Nr.364.36.Ik!irg. Bezugspreis: SictteljäJliL 9,— 331t- monatl. S,— 2Rt frei ins Haus, voraus zahlbar. Poft- bezug: Monatlich 8,— 9)!t- ejH. fiu» stellungsgcbllhr. Unter Kreuzband für Deutfchiand und Oesterreich»Ungarn KLZ Mt- für das übrige Ausland 18 2ö Mt- bei täglich einmal. Zustellung 82ö Mt. Postbestellungen nehmen an Dänemart, Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schmelz. Eingetragen in die Pust-Zeinmzs-Preisliste. Der„Vorwärts� mit der Sonntags- veilaze»Volt u. ZelN erscheint Wochen- täglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adresse: MSozialöemofcal Berlin". Morgen Ausgabe. OG Oerlinev Volksblatt. Tentralorgan cler fo2ialÄemokraNfcken Partei Veutscklanäs. (iSpksnnZs) Anzetsfenprei», Die achtgelpaltene Zlonoareillezelle tastet l.Sv Mi-Kleine Anzeigen". das setigedruckte Wort So Pig. lzulässtg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort Zö Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzelgen das erste Wort tO Pfg. jedes weitete Wo« 20 Pfg. Worte Uber 15 Puchstabe» zählen für zwei Wo«e. Teueruugszufchlag 50°/» Familien- Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen ILO Mk. die geile. Anzeigen für die Nächste Nummer müssen bis C Ahr nachmittags im Hauptgeschäst. Berlin EW 68, Lindenstrahe 3, abgegeben werden. HeLffnet von 9 Uhr früh bis ö Uhr abends. Neüaktion unü Expedition: SW. b8, Linüenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morivpln«, Nr. KZI UV— 12137. Sonnabend, den 19. Jnli 1919. vorwärts-verlaI G.m.b. H., SW. H8, �inüenstr. Z. Fernsprecher: Amt Moristplatz, Nr. 117 2Z— 54. ilung der Kolonien. Versailles, 18. Juli. Tie Kommission, die die Verteilung der Kolonien vorzunehmen hat, hat gestern die in London begonnenen Arbeiten fortgesetzt. Es scheint nun- mehr festzustehen, dass Belgien einen Teil von Deutsch- Ostasrika erhält, dag es aber dagegen einen grösseren Teil der Kongokolonie, namentlich die am Tanganjyka gelegenen Teile an England abtreten mnss. Tie Engländer sichern sich dadurch einen direkten Weg vom Kap nach 5rairo. Tie Belgier sollen Teile der Kongokolonie mit drei Millionen Einwohnern abgeben und dafür von Deutsch-Ostafrika soviel erhalten, dass sieben Millionen Eingeborene ihrer Herrschast unterstehen werden. Es hat also den Änschein, dass sich die Engländer nun endlich, wie es längst ihr Wunsch war, in den Besitz des Llatangagebietes setzen werden. Sämtliche Verhaftungen aufgehoben» Grimmen, 18. Jnli.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärts".) Nach glaubwürdiger Nachricht sind sämtliche Ver- haftuiigcu aufgehoben._ die finanziellen Seöingungen für deutsch-Gefterreich. Haag, 18. Juli.(HR.)-Taily Telegraph" erhält Einzelheiten iiber die finanzi.'llcn Bedingungen, welche Oesterreich auferlegt werden. Im großen„nd ganzen stimmen sie mit den Bedingungen für Teutschland i-brrein. Es wurde eine besondere llnterkommission für Schadenersatz gegründet. Diese Kommission wird eine allge- meine Festsbellung über die Frist, innerhalb welcher Oesterreich zahlen mutz, vornckmen. Der ganze Termin lvird 30 Jahre dauern und am l. Mai 191g beginnen. Sämtliche wirtscksaftlichen Hilfsquellen Ocst�ieichs. wie z. B. die Handelsflotte, Nohmaterialicn und alles, was für den mate- ricllen Schadenersatz notwendig ist, mutz zur Verfügung der ollticrten und associiertcn Regierung bleiben. Waren, die durch österreichische Truppen verschleppt worden sind und die auf österreichischem Gebiet aukgefunden werden, müssen sofort wieder abgeliefert werden, ohne datz dieser Wert in Abzuq kommt.» Es werden diesen Bestimmungen 6 Beilagen hinzugefügt. In der ersten wird der Charakter der Schäden festgestellt, welche von Oesterreich wieder gutzumachen sind. J�n der zweiten Beilage wird festgestellt, wie die Kommission für Schadenersatz zusammengestellt wird. In der dritten Beilage wird das Prinzip des Schadenersatzes Tonne für Tonne festgelegt. Oesterreich muß innerhalb zweier Monate seine Handelsflotte und Fischerflotte ausliefern. In der diertcn Beilage werden die Zahlungen, tvelche Oesterreich in natura liefern mutz, behandelt. In der fünften Beilage wird die Abgabe von Rohmaterialien festgelegt und in der sechsten Beilage ivird Verzicht auf Unterseekabel und Telegraphenkabel der österreichisch- ungarischen Regierung geleistet. Diese Kabel werden Italien überwiesen. Man sieht, die Entente ist konsequent, dieselben bru- talen Bedingungen wie Deutschland werden Deutschösterreich auferlegt.__ Zevorzugte Entlassung öer Schleswig-Holstekner unter üen Kriegsgefangenen, 'Versailles, 18. Juli. Die französische Regierung ist durch eine deutsche Note darauf hingewiesen worden, datz»och dem Friedens- vertrag den Militärverionen der deutschen Armee, die aus der Ab- siimmnngszone in Schleswig stammen, zwecks Teilnahme an der Abstimmung die Rückkehr an ihren HeimatSort zu ermöglichen sei. Da bereits zehn Tage nach dem Inkrafttreten des Vertrages die Abstimmungsfrist zu laufen beginnt, so wird eine Durchführung der"bigcn Bestimmungen für die Gefangenen auch Nordschleswigs in Fraoe kommen. Tie französische Regierung wurde deshalb ge. beten, die notwendigen Matznahmen in dieser Richtung zu treffen. Hebergriff öes HrenMuhes. Eindringen in die Ttadtverordnctensitzung. Königsberg, 18. Juli. Heute abend drangen Grenz- lchutzsoldaten in den StadtvcrordnctcnsihungSsaal ein und holten Zwei unabhängige Stadtverordnete heraus. Einer von ihnen, der Redakteur der unabhängigen„Freiheit" ist, hatte in verschiedenen Artikeln die Grenzschub- und Rcichswehrtruppen angegriffen. Dir Coldat«» führten die beiden Stadtverordneten auf die Estrade dcS .�.azlstratsfiyunzsfaalö, wo fie in einer Erklärung die Angriffe gegen die Reichswehr und Grcnzschubsoldatrn zurücknehmen mußten. Sämtliche Parteien der Stadtverordnetenversammlung protestierten auf das schärfste gegen diesen Borgang. Die Sitzung wurde geschlossen. Tie Nnruhen pflanzten sich aus die Straßen *.. �"ge. die hauptsächlich aus Arbeitern bestand, gegen die �.oldaten>-.tellung nahm, die sich durch einige Schreckschüsse zu wehren suchten. . Mit kemer noch so grossen Empörung läht sich diese Gelvalttat entschuldigen- Dir fordern strengste Untersuchung und Bestrafung derer, die oas neue Heer durch solche Scherndtai.cn beschmutzen. Der Tiger verteiöigt feine öeute. Clemenceau über die„militärischen Sicherungen" in der Kammer. Versailles, 18. Juli. Vor dem Friedensausschutz der Kammer behandelte Clemenceau gestern die Frage der militl- ischrn Sicherheiten für Frankreich am linken Rhcinuser und erklärte, Marschall Fach habe vorgeschlagen, Brückenköpfe am Rhein zu errichten, die von den Ententetruppen gehalten werden sollten, i�as, was der Friedensvertrag vorsehe, genüge für Frankreichs Sicherheit, selbst ohne Brückenköpfe, die Frankreich schlietzlich selbst hätte besetzen müssen und die auch politische und militärische Schwierigkeiten nach sich gezogen haben würden. Nach seiner Ansicht gebe die vor- gesehene militärische Hilfe Englands und Amerikas im Falle einer deutschen Herausforderung(I) Frankreich genügend Sicherheiten. Wenn diese Sicherheiten schon im August 1914 vorhanden gewesen wären, wäre es nach seiner Mcinung>nicht zum Kriege gekommen. Die Sicherheit sei so grotz, datz Frankreich durch Gesetz die militä- rische Dienstzeit auf ein Jahr herabsetzen könne. Der Minister- Präsident erklärte sich schlietzlich dereit, die beiden Fochschen Briefe sowie den Text des Einspruchs, den Marschall Fach am 6. Mai in der Vollsitzung der Friedenskonferenz hinsichtlich der militärischen Bestimmungen des Friedensvertrages erhoben habe, dem Ausschutz zur Verfügung zu stellen. Clemenceau Iveigcrte sich aber» die Pro- tokolle der Friedenskonferenz auszuliefern.— Die beiden letzteren Mitteilungen bringt der„Matin" im Anschluß an den amtlichen Bericht über die gestrige Sitzung, aber mit einer Zensur- lücke von etwa zehn Zeilen. Clemenceau habe erklärt: „Ich habe mich mit allen Ihre» Kollegen, die zu mir gckrinmen sind, in meinem.Kabinett unterhalten. Ich habe ihnen nichts ver- heimliche Als Ebcf der Regierung habe ich nach der Verfassung die Pflicht, Verträge abzuschließen und sie im Parlament zu ver- treten. Ich habe meine Pflicht getan. Tun Sie die Ihrige." wozu öen Kommunisten öer 21. �uli gut ist. Geplante Ausrufung der Räterepublik in Wien. Wien, 18. Juli. lMeldung dcS Hollandsch NicuwSbureaiiS.s Wie die Mittagsposi erfährt, planen die Kommuniste» am 21. Jnli auS Anlaß des Generalstreiks die Ausrufung der Nätercpnblik in Wien. In den letzten Tagen hat die kommuitistischc Agitation wieder iniensiv eingesetzt. Die Kommunisten versuchen für diesen Zweck, Sichrrheits- und Stadtschutzwachc zu einer neutrale» Haltung zu bestimmen. Wieder ein Beweis dafür, datz eS den Kommunisten herzlich wenig um Wahrheit und Gerechtigkeit zu tun ist, sondern um Aus- schtachtung aller sich bietenden Gelegenheiten für ihre Parteizwecke. �luch Rumänien! Rumänischer Generalstreik am 21. Juli. Bukarest, 18. Juli.(Meldung H. N.) Die sozialdcmo- kralische Parte« Rumäniens hat beschlösse», als Solidantätskiind- gcbiing für das Entente-Proletariat am 20. und 21. Juli in den Streik zu trete«. An dieser Kundgebung werden die Eisenbahner nicht teilnehmen, da fie den militärische» Gesetzen unterstehen. Mikel 18 öer Reichsverfassung. Wie die P. P. N. hören, ist die Einigung über den wichtigen Artikel 18 der Neichsverfasiung, der die Trennung und Neubildung von Ländern innerhalb des Reichs behandelt, dahin erfolgt, datz zu diesen Gebietsänderungen bei Volksabstimmung Dreiviertel« Mehrheit notwendig ist, im übrigen aber ein einfaches Reichsgeietz, kein verfassungäuderndeS Reichsgesetz. DaS We> sentliche. Neue an dem Komproniitz ist die Einführung einer zwei« jährigen Sperrsrist, so datz eine Abtretung irgendwelcher Gebiete von Preutzen erst zwei Jahre nach Inkrafttreten der Verfassung ein- geleitet werden kann. In den Kreisen der preutzischen Regierung und der Preutzischen Landesversammlung ist dieser Kompromitz- Ausweg sehr günstig aufgenommen worden. Keine Deckung für Wilhelm II. Versailles, 18. Juli. Die Kommission für Verantwortlichkeiten hat gestern dem Obersten Rat der Alliierten über die Briefe Bethmann Hollwegs und des Feldmarschalls-H i n d e n- bürg, die die Verantwortung für die Handlungen Zwiser Wilhelms übernommen haben, berichtet. Wie die Pariser Ausgabe der„Taily Mail" wissen will, hat die 5iommission beschlossen, das Ver- langen der beiden Männer, für Wilhelm II. einzu- treten, abzulehnen._ Äquiödtion öer Neichsstelle für Gemüfe unö Gbst. Wie die„P. P. N." erfahren.wird die Reichsstelle für Gemüse und Obst ihre Liquidation in der Weise vollziehen, dass sie zunächst alle Tochtergesellschaften übernimmt und dann eine einzige Liqui- dation durchführt. Die Liquidation soll schon in den nächsten Tagen erfolgen. die pommerfche Junkerrevolte. Die agrarische Presse fährt fort, den klaren Sachverhalt in der Frage des Pommer schen L a n d a r b e i t e r« � streik§ zu verdunkeln. Ein grosser Teil der bürgerlichen Presse ist ihr dabei behilflich. Demgegenüber wolle» wir im folgenden die Gründe, den Verlauf und das Ende der Agrarierempörung in einer Darstellung schildern, die den Wert absoluter Zuverlässigkeit besitzt und den zwingenden Beweis für die Schuld der Junker und Junkergenossen liefert. Wir gehen aus von der Konferenz, die aus Veranlassung der Negierung iin O b e r p r ä s i d i u m in Stettin stattgefunden hat. Am Donnerstagnachmittag begannen dort unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten und im Beisein der Unterstaatssekretäre G r z e s i n s k i vom Kriegsminjsteruim und Dr. Meyer vom preussischen Ministerium des Innern, sowie Vertretern des preussischen Ldndwirtschaftsnnnisteriums, des Zentral- rats Berlin, des Deutschen Landarbeiterverbandes, des Ehrist- lichen Landarbeiterverbandes und Vertretern der Arbeiter- schaft und Bürgerschaft Stettins, Stralsunds und anderer Städte in Vorpommern souüe Vertretern des Geneial- komniaudos des 2. Armeekorps und des Pommcrschen Land- bundes Verhandlungen wegen der Verhäng» ng des Belagerungszustandes über Teile Vorpominerns und den Erlaß einer Verordnung betreffend den Arbeits- zwang gegen die Landarbeiterschaft. Bei den eingehend ge- führten Verhandlungen ergab sich, dass ein Grund z» r V e r h ä n g u n g de s Belagerungszustandes in Vorpommern nicht vorlag. Die im Deutschen Lan'darbeiterverband organisierten Landarbeiter hatten seit Monaten den Abschluss eines Tarif- Vertrages für die vorpommerschen Kreise bei den Arbeit- Gebern angestrebt. Das Zustanbekonpnen von Tarifoereiu- barungen war jedoch durch den Pommerschen Landbund bisher vereitelt worden, der in seinen Versammlungen offen er- kläpt hatte, dass er mit den Landarbeiterorganiiationeii keine Tarifverträge ab schli essen lverde. Schliesslich• war es Anfang Juli auf das Drängen der Arbeiter dock zu V e r h a n d l ss N g e n gekommen, die anscheinend zu einem guten Ende führen sollten. Im letzten Moment brachen die Vertreter des Pommerschen Landbundes die Verhandlungen ab unter dem Vorwand, erst die Zustimmung ihrer Auftrag- geber einholen zu müssen. Diese osfeustchüiche Verzögerung des Tarifobschlnsses hatte zur Folge, dass ans einigen Gütern im Kreise Franzburg die Arbeit eingestellt wurde. Diese willkommene Gelegenheit benutzten die im Pommer- schen Landbund organisierten Besitzer im Regierungsbezirk Stralsund und bombardierten den stellvertretenden Regiernngspräsidenten in Stralsund sonne das Generalkommando des 2. Armeekorps in Stettin am Freitag und Sonnabend mit Telegrammen, in denen vom Generalstreik der Landarbeiter, von Bedrohungen der Besitzer und Arbeitswilligen und blutrünstigen Dingen die Rede war. Schliesslich verstand sich der stellvertretende Regierungspräsident von Stralsund auf das Drängen dieser Kreise dazu, voni Generalkommando die Verhängung de? Belagernngsziistan- des für den ganzen Regierungsbezirk zu verlangen. Das G e n e r a l k o in m a n d o kam diesem Verlangen »ach und erließ ausserdem eine Verordnung betreffend den Arbeitszwang gegen die Landarbeiter, das Ver- bot von Versammlungen und das Verbot'des Aus- entHalts ortsfremder Personen in den Orten des Re- gierungsbezirks. Alles dies geschah ohne V e r st ä n d i g u n g und ohne Vor wisse n des Oberpräsidenten, obwohl Beamte des Oberpräfidiums in der Angelegenheit mitgewirkt hatten. Tie Folge dieser Massnahmen n>ar dann der Generalstreik in Stettin, Stralsund— in anderen Städten Vorpommerns stand er unnrittelbar bevor—, und B ü r g e r st r e i k gegen den Generalstreik in Stettin und Stralsund. Es wurde bei den Verhandlungen einwandfrei festgestellt, dass die Vcrhängung dieser ungesetzlicksen Mass- nahmen durch das Generalkomniando bereits am S o n n- abendnachmittag erfolgte, und daß merkloürdiger- weise sofort die umfangreichen Verordnungen ans grossen Plakaten gedruckt in allen Städten Vorpommerns angeschlagen werden konnten, obwohl die ersten Telegramme, die ein Eingreifen verlangten, erst am Tage zuvor und im Laufe des Sonnabends eingegangen waren. Diese v e rd'äch t ig e Eile, mit der die ganze Angelegen. heit im Generalkommando betrieben wurde, läßt die merk- würdigsten Schlüsse auf die vorher schon bestehende Ver- bind u n g zwischen dem Tenernlkommnndo und den Trei- bern dieses Junkerputsches im Pommerschen Landbund zu. Die Versammlung gewann am Schlüsse der sieben Stun- den? dauernden Verhandlungen die Auffassung, daß ein Grund zur Verhängung des Belagerungszustandes und der Arbeitszwangsverorduung nicht bestand. Die beiden mit Vollmachten versehenen Unterstaatssekretäre erklärten denn airch zum Schluß, daß der Belagerungszustand in der Pro- vinz Pommern einschließlich der Stadt Stettin nicht aufrecht- erhalten werden könne, und hoben den Belage- rungszustand auf. Hierdurch entfallen auch die Maß- nahmen, die auf Grund der ergangenen Verordnung gegen die Landarbeiter ergriffen sind, insbesondere etloaige Ver- lwftungen. Es wird auch darauf hingewirkt, daß