36.3 Bezugspreis t Viertel1iihrl.>/- frri ins Hau», vorau» zahlbar. Pol� bezug: Monatlich S,— Ml. ejfL gu- stellungsgebühr. Unter Sreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn «LS Ml. für da» übrige Ausland 10 25 Ml., bei täglich einmal, gnstellnog 825 Mk. Postbestellungen nehmen an Dänemark Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen m die Post-Zeitungs-Preisliste. Der.Vorwärts" Mi« der Eonmag»- beilage.Volk u. Zeit" erscheim woche»»- täglich zweimal. Sonntag» einmal. Telegrolnm-Adresse: �Soziolvamokro» SerNa". Morgen-Ausgabe. Derlmev VolKsblskt. ( 15 Pfennig) Anzeigenpreis; vi» achtgespaUene Sioivparelllezetl» lostet 120 Mb.Kleine Anzeige»". da» fettgedruckte Wort 50 Pfo(znlässtg 2 settgedruckte Worte), sedc» weiter, Wort 25 Psg. Stellengesuche und EchlaffteUenanzetgen das erste Wort «0 Pfg. jedes weiter, Wori 20 Psg. Wone über 15 Buchstaben zählen sur zwei Worte. Teuerungszuschlag 50°,» Familien» Anzeigen, polirische und gewerkschastliche Pereins- Anzeigen 120 Mb die geile Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bi» 5 Uhr abends, Zentralorgan der rozialdcmohratl leben Partei Deutfcblands. Ncüaktion und Expedition: SW. öS, rindenstr. Z. isernivrecher: Amt Morinplaif, Nr. tSISV— 1ä1S7. Donnerstag, den 17. Juli ISIS. Vorwärts-Verlag G.nt. b. H., EW. HS, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Moritzplan, Nr. 117 SS— 54. Der 21. luli. Parteigenossen! Ter Parteivorstaud hat durch Rundschreiben vom 7. Juli die Parteiorgauisatioueu aufgefordert, Bersammlu». gen und Demoustratioueu großen Stilb vor- zubereiten. Es gilt, dem Treiben der Reaktionäre ent- g e g e n z u t r e t e n, die die durch de« Krieg so drückend gewordene Lage in verleumderisch-demagogischer Weise für ihre Partei.zwecke auszunützen suchen. Es muß dem Volke zum Bewußtsein gebracht werdeu, daß die Revolution als elementares gesellschaftliches Ereignis die unausbleibliche Folge der Kriegspolitik der ehemals herrschenden Klassen war und daß diese allein die Schuld an dem politi- scheu und wirtschaftlichen Zusammenbruch unseres Volkes tragen. Ebenso muß der katastrophalen Politik der U n a b- hängigen und Kommunisten entgegenge- treten werden, die, wie gebannt auf die baldige Wellrevo- lutiou hoffend, durch putschistische Aktionen und General- streiks der allmählichen Gesundung unseres Wirtschasts- lcbens, dem sozialistischen Aufbau eines neuen demokrati- scheu Deutschlands unausgesetzt hindernd in den Weg treten. Am 2L Juli protestiere« die Soziali st en Frankreichs» Englands und Italiens gegen den gewalttätigen Imperialismus der Entente. Der deutsche Imperialismus liegt vernichtet am Boden, der Kampf der Entente geht und ging gegen Deutschland, als das Land, in dem der sozialistische Aufbau der Gesellschaft unter demo- kratischer Einwirkung des ganzen Volkes sich vollziehen soll. Wir fordern unser« Parteiorganisationen entsprechend der ihnen zugegangenen Weisung auf, die Aktion unserer Genossen in den Ländern der Entente mit der nnseri- gen zu vereinen und sie zu einer Kundgebung aller Sozialdemokraten Europas zu gestalten. Es lebe die Demokratie! Es lebe der Sozialismus! _ Der Parteivorstand. Zentralisierung öes Steuerwesens. Beschlüsse der Finanzministerkonferenz. Karlsruhe, 16. Juli. In der Sitzung des badischen Haus- Haltausschusses am 15. Juli machte Finanzminister Dr. Wirth über die K o n f e r e n z der F i n a n z m i n i st er der deutschen Gliedstaaten folgende Mitteilungen: ES soll die Gesetzgebung über sämtliche Steuerquellen nur d em Reiche zukommen, und die erzielten Einkommen sollen nach einem noch aufzustellenden Schlüssel zwischen dem Reich, den Ländern und Gemeinden, unter Berücksichtigung der Lebensnotwendigkeiten aller Beleiligten, verteilt werdeu. Die gesamte Finanzverwaltung der Abgaben soll von einer Zenrralstelle einheitlich ge- leitet werden. Nach Auffassung des FinanzministerL bedeute! diese» Verlangen der Reichsregierung da« größte Opfer, das man den Bundesstaaten zumuten könne. Das Reich beabsichtige, die Bundesstaaten in einem noch zu bestimmenden Umfange an den Erträgnissen gewisser Steuern, wie Einkommensteuer und ErbschaftS» steuer teilnehmen zu lassen. Die Bundesstaaten hätten dann noch Gelegenheit, besondere Er trag« steuern oder etwa die Vergnügungssteuer für sich auszubauen, sofern das Reich auf die bereits eingebrachte Borlage einer Vergnügungssteuer verzichte, damit die finanzielle Selbständigkeit der Gemeinden im wesentlichen beseitigt wird. Sie werden der strengen Aufsicht der Bundesstaaten hinsichtlich ihrer Ausgaben unterworfen. « Der Finanzausschuß des bayerischen Landtages, der sich mit diesen Plänen beschäftigte, verfaßte eine Entschließung, die v 1 3t.0't'0nen zur Beratung vorgelegt werden soll, in der gegen die P r o t e st eingelegt wird, da sie oen Untergang der politischen Selbständigkeil der Einzelstaaten be- tir bayerischen Abgeordneten in Weimar müßten sich ge» Ich Ilen buuer die bayerische Regierung stellen. Hurgersireik in Stralsund. Stralsund. 1«. Juli. Heute mittag 12 Uhr ist die Bür- �« r f o) u 1 1 IN den Abwehr streik eingetreten. Sämtliche Ge- fchäfte und Bureaus wurden geschlossen. In dem LandarbeitcrstreU haben heute vormlttag neue Berhaudluugen zwischen dem Arbe»trrvcrbaud und dem p,»»erschen Laudbuud tCSMUMfa wilder Generalstreik in Stettin. Kommissare mit weitgehenden Vollmachten in Pommern. S t e t t i», 16. Jul». Der heute auSgebrvchene G e« e r a l- streik stellt sich als eine Ueberrumpeluug der Arbeiter durch die Unabhäugige Sozialdemokratie dar. Eine heute nachmittag abgehalten« Versammlung d«S Aktionsausschusses der Mehrheitssozialisten, a« der Vertreter aller Gewerkschafte« teil- «ahmen, beschloß, daß in den Gas-, Wasser-««d Elek- trizitätswerken d«e Arbeit sofort wieder auf- genommen, im übrigen aber der Streik fortgesetzt werden solle, bis eine ans morgen Vormittag einberufene Versammlung der Ber- trauensleute des Wahlvrreins weiter beschließen wird. Die Zer- tungsverleger haben beschloffru, die Zeitungen vorläufig nicht er- scheinen z« lassen. Der Oberpräsident und der Zentralarbeiterrat der Provinz Pommern habe» sich telegraphisch an die Ministerien gewandt und um Aufhebung des Belagerungszustandes über Pom- mern gebeten. Berlin, 16. Inst. Die Preußische Staats regierung hat soeben beschlosseu, di« UnterstaatSsekretäre Dr. Meyer vom Ministerium deS Innern und KreczinS ki vom KriegSministerium über Stettin nach Stralsund als Kommissare mit weit- gehend st en Vollmachten sofort zu senden, um an Ort und Stelle in Stralsund die Ursachen deS Laubarbeiterstrciks zu prüfen und möglichst Abhilfe zu schaffen. Nach Prüfung der Verhältnisse sind die Kommissare i« die Lage verfetzt worden, de« BclagerungS- zustand über Stralsund evtl. aufzuheben und den Arbritszwang zu beseitigen. Ausbreitung ües Stettiner Generalstreiks. Auch die Eisenbahner ausständig. Stettin, 16. Juli. In einer heute abgehaltenen Bersamm- lung der Eisenbahner von Stettin ward« beschlosseu, sich dem Gene- ralstreik anzuschließen und einen Aktionsausschuß einzusetzen, der daS nötige veranlassen soll. Es sollen nur einige Lebensmittel- tranSporte fortgeführt werden, dagegen soll der Güter- und Per- sonrnverkehr aufhören. (Weitere Nachrichten auf der dritten Seite.) Amerika unü der Friedensvertrag. Wilson selbst mit seinem Werk unzufrieden. Amsterdam, 16. Juli..Telograaf' zufolge erklärte Wilson in semer Rede, die Mitglieder der Friedenskonferenz hätten dauernd versucht, ihre Interessen den Grundsätzen anzupassen, über die man übereingekommen war. Diese Ausgabe sei furchtbar schwierig gewesen Der Friede sei unmöglich, ohne daß die Ordnung der Dinge in Mitteleuropa nach eigenem Recht geregelt, und eine neue Ordnung geschaffen werde, die sich auf die freie Wahl der Völker gründe Bei der Bildung dieser neuen Staaten konnten keine natür- lichen Grenzen gesunden werden Deutschland habe seine Kolonien ablreten müssen, da es sie nicht verwaltet, sondern nur ausgebeutet hlbe, ohne den Rechten der Eingeborenen Rechnung zu tragen Haag, 16. Juli. Aus New Dork wird gemeldet: Nach Mit- teilungen aus Wilsons engster Umgebung betrachtet Wilson selbst den Friede» als schlecht. Er hoffe, daß der Völkerbund den Frieden verbessern würde. Aber dem Bund stylt in seiner jetzigen Be- schafkenfteit die Macht, die dazu notwendig ist. Deshalb muß auch der Völkerbund verbessert und geändert werden. Dies könne aber nur geschehen, wenn es Regierungen gäbe, die bereit seien, dabei mitzuwirken. Diese Regierungen gäbe es aber im Augenblick nicht, die meisten seien zu konservativ. Deshalb wäre es nötig, in ver- schiedenen Ländern Regierungen zu bilden, die freisinniger als die jetzigen sind. .Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los," seufzt Wilson. Wir müssen ihm das Recht absprechen, sich zu beklagen, ist es doch sein Verhalten gewesen, daß.diese konservattven Regie- rungen' die Macht über Europa gegeben hat. Gespannt kann man sein, wie er„die freisinnigere" Gestaltung dieser Regierungen durchführen will. Ist er nicht endlich zur Einsicht gekommen, daß er den Clemenceau und Lloyd George gegenüber machtlos ist? Den wahren Völkerbund, Herr Wilson, werden wir erst bekommen, wenn das Proletariat der Welt seine Geschicke in die eigenen Hände ge- nommen hat. Neugierig muß man auch sein,, wie die Ausbeuter Indiens, die Mörder tausender Iren- und Burenfrauen und -linder„die fechte der Eingeborenen" wahrnehmen werden. Der Friedensvertrag wird wohl von Amerika doch ratifiziert werden, wie nachstehende Meldung zeigt: Haag, 16. Juli. Der„Manchester Guardian" erfährt aus New Aork, daß in der Wallstreet sich eine Stimmung für die Ratiff- zierung des Friedensabkommens bemerkbar-mach«, die von den Senatoren, die di« Rattffzierung verhindern wollen, direkt als ge- fährlich angesehen wird. Diese Senatoren sind von befreundeter >veite bereits darauf aufmerksam gemacht worden, daß es besser wäre, ihre Opposition aufzugeben, da sonst die republikanischen Senatoren eine Gesetzesvorlage zur Vornahme einer strengen Unter- suchung der Kriegsgewinne durchdrücken würden. Mau hofft, daß t>KS der Cppofttioi her SwäHzluüfc cia f-ifche«»vrh>l Die Sahn ist /rei. Von Richard Lohmann. Der Kampf u.m die Schule im tieium Deutschlan>d ist durch die in Weimar getroffenen Vereinbarungen mit dem Zentrum zu einem vorläufigen Abschlüsse gekommen. Es ist ein bedeutsames Zeichen für die geistige Reife unseres Volkes, daß dieser Kampf mich in den Tagen größter materieller Not und der brennenden Sorg« um die Zukunft unseres Vaterlandes nicht nur die Znnftler, sondern auch die breiten Massen unseres Volkes in Erregimg zu setzen und in Atem zu halten vermochte. Hüben und drüben Unißte ein jeder, was auf dem Spiele stand. UAer die Notwendigkeit einer Verständigung braucht man vor politisch Mündigen nicht viel Worte zu machen. Eine neue Regierungskrisis, eine Desperado-Politik unserer Partei hätte neue Wirrungen, neues, nnüberselrbares Unglück über unser Baterland heraufbeschworen. Und doch mußte es für uns in diesem heißen Ringen zweier Parteien, die Weltanschauungsparteien sind wie keine andere sonst, in diesem Ringen um wertvolle und unersetzliche Kulturgüter eine Grenze des allenfalls möglichen Entgegen konmiens geben: wir mußten uns die Möglichkeit sichern, unsere pro- grammatischen, kulturpolitischen Forderungen innerhalb des verfassungsmäßig festgelegten Rahmens der neuen Schule durchzuführen: wir mußten darauf bestehen, daß der Dmnm niedergerissen würde, den die Schule bisher der inneren Be- fteiung des Volkes, der freiheitlichen Erziehung der Jugend entgegentürmte: wir mußten die Gewähr haben, Schulen gründen und weiterbilden zu können, die Geist von unserem Geiste fern sollen und sein werden. Wenn uns schon der erste Schritt auf dem Wege zur Schule der Zukunft nicht die weltliche Einheitsschule und die Erfüllung unseres sozialistischen Erziehungsideals bringen konnte, so mußte tomig stens die Bahn dafür frei sein. Ist diese Mndestsordernng durch das Kompromiß erreicht? Drei Punkte in der neuen Vereinbarung bedeuten einen gcmz wesentlichen Fortschritt, bedeuten die Erreichung des hier gekennzeichneten Zieles und haben darum unseren Parteigenossen die Zustimmung zu dem Kompromiß ermöglicht. Dazu gehört vor allem die nunmehr festgelegte A n e r k e n- n u n g unserer Progrommforderung der weltlichen Schule durch die Reichsverfassung. Es bestelyt die Freiheit, durch Beschluß der Erziehungsberechtigten, d. h. der Eltern, also letzten Endes des V o l k e s s e l b sl, überall die veraltete konfessionelle Schule durch die weltliche zu ersetzen. Jeder Zwang ist nunmehr gefallen. Der neue Staat will ihn weder nach der einen, noch nach der anderen Richtung hin ausüben. Damit ist für uns, für die Umgestaltung der Schule im Sinne unserer programmatischen Forderungen die Bofrn in der Tat frei. Es kommt jetzt alles darauf an, daß die Eltern, das Volk selbst von den ihnen verliehenen Rechten, von ihrer Freiheit auch den richtigen Gebrauch machen. Für uns bleibt es also nach wie vor die wichtigste Aufgabe, an Stelle aller von uns stets verworfenen Zwangsmittel mit den Waffen des Geistes, mit uneimiidlicher Anfklürimgsarbeit der Umbildung unserer Schule allüberall den W e g zu bereiten. In den weltlichen Schulen ist fortan»uch der Rcligionsunterricht kein ordentlich«? Lehr- g e n st a n d mehr. Gerade in diesem Punkte bcedutet das neue Kompromiß einen ganz erheblichen Fortschritt gegen-' über dem ursprünglichen, noch mit den Demokraten