r Nr.371. 36.I�rg. Morgen Ausgabe. ( ISPksnnkg) Bezugspreis i Biert-IjShri. 9,— M!> numatL S,— SH. frei ins Haus, voraus zahlbar. Post« bezug: Monatlich Mi. ejTL gu- IteOungsgebüht. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn kLö Ml. für da» Übrige Ausland lO.Zö Mb, bei täglich einmal. Zuftellung 8,25 Ml. Poftdeftellungen nehmen an Dänemari, Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Der.Vorwärts' mit der Sonntags» beilage.Voll u. ge>t" erschedu wachen» täglich zweimal. Sonntags einmal, Telegramm-Adresie: «Sozialdemotral verlin» Serlinev VolksblAtt. Anzeigenpreis: Die achtgripaltene Aonuaretllezetie lostet 1�0 Ml Fleins Anzeigen», da» lettgedruckte Won So Pig.(zuläistg S fettgedruckte Worte), jede» weiter» Wo« 2d Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen da» erste Won «o Pfg. fede« weitere Won 20 Pfg. Worte über 15 Puchstaden zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag SO'V» gamilteu• Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins» Anzeigen ILv Ml die Zeile Anzeigen für die nächste Nummer mllsse» bis» Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 6$, Lindenstrahe 3. abgegeben werden. Geöffnet von» Uhr früh bis 5 Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokratircben parte» Deutfcblands. Reöaktion und Expedition: SW. b«, Lindenstr. Z. ikernsprecher: Amt Moritivlatz, Nr. 151 90— 15197. Mittwoch, den 23. Juli 1919. vorwärts-verlag G.m.b. tz., EW. v8, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Mortstplatz, Nr. 117 5Z— 54. Steuerstheu öer öefltzenöen. Steuerkampf i« Weimar. Weimar, 22. Juli.< Eigener Drahlbericht des„Vorwärts�.) Im 10. Ausschuß der Nationalversammlung kam es heute vormittag bei Beratung des Gesetzes über die Besteuerung deS Ver» mögenszuwachses zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen dem Neichsfinanzminister Erzberger und den Vertretern der Rechten und der Demokraten. Die Redner dieser Parteien hatten mit weitschweifigen Betrachtungen über die Abzugsberechligung von Umstellungskonti über Hinausschiebung des Stichtages für die Veranlagung und andere Fragen die zweistündige Sitzung ausgefüllt und eine Beschlußfassung unmöglich gemacht. Erzberger erklärte daher am Schluß der Sitzung, er müfie jede Verantwortung ablehnen, wenn die Nationalversammlung nicht vor den Ferien alle vorliegenden Steuergesetze, einschließlich der Vorlage über das ReichSnotopfer, der Umsatzsteuer und der Reichsabgabenordnung erledige. Er gab seiner Empörung lebhaf- testen Ausdruck über die Steuerfchcu der Besitzenden, die über die Lage Deutschlands noch immer nicht im Klaren seien und ihre Pflichten noch nicht erkannt hätten. Es sei ganz unerhört, welche Zumutungen in zahlreichen Zuschriften besitzender Kreise an die Finanzverwaltung gestellt würden. Die Besitzenden zitterten vor dem Spartakismus, wenn man ihnen aber die Wege zeige, die am Spanakismus vorbeiführen, so sträubten sie sich aus Egoismus. Der Besitz werde noch lernen müssen. Opfer zu bringen. Abgeord« neter Rieß er fühlte sich von diesen Bemerkungen so heftig ge« Nisten, daß er»schärften Protefl" gegen den Minister erhob. Er wurde schließlich vom Vorsitzenden Groeber in die Schranken verwiesen. vorten lebt wieder auf. Aus Wiesbaden wird gemeldet, daß die D o r t e n-R e p u. blik wieder bedenklichen Charakter annimmt. ES müssen möglichst energische Maßnahmen getroffen werden. Große Streiks in Amerika. Kopenhagen, 22. Juli.(Gtgencr Drahtbericht des „Vorwärts Die.Times" melden von umfangreichen Streiks in den Bereinigten Staaten. In New Uork liegen 500 Dampfer still. Die Heizer und die übrigen Maschinenardciler fordern Lohn- erhöhungen von 10 Prozent. Neben der Ausfahrt liegen 7 00 weitere Schiffe still, welche aus demselben Grunde streiken. Die Anzahl der Ausständigen steigt beständig. Die Waren bilden Berge auf dem Kai und große Borräte verderben. In Chitng» streiken im Baugewerbe 80 000 Mann wegen Lohnerhöhung, Die Arbeitgeber haben mit einer Aussperrung geaulworlct, die 100 000 Mann umfaßt. In Boston ist der slödtischc Verkehr durch einen Streik der Straßenbahn angestellten gestört, außerdem drohen 100 000 Zigarrenarbeiter in den Ausstand zu treten. Während der Ausstand auf der englischen Nordostbahn beigelegt ist, nimmt der Streik der Kohlenardeiter größere Ausdehnung an In N orkshirc streiken allein 200 000 Mann. Auch die Hilfsmann- ichastr», die Plimvmannschaften vor allem, schloffen sich an. Die Regierung hat M a r i n e m a n n! ch a f t e n zur Bedienung der Pumpwerke kommandieren müssen, Borläufig besteht keine Aus- ficht zur Beile ung des Ausstandes. In mehreren Gegenden, namentlich im Cardiffgediet, droht das Personal der Kohlenbahnen in einen S N m p a t h i e st r e i k einzutreten. Die Presse ist besonders beunruhigt darüber, daß die Streiks Acußerungen der extremen polllischen Strömungen darstellen. Generalstreik in Norwegen. «Eigener Drahtbericht des. Vorwärts Der angekündigte General st reik in Norwegen begann gestern, wurde jedoch nickt überall gleichmäßig durchgeiührt. In Kristiania stand alles sttll, ausgenommen die Eisenbahnen In Bergen merkte man weniger vom Streik; Bahnen und Damp'cr verkehrten. Gasanstalten und Elekiriziiätswcrke arbeiteten, Zettnngen rrickienen. Dagenen ging es in andern noiwcgi'chcn >ä>l«n l e b h a i i e r z» In Droiiljem'ckloß sich iogar die städtische Polizei den Ansständigen an. Tie Arbeiterichail letzte jedoch eneSicherheitswebr dafür ein, um Exzesse zu verhindern. In Stavanger war die Gärung am stärlstcn. Die S y n d i« ka listen durchzogen die Straßen mir roten Fahnen und brachten alle Arbeit, die noch im Gange war, zum Sieben, Die Eisenbahn- stalionen wurden b e>' e y l und der Zugverkehr aufgeballen. Die Pol'zei weigerte sich auf das Anrufen des Stationsvorstandes einzuschreiten. Ter itfiidikalistiiche Postmeister Egede-Nlsien hat trotz der Erklärung der Postbeamten, nicht streiken zu wollen, den Dienst einstellen lassen. Die Hoffnung, daß die ilädtiichen Eleltrizitäisarbeiler in Kristiania, welche unabhängig von den Per- hälrniffen der gestrigen Demonstranon wegen Lohniorderungen aus- »ständig sind, gestern Abend die Arbeil wieder ansnebmen dürfen und die Zeltungen wieder erscheinen können, hat sich nicht erfüll!. Es wird jedoch darüber jetzt noch verhandelt. französische Regierungskrise. Versailles, 22. Juli. In der heutigen Vormittags- schung der Kammer beantragte nach Beginn der Sitzung der Sozialist B o n, die auf der Tagesoxdnung stehende Tis- kussion über Erueunungeu zur Ehrenlegion zu vertagen, da cZ keine Regierung mehr gebe. Die Kammer habe Freitag durch Annahme der Tagesordnung Augagncur dem Ministerium ihr Mißtrauen ausgespro- ch e n. Trotz des Widerspruchs des Jnftizministers p f l i ch- tete die Kammer dem Soziali st en Bon bei und vertagte die Sitzung auf den Nachmittag. Zu Beginn der Nachmittagssitzung erklärte sich der Mi- nisterpräsidcnt Clemenceau bereit, die Interpellation des Deputierten Fouruicr über die allgemeine Politik der Regierung sofort zu beantworten. Luzerner Konferenz am 1. August. Wir brachten vor einigen Tagen auf Grund einer besonderen Information die Mitteilung, daß die Internationale Sozialisten. konferenz zu Luzern am zehnten August beginne. Genosse HuySmans, der Sekretär des Internationalen Bureau!, teilt uns nun aus Amsterdam mit, daß die Konferenz nicht am zehnten, sondern am ersten August stattfindet. Nicht einma! Italien! Rom, 22, 7. JnganzJtalicn herrschte am Montag voll- kommene Ruhe. Die großen Städte hatten Flaggcnschmuck ange- legt zum Zeichen de? Protestes gegen Pen Streikver- such. Die Arbeit wurde überall wieder anfge- n o m m e n. In einigen wenigen Städten fanden Versammlungen statt. Das wenig zahlreiche Publiken fetzte sich zum größten Teil aus Reugierigen zusammen. In Rom wurde ein Meeting abge- Kalten; es hatten sich jedoch nur wenige hundert Per- s o u e n eingefunden. T u r a t i erklärte in einer Rede, in der er j auf die Haltung gewisser französischer und italienifchtt Arbeiter- organisationen anspielte, daß die wahre Internationale noch nicht geschaffen sei. Die französischen Strömungen. Wo bleiben öle englischen Sozialisten! In London ist der Friedensvertrag mit 163 gegen 4 Stimmen angenommen worden. Da über die Gründe, die immerhin ganze vier Mann verleitet haben, gegen den Ver- trag zu stimmen, nichts verlautet, so kann nicht einmal be- hauptet werden, sie hlätten es um der schönen Augen Hugo Haases willen getan. Und wenn ja, dann war die Liebe nicht weit her, denn in der zweiten Lesung wurde der Vertrag e i n- stimmig angenommen. Lloyd George zur Kaiserfrage. Bezüglich des Gerichtsverfohrens gegen den früheren Kaiser sagte Lloyd George, niemand habe vorgeschlagen, daß die für diese Mossenschlächterei verantwortliche Person entkommen solle.