durch den Gemeindevorstand cm- lassen, da er bei der Gemeinde Oberschöncweide Lebensmittel- schiebercien gegen Provision gemacht habe. Tegel.(Gemeindevertretung.) Der Errichtung eines Freibades am Nordufer des>seeZ wird zugestimmt. Strandlänge 120 Meter. Ter Zweckverband hat für 3 Jahre die Genehmigung erteilt. Kosten zirka 6000 M. Den Betrieb übernimmt der Arheiter-Schwimm- verein„Delphin". Ilebersi'tzen mit Motorboot: einfache Fahrt 20 Pf., Hin- und Rückfahrt 30 Pf. Eintritt 10 Pf., Kleiveraufbewahrung 10 Pf. Zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden im Gewerbe- gericht wurde Gen. HalfeZ gewählt. Die Gemeindeeinkommen- steuer soll 300 Proz. betragen, da schon jetzt mit bedeutendem Mehr- aufwand gegenüber dem Voranschlag zu rechnen ist; 308 000 M. allein Mehrkosten durch erhöhte Gehälter und Arbeitslöhne. Für den naturwissenschaftlichen Unterricht der Humboldtschule werden 4000 M. bewilligt. Eine einmalige Zuwendung von 200— 700 M. wurde den Beamten, ständigen Angestellten, Lehrpersonen und Hilfskräften. Pensionsempfängern und Hinterbliebenen bewilligt, für jedes Kind 200 M._ Pankow. Grost-Berliner Lebensmittel. 125 Gramm Reis(48). Johannisthal. 250 Gramm Kunsthonig(47), 250 Gramm Haferflocken(50), 125 Gramm Reis(58), 500 Gramm amerikani- sches Weizenmehl(I. II, K. 12), ein Hering(404). Buchholz. Voranmeldung bis Dienstag auf 250 Gramm Kunsthonig(03).— 750 Gramm Brot(52).— Kartoffelverkauf im Amtshause Montag 6-�1 Ubr weiße Karte Nr. 1—400, 2—5 Uhr 401—800, Dienstag 9—1.Uhr 801—1200, 2—5 Uhr der Rest. Kartoffelkarten mitbringen. Lichterfclde. 90 Gramm Bratfett, 125 Gramm Margarine, Sonderzuteilung. 500 Gramm amerik. Weizenmehl(L 0 und V 7) bis 10. Juli; 150 Gramm Grieß(41), 500 Gramm Kunst- Honig(27). Bohnsdorf. 250 Gramm amerik. Auszugsmehl(\V 8). Anmeldungen bis Mittwoch. 150 Gramm Suppenwürfel>32). An- Meldungen bis Mithwcch. 14 Pfund amerik. Fleischprodukte(Z 8 und A 9) zum Preise von 2,10 M. 750 Gramm Brot(52). 1 Pfund Graupen(45). 1 Pfund Haferflocken(46). Alt-Glienicke. 750 Gramm Brot(52), 125 Gramm Speck (A 9), 150 Gramm Kartofsclwalzmehl>53), 100 Gramm Grütze (39), 100 Gramm Haferflocken(39), 50 Gramm Suppen(39), 250 Gramm Maisfabruate(49), 500 Gramm Marmelade(2), 250 Gramm amerik Mehl(E 9, O 10), 50 Gramm Bratfett(B 9). Anmeldung aus I 39 der Jugendlichenkarte. I 11 der Einfuhr-Zu- satzkartc, F 10 und G 11. Leere Hcringsfäsier im Lager von 8 bis 1 Uhr täglich zu 3 M. Groß-Serliner psrteinachrichten. 25. Abt. Der Frauen-Leseabend fällt für Monat Juli aus. Neukölln. Heute, Montag 8 Uhr, Bezirksführer-Sitzung, Kindl-Brauerei, Hermannstraße(kleiner Saal). Eharlottenburg. Die Listen vom Waldfest sind morgen, Dienstag, von 5— 7 Uhr im Sekretariat bestimmt abzurechnen.— DaS Parteisekretariat befindet sich Rosinensbr. 4, v. I, im VolkshauS. Geöffnet wäbrend Her Sommermonate Dienstag Donnerstag, Sonnabend 5— 7 Uhr. Neuaufnahmen und Beiträg werden entgegengenommen. Telef. Wilhelm 730. NowaweS. Mittwoch, abends 8 Uhr. Mitgliederversammlun bei Ebel, Priesterstr. 31(kleiner Saal);„Das BctriebSrätegefetz" Ecferent Genosse Markwitz-Derlin.. Wetterbericht. Kühl und veränderlich, vorwiegend wolkig mit wiederholten meist geringen, nur im östlichen Küstengebiet stärke- ren Regenfällen und ziemlich lebhaften westlichen bis nordwestlichen Winden. GAverffchaflsbewMNg Gegen das Betriebsrätcgesetz. Die Vollversammlung der Berliner Funktianäre der Verr gung von Oierbeamten i« Bankgewerbe erklärt, daß sich der Regierungsentwurf, der die leitenden Angestellten in allen Fragen des Betriebes und sogar in den nur die