Derurtei- langen auf Grund des bestätigten Belagerungszustandes (Stettin) wegen politischer Vergehen im Hinblick auf den Erlaß eines Strafverfahrens nachgeprüft werden. Gleichzeitig ist- im Einverständnis mit den Vertretern des(Generalkommandos die Zusicherung gegeben worden, daß in Zukunft Maßnahmen von der Bedeutung der Verhängung des Belagerungszustandes nicht ohne Zustimmung der Zivil- behörden und im Benehmen mit den Vertretern der Arbeiter- schaft getroffen werden. Die Vertreter der Arbeiterschaft haben die so- fortige Aufhebung des General st reiks zu- gesagt. Es wurde auch von ihnen anerkannt, daß nach dem Abschluß von Tarifverträgen, an die beide Parteien ge- Kunden sind, jeder Tarifbruch zu verwerfen ist, und daß namentlich ein- Tarifbruch während der Ernte ein Vergehen gegen die Gesamtheit ist. Zwecks Ueberwachung der Einhaltung der Tarifverträge und Schlichtung von Arbeits- itreitigkeiten werden unverzüglich Schlichtungsaus- s ch ll s s e auf Grund des Gesetzes vom 23. Dezember 1918 eingerichtet werden, soweit es noch nicht geschehen ist. Den Landrätcn ist aufgegeben, über das dieserhalb Veranlaßtc spätestens bis 19. August 1919 zu berichten. Tie Organi- sationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind schon bei den Vorbereitungen zu beteiligen. Der B ü r g e r st r e i k ist als beendet erklärt worden. Die anwesenden Arbeitgeber aus dem Ponimerschen Lanbbund, insbesondere auch der Direktor des letzteren, Herr v. Dewitz, erklärten, daß sie niemals gegen den Abschluß von Tarifverträgen sich erklärt hätten, und daß sie mit Eick- schiedenheit die Einhaltung der Verträge fordern. Maß- regclungen sollen nicht mehr stattfinden. Damit ist eine Bewegung beseitigt, die von der agrari- schen Presse geflissentlich den Landarbeitern, insbesondere dem Deutschen Landarbeiteroerband in die Schuhe geschoben wurde, die aber in Wirklichkeit einen etwas vorzeitig und recht täppisch unternommenen Versuch der pommerschen Land- junker darstellt, sich mit Hilfe williger Militärs der Land- arbeiterorganisätion zu entledigen und die frühere unheil- volle Gewaltpolitik der Agrarier im vollen Umfange wieder aufzurichten._ weitergreifen öes Draberaufstanües. Kämpfe um Tanger. Amsterdam, IS. Juli. Der„Times" wird aus Tanger ge- meldet, daß spanische Verstärkungen und inländische Truppen in aller Eile von Larrasch, Alkazar und Arzeila nach der Grenze des Distrikts Madras südlich von Tanger geschickt wurden, wo srlir heftig gekämpft wird. Dem Aufruf Raisulis an die eingeborenen Stämme, zu den Waffen zu greifen, wird überall Folge geleistet. Raisulis verfügt über ansehnliche gut ausgebildete und bewaffnete Truppen._ Italiens Heute. Haag, 18. Juli. Aus Paris wird gemeldet, daß die italieni- schen Ansprüche auf die österreichischen Rechte in Tientsin gelten Erfolg gehabt haben. Das österreichische Abkommen ist in seinen Einzelheiten noch in der Schwebe, eS wird versucht, heute eine Eni- scheidung über die politischen Bestimmungen zu treffen. Das große Zest. Der Kampf um üen Zrieöensvertrag in Amerika. Wilson klärt auf. Amsterdam, 18. Juli. P. R. meldet aus Washington, Wilson wird beule die republikanischen Senatoren einzeln empfangen und den Gegnern des Völkerbundes über alle Phasen der Friedens- konferenz Auiklärung erteilen.— Der New Dorker Korrespondent der„Daily News" meldet ieinem Blatte, datz mau in dortigen gut unterrichteten Kreisen der Ansicht ist, datz der Friedensvertrag vom amerikanischen Senat schwerlich vor Ende August rati« fiziert werden wird. Mehrheit für Ablehnung? Rotterdam, 18. Juli. iT. U.) Die„Morningpost" meldet auZ Washington, datz die Oppofilion im amerikanischen Senat eine Br« dingungSnote zur Ratifizierung des Friedensvertrages einbrachte, die S1 Senatoren zählt, das heitzi, drei mehr als für die Mehrheit erforderlich find. Die Republikaner werden folgende Abänderungen beainragen: 1. Ausdriicktiche Beiückiichtigung der Monroe-Lebre. 2. vorbebalt einer vollständigen Kontrolle über die innere ameri- kaniiche Politik z. B. die Emigration, 3. Klarstellung der ameri- konischen Verpflichtungen unter Artikel 10 de« Friedensvertrages, 4. Vorbehalt des Austrittes aus dem Völkerbund nach 2 Jahren. Mehrere Senatoren verlangen die Aurnahme einer Klausel gegen die Regelung der Schantungfrage, doch ist hierfür keine genügende Mehrheit vorhanden. Immer noch Rotfcheu. Tinge, die nicht vorkommen dürften. Datz die rote Fahne, das Symbol des Sozialismus, im alren Teutschland streng verpönt Ivar und auf die Behörden und Sozia- listenfresser wirkte wie das bekannte rote Tuch auf den Stier, war nicht weiter verwunderlich. Leider ist das aber auch im neuen Deutschland teilweise noch nicht anders geworden, wie folgender Fall— nur einer von vielen— beweist, der uns aus Hamburg berichtet wird: Ein Trupp junger Leute, Mitglieder des Arbei- terjugendbundes, zog des Abends von der Spielwiese nach Hause. Sie trugen eine rote Spielfahne, wie sie allgemein beim Spielen zum Abschwenken benutzt wird, und sangen unser altes Kampflied: Wohlan, im Recht und Wahrheit achtet. Das fiel den Angehörigen der in Bahrenfeld liegenden Reichswehr so auf die Nerven, daß sie sich berufen fühlte, den„roten Lappen" her- unterzureitzen und die gefährdete„Ordnung" zu schützen. Nach- dem die Jugendlichen den Soldaten klar gemacht hatten, datz es sich um keine Fahne, sondern um einen Fetzen handelt, der beim Spie- len gebraucht wird, bekamen sie ihr Eigentum zurück, wobei einer der Soldaten bemerkte,„er könne.nicht zugeben» datz man mit der roten Fahne marschiere und solche Lieder singe". Dieser Vorfall reiht sich würdig einem anderen an, der aus Sachsen berichtet wird. Ter Leipziger Arbeiterturnvcrcin deran- staltete ein KinderkreiSturnfest und hatte dabei«inen Umzug vor- gesehen. Dieser Umzug wurde zunächst verboten, auf die Be- schwcrde hin aber vom sächsischen Ministerium genehmigt, jedoch unter der Bedingung, datz im Festzuge keine roten Fah- neu mitgeführt werden dürfen. Wann werden solche„Uebcrgriffe"— gelinde gesagt— endlich unterbleiben?> Der Delagerungszuftanü in öreslau unö Oppeln. Aus der Preußischen Landesversammlung wurde folgendes dringende Telegramm abgesandt: An den ReichStvehrmimster NoSke, Weimar. Alle schlesischen sozialdemokratischen Abgeordneten �er Preu- hischen Landesversammlung ersuchen dringend um sofortige Aufhebung des Belagerungszustandes in den Be- zirken Breslau und Oppeln, da die Voraussetzungen für dessen Verhängung gefalle» sind. Gleichlautende Telegramme wurden an den Reichs- und Staatskommissar Hersing sowie an den Zentralrat für die Provinz Schlesien gesandt. „Und ich weih nicht, wie das endet; Leben soll zu Leben kommen, Und daS drängt sich und das mehrt sich, Und daS Herz ist krank zum Tobel Neue Streiks in Oberschlesien. Kattowitz, 18. Juli. Die Teilstreiks in Ober» s ch l e s i e n sind gestern wieder aufgelebt. Die Belegschaften der Matildegmbe und der Brandcnburggrubc sind, wie die „Telegiapben-llnio�" erfährt in den Ausstand getreten. die ersteren mit 1199 Mann, die letzteren nahezu gänzlich, jedoch ist hier die Arbeit hejjte wieder aufgenommen worden, Die Tötung öes französischen Sergeanten. Unsere Antwort an jvoch. Berlin, 18 Juli. Die Antwort der deutschen Regierung auf die Note des Marschalls Foch wegen der Tötung des Sergeanten Manheim ist bereits abgegangen. In dieser Antwort wird da- rauf hingewiesen, datz einem Teile der frauzösiicherseits ausgestellten Forderungen, insbesondere der Forderung wegen Ein» leitung eines Untersuchungsverfahrens gegen die Täier, wegen der Entschuldigung und wegen der Uebernahme der Kosten der Beerdigung, bereits vor Eingang der sranzösiscken Note Genüge geschehen ist. Die für die Familie des Gelöteten beanspruchte Ent- ichädigung ist, obwohl eine Rechtsverpflichtung nicht besteht, aus Entgegenkommen zugestanden worden. Dagegen lehnt die deutsche Regierung die verlangte Bestrafung der Stadt Berlin mit einer Butze von einer Million Franken als völkerrechtlich unbegründet ab. Für den Fall, datz sich die franzvstsche Regiernng hierin dem deutschen RechtSständvunkt nicht an'chlietzt, wird jedoch angeboten, diese Frage einem gemischen Schiedsgericht zu unterbreiten. volksparteilZche Außenpolitik. Weimar, 18. Juli(Eigener Drabtbericht des„Vorwärts"). Die Frivolität cher von den Rechtsparteien immer noch bc- tätigten Politik trat heute wieder einmal in der Nationalvcrsamm- lung durch eine Anfrage des deutsch- volksparieilichen Abgeordneten Dr. Mittelmann sinnfällig in die Erscheinung. Die Anfrage behandelt den beklagenswerten Fall des getöteten französischen Sergeanten Manheim, der, wie bekannt, bereits zu recht ernsteir Auseinandersetzungen mit der französischen Regierung geführt hat. Die Anfrage der Deutschen Bolkspartei nahm einfach die ersten Darstellungen des"Vorfalls in der Presse, ins- besondere die angebliche Acutzerung der französischen Soldaten „wir sind Sieger, Ihr seid Schweine", als erwiesen an, obwohl eS feststeht, datz die Untersuchung bisher kein klares Bild der Begebenheiten gezeigt hat. Die Anfrage nannte weiter das tätliche Borgehen der Menge gegen den sranzösifchen Soldaten erfreu- lich, ein bei der augenblicklichen Sachlage recht vorschnelle« Urteil. Jedenfalls war der Wortlaut der Anfrage geeignet, der Regierung in der jetzt öutzerst doppelt heiklen äutzeren politischen Lage Schwie- ngkeiten zu bereiten. Die Regierung ließ denn auch erklären, datz sie die Anfrage nicht beantworten könne, da die Untersuchung in der Affäre noch nicht abgeschlossen sei. Zliichtlingsfürsorge. Berlin, 18. Juli. Der Staatskommissar für die Kriegs- Wohlfahrtspflege in Preußen hat dem Bund der deutschen Grenzmarken-schutzverbände in Berlin' W 57, Potsdamer Str. 75, die Erlaubnis erteilt, Sammlungen aller Art für die Flüchtlinge aus den besetzten und abzutretenden Gebieten zu veranstalten, um eine Hilfsaktion größten Stils zu crmög- lichen. Die Fürsorge wird sich auf die Flüchtlinge aus den Ostprovinzen, aus den Westdeutschen Provinzen, aus SchleL- wig und aus Elsaß-Lothriugcn erstrecken. In erster Linie liegt die Flüchtlingssürsorge naturgemäß dem Staate und dem Reiche ob. Die Not der Hunderttausende von Flüchtlingen ist aber so' groß und erfordert so schnelle und vielseitige Hilfe, daß die private Unterstützung gar nicht zu entbehren ist. Der demnächst erscheinende Aufruf um Geldspenden für die flüchtlingssürsorge wird hoffentlich im ganzen Reiche willige erzen und offene Hände finden. Lang hinwallende Bürgerzilge Sah man schimmernd sich drin bewegen, Ihnen wehte die fliegende Seide Reich gebildeter Banner voran. Von Gottfried Keller.. Schnee und Regen flotz hernieder Auf novemberbraunen Bergen, Trostlos rangen alle Wipfel Mit den schweren grauen Wollen. Von den Büschen troff es klagend, Jeder Dorn war eine Traufe, Die hinab von Dorn zu Dornen Unaufhörlich flotz und weinte. Aus den dunklen Forsten wankte Irren Schritt's ein Weih hervor, Zart gebaut in dünnem Kleide, Aber fruchtbeschwerten Leibes. Zitternd und mit»äffen Fingern LaS sie nasses Laub und Reisig; Miihfam sich zur Erde bückend, Raffte sie ein zaghast Büschel. Und der Brombeer wirre Schlingen Hingen sich an ihre Fütze, Datz sie strauchelt, und das Weinen Hing an ihrdn Augenwimpern. Kam ein zweites Weib gegangen, Groß und stark und guter Hoffnung; Schwere Hölzer auf dem Haupte, Schritt sie aufrecht her und trotzig. Und sie rief mit lautem Lachen: Ei, Gevatt'rin! wie zu sehen. Sind wir beide gleich gesegnet? Nun wahrhaftig mutz ich lachen! Doch die andre fing urplötzlich Bitterlich laut an zu weinen, Und die regensckwere Schürze Drückt' sie schluchzend an die Augen. „Wieder soll ich nun gebären!" Sprach sie, kummerschwer sich sassend, „Und ich habe nicht, wovon ich Mir ein warmes Süppchen koche! „Meinen Gatten und Ernährer Hab' ick traurig jüngst verloren! Als er einen Stamm geschlagen, Der ihn fallend wieder schlug. „Wie ein Tier ans wilder Heide Schein' ich mir, das ohne Gott, Ohne Gott und ohne Sterne Hungernd irrt und sich vermehrt." „Hei, was ficht dich an, du Blöde?" Rief die andre, heller lachend; „Lustig bau'n wir unsre Wölbung In daS weite Reich hinaus I Fäuste geb' ich meinen Kindern Und gesunde weitze Zähne! Sieh, daS jüngste hat mir neulich Hier den Ohrlapp durchgebissen! Meinen Mann Hab' ich vertrieben, Weil er faul war und den Kindern Alles Brot, das ich erworben, Vor den Mäulern wegstibitzte'" „Du bist stark und du bist frech!" Sagte wiederum die andre; „Ich bin zag und das Gewissen Liegt mir leider in der Art I" Also standen beide Weiber Hohen Leib'S sich gegenüber, Und je lauter jene lachte, Desto lraur'ger wurde diese. Und eS kam der Nordlandswind Mächtig rauschend über die Berge, Und die Tränen der Bedrängten t Trocknete sein scharfes Wehen. In der Höhe schwamm im Blauen Einesmals die Spätherbstsonne. Datz in hellem Golde flammten Wie ein Morgenrot die Wälder. In der Tiefe trieben wogend Aufgejagt die zerrissenen Rebel, Vor dem wehenden Riesenhauche Stürmten sie verscheucht davon.. Doch ein prächtiges Festgeläute Ueberklang daS inächt'ge Rauschen, Und im Glänze der blitzenden Sonn« Lag im Tal eine strahlende Stadt. Herrlich wogte der Wind aus Norden. Und die Glocken erschollen mit Macht; Da ertönten auch starke Posaunen, Helle Trompeten mit schwellender Pracht. Und die singende Msnschenstimme Deutlich man dazwischen vernahm, Seltsam, neu und herzerschütternd Wie der seliggewordene Gram. „Freude, scköner Götterfunke»!" Hallte herüber der klingende Sturm, War kein Kirchenlied und kein Kriegslied, Doch die Glocken schallten vom Turm. Horchend standen die armen Frauen, Und die Lacherin wurde still. Und sie sprach:„Wer doch nur wüßte, Was das alles bedeuten will?" „Einer rief, den zu Tale laufe« Ich mit hastigen Schritten sah, Datz die schönere und die größere, Ja, die bessere Zeit sei nah! „Aber komm, du zage Klagende, WaS eS immer bedeuten mag, Feiern wir in meiner Hütte Diesen unbekannten Tag! „Bringe die weinenden, deine Kleinen Zu den meinigen schnell zur Grell'; Wir entfachen ein lustiges Feuer. Schaffen die Welt uns warm und hell! Neuen Most Hab' ich im Hause, Nüsse für die junge Brut; Und beim frohen Mülterschmause Fassen wir einen guten Mull" So genoffen sie unwissend Jenes Tage« Silberblick; � Mit am warmen Feuer ruhte Still ein künftiges Geschick. Seine unsichtbaren Hüter Lehnte» am Slandartenschaft I» den gold'nen Wappenröcken: DaS Gewissen und die Kraft. � Die Versammlungen der S. P.D. am 21. Juli finden nachmittags 5 Uhr in folgenden Lokalen statt: Patzenhofer, früher Bockbrauerei. Chausfecstr. ttki;„Schwarzer Adler". Frankfurter Allee VV-IOO; Union Feftfäle. Greifswalder Str. ÄZI; Andreas- Festsäle. Andreasstr. Äk; Gewerkfchaftshans. Engelnfer 14-13; Kliems Fest- säle. Hasenheide 14-13; Prachtsäle des Westens, Spichernstr. 3; Patzenhofer, Turmstraste. Ecke Stromstrahe; Charlottenburg, Volkshaus. Rosiuenstr. Arbeiter, Parteigeuossen! Erscheint in Massen! Der Bezirksvorstand Grost-Berkin. die Antwort! Die Fraktion der Unabhängigen Sozialdemokratie im Voll- zugsrat und die der Aroeiterräte veröffentlichen in der„Frei- heit" einen fast die ganze erste Seite umfassenden Ausruf an die Iverrtätige Bevölkerung Verlins, in dem sie ihrer Ent- täuschung Luft machen, daß die sozialdemokratischen Mitglie- der des Vollzugsrats und des Arbeiterrats endlich die notwen- dige Folgerung aus den fortgesetzten Verdächtigungen, Be- scfumpsungen und Anpöbeleien und aus dem Umstände gezogen liaben. dast die Institution der Groß-Berlincr Arbciterräte jede Gewähr für eine segensreiche Tät'gkeit im sozialistischen Sinne verloren hat. Man� merkt dem Aufruf an, wie bitter es jenen Herr- fchaften ist, daß die Sozialdemokraten sich nicht willig vor den Karren ihrer venvorrenen Sonderinteressen spannen lassen. Der Aufruf zeigt uns klarer, als das bisher in den Vollver- sammlungen zun« Ausdruck kani, daß der Schritt der Trennung im Interesse der Tozialdcinokmtie und der ruhigen Fortent- Wicklung unseres staatlichen und wirtschaftlichen Lebens u n- b c d i�n g t notwendig war. Es ist eine elende Heuchelei, wenn da gesagt wird, daß „die letzte revolutionäre Errungenschaft", die den Arbeitern ver, blieb, die Institution der Arbeiterräte sei.