gemein- sam geschlossen. Waren s i e es doch, ide Demokraten, die entgegen dem Willen der gesamten frei- heitlich gesinnten Lehrerschaft für die Beibehal- tung des Religionsunterrichts eintraten. Und es ist ein leicht zu durchschauendes Manöver, wenn die demokratische Presse unter Führung des„Berliner Tageblattes" die Lehrerschaft nun gegen die Sozialdemokratie als„Verräterin" Hetzen möchte. Die Lehrer sollen es aber wissen, daß die Beseitigung des Religionsunterrichts, die Möglichkeit einer>veltlichen Schule von der Sozialdemokratie erreicht worden ist— gegen den Willen der Demokraten. Und noch in einem anderen Punkte geht das neue Kom- promiß bedeutend über das von den Demnkraten Zuges tan- dene hinaus: Wurde bisher für die B e f r e i u n g eines Schülers vom Religionsunterricht eine besondere Willenserklärung der Eltern verlangt, so wird nunmehr die Teil- nähme daran von dieser Willenserklärung abhängig ge- macht. Wer die Macht der Tradition und die Angst der meisten Eltern vor solchen„Erklärungen" kennt, wird den SllMMichev Unterschied Mich« frs M» usd 1$e fteuca FassanA setz? tv»hl zu tSuMgett ftnssen. Der Rsligronsunter- richt ist jetzt erst in der Tat wahlfreies Fach geworden, mag er auch dem Namen nach immer noch„ordentlicher Lehrgegenstand" sein. Wir dürfen aber bei der Betrachtung des Schulkompro- misses die Neligionsfrage nicht einseitig in den Vordergrund schieben. Die Aufhebung der alten klassenstaatlichen Schul- scheidung, die Sicherung des freien Aufstiegs aller Kopfbegabten und umgekehrt der Zwang zur Beschäf- tigung mit der Handarbeit, die Erlernung des„ABC's der Technik"— wie es Heinrich Schulz einmal treffend genannt hat—, das alles find doch Fragen, die uns als sozialistifche Schulpolitiker mindestens ebenso wichtig und bedeutsam er- scheinen müßten als jene. Und hier sind alle unsereFor- derungen nahezu restlos erfüllt, die Emfiibrung des Arbeitsunterrichts in olle Schulen ist schon durch che Verfassung festgelegt, die Erziehungsbeihilfen für Minder- bemittelte werden in der jetzt vorgeschlagenen Form einen brauchbaren Ersatz wähnend der Ucbergangszeit bis zur vollen Unentgeltlichkeit des Schulbesrichs bilden. Die Frage der P r i v a t s ch u l e n, für deren Beibehaltung sich ja gerade die kapitalistischen Demokraten aus leicht begreiflichen Gründen eingesetzt hatten, ist nunmehr- wenig- stens soweit geklärt, daß die Privatschulen fortan nicht zu Standesschulen werden können, deren Zugang nur besonders bemittelten„Flüchtlingen airs der Einheitsschule" möglich ist. Alles in allem muß also joder, der vorurteilsfrei an das Schulkompromiß herantritt, zugeben, daß die Sozialdemo- kratie keine einzige ihrer Programmforderungen aufgibt, wenn sie aus allgemein politischen Gründen diesem Kompro- miß ihre Zustimmung gibt. Natürlich hätten wir alle ge- wünscht und gehofft, daß wir der Erfüllung unserer Ziele schon näher wären, als wir es tatsächlich sind. Unsere Arbeit wäre leichter und erfolgverhcißender gewesen innerhalb eines von allen Fesseln der Vergangenbeit befreiten Schulaufbaues. Aber le i st en können wir diese Arbeit auch in dem jetzt durch die Neichsverfassung gespanutem Nahmen. Und wenn die „Freiheit" in einer ganz wüsten Schimpfkanonade neben dem schönen Vorwurf der„Gest n nun■ jsve rlu mpung" auch den der „Preisgabe des Kulturinhalts der sozialistischen Bewegung" erhebt, so zeigt das doch nur, daß s i e sich dieser Arboit, diesem Kampf mit nein geistigen Waffen, die Gewinnung unseres Volkes und unserer Schulen durch das Mittel der Aufklärung nickst zutraut,>daß ihr die freie Bahn, die geschaffen ist, allein nicht genügt, daß sie den Zwang zum Sozialismus der Freiheit zum Sozialismus vorzieht. W i r aber wollen— unbeirrt durch die Vorwürfe von rechts und links, unbekümmert um Sieg- und Verratsgeschcei — nun erst recht mit frischer! Kraft an die Arbeit gehen und nicht eher rasten und ruben, bis auch im fernsten und dunkel- sten Winkel Deutschlands das Licht aufgegangen ist und die weltliche Schule über die nun drohende Zersplitterung in un- serem Schulwesen hinweg zur wirklichen E i n h e i t s schule im neuen Deutschland geworden ist. Ein Ziel, der Mühe wohl wert. Die Bahn ist frei! >■■'"r"1 1 Keine /wgriffsabftchten üer Tsthecho-Slowatei. P, P, N. Die Verhältnisse an der tschechische» Grenze zeigen «ine immer deutlichere Entspannung.- ES kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, datz die Tschechen nicht den Wunsch haben, inObers chlesien einzumarschieren. Jn-Zbeiondere die Ereignisse an der ungarischen Front haben dahin gewirkt, daß die tschechische Regierung jetzt mehr als früher darauf ausgeht, das Reich in dem Umfange, wie es jetzt besteht, zusammenzuhalten und auszubauen, auf neue Unternehmungen und Abenteuer hingegen zu verzichten. Die mangelhafte Unterstützung der Entente hinsichtlich der Truppen und deS Materials hat hierzu zweifellos milgemirkt. Da» stete Gesühl der Abhängigkeit, die Be- vormundung in allen wichtigen militärischen und politischen Fragen wirken auf die tschechische Regierung drückend. Zrieöensernte. -ftKeckenvenrte... Seid j(»kr«n das erstemal Reift unser Heber der goldene Sonnenstrahl frei von jstot und CrSnen und Heid! HlUo Kriegsgraun liegt fem und weit! Sind auch die Zeiten lastend und drüdrend und schwer: f reiheit, dein Banner schwebt Ober uns her l Zuhunftssegcn, gereift im TSlherzom, «luchs und reift uns im goldnen Srntehom I �riedensemte... Die Sensen lallt kingen im �eld! Neil jeder Band, die den Hdter der sstot bestellt! Oanh jeder fault, die den pflüg durch die Schotten zwang 1 Jedem, der Saaten streute, Segen und Dank! Durch die Stunden der]Sot, durch die«lochen der pein Schritten wir tastend in schwankende Zukunft hinein, Schritten wir, feft gewappnet in Hrbeit und pflicht, Hub Zweifetedunkel in lachendes«KrkUchkeitslicht l frlcdensemte... fstun haltet eifrige«lacht» Bis den letzten Balm wlr in die Scheuer gebracht, Bis dl« Hecker gefegt find non eisernem fleill, Bis von Bunger niemand im Lande mehr weill, Bis wir all« gegeben die bette Kraft, Die uns die neue Zukunft der Beimat erschafft, Bis wir wissen, wie brausend die Stürme auch wehn, «Ur werden nicht wanken und untergebn I Ludwig Lessen. Minen- »rbeitcr im Weste» der Provinz DorksKre haben gestern abend die Arbeit niedergelegt, nachdem die Unterhandlungen mit den Gruben- brfitzcrn gescheitert waren._ Unruhen auch in Spanien. Haag, 16. Juli. Die Londoner„Morningposr" eifährt aus Madrid, daß die Regierung in einer sehr schwierigen Sage sei, da sie fortwährend den heftigsten Angriffen ausgesetzt ist. Man wirft ihr falsche Maßnahmen in wirtschaftlicher Hinsicht vor, die geeignet find, den Lebensunterhalt nockk teurer, als im Kriege zu gestalten. In Andalusien haben streikende Landarbeiter Unruhen verursacht, teilweise die Ernte verbrannt und Kämpfe mit den dagegen einschreitenden Truppen hervorgerufen. Auch in Katalonien konnten größere Ruhestörungen nur mit großer Mühe von der Polizei unterdrückt werden. Es wird wohl ähnlich wie bei uns sein, nicht die Land- arbeitet, sondern die Agrarier, die sie durch ihre Ausbeutung in den Streik getrieben haben, werden die eigentlichen Ver- ursacher der Unruhen sein._ Judenpogrome in polen. Die.Humanits" vom 14. Juli bringt ausführliche Mitteilungen über Judenpogrome, an denen fich die Truppen der Armee Haller in hervorragendem Matze beteiligten. In Warschau als auch in Krakau find Juden geschlagen, sogar grundlos getötet worden. Keine fremden Truppen für Gberfchlejien. Haag, 16 �uli.(HN) Aus New Aork wird gemeldet: Der Pariser Korrespondent des„New Jork Herald" meldet, daß die Regelung für die Volksabstimmung in Oberschlesien Forffchritte machten. Die amerikanischen, sowohl wie die anderen Delegationen hoffen zuversichtlich, daß die Schwie- rigkeiten zwffchen Deutschen und Polen ausgeglichen werden könnten, so daß die Volksabstimmung ohne Hilfe von frem- dem Militär stattfinden könnte. Man glaubt ferner, daß deutsche und polnische Soldaten das Gebiet friedlich verlassen werden und daß die Organe der Alliierten die Möglichkeit haben werden, eine örtliche Polüzeimacht z u errichten, welche für eine ehrliche Durchfüh- rung der Wahlen Sorge tragen kann. Sowohl die amerikanischen wie die anderen im Obersten Rat der Alliierten vertretenen Mächte haben gezeigt, daß sie bereit sind, Truppen noch Oberschlesien zu entsenden. Was war üer Krieg? Die.Freiheit'1 untersucht die Frage in ihrer Morgen- auSgabe vom 16. Juli. In der dritten Spalte der ersten Seite lautet die Antwort: ES war ein Aufeinanderprallen der kapitalistischen Gegen- sätze, eS war eine Herausforderung des deutschen Militarismus an die übrige Welt: nicht um die Sache des Prole» tariats hat es sich in diesem Weltkrieg gehandelt. sondern um die Sache des Kapitalismus und Militarismus. In der ersten Spalte derselben ersten Seite derselben Morgen- auSgabe derselben.Freiheit" lautet die Antwort ein wenig anders. Dort heißt es: So ringt stch überall die Erkenntnis durch, daß nicht der Friede des Imperialismus die gewaltige soziale Um- w ä l z u n g beenden kann, i n der der Krieg selbst nur einen bedeutungsvollen Abschnitt darstellt... Räch der.Freiheit" war der Krieg also ein bedeutungsvoller Abschnitt der gewaltigen sozialen Umwälzung, aber mit der Sache deS Proletariats hatte er nichts zu tun. Woraus gefolgert werden muß, daß die gewaltige s o z i a l e Umwälzung unserer Tage das Proletariat nichts angeht. Das ist eine verblüffende Entdeckung, die die.Freiheit" da ge- macht hat. Sie verdient, durch uns weitergegeben zu werden. Formerinnerung. Die Türme der Frauenkirche mit allen ihren Gliederungen scheinen ihn besonders beschäftigt zu haben, und er kann fich nicht genug tun, dies« darzustellen. Wenn man sich klar macht, daß ein Kind von sechs Jahren in einer so positiven Klarheit des Gesehenen lebt, so kommt einem dies wie ein Wun- der vor, welches wohl kaum schon dagewesen sein mag. Die Sicherheit, mit der der Kleine die schwierigsten lleber- schnerdungen der. Straßenwendungen einfügt, zeigt ein Erfassen des Augenbildes kubischer Form, die man sich schwer erklären kann. Ich gestehe, daß mich solch Phänomen, als ich die Zeichnungen da? erste Mal sah, der Junge war gerade sechs Jahre geworden, ganz unheimlich berührte. Wie macht das die Natur möglich, wie kommt eine so speziell einseitige Begab img zustande? Mit anderen Kin- derzeichnungen hatten dies« nichts zu tun; eS liegt ein solches Be- greifen darin, daß man es mit dem Kinderzustand nicht zusammen- reimen kann, und berührt einen mehr wie die Wunder der musikali- schen Begabung, die ja aber nichts mit den Eindrücken der Außen- welt zu tun haben und deshalb als rein inneres Produkt eine solche Frühreise eher möglich machten. Zeichnungen nach der Natur, mögen sie auch noch so talentvoll sein, sind auch bei einem Kind zu begreifen, hier hanvrlt eS fich aber um initiatives Verstehen all- gemein perspektibischer Gesetze, tas denen Heraue ein Kind Stadt- bilder phantasiert. � Wenn er ein« Postkarte mit regend einem architertcnn schen Bau, z. B. einem Turm vor fich hatte, sagte er: setzt werde ich einmal den Tl»rm zeichnen, wie er sich von rechts ausnimmt— und zeichnete dann mit absoluter Sicherheit die nen-e Ansicht hin. Aber auch wenn man ihm einen Grundriß gab, stellte er sich sofort die Ausgabe, eine Anficht davon hinzuzeickmen. Diese lieber tragung m die Bilddarstellung war ihm die größte Freude. Es handelt sich also nie um ein Nachzeichnen eines vor ihm stehenden Bildeindrucks,-sondern um ein freies Produzieren aus seiner Erkenntnis der Beziehung von kubischer Form und Erschei» nungsart. Wenn jemand nach dem perspektivisch«: Unterricht ein« fofche Aufficht konstruiert, so ist dies kein künstlerischer Vorgang. Wenn aber hier bei einem Kinde, ohn« alle erlernte Kenntnis, solche initiativ« Verstandesreife möglich ist, so bedeutet daS einen geisti» aen Prozeß, der ein spezielk künstlerisches Element in sich schließt, in Zeiten primitit?er Kunst gerade gänzlich fehlt und fich erst all» mählich ausbildet. ES scheint mir daher die Tatsache dieser Kinderzeichnungen ungemein wertvoll zu sein für die allgemeine Erkenntnis der menschlichen BorstellungStätigkeit und ihrer Möglichkeiten. Vergnügungssteuer und freie volksbildnngsarbeit. Nach dem Entwurf eines VergnügungSsteuergefetzeS, der der Nationalversammlung vorliegt, sollen u. a. alle Thecrtervorstellun» gen, Vorführung beweglicher Lichtbilder, Konzerte und andere musi» kalische Darbietungen, Lorträge, Vorlesungen, Gedichtvorträge und Ausstellungen besteuert werden, und es wird in der Borlage aus. drücklich bemerkt, daß die Veranstaltungen der Steuer unterliegen ohne Rückficht darauf, ob fie den Zweck haben, zu unterhalten, zu ergötzen, zu erbau«, oder zu belehren. Ausgenommen sollen nur Veranstaltung«, sein, die lediglich dem Unterrichte in öffentlichen oder erlaubten privaten llnirrrichtsanstalten dienen. Durch diese Besteuerung wird das freie BolkSoildnnghinejen sehr hart getroffen« Der Protest gegen öen Gewaltfrieöen. Am»1. Juli. In der gestrigen Abendausgabe unseres Blattes haben wir uns in einem Artikel polemisch mit der von der unabhängigen Sozialdemokratie geplanten Demonstration am 21. Juli gegen den Gewaltfrieden auseinandergesetzt. Die Unabhängigen betrachten nach ihrem Aufruf diese Protestaktion nicht so sehr als eine foli- barische Handlung für die Gesamtaktion des internationalen Prole- tariats gegen die Regierungen der siegreichen Allianz, als gegen die deutsche Regierung selbst. Ihre schärffte Gegnerschaft gilt nicht den Feinden Deutschlands, sondern der Regierung des eigenen Volkes. Nach unserer Meinung war angesichts der spon- tanen und über alle Maßen gewaltigen Protestaktion aller Parteien Deuffchlands gegen den Schmachfrieden alles Erdenkliche getan, um ihn abzuwenden. Sie waren ohne Erfolg. Daran haben die llnab- hängigen ihr vollgerüttelt Maß schuld. Der harte Zwang der Tatsachen hat uns in die passive Rolle gedrängt, die Forderungen der Endente anzunehmen und sie zu erfüllen, soweit wir überhaupt dazu in der Lage find. Wir haben die Meinung ausgesprochen, daß die Demonstrationen der Internationale zunächst unser« Lage nicht erleichtern und daß wir ihnen nicht dabei helfen können. Diese Meinung war diktiert von der Erfahrung, daß die Internationale sich seit Kriegsbeginn als zu schwach erwiesen hat, irgend etwas im Spiele der Gewalt zu ändern. In der heutigen Ausgabe ftnben unsere Leser einen Aufruf der Partei, der die Aufforderung enthält, gemeinsam mit dem internationalen Proletariat am 21. Juli die Stimme heftigsten Protestes gegen den Gewaltfrieden abermals zu erheben. Gleichzeitig ist aber darin gesagt, daß mit aller Entschlossen- heit gegen die Pläne der Unabhängigen Front gemacht werden müsse, auch diese ernste Angelegenheit wieder zu einer Gelegenheit der Hetze gegen die bestehende Regierung und zu einer neuen Be- unruhigung des deutschen Volkes zu benutzen. Die Parteidisziplin, die den Genossen höher stehen muß, als die Meinung, einzelner in dieser Angelegenheit, erfordert, daß wir uns dem Wunsche der Partei willig fügen. