Nr.366.36.Jahrg. Bezugspreis: Bierteljahri. 9,- Mt., monatl. 8, frei ins Haus, voraus zahlbar. Poft bezug: Monatlich 3,- Mt. erfl. 8u ftellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich Ungarn 6,25 ML, für das übrige Ausland 10 25 ML, bei täglich einmal. Suftellung 8.25 Mt. Poftbestellungen nehmen an Dänemart, Holland, Lugemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Boft- Zeitungs- Breisliste. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt u. 8eit" erscheint wochens täglich zweimal Sonntags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Vorwärts Berliner Volksblatt. 20 Pfennig Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Ronpareillegefle loftet 1,20 Mt. Aleine Anzeigen". bas fettgedruckte Bort 50 Bfg.( zuläfftg 2 festgebrudte Worte), jedes weitere Bort 25 Bfg. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Wort 40 Bfg jedes weitere Bort 20 Big. Worte über 15 Buchstaben zählen für swet Borte. Teuerungszuschlag 50% Familien Anzeigen, politische und gewertschaftliche Vereins Anzeigen 1,20 ML bie 8eile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 8 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SB 68, Lindenstraße 8, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion und Expedition: Sw. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morinplag, Nr. 15190-15197. Sonntag, den 20. Juli 1919. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., GW. 68, Lindenstr. 3. Ferusprecher: Amt Moritplak, Nr. 117 53-54. Am Montag wird nicht gestreikt! Während die französische Arbeiterschaft beschlossen hat, warum die franzöfifchen Sozialisten nicht streiken. am Montag die Arbeit nicht ruhen zu lassen, obwohl doch geVersailles, 19. Juli. Zwölf Mitglieder des Verwaltungsrats rade dort durch das haßserfüllte Friedensdiktat unter dem des Allgemeinen Arbeiterverbandes wurden geſtern abend von Vorsitz des Alleinherrschers Frankreichs, des Herrn Cle- Clemenceau empfangen, der sich 50 Minuten mit ihnen unterhielt menceau, die Wurzeln der Vergewaltigung ganzer Völker- und erklärt haben soll, er könne politische Streiks nicht dulden. fchaften liegen, hat in Berlin die Vollversammlung der un- Jouhaur soll darauf geantwortet haben, der Streik richte sich in der abhängigen und kommunistischen Arbeiter Hauptsache gegen die Lebensteuerung, trage also einen aus räte beschlossen, am Montag den Streit zu pro- gesprochen wirtschaftlichen Charakter. lamieren. Die Leichtfertigkeit und Gewissenlosigkeit jener Kreise gegenüber den schweren wirtschaftlichen Gefahren, die vor uns stehen, hat sich aufs neue dokumentiert. Deutschland foll nicht zur Ruhe kommen. Das Volf soll weiter und noch mehr hungern. Die Produktion von Waren ist unsere einzige Rettung aus der schweren Not, weil wir nur mit Arbeit die Lebensmittel bezahlen können, die wir vom Ausland begehren, und nur durch Arbeit aus unserer völligen Erschöpftheit wieder zu Kraft kommen können. Diefer Streit ist ein neues Verbrechen gegen das deutsche Volk! Wer noch ein Gewissen int Leibe und Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber seiner Familie und seinem Volke hat, darf am Montag nicht streiken. Die Arbeiterschaft muß sich von den Totengräbern ihrer Zukunft, den unabhängigen und Kommunisten, abwenden, fie muß ihnen am Montag die Gefolgschaft verweigern. Wir sind in schwerster Not. Sollen wir uns nun völlig totstreifen? Nein! Nein! Nein! Arbeiter, Genoffen! Am Montag wird nicht ge. · Die Demokratifierung der Gemeindeverwaltung. Ein schweres Stück Arbeit hat die verfassunggebende Preußische Landesversammlung zu leisten, um den neuen Geist in das Verwaltungsleben einzuführen. 2 mt 3 stuben müssen ausgelüftet werden, die alten Bureaukraten und Geheimräte haben abzutreten, um neuen Männern Plaz zu machen. Der Verwaltungsrat des Allgemeinen Arbeiterverbandes trat nach Beendigung der Unterredung mit Clemenceau alsbald zu einer der Kammer den Beschluß, den Generalftreit vom 21. Juli zu berSibung zusammen und faßte unter dem Gindruck der Vorgänge in tagen und dem Nationalfomitee am Montag die Angelegenheit zur begann unsere Fraktion der Preußischen LandesversammAuf dem Gebiet der Kommunal- und Gemeindepolitik endgültigen Entscheidung zu unterbreiten. In der Tagesordnung wird erklärt, daß die unter der Androhung des Generalstreifs be- lung sofort nach Busammentritt ihre Arbeit. Zunächſt reits festgestellten Dispofitionen betreffend Demobilisierung und wurde die Durchführung der Verordnung über die GeAmnestie bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben, und daß me in de- und Kreistagswahlen verlangt und entdie durch die Kammerabstimmung geschaffene Lage bewiesen habe, sprechend Anträge zur Verbesserung dieser Verordnundaß die Stimme der arbeitenden Klasse, die die Regierungspolitik gen gestellt. Im Gemeindeausschuß, der sich mit diesen berurteilt habe, gehört worden sei. Fragen zu beschäftigen hatte, feßte der Kampf unserer GeVersailles, 19. Juli. Jouhaur's Organ La nossen ein. Die bürgerlichen Vertreter seẞten einen Bataille" verlangt von den Arbeitern ans Anlaß des sehr zähen Widerstand entgegen. Die von uns geforder Hinausschiebens des Generalstreiks Unterord- ten Notverordnungen wurden als unzulässig und ungeseßlich nung unter die Disziplin. Erst nachdem der Verwaltungs. bezeichnet, es bedurfte eines sehr energischen Auftretens rat dem, Nationalrat der Gewerkschaften Bericht erstattet unserer Genossen gestützt auf§ 9 der Verfassung, um haben würde, könne offen gesprochen werden. Clemenceaus im Ausschuß wie auch später im Plenum durch die Vertreter Drohung habe man sich nicht unterworfen. Unter dem der Demokraten und des Zentrums die Mehrheit für diese Drnd der angekündigten Bewegung sei die Amnestie Verordnungen zu finden. Echwer genug ist eine Einigung von 150000 politischen und militärischen geworden, der unsere Genoffen nur unter der Bedingung Verurteilten zugestanden worden. Die Demobilizustimmten, daß einige von uns im Ausschuß gestellte Verfierung werde Ende September beendet sein. Dadurch sei besserungsvorschläge, zu den Notverordnungen zunächst nur innerpolitisch vieles erreicht worden. Was die äußere zurückgezogen wurden, um später bei der Beratung Politik anbetreffe, so werde der Kampf gegen die reaktio- der Gemeindeverfassung wieder neu einDie Unabhängigen begründen ihren Beschluß, a m| nären Unternehmungen in Rußland und Ungarn fortgesetzt. gebracht zu werden. 21. Juli nicht nur zu demonstrieren, sondern auch zu streifen, damit, daß das gesamte internationale Proletariat an diesem Tage zum Protest gegen den Gewaltfrieden von Versailles ebenfalls streifen würde. Nun haben die englischen Arbeiter bekanntlich die Beteiligung am Streif überhaupt abgelehnt, und in letter Stunde hat auch der französische Allgemeine Gewerkschaftsverband nach RückSprache mit Clemenceau seinen Streitbeschluß rüd gängig gemacht. ftreift! Generalstreik wogegen? Aber nicht genug damit, die französischen Sozialisten haben überhaupt niemals gegen den Ver failler Frieden streifen wollen. Die Resolution, die der Nationalrat der französischen Sozialisten in seiner Schlußfizung am 15. Juli um 3 Uhr morgens einstimmig angenommen hat, lautet folgendermaßen: -Bum erstenmal in der Geschichte der Arbeiterschaft organis fiert die Arbeiterklasse der drei größten Länder Westeuropas am 20. und 21. Juli eine Rundgebung, die sich in Frankreich und Stalien, wie bereits jetzt feststeht, durch Arbeitsruhe ausdrüden wird. Die sozialistische Partei ruft alle ihre Anhänger auf, fich mit aller Energie an dieser Kundgebung zu beteiligen, die aus en Entschließungen herborgegangen sind, welche die Delegierten er Organisationen des Proletariats in Paris, Rom, Mailand und Southport getroffen haben. Die sozialistische Partei erinnert an die wesentlichen 3wede dieser Bewegung. Gegen die militärische und diplomatische Intervention in Rußland und Ungarn, gegen die Langjamkeit der Demobilisierung, für die Amnestie, gegen die immer unerträglicher werdende Laft der Teuerung werden die Arbeiter Frankreichs aufgerufen, ihren einstimmigen Protest zu erheben." Teuerungsdebatte in der französischen französischen Kammer. Von verschiedenen Anträgen, die unsererseits gestellt wurden, war einer der ersten die bereits durch die Presse bekannte Steuervorlage. Auch das Finanzministerium hat diesen unseren Vorschlägen zugestimmt., Danach sind die unteren Einkommen bis zu 1500 m. von der Gemeinde steuer zu befreien. Die Einkommen von 1500 bis 3900 M. find wesentlich zu ermäßigen und dafür die Einkommen über 6500 m. stärker zur Gemeindesteuer heranzuziehen. Rücktritt des Ernährungsministers? Versailles, 19. Juli. In der gestrigen Kammerfißung wurde über die allgemeine Teuerung und über die Ernährungspolitik der Regierung verhandelt. Die Maßnahmen der Regierung wurden auf das schärfite angegriffen und erklärt, man habe, um gegen die Die Unabhängigen wollten uns hier wieder einTeuerung anzulämpfen, die Gehälter erhöht, ein Gesez gegen die mal übertrumpfen. Sie nahmen eine radikale Geste an Spekulanten gemacht, die sich nicht darum kümmerten, und ichließ und stellten den Antrag, alle Einkommen bis 5000 lich einen Wirtschaftsausichuß ernannt, babe aber vergessen, daß Frankreich sich in einer äußerst schwierigen Lage befinde, und daß Marf steuerfrei zu lassen. Die unabhängigen es hilfe von seinen Alliierten hätte verlangen müssen. Schließlich wurde Kommunalfachleute hatten sich damit aber bös blamiert, auch die Zollpolitit aufs schärfste angegriffen. Ernährungsminister denn eine nähere Prüfung ergab, daß, wenn diese BeſtimBoret berteidigte die Politik des Ministeriums. Er verwarf schließ mung in allen Gemeinden gelten sollte, in den meisten lich eine Tagesordnung Augagneur, der auch in die Debatte ein 2andgemeinden überhaupt feine Steuergegriffen und erklärt hatte, das Ministerium habe sich unfähig er 3 abler vorhanden sein würden. Die Unabhängigen piefen, gegen die Teuerung anzufämpfen, Belgien und Italien fahen ihren Unsinn denn auch bald ein und mußten cinen hätten Erfolge erzielt. Der Ernährungsminister erklärte, nur die die Tagesordnung Renard annehmen zu können, doch wurde der Rückzug antreten: fie ermäßigten. daher die Grenze auf Tagesorunung Augagneur mit 227 gegen 213 Stimmen der Vorrang 3000 M. Dabei ist wieder wie so oft von ihnen überzuerfannt. Durch diese Abstimmung ist das Ministerium in die flüssiges Zeug geredet worden. Die Zeit der parlamentariMinderheit gebracht worden. Der Ernährungsminister Boret hat schen Arbeit wurde damit vertrödelt. Clemenceau seinen Rücktritt angeboten, doch ist noch nicht bekannt geworden, ob er angenommen wurde. Die Entscheidung soll heute vormittag fallen. In letter Stunde wird uns gemeldet, daß der Ernährungs Roy ist mit der provisorischen Verwaltung des Ministeriums beminister endgültig zurüdgetreten ist. Der Unterstaatssekretär traut worden. Weiter wurde durch unsere Genossen im Gemeindeausschuß die Regierung dazu veranlaßt, einen Gefeßentwurf der Steuerkommissionen bringt. Auch diese Voreinzubringen, der die Auflösung und Nenbildung lage hat bereits Gesetzeskraft erlangt. Ein anderer Antrag unserer Genossen fordert für alle Gemeinden, in denen die Verordnungen vom 24. bts Friedensvertrag für Oesterreich am Dienstag. 31. Januar über die anderweitige Regelung des GeVon dem Versailler Frieden ist also in dieser meindewah Irechts nicht zur Ausführung gekommen Resolution, die die wesentlichen Ziele" des damals geplan- Bersailles, 19. Juli. Der Friedensvertragsentist, daß dies durch eine entsprechende Anordnung des ten, inzwischen abgesagten politischen Streits aufzählen sollte, wurf mit Oesterreich soll Dienstag überreicht werden. Der Staatsministeriums sofort zu erfolgen hat. Eine neue Aufmit keinem Worte die Rede. Jebt entpuppt sich in Oberste Rat der Alliierten hält weder heute noch morgen Sitzungen stellung der Wählerlisten zu diesen Wahlen ist zu verihrer ganzen Erbärmlichkeit die Lüge der Unabhängigen, die ab. Dienstag werde er sich über die militärische Be- anlassen. Wesentlich ist auch, daß die Frauen, die wohl vorgaben, mit den anderen gegen den Versailler Gewaltfrieden febung des Rheinlandes schlüssig werden. Nach einigen das attive und passive Wahlrecht besaßen, nun eine& I eich streifen zu wollen, während fie in Wirklichkeit durch die Ar- Blättern soll die Besabungsstärke 100 000 Mann nicht übersteigen. ft e II ung mit den Männern auch hinsichtlich des beitseinstellung nur die wirtschaftlichen Verhältnisse zu verschlimmern trachten. Wiederherstellung der deutsch- französischen Postverbindung in Sicht. Kopenhagen, 19. Juli.( Eigener Drahtbericht des Vorwärts Bürgerrechts erhalten haben. Damit sind die legten Der Landarbeitertarif abgeschlossen. Schranken der Ungleichheit in den politischen. Rechten zwischen Mann und Fran auch auf dem Ge Stettin, 19. Juli.