(Beifall.) Er fragte, welches Recht Großbritannien zu der Annahme habe, daß ein neutrales Land der Schauplatz des Pro- zesses sein solle. Die Neutralen seien weder auf der Kriegs- konferenz gewesen, noch hätten sie am Kriege teilgenommen, und, wenn di« Sache ihnen überlassen worden wäre, würde für die ge» richtliche Verfolgung des früheren Kaisers kein Anlaß vor- liegen. Die Alliierten hätten genug Zutrauen zu Großbritannien, um zu wissen, daß jede Person, die in England vor Gericht ge- bracht wird, gerecht behandelt wird in Uebereinstimmung mit � den höchsten Tradit-onen der britischen Rechtsprechung, die u n. übertroffen seien.(Beifall.) Er hege große Erwartungen zu den heilsamen Warnungen, wenn zum ersten Male da? Bor- gehen eines ManneS, der vorsätzlich zum Zwecke persönlicher Er- hökfung oder auS eitler Ruhmsucht einen Krieg organisiert, zu einem Kapitalverbrechen(kelon?) gestempelt werde. Sela stnn will frieden. Biidaprft, 22, Juli.(Eigener Drahlbericht des..Vorwärts".) Bela Kun sagte dem Korrespondenten der„Daily News": Ein Ultimatum der Entente haben wir bisher nicht erhalten. Das Problem ist in Wirklichkeit nicht das, ob das kommunistische Ungarn an der Seite des kapitalistischen Europa bestehen bleiben kann, sondern ob das kapitalistische Europa gegenüber dem kommunistischen Rußland und Ungarn bestehen kann. Auf die Frage, wie seine zukünftige Politik beschaffen sein werde, antwortete Bela Kun: Keinerlei Kompromiß mit den Bourgeoisklassen, doch Friede mit sämtlichen Völkern. Wir sind bereit, einen solchen Frieden zu unterfertigen, welcher unS garantiert, daß man eine Ein- Mischung in unsere inneren Angelegenheiten nicht versuchen wrrd. Tie ungarische Räteregievung«st ihrerseits bereit, sich zu verpflichten, ihre Propaganda nicht in jene Länder zu tragen, mit I denen sie Frieden schließt. Die Ablösung unserer Regierung durch eine»tchtsozialistische ist unmöglich. I Während die französische Bourgeoisie tnit Paraden, Fan- faren, Geschützsalven und allen sonstigen Schikanen des eigenen Militarismus ihren Pyrrussieg über den preußischen Militarismus feierte, tagte in Belleville. dem Pariser Ar- beiterviertel, wo einst die letzten Barrikaden der Kommune erstürnit wurden, der Nationalrat der französi- s ch e n S o z i a l i st e n p a r t e i, unt zu dein Fried e n von Versailles Stellung zu nehmen. Die zweitägige De- hatte eirdete bekanntlich damit, daß eine Zweidrittclniajorität, etwa 1260 Stimmen(Resolution Longuct) gegen 666(Rc- solution Renrndel), den Geivaltfrieden von Versailles auf das schärfste verurteilte und den sozialistische� Abgeordneten den ausdrücklichen Auftrag erteilte, in der Kamnier gegen den Frieden zu stiinnlen(Resolution Daniel-Renault). Die verschiedenen Strömungen, die ans dein Kongreß der Vertreter des französischen Proletariats zutage traten, lassen sich durch die drei Führeruamen konkret ausdrücken. Gesiegt hat, wie zu erwarten war, die Auffassung L o n- g u e t s, der noch vor zwei Jahren einer ebenso starken Mehr- beit gegenüberstand, wie die, mit der er jetzt bei jedem Anlaß siegt und die sich zusehends vergrößert. Der Enkel von Karl. Marx hat frühzeitig den wahren imperialistischen Charaktei des Entente-Krieges erkannt, ohne sich jedoch zu der logischen Schlußfolgerung durchringen zu können, daß die Haltung der deutschen Mehrheitssozialdemokratie gegenüber dem Kriege gerechtfertigt und si o t w e n- d i g war. Vorläufig stehen er und seine Freunde noch ganz im Banne der Haltung der Unabhängigen und sehen nicht, daß, indem sie den Frieden von Versailles verurteilen, sie nur ihre nachträgliche Zustimmung zu der Haltung unserer Fraktionsmehrheit iin Reichstag, dagegen den Unabhängigen, die das Vorhandensein einer nationalen Gefahr für Teutschland und einer Verelendungsgefahr für das deutsche Volk im Falle eines Entenlesieges stets bestritten, eine Bestätigung ihres verhängnisvollen Irrtums erteilen. Nun, es ist zu hoffen, daß kiinftig, wo die Wiederauf- nahnie des Weltverkehrs auch einen regeren und ungezwungeneren Meinungsaustausch zwischen den einzelnen Fraktionen der Internationale gestatten wird, die franzö- fischen Mehrheitssozialisten für das Verhalten der d e u t- scheu Mehrheitssozialisten mehr, wenn nicht sogar volles Verständnis zeigen werden. Wenn erst der Zweifel am guten Glauben bei ihnen beseitigt ist, dann wird sich alles übrige von selbst ergeben, dann wird die Aussprache über die vermeintlichen oder tatsächlichen Fehler, die wir und auch die anderen begangen haben, ruhiger und sachlicher vor sich gehen und zu Licht und Eintracht führen können, Wenn man Longuet als Verkörperung der heute aus- schlaggebenden sozialistischen Meinung in Frankreich nennt, so geschieht dies, weil er als erster die Führung der Opposition übernahm, als noch die Richtung Albert Sembat-Thomas- Renaudel maßgebend war. Aber unter denen, die sich all- mählich hinter ihn stellten, gibt es viele hervorragende und unermüdliche Kämpfer, die sich, namentlich seit dem Aus- bruch der russischen Revolution, von dem wahren Charakter des Entente-Krieges überzeugt haben. Das sind unter anderen Marcel-Cachin, dem nach Renandels er- zwungencn Rücktritt die Leitung der„Humanitö" übertragen wurde; Mistral, der Abgeordnete von Grenoble; Ma- rius-Moutet, Abgeordneter von Lyon, der seinerzeit zusammen mst Cachin eine Untersuchungsreise nach Rußland unternahm und mit ihm in der Kammer aufsehenerregende Enthüllungen über die annexienistischen Geheimbesprechun- gen zwi'chen Tonmergue, dem Abgesandten Poiivar�s, und der Zarenregierung machte; Paul F a» r e, der Chefredak- teur des unerschrockenen Pariser Abendblattes„Populaire"; Daniel Renault, früher Parlamentsberichterstattcr der „Humanits" noch zu Jaurbs Zeit, der jetzt hervorragende und mutige Aufsätze über die ausländische Politik sowohl in der „Humanitö" wie auch im„Populaire" schreibt: Mayäras, einst Lokalredakteur der„Human st6", der 1614 als Abge- ardneter für den südöstlichen Pariser Vorort Charenton in die Kammer eintrat, dessen witzige Aussätze im„PoPulaire" den Vergleich mit dem ebenfalls wegen seiner geistreichen Einfälle bekannten Marcel Scmbat verdienen und den Vorzug über letzteren haben, daß sie nicht schwankend und lavierend, sondern überaus scharf und eindeutig sind. Es verdienten noch viele andere genannt zu werben, die im Kampfe gegen Clemencecms Kriegs- und Friedenspolitik, gegen seine Duldung des Wuchers, gegen seine Brutalisieruirg f 5er Ar�kerklaffs ge�elgi haben. Käß sie Ken s o z? a l i si i- schen Geist auch im Siegestaumel nicht Preis- gegeben haben. Mr wissen, indem wir diese lobenden Wort« schreiben. daß sie alle uns Mehrheitssozialisten fortwährend angreifen und verdächtigen, aber weil wir sie ftir anständige und nur vorläufig unvollständig und einseitig unterrichtete Menschen erachten, halten wir mit unserer Beurteilung ihres Charakters und ihres Wirkens nicht zurück. Ob sie uns in Luzern und später diese Borurteilslosigkeit lohnen werden oder nicht, be- rührt unser Urteil nicht. Möge aber im Interesse der durch den Sieg des Entcnte-Kapitalismus gefährdeten intcrnatio- nalen Arbeiterbewegung dieses Beispiel nicht unbefolgt bleiben, möge man künftig, auch in den leidenschaftlichsten Debatten, niemandem vorzeitig und ohne genügende Betveise den guten Glauben abstreiten, nur um seiner s n b- jektiven Auffassung stärkeren Nachdruck zu verleihen I Wir möchten auch nicht bei der Beurteilung der f r a n- zösischenMinderheit dem Beispiel vieler französischer Genossen folgen und Oel ins Feuer der anderen gießen. Die rücksichtslose Partei na hm« fast der gesamten französischen Sozialdemokratie, ohne Unterschied der Stellungnahme zum Bolschewismus und zur Diktatur des Proletariats, also auch ohne jegliche Logik, zugunsten der deutschen.Unabhängigen gegen uns soll uns nicht dazu verleitcir, die Haltung der Minderheit um Ma r c e l- S e m ba t und Ne n audel leidenschaftlich und ungerecht zu beurteilen. Sie haben die Anficht vertreten, man dürfe den Frieden nicht ablehnen, sondern durch Stimmenenthaltung seine Kritik zum Aus- druck dringen. Das von Sembat und seinen Freunden vor- gebrachte taktische Argument war nicht ungeschickt: es liege im Interesse der Partei, daß sie in der Kammer und vor dein Lande eine niöglichst geschlossene Stellung einnehme. Da angesichts der bereits allerorts bekannten Meinungsver- ichiedenheiten eine einmütige Annahme ganz undenkbar und sine einmütige Ablehnung etwas heuchlerisch wäre, so emp- fahl er den Mittelweg. Rcnandel ldessen Mandatare cmS dem Departement Bar, jedoch in feiner Abwesenheit, ein- stimmig f ü r die Natisiziernng des Friedens gestimmt hatten) vertrat dieselbe These, ebenso der Abgorduete von Toulouse B e d o u c e, einer der besten Wirtschaftspolitiker der Partei, der namentlich die kurzsichtigen finanziellen Klauseln des Lertrages scharf kritisierte. An sich bestand die für Stimmenenthaltung eintretende