Nr.3S3.3<;.Ilchrg. Bezugspreis t SietteljatjrL SRC. monatL 8,— 9H. frei Ins paus, voraus zahlbar Pvlt- bezug: Monatlich 8»— MC. exll. gu> flellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn 6,25 SRC. für das übrige Ausland lstZSMC. bei täglich eimnal. Austeilung 8 25 SRC. Postbeftellungen nehmen an Dänemark Holland, Luxemburg, Schweden il. die Schwei». Eingetragen in die Post-geitungs-Preisliste. Der.Vorwärts' mit der Sonntags- beilag?.Boll n. geiC erscheint wachen- täglich»wemial. Sonntags einmal. Abend-Ausgabe. relegoamtN-Adress«! «Sojtaldnaofcal Berlin-. Verlinev Volksblsit. (iSPfennifl) Nuzeiftenprei» c Die achtgespalten»«onvareillegelle kostet l�S Mb«Alatn« Slnzeigea-, das fettgedruckt« Wort 50 Pfg.(»uläsfig A fettgedruckt««ort»), fedee weiter« Wort 25 Pfg. Stellengesuche and Schlafstellenanzrigen das erste Wort «0 Pfg. fedrs weiter« SSori 20 Pfg. Sorte über 15 Buchstaben zählen für zwei Sorte. Teuerungszuschiag 50°,'» Familien- Anzeigen, politische and gergerCschastliche Vereins- Anzeigen IS» SRC. die geil«. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SM 6», Lindenstraß« S, abgegeben Seäffnet von S Uhr früh bis 6 Uhr abends. Zentralorgan der lozialdemokratifcben parte» Deutfchlanda KedaCtfon und Expedition: SM. 6$, Lindensir. 3. Kerusprecher: Amt Morivplatz. Rr. 1.51 SO— 1.51 07. Einigung in Stettin. Belagerungszustand, Bürger- und Generalstreik auf- gehoben«— Tie Arbeit wieder anfgenommen. Der Belagerungszustand über Stettin»nd Nm- gebuug sowie über den Regierungsbezirk Stralsun�d ist nach Verhandlungen, die unter Leitung des Oberprän- deuten und der Kommissar« des StaatsministeriumS heute nacht in Stettin stattsanden, aufgehoben worden. Damit ist auch die Verordnung des Generalkommandos über Maßnahmen gegen die streikenden Landabeiter aufgehoben. Die Vertreter der Arbeiterschaft haben den sofortigen Abbruch des Generalstreiks zu- gesagt. Die Arbeit wurde bereits wieder ausge- n o m m e«. Ebenso wurde der B ü r g e r st r e i k für br- endet erklärt. Bon den an den Verhandlungen beteiligten Parteien wurde allseitig anerkannt, bah nach Abschluß von Tarifverträgen ein Tarif bruch streng zu verurteilen ist und daß insbesondere ein Tarifbruch der Landarbeiter wah- rend der Erntezeit ein Vergehen gegen die Gesamtheit des deutsches Volkes darstellt. Wutgebrüll rechts. Die agrarische Presse gegen den Landwirtschaftsminister. Man muh Nachsicht übe« und auch für den Gegner see- lisches Verständnis aufbringen. Wer bisher gewohnt war, in einem LandwirtfchastSminister den willenlosen jknecht seiner Jnteresien zu sehen, der m u ß außer Faflung geraten. wenn dieser Mann plötzlich al» Ankläger gegen ihn austritt. Die Macht de» Ungewohnten entschuldigt veel, freilich nicht alleS.... Ueber die gestrige Rede deS LandwirtschastSministerS ist die agrarische Presie ganz fassungslos vor Wut, so fassungslos, daß ihr teilweise der Atem wegbleibt. Einiger- maßen spaßbast wirkt eS allerdings,»veun der halbkonser- vatwe.Lokalanzeiger' au« den von der Rechten gestern auf- geführten Lärmszenen einen Vorwurf gegen die Revolution ableitet und schreibt: Daß auch diese Aussprache sich in Sußerst g e r S a s ch- ! vollen Formen vollzog, wird gewiß keinem Menschon ' mehr überraschend gekommen sein; diese Nebenerscheinungen 1 find offenbar mit den ,«eweu Errungebschaften der Revolution unzerirennlich verbunden. Der Lärm tmirde in der gestrigen Sitzung a u S- schließlich von der Rechten vollführt, also doch we- nigstens eine Errungenschaft der Revolution, die von diesen Herren mit Freuden mitgemacht wird. Leider aber auch die einzige. Die„Deutsche Tageszeitung" sucht doS fürchterliche Junkerfiasko in der gestrigen Sitzung damit zu bemänteln, daß sie an die Spitze ihres Blattes als„Neuestes vom Tage" die Nachricht stellt: In der Debatte über den Landardetterstrekk in der Preußi- sehen LandeSversammlung erlitt der preußische Landwirtschafts- minister eine schmerzhafte Abfuhr durch den Abgeordnete»an Osten. Neber das ganze Blatt seht die„Deutsche Tageszeitung" die große Ueberschrift:.�rieg der Landwirtschast!". Immer noch die alte Metbode, die Interessen der Großagrarier für die der Landwirtschaft auszugeben.— Im übrigen hat gestern von einer.Abfuhr des Landwirtschaftsministers niemand etwas gemerkt, dafür ist um so deutlicher und kräftiger daß Treiben de? Hommerschen Landbundes in das Licht der Ocffentlichkeit gerückt wanden. Dieser sucht sich setzt als die blütenweiße Unschuld hinzustellen, indem er eine Er- klärung erläßt, wonach er stets für Tarifverträge gewesen sei und ausdrücklich anerkannt habe,'daß politische und ge- werlschaflliche Betätigung keine Entlastungsgründe geben dürfen. Dies Kind, kein Engel ist so rein... Natürlich ist der famose„Reichsbürgerrat" auch noch weiter bestrebt, in Förderung aller Kols che wisti- s ch e n Tendenzen mit seinen Scharftnachergebävden Oel inS Feuer zu gießen. In einem Telegramm an den Reichs- wehrminister verlangt er strengste Durchführung des Belage- rungSzustandeS und bittet,„die getroffenen Maßnahmen aufrecht zu erhalten imd ungemildert durchziistihren".— Der Reichswehrminister kann nach unserer Auffasiung darauf nur antworten, daß er sich von dieser schädlichen Gesellschast über- Haupt keine Vorschriften machen läßt.\ » Die Antwort der deutschen Regiernng auf die Rote F o ch S, die Kontribution von 1 Million Frank in Gold von feite« der Stadt Berlin betreffend, wird heute abend fertiggestellt sei». Sie wird dagegen.Einspruch erheben. /Irbestsruhe In Wien am Montag. Wien, 18. Juli. lEigener Drahtbericht deS.Vorwärts".) Der Kreisarbetterrat Wien hat gestern etnsttmmia, auch mit den Stimmen der Kommunisten, beschlossen: Die Kundgebung internationaler Solidarität findet in Wien am Montag, den 21. Juli,' durch 21 stündige Arbeitsruhe in den gleichen Formen wie die letzte Maifeier statt. Ueber die Durchführung der Demonfttatton wurde volle Einigkeit er- zielt, so daß die Haltung der proletarischen Ein- heitsfront ebenso wie eine würdige eindrucksvolle Kundgebung gesichert ist. Im besonderen würde bestimmt, ain Montag, den 21. Juli, strengstes Alkohol- verbot durchzuführen. An, Montag erfolgt keinerlei Verteilung von Flugblätter». Die elektrische Straßenbahn hat die gleichen Betriebseinschränkungen wie am 1. Mai. Der Eisenbabnverkehr bleibt aufrecht. Die Arbeit in den Er- nährungsbetrieben ist ebenso zu leisten, wie an Sonn- und Feiertagen. Am Sonntag(an welchem Tage nach dem ersten Beschluß des jtreisarbetterrate« die Demonstration statt- finden sollte) entfallen alle Kundgebungen. Heute findet eine Obmännerkonferenz der Betriebe statt, um die Einzelheiten der Kundgebung zu regeln._> General Smvts für Versöhnung mit ventjchlanS. Haog. 18. Juli.