( Eigener Drahtbericht des der fommunalen Betätigung gefallen. Vorwärts".) In logischer Folge der Verordnungen über die NeuDer Landarbeitertarif für Neuvorpommern, der den wahlen der Gemeindevertretungen und Kreistage ist auch die zehu stündigen Arbeitstag und die Regelung zur Auflösung und Neubildung der ProvinzialDie franzöfifche Regierung erließ eine Verordnung, welche die Einbringung der Ernte erforderlichen Ueberstunden vor- Iandtage durch einen Gefeßentwurf festgelegt worden, Biederaufnahme wirtschaftlicher Berbindungen mit Deutichland und ficht, im übrigen fich auf einer mittleren Linie zwischen der bereits Gefegestraft erlangt hat. Die Umbildung und infolgedeffen einen Austausch von Handelsforrespondens gestattet. Den Forderungen der Landarbeiter und denen der Grund- Neuwahl der fommunalen Landtage der SohenzollernAllerdings hat das Bostministerium noch feine Anweisung erhalten, aus Deutschland bestimmte Briefe befördern au laffen. Nach einer befizer bewegt, wurde gestern in Stralsund nach fünfständiger Lande hat damit ebenfalls seine Erledigung gefunden. Washingtoner Meldung bat das Staatsbepartement am Freitag er Verhandlung abgeschlossen. Zur Schlichtung aller im Verlauf Bei dem Gesetz über die Provinziallandtage wurde fannt, daß die Handelsverbindung mit Deutschland wieder aufgenommen des Streits eingetretener Borkommnisse soll eine sofort zu wieder von den Unabhängigen die bekannte Despe werden darf. bildende paritätische Kommission zusammentreten. radopolitik getrieben. Ein Antrag wurde eingebracht, die Wohlen direkt vornehmen zu laffen. Unfere Genoffen entfä& dkgung durch Befchluk der Stadtverordneten. Die Versammlungen am Montag! hielten diesen Antrag zurzeit für ungmedmäßig, weil da- bersammlung gewährt werden kann. durch in das heutige System der indirekten Wahlen ein Das sind nur die wichtigsten Bugeständnisse, die auf Die Berliner Sozialdemokratie ruft das Arbeitervolt auf, am folcher Riz hineingekommen wäre, daß für die Regierung dem Gebiete der Gemeindeverwaltung bisher erreicht wurden. Mentag gemeinsam mit den Arbeitern der Internationale, die und die bürgerlichen Parteien unter diesen Bedingungen unsre Genossen in der Landesversammlung haben auf Stimme des Protestes gegen den Vergewaltigungsfrieden und gegen die Vorlage unannehmbar wurde. Die Vertreter der Un- diesem Gebiet tüchtige Arbeit geleistet. Es ist auch die Gewaltpolitiker von links und rechts zu erheben. Es finden abhängigen gaben auch im Ausschuß offen zu, daß ihnen hier vorwärts gegangen. Mit alten Vorrechten abends 5 Uhr ncun Bersammlungen in folgenden Sälen statt: daran liegt, das ganze Gefeß zu Fall zu bringen, da und reaktionären Bestimmungen ist schones ihnen nicht weit genug geht. Um aber immerhin tüchtig aufgeräumt worden. die anerkennenswerten Verbesserungen, die der Entwurf enthielt, zur Tat werden zu lassen, stimmten unsere Genoffen für die Vorlage, die dadurch mit den Stimmen der bürgerlichen Mehrheitsparteien Gesegeskraft erlangte. Die Vertreter der Deutschnationalen mit der Deutschen Volkspartei stellten verschiedene Verschlechterungsanträge, darunter den, der verlangte, daß nicht nur die Stadtverordnetenversammlungen, sondern auch die alten, noch nicht neugewählten Magistrate das Stimmrecht bei der Wahl der Provingial- Landtagsabgeordneten haben sollten. Diese wurden sämtlich abgelehnt. waren. Clemenceau wackelt. Bertrauensfrage am Dienstag. Bersailles, 19. Juli. Die gesamte Bariser Morgenpresse be spricht die gestrige Abstimmung in der Kammer. Matin" fagt, die Mehrheit der Kammermitglieder habe in den Wandelgängen erklärt, daß die Abstimmung ein formeller Tabel Der Regierungspolitit jet. Man babe nicht nur den Minister Boret, sondern die Gesamtpolitif des Kabinetts treffen wollen. Das Blati glaubt, Clemenceau werde in der nächsten Kammerfibung am. Dienstag die Bertrauensfrage stellen, damit die Kammer Gelegen heit habe, ihre ungveideutige Meinung auszusprechen. Zum Schluß legte die Regierung eine Vorlage bor, worin die übrigen Wünsche unserer Fraktion enthalten Sumanité" ist befriedigt von der geftrigen Abstimmung In dem Gesezenttourf find folgende nennens und ficht darin einen Erfolg der Arbeiterbewegung werten Verbesserungen gegen früher enthalten: gegen die Leuerung. Bleibe Clemenceau am Ruder, dann ber In allen Gemeinden, wo feine Gemeindevertretungen größere er die Schwierigkeiten, selbst, wenn er behaupten werde, bestehen, haben alle Personen männlichen und weib- baß das öffentliche Interesse ibm das Berbleiben an der Spitze der lichen Geschlechts vom 20. Lebensjahre an das Regierung zur gebieterischen Pflicht mache. gleiche Stimmrecht in den Gemeindeversammlungen. Unbefoldete Magistratspersonen, Gemeindevorsteher und Schöffen werden aufgelöst und Die Schantungfrage im amerikanischen Senat. Kriegsbrohung Amerikas müssen sich bis zum 31. August d. J. Nenwahlen unterziehen. Wahlberechtigte find nur die Stadtverordnetenberfammlungen und Gemeindevertretungen. Die Wahlen erfolgen nach den Grundsäzen der Dem„ Nieuwe Rotterdamsche Courant" sufolge erklärte Senator Verhältniswahlen. Ebenso werden die Kreisdepu- Winiams im amerikanischen Senat, Japan werde Schantung nicht tierten, sowie sämtliche Deputationen, Rommiffionen und preisgeben, wenn es nicht durch Krieg dazu gezwungen werde. Ausschäfte in allen Gemeinden und Kreisen neu gewählt. Williams fragte: Sind wir bereit, unfere Flotte und unsere Truppen Desgleichen muß der Provinsialrat und Begirts nach dem Stillen Ozean zu senden? Diese Erklärung von Williams ausschuß bis zu diesem Termin auch neugewählt machte großen Einbrud, besonders, da Williams einer der be. werden, auch die alten fonfervativen Amtsbor- geistertften Bartelgänger Wilsons it and bas Bertrauen des Bräfisteber müffen bis zu diesem Termin( 31. Auguft) berbenten in hohem Maße genießt. Senator Borah erklärte: Ich glaub: schwinden und den durch die Kreistage neuzuwählen- nicht, daß es sum Kriege mit Japan tommen wird. Ich bin jedoch den Amtsvorstehern und Amtsvorsteher- Stellvertretern davon überzeugt, daß das amerikanische, Bolt niemals bereit sein Blak machen. Die Amtsvorsteher wurden früher durch die wird, diesen Bergleich zu unterzeichnen und sich dadurch mitichuldig Oberpräsidenten beftimmt. Sie werden also jest nach zu machen, daß 50 Millionen hilflose Chinesen zu Sklaven Japans diesem Gesetz durch die Kreistage gewählt und vom gemacht werben. Wenn bies bie einzige Alternative ift, bann bin Obervräsidenten bestätigt. ich bereit, ihr ins Antlig zu sehen. Wir würden das am besten jegt ausmachen können. Bagenhofer, früher Bockbrauerei, Chauffecftr. 68; „ Schwarzer Abter", Frankfurter Allee 99/100; Union- Beftfäle, Greifswalder Str. 221; Andreas- Festfäle, Andreasstr. 21; Gewerkschaftshaus, Engelufer 14/15; Atiems Festfäle, Sajenheide 14/15; Prachtsäle des Westens, Spichernstr. 3; Bazenhofer, Turmstraße, Ede Stromstraße; Charlottenburg, Volkshaus, Rosinenstr. 3. Es werden sprechen die Genossen: Erwin Barth, Brüdner, Rich. Fischer, Heinig, Heller, Franz Krüger, Kuttner, Lüdemann, Schlegel, Wuschid. Außerdem finden drei Bersammlungen abends 7 Uhr statt: in openid im Stadttheater, in Zehlendorf- Mitte im Hotel Kaiserhof und in Fredersdorf bei Grohnostah.. Arbeiter! Parteigenossen! Wir sehen von Arbeits nieberlegung ab, weil jede mutwillige Arbeitseinstellung heute ein Berbrechen am Volte ist. Kommt in Massen zu unseren Versammlungen! Der Bezirksvorstand Groß- Berlin. An die Frauen! Das Gewissen der Völker regt sich, entfesselt die Seelen vom Drud fünstlich gezogenen Haffes. Der Geist der Brüder. und der Gleichheit erwacht! Am 21. Juli ruff Frankreich, bie Arbeiterimaft in Brontreid, England, Natien, Edweden, Nor wegen, Holland, Rumänien zu einer Protestbewegung gegen den Gewaltfrieben auf! Bei uns darf an diesem Tage die Arbeit nicht ruhen Arbeitsruhe vermehrt den Hnnger Eurer Kinder. Nad unsern Arbeitsbrüdern und Schwestern da drüben zurufent Feierabend wollen wir in machtvollen Kundgebungen unsern Arbeitsbrüdern und Schwestern da drüben zurufen! ir find eins mit Euch im Geist der Böllerverföhnung, im Willer um dauernden Frieden, zum Recht das uns alle umichließt, eine mit Euch im Kampf gegen den ausbeutenden Kapitalismus! mit Euch im Kampf gegen den ausbeutenden Rapitalismus! Frauen, Bürgerinnen der Deutschen Republif, in politische Freiheit allen Frauen der Erde voran, zeigt, daß ihr erfüllt feil von diesem Geist, daß in ihm Eure Kinder groß werden sollen Sie sind der Menschheit Hoffnung Erscheint am Montag, in Massen Sie sind der Menschheit Hoffnung Erscheint am Montag in Massen zu unseren Versammlungen! Die anständige„ Deutsche Tageszeitung". Der Eisenbahnerstreik in England. Genosse Georg Schmidt schreibt uns: In einem Artikel über die Landarbeiterstreits am Freitag Schwierigkeiten in der Lebensmittelversorgung. nimmt das Blatt der Agrarier Bezug auf die Ausführungen Kopenhagen. Eigener Drahtbericht des Vorwärts". Die des deutschnationalen Abgeordneten Stoch in der Preußischen englische Regierung hat infolge des Eisenbahnerstreits in aller Landesversammlung, der deutsche Landarbeiter- Ver Gile Heeresautomobile zur Verfügung stellen müssen, um band müsse über große Summen verfügen, um die Milch und Gemüse in die Städte zu befördern, in denen be vielen Agitatoren zu bezahlen. Daran anknüpfend frug diel reits vielfach Mangel an diesen wichtigen Erzeugniffen herrscht. ehrenwerte Organ für deutsche Art, es wäre interessant fefb Die großen Beitungen müssen ebenfalls Automobile zur Be- zustellen, ob der Landarbeiter Verband etwa von der Ben förderung ihrer nordenglischen Auflage benuten. Auch die trale für Heimatdienst mit Geldmitteln unter Geschäftsleute sind auf Autos angewiesen. Die Zustände find fügt werde. bereits unerträglich und werden täglich schlimmer. In vielen Städten werden auch die Bestände an Schlachtvleh bald er schöpft sein. Ronfervative Anträge, die u. a. berlangten, daß die in den Städten gewählten Kreistagsabgeordneten nicht mit wählen dürfen, wurden abgelehnt. Endlich wurde in diesem Gesetz noch feftgelegt, daß verschiedene reaktionäre Bestimmungen in einzelnen Landgemeindeordnungen, wie in der Probing Hannover, beseitigt werden, Ferner, daß die Sigungen der Gemeindeversammlungen, Gemeindevertretungen, Gemeindeausschuß, Gemeinderat ufiv. of fentI ich sein müssen, so daß alle Gemeindemitglieder das Recht haben, als Zuhörer an denselben teilnehmen zu können. Auch über die Wahlen selbst wurden einige Berbeffe. rungen gegenüber den Verordnungen vom 24. und 31. nuar mitdurchgesetzt, so z. B., daß die Wahlvorschläge nur von mindestens 10 Perfonen unterzeichnet werden brauchen, ferner daß sie zur Hälfte mehr Namen enthalten fönnen als Gemeindevertreter zu wählen find, und daß die Danter der Wahlhandlung selbst durch Beschluß der Gemeinde- Die Preffe verurteilt ausnahmslos den Streit mit vertretung oder Stadtverordnetenversammlung abge- größter Schärfe. Die tonservativen Organe sehen in den Er fürzt werden kann. Weiter ist auch ein Vorschlag unserer eignissen ein Anzeichen dafür, daß der bolschewistische Geist Genossen mit aufgenommen worden, der berlangt, daß tatsächlich schon bei den englischen Arbeitern Eingang geebenso wie den Stadtverordneten, auch den unbefolde- funden hat, daß man daher der Zukunft mit der größten Beten Magistratsmitgliedern eine Aufwands- forgnis entgegensehen müsse. Stammes- und Klaffenbewußtsein. Etu Brief von Philipp Scheibema - Mitte Juli 191K Die Abendsonne hat den See in ein spiegelndes Lichtmeer von großer Schönheit verwandelt. Die vielen Gegelboote liegen ruhig da. Nein Hatch bewegt die toeißen Leinen. Die hübschen Ortschaften am jenseitigen Ifer treten immet plastischer hervor. I'm Slidoften, hoch über Irwil, leuchtet der Edhace von den Bienen und Gipfeln der Berge. Wahrhaft er quidende Nuhe.. Da faucht plöhlich ein gong einer Frechbach, der Beinerlei Segel führt, ratternb und natternd über den See und spottet ber Stille des Windes. Ich wandere auf der Geestraße nach Droil. Ein deutscher Strieger, der von den Schönheiten der Welt nicht eine mehr sehen wird, wollte, mich sprechen. * * Der Blinde, ein stattlicher Mann von etwa breißig Jahren, saß vor dem Hause. Gr führte mich sicher über wenige Treppen in seine saubere Wohnung. Gr freute sich aufrichtig fiber meinen Besuch, da er doch zu mir hätte tommen wollen. Er hätte fich bestimmt zurechtgefunden, denn er sei hier aufgewachsen, benne jeden Weg und Steg genau. Ich habe fofort der Redaktion der Deutschen Tages zeitung" telephonisch mitgeteilt, daß dies nicht der Fall se und der Landarbeiter- Verband auch von anderen Regierungs ftellen nicht finanziell unterstützt werde. Der Landarbeiten Verband decke seine sämtlichen Ausgaben aus Beiträgen seine Mitglieder. Die einfache Anstandspflicht, einer Berichtigung Raum z geben, hat die Redaktion der„ Tageszeitung" nicht erfüllt Weitere Bemerkungen sind wohl überflüssig. 1 Rein Vater hat infolge eines Unfalls ben Tod gefunden. s| beutung von Menschen und Bölbern ein für allemal beseitigen ich endlich wieder in die Schweiz sam und feinem Mitgliede Sie kann es aber nur dann, wenn sie eine unerläßliche Voraus meiner Familie die Hand drüden konnte, als ich gar nichts fetzung erfüllt, nämlich die, bie Ginigfeit in ihren eige mehr jah, nichts vom See, nichts von den Bergen. Ich vermochte bein Bort gu fagen. Er fuhr nach längerer Baufe fort: nen Reihen herbeizuführen. Alle, die aus Haß oder Nechthaberei die Selbstzerfleischung der Arbeiterklasse fördern, be songen die Geschäfte der Gegner der Arbeiterklasse. Sie förders Steiner bon uns, weber meine Brüber noch ich, ist jemals vor das Klassenbewußtsein nicht, sie ertöten es geradezu. Das Klaffers dem Kriege in Deutschland gewesen. Unser Bater, der als junger bewußtsein zu fördern ist aber der einzige Weg, der zum bauern Mensch nach der Schweig gekommen ist, sich hier verheiratete und| den Weltfrieden führen tann, denn nur das Klaffenbewußtsein ansässig wurde, blieb Deutscher und empfand deutsch bis zu seinem tann das Stammesbewußtsein frei machen von den chauvinistisch Tode. Als der Krieg austrach, schyidte er uns fort, damit wir alldeutsch- jingoistischen Schladen. Gin berart entgiftetes Stammes unsere Pflicht erfüllen könnten. Und so war es wohl in allen bewußtsein ist teine Gefahr mehr für den Wölferfrieden. Gan deutschen Familien, bie ich am See tannte.... im Gegenteil. Es wird seine größte Aufgabe darin erbliden in jedem Lande! das höchste zu leisten für die ganat Welt! in der Pflege von Sunst und Wissenschaft, sowie in der Veredelung und Eteigerung des Ertrags der Arbeit. * * Ms. ich heimwärts ging, wieber am See entlang, sah ich die Sonne hinter den Bergen verschwinden. Rein Gegeboot war zu erbliden, tein Motor ratterte, Der See fam mic nunmehr vor wie ein Meer von Blut und Tränen. Alles, was mir der Blinde bevichytet hatbe, ging mir noch einmal durch den Kopf. Wird es bei den Franzosen und Italienern, die bor bem Striege in der Schweiz gelebt haben, anders gewesen sein als in der deutschen Familie, deren letzten verstümmelten Sproß ich foeben gesprochen hatte? Männet, die vor Jahren die Heimat freiwillig verlassen haben, halten ihr die Treue und kommen in der Stunde der Not gucüd, um zu helfen. Und die Söhne älterer Auswanderer, Männer, die die Heimat des Vaters nie gesehen, machen es ebenso! $ 1 Ein solches Stammesbewußtsein, gekrönt von dem Klassen betoußtsein ber internationalen Arbeiterschaft das wäre Böllen glück und Völkerfrieben. Notizen. - Der Passionsweg eines Boltes. Jm Julihe der Monatsschrift„ Schweizerland"( Zürich) veröffentlicht der Dich ter Jakob Schaffner eine Darstellung der deutschen Ereignisse von 9. November 1918 bis zum 7. Mai 1919, die sichy burch lebendig Schilderungen der Berliner Straßenbilder aus den großen Tage de ber Revolution auszeichnet. Meisterhaft ist die Darstellung ba Begräbnisses der Revolutionsopfer vom 9. November. Dasselb Seft ist durch eine Reihe Beiträge von Walzel, Straffer, Ber nouilli, Würtenberger zu einer wertvollen Gottfried Keller Festschrift gestaltet worden. Glf berbe Holzschnitte Würten bergers zu Dichtungen Keller und ein originell gefaßtes Bildni des Dichters von demselben Zeichner nthöhee den steiz der Schrif ungemein. Er sprach zunächst über Rentenfragen, um von mir bestimmte Auskünfte zu erlangen. Gs zeigte sich sofort, daß ich mich einem bodyintelligenten Menschen gegenüber befand, der sich in der Belt umgefehen hatte. Mit ficheulich berechtigtem Stols erzählte er von seiner vierjährigen Tätigkeit als Werfführer in Palermo. Die Objektivität, mit der er des Neiches Lage und auch sein eigenes Unglück beurteilte, waren geradezu bewundernswert. Die Be dingungen sind furchtbar wie wir Blinden und alle die anderen Opfer bersorgt werden sollen, ist mir ein Stätsel." Er brat dann ein für schnellere Hilfe in besonderen Notfällen durch Zuschüsse aus dem Kriegsb6indenfonds. Da scheine ihm die Verwaltung 8 Böller ober größere Voltsteile. Es ist auch die Borausfehung für 1ophischen 3620( 3298). Bon den 4698 waren.4086 immatrikulien 9 1 jehr von bureaukratischen Gesichtspunkten bittiert. Und Millionen deutscher Männer, Frauen und Kinder, die in ihrer Heimat ble pen, sollen nach feindlichem Diftat von genau bezeichneter Stunde an Franzosen, Italiener, Polen oder Tschechoflowaten werden, franzöfifch, italienisch, polnisch oder tschechoflowakisch empfinden, denken und handeln! Als ob es niemals eine polnische oder elfah- lothringische Frage um nur diese zwei Beispiele anzuführen, die gegeben hätte feber politiche Abc- Schüße tennen muß! Das Stammesbewußt der Das Frauenstubium. Im lepfen Sommersemeste betrug die Zahl der an den preußischen Universitäten studierende Frauen 4689; im Sommer vorher waren es 4203. In der theola gischen Fakultät waren 21 Frauen( Sommer vorher 14), in de juristischen 79( 66), in der medizinischen 969( 825), in der philo Vorträge. K. A. Wittfogel beschließt am 22. Juli in de Dann, nach Erörterung dieser Angelegenheiten, fuhr er nach jebe nationale Stulturpflege, deren hohe Bedeutung und abfolute Aula der Füustin Bismard- Schule, Charlottenburg, Sybelstr. 