Nr.3F6.36.Iahrg. Bezugspreis: BlerteljShrl. 9/— Ml., monatl. 8,— Ml. fett bis Haus, voraus zahlbar. Post» btzug: Monatlich 8*— Ml. ejtL gu- stcllungsgebllhr. Unter ttreuzdand fllt Deutschland und Oesterreich-Ungarn 6,25 Mb. für das Übrige Ausland 10 25 Ml, bei täglich einmal. Zustellung 825 Ml. Postbestellungen nehmen an Dänemark, Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Singelragen in die Post-Zeitunzs-Preisliste. Der.Vorwärts� mit der Sonntags- beilage»Boll u. gelt" erscheint wachen» täglich zweimal. Sonntags einmal. Morgen-Ausgabe. Telegramm-Adresse; »Sozialöcmotrat Berlin". Nerlinev VolKsblstt. ( 15 Pfennig) SlnzeigenpreiS? Die achtgefpalten« Ronparetllqekl« kostet 120 Ml.»Ulein»«»zeigen", das fettgedruckte Wort 50 Pfg.(zulässig l fettgedruckte Worte), fedee wettere Wort 25 Pfg. Stellengefuche und Schlafstellenanzeigen das erst« Wort «0 Pfg. fedes welter« Wort 20 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für »«et WoN«. Teuerungszuschlag 50»/» Familien- Anzeigen, politifche und gewerlschaftlich, Bereins» Anzeigen 12° Ml. bie geile. Anzeigen für dt» Nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgefchäst, Perlin SB 88, Lindenstrasse 5. abgegeben «erden. Seässnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemobrati leben Partei Oeutfchlanda. Neüaktion und Expedition: SM. öS, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morivpla«. Nr.»listg«—»SIS?. Dienstag, den 13. Juli ISIS. vorwärts-verlag G.m.b. h-, SV. öS, Hindenstr. 5. Fernsprecher: Amt Moripplast. Nr. 117 SZ— St. Wiederaufnahme des Verkehrs. Am Montagabend haben nochmals grohe Versammlungen der streikenden Strastcnbahner stattgefunden, in denen be- schloffen worden ist, den Strastcnbahnverkehr ab heute, Dicns- tag, wieder auszunehmen. Neue Massenbewegungen in Italien. Gegen den Bersailler frieden. Bern, 14. Juli. Lant„Avanti" haben die Reform- s o z i a l i st c n die Teilnahme an dem Ausstand am 2V. und 21. Juli bcschlosicn, cbruso der Katholische Gewerk- schaftsbund, der nach Angabe seines Sekretariats 5bv00v Mitglieder zählt, und der Katholische Eisenbahner- Verband. Ter Ausstand soll eine Protestkundgebung der Massen gegen den Bersailler Frieden sein. Auch die Po st-, Telegraphen- und Telephonange- stellten werden teilnehmen.„Secolo" wendet sich scharf dagegen und wirst ihneu Pflichtver�essenHeit vor. Er erklärt, dasi die ganze Bewegung auf einen revolutionären A ü s st a ud hinauslaufe. Tie italienischen Sozialisten für die bolschewistische Internationale. Bern, 14. Juli. Die in Rom tagende sozialistische Partei» l e i t u n g hat zum 7. bis 10. September einen allgemeinen Parteitag nach Bologna einberufen, die von Amsterdam aus» gehende Einladung znm Internationalen Sozialistenkongreß in Lnzern am 1. August ober abgelehnt, da? Amsterdamer Rciormprogramm verworfen und dem bereits im-Februar in Mailand beschlossenen Beitritt zur dritten Internationale zugestimmt.' Bern, 14. Juli. In Rom blieben am SamStag wieder die meisten Läden geschlossen. Die Apotheken waren genötigt, Arzneimntel und Toilettegegenstände zu halben Preisen abzugeben, um Plünderungen zu vermeiden. In L u c e r a(Apulien) kam e§ zu blutigen Zusammenstößen, die 6 Tote und 27 Berwuudete forderten. Heber die Stadt wurde der Belagerungszustand verhängt. N i t t i richtete an die Präfekten einen Erlaß, der energische Maßnahmen zum Schutz der Ladengcschäfie und Warenvorräte gegen die Gewalttätigkeiten der Menge verlangt.__ die französischen Sozialisten gegen üen Irieüen. Elsast aus dem Regen in die Traufe. PersailleS, 14. Juli. Der Nationalrat der soziali- stischen Parter hat in der gestrigen Nachmittogssitzuwg die Pc-- sprechung des Friedensvertrages begonnen. Laudier empfahl, gogenüber dem Friedensvertrag eine Stellung einzunehmen, die Müschen den verschiedenen Ansichten ver- Mitteln könne. Namens der Sozialdemokrat«, im Oberelsaß verlas G r u m- bach ein« Entschließung, die den Friedensvertrag von Versailles als im Widerspruch mit Wilsons Programm stehend bezeichnet und erklärt, der Vertrag se: in geheimen Berotan» gen, über die die öffentliche Meinung nicht unterrichtet worden sei, aufgestellt worden. In Frankreich s« der Vertrag, nachdem er in Deutschland längst bekannt geworden war, sogar vor dem Par- lamcnt geheim gehalten worden. Er verstoße gegen die von dem Internationalen Sozialistenkongreß in Bern im Fe- bruar ISIS aufgestellten Bedingungen. AuS diesen Gründen ver» langten die Sozialdemokraten rm Oberelsaß, daß die sozialistische Kvmmernmktion. dem Vertrag ihre Zustimmung versage. Grumbach ging alsdann zu einer scharfen Kritik der Art über, wie durch die MilitörvlNvaltung im Elsaß regiert werde. Dreysuß schloß sich Grumbachs Erklärungen namen» der So- zialistrn im Unterelsaß an; auch er protcstierte gegen das verab- scheuungSwürdige Regime, daS den Elsässern durch die Militärbehörden aufgezwungen werde. B e d o u c e(Toulouse) krbisirrre den Friedensvertrag. Trotzdem will Bedoure nicht gegen den Friedens- stimmen, sondern sich mit einem scharfen Protest begnügen, um eine spätere Revision sicherzustellen und sich der Abstimmung enthal.en Seinbat vertrat den gleichen Standpunkt. Das Schlimmste sei dir Polen frage. Man habe Polen gebildet als Schutzwall gegen Deutschland, aber es werde ein Bollwerck europäischer Reaktion werden; da liege auch der Zündstoff für den neuen Krieg. Rcnaudel erklärt«, auch er sei für eine Revision des Ver» trag??, aber nicht für eine Revision durch Revolution, sondern durch ein weniger gefährliches Verfahren. Paul„aure sprach gegen Stimnienthalwiig. Er nannte den Fcieeen einen'.llusorischen Militarismus, der heute bei Besiegten und Siegern, gleich mächtig j«, denn kein Volk se« befreit worden. In dem Augenblick, in dem Deutschland, Oesterreich und andere Völker sich dem sozialistischen Ideal zuwendeten, dürften die sran- zöiljchen Sozialisten nicht vor einer klaren Stellungnahme zurück- schrecken. Die Aussprache wurde hierauf auf Montag vormittag ver agl. Englischer Protest gegen öen ßrieöen. Keine moralische Gültigkeit. Bern, 14 Juli. DaS Zentralkomitee für die Wiederaufnahme der internationalen Be- Ziehungen, einer Zweigorganisation der Union ok vemo- oratio Control in London erläßt einen öffentlichen Protest gegen den F ri e d e n, den Deutschland gezwungeneiweise uuterzeicbnen mußte In dem Ausruf heihl es: Wir erklären feierlich/ daß unser Gewiffe» sich kategorisch weigert, diesem Vertrag irgendwelche moralische Gültigkeit zuzuerkennen, und daß wir es als unsere Haupiaufgabe betrachten, dielen Vertrag durch einen Frieden zu ersetze«, der den Wünschen und Idealen der Völker ent- spricht. Dieser Standpunkt deckt sich vollkommen mit dem unseren rmd mit dem aller gerechtcmpfindenden Weltbürger. Wilsons Neüe im Senat. Eiertanz um das Flicktverk des Friedens. Amsterdam, 14. Juli.„Daily NewS" vom 11. melden, daß Präsident Wilson in seiner Rede im Senat erklärte, die Tat- fach«, daß der Völkerbund der erste selbständige Teil des Friedens- Vertrages war, der cmSgcarboitot wurde und über den man sich einigte, während über alle anderen Teile noch beraten wurde, habe mitgeholfen, die Festlegung der übrigen Vertrags teile leichter zu gestalten. Alte Verwicklungen jeglicher Art hätten im Wege ge- standen, Versprechungen, die die Regierungen einander gemacht hätten zu den Zeiten, wo noch Mscht und Recht verwechselt wurden und die Macht des Siegers schrankenlos war. Ebenso waren Per- pflichtungen eingegangen worden, die Gebietsvertsilungen und Ausbreitung der Souveränität bezweckten und nur zum Nutzen derjenigen zu sein schienen, die die Macht hatten, darauf zu be- stehen, bei denen jedoch die Wünsche oder der Vorteil der davon betroffenen Völker unberücksichtigt gelassen worden war. ES sei nicht leicht gewesen, die neuen Ideen auf die alten zu pfropfen und er(Wilson) befürchte, daß einige auS diesem Pfropfvorgang entstandenen Früchte eine Zeitlang bitter schmecken würden. Mit sehr wenig Ausnahmen hätten jedoch die Männer, die mit den amerikanischen Delogierten um den FriedcnStisch saßen, ebenso aufrichtig wie die Amerikaner gewünscht, sich von schlechten Einflüssen und ungesetzlichen Zwecken und dem entsittlichenden Ehrgeiz, aus denen die dunklen Pläne Deutsch- landS entsprangen seien, loszumachen. Präsident Wilson versuchte dann, die Friedensbedingungen im einzelnen zu erklären, und fem« Rede war fast ganz dem Völkerbund und der Isolierung Amerik'as gewidmet. Er erklärte:„Es kann nicht die Rede da» von sein, dag Amerika aufhört, eine Weltmacht zu sein. ES han- delt sich nur darum, ob wir die moralische Führung, die unS an- geboten wird, zurückweisen können/ ob wir daS Vertrauen der Welt annehmen oder verwerfen sollen. Der Krieg und die Friedens- lonfereiiz haben diese Fragen schon, beantwortet, und nur eine verfehlt« Aktion auf unserer Seite kann daran etwas ändern." Der Präsident erklärte, es sei unmöglich, die Interessen einer so großen Zahl von Nationen ohne zahl- reiche kleiner« Kompromisse einander anzu- passen. Man habe die praktischen Möglichkeiten der internatio- nalen Lage ins Auge raffen und sie als Tatsache behandeln muffen. Damit hat Wilson selbst das Urteil über den unglück- lichen Versuch gesprochen, einseitig von oben her ein de- friedigendes neues Weltbild zu konstruieren. Man bat sich durchcko.mpromlsselt. Wilson wird aus seiner politischen PrariS wissen, daß Kompromisse nichts anderes sind als taktische Notbehelfe. Sie vergehen alle melrr oder minder schnell. Sie wechseln wie Parlamentsmehrheiten. Und dar- aus warten wir._ Nusiisibes Mandat über die Darüanellen. Tas alte Rustland gibt Konstautinopel nicht auf. Kopenhagen, 14. Juli.(Eigene Drahtnachricht des.Vorwärts.) Die Pariser Ausgabe deS„New Dork Herald" meldet, daß der frühere russische Ministerpräsident Fürst Lwoff in einer Rote an den Fünsmännerrat sür Rußland daS Plandat über die Dardanellen verlangt habe. Sollte e« jedoch einer internationalen Kommiision übertragen werden, die Türkei oder wenigstens Konstantinopel zu verwalten, so verlangt Fürst Lwoff, daß Rußland vertröstet würde. das Schulkompromiß. Nach mehrtägigen Verhandlungen zwischen den Ver- tretern der Fraktionen des Zentrums und der Sozialdemo- kratischen Partei kam über die strittigen Punkte, binsichtlich Schule und Kirche, die in dem Verfassungsentwurf im Abschnitt über die Grundrechte und Grundpslichten enthalten sind, folgende neue Fassung zustande, die gemeinsam von beiden Parteien vertreten werden wird. Artikel 143, Absatz 2 enthält folgende Fassung: Ob die Schule» innerhalb der Gemeinden sür alle Bekenntnisse gemeinsam»der nach Bekenntnissen getrennt odev bekenntnisfrei(weltlich) sein sollen, entscheidet der Wille der Erziehungsberechtigten, soweit die» mit einem geordneten Schulbetrieb zu vereinigen ist. Tab Nähere be. stimmt ein baldigst zu erlassendes Reichsgesetz. Bis zum Erlaß de» Gesetzes bleibt es bei den bestehenden Vorschriften. Absatz 2 erhält folgende Fassung: Für den Zugaug Minderbemittelter zu den mittleren und lwheren Schulen sind durch Reich, Länder und Gemeinden öffentliche Mittel bereit zu stellen, insbc- sondere ErziehungSbeihrlfen für die Eltern von Kindern, die zur Ausbildung auf mittleren und höheren Schulen sür geeignet erachtet werden, bis zur Beendigung der Ausbildung. Artikel 144 erhält folgenden Wortlaut: Private Schulen als Ersatz für öffentliche Schulen bedürfen der Genehmigung des Staates und unterstehen den Landesgesetzen. Die Gc- nehmigung ist zu erteilen, wenn die Privatschulen in ihren Lehr- stuhlen sowie in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen lind im Falle der Erhebung von Schulgeld Abstufungen auch minder- bemittelten lßollS schichten.zugänglich gemacht werden. Private Volksschulen sind nur zuzulassen, wenn für' eine Minderheit bon Erziehungsberechtigten, deren /Wille nach Artikel 143,.Absatz 2 zu berücksichtigen ist,«ine öffentlich: Volk? schule ihres Bekenntnisses in der Gemeinde nicht besteht. Private Vorschulen sind unzulässig. Artikel 145. In Absatz 1 ist nach„Tüchtigkeit" einzufügen: „A r b e i t S f r e u d i gk e i t". In Absatz 2 ist nach„Staats- bürgerknndc" einzufügen:„und Arbeitsunterricht". Absatz 4 erhall folgenden Wortlaut:„Das VolkSbildungSioe sen einschließlich der Volkshochschule soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert lverden." Artikel 146. In Absatz 1 werden im Satze 1 die Worte hinzu- gefügt:„mit Ausnahme der bekenntniZsreien(weltlichen)(Schulen." Absatz 2 erhält folgende Fassung:„Die Erteilung religiösen Unter- richt? und die Vornahme kirchlicher Verrichtungen bleiben de: Willenserklärung der Lehrer, die Teilnahme an religiösen Reli- gionSfächern, an den kirchlichen Feiern und Handlungen der WillenSerklärung der Erziehungsberechtigten überlassen." Absatz 3 erhält folgenden Wortlaut:„Die bestehenden theologischen Fakul- täten an den Hochschulen bleiben erhalten." (In der bisherigen Fassung lauten die fraglichen Per- fassungSartikel: Artikel 143. DaS öffentliche Schulwesen ist organisch auszugestalten. Auf einer für alle gemeinsamen Grundschule baut sich daS mittlere und höhere Schulwesen auf. Für diesen Aufbau ist die Mannigsaltigkeit der Lebensberuft', für die Auf- nähme eines Kindes in eine bestimmte Schule find seine Anlage und Neigung, nicht di« wirtschaftliche und g e s e i l s ch a f t- lich« Stellung oder das Religionsbekenntnis seiner Eltern maßgebend. Ob und wieweit bei der Gliederung der Volksschule Kinder des gleichen Bekenntnisses auf Antrag der Erziehungs- berechtigten vereinigt werden können, bestimmt die Gesetzgebung. Für den Zugang Unbemittelter zu den mittleren und höheren Schulen sind öffentliche Mittel bereitzustellen. Artikel 144. Die Errichtung von P r i v a t s ch u l« n ist zu- lässig; sie bedarf der Genehmigung des Staats. Pri- vatschulen unterstehen'den Londesgesetzen. Privat« Volks- schulen sind nur zuzulassen, wenn sie in ihrem inneren Ausbau nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen. Artikel 145. In allen Schulen ist persönliche