(Meldung des Hollandsch Meuwsbureaus.) Eenreal �muts, der am heutigen Frettag nach Südafrika abreift, hat eine Abschiedsbotschaft veröffentlicht, in der er auf eine versöhnliche Haltung gegenüber dem früheren Feinde drängt. Während Monaten, so fahrt er aus, haben wir gesehen, wie EbertS Republik den Kampf für die europäische Orduuiig gegen die militärische Reaktion und die Anarchie geführt hat. Deshalb verdient diese Republik unsere Unterstützung und Hilfe. SBir müssen alles tun, um ihre Stabilität zu vergrößern und sie in den � olkerb und aufzunehmen. . �zugtich Rußland* darf die Entente nur als un- part.ai'cher wohlwollender Freund und Helfer austreten. i fiaifer Ftiebti� j;a9{6ujj( besten Veröffentlichung, wie man weig, von B, s m a r ck verhindere wororn ist und )"«wer«erfolgung bez Herausgebers. Prof. Geffcken. Anlaß gab.. �oll jetzt., Eduard Engel herausgegeben, bei Ttckmann in Halle j ÄS* als Hauptgrundsätze der Politik' Anbahnung öetttsch-ruMcher Handelsbeziehungen! Haag, 18. Jult.(Meldung des Hollandsch MeuwSbureaus.) Aus London wird gemeldet: Im Unterhaus erklärte Unterstaatssekretär HarmSworth..er glaube, daß dke deutsche Regierung versuche, Handelsbeziehungen mit der russischen Sowjetregierung anzuknüpfen und daß eine deutsche industrielle und kommer- zielle Mission demnächst nach Rußland reisen werde oder bereits dort eingetroffen fei. Die britische Dele- gation in Paris fei auf diesen Umstand bereit« aufmerksam gemacht woröen. Die„New Aork Tribüne" erfährt auS London, daß die Bekanntmachung über die Einstellung der Blockade gegen Nußland demnächst zu erwarten ist. In absehbarer Zeit wird der Handel nach Rußland auf eigene Gefahr eröffnet werden. Deutsche Firmen sind bereits damit beschäftigt, große Geschäfte mit Ruß- land abzuschließen, wodurch der Handel der Alliierten erheblich geschädigt wird, besonder» nach dem Bekannt- werden, daß Lenin über große Mengen Geld verfügt und bereit ist. Barzahlungen zu leisten; man möchte nicht«nr die Deutscheu von diesem Geschäft deu Vorteil ziehen lassen. Die Sozialdemokraten in den Ostgebieten. Graudcnz, 18. Jult.(Telunion.) Reichökommissar Göhl erfffirfa ttt Elttpm O�rtrftvy�i» tr» r ev t» S n v»<• Iekaterknburg durch die öolschewisten erobert. taag, 18. Juli.(Meldung deS Hollandsch NieuwSbur.) o n d o n wird gemeldet: Hier trafen Meldungen ein, daß Jekaterinburg von den Bolschewisten genommen wurde. Hierdurch verlieren die Truppen KoltschakS ihren wichtigsten Stützpunkt nördlich der transsibirischen Eisenbahn.' Verstaatlichung slme Entschöbigung. Der Landtag de» Frei- staates Lippe-Detmold verabschiedete gestorn ein Landes- zesetz über die Verstaatlichung des gesamten HauS- und Fainilienfideikommisses ohne jede Abfindung an das vor- —.T-..-trj ucr-pinm. i ntal» fürstliche Haus. Der mit dem Lanbtagsausschuß vereinbarte � Ausbau des neuen Reiche» und Vera l eich« Vorschlag wurde Vvm Landtag« der. Freund, chast, ja»undni» mit England. iwptfe«.. vorwärto-verlag G.m.b. h.» EW. b8» Lindenftr. 2. Fernsprecher: Amt Morittplatz. Nr. 117 SS— Z«. Gegen die Funker. von Georg Schmibt-Devlin. Vorsitzender des Deutsch«» Lqndcrübei ter-Berbec jetzt hundert Jahre alt werden'sollte, ist keineswegs gestorben. Sein Ruhm, der in den Literaturgeschichten aufbewahrt wird, ist heut« größer als jemals. Die Amerikaner sind stolz darauf, den Schweizer Volksmann als Zeugen für gesunden Menfchenverstaud und freiheitliche Politik in einem besonderen und sehr gelehrten Werke zu preisen. Ein französischer Universitäts- lehrer, Herr Baldensperger, konnte dem Genie Gottfried Kellers ein beträchtliches Buch widmen. Die Italiener übersetzen noch heute das schöne, geschmeidige und doch kräfiig geschwungene Deutsch de? Zürichers in ihre harmonische Sprache, und sie wollen nur ein großes Herz, einen sehr hellen Verstand und efnen. Herrscher im Reiche des Wortes ehren, der über ein ganzes Heer von Jüngern und Bewunderern verfügt bis auf den heutigen Tag. Gottfried Keller war ein Handwerkersohn. Aber fein Vater dichtete und redete im Freundeskreise wie>ein begeisterter Schwär- mer. Der Knabe empfing Phantasie, sprühende Beweglichkeit des Geistes und sogar einen Zug zum Abenteuern von diesem Vater, während die Mutter ihm eine heftige Rechtlichkeit und sogar einen Eigenwillen ins Blut legte, der bis zur. Wildheit auftoben konnte. Student ohne Studium, Stipendiat von Bürgers Gnaden, Zwsif- lex am eigenen Talent, erst Maler, dann singender Dichter, das war'lbellers L-benSschicksal bis zum dreißigsten Jahre. Dann straffte er all seinen Willen zusammen, um den großen, melbäwdigen Erziehungsroman des„Grünen Heinrich" zu schroiiben, der eigent- lich die sehr gewissenhafte Lebensboichie des Dichters selber ist Der Mann, der dieses Riesenwerk bezwingt, hätte Grund, sehr verbittert zu sein. Er hatte den Hunger gekannt. Die drückenden Notschulden blieben ihm nicht erspart. Freunde' und sogar die ge- rreue Mutter sahm ihn schon als verloren an. Sie merkten kaum, .wie in diesem äußerlich harten, sehr knorrigen und sekten ge- 'prächigen Manschen ein seltsam sanftes und empfindsames Herz waltete. Fieiheitsdichter des Sturms der vierziger Jahre, wuchs Keller hinaus über die laute Berodtsamkeit der Tribüne. Er fand den ergreifenden Ton der beseelten sozialen Lyrik. Er erkannte nicht nur das Elend der Masse und deren bedrohliche Abhängigkeit vom Alltag, er schüttete Seele und we-ichen Klang in seine Verse. Seine soziale Lyrik predigte und ergriff Seine Ballade vom' der- gewaltigenden Hunger—„Der Kürassier".