2-4 Notwendigkeit für die ganze Menschheit niemand treffender gé- die Chinesischen Abende mit dem Vortrag: Die Voltsreligion einer fleinen Pause fort: schildert hat als Jean Jaurès. Das Elammesbewußtsein aus rotten zu wollen, wäre ein ebenso törichtes wie bergebliches Beginnen. Und doch-! Der schwedische Kangler Orenstierna hat feinein Sohne gegenüber nur vont der wenigen Weisheit" geprothen, mit der die Welt regiert werde. Wieviel deutlicher würde er fich ausgesprochen haben, wenn er Erfahrungen hätte machen müssen, wie wir fie im 20. Jahrhundert schaudernd erleben. Ich wünsche nicht, daß Sie mich mißverstehen! Gehen Sie Die beiden großen Bilder an jener Wand das sind meine Eltern. An der Wand gegenüber feben Sie groei Galbatenbilder- das find meine Bellder. Meine Mutter ist vor Gram gestorben, als der jüngste Bruder, ber Infanterister wies mit der Hand nach den Bildern bei Berbun fiel. Sturz darauf verlor ich in Ruß land das Augenlicht. Mein Bater aber sagte, als auch der ältere Bruder gefallen war: und wenn ich zwölf Jungen hätte, ich könnte nicht anders handeln, und die Jungen würden gewiß alle ge gangen jcin * Nur die internationale Arbeiterschaft kann jeden Strieg in der Bukunft unmöglich machen und jebe Bergewaltigung und Aus. Chinas. Georg Kaisers Dramen. Das neue Drama Kaiser dam, der jetzt jämtliche Dramen Raisers übernommen hat. Bölle, Weg, Grbe" erscheint im Berlage Gustav Stiepenhener, Bots 3mischen Indien und Persien hat sich, wie ei Oberst Webb jest in der Londoner Bentralafiatischen Gesellschal mitteilte, während des Krieges entlang einer Staramanenstraße a der Südgrenze von Afghanistan eine Eisenbahnverbindun entwideft. Sie verläuft zivischen Seistan und dem süblichen Berfiet dem Industale und Karachi am Arabischen Meerbusen und wir die Absichten, die England auf die wirtschaftliche Durchdringun Südperflens hat, mächtig fördern. Unabhängig-kommunistifchs Demagogie. Tie kämpfen mit den Waffen der Reaktionäre. Aus der Rede, die Genosie Wolfssang Heine in später Abendstunde am Freitag im Abgeordnetenhaus hielt, haben imt wegen des Papiermangels nur einen kurzen AuSzug ge- ben können. Einige Punkte dieser Rede sind jedoch wert, daß man sichnochetwasauSführlicher damit besetzt. Der Dispositionsfonds des Ministers des Innern zur B e k ä m p- fung des Verbrechertums gibt den Unabhängigen immer wieder Vorwand zu der Wider besseres Wissen aufge- stellten Dehaupwng— die Dinge sind in den Ausschußsitzun- gen genau geklärt worden— daß die politische Polizei wie- der ausleben sollte. Genosie Heine begnügte sich nicht nur mit der Widerlegung dieser Lüge, er legte vielmehr dem Hause Original und photographische Nach- bildung der folgenden Quittung vor: 25 000 M. in Worten:.Fünfundzwanziatausend Mark' sind mir in Gemäß- heit deS Erlasses vom LS. ZÄai 1908— I. 7569— zur Bestreitung von-Ausgaben zu Zwecken der Politischen Polizei für die Zeit vom 1. Januar bis Ende März ISIS auS der Bureaulasse bcS Ministeriums des Innern gezahlt worden, worüber ich hiermit quittier«. Berlin, den 1. Januar 1919. Stempel des Polizeipräsidiums. Der Polizeipräsident. �eigenhändige Unterschrift) Eichhorn. Die sittsamen Unabhängigen haben also, als sie selbst am Ruder waren, die monatlich fälligen 25000 Mark für den politischen Gcheimfonds pränumetando in Anspruch genom- men. 5bai:m hatte sich daS stürmische Gelächter über die fon- derbarcn unabhängigen Tugendhelden gelegt, da sauste der zweite Schlag hernieder. Bei Herrn Pieck, der mit Ledc» bour und Liebknecht zusammen die zweite Revolution vom Januar organisiert hatte, ist ein F l u g b l a t t an die Bauer«: be'chfcgnahmt worden, für das die Spartakisten auS ihren bekannten unerschöpflichen Geldquellen nack bei- liegender Rechnung 11 000 M. gezahlt haben. Das Flug- blatt beginnt: .Tie Kriegswirtschaft mit ihren vielen Taufen- den von Verschriften, Verordnungen, mit ihrem harten Zwang hat Deine Vorräte. Bauer, eingefordert. Ter Kommunalverband und die Landjäger haben Dir Deine Frucht fastvom Felde weggenommen. Weggenommen gegen billigen Preis, den Du verdoppeln mußtest, wenn Du Saatgut einkauftest. Der Koimnunalverband holte Dein fungcS Rind für 700 St., ünd Du warst gezwungen, den Ersatz für Deine Wirtschaft mit 1800' M. zu bezahlen. Der Land- jäger guckte jeder alten Henne inS Nest, ob Du alle Eier pünkt- lich abqrlicfert hättest. Bauer, wach auf. Spartakus kommt zu Dir, unz Dir zu gebeo, nicht um Dir zu nehmen!" Als Heine diese verbrecherische Demagogie brandmarkte. da blieben selbst Adolph Hoffmann, dem unentwegten Zwischcnrufcr, die Worte aus. und wer ihn kennt, der weiß, wes das bedeutet. Die Kommunisten entblöden sich also nicht, aus dem flachen Lande mit denselben auSge» stunkenen antisozialistischen Lügen zu onerieren, wie die Agrarier vom Pom- mferschen Landbund und vom Bund der jjjfjp-|t 5 to t r tel Ab» das wäre ja auch nicht daS erste Mall Man muß nur den Aufruf lesen, mit dem sich am Donnerstag o?e B e r- liner Arbeiterräte der U. S. P. gegen die Mehr- heitspartei wenden. Wenn irgendein reaktionärer Regie- rungspräsrdent oder Landrat von seinem Posten entfernt und durch cmen Sozialisten ersetzt wird, dann ericheint in jämt- lichen reaktionären Blättern eine Noriz unter der Ucberschrist„Un der Pvrteikrippe". Genau in der- selben Weise Hetzen-- d i e U. S. P.- Arbeiter- r ä t e. indem sie der MehrheitZpartei vorwerfen, daß sie ihre ..Lakeien und Trabanten an gutbezahlte Stellen setze". Diese angeblichen Arbeitervertrcter machen also der Regierung jetzt noch einen Vorwurf daraus, daß sie die reaktionären Beamten entfernt und durch Sozialisten erjetztl Wenn die II. S. P. ans Ruder kommen sollte, dann wird sie wahrschein- lich alle konservativen Regierungspräsidenten und Landräte wieder einsetzen, und sie wird sich schwer hüten, die ent'cbeidenden Stellen mit ihren Anhängern zu besetzen!' v Widerlich und ekelerregend ist diese Demagogie, die skru- vellos zu den Waffen greift, mit denen die Reak- t: on Demokratie und Sozialismus be- kämpft! Regierung unü republikanischer jührerbunü Eine Erklärung Noökes. Reichswchrminister Noöke sendet uns aus Weimar folgendes Telegramm: •.Der..Vorwärts" behauptet am Freitagabend, die Begründer des republikanischen Führerbundes hätten für ihren Plan bei mir volles Verständnis gefunden. Richtig rst vielmehr, daß ich erklärt habe, die Gründung nicht verhindern zu können, daß aber dann eine Organisation mehr entstehe, gegen deren Wirken in der Reichswehr ich würde spätem S: e I l u n g nehmen müssen. NoSke." « Hierzu bemerke ich als Teilnehmer jener Unterredung: .In der mehr als einstündigen Besvrechung hat der Reichs- wehrminister sich den Gründern des republikanischen Führerbundes gegenüber keinenfalls in derartig schroffer Weise ausgedrückt. Er hat gewisse Bedenken geäußert, diese Bedenken kannten aber zum großen Teil von uns zerstreut werden. Dem Siiui« nach hat der ReichSwchrminister etwa ebenso Stellung genommen wie der Referent im Reichswehrministerium. Bernhard Rausch, cS in der Versammlung des R.F.B, getan hat, dessen Rede' wir in der Sonnabendnachmiktag-Ausgabc des„Vorwärts" abgedruckt haben. Eine direkte Förderung unseres Bundes durch das Reichswclrministerium haben wir weder verlangt noch erwartet. Mit einer Stellung, wie sie Rausch dargelegt hat. Iivb wir durchaus zufrieden und einverstanden. Im übrigen soll an dieser Stelle noäbmalS betont werden, daß die Organisation zu dem Zweck gegründet ist. das Reichswchrministerium bei der Schaffung eines republikanischen. Heeres zu unter» stütz««._ Erich Kuttner." Schichtwechsel. Kollegen! DaS Morgenbla't der.F r e i h- i t" begrüßt die Proteste des.Vorwärts" und der S. P. D. gegen mili. !, irische Reaktion und Gewaltpolitik als Zeichen beginnender Ein- sich!, das Abendblatt hat nur Hohn für diese Kundgebungen. Die Kollegen der.Freiheit sollten mal die Schicht wechseln; immer eine Woche morgens und dnc Woche abends kommunistisch! Königsberg unö Hamburg. Unerfreuliches von der Reichswehr. veber die Vorgänge, die sich am Freitag in Königsberg sr- eigneten,«rjahren die P. P. N.: In die Stadiverordnatensitzung in Königsberg drangen mit Handgranate», Karabinern und Pistole« bewaffnet« Soldaten«in, verlasen eine Erklärung der Reichswehr und Grenzschutzsoldaten und versuchten darauf, die Stadtverordneten Mittwoch und Dr. Gottschalk von der U. S. P. D. zu„verhafte n". Es entstand ein großer Tumult. Der Stadtverordnetenvorsteher forderte die Soldaten auf, den Sitzungssaal zu verlassen. Dieser Aufforderung leisteten die Tot- baten jedoch nicht Folge. Schließlich sah er sich genötigt, die Sitzung auf eine halbe Stunde zu unterbreche». Die bsiden Stadtverordneten Mittwoch und Dr. Gottfchalk erklärten sich bereit, vor dem MagiftratSgebäude den Soldaien wegen der Angriffe der unabhängigen„Freiheit" Red« zu stehen. Umringt von den Soldaten zogen sie vor das HauS und nahmen die Beschuldigungen gegen die Truppen im allgemeinen zurück. Sie erklärten, nur diejenigen unter den Truppen beschuldigt zu haben, die sich wirklich vergangen hätten. Die u m l i e g e nj> e n Straßen' d«S RathauSplatzeS waren von den Truppen in weitem Umfange abgesperrt. Auf dem Platz« selbst standen sie Soldaten, zum Teil schwer bewaffnet und hörten in Ruh« die Erklärungen der beiden Stadtverordneten an. Nachdem die» ze- scheihen war, ließ man die beiden Stadtverordneten ihres Wege» ziehen. Die Absperrung wurde aufgehoben, die Truppen vir» ließen in geordnetem Zuge den Platz. Unterwegs kam eb jedoch zu Ausschreitungen. Angeblich sollen die Truppen beschimpft und auS einem Hause beschossen worden sein. Die Truppen er- öffneten erst eia blinde? Feuer, gaben jedoch nachber einige scharf« Schüsse ad, wobei eine Frau und ein Junge verletzt wurden. Die Vorgänge im Marinelazarett Vedel in Ham- bürg stellen sich, wie wir»von zuständiger Seite erfahren, sol- gendermaßen dar: ES war bekannt geworden, daß in dem Lazarett Vedel von Kommunisten und Spartakisten, die sich dort zum großen Teil befinden, aus den Tagen der Hamburger Re- volution noch Waffen verborgen gehalten werden. Eine Anzahl von Soldaten bekam den Auftrag, das Lazarett nach Waffen zu untersuchen. Sie besetzten deswegen das Lazarett und fanden tatsächlich eine Handgranat« und einige Schußwaffen. Die Soldaten wurden von Lazarett- wsassen auf da? Uebelste beschimpft und tätlich an- gegriffen. ES kam dabei zwischen beiden Parteien zu Tät- lichkeiten. » Die Uebergriffe in Königsberg, die einen unerhörten Angriff auf eine parlamentarische Körperschaft bedeuten. sind in keiner Weise zu entschuldigen, sonde.n sie verdienen aller schwerste Verurteilung und verlangen st r e n g st e S ü h n e. Wenn nach den unerhörten Ucbergriffen der Truppen Beschimpfungen derselben vorge- kommen sind, so kann man sich wirklich darüber nicht wun- dern.