- Die Unabhängigen wissen ganz genau, daß die Revolution uns in kurzer Zeit viel mehr an politischen und wirtschaftlichen Vorteilen geschaffen bat, als wir am Vorabend der Revolution in Jahrzehnten zu erreichen hofften. Und nun soll alles das keine Bedeutung mehr lxibcu, Was bedeutet das Verschwinden der Kaiser, Könige, Herzöge, Fürsten und eines Heerwurms höfischen Parasitentums? Was bedeutet die Deutsche R e- publik? Was bedeuten all die Errungenschaften der Revo- lution, durch welche das Proletariat ohne Unter- schied des Geschlechts in Kommune, Staat und Reich aus den Trümmern des alten Preußen-Teutschland dem Sozia- lismus freie Bahn schaffen kann. Alles das bedeutet nichts. Einzig und allein der Vollzugs rat und die Vollver- s a m m l u n g der Berliner Arbeiterräte, in welcher Tön- m i g- Gott und Richard Müller sein Prophet, in welcher die Neu mann und Mal zahn das revolutionäre Prole- tariat in Reinkultur personifizieren, sind die letzten Reste revo- lutionärer Errungenschaften einer politischen Umwälzung, welche mit zu den größten der Weltgeschichte gehörte Armes deutsches Volk, es wäre traurig, tvenn dem so wäre. Wie war es denn? Die dem militärischen Zusammenbruch des alten Preußen- tums auf dem Fuße folgende politische Umwälzung stellte die deutsche Sozialdemokratie vor die Lösung schwerster Aufgaben. Der Gan� der Geschicke des von sozialdemokratischen Männern geleiteten Teutschland sollte damals nur über die Leiche eines vom politischen Größenwahn befallenen Tilletanten gehen. Vier Wochen später, die„Freiheit" bezeichnete damals die Müller, Däumig, Ledebouc als Demagogen und Partei- Zerstörer, sind dieselben Leute, über deren Leiche nur sich eine demokratische Volksvertretung aufbauen sollte, dabei, mit den gerissensten Mitteln politischer Intriganten sich in dieselbe hineinzuschmuggeln. Mit überwältigender Mehrheit hatte das deutsche Volk einer alten sozialdemokratischen Grundsätzen entsprechenden Politik seine Stimme gegeben. Es kam anders. Und wer ist daran schuld an dem trau- rigen Zustand, daß wir heute keine rein sozialdemokratische Regierung besitzen? Wer ist schuld, daß heute unsere Ge- nassen in der Regierung mit Vertretern bürgerlicher Welt- anschauung sich in die Regierung teilen müssen? Ihr alten Kollegen und Genossen, die Ihr Euch heute noch unabhängig nennt, mit denen wir jahrzehntelang Schulter an Schulter gekämpft, in Zeiten, in denen wir stolz darauf waren, von Betrieb zu Betrieb gehetzt zu werden, wo uns der Stuhl regelmäßig vor die Tür, aber nicht wie heute ins Zimmer der Direktoren gesetzt wurde. Antwortet uns, wer ist schuld daran? Antwortet! Ein Vergnügen ist es, im Kampf der Meinungen mit Gegnern mit unverfälschten klaren politischen Bekenntnissen die Klings kreuzen zu dürfen,?iber mit Leuten, welche weder Fisch noch Fleisch, weder Sozialdemokraten, noch Kommunisten sind, sich herumschlagen zu müssen, er- füllt uns mit Ekel und Verachtung. Wir Sozialdemokraten sind grundsätzliche Gegner der R ä t e w i r t s ch a f t im politischen Sinne. Wir, die wir Verräter genannt werden halten fest an den Forde- rungen deS Erfurter Programms, nachdem die politische Demokratie die unerläßliche Voraussetzung für den Sozialismus ist. Was soll das heuchlerische Geheule, daß die� sozialdemokratischen Vollzugsratsmitglieder und Ar- beiterräte Verrat an der alleinseligmachenden Form der Reoolutionsherrschaft geübt hätten. Niemals durften die Unabhängigen sich unklar sein darüber, daß wir ihrem Rätegedanken absolut fern stehen, daß von uns die Idee der politischen Demokratie unverrückbar festgehalten wird. Wir wollen keine russischen Zustände. Wir wollen nicht, daß unfähiges Maiilaufrcißertiim und schwankende Radourevolutionäre Teutschland in das gleiche' Unglück stürzen, in dem das russische Volk die besten Teile seiner Kraft hat untergehen sehen. Die Arbeiterschaft weiß, daß wir für den Wiederausbau der deutschen Wirtschaft und für die Sicherstellung der für die Arbeiterschaft errungenen wirtschaftlichen Garantien den Arbeiterrätcn die Mitbeteiligung an der Rege- lung der Produktion sichern wollen. An unsere Genossen in den Betrieben richten wir die dringende Mahnung, von nun ab mit vervielfachtem Eifer für die Arbeiterräte im sozialdemokratischen Sinne zu wirken. Die nächsten Wochen müssen für uns Tage a n g c- strengte st er Arbeit und Organ isationS- t ä t i g k e i t sein. Wir haben den notwendigen Trennungsstrich gezogen, der uns von denen freimachen soll, die durch ihre wüsten Treibereien und durch die Anwendung aller terroristischen Mittel jede Möglichkeit für nutzbringende Arbeit sabotiert haben. Nun wollen wir durch engsten Zusammenschluß und höchste Kroftentfaltung zeigen, daß wir die besten Jnter- ejsen der Arbeiterklasse zu schützen wissen. Die politische Demokratie ist errungen. Jetzt wollen wir die wirtschaftliche Demokratie, das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter im Betriebe, herbeifüh- ren. Das sind die Demokratien, von denen aus wir die Umgestaltung der Warenproduktion in sozialistische: Richtung in Angriff nehmen wollen. Heraus aus Eurer Lethargie, streift die Gleichgültig- keit ab! Ter Weg ist frei für wahrhaft sozialdemokratische Zukunftsarbeit. Nun ans Werk: Für die Gleichberechtigung der Arbeiter indenBetrieben! Für das wirtschaftliche Rätesystem! Für den Sozialismus! Für die Demokratie! Tie Mitglieder des Vollzugörates und der Borstand der Fraktion der Arbciterräte.(S. P. D.) Heschimpfung republikanischer Offiziere. Der Höhepunkt konservativer Frechheit. Ailcht zufrieden, daß sie in der jetzigen Armee überhaupt geduldet werden, besitzen monarchistisch gesinnte Offiziere noch die Frechheit, ihre republikanisch gesinnten Kameraden in der u n e r h ö r t e st c u Weise zu beschimpfen und als Gesinnungslumpeu und ähnliches zu vcr- dächtigcn. Der famose Herr von Jena beehrt uns mit einem weiteren längeren Schreiben, dessen wörtlicher Abdruck sich erübrigt, da es im wesentlichen nur eine Bestätigung der Gedankengänge seines ersten Schreibens gibt. Herr von Jena betont u. a., daß das OffizicrekorpS sich früher nie mit Politik befaßt habe, und bei dieser Erkenntnis hätte er bleiben sollen, dann wäre es ihmsicherlich nicht passiert, in einem Schreiben an uns die Herren Lcdebour und Erzbergcr als u n sc re P ar t c i g e n o s s e n zu bezeichnen! Wer so wenig Ahnung von politischen Dingen hat. der sollte wirklich seine Finger davonlassen. Aber Herr von Jena besitzt auch die ungeheuere Dreistigkeit zu behaupten, daß republi- kanische Offiziere in der Reichswehr nichts zu suchen hätten, denn er schreibt: .Daß ich dem„BorlvärtS" in der Reichswehr verflucht unbequem bin, das habe ich mir ohne weiteres denken können. Dort hoben nach feiner Ansicht Männer mit einer ehrlich ausgesprochenen Ueberzeugung nichts zu suchen. Aber Gottlob ist der Kern der»eugebildelen Reichswehr noch zu gesund, als datz man in ihr nur Jammerlappen duldet, die aus Ehr- erbietuug vor dem„Vorwärts" mit Jubel verkünden: .Wir sind Repudltkancr und pfeifen auf unseren ehemaligen König, dem wir die Treue ge- schworen hatten!* Solche Vertreter sind meinen Gesinnungs- genossen und Gottlob unseren meisten Soldaten zuwider". Herr von Jena glaubt also diejenigen Offiziere, die der Republik aus innerer Uebcrzeugung dienen, als Jammer- läppen beschimpfen zu könueit. Jammerlappen sind unseres ErachtenS nur Herr von Jena selber und seine e n g e r c n G e stkn n u n z S g e n o s s e n, die sich trotz ihrer ausgesprochen antircpublikanischeu-Gesinnung nicht entblöden, von der Republik Lohn und Gehalt ein zu- stecken und der Republik durch Unterschrift eine Treue geheuchelt haben, die sie in ihrer Gesinnung nicht c m P- finden. Das ist allerdings Gesinnungslumperei. Die Ziele des Republikanischen Zührer- bunües. ft. 8. Am gestrigen Freitagabend fand im Lehrer-BereinS- Hause eine Versammlung des Republikanischen Führerbundes statt, die stark besucht war. Redakteur Kurtner wendete sich in länge. ren Ausführungen gegen die Angriffe, die gegen den kürzlich gc- gründeten Bund gemacht worden sind. Im Verlauf der Aus- sührungen wandle sich der Redner sehr stark gegen die Reichswehr. in der monarchistische Tendenzen vorherrschten, während man vcr- suche, ehrliche republikanische Elemente berauSzucteln. Das von Colin Roh geleitete Organ„Tie Reichswehr" werde bekämpft und solle durch rechtsstehende Organe ersetzt werden. In»er Brigade Oven machten sich dieselben Tendenzen bemerkbar. Dort sei eine Versammlung der Unteroffiziere und Offiziere zusammenberufen worden, in welcher der Republikanische Führerbund dem Roten Soldoienbund gleichgestellt worden sei. Kuttner wandte sich dann gegen die beiden OsfizierSverbände und bob hervor, daß in der Armee auf eigene Faust nickt Politik getrieben werden dürfe. Tie Krise in Pommern sei durch dao Eingreifen des 2. Armeekorps verschärft worden; ebenso sei von diesem Truppcnverbanoc in -schiwelbein durch Entsendung von Mannschaften ein Streik unter- drückt worden, ohne daß die zuständigen Behörden von� diesem Vor- haben in Kenntnis gesetzt worden waren. Ebenso habe das 2. A.O.K, dort eine Mobilmachung angeordnet und erst dadurch. daß er, Kuttncr, den ReichSwehrmiinfter davon verständigt habe, sei eine Zurücknahme dieser Anordnung erfolgt. Es sei falsch. wenn behauptet werde, daß der Republikamsche Führerbund die Disziplin untergraben wolle. Im Gegenteil, an der Disziplin und am Führerverhältnis soll durchaus nichts geändert werden. Der Bund gibt keine Gesinnungs, schnüsselei zu und Offiziere und Unteroffiziere, die nicht auf ehrlich republikanischem Boden stehen, sollten. draußen bleiben. Zu dem Erlaß des Rcichswehrministers, welcher die Politik aüS der Armee verbannen will, sei zu bemerken, daß der Republikanische Führerbund keine P a r t e i p o l i t i k treibt, sondern sich lediglich auf republikanischem Boden bewegt. Genau so wären in der Monarchie die kaisertreuen Kriegervereine nicht alz politische Vereine angesehen worden. Kuttncr hofft, daß die Grün- dung deS Republikanischen Führerbundes dazu beitragen� werde. daß sich das Verhältnis zwischen RcichZwehr und Bevölkerung 'bessere.— Im Anschluß an die Ausführungen KuttnerS fand eine rege Aussprache statt, in der sich ergab, daß diejenigen Versamm- luiigstcilnchmer, die sich auf einen anderen politischen Standpunkt stellen, in der verschwindenden Minderheit waren. ES wurde eine Entschließung angenommen, in der sich die Ver- sammlung auf den Boden der Richtlinien des Republikamscheu Führerbundes stellt. Bemerkt sei, daß ein Vertreter des Reichs- Wehrministeriums der Versammlung-beiwohnte. preußische Lauöesversammluno. (Schluß aus der Beilage.) Abendsitzung. Tie Aussprache über den Haushalt de? Ministeriums des Innern wird gegen Uhr wieder aufizenommen. Unterstaatssekretär Maier: Davon, daß die parlamentarischen UntcrstaatSsekretäre Kontrollorgane deS Ministers sind, ist keine Rade. Sie haben lediglich die Autgabe, die Verbindung'der Parteien mit dem Ministerium her- zustellen, wenn der Minister einer anderen Partei angehört. Aus Wunsch des Ministers teile ich dem Hause über die Tätigkeit der Staatskommissare in Stettin, von wo ich erst heute nachmittag zu- rückgckehrt bin, mit, daß der , Landarbcitcrstreik in Pommern bereits vielfach zurückgegangen ist und hoffentlich bald völlig beendet sein wird, nachdem setzt über- all Tarifverträge abgeschlossen worden sind. Diese müssen unbedingt von beiden Teilen gehalten werden, und jede Unter- brechung der Ernte durch Streiks ist ei» Vergehen gegen die Gc- samtheit der Bevölkerung. Von der Verhängung des BelagerungS- zustandes über den Regierungsbezirk Stralsund und einige Teile. des Regierungsbezirks Stettin ist der Oberpräsident durch ein Versehen erst nach der Bcrhängung unterrichtet worden. lHört. hört!) Gegenwärtig liegt ein Anlaß zur Auf- rochtcrhaltung des Belagerungszustandes nicht mehr vor und dem- gemäß ist er aufgehoben worden.(Beifall.) Auch die in einigen Orten ausgebrochenen Generalstreiks und Bürger- streiks sind erledigt, beide haben bereiis aufgehört. Alle Um- stände berechtigen jetzt zu der Hoffnung, daß die Ruhe auch ohne Belagerungszustand aufrechterhalten werden kann.(Beifall.) Abg. Richter-Rtumünstrt(Sog.): Tie Herren der alten Rich- iung werden sich endlich daran gewöhnen müssen, daß auch Arbeitcr- sekretäre zu Obcrpräsidenten ernannt werden und nicht lediglich die juristische Vorbildung gilt. Weyn die Unabhängigen uns „Scheinsozialistcn" nenne», so gebe ich ihnen dieses Kompliment zurück, indem ick sie als „Radausozialisten" bezeichne. Minister des Innern Heine: Bei der Besetzung der Acmier soll noch meiner Ansicht nicht die Gesinnung- tückiigkcit, sondern die Tüchtigkeit des Könnens entscheiden. Tie Arbeitcrräte waren gedacht als Vermittler zwischen Beamten und der Bevölkerung. lvoran es unter der alten''Herrschaft gcseblt hat. Nachdem demo- kratische Sclbstverwaltungkorgane geschaffen find, steht diesen selbst das Kontrollrecht zu. Der Minister beschäftigt sich hierauf«in- gehend mit der gestrigen Rede des Abg. Leid, wobei er fortge- setzt von den Unabhängigen unterbrochen wird. Wiederholt entsteht großer Lärm, so daß der Präsident unaufhörlich die Glocke schwingen muß. Herr Leid hat über Spitzeltum und Denunzianten- Unwesen geklagt. Derselbe Herr Leid aber ist als Denunziant der Deutschen Regierung aufgetreten, als er dieser vorwarf, sie be- günstige die Bildung von Biirgcrtvehren, um auf diese Weise die FriedenSbedingnngeu zu umgehen.(Großer Lärm bei den lenab- hängigen. Abg. Adolf Hoffmann unterbricht den Minister immerzu durch Zurufe.) Das ist das Unglück der alten Regierung gewesen, daß sie sich gerade Leute wie Adolf Hofsmann herangezüchtet hat. (Beifall bei der Mehrheit.) Der Minister legt sodann dar, wie Eichhorn am letzten Tage seiner Polizcspräsidentenschaft vom Minister Hirsch noch 25 WO M. Lorschntz' für politische Zwecke gefordert habe. Das Geld ist aber wicht ausgezahlt worden. «Große Heiterkeit.) Ter Minister legt eine pdowgrnphische Nach- bildung der Ouittimg auf den Stenographen tisch nieder, bemerkt aber, daß er das Original selbst nicht gern aus der Hand geben möchte. Ich freue mich, so sagte der Minister, der rechtzeitigen Verbastnugen, die viel Blutvergießen erspart haben. Glücklicher- weise haben wir auch Herrn Piek erwischt und bei ihm viel interessantes Material varZ?sundcn. Auch gegen den Pommer- scheft Landbund mußte ich mit HauSsuctungen einschreiten. Ich dulde weder Spartakus, noch sein Gegenteil. Am Schluß seiner Rede setzte sich der Minister mit den Ausführungen des Abgeord- nctcn Leidig auseinander, und gab in warmen Worten seinem Mitgefühl für diejenigen Deutschen Ausdruck, die demnächst Deutschland verloren geben würden. Er rief ihnen ein herzliches „Auf Wiedersehen" zu.— Nach einer längeren Rede des Ä ig. Kloft i Z. wird die Be- ratung vertagt. Nächste Sitzung Sonnabend, 1t Uhr.(Kleinere Vorlagen und Fortsetzung der Beratung.) Schluß llstz Uihr. GewerkschafisbewEung Die Angestelltenbewegung in der Metallindustrie. Die Angestelltenobleute beschäftigten sich in der Vollverscnnm- fung am 17. Juli zunächst mit der Frage einer strafferen Organi- sierung der Ausschüsse und eines innigeren Zusammengehens mit der Handarbeiterschaft. Sodann berichtete die Tarifkommission über die Tarifoerhandlungcn mit dem Verband Berliner- Metall- industrieller. Trotz 25 Sitzungen sind greifbare Resultate noch nicht erzielt worden. Es scheint ülerhaupt langsam recht Zweifel- ha zu werden, ob der Tarif je zustande kommen wird. Das Ver- halten des Verbandes in grundlegenden Fragen ist jedenfalls hierzu nicht geeignet. In der Frage der Arbeitszeit erklärte der Verband, daß er niemals daran denken würde,-die ISstündige Arbeitszeit zu bewilligen. Aber das tollste in den Vorschlägen des Verbandes ist doch die ungeheuerliche Tatsache, daß die ganze Besoldungsordnung aufgebaut ist auf einem— Klassensystem. Da wird das alte, be- währte Prinzip„Teile und herrsche" gehandhabt und festgelegt. Es gibt vier Klassen: 1. Angestellte ohne regelrechte Lehrzeit, aber mit mindestens Sjähriger Vorbildung und Bureautätigkeit. 