und staaiS- bürgerliche Tüchtigkeit und sittliche Bildung auf deutsch-voltstüm- licher Grundlage im Geist der Völkerversöhnung zu erstreben. Beim Unterricht in öffentlichen Schulen ist Bedacht zu nehmen, daß die Empfindungen Andersdenkender nicht verletzt werden. Staatsbürgerkunde ist Lchrgegenstand in den Schulen. Jeder Schüler erhält bei Beendigung der Schulpfliwt einen Abdruck der Verfassung. Volkshochschulen sollen gefördert lverden. Artikel 146. Der Religionsunterricht ist ordent» l i ch e r L e h r g e g e n st a n d der Schulen. Seine Erteilung wird im Rahmen der Schulgesetzgebung geregelt. Der Religionsnnter- richt wird in Uebereinstimmung mit den Grundsätzen ter betreffenden Religionsgesellschaft unbeschadet dM Aussichtsrecht» des Staat» erteilt. Kie Erteil unq des Religionsunterrichts und die Vornahme kirchlicher Verrichtungen bleibt der Willenserklärung der Lehrer überlassen. Gegen den Willen des Erzie» hungZberechtigten darf lein Schüler zum Besuch des Religionsunterrichts oder zur Teilnahme an kirchlichen Feiern und Handlungen gezwungen werden. Die theologischen Fakultäten an den Umversitäten bleiben er- halten.) • ES haben eine ganze Anzahl FraktionSsiKunge» stattgefunden, sowohl bei der Zentrumspartsi wie bei der Soziakde inokratischen Partei, um zu einer Einigung zu gelange«. In beiden Parteien waren die Widerstände sehr stark. In der Sozialdemokratischen Partei wurde das Kompromiß schließlich als eine politische Not- wendigteit anerkannt. Wenn auch sehr viele Gründe gegen ihn angeführt wurden, entschied(ich die erhebliche Mehrheit der Fraktion zuletzt doch für diese Mittellinie. *• * Die Kämpfe, f>ic sich in den letzten Tagen in den Frak- tionen abgespielt, haben vor Wochen im V er f a s s u ri g s- a u s s ch u ß der Nationalversammlung ihre Vorläufer ge- fiinden. Es wurde damals wie jetzt von beiden Seiten hart um die Weltanschauung gerungen. Di« Sozialdemokratie verlangt die Trennung von Staat und Kirche und die Weltlich/eit der Schul«. Das Zentrum möchte, wenn angängig, den Staat der Kirche ausliesern und es fordert die volle Konfessionsschule. Auch über die Schule soll die Kirche gebieten. Das Zentrum war sich im Verfasiungsausschuß von vornherein klar, daß es viel Wasser in seinen Weinkelch gießen müsse, um nur einen kleinen Teil dessen zu erveichen, was es erstrebte. Es rückte daher mit einer Fassung heran, die zwar weit hinter seinem Ziel zurückblieb, die aber gleich. wohl weit über die Linie Hinansgriff, die von der Sozial- demokratie im ärgsten Notfall zugestanden werden konnte. Zu diesem Notfall kam es durch die Schuld der Demokraten. Trotz aller Bemühimgen unserer Ver- treter waren d-ie Demokraten für die volle Weltlichkcit der Schule nicht zu haben. Der Religionsunterricht sollte mich nach ihrer Meinung ordentliches Lehrfach der Schulen bleiben. Die sozialdemokratischen Anträge wurden von ihnen wie von den übrigen bürgerlichen Parteien niedergestrmmt. Die sozialdemokratischen Vertreter mußten sich danach be- gniigen, im Rahmen dessen, was die Demokraten zuzugestehen willens waren, so viele Verbessevunigen wie möglich durch- zusetzen. Das Resultat ihrer Bemühungen lag in den Artikeln 143 bis 146 vor. Sie sind im vierten Abschnitt der.Grund- rechte und Grundpflichten", der sich mit der„Bildung und Schule" befaßt, enthalten und oben wiedergegeben. Ein Vergleich der Bestimmungen des Kompromisses mit dem Wortlaut, wie er aus der Kommission herausgekommen ist, zeigt, daß n i ch t das Zentrum„auf der ganzen Linie ge- siegt" hat, wie ein Teil der demokratischen Presse in den letz- ten Tagen aus kulturkämpferischer Neigung zu behaupten freimütig genug war, sondern daß die Anhänger der Kon- fesfionsschule so gut wie die Verfechter der vollen weltlichen Schule Konzessionen haben machen müssen. Die Sozialdemo- kraten haben es nicht erreicht, daß der Religionsunterricht aus den Schulen verschwindet, aber sie haben durchgesetzt, daß kein Kind zur Teilnahme am Religionsunterricht ange- halten werden kann, wenn feine Eltern eS nicht wünschen. Der Diffidentenzwang unseligen Angedenkens ist ein für allemal beseitigt. Was für die Kinder gilt, gilt auch für die Lehrer. Kein Lehrer kann künstig gezwungen werden, Reli- gionsimterricht zu erteilen, wenn er dadurch in Gewissens- konflikte gerät oder wenn andere Gründe vorliegen, die ihn oeranlassen, diesen Unterricht abzulehnen. Die Bestimmungen des Kompromisses gehen aber noch weiter. Im nciten Absatz 2 des Artikels 143, der oben durch fette Schrift ausgezeichnet ist, wird nicht nur die Errichtung simultaner, für alle Bekenntnisse gemeinsamer, sondern auch voller weltlicher Volksschulen vorgesehen. Be- stimmend ist dafür der„Wille der Erziehungsberechtigten, soweit dies mit einem geordneten Schulbetrieb zu vereinigest ist". Das Nähere darüber soll ein baldigst zu erlassendes Reichsschulgcsctz bestimmen. Hier erscheint also zum erstenmal die sozialdemokratische Forderung der vollen weltlichen Schule. Sie kann dort ein- geführt werden, wo innerhalb der Gemeinden der Wille der Erziehungsberechtigten es verlangt, soweit die Ausführung dieses Willens mit einem geordneten Schulbetrieb zu ver- einigen ist. Dieser neue Absatz 2 und der folgende Absatz 3 des Ar- tikels 143, der öffentliche Mittel von Reich, Staat und Ge- meinde für die volle Ausbildung der begabten Kinder Miirderbeimttetter auf den höheren Schulen verlangt, haben es der sozialdemokratischen Fraktion der Natronalversanmr- hing möglich gemacht, dem Kompromiß ihre Zustimmung zu geben. Wir wollen abwarten, ob die demokratische Presse auch jetzt noch von einem„vollen Siege des Zentrums auf der ganzen Linie" zu sprechen den Mut haben wird. Der Borwurf, wie immer er lauten mag, klingt überdies beson- ders hübsch aus dem Munde derjenigen, deren Parteigenossen den Sozialdemokraten in den Arm gefallen sind, als sie daran gingen, dem Volke die allgemein« weltliche Schule zu erringen.' Selbstverständlich ist, daß die Unabhängigen über „Verrat" schreien werden. Je lauter sie die Sozialdemokraten anklagen, um so energischer wollen wir sie daran erinnern, daß die zwingende Notwendigkeit einer mittleren Linie auch auf dem Gebiet der Schule nur den Unabhängigen zu danken ist. Hätten sie Disziplin gehalten, hätten sie die Partei nicht gespalten, hätten sie nicht all ihre Kmst und all ihren Haß daran gesetzt, die Sozialdemokratie zu bekämpfen und zu schwächen, so würden wir bei den Jannarwahlen für die Nationalversammlung die glatte Mehrheit errungen haben. Dann hätte die Sozialdemokratie glatte Bahn vor sich ge- habt und hätte volle Arbeit leisten können. Dann hätte nir sie keine zwingende Veranlassung vorgelegen, den bürgerlichen Parteien Ko-nzeffionen zu machen, um den parlamentarischen Bedürfnissen zu genügen und der deutschen Republik eine Regierung zu erhalten, die im Parlament über eine Mehr- heit verfügt. Durch das äbgeschlosseue Kompromiß ist diese Mehrheit gesichert. Das Ministerium Bauer wird jetzt sein Programm vorlegen können. Darüber hinaus ist die Gewißheit gegeben, daß die Nationalversammlung auch die volle Verfassung und nicht nur ihren konstruktiven Teil zur Erledigung brin- gen wird._ 72 Sauern auf Sefehl üer ungarischen Räteregierung erhängt. Hungersnot in Budapest. Wie«, 14. Juli. Wie die„MitlagSpost" anS Budapest berichtet, hatten Bauern aus dem Komitat HeveS eine« Teil der Ernte verbrannt, um sie nicht der ungarischen Räteregierung ausliefern zu müssen. Zur Strafe dafür ließ der ungarische Pogsbeauftragte Samuelly in Daracony 72 Bauern auf- hängen. Die„Mittagspost" berichtet, daß die Hungersnot in Budapest geradezu katastrophale Formen annehme. Spinat kostete auf dem Markt 40 Kronen das Kilo. Sonnabend und Sonntag waren fast alle Gasthäuser geschlossen, da die Verpflegung für kaum SO Per- sonen gelangt hätte. Die Landproletarier werden von der Räte- regicrung dringend beschworen, Budapest, dessen Ernährungslage sehr kritisch sei, zu unterstützen. Auch ein Kriegsergebnis. Seit Ende tS18 find an den Groß- Berliner Landgerichten 30 OVO Ehescheidungen«ledigt worden bzw. noch in Schwebe. ' VV" 1' vom Lehrerbilötltlgstvefen. vor einiger Zeit veröffentlichten wir«nen Artikel, der das Lehrerbildungswesen beleuchtete(Rr. 260). Zu diesem Aufsatz wird uns von einem Lehrer im Osten geschrieben:„Die Ausführungen treffen zu. Da aber die gesamte Lehrerbildung von Grund auf einer Reform bedarf, so mögen einige nachstehende Ausführungen Beachtung finden." Sie lauten: Zn dem Auffatz hieß eS:„Fast alle Seminardirektoren der kaiserlichen Regierung sind noch im Dienst, fie find entweder Theo- logen oder in kaiserlich-kirchliche Dogmen verknöcherte, durch Streber« bis zum Seminardirektor emporgestiegene Pollsschul- lehrer." Es gibt sehr wenige Seminardirektoren letzterer Art, und diese sind auf Grund ihrer intensiven Arbeit zu dem Posten emporgestiegen, obwohl nicht verschwiegen werden darf, daß sie durch Wohlwollen ihrer Vorgesetzten als weiße Raben befördert worden find, damit im ehemaligen Landtage öffentlich gesagt werden konnte, es sind auch Seminardirektoren aus den Volks- schullebrern hervorgegangen, ebenso, als wenn von den reaktio- nären Parteien immer wieder betont worden ist, auch Seminar- lehrer sind zu Kreisschulinspektoren ernannt, obwohl, wie bekannt, selbst zu hauptamtlichen Kreisschulinspektoren in� guten Orten Theologen vorzugsweise ernannt sind. Daß natürlich politische Gesinnung und devotes Verhalten ausschlaggebend gewesen jind, unterliegt keinem Zweifel. So ist es zu bedauern, daß tüchtige Seminarlehrer mit geradem Sinn und weiter schauendem Back zurückgeblieben sind und so in stillem Groll ihres Amte« weiter gewaltet haben oder in andere Dienste übergegangen find. Daß aber mehr wie bisher bei richtiger Beurteilung der Se- minarlehrer Beförderungen vorgenommen werden konnten, unter- liegt ebenfalls keinem Zweifel, aber das frühere kaiserlich-kirch- liche Regiment lag zumeist in den Händen von Theologen» die sich auffallend zählreich in den Dienst des Volksschulwesens stellten, um schneller vorwärts zu kommen, denn mit dem Regierungsrat beginnt ja erst der Mensch, wie in den höchsten Kreisen mit dem Adel. Nimmt doch auch schon ein Seminardirektor eine exklusioe Stellung in seinem Kollegium ein! Hat denn die ungeheure Staatsumwälzung, die in manchen Dingen Wandel geschaffen hat, noch nichts dem LehrerbildungS» wesen bringen können? Sieben Monate sind in? Land gegangen, schöne Reden sind gehalten worden und manche Hoffnungen auf Reformen sind ausgestreut. Die Volksschullehrer haben sofort mit der wichtigen Arbeit begonnen und haben gar manche bedeut- same Errungenschaften zu verzeichnen. Hier ist alles beim alten geblieben, so die üblichen Revisionen, die täglichen Andachten, die von den Seminardirektoren zäh- betbehalten werden, die Aufficht, das Bücher- und Listenwerk, da? Verbot der Anschaffung von Lehr- büchern, die nicht von der Behörde genehmigt sind usw. Zur Illustration eines Wochentage« im Internat sei folgende Haus. ardnung des früheren �Regiments mitgeteilt: 5 Uhr früh Auf- stehen, 5# bis 6J4 Arbeitsstunde, 6� Morgenkaffee, 6.50 bis 7 Worgenändacht, 7—12 bzw. 1 Uhr Unterrichts- oder Arbeitszeit. i ffifc MUogksjen tnach porongegangenem Gchet), 1—3 Uhr Bg. sorgung von geschäftlichen Gängen in der Stadt oder dem Dorfe, 3— 6 resp. 7 Uhr Unterrichts- oder Arbeitszeit, 7)4 Uhr Abendbrot mit Gebet, 8-�-9� Uhr Arbeitszeit, OAi Uhr Abendandacht, 10 Uhr zu Bett gehen. Der Sonnabendnachmittag war von 1— 7 Uhr freu Der aufsichtführende Scminarlehrer hat aber die Pflicht, vom Aufstehen der Seminaristen ab bis zum Schlafengehen ununter- brachen seine? Amte? zu walten, und wird obendrein vom Semi- nardirektor inspiziert, zeitweise so intensiv, daß er kaum Zeit hat, seine Mahlzeiten mit seiner Familie gemeinsam zu halten. Am Sonntag selbstverständlich Kirchgang und Kontrolle durch den auf- sichtführenden Lehrer. In den externen Seminaren ist bis vor kurzer Zeit in ähnlicher Weise verfahren. Ist solch eine klösterliche Erziehung der zukünftigen Lehrer unseres Volkes nicht unwürdig der Zeit? Ist eZ nicht traurig genug, in solch einer klösterlichen Abgeschiedenheit seine Jugend verleben zu müssen? Ist es nicht hart, wenn gebildete Kreise den Lehrer als einseitig halbgebildeten Menschen hinstellen? Ist eS nicht bedauerlich, daß den jungen Leuten keine Gelegenheit ge- geben wird, sich mit den nötigsten Umgangsformen vertraut zu machen? Der Seminarlehrer mit seiner unbegrenzten Stunden» zahl, seinem Vor- und Nachmittagsunterricht(letzterer ist an den höheren Lehranstalten selbstverständlich nicht zu finden), den Prä- parationen, Korrekturen usw. ist fast ebenso gebunden, es fehlt bei ihm nur die Beaufsichtigung. Aber die„Instruktion für die Direktoren der Königlichen Schullehrer-Seminare vom 25. März 1870"(Bonn, A. Marcus und E. Webers Verlag) gibt ihm das Recht, das gesamte wissenschaftliche und sittliche Leben seiner Lehrer zu beauffichtigen, beobachten und unter Umständen dem Provinzial-Schulkollegium zu berichten. Ein echtes Dekument, das den reaktionären Geist der Zeit trefflich charakterisiert. Noch si:id diese Bestimmungen, welche von einzelnen Provinzial-Schulkolle» gien mit geringen Aenderungen eingeführt sind, ni�t aufgehoben, noch leben die Seminarlehrer unter den entwürdigenden Para- graphen dieses Machwerkes, noch warten sie vergebens auf Er- füllung ihrer berechtigten Forderungen, welche sie auf den Seim- narlehrerversammlungen in letzter Zeit erneut gestellt haben, u. a.: einheitliches Lehrerkollegium, kollegiale Schulleitung, Dienstanweisung für alle Lehrkräfte des Seminars in neuzeit- lichem Geiste, Schaffung eines Beirates an den höheren Verwal- tungsstellen, freie Gestaltung deZ Unterrichts, Fachunterricht. Ob» geschehen wird? Noch sind reaktionäre Kräfte am Werke, jeden Fortschritt zu hemmen, und so ist es nicht zu verwundern, wenn viele neuzeit- liche Forderungen keine Berücksichtigung finden werben. Vor nur liegt ein Exemplar:„Vorschläge für eine Umgestaltung