— Auch im Hamburger Fall ist das Militär, auch wenn eine Mitschuld der Lazarettinsassen vorliegt, nicht freizusprechen. Bei den jetzt noch im Lazarett befind- lichen Mannschaften handelt es sich größtenteils um Schwer- verwundete bzw. Schwerkranke und diesen gegenüber wäre ein etwas rücksichtsvolleres Vorge h.en doch wohl möglich gewesen. Wegen einer ganzen Handgranate und ein paar Revolvern brauchte wirklich nicht ein solcher Apparat aufgeboten zu werden. Jedenfalls zeigen diese Vorfälle zur Genüge, daß der Geist in der Reichswehr noch sehr viel zu wünschen übrig läßt, und der Reichs- wehrminister täte besser, sich mit aller Energie gegen diese Vorfälle zu wenden, anstatt dem.Fkepublikaniichen Führerbund" Steine in den Weg zu werfen, der einen Geist in der Reichswehr schaffen will, der solche Vorfälle un- möglich macht Die Schuld am Lanüarbeiterstreik. Im Austrage der preußischen Regierung sind bekanntlsth die llnler- staaissekreiäre Dr. Meyer jJnnere») und G�ezcinSki(Krieg) nach Pommern gefaknen. um den Landardetterstreik zu beenden, was ihnen auch geglückt ist. Ueber feine Vorgeschichte sprach ein Mit« ardeiier der„P. P. R." mit dem Unterstaatssekretär G r e c z insk. Dieser bestätigte, daß der r»m«a»diere«de General ganz willkürlich und eigenmächtig vorgegangen sei, ohne Befragung de» Oberprüfl- deuten habe er den Belagerungszustand Über weite ve- zirkc verhängt, i» de»»» eS ganz ruhig war. Gegen den Einspruch aller Zioilbehörden habe er den Arbeits- zwang verordnet, was zur Folge hotte, daß die Zahl der bestreikten Güter sich sofort»erdrrifachtr. Dieser General und der stellvertretende Regierungspräsident in Gtral- s u n d tragen die Haupli»uld an der unerfreulichen Zuspitzung der Lage. DaS preußische Ministerium wird strenge Maßnahmen beschließen, um einer Wiederholuag derartiger Zwischensülle u n b e- dingt vorzubeugen. Tie Aufhebung deS Belagerungszustandes hat sofort Be- r u h i g u n g geschaffen. Bei der Zusammenkunft der Regie« rungSvertreter und der Strelklettung erllärt« ein Unabhängiger, ein früherer Gelber, er fei gegen die Aufhebung de« Be- lagerungSzustoadeS. Denn der Proteststreik der Arbeiter würde zwar «ach einigen Tagen zuiammci-.brcchcu. oder dann würden sie«it ge» ballten Fäusten und bittere« Zorn gegen Staat und Gesellschaft an dir Arbeit zurückkehre«. Diese Darstellung zeigt so recht, wie sich die Extreme rechts und link» in die Hände arbeiten. Der eigenmächtig hackdelnd« General vom A. O. K. 2 ist eine skandalöse Erscheinung und wir möchten wünschen, daß der Reichswehr mini st er gegen ihn nur die Hälfte der Energie aufbringt, mit der er sich heute gegen den Rcpubli- tonischen Führcrbund wendet, dessen Notwendigkeit durch diesen Gcneralstreich wieder einmal klar erwiesen ist. Bezeichnend aber ist die Freude, die das unkluge Lorgehen des Generali bei den Unabhängigen auslöst und PaS offenherzige Bekenntnis ihres gelben Vertreters, der diese Gewaltpolitik des Mtlilärs aus vollem Herzen bejubelt, der» dient für alle Zeiten sc st gehalten zu werden. Da» End: eines unabhängigen Agitationsschwindels. Immer wieder taucht in der Agitation der Unabhängigen di« Behauptung auf. daß für die Bekämpfung innerer Aufstände Eiserne Kreuze verlieben worden seien. Nun stellt ein« amtliche Be» kanntmackung über die nachträgliche Verleihung Eiserner Kreuze ausdrücklich sest. dass dos(5. K. für Tapferkeit bei Be- kampfnng innerer Unruhen nicht verliehen werden darf. WaS die Unabhängigen aber sicher nicht hindern wird, ihren Schwindel immer wieder gläubigen Gemütern vorzutragen. demokratischer Parteitag. Unter außerordentlich storler Beteiligung wurde am Sonn» abend im Großen Saal der Philharmonie der erste Parteitag der Deutschen Demokratischen Partei eröffnet. Handelsminister Fischbeck, der namens des oorläusigen ge» chäftSfiihrenden Vorstandes den Parteitag eröffnet«, betonte in einer einleitenden Rede, daß die Demokratische Partei sich auf den Boden der republikanische» TtaatSform gestellt und daß ihre Organisation sich nach revolutmnäcem Recht vollzogen habe. Unter stürmischem Beifall legt er Zeugnis ab für die allgemeine deutsche Einigung und gab seinem Pertrauen Ausdruck, daß die Völker das Unrecht des jetzigen G e» waltfrieden. s einsehen und Recht und Gerechtigkeit an seine Stelle setzen werden.,_ Hierauf wurde zum Vorsitzenden unter stürmischem Verfall Oberbürgermeister K o ch- Ka s i e l M. d. N. gewählt, zu Stellver- tretern mit gleichen Rechten Vizepräsident der preußischen Na» tionalversamlung Dr. Frentzel, Dr. Gertrud Bäumer, Prof. Dr. G e r I a n d- Jena und Abg. Dr. D i r r- Augsburg. Oberbürgermeister Koch übernimmt den Vorsitz und erklärt in einer kurzen Ansprache, daß die Zukunit. deK Deutschen Reich«» nicht gelöst werden könne von Parteien, die. hypnotisiert auf die Vergangenheit starren, sondern daß eine Partei nötig sei, die in demdkratisch-nationaler und sozialer Ge» sinnung arbeitet. Den Geschäftsbericht erstattet Ehefredakteur Nuschke-BerUn. Er polemisiert heftig gegen Stresemann und die Schwerlibe- ralen und betont, daß nicht nur der linke Flügel der national- liberalen Partei sich den Demokraten angeschlossen habe, sondern alles, was zwischen Sozialdemokratie.und Reaktion steh«. Er bedauert, daß bei den Wahlen für die Nationalversammlung nicht in allen Kreisen die Listenver- bindung mit der Reaktion unterlassen worden ist. aber auch mit der Sozialdemokratie habe keine Listenverbindung statt- finden dürfen, denn ei habe gegolten, eine sozialdemokraftsche Mehr. hei» in der Nationalversammlung zu verhindern. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung etljielt die Partei 5,6 Millionen Stimmen und 75 Mandate, in der Preußenversammlung zählte sie 05 Mandate. Die Zahl der organisierten Mitglieder— ausschließ- lich, der besetzten Gebiet«— beträgt 788»00. sLebhaster Beisall.) Ueber die Tätigkeit der Fraktion in der Nationalversammlung erstattete Abg. Dr. Petersen- Hamburg ein ausführliches Re- serat: Drei Meilensteine bezeichnen den Wender Stationai- Versammlung: die Notverfassung, da» Sozialisie- rungsgese? und die Festlegung de? 1. Mai als Feiertag. Der Widerstand Kurt EiZnerS hat verbindert, daß in der Notdeffassunq der unitarische Staat festgelegt wurde, et und ganz Bayern Hütten darauf gepfiffen. Als besondere» Ver- drenst der Demokraten bezeichnet der Referent, daß in das So- zialifierungSgeseh die Bestimmung ausgenommen wurde, daß Privateigentum nicht ohne Entschädigung enteignet wer- den darf. Hätten wir den 1. Mai nicht zum gesetzlichen Feiertag erhoben, dann wäre gegen daS Gesetz gefeiert worden. Bei der Beratung deS VersassungSentwurfeS bat die Partei den unitarischen Gedanken gewaltig gesordcrt. Besonder» skharse Kritik hat unsere Stellungnahme zur Frage der Dauer der Legislaturperiode erfahren.(Sehr richtig!) Eine demokratische Regierung darf nicht dt- Politik der Strafte betreiben. Die erste Nationalversammlung soll den Boden abgeben, auf dem die Führer heranwachsen, die. dieser schweren und veraniweriungSvollen Aufgabe gewachsen sind. Darum ist eine fünfjährige Legislaturperiode notwendig. �Widerspruch.) Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Auch die Führersähigieiren müssen in harter und'chwgrer Arbeit gewonnen werden. Das kann nicht in drei. fahren ge- I ch« h e n.(Erneuter Widerspruch.) Unter' lebhaftem Widerspruch«äneS Teils der Verfaurmlung verteidigt der Redner weitet ftnmn Standpunkt unj> gehl dairn auf die Stellung feiner Parte i zum.FriedenSver- trag ein. Auf Drängen unserer Partei wurde am 12. Mai von der Koalitionsregierung das unannehmbare ausgesprochen. lStütm. Beifall.) DaS war auch die Ileberzeuguna der überwiegenden Mehrheit deS Volkes. Dieses..unannehmbar" ist mit Einschluß weniger Bestandteile unserer Partei von den anderen Parteien nicht eingehalten. AlS die anderen Parteien— da» Zentrum mehr noch als di« Sozialdemokratie — für unbedingte Annahme war, war es uns unmöglich, in diesem Kabinett zu bleiben. ES gibt wich im der Politik Imponderabilien. Wir hatten Scha- den an der Seele erlitten. Wir haben in unserer Erklärung über die Gründe keinen Zweifel gelassen. Etwas anderes hat auch unser Freund Schiffer nicht gesagt.(Ohoruse.) Was� er über Freiheit in wirtschaftlicher und sozialpolitischer Hinsicht gesagt hat, ist kein Grund des Austritte, sonder» dia Folge. Man hat Grund und Folgen durcheinander geworfen. Wer mich kennt, weiß, daß ich immer da» Zusammenarbeiten mit der Sozialdemokratie betont habe, um«in freies Deutschland herbeizuführen. cMinuten- langer stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Deshalb können wir eine Zeitlang ermahnend neben ihr gehen. Die Schwierigkeiten deS Zusammengehens liegen in den wirtschaftlichen und soziale« Aufgabe». Der Rebner fordert ein Programm der Tal, mit Schlagworten wie Sozialisterung sei es nicht gesau. fStiirmischer Beifall.) Der R�w-r bezeichnet dann die Wissellschen Plan« alö ein Produtt geistiger Ar- m u t, welche die Kriegswirtschaft als Sozialismus ausgebe. Sehr scharf wendet sich dann der Redner gegen daS R ä t e s y st e m und erklärt unter stürmischem Beifall, m-an wolle weder von oben noch von unten«ine Klassenherrschaft haben. Die Sozialdemokratie ober sei in ihrem Verhalten gegenüber dem Rätesystem nicht klar. Außerhalb der Koalitionsregierung könne die Demokratische Partei ihre Ziele klarsr au-Zarbeiren. Ter Redner fährt fort: Di« Ein- Wirkung auf die Regierung verlieren wir nickt. Zentrum und Sozialdemokratie Halen et un» schon zu verstehen gegeben, daß eS ohne Demokraten nicht geht. Es gilt nur den geschickten Moment klug und schweigsam abzuwarten, wo man uns kommt und fragt: Seid Ihr bereit, in die Reggreung einzutreten? Wir werden dann erklären: Wir sind bereit, wenn Ihr unsere Forderung erfüllt. Das sind die erfreulichen Folgen unseres Ausscheidens. Der Redner polemisiert dann weiter sehr heftig gegen den So- zialiSmus, der Glaube an den Sozialismus sei ein Dogma. In jeder verständigen sozialpolitischen und werk- lich demokratischen Forderung werde die Sozialdemo- kratie restlos die Unterstützung der Demokratischen Partei haben. sStürunschsr Beifall.) Aber die Sozialdemokratie halte an ihrem Klassenstandpunkt fest, obgleich das im demokratischen S:aat ein Unsinn ser. Der Kapitalist sei ei» notwendige? Glied der Gesellschaft. DaS Wisscllsche Experiment können die Demokraten nicht mitmachen, aber in der sozialen Verpflichtung lassen wir uttS hon keinem Sozialdemokraten übertreffen. Das Ideal der sozialen Gerechtigkeit eint in unserer Partei alle Schichten.(Minutenlanger, stürmischer Beifall.) Der Vorsitzende Abg. Koch bringt ein Telegramm der Demo- kraten des MemelgebieteS zur Verlesung, worin gelobt wird, da» Deutschtum zu bewahren und gegen jede Vergewaltigung zu ve» teidigen.(Gturmischer Beifall,) Abg. Koch: Diese Jrrrdente jenseits der Grenzen soll nicht einschlafen.(Mlnutenlanger Beifall. Zuruf: Wir holen sie wieder.) Die allgemein« Aussprache wird im Anschluß an die Rede des Grafen Bernstorff über die auswärtige Politik am Sonntag«folgen. Was wird aus den entlassenen Freiwilligen? friedenheit in ble Menge gebracht, da werben bod wohl noch einige Ein Vorschlag. Mus Reichswehrkreisen schreibt man uns: Innerhalb dreier Monate soll die Reichswehr auf 200 000 Mann berringert werden, 2-300 000 Mann müssen also fofort entlassen, nach getaner Pflicht auf die Straße gefeßt werden. Das muß zu erneuter Unzufriedenheit, muß zur Berrüttung führen. Die Regie rung weiß und sieht das, aber sie findet nicht den Entschluß zu träftiger Tat, sie stedt den Kopf in den Sand. Die Arbeitslosenfürsorge soll neu geregelt werden, hier aber wird die Frage durch Vermehrung der Arbeitslosen erst noch schwieriger gemacht. In zwei Erlassen ist nach der, Revolution den Soldaten be fondere Bevorzugung in der Ansiedlung versprochen worden: im Dezember durch die Oberste Heeresleitung und Ende Juni durch den Reichswehrminister Noste. Sind das auch wieder Versprechungen, die nicht gehalten werden? Jezt ist es Zeit zu handeln. Zwei Umstände haben bisher die Siedlung nicht vom Fled tommen lassen; eine schnelle und endgültige Enteignung zu angemessenem Preise ist noch immer nicht möglich, und die schwierigen Berhältnisse auf dem Baumarkt lassen die schnelle Schaffung bon Wohngelegenheiten nicht zu. Soll man zweifeln, daß eine in der Mehrheit sozialistische Re gierung nicht imstande ist, ein für Kriegersiedlung brauchbares Enteignungsgeses zu schaffen? Millionen verfügbar sein, deren Ertrag vielleicht wirtschaftlich nicht ganz befriedigt, dafür aber fittlich und politisch von um so größerer Bedeutung ist. Entsprechend bündige Anregungen zur Schaffung von Siedlungsgruppen liegen im Kriegsministerium und beim Reichswehrminister bereits vor. Werden sie im Altenstaub vergraben oder fich auf dem Instanzenwege hoffnungslos verirren oder wird man rechtzeitig daraus etwas Gutes schaffen zum Wohle von Wirtschaft und Bolf? Gewerkschaftsbewegung Der Zentralrat der Eisenbahner Erfolge der Landarbeiterorganisation. Die Bandarbeiterschaft wacht allerorten auf. In den beiden oberfränkischen Bezirken Hof und Bamberg sind zurzeit über 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen organisiert. Nach wochenlangen Be mühungen find endlich Verhandlungen mit den landwirtschaftlichen Arbeitgebern im Gang zur Schaffung eines Tarifvertrages, mach dem in den letzten Tagen auf zwei größeren Gütern schon vorübergehend die Arbeit eingestellt war, weil die Gutsbesizer kein Ent gegenkommen gegen die berechtigten Forderungen der Arbeiterschaft zeigen wollten. Der Abschluß eines Vertrages für den Bezirk Hof und Umgegend, in dem sich ca. 30 fleinere und mittlere Güter befinden, steht bevor, für den Bezirk Bamberg und Umgebung ist ein Lohntarif bereits geschaffen worden. Tarifbewegung der Musiker. Der Verein der Kaffeehausbefizer hat auf das Ultimatum der Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Musiker- Verbandes fendet uns eine längere Zuschrift, die sich auf den kürzlich von Gegenvorschläge für den Abschluß eines Tarifvertrages eingereicht. uns veröffentlichten Artikel bezieht, worin der Hauptvorstand Die Hauptforderung der Musikerschaft: Ausschaltung des Kapell des Deutschen Eisenbahnerverbandes sagt, daß er ein Zu- meisters( Ensembleleiters) als Unternehmer und Anerkennung des fammenarbeiten mit dem Zentralrat in seiner gegenwärtigen Lokalinhabers als Arbeitgeber, ist seitens der Kaffeehausbesitzer Busammensehung ablehnt, weil der Obmann des Zentralrats angenommen worden. Durch dieses Zugeständnis werden aber wie ein gleichzeitig veröffentlichter Brief desselben beweist die Musiker nicht bester gestellt, denn die Summen, die bisher die über die Köpfe des Hauptvorstandes hinweg den General. Enſembleleiter aus den Pauschalen für die Musiker durch untarifmäßige Bezahlung für sich selbst herausgewirtschaftet haben, wollen streit zu proklamieren beabsichtigte. nunmehr die Kafetiers für sich selbst einstecken. Auch die achtIn der an uns gerichteten Einsendung wird die Richtig stündige Arbeitszeit möchten sie für den Kaffeehausmusiker allgefeit des Inhalts des Briefes nicht bestritten, aber seine Ver- mein einführen. Es soll dadurch eine Heraufschraubung der bisöffentlichung durch den Hauptvorstand wird als eine Unge herigen durchschnittlichen Arbeitszeit für den Musiker erreicht werWarum follen die Männer, die 4 Jahre lang gelernt haben, heuerlichkeit bezeichnet. Aber die frivole Absicht, im Gegen- den. Nur verschwindend wenige Musiker jedenfalls aber keine fich ein Obdoch zu schaffen im feindlichen Feuer aus dem, was die fatz zum Hauptvorstand den Generalstreik ins Werk zu jezen, Gesundheit zu nehmen, eine täglich achtstündige Dienstzeit körperlich faß feßen, Bläser fönnten auf die Dauer, ohne schweren Schaden an ihre Natur in nächster Nähe bot, warum sollen sie jetzt diese Kunst nicht den Eisenbahnbetrieb ganz Deutschlands mit einem Schlage und geistig aushalten und noch dazu in einem mit Tabaksrauch anwenden dürfen zum eigenen Nuzen und zur Sicherung des stillzulegen, das ganze Wirtschaftsgetriebe zu unterbinden start burchträntien