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlarids fordert auf, daß das deutsche Proletariat die Aktion der gesamten Internationale gegen den Gewaltfrieden mit aller Kraft unterstützt, und die Parteigenossen haben die Pflicht nun alles daran zu setzen, um die Demonstrationen für den Sieg der Gerechtigkeit so wirksam wie möglich zu gestalten. Die Demonstrationen der Unabhängigen lehnen wir nach wie vor a'b. Sie verfälschen die internationale Aktion durch ihren Kampfruf gegen die deutsche Regie- rung, in der die Mehrheit von unseren Genossen gebildet ist. Sörlitzer Vertrauensleute gegen pntsihe. Girlitz, 16. Juli.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärt«".) Eine heute abgehaltene Sitzung der Arbeiterausschüsse und Ver- trckuenSleute der Großbetriebe beschäftigte sich mit der Lebens- mittelversorgung und den Gerüchten über Putschabfichten am Donnerstag. Die Betriebsvertreter, zu denen auch Mitglieder der ll. S. D. gehören, brachten nach Anhörung eines Magistrats-- Mitgliedes und von Mitgliedern der Lebensmittelkommission ihre Ueberzeugung zum Ausdruck, daß zurzeit alles getan werde, um in der Frage der Beschaffung von Lebensmitteln und der Preisfest- setzung die Bevölkerung von Görlitz zufrieden zu stellen. Erwarket wird, daß bestehende Unzulänglichkeilen behoben werden. Puisch- versuche lehnen die Vertrauensleute ab, und fie erwarten von der ge- samten Arbeiterschaft, daß sie nur im Einverständnis mit den Or- ganisationsleitungen in Aktionen eintreten wird. Produktive Erwerbslosenstrsorge. Der von uns am Donners- tag in der Abendaasgabe veröffentlichte Artikel über„Produktive Erwerbslosenfürsorge" ist von Herrn Assessor M. Benda- Berlin verfaßt. Der Name deS Verfassers»st seinerzeit irrtümlicherweise nicht mitveröffentlicht worden. und eS ist dringend zu fordern, daß insbesondere alle gemein- nützigen Bühnenveranstaitungen, die den offensichtlichen Zweck ver-, folgen, ohne ErwerbSabsichten den breiteren Schichten der Bcvöl- kerung gute Kunst darzubieten pon der Besteuerung ausgenommen werden, ebenso die Vorführung von Licht- und Lebebildern für Mldungszwecke, alle künstlerischen Veranstaltungen, die einen ernsten Kunst- und Erziehungszweck verfolgen, insbesondere aber Vorträge und Borlesungen dieser Art. Bedenklich ist auch die Bc- steuerung aller Ausstellungen einschließlich derjenigen, die einen belehrenden Zweck verfolgen, wie die Ausstellung von Büchern für die Jugend, für Volksbüchereien, die Busstellung von Bildern und volkstümlichen Kunstwerken zur Ausstattung und Ausschmückung einfacher Wohnungen. Die Gesellschaft für Volksbildung hat des- wegen gegen den Gesetzentwurf Einspruch erhoben und gebeten, von der Besteuerung-aller eigentlichen BildungSveranstaltuuLen und Einrichtungen abzusehen._ Notizen. � Die Bereinigung der Geistigen, lleber die Zu- sammenarbeit der in den verschiedenen Ländern entstehenden Gruppen der jüngst zuerst in Pari« gegründeten internationalen Vereinigung„Clartö" ist, bis zur Gründung eines deutschen Sekretariats, vom Herausgeber der Zeitschrift»Weiße Blätter" (llttwil am Bodensee, Schweiz 3) Auskunft zu erhalten. _— Stadttheater-Verhältniffe während des Krieges. Die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger hat im Jahre 1917/18 auf Anregung der Herausgeber des„Kommunalen Jahrbuchs' eine Rundfrage an ihre Obmänner gerichtet, um die damalige allgemeine wirtschaftliche Lage der Sladtihealer und die gesellichaftlichen und wirtschaftlichen Berhältnifie der Bühnen- angehörigen zu ermitteln. Die Rundfrage ist aus SS Städten be- antwortet worden, wovon 18 privatwirrschafiliche 1b kommunal- wirtschaftliche, b gemischtwirlschafiliche Betriebsweise haben. Im „Kommunalen Jahrbuch" ist jetzt eine Bearbeitung der Enquete er» schienen, die Victor Noack verfaßt hat. — Zur Wahrheit über die Revolution heißt das neunte Heft der„Süddeutschen Monatshefte". Es enthalt u. a. die Aufsätze: Psychiatrische Randbemerkungen zur Zeilgeichichis von Geheimrat Dr. Emil Kraepelin. Der Kommunismus m der Praxis von Dr. Fritz Gerlich. Schule und Revolution von Dr.. Josef Hofmiller. Di« Revolution rn Bayern von Dr. Paul Vusching. Vom Konstitutionalismus zur Räteverfassung von Pro- fessor De. Martin Spahn. — Um Strindbergs Dramen. Der Streit der Bor- läge Müller-München und Oesterheld. Berlin um das UeberietzungS- und Aufführungsrecht einer Anzahl Dramen Strindberg« hat jetzt zu einer einstweiligen Verfügung geführt, die der Vetlreler der Strindberg-Erben erwirlt hat. Danach ist eS dem Verlag Oester- held verboten, die geplante neue Uebersetzung herauszugeben und den Bühnen anzubieten. — Für Forschungen der DSrmewirtschaft wurde in Stuttgart unter Leitung de« Münckener Professors Dr. Snob« lauck eine Anstalt gegründet. Sie soll Wege finden um die Aus» Nutzung der Brrniistofse. die jetzt nicht gründlich genug geschieht, durch geeignete Warmes chutzstoffe ergiebiger zu machen. Austritt üer Spd-�rbeiterräte am Jn�er gestrigen Fraktionssitzunig der S. P. D.-Arbeiter- rate erklärte Genosse B r o l a t, daß es unseren Partei- genossen nicht zugemutet werden kann, mit den Unabhän- gigen und Kommunisten im Vollzugsrat und in der Vollver- sammlung noch länger zusammenzuarbeiten. B r o l a t be- griindete diesen Standpunkt solgendermahen: In der letzten Sitzung des Dollzugsrats am Montag wurden die VerHand- lungen besprochen, die eine Abordnung des Vollzugsrats wegen Freilassung von aus politischen Gründen Verhasteten und Freigabe verbotener linksradikaler Zeitungen mit der Regierung geführt haben. Bei dieser Gelegenheit sind die kommunistischen Mitglieder in der schmutzigsten Weise über uns hergefallen. Sie haben uns„Spitzel, Tenunzianten und Noskcgarden iu Zivil" genannt. Die Unabhängigen haben diese schamlosen Anpöbelungen unserer Genossen durch die Kommunisten angehört, ohne ein Wort dazu zu sagcu. Eine so schimpsliclx! Behandlung ist uns zuteil geworden, nachdem wir alles getan hatten, um Anhänger jener Seite vom Galgen freizumachen. In allen Fällen sind wir es gewesen, die ohne Rücksicht auf die Partei dafür eingetreten sind, daß die Frei- heit des Vollzugsrats nicht beeinträchtigt wird. Wir sind es gewesen, die bei der Regierung die Freilassung der Verhaf- teten erwirkt haben. Zum Dank dafür werden wir auf das schwerste beleidigt und angepöbelt. Trotzdem verlangen jene Leute, daß wir uns in der Frage der Finanzierung des Voll- zugsrats vor ihren Wagen, spannen und die Regierung zur Hergabe von Geldmisteln' veranlassen. Das müssen wir ablehnen, denn so wie die Verhälnstsse im Vollzugsrat jetzt liegen, ist praktische wirtschaftliche Arbeit von ihm nicht zu erwarten. Die Kommunisten suchen durch den Vollzugsrat ihr Ziel: Alle Macht den Arbsiterräten, zu erreichen. Das können wir natürlich nicht mitmachen. ■ Alle Diskussionsredner begrüßten den Vorschlag, aus dem Vollzugsrat auszusteten, mit lebhafter Genugtuung. Schon längst hätten unsere Genossen diesen Eni- schluß fasten müssen, denn es sei schon lange Kar, daß vom Vollzugsrat und von der Vollversammlung positive Arbeit nicht geleistet wird. Einstimmig wurde folgend« vollzugsrat»ns Vollversammlung Erklärung beschlosten: »Die aus der Revolution geborenen Arbeiterräte hatten politische Kompetenzen, solange Parlamente, auf demokratischer Grundlage gewählt, nicht vorhanden waren. T«r Bollzugsrat von Groß-Berlin hat eS nicht verhindern können oder wollen, daß die Bollversammlung der Berliner Arbeiterräte fast ausschließlich zum Tummelplatz niedrig st en politischen Demagogen- und Dilettantentum? gemacht worden ist. Positive Resultate zum wirtschaftlichen Aufbau habe» Berhandlungen der Bollversammlungen der Arbcitcrräte und des Pollzugsrats nicht gezeitigt, sie werden sie auch in Zukunft auf Grund ihrer Zusammensetzung nicht zeitigen können. In allen Situationen, welche durch den mit leideuschaftlicher Erbitterung geführten Kampf geschaffen wurden, wie Verhandlungen zur Aufhebung verbotener Zeitungen, Freilassung politischer Gefangener usw., ist unser Bcrhalten stets von der Auffassung ge- leitet gewesen, unser Bestes für die Arbeitcrräte zu leisten. Als infam und nichtswürdig müssen wir eS bezeichnen, wenn rtotz alledem unseren Vertretern im Bollzugsrat von Vertretern der anderen Richtung persönliches, politisches Spitzeltum unterstellt wird. Nntcr diesen Verhältnissen sind wir gezwungen, jedes gemeinschaftliche Zusammenarbeiten in den Bollversammlungen und im Bollzugsrat abzulehnen." Infolge dieses Beschlusses nehmen die Mitglieder der S. P. T. weder a» ddr zum heutigen Tonnerstag einberufenen Bersammlung der kommunalen Arbeiterräte, noch an der am Sonnabend an- beraumte» Vollversammlung aller Arbeiterräte teil. Unsere Partei- genossen werden am Sonnabend selbst eine Bollversammlung ein- berufen. Nach einem Vortrasse des Genossen H e i n i g über wirtschaftliche Aufgaben wurde folgende Resolution angenommen: »Die Anbei terra te der S. P. D. werden aufgefordert, unver- züglich mit den zuständigen Stellen der Reichsregierunss in Ber- Handlung zu treten, damit von den fündie W'ederhcrstell'.ingsarbeiten in Belgien und Nordfrankreich zu leistenden industriellen Bor- arbeiten l Eisenkonstruktion, Halbfabrikat« usw.) ein entsprechender Teil auf die Berliner Industrie umgelegt wird. Es ist aber dafür Sorge zu tragen, daß dabei, sowie bei den Aufbauarbeiten selbst die schweren Fehler der Kriegsorganstation vermieden werden." Die �age im LanÜarbekterstreik. Uebcr die Lage des Landarsieiterstreiks erfahren die P. P. N.: Die Meldungen, die heute und gestern durch die Presse gegangen sind, die von einem großen Streik der Land- arbeiter»in Pommern sprechen, find im allgemeinen stark übertrieben. Im Regierungsbezirk Stralsund befindet sich ein einziger Streikherd und zwar in Franz- bürg, in dem etwa 1200 bis 150V Landarbeiter sich im Ausstand befinden. In den anderen Landkreisen Grimmen und Greisswald herrscht wohl im allgemeinen erregte Stimmung unter den Landarbeitern, jedoch wird, abge- sehen von ganz unbedeutenden Arbeitsniederlegungen ein- zelner weniger, nicht gestreikt: ebenso liegt es in den Land- kreisen Demmin, Anklam und Ueckermünde. Auch hier ist von einem Streik der Landarbeiter nicht' die Rede. Die städtischen Arbeiter in Stettin haben die Arbeit aus Protest gegen die Verhängung des B e l a g e r u n g s z u st a n d e s und aus Protest gegen die Verfügung des Generalkom- mandos des 2. A.