deS Lehrer- bildungswesens. Eine Denkschrift, herausgegeben von den Vor- ständen der Konferenz preußischer Seminardirektoren und des Landesvereins preußischer Lehrerbildner". Der 1. Teil enthält: „Reformvorschläge", der 2. Teil„Forderungen für die Uebergangs. zeit"(da» ist das jetzt einzurichtende fiebenstufige Seminar). Eine eingehende Kritik erübrigt sich, aber soviel sei gesagt: der 1. Teil gelte als Zeitspiegel. Die Lehrerwclt wird sich ernsthaft dagegen verwahren, wieder einmal einer vierten Schulart— dem neuzuschaffenden„Deutschen Gymnasium"— anzugehören. Wir haben genug Schulgattungen in unserm Preußenlande, und wenn jedem Staatsbürger PaS.Gymnasium, Realgymnasium, die Oberreao, Die fingst ües bösen Gewlsiens. Gesinnungsschnüffelei im Heere. Man schreibt uns: Die Gründung des Republikanischen Führerbundes", der die wirklich republikanisch gesinnten Offiziere und Unter» offiziere organisatorisch zusammenschließen will, gibt der reak» tionären Presse Anlaß zu entsetzlichem Wutgeschrei. Ohne die Spur eines Grundes oder Beweises nehmen die Reaktionäre die Gründung dieses Bundes zum Anlaß, um über„Gesinnunas- schnüffelei" im Heete zu klagen. Eine Anzahl monarchistischer Offiziere erlassen bereits einen offenen Brief an Noske, in dem immer wieder die Befürchtung ausgesprochen wird, daß auf die Offiziere ein Druck ausgeübt werden könne, dem„Repu- blikanischen Führerbund" beizutreten. Die Herren mögen vollständig beruhigt sein. Die neue Organisation legt auf Zwangsmitglieder nicht den ge- ring st en Wert. Sie will im Gegenteil nur diejenigen Elemente in sich vereinigen, die offen und ehrlich repu- blikanisch gesinnt sind, und zieht mit vollem Bewußtsein einen dicken Trennungsstrich zwischen diesen und jenen an- deren, die zwar die bewußte Unterschrift unter den Einstellung-- schein leisten, aber nur mit dem inneren Vorbehalt einer durch- aus anderen Gesinnung, und die dann fortwährend über„Gewissenskonslifte" jammern, die ihnen der Dienst der Republik verursacht. Für irgendwelche Zwangsmitgliedec würde sich die Organisation bestens bedanken, denn diese würden ihren Zweck nur durchkreuzen, der dahin geht. jeden Mißbrauch des Heeres zu reaktionären Zwecken unmöglich zu machen. Aber die Angst der Herren ist erklärlich, sie stammt aus dem bösen Gewissen. Denn heute wird in der Tat von gewissen Stellen der Armee eine Gesinnungsschnüffe» lei übel st er Sorte getrieben, nur daß diese ausgeht von einer festzusammenhaltenden reaktionären Offiziers» clique und gerichtet ist gegen alle freiheitlich ge» sinnten Elemente� Ungezählte Klagen liegen vor. R:- vublikanischc Offiziere werden systematisch aus der Armee herausgeekelt. Mehrhütssozialistische Kvmpagnicführer sucht man dadurch unmöglich zu machen, daß die vorgesetzten Stellen systematisch alle von ihnen vorgeschlagenen Beförderun- gen und Auszeichnungen der Mannschaften ablehnen. Andere republikanische Führer werden plötzlich unter nichtigen Vorwän- den von ihrer TnrpPe weggenommen. Erbeben die Mann» schaften, die an diesen Führern hängen, dann Einspruch dagegen. so hat man dann die beliebten„spartakistischen Umtriebe", die den Vorwand zur Auslösung de? ganzen Truppenkörpers geben. So wird alles herausgeholt, was nickt auf das alte System schwört. Gerade diese Zustände sind es gewesen, die zur Gründung des„Republikanischen Führerbundes" in erheb- liebem Maße mit Anlaß gegeben haben. Er ist zum Schutz gegen die Gesinnungsschnüffelei gegründet, als Abwehr gegen den unglaublichen Zustand. daß unter der Herrschast der Republik ein Offizier oder Unter- offizier Zurücksetzung erfahren kann, weil er seine repu- blikanische Gesinnung bekennt. Das mögen sich die Leute mec- ken, die jetzt über Gesinnungsschnüffelei reden. Zum§all Emonts. Die.Freiheit" veröffentlichte einen Brief der Braut EmontS. in dem diese behauptet, die deutschen Gerichtsbehörden hätten deu Engländern Belastungsmaterial gegen EmontS geliefert. Mit dem Eifer, mit der die.Freiheit" alles aufgreift, tvaS als Waffe gegen die Regierung dienen könnte, stellt sie die Be« hauptungen der Dame ihren Lesern als selbstverständliche Wahrheit hin. Nun wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß die Staats- anwaltschaft den englischen Behörden keinerlei Beweismaterial geliefert hat. schule vollkommene Vorbildung für seinen späteren Beruf ver- mittelt, so werden diese Stätten auch der Lehrerwell gut genug sein. Der 2. Teil finde aber vollste Beachtung. Er enthält Forde- rungen, die die Seminarlehrerkreise tief bewegen und deren Ver» wirklichung für die Uebergangszeit bis zur Ausgestaltung der Ein» heitsschule so schnell wie möglich erfolgen muß, um unfern zu- künftigen Lehrern schon jetzt eine bessere Ausbildung zu crmög- lichen. ES werden noch Jahrzehnte vergehen, bis alle Ziele«reicht werden. ES kann aber nur geschehen, wenn sich ein Wandel-n den höheren Stellen der Unterrichtsverwaltung vollzieht. Solange sich die zumeist reaktionär gesinnten Theologen als Seminar» direktoren, Probinzialschulräte usw. in den leitenden Slellen be» finden, solange dürste eine zeitgemäße Lehrerbildung nicht zu er- hoffen sein. Ter Widerstand von dieser Seite ist gewesen und wird bleiben. Den VolkSschullchrcrn ist es gelungen, sich der lei- digen geistlichen Ortsschulinspektion zu entledigen, sich freie Bahn im Interesse der Volksbildung für höhere Verwaltungsstellen zu schaffen, sollte es nicht möglich sein, nach Beseitigung der Bum. scheckigke« de« SeminarkolleziumS auch diesen Arbeitern an der Volksbildung geeignete, einflußreichere Stellen zu schaffen?„Frne Bahn dem Tüchtigen!" Darum: Hinweg mit der Finsternis der, Reaktion, hinweg mit der dumpfen Stubenluft deS umständlichen AktenwesenS, hinweg mit dem eisigen, überhebenden Vorgesetzten- Verhältnis und dem Mißtrauen, herein mit dem warmen Herzen der Liebe, der Hilfsbereitschaft, der gegenseitigen Achtung und deS Vertrauens! Dann wird es beffer mit der Jugend- und Volts- erziehung. 3L—- Notizen. — Kommu naler Wettbewerb für Berliner Bildhauer. Die städtische Kunstd.'putadicm schreibt unt« den in Berlin und Vororten ansässigen Bildhauern eine Reihe Weit- 'bewerbe crns für Entwürfe zu Teilen einer Aschetcheisetzungsanlaga und zu Ziertrinkbrunnen auf Berlin« Schulhöfen. Für Preise und Ankäufe sind insgesamt 18 000 M. ausgesetzt. Dem Preis- geeicht gehören an Stadtbaurat Hoffmann. Lielermann, Klimsch, Rauch, Schied. Stadtverordnetenvorsceh« Hennann und die Stadt- verordneten Cassel. Kimbel. Manasse. Di« Wettbewerbsbedingungen sind von der unterzeichneten Deputation, Berlin C. L. Stadthaus. Klosterstrahe. 1. Stock. Zimmer 145, unentgeltlich zn beziehen. Al» EinlieserungStermin ist der 22. Oktober 1010 festgesetzt. — Di« ArbeiterkunstauSstellung, die von der Ge» nossenfchast sozialistisch« Künstl« im Neuköllner Rathaus ver- -nftaltet wird, wird am Mittwoch, vormittags 11 Uhr.«öffnet. In der Abteilung der Erwerbslosen stellen Architekten. Mal«. Graphiker, Bildhauer aus, meist junge Kräfte, deren Schaffen der Kriegsdienst jahrelang stilllegte. — E i n � Liszt-Feier. veranstaltet von d«.Freien Wissenschaftlichen Bereinigung", fand am Sonntag in der Univer- sität statt. Prof. Dr. I. Goldschmidt und Dr. jur Kollmann wür- digten die Bedeutung des v«storben«n RechtSgslehrten. — Vorträg«. Karl August Wittfogel spricht beute, Dienstag, abends 8 Uhr. in der Aula der FürstituBismaick-Schule. Sybelstr. 2—4, über chinesische« Eosiali»»»«»ad Anarchismus Planwirtschaft und Sozkalisierung. Eine Erwiderung zum Rücktritt Wissells. Folgende Erklärung geht uns zu: Das Abschiedsgeiuch des Genossen Wissel! an den ReichSpräfi- deuten Ebert enthält emige Wendungen, die mich zu einer Er- widcrung zwingen. Wissell schreibt:«Ich mußte um so mehr glauben, daß meine Parteigenossen hinter mir ständen, als noch auf dem Sozial- demokratischen Parteitag der jetzige Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei erklärt hat, daß die Partei g e- sch lassen hinter meiner«Planwirtschaft" stände und der Parteitag einen Antrag annahm, der diesen meinen Grund- ge danken durchaus gerecht wurde. Tie Auffassung hat sich recht schnell bei meinen Parteifreunden gewandelt." An einer anderen Stelle sagt er:«Nachdem mich meine Kalle- gen im Kabinett und in der Partei im Stich gelassen haben..." Demgegenüber stelle ich zunächst fest, daß Wissell sich irrt, wenn er behauptet, ich hätte erklärt, die Partei stehe geschlossen hinter seiner.Planwirtschaft". Ich habe vielmehr ausdrücklich nicht für die Partei, auch nicht für den Parteivor- stand, sondern nur für meine Persia gesprochen. Auch da habe ich Vorbebalte gemacht. Der stenographische Bericht gibt jene Stelle meiner Rede wie folgt wieder:«Ich bekenne mich ganz offen zu den Plänen, die Wissell in seiner Vorlage angedeutet hat, wenn sie auch in manchen Punkten der Aenderung bedürftig sein mögen. Diese planmäßig zusammengefaßten Sclbstverwal- tungskörper der Industrie unter sorgfältiger Reichskontrolle werden sich den unentbehrlichen Kredit auS dem Auslände verschaffen können und werden auch vielleicht den U ebergang zur So- zialisierung bilden können. Denn die Sozialisierung, darüber ist die ganze Partei sich einig,»st unerläßlich zur Wieder» instandseyong des deutschen Wirtschaftslebens." Genau so wie ich in meiner Rede, legte der Parteitag in der Resolution 251 das Schwergewicht! auf di« Sozialifierung und nicht auf die Planwirtschaft. Einmütigkeit bestand auf dem Parteitag darin, daß unbedingt durchgeführt werden müsse: 1. Die Sozialisierung der dazu reife« De-' triebe, vor allem des Bergbaus, der Elcktrizitäts- und Stickstoff- industrie» usw. 2. Daß teine WrischaftSpolitik betrieben werten dürfe, die durch die künftige programmäßige Durchführung der Gesamtsoziali- ficrung neue Hindernisse schafft. Als Mittel für den llebergang dachte sich der Parteitag und auch ich mir die Wissellichen Pläne, die ich nicht als festes oder klares Programm, fondern alz Andeutung empfunden und be- zeichnet habe. Wenn Wissell jetzt Nagt, daß die Anschauung seiner Pap- teiireunde sich seinen Plänen gegenüber abgewendet habe, so trägt er allein daran die Schuld, denn er sagt jetzt, daß seine Auffassung über die Beziehungen seiner Planwirtschaft zur Soziali. sterung eine a n de r e ist, als z. B. ich sie gehabt habe. Das ist in seiner Denkschrift an das Kabinett am 8. Juli 1918 geschahen, die der Fraktion der Nationalversammlung bei ihrer Beschlußfassung vorlag. In ihrem Abschnitt 7 behandelt die Denkschrift Wissells die Abficht, ein Gesetz über den Arbeitsfrieden vorzulegen. Hier erklärt er: «Man wird verschiedener Meinung darüber sein können, ob es notwendig und zweckmäßig ist, zur Erreichung dieses Ziele» gesetzliche Beschränkungen in der Ausführung des Streikrechts »orzunehmen oder ob man erwarten darf, daß die Arbeiterschaft aus eigener Kraft die Mißbräuche, die auf dem Gebiete des Streikwesens herdorgetreien sind, überwinden wird. Für den Fall, daß der Erlaß gesetzlicher Vorschriften in Betracht ge- zogen wird, möchte ich erneut daraus binweisen. daß die für diese» Verzicht der Arbeiterschaft anzubietenden Kompensationen meine? ErachtenS in erner Sicherung gleichmäßiger Produktion und einer gebundenen Gewinnvertei- lung bestehen müssen, wie sie in meinen Vorschlägen enthalten find. Eine sogenannte Bollsozialisierung, d. h. eine Enteignung zugunsten des Staates»der FiSkalisierung einzelner Betriebe würde m. E. eine geeignete Kompensation nicht bedeuten." Mit dürren Worten wird also die Voll sozialisierung zugunsten der viel wirksameren«Gewinnbeteiligung" der Arbeiter verworfen. Das Programm des verstorbenen Jalousie-Fabri- kanten Fresse u. A. feiert seine Aufevstellung in der Wissellschen Denkschrift. So hatte ich mir die Beziehungen der Wissellschen Pläne zur Sicherung der Produktion und zur Sicherung der Sozialisierung nicht gedacht, und ich glaube, auch kein anderer Teilnehmer des Parteitags. Wir wollten und wollen die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und nicht die durch„Gewinnbeteiligung" her- beigeführte illusionäre Interessengemeinschaft der Unternehmer und Arbeiter eines Berufs oder einer Jnduftric. Auf dieser Grundlage führt die gebundene Planwirtschaft. wenn sie auch noch so verlockend mit einem sozialistischen Mäntel. che« verbrämt ist, zur Stärkung deS ÄapttaliSmu» gegen deu Sogs»Iis mu§. Sie erreicht bestenfalls eine Einigung der Arbeiter und Unternehmer einzelner Produkttonszweige und die Auslieferung des ganzen Volkes an die von ihnen be- trieben« Preispolitik. Nach den jetzigen Darlegungen Wissells besteht kein Zweifel, daß seine Planwirtschaft nichtzum Sozia- liSmuS führt, sondern sich— mag Wissell das nun wolle« oder nicht— gegen ihn wenden muß. Otto Wels. Der Delagerungszuftanö über Hannover aufgehoben. Hannover, 14. Juli. Der Belagerungszustand über Hannover. Linden ist mit Wirkung vom 16. Juli, mittags 12 Uhr. ab auf- gehoben.__ Proteststreik in Hamburg. Haminrz, 14. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Unabhängigen und Kommunisten haben einen eintägigen Proteststreik gegen die Maßnabmen des Korps Lettow Vorbeck beschlossen. Auch die Ber- lrauensmSnner des Metallarbeitei Verbandes in Hamburg be. schlössen, daß ein eintägiger Sympathiestreik eintreten soll. Die iozial demokratischen Parteileitungen von Hamburg, Altono, WandS- vek usw. richten an die Parteigenossen einen Ausruf, worin sie die Mitglieder vor dteiem Streik warnen und darauf hinweisen, daß politiich« Streiks der Beschlußfassung � politische« Organt- sationen iiberlassen bleiben müssen. Die Parteileitungen stehen emschlolien biiuer dem Beschluß der Delegiertenversammlung vom 10. Jult, wonach Proteststreiks, Generalstreiks und überhaupt Massenaktionen zurzeit für unangebracht und geradezu für ge« fä h r l i ch erklart werden; van den Mitgliedern der sozialdemo- kralischen Wamveremc soll die Streilparole nicht befolgt werden. wenn sie nicht auf Grund von Beschlüssen der Parteiorganisationen durch den Parteivorstand ausgegeben wird. Kommunismus und Militarismus. Bor dem Schwurgericht in Essen hatte sich wegen Beteiligung an Unruhen der Kommuniftenführer Thiel, Vorsitzender des A.