Luft eines Kaffees. Neben dieser direkten und die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung einzustellen, Arbeitsleistung tommt noch eine tägliche llebungszeit von 2 bis inneren Friedens? Darum sollte man allen aus der Reichswehr entlassenen Leuten das alles erscheint unserm Einsender, dem Zentralratsmit- 3. Stunden hinzu, die jeder Musiker innehalten muß, wenn er auf die Möglichkeit geben, fich in Siedlungsgruppen zugliede Obmann Hch. Hertel lediglich als eine Differenz der Höhe seiner Leistungen und damit in Lohn und Brot bleiben fammenzuschließen, bie nach Landsmannschaften in die ber- zwischen dem Hauptvorstand und dem Zentralrat, eine rein will. Die Musiker lehnen es auch ab, überhaupt länger als Stunden täglich zu arbeiten. schiedenen Gegenden verteilt werden. Sie erhalten Löhnung und interne Angelegenheit, an der die Deffentlichkeit nicht das geBeköstigung wie in der Reichswehr. Sie werden im Einvernehmen ringste Interesse hat. mit ben Landessiedlungsbehörden eingesezt, um Boden in Kultur zu bringen und um Wohngelegenheiten für städtische und ländliche Siedlung zu faffen. Selbstverständlich muß Borforge getroffen sein, daß diese Gruppen nicht als Lohnbrüder wirten, und daß ihre Arbeit wirklich im Verhältnis zu den Kosten produktiv ist. Wer in diesen Siedlungsgruppen eine Anzahl von Monaten erfolgreich gearbeitet hat, hat das Recht auf Erwerb einer Heimstätte, die in Erbpacht, als Rentengut oder als Eigentum mit Rüdtaufsrecht des Ausgebers vergeben wird. Der Preis dieser Wirtschafts- und Wohnheimstätten muß im angemessenen Verhältnis zu dem tatsächlichen Werte und der darauf verwandten Arbeit stehen, aber es muß auch dem Siedler ein gutes wirtschaftliches Austommen ermöglichen. Und dieser lettere Punkt ist der wichtigere; denn, wenn auch wirklich das Reich zunächst nicht alle in die Siedlung gesteckten Ausgaben wieder einbringt, so find diese Ausgaben doch als Schug gegen neue Berrüttung durchaus wirtschaftlich. Mehr als eine Million sparen wir täglich dadurch, daß uns gegen unseren Willen die Feinde zu der Verminderung des Heeres zwangen. Nun sollten wir diese Million wenigsten anwenden, um mit friedlichen Mitteln den Bau des Reiches zu feftigen. Hunderte von Millionen find für die un produktive Arbeitslofenunterstüßung ausgegeben und haben keine ZuMit dieser Ansicht dürften die Zentralratsmitglieder wohl so ziemlich allein dastehen. Der größtenteils gegen den Hauptvorstand polemisierenden Zuschrift entnehmen die folgende sachliche Angabe: Der Zentralrat hat dem Hauptvorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes folgende Erklärung abgegeben: " Der Zentralrat erhebt gegen das Verhalten des Hauptborstandes des D. E. V. den schärfsten Protest. Den Beschluß des Hauptvorstandes, mit dem Zentralrat in seiner jebigen Zusammensetzung nicht mehr geschäftlich zu verkehren, demselben feine Verbandsgelder mehr zur Verfügung zu stellen, ferner gegen einzelne Mitglieder des Zentralrates noch weitere Schritte einzuleiten, erkennt der Zentralrat nicht an. Ein solcher Beschluß kann nur von einer Verbands- Generalversammlung gefaßt werden. Der Zentralrat stellt daher den Antrag auf sofortige Ein. berufung einer außerordentlichen Generalversammlung(§ 27 des Verbandsstatuts), welcher in dieser Angelegenheit zu entscheiden hat. Der Zentralrat erklärt ferner, daß er seinerseits bis zur Entscheidung der Generalversammlung eine Zusammenarbeit mit dem jetzigen Hauptborstand ablehnt, da das bisherige Verhalten des Souptborstandes für eine fonfequente Durchführung der auf dem Verbandstage zu Jena gefaßten Beschlüsse feine Gewähr bietet. Der Zentralrat per Gisenbahnarbeiterräte. J. A. gez.: Sch. Hertel, Obmann. Für eine vierstündige Arbeitszeit soll der Musiker einen Stun Unternehmer arbeitet, desto weniger soll er pro Stunde bezahlt benlohn von 4,50 Mt. erhalten. Je mehr Stunden er nun für den bekommen. Also eine Prämie für den Unternehmer zur Ausnugung der Arbeitskraft des Arbeitnehmers, Bei Kündigungen und Entlassungen der, Musiker sollen auf Grund eines Mitbestimmungsrechts nicht die Musiker selbst, sondern auch die übrigen Angestellten des Hauses mit entscheiden. Die Safetiers fträubten fich bisher, dem Musiker in fünstlerischen Fragen dem Kapellmeister gegenüber ein Mitbestimmungsrecht einzuräumen. In Fällen der Entlassung oder Einstellung eines Mujiters soll jest vielleicht auch die Reinmachefrau des Hauses ein Recht der Mitbestimmung haben. Die Gegenvorschläge des Vereins der Kaffeehausbefizer find für die Musiker durchaus unannehmbar und werden von denselben abgelehnt. Bernau. Laut Beschluß des Gewerkschaftsla rtells schließt sich die organisierte Arbeiterschaft der Protestlundgebung der Gewerkschaftskommission an. Apothekenarbeiter. Am Montag, 21. Juli, abends 8 Uhr pünktlich. im Königstadt- Kafino, Holzmarktstr. 72( Ede Alexanderstraße), Branchenversammlung. Bericht über die Tarifverhandlungen mit dem Berliner Apotheferverein. Gold- und Silberarbeiter treffen fich Montag vormittag 11 Uhr am Der Branchenleiter. Michaelfirchplatz. Berantwortlich für Bolitik: Artur Ridler, Charlottenburg, für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Schola, Neuköln; für Anzeigen: Theodor Glode, Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b.$.. Berlin. Drud: Borwärts. Buchbruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. in Berlin, Lindenstr.-8. Hierzu 3 Beilagen. A. WERTHEIM ± Leipziger Straße Königstraße Moritzplatz Rosenthaler Straße 1 2 Jugendliches Kleid Abbild, 2, heller leinenartiger Stoff, Matrosenkragen mit farbiger Blende, Rock mit Stufen Vornehmes Kleid aus weißem Stickereistoff.... 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Aber wir berſtehen um ſo ſchaftskammer Freiherr v. Wangenheim und jein erDer Kampf um die Schule. Bon Richard Lohmann. Ein eigenartiges Spiel des Zufalls wollte es, daß vorgestern im Reiche und in Preußen, in der Nationalversammlung und in der Preußischen Landesversammlung, gleich. zeitig die Neugestaltung unseres Schul. wesens zur Beratung stand. Es verlockt, die tiefer liegen den, inneren Beziehungen zwischen den scheinbar so verschieden gearteten Debatten und Beschlüssen in den beiden Parlamenten aufzusuchen. Die Schule des alten Deutschland, nicht zuletzt die preuBische, frohnte im Joche zweier Tyrannen, der Kirche und des Klassenprivilegs. Aus beiden hatte der Klassenstaat sich Machtmittel seiner Herrschaft zu schaffen gewußt, schützende Dämme, gegen die die Wellen der neuen Zeit Jahrzehnt auf Jahrzehnt ohnmächtig anzubranden schienen. Er nutzte das eigene Machtbegehren der Kirche für seine selbstischen Zwecke aus und ließ sich ihre Dienste gern gefallen in dem gemeinsamen Kampf gegen Aufklärung und Freiheit. Er machte die„ höhere" geistige Bildung zu einem Vorrecht der Geburt und des Besizes und dadurch zu einem Instrument der Ausbeutung und Unterdrückung. Der Kampf um die neue Schule ist also in erster Linie ein Kampf gegen diese beiden Zwingherren des alten Klassenstaates, und die Sozialdemofratie ist auch heute noc; die einzige, die den Kampf wirklich entschlossen gegen beide Fronten zugleich führt. Da fie die Mehrheit allein zur Zeit noch nicht hat, so muß sie also die Bundesgenossen bald gegen die eine, bald gegen die andere Front sich von Fall zu Fall zu verschaffen suchen. besser seinen Vorwurf:„ Es ist geradezu ein Monopol der lauchter Sohn, den er als Generaldirektor derselben LandBrivatschulen für die. Minderbemittelten erreicht." Es mag den wirtschaftskaminer eingesetzt hat. Alles mußte ja flappen. Demokraten allerdings schmerzlich sein, daß sie nicht ihr Mono- Ja, wenn nicht die wunderbare Solidarität der pol der Privatschule für die besitzenden. Klasse erreicht Industriearbeiter mit dem Landproletariat in Erscheinung getreten wäre. Prompt folgt der Gegenhaben! Wird das der lekte Versuch der Reaktionäre sein, das verhaßte Regiment abzuwerfen? Sicher dann, wenn die ReVerschwörernest hineinschlägt. gierung endlich mit unerbittlicher Faust in dieses pommersche Daß wir die Abschaffung aller Privatschulen, daß wir die ich I a g. Alle Räder in Vorpommern stehen still. In Stettin Einheitlichkeit umieres gesamten Bildungsmejens auf und Stralsund auch die Räder, die die lebenswichtigsten dem Altar des Kompromisses haben opfern müsien, ist gewiß Maschinen treiben: Wasserwerk, Elektrizitätswerf, Gaswerf. schmerzhaft. Aber wir haben doch wenigstens neben dem reli- Nun fett der Bürgerabwehrstreit ein und das qiösen Frieden auch den sozialen Frieden in der neuen Leben in den pommerschen Städten erlischt. Lebensder nach außen erreichte Friede den Beginneines beißen feit ein. Schule errungen, und genau wie dort bedeutet uns auch hier mittelgeschäfte werden geschlossen. Aerzte stellen ihre Tätig. neuen Kampfes mit den Waffen des Geistes. Die neu Endlich erwachen die Behörden, über deren Köpfe weg fundamentierte soziale Gerechtigkeit gibt jest je dem Kinde das Verhängnis durch die Militärbehörde gekommen war, zu unseres Volkes die Möglichkeit einer seinen Fähigkeiten ent- eifrigster Tätigkeit. Der Ernst der Lage wird jezt allen flar. sprechenden Ausbildung. Nicht mehr wird der Mangel an Bejiz Der nun folgenden strengen Untersuchung der Vorgänge hält gegenstehen, der Staat, die Allgemeinheit tritt als der gewebe zu durchschauen. dem Vorwärtskommen, der Weiterbildung als Bollwerk ent- der Junkerschpindel nicht stand. Klar ist das ganze Lügendurchschauen. Mit verbrecherischem berufene Förderer aller wirklichen Begabung nun ein, um die revelmut sollte das Koalitionsrecht der Kräfte zu entbinden, die letzten Endes wieder dem Staate und 2 andarbeiter gemenchelt werden. Aus der mili der Allgemeinheit zugute kommen. An uns ist es nun, diesen tärischen Niederschlagung erdichteter Landarbeiterunruhen aus der Tiefe zum Lichte drängenden neuen Kräften, diefem sollte die Hydra der Gegenrevolution erwachsen. Bonnern, geistigen Zuwachs aus den breitesten Schichten unseres Volkes die Vendee! Wege und Bahnen zu weisen, dafür zu sorgen, daß sie nicht in der fremden Atmosphäre eines ungewohnten Bildungsganges Verhandlungen, in denen die Untersuchung geführt wurde, Dem Faß schlug es vollends den Boden ans, als in die uns und unserer Sache verloren gehen. die Nachricht hereinplaßte, daß das Militär bereits wahllose lung der dritten, von vielen nur als nebensächlich empfunDem sozialen Ausgleich wird auch die Erfül- Verhaftungen unter den Landarbeitern vornimmt. denen Forderung unseres schulpolitischen Programms dienen: Im Kampfe gegen die Kirche hat sie keinen entschiede- Geist der Erziehung. Die Verwirklichung dieses Gedankens Im Kampfe gegen die Stirche bat fie feinen entschiede- die Einbeziehung der Arbeit in den Plan und nen Berbündeten gefunden. Ais es sich in Weimar darum han- wird weit revolutionärer wirken, als es den delte, den Religionsunterricht als verbindliches Lehr- meisten heute noch scheinen mag. Sie wird endlich die unfach aus der Schule zu verbannen, da zeigte sich die Unzu der felige Kluft zwischen geistiger und förperlicher Arbeit überIässigkeit der Demokraten, die erst die Beibehaltung brüden, fie wird die Bevorrechtung geistiger Arbeit und des Religionsunterrichts durchsetzten und dann den Kampf damit die Bevorrechtung einer bestimmten, eng umgrenz gegen die Kirche uns allein überließen in Verhandlungen ten Gesellschaftsklasse beseitigen. Handarbeit und mit der entschiedensten Vertreterin des kirchlichen Herrschafts- opfarbeit sind fortan gleichberechtigt. Der gedankens, dem Rentrum. So war die volle Befreiung der Zugang zu beiden Betätigungsarten steht jedem VolksSchule von firchlichem Zwange, die Weltlichkeit der neuen Schule durch die Reichsverfassung nicht zu erreichen. Wir mußten uns damit begnügen, die Barität, die Gleichberecheffeln, Die Schule der Zukunft tann frei sein von allen tigung der von uns geforderten weltlichen Schule mit der Fesseln, in die sie Kirche und lassen staat in Jahr tonfessionellen zu erzwingen, Toleranz zu fordern, aber auch hunderten der Fron und der Unterdrückung geschlagen zu üben. Wie der nunmehrige Unterstaatssekretär im Reichsamt hatten; sie wird frei sein, wenn wir nur unsere Pflicht des Innern, der unermüdliche Vorkämpfer für eine sozialistische tun. Nicht dadurch erringen wir freilich diese Freiheit, daß Schulreform, Heinrich Schulz, ausführte, sollen fortan in Berwirklichung praktische Arbeit zu leisten. Für diese bewir unser Programm laut hinausschreien, ohne für seine bestimmten Zeiträumen Sch u Iwahlen stattfinden, in denen die Erziehungsberechtigten sich für die fonfessionelle, für die queme, allerdingsprinzipientreue" Propaganda sind die Simultanschule oder für die weltliche Schule zu entscheiden Seiten vorbei, diese Art der Arbeit" wollen wir nur getrost den Unabhängigen überlassen, die auch Mit diesem religiösen Frieden" ist natürlich unser iegt wieder mit Protesten und Negationen die neue Schule Kampf für die nene Schule, für die Aufklärung des Boltes aufzurichten gedenken. Jett gilt es, auf dem Boden der und der Jugend nicht zu Ende. Der Kampf wird weiter gegebenen Tatsachen praktische Arbeit zu leisten, daAbg. Wurm( 11. Soz.): Wir stimmen dem Gesetze nicht zu. Di gehen," sagte Minister David sehr richtig bei seiner Empfeh- für zu fämpfen, daß die Mehrheit unserer Volksgenossen Baluta wird sich infolge dieses Gejches nicht beffern, sondern verlung des Kompromißantrags, wir wollen einen rein recht bald mit uns in der freien, weltlichen Einschlechtern, da die Nachfrage nach Gold auf dem ausländischen geistigen Kampf. Auch religiöse Auffassungen wandeln beitsschule die Schule der Zukunft sieht. Markte steigen wird. fich im Strom der Zeiten." Abg. Tr. Naschig( Dem.): Mein Borredner irrt. Durch den Stand unserer Valuta hat vielmehr eine Ermäßigung der Zölle auf den dritten Teil stattgefunden. haben. Wir müssen einstweilen uns damit zufriedengeben, daß wir das freie Feld für diesen nun beginnenden Kampf der Geister gewonnen haben, daß das Prinzip wenigstens festgelegt worden ist", wie Heinrich Schulz zusammenfassend sagte. genossen offen. Pommersche Nachlese. Von Friz Faaß, Berlin. nären! Hart auf hart! Weg mit allen ReaktioNationalversammlung zu Weimar der 61. Sigung. Eonnabend, den 19. Juli. Am Regierungstisch: Erzberger, Rosfe. Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung 9,45 Uhr, Zunächst erfolgt Beratung eines Gesetzes über die Zahlung Zölle in Gold. Abg. Rieser( D. Bp.) begrüßt die gefeßliche Stärkung unserer Baluta. Reichsfinanzminister Erzberger dankt dem Ms. Richer, da sich seine Ausführungen mit den Absichten der Reichsfinanzbevivaltung deden. Abg. Molkenbuhr( Soz.) verspricht sich von der durch das Gejeb zu erwartenden ebung der Valuta Vorteil für das Wirtschaftsleben, bemängelt aber Teile der Begründung des Gesetzes. Reichsfinanzminister Erzberger: Von einer Verschärfung des Schutzzolls durch die Baluta fann man wohl nicht sprechen, dagegen hat sich das Verhältnis zwischen den inländischen Produktionsfosten und dem Zoll verschoben. Reichsfinanzminister Erzberger: Ueberschwemmung mit Fertigfabrikaten Der Schwindel mit dem 2andarbeiter entspricht weden den Wünschen der Agrarier, noch denen der Jn. Der Abg. Burm verkennt völlig das Wesen der Vorlage. Sie Daß diese Auffaffung des Kompromisses richtig ist, daß fie ft re if ist glatt erwiesen. Alles Unheil, das ein Generalstreik dustrie, die der Abg. Wurm begreiflich gefunden hat. feine Konstruktion" ist, daß nicht etwa das Zentrum„ auf der in Verbindung mit Bürgerabwehrstreif über eine Stadt oder nichts anderes als die durch die Valuta eingetretenen finanziellen ganzen Linie gefiegt" hat, das beweisen am besten die Vorgänge eine Probing bringt, fällt auf die frivolen Urheber der pom- Nachteile für das Reich beheben. Eine Folge der Vorlage wird in der preußischen Landesversammlung. Handelte es sich bei der Reichsverfassung um die Befreiung der Schumerschen Affäre, auf die pommerichen Junker und vermutlich auch die Abwendung der Gefahr sein, die unserem WirtIen vom Joche der Kirche, so handelte es sich in Preußen um und den unteren Verwaltungsbehörden zurück. In ganz ihre Selfershelfer in den militärischen Kommandos schaftsleben durch die die Befreiung der Lehrer vom Joche der Geist- Deutschland einigen sich die Landarbeiter mit den Besizern, droht. lichen. Das Zentrum suchte hier, wo die Demokraten ausEs soll nicht bestritten werden, daß wir Fertigfabrikate nahmsweise einmal bei der Stange blieben, im Bunde mit den in Pommern ist das bisher durch den hartnäckigen Wider- nötig haben; in noch höherem Grade aber bedürfen wir Rohstoffe. evangelischen Schwarzröden wenigstens noch die Sicherung des werden lokale Bewegungen im Handumdrehen durch Ver- einer Verdreifachung der Zölle ist vollkommen unhaltbar. Das stand der Besizer nicht gelungen. Im übrigen Deutschland( Beifall) Abg. Molkenbuhr( Soz.): Die Behauptung des bg. Wurm von firchlichen Einfluſies" zu retten, indem es die eben hinausgehandlungen beigelegt, in Pommern ist das unmöglich. Gold ist nicht im Preise gestiegen, das Papier dagegen am Preise tanen Ortsschulinspektoren, d. h. die Geistlichen durch In Pommern steht man im Bunde mit den Militärs, die gesunken. Das Gesetz gleicht den Unterschied wieder aus; da es die Hintertür eines Elternbeiratsaus Bertretern der Eltern. selbst Gutsbefizer find. In Pommern hat man das platte die Valuta beffern wird, liegt es trumsreihen. " durchaus im Interesse der Arbeiter, der Lehrer und der Religionsgesellschaften wieder Band mit„ Moorkulturspaten"( Gewehren) bewaffnet, unt einschmuggeln wollte. Und es ist bezeichnend für die sog. auf alle Fälle gerüstet zu sein. Die erste Gelegenheit wird denn es steigert die Kauftraft der Löhne. Wer daber die Vorlage Deutsche Volkspartei", diese Neuauflage des schlimm benutzt, um Ioszuschlagen. ften National- ,, Liberalismus", daß sie trotz schwerer Bedenken" ablehnt, erweist der Arbeiterschaft einen schlechten Dienst.( Lebh. für diesen Zentrumsantrag gestimmt hat. Die Befreiung der vommerschen Landjunker stets ausgezeichnet hat, ihnen einen Zum Glüd spielt die bodenlofe leberhebung, die die Beifall.) Lehrerschaft ging ihr also wohl zu weit". Selbst der Demo- Streich. Sie faffen zu tolpatschig zu. Tolpatschig vor allem drei Lesungen gegen die Unabhängigen angenommen. Danach wird das Gesez ohne weitere Aussprache in allen frat Rumpel sah sich veranlaßt, seine Kirchenfreundlichkeit ausEs folgt die erste und zweite Beratung des Gesezcntwurfes gerechnet bei dieser Gelegenheit zu beteuern und für das handelt der Landrat von Franzburg, der die ganze Mitbestimmungsrecht" der Kirche einzutreten. Da war es eine Welt mit seinem Geschrei über die unermeßlichen Ernte- über den Absatz von Kalisalzen. Dase in der Wüste, daß der Vertreter unserer Partei als schäden in seinem Streife erfüllt, in dem die Ernte in Gejeges über die Sozialisierung des Kalibergbaues. Wir haben Abg. Düwell( U. Soz.): Der Gefebentwurf ist die Folge des einziger( neben den Unabhängigen) ohne alle Wenn und Aber Wintergerste soll angeblich ausgefallen und auf dem Felde zu tun hat.( Sehr wahr! bei den 1. Soz..) Wir werden also auch Wirklichkeit noch gar nicht begonnen hat. Die jenes Gesetz abgelehnt, weil es mit wirklicher Sozialisierung nichts für die Abschaffung der Ortsschulinspektionen eintrat in icharfem Widerspruch gegen das Zentrum, dem berfault sein, weil sie überreif war. Schwindel! Jedes Kind dieses Gesez ohne weiteres ablehnen. fich ja der demokratisch- unabhängigen Sage nach unsere Partei auf dem Lande weiß, daß bei der seitherigen fühlen Witte- Damit schließt die erste Beratung. In zweiter Beratung wird im Ruhhandel" mit Haut und Haaren verschrieben hat rung Winteregrste noch nicht reif ist, also auch nicht aus der Gefeßentwurf mit einem Kompromißantrag Sachfe( Soz.), unbekümmert um das demonstrative Hört, hört!" aus den Ben- fallen kann. Die Rübenernte soll vernichtet sein, weil die berols( 3.) usw. angenommen, wonach der Staatenausschuß erRüben einige Tage ungehadt liegen. Wie dumm schäßt dieser mächtigt sein soll, im Einvernehmen mit dem von der NationalberDie Abfaffung der geistlichen Ortsschul. Landrat die Menschen ein, die solches glauben sollen. Die jammlung einzusehenden Ausschuß die Zahl der Mitglieder des Reichstalirats abzuänden; doch soll eine Erhöhung ihrer Zahl auf aufsicht in der preußischen Landesversammlung ist das beste das glauben sollten, find die Behörden, von denen er den Ve- mehr als 36 Mitglieder nicht zulässig sein. Sierauf wird der GeBeispiel dafür, wie der Stampf für die Befreiung der Schule lagerungszustand verlangte, der kommissarische Regie- fehentwurf auch noch in dritter Lesung ohne Erörterung ange. geführt werden könnte, wenn die Demokraten rungspräfident bon Stralsund, Oberregierungs- nommen. einigermaßen zuverlässig in Schulfragen rat Dr. Singelmann, und das Oberpräsidium von Es folgt die erste Beratung des Gefeßentwurfs betreffend wären. Was in Berlin möglich war, das hätte in Wei. Stettin. Das ist derselbe Dr. Singelmann, den man in Erhöhung der Pensionen von Reichsbeamten, die das mar ebenso gut erreicht werden können und er- Glogau vor zwei Wochen seiner stod reaktionären 65. Lebensjahr vollendet haben, in Verbindung mit der ersten Be reicht werden müssen. Bielleicht kommt doch noch einmal die Tätigkeit wegen zum Teufel jagte, und den man nun aus- ratung eines Gesezentwurfs betreffend die Reit, wo die freiheitlich gesinnte Lehrerschaft den Demokraten gerechnet als Regierungspräsidenten in dem Paradies der ibre Bwiespältigkeit beimzahlt, wo fie erkennt, daß man sie zum Junker in Pommern wiederfindet. Lieber Beser, merkit du Stampf gegen den Ruhhandel" nur deshalb hezt, weil man diz was? eigene Brinzipienlofigkeit zu berbergen hat! Willfährig über alles find die militärischen Be Noch unzuverlässiger freilich ist ja die Demokratische Partei hörden in Pommern. Am Freitag beginnt der berühmte auf Grund ihrer innerlichen und äußeren Gebundenheit an Landrat von Franzburg, der Herr v. Stumpfeld, seinen den Kapitalismus, wenn es sich um den Kampf es sich um den Kampf gegen Telegrammfeldzug. Am nächsten Tage präsentiert die mili- Präsident Fehrenbach: Der Wunsch ist durchaus berechtigt; das laffenpribilegien handelt. Das Schlagwort von dem tärische Behörde wie auf Kommando den Belagerungszustand Bureau gibt sich alle Mühe, ihm nachzukommen. Aber wir leben Aufstieg der Begabten hat fie stets im flaffenstaatlichen Sinne und zugleich eine bis ins einzelne ausgearbeitete Arbeits- bier, namentlich auch in bezug auf die Druckerei, in bedrängten aufgefaßt und ausgelegt. breit halten an der Pri- zwangsverordnung gegen die Bandarbeiter. Die 8ivil. batschule ist der beste Beweis dafür, daß fie von einer wirk- behörde wird erst gar nicht gefragt. Die Bla entwürfe so rasch wie möglich zu verabschieden. Es könnte vielReichsfinanzminister Erzberger: Ich möchte bitten, die Gesezlichen Gleichheit in den Aufstiegsbedingungen unter allen fate, die den neuen Kriegszustand in der Landwirtschaft leicht auffallen, daß der Reichsfinanzminister selbst auf Ausgaben Bolfsgenossen nichts wissen will, daß sie ein fapitalistisches verkünden, find bereits fig und fertig. Schon prangen drängt, aber es handelt sich hier um Privileg auch in der Schulfrage aufrechterhalten möchte. Von sie an allen Mauern Vorpommerns. diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, wirken die Klagen des Ausgaben, die fachlich begründet Der Apparat war fein eingespielt: Junker v. Demiß, find, und die vom Reiche unter allen Umständen geleistet werden Demokraten Dr. Seifert bei der Kompromißberatung, die„ Auf- der Direktor des Pommerschen Landbundes, konnte zufrieden müssen. Der erste Gefeßentwurf berfolgt den offensichtlich ausge Pensionierung von Reichsbeamten infolge der Umgestaltung des Staatswesens. Abg. Heinze( D. Vp.) zur Geschäftsordnung: Ich möchte den Herrn Präsidenten bitten, dafür Sorge zu tragen, daß uns die Vorlagen in Zukunft so rechtzeitig zugestellt werden, daß fie genügend vorbereitet werden können. sprochenen Zwed, eine Verfügung unserer Beamtenschaft herbetzuführen. Dieser Zweck soll dadurch erreicht werden, daß die Beamten, die das 65. Lebensjahr überschritten haben, in rascherem Tempo verabschiedet werden, dadurch, daß ihnen ein Zuschlag auf ihre Pension in Höhe von 10 Broz gewährt wird. Der zweite Gejebentwurf betrifft die Benfionierung der Reichsbeamten infolge der. Umgestaltung unseres Staatswesens. Abg. Davidsohn( Soz.) schlägt vor, den Gefehentwurf ohne weiteres an den Haushaltungsausschuß zu überweisen und eine eingehende Beratung im Ausschuß und in der zweiten Lesung voraunehmen. Nachdem sich Redner aller Fraktionen mit dieser Anregung einverstanden erklärt haben, werden beide Gesezentwürfe an Haushaltungsausschuß überwiesen. den Es folgt die erste Beratung der Gefeßentwürfe über die Entschädigung der infolge der Verminderung der Wehrmacht aus dem Heere, der Marine und den Schußtruppen ausscheidenden Offiziere und Decoffiziere, sowie das Stapitulantenentschädigungsgeseh. Preußischer Kriegsminister Reinhardt: Mit der Einbringung der Entschädigungsgesetze für die Offiziere und Kapitulanten des Seeres und der Marine erfüllt die Reichsregierung eine dreifache Bflicht. Sie muß in Erfüllung des Friedensvertrages abrüften, sie muß die von der Abrüstung am härtesten betroffenen Berufssoldaten entschädigen für den Verlust ihres Lebensberufes, den sie im Vertrauen auf den Staat gewählt hatten, sie muß endlich den ins bürgerliche Leben zu überführenden Männern helfen, in neuen Berufsarten wieder in den Sattel zu kommen.( 3uftimmung.) Diesen Erfordernissen tragen die Gesetze Rechnung, sollen aber feineswegs eine Abschlagszahlung für die Leistungen der aktiven Offiziere und Unteroffiziere im vergangenen Kriege sein. Eine Geldentschädigung für diesen Dienst ist undenkbar.( Beifall.) Der Gesetzentwurf versucht die durch unsere Finanzlage gebotene GrenzTinie zwischen äußerster Sparsamkeit und der notwendigen wirt. famen Hilfe innezuhalten. Im wesentlichen soll den mittleren Offizieren und den Kapitulanten beim Berufswechsel ber Nebergriff in Königsberg sich tatsächlich so abgespielt hat, so ist er in allerschärfster Weise zu verurteilen. Es geschieht aber und geschah in den letzten Wochen außerordentlich viel an Gewalttaten. Ich kann nur daran erinnern, daß in mehr als einem Fall Redaktionen erstürmt weit davon entfernt, die Politik in die Schule hineinzutragen. Die Regierung will vielmehr durch Entfernung der Bilder das Hineintragen der Politik in die Schule vermeiden. ( Sehr richtig! links. Lachen rechts.) In dem Erlaß des Ministers wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Bilder von historischer Bedeutung nicht entfernt werden sollen.( Stürmische Unterbrechungen rechts.) von den Parteifreunden Segers, die Redakteure mißhandelt und Abg. Werner( Dnat. Vp.) weist in einer Anfrage auf die auch gezwungen wurden, gegen ihre Ueberzeugung Erklärungen verbrecherische Lähmung des Eisenbahnverkehrs durch den Brand abzugeben. Alles bas bloß, weil sie das Recht der freien Mei- bes Güterbahnhofs Bebra und durch mutwillige Zerstörungen, von nungsäußerung gebracht und den Unabhängigen unangenehme Eisenbahnanlagen auf dem Bahnhof Lehrte hin. Dinge gesagt hatten. Wiederholt wurden Redaktionen unserer Ein Regierungsvertreter erwidert, daß sich in Bebra BrandParteiblätter in schändlichster Weise demoliert von den Partei- stiftung nicht habe nachweisen lassen. freunden Segers.( Ungeheuerer Lärm bei den Unabh. Soz. ZuEs folgt die Beratung einer Denkschrift über die Behand ftimung.) lung der Arbeiterlohnfragen bei der EisenbahnGewalt halten die Unabhängigen auch heute noch für ihr Recht. verwaltung. Hierzu liegt ein gemeinsamer Antrag der Dabei ist es niederträchtigste Schandwirtschaft, die er und seine Sozialdemokraten, des Zentrums und der Demokraten Freunde netrieben haben.( Ungeheuerer Lärm bei den Unabh. bor, der den von der Preußischen Regierung gemeinsam mit der Coz. Große Unruhe. Präsident Fehrenbach: Herr Minister, Reichsregierung beschrittenen Weg, unter Aufwendung großer es geht nicht an, daß einem Mitglied des Haufes Schandwirtschaft staatlicher Mittel eine Senfung der Kosten der Lebenshaltung der Bevölkerung vorgeworfen wird, ich muß das rügen!") In Leipzig wurden wiederholt willkürliche Verhaftungen vorgenommen. In dem Pro- herbeizuführen, billigt, weil er allein aus der gegenwärtigen zek, der dort gegen Mitglieder der Unabhängigen Sozialdemokratie schwierigen Lage herausführen fann. Schließlich wird die Eingeführt wurde, spielten richtung eines Lohnamtes gefordert. awei Mitglieder der unabhängigen Fraktion Eisenbahnminister Deser dieses Hauses lediglich deswegen nicht eine Rolle, weil sie durch verbreitet sich ausführlich über die 2ohn politik der Eisenbahnihre Immunität als Abgeordnete geschüßt waren. Sonst ständen auch fie aur Verurteilung, die dort wegen nieberträchtiger Gr. berwaltung und bespricht die Forderungen der einzelnen Arbeiterpregung berhängt wurde.