— hebt sich groß vom Hintergründe der sozialest Dichtung der Mitte des Jahrhunderts ad. So konnte es geschehen, daß er, ausgestattet mit allen Kräften des Innerlichen, feine Lebensbeichte niederschrieb. Der Schweiz« Proletariersohn, der hirmuZzog, um sich die Welt der Denker und Künstler jfi erobern, gelangte nur auf schmerzbelasteteu Umwegen an fein Ziel. Er durchwanderte die ganze Entwicklung der Köpfe, die sich in der ersten Hälfte des neunzehnten' Jahrhunderts mit dem Gedanken abrackerten. Es kostet ihn einen harten Kampf, daß er den dogmatischen Kirchengott überwindet und sich hineinstellt in die Freundschaft der energischsten Zerstörer theologischer Heber- lieserung. Der grüne Heinrich, Gottfried Kellers würdige- Ebenbild, wird ein Materialist, aber kein trockener und starrer, sondern ein sehr verliebter und vielfältig beglückter Erdenfreund. Ja, er ist ein Künstler, ihn treibt es, die Verwirrung und Formlosigkeit der Dinge und Menschen harmonisch zu beugen und zusammenzu- fügckn. Sein Weltbild weitet sich unendlich aus. Er gesellt sich zu allen StondeSklassen, zum Adel und zum Bürgertum und auch zum Proletariat. Er schreibt das große Estos des deutschen Lebens, ob- wohl er nur ein Schweizer Eidgenosse ist. Er schreibt e-, geleitet von dem gleichen Instinkt der Wahrheitsliebe, der erst«in Menschen- aller später den Franzosen Emile Zola treibt, ein« große Schul- meisterlehve vom naturalistischen Roman zu verfassen. Und dann folgen die Lieblichkeit der„Züricher Novellen" un- die„Seldwyler" Geschichten, die sich der patriotische Demokrat vom Herzen schreibt. Humor und Menschenliebe, sehr gesunder Men- schonverstand und auch einiger Zorn find in diese Meisterwrrte hineingemischt. Der Dichter verschmäht es nicht, tätig an den Ge- schicken seines'Züricher Heimatkantons teilzunehmen. Es ist ihm gelungen, daS Mißtrauen gegen sein'scheinbares und oft so notwendiges Zigeuner tum zu überwinden. Er darf sich mit den Re- gierenden an den grünen Amtstisch setzen und als Protokollführer allen Verstand und nicht selten auch allen Unverstand der ge- wichtigen RatSmänner aufzeichnen. Der„Staatsschreiber", der tief in die Gefetzbücher hineinschaut, versagt sich keineswegs den Blick in die liebenden Herzen und die seufzenden Jünglinge uno Mädchen. Er erfindet. Herzensmärchen anmutigster Abenteuerlich- keit. Er trennt und derschwistert die Gemüter so zart und doch so mächtig, daß die Romantik der Jugend ihm ewig dankbar bl�bt. Er lächelt sich hinein in die spielende Pracht der Marienlegenden, die er umdichtet als«in sehr phantastischer und gütiger Menschen- freund. Gewiß, in den„Sieben Legenden" Gottfried Kellers, diesen zierlichsten Stücklein deutscher Märchenpoesie, geschehen auch aller- Hand Wunder, aber die Wunder erzählen nichts BedrücknideZ, sie zwingen den Menschen nicht in Abhängigkeit und Knechtschaft"on der Jungfrau Maria. Der Mensch wird fähig, aus sich selber alles Märchenwunder zu erzeugen. Ihm wird die Willensfreiheit, das aus den Kirchenbüchern mühselig errungene, kostbare Seelen- und Sittengut, keineswegs geschmälert. Keller war ein Greiz geworden, als er sich anschickte, nsch ein- mal sein Weltbild in einem großen Romane zusammenzufassen. Er schrieb, häufig gestört von dem Lärm der politischen Kneipe. die unter seiner Wohnung lag, den Roman des„Murtin salander". ES ist der Roman der Männertüchtigkeit, der geraden Moral und republikanischen Tugend. Martin Salander leidet viel Unglück. Seine Tochtersöhn« werden als Lumpen entlarvt, aber die Stärke und die Gerechtigkeit siegen.• Der würdige Mann kann mit Hellem Auge sein eigenes Glück und die gesicherte Zukunft seines Landes überblicken. Als Keller diesen Roman beginn, wollte er schelten wnd fluchen, aber am Ende segnet« er doch. Denn er hatte ge- waltigez Zutrauen in den Ernst des Menschen.� Er l�wahrte sich diese Zuversicht bis zum letzten Tag: seine- GrenenlebrnS. Und als er starb, begruben ihn in seiner Vaterstadt die Allen und die Jungen, die Lehrer und die Studenten, die Stadtväter und ine Ar- bei!« mit gleicher Verehrung Sie beg''i-'f-n alle, daß ein Welten- genie den Atem angehalten hatte. Aber die Unsterblichkeit war dem Scheidenden gewiß._ Wettberverbsreform. Der Arbeitsrat für Kunst, die radikale Berliner Künstler- gruppe, Hai im Hinblick auf die letzten Mis-eriolge im staatlichen WeitbewerbSwcsen, insbesondere bei dem unglückseligen Wettbewerb für die neuen Briefmarken, dem ReichSposuninisterium Vorschläge für ein« Reugestaltung des Ausschreioungswescns unterbreitet. Sie werden hoffentlich mindestens bei dem bevorstehenden neuen Wettbewerb berücksichtigt. Di« Vorschläge lauten zusammengeiaßt: l. Wettbewerbe sind wie Submissionen eines Staates nnwürd'g. Die Wettbewerbe fordern eine ungeheure Summe von?lrb:it ber- aus, in der jede Arbeit doch nur dem Einsatz� in einer».otterie gleicht. Deshalb: der Staat vergibt feste Aufträge unter�namen�- licher Verantwortung des betreffenden Beamten.~ dieser Standpunkt nicht durch/dringt, verlangt. der�Ar.eit-ra: alle Teilnehmer arbeiten ehrenhalber. In beiden Fallen besteht der Preis allein in der Ausführung der �wählten Arb-nt Der ge- wählte Entwurf muß ausgeführt werden, ,-denfalls kein anderer. 3. Die Preisgerichte setzen sich zusammen aus gleiw melen Ver- tretern der akademischen wie der radikalen Künstle. ichaft. Beide Gruppen wählen für sich. J� Gruppe nennt eignen nach ihrem Urteil besten Entwurf, so daß für d« letzte Enfichmdung zwei Ent. würfe vorliegen. Die letzte Enftche'dung bat cm von beiden Gru?- Pen gemeinsam gewäblter Vertrauensmann, b«h nur unter die,en beiden Entwürfen. Dadurch wird zum mindesten ein Kompromiß ausgeschaltet, dz ein an sich gediegener Entwurf der traditionellen Arfi einem Mischmasch natürlich vorzuziehen ist. Notize«. _ Theater. Im Theater am Bülowplatz wird am Sonn- tag nachmittag als Vorstellung der Freien Volksbühne» Schönherrs„We i b S t e u s e l" aufgeführt.— Zur fünfzigsten Auf- führung gelangt morgen im Künstlcr-Theater die»Rutschbahn, mn Montag im Neuen Opernhaus:„Die Dame v?m CircuS". — E in e Landkarte des Deutschen Reiches und her Nactborgebiete, die das neue politisch-geograpbische Bild seoc klar darstellt, ist im Verlag Velhagen u. Klasing erschienen(Preis >2,40 M.). Sie ist, was fte sein will: Hand- und Wandkarte zu- gleich. öfe Vahrhett über Ü!e ölvtjuftlz!n Ungar«. Uns wird geschrieben: Die„Freiheit" veröffentlicht in ihrer gestrigen Morgennuvrmer einen Artikel, in dem sie uns in einer geradezu unverantwortlichen Weise angreift, weil der„Vorwärts" in einer Notiz die Blutjustiz der ungarischen Räievegierung verurteilt hat. Die„Freiheit" be- Haupt et, daß in Budapest im ganzen nur elf Personen zum Tode verurteilt worden sind, und auch diese nicht zum Tode durch den Strang, sondern zum Tode durch Erschießen. Die Verhandlungen sollen länger gls zwei Wochen gedauert haben und> auch diese Urteile seien nicht vollstreckt worden.... Die.Freiheit" schöpft ihre Weisheit aus dem„Pcster Lloyd" vom 9. Juli. Allein diese Weisheit ist sehr gering. Warum hat die „Freiheit" nicht apch die Budapester Zeitungen vom 23., 26. und 27. Juni gelesen? Denn wenn sie diese Zeitungen gelesen hätte, so hätte sie die Begebnisse sicherlich in einem ganz anderen Lichts gesehen. Wie aus„Vörös Ujsag" und„Nepszava" ersichtlich ist(25. 