« u. S..Rates von Sterkrade und der dortigen Ortsgruppe der kommuni» stischen Partei, zu verantworten. Ueber die Errichtung der kommu» nistischen Armee entspann sich zwischen dem Vorfitzenden und Ange» klagten folgendes Zwiegespräch: Vors.: Wie wird es mit der Armee in der Räterepublik aus- sehen? A n g e k l.: Da sie sehr viel Feinde hat, wird sie sehr stark sein müssen. Vors.: Wie hoch schätzen Sie wohl daS kommunistische stehende Heer? Angekl.: Mindestens so groß, wie daS frühere deutsche stehende Heer. Dazu kommen dannnoch die Reserven. Na also, Ludendorff kann feine Freude an den„armen, idealen" Kommunisten haben. Slockaöe Ses Dirfchauer �rbeiterrats. Man meldet uns: Dirschauer Arbritrrrat und Betriebs- ärbeiterröte haben Beschluß gefaßt, nicht früher Lebensmittel für andere Städte des Reiches herauszugeben, bis Dirfchau als Ersatz hierfür Kohle erhalte. Die Mühle wurde mit sämtlichen Borratcu vom Militär befetzt. Nach Verhandlungen deS Militär» mit Vertretern der Arbeiterschast jedoch zur Vermeidung bluttger Zu- sammenstöße wieder geräumt. In der Versammlung der gesamte« Dirschauer Arbeiterschaft wurde der Beschluß deS Arbeiterrats einstimmig gutgeheißen und eine Kommission nach Berlin entsandt. Der Regierung wurde gedroht, die Verbindungen nach Ostpreuße« zu stören und de« Verkehr lahmzulegen, falls Dirfchau keine Kohle» erhält. Kaum ist die Ententeblockade aufgehoben, io fängt«ine Stadt auf eigene Faust an. das übrige Deutschland auszu- hungern. Die Angelegenheit wäre lächerlich, wenn nicht zu befürchten wäre, daß andere Städte dem Beispiel folgen werden. So traurig es ist, daß wir nicht genügend Kohlen zur ausreichenden Versorgung haben, so glaubt wohl der Dirschauer Arbeiterrat nicht, daß der Stadt aus Boshaftig- keit irgendeiner Berteilungsstelle keine Kohlen geliefert werden! Hochverratsprozeß gegen Toller. Vor dem Münchener Standgericht begann am Montag der Hochverrai-prozeß gegen den Studenten Ernst Toller wegen seiner Beteiligung an den beiden Räteregierungcn vom 7. und 14. April. Die Anklage macht Toller zum Vorwurf, daß er in den am 7. April gebildeten Zentralrat eingetreten sei und als dessen Vorsitzender Anordnungen erlassen habe, die nur der rechtmäßigen Regierung zustanden. Als Mitglied der zweften am 14. April ausgerufenen Räteregierung habe Toller insbesondere eine leitende Tätigkeit als Kommandant der gegen die Regierung kämpfenden Roten Armee bei Dachau ausgeübt. Zu der Verhandlung, die Landgerichtsdirektor Stadelmayer leitete, find 40 Zeugen geladen, darunter mich die bekannte Schau- fpielerin Tilla Durieux, die Gattin des Berliner Kunstband- lers Bruno Cafsierer. Tiefe ist jedoch nicht erschienen, sondern hat sich krank gemeldet. Die Verteidigung beantragt kommissarische Vernehmung der Frau Durieux. Die Verteidigung führen diu Rechtsanwälte Hugo Haafe, Kaufmann und G ä n ß I e r. Die Vernehmung des Angeklagten Ernst Toller ergibt folgendes: Er ist 1893 in Sametichin, Bezirk Bromberg, geboren, kon- sessionSloS. Er hat Track Absolvierung de» Rca lgh nrnasi ums in Bromberg in München Nationalökoitomiu und Rechtswissenschaft studiert. Vors.: Sic sollen mit großer Begeiftcrung in de« Krieg gezogen sei«. Angeklagter: Begeisterung für den Krieg babe ich nie gehabt. Ich hielt ihn aber damals für einen Ver�eidt- gungskrieg.— Im Mai 1916 erl rankte der Angeklagte an einem Herz- und Magenleiden. Er wurde 1917 als kriegsbe- schädigt, aber'oauernb heimatverwendungSfähig entlassen. Er immatrikulierte als Student in Müncken, später in Heidelberg. Dort gründete er den Kulturpolittichen Bund. Der Bund vertrar sozialistische Ziele und trat für den VerstäUdi- gungSfrieden«in. Vors.: Der Bund kam dann mit den Behörden bald in Konflikt. Angeklagter: ES wurde gegen unS eine maßlose Preßhetze getrieben. Man nannte uns Landesverräter. Per- schiedene Miiglieder wurden ausgewiesen.— Der Angeklagte gibt dann an, daß er sich auch in Berlin aufgehalten und hier Kurt E i S n e r kennen gelernt habe. Kurz vorher habe er die gesamten Lichnowsky scheu Dokumente und Peröffentlichungcn eines mecklenburgischen Diplomaten kennen gelernt. AuS diesen habe er ersehen, daß Deutschland keinen VerteidigungS- krieg führe. Vors.: Sie sind damals inS Gefängnis gesteckt worden und es ist gegen Sie ein Ver ahren wegen Landesverrats beim Reichsgericht eingeleitet worden. Angeklagter: Ja, ich war drei Monate in Haft. Vors.: Sie haben Ihre politische Tätigkeit fortgesetzt. In Berlin haben Sie im Oktober 1918 gegen die sogenannte National- verftidigunp und geg**n die Vaterlandspartei agitiert. Angeklagter: Die nationale Verteidigung Kielt ich für ein unnützes Mutbad. Ich habe mich in Berlin an der Gründung des revolutionären Komitees beteiligt, das später auch in Tätigkeit getreten ist. Leider erkrankte ich an schtocrer Grippe. Nachdem ick, gesund geworden, fuhr ich im November nach München, wo die Revolution inzwischen anSge- krochen war. Ich stellte Eisner meine Mitarbeit zur Verfügung. Aus der Antwort ersah ich. daß ich ihm erwünscht sei. Ich wurde in den revolutionären Arbeiterat aufgenommen. Vom Rätekon- greß wurde ick in den Zentralrat gewählt. Vors.: Inzwischen war die allgemeine Amnestie erfolgt und das Verfahren wegen Landesverrats gegen Sie eingestellt worden. Es hätte dessen aber nicht bedurft, denn der Oberreichsanwalt hatte ohnehin sckon die Einstellung des Verfahren? beantragt auf Grund de» 8 61 wegen Unzurechnungsfähigkeit. Der Oberreichsanwalt bezog sick auf zahlreiche ärztlich« Gutachten Danach wurden Sie als stark erblich belastet be- zeichnet, als schwerer Hysteriker, als ein Mensch, der die Sucht hat, sich interessant zu machen. Ein anderer Sackverständiger bezeichnet Sie als einen Kochgradige» Neurastheniker. Ein weiterer Sachverständiger hat eine Reibe schwerer Dkge- nerationszeichen bei Jbnen festgestellt. Angeklagter: Ich weise diese Motivierung zurück. Meine Familie fühlt« sich in ihrer bürgerlichen Ehre bedroht, und tat alles, um mich für unzurechnungsfähig hinzustellen. Ich habe alle meine Handlungen mit voller Ueberlegung und Verantwortung getan, Vors.: Sie waren Vorsitzender der U. S. P. in München? Angeklagter: Ja. Ick war allerding» schon damals nicht Llnhänger der formalen Demokratie und des Parlamentarismus, sondern für Ablösung durch da? Rätesystem. In den Akten be- findet sich die Annahme verzeichnet, die behaupiet, EiSner habe mich und Levine benutzt, um hinter den Kulissen zu bleiben und so zum Räteshstem zu kommen. Wer Eisner kennt, weiß, daß ac nie crn Hehl aus feinen Ansichten gemacht hat. Eisner war vom westlichen Ideen komplex orientiert, während wir vom östlichen ausginge«. Der Angeklagte gibt dann an, daß er mit EiSner zum Sozia- listenkongreß in Bern war. Während er sich auf der Reise von Bern nach München zurück befand, wurde Eisner ermordet. Der Landtag war auseinander gelaufen, er war sich feiner Verantwortung nicht bewußt gewesen und hatte freiwillig gegen- über dem Zentralrat auf seine Souveränität verzichtet. Ter Angeklagte Toller erklärt dann weiter, daß er in Nünckerg die Ausrufung der Räterepublik erfahren und es zuerst nicht habe glauben wollen. Besonders erstaunt sei er gewesen, als er crrubr, daß die M ehrhei.tssozialisten sich einstimmig für die Räte- republik erklärt hätten. Er sei von Anfang an der Meinung ge- Wesen, daß die Proklamierung zu früh komme und habe es für eine Schiebung der MehrhcitZsozlalistcn angesehen. Schon in den ersten Tagen der ersten Räterepublik, die der Angeklagte als eine «Scheinräterepublik" bezeichnet, babe er versucht. Be- ziebungen mit der Regierung Hofftnann anzuknüpfen. Der un- glückselige Putsch am 12. April babe alles wieder zunichte gemacht. AIS die Kämpfe dann begannen, habe er sich verpjltchtct gefühlt, auf Seiten der Arbeiter bei der Rote» Armee mitzuwirken. Er habe aber nicht das Kommando gehabt, sondern nur dem Stabe bei Dachau angehört. Auch da habe er jederzeit Verhandlungen versucht. Die Regierung hätte bei einem richtigen Angebot den Vergleich hoben können, aber Ministerpräsident Hoff- mann habe auf dem Standpunkt gestanden, mit Rebellen nicht verhandeln zu dürfen. Er sei dann nach München ge- gangen; diesmal um Levine und Lcvien sachlich zu bc- kämpfen und dann aber auch, um der allgemeine» DrSorgani- fatio«, die in München eingerissen war, zu steuern. Vors.: Sic haben doch auch die Verhaftung von Geisel« angeordnet? Angeklagter: Nein, ich habe niemals eine solche. Anord- nung getroffen. Ich war überhaupt gegen die Verhaftung der Geiseln. Das war ein Beschluß des Zentralrais. Nötig und be- rechtigt war die Festnahme von Geiseln im Februar nach der Er- mordung EiSnerS. da war sie direkt zum Schutze der bürgerlichen Klasse geboten. Es ist möglich, daß ick, da ich die Beschlüsse deS Zentralrat» ausführen mußte, einige Verfügungen unterschrieben habe. Ich kann durch Zeugen feststellen lassen, oaß ich mich ganz energisch geweigert babe, am letzten Abend Haftbefehle zu unter- schreiben und daß ich eine Reihe solcher zerrissen babe, denn ick sah darauf Namen, aus denen hervorging, daß die Kleinbürger ihren SentimentS freien Lauf iveßen. Vors.: Ist es richtig, daß Sie sich an die Spitze der bewaff- neten Arbeiter gestellt haben mid Kommandant der Roten Armee waren? Angeklagt er; Ich habe nur unter besonderen Ilmstände' dem Stabe der Roten Armee bei Dachau angehört. Der Stifte der Roten Armee war ich nicht, das war der Vorsitzende de, LcmdeS-SoldatenratS Paul Simon, der heute hinter der Rc� gierung Hoffmann ftebt. Dieser hat mir einen fertigen Plan sür die Rote Armee vorgelegt. Vors.: Ist Ihnen bekannt, daß die Ihnen unterstellten Sol- daten Lebensmittel von den Bauern erpreßt haben? Angeklagter: Ich habe das streng verboten. Vorsitzender: Sie werden zugeben, daß die Verhältnisse in München sich so entwickelt hatten, daß von persönlicher Freiheit keine Rede mchr war. Keiner war seine» Lebens sicher. Wer Plakate kritisierte, lief Gefahr, verhaftet und bor ein Ret»- lutionstribunol gestellt zu werden. Angeklagter: Diese Zustände habe ich selbst kritisiert. Vorsitzender: Tie Zustände in München mußten im Aus- lande doch einen ungünstigen Eindruck machen und auf den Frieden erschwerend wirken. Angeklagter: Die Räterepublik hätte bei den Arbeitern Frankreichs und Englands den Widerstand gegen den Versaillcr Gewaltfrieden gestärkt. Di« Zustände in den letzten Tagen habe ich nicht gebilligt, ich glaube suck nicht, daß diese so tragisch zu nehmen sind. Die französischen Arbeiter wissen aus eigener Erfahrung,' daß bei jedem revolutionären Ausstande sich Zustände entwickeln, die nicht immer refreulich sind. Wenn wir sofort nach Ausbruck der Revolution freundschaftliche Beziehungen mit der russisckcn Sowjetregicrunq angeknüpft hätten, dann hatten wir bessere wirt- ickaftliche�Verhalmisse bekommen und gegen die Entente«ine stärkere Stellung«inncbmen können, so daß wir einen solchen Frieden nicht hätten annehmen brauchen. Durch da? Verhalten der Ludcndorff und Scheidemänner haben wir den Kredit im Auslände verloren. Die Sozialisten würden da» Vertrauen zu der Revolution in Deutschland gewonnen haben. Zeuge Rechtsanwalt Dr. Loewenfeld war auch Mitglied des Rätekongresses. Herr Töller gehörte zu jenem Flügel, der zwar die Räterepublik wünschte, aber Gewakthandlungen ablebnte, die von der Richtung Levine und Mübsom gewünscht wurden. Tie Minister waren nicht auffindbar. In einer FraktionLsitzung der Mehrheitssozialisten wurde eine Postkarte de? Ministers Hoffmann gezeigt, auf der er sckrieb. er mache nickt mehr mit. Zeug« Geheimrar Prozessor Sauerbruck bekundet, daß am 30. April ihm Toller gelegentlich eines Besuch» im Krankenhaus bei den Kranken die Warnung zukommen ließ, daß daS Kranken. Bau» in Gefahr fei, da die Arftunft der Weißen Garde in München bevorstehe. E» sei zu erwarten, daß die Kommunisten in ihrer Wut versuchen werden, den Grafen Arco(den Mörder EiSnerS) und den Minister Auer zu erschießen. Es waren vorher auch schon gleich drei» bis viermal Banden erschienen, die im Spital Erpressungen versuchten, indem sie bald die Herausgabe Arros, ball» diejenige Auers forderten. Der Zeuge hat sich durch eine Kranke, die mit Toller befreundet war, an diesen gewandt und ihn ersucht, einzu- schreiten. Das hatte den Erfolg, daß das Spital einige Zett unbe- belligt blieb, bis Toller seinen Einfluß verlor, indem die.Herrschi it in die Hände der Kommunisten überging. Auf eine Frage be- zeichnet der Zeuge Toller als einen Menschen, der außeror- dentlich eitel war. Sergeant H i p p e l t aus Dachau bekundet, daß Toller die(sehr umfangreichen) Requisitionen verboten habe. Rechtsanwalt G ä n ß l« r stellt fest, daß Toller in einem Plakat erklärt hätte, daß, iver stehle oder plündere, vor ein Feld- gericht gestellt und unter Umständen erschossen werde. ES wurden dann noch einige wettere Zeugen über die Vorgänge auf dem Rätekongreß vernommen. Aus dem Protokoll wird auf Antrag der Verteidigung' festge- stellt, daß der Angeklagte Toller in seinen Reden sich wiederholt gegen die Methode Levines gewandt habe und diese al» von mili» t a r i st i f ch e m Geiste beseelt bezeichnet habe. Zeuge Eisenschink(Redakteur der«Münchener Post"): Bei der BetriebSratssitzung übte eine Minderheit großen Terror aus. gegen den nicht aufzukommen war. Es waren in den Be- iriebSräten recht fragwürdige Gestalten, denen wohl zuzutrauen war, daß sie jeden, der sich gegen die Räterepublik ausgesprochen hatte, niederschlugen. Zwischen Toller, Ledine und Levien bestand ein scharfer Gegensatz. Zeuge Redakteur Schmidt meint, daß bis zum Auftauchen von Levine und Levien Toller sich sehr terroristisch gebärdet habe. Nachdem die Kommunisten die Herrschaft erlangt, habe er gebremst. Nach einigen weiteren Zeugenvernehmungen wurde die Bev» Handlung auf Dienstag vertagt. Der Verkehrsstreik soll weiter öauern! Rücktritt der Streikleitung.