Minderheit nreist ans denjenigen Mitgliedern, die in ihrem Herzen sich des Sieges als solchen freuen und allein unter dem Druck der Internationale es nicht wagen, für eine Unter- Zeichnung einzutreten, die letzten Endes nur den logischen Ab- schluß ihrer eigenen Kriegspolitik, der„Bis-ans-Ende- Politik", bilden würde. Daß sie ein volles Drittel der Stim- inen für die Auffassung getvanncn, ist nur ein neuer Beweis dafür, wie sehr unsere Auffassung berechtigt war, daß das Schicksal des deutschen Volkes nicht allein den Entente-Sozia- liste,-! überlassen werden durfte. Von einer nationalen Gefahr kann bei den Franzosen schon seit über acht Monaten nicht mehr die Rede sein, der Friede, der uns trotz der Resolution aufgezwungen wurde, trägt deutlich den Stempel des an- nerianistischen Imperialismus und des krassen Wortbruches. Dennoch hat sich ein Drittel der französischen Partei gefunden, das gegen seine Ablehnung sprach und das ihm vielleicht am liebsten zustimmen würde I Gewissermaßen sympathischer als die lavierende Haltung der letztgenannten Gruppe war die Stellungnahme einer winzigen Minderheit unter Albert Thomas, die, wenn auch mit Vorbehalt, f ü r die Raiifziierung des Gewaltfriedens eintrat. Sympathischer, weil konsequenter: der Munitions- minister de� Kabinetts Ribot, der dessen Pufferstaatenpolitik mitmachte, oder zumindest nach deren Aufdeckung weiter im Amte blieb, der den Sinn der russischen Revolution zu fälschen versuchte, als er nach Rußland fuhr, mn KerenSki in feiner Politik der Fortfe�ung des Kriege? zu unierffußen— dieser Mann handelt nur logisch, wenn er dem.�dreifachen Verbrechen gegen Frankreich, gegen das arbeitende Volk Deutschlands und gegen die Menschheit"— der Satz stammt von Charles Rappoport(„Populaire" vom 16. Juli)— seine Zustimmung erteilt. Er handelt konsequent; nur gehört er nicht mehr in die sozialistische Partei hinein. Er scheint sich auch mit Austrittsgcdankcn zu tragen, denn er behielt sich ausdrücklich das Recht vor, entgegen der Resolution Renoult, die den Stimmzwang beschloß, in der Kammer für den Frieden zu stimmen,„wenn er im Augenblick der Abstim- mung es als seine sozialistische Pflicht"(!) erachte. Daß er für seine Resolution nur L-t Stimmen gewann, zeigt, daß diese Art von„Sozialismus" acht Monate nach dem Waffen- stillstand erfreulich wenig Gegenliebe in der französischen Partei begegnet. Seine seltenen Anhänger waren übrigen» meist Vertreter der zerstörten Gebiete, so der Abgeordnete von Lille, I n g h e l s, die unter der deutschen Besetzung unge- Heuer gelitten haben und deren subjektive Erbitterung gegen Deutschland uns begreiflich erscheint. Und dennoch! Glückliche französische Bruderpartei, die trotz der klaffenden Gegensätze zwischen einem Albert Thomas und einem Longuet noch immer eine einzige Partei ist und deren verschiedene Richtungen in einem Kongresse, in einem Saale sich mit sachlichen Argumenten bekämpfen und sich nicht mit Bier gläsern bewerfen und nicht mit Revolverschüssen überzeugen. __ Victor Schiff. Wann üürfen unsere Gefangenen heim? Mahnung der deutschen Regierung. Tie deutsche Regierung hat zestcr» Ministerpräsident Clcmenceau erneut um baldige M«tteiluug betreffs Zusam- mensctzung und Zeiwunkt des Zusammentritt» der Kommission zur Heimbcförderung der Kriegsgefangenen ersucht und dabei dar- auf hingewiesen, daß Herr Clemenceau bereits am 2 k. M a i d. I. versprochen habe, die Ztcrtreter der alliierten und assoziierten Mächte würden mit größter Bereitwilligkeit eine Kommission zu diesem Zwecke einsetzen, sobald der Friede unterzeichnet ist. Der Friede sei unterzeichnet und bereits von Deutschland ratifiziert, aber immer noch warte die deutsche Regierung vergeb- sich auf die Bildung der emöhnten Kommission. �Unannehmbar I' Erklärung Karl RennerS. LtaatssrkretSr R e» n r r hat gestern nachmittag Saint Germ ain verlassen, um sich nach Feldkirch zu begeben. Er trifft dort mit de»: Staotsscttclär Bauer zusammen. Staatskanzler Nenner wird Sonntag wieder in Saint Germain eintreffe». Bor seiner Abreise erklärte er einrm Vertreter der R a d i o a g e n t u r, der Bertrag sei unannehmbar, Deutschland habe man hart behandelt, die Ocsterreichcr aber würden doppelt und dreifach getroffen. Deut schö st erreich verliere zwei Fünftel seiner Bevölkerung und in wirt- schaftlicher Beziehung acht Neuntel seiner Er» Wertsquelle«. Die Verantwortung für die Richtigkeit der Meldung liegt bei dem Vertreter der Radioagentur. So richtig es ist. was über die Niederträchtigkeit des„Friedens" mit Deutschöster- reich" gesagt wild, so ist doch unser Bruderland noch mehr als Deutschland der Entente um Sein oder Nichtsein ver- fallen. Auch Oesterreich wird annehmen müssen. Bersöhnungstat eines deutschen Gefangenen. Zur Rettungstat des deutschen Kriegsgefangenen Bruckmann, der einen abgestürzten englischen Flieger unter Lebensgefahr aus seinem brennenden Flugzeug rettet«, schreibt„Daily Chronicle" in einem Leitartikel, Lruckmann Hab« mehr als irgend- einer seiner Landsleu'te zur Wiederherstellung menschlicher Bande zwischen England und Deutschland getan. Sahnhof ZrieSrichftraße. Von P. B e s ch o w. Der letzte Stadtbahnzug bom Osten nach Westend. Ratternd ateitet er den schwarzen Tamm entlang, der sich durch die grad- linig-zackigen Schatten des Häusernieeres zieht. Grüne, roie Lichter irgendwo im Dunkeln. Manchmal ein helles Klapper», wenn der Zug über eine Brücke fährt. Lichterfüllte, fast men- schenleere Schächte die Straßen, die sich mit der Bahn kreuzen. Fn einem Abteil dritter Klasse drei Frauen und ein Kind. Eine ist sehr alt. Ihr zerknittertes, von spärlichen weißen Sträh- nen umrahmtes Gesicht liegt in ängstlichen Falten. Ihre arbettS- gekrümmten Finger zählen ein dünnes Pack Zeitungen zum zwei- !->n Male, dritten Male. Ihre Lippen bewegen sich, sie seufzte. Soviel Zeitungen übrig, daß fast kaum ein Verdienst übrig bleibt. An der Tür steht eine etwas jüngere, breitknochige, aus- gearbeiiete Gestalt mit ruhigem Antlitz, die Hand hinter die Trag- bänder eines Nucksackes gesteckt, der zum Platzen voll ihr auf dem Rücken hängt. Sie betrachtet mitleidig die Alte: „Na, Mutter, schlecht verdient?" „Ja, ja, wie soll bei dem Geschäft man bloß die Miete rauS- kommen." „Na, verdient denn Ihr Mann nischt?" „Ach Gott, der ist schon lange tot. Und die JungenS sind aus den Krieg gekommen und haben schlechte Arbeit" Ein langer Seufzer durchzieht den Raum. Sie starrt trost- loS vor sich hin. Unruhig rückt die junge, kaum dreißigjährige Mutter, die ihr gegenüber sitzt, auf ihrem Platz hin und her. Ihr Töchterchen schaut mit groß fragenden Augen die Alte aa. Laut tönt das Rattern der Räder in die Stille. Ter ausgeleierte Wagen stößt und rollt, daß die junge Frau den auck vollen Ruck- sack, den sie auf den Schoß genommen, mit Mühe hallt. Ein ehr- licher Freudenschein huscht über ihr noch hübsches Gesicht. Fast liebkosend streicheln ihre Finger über den Rucksack. „Ich bin ja so froh, daß ich wieder 50 Pfund Kartoffeln gekriegt habe. Ta können wir uns wenigstens wieder sattessen. „Och, alle vier Wochen können wir zu den Bauer kommen, der ist wenigstens nich halb so unverschämt wie dre andern", setzt die stehende Frau hinzu. „Mutter, sieh mal!" mit einem Sprung ist die Kleine am Fenster. Ein breiter Lichtstreif, eine helle, menschenvolle Straße rechtwinklig zu dem Zug, wirrer Lärm dringt herauf, Autos, Droschken, Fußgänger in scheinbar unentwirrbarem Durcheia- ander. „Das ist die Friedrichstraße. Gleich hält der Zug, Friede!." Tie Bremsen quietschen, die Räder schleifen. Eine helle Halle, in der Rufen, Reden unzähliger Menschen brandet, die in dichten Haufen auf dem Bahnsteig stehen, zeigt sich am Fenster. Die Tür wird aufgerissen, sonntäglich geputzte Menschen hasten in oaS Abteil. Im Nu sind die Plötze besetzt. Schon hört man daS Klappen der Türen, da stürzt sich noch ein Paar herein. Ein. junges, verschleiertes Weib im halbseidenen Sommermantel, ein kleines Hütchen auf dem kunstvoll getürmten Haar, einen Schleier vor dem niedlichen Gesichtchen, schon mit einem Fuß im Abteil. Hinter ihr eine Männerstimme; % „Es ist ja egal, nur rein, ist ja überall voll. Bedenke, eS ist der letzte Zug." Ihr Seidenmantel knistert, sie steigt ein. Ein hochgewachsener Herr im kurzen, hellen Sommerüberzieher nach neuestem Schnttt folgt ihr. Ein Ruck, der Zug fährt an. Die helle Halle der- schwindet, wieder recht? und links die Dunkelheit mit wenigen Lichtern. Die drei Frauen schweigen unbehaglich, bedrückt von dem feinen Duft, den das Paar mitgebracht, eingeschüchtert durch die Vornehmheit, die da in daS häßliche Abteil gekommen. Sie lauschen und hören. „Du, Fritz, weißt du, der Cobler im Weidenhof war auch nicht auf der Höhe. Wer weiß, was der Barkeeper da zusammen- gebraut?" „Mein Gott, war das etwa Kupferberg, wa» uns al» solcher verkauft wurde? Man mutz