6.), ist das Statarialgericht bereits sofort am Tage der Niederwerfung des Putsche-, also am 25., zusammengetreten. Wie„Vörös Ujsag" berichtet, �befindet sich das Gericht in Permanenz". An diesen! Tage siird*i>vei Offiziere, Stefan Kiß, Josef Grassi und Ladislaus Szabo, zum Tode verurteilt und auch hingerichtet worden. Eben- falls an diesem Tage wurde der Bankbeamte Geza Herczcg hingerichtet. Am folgenden Tage berichtet„Vörös lljsag" mit Riesenlettern, daß 48 Gegenrevolutionäre vor dem Statarialgericht stehen, üben welche noch im Lause dcS Tages geurtcilt werden soll. An diesem Tage sind drei Offiziere, Zoltan Osvath, Anton Waldimbrecht und Franz Jmreh, zum Tode durch den Strang v er- urteilt worden. Die„Freiheit" uiag die Richtigkeit unserer Angaben im„Vörös Ujsag" nachprüfen. In derselben Nummer meldet das Blatt, daß in Neupest, einer Fabrikvorstadt von Buda- pest, vier Gegenrevolutionäre, Ladislaus Hajden, Ladislaus R o- b i t s che k, E lern er Dezsö, ferner ein Chauffeur namens Johann Ssücs, in einem Auw gefangen genomnren und sofort erschossen worden sind, während das Statarialgericht zwei Angeklagte naurens Marti novicz und Orczy zum Tode durch den Strang verurteilte. Am 28. Juni berichtet„Vörös Ujsag", daß die Ver- Handlungen des Revolutionsgerichtshofes den ganzen Tag dauern werden und daß an diesem Tage 73 Angeklagte abgeurteilt werden tollen. Ist das keine Maschinengeschwindigkeit? 43 Urteile an einem Tage und 73 Urteile am anderen Tage? In derselben Nummer berichtet das bolschewistisch« Blatt, daß laut einer Re- gicrungsverfügung die Urteile des Stataiialgerichts- Hofes sofort zu vollstrecken sind und daß dagegen keine Berufung eingelegt werden kann. � In drei Tagen sind also 13 Personen hingerichtet worden, ob eS der„Freiheit" gefällt oder nicht. Am 28. Juni wurden allerdings die Aburteilungen und Hinrichtungen eingestellt. Allein— es war nicht die Gnade der Räteregierung, die diese Maßnahme bewogen hatte, sondern d-ie zweite, sehr energische Note des italieni- schen Oberstleutnants Romanelli, der sich geKen die Massenhinrichtungen verwahrt hatte. Bis dahin sind aber die bereits aufgezählten dreizehn Todesurteile vollstreckt worden. Die elf bis dahin nicht vollstreckten Todesurteile, von denen die„Freiheit" erzählt, sind nach dem 2g. Juni, also nach Eintreffen der italienischem Note, gefällt worden. Das sind die wahren Tatsachen. Die Maschinengeschwindigkeit, mit der die ungarischen Revoluiionsgcrichte geurteilt habest, ist kein« „infame, hetzerische Lüge", sondern die Wahrheit. Nur, daß hie „Freiheit" keine Zeitung lesen kaum Oder wollte sie diese Zeitungen nicht lesen? —«— Eine Schimpfnttajke. Nachdem die Vertreter der S. P. D. mit allen Mitteln au? dem Groß-Berlitter Vollzugsrat und der Vollversammlung hinaus- gedrängt worden sind, schreien jetzt die zurückgebliebenen U.-S.-P.-2eüte über„schmählichen und hinterhältigen Verrat". Sie wenden sich in einem langatmigen Aufruf an die werktätige Be- völkerung Groß-Berlins, der aoer trotz seines WortreichtamS kein Wort über die Gründe enthält, die die S.-P.-D.- Mitglieder zum Austritt aus dem Bollzugsrat zwangen. Dafür ist dieser Aufruf gespickt mit Neuauflage all der wüsten De- s ch i m p f u n g e n, die sich unsere Genossen seit Wochen und Mo- noten in der Versammlung der Arbeiierräte bieten lassen müßten. und allein der wüste Schimpfton dieses ganzen Machwerks zeigt, wie richtig die Erkenntnis unserer Genossen war, daß bei einer �derartigen Gesinnung der� Gegenseite irgendein gedeih- licheS Zusammenarbeiten unmöglich ist.„Trabanten",„Lakaien", „korrupte Günstlingswirtschaft",„politische Karrieremacher", „Renegaten des Sozialismus",„Helfershelfer des Garde-Kavallerie- Schützenkorp-Z", das ist die Tonart, in der unseren Genossen ihre treue Pflichterfüllung im Arbciterrat gedankt wird. Das Mt mit großer Lungcnkraft angestimmte„Verratsgebrüll wird keinen Vernütiftigen über die wahre Sachlage hin- wegtäuschen. Freilich mag es den Unabhängigen schmerzlich sein, daß unsere Genossen nicht einfach auf sich herumtrampeln lassen, hinter ihrem G. schrei verbirgt sich nur zu deutlich die Enttäuschung des betrübten Lohgerbers, dem die Felle da vongeschwommen sind. Ihrer Aufforderung, diese Arbeiterrät«, die ihnen nicht willenlos den Buckel hinhalten wollten, jetzt�für abgesetzt zu erklären, wird die Arbeiterschaft nicht nachkommen.. Iür bis Rehabilitierung eines(Opfers öer �lllüeutschen. Ter ftfall Veit Valentin. Uns wird geschrieben: Di« alles von heute auf morgen ver- gcsscnde öffentliche Meinung wird kaum noch ein Erinnerungsver- niögen haben für die Mittel, mit denen seinerzeit von feiten der Alldeutschen für den verschärftem U-Boot-Kvi«g gearbeitet wurde. Sie wird sich kaum noch erinnern können, in welcher Weise alle diejenigen Staatsbeamten, Politiker oder Privatpersonen verun- glimpft wurden, die auf den Wahnwitz der ins Verderben führen- den alldeutschen Politik hinwiesen. In den Tagen dieses Kampfes wurde der außerordentliche Pro- iessor der Geschichte Dr. Phil. Veit Valentin in Frei- bürg i. B. durch eine Verfügung des dauialigem badischen Kultus- w:r.ist?rs aus seinem Amte gestoßen, weil er angeblich gegen Proftsscr- Coßntann schwerbelcidigende Aeuherungen getan die er als unbegründet zurückzunehmen sich genötigt sah. Durch -wies Verhalten habe er die ouS seiner Stellung als akademischer Lchrep erwachsenden Pflichten in ernstester Weise verlicht und den unspruch auf Aufrechterhaltung der venia legencki(Lehrberechtigung) perw.rkt.?