— Die Omuibuffe fahren. Mit einer Mehrheit, die nach dem Wortlaut des Streikregle- ments des Transportarbeiter-Verbandes eine Weiterführung des Streiks nicht mehr rechtfertigt, haben die Straßenbahner sie be« schloffen. Bekanntlich geht der Straßenbahnbetrieb in dem zweifel- losen Falle der Berstadllichung schon seit Anfang 1918 auf Rechnung Groß» Berlins; der Streik ist also auch finanziell von gewichtigen Folgen für die Allgemeinheit. Namens der Nnternehmungen hat Baurat Otto erklärt, daß sie sich, wenn die Arbeit nicht bis Donnerstag wieder aufgenommen ist. weder an den Tarifvertrag noch an ihr Angebot gebunden erachten und mit Entlassungen vorgehen werden.— Eine Korrespondenz meldet: die Große Berliner Straßenbahn werde im Laufe des Dienstags einen Aufruf an die Streikenden erlassen, in welchem sie den Fall des Kontraktbruchs als gegeben betrachtet und die Ausständigen auffordert, bis zum Donnerstag morgen die Arbeit wieder aufzunehmen. Wer bis dahin sich nicht an den Arbeitsstätten eingefunden hat, ist ent- lassen. Man werde mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Frei« willigen, Ingenieure, Techniker, Studenten usw. den Betrieb, wenn auch zunächst noch im beschränkten Umfang, aufnehmen. Ferner werde Fahrpersonal so schnell als möglich ausgebildet. Die R* gierung habe dem Arbeitgeberverband zugesagt, daß sie zur Auf rechterhaltung des Fahrbetriebes jede Hilfe gewährt und die Wagen im Notfall militärisch schützen werde. * Den Vertrauensleuten der Straßenbahner gab Montag nach- mittag im GewerkschailShause der Vorsitzende der Streikleitung, Schütz, das Ergebnis der Abstimmung bekannt. ES haben gestimmt: für Writersührmiz deS Streiks...> lv 043 für die Aufnahme der Arbeit.... 6335 ungültig waren Stimmen..... 167 Die Mehrheit habe also zum Ausdruck gebracht, daß sie weiter im Streik beharren wolle. Der Grund sei wohl der, daß das Entgegenkommen der Arbeitgeber zu gering gewesen sei. Er gibt die Erklärung ab, daß die Streikleitung größtenteils aus körperlichen f?) Rücksichten zurücktrete, ferner ein Schreiben des ArbcttgeberverbandeS. in welchem erklärt wird, daß die Arbeitgeber abwarten wollen, wie die Abstimmung ausfallen werde und daß sie sich dann an ihr Angebot nicht mehr gebunden fühlen. Er er« klärt weiter, daß die Angestellten der OmnibuSgescllschast beschlossen hätten, morgen den Verkebr wieder aufzunehmen. Schuhmann vom TranSportarbeiterverband fürchtet, daß die Einheit und Geschlossenheit der Angestellten in Gefahr wäre, wenn die Arbeit(nach dem Streikreglement, Absatz 14, soll die Arbeit wieder aufgenommen werden, wenn ein Drittel für die Arbeit stimmen) aufgenommen würde. Die Ablehnung deS Schiedsspruches halte er nicht für ein so großes Unglück, als wenn die Einheit der Bewegung zerrissen würde. Die Wiederaufnahme der Arbeit aber würde eine Zerreißung der Bewegung bedeuten. Sie sei ohne Komplikationen nicht möglich. Es könnte daher von dieser Bestimmung kein Gebrauch gemacht werden. Er würde em« pfehlen, die Arbeitgeber zu veranlassen, weitere Zugeständnisse zu machen, event. würde eS empfehlenswert sein, das EinigungS- a m t des Berliner Gewerbegerichts anzurufen. Der Redner bittet hier, um etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen, die Pressever« treter, den Saal zu verlnssen: die Streikleitung werde der Presse einen Bericht von den Verhandlungen zugehen lassen. Auch die Hochbahn streikt weiter. An der mittags auf dem Bahnhof Gleisdreieck vorgenommenen geheimen Abstimmung beteiligten sich 1927 Hochbahner. Von diesen stimmten 1292 iür weiteren Streik und 615 für die Wiederauf- nähme der Arbeit; 20 Stimmen waren ungültig. Omnibus fährt. Die OmniSbuSangestelllen beschlossen mit großer Mehrheit die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit. Der gesamte OmnisbuSbetrieb wird Dienstag früh wieder aufgenommen. « Erfundene Sympathiebrweisc. Die.Freiheit�, die auf der einen Seite zum Streikabbruch mahnt, auf der anderen für Streik- forlsetzung arbeitet, bringt in ihrer MontagmorgenauSgabe(3. Seite. 1. Spalte) unter anderem die Behauptung, daß in vielen Groß- betrieben(auch in der Reichsdruckerei) erfolgreiche Sammlungen für die Straßenbahner im Gange seien. Drei von einander unabhängige Meldungen von Arbeitern der Reichsdruckerei(legitimiert durch ReichSdruckerei-Ausweis und Mitgliedsbuch der S. P. D.) bekunden übereinstimmend, daß diese Behauptung nicht den Tatsachen entspricht, diese Sammlung vielmehr nur in einer kleinen Ab« teilung(Kupferdruckerei) stattgefunden, die Gesamtarbeiterschaft mit der Sache nichts zu tun hat, dem Streik im Gegenteil keine Sympathie entgegenbringe. Die Betreffenden ersuchen, die Be- hauptungen der»Fr.' in dieser Angelegenheit zu berichtigen. » Ein Kriegsbeschädigter schreibt unS: Ein Streikender hat unter tosendem Beifall gesagt:.Kollegen! DaS Publikum muß unS kommen!"— Der Mann irrt sich, das Publikum wird nicht kommen. Wir Kriegsbeschädigten werden auch weiterhin mit 1 oder 2 Stöcken zu Fuß zu unserer Dienststelle gehen, denken aber nicht daran, die frivolen Streiker zu unterstützen. Bitte, teilen Sie das der Streikleitung öffentlich mit. GewerfflWsbcwMng Tie Entschulduugsfumme. Zu unserer Notiz in der Sonnabend-Abendnummer haben wir aus Beamtenkreisen verschiedene Zuschriften erhalten, von denen wir die bemerkenswerteste hier wiedergeben: Die von allen Beamtenorganisationen geforderte Zahlung einer Entschuldungssumme entspricht tatsächlich einer bitteren Not wendigkeit. Die große Masse der unteren und mittleren Beamten bat während des KrieaeS unter größten Entbehrungen den schwersten Dienst machen müssen. Während die Arbeiter sehr bald eine wesent liche Erhöhung ihreS Verdienstes durchsetzen konnten, wurden den Beamten nur ganz unzulängliche Teuerungszulagen gewährt. Erst die Revolution brachte eine gewisse Besserung, aber auch heute ge- hören zum mindesten die jungen Beamten— d. h. der größte Teil — zu den schlechtest bezahlten Arbeitern. Nicht zu vergessen ist dabei, daß die Beamten, die unter dem alten Regime gezwungen waren,.standesgemäß' zu leben, infolge der Mietssteigerungen Wohnungsmieten zahlen müssen, die in keinem Verhältnis zu ihrem Einkommen stehen. Die Beamten waren talsächlich gezwungen und sind eS noch jetzt, für die Anschaffung von Kleidungsstücken Schulden zu machen. Aus dieser Lage kann sie nur die Gewährung einer einmaligen Beihilfe befreien. Der Staat muß selbst das größte Interesse daran haben, damit der Beamte sich nicht nach Neben- Verdiensten umzusehen braucht, was nicht im Interesse des Dienstes liegt und wodurch andern die Arbeitsgelegenheit genommen wird. ES ist richtig, daß den Kriegsteilnehmern das Gehalt oder ein Teil davon gezahlt worden ist. Dasselbe taten auch andere Firmen, z. B. die Banken. Dafür fielen dann.die Unterstützungen an die Angehörigen weg. Die Zahl der Kriegsteilnehmer war aber nickt sehr groß, denn die. Verkehrsbeamten wurden ja auch in der Heimat dringend benötigt. Für Kriegsteilnehmer und andere Beamte getrennte Forderungen zu stellen, ist nicht gut angängig und hätte bei den Behörden kaum Aussicht auf Erfolg. Das Ruhegehalt kommt bei der Forderung der EntfchuldungS« summe nicht in Frage, denn bei dem jetzigen Gehalt könnte der Beamte auch ohne das nichts für die Zukunft zurücklegen, er macht also keine Ersparnisse, die er zur Bezahlung seiner Schulden ver- wenden könnte. Auch unter normalen Verhältnissen zahlte der Staat mit der Pension ja nur. was er den jungen Beamten, deren Entlohnung in den ersten 10— 15 Jahren bekanntlich hinter dem Lohne vieler Handarbeiter zurückblieb, vorenthalten hatte. Wenn darauf hingewiesen wird, daß eS noch Millionen anderer Erwerbstätiger gäbe, die ebenfalls schlecht gestellt find, so ist auch da? richtig. Diese alle aber streben— genau wie die Beamten— nach Verbesserung ihrer Lage. Wir wollen doch auch nicht alle Arbeitenden gleich schlecht, sondern gleich gut zu stellen suchen. Besonder« die Postbeamten haben durch ihr maßvolles und be- sonnenes Verhalten— sie sind vielleicht die einzigen, die noch nicht gestreitt haben— gezeigt, daß sie ihre Macht nicht mißbrauchen wollen, um selbstsüchtige Forderungen durchzusetzen, sondern daß sie sich aus daS unbedingt notwendige beschränken. Bemerkung der Redaktion: Um irrigen Auffassungen vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, daß der Verfasser unserer ersten Notiz den Beamten das Recht. Entschuldungssummen zu fordern, nicht streitig macht, und daß er die Berechtigung einer solchen Forderung an sich anerkennt. Im wesentlichen kam eS ihm doch nur darauf an. zu zeigen, daß die nicht bei Behörden und in Großbetrieben Beschäftigten leider nickt in der Lage seien, die Zahlung von EntschuldungSsummen durchzudrücken.— Nachdem wir jetzt einer Entgegnung Raum gegeben haben, schließen wir die DiS- kussion über die Entschuldungssumme. Beiderseitige Ablehnung des Bank-TchiedsgerichtS. Der Verband der Berliner Bankleitungen teilt mit, daß er wegen der gewichtigen Bedenken, die er schon während der Ver- Handlungen im Schlichtungsverfahren gegen wesentliche Teile des Schiedsspruches geäußert hat. sich nicht in der Lage sieht, den in Sacken des Tarifvertrages am 5. Juli gefällten Schiedsiprv- anzunehmen. Dachdecker-Tarifabschluh. Nach langem Verhandeln ist es endlich gelungen, auch für die Dachdecker-HtlfSarbeiter einen Tarifvertrag abzuschließen. Der Stundenlohn beträgt vom 14. Juli ab: Für jugendliche Arbeiter unter 18 Jahren 1,75 M. Ueber 13 Jahre als Anfänger 2,10 M. Für geüble Hilfsarbeiter, welche über drei Monate im Gewerbe tätig sind, 2.60 M. Für Arbeiter, welche ausschließlich nur mit Tragen beschäftigt werden, ist für die Zeit, wo letzteres in Frage kommt, eine Zulage von 26 Pf. pro Stunde zu zahlen. Alle' andere richtet sich nach dem abgeschlossenen Tarif für daS Dack- deckergewerbe._ Ueble Schädlinge der Eisenbahnerbewegung. Zu der unter dieser Ueberschrist in der Sonntagnummer de .Vorwärts' abgedruckten Mitteilung des Vorstandes des Deutsche, ElienbahnerverbandeS sendet uns das Zentralratsmitglied Kar� F ö r st e r-> Potsdam folgende für seine Person abgegebene Er- klärung: 1. Der Brief deS ObmanneS, auf den sich der Angriff stütz!. ist eine rein persönliche Angelegenheit desselben. Ich habe, ebenso der Zentralrat, was auch dem Vorstand bekannt ist. von Aniang an Stellung gegen den Streik genommen. 2. Die Gelder, die uns zur Verfügung gestellt sind, sind soweit mir bekannt, auSschließ- lich für Lohn«, Tage-, Fahr- und Agitationsgelder zu den verein- borten Sätzen gegen genaue Buchführung gezahlt worden. Hungerlöhne. Ein Leser unseres Blattes schreibt unS: Eine Bekannte von mir, welche in einem Putzgeichäkt in Cbarlottenburg beschäftigt und eine erste Zurnbeiterin ist, bezieht ein Gehalt von monatlich 120 M.. was in dieser Brauche schon eine außerordentliche Bezahlung ist. Außerdem möchte ick darauf aufmerksam machen, daß sie ge« zwungen ist, in den Sommermonaten 4—6 Wochen auf ihre eigenen Kosten auszusetzen. Wie ist daS möglich— fragt der Einsender—. wo für einen einigermaßen anständigen Damenhut 50 M. und mehr gezahlt werden müssen? Wir antworten ihm: Weil sich seine Bekannte wahrscheinlich nie um ihre gewerkschaitliche Organisation, den Verband der Hut- macker. gekümmert hat, dem es gelungen ist. die Löhne auf einen wesentlich höheren Stand als den angegebenen zu bringen. Uebrigens gibt es noch andere' Berufe und hervorragende Firmen, die innner noch unzeitgemäß niedrige Löhne zahlen. Ein bei der Firma August Scherl beschäftigter Leser des.Vorwärts' teilt uns mit: Es haben hier bei den heutigen Verhältnissen männliche tech- nische und kaufmännische Hilfskräfte ein Monatseinkommen von 175 M., weibliche ungefähr 150 M. Hierfür wird natürlich ein äußerst pünktliches und flotteS Arbeiten verlangt. Besonders inter« essant dürfte es für die Oeffentlichkeit sein, daß diese Angestellten dieses.fürstliche' Gehalt erst seit einigen Monaten bezichen. Bis vor kurzem erhielten sie noch Tagcsdiäten in Höhe von 3.50 Mark._ Deutscher Holzarbeiterverband. Morgen, Mittwoch, nachm. 4'/, Uhr, im Lokal von Fiöblich, Fontane- Promenade 18, am Kaiser-Friedrich-Plotz:'Mitalieder-Velsammlung der Tischler deS VezirlS Südwesten und Westen. Tagesordnung: 1. Bericht vom Verbandstag.— 2. Bericht von der Generalversammlung.— S. Die Beitragserhöhung.— 4 Verschiedenes. Am Freitag, den 18. Juli, abends 8 Uhr, GewerlschaftShauS, Saal 4: Außerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom' GewerlschastSlongreß. 2. Diskussion. 3. Stichwahlen zum Haupt- und Gauvorsland._ Die OttSoerivaltung. Kaufmännische Angestellte der Betriebe in Obenchöneweide »nd llmg. Am Mittwoch, IS. d, M.,'/«f» Uhr, Versammlung in der Aula der H ndcniurglchule, Oberschöncweide. U. a. Bericht über die TarisverHandwngen in der Metallindustrie. Deutscher Mustkerverband. Sektion Ensemblemusiker. Mittwoch, den 16. Juli, vormittags 10 Uhr, im BereinSbaufe. Kaiser-WUhelm-Sir. Sl, Versammlung der Vertrauensleute der KasieehauSbetriebe. Vollzähliges Erscheinen dringend notwendig. Die SettwnSleitung. Verantwortlich für Politik: Artnr W>» 1 stitkler, Chi--------- JIH Teil de» Blattes: Blsted Scholz. Neukölln: für Anzeigen: arlotteaburg, für den übrigen ,ür Anzeigen: Theodor Sl»«,. Verlin. Verlag: Vorwörts.Verläq s. m. d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts- Duchdruckerci und Lerlagzanltalt Paul Singer u. Co. in Verlin. Ltndenstr. 8. Hierzu 1 Betröge. Leipziger Strasse— JHexander platz■. Reisegepäck- Versichcransf j ElSCllbah II- Reise-�Versicheriing Fahrkarten Reise-Unfall-V ersicherung J„«mtiichon preisen, oh»» Preiswerte Baumwollwaren Tj C 53 tl y r ca. 80 cm breit, fttr Blusen und Hemden«,,,,. Meter Sdlleierstotf ea 100 cm breit, in vielen Farben......,.. Meter Schweizer Stickereistoff Z Me.» \\T � 0 � i. �££ � 80 C1? bi* Schlcicrstoffc, Zcphyr, Kathin bedruckt,*790 O S t O 1 1 C undC"ww: Krcpon bedruckt, Pcrkal bedruckt usw. Meter A Naturstahl ca. 500 kg, oicrkant, in verschiedenen Dimensionen, hat prei«wert abzugei en Aniireas Plum, Vcciin, Köpenicker isttahe 92. Fernspr. Moritzplatz 10820. Kentuchg- Jtantabak dän. Fabrikat, erstkl. Ware in Stangen zu 50 und 75 Pf. liefert laufend Jlttdolj K. Lrnst Hamburg 1 H,Spaldwgstr.