ja froh sein, daß man überhaupt noch etwas bekommt." „Aber eigentlich für das Geld..." Er zuckt gleichmütig mit den Schultern. Das Mädel siebt andächtig, durstigen Blicks zu ihnen hinauf. Tie junge Frau fühlt eine Bitterkeit in sich aus« steigen. Sie mutz an das wütend« Gesicht ihres Mannes denken, als er eines Sonnabends mit ihr in ein Cafe ging und 2 Mark für eine Tasse Schokolade bezahlen sollte. Tie Zeitungsverkäuferin denkt: Ob die mir wohl noch ein paar Zeitungen abkaufen würden? Wenns ein paar waren! Aber sie traut sich nicht recht, ihnen welche anzubieten. Die neueste ist ja die Abendpost, die ist auch schon seit 8 Uhr raus, und die konnten sie sich schon längst kaufen, wenn sie wollten. Und dann beklemmt sie der seine Duft, der Seidenmantel, der ihren Rock streift. Wieder knirschen die Räder. Lehrter Bahnhof. Ein paar Augenblicke Aufenthalt, dann fährt der Zug weiter. „Du, sonst war es aber ganz niedlich. Da» Filet im Brat- wurstglöckl hat mir sehr gut geschmeckt und die Fleischpastete. Jetzt weiß ich endlich, wo man gut ißt." Zerstreut nickt der Herr. Gallige Wut sammelt sich in der jungen Frau. Die Freude über die mühsam gesammelten Kartoffeln ist wie fortgeblasen. Sie denkt mit Ekel daran, die 50 Pfund Kartoffeln auf dem Rücken bis nach Hause, eine halbe Stunde vom Bahnhof, schleppen zu müssen. Die Kleine beginnt laut, mit� hungrig gierigen Augen: „Mutti, was ist denn das— Pastete?" Die Dame zuckt zusammen. Der Herr räuspert sich ärger- lich. Scheußlich, diese dritte Klasse mit den ungezogenen Kin- dern! Die Alte am Fenster sagt scharf: „DaS brauchst du gar nicht zu wissen, das kriegst� du doch nicht zu sehn und zu essen. Das ist nicht» für unsereini." Der Zug hat wieder einmal gehalten, fährt weiter. Die anderen Neuzugekommenen schlafen oder dösen vor sich bin. Zieht sich ein feuchter Schimmer über des Kindes Augen? Mit einem Male wirft sie sich gegen seine Mutter, weint auf: „Mutti, ich will auch mal Pasteten essen, immer die ollen Kohlrüben und Kartoffeln." Da entladet sich die Wut der Mutter auf sie. Tie macht sich «ine Hand frei, schlägt sie. „Dumme Göre, was fällt dir ein. Ich werde dir helfen!" Die grau am Fenster mischt sich ein: „Laß das Kind zufrieden. Es hat ganz recht. Friedel sei artig.» gibt ja morgen Kartoffelpuffer I' die öemagogklche Methoöe. Die„Freiheit" übt Kritik an dem Gesetz gut Entschädigung der Offiziere und Kapitulanten, die jetzt infolge der Herabsetzung der Heeresstärke, zu der uns der Friedensvertrag zwingt, entlassen wer- den müssen. Ob die Entschädigungen, die den zur Entlassung ge- langenden Berufssoldaten gewährt werden, angemessen, zu hoch oder zu niedrig sind, darüber läßt sich streiten. Doch mutz das sachlich geschehen.— Die reaktionäre Presse tobt bekanntlich schon seit Tagen, daß die Offiziere viel zu wenig erhielter!. DaS ist, wenn man die Leistungen des Gesetzes betrachtet, ge- wiß Demagogie. Aber ebenso ist eS auch Demagogie, wenn bi« . Freiheit" die Entschädigungen dadurch als viel zu hoch nach- weisen will, daß sie die Abfindung der sonstigen entlassenen Kriegs- teilnehmer und Kriegsgefangenen damit in Vergleich setzt. Die Kriegsteilnehmer waren kein« Berufssoldaten, sie sind zwar schmerzlich aus ihrem Beruf herausgerissen worden, aber sie haben doch einen Z i V i l b« r u f, zu dem sie zurückkehren können. Die Berufssoldaten, Berufsoffiziere und Kapitulanten aber haben keinen Zivilberuf, sie haben die Jahr«, in denen sie sich für einen solchen hätten ausbilden können, im Militärdienst zugebracht; anstatt in ehren Zivilberuf zurückzukehren, müssen sie erst einen erlernen. Es ist zwischen der Entschädigung der zur En!- lassung kommenden Berufssoldaten und Nichtberufssoldaten also schlechterdings gar kein Vergleich möglich. Wer ihn doch zieht, der handelt demagogisch. die übliche verürehung. Reichswehrminister und Vollzugsrat. Von zuständiger Stelle wird uns geschrieben:„Die „Freiheit" bringt in ihrer Sonntagnummer ein Gespräch, daß das Mitglied des Vollzuqsrats Maltzahn mit dem Reichswehrmini st er geführt haben will. Auch in diesem Falle wird die Wahrheit auf den Kopf ge- stellt. Maltzahn hatte telephonisch angefragt, wann eine Abordnung des Vollzugsrates mit Noske verhandeln könne. Darauf ist ihm geantwortet worden, im Augenblick könne von einem Vollzugsrat doch kaum gesprochen werden, da d i e Mitglieder zweier Fraktionen ausgeschieden seien. Als Maltzahn darauf erwiderte, es werde also eine Ver- Handlung mit dem Vertreter der Berliner Arbeiterschaft abgelehnt, hat der Minder geantwortet, daß selbstverständlich die Berliner Arbeiterschaft jederzeit auf das weitgehendste Entgegenkommen des Wehr- Ministeriums rechnen könne, wie das ihrer Zahl und ihrer Bedeutung entspricht. Abgelehnt aber müsse werden, daß in einer Angelegenheit die Vertreter von vier Fraktionen der Reihe nach ihre zum Teil abweichenden Wünsche vor- tragen. Deshalb sei die Entwicklung abzuiv arten, die der Vollzugsrat jetzt durchmacht. Sowie der Vollzugsrat iviedcr als eine geschlossene Vertretung der Berliner Arbeiterschaft angeschen werden könne, stehe der Wehrminister einer Abordnung bereitwillig zur Verfügung." Radeck. Die„Freiheit" berichtet, daß, wenn das Versahren nagen Karl Radeck wegen Mangels eines Nachweise» strafbarer Hand. lungen eingestellt wird, seitens des Auswärtigen Ämls und der Moskauer Äläteregierung ein Austausch Radecks gegen die von der Sowjetregierung gefangen gesetzten deutschen Geiseln geplant sei. Die„Freiheit" knüpft daran die Frage, wann das Auswärtige Amt eine endgültige Entscheidung treffen wird. Dazu ersahren die P. P. N. von zuständiger Seite, das Aus- wärtige Amt kann endgültige Vereinbarungen mit der Smvjet- regierung nicht früher treffen bis zur Einstellung der Vorunter- suchung gegen Karl Radeck. Die Voruntersuchung ist noch nicht eingestellt. Zurzeit beschäftigt sich auch das Kabinett mit der Frage. welche Garantien notwendig sind, um ein Wiedererscheinen des bolschowist: schen Propagandachefs in Deutschland hintanzuhalten. Für den Fall, daß es tatsächlich zum Austausch Karl Radecks und der deutschen Geiseln in Rußland kommt, sind bereits Vorkehrungen bezüglich des Austauschorts und der AuStaujchmodalitäten ge: rossen. Das Mädel ist so weit als möglich von seiner Mutter abge- rückt, weint leise vor sich hin. Die Dame blickt ihren Begleiter wütend an. So eine Rücksichtslosigkeit, sie hier hereinzuführen. Wieder stoppt der Zug. Eilig drängt sie hinaus. „Komm! Oder hast du noch nicht genug?" herrscht sie ihren Herrn an. Die drei Frauen glauben noch ihren Seidenmantel empört knistern zu hören, als der Zug weiterklappert. Di« Weißhaarige läßt den Kopf noch tiefer sinken. Jetzt sind sie fort! Hält« sie doch gefragt! Sicher hätten sie npch eine Zeitung genommen! Wären immer 5 Pfennige verdient gewesen! Aufgeregt zäblen ihre alten Finger die Zeitungen zum vierten Male. Das Kind aber sieht mit weiten Augen eine Welt und weiß nicht, warum es von ihr ausgeschlossen ist. Sprengstoff aus Zucker. In der deutschen Chemischen Gesellschaft ist kürzlich über da» bisher streng geheim gehaltene, im Kriege entwickelte Verfahren, der Gewinnung von Sprengstoff aus Zucker einiges mitgeteilt worden. Man bat danach aus dem Zucker Glyzerin bergestellt, den AuSgangSstoff für«inen der wichtigsten Sprengswsse, nämlich für Trinitroglyzerin. DaS Glyzerin wurde fr» dahin aus Fett a!» Nebenerzeugnis bei der Seifendarstellung gewonnen. Es handelt« sich daher darum, entweder das gesamte im Inland? versügbare Fett der BolkSernährung zu entziehen oder auf einen der wirk- samsten Sprengstoffe zu verzichten. W Eonnstein und K. Lüdecke boten mit ihrem Versahren de? technischen Glyzeringewinnung dura, Glyzerin in winziger Menge gebildet würde, war bereits bekannt. Glyzerin c-n winziger Menge«bildet würde, war be'-eits bekannt. Di« Aufgabe, die Glyzerinbildung zu steigern, wurde dadurch er- schwer!, daß aus die Erhaltung der Gährtätigkeit und auf die Lebensfähigkeit der Hefe Rücksicht genommen werden mutzte. Die Erfinder stellten fest, daß die Ausbeute an Glyzerin durch Zumy von Nairiumsulfat zum Gähransab bedeutend erhöht wurde. Da» verfahren wurde von der neugegründetien Petrol G m. b. H. organi- siect und binnen wenigen Monaten van 65 Fabriken durchgeführt. Nach eini«n Schwieriakeitcn«lang eS, auS hundert Teilen Zucker 20 Teile Glyzerin, 27 Teile Ammoniak und 8 Teile Aldehvi zu ge- Winnen. Di« Petrolwerk« stellten monatlich 1000 Tonnen Glttzenn her und verbrauchten dazu jährlich 70 000 Tonnen Zucker. Die An» Wendung des Verfahrens im Frieden ist lediglich eine wirtschaftliche Frag«. Tie Wahrscheinlichkeit«ine» erfolgreichen Wettbewerbes mn dem als Nebenerzeugnis der Seifenherstellun« gewonnenen Glvzrin« ist nicht groß._ Notizsn. — Theater. Im StaalsickauspielbauS wird die Aufführnng mehrerer Werke Gerhart Hauptmann» vorbereitet:„College Crompton".