-K. gegen die Landarbeiter niedergelegt. desgleichen die Arbeiter in Stralsund. Die Arbeiterschaft und der Magistrat von Stralsund erkennen die Gründe, aus denen der Belagerungszustand über Stralsund verhängt worden ist, nicht als stichhaltig an, Trotzdem hat sich die Bürgerschaft zu einem Gegen st reik gerüstet. Zur- zeit finden in Stralsund Verhandlungen zwischen den ländlichen Arbeftgebern und Arbeitnehmern über den Tarifvertrag statt. Die Landräte aus dem Re- gierungsbezirk Stralsund sind zu diesen Verhandlungen hin- zügezogen worden. Es ist anzunehmen, daß die Verhandlungen, die heute im preußischen Staatsministerium über den Landarbeiter- streik stattfinden, den Weg zu einem möglichst schnellen Aus- gleich des Streiks eröffnen. Im Großen und Ganzen ist die Streikbewegung erst in der Entwicklung begriffen und es liegt durchaus nahe anzunehmen, daß, wenn beiderseits zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine V e r- ständigung möglichst schnell herbeigeführt wird, die in- zwischen fühlbar werdenden Folgen der einzelnen lokalen Streiks beseitigt werden, bevor das Volk durch den Strelk fühlbare Nachteile erfährt. « Die»Vossischc Zeitung" meldet: Wie wir hören, hat das ReichSwehrgruppenkommando I an die ihm unterstellten Generalkommandos und Brigaden folgenden Er. laß gerichtet:„In der Landwirtschaft mehren sich die Gefahren für die Erntezeit. Diebstähle in großem Umfange, kommunistische Setzen für einen Landarbeiterstreik in der Erntezeit können die Ernte zum großen Teil vernichten und Hungersnot herbeiführen. Alle Generalkommandos und selbständigen ReichSwehrbrrgaden haben sich, wo noch nicht geschehen, ungesäumt mit den zuständigen Stellen über die Sicherung der Landwirtschaft in Verbindung zu setzen und rechtzeitig die notwendigen Maßnahmen zu treffen. Die militärischen Maßnahmen werden je nach den Verhältnissen verschieden sein. Es lammen in Betracht: Militärisch« Streifen, stärkere Patrouillen, Gestellung von Erntearbeitern, Gespannen, Lastwagen. Verhangung des Belagerungszustandes über ein großes Gebiet, um die Streikhetzer und kommunistischen Rädelsführer zu verhaften. Die Landwirt« sind in jedek Beziehung zu unter- stützen. ES wird auch darauf hingewiesen, daß sich unter den zu- rückkehrenden Kriegsgefangenen Tausende befinden, die sich gern alS Landarbester einstellen lassen. Soweit es sich in vorstehendem Erlaß um den Schutz unserer Ernte vor spartakistischen Umtrieben Handell, ist dieser im Interesse des Vplksganzen nur zu begrüßen. Das deutsche Volk, dos mehr als vier Jahre hindurch hat hungern und darben müssen, Hot heute allen Anspruch darauf, vor verbrecherischen Umtrieben Einzelner in Schutz genommen zu werden, die die Landarbeiterschast zu ihren politischen Zwecken zu mißbrauchen suchen. Sollte es sich dagegen um eine Unterstützung der Agrarier handeln, so legen wir gegen jedes militärische Einschreiten auf das entschiedenste Verwahrung ein. Der Landarbeiter hat das gleiche Koa- l i t i o n S r e ch t wie jeder andere Arbeiter und militärische Versuche, ihm sein Streikrecht zu nehmen, dürsten zum kläglichen Scheitern verurteilt sein. Hier hat die Regierung zu beweisen, daß die militärische der Zivilgewalt unterae- ordnet ist, und oufS schönste kommunrstrsche Putsche von be- rechtigten, durch agrarischen Uebermut hervorgerufenen Ausständen der Landarbefterschaft zu scheiden. O GreifSwald, 16. Juli. Der Landardeiterstreik im Landkreise Franzburg ist im Rückgang begriffen, da das Militär, welches die Güter besetzt hält, die Arbester zur Wiederaufwahm« der Arbeit anhält. Die Wiederaufnahme der Arbeit war dringend geboten, da die Rübchenernte in Gefahr geriet, völlig zu verderben. Gefahr besteht auch für Winterger st« und Zuckerrüben. Von dem auf den Gütern eingerichteten Ausschuß de» Landarbeiter- Verbandes wurden 15 Mitglieder verhaftet und nach Greifswald weiter transportiert. Gegeoftreik üer Stettiner Sürger! Streikhetze öes Reichsbürgerrats. Stettin, 16. Jstli. Der Präsident des ReichSbürgerratS Dr. Wessel hat aus Anlaß des Generalstreiks in Stettin an den hiesigen Bürgerrat eine Drahtung g«richtrt, in der der ReichSbürger- rat den bürgerliche« Abwehrstreik mit Genugtuung be- grüßt. Jeder Streik sei jetzt verrat am vaterlande. Ihm gelte eö mit allen und den gleich«« Mitteln zu he- gegnen, wie sie von der Gegenfette angewandt würde». Zähem Willen werde der Sieg zuteil werden. Die Abtretung See Ostgebiete. Täglich mehren sich die Proteste westpreußischer, posenscher oder oberschlesischer Kreise und Gegenden, die gegen ihre Abtretung an Polen protestieren. Au» der Füllt der Zuschriften hier«ine gegen die Angliederung an die Tlckedio-Slowakei: Der südliche Teil des Kreise« Ratibor soll ohne Abstimmung an den tschechoslowakischen Slaal abgetreten werden. Ferner soll für den Fall, daß sich im Kreise Leobschütz bei der Abstimmung keine deutsche Mehrheit ergibt, auch der südliche Teil dieses Kreises an die Tschecho- Slowakei fallen. Diese vor einigen Tagen in der Be- völkrrung der betroffenen Gebiete bekannt gewordene Bestimmung mung hat einen Schrei der Entrüstung lmSgelöst Bereit» binnen zwei Tagen haben in Umlauf gesetzte Listen 85 006 Unterichrijten der wahlberechtigten Bevölkerung gefunden, d. t. rund Üb Proz. Die Reichsregierung und der Staatskommiffar für Schlesien und Westpol en find bestürmt worden, keine Mittel unversucht zu lassen, um noch nochu äglich die Entente zu bewegen, an den an den tschechischen«raai abzutretenden Gebieten da» Selbstbestimmung»« recht zu übttL Dm«eweguu, wächst mm Stund«»u Stund«. Die öeamten onü Sie Haltung öer Regierung. Weimar, 16. Juli.(Eigener Drahtbericht deS»Vor- wärts".) Der Staatenausschuß hat heute einem Gesetz zu- gestimmt, das sofort der Nationalversammlung vorgelegt werden soll, wonach diejenigen Beamten, die mit der gegenwärtigen Haltung der Regierung nicht einverstanden sind, auf ihren Antrag sofort ihren Abschied mft Penston erhallen können, wenn sie 20 Jahre im Dienst gestanden haben. Grunüwechselfteuerberatung iu Weimar. In der Sitzung ver Grundsteuerwechselkommisfion wurde K 2, der den Grundstücken beim Eigentumswechsel Berechtigungen gleich» stellt, für welche die sich ans Grundstücke beziehenden Vorschriften deS bürgerlichen Rechts gelten(mit Ausnahme der unbeweglichen Bergwerksanteile), ohne Debatte angenommen. Weiter wurde der demokratische Antrag aus Steuerbefreiung der gemeinnützigen Gesellschaften einstimmig angenommen. Ein deutschnatienaler AbänderungSanttag, der sämtliche mft dem Grunderwerb in Zusammenhang stehenden Rechtsgeschäfte zwischen Ehegatten steuerfrei lassen wollte, wurde zurückgezogen. Ein demokratischer Antrag, der die Steuer auf Antrag auf die Hälfte herabmäßigen will, wenn e» sich um minderbemittelte Er- werber und bebaute Objekte von nicht mehr al» 20006 M. und unbebaute von nicht mehr als 5006 M. handelt, wurde angenommen und die Sitzung auf Mittwoch nachmittag 3 Uhr vertagt. Sieölongsftagen im haushaltausfthuß. Der HcmshaltauSschuß behandelte heute zunächst einen Aftwag zum SiedlungSgesetz, der während der Revolutionszeit vertriebene Pächter wieder in die Pachtung zurückführen soll, andererseits aber die Kündigung von Pachtland nur aus ganz wichtigen Gründen zulassen will. Die alsbaldige Vorbereitung eines Gesetzentwurfs im Sinne des Antrages wurde zugesagt. In der Erwartung, daß bis. zur drftten Lesung de? Siedlungsgesetzes darüber eine nähere Erklärung gegeben wird, wurde der Antrag zurückgezogen und so- dann eine dieselbe Sache betreffende Resolution angenommen. Nach längerer Beratung wird weiter beschloffen, auch verpachtetes Do- mänenland nötigenfalls zu SiedlungSzwecken zur Verfügung zu stellen. Die wiederholt aufgenommene Erörterung über die Finanzierung der Siedlungsunternehmen wurde abgebrochen und die Vor- läge über Kleingarten- und Kleinpachtland in Beratung genommen. S i wurde gefaßt: Zum Zwecke nichtgewerbsmäßiger gärtnerischer Nutzung dürfen Grundstücke nicht zu höheren al» den von der unteren Verwaltungsbehörde festgesetzten Preisen verkauft werden. Die Festsetzung der Preise erfolgt unter Berücksichtigung der ort- liehen Verhältnisse und de» Ertragwertes der Grundstücke nach Anhörung von landwirtschaftlichen kleingärtnerischen Sachverständi- gen. Die Höhe de» PckchtpreiseS darf den Ertragswert nicht über- steigen. Die weiteren Paragraphen werden angenmmnen. Damit ist die Berawng des Entwurfs beendet. der Zal! Manheim in üer französischen presie Versailles, 16. Juli. Die Pariser Abendblätter beschäftigen sich täglich mit dem Fall Manheim. Sie sagen einmütig, daß die alldeutschen Blätter seit Wochen nicht aufgehört hätten, gegen jede Wahrheit fortgesetzt zu behaupten, die ftanzösischen Mili- tärS in Berlin hätten eine aufreizende Haltung eingenommen. .LiempS" behauptet, einzelne deutsche militärische Chefs hätten aggressive Reden gegen die Franzosen gehalten, und eS fei leicht vorauszusehen gewesen, daß diese Aufreizungen schließlich zu Blut- pergießen führen müssen.„Temps" hebt besonders hervor, daß der Vorfitzend« der deutschen Friedensdelegation Freiherr von LerS- n e r in einer eigenhändig unterschriebenen Note am 14. Juli der französische« Regierung das aufrichtige Bedauern der deutschen Regierung über de« Borfall ausgesprochen und Wiedergutmachung angeboten habe. Nach einem Abendblatt soll Marschall Fach ver- langt haben, daß Sergeant Manheim mft militärischen Ehre» beigesetzt werde. Besonders heftig besprechen»Jntransi- goomt" und„Lrberte" den Zwischenfall. Jene» Bleckt sagt, eS sei notwendig, daß die Regierung in Berlin da» deutsche Volk davon verständige, daß im Falle sich derartage Vorfälle sich wiederholten, das ganze Land für da» Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werde. Auch der Emser Zwischenfall wird von»Jtckransigeant" mft den Berliner Vorfällen in Beziehung gebracht. Nach ihm soll auch eine deutsche Frau auf einen französischen Telegraphiste» geschossen «otz ihn wrinuitfrrt habe», Suöapester Austänöe. Die Budapefter„Volkssttmme" berichtet: Der.Kriminalab- teilung der Roten Wache sind in der letzten Zeit zahlreiche Anzeigen zugekommen, daß auf dem Teletiplatz mit Gold-, Juwelen- und Kleiderwaren der unerhörteste Schleichhandel ge- trieben werde. Ein Brautpaar mußte Mei E h er i n g e, die höchstens 16 bis 18 Kronen kosteten, für 1606 Kronen erstehen. E:ne getragene Hofe wird für 1000 bis 1500 Kronen, ein Hemd um 300. bis 400 Kronen und eine Bluse zum Preise von 500 Kronen angeboten. Um diesen Mißbrauchen zu steuern, ließ die Rote Wache alle dort befindlichen Personen in das Schub- Haus bringen. Diejenigen, die sich gehörig legitimieren konnten, wurden sofort entlassen, vier Händler wurden in Verlvahrung ge- nommen, drei dem Arbeitsamt überwiesen und gegen vierzehn Händler das Uebertretungsverfahren eingeleitet. Amtlich wird in Budapest mitgeteilt: Das Interesse des Proletariats ist die zentrale Beschaffung der Lebensmittel. Tie Beschaffung der Ernährung und deren entsprechende Verteilung «rfoidert die Einstellung der individuellen Warenbcschaffung (Rucksackvcrkehr). Hierzu bedarf es einer solchen bewaffpeten Assistenz, die aus selbftbeivußten, energischen und u n n a h- baren Arbeitern besteht. Das Amt für öffentliche Versorgung gemeinsam mit dem Budapefter Stadtkommando fordert die Ar- bciterräte der Fabriken auf, aus den FabrikSarbciterbataillonen für diese Aufgabe geeignete Genossen zu bezeichnen. „Einem Wunsche der Arbeiterschaft entsprechend," wird ein alkoholhaltiges Erfrischungsgetränk in Verkehr gebracht. ES enthält drei Deziliter Wein und sieben Deziliter iohlcnsäurehaltiges Wasser. Der Einkaufspreis für den Konsumenten beträgt 54 Heller der Deziliter. Täglich werden etwa 70 000 Flaschen in Verkehr ge- bracht, so daß sich der tägliche Weinverbrauch auf 150 bis 200 Hektoliter belaufen dürfte. Die Menge des durch den einzelnen kaufbaren Getränkes ist nicht kontingentiert; jodermann kann in beliebiger Menge davon erhalten, er chat nur Flaschen in entspre- chender Anzahl beizustellen. Das alle» liest sich fteilich anders, al? die RcgierungStele- gramme, mit denen Bitdapest alle Welt beglückt. Der Untersuchungsausschuß der Preußischen LandcSversammlung nahm heute zuerst Kenntnis von dem Schreiben des Abg. Dr. Rosen- feld. durch daS dieser den Austritt der Unabhängigen aus dem Ausschutz mitteilt. Die Darstellung des Abg. Dr. Rosenfeld ver- schweigt vollständig, daß der Ausschuß zur Aenderung seine? ursprünglichen Plans der Zeugenvernehmung durch die über- raschende Mitteilung des Reichswehrministeriums gezwungen wurde, daß Eichhorns Freigeleit mit Ende der vergangenen Woche ablief. Der Ausschuß beschloh, das Schreiben einfach zu den Akten zu legen. Hierauf wurde mit dem Zeugenverhör fortgefahren. Polizei- major Hentschke bekundete, daß nach der Wiedereinnahm« des Polizeipräsidiums dort auch eine Menge Gewehre, Hand- granatenzünder, Karabiner und Pistolen vorgefunden wor- den sind. Polizeirat Atzrott gab an, daß mxS dem Dispositionsfonds für die politische Polizei, trotzdem diese aufgegeben war. von Eichhorn wiederholt Beträge entnommen worden find, darunter- einmal 2000 M., die an seine Frau gezahlt werden mußten. Der Betrag wurde auf gebieterischen Befehl Eichhorn? aus ber Hauptkasse angewiesen und später aus dem politischen Geheimfonds gedeckt. Kasseninfpektar Heinrich Reh bekundete, daß die Kassenwirtschaft unter Eichhorn überaus»norbentlich war. An die von Sichhorn etatwidrig angestellten Dezernenten und Beiräte sind 267 006 M. ohne genügende Belege auS- gezahlt worden. Vom Polizeipräsidium beschlagnahmte etwa 4lX>VcrIa«M Pickel, auch die hart- Ii nackigsten, settgläw zende. Haut und sonstige Saut- unreinigkeitcn werden am Iicher- ften durch meine feit 25 Jahren viel tauscndf. bewährt. Epezial» mittel beseittgl. M. 5,00. Sur gleichieitig.imlercn Sur Reichels Saltann- Blutreinigungspulver och. 2,50. Ollo R-lch-I. Berlin 43. 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Juli 1919, und eventuell am folgenden Tage fiadet bei dem Reichsverwertungsamt, Ver- kautsabteilung(Or Automobllwesen, Filiale Elbtng, auf dem Gelände der Kaserne des Inf.-Regts. 148 in Elblng, vormittags 9 Uhr beginnend, eine öffentliche Verstelgerung von ca. 26 Personenwagen, ca. 13 Lastwagen, ca. 34 Krankenwagen, 3 Fahrgestellen, 2 Schienenwagen, ca. 38 Lastwagen anhängem, ca. 24 Motoren, diversen Magneten, Schein- wertem, Entwicklern und Znbehörteilen statt. Verzeichnis der Versteigerungsobjekte nebst Einzelheiten über die Versteigerungsbestimmungen sind vom 17. Juli ab in der Vaubiifiliale Elbing zu erhallen. Die Zahlung muß sofort erfolgen. Kriegsanleihe wird zum Nennwert in Zahlung genommen i4Vj0/o Schatz- anweisungen der IV. und V. Kriegsanleihe zu 96>/,»/,). jedoch muß Nachweis der Selbstzeichnung mitgeliefert werden. Die Objekte können am 23. und 24. Juli, von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 3 Uhr gegen Hinterlegung einer Bietekaution von 500 Mark in bar pro Person auf dem Versteigerungsgelände besichtigt werden. Ohne Hinterlegung der Bietekaution darf das Gelände ddr Filiale an den Besichtigungstagen, sowie während des Versteigerungstages nicht betreten werden. Der Betrieb irgend welcher Geschäfte oder das Feilbieten irgend welcher Gegenstände auf dem Versteigerungsgelände ist nicht gestattet._>_ 400D s= Santa Lucia«r käuflich in Apotheken, Drogen-, Kolonialgesehäften Norden 6822. Cr o»»i<>- V c r t r te b. Bergsfr. 