-'tßerdem habe er durch unangemessenes Verhalten einem FakultatSgenoffen, dem Geheimrat Prof. von Below, gegen- übest sc'-m« Stellung an der Fakultät lmhattbar gemacht. Aus diesen Grünten wurde.gm die venia legendi entzogen und seine Lehr- täligke.t nicht mehr gestattet. In seiner tapferen Zeitschrist„Ter Vortrupp rollt nun Dr. Hermann P o p c r t den Fall noch ein- mal auf und weist hier haarscharf nach, baß Prof. Valentin, der s. Zt. von der alldeutschen Presse sä heftig angegriffen wurde, ein bitteres Nnrrcht geschehen ist. Popert hat sich durch Einstchtnahm« in die gesaintcn Akten ein klares Bild verschafft, auf das er nun die Oeffcntlichkeit hinweist. Ter Fall Valentin-Coßmaini lag so: Aus einer Reise besucht Valentin seinen alten Bekannten Coßtnann. Es entspinnt sich ein vertrauliches politisches Gespräch, im Verlauf Hessen Coßmann den damaligen Reichskanzler des fortgesetzten Lügens beschuldigt, während er dessen Gegner Tirpitz preist. Valen- lin wehrt den Angriffen aus den Reichskanzler und weist auf die eigenartige Zahlende Handlung durch Tirpitz hin, über dessen„höhere Mathematik" auch s. Zt. gewisse Gerüchte im Umlauf waren. Nach durchaus freundschaftlichem Auseinandergehen bringt Eoßmann die vertraulichen Aenßerungen als Protokoll, das aber Valentin nicht gesehen hat, zu Papier und sendet diese vertraulichen Aeußerungen an Tirpitz, an das bayerische Kriegsministerium und ist die große Oeffentlichkeit-. Diesen schweren Vertrauensbruch als Mensch und Re- dakteur hat Coßmann selbst zugeben müssen. Er drängt dadurch Valentin in«inen Exiftcnzkaiilpf. In seiner Abwehr schreibt nun Valentin dem Coßmann einen Brief, der aber in der Form zu weit .geht und dadurch Coßmanm Gelegenheit zu einem B c I e i d i- gungsprozeß gibt. Durch einen plötzlichen Schivächeanfall und um dem Auslände kein Schauspiel zu bieten, läßt sich Valentin in dem für ihn günstigen Prozeß zu einem für ihn ungünstigen Ver- gleich drängen. Dies der Fall Coßmann. Im Fall Below hat der alldeutsche G che i iura t Below es verstanden, seinen jüngeren Fach- ckollegen beruflich völlig zu ruinieren durch anonyme Verösfentlichnngen in alldeutschen Zeitungen und durch ein« unbe- rechtigte häßliche Weitergabe der kultusmimsteriellen Verfügung an eine alldeutsche Korrespoirdcn�. Popert gelangt Nun zu der berechtigten Forderung, daß Valentin dir venia legendi sofort zurückgegeben werden muß, da jede rcchr- liche und sittliche Grundlage dazu fehlt, Valentin die Lehrbcrech- tigpug vorzuenthalten. Popert fordert weiter, daß Baden die Recht- losigkcit der außerordentlichen Professeren und Privatdozcntcn durch ein Gesetz aufhebt, wie cS Preußen schon längst getan hat. Schließ- lich verlangter die Eröffnung eines Disziplinarverfahrens gegen Geheimrat von Below. Es muß festgestellt werden�daß es einfach unglaublich ist, daß an einer deutschen Universität die akademische Lchrfteiheil- derart verletzt, einem Manne seiner Privatmeinung wogen die Stellung geraubt und bis heute noch keine Gelegenheit gefunden wurde, das an ihm begangene Unrecht wieder gutzumachen. Es ist ein« Pflicht des demokratischen Badens, Veit Valentin zu seine in Recht zu ver- Verbot von Passagierflügen. Kopenhagen, 17. Juli. Das dänische Justizuiiiiisteriuw hat ein zeitweiliges Verbot gegen Passapierflüge erlassen, d. h. Flüge mit anderen Personen als denjenigen, die zum Bedienen der Maschine notwendig sind. Ausländische Flieger, die vom Ausland nach Däne- mark, fliegen wollen, müssen beim Justizministerium um Erlaubnis hierfür nachsuchen, was gleichzeitig mit dem Ersuchen um Paßvisum geschehen kann, wenn ein solches für die Einreise erforderlich ist. Snöustrie unö ßanöSI. Börse. Im Anschluß an die GNdstüssigkeit und die neuerliche Steige-, rung der Kriegsanleihen auf 84 Proz. eröffnete die Börse in ziem- sich s e st e r T e n d c n z bei allerdings ruhigem Geschäft. Im späte- reu Verlause verstimmten die Streikandrohuugen siir nächsten Mon-. tag, doch trat schließlich erneut eine Erholung ein. Besonders bevorzugt ivaren Valutapapiere,:n erster Reihe Türkische Tabak-Aktien und Orientbahn. Montan werte waren wenig einheitlich, Schiffahrts- Aktien leicht abgeschwächt. Ebenso er! itten Farbwerte erneut K u r S e i n b u h e u. Am Rüstung-- aktienmarkt waren Deutsche Waffen stärker rückgängig, Rheinische Renten waren behauptet; Kriegsanleihen gaben später wieder aus 83Ä Proz. nach. Tos RcichSwir�chaftsministerium ist augenblicklich damit be- schäftigt, Außenhandels stellen, welche die Ak-sfuhr deut- scher Waren und die Wiodcverkäwpfuug des Wellhandels für Deutschland fördern sollen, für die verschiedensten Industrien zu-errichten. In den nächsten Tagen finden Besprechungen mit den ein- zelnen Vertretern der einzelnen Jndustrieverbände statt. GeoWerlm Stellungnahme der Unabhännigen zur Eiuheitsgemeinde tSrost-Verlin. Die unabhängigen Kommunalvertreter beschäftigten sich gestern mit der Neldorqanisatiou Groß-Berlins. Stadtverordneter Kurt Rosenfeld stellte sich aus den Boden des Gesetzentwurfs, der die Schassung einer Einbeitsgemeinde Groß-Berlins vorsieht, machte jedoch eine ganze Reihe von Abänderungssorderungen zu den ein- zelnen Bestimmungen der Vorlage geltend. Bor allem bemängelte er, daß der Gesetzentwurf keinerlei Bestimmungen über die kam- inunalen Arbeitcrrä-te enthalte. Alle Versuche, die Arbeiterräte zu beseitigen, würden aber aus die Dauer vergeblich sein, da der Rätegedanke in der Arbeiterschaft bereits viel zu tief Wurzel ge- faßt habe. Auf die einzelnen Bestimmungen der Regicrungsvor- läge eingehend, bezeichnete Dr. Rosenfeld die für das zukünftige Eroß-Bcrliu gezogenen Grenzen als zu eng; er verlangte eine Ab- grenzung. die für eine großzügige Entwicklung der künftigen Ein- beitsgemeinde ausreichende Möglichkeit wäre. Die Abgrenzung deS Gesetzentwurfes sei zum großen Teiwganz willkürlich. Fütz die Verwaltung der zukünftigen Einheitsgeminde fordert« der Redner anstelle des bisherigen Zweikammersystems das Einknmmer- shstem. Anstelle des Magistrats soll lediglich ein Verwaltungsaus- schuß als ausführendes Organ der Stadtverordnetenv�rsammlunz treten. Die auf fünf Jahre vorgeschlagene Wahlzeit der Stadt- - verordneten hält der Referent als viel zu lang, ein« zweijährige Amtsperiode wäre selbst mit Rücksicht darauf, daß ein zu häusiger Wechsel im Interesse der Verwaltungsarbeit nicht zweckmäßig sei, ausreichend. Der Wahl unbesoldeter Magistratsmitglieder, wie sie die' Regierungsvorlage vorsieht, steht