2. An- gestellte mit geringerer Vorbildung als Klasse 3 und mit Zjähriger Lehrzeit. 3. Angestellte mit Reife für Obersekunda(für wei bliche höhere Töchterschulbildunyl und 3jähriger Lehrzeit. 4. Angestellte mit Abiturium und 3j ähriger Lehrzeit oder Handels- Hochschulbildung. Jedes. Wort hierüber muß den Eindruck dieser herrlichen Er- findung abschwächen. Es werdm dan-n weiter lang und breit unter- schieden Klassen.urch Gruppen; auf dieser reaktionären Grundlage ist eine Einigung für die Angestelltenschaft völlig undenkbar. Die Bekanntgabe dieser Grundlagen hat denn auch in der Vollversammlung m-imiten lange Heiterkeit hervorgerufen. Ander? kann ja auch im Ernst nicht darüber gedacht werden, wenn zum Beispiel Diplomingenieure mit abgeschlossener Hochschullildung ein Normalanfangseinkommen von 450 M. und eine jährliche Monatszulage von 16 M.(I) erhalten sollen; auch bei den weih- lichen Angestellten wird zwischen den gemeinen Proleten und sol- chen mit abgeschlossener höherer Töchterschulbildung unterschieden. Bei diesem famosen Entwurf sind alle Gratiftkationen usw. ab- gelöst. In diesem Vorschlage spiegelt sich das Bild und die Wertein- schätzung wieder, das die Unternehmer von den Angestellten haben. Aber diesmal dürften sich die Herren, verrechnen, und zwar gründlich. Folgende Entschließung'wurde der Verhandlungskommission mit auf den Weg gegehen: „Die Versammlmrg aller Obleute und Funktionäre der Angestelltenausschüffe der Metallindustrie vom 17. Juki 1919 im Herrenhaus beauftragt die Arbeitsgemeinschaft freier Angestellleu- verbände, dem Verband Berliner Metallindustrieller mitzuteilen, daß sie die Vorschläge der Unternehmer als völlig indiskutabel mit Entrüstung zurückweist und nur auf der Basis-der von den Verbänden eingereichten Vorschläge weiter verhandelt." Generalversammlung der Sattler und Portefcuiller. In der Generalversammlung in Bökers Festsälcn machte D a u v e r da? Abstimmungsergebnis aus der Portefeuiller- und Wehher gab bann den Bericht über daS L. Onartab Der Mitgliederhcstand war am 30. Juni 4702, darunter 663 weibliche Mitglieder. Als Revisor wurde Ernst Schulze gewählt. Zur Wahl der Delegierten zum Verbandstag stellte die Tarif- kommission der Reise- und Portefcuillerbranche den Antrag, nur Kollegen, die auf dem Boden des wirtschaftlichen und politischen ! Rätesystcms stehen, zu wählen. W e i n s ch i ld protestierte energisch gegen diesen Antrag. Eine Trennung der Mitglieder in verschiedene Klassen zerstöre die Einheit der Bewegung. Die Neutralität der Gewerkschasten sei unbedingt notwendig. Nach einer ausgedehnten lebhaften Debatte, in der sich mehrere Redner kräftig gegen diesen � Antrag wehrten, wurde derselbe mit 329 gegen 293 Stimmen an- genommen. Ferner wurde ein Antrag angenommen, der verlangt, nur solche Delegierte zu wählen, die Gegner der Kriegspolitik und der Politik der Rechtsfozialisten sind. Vorgeschlagen wurden 22 Kandidaten, von denen 19 auf dem Boden des politischen Räte- - systcms stehen. Auf Beschlutz der Versammlung wurden die drei j Kandidaten, die nicht auf dem Boden des politischen Rätesystems ■ stehen, von der Kandidatenliste gestrichen. Es entstand eine längere Debatte über die Kandidaten. Einige Redner bekämpften nochmals die angenommenen Anträge. Der Vcrbandstag würde eventuell die Berliner Delegation für ungültig erklären. G o t t s ch a l k wünschte eine Erklärung des Zentralvorstandes. Blum(Zentralvorstand) führte aus, daß er persönlich das Vorgehen nicht für richtig halte, da nach dem Statut jeder gleichberechtigt sei. Die Kennzeichnung der Kandidaten aus dem Stimmzettel gibt zu berechtigten Wahl- Protesten Anlaß. Daraufhin wurde die Debatte über die einzelnen Kandidaten eröffnet. Hauptmann benannte zwei davon als � unwürdig, die Mitglieder Berlins aus dem Verbandstag zu ver- - treten, weil sie sich durch Einführung des Kolcmnensystems gegen die Interessen der Allgemeinheit vergangen haben. Sie haben ihr i eigenes Wohl den Prinzipien der Gewerkschaft vorangesetzt und damit die jetzige Lohnbewegung in der Lsderwarenbranche schwer geschädiat. Matzgebend bei der Wahl zum Verbandstag könne doch nicht das Bekenntnis zum politischen Rätesystcm sein, sondern in erster Linie das Prinzip der gewerkschaftlichen Betätigung. Die beiden Angegriffenen gaben unumwunden zu, einen Fehler be- gangen zu haben. Zur Entschuldiaung führten sie an, daß bei Ver- Handlungen die Unternehmer erklärt haben, Weinfchild hätte die Einführung des Kolc-rniensystems empfohlen. Demgegenüber erklärte Wcinschild, daß ihm derartiges nie eingefallen sei, sondern während seiner langen gewerkschaftlichen Tätigkeit das Ausbeutungs- shstem der Arbeiter durch Arbeiter ebenso bekämpft habe, wie das durch die Unternehmer. Komisch klinge es aber, wenn man ihn als Arbeiterverräter bezeichnet, sobald aber vermeintliche Aussprüche von ibm dahin irmgebog-en werden, um sich auf Kosten der anderen Kollegen die Taschen zu füllen, ihn dann als Kronzeugen aufruft. Die? Gebaren sei kennzeichnend und zu verurteilen. Schulze erklärte darauf, daß er einen Protest beim Verbands- tag eiirveichcn werde. Von heute an werde der Kampf der S. P. D.» Anhänger für gleiches Recht im Verband aufgenommen.(Anhalten- der Lärm und starker Beifall der Minderheit.) Er lasse sich nicht wegen seiner politisck-cn Ueberzeugung maßregeln. Es kam infolge- dessen zu heftigen Ausein-andersctzungen. Gottschalk erklqrte, daß er es nicht zu einer Spaltung kommen lasse. Er schlug vor, die drei Kandidaturen doch bestehen zu lassen. Es wurde beantragt. Reisewarcnbranche bekannt. Es� haben% für und gegen den- oen Beschlutz wieder aufzuheben und auch Kollegen der anderen ötreik gestimmt. Tie Kollegen haben also sofort in.den Ausstand zu treten. Doch haben alle die, die nicht ausgesperrt wurden, den Tarifvertrag noch einmal ihren Arbeitgebern vorzulegen und erst nach Ablehnung in den Streik zu treten. genommen. Blum(Zeniralvorstand)' erklärte, daß der Verbands« tag wahrscheinlich auch diese Art der Kandidatenaufstellung ver» werfen würde. Er schlug vor, eine alphabetische Lifte aufzustellen. Der Vorschlag wurde abgelehnt. Nachdem G o t t s ch a l k erklärt hatte, daß auf den Kandidatenlisten verzeichnet wird, wie lange der Betreffende organisiert ist, wurde zur Aufstellung von je 15 Kandi- daten geschritten. Wegen vorgerückter Zeit wurden die weiteren Punkte der Tages» ordnung auf die am 24. Juli anberaumte Versammlung vertagt. Die Wahl der Delegierten zum Verbandstag sticket Sonnabend. den 9. August statt._ Schiedsspruch. Der Schlichtungsausschutz Grotz-Berlin hat in der Lohnbewegung der Bureauange st eilten derStratzen- und Klein- bahn-Berufsgenosi.enschaft einen Schiedsspruch ge» fällt, der den Paneien aufgibt, über die von den Angestellten ein« gereichten Forderungen in sachliche Verhandlungen einzulreten und diese bis zum 18. August zum Abschluß zu bringen. Ferner sagt der Schiedsspruch: »Den Angestellten ist auf da? Endergebnis der abzuschlietzenden Verhandlungen unverzüglich ein Vorschutz zuzahlen. Dieser beträgr: für ständige verheiratete Angestellte.... M. 600 ,„ unverheiratete„....„ 500 „ unständige Angestellte und KriegSaushelfer„ 400 Hinsichtlich der Entlassung des Obmanns der Rcich-Zbekleidungs» stelle har der Schlichlungsausschutz Grotz-Berlin nach einer drei- stündigen eingehenden Verhandlung, in welcher der Personalleiter dem Ausschuß sein Material unterbreitete, nachdem-der von ihm erhobene Einwand der Zuständigkeit verworfen worden war, ein- stimmig dahin entschieden, daß der Obmann mit Rückwirkung vom Entlassungsraae wieder einzustellen ist. Bekanntlich balle der Reichswirtschaftsminister die Wieder- einstellung des eiitlasieiien Obmanns Dr. Kaplan ver iügt, trotz« dem hatte aber der Leiter der ReichSbekleidungsstelle die Wieder- einstellung des Gematzregelten abgelehnt. Auch vor dem Schlich- tungsausschuß wandte sich der Verireier der Beklagten, der mit geheimen Personalakten(!) operierte, gegen die Wieder- einstellung des Dr. Kaplan, dem ja nun doch sein Recht ge- worden ist._ Metallarbeiter der T. P. D. Am Dienstag, den 22. Juli, abend« 7 Uhr, findet in den Germania- sälen. Chausseestratze. eine Versammlung aller Mitglieder des Deutschen Mctallarbeiteroerbandcs, Ortsvcrwallung Berlin, statt. Tagesordnung: Die Zustände in der Metallarbeitcrbcivegunq im Reiche und in Berlin. Kollegen und Kolleginnen, erscheint vollzählig in dieser Versammlung. Partei- und Berbandsbuch legitimiert. Zentralverband der HaudlungSgehilfen, Bezirk Grost-Berlin. Die sür Montag, den 21. d.M., angezeigte Miigiiedcroersammlung ist wegen der an diesem Tage stattfindenden Parteioersammlungen aus Freitag, den 25. Juli, verlegt worden. Bildhauer. Dienslag, den 22. Juli, abends 7 Uhr, im GewerkschastS- bauie, Eiigcluser 15: Gencralversammlung. Tagesordnung: Bericht vom Verbandstag. Wahlen. Verschiedenes. Richtung mit aufzustellen, um der Gefahr zu entgehen, eventuell gar keine Vertretung auf dem Verbandstag zu haben. Ein Antrag von Schutze, eine besondere Kandidatenliste der auf dem Bode» der alten Gewerkschaftsbewegung stehenden aufzustellen, wurde an-� Berantwortückl für Polllik: A:t»r Zicklcr, Eharlot!enb»rg, für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln! für Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin. Verlag: Borwäris-Verlag®. in. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts. Buchdruckerei und Verlazsanstali Paul Einger u. Co. in Berlin, Lindenstr. 8. Hierzu 1 Beilage. SeilWl WMlM'MM Bezirk verlin. Sonntag, den 20. Juli 1919, vorm. 9 Nhr, ssndet im Lehrer-Berelnshaus, groß. Saal, Alcxanderplatz, eine WSe MMer-velsinlm statt Tagesordnung: 265/16 1. Welche Lehre ziehen wir aus dem ver- fiosseiien Streik? Referent: Knebel-Schulz. 2. Freie Aussprache. CMF" Die Wichtigkeit der Tagesordnung bedingt, daß alle Mitglieder pünktlich und vollzählig erscheine». Mitgliedsbuch legitimiert! Mitgliedsbuch legHimierl! ___ Olc vezlrkuleitung. MlWWMbMMasSMAMWMt- ZeuWer WerkmeW'verdWS. Am Montag, den 21. d. St.. abends v Ahr, im Restaurant Alieeifch, Fricbrlchstr. 16: Ocffentliche Versammlung aller In Buchbindereien und vuchdruekerelen tätigen wertmelster und technischen Angestellten. Tagesordnung: Stellungnahme zur Tarlsfrage.— Boll- zähliges Erscheinen unbedingt erforderlich._ 33776 wers Älraune erreichte trot? verbot 2 0 0 0 0 0 Auflage Geheftet M. 8.—, gebunden M. 10.— 10o/o B u c h h an d 1 u n g 9 xu s cb 1 a fj Zu beziehen durch jede Buchhandlung Georg Müller Verlag München, Elisabethstr. 26 Hltl'UHimillllT Bekmmtmachung. I. Es entfällt auf den Abschnitt 56 der allgemeinen Lebensmittelkarte der Stadt Berlin V« Pfund Reis zum Preise von 51 Pfennig. II. Unter Ausschluß nachträgllcher Annahme find die Au- Meldungen vom Sonnabend, den 10. bis Dienstag. den 22. Znli 1910, bei den Kleinhändlern abzu- geben. III. Di- Kleinhändler haben die Anmeldeadschnitte zu der oben aufgerufenen Nummer bei den Großhändlern am 25. Zult 1919 abzuliefern. IV. Nicht abgeholte Ware verfällt mit dem 25. August 1919. Berlin, den 16. Juli 1919. Tgb.Nr.«679N!i. Magistrat. Abteilung für Nährmittel. Bei der hiesigen Stadtverwaltung ist me neugegründete Stelle einer Stadtpflegerin ZU besetzen. Die Inhaberin der Stelle soll hauptsächlich im Außendienst und in dem persönlichen Verkehr mit der Bevöllerung tn An» gclegenhcite» der Armen» und Wohlfahrtspflege, der Lungen» und Kinterbltebenen-Ftirsorgr tätig sein, sowie bei der Erledi» dung der Geschäfte des Gemeindc-Baifenrats' mitwirken. Nur Frauen, welche auf diesen Gebieten bereits längere Feit iätig waren und eine entsprechende Porbildung besitzen, wollen Bcwerbungsgesuch mit Lebenslauf, Bild und geu' abschristen unter Anaabc der Gehaitsansprllche eiiireichciu K a m e n i. W., den 14. Juli 1919. Oer Magistrat. 21® Dr. W'icsner, Bürgermeister. © Jeder Art in großer Auswahl und guter Ausführung auf kK Bar oder Kredit. ' Möbel- Gross Große Frankturter StraBo 141, Invalidecstr. S, Eing. Ackerstraße. -WUM In der Stadt Dortmund(annähernd 300 ovo Ein» wohncr) ist sofort die Stelle eines (teislDeien lAMM zu besetzten. Die Wahl erfolgt gemäß der Städte- ordnung für die Provinz Westfalen vom l9. Mär, 1856 auf 12 Jahre. Das Aufangsgehalt beträgt 7500 M., steigend von 2 zu 2 Jahren einmal um 1250 M., fünf- mal um 750 AI. und viermal um 625 M. bis 15 000 M. ch Orts. . Dienst. fatzung vom Dienstantritt bis zum Ablauf jahres auf V, des Gehaltes, steigend Ma iruciu or» ■tmn Dienstsahrc um>/«, vom 13. Dienst- �stst'WWSWWMM nach 20 Dienstjahren. Das Ruhegehalt tft nach Orts» Dienstantritt bis zum Ablauf des 6.' I, des e ..........— Irren Sit------- 1 uhre ab um Vm und vom 25. Dienst, cihrc ab um'/, beä Gehaltes festgesetzt, sodaß es mit Ablauf des 3«. Dienstfahrcs«/» des Dlensteinkommcns beträgt. Anrechnung früherer Dienstjahre sowohl auf das Besoldungs» als auch auf das Ruhcgehaltsdienstaltcr kann vereinbart werden. Bewerber, die schon längere Zeit bei größeren Kommunalverwaliungen täiig gewesen sind, werden ersucht, ihre Meldungen nebst den erforderlichen Ante flogen bis zum 31. Juli>919 dem Unterzeichneten einzureichen. Persönliche Vorstellung, sowie ein besonderer Brief- Wechsel mit dem Unterzeichneten werden vorläufig nicht gewünscht. Dortmund, den 4. Juli 1919. 184/16' Der SlaMmrllvekm-MMer Mehlich. Dentozon ariisepf ische Mcmciwasser-leüDletfen. lur t&glichen aclbstbcrarunß eines brausenden, aromahsthen, anlr.-pttschtn antiseptisdien Mundwassers. Leicht löslich. g 60 Tabletten in nebenstehenden Imitationskarton. Zu haben in allen einschlägigen Geschäften. Gencralvertrleb für Provinz Brandenburg II. C. B a u e r, Charlottenburg, Windscheldstr. 34 Erfle und filteffe$ei(• Knffalf Lüser, Harn- und Blt/mntecfcajungen. Elettrifche und medizinische Bäder. Qir.z Löser senior Ecke Linien Straße. 9-1, 4-9, Sonnt. 9-1. nur Rosenthaler Str. 69-70, Spezialarzt Dr. Hasche Sprechstunden 10—1, 5—8. 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Jahrgang Seilage öes Vorwärts Sonnabend Das Schulkompromiß in öer Nationalversammlung. 6 0. Sitzung vom 18. Juli, Uhr. Am Regierung.�isch: Dr. David, Dr. Prcuß. Eingegangen ist auch ein Telegramm des a r g e n t i n i- s ch c n Senats anläßlich des Friedensschlusses. Auf dieses Tele- gramm sowie auf das am Tonnerstag eingegangene der argenlini- schen Depntiertenkammer wird von der Nationalversammlung mit Danltelegramm erwidert. Es folgen kleine Anfragen. Au� Anfrage Laverenz (Tnat.) betreffend die Absetzung mißliebiger Beamten durch Angehörige sozialistischer Parteien erwidert Freiherr v. Weiser: Die Regierung ist twr Ansicht, daß Beamte aus ihrer Stellung nur nach Maßgabe der geltenden gesetzlichen Bestimmungen ent- fcrnr werden können.