34. SMW„«IM W" in M'M. -> und<5 efeUjchaff»jlmmet, t, Speisesaal,»eaelvahn, 11 Wohnungen. Sih ner- enthaltend(Dost- und großen Xanjfaol, Slastang und 11 fchlcOcnec vereine, soll unlct gllnstigen Sefilngnngen n erkauft werden. Auskunft erteilt 10 10/ 19« Geraer Aktienbierbrauerei zu Tinz bei Gera-Reusi. Meine großen jtiöbel- Sager mit Speisezimmern. Herrenzimmern. Schlaj- jiramccn. 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Der Kleinhandelspreis für 50 Gramm Margarine dettägt 28 Pfennige. 3. Die Maraarrne ist in den zum Epeisefettverkauf im Be- zirke der Fcttilelle Grotz-Berlin zugelaffenen Kleinhandels- geschäfttn gegen«dgade dee beiden Abschnitte der Sinfuhr. Znsatzkarie unter gleichzeitiger Vorlegung der Speisesetttarte in der Woche vom Montag, den 21. Juli, bis Sonntag, den 27. Juli ISIS, in Empfang zu nehmen. Die Margarine ist tu dem Kleinhandelsgeschäst in Emplang zu nehmen, IN welchem der Verbraucher zum Epeisefellbczuge eingetragen Ist. Urlauber unb Schiffer erhatten die Margarine ebenfalls. 4. Die Kleinhändler haben die von ihnen für die Mar» garine angenommenen Abschnitte, getrennt gebündelt, zusammen mit den Epeisefettkertenabschnitten am Montag, den 28. Juli, an ihren zuständigen Grotzhänbler abzuliefern. 5. Zuwiderhandlungen gegen diese Borschriften werden gemätz K 35 der Bekannimachunq vom 20. Juli 1916(R.G.BI. Ö. 755), sofern nicht nach anderen Vorschriften schwerere Sttafen verwirft sind, bestraft. Ber lin, den 12. Just 1919. Fettstelle Grost-Berlin(Butter). werwnkh. Tgb. Nr. 5480 Fbu.___ Nacktheit-Scbönheit Rehördlickh freigegoben. 20 Tiefdruck-KunstpQstkaiten, sort. M 2,50 l'O Stck 10,-. Bromsilber- Photokarten, hochkünstferisch Mk. S,— Porto extra. Voreinsendg. od. �a0cZh.n 0. Fischer. Abt. R. Berlin-Halensee. Tpezial- Abteilung Uniform cnfärben, in �ivil umarbeiten in jchtoaczT'beana. blan, grün, in S logen joote Wenden. Umarbeiten, Neu arbeiten von Herren, und Camengatdctobcn in 3 lagen. Stoffnenheiten. Stoffausstellunsi. Außerdem wird jeder Arttlel in s Zagen gefärbi. - Original-«nglische Stoft- Auswahl.- Tranerfachen In 48 Stunden. Bäsch& BüGzkoafskl FfiedrielistfaBe M l ~~ Nr. 360 4 36. Jahrgang Seilage des Vorwärts Vonnerstag, 17. �ul! 1010 Steuer- unö öevöZkerungspolitik Von E. Mosbacher. Der vorliegende Steuerentwurf ist von dem Bestreben getragen, entsprechend der Idee des sozialen Rechtes die Lasten auf die trog« sähigsten Schultern abzuwälzen. Ob ihm das restlos gelungen ist, mag dahingestellt sein. Aber anscheinend fehlt in dem Entwurf eine tiefere Berüäsichtigung der so überaus notwendigen Bevöllerungs- Politik im Sinne einer Erhöhung des Bevölkerungsaustriebs. Es kann gar kein Zweifel bestehen, daß der schon herrschende Geburten« rückgang immer weiter um sich greift. Letzten Endes ist die Ursache die verschlechterte wirtschaftliche Lage. Das Mittel, dessen sich die Bevölkerung bedient, um die Zahl der Geburten auf einem niedrigen Niveau zu halten, ist der so« genannte Präventivverkehr, der den Uebergang vom naiven Fort« pflanzungstypus, der darin besteht, daß die Paar« soviel Kinder kommen lassen, als immer nur wollen, zum rationellen Fort- pflanzungsthpns ermöglicht; der letztere zeichnet sich dadurch aus, daß die Zahl der Kinder willkürlich beschränkt wird. Die große Bedeutung des Präventivverkehrs im Völkerleben und Völkersterben hat der bekannte Sozialhygieniker Professor Dr- Grotjahn in seinem ausgezeichnoten Buche über Geburtenrückgang und Geburtenregelung hervorgehoben. Der Verkehr mit Präventivmitteln wurde in Deutschland schon bor dem Kriege im großen Maßstabe angewendet und hat sich während des Krieges aus immer weitere Bevölkerungsschichten ausge- dehnt. Es ist zu befürchten, daß er sich, wenn nicht eingreifende Maßnahmen getroffen werden, zu einem langsamen, aber sicheren Selbstmord auswächst. Den Präventivverkehr mit irgendwelchen polizeilichen Maßnahmen bekämpfen zu wollen» wäre geradezu lächerlich. Die üblichen Mittel find derartig verbreitet und derartig leicht zugänglich, daß es unmöglich ist, sie wieder zu beseitigen. In bezug auf eines der gebräuchlichsten Präventivmittel wäre dieses Vorgehen vom ärztlichen Standpunkt aufs schärfte zu verurteilen, zumal es eines unserer wichtigsten Kampfmittel gegen die Ge« schlcchtskrankheiten ist. Sache des Staates ist eS also, wieder für einen größeren Be- völterungsauflrieb Sorge zu tragen. Es liegt nicht im Interesse der Gpiellschakt, daß in einer Ehe möglichst viele Kinder erzeugt werden, von denen die Hälfte oder noch mehr nicht aufgezogen werden können. E« muß vor allem verhindert werden, daß kranke Eltern überhaupt Kinder in die Welt setzen, die nur eine Last be- deureu. Professor Grotjahn hat in dem obengenannten Buche, das allerdings schon im Jahre 1914 geschrieben wurde, eindringlich da« rauf hingewiesen, daß es vollkommen verkehrt ist, wenn man an« nimmt, daß zur Erhaltung der Bevölkerungsziffer von einem Ehe« paare nur 2 Kinder zu stammen brauchen. Auf Grund einer Be« rechnung kommt er zu dem Ergebnis, daß aus jeder Ehe 3 Kinder mindestens hervorgehen müssen. Wenn wir vorläufig an dieser Zahl festhalten, so wäre dieser Gedanke in der Steuerpolitik un- gcfähr folgendermaßen zu übertragen: Das heiratsfähige Alter jedes Mannes könnte auf 26, das der Frau auf 24 angesetzt werden. Je ein Mann und je eine Frau find verpflichtet, im Jntereffe der Gesellschaft innerhalb der folgenden 15 Jahre am zweckmäßigsten in Abständen von je 3 Jahren ein Kind— zusammen also 3 Kinder— dem Staate zu liefern und fie bis zum 5. Jahre aufzuziehen, so daß auf jede einzelne Person 1,5 Kind käme. Von solchen Personen nun, die dieser Pflicht nicht nachkommen oder aus irgendwelchen Gründen nicht nachkommen können, ist jähr« lich von Einkommen und Vermögen eine besondere Steuer, die dem KoilenauSfall, hervorgerufen durch den Mangel an Kindern, ent- sprechen würde, zu erheben. Die dadurch aufgebrachten Summen könnten 1. als Prämien für Eltern nnt mehr als 3 Kindern, 2. für die Besierung der Lage unehelicher Kinder verwendet werden. Es ist bei diesem Vorschlag nicht zu befürchten, daß eine Heber« bölkerung Deutschlands eintreten würde, denn wir brauchen, da eS uns auf lange Jahre hinaus an der notwendigen Vermehrung der maschinellen Produktionsmittel aus finanziellen Gründen fehlen wird, die Vermehrung der menschlichen Arbeitskräfte, zumal wenn das Problem der inneren Kolonisation einigermaßen genügend gelöst würde. Bei dem überragenden politischen Einfluß, den das Proletariat einnimmt und einnehmen wird, ist nicht zu befürchten, daß der durch die Erhöhung der menschlichen Arbeitskräfte errungene Mehrwert in die Hände des Kapitalismus fließen wird. Es wäre zu wünschen, daß sowohl in der Nationalversammlung wie in sämtlichen Landesversammlungen und Gemeindevertretungen das bevölkerungspolitische Moment bei den Steuerentwürfen eins größere Rolle spielt. Keine Aufhebung der Todesstrafe. Zenfurfragen und Stellung des unehelichen Kindes. Nationalversammlung z« Weimar (Schluß aus der Abendausgabe.) Abg. Dr. Düringer(Dnatl. Vp.): Die Behauptung, daß die Gelehrten, die Wiffenschaft sich über die Frage einig seien, ist voll- kommen unrichtig. Die Frage gehört nicht in die Verfassung, an- scheinend sind die Anträge doch nur aus parteitaktischen Gründen gestellt worden.(Beifall rechts, Unruhe und Lärm links, Zuruf: Scharfrichter I) Abg. Dr. Kahl(D. Vp.): Der Antrag ist zweifellos von Jdea- lismus«ingegeben, aber Ort und Zeit für ihn find nicht richtig gewählt.(Unruhe links.) Die Frage muß im Zusammenhang mit der Reform des Strafrechts gelöst werden. Der Fehler des heutigen Rechts ist, und er gibt den eigentlich einzigen Einwand, die Unteilbarkeit der Todesstrafe, daß neben ihr nicht noch wahlweise eine andere Strafe angeordnet wird.(Andauernder Lärm links. Der Präsident bittet um Ruhe.) In der heutigen Zeit ist, wie immer nach einem Kriege, die Kriminalität gestiegen, da kann der Staat gegen eine bestimmte Gattung von Verbrechern auf diese Macht nicht verzichten.(Sehr richtig rechts. Lärm links.) Abg. Dr. Cohn(U. Soz.): Die Abschaffung der Todesstrafe ist nicht eine Frage der Rechtspolftik, sondern eine Kulwrsrage allerersten Rang«?. Wir wollen Abwehr der Gewalt, Abwehr des Mordes, Schutz von Menschenleben gegen die Todesstrafe. Abg. Haußmann(Dem.): Wir werden, um die Verfassung nicht noch weiter zu belasten, diesen wie alle neuen Anträge ablehnen. Diejenigen haben nicht das Recht, die Abschaffung der Todesstrafe zu verlangen, die fortgesetzt an die Gewalt appellieren und die Handgranate für das beste Mittel erklären.(Lärm links.) In ruhiger Zeit mag das Volk darüber entscheiden als über eine Kulturfrage. So kann die Frage nur im Zuscnnmenlmng-mit der schwebenden Reform des ganzen Strafrechts gelöst werden.(Beifall, bei der äußersten Linken Unruhe und Lärm.) Abg. Frau Toni Pfülf(Soz.): Diese Frage darf nicht vom juristischen, sondern sie muß vom reinen Menschlichkcitsstandpunkt aus beurteilt werden.(Beifall links.) . Abg. Dr. Költzsch(Dnatl. Vp.): Die Juristen find in ihrer Mehrzahl für Beibehaltung der Todesstrafe und di« Theologen sagen: Wer Menschenblut vergießt, des Blut soll wieder vergossen werden.(Widerspruch und lärmende Zurufe bei den U. Soz.: Die zehn Gebofe! Richtet nicht, aus daß ihr nicht gerichtet werdet!) Damit schließt die Besprechung. Abg. Dr. Cohn(U. Soz.): Die Argumente, die hier Dr. Dürrn ger vorgebracht hat, waren so mittelalterlich, daß ich unbe« dingt annehmen mutzte, daß er aus einer altad ligen Familie stamme.(Heiterkeit.) Der sozialdemokratische Antrag auf Auf« Hebung der Tod es st rase wird hierauf in nament. licher Abstimmung bei zwei Stimmenthaltungen mit 154 gegen 129 Stimmen abgelehnt. Artikel 117 spricht das Recht der freien Meinung?. äutzerung aus und bestimmt dann weiter:„Eine Zensur findet nicht staft, doch können für Lichtspiele durch Gesetz abweichende Bestimmungen getroffen werden, auch sind zur Bekämpfung der Schund« und Schmutzliteratur sowie zum Schutze der Jugend bei öffentlichen Schaustellungen und Darbietungen gesetzliche Maß« nahmen zulässig." Ein Antrag N u s ch k e und Gen.(Dem.) will die Möglichkeit einer Filmzensur dadurch beseitigen, datz er nur gesetzliche Matz- nahmen„zum Schutze der Jugend gegen Schund und Schmutz in Wort und Schrift und Bild sowie bei öffentlichen Schaustellungen, Darbietungen und Lichtspielen" zulassen will. Ein Antrag Agnes und Gen.(U. Soz.) will gleichfalls die Möglichkeit einer Filmzensur aufgehoben wissen. Abg. Dr. szöltzsch(Dnatl Vp.) schildert die verheerenden Wir« kungen der Schundliteratur in sittlicher und finanzieller Beziehung und spricht sich für den Ausschutzantrag aus. Abg. Nuschke(Dem.): Zur Bekämpfung der Entartungen der Lichtspiele nicht nur, sondern auch der Kabarett« und gewisser grotzstädtischer Presseerzeugnisie, die zum Teil einen direkt porno- graphischen Charakter haben, reichen die bestehenden Gesetze voll- kommen aus.(Beifall.) Abg. Könen(U. Soz.): Die Zensur ist ein UebeMeibsel aus dem Obrigkeitsstaat und darf auch nicht in der Form der Film- zensur wiÄer aufleben. Es handelt sich bei unserem Antrage um eine positive Matzregel im Interesse der Jugenderziehung, und wenn dieses Haus auch nur einen Funken von Verständnis für diese wichtige Frage hat, so mutz es diesem Antrage zustimmen. (Beifall bei den U. Soz.) Präsident Fehrenbach: Das ist eine Bemerkung, die ich für meinen Teil nicht ruhig hinnehmen kann, die ich vielmehr ent- schieden zurückweisen mutz.(Lebhaftes Bravo.) Regierungskommissar Dr. Preuß: Der Vorwurf des Abg. Könen, datz ich mich nicht gegen diesen Teil des Entwurfs gewendet habe, trifft mich nicht. Ich habe von vornherein erklärt, datz eS sich empfehle, die Grundrechte in der vorliegenden Fassung anzunehmen. Ich habe mich aber dagegen gewandt, datz der Entwurf noch mit neuen Anträgen belastet werden soll. Abg. Oberfahren(Dnatl. Vp.): Der Menschheit ganzer Jammer fatzt einen an. wenn man bedenkt, was dem deutschen Volke durch die Filmindustrie für seine Erholungsstunden geboten wird. Ein unendlicher Strom von Schmutz ergießt sich autz den KinoS über unsere Jugend und mutz alles Anstandsgefühl vernichten. Abg. Cohn: Wir verwerfen die Kinozensur, weil sie politisch ausgenutzt werden kann. Der Redner geht auf Einzelheiten ein und löst dadurch grotze Unzufriedenheit bei einem Teil des Hauses aus. Er wendet sich gegen den Abg. Hautzmann, der ihm in mehrfachen Zwischenrufen Kürze in seiner Darstellung empfohlen hat. Wenn die Filmzensur überhaupt einen vernünftigen Zweck hat, dann ist es nur der Fall, wenn man mit ihr der Jugendbildung dienen will. . Abg. Haußmann(Dem.): Der Antrag der Unabhängigen ist an sich vernünftig, aber m die Verfassung gehört er nicht. Die agi ta. torische Betätigung der Unabhängigen badeutet einem Schaden für das ganze G e setzgebungswerk.