( Lärm bei den Unabh. Soz.) Lediglich gruppen. Das kann natürlich nicht so weiter gehen. Daher hat die wegen des Verdachtes, eine Beleidigung ausgesprochen zu haben, schritten. Wann die Zeit für eine allgemeine Neuregelung der Regierung den Weg der Senkung der Lebensmittelpreise befind in Leipzig einzelne Personen wochenlang in Untersuchung Rohnverhältnisse gelommen sein wird, läßt sich heute noch nicht gehalten morden. Wenn man von Gewalt reden will, dann muß fagen. Dem Winter sehen wir mit großer Sorge entgegen. Wenn es nicht einer aus Leipzig tun, der noch dazu Unabhängiger ist. nicht Ruhe und Arbeitsfreudigkeit überall wieder einkehrt, werden ( Großer Lärm bei den Unabh. Soz.) Die Schuld der Soldaten wir nicht genügend Kohle haben.( Hört, hört!) muß in jedem einzelnen Falle festgestellt werden. So oft handelten sie erst, nachdem sie bis aufs Blut gereizt geholfen werden. Den Offizieren mit über zehn Dienstjahren und waren. Keine Gemeinheit, Niederträchtigkeit und Lüge, die nicht unter den Bezügen eines Brigadekommandeurs soll, wenn sie ver- Tag für Tag die unabhängige Presse gegen die Soldaten ausgeheiratet sind, für 5, wenn sie ledig sind, für 3 Jahre anstatt des fprochen hätte. Erneuter Lärm bei den Unabh. Soz.:" Sind ja ihnen zustehenden Ruhegehalts ein Uebergangsgehalt, das der Ihre Spikel!". Unruhe.) Die vorgekommenen Ausschreitungen Höchstpension entspricht, unter Weitergewährung der Teuerungs- find lediglich die Folge der schmählichen Heze, die natürlich zulagen zugebilligt werden. Den Offizieren unter 10 Jahren, die außerhalb des Hauses. gegen die Truppe getrieben wurde. noch nicht pensionsberechtigt sind, wird zur Erleichterung des Ueber- Gegen Schuldige sind wir unsererseits in allerstrengster Weise vorganges in das bürgerliche Leben ein Jahr lang ihr Garnisongehalt gegangen.( Ungeheurer minutenlanger Lärm bei den Unabh. Soz. veiter bezahlt. Die Zeit, die der einzelne seit dem 9. November Buruf: Bloß nicht gegen die Mörder!" Demonstrativer Beifall Gehalt bezogen, aber nicht Dienst getan hat, wird von der be- sonst im Hause. Die Rurufe auf der äußersten Linken wiederwilligten Uebergangszeit abgezogen. Die Kapitulanten erhalten holen sich:„ Echwindler, Lump, unverschämter Mensch!") als Entschädigung für das Nichterreichen des nötigen Dienstalters, Aba. Seger( Unabh. Soz.): Der Reichswehrminister hat mir das für die Gewährung der Prämie und des Bivil ersorgungsscheins persönlich niederträchtige Echandwirtschaft vorgeworfen, als wenn durch die Geseke vorgeschrieben ist, eine ihrer abgeleisteten Dienst- ich sie dort begangen hätte. Wenn er jetzt von Verhebung redet, zeit entsprechende Teilprämie, außerdem, wenn sie über 12 Jahre so tut er nichts anderes, als daß er die elenden gedient haben, für zwei Jahre, sonst für ein Jahr ein Uebergangsgehalt von monatlich 300 M. für Verheiratete, von 200 m. für Ledige, dazu eine einmalige Abfindung für Bekleidung und Ausrüftung von 300 M. Vor dem Krieae hatten wir in Deutschland rund 30 000 aftive Offiziere einschließlich der Sanitäts- und Beterinäroffiziere und rund 100 000 Rapitulanten. Einheitlich und uneingeschränkt erkennt die ganze Welt an, daß unsere Offiziere und Mannschaften in einzig dastehender Weise ihre Pflicht und Schuldigkeit artan haben.( Lebh. Beifall.) Diesem Geiste danken wir, daß die Mehrzahl der einzelnen Schlachtfelder die Etätte eines Sieges für uns, einer Niederlage für unsere Gegner im Westen und Often, zu Lande, zu Wasser und in der Luft bedeutet. Unauslöschliche Werte der Erinnerung bleiben damit unsern Kindern und Kindestindern gesichert, und sie werden es allen Tapferen danken( Lebh. Beifall), wie wir es schon jest den für uns Gefallenen aus tiefstem Herzen danken.( Lebh. Zustimmung.)- Der Teil unserer wirtschaftlichen Lasten wird gern getragen werden, der diesem Dante Ausdruck gibt. Nachdem wir nun trot unserer Waffenerfolge von den Menschen und Maschinenmassen aller fünf Weltmächte überwältigt find, stehen wir doch nicht am Ende des deutschen Mutes und der deutschen Tatkraft.( Lebh. Zustimmung.) Sie haben in diesem hohen Sause das Werk begonnen, unsere Seimat neu zu gestalten und mutig trop all unserer Not einen neuen gewaltigen Wettbewerb aufzunehmen, durch den das deutsche Volk in freiheitlicher sozialer Betätigung eine neue Höchstleistung unter den Kulturvölkern aufstellen will, an deren Epibe es sich bisher in friegerischen Leistungen befunden hatte. Dieser fühne Gedanke kann aber nur ber wirklicht werden, wenn wir alle Kräfte zusammenfassen.( Lebh. Ruftimmung.) Darum laffen Sie sich diejenigen nicht entgehen und diejenigen laffen Sie nicht verkommen, die die Abrüftung frei macht, und die auch in den jüngst vergangenen Monaten dem jungen déufschen Freistaate große Dienste geleistet haben.( Rebh. Zustimmung.) Helfen Sie den abgehenden Offizieren und Kapitulanten, sich auf die neuen Aufgaben vorzubereiten, machen Sie diese sturmbetvährten Kräfte für alle Berufe nukbar.( Bebh. Beifall.) Aba. Davidsohn( Soz.): Diese beiden Vorlagen sind besonders dringend, fie sollen schon am 1. August in Kraft treten. Mein Freund Stücklen war beauftragt, die Entwürfe hier zu erörtern. Er behält sich seine Ausführung für die zweite Lesung vor. Abg. Dr. Neumann- Hofer( Dem.): Wir sind mit beiden Gefeben einverstanden und stimmen der Ueberweisung an den Ausschuß zu. Abg. Oberfahren( Dnat. Vp.); Wir freuen uns dieser Gerech tigkeit gegenüber allen politischen Umtrieben, die gegen das Offizier forps in Sene gesetzt sind.( Beifall.). Abg. Schirmer( 3.): Wir sind mit der Ueberweisung an den Ausschuß einverstanden. Abg. Dr. Becker- Heffen( D. Pp.): Wir begrüßen die beiden Reichswehrminister Roste: Ich will nur feststellen, daß über die Entwürfe Erivägungen mit den Beteiligten stattgefunden haben. Es ist von ihnen immer wieder erklärt worden, daß sie die Maßnahmen der Meichsregierung dankend anerkennen. Entwürfe mit wärmster Shmpathie. Abg. Seeger( U. Soz.): Auffallend ist, daß die Beratungen so mit einem Loblieb auf den Maffenmorb enden sollen.( Unruhe.) Noch immer tritt der Militarismus, wie ein Bergang in Königsberg. beweist, alles Recht und Gerechtigkeit mit Füßen.( Schr richtig! bei den 11. Soz.) Es ist höchste Reit, das jebt noch vorhandene Gewalt. instrument vollkommen zu beseitigen.( Sehr richtig! bei den 1. Soz.) Besser wäre, zuerst für die Kriegsbeschädigten zu sorgen, als für bie Offiziere. Welche Dienste muß die Truppe der jetzigen Megierung leisten, wenn sie ihr solche Gegendienste zu leisten sich veranlaßt sieht. Reichswehrminister Roste: Daß wir auf schleunige Beratung des Gefezes halten müffen, hat seinen Grund darin, daß die Friedensbedingungen, die die Regierung berüdfichtigen mußte, erft feit turzem feststehen. Außerdem hat sie wohlerworbene Rechte au respektieren.( 8urufe.) In den letzten Monaten war der Dienst der Truppe Deutschland vor dem Chaos zu bewahren. Dafür hat sie ihre Haut zu Martte getragen gegen verbrecherischen Unfug und verbrecherisches Treiben.( Großer Lärm bei den 11.- Soz., Zustimmung und Beifall.) Sie trat für den Inneren Frieden cin. Dafür ist die Truppe unter allen Umständen unjeres Dantes wert.( Großer Lärm bei den Unabh. Soz, Zurufe: Die Bande muß raus! Der Präsident bittet um Ruhe.) Wenn Berläumbungen der bürgerlichen Preffe wiederholt.( Präsident:" Solche Ausdrücke sind unzulässig, ich muß fie rügen!") Wollte ich sein Verhalten richtig kennzeichnen, so müßte ich das noch ganz anders fassen. Wenn in Leipzig die Noste- Leute nicht eingezogen wären, dann wäre Leipzig die einzige Stadt, wo nicht gestohlen würde.( Minutenlang anhaltendes GeTächter, Präsident Fehrenbach rührt fortgefekt die Glode.) Preuß. Kriegsminister Reinhardt: Die Armee ist nicht gegen das Volk gerichtet, sondern ist für das Volk da. Meine mehrere Monate lange Zusammenarbeit mit der Mehrheit des Hauses, die fich auf ehrliches Streben und chriches Arbeiten gründet, hat in mir die Ueberzeugung nur gefestigt. Wir halten deshalb den Offizieraberuf nicht für verfehlt. Der Gefeßentwurf wird an die Kommission verwiesen. Es folgt die dritte Beratung des Reichsfiedelungsgesetzes. Abg. Böhme( Dem.): Wir stehen vor dem Abschluß des bedeutungsvollsten Agrargesebes, das seit hundert Jahren die Gesebgebung beschäftigt hat. Es wird, wenn es loyal durchgeführt wird, Veränderungen in der Grundbesitzverteilung herbeiführen, die auf Jahrhunderte hinaus das deutsche Wirtschaftsleben beeinfluffen werden. Bei der Durchführung sollten die Kriegsgewinnler herangezogen werden. Abg. Hampe( Dnat. Vp.): Durch die von der Kommission be fchloffenen Aenderungen bzw. durch Wiederherstellung der ursprünglichen Fassung werden die Staatsdomänen vor dem Privatgrund besik in unerhörter Weise bevorzugt. Wir werden zwar dem Geseb im ganzen zustimmen, aber diese Wenderungen lehnen wir ab. Abg. Loebe( Soz.): Nicht der Staat allein soll bei der Hergabe von Land der Leidtragende sein, sondern der Großgrundbesitz Abg Schubert( Coz.): Der Antrag der drei Parteien ist aus veiflicher Erwägung heraus entstanden. Wir empfehlen den Antrag zur Annahme und hoffen, daß das darin geforderte Lohnamt sobald wie möglich ins eben treten und neben Theoretikern auch Praktiker aufweisen wird, die für die wirtschaftlichen Verhältnisse der Arbeiterschaft Verständnis haben. Abg. Dr. Moldenhauer( D. Vs.): Die Vorlage kommt in letter Stunde an das Haus; eine sorgfältige Prüfung fann faum vorgenommen werden. Mit der Senkung der Lebensmittelpreise allein ift es nicht getan, man soll auch eine mildere Praris bei den Ausfuhrbewilligungen eintreten lassen und den Handel wieder freigeben. Abg. Dallmer( Dnat. Vp.): Der Antrag Gräf und Genossen ist uns besonders in seinen beiden letzten Teilen so bedenklich, daß wir ihn leider nicht annehmen können. Mitteln fönnte man den Wünschen und Forderungen der EisenbahnAbg. Paul Hoffmann( 1. Soz.): Mit geringen materiellen arbeiter entsprechen: Man brauchte ihnen nur das Mitbestimmungsrecht zu geben. Für den Antrag werden wir stimmen. Der Antrag Gräfund Genossen wird gegen die Stimmen der Deutschnationalen zum Beschluß erhoben, die Denkschrift zur Kenntnis genommen. Darauf seht das Haus die Aussprache zum Haushalt des Ministeriums des Innern fort. Abg. Gaffel( Dem.): Gegen die Rajernierung der Mannschaften der Sicherheitspolizei haben wir die größten Bedenken, ebenso dagegen, daß dazu nur junge unverheiratete Personen ausgewählt Die Freiheit der Selbstverwaltung muß unangetastet werden. bleiben. Die Staatsaufsicht ist auf die Rechtmäßigkeit der Beschlüsse der Selbstverwaltungsorgane zu beschränken und nicht auf deren Bwedmäßigkeit auszudehnen. Die Selbstverwaltung bedarf nicht mehr des Gängelbandes der Bureaukratie, fie ist auch von den Genehmigungen und Bestätigungen zu befreien, die ihre Betätigung bisher so sehr gehemmt haben. Die Notlage der Gemeinden ist geradezu fatastrophal. Wenn ein Einheiteftaat möglich ist, soll Preußen restlos in diesem Staat aufgehen. Solange dies aber nicht möglich ist, fann aus einer Zerschlagung Preußens fein Vorteil für das Neich erwachsen. Auch wirtschaftlich können wir viel mehr leisten, wenn wir haben. große Staatengebilde Abg. Dr. Degenborn( Dnat. Vp.) fordert eine Vermehrung der Zahl der Polizeiä rate. Gin böjes Zeichen der Zeit sind die vielen Spielklubs. Der Rebner spricht sich gegen die Arbeiterräte aus. Unsere Vorfahren haben diesen preußischen Staat gebaut. Wir lieben ihn mit ganzer Seele und bedauern, daß er in Trümmer gegangen ist. Abg. Lichtenstein( U. Soz.) wendet sich gegen die Mehrheitsfozialisten. Abg. Moldenhauer( D. Vp.) bespricht darauf die Auswüchse des selbst soll dazu herangezogen werden, deshalb find die von der Kom Kinowefens. Der Redner erörtert wieder die unhaltbaren Zustände mission getroffenen Aerderungen durchaus berechtigt. Damit schließt die allgemeine Besprechung. des Sicherheitsdienstes in Frankfurt a. M. Wir unterstüben die Anträge auf Vermehrung und Besserstellung der Gendarmerie. Den Opfern der Straßenkämpfe In zweiter Beratung wird das Gesez nach den Beschlüffen der Rommission angenommen, ebenso eine Resolution, welche Maßnahmen zum Schuße der kleinpächter gegenüber muß geholfen werden. Preußen sollte nicht warten, bis das Reich Grundbesizern verlangt, die, weil sie Land hergeben müssen, hier eingegriffen hat. Für die befekten Gebiete fehlt es noch immer die Bachtverträge aufheben könnten, nachdem Arbeitsminister an Taten. Wohlwollende Worte haben wir von der Regierung Schlicke erklärt hat, daß die Regierung eine Verordnung im Sinne genug gehört. Wir müssen auch für die Beamten und ihre Familien eintreten, die wegen ihres Bekenntnisses gum Deutschtum dieser Resolution erlassen werde. aus den besetzten Gebieten ausgewiesen werden( Beifall), erst recht für die deutschen Männer und Frauen, denen wegen ibres Deutsch tums in den abzutretenden Gebieten Schwierigkeiten gemacht werden. Den unerlöften Landesteilen um mit Herrn Clemenceau im Jahre 1871 zu sprechen gilt der herzlichste Gruß des letzten Redners vor den Ferien.( Lebhafter Beifall.) Es folgt die zweite Beratung des Entwurfs einer Aleingarten- und Kleinpachtlandordnung. Der Berichterstatter des Haushaltausschusses, Abg. Stelling ( Soz.), empfiehlt die Vorlage in der Ausschußfaffung. Das Geses richte einen Schußwall gegen die wutherische Ausbeutung ber Kleingartenbefizer auf und schaffe Organisationen, die die Intereffen der Kleingartenbefizer wahrnehmen würden. Abg. Dr. Neumann- Sofer erklärt die Zustimmung seiner Freunde zu dem Gesek. Abg. Hampe( Dn. Vp.): Um dem Gefeß teine Schwierigkeiten au machen, würden seine Freunde trop Bedenken dafür stimmen. Der Gefeßentwurf wird darauf in zweiter und sofort auch in britter Lesung angenommen. Nächste Sigung Montag 8 Uhr. Berfassungsentwurf. Preußische Landesversammlung. 49. Sibung, Sonnabend, den 19. Juli, 11 Uhr. Am Regierungstisch: Hirsch, Dr. Südekum, Defer. Der Antrag der demokratischen Abgeordneten Schleswig Holsteins auf gesetzliche Festlegung der Sonderrechte dieser Probina ist vom Gemeindeausschuß zurüdgekommen. Er wird dem Ausschuß für die Borberatung des Gesetzes über erweiterte Autonomie der Provinzen überwiesen. Abg. Delze( Dnat. Bp.) weist in einer Anfrage darauf hin, baß nach einem Erlaß des Kultusministers vom 26. Juni die Bilder der Hohenzollern aus allen Schulen entfernt werden sollen. Gerade die preußischen Herrscher hätten sich um die Schule, und besonders um die Bolksschule, hoch verdient gemacht. Der Redner fragt die Regierung, auf welche rechtlichen Grund lagen sie ihre Maßnahme stüßt.