— Auf Anfrage Obcrfohren(Dnat.) betreffend die Verhetzung des Roten Soldatenbundes ge- gen die Frciwilligenrcgimenter erwidert ein Vertreter des K r i c gs m i n i st e r i u m s: Als Gegenwirkung wurde eine Auf- klärung der Truppe organisiert, ebenso Schutz und Fürsorge für die Mannschaften. Auch wurden gesetzliche Fürsorgemaßnahmen iür entlassene Freiwillige eingeleitet. Nach Aufhebung des Boy- k o t t s wurde c?ne strafrechtliche Verfolgung des Boykotts an Freiwillige gegenstandslos. Endlich sind Aufrufe gegen die Ver- hetzung erlassen worden. Die Interpellationen wegen de? Landarbeiter st reiks werden demnächst beantwortet werden. Nunmehr wird die ziveite Beratung des Verfassungs- entwurfes fortgesetzt beim Abschnitt:«Bildung und Schule", wozu das bekannte Schulkompromiß. als Antrag Löbc-Gröber vorliegt. Nachdem Abg. Weiß iDem.) über die Verhandlungen des Ausschusses berichtet hat, bemerkt Reichsminister öes Innern vr. David: Mit der Vereinbarung, die in dem Kompromiß zwischen zwei Grundaufsassungen getroffen ist, wird sich auch die Regierung einverstanden erklären. Die jüngere Auffassung sieht in der Schule eine staatliche Einrichtung mit nur staatsbürgerlichen Erziehungsaufgaben. Den Religionsunterricht hält sie allein für eine Ausgabe der Religionsgemeinschaften; sie will eine weltliche konfessionslose Schule. Keine Auffassung gewann in dem Ausschuß eine Mehrheit; infolge- dessen mußte eine Vereinbarung getroffen werden: die Verein- barung gibt den Nächstbeteiligtcn, den Eltern, die Entscheidung. Der Kampf verschwindet damit nicht aus der Allgemeinheit des Volkes, sondern wird in die Gemeinden verlegt. Ter Kampf wird weitergehen, denn er kann ohne Zwang nicht beendet werden. Hier Zwang anzuwenden, ist aber unmöglich, denn nirgends erbittert er mehr als in religiösen Dingen, in Weltanschauungskämpfen. Einen solchen Kampf wollen wir nicht.' Wir wollen einen rein geistigen Kampf. Auch religiöse Auffassungen wandeln sich im Strom der Zeiten. Die Wissenschaft, Philosophie und Theologie sollen den Kampf quSfcchten. Der Staat leiht seinen Zwang keinem von beiden, und das ist ein bedeutender Fortschritt. Daß Kinder unbemittel- ter Eltern Erziehungsbeihilsen erhalten sollen, ist gleichfalls hoch bedeutsam; cS hebt eine der Ursachen der Unzufriedenheit auf, bedeutet soziale Gerechtigkeit gegen den einzelnen wie' gegen den Staat. Jenen erbittert nichts so sehr, als aus Mangel an Mitteln aus Ausbildung verzichten zu müssen, und dem Staat ist n:chts so schädlich, als wenn er seine begabtesten Kinder wegen Mangel an Ausbildung nicht passend verwenden kann, sondern die ersten Stellungen an Unfähige vergeben muß. Auch hierin liegt ein demokratischer Zug. Wir schassen die Boraussebungen eines religiösen und sozialen Friedens! Aus unseren WeltanschauungSkämpscn scheiden Schärfen und Er- bitterungen aus, die die Zwangseinwirkung des Staates dahinein- getragen hat. Eine solche Voraussetzung schafft ein starkes Ge- meinschaftSgefühl des deurschen Volkes. Abg. Schulz(Soz.): Wir Sozialdemokraten sind von jeher Befürworter der Reichsschulgcsetzgebung gewesen, haben aber bisher allein auf weiter Flur gestanden. Wir haben auch keine Veran- lassung, uns über das jetzige Schulkompromiß besonders zu freuen; als Kompromiß befriedigt es keine Partei vollkommen. Vom pädagogischen Standpunkt wünsche ich nicht, daß die Schule in die politischen Streitfragen hineingezogen wird. In WcltanschauungSfragen ist Deutschland immer zerrisse« gewesen. Zentrum und Rechte sind grundsätzlich für die Bekenntnisschule, die Sozialdemokraten für die rein weltliche Schule. Der Grundsatz des Kompromisses ist Freiheit im Denken und in der Weltanschauung, keinerlei Vergewaltigung der Eltern und Er- ziehungsberechtigtcn durch einen Mehrheitsbeschluß. Jede Auf- die Ireunöe unserer Zeitung •wercken gebeten, bei ihren Husflögen und Reifen an allen Verkaufsstellen, besonders auf den Bahnhöfen, den„Vorwärts" su kaufen und ihn in den Gasthöfen, Restaurants und Cafes stets zu verlangen. Wenn der„Vorwärts" irgendwo nicht zu haben ift, richte man gütigst eine kurze stlltteilung an „vorwärts"-Verlag G.m.b.H., Hauptexpeöition, Berlin BiXl. 68, LindenTtraBe 3. fassung soll das Recht Haben, sich auch im Schultvesen zu bekunden. Der Hauptinhalt des Reichsgesetzes, durch das das nähere geregelt werden soll, ivird der sein, daß in bestimmten Zeiträumen Schulwahlen festgesetzt werden, in denen die Erziehungsberechtigten sich für die konfessionelle, für die Simultanschule oder für die weltliche Schule zu entscheiden haben. Für uns Sozialdemokraten kommen in der Schulfrage drei wichtige Grundsätze in Frage: die Wcltlichkeit, die Einheitlichkeit und vor allen Dingen die Einbeziehung der Arbeit in den Plan und Geist der Erziehung. Wir haben sie, namentlich die beiden ersten, nicht restlos durchsetzen können, aber wir sind schon damit zufrieden, daß lvcnigstens das P r i nß i p festgelegt worden ist.(Lebhafter Beifall.) Abg.(gröber(Zentr.): Bezüglich des Religionsunterrichtes ist es schon im Ausschuß gelungen, eine Lösung zu finden, die wir als eine ausreichende urti> genügende anzuerkennen vermocht haben, nämlich durch die Bestimmung, daß der Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach zu gelten hat, vorbehaltlich des Rechts der Eltern, ihre Kinder, wenn sie es für angemessen erachten, von dem Besuch dieses Religionsunterrichts fernzuhalten, die zwei übrigen Hauptfragen: Konfessionalität der Schule und Privatfchulen dagegen erst durch das Kompromiß einer Lösung cntgcgengcführt lverden, der wir zuzustimmen in der Lage sind. Gegensätze der Weltanschauung, wie sie auf diesem Gebiete bestehen, lassen sich nicht lösen auf dem Boden der Majorisierung und des gesetzlichen Zwanges, sondern nur auf dem Boden der gleichen Freiheit?lnd des gleichen Rechts. Diese Auffassung sucht der Kompromißantrag zu verwirklichen, in- dem er den Vertretern der drei großen Richtungen die Möglichkeit gibt,, ihren Einfluß auf die Volksschule geltend zu machen. Private Volksschulen sollen nur zugelassen werden, wenn für eine Minder- heil von Erziehungsberechtigten eine öffentliche Volksschule ihres Bekenntnisses in der Gemeinde nicht besteht. Selbstverständlich müssen die Privatschulen der Aufsicht des Staates unterliegen, und sie dürfen bezüglich ihrer Lehrziele wie bezüglich ihrer Lehrkräfte nicht hinter der öffentlichen Schule zurückstehen. Es ist sozial von höchster Bedeutung, den Kindern den Wert der Arbeit nicht nur für den einzelnen, sondern für das ganze Staatswesen klar zu machen, Hochachtung vor der Arbeit und Ar- beitsfreudigkeit in ihnen wachzurufen.(Sehr gut!) Möge es uns gelingen, die Schule auf die Höhe zu bringen, die die Grundlage für die Wiedergeburt des deutschen Volkes sein mutz.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Seyfert(Dem.): Ziel unserer Erziehung muß die Stärkung der sozialen und der Staatsgesinnung sein. Die Stan- desschule, die ungerecht und univahrbaftig gewesen ist, muß fallen und auch für den armen Tüchtigen die Bahn frei werden. Das Schulkompromiß hat zu unserem größten Bedauern die Aufrichtung der staatlichen Gemeinschaftsschule gehindert, die als Bekenntnis- schule undenkbar ist. Das Zentrum hat wesentliche Zugeständnisse erreicht, namentlich hinsichtlich der Privatschulen. Es hat geradezu ein Monopol der P r i v a t s ch u l e n für die Minderbcmiticltcn erreicht.(Sehr richtig! bei den Demokraten.) An die Stelle der Staatsschule tritt die zerklüftete Weltanschauungsschule, die zu weiterer Zerklüftung führt. Die einheitliche Grundschule ist zer- schlagen. Mag es nun werden, wie es will, ich wünsche der Volks- schule das Beste.(Beifall bei den Demokraten.) Abg. Traub(Dnat. Vp.): Das' Kompromiß ist unnatürlich. Wir halten die ursprüngliche Vorlage für besser, das Kompromiß für eine Verschlechterung. Augenscheinlich soll in die künftige Schule eine einheitliche sozialistische Weltanschauung hineingetragen werden. Mit der Mannigfaltigkeit unseres Schulwesens wäre es vorbei. Die Zusammensetzung des Hauses beweist, daß das deutsche Volk nicht einheitlich sozialistisch ist. Infolgedessen darf es seine Erziehung auch nicht sein. Abg. Irl(Zentr.): Die Verfassung sieht die achtjährige Schul- Pflicht vor. In der Richtung wären Erleichterungen beziehungs- weise Uebergangsvorschriften zu treffen. Ur.terswatssckretär Schulz: Die Fortbildungsschulpflicht muß, natürlich auch mit aller Schonung, durchgeführt werden. Eine staatliche Einheitsschule werden wir nicht haben, solange der Cha- rakter des gesamten Reiches nicht einheitlich ist. Dem Abgeordneten Seyfert erwidere ich: Die Mehrheit mutz entscheiden, und wenn die Mehrheit des Volkes die Konfessionsschule will, so muß sie bleiben. Ter Kampf um die Schule mutz mit geistigen Waffen ausgefochten werden und dem Beschluß der Mehrheit� auch auf diesem Gebiete muß sich gerade der Demokrat beugen. Herrn Traub kann ich versichern: Wir denken gar nicht daran, eine einheitliche Weltanschauung festzustellen und sie in alle Kinderseelen hineinzupumpen. Was wir erstreben, ist eine Verbindung zwischen Schule und Elternhaus herbeizuführen und damit auch den Kampf zwischen Eltern und Lehrcrn ein für allemal aus der Welt zu schaffen.(Beifall.) Um MI Uhr wird die Weiterberatung mit 4 Uhr vertagt. NaL?mittagssiizung. Am Regierungstisch: Dr. David, Dr. P�euß, NoSke, Dr. Bell. Vizepräsident Hautzmann eröffnet die Sitzung um 4 Uhr 10. Die Beratung über den Verfassungsentwurf, Kapitel„Bildung und Schule", wird fortgefetzt. Abg. Beucrmann(D. Vp.): Wenn es gelänge, die Eircheitlich- keit des Schulausbaues und die Einbcitlichkeit des Lehrerstaudes herbeizuführen und gleichzeitig dem Religionsunterricht den ihm gebührenden Platzzew der Schule zuzuweisen, so wäre alles ge- schehen, was mau nffig Der Unterricht muß ügerweise von den Schulartikeln fordern kann. nicht notwendig auf Völkcrvcrsöhnung gerichtet sein. Schaffen wir erst einmal Volksversöhnung, sozialen Geist. Wir treten dafür ein, daß die Bekenntnis- und Simultanschulen, wo sie geschichtlich begründet sind, erhalten bleiben. Nicht nur die Einheitlichkeit des Schulaufbaues, auch die V e r e i n h e i t- I i ch u n g des Lehrerstaudes muß herbeigeführt werden. Für die Schicke der Zukunft muh die sorgfältigste Auswahl der Lehrkräfte maßgebend sein: wir dürfe« den 5tindern-nur das Beste bieten.(Lebhafter Beifall rechts.) »71 Erleuchtung. Roman von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdorf. Die Blätter fielen. Das Jahr nahte sich seinem Ende. Um Weibnachten sollte unsere Hochzeit sein. Ich hatte diese Entscheidung getroffen. Maria sagte zu allem ja. Und ihr Vater, der während des Tages in seine Zahlen vergraben war, tauchte daraus-nur, sobald es Abend wurde, wie ein Schiffbrüchiger hervqr. Dann war er wie von etwas Ungewohntem gan.s überrascht und willenlos, und nur selten wurde er aus unerklärlichen Gründen eigensinnig bis zum Wahnsinn. Wenn ich morgens zur Arbeit ging und das Hügel- gelände von Ehäteigniers durchkreuzte, dann zeigte sich Maria manchmal an einer Wcgbiegung. Aus der fahlgranen Dämmerung(trat sie plötzlich hervor. Dann schritten wir unfern Weg vorwärts, gebadet von dem frischen Morgenlicht, und die Stadt, die zu unfern Füßen lag, erstand wieder aus ihrer Aschennacht. Oder Maria tauchte auch plötzlich, ioenn ich abends heimkehrte, vor mir auf und wir gingen zusammen zu ihrem Hause. Wir liebten ims zu innig und konnten darum keine Worte finden. Kaum tauschten wir einige Sil- den, damit unsere Stimmen verschlungen würden. Und sprachen wir von den anderen, dann lächelten wir uns zu. Eines Tages hatte der Marqu:s Monthyon den liebens- würdigen Gedanken, uns beide zu einer Abendgesellschaft aufs Schloß zu laden. Einige angesehene Leute unseres Stadt- teils kanien auch. Die Gäste waren in einer weitläufigen Galerie vereinigt, wo zwischen den hohen Damostvorhängen Marmorbüsten standen. Als alle beisanimen saßen, hatte der .AarqmK, der die grobschlächtigen Scherze liebte, den.Ge- danken, sich als großen Herrn aufzuführen und das elektrische Licht vermichen zu lassen. Als es eben dunkel wurde, lächelte 'ch gerade �Dtarie zu, die in der zahlreichen Gesellschaft neben i*'Hn Finsternis reckte ich die Arme aus, und ich griff nnet) cht, und ich zag sie an mich. Sie preßte sich an mich mit mehr Inbrunst, als sie es sonst je getan hatte. Unsere cunder begegneten sich hitziger als jemals. Unsere Körper, � schwankten, derweilen wir von dem unsichtbaren schwärm hm, und hergestoßen wurden, der von allen weiten auf uns los lärmte. Das Licht wurde wieder angezündet. Man ließ sich los. Was war das. Es war nicht Maria, die ich in den Armen gehalten hatte. Die andere Frau entfloh mit einem erstickten Aufschrei der Scham und des Aufruhrs zu dem Manne, den sie zu umfassen gemeint und der nichts davon gemerkt hatte. Ich war durch und durch geschüttelt und noch wie geblendet, als ich mich wieder Marien zuwandte. Nur schwer konnte ich wieder in mich hin- einfinden. Dieser Kuß, der mich plötzlich ganz unverhüllt mit einem so seltsamen Weibe in Berührung gebracht kwtte, be- wahrte in mir den Geschmack einer ungewöhnlichen und höllischen Lieblichkeit. Ich glaubte nachher, die Frau an ihrem blauen Kleide wiederzuerkennen und auch an der Helligkeit ihres Nackens. Aber es waren drei Frauen anwesend, die sich fast glichen. Niemals erfuhr ich, welche von diesen un- bekannten Frauen m_ ihrem liebenden Leibe diese Liebes- schauer verbarg, den ich während des ganzen Abends nicht von mir abstreifen konnte. ★ An der Hochzeit nahm eine zahlreiche Gesellschaft teil. Der Marquis und d'S Marquise Monthyon erschienen in der Kirche. Glücklicherweise hielt sich Brisbille fern. Da er ja ein scharfer Sektierer war, so hieß er auch nur die bürger- lichen Trauungen gut. Ich schämte mich ein wenig, als auch all die Frauen auf uns zutraten, die einstmals meine Ge- liebten gewesen waren. Aber Maria gewährte einer jeglichen von ihnen einen Anlest an ihrem schönen, ruhigen Lächeln, Frau Lacaille kam auf»ns zu, nervös, sprühend und mystisch wie immer. Auch die lstcke Viktorine mit ihrer gutmütigen Rundlichkeit, die mich überall und jederzeit so gastfreundlich aufgenommen hatte. Auch trat zu uns Magdalena Chaine imd besonders die magere Antonia, die uns ihr glühendes und strahlendes Italienerinnen Haupt entgcgentrug. Eben- holzschwarz war ihr Haar, und sie trug einen prächtigen Pariser Hut, und sie mar auch sonst sehr schön angezogen, seitdem sie V6ron geheiratet hatte. Ich mußte ihr ein wenig zuzwinkern, da sie sich mit ihrem hageren, feierlich bekleideten Körper an uns drängte. Dieser Körper hatte sich doch ehemals so oft an meinem Körper in allerhand Zufallszimmern geklammert und mir vielerlei Lust geschenkt. Aber wie das alles jetzt entfernt und erlo'chen war! 5. Kapitel: T a g es g e rä d e r. Man brachte neue Ordnung in mein Haus. Man ver- änderte nichts in der Anlage des Ganzen und in der Aufstellung der großen Möbelstücke. Das hätte eine zu große llwwälzung bedeutet. Aber man warf die verstaubten Stücke und Zierratc, die Tantchen aufgestapelt hatte, und die weiter aar keinen Wert besaßen, hinaus. Man entnahm aus dem Muschelrahnien die Photographien, die an der Wand in Gelbsucht und Sehnsucht dahinstarben, und die übrigens kein menschliches Ansehen mehr zeigten, so sehr hatte die Zeit sie ausgewaschen. Alles das wanderte in den Schlund der Schubladen., Ich kaufte Möbel. Wenn wir den Duft des Firnis ein- atmeten, der lange in dem unteren Zimmer haften blieb, dann sagten wir:„Das ist eine richtige Herrschastswohnung," In Wirklichkeit ähnelte unsere Einrichtung den Bürgercinrich- tungen, wie man sie überall und gewöhnlich findet. Ist es nicht ein wahrer Stolz, wenn man hinnieden sagen kann: „Auch ich bin einer von ihnen I" Die Jahre gingen hin. In unserem täglichen Leben gab es nichts Bemerkenswertes mehr. Wenn ich abends nach Hause kam, dann war Marie häufig während des Tages gar nicht ausgegangen, und sie trug noch ihren Schstifrock und die aufgesteckten Zöpfe, und sie sagte:„Nein, heute ist nichts Be- son-deres passiert." Zu dieser Zeit beschäftigte man sich viel mit den Luft- fahrzeugen. deren Bilder in den Zeitungen veröffentlicht wurden, und von denen man überall sprach. Eines Sonntags beobachteten wir von unserem Fenster aus einen solchen Flieger. Heber den ganzen Himmel hin war das abgehackte Lärmen des Motors hörbar..Vor ihren Häusern standen die Bürger und starrten in die Luft. Der rasselnde Raum wurde von einem schwarzen Punkt befleckt. Und wir wandten kein Auge von dem Schatten. Er wurde größer und größer. Immer deutlicher zeichnete sich das Schwarze des Linien- gerüstes und meines Gewinkeis auf dem leichten Schleier der Wolken ab, da dieses große, schwebende und lärmende Untier heranflog. Als es im Sturm nachher vorbeigeflogen war und zusammenschrumpfte vor unseren Augen und Ohren, die eine Weile verwickelt wurden in dies neue, dem Untier nach- schleifende Welt der Geräusche, da seufzte Maria träumerisch olif., Sie sagte:„Ich möchte mit dem Luftschiff in daß Wind hineinfliegen, hinauffliegen in den Himmel, ja, das mochte ich!" (Forts, folgt.) X STFg. tfunerf sU: Wir vergangen T!n?i!itr!6i??!f, 17n en�eltlichkeit und Wrltlichkeit der Scdule. Was uns hier an Welt lichkeit der Schule geboten wird, das sieht ungefähr so aus wie der ausgefranste, zerrissene Mantel eines Bettlers, auf den man ein paar neue Flicken gesetzt und drauf geschrieben hat:„Weltliche Schule" CS-Hr richtigl bei den U. Soz.) Tic katholische Kirche hat überhaupt keine Schule, sondern nur ein Kirchenprogramm mit dem sie die Bevölkerung zur Dummgläubigkcit erziehen will. Die natürliche Moral ist ganz autonom.