der Redner ablehnend gegenüber, weil unbesoldete Ehrenämter zu einem Privileg der Besihenden werden inüßtew und auf diese Weise der Afheiterscfiafff die Möglichkeit zur Mitarbeit im Magistrat genommen werde. Die besoldeten Mazistratsinitglieder dürften höchstens auf sechs, statt £uf zwölf Jahre gewählt werden. Als Voraussetzung für das Wahlrecht zur Stadtverordnetenversammlung müßten die Bestim- mungen für die Wahl zur Nationalversammlung genügen, weitere Beschränkungen, wie sie die Vorlage enthält, lehnt de« Redner ab. Auch eine Erhöhung der mit 186 vorgesehenen Zahl der Stadtver- ordneten der Einheitsgemeinde Groß-Berlin hält Dr. Rosenfell» siir zkveckmäßig, wenn auck» selbstverständlich nicht jede Gemeinde einen eigenen Vertreter haben könne. Das Bestätigungsrecht, das dem Minister des Jnneim nach der Regierungsvorlage vorbehalten wird, müsse völlig beseitigt werden. Die Zahl der Magistratsmit- glieder dürfe aber nur durch die Bürgerschaft erfolgen. Zu den Tistriktsversammlungen, die für die einzelnen Bezirke der neuen EinheitZgemeinde vorgesehen sind, müßt« unbedingt jede zu den einzelnen Bezirken gchörioe Gemeinde einen Vertreter entünden dürfen. Die infolge der Schaffung des einheitlichen Groß-BetlinS überflüssig werdenden Beamten, dürsten selbstverständlich nicht auf Ke GtraHe gesetzk werbe«. Ans die verechkkgien Fnkeressen Meftt Beamten müsse jede mögliche Rücksicht genommen werden, ihnen seien jedoch die Interessen der Gescrmtgemeinde unter allen Um-. ständen überzuordnen. Die Idee der Schaffung einer Gesamt- gmeinde lehnte Dr. Rosenfeld auf daZ entschiedenste ab, da eine solche Regelung nur Anlaß zu fortgesetzten Reibungen zwischen den einzelnen Gemeinden geben würde. In der Aussprache stimmten die Redner dem Gesetzentwurf auf Schaffung einer Einheit-- gemeinde Groß-Berlin zu und äußerten verschiedene Wünsche auf Abänderung einzelner Bestimmungeit im Sinne der Ausführungen des Referenten. Von einem Diskussionsredner wurde ein Antrag «ingebracht, daß in denjenigen Gemeinden, in denen kommunale Arbeiterrche beseitigt worden sind, alle unabhängigen Stadtverord- neten und Gemeindevertreter auf die Ausübung des Amtes ver- zichten sollten. Der Antrag, der vom Referenten und auch alleu Rednern als verfehlt und unzweckmäßig bezeichnet wurde, wurde der Parteiorganisation zur Erledigung überwiesen. In seinem Schlußwort stellte der Referent fest, daß die unabhängigen Ge- meindevertreter mit dem kommunalen Ausschuß der Partei ge- schlössen auf dem Boden der Einheitsgemeinde stehen. Vollversammlung der ArSetter- und Soldatcmätc Groß- Berlin S. P. D. und D P. morlie» Sonnabend, 11 llhr, in Haverlands Festjälcii, Neue Friedrich- straßr 35. Tagesordnung: 1. Bortrag des Gen. Dr. Striemer über ZwavgS- Syndikate, Trusts und Gcmeinwirtschajt. 2. Arbeitcrrats-Angrlcgenheiten. J. 21.: H aase. Achtung Pnrteigeno�en'. Immer wieder wirb in de» Betrieben von den'Inabhängigen und Äommuniften für Sammlungen zu einem UnterstützimgSfond, angeblich für die Opfer der Januar-»nd Märgunruhrn, Stimmung gemacht. Da dieser Fond nur de» Zwecken der vorgenannten Par- teie» dient, ersnchc» wir unsere Parteigenossen, sich an dieser Sa m mluag nicht zu beteiligen. Tie Behaup- tung, daß der K'ommisiion zur Verwaltung dieser Gelder auch Parteigenossen von uns aiigcl.'örcn, entspricht nicht der Wahrheit. Die Kommlssion besteht nur aus Nnabhängigen und Kommunisten, da unsere Parteigenossen ausgetreten sind, weil sie mit dem Verhalten der Kommission und der Verwendung der Gelder nicht einvcrstan- den waren. Also noch einmal, keinen Pfennig auf diese Listen. Für unsere Parteigenossen werden Sammellisten im Bureau des Bezirksverbandrs, Bellevuestraste 7, ansgegchcn. Ter Vorstand des VezirlSverba.ndcs Grost-Ttrlin und die Obleute der Berliner Betriebe der S. P. T. Wucherische Forderung eines Arztes. Uns wirb geschrieben: Am Montag erkrankte mein söhn, jedoch war es mir erst möglich, abends um HHIV Uhr einen Arzt'zu bekommen. Der Arzt erschien gezren 10 Uhr mit einem Auto und machte ncich kurzer Untersuchung eine Morphiumeinspritzung. Insgesamt bat die ganze Konsultation 10—15 Minuten in Anfvnwb genommen. Dafür verlangte der Arzt 100 Ms. Honorar und 8 Ms. für das Auto. Ich habe die Summe bezahlen müssen, weil-ich meinen Sohn Helsen wollte.'... Was macht aber ein armer Mann, der solche �Honorare nicht 'zahlen kann? Müssen seine Angehörigen dann elend zugrunde gehen? Beseitigung eines BerkehrShindernisseZ. Dazu wipd imS ge« ichrieben: Zur Beieiiigung des Verkebr-hindernisses des � alten FriedbofeS am PptSdamer Bahnboi hat die Eisenbahndireftion be- reits im Jahre 1014 einen Wetibewerb zur Neiigeiialtung dieleS Platzes unter Beseitigung des Friedhofes ausgeschrieben. Der Wettbewerb mußte wegen Mangels' an Beteiligung stnfolge deS Krieges unbestimmt verschoben werden, ist aber inzlvischeu von neuem ausgeschrieben worden. Hieraus ist zu entnehmen, daß die Eisenbahnverwaliung als Eigentümerin des Platzes ernttbas« be- mübt war und ist, den auch ihr bekannten Uebelständen Abhilfe zu schaffen. Hoffentlich geschiebt das aber recht schnell. Auf eine Familientragödie läßt ein doppelter Leichenfund schließen. Vor dem Hcruse Kronprinzenufer 17 wurden die Ltfichen. einer etiva 35 bis 40 Jahre alten Flau und eines 12 bis 14 Jahre alten Mädchens aus der Svroe gelandet Wer die Toten sind, ließ sich bisber noch nicht-feststellen. Tic Frau ist 1,60 Meter groß, das Mädchen 1,28 Meter, beide haben blonde Haare. Erster« trug ein weiß und blau-punktiertes Kleid, weiße Unterwäsche, schwarze Strümpfe und schlvarze Halbschuhe, letzteres ein weißes Kleid, weiße Unterkleidung, schwarze Strümpfe.und schwarze Schuhe. Die Frau tug arS Schmuck zwei Ohrringe �in Halbmondform, ein Armband und eine Brosche mit blauem Stein, außerdem einen Trauring. Ihr Taschentuch ist K. gezeichnet. Das Kind trug eine rote Perlenkette um den Hals. Beide Leichen baben erst ganz kurze Zeit im Wasier gekpegn. Zweifellcs handelt es sich um Mutter und Tochter, die geemeinsam in de Tod gegangen sind. Die Leichen befinden sich im Schauhause. Selbstmord eines IZjährigcn Schülers Vor dem Grundstück Kottbuser Damm 60 wurde gestern nachmittag die Leiche des 13 Jahre alten Sohnes Erich des SchÄimachers Hildebrandt aus der Grimmstraße 24 gelandet. Der Knabe scheint