„Einsame Menschen",.Fuhrmann Henschel"..Der arme Heinrich". — Da« Riesenflugzeug de» Luftverkehr«. Ein mit 22 sehr instruktiven Abbildungen versehene Schrift über:.Die technischen Grundlagen des Riesenflugzeuge» sür den Luftverkehr" hat Leutnant Offermann im Verlag Braunbeck. Berlin W 66, tu lassen. Schwere Ausschreitungen in Stolp. Im Anschluh an eine D«mnnstrationSversammlunF der Unabhängigen und Kommunisten in Stolp kam es. wie die.Telegraphen- Union'" meldet, gestern abend zu Gewalttätigkeiten und schweren Ausschreitungen. Verschiedene Läden wurden gestürmt und geplündert. Die Polizei, die gegen die Plünderer macht- los war, rief das hiesige Husarenregiment Nr. 6 um Hilfe an, das mehrere Patrouillen in die Stadt entsandte. Bei dem Versuch, die Plünderungen zu verhindern, kam es zu Schießereien, bei Denen eine unbeteiligt« Frau getötet und 5 weitere Personen verletzt wurden. Um Mitternacht war die Ruhe wieder hergestellt. Die Untersuchung gegen Eichhorn. Der Untersuchungsausschuß der Preußischen LandeSversamm- lung wogen der Unruhen setzte am Dienstag das Zeugenverhör fort. Kaufmann Friedrich D ö z e wuvde am Sonnabend, den 11. Ja- nuar. in der Kaiserstraße von Eichhornschen Sicherheitsmannschaften verhaftet, ins Präsidium geführt und dort seiner Brief» tasche mit 295 M. beraubt. Während seiner Festhaltung im Poti- zeipräsidium traf die Nachricht von der Erstürmung deS.Vorwärts" ein, die Niedergeschlagenheit hervorrief. Es'sielen in Brauns Zimmer Bemerkungen, man hätte gehofft, daß der.Vorwärts" sich wenigstens so lange halten werde, bis die Bolschewisten zu Hilfe kämen, die schon im Anmarsch auf Königsberg seien. Zeuge Wilhelm G r a s« n i ck war in der Leitung des Sicher- heitSdiensteS tätig. Eichhorn habe versucht, die Leute des Sicher- heitsdienstes auf die Kommandantur abzuschieben, um dafür durch Braun Zivilisten einstellen zu lassen. In einer Sitzung mit den Leuten des Sicherheitsdienstes erklärte der Unabhängige Wegmann, dies geschehe im Einverständnis mit dem Bvllzugsrat, weil diese organisierten Arbeiter in der Bekämpfung der Gegenrevolution zu- vcrlässiger sein würden als die Leute, die aus dem Felde zurück- kämen. In der Nacht vom S. zum 10. Dezember hat Eichhorn, nachdem zuvor Karl Liebknecht bei ihm gewesen war, Alarmbereitschaft gegen die einziehenden Fronttruppen proklamiert und sich der Kommandantur bemächtigt. Unter den Zivilisten, die Eichhorn an Stelle der Sicherheitswehr einstellte, waren zahlreiche Zuhälter und schwere Verbrecher. Zeuge Kaufmann Ernst Conheim war seit der Revolution in wichtigen Stellungen im Polizeipräsidium tätig, insbesondere als Leiter der dritten Abteilung des Sicherheitsdienstes. Als wegen der Anstellung der Zivilisten durch Braun die Sicherheitswehr ein- mal rebellierte, hat Eichhorn dem Zeugen, der Sicherheitsdienst im Polizeipräsidium hatte, Befehl gegeben, die Tore zu schließen und auf die demonstrierend anrückenden Sicherheitsmannschaften zu schieben. Zum gleichen Zweck hat Eichhorn einen Maschinen- gewehrzug schußfertig machen lassen und eine Kompagnie der Volks- marinedivision unter dem Grafen Metternich herbeirufen lassen. Am 24. Dezember haben Gabel und Swoboda die Arbeiter verschie- dcncr Großbetriebe telephonisch herbeigerufen. Die Waffenkammer wurde an jenem Tage glatt ausgeteilt. Waffen erhielt, wer das Stichwort Braun und Laub kannte. Der Zeuge bestreitet, ebenso wie die vorhergehenden mit aller Entscheidercheit, daß Leut- nant Fischer gegen die SicherheitSmanirschaften oder Eichhorn in- triguiert hätte. Der Sicherheitsdienst habe sich mit der Komman- dantur leicht verständigt, nur Eichhorn hätte eine persönliche Dlffe- renz mit Wels gehabt. Zeuge Martm LewandowSky hat im Auftrag von War- litzer. der sich auf einen Befehl von Eichhorn und Braun berief. vom 23. Dezember an die Waffen an Zivilisten ausgegcben. Außer- dem wurden auch aus einem Geheimdepot Waffen in großer Menge ausgeteilt. Das Zeugenverhör wird am Mittwoch fortgesetzt. Schlußtagung ües Deutsch-üemokratilchen Parteitages. Einberufung eines neuen Parteitages vor den Wahlen. Im weiteren Verlauf der Tocmng bei-bäsligte sick der Parteitag zunächst mit der Wahl deS Vorsitzenden für den Parteiausschuß Naumann wird mit 235 gegen 254. die auf Petersen entfallen, zum ersten Borsttzcndcn gewählt. Dann wurden die volkswirtschaftlichen Besprechungen fortgesetzt. In dreien nahmen u. a. das Wort: der Adg. Hartmann, der Vorsitzende des Verbandes der deutschen Gewerkvereiae. Er unter- stützt eine Sniichlreßung Erkelenz und Genossen, die späterhin ein- stimmig angenommen wird. I» dieser Entschließung wird die Beseitigung deS unseligen Klassenkampfe« ge- forden. Parteisekretär F i s ch e r» Stuttgart glaubt durch das Hinzuziehen der Ardeilerräte und Betriebsräte, dies« zu der Ueberzeugung zu bringen, daß eine Teilung von Leitung und Arbeit vorgenommen werden muß. Paß-Köln verlangt A r b e i t s z w a n g für alle und Schutz der Arbeits- w i l i i g e n. Es erfolgt nun die Aussprache über die kulturellen Fragen. Staalsminister Strecker-Heisen erklärt, daß die Demokraten schon mit Rücksicht auf das Schul- komvromiß so schnell wie möglich wieder in die Regierung eintreten müsse. Baden und Hessen werden sich der Einführung des Schulkompromtises aufs schärfste widersetzen. Professor Lieb- mann- Kiel spricht gegen dle Todesstrafe. � Der Parteitag gehl dann zu einer Besprechung deS Gerland- schen ReserateS über das Verhältnis jzum Staat über. Ein Delegierter spricht dabei eindringlich gegen da« bedenkliche Aus. wanderungsfieber, das im Volt Platz gegriffen hat, und fordert Fraktion und Regierung auf. entschiedene Schritte dagegen zu unternehmen. Auf den«ntiag des Stadtrats Dr. König-Chornlk wird ein Antrag angennmmen. in dem die preußi'che Fraklio» auf- gefordert wtrd, sofort dafür zu sorgen, daß das Siede lung»- g e i e y umgehend durch ein N o l g e s e tz in Kraft tritt. Em Antrag, nach welchem zur Schassung eines WahlfondS. von jedem organisierten Mitglied ein einmaliger Beitog von 8 M. er hoben werden ioll, wird dem nächsten Parteitag überwiesen, nach- dem vorher beschlossen woiden war, noch vor den Wahlen»och einen neuen Parteitag einzuberufen. Der Ort der Tagung soll von der Parteileitung bestimmt werden. Es wurde dann der ProgrammauSschuß gewählt, der au« 21 Personen bestebr. Dann wurde der Parteitag geschlossen. Genosse Hclmann Borfihender der Ludgetkommisfiv«. Weimar, 22. In U. i Eigener Drahlbericht des.Vorwärts".) In dem Vorsitz der Budgetkommüfion ist durch das Ausscheiden von Hermann Müller als Minister de« Auswärltgen«in Wechsel vollzogen worden. An seine Stelle ist zum Vorsitzenden Hugo Hetmann, Abgeordneter der son Bankett gegeben. Auf diesem äußerte der Sprecher der Delegtion, Lincoln S.t« f f e n, in seiner DankeSrcoe, der in Paris geschlossene Friede sei ein schlechter Fried«. Der wahre Friede müsse erst noch kommen. Alle Länder, auch Amerika und die Schweiz, hätten ihr« Selbständigkeit verloren. Der Redner brachte ein Hoch aus auf die g r« u n d s ch a f t a I l e r N a t l o n e n, e u t s ch la n d inbegriffen. Die Ansprache fand ungeteilten Beifall. Die Lebensdauer der Nationalversammlung. (Fortsetzung aus der Tbenidausgabe.) Zu Art. 64 beantragen die unabhängigen Sozialdemokraten Frau Agnes u. Gen., daß die preußischen Stimmen nicht von den Provinzialverwaltungen, sondern von den Provinziallandtagen, und zwar auf Grund des Reichstagsivahlrechts zu bestellen sind. Die Abgg. Dr. H e i n z e(D. Vp.) u. Gen. beantragen den Zusatz, daß die Stimmen einheitlich für jedes Land abzugeben find. Abg. Sollmann(Soz.): Wir stimmen dem Kompro- mißantrag zu und lehnen den Antrag der Deutschnationalen ab. Wir hätten allerdings das Erfordernis eines verfassungs- ändernden ReichsgcsetzeS gewünscht, mußten aber die Berechtigung der Gründe des Zentrums dagegen anerkennen. Die Gebiets- änderungen sind durch den Kompromi antrag wesentlich erleichtert, dagegen sind die Bedingungen für die Volksabstimmung wesentlich erschwert, denn nicht nur die einfache Mehrheit, sondern drei Fünftel der Stimmen sollen den Willen der Bevölkerung zum Ausdruck bringen. Die Vorschriften über Gebietsänderungen ohne Zustimmung der unmittelbar beteiligten Länder sollen erst zwei Jahre nach Verkündung der Reichsverfassung in Kraft treten. Diese Sperrfrist ist in der Hauptsache im Hinblick auf die Verhält- nisse im Westen unseres Vaterlandes eingeführt worden. Ich glaube ohne Widerspruch feststellen zu können, daß alle Vertreter der Rheinlande einig sind in der Auffassung, daß jetzt irgeriidwelche Loslösungsexperimente im Rheinland nicht vorgenommen werden dürfen. Daß es vielmehr für alle Parteien ohne Ausnahme gilt, eine Einhettsfront gegen die Franzosen herzustellen. Hoffentlich wird diese Absicht in den Landes- teilen, in denen Loslösungsbestrebungen sich geltend machen, nicht mißverstanden und nicht mißdeutet werden; es handelt sich lediglich darum, so lange die Regierung innerhalb Deutschlands nicht zu einem gewissen Abschluß gekommen ist, neue ZerfallSerscheinungen und Zerfallsmöglichkeiten hintanzuhalten.