( Sehr gut! rechts.) Ministerialdirektor Kostner: Damit schließt die Aussprache. Die Abstimmung über die aahlreich vorliegenden Anträge der Parteien wird ausgesetzt Der Etat wird bewilligt. Der Fonds Geheime Ausgaben" wird umpe wandelt in einen Difpofitionefonds zur Bekämpfung des Verbrecher tums. Ein Antrag der Unabhängigen, Titel und Betrag zu streichen, wird gegen die Antragsteller abgelehnt. Entschließungen auf Für forge für die vertriebenen Deutschen aus Elsaß Lothringen und für die Flüchtlinge aus dem Often werden angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sigung spätestens am 16. September. Briefkasten der Redaktion. D Jeber für den Brieftaften bestimmten Anfrage füge man einen Buchhaben unb eine Rummer bei. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Cilige An fragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Bindenfte, B, 1. Sot par terre links, vor. Schriftftüde und Berträge sind mitzubringen. Kowalewsky. Der Streis Lyd gehört zu den Gebieten, fiber deren P. M. Fragen Sie bei der Staatszugehörigkeit abgestimmt wird. Erich 70. Benben Sie sich an die Erhedition. Berliner Evarlaffe. Emma 68. Wir Br. 10. Bis zur definitiven Entlassung besteht fein Anspruch. Die zu balten Ihre Mutter zur Steuerzahlung nicht für verpflichtet, da Einkommen ftändige Stelle erfahren Sie beim Bezirkskommando. O. Tempelhof. 1. und 2. Sa unter 1500 M. Steuerfrei lein sollen. Gegen die Beranlagung mus inner halb 4 Wochen Einspruch erhoben werden. A. 34. Senden Sie uns Jbre Beranlagung ein, ohne die wir nicht G. 6. 31. 1. Bet dem zuständigen Amtsgericht, Har feben fömmen. wo Sie die Wohnung haben. 2. Richtet sich nach der Höhe der Erbschaft G. G. 38. 1. Durch die Gewährung der staatlichen Zeuerungszulage wird der uneheliche Vater von der Zahlung des vereinbarten unterbalts. gelbes nicht befreit. Jbre Frage zu 2 ift demnach mit Ja zu beantworten. G. K. 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Das Stammpublikum. der„Freiheit" dürfte durch die Zitate Grellings ebenso befriedigt sein, wie jenes des Pariser „Journal" durch das Original des Interviews. Denn wenn Dr. Grelling die„unglaubliche Härte" des Vertrages„als Jurist" mit den Worten rechtfertigte, die Gerechtigkeit fordere, „daß der Schuldige bestraft werde und Sühne leiste", wenn er ferner seine Hoffnung auf spätere Milderungen von einer noch nicht vorhandenen„Reumütigkeit" des deutschen Volkes abhängig machte, so konnten sogar die empfindlichsten unter den chauvinistischen Lesern des„Journal" nicht mehr von einem deutschen Unabhängigen verlangen. Immerhin könnte man aus Grellings Zitaten den Ein- druck gewinnen, meine Behauptung, er habe am Inhalt des Friedensvertrages nichts auszusetzen gehabt, sei nicht nur zu weitgehend, sondern ganz und gar ungerechtfertigt.� Herr Dr. GreMig scheint großen Wert darauf zu legen, daß man auf die Angelegenheit zurückkomme. Das soll geschehen: er wird nicht umsonst berichtigt haben I Man liest an einer Stelle seiner Zitate(wörtlich aus der „Freiheit" wiedergegeben): .Im Osten wird die größte Zukunftsgefahr entstehen.. Auf die Frage des Interviewers, ob Deutschland unterzeichnen wird, antwortete ick wvrtlick: .Ja. vorausgesetzt, daß man ihm gewisse Konzessionen machen wird." Diese drei Punkte nach dem Worte: ent- stehen, bedeuten selbstverständlich, daß die folgenden Aus- führungen weggelassen wurden, weil für die Sache be- deutungslos. Nicht wahr. Herr Dr. Grelling? Sie ge- statten aber wohl, daß ich sie für die Leser des bösen„Vor- wärts" übersetze: „Im Osten wird die größte Zukunftsgefahr entstehen. Ich habe gegen die drei großen Westmächte nicht «inen Vorwurf zu erheben. Amerika nimmt nichts: e s bleibt seinem idealen Programm treu, obgleich Wilson einige Kompromisse hat annehmen müssen, die sicherlich unvermeidlich waren. England nimmt als Mandatar oder "'sonstwie die deutschen Kolonien in Besitz. Deu t s ch- -ln n d wird sich mir. diesem Verlust abfinden müssen. Was Frankreich anbelangt, erhält eS Elsaß» Lothringen zurück, waS gerecht und worüber nicht zu streiten ist. ES besetzt das Saarbecken und beutet es während 15 Jahre a u S. Das ist eben- falls gerecht, denn unsere Truppen haben bewußt im besetzten Frankreich furchtbare Schäden angerichtet, die zum großen Teil nickt einmal durch militärische Notwendigkeiten begründet waren, sondern in der einzigen Abficht, zu schaden und unsere Industrie eines unbequemen Konkurrenten zu entledigen. Frankreih? begeht also keine annexio�nistische Tat, indem es eine für die Wiederherstellung seiner Industrie uotwendige Wiedergutmachung sucht." Des weiteren bezeichnet Grelling die Reden Rantzaus in Versailles und Fehrenbachs in Berlin, wie auch aller Führer der Mehrheitsparteien, als lügnerisch und leichtfertig, Erleuchtung. tffs Roman von Henri Barbusse. verdeutscht von Max tzochdorf. Während eines Frühlings sprachen wir viel von einer Reise, die wir eines Tages machen wollten. An den Mauern der alten Klempnerei, die Pocard in ein neues Unternehmen umwandeln sollte, klebten nämlich Anschläge der Eisenbahn» gesellschaften. Wir betrachteten'die Bilder, die noch in frisch» feuchter Farbe strahlten und im neuen Kleistergeruch dus- teten. Uns gefiel am besten das Bild von Korsika, auf dem Seelandschaften, Häfen, buntes Menschengewimmel und zwischen den Laub kränzen die Masse eines purpurn über- gossenen Gebirges zu sehen waren. Und nachher noch, als das Bild schon längst zerfetzt und beschmutzt im Winde klatsckste, zog es uns immer noch an. Es gibt Erinnerungen, die leben, wie durch Wunder, länger als alle übrigen Erinnerungen: Eines Tages kehrten wir heim. Wir traten in die Küche. Maria trug noch ihren Hut als sie sich zum Feuerzllnden bückte, und ihre Händewaren in dem dunklen Halbschatten kaum sichtbar. Und sie sagte:„Später werden wir diese Reise machen." Wir gingen auch manchmal während der Woche aus. Ich beobachtete das Leben rings um mich her und teilte Maria meine Gedanken mit. Sie war wenig beredsam und hörte mir zu. Wenn wir vom Kuchplatz abbogen, der uns einstmals so stark bewegt hatte, dann trafen wir häufig an dem ge- chrungenen Meilenstein, dort, wo eine alte Konservenbüchse lag. oetm und Genofeva Trompson, die sich nach der Meinung aller Leute bald von einander trennen würden. Die Lente pflegten zu sagen:„Das kommt davon, wenn man sich zu heftig liebt, das ist ja Wahnsinn." Maria hätte sich dieses Gerede mit murmelte in einer Att hartnäckiger Sanftheit: .Die Liebe ist etwas Heiliges." ~en11 mir heimkehrten und bei der Gerberei des schlei- chenden und überlebten Eudo vorbeikamen, dann hörten wir den Papageien husten. Dieser alte Vogel, der bis auf die Knochen abgemagert und verschossen grünlich gefärbt war, ahmte unermüdlich die Hustenansälle nach, die zwei Jahre vorher die Lungen von Adolf Prot zerrissen hatten. Piot war im Kreise der Semige» unter so traurigen lsmständen gestorben« Wir weil diese sich weigerten, Deutschlands Schuld ein- zugestehen. Es dürste die deutsche Arbeiterschaft sicherlich interessieren zu erfahren, nicht nur wie der Unabhängige Dr. Grelling die Ausführung der 14 Punkte Wilsons durch die Entente auslegt, sondern auch wie er in der„Freiheit" diese Aus- legung durch drei stumme kleine Pünktchen ersetzt. Herr Dr. Grelling soll nicht umsonst berichtigt haben: Aus meinem Artikel„Unabhängige Friedenssabotage" ziehe kehrten heim, und unsere Ohren waren immer noch angefüllt von dem hartnäckigen Schrei dieses sorgsam jeden Laut auf- bewahrenden Tieres. Das Tier war verbittert und versessen darauf, dieses Geräusch zu verewigen, das da eine Weile in die Welt gestiegen war, und es wollte immer noch den Wider- hall eines alten Leides herumschütteln, dem niemand mehr Glauben schenken möchte. Mit uns lebt nur noch Martha, meine kleine Schwägerin, die jetzt sechs Jahre alt ist, und sie ähnelt Marien wie ein überraschendes und winziges Ebenbild. Mit uns lebt mein Schwiegervater, der nach und nach eingeht und endlich auch Grillon. Die Zeit geht dahin und Grillon lebt immer noch zufrieden in seiner Werkstatt. Er lebt wie sein Vater, er lebt wie sein Großvater, er lebt wie sein ewiger Urahn, der Flickschuster aus dem Märchen. Er hält noch immer seine Selbstgespräche ab. er trägt noch immer sein viereckiges Käppchen, er steht noch immer vor seinem gläsernen Neste, um das kurze, saftige Pfeifchen zu rauchen, das Pfeiflein spricht und spuckt, genau so wie sein Herr sich räu sperr und spuckt, und es scheint ihm Rede und Widrarede zu schenken. Das einsame Hand- werkerdasein dieses Mannes wird mehr und mehr mühevoll, es wird fast elendig. Häufig kommt er für kleine Arbeits- dienste zu uns. Er hat einen Tischfuß auszuflicken, einen Stuhl zu flechten, ein Fenster einzusetzen. Er sagt:„Ja. was ich noch sagen wollte—" und er erzählt den ganzen Stadtklatsch. Es wurmt ihn, wenn er etwas weiß, und es bei sich behalten soll. Das gibt er ganz unumwunden zu. Und Gott weiß, ob»es bei uns Klatschereien gibt. Um Männer und um Frauen und um alle Welt ist ein ganzes Netz von Hinterlist und böser Nachrede und Betrügereien gewunden. Man sagt nur:„Ist das die Möglichkeit!" Dann denkt man an etwas andxres. Und auch Grillon lächelt inmitten all dieser Bosheit und Schlechtigkeit. Ich sehe es gern, dieses demütige Arbeitsmanngesicht, das so schön und schlicht lächeln kann. Mit seinem unfehlbaren und hellen Kopf, versteht er das Leben besser, als ich. Er ist auch besser als ich selbst. Ich sage zu ihm:„Aber gibt eS nicht Mißbräuche, gibt es nicht Laster?" „Ja," antwortete Erillon,„aber man soll das nicht über- treiben. Was mir belangt, so tolerier ich die Uebertreibung gar nicht, und ich sind, daß ebenso bei die Pessinristen, als wie bej die anderen gesündigt wird, die optimistischer foafrn, ich die Worte:„der nichts an dem Inhalt des Vertrages auszusetzen hatte" reumütig zurück und bitte richtig zu lesen: .. Dr. Grelling, einer Zierde der Unabhängigen, der aus dem Inhalt des Vertrages keinerlei An- laß zu Vorwürfen gegen die drei großen We st mächte, Amerika, England und Frank- reich, zu erblicken vermochte." Herr Dr. Grelling soll nicht umsonst„berichtigt" haben. Victor Schiff. Der Alkolorismus? Na ja, schön, das kommt bloß, weil das Publikum nicht genug von die allgemeine Wohlfahrt versteht. Man wirft den Stein auf all die armen, saufenden Hunde, und man glaubt sich einen großen Philosophen. Und man ist doch bloß neidisch. Weist was? Ich sprech nicht von die Lause im eigenen Pelz und ich wilder' ja selbst, und für die Leute im Schloß ist das ja schlimmer als alles. Aber dieser Bandit Brisbille, der wo doch nun der große Anarchist ist, dem soll eins nun nachsehen, daß er sich täglich die Hucke voll- schlampt und nich mal in die Woche ausnüchtert. War ja kein Verbrechen, wenn der ein anständiger Süffel war. Der Mensch muß weit sehen und einen großzügigen Zug um den Kopf haben. Toleranz! Das brauchen wir alle!" Ich sage:„Sie sind ein braver Mann." Stolz antwortet Crillon:„Ich bin ein Mann wie jeder Mann, ich pfeif' was auf die alten Ideen. Ich konfirmier die alten Ideen nicht, aber ich will auch kein Einspänner sein. Wenn ich im Leben schuften tu', so schuft ich, weil ich nichts Besseres bin, als die anderen Menschen auch!" Das spricht er, und er reckt sich aus. Und er reckt sich noch mehr auf, und er fügt hinzu:„Nichts Besseres, jawohl, nichts Besseres!" Wenn wir nicht plaudern, dann lesen wir laut vo-r. In der Fabrik haben wir eine sehr schöne Bibliothek, die Frau Gozlan ausgewählt hat. Tie Bücher, unter denen sich Werke über Erziehung und Moral befinden, sollten den Fabrikange- stellten dienen. Maria, deren Einbildung werter schweift als die mecmge, und die auch nicht an all meinen Sorgen mit- zutragen hat, gibt beim' Lesen den Ton an. Sie öffnet ein Buch, sie liest laut vor. Unterdessen feiere ich, und ich ruhe mich aus, und meine Augen betrachten das Pastellbildnis, das gerade dem Fenster gegenüber hängt. Aus dem Glasrahmeu. der das Gemälde verdeckt, huscht eine sachte Bewegung hin und her. Das ist das Aufblähen und Fliegen der Vorhänge am offenen Fenster. Und so wird das Gesicht aus diesem Bildnis, das sonst so starr schien, von Zickzacklinien und ge- heimnisvoller Spiegelung umspielt. Manchmal seufzt Marie, wenn em Kapitel zu Ende ist: „Dieie Abenteuer und Dinge, niemals passiert so etwas!" Dann rufe ich auS:„Gott sei Dank."<Äe antwortet: „Leider, leider!" Selbst wenn man zusammen lebt, ist man schmerzlicher voneinander verschieden, als man glauben mag. lLorts. folgt) Vollversammlung 6« S.p.d.- m>»; Brolat eröffnet die Versammlung und geht noch einmal kurz auf die Gründe des Austritts ein. Nach kurzer Geschäftsordnungs- debatte wird beschlossen, zunächst Stellung zum Generalstreik am Montag zu nehmen. Bloch(S. P. D.) führt au?., daß die einfache Annahme einer Resolution nicht genüge. Die Situation sei nicht so einfach, sondern werde von Tag zu Tag schwieriger. Ein Vertreter von Johannisthal erklätt, daß in den Be- trieben bereits die Arbeitsruhe beschlossen worden sei und daß auch unsere Genossen sich dem anschließen müßten. Schmidt(S. P. D.) spricht gegen die Arbeitsruhe. Es sei ein Wahnsinn, unsere deutschen Genossen zum Streik aufzurufen. In den Ententeländern streiken die Sozialisten gegen den Gewalt- friedeb, den man uns aufgezwungen habe. Die Partei habe ja auch bereits gesprochen und wir müßten uns als Teil der Partei unter- ordnen. Knopf(S. P. D.) spricht für Arbeiisruhe. Wir würden uns mir selbst schädigen, wenn wir gegen den Streik arbeiten würden. Brolat: Wenn wir keine Unannehmlichkeiten baben wollen. so müßten wir mitstreiken. Um aber der Diktatur der Unabhängigen und Kommunisten zu entgehen, seien wir ja ausgeschieden, und wir werden nicht immer streiken, wenn es der U. S. P. und K. P. D. beliebt. Die Genossen in den Ententeländern streiken gegen den Gcwaltfrieden, dei'en Objekt wir sind.' Der Stteik könne nie das Ziel erreichen. Wo es möglich sei. unseren Standpunkt zu der- tretew sollte in den Betrieben weiter gearbeitet wenden. Unsere Sympathie drücken wir durch die Kundgebungen am Montagnach- mittag au». Die bereits im Abendblatt veröffentltchtc Resolution wird gegen einige Stimmen angenommen.. Daun referiert Genosse Dr. Striemer über: Syndikate, Trusts, Gemeinwirtschaft. Durch den Krieg ist uns die schwere Aufgabe zugefallen, die zu- sammen>gebro