(Lebhafter Beifall. Lärmender Widerspruch der Unabhängigen.) Ministerpräsident Bauer: In der ihm eigentümlichen Art hat der Abg. Cohn mir In- formationen vorgetragen,-ohne sie nachzuprüfen. Seine Ausfüh- rungem über den Korruptionsfonbs dcS Ministerpräsidenten entbehren jeder GrunMage. Der Ministerpräsident verfügt über einen Repräsentationsfonds von 509 000 M. Selbst der Abg. Cohn muß zugeben, daß ec davon nicht die Filmindustrie unterstützen kann. AuS dem Hilfsleistungsfonds der Reichskanzlei wird lediglich eine Informationsstelle über den Film unterhalten, die monatlich 400 M. kostet. Auch mit diesen 400 M. ist eine Unterstützung der Filmindustrie schwer möglich.(Heiterkeit und Beifalls_ 151 Erleuchtung. ; o rn a n von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdorf. Air kehren heim. Dunkelheit ist rings um uns ge- spannt. Ganz um uns, aber auch ganz gegen uns. Nun muß jeder wiederum für sich allein in sein Zimmer gehen, in dem auch nur die Dunkelheit waltet. Dort, wo noch ein wenig Helligkeit auf das Mauerwerk fällt. Präge ich mir noch ein- mal die Gestalt ein, die dahinschwebt in der Verhüllung des 5tleides. Verhüllt ist sie von der Nacht, ihr Kleid fft aus Nacht gewoben. Nacht, immer nur Nacht. Es dröhnt mir in den Ohren, eine Hymne erfüllt das Weltall. Niemand ist mehr auf der Straße. Sie hält sich am Rand des Bürqersteiges. Damit mein Gesicht mit dem ihrigen auf gleicher Höhe bleibe, gehe ich nebe« ihr durch den Rinnstein und das eisige Wasser dringt in meine Schuhe. Und nun werde ich von einer tollen Begierde angespornt. So laut triumphiere ich über meine Gewißheit, daß ich gar nickt daran denke, der geliebten Frau auch nur die Hand zu reichen. Da wir vor ihrem Hause angelangt sind, sage ich ihr:„Auf morgen!" Sie antwortete mir:„Ja." An einem darauffolgenden Tage habe ich einen freien Nachmittag und ich begebe mich zu dem weitläufigen. Volks« tiinilichen Hause, in dem sie lebt.' Ich steige die beiden düsteren Treppen hinauf, die zwischen einem engen Geländer einherlaufen, und von denen sich ein krummer Flur abzweigt. Torten wohnt sie. Die Tür steht halb offen. Ich klopfe. Ich trete ein. Vollständige Regungslosigkeit empfängt mich. Niemand ist zu Hause. Mein Gebein wird von einer spitzigen Enitäuichung durchwühlt. Zögernd schreite ich in die Einöde des winzigen Vorplatzes, der'von der durchsichtigen Küchen« tür sein Tageslicht empfängt. Dahinter raunt dann ein Wassergeräusch. Ich öffne noch eine andere Tür. und da sehe ich nun ein Zimmer, dessen Fenster mit hellen, gestickten Vorhängen geschmückt sind. Darinnen steht aber ein Bett mit einer blauen Seidendecke. Und die Farbe ist leuchtend, wie auf einem knallige« Bilde. Das ist das Schlafzimmer Mariens. Ihr grauer Seidenhut, der mit einer Rose ge- schmückt Ol, hängt auf einem Bügel, an der blumigen Tapete, seitdem Maria in Trauer ist, trägt sie diesen Hut nicht mehr. Aber daneben hängen ihre schwarzen Kleider. Ich schleiche»»ch w dies««ätzchnischlnpj. der jfrwöMaa»»d hell ist, und ordentlich und artig angelegt, wie die Gegenstände auf einem Bild, und in dem doch nur ein kaltes, schneeiges Licht hauset. Einem Diebe gleich strecke ich die Hand aus, ich umtaste und berühre diese Kleider, die immer ihren Körper berühren dürfen, und ich wende mich wieder zu ihrem Bette, das blau bedeckt ist. Auf einem Brettlein stehen Bücher, deren Aufschriften mich neugierig machen. Woran denkt sie? Womit beschäftigt sich ihr Geist? Aber ich lasse das. Lieber zu dem Bette wiederum zurück! Und plötzlich bin ich toll und ausbebend und durchrüttelt und ich hebe die Bettdecke empor. Und meine Augen bleiben an dem Bette basten. Sie wollen hineinbringen in die Bettstatt. Die Knie zittern mir. da sie sich auf den Rand dieses großen. leblosen Dinges stützen, das doch unter all den übrigen leb- losen Dmgcn über ein eigenes, geschmeidiges und fügsames Lebcnsgerüste verfügt. Mein Alltagsleben trottet weiter. Meine Arbeit ist ewig die gleiche. Ich muß jeden Tag von neuem h«s Bieder- mannsgeschwätze des alten Crillon einheimsen, und die Ge- Witterausbrüche des Schmieds Brisbille über mich ergehen lassen. Ich erfahre von den Geschäften, die Herr Pocard unternimmt und von dem Fortschritt der„Revanche". Das ist eine Gesellschaft zur Wiedererweckung des National- gefühls, und Herr Joseph Boneas hat sie begründet. So wie jeder Mann, werde auch ich von der nämlichen eintönigen und doch wieder verworrenen Lebens- Maschinerie fortgeschleppt. Doch seit jener tragischen Nacht, da mein Schmerz in dem altersgrauen Todesraume zu Freude verwandelt wurde, sieht die Wirklichkeit der Welt nicht niehr so aus wie eben noch. Tauche ich in den Schwärm der Menschenmenge ein, dann scheinen mir die Dinge und die Wesen wesenlos und weit entrückt. Sie scheinen mir entrückt und wesenlos auch, wenn ich�mich in meinem Zimmer an- kleide und finde, daß das Schwarz mir gut steht, und wenn ich an meinem Tische vom Sonnenschein betroffen werde und wachend träume. Vor mir steigt in aller Klar- Heft die Erinnerung an meine Tante wieder auf. Manch- mal höre ich, wie man den Namen Marias ausspricht. Mein Körper zittert, wenn ich diesen Namen höre. Maria sagen sie. und sie wissen nicht, ivas sie sagen. ES kommen Augenblicke, in denen alles zwischen uns aufschwingt und brennend ist, obivohl wir doch getrennt sind. Ich weiß nicht mehr, ist sie mir entrückt, ist sie an' meiner Seite.-- Dieser nächtliche Sommerspaziergang, der Sommer selber und die Sanftheit des Lcbensglcitens, das legt sich schwerer als je auf meine Schultern. Das weitläufige Gebäude, in dem Maria wohnt und das zu manchen Stunden von Leben übervoll ist, liegt manchmal ungeheuerlich verödet da. Die Leere starrt auf den düsteren Treppen und Fluren, von denen die geringen Wege, zu den Wohnungsplätzen hinlaufen, und aus den Wafferröhren in den Winkeln tröpfelt es eintönig auf die Ausgußsteine.— Durchdrungen sind wir von unserer ungeheueren, unverhüllten Einsamkeit. Heber uns waltet eine göttliche Regung, der- weilen wir langsam den steilen und regelmäßigen Weg der Treppen hinaufsteigen. Die Treppe, die in ihrer Windung und in ihren scharf gezirkelten Stufen, und in ihren genau abgemessenen und abgeschnittenen Massen so unveränderlich angelegt ist, birgt in sich so etwas wie ein menschliches Wesen. Oben in dem schrägen Dach ist eine runde Luke sichtbar. Das Treppenhaus dieses Volkshauses im Proletariervicrtel wird eben nur von dort oben beleuchtet. Der Schatten, der auf den Wänden des Schachtes geistert, aus dem wir schrittweise her- vorsteigcn wollen, überdeckt unseren schwerfälligen Aufstieg zu dem»vinzigen Spalt des Taglichtes. In Düsterkeit und in Verborgenheit bleiben wir, und es bedünkt mich doch, daß wir zum Himmel hinaufsteigen. Gemeinsame Sehnsucht umfängt uns, und wir lassen uns neben einander auf einer Treppenstufe nieder. Im ganzen Hause raunt kein Geräusch. Wir sitzen unter der schlichten, rundlichen Lichtluke, die über uns geneigt ist. Sehr schmal ist die Treppe, und darum müssen wir uns eng aneinander schmieden. Die Lebenslauigkeit Marias strömt in mich hin- ein. Ich spüre, wie es mich quält, dieses dunkle Leuchten, das von ihr ausstrahlt. Ich teile mit ihr die Wärme ihres LeibcS, und ihres Gedankens Leibhaftigkeit. Noch tiefer ist der Schatten über uns gesunken. Kaum sehe ich diese Frau. die dort an meiner Seite sitzt, hingehockt, lebenswarm, und bereit, mir jederlei Wohnung zu gewähren, und willkommene Nistung. Ich rufe sie ganz leise bcim'Namen und es ist, als wenn ich nun mein Bekenntnis zu ihr hinausschrie. Sie wendet sich zu mir und es bedünkt mich, es sei das erste Mal, daß ich ih�r Gesicht unverhüllt erblicke. Ich lege den Arm um ihre Schultern. Sie sagt:„Küsse mich!" Man spricht nichts mehr, man stammelt nur noch, man flüjtert, man lacht. WflU Wq.(Tofin'(U. DaS'Mmdezernai der NeichKkanzscr?fl mit einem aus der Filmindustoie geholten Beamten beseht. Daraus darf man wohl auf Beziehungen der Reichskanzlei zu der Film- iudustnrie schließen. Gin Negierungsvertrcter macht noch einige Angaben über die Filmstelle in der Reichskanzlei und hebt hervor, daß man dort einen, ehemaligen Angestellten der Filmindustrie zugezogen hat, weil er von der Sache etwas versteht.(Beifall.) Der Art. 117 wird sodann, unter Ablehnung sämtlicher Abänderungsanträge in der Fassung des Gnttvurfs a n g e uommen. Ein Zwischenfall. Während der AbstimmuiiHSn tritt plötzlich ein Besucher des dritten Ranges an die Brüstung und wirft ein großes Paket Flug blatte r und graue Karten in den Saal mit den Worten:.Hier ist Material für den Abg. Naumann!" Tribünerrbesucher und Abgeordnete greifen nach den Zetteln. Es entsteht große Unruhe, die durch eine Aufforderung des Präsidenten Fehren bach langsam beendet wird. Die Flugblätter sind überschrieben:.Dada isten argen Weimar!" und tragen Unterschriften, wfe„Der dada- istische Zentralrat der Weltrevolution" und„der Präsident des Grd- Kalles sitzt im Sattel des weißen Pferdes Dada". Auf den grauen Karten wird die Ankunft des Oberdada angekündigt, weil der Abg. Traub in einem Vortrage„das Weltgewissen" angerufen habe. Der Zettelverteiler entfernte sich erregt sprechend, ohne be- hindert zu werden. Ueber den zweiten Abschnitt der Grundrechte, der das G e- meinschaftSIeben behandelt, berichtet Abg. Dr. Be»crle(Zentr.): Art.'118 stellt die Ghe als Grundlage des deutschen Familien- lcbenS unter den Schutz der Verfassung und erklärt die Gesundung, Reincrhaltung und siziale Förderung der Familie als Aufgabe der Bcvölkerungspolitik des Staates und der Ge- meinde. Kinderreiche Familien haben Anspruch auf ausgleichende Fürsorge, nach Art. 119 ist die Erziehung deS Nachwuchses Pflicht und Recht der Eltern, über deren Betätigung die staatliche Gemeinschaft wacht. Abg. Dr. Luppe(Dem.) beantragt eine Fassung, in der die „Grundlage des deutschon Familienlebens" und die Bezugnahme auf die Bevolkerungspolitik fortgelassen ist und außerdem der Mutterschaft Anspruch auf den Schutz des Staates gegeben wird. Eine ähnliche Fassung beantragen auch die Sozialdemo- kraten Frau Juchacz und Gen., die ferner dem unehe- lichcn Kinde das gleiche Recht Mlf linterhalt, Erziehung und Erbe an Tater und Mutter geben wollen wie den ehelichen Kindern. Abg. Dr. Luppe(Dem.) beantragt als Zusatz zu Art. 119: Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Be- dingungen für ihre leibliche,.seelische und gesellschaftliche Entwicklung zu schaffen wie den ehelichen Kindern. Di« unabhängigen Sozialdemokraten Frau Zictz und Gen. beantragen: Daö unehelicl« Kind trägt den Namen deS BaterS und steht dem ehelichen Kinde gleich. Die Mutter des un- ehelichen Kindes hat den Anspruch, auch im amtlichen Berkehr als Frau bezeichnet zu werden. Die unabhängige Frau Agnes und Gen. beantragen ferner, daß Ehefrauen an der Ausübung eine? Amtes nicht wegen ihrer Verheiratung gehindert werden dürfen. Sie beantragen end» lich die Errichtung eines.ReichSgesundheitsministe- r i u m S und Vergesellschaftung und Uncntgeltlichkeit des HeNwefenS und der Teffnirishilfe rntS LergefeWsaftnng her Acznetmittelherstellung. Endlich liegt noch eine Entschließung des Ausschusses vor, die Regierung möge einen Gesetzentwurs vorlegen, der die rechtliche und soziale Stellung des unehelichen Ktndes in gerechter Weise neu regele. Abg. Frau Roehl(Soz.): Die Vorschläge deS Ausschusses sind mangelhaft. Mit dem Ignorieren der unehelichen Mutterschaft schafft man die Tatsache ihres Bestehens nicht aus der Welt. Nie- mand hat das Recht, die uneheliche Mutter ohne den Schutz der Ver- fassung zu lassen. Das Unrecht gegen sie und ihr Kind muß in einem modernen Deutschland aus der Welt geschafft werden. Zlbg. Frau Neuhaus(Zentr.): Eine Unterscheidung zwischen der Ehe und anderen vernünftigen Verbindungen, die nicht s so auf Treue und Verantwortlichkeit beruhen, mutz gemacht werden. Auch die Gleichstellung des unehelichen Kindes mit dem ehelichen geht zu weit. Abg. Frau Broenncr(Dem.)': Meine Fraktion meint, daß die Rechte der unehelichen Kinder nicht in der Verfassung, sondern in einem besonderen Gesetz fest- gelegt werden sollen. Das Kind darf nicht von seiner Mutter getrennt werden. Unser Antrag verlangt die Fürsorge des Staates für die Mutterschaft, und wir denken dabei an den Ausbau der Mutter- schaftSversicherung, Verbesserung des Hebammenwesens, an Wöchnerinnenheime, StillprSmicn usw. Der vom Z e n t u m(Abg. G r o e b e r und Gen.) gestellte An- trag geht dahin, daß in einem besonderen Art. 118a bestimmt wird: Die Mutterschaft genießt Schutz und Fürsorge nach Maßgabe der Gesetze. Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung ge- rechte Bedingungen für ihre leibliche, seelische und gesellschaftliche Entwicklung zu schaffen. Abg. Frau v. Gierkr(Dnatt. Bp.): Wir sind der Meinung: Ehe itnb Familie müssen im Volksbewußt sein ihren besonderen ge- heiligten Platz behalten.(Beifall rechts.) Abg. Frau Zieh(U. Soz.): Unter keinen Umständen darf die moralische Einschätzung und soziale Achtung einer Frau abhängig gemacht werden von einer vorehelichen Mutterschaft. Und unter keinen Umständen darf das uneheliche Kind schlechter gestellt werden als das eheliche.(Beifall bei den' IL Soz.) Abg. Burlage(Zentr.): Man kann die unehelichen und ehe- lichen Kinder unmöglich gleichstellen.(Lebh. Widerspruch der Unabh.) Ebenso geht es nicht an, jeder unehelichen Mutter Elternrechte zuzubilligen.(Lebh. Widerspruch des Abg. Hans Krüger (Soz.) Vizepräsident Haußmann: Abg. Hartmann-OppÄn hat auf das Wort verzichtet. Ich bitte, dieses Vorbild zu beherzigen.