«/St Kanfiueken! bes. in d. 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Juli 1S19, nachmittags, 3 Uhr. Am Regierungstisch: Erzberger, Dr. David. Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung. Vizepräsident Schulz(Soz.) hat sein Mandat als Vizepräsident niedergelegt, weil er Unterftaatssekretär geworden ist. Das HauL setzt die Beratungen über die Wahlprüfungen fort. Abg. Dr. Raschig(Dem.) berichtet über die Wahl im dritten Wahlkreise(Stadt Berlin). Die aus diesem Wahlkreise vorliegen» den Proteste richten sich gegen die Wahlzettel der Liste Scheide- mann, weil diese die fettgedruckte Uebevschrift„Liste der sozialdemokratischen Partei" getragen haben. Der WahlprüfungSouS- schütz erblickt in der genannten Ueberschrift kein Kennzeichen im Sinne de? Wahlgesetzes und hat die Stimmzettel für gültig er- klärt. Die Zahl der früher für ungültig erklärten Zettel reicht aber für Veränderungen in der Zahl der Mandaisträger nicht aus, deshalb schlägt der WahlprüfungSausschutz einstimmig vor, die Berliner Wahlen für gültig zu erklären. Abg. Vruhn(Dnatl. Vp.): Die Kennzeichnung der Wahlzettel in Berlin war ein Ausflutz des. revolutionären Geistes, der glaubte, sich alles leisten zu können. Diese Kennzeichnung war unzulässig. Nachdem sich noch die Abgeordneten Neumann-Hofer(Dem.), Hartman»(Dem.) und Schmidt-Sachsen(Soz.) im Sinne des Ausschusses ausgesprochen hatten, wird der AuSschuhantrag angenommen. Präsident Fehrenbach: Der AeltestenauSschutz hat über die Geschäftslage gesprochen und ist zu der Ueberzeugung gekommen, datz, wenn es mit den Reden in der bisherigen Weise fortgeht, wir unserer Aufgabe nicht gerecht werden können. Wir kommen auf die Weise in die peinlichste Situation, um so mehr, da nun auf der anderen Seite die Herren vom Lande den Wunsch auZ- sprechen, zur Ernte nach Hause fahren zu können. Ich stelle den Herren daher dringend anheim, nur die wirklich notwendigen Rede« zu halten und sich im übrigen niehr an die Tat der Abstimmung zu halten.(Lebhafte Zustimmung.) Die Wahlen in den Be- zirken Ostpreutzen, Breslau, Hamburg, Bremen, Stade und die Nachberufung der Abgg. Thurow-Potsdam, Bachmeier-Nieder- l>ayern, Ende-Sachsen sowie die Wahl im Hannover-HildeS- heim werden gern atz dem Antrage des Ausschusses für gültig erklärt. Di« Akten der Wahl in Münster-Minden werden auf Antrag Zubeil(U. Soz.) der Staatsanwaltschaft übergeben, die Wahl aber nichtsdestoweniger für gültig erklärt. Für gültig erklärt werden weiter die Wahlen in Arnsberg, Köln-Aachen, den beiden württembergischen und dem thüringischen Wahlbezirk. Die Abstimmung über die Gültigkeit der Wahl im Bezirk Düsseldorf wird wegen der schwachen Besetzung des Hauses auf morgen vertagt. Es folgt die Beratung eines Gesetzes über die erhöhte An» rechnung der Kriegsdienstzeit. DaS Gesetz will die vom 1. August 1914 bis zum. 31. Dezember 1919 im Reichs- oder Militärdienst von NichtkriegSteilnehmern zurückgelegt« Dienstzeit, sofern sie mindestens sechs Monat« be- tragen hat, zu dem anderthalbfachen Betrage bei der Berechnung von Ruhegehältern und Renten anrechnen. Dazu geht ein Abänderungsantrag Mittelmann(D. Vp.)«in, die Zeit doppelt anzurechnen. Nach kurzen zustimmenden AuSmhvungen der Abgg. DeliuS (Dem.), Steinkopf(Soz.), Koch-Münster(Zentr.), Deglerk(Dnat. Vp.) und Dr. Mittelmann(D. Vp.) wird das Gesetz dem Haus- haltauSschutz überwiesen. Es folgt die Interpellation Auer und Genossen(Soz.): Was gedenktdie Reichsregierungzutun, um der schreienden' Not der Zivil- und Militär- Rentenempfänger schnellstens abzuhelfen? Abg. Mcier-Sachsen(Soz.) begründet die Interpellation. Unter der Teuerung und der furchtbaren Geldentwertung hat niemand mehr zu leiden als die Rentenempfänger. Ihnen mutz geholfen werden, und zwar sofort, entweder durch eine Er- höhung der Zuschläge oder durch einmalige Beihilfe. Dringend no� tut ferner ein beschleunigtes Rentenverfahren. Eine An- Passung der Renten an die Einkommensverhältnisse des Renten- berechtigten und ein« Versorgung der Hilssdienstpflichtigen auf'der Grundlage des Mannschaftsversorgungsgesetzes, auf diesem Ge- biete zu sparen, wäre Sparsamkeit am falschen Platz. (Beifall.) Arbeitsminister Schlicke: Zweifellos sind die gegenwärtig:» Rentenbezüge unzureichend. Aber für den Augenblick sind weder die Versicherungsträger, denen allein die Zuschläge bis zum Ab- lauf des Jahres 1919 eine Mehrausgabe von 229 Millionen verursacht haben werden, noch das Reich in der Lage, größere Mittel bereitzustellen. Ich habe daher im Einbernehmen mit dem Reichsfinanzminister die fürsorgebedürftigen Rentenempfänger auf die Kriegswohlfahrtspflege, an deren Kosten ja das Reich mit einem Drittel beteiligt ist, verweisen müssen. Außerdem habe ich die Gemeinden noch einmal besonders anweisen lassen, ihre Pflicht zu tun. Im übrigen beabsichtige ich schon in allernächster Zen, womöglich noch vor der Vertagung der Nationalversammlung, einen Gesetzentwurf einzubringen, der einer erhöhten Fürsorge der Rentenempfänger Rechnung trägt. Major v. Werder legt namens der Heeresverwaltung eingehend dar, wie schon durch eine Reihe von Matznahmen von erheblicher finanzieller Bedeutung für die versorgungsberechtigten Militär- Personen der Unterklassen gesorgt sei. Die gründliche Reform der Militärversorgungsgcsetze ist in Arbeit und wird mit aller Be- fchleunigung durchgeführt werden. Hierbei werden die Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebcnenorgantsaßionen zur Mitarbeit herangezogen. Auf Antrag des Abg. Löbe(Soz.) findet die Besprechung der Interpellation statt. Abg. Gilsing(Z.): Es ist eine Ehrenpflicht de? deutschen Volkes, die matevielle Not von denen fernzuhalten, die dem Vaterland die größten Opfer gebracht haben. Bei diesen Fürsorgematznahmcn müssen die Kriegsbeschädigten und die Hinterbliebenen selbst gehört werden. Vor allem mutz den Kriegsbeschädigten Arbeit be- schafft und müssen sie vor Entlassungen aus der Arbeit geschützt werden. Für diese� Rentenempfänger zu sorgen, mutz der erste Grundsatz unserer Sozialpolitik sein. Abg. Erkelenz(Dem.): Wünschenswert ist amtliche Auskunft über den Stand der ArbeiterverstcherungSkassen. Ein« Erhöhung der Beiträge ist ausgeschlossen, dennoch müssen die Bezüge erhöht werden. Die wichtigste Aufgabe ist die Beschaffung von Arbeit, die Vorbereitung passender Berufe für die Invaliden. DaS Kapital- abfindungSgesetz sollte nicht bloß ausschließlich auf den Grundbesitz zugeschnitten bleiben. Auch eine Enlschädigung der KriegSgsfange- nen, ebenso eine Erhöhung der Entschädigung für die Veteranen der früheren Kriege ist wünschenswert. Die Regierung mutz den ganzen Ernst dieser Frage erfassen. Abg. Vehrem>(Dnat. Vp.): Die EntschädigungSsrage ist keine Parteisache; sie mutz ein Bekenntnis der Nationalversammlung zu einer ausreichenden und angemessenen Versorgung der Kriegs- beschädigten werden. DaS damit angeschnittene Gebiet ist aber so weitläufig, datz wir eigentlich nur eine grundsätzliche Zustimmung zu solchen Bestrebungen aussprechen können. Da die Revolutions- regierung sogar den Deserteuren die Löhnung nachgezahlt hat, ist es nicht zuviel verlangt, wenn auch die Kriegsgefangenen sie er- halten. Abg. Winnefeld(Dnat. Vp.): Die während des Krieges eingetretenen Lohnverschiebungen machen auch eine Aenderung der Renten erforderlich. Abg. Frau Zietz(U. Soz.): Wir verlangen eine grundlegende Reform des gesamten Versicherungswesens. Abg. Frau Reize lSoz.) bespricht vor allen Dingen die Not- läge der Kriegshinterbliebenen, der Unfallverletzten und der Jnva- liden. Es ist nicht zu bestreiten, datz Kriegerwitwrn mit Kindern von ihren Renten nicht einmal die rationierten Waren kaufen können.(Sehr richtig!) Das Vaterland hat die Berpflichiung, ge- rade über die Hinterbliebenen unserer gefallenen Krieger seine schützende Hand zu breiten. DaS gleiche gilt von den Kriegsbeschädigte«. WaS wir ihnen zu geben vermögen, macht nur ein Geringe? dessen auS, was sie unS gegeben haben.(Lebhafter Beifall.) Deutschland ist ein armes Land geworden, aber die Invaliden des Krieges und. der Arbeit darf es nicht vergessen.(Beifall.) Damit ist die Besprechung der Interpellation erledigt. Präsident Fehrenbach bemerkt, daß der nächste Gegenstand der Tagesordnung sehr schnell erledigt sein werde, denn die Ju- risten seien sich darüber einig.(Heiterkeit.) In erster, zweiter und dritter Beratung wird der von dem Abg. Dr. Taucher(Zentr.) eingebrachte Gesetzentwurf, daß die Bestimmungen über die Erhöhung des im Urteil ausgesprochenen Betrages infolge wesentlicher Veränderung der Verhältnisse der Vertragschließenden auch Anwendung auf die von einem deutschen Gerichte abgeschlossenen Vergleiche über Leistungen und auf die Schuldtitel Anwendung finden, angenommen, nachdem Abg. Dr. Eohn(Unabh. Soz.) rückwirkende Kraft dafür gewünscht hat, aber der Antragsteller Dr. Taucher sowie Geheimrat Zweigert als Ver- treter der Reichsjustizverwaltung bemerkt haben, datz in der Fassung des Antrags die rückwirkende Kraft bereits liege. Auf den Bericht des Ausschusses für Volkswirt- sch a f t über die Lage im Kohlenbergbau und die Kohlenversor- gung beschließt das Haus eine längere Resolution, in welcher Vorschläge zur Erhöhung der Kohlenproduktion und der Kohlen- belieferung gemacht und die Regierung ersucht wird, einen Ar- beitsplan für die baldige Ueberführung der Kriegskohlenwirtschaft in die Friedenswirtschaft vorzulegen. Auf den Bericht betreffend Wirk- und Webwaren beschließt dak Haus, die Reichsregierung um Milderung der Verordnung be- züglich des Verbotes einer besonderen Beschleunigung des Ver- kcrusZ von Strick-, Wirk- und Webwaren zu ersuchen. Nächste Sitzung: Dienstag vormittag 9H Uhr. GroßVerün vollzugsrat Groß-Serlin. Protest der Minderheit. Der VollzugSrat beschäftigte sich am Montag mit den Vorkomm« nissen in der Heilstätte Beelitz, wo der Arbeiterrat unler Aufgebot des Garde-Kavallerie-SchützenkorpS seines Postens enthoben und abgeführt, sowie die Anstalt selbst von soldalen besetzt worden ist. Der Vollzugsrat verurteilt es auf daS allerenlschiedenste, datz zur Schlichtung von Differenzen, die aus der Tätigkeit der Arbeiterräte entstehen, Militär herangezogen wird. Der VollzugSrat ist viel- mehr der Ansicht, datz nur er berufen ist. Differenzen, die aus der Tätigkeit der Arbeiterräle entstanden find, zu regeln. Zur Prüfung der dem Arbeiterrat nachgesagten Entschuldigung wird eine Kam- Mission gewählt. Die vor einigen Tagen stattgefundene Verhandlung der Kom- Mission deS Vollzugsrats mit dem Kabinett in Weimar führte zu keinem Ergebnis. ES wurde beschloffen, erneut mit dem preutzi- schen Ministerium deS Innern und dem Reichswehrminister Noske zu verhandeln. Weiter wurde beschloffen, zum Sonnabend eine Vollversammlung mit folgender Tagesordnung einzuberufen: 1. Erledigung der Beschlüffe der Vollversammlung. 2. Die Tätigkeit und Finanzierung des VollzugsratS und der Arbeiterräle. • Hierzu erfahren wir: Zum Dank für ihre Bemühungen um die Freilassung der letzthin verhaftete» Vollzugsratsmitgliedcr wurden unsere Genossen in der niederträchtigsten Weise beschimpft. Sie erklärten darauf unter Anschlutz der Demokralen, sich zwar an der zur Regelung von Personalfragen eingesetzten Kommission, aber an keiner zu Verhandlungen mit der Regierung bestimmten Kom- Mission zu beteiligen._ Achtung kriegsbeschäöigte und Kriegshinterbliebene! Die Bureauräume der VersorgungS-Abteilungen der Bezirkskomnmndos l— VI, Bülowstratze 88, bleiben infolg« v«> Arbeitsniederlegung der Angestellten bis auf weitere« geschloffen. Die Arbeitsniederlegung hat folgenden Anlatz: In den Versorgung? abteilungen wurde der Gelöbnisschein, der Reichswehr beizutreten, vor- gelegt, dessen Nichtunlerzeichnung die sofortige Entlassung nach sich ziehe, sollte. Die Verhandlungen mit dem Kriegsministerium haben kein Klärung der Personolfrage herbeigeführt. ES befinden sich unte den Angestellten der Versorgungs- Abteilungen eine grotze Anzab Kriegsbeschädigter und Familienväter, denen man einen Eintritt> Erleuchtung. 