(Beifall bei den Soz.) Abg. KaaS(Zentr.): Nehmen Sie den Antrag an, er dient zur Stärkung der Widerstandskraft der Westmark gegenüber Vergel. tungSbestrebungen im Interesse deS gesamten Vaterlandes.(Leb- hafter Beifall.) Abg. Falk(Dem.): Der Artikel 18 hat eine besondere Bödeu- tung für-das ganze Verfassungswerk;«r ist die Krönung deS Ge- bäudes. Die Revolution hat wohl Throne gestürzt, aber die Zersplitterung Deutschlands hat sich als eine Macht erwiesen, an der auch die Revolution zerschellte. Heute marschiert aber bereit« der Gedanke des Ein- heitsstaateS. Außerhalb der Welt der Ideen zwingt uns aber auch die rauhe Wirklichkeit auf den verschiedensten Gebieten zum Uni- t a r i S m u s. Abg. Dr. Philipp(Dnat. Vp.): Den Streit, der hier zum Aus- trag gebracht werden soll, hat das alte Reich Bismarcks besser ge- löst, als es dem vorgeschlagenen Artikel IL der neuen Reichsder- fassung möglich sein wird. Preußischer Minister Heine: Preußen ist weit entfernt von jedem preußischen Partikularis- mns. Wir in Preußen verstehen auch die Gründe, die leider zu einer gewissen Abneigung gegen Preußen, leider auch bei einem Teil der preußischen Bevölkerung selbst, geführt haben. Aber da» Preußen, das wir aufbauen wollen, ist nicht da? alte Preußen, und wenn wir Preußen stark erhalten wollen, so tun wir eS. um es stark und kräfrig zu machen für die Aufgaben des Reiches. Preußen ist nicht abgeneigt, im Interesse der Vereinheitlichung auch preußische Gebietsteile herzugeben, und eS verhandelt über solche Absichten bereit? mit dem Freistaat Hamburg und mit den thürin- gischen Staaten. Aber es ist selbstverständlich, daß dann auch die' Staaten, denen wir mit Gebietsabtretungen helfen, dem Wunsche nach Vereinheitlichung der Verwaltung Rechnung tragen. Aber so elwas macht man nicht vom grünen Tisch aus. sondern von unten her, aus den Bsdürfnissen, die aus den einzelnen Ländern und Gebieten von selbst herauswachsen. Abg. Dr. Heinz«(D. Vp.): Wenn Preußen»erschlagen wird, so zerfallt es in ein Dutzend Mittel stallten, denen vor allem das Wichtigste, daS gesunde Staatsgcfühl fehlt.(Sehr richtig.) Hesstscher Justizminister v. Brentano dt Tremezzo: Der Abg. Dr. Philipp ist gänzlich unorientiert über die Dephältnisse im Süden, wie es seiner Partei oft passiert und wie eS für die Psyche der Norddeutschen charakteristisch ist. Uns gegenüber wird man direkt beleidigend, es wird von einem landesverräterischen System gesprochen und sogar der kulturkämpferische abgetrieben« Gaul wieder hervorgezogen. Der Staat, wie wir ihn etwa projektieren, würde ein besseres Bollwerk für die deutsche Sache sein, als cj andere Staaten mit hakotistischer Färbung gewesen sind. Der Redner wird schließlich durch lebhafte Schlußrufe aus allen Teilen des Hauses unterbrochen. Abg. Haas«(U. Soz.): Der Kompromiß weicht einer klaren Entscheidung aus. Nach Annahme einiger von den Abgg. Luppe und Ludewig (Dem.) beantragten geringen Aenderungen wird der Kompromiß- antrag Loebe-Trimborn-Heile zu Art. 18 in namentlicher Ab- stimmung mit 189 gegen 71 Stimmen bei 16 Stimmenthaltungen angenommen. Artikel 82 wird in der Ausschuhfassung mit einem ton dem Abg. Luppe(Dem.) beantragten Zusatz angenommen, wonach daS Stimmverhältnis im Reichsrat jeweils entsprechend der Volks- zählung neu geregelt werden soll. Artikel 84 wird unter Ablehnung aller Anträge unverändert in der Auischußfaflung angenommen. Ebenso wird der Artikel 184» genehmigt. DaS Haus nimmt nunmehr die gestern ausgesetzte Abstim- mung über den Artikel 182(Räteartikel) vor, in der sämtliche AbänderungSanträge abg«. lehnt werden bis auf den Antrag D e l i u s, der im Reichswirt. schaftsrat und in den Bezirkswirtschaftsräten nicht.die wichtigsten BerufSgruppen", sondern.alle wichtigen BerüfSgruppen" vertreten fehen will. Mit dieser Aenderung wird der Artikel 182 in der Ausschußfassung angenommen. Zu dem gestern erledigten Artikel 152(Bodennutzung) ist noch rückständig die namentliche Abstim- mung über den Antrag Auer(Soz.), der die Aufhebung der Pri» vatcn Regale und Mutungsrechtc verlangt; sie ergibt die An- nähme des Antrages mit 132 gegen IIS Stimmen. Die Sitzung wird abgebrochen. Weiterberatung 4 Uhr: Ueber» gang«, und Schluhbestimmungen. Schluß 1% Uhr.. Abeudsitzung. Nach Wiedereröffnung der Sitzung wird zunächst Artikel 164 beraten, wo; ach in den nächsten 15 Jahren Mitglieder der Familien von Landesherren, die 1018 in Deutschland regwrt haben, nicht zum} Rcichspräsidcntcn gewählt werden können. Anträge Arnstadt (Dnat.) und Dr. Heinz(D. Vp.) fordern die Streichung dieser Be- stimmung, während ein Antrag der Unabhängigen»er. längt, daß die Mitglieder solcher Familien, die in Deutschland re- giert haben, überhaupt nicht zum Reichspräsidenten gewählt werden können. Der Antrag der Unabhängigen wird durch Auszählung mit 123 gegen 1l7 Stimmen angenommen. Nach Artikel 187 sollen die Post, und Telegraphenvvrwaltungen Bayern» und Württemberg« im Wege der Verständigung bis zum 1. April 1021 auf daS Reich übergehen Ist bis zum 1. Oktober 1920 keine Verständigung erfolgt, so soll durch Reichsgesetz über dl« Uebernahmebedingungen und durch ein Schiedsgerichr über die Höhe der Entschädigung entschieden werde». Gleiche Bestimmungen trifft Artikel 168 für die Uebernahme der Staatseisenbahnen und der Wasserstraßen auf das Reich. Beide Artikel werden an- genommen mit einem gemeinsamen Antrage des Zentrums, der Deutschnationalen, der Demokraten und der Sozialdemokraten, wonach beim Mangel der Verständigung die sämtlichen Uebernahme- t>edingungen durch den Staatsgerichtshof zu entscheiden sind. Berichterstatter Haußmann hatte mitgeteilt, daß nach den ge- pflogenen Verhandlungen Bayern und Württemberg mit dreier Lösung der Frage einverstanden feien. In folg: dessen erklärte sich auch Reichökommissar Dr. Preuß damit einverstanden. Er sprach noch der preußischen Regierung und dem preußischen Eisenbahn- minister den besonderen Dank der Reichsregierung für die Füh- rung der Verhandlungen aus.— Entsprechend einem Antrag des' Abg. Koch-Kassel(Dein.) wurde dem Reiche auch die Verwaltung aller Seezeichen übertragen Auf Antrag Dr. Düringer(Dnat.) wird«in Artikel 169» ein- gefügt, wonach eine Eidesleistung rechtswirksam auch in der Weise erfolgen kann, daß unter Wcglassung der religiösen Eidesform einfach erklärt wird:„Ich schwöre". Artikel 172 bestimmt, daß bis zum Zusammentritt des ersten Reichstags die ittationalversammlung als Reichstag gilt und der bisherige Reichspräsident bis zur gültigen Wahl ein!« Nachfolgers Reichspräsident bleibt. Abg. Dr. von Delbrück(Dnat. Vp.): Nach dem Wortlaut deS Artikels ist das Mandat der Mitglieder der Nationalversammlung und deS Reichspräsidenten und ihre Aufgabe uneingeschränkt ver- längert. Wir haben die Pflicht, selbst die Ausgabe der Nationalver- sammlung zu bestimmen und die Termine festzusetzen, wo ihre Tätigkeit und die des jetzigen Reichspräsidenten ihr Ende finden. Reichskommissar Dr. Preuß: Ein bestimmter Termin braucht nicht in dieser Uebergangsbestimmung zu stehen. Dazu wäre nötig, die Zeit festzustellen, die die Nationalversammlung für notwendige Aufgaben noch braucht. Aber alle Berechnungen sind seit Monaten immer wieder enttäuscht worden. Abg. Haußmann(Dem.): Ursprünglich war vom Ausschuß beabsichtigt, Termine anzusetzen. Das erwies sich als nicht möglich und außerdem häuft sich die Arbeit unausgesetzt, wie wir in diesem Augenblick die größten Steuergesetze, die eS überhaupt gibt, zu be- raten haben. Abg. Haase(U. Soz.): In denn Augenblick, wo der frieden?- vertrag ratifiziert und die notwendigsten Gesetze erlassen sind, hört die Nationalversammlung auf zu existieren, und es mutz der neue Reichstag gewählt werden. Abg. Heile(Dem.): Wir müssen mindestens noch so lange zu- sinnmen bleiben, bis Gesetze beschlossen sind, die ihrem Charakter nach Ausführungsgesetze der Verfassung sind. Abg. Quarck(Soz.): Wir sind darüber einig, daß der Schein vermieden werden mutz, als blieben wirjder Mandatsverlängerung wegen zusammen. Ferner sind wir darüber einig, daß alles, was zur Perfassung gehört, erledigt werden muß; daraus ergibt sich von selbst der Maßstab für die Dauer der Nationalversammlung. Abg. Haußmann(Dem.) stellt die Einmütiflkeit de? Hauses dar- über fest, daß niemand einen festen Endtermin der Nationalver. sammlung festsetzen will, da ein solcher Termin bisher nicht in Vor- schlaa aebracht worden ist. Abg. Eofiu fit. Soz.) widerspricht dem Vorredner und verlangt die Wahl des ersten Reichstnos spätesten« zum 31. Dezember. Abg. Delbrück(Dnat. Vp.) findet diesen Termin wegen der Weihnachtszeit unzweckmäßig, tritt aber ebenfalls für die Festlegung eine? Datums ein. Abg. Loebe(Soz.): Auch wir sind der Meinung, daß die Nationalversammlung so rasch wie möglich durch den Reichstag ersetzt werden muß, da sich in den letzten Wahlen erhebliche Verschiebungen in der politischen Stimmunig der Bevölkerung vollzogen haben. Wir sind aber Gegner der Festsetzung eines Datums, weil wir dadurch die Obstruktionsbestrebungen, die wir schon bei den Steuerberatungen feststellen konnten, ausstchtS- veich unterstützen würden.