(Große Hsiterkert.) Abg. jkatzenstcin(Soz.): Wir totfnfchen wicht Zwang für die unehelichen Kinder zur Führung des VaternamenS, sofern das Recht darauf. Die Entrechtung der«»eheliche», an ihrer Lage völlig unschuldigen Kinder muß aushören. Abg. Kunert(U. Soz.) fordert ein RcichSministerinm für sin- heilliche Pflege der Volks Hygiene.. Damit schließt die Besprechung. Nächste Sitzung: Donnerstag, Uhr: Verfassungsentwurf. Schuß%S Uhr. preußische Landesversammlung. 46. Sitzung. Mittwoch, den IZ�Juli 1919, mittags 12 Uhr. Am Regierungstisch: Hirsch, Heine. Präsident Lrincrt eröffnet die Sitzung um 12 Uhr. Der Handelsausschuß beantragt, dem§'t des Warenhaussteuer- gesetzes folgenden Absatz anzufügen:„Unleniehmungen, denen die BesreiungSvorschrisr deS Z 36 Abf. 5 des Umsatzsteueraesetzes zusteht. sind vom 1. April 1919 an mit ihrem gesamten Umsatz von der Warenbaussteuer freizulassen. Abg. Mcnzcl-Halle(U. Soz.): Wir sind für radikale Beseitigung dieser Steuer. Abg. Eberle sSoz.): Wir sind im Ausschuß mit aller Eni- schiedenheit für die völlige Aufhebung der Warenhaussteuer eingetreten. Wir können aber doch nicht gegen diese Vorlage stimmen, die erhebliche Milderungen bringt. Die Vorlage wird angenommen. Das Gesetz über die Umbildung des Kommunallandtags von Hohenzollern wird in driner Lesung verabschiedet. Es folgt die zweite Lesung der Vorlage auf Neuwahl der Provinziallandtage. Die Unabhängigen beantragen Rück« Verweisung an den GcmeindeauSschuß. Die Gemeindekommission hat die Vorlage mit einigen Wände- rungen zur Annahme empfohlen. Abg. Dr. Negenborn tDuatl.) befürworiet, die Neuwahlen spä- testens bis zum 1. Oktober erfolgen zu lasten. Die Abgg. Scholich(Soz.), R e b e b n(Dem.) und Bauer- Oberschlesien(Ztr.) erklären sich für die AuSschußbeschlüsie und gegen die Anträge der Deutschnationalen. Abg. EtScker(U. Soz.): Meine Partei lehnt die Vorlage ab. Abg. Dr. Moldenhauer ID. Vp.) spricht sich für die Ausschuß- dorschläge und für das Amendement der Deutichnationalen z» § 4 au«. Unter Ablehnung dieser Abänderungsanträge werden die Ausschuhvorschläge mit seiner von den Abgg. Berghaus und Rebeh n(Denn) beantragten Aenderung zu K 5 ongenonimen. � In der sofort anschließenden dritten Lesung setzt Abg. S t ö ck e r(U. Soz.) seine vorhin unterbrochenen Ausführungen fort. In jedem Wohlkreise werde die Minorität unterdrückt und von wirklicher Demokratie könne dabei keine Rede sein. Nach abermaliger Ablehnung eines Antrages der Unabhängigen Sozialisten auf nochmalige Äusschußberatung wird die Vorlage auch in dritter Lesung endgüllig angenommen. Ohne Aussprache verabschiedet wird die Vorlage über die Auf- lösung und Neubildung der S t e u c r k o m m i s s i o n e n. Es folgt die erste Lesung der Vorlage über die Erweiterung der Selbständigkeitsrechte der Provinzialver- bände. Die Regierung bittet die LandeSversammlung, bei der großen Dringlichkeit der Angelegenheit die Beschlußfassung mit größter Beschleunigung herbeiführen zu wollen. Abg. Limbertz(Soz.): Dieses Gesetz ist unter den Parteien in Weimar vereinbart worden. Von einem sofortigen Inkrafttreten des Gesetzes kann gar keine Rede sein, denn dann würden die er- wetterten Rechte auch den Provinziallandtagen verliehen werden, die sich noch keiner Neuwahl unterzogen haben und noch ganz re- aktionär zusammengesetzt sind. Das wollen wir aber auf keinen Fall. Minister des Innern Heine: Äusschußberatung ist auch der Regierung erwünscht. Mg. Falti»(Z.) spricht gleichfalls für nähere Beratungen in einem Ausschuß und äußert juristische Bedenken gegen Einzel- bestimmungen, die UnierstaatSsekretär Dr. Freund zu zerstreuen sucht. Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 27 Mitgliedern. Es folgt die dringende förmliche Anfrage der Deutschen Bolkövartei: „Der„Vorwärts" berichtet in der Morgenausgabe vom 9. Juli, daß der hessische Ministerpräsidr: Ulrich mir Hilfe der Franzosen uaä vor ftirVi» deS Generals Mangin für eine großhejsische Re- publik Propaganda mache, der auch südliche Teile der Rheinprovinz und Teile Hessen-NassauS angehören sollen. Ist der StaatSregie- rmrg bekannt, ob diese Angaben auf Wahrheit beruhen, und welche Schritte gedenkt sie zutreffendenfalls zu unternehmen, um der- artigen Eingriffen in den Bestand Preußen« entgegenzutreten?" Auf die Frage des Präsidenten erklärt sich Minister- Präsident Hirsch zur sofortigen Beantwortung bereit. Abg. Dr. Moldenhauer(D. Vp.): Die„Vorwärts�nacknicht ist durch die ganze deutsche Presse gegangen und schnell sind ihr auch die Dementis gefolgt. Unbestritten ist, daß Herr Ulrich vom General Mangin mit allen militärischen Ehren empfangen worden ist und eine längere Verhandlung mit ihm gehabt hat. Abg. Bergmann(Z.) begründet die Zentrum smierpellatio n. Man hat sogar dem Zentrum in seiner Allgemeinheit den furcht- bare» und schweren Vorwurf des Hochverrats gemacht. Ministerpräsident Hirsch: Der hessische Ministerrpäsident Ulrich und der Justlzmin ister Dr. von Brentano lhört, hört! links) haben auf Veranlassung des©enernlS Mangin in Mainz mit diesem über gewisse lokale Angelegenheiten zu verhandeln. Bei dieser Gelegenheit ist auch die Frage der von Dorten geplanten R einischen Republik zur Sprache gekommen. Ministerpräsident Ulrich hat gegen diesen Plan scharf Stellung genommen.(Hört, hört! links.) Im Verlaufe dieses Gespräches hüben die beiden hessischen Minister den Plan der Gründong eiacS Großhessischen Freistaates erwähnt.(Hört, hört! im Zentrum.) General Mangin schier. das dahin aufgefaßt zu haben, daß Hessen die Unterstützung der französischen Besatzung für diesen Plan wünschte. Ministerpräfi- dent Ulrich und Justtzminister von Brentano erklärten sofort, saß ihnen eine solche Absicht ferngelegen hätte. Die Preußische Regierung hat sofort bei der Reichsregierung ein« Besprechung dieser Angelegenheit unter Zuziehung der beteiligten Staaten be- antragt. Diese Besprechung hat in Weimar am 14. Juli'tätige- fundcn. Inzwischen hatte die preußische Regierung durch die hessische Regierung die Abschrift des Berichtes erhalten, den dl« hessische Regierung unter den: 39. Juni an den �Reichspräsidenten gerichtet hatte. Ebenso ist auf dem Umwege über das Reichs- Ministerium des Aeußeren der Bericht d«S preußischen Gesandten in Darmstadt vom 2. Juli in unsere Hände gekommen. Bei den Verhandlungrn am 14. Juli haben wir uns'davon überzeugt, daß bei den hessischen Herren nicht die Msicht bestanden hat, die Hilre der französischen Besatzung für die Losreißung preußischer Gebiets- teile in Anspruch zu nehmen. Der Reichspräsident hat bei dieser Besprechun« den Wunsch geäußert, daß solche Fragen nicht wieder vor de« Angen der Ententebcsatzung berührt werden möchten.(Beifall.) Bei dieser Besprechung ist ferner zweifelsfrei festgestellt worden, daß die Reichsregierung von der Besprechung der hessischen Minister mit General Mangin vorher keine Kenntnis hatte.(Hört, hörtl) Die preußische Regierung steht heute noch auf dem Standpunkt, daß Abtrennungen von Gebietsteilen PreußenS gefährlich für die Einheit Deutschlands und schädlich für die Kraft und Leistungsfähigkeit Preußens und des gesamten Reiches sind.(Beifall.) Ter Glaube, der offenbar aurb den hessischen Ministern vorgeschwebt hat, daß die rheinische Bevölkerung den Verlockungen der Franzosen besser stanohalten könnten, wenn sie Bürger einer selbständigen rbeinischen Republik wären, ist nach Ansicht der preußischen Regierung trügerisch. (Zustimmung.) Die preußische Regierung vertraut auf die deutsche Gesinnung der gesamten rheinischen Bevölkerung und auf ihre Anhänglichkeit an daS Reich.(Beifall.)_ Die preußi- sche Regierung bittet die Landesversammlung, gegen solche gesähr- liche Bestrebungen einmütig Stellung zu nehmen.(Lebhafter wieder» Holter Beifall.) � Abg. Dr. Ritter i'Tnatl. Vp.): In den Rheliuansen scheint doch tatsächlich ein sehr starker Nährboden für dies« Wsonderungibe- stvebnngen vorhanden zu sein. Wg. Weber(Gry.)? Wir verurteilen den Schritt Ulrichs. Unsere Partei hat in Hessen-Nassau diesen Bestrebungen die schärfste Absage zuteil werden lassen. Die Erklärungen, die das Zentrum hier im Haufe ab- gibt, stimmen mit dem Verhalten der Partei im Westen nicht über- ein. Diejenigen Kollegen haben doch nicht so ganz unrecht, die uns sagen: Wer sich in die Hände bcS Zentrum« begibt, der ist verloren. (Lebhaftes Hört, hört! und große Bewegung im ganzen Hause.) Die Regierung wird ja wissen, wieweit st« gehen kann. Auch bei uns gibt es eine Grenze, wo wir sagen müssen: Regier: Ihr alleine, uns ist der Geschmack am Regieren verdorben. Fluch- würdig ist die Agitation der Zentrumsanhänger im Rheingebiet. Abg. Jansen(Dem.) tritt dem Zentrumsredner mit großer Schärfe entgegen. Abg. Ludwig(U. Soz.): Schon im März ist da? Zentrum gekennzeichnet worden als verantwortlich für diese Abtrennungsgelüste, heute hat es das zugegeben. Die Herren sind schon längst erkannt; sie sind die schwarzen Spartakisten. (Große Heiterkeit.) Die Geschichte hat festgestellt, daß Sie(nach rechts) zu den berufsmäßigen Hoch- und Landesverrätern gehören.(Großer Lärm rechts. Ordnungsruf.) Wg. Dr. Kalle(D. Vp.): Man sucht systematisch im Westen für die Lostrennung zu werben. Die Lage ist sehr ernst. Wg. Bergmann(Z.): Mit unserm Eintritt in die Regierung haben wir ein sehr schweres Opfer gebracht. Die Erörterung wird durch die Annahme eines Schluß- a n t r a g e s beendet. Schluß gegen 7. Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr pünktlich.(Ministerium des Innern.) Voraussichtlich wird morgen auch noch eine Abend sitzung stattfinden. GroßSerlln Tie Explosion tm Nordosten. Mittwoch vormittag kurz nach 8 Uhr wurden die Bewohner von Hohenschönhausen, Weißensee und Lichienberg durch eine ge- wallige Detonation und Erschütterung des Erdbodens in Schrecken versetzt. Von dem an der Landsberger Cbausiee beim Ganhof „Weiße Taube" gelegenen Lagerplatz der Firma Stock. Hohen- ichönhausen, stiegen gewaltige Rauchwolken auf und hüllten die Umgebung in Dunkel. Unauthörliche Detonationen von Jnsanterie- und Arlilleriemuniiion ließen vermuten, daß es sich um umfang« reiche Vorräte handelte. Die leichten Bretterschuppen waren»n kurzer Zeit ein Raub der Flammen, da die sofort eintreffenden Wehren von Hohenschönhausen, Weißensee und Berlin sich nur auf eine weitgehende Absperrung der Brandstätte einlassen konnten. Nach anderihalbstündlgem ununterbrrchenen Rollen der explodierenden Geschosse war die Macht deS FeuerS gebrochen, aber die bis in den späten Nachmittag vereinzelt vortommrnden Ex- plosionen verhinderten ein Betreten der Brandstätte. In der Um- gebung ist eine große Menge Fensterscheiben durch den gewaltigen Luftdruck zertrümmert worden, dagegen find Menschenleben. soweit sich bis zur Stunde feststellen ließ, nicht zu beklagen; der anwesende Wächter konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringe». Ueber dre Ursache des Brandes ist bisher nichlS bekannt ge- worden. Doch wird Selbstentzündung der äußerst ge- fährlichen Zündstoffe vermutet. Der Znsammenstost mit den Franzosen i« der �riedrichstraste. Eine der Polizei nahestehende Korrespondenz berichtet: Bei der Kriminalpolizei meldete sich eine Dame, die bekundet, daß ne, als sie die Friedrichstratze entlang gekommen sei,.selbst gehör! habe, wie einer der beiden Franzosen zu einem Mädchen„sala cochon"(dreckiges Schwein) gesagt habe. Die Dame spricht selbst französisch und hat das Schimpfwort genau gehört. Sie gidt weiter an, daß auch ein Zivilist die beleidigenden Ausdrücke der Franzosen gehört habe und darüber so aufgebracht gewesen sei, daß er dem Franzosen, der das Schimpfwort gebraucht habe, einen Schlag versetzt habe. Mit diesem Zivilisten hat sich die Zeug'n dann noch weiter unterhalten und ist mit ihm zusammen die Linden heruntergegangen bis zur Burgstraße, wo sich ihre Wege trennten. Untenvegs habe sie noch zu dem Manne gesagt, da� es doch nicht gerade nötig gewesen wäre, daß er gleich auf den Franzosen eingeschlagen habe. Dieser Mann, der in Lichten- berg wohnen soll, wird dringend gebeten, sich ebenfalls bei der Kriminalpolizei zu melden. Er kann dies um so eher, als er mit den späteren Vorgängen nichts zu tun hat. Mehrere andere glaubwürdige Zeugen haben angegeben, daß die Franzosen vor- her im Kaiser-Kaffee in ihrer Sprache ganz ungeniert und laut abfällige Bemerkungen machten, sie'wurden aber von den Gästen nicht beachtet. Gesucht wird von der Kriminalpolizei ferner ein Kriegsinvalide von etwa 20 Jahren, der in Begleitung eines Fliegers war und die vier Soldaten, die in„angeregter" Stim- mung aus einem VergnügungLlokal gekommen waren, auf die beiden Franzosen mit dem Hinweis aufmerksam gemacht hat, daß diese sich herausfordernd benommen und über ihn und andere Personen lustig gemacht hätten. Die Soldaten gerieten darüber in Erregung und einer von ihnen schlug dem Sergeanten Tripier ins Gesicht. Da« gab dann Veranlassung zu dem Zu- sammenlauf und der Verfolgung der beiden Franzosen, bei der der Sergeant Manheim getötet wurde. Die Leiche Manheims muß auf Reichskosten nach Paris übergeführt werden. Drohender Lohnkampf im Milchgewcrde? Zu dieser, einer Lokalkorrespondenz mit Quellen- angabe entnommenen Notiz schreibt uns der Transportarbetter- verband: Die Einführung der 42stündigen Arbeitszeit wird ledig- lick nur von den Handwerkern gefordert und diese Arbeitszeit be« steht in den meisten Betrieben heute srbon. ES ist der Arbeiter- ichaft in den Meiereibetrieben ibr gutes Recht, auch für sich für iechS Wochentage die 48stündige Arbeitszeit zu fordern, und diese Forderung deckt sich mit der Regierungsverordnung vom Dezember 1918. Die Arbeiter in den Meiereien arbeiten nicht nur sechs Tage, sondern sieben Tage in der Woche und wollen auch diese Arbeitszeit für die Folge b e i b e l, a l t e n.