leitenden Angc- stellten angebenden Angelegenheiten der ständigen Majorisierung durch die anderen Angestellten sowie die Arbeiter ausliefert und bierdurch die besten Köpfe unter den Arbeitnehmern von ser er- folgreichen Mitarbeit am Wiederaufbau der Wirtschaft auöschließ:. am Wirtschaftsleben Deutschlands aufs schwerste versündigt. De Vereinigung erbebt schärfsten Protest gegen den Rgierungsentwurf und verlangt gemäß dem von ihr eingereichten Gegenentwurf eine paritätische Behandlung der orei Gruppen von Arbeit- nehmern. nämlich der Arbeiter, der Angestellten und der leitenden Angestellten. Die Vereinigung ist der sicheren Zuversicht, daß die Einsicht der Nationalversammlung die geplante Durchpeitschung vcs Gesetzentwurfes in der Rcgterungsfassung unter allen Umständen verhindern und bei der endgültigen Beschlußfassung über diese so unendlich wichtige Materie die eingehenden Vorschläge der Vor einigung in gebührender Weise berücksichtigen wird. Zentralverband der Fleischer. Morgen, Dienstag, abend? 7% Uhr, Vertrauensmänner-Versammlung der ge- samten Lrtsverwcrltung Groß-Berlin im Rosenthaler Hof, Rosen- thaler Str. 11. Veraiitwerttick für Politik: Artni Riälrr, Cliarlottcnburp, für den llkiriqe» Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Anzeigen: Theodor Elocke Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag®. m. b. 6., Berlin. Druck: Vorwärts. Buchdruckern und Verlagsanflalt Paul Singer u. So. in Berlin. Lindenstr.!i. Tdi-ater i. neuen Kampf angeordnet. I Nachdem: Scliow(Brandend.) geg.! Bartkowl&k(Polen), r Dieier Kampf mußte ab- gebr. werden weg. Fuß- Verletzung eines Ringers. Außerdem: »intre(Berlin) gegen Volt(Budapest). 55 Libelle" Jägerstraße 63 a Gepflegte Weine Gute Küche Täglich Tanz. Anfang 8 Uhr KAPELLE PO'LLSCHUK Spezlalarzt ÜF, Hascht Sprechstunden 10—1, 5—8. Sonnt. 10—1. tiiMDM* m»naau" T8*' Wir h'ef e rn sofo rr J.pcecttäppörofe gor ur* Probe und auf NA/unfCh gegen Monatsraten Berlin, Alexandrinensfr 57 sofort u. gratis die il'1 Irr.erfc, örofehüre N9 1277 L ZIGARREN pro Mille von 650 Mark an gibt in großen und kleineren Posten ab* s.»Är.,Sohnupf tabak StiJ: Zipireii-EngroS'Haus Neukölln ST e'n ö 1 1 n, KchinkeHtraße 4-5. u, Lungenleideo 1 Herr Hauptlehrer tilller aus Melau schreibt; 1 Seit mehr als 12 Jahren litt ich an Atemnot. 1 Dies wurde immer schlimmer, so daß ich ein Lungenleiden befürchtete, ich mußte den groß| ten 7 eil der Nacht sitzend im Bette zubringen.> Husten und Nachtschweiß machten mich so matt, daß ich kau« meine Glieder schleppen i konnte. Alle mögiiehen Mittel wurden versucht— aber hellen konnte mir keines.— Da | wandte ich mich an Sie. Ich führte die Kur so gut ich konnte durch und erzielte bald Besse- I rung, die immer weitere Foftschritte machte— 1 bis ich jetzt vollstaadig geheilt bin. Ich bin | ein neuer, gesundjr Mensch geworden und spreche Ihnen meinen herzlichsten Dank aus. 1 Leiden Sie an Schnupfen, Hals-| schmerzen, Heiserkeit, Husten. Atem- net, Auswurf zähen Schleimes, Stechen j auf Brust und Rücken, Nachtschweiß, 1 kalten Händen und Füßen, Blutspucken, pfeifenden u. schnurrenden Geräuschen in der Brust, ofu heftigem, unregel- | mäßigem Herzschlag, starkem Angst- »efüW, mangelhaftem Schlaf, schlechter| Verdauung etc., so verlangen Sie sofort ; meine neueste, mit Vorwort eines als Kreisphysikue gapri. icen_ Arztes ver-| ! sehene Broschüre. Sie wird Ihnen vaHständig gratis gegen Einsendung. und alle anderen Transqort wüte lief, billigit Groß. Vorrai S. Wagner, Cüpenick. 3t. 21 Dr. Grötering Spezlalarzt. 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