mis Furcht vor Strafe den Tod im Wasser gesucht zu haben Ein Schulkamerad von ihm hatte seinem Vater 170 Mk gestohlen und ihm davon Geld abgegeben, das beide dann gemeinsam vermachten. Als der Beswb- lene den Diebstahl entdeckte und erfuhr, daß auch der Schüler Hil« debrandt von dem gestohlenen Gelbe etwas abbekommen hatte, be- gab sich dieser zu dessen Vater und verlangte, von diesem das Geld zurück. Der Knabe befürchtete jetzt Straft twn ftinem Vater, entfernte sich cms der elterlichen Wohnung und blieb verschwun- den, bis man gestern seirnp Leiche landete. Friedrichsfelde. Einrichtung einer Hsklitags-Ferienkolonie. Der Gemeindevorstand— Abteilung kür Juaendfürsorge z be- absichtigt, vom.Montag, den 21. Juli, ab für schulpflichtig« Kinder der Gcmeinde-Einwohner eine HalbtagS-Feriemkolonie einzurich- ten. Die Kinder sollen unter geeigneter Leitung und Aufsicht un- gefähr von Wittags 1 Uhr bis abends 7 Ubr im Walde spielen usw, Nebenher gedacht ist auch, den fiindcrn zunl Veiver eine gpeigneie Erfrischung zu reichen. Trinkbecher sind mitzubringen.— Treffpunkt für den Ort? teil Karlshorst um 12% Uhr Schulhof der 3. Gemeinde schuft. Treskowallee 70. für den Ortsteil Friedrichs- felde 12% Uhr Schulhof der 2. Volksschule, Wilhelmstr. 30. Die Teilnahme ist kostenfrei. Ringkampf Vdmiratsvalaff. Der neneingetrctene Lechleitner wirft Khriloff in g Minuten drnch Roulade. Die beiden ehemaligen Amateure Grüneisen und Ladewig standen sich 20 Minuten gegenüber ohne daß ein Resultat erzielt winde. Schwarz unterliegt gegen den sebr robust ringen- den Krawabki nach 13 Minuten durch Unwrgrisf von vorn. Der technisch heroorr-aaende Schwarzbauer siegt über Stcgemmn in 6 Minuten durch Untergriff von vorn. 2taatswcrksiättcn Spandau. Für die stellungslosen Angestellten findet Auslunstsrrteilung jeden Dienstag und Freitag von 3—5 Uhr nach. mittags im Reslaurant Butler, Breiteslraße 37, statt. Die Angestellten-AuSschüsse. Vereine unK Versammlungen. Reidiöbund der Invaliden usw. Ortsgruppe Kroß-Derltn. Die Rcchtsaliskuusts'icllc iür Rat- und Hiliesucheude befindet sich in unserer Geschäftsstelle, Bertin N0, Raumerftr. 34. beim Genossen Schriftsteller Hugo Stibke. nachmittags van 5—7 Uhr. Invaliden ivollm sich mit allen Rcutenpapieren dorthin begeben.— Bezirk Charlotten bürg. Sonnabend, den lg. Juli. Zahlabcnd in den bekannten Lokalen.— Bezirk T c m p e l b o s. Monlag'-i, Uhr im Berlar» üilung-lolah Berliner Str. 100 1 Zahl- und Gesclligteil-abcnd. Gäste willlommer� GeweeWObeuMM Die zentrale« Verhandlungen im Holzgewerb« endgültig gescheitert. Tu» dem Bureau der Berliner OrtSverwalwng de» Holzar» beiterverbande» wird uns geschrieben: Die schon wiederholt ergebnislos verlaufenen zentralen?er- Handlungen über einen Reichstarif für d«s deutsche Hol�gdtverbe wurdenen. lehnten sie rundweg ab. Von einem Mitbestimmungsrecht der Arbeiter bei Einstellungen und Entlassungen wollten die Unter- nehmer überhaupt nichts wissen; nur bei Entlassungen in größerer Zahl, die sich durch Arbeitsmangel notwendig machen, soll der Ar- Heiterausschuß niitredeck können. Den Standpunkt der grund- sätzlichen Ablehnung der Ferien gaben die Unternehmer später auf. Sie erklärten sich bereit, höchstens bis zu 6 Tagen Ferien ge- währen zu wollen. Der Anspruch soll aber erst beginnen nach drei- jähriger Beschäftigung in einem Betriebe. In diesem Jahre könne von Ferien überhaupt keine Rede mehr sein. Einer Verkürzung der Arbeitszeit in der 1. und 2. Tarifllasse auf 46, in der 3. und 4. auf 47 Stunden stehen die Arbeitgeber ebenfalls ablehnend gegenüber. Slijf die Hinweise, daß in verschiedenen Städten diese und noch eine kürzere Arbeitszeit schon bestehe, wurde bemerkt, daß das n?rr auf gewaltsame Weise durch spartakistische Umtriebe herbeigeführt wurde. Die Regelung des Arbeitslohnes, so wie sie im Ver- tragSentwurf gefordert wird, fand ebenfalls nicht die�Zustirnniung der Arbeitgeber, f" lohn festgesetzt wer! 1,60 M., Hilfsarbeiter anderen S Klassen mit entsprechender Abstufung von IS und 10 Pf. — AIS Mindestlohn wurde gefordert für die 1. Klasse: Facharbeiter LL0 M., Facha rbeiierinnen 1,80 M-, Hilfsarbeiter 1,90 M., HilfS- arbeiterinnen 1,10 M., ebenfalls mit Abstufimg in den übrigen Klassen.— Eina Teuerung Sjulage von 40 Pf. pro Stunde»uvfce ebenfalls abgelehnt. Auch in der L e h r l i n g» f r a g e wollten die Arbeitgeber kein« Zugeständnisse machen. Um der unerhörten Ausbeutung der Lehr- linge einen Riegel vorzuschieben, wurde gefordert, d?« Lehrzeit von 4 auf 3 Jahre herabzusetzp» und für das erste Jahr eine Eni- schädigung von st«, für das zwe«»% und für das dritte Jahr die Hälfte des Durchschnittslohnes eiftts Facharbeiter» zu befahlen. Bei der Regelung der Aufgaben der ArbeiterauSschüss« erklärten die Arbeitgeber, erst die Verabschiedung de» Gesetze» über die Betriebsräte abwarten zu wollen. Nachdem so die Verhandlungen auf einen toten Punkt ange- langt waren und ernstlich zu scheitern drohten, wurde seit«?» de» unparteiischen Vorsitzenden der Vorschlag gemacht, die Frage der Arbeitszeitverkürzung einem Schiedsspruch durch da» Reichsarbeit»- amt zu unterwerfen, über die übrigen strittigen Punkte weiter zu verhandeln.»'Nach langen Einßolberatungen wurde dieser Vorschlag beiderseitig angenommen und die Verhandlungen fortgesetzt. Diese Verhandlungen mutzten, nachdem wiederum fast zwei Tag« lang hin und her geredet wurde, al» endgültig gescheitert abgebrochen werden._ Neuer Tqrifabschlutz der WeitzglaSarbetter. Die mit der llnternehmeroigan iscrtion abgeschldssene Tarif- gemeinschast für die WeißqlaS Industrie war am 30. Juni abge- laufen. ES kam nicht zu einem neuen Abschluß, weil die Arbeiter- fchaft die Forderung der Abschaffung der Akkordarbeit neben einer Reihe anderer Fordecirngen aufgestellt hatte und die Unternehnier sich in kategorischer Weise dagegen erklärten. Mit Ablauf der Tarifgemeinichaft kam e» zu einem größeven Ausstand der Weiß- glaSmacher und Schleifer in der Ober- und Niederlausitz sowie zu Streiks in Sachsen. Die neuen Verhandlungen betrafen noch einmal die Forde- rungen der Arbeiterschaft. Neben der Forderung der Abschaffung de» Akkordsystem» war auch die Abschaffung des Zwischcnmeister- systemS gefordert worden, sowie Festsetzung von Mindestlöhuen und andere». Eine Einigung zwischen den beiden