(Zuruf im Zentrum: Wo kommt sie denn her?) Und die edelste Sitte kann gepflegt werden ohne Religion. In diesem Sinne verlangen wir die weltliche, die religionslose Schule.(Beifall hei den U. Soz.) Abg. Dr. Pbilipp(Dnat. Vp.): Das Schnlkampromitz wird nicht das Ende des Schulkampfes, sondern der Anfang eines neuen Schulkampfes sein. Wir stellen uns auf den Boden der Beschlüsse deS Ver fassungSausschuffes. Es ist jetzt wahrlich nicht angebracht, den ssteist der Völlerversöhniing in der Schule in der Verfassung fest zulegen. Abg. Dr. Luppe(Dem.): Ter Schulkamps wird weitergehen. Ein besonderes Gesetz soll die Tinge weiter regeln. Dieses Ge- setz wird nicht sobald kommen. Das ist ein Grundfehler des Kompromisses, daß er nicht die konfessionelle Versöhnung her- beifiiihrt, sondern vom ersten Tage an die Konfessionen scheidet. Wir wollen gerade die Versöhnung der konfessionellen Gegensätze. Sie tragen diese Differenzen sogar in die Familien hinein. Me diese Dinge sind nicht nach praktischen Gesichtspunkten entschieden worden, l Preußischer Kultusminister Haenisch nickt zustimmend.) Mit den Beschlüssen des Verfassungsausschusses wäre eine Ber- söhnung möglich gewesen.(Beifall bei den Dem.). Abg. Frau Bios(Soz.): Die weltliche Schule, um die wir seit Jahrzehnten kämpfen, ist infolge des Schnlkoui Prämisse s möglich geworden. Bisher wurde die Schule engherzig genug behandelt; sogar der Kochkunstunterricht durfte nicht anders als konfessionell erteilt werden. Der Geschichtsunterricht- kannte nur die Geschichte der F ü r st e n, nicht der Völker. Was er über Revolutionen lehrte, die doch Befreiung der Geister gebracht haben, war durchaus falsch. Tie Revolution ist immer nur im Sinne der Lehrer, nicht der Eltern dargestellt worden. Wir Frauen und Mütter Bollen den Be- griff der Völkerversöhnung in die Verfassung hineinhaben, damit wir nicht nochmal einen so furchtbaren Krieg erleben. Abz. Rheinländer(Z.): Wünschenswert ist, daß wir in der gesamten Jugend eine starke deutsche Gesinnung. Liebe zum Reich und Staatsgesinnung erziehen. Die Kirche erhält wieder den Ein- sluß, der ihr von Rechts wegen gehört, soweit er sich mit dem neuen Staatsgeist verträgt. Wir wollen durch unsere Leistungen nnd Tüchtigkeit, durch Bildung und Arbeit den Ehrenplatz unter den Völkern wieder erkämpfen, der den Deutschen wegen ihres Geistes und ihrer Bildung gebührt. Abg. Katzenstein(Soz.): Wir werden niemals bestreiten, daß zwischen unk und dem Zentrum lebhafte Meinungsverschiedenheiten bestehen.(Sehr rick>- tigl im Zentrum und bei den Soz.) Wir wollten aber nicht, daß eine Entscheidung in irgendeinem Sinne erzwungen wird, sondern beiden Richiungen die Möglichkeit eröffnen, sich gegenseitig friedlich auZeinandersetzei: zu können. Durch das Schulkompromiß wird keine konfessionelle Zersplitterung erzeugt, sondern im Gegenteil der konfessionellen Zersplitterung vorgebeugt. Wir hatten ursprünglich die weltliche Schule be- antragt; sie wurde mit Hilfe der Demokraten abgelehnt.(Hört, hört!) Auch ein Antrag Naumann wollte den NcligionSunter- richt ausdrücklich nach den Lehren und Satzungen der ReligionZ- Gemeinschaft erteilt sehen. Ein derartiger Zwang findet sich in dem Kompromiß nicht mehr, denn die Entscheidung liegt bei den Er- ziehungsberechtigten. Es wäre die unklugste Politik, die gemacht wenden könnte, wenn dos Zentrum jetzt ein ständiges Feuer zur Entfesselung der Leidenschaften schüren würde. Eine derartige Politik steht von ihm nicht zu erwarten. Tia�Temokraten haben sich in der schwersten Stunde unseres Volkes d�polttischen Verant- Wartung entzogen.(Lebhafte Zustimmung b. d. Soz. und im Zentrum.) Weltanschauungen dürfen nicht mit Maschinengewehren durchgefetzt werden. Wir wollen keinen neuen Kulturkanipf, schon in Rücksicht auf die Vereinheitlichung der gesamten Arbeiterbewegung, um sie stark zu machen im Kampf gegen den Kapitalismus, den Kampf für eine höhere soziale Ordnung.> Unruhe rechts. Der Kampf der Geister geht weiter.(Lebhafter Beifall b. d. Soz.) Abg. Haafe(U. Soz.): Wie die Achtung der religiösen Gesinnung Andersdenkender in der Wirklichkeit durchzuführen iit, das sagt das Erfurter Pro- gramm, nämlich durch die Trennung von Staat und Kirche. Alles was das Zentrum qewünscht bat, hat es bei diesem Kom- promiß durchgesetzt. lBcifall und Widerspruch.) Wo das Zentrum bei der Abstimmung in der Minderheit bleibt, wird es sofort kon» fessionelle Privatschulen gründen. Wo bleiben da die Einheitsschulen? Was Sic hier treiben, ist weiter nichts, als daß Sie den Geist der Finsternis wieder aufleben lassen.(Beifall b. d. U. Soz.) Abg. Hofmann(Z.): Die Konfessionsschule soll nicht den Haß schüren, sie soll die Versöhnung predigen. Abg. Weiß(Dem.): Herr Katzenstein sagt, wir seien selbst daran schuld, weil wir aus der Regierung herausgegangen seien, ja, hätten wir denn bei der. Stellung, die wir zur?vri«denssrage einnahmen, noch, in der Regierung bleiben können? Das konnten nicht'. Durch Ihr nQues Kompromiß nür-b btrS llntericheibenbe, das Zerreißende für alle Zeiten in dex Verfassung fest verankert. während uns die Vergemeinschaftung des Volkes so bitter Not tut. (Beifall bei den Demokraten.) Damit schließt die Besprechung.. Vor der Abstimmung bezweifelt Abg. Luppe c�em.) die 23 c- schlußfäbigkeit des Hauses. � Der Namensaufruf ergibt die Anwesenheit von 218 Mi-- gliedern, das Haus ist also bcschlußsähig, da dazu nur die An- Wesenheit von 212 Mitgliedern erforderlich ist- Jn der Abstimmung wird zunächst der Antrag Heinze, in der Ueberschrift des Abschnitts statt„Bildung und«chule, zu sagen:„Bildungs- und Erziehungswesen", abgelehnt. Die Ar- tilel 139(Freiheit von Kunst, Wissenschast und Lehre), 149 lOcsfentliche Bildunasanstalten), 141 lStaatSaussicht) und 142(All- gemeine Schulpflicht), werden in der Ausschußfassung angenommen, auf Antrag Katzenstein mit der Hinzufiigung zu Artikel 142, daß nicht nur in den Volksschulen, sondern auch in den Fort- bildungSschulen Unterricht und Lernmittel unentgeltlich sind- Die Artikel 143 bis 146 wenden in der Fassung des Kompromisses nach dem Antrag Löbe-Gröber, gegen die Stimmen der beiden rechten Parteien, der Demokraten und der Unabhängigen ange- nommen. Hinzugefügt wird dem Kompromihantrag noch die Be- stimmung, daß neben der Staatsbürgerkunde und dem Arbeits- Unterricht auch dic�Volkswirtschaftslehre Lehrgegen» stand in den Schulen sein soll. Alle übrigen AbänderungS- antrüge, die von verschiedenen Seiten zu dem Kompromiß gestell: sind, werden abgelehnt. Nach Annahme des Artikels 147 wird die weitere Beratung vertagt. Nach längerer Geschäftsord- nungSdebatte einigt sich das Haus auf Beendigung der Ver- fassungsberaiung am Montag und Dienstag. Tie große politische Aussprache beginnt Mittwoch mit den Reden der Ministe r. Nächste Sitzung Sonnabend, den 19. Juli» 9 Vi Uhr. Zahlung der Zölle in Gold und kleinere Vorlogen.» Schluß S'A Uhr. preußisthe Lanöesversammlung. 48. Sitzung, Freitag, den 18. Juli 1919, mittags 12 U h r. Am Rcgierungstisch: Kommissar«. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung der Vorlage über die Aufhebung der Ortsschulinspektionen. Abg. Tr. Borsch(Z.): Wir sind gegen die Beseitigung der geist- lieben Schulaufsicht und befinden uns da in voller Uebereinftimmung auch mit der katholischen Lehrerschaft Trotzdem wollen wir dem Gesetz zustimmen, wenn der kirchliche Einfluß auf di: Schule in anderer Weise sichergestellt wird� Zu diesem Zweck beantragen wir. daß auf Grund eines Gesetzes Schulbeirätc aus Vertretern der Eltern, der Lehrer, der Gemeindebehörden und derjenigen Religions, gcsellschaften gebildet werden, deren Angebörige an der botresfendeu Schule unterrichtet werden. Tiefe Beiräte sollen in freier Wahl gwählt werden. Ferner beantragen wir. daß der Geistliche, der an einer Schule Religionsunterricht erteilt, al» Mitglied des Lehr- körpers dieser Schule betrachtet wird und Sitz und Stimme in deni Lehrkörper hat. Sollten diese Anträge abgelehnt werden, würden wir gegen daZ Gesetz stimmen. Abg. Frau Slrenisee(II. Soz.):©? ist höchste Zeit, daß die geist- lichc Schulaufsicht beseitigt wird. Abg. Neumann-Königsberg(Soz.)': Der Vorwurf des Prinzipienverrates, ist lächerlich. Wir halten an unseren Grundsätzen fest und werden nicht nachgeben.(Stürmisches Hört, hört! im Zentrum.) Wir werden auf den Minister entsprechend einzuwirken suchen. lEr- acutes Hört, hört! und große Unruhe im Zentrum.) Ihre Auf- reguug verstehe ich nicht. Genau so, wie Sie auf die Zentrums- minister Einfluß zu nehmen suchen, suchen wir unsere Partei- minister in ihrer Stellung zu festigen. lUnruhe im Zentrum.) Abg. Kimpcl(Dem.): Wir sind nicht kirchenfeindlich. Die Kirche bat ein Jnievcsse an der Erziebuna der Jugend. Nur soll sie keine Borreckre, sondern nur ein Mitbestimmungsrecht erhalten. Abg. Hollmann(D. Vp.): Wir hatten zunächst schwere Be- denken gegen den ZentrumSantrag. werden jetzt aber für ihn 'timmen.(Große Heiterkeit— Zuruf links: Echt nationalliberal!, Ministerialdirektor Kestner: Die Einrieb ruug von Schulbeiräten hat viel für sich. Aber man sollte diese Einrichtung nicht in Ge- 'etzesparagraphen versteinern, sondern sie dem Wege der Ver- o r d n u n g überlassen. Die Zentrumsanträge werden abgelehnt. Die vom Ausschuß vorgeschlagene Entschließung betr. die Ucker- tragung der bisherigen Befugnisse der Orisschulinspektoren in Volks- schulangelegenbeiteii aus die K r e i s schu li n sp« k to r e n, so- weit diese Befugnisse nicht dem Lehrkörper bzw. in einklasstgen «chulen dem Lehrer(der Lehrerin) zugewiesen werden können, ge- langt unverändert zur Annahme. In der dritten Lesung lehnt Adolf H o f s m a n n lU. Soz.) mit seiner Fraktion die Vorlage ab. TaS Gesetz wird gegen das Zentrum und einen Teil der Rechten endgültig angenommen. Der Bericht deS Gemeindeausschusses über die Vorlag« wegen vorläufiger Regelung verschiedener Punkte deS Gemetndever- assungsrechts erstattet Abg. Dr. Rucr(Tfm.). § 10 der Vorlage enthielt die Aufhebung des Verbots der gleichzeitigen Mitgliedschaft in M a g i st r a t und Stadtverord- netenversammlung. Ter Ausschuß hat§ 10 gestrichen. Bei der Abstimmung erheben sich für die Streichung die anwesen- den Mitglieder der beiden sozialdemokratischen Parteien. Die Ab- timmung bleibt zweifelhaft, die Auszählung ergibt die?lnwcsenheit von 235 Mitgliedern, von denen 121 für das Verbot. 114 dagegen stimmen. Es verbleibt also bei der Streichung des§'10. Im übrigen wird die Vorlage in zweiter Lesung nach den Ausschutz- vorschlügen angenommen. Nach weiterer Aussprache wird durch Auszählung mit 145 gegen 173 Stimmen beschlossen, den in der zweiten Lesung gestrichenen. Z 10 der Regierungsvorlage wieder herzustellen. Darauf wird das Gesetz im ganzen gegen einen Teil der Rech- ten angenommen. Einige Anträge zur Förderung des Volkshochschulwesens wer- den mit dem Antrage des UnterrichtSausschusseS, für diesen Zweck 2 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen, dem Haushaltausschutz überwiesen. Der Gesetzentwurf zur Sicherung der Bewirtschaftung von Fischgewässern wird nach kurzer Beratung in zweiter und dritter Lesung angenommen. Darauf wird die Aussprache über das Ministerium des Innern fortgesetzt. Abg. Dr. Leidig(D. Vp.): Wir werden uns protz der wieder bevorstehenden Abendsitzung nicht abhalten lassen, ausführlich zu den schwebenden Fragen Stellung zu nehmen.(Unruhe.) Zu dem- selben Etat hat ein gewisser Leinert einmal 2 Stunden gesprochen. (Heiterkeit.) In der jetzigen Koalitionsregierung herrscht keine Einigkeit, die Herren sind uneins sogar in den wichtigsten Fragen, jeder marschiert seine eigenen Wege.(Während der Rede erscheinen NnterstaatSsckretär Meyer und später Minister Heine am Re- girungstisch.) Der Ton auf der Ministerbank ist ein derartiger ge- worden, daß die Herausgabe eines kleinen Ministerkniggc eine dringende Notwendigkeit geworden ist.(Heiterkeit. Unruhe links.) Noch heute bestehen Arbeiter- und Soldatenräte, und der Minister des Innern hat nickst gewagt, deutlich auszusprechen, daß das gegenwärtige preußische Staatsrecht kommunale Arbeiterräte nicht kennt. In Groß-Berlin gibt es noch 1942 Arbeiter- und Soldatcnräte. Neuerdings hat der Finanzminister abgelehnt, die Einrichtungskosten für de» VollzugSrat zu bezahlen und der Vollzugsrat appelliert jetzt zu diesem Zweck an die Arbeiter- schaft. Unsere preußische, vor dem 9. November so festgefügte Ver- waltung ist heute in völligem Verfall. Von den gewaltigen Um- wälzungen, die der Friedensvertrag für Preußen mit sich bringt, wissen wir amtlich bis jetzt kein Wort.(Hört! hört! rechts.) Em starkes Preußen ist nur möglich, wenn der nationale Gedanke ge- stärkt wird.(Zuruf bei den U. Soz.: Hoch der Ehauvinismus!) Der ist uns lieber wie Internationalismus und Bolschewismus.(Bei- fall rechts.) Weiterberatung 7VH Uhr. Schluß 6 Uhr. (Bericht über die Abendsitzung siehe 3. Seite Hauptblatt.) Groß'ikrün Die Erzeugerpreise im Jahre 1�. Das ReichSernährungSminfsteriuin schreibt uns: Da Reichs- ernährungSministeriuin hat durch Verordnung vom 15. Juli die Preise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus der Ernte 1919, soweit diese öffentlich bewirtschaftet werden, festgesetzt. Die neue Festsetzung wird bedingt durch die Tatsache, daß alle Produktions- mittel der Landwirtschaft, wie Löhne, Düngemittel, Maschinen und sonstiges Betriebsmaterial, zum Teil aus ein Vielfaches im Preise gestiegen sind und daß die Betriebsmittel zurückgegangen und die Erträge gesunken sind. Um die Landwirtschast leistungsfähig zu erhalten, war eine Erhöhung des Getreidepreises ein zwingendes Gebot. Ein Rückgang des Getreideanbaues wäre unvermeidlich, wenn die Höchstpreise die Produktionskosten nicht mehr decken würden, weil alsdann die Landwirtschaft ge- zwungen Wäre, zu einer extensiven Wirtschaft überzugehem Die Kostspieligkeit der AuSlgndSzufuhren stellt die höchsten Anforde- rungen an die Produktion der heimischen Scholle. Entsprechend der Steigerung d-w Produktionskosten ist der Roggenpreis für das Berliner Preisgebiet auf 405 M. fest- gesetzt, also um 100 M. oder 33 Proz. gegenüber dem Vor- jähre erhöht worden. Etwas srärker als die Produktions- kosten des Roggens find diejenigen des WeizenS gestiegen. Unter Berücksichtigung der bisherige» Spannung zwischen Roggen, und 1 Weszenpreis erschien ein Preis von 459 M. für ssas niedrigste oft- l liche Preisgebiet als angemessen und ausreichend. Der Preis der ' Gerste ist im Hinblick auf ihre weitgehende Heranziehung als Brot- getreide aus der Höhe des Roggenpreises zurückgeblieben. Um eine Verteuerung der Lebcnshaltnng der breiten Masse durch die Erhöhung des Brotgetreidepreises zu vermeiden, wird die Erhöbung des Brotgetreidepreises bis zum 1. Oktober auf die Reichskasse übernommen. Beim Äarioffelpreis waren die gegenüber der Vor- lriegszeit um mehr als 199 Proz. gestiegenen Produktionskosten iin$ die zurückgegangenen Erträge in Uebereinstimmimg zu bringen. So mußte ein Grundpreis von 125 M. für die Tonne angemessen erscheinen. Er kann nach den regionalen Verschiedenheiten bis zu 145 M. erhöht werden. Neben den Preisen für die vegetabilischen- Erzeugnisse setzt die neue Verordnung auch die cschlachtviehprcise fest. Neben der Wiederholung der Preise für Schlachtrinder sind weiter Prei'e für Scblachtkälber und Schlaclstschweine vorgesehen. Der Kälber- preis ist auf 129 M. für den Zentner Lebendgewicht, der Preis für Schlachtschweine auf 129 M. festgesetzt. Um die beständigen lieber- forderungen auf den' Ferkelmärkten zu beseitigen, sind außerdem für Ferkel und Läuferschweinc Richtpreise von 19 bzw. 6 M. für das Kilogramm Lebendgewicht vorgesehen. Die Preiserhöhungen dürften den berechtigten Klagen der Landwirtschaft über ein Zurückbleiben der Preise hinter den Gestehungskosten voll gerecht werden. Sie werden dazu beitragen, den Schleichhandel zugunsten der gesetzlichen Ration wesentlich einzuschränken. Neben einer ausreichenden Preisnormierung ist zur Förderung der Produktion und zur Verbilligung der Erzeugnisse vor allem auch die Bereitstellung eiweißhaltiger Futtermittel dringend ge- boten. Andererseits besteht der dringende Wunsch der Verbraucher, das Brot wohlschmeckend zu gestaltev. Falls die begründeten Au?