13] Roman von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdorf. Frau Piot hat die Kerzen umgestellt. Um das Kinn der Toten zu halten, hat sie ihr ein Tuch umgelegt. Nun ist dieses Gesicht von dem Handtuch umrahmt, daS auf der Schädeldccke einen Knoten bildet. Und es liegt in der Wollen- schicht der grauen Haare. Das Gesicht ist anzusehen gleich einer grün-bronzcnen Maske, aus der eine Hakennase und ein gläsernes Augenmal hervorstechen. Die Knie stoßen zlvei spitze Kanten in das Bettuch. Das Auge folgt den hageren Stäben der Schienenbeine und die beiden Füße heben die Decke hoch wie zwei eingekeilte Knäufe. Langsam schickt sich Mario zum Fortgehen an. Sie hat ihre Bluse wieder geschlossen und den Mantel angezogen. Nun ist sie wieder ganz verhüllt. Sie kommt auf mich zu, noch arbeitet der Schmerz in ihr. Für den Augenblick sind ihre Tränen versiegt. Sie redet nicht, sie lächelt mich an. Ich richte mich empor zu ihr. Meine Hände zittern ihrem Lächeln entgegen, als wenn ich danach greifen könnte, und derart zerstäuben die Vergangenheit und das Wesen meiner zweiten Mutter. Und als die Nacht vergangen. ist, und als das er- loschene Feuer nicht mehr wärmt, da machen sich nach und nach die Weiber fort. Eine Stunde, zwei Stunden, ich bleibe allein. Ich wandle hin und her. her und hin, und ich schaudere, da ich die Tote noch einmal betrachte. Meine Tante ist nicht mehr. Von ihr bleibt nur noch irgend ein wesenloses Etwas, etwas Zerschmettertes, etwas tief Erden- farbencs. Und der Platz, den sie eingenommen hat. ist der- onri' �nt> stehe ich neben ihr, und ich stehe allein! Allein und vergrößert durch meine Trauer, Herr über meine Zukunft, angeschauert von den neuen Zeiten, die nun kommen wollen. Endlich wird eS dämmerfahl vor dem Fenster, dämmer- g�au an der Zimmerdecke. Das sind die ersten Spuren der Helligkeit, in die noch der Lichterkreis der Kerzen hinein- flackert. Ich fröstele gewaltig. Ich stehe in dieser Dämmerung. die mich umbraut und in dem Herzen dieses Zimmers, das ipeine Heimat schon seit ewigem gewesen ist, und ich erzaubere das Bildnis einer Frau, die neue Heimat darin nehmen soll. Sie soll am Kamin sitzen, in dem ein fröhliches Feuer prasselt, sie soll umglutet werden vom Purpurschein, sie soll ein helles Kleid tragen, umgoldet soll ihr Antlitz werden, sie soll ihre Hände, die schön und durchsichtig wie Flammen sein müssen, hinstrecken zur heimischen Feuerstätte. In Dämmerdustcr stehe ich. und lausche nach ihr. und ich lauere nach ihr. und ich blicke suchend nach ihr aus. » Die beiden folgenden Nächte vergingen in einer traurigen Starrheit. Nur der Schwärm der Totenkerzen warf etwas Scheinleben in die Dinge. In diesen beiden Tagen brachte mir mancherlei Geschäftigkeit Zerstreuung. Das war erst der Ver- zweiflung voll, dann war es trübselig. In der letzten Nacht öffnete ich das Schatzkästlein meiner Tante. Man hatte es immer das Schächtelchen genannt. Es stand auf der Kommode mitten in einem beträchtlichen Wirrwarr. Ich fand altertümliche Topasenohrringe und ein Gold- kreuz aus weit weiter Zeit, schmächtig war es und schmal. das kleine Kind oder das junge Mädchen hatten das Schmuck- stück getragen. Dann lag dort mein Kinderbild, behütet wie ein Heiligcnstück, eingewickelt in Seidcnpapier. Und endlich eine Schreibseite, die aus einem meiner alten Hefte heraus- gerissen war. Tantchen hatte sich nicht entschließen können, das Ganze fortzuwerfen. Das abgeschabte, durchsichttge und verknüllte Papierblatt war leicht wie eine Klöppelspitze, und man konnte auch glauben, daß es sehr kostbar sei. Das waren alle Schätze, die meine Tante aufgehäuft hatte. Dieses Schatzkästlein enthielt die Armut ihres Lebens und den Reich- tum ihres Herzens. Am Tage des Begräbnisses regnete eS in Strömen. Der Schwärm der Leute nahm gar kein Ende und hörte gar nicht auf das Kommen und Gehen der Weiber, deren Klage den wetten Kellerraum des TotonzimmerS erfüllte. Um 2 Uhr wurde die Leiche in den Sarg gelegt. Dann trug man den Sarg auf den Flur, auf dem die Besucher Spuren von Erde und Schmutz zurückließen. Man wartete noch auf einen Kranz, der sich verspätet hatte. Hierauf wurden die Regenschirme geöffnet und im dunklen Herdentritt machte sich das Trauer- gefolge auf den Weg. Als man die Kirche verließ, war es bald 4 Uhr. Der Regen hatte noch nicht ausgehört, und auf jeder Sette des langsam vorwärts geschobenen Zuges rieselten kleine Bach lein zur Straße hinab. Es gab viele Blumen. Der Leichen- wagen hatte ein schönes und farbiges Aussehen. Zahlreiche Leidtragende waren gekommen. Ich blickte inich oft um. Ich sah besonders den alten Eudo, der, eingewickelt in seine schwarze Pelerine und gebückt wie ein Rabe, durch den Schmutz trippelte. Marie ging zwischen den Frauen in der zweiten Hälfte dieser M�nschenreihe, über der das leichte, rieselnde Reaenschirmdach schwankte, und die der Leichenwagen unrcgel- mäßig und stoßweise hinter sich herschleppte. Des Mädchens Schritt war wie gebrochen. Sie dachte nur an unsere Trauer. Da der Abend so häßlich war, verdüsterte sich alles noch mehr in meinen Augen. Unter den Wasserlachen ist der Friedhof ganz verschlammt. Das Menschengestampfe verursacht ein zähklebriges Geräusch. Kahl und wie gelähmt stehen die Bäume da. Verschlammt wie ein Sumpf ist der Himmel, ganz übersäet ist er von Raben. Der Sarg, der jetzt die gestaltlose Menschengestalt trägt, wird vom Wagen herunter gehoben und gesenkt in das frische Erd- reich. Die Leidtragenden wandeln vorüber. Marie und ihr Vater stellen sich neben mir auf. Ich danke einem jeden mit gleicher Eintönigkeit. Das hilflose Gebaren, das enttäuschte Gesicht, bei jedem ist es das Gleiche. Die Worte, die sie heranführen, bei jedem ist es das Gleiche. Sie wandeln vor- bei an mir und schütten vor mich aus ihre finstere Unförmig- keit. Vom Schloß ist niemand gekommen, aber sonst sind ja sehr viele Menschen da, und alles das bemüht sich um mich, ich fasse wieder Mut. Herr Luzian Gozlan kommt auf mich zu.„Lieber Herr Paulin," redet er mich an, er bringt mir das Beileid seiner Verwandten und aller Blicke sind auf uns gerichtet. Joseph Voneas sagt zu mir:„Lieber Freund.� Das rührt mich sehr. Herr Pocard meint:„Hätte man mich recht- zeitig benachrichtigt, ich würde einige Worte gesprochen haben. Schade, schade Andere stellen sich ein. Dann sieht man nur noch die Menschcnrücken, die durch den Regen, durch den Abend und den Wind wandern. „Es ist zu Ende.— Nach Hause I" Marie hebt ihr tränengebadetes Gesicht zu mir empor. Sie ist sanft, sie ist zart, sie ist unatücklich, oberste liebt mich nicht.(Forts, folgt.) bie Reichswehr, die doch schließlich Kampftruppe ist, nicht zumuten kann. Durch die vorerwähnte Bestimmuna wurden alle diejenigen stellungslos werden, die der Reichswehr nicht beitreten wollen. Im übrigen ist die Entlohnung für die Bureauangestellten recht niedrig, waS selbst von den zuständigen Behörden bel den Verhandlungen ohne wertere? anerkannt 'werde. Die Bezüge betragen für Unverheiratete zirka 21<) M. für Verheiratete zirka 250 M. monatlich. Aus diesen rein Wirtschaft- lichen und wohl allgemein verständlichen Gründen, sowie wegen der dauerudcn Vcrschleppungstheorie der Behörden ldie Lohnbewegung ist schon seit Januar im Gange), haben die Angestellten der Ver- sorgungsabteilungen einstimmig beschlossen, bis zu einer endgültigen Eutscheidnitg über ihre Stellung und Entlohnung die Arbeit nieder zulegen. DieAngestcllten derVcrsorgungsabteilung legen dicArbeitnur sehr ungern nieder, da sie sich wohl bewußt sind, daß dies einer Sabotage an den Jmeresisn der Kriegsbeschädigten und Kriegshmter- bliebenen gleichkommt. Dieie Sabotage islaberherausbeschworen worden durch aufreizende Form und Inhalt der von den vorgesetzten Be Hörden erlassenen Bestimmungen, die zurzeit dabin gehen, die Arbeitszeit ohne gleichzeitige entsprechende Entlohnung zu ver- längern. Di- Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen brauchen daher ihre Anliegen nicht eher vorzubringen, bis die Wieder- aufnähme der Arbeit in den Zeitungen bekanntgegeben wird Verhandlungen, die eine Klärung bringen sollen, werden von den Angestellten der Versorgungsabteilungen trotzdem angestrebt werden. Tie neue Sicherheitspolizei. Jro verschiedenen deutschen Großstädten werden neue Volt» zeiorganisationen inS Leben gerufen, die den Zweck versol- gen, Leben und Eigtentum der Staatsbürger zu schützen. Die neue Polizei benötigt tüchtige und rechtschaffene Männer und soll sich vornehmlich aus früheren Unteroffizieren zusammen. setzen. Unteroffizieren, die infolge der Hceresverringerung aus der preußischen Armee, der Reichswehr und den Freiwilligen-Fvrma- Honen ausscheiden, bietet sich i« der neuen Polizei eine Leben?- stelluug. Bedingungen zur Einstellung: Alter 20— 25 Jahre. Höchstaltersgrenze 30 Jahre, kräftiger Körperbau, mindestens 1,70 groß, möz- lichst unverheiratet und kriegsverwendungsfähig. Dienstgrade: 1. Hauptwach me ister, 2. Zugwach tmeistcr, 3. Oer» Wachtmeister, 4. Wachtmeister, 5. Un t erwach tmcister Gebübrnisse: Unterwachimeister 9 M. täglich, höhere Dienstgrade und Verheirate« entsprechende Zulagen. Zivilversorgungsschein nach ILjähriger Gesamtdienstzeit in Armee, Marine, Reichs- oder Marin«- wehr und«icherheitSpolizeimannschaft und Dienstprämie von 1500 Marl. Unteroffiziere und Kapitulanten, die ihren Wohnsitz in Groß- Berlin, Potsdam. Spandau usw. haben, wollen sich persönlich vor- stellen. An Auswärtige versenden die Meldestellen der SicherijeilS- polizeimannschast einen Fragebogeni. nach dessen Ausfüllung und Eingang ein Fahrtausweis nach Berlin überwiesen wird. Meldestellen: Bevlin-Zentrum, Prinz-Friedrich-Karlstr.. Aleran- der-Kaseri'.e Ost, Zimmer 40; Berlin'sW.. Fricdrichstr. 4. Berlin- Moabit, Turmstr. 93, Neues Kriminalgcricht, Zimmer 157. Berlin SW., Friesensir. 16, am Tcmpelhoicr Feld, Augusta-Kasernc, Zimmer 66, woselbst alle weiteren Auskünfte in der Zeit von 9 bis 3 Uhr werktags bereitwilligst erteilt werden. Geeignete Offiziere, die das 22. Lebensjahr überschritten haben und sich als obere De- amte belverbcn wollen, wollen sich beim Kommandostab— Neues Kriminalgericht— melden., lieber die Bekleidung der neuen Sieberheiispolizei des Berliner Polizeipräsidiums schweben zurzeit im Ministerium des Innern Vor- Handluitgen. Man geht dabei von dem Grundsatz aus, die Sicher- beitspoli.zei rein äußerlich schon in der Uniform von der Reichswehr zu unterscheiden, mit der sie als„rein preuß. Beamtenschast" nichts zu tun hat. Andererseits will man» die heute noch vorhandenen Bestände an Bekleidungsstücken des alten.Heeres nach Möglichtett ausnutzen. Tie Bemühungen des Ministerium» de? Innern werden vom Kriegsministerium im weitgehendsten Maße unterstützt. Die Grundfarbe der neuen Uniform wird grün sein. Trohe« der Lohnkampf im Milchgewerbc. Infolge der allgemeinen Preissteigerung wurde vor einiger Zeit der Milchpreis erheblich herausgesetzt. Jetzt verlangen, wie eine Korrespondenz bmkfuei, Sic Arbeiter- und Anjgestellten der Meiereien eine etwa 100 Pro-., höhere Entlohnung als bisher, ferner die Einführung der IZ-Stunden-Woche. Tie Kutscher, die bisher 50 bis 65 M. pro Woche verdienten, verlangen jetzt 135 Mk. und die Einführung der 48struMgen ArbeitSzeiG Bezahlung der Uebersmudsn und Sonnt agsarboit, Faßaröeitee 160 M. und 42- stündige Arbeitszeit, am Sonntag nicht länger als drei Stunden, was gerade im Milchgewerbe undurchführbar sei. Die Angestellten fovdtrn 350 M. für Kontoristinnen, 450 M. für Kontoristen, 500 M. für Buchhalter und 600 Dt. für Cöermeier und Inspektoren. In einer Beratung mit den Beteiligten erklärte die Fettsielle, daß diese Forderungen den«ladtsäckal jährlich mit etwa 2 0 Millionen belasten würden. Eine Bewilligung der Forderungen würde eine Verteuerung der Milch um 9 Pfennig pro Liter bedeuten. ES sei aber unmöglich, die Verbraucher abermals zu belasten, da man die Feststellung gemacht habe, daß in zahlreichen Milchze- schäften in Berlin Familien, die mehrer« Karten zur Entnahme von Voll- oder Magermilch besitzen, nicht mehr das volle Quantum abnehmen! Di« Stadt Berlin müßte also den Fehlbetrag aus ihrer Tasche decken, da die Fettsrellc Groß-Berlin über kurz oder lang sich auflösen wird, sobald die Fe-ttratioiren aui dem Ausland sich weiter erhöhen lassen. � S. p. v-r�rbeiter, Solüaten- unü kommunale Krbeiterräte! MitWoch, nachmittags 3'/, Lhr, im großen Saal ie{ früheren Herrenhauses Versammlung. Die sehr wichtige Tagesordnung wird dort bekanntgegeben. Der Fraktionsvorstanb. Haase. Arbeiterrätc der Kriegsorganifationen! Heute. Dienstag, vor- uriltags 9 Uhr, im VollzugSratsgebäude. In den Zelten 28, Saal ö, Sitzung. I. A.: G ü r f ch k e. LollzugSausschlH der Metallindustrie. Sitzung morgen. Mitt- woch, abends 6 Uhr, In den Zelten 23. Unverbürgtes vom Tage. T-le„körperlich« Gründe", mit denen die Streikleitung der Straßenbahner ihren Rücktritt begründet hat,, sollen angeblich darin lieg«, daß die Streikleitung nicht mehr laufen kann; sie darf sich aber natürlich nicht irgendeines Ersatzfuhrwerks bc- dien«. Die Ferirnspiele werden Mittwochs und Sonnabend? nackt- mittag? für die Swüler, Montags imd Donnerstags für die Schülerinnen von 4—6 Uhr nackmittag?(im Friedrickshain von 3V.:— 51/,, an der Schöribeuser Allee von 3—5, im Humboldthoin für Mädchen von 2ty,— 4%) abgeholten für Knaben: 1. zwischen Urbanstraße. Platz am Urban und Wilmssir. 14a, 2. am Fuße des KrenrberaeS. 3. Treptower Park, Platz 8(am Bootsbaus kl. ü. Hella?). 4 Ererzierplay des Telegravben-Bataillons, Bouchsstiaße. 5. Grundstück Wie'enstr. 49 54 und Pankstr. 11—12. 6. Grundstück Bremer Str. 92/32. 7. Exerzierplatz Moabit, hinter der Ulanen- Kakerne K. Schülerwiese im Schillervark. 9. Friedrichshain, 10. Humboldthain. 11. Schönhauser Allee(eintame Pappel).— Für Mädchen: 1. Urbanstraße(Platz am Urban und Wilm?« straße 14a), 2. Bremer Str. 22/32, 3. Humboldtbain. 4. Kraulstraße 49 5. Schönbanser Allee(einiame Pappel). 6. Wiesen- straße 49 54 und Pankstr. 11/12. Mögen Eltern es sich angelegen iein lassen, ihre Kmder im Interesse der Hebung des Gesundheils- zustandeS zur Beteiligung anzuhalten. Di« Heimkehr der Kriegsgefangenen steht unmittelbar bevor. In deren dringendem Interesse wird seder. der einen Krieasge- fangenen in seinem Hause erwartet, ausgefordert, einen bezüglichen Vordruck bei der zuständigen Brotkommission einzufordern und nach Ausfüllung an die KriegSgefangenenheimkehr, Berlin C 2, Schloßplatz 1, abzusenden. In Berlin sind bereits durch das Knegsministerium eine Anzahl von Gebäuden, die bisher militärischen Zwecken dienten. bereitgestellt worden, um die Ankommenden in würdiger Weise unterzubringen. Da? ReichSernährungSmimsterium will betendere Verpflegungssätze gewähren, auch während deS achtwöchigen Urlaubs. Die Kommandantur Berlin soll iür die Unterhaltung der Gefangenen Sorge tragen und Theaterkarten usw. verteilen. Um besonders durch die Gesangenschast Geschwächten Erholung zu gewähren, sind die noch bestehenden militärischen Erholungsheime nach Möglichkeit geräumt worden. Sekretariat für«ititärisch« Austläruug. Juristische Sprech- stunde jeden Dienstag und Freitag nachmittag von 5>l.