Parteien konnte am ersten BerhandlungStage nicht erzielt werden, vielmehr drohlen die Verhandlungen wiederum völlig zu scheitern. Es wurde dann mit Zustimmung beider Parteien der Vorsitzende deS GewerbegerichtS in Dresden als Unparteiischer hinzugezogen. Jedoch gestalteten sich die Verhandlungen auch dann noch recht schwierig. Mehrfach wurde getrennt beraten. Der Beseitigung der Akkordarbeit setzten die Unternehmer den größten und hartnäckigsten Widerstand entgegen. In einer Gonderbesprechung der Delegierten deS GlaSarbeitcrver- bände» wurde sodann beschlossen, die Abschaffung der Akkordarbeit für diesmal abzusetzen, dafür sollte dann auf andere Welse der und Zuschlägen berechnet, die bis zum 1. April 1919 gezahlt wurden, kommen folgende Prozentzuschläg«: Bei einem Wochenschlußverdi enst bis TO M. 66 Proz., bisher 30 Proz.: über 70 bi» 100 M. 45 Ptoju bisher 25 Proz.; über 100 bis 120 SR, 85 Proz.. bisher 20 Proz.: über 120 bis 150 M. 20 Proz.. bisher 10 Proz.; über 150 bi» 175 M. 16 Proz.; über 176 M. 10 Proz. Die Bezahlung der Hilfsarbeiter erfolgt In Zukunft durch die Firma, die Berechnung deS Lohnes erfolgt in alt« Weise. Damit ist natürlich daS üble Zwifchsmneistersystem nicht beseitigt, aber eS sind ihm die G-fftzähne ausgezogen. Die Glasmacher und Schleifer haben in Zukunft die sozialen Lasten für die Hilfsarbeiter nicht mehr zu zahlen, sie haben ferner'mit der Bezahlung der Feiertage und Ausfallschichten nicht» mehr zu tun. so daß der häßliche Streit über dies« Fragen endlich erledigt ist. Die Arbeitslosenunterstützung bleibt bestehen. Werden dagegen die Arbeiter in Tagelohn beschäst tigt, so erhalten sie 70 Proz. de» durchschnittlichen Verdienste? der letzten vier Wochen. Wo höhere Bezahlung bisher erfolgte, bleibt dies« bestehen._ BuchdruckerstreikS w der Schweiz und in Schweden. Wie der.Korr.' berichtet, sind weg«? Nichtbewilligung der riß A Nur scheinen kommen ge! da» Papier vi hat feit Erscheinen einstellen müssen. der die Arbeit niedergelegt. und einige andere Arbeiterblätter er- Verleger baben mit den Papierfabriken ein Ab- ■en, nach dem de» nachgebenden Druckereibesitzern weichen soll. Gerichtszeitung. Di» vadestude al» Lehrwerkstatt. In dem Badezimmer(zu- gleich Toilette!) seiner Wohnung beschäftigt« der Zahntechniker S. drei Lehrlinge mit 25 SM. MonatSenigeld'. Al» der Lehrling K. gegen einen Diebstahlsverdacht protestierte, sich der Verdacht als unbegründet herausstellte, K. aber weiter als verdächtig angesehen wurde, blieb er auf Veranlassung seine» Vater» der Arbeitsstelle fern. Do» betrachtete sein Lehrherr al» Kontraktbruch und ver- weigerte da» Entgeld. Nun schritt K. zur Klage, die zu seinen Gunsten entschieden wurde mit folgender Begründung: Es sei drei Menschen unmöglich, in einem Raum zu arbeiten, der kaum für eine Person Platz böte. Außerdem sei ein Lehrgeld von 25 M. den fetzigen Verhältnissen überhaupt nicht angemessen. DaS Fern- bleiben von der Arbeitsstelle sei nicht al» Kontraktbruch anzusehen, da einem Menschen nicht zugemutet werden könne, bei derartig ungesunden Verhältnissen zu arbeiten. Der exmittierte Beamte. In einer Versammlung de» Beamten- rateS waren von zwei Plötzcnseer Gefängnisbeamten Beschuldi- gungen gegen den Direktor der Strafanstalt, insbesondere über dessen sittliche und dienstliche Führung erhoben, von einer Günst- lingswirtfchaft gesprochen.und behauptet worden, nur diejenigen seien Freunde des Direktor?, die pünktlich die Betstunde besuchen. Geyen zwei Beamte, welche diese Beschuldigungen zum Vortrag ge- brächt hatten, ohne sie sich zu eigen zu machen, cuutd« daraufhin ein Disziplinarverfahren angestrengt. Beide wurden auf balbeS Gehalt gesetzt und außerdem aufgefordert, sofort die Dienstwohnung zu räumen. Einer der Beamten erhielt zufällig durch einen Verwandten ein« Wohnung, während der Ge- sänynisbeamte B. trotz nachweislich lebhaftester Bemühungen keine Unterkunft fand. Als Vertreter de« FiSkuS strengte nunmehr der Oberstaatsanwalt beim Kammergerickst die ErmissionSklage gegen V. an irud das Amisgericht Berlin-Wedding gab der Kloae. da die Behörde formal im Rächt war, auch statt. Eine» TagcS rückte nun. obwohl das Disziplinarverfahren noch schwebt« und daS Re- sultat sehr zweifelhaft war, ein Gerichtsvollzieher an, um auf Grund deS Urteils die gewaltsame Räumung durchzusetze». In- zwischen war sedoch vom RechtSanwalr Dr. JacgueS Abraham unter Bezugnahme auf die kürzlich länger befristete Verordnung betr. den Schutz von Kriegsteilnehmern bei Voll- stvSlkunaen der Antrag gestellt worden, die Vollstreckung des Urteil? gegen B. aufzuheben, und, da diesem Antrage stattgegeben worden war, mußte der Gerichtsvollzieher unverrichtcter Sache wieder ab- ziehen. Gegen da» Vorgehen der in Frage kommenden Personen rst bei der zuständigen Regierungsstelle Beschwerde erhoben. Für die Postabonneuten liegt die illustrierte Wochen- schrift„Volk und Zeit" der heutigen Nummer bei. öriefkasten üer Neüaktion. I«d«r sltr d»n Briefkasten bestimmten Anfrage flige man einen Buchstaben «ine Rummer bei. Brieflich, Auskunft wird nicht erteilt. Eilige An- kragen trage man in der Juristischen Sprechstund«, Lindenstr. 8, 1. Hof par> und terr« Hufs, vor. Schriftstitck« und Bertritge find mitzubringen. y. H. 18. Fragen Sie bei Herrn Mar Schulze, Sharlottcnburs' Krummcstrahe 47 III an.— B. Li. IVO. Fragen Sie beim llrieg?- ministeriili» an.— Larrelt Z. 5. Ein solche» Recht besteht für die Ge- meinde leider nicht. Tin diesbezüglicher Autrag wäre an den Staatskom- missar für da» Wohnungswesen zu richten. L. Ja, eine diesbezügliche Notiz ist am Ansang des Monat» im.Vorwärts' erschienen.— !ig. Schroeder, Sochfirag« Pelggarultuee«! Wunder» bar« üreuzfüchse von WO Mark onl Al-okasüchs« 73 Marli«cht« Rotfüchse Sil Mark!«legante Silberfüchse, Sletsüchse, ffobelfächsc sowie all« anderen Pcizarten in großer Auswahl zu aller- billigste» Eommerprcifenl SerrenanzÜgel Herrenpale» totsl Alpaeataschen! Schmuck. lachen! Lethhau»! ill strahe 7. llZarschauer- 114«« äSit ftia ig. J |t 9«. 1072* Sittgerlaugschiss, ffabrilat Wertheim,?,eittralbobbin, auch gebraucht«. ttaliekt, Rürnbergerstr. 64. ckhaufiee» ftraß« 78/74.__ 81« DezimalwaatN. tofe'.f agrii, Sewtcht» ltefert ab Borrat. illagn-e, Cbpentckerstrah« 71. 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