-'u-- dem betreffenden Artikel muh jeder Urkuud'.ge herausleien, daß die gewerblichen Arbeiter in den Melereibelneoen ge- willt sind, Sonntags nur drei Stunden arbeiten zu wollen. Dies fordern aber nur die kaufmannnchen angeftcflien allein und es ist auch zur Aufrechterhaltung deS BetttebeS e,ns längere Arbeitsdauer dieser Angestellten Nicht notwendig. Wenn eS wahr wäre, daß die Kittscher bicchek einen Lohn von 69-65 M. hatten so wäre damit bewieien, daß d,e,elben btshcr für einen Hungerlohn gearbeitet haben. Die Löhne sind bedeutend höher gewesen, immerhin aber nicht in der Höhe, um dir Existenz ru et« möglichen. ES ist unwahr, daß ein Lohn für Facharbeiter von 169 M. gefordert wird. Die Gehälter für das kauf- männische Personal. zum Wochenlohne umgerechnet. werden' in vielen Betriebe!: bereits gezahlt; die höhnen Gehälter beziehen sich auf daS Aussichisperional und verant- wortungSvolle Stellen. Die von der Arbeiterschaft geforderten »öhne'erreichen noch nicht emmal die Höhe, welche die Fettstell- Groß-Berlin in ihren Betrieben(Milch. Buiter, Käsereien) zugestanden hat. Die Stadtgemeinde Berlin ist dabei, für sämtliche kommunalen Betriebe einen Tarifvertrag abzuschließen, der höhere Lohnsätze und günstigere Arbeilsbedmgunaen vorsieht, ol» st« die Arbeiterschaft ur de» Meiereieu fordert. In der Konferenz am letzten Montag mtt den Unternehmern und Vertretern der städtischen Behörden haben die anwesenden Vertreter der Arbeiterorganisationen auf daS bestimmteste erklärt, daß sie ihre Hand nicht dazu bieten, die Milch auch nur um das geringste zu veneuern. Dies ist vom Stadtrar Smronsohn auch an« erkannt, andererseits aber auch erklärt worden, dag gar nicht daran zu denken sei, angefichis des Abbaue» der Lebensmittelpreise hier eine Verteuerung dc� Milch vorzunehmen. Die S. P. D.- Arbeiterräte nehmen laut Fraktianöbeschluß an der heutige» Sollversammluug der kommunalen Arbeiterräte nicht teil. Zum Straßenbahnerstreik. Gen. Schumann vom Trans- Portarbeiterverband schreibt uns: In der WendauSgabe vom 15. Juli befindet sich eine Notiz„Die Resolution der Streikenden'. Da heißt eSr„Zur Vertrauensleute-Sitzung der Streikenden er» fahren wir noch, daß einige Redner den Ausführungen Schu- manns scharf entgegentraten und die Aufnahme der Arbeit der- langten, da es unmöglich sei, so ohne weiteres gegen das Streik- reglement zu verstoßen." Diese Mitteilungen sind irreführend. Ich habe lediglich erklärt, daß die Organisationsleitung ange- sichts des AbstimmungsresultatS ihrerseits Bedenken trage, von der Bestimmung des Streikreglements Gebrauch zu machen und den Streik für beendet zu erklären. Sache der Vertrauens- l e u t e müsse es zunächst sein, zu entscheiden, ob es ihrer Auf- fassung nach möglich sei, durch einen von den Vertrauensleuten gefaßten Beschluß die Streikenden zur Wiederaufnahme der Ar- beit zu bewegen. Nachdem in der Diskussion die einmütige Aus- faffung zutage getreten war, daß es aus Rücksicht auf die Einheit und Geschloffenheit der Bewegung selbst und aus Rücksicht auf die Berliner Bevölkerung besser sei, den Streik zu beenden, habe auch ich erklärt, alles tun zu wollen, um diese? Ziel erreichen zu helfen. Ich habe dann in der Versammlung der Streikenden im Hoch- bahnhof Warschauer Straße entsprechend dem Beschluß der Ver- trauensleute berichtet und die Wiederaufnahme der Arbeit emp- fohlen. In diesem Sinne ist dann auch von den Streikenden de- schlössen worden. Eisenbahner- Werbeausschußl Versammlung des Arbeitsausschusses, der BezirkövertrauenSleute und Vertrauensleute Montag, den 21. Juli, 5 Uhr, in den Warschauer Bier- hallen, Warschauer Str. 73. BezirkZvertraucnSlcute und Ber- lraueuSleuic wollen unbedingt erscheinen oder Vertreter entseuden. Sehr wichtige Tagesordnung. Einlaß nur gegen Busweis. Groß-Berlincr Einmachezucker-Lotterie. Im Kreise Nieder- b a r n i m wird demnächst 1 Pfund Einmachezucker auf den Sonder- abschnitt V abgegeben. Der Kreis Ost Havelland verteilt zwei Pfund und der Kreis Westhavelland sogar rund sechs Pfund Einmachezucker. Im Kreise Teltow ist dagegen auf eine Verteilung nicht zu rechnen und auch in den anderen Gemeinden Groß-BerlinS dürfte das nach den bisherigen Mitteilungen der Fall sein! l! Flugpost. Von jetzt an können zur Beförderung auf den im Betriebe befindlichen oder noch einzurichtenden Flugstrecken ver- suchswcise Flugpostsendungen bei allen Reichspostanstalten ange- nommen werden. Zugelassen sind gewöhnliche und eingeschriebene Postkarten und Brief« sowie Pakete und Zeitungen. Vom Donnerstag ab findet die Juristische Sprechstunde auf dem ersten Hof parterre links statt, und zwar bis zum 26. Juli von 3 bis 5 Uhr. Bcrichicdcne Abteilungen der Eisenbahndirektion find nach König- grätzer Sic. 105, 2. Ouergeb., verlegt. Mit Sl>00 M. Partetkasscngeldern durchgebrannt ist der am 26. September 1861 zu Brandenburg a. d. Havel gebürtige Schlosser Otto Beier. Beier stand im Tneuste der unabhängigen sozialdemokratischen Partei in Neukölln. Politische Debatte« im Amt scheinen uns fo recht fehl am Ort zu sein. So berichtet uns ein Arbeiter über seine Auseinander- fetzung mit einem Berliner Armenvorsteher, pt dem er geladen war, um der Stadt die seiner Mutter geleistete Unterstützung zu ersetzen. Der Arbeiter berichtigt« die Anschauung d«S Vorstehers über seine Lohnhöhe und wies dann auf seinen Lohnauifall infolge eines Unfalls hin. Der Vorsteher meinte, er wolle nicht zahlen, kündigte Zwangseintreibung an und sagte schließlich in der politi- schen Debatte, die Zeit, wo die Arbeiter zu bestimmen hätten, würde auch vorbeigehen. Da? ist ein Irrtum, ebenso wie uns der Tadel des Arbeiters daran irrig scheint, daß Angehörige, die nun dazu in der Lage find, nicht auch die Armenuntecstützung ersetzen sollten. Aber wir fragen: Was haben politische Debatten im Amt für einen Sinn? Sie halten nur die Geschäfte auf. Mit Leuchtgas vergiftet aufgefunden wurde der TL Jahr» alte Privatlehreö Christian Weber in setner Wohnung in der Jsarstr. 3 zu Neukölln. Ob.Unglückefall oder Selbstmord, steht noch nicht fest. „Schießereien und kein Ende". Zn dieser, einer Korrefpon« denz entnommenen Notiz im Dienstag-Wendblatt werden wir ersucht, mitzuteilen, daß der darin erwähnte Neger Deutschland als seine Heimat betrachtet und in den Kolonien mitgekämpft hat. Ein entwichener Zuchthäusler ergriffe«. Eine Patrouille be- obachteie nachts in der Berlichingenstraße, wie sich mehrere Per- Ionen in eine Türnische versteckten. Die Soldaten»ragten die Ver- dächtigen, was fie dort vorhätten und nahm sie fest, als sie sich nicht ausweisen konnten. Auf dem Polizeipräsidium stellte sich her« aus, daß der eine ein bekannter Geldschrankknacker namens Friedrich Henschel ist, der erst unlängst mit einem Spießgesellen ertappt, fest- genommen und zu einer langjährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden war. Henschel wurde am 10. Juli mit mehreren anderen Zuchthausgefangenen von Naugardt aus abkommandiert und ent- floh von einem Kommando mit den übrigen Gefangenen, die bis- her noch nicht ergriffen werden konnten. An die geehrten Herren Einbrecher, die in der Nacht vom 7.18. dieses bei_ mir eingebrochen haben, möchte ich die höflich« Bitte richten, mir die gestohlenen Lebensmittel, besonders die Fleischkarten zurückzusenden, auch die Butter, die für meine tot- kranke Frau zur Kräftigung bestimmt war. Unkosten ver- güte ich gern. Die Lebensmittelkarten und Fleischkarten waren Eigentum meiner Mittagsgäste, lieber den Empfang werde ich öffentlich quittieren. In der Hoffnung, daß es m Ihrem Beruf noch ed erdenkende Menschen gibt, verbleibe ich Ihr kahlgeraubter Gastwirt Paul Weißer, SO. 33, Wrang« lstr. 2L. Nrbeiter-Turn- und Sportdund. 1. KreiS» Der 6. Bezirk feiert am S0. Juli sein 7. Spiel- und Sportfest auf dem Spielplatz in Neukölln, Grenzallee. Bonniitags 8 Uhr: Vorkämpje> 1 Uhr: Festzug vom Rcutervlad:'/t3 Uhr: Freiübungen der Männer, �Frauen, Jugend, Schüler und Schülerinnen, nachdem Fünfkamps der Männer, Dreikamps der Frauen und Jugend, Stascttcnläuse und Weltspiele. Lichtenberg. Sonntag, L0. Juli, ab 8 Uhr nachmittag«, im Lokal Schwarz' Sommertbeatcr, Möllendorffstr. LS/LS: S ommerseft. Großzügiges Programm, großes Garlenkanzert, Spezialitäten, Männergesang, Tanz zc. Für die Unterhaltung der Kinder ist besonders gesorgt, Kasperle- Theaier, Onkel Pelle usw., jedes Kind erhält eine Mütze und zwei Bons fürs Karussell gratis, Kinder unter 14 Jqbrcn haben freien Eintritt, de«- gleichen a r b e i s l o s e Mitglieder des Wahlvcreiii«. Wir ersuchen unsere Genossinnen und Genosscm durch recht rege Beteiligung und Propaganda im Kreil« ihrer Bekannicn und Verwandten am Gelingen de« Sommer- sesteS tatkräftig mitzuwirken._ Groh-Berliner Lebensmittel. Ter Futterpreis beträgt für 30 Gr. Butter nicht 70, sondern 42 Ps. Berlin. Kommende Woche Fettverteilung sE 10 und Speisesettkarte). Bis Freitag im S., 12., 23. und Lg., bi« Sonnabend im 10., 22. und 26., bis Montag im 2t.. 25., 27., 28., 80., 46. und bi« Dienstag im 81., 82., 33., 34., 35., 36. und 37. BrottommilflonSbezirk 125 Gramm Käse. Brist.'/, Psd. Marmelade 163), 500 Gr. Kartosjelscheiben(53). Striiitckendorf. st« Psund TUsiter Käse(201) in den amtlichen ver- kaussstellen. AuSwciSkarte A am 18. und 19., B am 21. und 22., 0 23. und 24., D 25. und 26. Juli. «chte»»er«. Born 14. bi»«. Jnil-n Steil, Mm WSndischem Fleisch ausländische« Schweinefleisch(4,75 HR.). AI» Knochenbeilage ist st, zuzu- wiegen. Ein Auslands ei aus den Markten(1,25 M). Steglist. Anmeldung von Brotaussirich, NährmAeln und ein« Sonderausgabe vom 14. bi» 16. Juli. Abschnitte: 47. 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63. 500 Gramm amerikanische» Weizenmehl vom 14. bis 16. Juli. (W 8 uud C 9). Anmeldung vom 14. bis 16. Juli(I) 10 und J 11). Berkauf von 275 Gramm Roter Grütze vom 15. bis 17. Juli(88». 40»), Anmeldung von Näbruittieln an Jugendliche vom 15. bi» 17. Jul!(48). Anmeldung von Milchsüßspeise am 16. und 17. Juli(41g).— 500 Gramm Graupen(46), 600 Gramm Haferflocken(46).— Jnlandsipeck an werdende Mütter am 16. und 17. Juli, 3—12 und 4—7, bei Jentsch, Albrechtstr. 15- Hroß-Serliner parteinachrlchten. GroheS Sommerfest der Berliner Parteiorgauifatio«. Sonnabend, de» 20. Juli 1919, nachmittag? 4 Uhr, große? Sommerfest in folgenden Lokalen: 1. Spreezelt, Hinter de» Zelte», Portal 1, 2, V, 2. Walhalla-Etablissement, WeinbergSweg, 8. Konzertgarte» Plenterwald in Treptow. Großes Konzert, Kabarett, Kino im Freien, Theatervorstellungen, Kinderbelustigungen»nd Tanz. Eintrittskarten im Vorverkauf st 70 Pfg. bei alle» Abteilung?- funklionären zu haben. An der Kasse Eintritt 1,— M. Sinder unter 14 Jahren freien Zutritt zu de« Garten- Veranstaltungen. « Pankow- Niederfchlnhaufen. Eonnabend, 4 Nhr: Große'? Gartenfest. Nähere? stehe Anzeige. 80. Abt. Sonntag von 10 bis 2 Nhr: Führung durch den Botani- schen Karten in Dahlem. Treffpunkt V.IO Uhr am Eingang de« Garte»? unter den Eichen. Fahrverbindung mit der Wannieebaha nach Dahlem. Testnebmerkarien a 50 Ps. find noch bei den Bezwkssührern zu haben. Edarlottenburg. 4. Gruppe. Die Versammlung fällt heute anS. Ihr Stattfinden wird hier bekannt gemacht. f ungioztaltstische Bereinigung(S. P. D.) Heute VI, Ahr abend» ewerkschastzhau« Saal 10: Generalversammlung. Wichtige Tagesordnung u. a. Wahl des Vorstandes. Friedrichsfelde. Heute Donnerstag 71/, Uhr im.Saal« von Haber» land, WUhelmstr. 88 l Versammlung: 1. Schaffung der EinheitSgcmeinde Groß-Berlin. Referent: Kenoffe Radeck. 2. Bericht über die Tätigkeit deS ArbeiterratS. Referent! Genosse Solomon. 8. Verschiedene». Vorträge, vereine unü Versammlungen. Arbeiter-Asperantlfteu-Vereiutgnns Gr.-Berlt». Sitzung jeden Sonnabend, 8 Uhr, im Restaurant Naß, Alcxanderftr. 10, jeden Donner»- tag, VI, Uhr, im Sophien-Lhzeum, Weinmeifterftr. 18, jeden Montag, VI, Uhr, in Charlottenburg, Wallstr. 80, Arbcilerschule.— Fredersdorf- Petershagen. Sonnabend, 19. Juli, st ,8 Uhr, im Lokal von Gionaslay (früher Jesle), Schwarzer Weg, sreireligiöse Volksversammlung. Adols Hoff- mann spricht über:.Unsere Stellung zur Religion und Kirche 1" Gerichtszeitung. Der Mord an dem Tkjährigen Ernst Gubohr, Kahstr. 46, sollte gestern bereit» da» außerordentliche Kriegsgericht beschäftigen. Die Anklage richtete sich bisher nur gegen den stellungslosen Handlung?» gehilfen Wilhelm Gertzen und die.Schcmrspielerin" Elfvwiide Simo-n, welch letztere während der Ausübung des Verbrechen? auf der Straß« Schmiere gestanden hatte. Der Termin mußte ausgehoben werden, da inzwischen noch«n unter dem Spitznamen.Bubi" be- kannter homosexueller Soldat Willi Moll als Mittäter verhaftet worden ist. Es soll nunmehr demnächst die gemeinsame VerHand» Krng gegen alle dr« vor dem Kriegsgericht stattfinden. WetteranSfichteu für da» mittler« Nordbentschland bi? Freitag mittag: Mäßig warm, tm Süden größtenteils trocken und vielfach heiter, lm Norken, besonder» an der Küste stark bewölkt und leichten Regensällcn und mäßigen wesstichen Winden. M öer berliner ZWriM und MWeßer. TicnStag, den 22. Juli, abends pünktlich 6>/z Uhr, in den Sophieustr. 17/18: GcDcralverfamroliing. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Gewerkschaftskongreß. 2. Verschiedenes. Zu dieser Generalversammlung find außer den Delegierten und übrigen Teilnehmern nach ff 4 de»'Vereinsstatuts die Vertrauensleute und Druckereikassierer eingeladen. Ohne Legtttmatiouskarte kein Eintritt. 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