« sichten aus nambafte Gctreideeinsubr aus dem Ausland sich er- füllen und die Eingänge aus heimischer Ernte, ungefährdet durch Laudarbeitcrstreiks, sich normal gestalten, wird darum die Aus- Mahlung des Brotgetreides auf 81 Proz. berab- gesetzt werden. Dadurch würde sowohl dem Bedürfnis der Landwirtschaft nach Kleie als auch dem Wunsche der Verbraucher nach Verbesserung des Brotes Rechnung getragen. Unabhängige Kampfesweiie. Für die Arbeiterratswahl der A. E. G. in Ovcrschöncweide ver- breiteten unsere Genossen vor dem Werke ein Flugblatt, um für ihre Liste Propaganda zu machen. Die Verteiler wurden von den Unabhängigen beschimpft und angerempelt. Zioei Flugblattverbreiterinnen, die Genossinnen Labsch und H o f f m°an n, ichlug man mit rohester Gewalt vor die Brust, so daß besonders Frau Hofsmann betäubt gegen die Wand taumelte. Jetzt stürzten sich drei unabhängige Rowdys in viehischer Weise auf sie und entrissen ihr die restlichen Flugblätter. Arbeitskollegen und Kolleginnen, die sich erdreisteten, die empfangenen Flugblätter sofort zu lesen, wurden diese auS dex Hand gerissen und besonders letztere, wie auch die mißbandelten Genossinnen, mit gemeinen Warten auS dem Zuhälterlexikon tituliert. Darauf zogen diese„Edlen" mit einer Heldenmiene nach dein„Blumengarten", wo eine ihrer berüchtigten Betriebsversammlungen abgehalten wurde. Dort fuhr ihr Referent, Herr Malzahn vom VollzugSrat, eine Schimpfkanonade gegen unsere Partei aus und fand besonders lebhaften Beifall damit, daß die am Montag, den 21. Juli, zu veranstaltende Demonstration dazu dienen soll, den„Verrätern", den MehrhcitZsozialistcn, tüchtiy eins auszuwischen. Das nennt sich dann Demonstration de? einigen Proletariats für den Sozialismus und gegen den Gewaltfricden---- Als einer unserer Genossen gegen die schäbigen Angriffe aus unsere Partei austrat und für die von uns aufgestellte Liste zum Arbeiterrat agitierte, setzten gleich zu Beginn seiner Ausführungen gegen ihn selbst und die Partei die schäbigsten Angriffe ein und unter hysterischem Geschrei der Versammelten, das nur als Nacki- Wirkung der Kriegspsychose zu erklären ist, wurde der Reiner am Sprechen gehindert. Mit Ekel verließen wir die Stätte der unabhängigen „Meinungsfreiheit", wie wir oft schon mit Ekel daran dachten, daß so viele A. E. G.-Leute früher gelb organisiert waren. Früher quittegelb und heute blutrünstige„Edelsuzialisten" der U. S. P. D. und K. P. D. Wir gratulieren beiden Teilen, Führern und Gc- führten!_ Vollversammlung der Arbeiter- und Soldatcurät« Groß- Berlin S. P. D. und T P. morgen Sonnabend, 11 Uhr, in HavcrlandS Festsälrn, Neue Friedrich- slraße 35. Tagesordnung: 1. Bortrag deS Gen. Dr. Stricmer über Zwang?- Syndikate, Trusts und Gemrinwirtschajt. 2. ArbeitcrratS-Angelcgcnhciten. I. A.: H a a s e. c- Der erste Bcrtretertag der„ReichSvcreinigung ehemaliger Kriegs- und Zioilgefangcner" und deS„Volksbundes zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen" tagt jetzt im Herren- haus. Hauptmann d. Goertzke gab einen Ueberblick über die Tätigkeit, die zur Aufnabme der Kriegsgefangenen entfaäet worden ist. Am Hilfswerk babe sich der Volksbund ebensalls be- teiligt. Der Redner spricht dann kurz über die Forderungen an die Reichsregierung. Herr Schlesinger vom Kriegsmini- sterium spricht dann über die Maßnahmen zur Ausnahme der Krieasgefangenen. Bis jetzt seien noch kerne Kriegsgefangenen zurückgeführt worden. Die Zurückführung sollte von den ein- zelnen Komitees in den Gefangenenlagern selbst in die Hand genommen werden und je nach der Dauer der Gefangenschaft er- folgen. Um die Lage der Kriegsgefangenen schon jetzt im Auf- räumungsgebiet zu bessern, schicke die Reichszentralstelle monat- lich 5 Millioneit dorthin. Zum Empfang der Kriegsgefangenen habe die Regierung 6 Millionen zur Verfügung gestellt. Bei der Entlassung erhalten die Kriegsgefangenen die Gebührnisse für 8 Wochen; dafür sind 329 Millionen bereitgestellt. Ferner sind 139 Millionen für eine wirtschaftliche Beihilfe bewilligt. Am Sonnabend soll über die Hauptaufgaben gesprochen werden. Redncrkursus heute Sonnabend,- abends 6 Uhr, im Konferenzsaal Vorwärtsredaktion. Schwerer Raubüberfall. Drei Einbrecher aus Berlin waren in Waßmannsdorf bei Rudow in das Stallgel, aude de- RieselwärterZ Karl Libitz eingedrungen, hatten mehrere Hühner, Karnickel und eine Ziege abgeschlachtet, sie auf einen Wagen ge- laden und fuhren damit davon. Libitz fuhr der Wagenspur nach. Sie endete in einem Haferfeld. Die Einbrecher sprangen auS ihrem Versteck hervor, fielen über ihn her, würgten ihn und warfen ibn zu Boden. Dann schleiften sie ,hn aus dem pafer- feld heraus auf die Chaussee. Hier hielt ihn e,ner fest, wcchrnld ein zweiter einen Stein nahm und damit auf den mit dem Gen a>r auf der Erde liegenden Mann einschlug. Kieler raffte alle ferne Kräfte zusammen, stieß den Verbrecher, der ,hn fe,th,elt. mit dem Kopfe um und richtete sich aus. Jetzt sah er, wie der zweite einen kindskopfgroßen Stein in der erhobenen�Hand hielt, um ihm damit, wie er sagte, den„Rest zu geben. Als jetzt der Ueberfallene flehentlich um sein Leben bat, ließen sie von ihm ab und fuhren mit seinem Rade und der Beute davon. Uebel zugerichtet wurde er schließlich aufgefunden. Es ist ge- lungen, zwei der Täter zu ermitteln, den Monteur Alfred Schwarz aus Achtenberg und den Sattler Eitel Schewe, die erst vor wenigen Tagen wegen Hühnerdiebstahls festgenommen und nach Moabit gebracht worden, dort aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden waren. Der dritte Verbrecher, Karl GörSdork. zuletzt in Neukölln, wird noch gesucht.— Zwei unbekannte Männer erschienen in einer Weinhandlung im Westen und vee- langten von der Inhaberin die Herausgabe deS Geldes. ES gelang ihnen, mit 18 900 M. zu verschwinden. Sie entkamen im Auto. Aber die Autokontrolle wird sie schon gefaßt haben, nicht wahr?. Ter Gouverneur von Berlin» Gen> Georg Schöpflin, wird am 1. August zurücktreten. Der Posten dürfte eingezogen werden. Umleitung von Strastenbadnlinie». GleiZbauarbeiten Ecke der Leipziger und ycrusal einer Straße machen er crsorderlich, in der Rächt zum ZS. b. ab diese Linien über Nebenstraßen umzuleiten. Regatta des Preten Ruderbundcs. Morgen, Sonntag, mittag« IL Uhr, findet die 7. BundeSregntta auf der üblichen strecke Eisenbahn- brücke Treptow— Restaurant Schwanenberg(Kiel) stall. Zum erstenmal nach fünijährigir Pause traten sich die Mamchchaften der Verein?„GoHtgia', „Freiheit" und.Vorwärts" wieder zum sriedlichen Wettbewerb gegenüber. Die Rennungen find in Anbetracht der vielen Schwierigkeiten recht zahlreich und lind spannende Kämpfe zu erwarten. Ab l Uhr nachmittags Warten- ieft mit Konzert und Tanz im Restaurant Schwanenberg Ein Kriegsbeschädigter bittet, aus seiner am Dienstag nerlorencn Briestasche den Militärpaß und die andern Papiere zu senden an Paul Felsch, Reinickendorf, Hcrbstftcage 1-t. Steuerabzüge. WaS kann Bei der Einkommensteuer »Preußen) abgezogen werden? Aus diese Frage antwortet ein von R. Ritter, dem Herausgeber der„Deutschen.Steuerzeitinig", so- eben veröffentlichtes N a ch s ch l a g c b u ch, das alle stall haften und nicht statthaften lllbzüge in alphabetischer Reihenfolge zmn Ableien. sowie eine Anleitung zur Erlangung einer Ermäßigung ber Stenersiusen enthält. Preis M. 2,—. Industrieverlag Spacih u. Linde, Berlin E. 2 Reukölln. Tie Stadtverordnetenversammlung begrüßte Fre'iag die aus den Reichen der Sozialdemokraten und der Unabbängigen neu gewählten unbesoldeten Stadträte, die in ichr Amt eingeführt wurden.— Sie nachm dann Stellung zu dem Gesetzentwurf kür Groß- Berlin, über den die zu seiner Prüfung einge- setzte Deputation berichtete. Dem Wunsch, sich einmütig für den Gedanken der Einheitsgemeinde auszusprechen, stimmten alle Fraktionen zu. Zu manchen Einzelfragen wurden ober Ab- Minderungen für notig gehalten, z. B. von beiden sozialistifchcn Fraktionen eine Perkürzung der auf 6 Jahre bemessenen Amt?- dauer der Groß-Berliner Einheitsaemeindeveriretcr, für die den Sozialdemokraten 3 Jahre, den Unabhängigen 2. Jahre ausreichend scheinen. Die Nwabhängigen wollen kein« unbesoldeten Magistrats- Mitglieder mehr, während die Sozialdemokraten sie neben den bc- ioldeten nicht missen möchten. Von den Unabhängigen wurde auch die Forderung einer Berücksichtigung de- SvstemS der Arheiterräte gestellt.— Der Kredit für die Erwerbslosenfürsorge, für die bisher 11 Millionen Mark bewilligt sind, wurde um weitere 10 Millionen verstärkt. Auf«ine Anfrage der Unabhängigen erklärte der Ma- glitrat, daß bezüglich der UnierstützungSsätze die Einzelgemeindcn sich nach den für Groß-Berlin gemeinsamen Beschlüssen richten müssen.— Genehmigt wurde ohne Debatte die Erhöhung der Hundesteuer von 30 auf SO M. ab 1. Okiober, die schon in der Etat- beratung rür notwendig erklärt worden war.— Bei dem Beschluß auf Festsetzung eines höheren Tarifs für Leichen- und Trauerwagen wurde die Frage der»sozialisierung des BeerdigungSwesenS be- rübrt.— Ein Antrag der Demokraten ersuchte den Magistrat, auf Besserung der postalischen Verhältnisse. Neuköllns hinzuwirken. Bemängelt wurde die Langsamkeit der Abfertigung an den Schaltern, die Verzögerung der Briefbestellimg usw� Der Redner der Unabhängigen klagte auch über Bespitzelung der Dclefonge- spräche. Tie Versammlung stimmte dem Antrag zu. Oberichönewcide. Die Gemeindevertretung nahm eiiunütig einen Antrag an, der den Ausgleich der Steuerbelastung bei niedere», und höheren Einkommen vorsieht. Man nahm Stellung zum Rc- gierungsentwurf Groß-Berlin. Gen. Ramsbrock trat für Aus- dchnung der Einheitsgemeinde auf 20 Kilometer und fiir Erhöhung der Zahl der Stadtverordneten ein. Die lm, gerlichen Redner ver- traten gleichfalls den Gedanken der Einheitsgemeinde. Der Sprecher der Unabhängigen wandte sich gegen die Diftriktseinteilung, die dem Plan der Gesamtgemeinde zuwiderlaufe. Im übrigen enthalte der Entwurf so viele Punkte zur K llik, daß er gar nicht wüßte, wo da- mit anzusetzen sei. Er hülcte sich aber, positive Vorschläge zu machen. Tie Gemeindevectrcnlng sprach sich einstimmig für den Gedanken der Cinheitsgemeinde aus. Tie durch die Schöffenwahl zur»bfolutcn Mehrheit gelangte U. S. P.-Fraktion nuvtc bei den Wahle», zu einzelnen Kommissionen ihre numerische Stärke rück- sichtsloS aus? dieselben Leute, die bei d:r Bchöfsrnwahl auf das StärkevrrhältniS pochten. So wurde daö Micteinigungsamt voll- ständig vun ihnen beseht. T«r sozialdemokratische Kandidat, der alS Schorfe bislang die ganzm, Vorentscheidungen in Mieistreiiiakeitei, getrofsen, wurde niedergestrmmt. Unser Antrag, unverzüglich an den Ausbau eines WohlfabrtsamteS zu gehen, wurde einstimmig dem Yiemeindevorstand zur Durchführung überwiesen. Erregte tief- gebende Tebatie zeitigte ein Antrag, die Tagegelder des Arbeiter- Rats von 18 auf 23 M. zu erhöhen, Tie Bürgerlichen lehnten die Institution der kommunalen Arbeiterräte grundsätzlich ab. Ge- kwsse Birnbaum ging auf die Frage Diktatur oder Demokratie «in und verwarf die Diktatur, wie sie von links gewünscht wird. Tie bürgerlichen Parteien trügen allerdings ibr gerüttelt Maß»Schuld, >venn den Massen der Glaube an die Kraft der Demokratie ab- banden gekommen fei und ihr Sehnen zur Rätediktatur neige. Er stellte au einwandfreien Beiivielen fest, daß das Bureau beS kom- munalcn ArbeiterratS eine Agitationszentrale der U. S. P. sei. Die Regelung der Arbeiterangelegeuheitei, gehöre nicht zu den Funk- tion?n der kommunalen Arbeiterräte, sondern der Gelverkschastcn. Die Kontrolle der Ämtögeschäfte sei ein Unding, nachdem Gemeinde- Vertretung und Gemcindevorstand zu übcrgiroßer Mehrheit auS Sozialdemokraten beständen. Er ivrach die feste Zuversicht aus, das), nachdem die N. T. P. bei den Gcmeindewahlcn die Lebensmittel- Misere und gewisse Vorkommnisse in der Verteilung weidlich agita- toriich ausgenützt habe und dadurch zu absoluter Mehrheit im Orts- varlament gekommen ist, ihre Schöffen auch die Lebensmittel- dezcrnate übernehmen twas bislang von ihnen m?S den verschiedensten Gründen heraus abgelehnt wurde!). Di« S, P. D. stellte den Antrag, den Arbciterrat als solchen aufzulösen und dafür zwei besoldete Leber». Zu, ittelkon, rollen« anzustellen(je einen S, P. D. und U. S. P.). DicS wunde abgelebnt; desgleichen der Eventualantrag, nebe»» den zwei besoldeten Unabhängigen einen Mehrheitssozialisten anzustellen. Tie Erhöhung der Tagegelder wurde dcwauf ab 1. Mai angenommen. WoltrrSborf. Ein aufregender Zwischenfall ereignete sich bei dem am vorigen Sonnabend vom Sozialdemokratischen Verein ver- anstaltcten Kinderfest. Nachmittags �4 Uhr sammelten sich die Kinder auf dem Schulplatz zu einem Zug nach dem Vergnügung?- lokal. Unter Vorantrit! einer Musikkapelle und Tragen einer kleinen roten Falme setzte sich der Zug, welcher aus zirka 180 Kindern be- stand, in Bewegung, ES war erhebend zu sehen, in welcher Freude die Kinder sich bewegten, zumal sie doch in den langen KriegSjahren von Kinderfesten usw. nicbts mcbr zu sehen bekommen hatten. Doch es sollte nicht lange dauern und der Zug wurde durch einen aufregenden Zwischenfall gestört. Plötzlich erschien ein Jäger des bicr »ni, quartierten Lützowschen Freikorps mit Stahlhelm und vorgehaltenem Gewehr und verlangte die sofortige Heraus- gäbe der roten Fahne. Als ihm dies natürlich oerlveigcrt ivurdc, pflanzte er sein Seitengewehr auf, entsicherte das Schloß und versuchte den Bezirksfübrer Motel niederzustechen. Es entstand eine Panik unter den Kindern und schreiend liefen diese auseinander und davon. Nur mit Mühe konnte sich der Bezirk?- sichrer diesen Gesellen vom Halse baltcn und erst das energische Eingreiien von Passanten befreit« ihn. Es dauerte geraume Zeit, eh« sich die aeängstigien Kinder wieder zusammenfanden, und dann konnte der Zug unter Weiteren, Voraniragen der roten Fahne dem Lokal zusteuern. Der Vorstand erbob sofort bc» dem ältesten Osfi- zier, da der Kommandeur nicht anlvescnd war. Beschwerde und ver» langte die sofortige Feststellung de? rollen Patrons. Letzterer schien sich seiner Tat bewußt geworden zu sein; denn als auf Drängen deZ BezirkSfnhrerS eine Durchsuchung der Quartiere in der Schule vorgenommen wurde, konnte der Täter nicht gefunden werden, und bei dem Versammeln der Mannschaft aus den, Schulplatz ebenfalls nicht. Erst als sich zeigte, daß ein Mann fehlte, und bekannt wurde, daß dieser sich noch in den Schulräumen aufhielt, wurde c» heraus- geholt und sofort einwandfrei wiedererkannt. Es ist dieses der Jäger Johannes Müller, 1. M.-G.