— SVz Uhr. Wer ist die Tote? Aus dem Landweb rkanal gelandet wurde Mahbachuter 8 die Leiche einer unbekannten Frau von 50 bis 53 Jahren. Die Tote hat graumeliertes Haar und ein falsches Ge- biß und trug einen blau« Rock, schwarze Bluse und schwarze Schürze, schwarzen Mantel, braune Strümpfe umd sckwarz« Schnür- schuhe. Eine Kindcsleiche' wurde von spielenden Kindern an dem Bau- zäun der Untergrundbahn in der Utedomstraße gesunden. An- scheinend Kindesmord. Der Raubmörder Moll, der gemainsam mit dem Matrosen Willi Gersten den Privaeicr Ernst G u d o h r in der Kochsfraße ermordete und in Glau bei Trebbin ergriff« wurde, ist dem außer- otdentlichen.Kriegsgericht vorgeführt worden. Moll wioderholte sein Geständnis. Er hatte sich nach der Tat zunächst in Berlin ver- steckt gehalten und war dann in ein Freiwilligen-Regiment eingetreten, Wo ihn die Kriminalpolizei ermittelte und festnabm. Zwri jugendliche Stroßenräuber wuvden im Treptower Park auf mscher Tat ergriffen. Ter Iljährge Ernst Fischer und der 16jährige_ Franz Weber, beide obne Arbeit, waren übereinge» kommen, im Trevtrwer Park alleingehmde Damen zu üh�rsallen und zu beraub«. Ms sie zur Ausführung ihres Planes schritten, wurden sie gleich abgefaßt. Lichtenberg. Ferienspiele und Ausflüge. Während der Ferien täglich Spiele für Schullinder und Tagesausflüge. SS wird vormittags von 9—11 und nachmittags von 4—6 Uhr auf 4 Plätzen gespielt. Tie Leitung liegt in Händen hiesiger Lehrer. Kinder übersehen gar leicht die gute Absicht und den Segen solcher Maß- nahmen, deshalb sollten die Elten: ihre Kinder fortgesetzt zur Teil- nabme zu veranlagen suchen. Den Ausflüglern hat der Magistrat Zuschüsse von Brot und Fett zugebilligt. Schöneberg. Tie Stadtverordnetenversammlung hatte Montag eine Lebens mi tteldebatte. Eine Anfrage der kleinen Fraktion der Wirtschaftlichen Bereinigung forderte Auskunft über Verderb von Kartoffeln und Mehl in den Lägern der Siadt und über die Höh« des Schadens. Die Auskunft des MagistratSvcrtreterö und Darlegungen mehrerer in der Lebensmittelversorgung tätigen Stadtverordneten entlasteten den D Magistrat. Von Kartoffeln seien nur mäßige Mengen verdorben, u.-.d zwar sehr luenige in den Lagern der stadt. Der größte Teil der verdorbenen Kariofselu fei bereits schon so angeliefert worden. Tic Stadt habe die Ware in diesem Zustande abnehm« müssen, weil die Lieterantenkreise sonst die Lteferung« ganz eingestellt hätten. ES sei übrigens noch möglich gewesen, die verdorbenen Kartosseln größtenteils zu billi- gem Preis als Biehfutter zu verwand«. Sehr ungünstig äußerte sich der MagistratSpertreier besonders über die au? Eng- land bezogenen Kartoffeln, für deren Beschaffenheit die Lieferer nur bis Rotterdam eine Verpflichtung übernommen hatten. Auch von dem Mehl fei nicht viel verdotch«, wenn man die Gesamt- menge des MehlvcrbravchS in Betracht zieht. Das Mehl der vor- jährigen Ernte sei ungewöhnlich feucht gewesen, so daß cS zum Verderb neigte. Der sozialdemokraiiiche Redner erwähnte hierbei, daß Kontrollen dei BrotgewicknS bei 145 Broren ein Gewichtsmanko ergaben von durchschnitiltch 110 Gramm pro Brot. l Bewegung.) Der Magistratsvertreter teilte mit. daß die staar- liche.DcrteilungSstelle nach Aufhebung der Blockade schnellste und restlose Verteilung der noch vorhandenen Mehlbestände angekündigt hat. lieber die Frage der Verlusthöhe will der Magistrat rn einer späteren Sipung sich äußern.— Bei einer Nachiordermig von Mitteln für daS Fuhramt rügten die Unabhängigen, daß wegen des V c r k e h r s st r e i k S die zu Lebensmitteltransporten bestimmter! Fuhrwerke der Stadl zur Perfonenbewrderung verwandt worden find.(Zuruf: Streikbrecher!) Der Oberbürgermeister erklärte eS für Pflicht der Sladi, in der Streilzeit für P e r so n e n f uh r- wer! zu sorg« und damit der Arbeiterbcvölkerung zu l?elfen. Auch die Streikleitung der Straßenbahner habe tsieseS Vorgehen als durchaus berechitgi anerkannt und nur eine Herabsetzung deS BesörderungspreiseS gewünscht.— Zugestimmt wurde einem dringlichen Antrag der fozialdemolMtisäx« Fraktion, der Magistrat solle Schritt« bei den zustandigen Instanzen tun, daß die Brotration ichnellstens erhöht oder Mehl zum Selbst- backen an die Hausfrauen verteilt wird. Groß-Berliner Lebensmittel. Berlin. Bis Ticnswg im 8., tt. und 19., bis Donnerstaq im?. bis 7.. 05.. 17., 18„ 20., 21., 129.. 134., 172., 285. und 246. und bis streiuet im 9., 12., 13., 14.. 15., 23., 29., 177., 225. und 244. BrotkommiinonStsz-'k 125 Gramm Käse.— 200 Gramm amerikanisches Roggcmnebl<36).— 250 Gramm auSIändisckc Maisfabrikate(49).— 200 Gramm Sülsensrüchte (50).— Abschnitte vom 15. bis 17..tetli in den Gelchästen abzugeben. Lichtenberg. Eine größere Belieferung mit Näbrmitteln wird in der nächsten Zeit cmlreten. ES ist aber unScdinat erforderlich, die Anmelde- fristen genau cinzubalten. Aachanmcldungen werden unter keinen Umständen stattfinden._ Groß-Serttner Parteinachrichten. 4 Abt. Morgen, Mittwoch, 16. Pfuli, 7 Uhr abends: UnlcrbaltungS- nbend lErianp, Reziwtion, Mufikl in den Roland-Feftfälen, Elfafier Str. 26. Erscheinen aller Mitglieder erwünscht. Gäste willkommen. 0.-12. Abteilung. Wegen der ungünstigen Witterung wird daS Sommervergnüqen der südöstlichen Ableilimgen aui Sonntag, den 26. Luli. verschoben Tie alten Eintrittskarten baben Gültigkeit Ll. Abt. Versammlung W'ttwoch. 7'/, Uhr, bei Steffen. Landsberger Allee 150. Vortrag über.Elternbeiräte". 20. Abt. Heule, Dieuetag. abends Tf, Ubr, bei Burg. Vrenzloucr Allee 189: Zusammenkunst der Parleigenossiiinen zur Besprechung über «inen AuSflug. 41. Abt. Versammlung morgen, Mittwoch, 71/, Uhr. AnniniuZiäle, Bremer Str. 73. Rei.: Thuro 4K. Abt. Derlammlung morgen, Mittwoch, 7 Uhr, Schulaula, Plan- tagenltr. 16—19. Res.: Pattloch. Charlottenburg. Heute, abend» 7fl, Ufst, im VollShauS. Rosinen- strage 4: Mitglieder ver iammlung. Tagesordnung: Vo-.traz des Genossen Heilmann: Nach Friedensschluß. WahlveretnSangelegcn. heiten. Niederschöneweide. Morgen Mittwoch. 7'/, Uhr. im Lokal.Loreleh", Berliner Sir. 101. Ref.: Umlauf..Der Parteitag in Weimar." Fredersdort(Ostbabn). Morgen 8 Ubr bei Groncderg floblabend. Vortrag: Wa« erwarten wir von d« GemeindcoorstandSwahlen? Freie AuSsvrache. Verschiedenes. Potsdam.„Wir und die andern" lautet dab Tkejna, über daS am Mittwoch, abends 8 Uhr im KonzcrthauS die Genossen Heil» mann- Berlin und I a h n! e- Spandau referieren.— Zahlabc n.d fällt aus. Steglitz. 6. Bezirk. Rednerkursus(unentgelllich) Beginn Freitag. 18. Juli, im Lokal von EaiSIer, Heverslr..22, abends 8 Uhr. Leiter Gc< nofie Bruno Leay. Neunwöchiger UebungSkursuS. Alle Mitglieder(auch weibliche) werden ausgesordert, uieran teilzunehmen.— DonuerSta? 17. Juli, abend« 8 Uhr, öffentliche Frauenverkammluiig im Eymnafium. Heesestraße. Bortrag:«DaS Recht und die Stellung der Frau". ?llgenüveransta!tungen. Weißensee. Jugendheim Dvlck- Promenade I. Heute abend im Jugendheim: Mitgliederversammlung mit wichtiger Tagesordnung. vereine unü Versammlungen. Zentrole für Einigung der Sozialdemokratie, Bezirk Oftru. Mttglitderverfammlling morgen. Mittwoch, 7 Uhr, Gubener Str. 45: Vortrag über Rätcsyilem. Gäste willkommen. Freie Hochichulgcmeinde iür Proletarier. Ter englische Kursus findet während der: gerim Mittwochs von 7—9 Uhr statt. Gerichtszeitung. Wie die Pogromflugblätter auf unklare Geister wirken Zonn« zeigte eine Anklage wegen versuchter Erpressung durch Bedrohung mit Mort>. die den Arbeiter Karl Rietze vor die Straf- kammer führte. Der Angeklagte har den Feldzug mitgemetcht und ist als Hvlreriker heimgekehrt. Er hat zugestanden, an den Kauf- mann Map Behrcnd und den Kaufmann Leopold Cohnreich zwei Erprefscrbriefe geschrieben zu haben, in welchen diese a u ige i ordert ivurden, zu einer bestimml« Abendstunde an ein« bestimniten Ort am FriedrtchSharn ein genau vorgeschricbcneS Paket mit 40 000 M. einem dort aufpassend« Mann abzugeben. Tie Adressaten wurden„im eigensten Jnreresse" dringend gewarnt, sich mir irgendeiner Bebörde in Verbindung zu setzen, da dies den Adressat« ben Tod bringen würde, linterzeichnet war« die Briefe: Der politische Gehetmbund. ES war noch binzugeftigt, daß andere Juden noch mehr zahl« müssen, daß schon 400 000 M. zusammen seien und schon mehrere jüdische Herr« sich bereit er- klärt hätten, durch Zahlung von Geld Mitglieder des Bundes zu werden. Die Adressaten ging«, gefolgt von Polizeibeamt«, mit den zureckstgemachren Paketen ohne Inhalt, d« vorgeschriebenen Weg. der Erpresser ließ sich aber nicht sehen; ex hatte wohl bemerkt. daß die Luit nicht rein war. Am nächst« Tag« erschien dann der Angeklagte bei Eohnreich und üi erreichte ihm persönlich ein« Brief. In diesem wurde der Adressat aufgefordert, daS Paket dem Ueberbringor zu übeqzeden, da er ja gestern..Deckung" gehabt habe. Auch dieser Brief war mit„Der politische Geheim- b u n d" unterzeichnet. Nunmehr konnte der Erpresser festgenom- men werden. Der Angeklagte erklärte, daß er gar nicht mehr wisse, wie er zu der Tat gewmm« sei. Er habe sich damals, als er nervös aus Rußland heimgekehrt fei und keine Arbeit bort«, in iphr gedrückter Stimmung befunden. Da feien ihm die anri- temitischen Flugblätter in die Hand gedrückt ward«. Daten hob: gestanden, daß diejenigen, die mit dam Inhalt einverstanden seien. sich bei einem der Unterzeichner, Josef Knauer in Tchönrherg, ein. finden möchi«.— Der pshchiarrische Sachveritändige Dr. Sepp» mann bestätigte dem Angeklagten, daß er an schwerer Hhster-e leide; es sei durchaus glaubhöft, daß ein fo gearteter Mensch durch solche Flugblätter und Setzereien zu einer derartigen Straftat ver- leitet werden konnte. Ter Angeklagte sei als geistig minderwertig anzusprechen.— Zwei Mitunterzeichner des Flugblattes als Zeugen verweigerten ihr Zeugnis, da sie sich ftvasbarer Handlungen de- Sichtigen müßten. Die Herren lauf« frei herum. Ihr Opfer er- htett 1 Jahr Gefängnis. Wetterbericht bis Mittwoch mittag: Ziemlich kühl, veränderlich, überwiegend bewölkt, mit öfters wi�erholi« an der Küste viel» sack» starken, im Binnenlande schivacheren Rcgenfällen. t> �caSs®! er natürtid)«-fadoinger Mneralbrunnen ist eingetroffen und wieder erbältlich in allen einschlägigen Geschäften OVIineralwasser-Randlungen, Hpothehen, Drogerien usw.), sowie durch die Ver fand stelle, 8chöncbergcr Straße 16a. fcrnfprccher: Hmt Lützcw Nummer 8aüo» 8261. �deiubrauö Coönac Mlarke� iick (// i/ni* y////vf y/y/ // pl ÄÄUÄ iy. Berlir loiterie {. d. Pestalozrl-Fröhclhaus Gesamt- und Hauptgew. M, 50000 10000 5000 us».• I nco?_ �Orto u. Liste LUao ö. 50 Pf. mehr. 10 L. m. Po rto u. Liste 30 M. empfeh. u, vers. a. Nachnah. Emil fiaase& Co., BerMn Iii, Bredowstr. 9 und in unseren Filialen. Sommerspielz.; H. Sternberg. Gastspiei Guido Thielscher: 8 Uhr: Cbarleys Tante. Oeatsches Künstler- Theater. Allabendlich 8 Uhr: Max Adalbert m; Die Butsctabahn. Theater I. d. KöniggrStzerStraße t/zZ Uhr: Der HSuptllng. Komödienhaus tncie HOfilch u. ludw. Hanau 8: Llselott von der Pfalz. Berliner Theater Uhr: Die tolle Komtess. 7>/-v. Centrnl-Theater KommandantenstraBe 57. vhr: Die Schönste von jülen. Itentsrhea Opernhann 7 uhr: Die Fleßernians. kM.-Melmt. Hieater perßias Kleines Theater. 7", Uhr: Unterm Baume der Erkenntnis Komische Oper ijh'r: SetiwsrzwalilinäilEl. Lnstsplelhann 7»/.uhr: So ein Mädel. Metropol-Theater. 7 uhr 20: Die Fasehingsiee. Xenes Operettenhans. 7-/. u.:DieD8i?ie?oni Zirkus. Palast-Theater 7«/. uhr: Weinende Erten. Oper, in 3 Akt. v. R.Danziger. Mchlller-Thcat. Charl. t«/, uhr: Alt-Heidelberg. Thalia-Theater ti/. u-Jungler Sonnensebein Tli.amXoUcndorfplata 7-.- uhr: Die Pnnpe. Theater d. PrledrTchstadt 8 Uhr: So eine Frechheit. Versicherung gegen Einbruch. Ein Poiterabend. Wallncr-Theater vi, um: Das Gesetz. Walhalla-Theater. TV, TJhr: Die Frau des Debütanten. APOLLO FriedrichstraBe 218 vir.: James Klein FV« f'T* TV- Letzter Gastspiel-Monat der Gesellschaft Anton mit der neuesten Schlager-Burleske Nur nicht Isehielien jVorti. Speiialltäten! ■Sonnt. 3', jd.Erwachs I Kind frei! METROPOL KABARETT eeHBEnSTR54 WOfTfR /CtilACHT StaniÜqdynFSfSter Volksbühne Theater am Bülowplatz. TBglich 7»/, Uhr: Der heilige Florian. Dentschc» Theater. 71/, Uhr: Auch Ich war ein Jüngling... (Schwank). Kammersplele. Allabendlich 8 Uhr: Leopoldine Konstantin in Das weih u. der Hampelmann. Theater de» Westen» Allabendlich 7V, Uhr Mla Werber und Hans Vassmann in Die Geisha. Mittwoch 200. Aufführung in der Neueinstudierung. 2000. Auitretcn Mia Weber als Mimosa. Trlanon-Theater. Bhf.Friedrlchstr.Ztr. 4927,2391 Tägl. 8U. Heute z. 310. Male: Oer gute Huf von Hermann Sudermann. Sonntag 4 Uhr; Natlonal-Theater 8 Uhr Stürm. Erfolg 8 Uhr MM Rose-Theater. Täglich J'/j Uhr: 0 schöne Zelt, o selige Zeit VI, Uhr Gartenbühne; Das sieht sich jeder an. Vorher Konzert u. Spezialität. Voigt-Theater Zabstraße 58. TV, llhr: FruHlingsluft. Vorher: Vsriete-Vorstelluiix. Gtbffnung 8 Uhr, Anfang 5 Übt. Ieb. Mltnv., Sdd.Sonn:.: Soll. Residenz-Theater. Untergrundb. Klosterstraße, Ausgang Stralauer Straße. Täglich8Uhr. Zum 185. Male: Das MDere Lefiei. Schauspiel von Sudermann. Regie; Alfred Rotter. Luisen-Theater. WEMMevlieden Sonntg. 3: einmal. Aufführung Set Skllevbesitzet. Täglich abends TV.: WM Mm MW. Serliner?rater 7/9 Saflatiituoaee 7/9. Täglich: iTBfltielMranionen W.» BaU- Anfang 4'/, Uhr. Admirais-Palasl dntentation. Ringkämpje um den Preis der Deutseben Republik. Anfang 8 uhr. AUmlrals-K Die Schuld mltHennvPorten. Theater a. Kottbus.Tor Allabendlich 7 V, Uhr: SUte-Sänger 9 ehem. Mitgl. der Stettiner Sänger Humor. Spielplan Sommerpreise I Dliitiip-Konzert. ßpAUMEs DIELE |AlD(ANDEmäl Fritz Berge r und Minna RevercUjr, im Duett Dr. Altos Paul Coradln! Ernst Warlitz Kva Warlitz Conf.: Willi Horwilz Am Flögel: Sawade Wintere Galten Täglich J'/i Uhr: Varietd-Spielplan Rauchen gestattet I Reiehshall.-Tbeater Gastspiel d. berühmten Dresdener Völlig neues Programm. 1. 8. Wieder- augwtci�SHttiiutSän� Potsdamer Str. 38 Henny Porten im Drama Die Selinld. Turmstr. 12 Die Finsternis und ihr Eigentum. Friedenau, Rheinstr. 14 Anders als die Andern. Alexanderplatz-Passage. Bruno Kastnen Zwischen zwei Welten. Vergnügungspalast SehloBbr. Scböneberg Hnuptftr. 132/123. 'enthDelöungstGinpl 31. 500,— Naber» Oftpreußen gegen Winter» Wen. Dieser Kampf geht bis zur Enlichewung. Nachdem: MtiMtainP'! Mohrmann-VrtUn geg. RadtkcChailottenbucg.| Außerbem ringen: Hintzc» Verlin gegen Jakson» Australien. �nlcauf ▼OÜ ALTKUNST G. m. b. H. Wilhelms tr.40a. Ankauf von r Juwelen xum Ueutlgea hobdo Kur« Margraf& Co. O. m. b. H. �XsnoalerBtr. 9.� -«»!!.!. 1.1» Seldlotterle än- Bcklapfug d. 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