-Eskadroi,, Freikorps Lützow, zu,- zeit Woltersdorf. Von dem-ältesten Offizier wurde die feste B?r- ficherung abgegeben, daß der Mann keine,, Befehl hatte, gegen die Kinder vorzugeben, und er die brutale Aktion ans freien Stücken heraus unternommim hatte. Der Vorstand bat eine Besihwerde an den.Kommandeur Major von Lützow in Erkner ivcitcrgegeben und strenge Bestrafung des rohen Gesellen verlangt. Pankow. Elemeindevertretung. Infolge des außerordentlich starken Rückganges der Inanspruchnahme der Kriegsküchen und erbeblief>cr Steigerung der Gcmeindezuschüsse bat sich die N»zt- wendigkcit der Schließung bcrnuSgcstcllt. Genosse Schösse Schmidt begründete diese Maßnahme an der Hand eines ein- gehenden Berichts, an? dem zu ersehe» war, daß die Kriegsküchei, in der Zeit vom 1. August 1913 bis 31. Juli 1913 einen Zuschuß von rund 339 909 M. erforderten. Von da ab bis zu der am 13. Juli d. I. erfolgten Einstellung des Betriebe? hat sich diese Eni- Wicklung nom ganz wesentlich verschlechtert. Zu dieser Anforderung an die öffentlichen Mittel stand der Zweck nicht mehr im Verhältnis, da die Zahl der für diese soziale Einrichtung in erster Linie in Betracht kommenden Esfenteilnehmer so minimal geworden war, daß die Aufrechterhalt ung nicht mehr zu verantworten war. D'c Vertretung stimmte auch einstimmig der©chsießurig des Kriegs- kiichenbetriebes zu.— Bei der S t« l l u n g n a h m e zum Gesetz- entwürf über die Bildung eine? Stadtkreise? Groß-Berlin entschied man sich allseitig für die beabsichtigte Schaffung einer Einheitsgemeindc, Iveiin auch im einzelnen die Wünsche der einzelnen Parteien auseinandergingen. Gewünscht wurde einmütig die Erweiterung der Abgrenzung de? Gebiets von 15 auf 20 Kilometer Radius. Ferner wurde zum Ausdruck gebracht, daß der Entwurf zu stark die Interessen Berlins wahrnehme, wäh- rend die Außcnhezirke in ihrem Eigenleben allzu sehr eingeengt wurden. Vor allem aber wurde gewünsch!, daß die Kompetenzen klar abgegrenzt würden. Auch wären die Distrikte an Zahl zu ver- i ringern und an Umfang zu erweitern und die Stärke der Distrikts- ' Versammlungen wie auch eventuell die der Stadtverordncienver- iammlung und de? Magistrats zu erhöhen.— Nach längerer Debatte stimmte die Versammlung dann noch einer Vorlage zu, wo- nach Einkommen bis zu 1599 M. von der Gemrind-rinkommensteuer frei bleiben, die Einkommen bis zu 6500 M. eine solche von 800 Prozent, diejenigen mit höheren Einkommen jedoch neben den 300 Pro- zent einen 50 prozentigen Zuschlag auf Äe Gesamtgemeinde- einkommenstcuer zu zahlen haben. Grost-Berliner Lebensmittel. Berlin.'/« Psund Reis(53).» Mariendorf-Jüdrnde. AnSIöndisSieS Wefrier-Schweinefleisch(4,75 M. pro Pfd.) oder 500r. Hülsenfrüchte, 50 Gr. Bratsctt bis Sonntag.— Vis zum 19. d. M. aus die Nummern»Z001— 2S1I5 je'!. Psd. Salzheringe in den Mariendorser Kcschötten; in Südcnde auf Nummern 1—4500.— Außerdem in Mariendorf Nr. 9021—14 000, Südende Nr. 201— 500 ein weiteres Baldes Psunid Heringe.— Diejenigen Einwohner, Ivelche am 23. und 24. 0. auigerusen waren' und die Heringe nicht abgeholt haben, erbaltcn sie noch jetzt»m Gemeindeladen: 23 101—26 100 Abschn. 1, 5001— 9620 Abscknl 8 Maricudori und 2341-4000 ABschn. 1, 1-200 ABschn. 8 Südende. Brik. Eintragung in die Pserdefleischkuiidenlifle gegen Vorzeigung des LebeiiSmiUelaiisweiies vom 18. bis 24. Juli, 9 bis 2 Uhr. Gleichzeitig Ausgabe der Pjerdefleischkorten. Paukow. 150 Gr. Nährsuppcn(44). AIS Ersatz für Kartoffeln 500 Gr. Kartoffelscheiben(53)._ Grsß-Serliner partemachrkchten. 9. bis 12. Abt. Das Sominervergnügeu der Südost-Abteilungen findet morgen in Treptow,„Viktoriagarten", statt. Die Eintrittskarten vom 13. d. M. haben Gültigkeit. 18-«. 14. Abt. Morgen(Sonntag): Familienausflug nach Hirsch- garten, Treffpunkt: nachmittags 2 Uhr im Restaurant zum„Aüssichtsiurm". Neukölln. In der stark besuchten Generalversammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins am 16. Juli gab Gen. Fiedler den Jahresbericht und Gen. Scholz den Bericht als Kassierer. Beide Berichterstatter konnten das Erstarken und den günstigen Stand der Organisation feststellen. Die Versammlirng erteilte dem abtretenden Vorstand die beantragst« Entlastung». Di« nach lob- haster Aussprache stattfindende Neuwahl des Vorstandes ergab die Wahl von Gen. Heitmann zum ersten. Gen. Fritz Karle zum zweiten Vorsitzenden, Ge», Scholz zum ersten und Gen, Jacobs zum zweiten Kassierer, Gen. Fcllcr wurde zum ersten und Gen. Arndt zum zweiten Schriftführer. Als Beisitzer wurden die Genossen Tinzmann und Mcpcr und die Genossinnen Scholz und Grapow, als Revisoren die Genosse,, Alschcr, Grubig und Planst gewählt. Die von den Abteilungen vorgeschlagenen Abteilungsleiter wurden be- statigt. Ohne Debatte stimmte die Versammlung dem Antrage des Vorstandes zu, ein eigenes Bureau einzurichten und einen Sekretär onzustellem. Lichtenberg. Morgen(Sonntag) 4 Uhr: Kroßes Sommerfcst in Schwarz' Sommcrthcntcr, Möllendorffstr. 25/26. Parteigenossen, sorgt für Massenbesuch I Mariendorf- Südendc. Die sür Dienstag angefetzte Mitglleder- Versammlung lann besonderer Umstände halber nicht stattfinden. Tnhlcm. Ausflug nach dein Grunewald und Waldlest am Teufelsscc. morgen(«onntag) bei schönem Acticr, fon't am 27. d. M. Abmarsch» 9 und 2 Uhr pünktlich vom Lokal Schilling, Königin-Luise-Straßc. Rückkehr bei Dunkelheit mit Lampions und Musik. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Bezirk Südost. Nächste »ezirksversammlung Montag 7>/, Uhr in Schumachers Festsäleu, Skalitzer Straße 126. Mitgliedskarte legitimiert. Ausnahme neuer Mitglieder.— 2. Kunstnbend der Genossenschast sozialistischer Künstler am 22. Juli. 3 Uhr, im Rciorm-Gimmasium, Friedenau, Homuthstraße, Alfred Beieric: „Wann stellt Ihr, o Soldaten, die Arbeit endlich ein?" Friedrich Wendel: „Der Sozialismus— Die Renaissance des philosophischen Geistes". Ein- tritt 1 M.— Urania. Sonnlag, Montag, Sonnabend und Sonntag wiederum„Die Insel Rügen". Dienstag und Mittwoch„Von der Zug- ipitze zum Watzmann". Donnerstag und Freitag„Der Vierwaldstätterfee". Außerdem Sonnabend und Sonntag, nachmittags 4 Uhr. zu llcinen Preise» „Der Bierwaldstättersee".__ Jugenüveranftaltungen. Tie zu Montag angesetzte Abteilungdleiterkonferenz findet bereits heute, Sounabend, statt. Sriefkasten der Neüaktion. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage füge man-inen Buchkoben und eine Rümmer bei. Brieflich« Auokuust wird nicht erteilt. Eilige An- fragen trage inan i» der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1. Kos parterre link», vor. Schriftstücke und Verträge sind»»itzubriugeii. 91. 100. Nach dem Gesetz ist die Gemeinde zum Schadenersatz»er- bflichtet. Weigert sich dieiclbe, so muß Klage gegen sie erhoben werden. Zuständig ist in Ihrem Falle daS Amtsgericht Bcrliu-Mitte.— O. 20. Wenden Sie sich beschwerdelübrend an d. Kriegsministcrimn.— Meister KS. l. ü. 2. Der Tod Ihrer Stiesmutier hat aus die Erbschaft keinen Einfluß. Sie sind gegenüber Ihrem Bater bei dessen Tode erbberechtigt. Die ztveitc Forderung scheint verjährt zu sein. 3. Dringen Sie aus eine schriftliche Anerkennung Ihrer Ansprüche.— E. R. 16. Sic können ein gemein. schaftliches Testament errichten. Ihrer Erklärung muß die Ihrer Frau eigenhändig angefügt sein. Ein Formular für ein solches Testament finden Sie in last jeder Bibliothek.— W. B. 100. Darüber können wir keine AuSlunst geben.— D. G. 96. Kommen Sie in unsere Sprechstunde Wetterbericht bis Sonntag mittag. Größtenteils trocken und vielfach heiter bei nordwestlichen Winden, nur im westlichen Küsten- gebiet stärker bewölkt. In den Mittagsstunden warm._ Nahe Ollvaer Platz habe ich ein Mhaos mit allem mos. Komfon, 5- u. 6-Zimmerwohnung., nur 15 Mietern, bei einem MleUelngang von über M. 40 000 sehr preiswert f. M. 460 000 zu verkauf. Stempel- u. Umsatzsteuer sind nicht zu zahlen. Näheres durch Julius M. Bier, Leipziger Straße 26. Zentrum 12250/53. 15 000 M. 1. Hypochek auf Landhau» ge- suckit. v«ft« Selbstgeberofferien erbeten. P'aetel, Zeesen bei ücnia-wusterhausen. J.F.Rauch's Alte Weinstuben. Frieilrichst.11, Brunnens! 174 Grolle Frankfurter Str. 112. Kognak Welnbranil wieder da. «um Verschnitt[• Zucker- Colvt gesüßter ü6Kl �orr�2'lcbe Rotweine I Alte Bordeaux» Weine itgtiwassen Abhilfe sofort Alter und Geschlecht angeben Auskunft umsonst 71/1 mbrkurvbrsand München 17c. Neureutherstr.ia fiflSS für Auelandededqri lauft AabslocttcUt, "ri»drich«raß, di, Wo 9/19* Tsnurotfon n M ai" garantiert reinem Tabak chlUdlCliCU U. IQ. noch«rSSerer Posten sehr preiswert abzugeben. 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Parteisekretär für den Wcchftrei» Llegnitz-Solbberg.Hapnau wird zum baldigen Antritt gesucht. 285/20 Rednerische und organisatorische Begabung Saupterforder- nl». Anfangsgehalt 5000 M. Bewerbungen bi, Anfang August sind zu richten an Ztaol»aauertzose, Liegnitz, Zauerstr. 102. » Tüchtiger, erfahrener I 1 Arbeiter sekretär[ » aus Großstadt(S. P. D.) sucht sich zu verändern. I ' Eintritt könnte baldigst erfolgen, doch ist unbedingte I 1 Voraussetting, daß Suchendem Wohnung bis spätestens I » I. Oktober beschafft werden könnte. 1 Gefl. Angebote unter Z. 2» Uauptexpedition des I J„Vorwärts"._ 265/17 I ' Für ein neugearilndele» Parielblatt In Emden In Oft riesland wird mit Antritt zum L August d. I. ein llA»MW Sedliklm gesuchL Es wird nur auf eine tüchtig-«rast resiektieri, weicht m der allgemeinen sowie in der«ommunalpolittr durchau» erfahren HL 265/10* Anstellung nach den Bedingungen de,«etrin»„Arbeite» presse". Bewerbungen an da» Bezlrtsparieisekrelariat Rüftringen, Peterstr. 76. Für die Verwaltungsstellen des Deutschen öletailarbeiter- Verbandes Hamm a. d. Sieg und Wissen a. d. Sief wird zum sofortigen Antritt ein Geschafisfalhrer gesucht, welcher hauptsächlich In der Agitation Bewandert ist Gehalt nach UebereinkuntL Bewerbungen an Paul Lltelbcrg, Hamm a. d. Sieg (Rheinland). ,25/6* Proolnzzeituim mit sozialistischer Tendenz sucht per sofort berautworilichen 265/18 Schriftleiter in augenehme Position. Selbiger muß einen flotten Etil haben und in der Lage sein, eine Zeitung auf die Höhe zu bringen. Stenographie Bedingung. Qsserten mit(behaftsforderung und furzet Tattakeft-schildetung der letzten Jahre bitten wir an die Deschästsstelle der.atemelcc»olfvflfmme" zu fenbett, Für den Bezirksootband der Sozialdemokratischen Parte! für Sdzleswig-srolstein mit dem Sitze in Kiel werden zum Anlritt am t Oktober 1919 gesucht: ein Parteisekretär ai,«rschöflbsohrer. Oraanisalorifche und rednerffche Be- fähigung unbedingt erforderlich! ein Bezirkskassterer, der mit den Kassen- und Organisatton-geschästen vollständig vertraut ist; ein Sekretär für Bildunftsarbeit und Jugendorganisation« Bewerbungen mit tvehalisansprüchen sind bis zum 1. August zu richten an da» Sezirfa-Partelsctretariat In Altona. Blücherstr. 28.___ 265(19* Ein Werkstättenmonteur, der Im besonderen mit Wickeln von Transformatoren vorirant und sonst guter Mechaniker Ist, wird sofort gesucht Monteure mit längerer Werlstattenpraz!« wollen ihre Angebote mit Lohn- anwriiche» an die Jlcbeclonpjenfratc Anhalt, vessa-t. «IlsabethstrafjS 4. richten. 416>D Fllr unser Putzatelier suchen wir zum baldige» eventuell späteren Eintritt noch mehrere erste Kräfte und zwar Put:z-Ksnm«i'vrivinvn Putz-üicarbeiteHnnen bei hohem»Lehal! und dauernder Stellung. Offerten schriftlich oder mündlich erbeten. jjtyßgg ß(fo 71/6 Lindenstr. 85 Volksbühne Theater am Bülowplatz. Tätlich 8 Uhr: ger heilige Florian. 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Palast-Theater 7'/, Uhr: Oper, in 3Akt. v.R.Danziger. Schlller-Thent. Charl. tv, uhr: AMEidcllierg. Thalia-Theater 7>/.u.:jBiiBSErSonnEnsEliEia Th.aniXollendorfplats 3V. Uhr: Die seidene Eva. JVa Uhr: RIß PUPPC. Theater d. Friedrichstadt B Unr: So eine Frechheit. Versicherung gegen Einbruch. Ein Policmbend. WnUner-Theater n, uhr: Bas Besetz. Walhalla Theater. 7»/, Uhr: Bis Frau dss DeliiitantEn. Rose-Theater. Täglich 7'/, Uhr: 0 schöne Zeit, 0. seiige Zeit 7'/, Uhr Gartenbohne; Das sieht sich jeder an. Vorher Konzert u. Spezialität. Natlonal-fheater 8 Uhr Stürm. Erfolg 8 Uhr- Mitte Luisen-Theater. it-VMZmleatteveN Lonnig. 3: einmsl. Autführung Set Menvetttzn. Täglich abends 7',,: Wen« Stauen liehe«. 1P0LLÖ FriedrichslraSe 218] Dir.: James Klein 73/ Sonntag 73/ 1 / 4 3'/, und■' 4| Letzter Gastspiel-Monat der Gesellschaft Anton liesslngr-Theate* Sommerspiel?: H Sternberg. Gastspiel Guido Thieischer: 8 Uhr; Charleys Tante. Dentschen Ktiaistler- TJieater. 8 Uhr; Zum 50. 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ÜBEdEEEi Räli Ii!& SlEFtZBr,«0�2 DrXetrJT- WaiüsnlirückB. 3eTnbÄ3} 8 uir- Tenpitz( �7"°) .--eben Sonnlag j8"�.6 KrSnißoDbUrg Werkt, aufi. Sonnabend 419® jauhn Krampenbg. Nene Mühle Mi Siet Bnlog«W» gecen Sesknwi& Cs. Berisg Berlin i Wi'r Kefcrn soforr |i �prechappäröte �"Ta ge zu-Probe und auf Wunfeh gegen Monatsraren 3n Sachen der Firma Kommanditgesellschaft Seorg Müller Verlag München, EUsabethstr. 20, vertreten durch ihren persönlich haftenden Gesellschafter Siegfried Neuhöfer daselbst, Prozetzbevollmächtigler: Rechtsanwalt Dr. Wenzel Goldbaum, Berlin W 66, Wilheimstr. 52, gegen 1. die offene Handelsgesellschaft Lesterheid&®o., Berlin, Lietzenburger Str. 48; 2. deren Inhaber: Stegbert Cohn, Erich Oesterheid da» selbst, Prozetzbevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr. Walter Simon, Chnrlottenbnra, Kantstr. 130, hat die 9. givilkammer des Landgerichts III Berlin auf die Verhandlung vom 3. Juli 1919 am 7. Juli 1919 in Gegenwart L des Landgerichts» direkiors Geh. Inftizrais Dr. Kobel, 2. des Landgerichtsrats Körner, 3. des Gerichtsassessors Colin als beisitzende Richter, des Referendars Bach als Gerichts» schreiders folgende Urteilsformel verkündet: güt Recht erkannt: I. Durch einstweilige Verfügung wird angeordnet: 1. Bis zur rechtskräftigen Entscheidung eines von der Antragstellerin gegen die Anlrogsg egner anzustrengen, den Rechtsstreites wegen Urheberverletzung wird den Beklagten unter Tlndrohung einer Geldstrafe bis zu 1500 oder Haftstrafe bis zu 6 Monaten wegen einer jeden Zuwiderhandhing Dsrößle«. Die von Wen««gelSvoigke liMM im von AuM Slrlvötterg versaßken Decke Der Vater",„Fräulein Julie",„Gläubiger",„Das Band",„Nach Damaskus" z« vMieWlttW. z« vergssellkttchev. gelverljMgßlg zu oec- breite« vnb«vzulttnöige«. 2. Die Beklagten haben die in ihrem Eigentum befindlichen Exemplare der zu 1. genannten Ucberletzung an einen von der Klägerin zu beauftragenden Gerichts- Vollzieher zur vorläufigen Verwahrung herauszugeben. II. Die Kosten des Rechtsstrettes fallen der Beklagten zur Last. gez. Kobel. Bach. 11/13 Berlin, Alexandrinenfkp. 37 i sofort u, gratis die IIKiltrierte örofehüre N9 1277 "'f i Bisher abgeschlossene Versicherungen: 2 Milliarden 430 Millionen Mark. Die beträchtlichen T eberschüsse Iromnicn unverkürzt den Verhlcherangsnehmern zugute. Neue vorteilhafte Versicherungsformen, insbesondere Invaliditätsversicherung, Gewährung der Versicherungssummen in und die naitversleberuag ergänzender Wltvenrente ermöglichen denkbar vollkommenste Fürsorge. Auskunft durch die Bank oder ihre Vertreter an allen großen und mittleren Plätzen. ISIZ" Sehens- | mittet! Sofort lieferbar! fersamt go Jeilemiana! la. Kaffee gebrannt garant. rcinschmeckend Pfd. 13.SO la. Kaffee roh garantiert reinschmecKend Pfd. 11.80 Ceylon-Tee la. Qualität Pfd. 17.- la. Kakao garantiert rein Pfd. 18.80 Schokolade(franz.) V, Pld- Tafeln, garant rein Kakao und Zucker Pfd. 18— Id. Schokolade(amerik.) V- Pld-Tafeln, garant. rein Kakao u. 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I. erschien das Standardwerk der geistigen Weltrevolution SUegaard BUerbchs neuestes zweibändiges Werl SSM SMW SDt M soomusee. Sia Nomon, mit drri Geflchiern, in einer vor-~ U schon und fiebea v kichern. B In wunderbarer Sprache und packend- ster Form stellt das Werk die fnrchk- bnrfie Abrechnung dar mit allem fopitaiis, Ischen Wucher» und Raubtter» geist, mit allem Faulen nnd Kranken. UntergangswstrdigenunbDernichwngs- werten, die je geschrieben wurde. Obne jede ßUUe und IMaske, crbarinungslos wahr und offen nach allen Seiten. Der Roman erscheint in 12 Lieserungen zu M. L—, alle 14 Tage ein Heft. Gegen Nachnahme oder Voreinsendung des Bettages. Widar-Verla�, Berlin W 8, Charlottenstr. 66. Postscheckkonto Rr. 62 320 Berlin NW 7. 110/5» ■■ •Sehreibmas£hinenzentrale< stets neueste Modelle am Lager. 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