(Bewegung.) Abg. Rießer(D. Vp): Wir wollen keine Obstruktion treiben, webren uns aber gegen eine Durchpeitschung der Steuergesetze. (Lebbalie Aha-Rufe.) Abg. Haußmann(Dem.) stellt fest, daß selbst die mißtrauischste Partei de« Hause? noch mindestens ein halbes Jahr als Beratungszeit für die Nationalversammlung als notwendig ansieht. Abg. Eohn(U. Soz.) widerivricht. Wir haben jetzt einen An- trag eingebracht, nach dem spätestens am 15. Januar der neue Reichstag gewählt fei« muß. deutfchnatlonale und Unabhängige �rm in Mm. Abg. Delbrück(Dnat.): Auch wir wollen nicht obstruieren; da die Regierung keinen bestimmten Termin vorgeschlagen hat. stimmen wir dem Antrage der Unabhängigen zu. Der Antrag der Unabhängigen, der nochmals dahin geändert ist, daß der erste Reichstag am 18. Januar 1920 gewählt sein mutz, wird gegen die Stimmen der Unabhängige« und der Deutschuatio- nalen abgelehnt.(Große Heiterkeit.) Artikel 172 wird in der Ausschußfassung angenommen. Der Schlußartikel 173 gelangt ohne Aussprache zur Annahme. Nach Ausführungen der Abgg. Heile(Dem.) und Dr. Luppe (Dem.) werden die vom Ausschusse beantragten Enffchließungen. die Regierung möge eine Reichsvermittlungsstelle ein- richten, ferner die Frage prüfen, ob und wieweit die Klein- staaten unter 1 Million Einwohner beseitigt wer- den können, und endlich ein Gesetz über die Aufhebung der M i l i- t ä r j u st i z mit der größten Beschleunigung einbringen, sämtlich angenommen. Präsident Fehrenbach schließt die Sitzung mit Worten deS Dankes. Schluß 714, Uhr. Morgen, vormittag 10 Uhr, Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung. Einzelftaaten und Sozwlksierung der Elektrizitätswirtschast. Dem Grundgedanken der geplanten Sozialisierung der Elek- trtzitätSwirtschaft stehen die bundcsstaatlichen Regierungen ein- schließlich Preußens nicht feindlich gegenüber; bei den verschiedenen einzelstaatlichen Regierungen wird aber bemängelt, daß der Gesetz- entwurf noch zuviel Unklarheiten zeigt und noch abänderungS- bedürftig ist, um in schnellem Tempo durchgepeitscht zu werden. Die ewzelstaarlichen Regierungen legen besonders Gewicht auf folgende Punkte: Auf die Festlegung einesTarifs für die Leistun- gen. auf die nähere Umschreibung des Umfang« derEoziali- s i e r u n g. auf daS Verhältnis der sozialisierten elektrischen Er- zeugung zu den Bvaunkohlenlagern und den Wasserkräften und schließlich auf die Zuführung der Elektrizität an die VerbrauchSorte. Bis zu einer Klärung dieser Punkts muß der Gesetzentwurf vertagt werden. Die Einzelstaaten wünschen an der Beratung der verschiedenen geplanten Sozialisierungen durch Schaffung eine? Betrats beteiligt zu sein. Sie verlangen im besonderen, daß die Enteignungen nicht durch das Reich unmittelbar, sondern durch die Gliedstaaten für das Reich durchgeführt werden, um eine sachgemäße Behandlung her komplizierten Problem« zu sichern. Generalversammlung öes Deutschen Textilarbeiterverbanöes. Plauen, den 21. Juli ISIS. 1. Berhaudlungstag. In den festlich geschmückten Räumen des Gewerkschaftshauses traten heute die Vertreter des deutschen Textilarbeiterverbandes zusammen, um der Organisation unter den wesentlich veränderten Verhältnissen eine neue Gestaltung zu geben. Auch rein äußerlich treten schon die veränderten Verhältnisse zutage; noch keine Gene- ralversammlung sah eine so imposante Zahl von Delegierten aus allen Gauen Deutschlands beisammen. Aus kleinen Anfängen, unter unsäglichen Mühen und Opfern ist die Organisation der Textilarbeiter zu einer der größten in Deutschland emporgewachsen und damit zu einer Macht geworden, mit der das Unternehmertum rechnen muß. Zum ersten Mals hatte sich auch ein Vertreter der Stadt Plauen eingefunden, zugleich als Vertreter der sächsischen Regierung, die es wegen zu großer Ueber- lastung bedauerte, sich nicht besonders vertreten lassen zu können. Weiter waren erschienen als Vertreter der volkswirtschaftlichen Ab- teilung des deutschen Forschungsinstituts für Textilstoffe in Karls- ruhe Professor Dr. Ubbelohde und Frau Dr. Bassermcuin. Freudig begrüßt wurden als Gäste� ausländischer Bruderorga- niiationen die Kollegen Janzen(«chwedenj und N i e l s e n (Dänemark), der Kollege Brecina aus Oesterreich war gemeldet, aber nicht erschienen. Ferner find noch anwesend ein Vertreter des allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes, Adolf Cohen (Berlini und Karl Schönleben(Ulm) vom Verband der Färber und Chemischwäscher. Nach einer Reihe von Begrüßungsansprachen der Vertreter der Plauener organisierten Arbeiterschaft und der Stadt Plauen erklärte der Vorsitzende des Verbandes, Kollege Hübsch- Berlin, die Generalversammlung für eröffnet und nahm zunächst das Wort zum Geschäftsbericht, der sich über den Zeitraum von 5 Jahren erstreckte. Er zeichnete zunächst ein Bild der trostlosen Lage der Textilcwbeiterschaft bei Ausbruch des Weltkrieges, die die angestrengteste Tätigkeit aller Verbandsfunktionäre während desselben erforderte. Von einer Panik ergriffen, wurden Tausende von Betrieben stillgelegt. In folgedessen wuchs die Arbeitslosigkeit in ungeheurem Maße. Auf ILO offene Stellen kamen 867 Arbeitsuchende. Bielfach wurden die kärglichen Löhne, die schon vordem bei weitem nicht zum Leben ausreichend waren, noch herabgesetzt. Keine Jndustriearbetterschaft hat daher sp gelitten, wie die Textilarbeiterschaft. Dazu kam noch die Einziehung von mehr als 49 066 Mitgliedern zu Kriegsdiensten. Waren schon vor dem Kriege im Verbände mehr als die Hälfte weibliche Mitglieder, so wurden jetzt ganze Ortsverwaltungen von allen Männern entblößt. Es bedurfte daher aller Opferwilligkeit und restlosen Hingabe der Kolleginnen für ihre Organisation, um dieselbe aufrechtzuerhalten. 5291 Mitglieder, davon auch der Kol- lege Rössel vom Zentralvorstand, mutzten im Kriege ihr Leben lassen. Bei Ausbruch des Krieges zählte der Verband 132 666 Mit. glieder, erreichte im 4. Quartal 1916 mit 56 747 Mitgliedern seinen tiefsten Stand und stieg unter den Schlägen der Revolution gegen die herrschende Reaktion auf 376 666 Mitglieder. An den Geschäftsbericht schloß sich der Bericht des Jnformationsbureaus, den Jäckel erstattete. An das JnformationSbureau feien infolge der prekären Lage der Textilarbeiterschaft große Anforderungen gestellt worden. Durch umfangreiche Erhebungen habe man Löhne von 3 bis 4 M. pro Woche bei 56— 66 stündiger Arbeitszeit fest. gestellt. Um die Oeffentlichkeii zu düpieren, habe man sogar zweierlei Lohnbücher geführt. Andererseits fei die Prosperität der Textilbetriebe ständig gestiegen. Mit großen Schwierigreiten kann- ten Abwehrmaßregeln organisiert werden, die sich auf Einführung von Mindestlöhnen verdichteten. Die vom Reiche eingeführte Er- werbslosensürsorge sei ganz verschieden zum Nachteil der Arbeiter gehandhabt worden. Tausende von Arbeitern mutzten in die Mu- nitionsbetriebe abwandern. Gegen die arbeiterschädigenden Folgen des Hilfsdienstgesetzes habe eine Gauleiterkonferenz Front gemacht. Zur Frage der Uebergangswirtschaft mutzte Stellung genom- men und mußten Richtlinien aufgestellt werden, die bereits der außerordentlichen Tagung des Verbandes in Augsburg vorlagen. In den durch die Kr-egswirtschast geschaffenen Reichssiellen war uns zunächst kein Einfluß eingeräumt, doch durch zähes Ringen in der Folgezeit erzielt. Die Zwangswirtschaft aufzuheben, sei ohne Schaden für die Arbeiterschaft zurzeit noch unmöglich. Sie würde nur zu einer erhöhten Ausbeutung der Arbeiterschaft führen. lungen in Nürnberg an das Reichsarbeitsamt, um über die Frage der Arbeitszeitverkürzung einen Sckäedsipruch herbeizuführen. Tie Verhandlungen über den Abschluß eines Reichstarifs sind bekanntlich gescheitert. Um zu dem Antrag auf Fällung eines Schiedsspruchs über die Verkürzung der Arbeitszeil Stellung zu nehmen, trat gestern im ReichSarbeiiSamt ein Schiedsgericht unler einem unparteiischen Bor- sitzenden zusammen. Nachdem die Vertreter der Arbeiter erklärt hatten, daß sie einen Schiedsspruch nur dann als verbindlich anerkennen können, wenn : wer die andern striltigen Punkie weiterverhandelt und eine Eini- gung erzielt werde, die Arbeitgeber erklärten, bei einer Verkürzung der Arbeilszeir nicht mehr konkurrenzfähig gegeizüber dem Ausland zu sein, trat das Schiedsgericht zu seiner Beratung zusammen. Das Ergebnis dieser Beratungen war folgender Schiedsspruch: .Die regelmäßige Arbeilszeit beträgt 8 Stunden täglich. In der Tarifklasfe I und H 6 Stunden, in der Tarifklasse III und IV 7 Stunden am Sonnabend." Begründend wurde vom Vorfitzenden ausgeführt, das Schieds- gericht habe die Frage verneint, daß dem Holzgewerbe durch die vom Holzarbeiterverband geforderte Arbeitszeitverkürzung Schaden zugefügt werde. Eine Herabsetzung der ArbeiiSzeit fei wohl ge« rechtiertigt. Im übrigen fei es nur eine Festlegung bereits bestehender Zustände. Innerhalb 14 Tagen haben die Parteien zu erklären, ob sie den Schiedsspruch annehmen wollen. GewerkschaflsbeoMMg ( Schiedsspruch über die Arbeitszeit im Holzgewerbe. Auf Veranlassung der Arbeitgebermilglieder der zentralen Ver- handlungSkommisfion wandte sich der Vorsitzende bei den VerHand- Tarifbewegung der Schneider. Infolge der verschiedensten Begleitumstände konnten die Ber- Handlungen über dke eingereichten Forderungen nicht so zeitig be- ginnen, um bis zum Ablauf der JündigungSfrist neue Vereinbarungen zustande zu bringen. Die Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- orgamsationen haben daher folgende Vereinbarung getroffen: Bis zum Inkrafttreten einer neuen Tarifvereinbarung werden folgende Zuschläge bezahlt: 1. für das Ruhr- und Rheingebiet, soweit die Stückzuschläge bei der Verhandlung in Essen erhöht sind, 125 Proz.; 2. für Hamburg und ähnlich gelagerte Fälle 136 Proz.; 1 3. für Berlin 146 Proz.;, 4. tür alle übrigen Orte 135 Proz.; 5. Orte, welche bisher höhere prozentuale Teuerungszuschläge als nach den Jenaer Verhandlungen hatten, 133 Proz.; 6. Reduzierungen höherer Zuschläge finden nickt statt; 7. iür die Orte im besetzten Gebier wird die Regelung den örtlichen Vereinbarungen überlassen. Diese Vereinbarung bedeutet eine Erhöhung der Teuerung»- zuschläge zu Nr. 1: 16 Proz., zu Nr. 2: 15 Proz.. zu Nr. 3: 25 Pcoz. und zu Nr. 4: 26 Proz. Das Koalitionsrecht bei der Post. Einer Verfügung der Oberpostdirekkion Berlin— gezeichnet Sönksen— hat den Postbeamten die Teilnahme an dem von Un- abhängigen und Kommunisten beschlossenen Generalstreik untersagt. Diese Verfügung, deren Ton an den Lapidarstil deS verflossenen Polizeipräsidenten Jagow erinnert, hat unter den Beamten eine starke Erregung hervorgerufen, da gerade die Postbeamtenschaft, in der selbst die Mehrheitssozialisten noch immer eine kleine Minder- heit bilden, weit davon entfernt ist, sich von den Veranstaltern des Generalstreiks als Vorsvann benutzen zu lasten. Die Beamten sind daher der Meinung, daß es sich bei dieser Verfügung— die schon Are Vorgänger hat— um einen Borstoß gegen das Koalitions- recht überhaupt bandelt. Die Entrüstung daiüber kam in folgender Entschließung des Bezirksvereins H. T. A. der S. P. D. zum Aus- druck: Die am 21. Juli stattfindende Mitgliederversammlung deS Bezirksvereins H. T. A. der S. P. D. legt die schärfste Beiwahriing ein gegen die Verfügung der S. P. D. vom 19. Juli, durch die die Teil« nähme der Post- und Telegraphenbeamten an dem für heute an- gesagten Generalstreik für unzulässig erklärt wird. Die Postbe- ämtenichaft, die gelegentlich der Unruhen und früheren Streiks trotz großer Hindernisse ihre Pflicht stets gewisienhait erfüllt hat, be- schließt selbständig und ohne nach der Zustimmung der O. P. D. zu fragen, ob sie sich einem Streik anschließen will oder nicht. Die im Bezirksverein H. T. A. der S. P. D. zusammen- geschlosienen Beamten und Beamtinnen iehen in dieser Versügung lediglich einen neuerlichen, durchsichtigen Versuch der O. P. D.. die Postbeamten vor der Ausübung des Koalitionsrechtes, das ihnen erst kürzlich wieder vom Herrn ReichS-Postminister in seiner Unter- redung mit den Vertretern der Berliner Postbeamten zugesichert worden ist, zurückzuschrecken, und drücken ihre Verwunderung dar- über aus. daß ein nachgeordneter Beamter entgegen dem Willen seines Borgesetzten in dieser Weise die Beamtenschast beunruhigen darf. Sorge vm die Arbeitsstelle. Zwei Zuschriften aus dem Kreii'e unserer Leser liegen uns vor. Die eine wendet sich gegen die Entlassung von Frauen aus dem Postdienst, die andere spricht sich gegen die Einstellung von Frauen in den Postdienst aus. Trotz dieses Gegensatzes haben beide Zu- schrisren etwas Gemeinsames: SuS ihnen klingt ein Notschrei von Menschen, die um rhre Existenz fürchten. Auch darin haben beide Schreiben einen Berührungspunkt, daß sie ihre Forderungen mir einer gewissen Einschränkung aufstellen, so daß ihnen die sachliche Berechtigung nicht abgesprochen werden kann. Die beim Haupt- und Hofpostamt in Berlin beschäftigten Frauen klagen darüber, daß sie nach einigen Wochen sämtlich entlassen werden sollen, damit ihre Stellen von Kriegsbeschädigten und heim- kehrenden Kriegsgefangenen eingenommen werden können. Krieger- Witwen sind es, die den Brief an un» gerichtet haben. Sie emp- finden es als ein Unrecht, daß sie, die durch den Krieg ihres Er- nährers beraubt sind und Kinder zu versorgen haben, Männern Platz machen sollen, unter denen sich viele junge, ledige. Menschen befinden, die auch wohl anderwärts Beschäftigung finden würden, was den Kriegerwitwen nicht möglich sei. Diese sollte man des- halb in ihren Stellungen, die sie ganz gut ausfüllen könnten, be- lassen. Die zweite Zuschrift stammt aus einer Vereinigung der Post- »ushelfer in Leipzig. Sie sagt unter anderem: Durch eine Demonstration stellenloser Kriegsteilnehmer ist es im Frühjahr ge- lungen, die Einstellung von 866 Mann beim Postscheckamt in Leipzig durchzusetzen. Jetzt werden wieder weibliche Kräfte in großer Zab! eingestellt, obwohl in Leipzig etwa 16 666 stellenlose Knegsteil- nebmer und Kriegsbeschädigte herumlaufen. Vom 16. August ab sollen die Postscheckämter im Reiche in Dienststellen mit weiblichem Personal umgeändert werden. Anscheinend will die Postverwaltung nicht nur mit der weiteren Einstellung von Kriegsteilnehmern aufhören, sondern vielleicht auch die bereits Eingestellten wieder entlasten. Solche Maßnahmen würden große Erbitterung unter den Kriegsteilnehmern hervorrufen. Wir wollen— heißt es in dem Schreiben— weder Kriegerwiiwen und Waisen verdrängen, noä. solche Frauen und Mädchen, die auf Erwerb angewiesen sind. Wohl aber fordern wir die sofortige Entlassung der Beamtentöchter, die es nickt nötig haben, dem Erwerb nachzugehen. .Wir glauben, daß bei gutem Willen und Entgegenkommen auf allen Seiten die in beiden Zuschriften aufgestellten, durchaus berech- tigten Forderungen wohl erfüllt werden könnten. Buchbinder. Wir machen alle Kollegen und Kolleginnen, welche au dem Boden der S. P. D. stehen, mit die am Mittwoch, den 23. d Mts abends ö Uhr, im Deutschen Hof, Luckauer Straße, stattfindende außer. ordentliche Generalversammlung aufmertlam und hoffen auf recht rege Be< teiligung. Die Wichtigkeit der zu saffcnden Beschlüsse erfordert, daß deletzte Kollege, die letzte Kollegin zur stell« ist. Deutscher Holzarbeiterverband. Zahlstelle Berlli? Klavierarbeilc- der pneumatischen Branche. Donnerstag, den 24 siuli, abends 5 UEr Mitgliederversammlung in Andreas.Festläle �kleiner Saal). AndreaSstr. st. Tagesordnung: 1. Warum muß der paritätische Arbeitsnachweis auch in der pneumatischen Branche zur Durchführung gelangen? 2. Branchen. angclegenheiten.— Pünktliches und vollzähliges Erscheinen erwartet Die Lranchenleitung. Verband der Sophienstr. 17/18. Friseurgehilfe«. Donnerstag, abends 8 Uhr. Deutscher Mufikerverband. Ortsverwaltung Berlin. Sektion»vr Enlemblemusiker. Heute, M ttwoch. vormittags 10 Uhr. im Vereinst uje Versammlung der Vertrauensleute der Kasseehausbetriebe. Erscheinen dringend notwendig. Jugenüveranstaltungen. Die Beränftaltunge« der«bteikunge» Süden und Südwesteu finden bis auf weiteres gememsam in der lSemeindeschule, Wilmsstr. 10, Jugendklubzimmer, statt. Daselbst beute 8'/, Uhr: DiSIusfionsabend. Wedding. Heute 7 Uhr bei Groll. Hennigsdorser Str. 10: Unler. halwngsabend mit besonderem Programm. F r e» t a g 7 Uhr: Funktionär- sitzung. Die wichtige Tagesordnung ersordert das Erscheinen aller Funk» tionäre.— Die sür Sonntag, den 27. Juli, angesetzte Wanderung Eberswalde— Bernau sällt insolge Erkrankung d«S Wanderleiters aus. Copenick. Jugendheim II, Eemeindeschule, Wilhelmftraße. Vortrag: Entstehung der Erde. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Deutsche Flüchtlinge aus Belgien. Versammlung Donnerstag, 24. Juli. 5 Uhr, Lehrervcreinshaus(Al-xanderplatz).— Arbeiter. Tamariterbund. Freitag, Bezirk Norden: Usedomltr. 33, Rest Olböter. Bezirk Süden, Adt.k>: Neukölln, Weichsel ftr. 8. Ideal-Passage. B-ranlwortlich für Bolttik:«rtnr Zickler, Ujarlotteaturs, sür den übrigen Teil de- Blattes:«lfred Scholz, ÄenkZlln; für Anzeigen: Theodor Sloeke Berlin. Verlag: Borwärls-Berlag®. m. 6. H.. Berlin. Druck: BorwürU- Buchdruckerei und Verlagsonstalt Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindenstr. S. Hierzu 1 BrUoge. BiHige Preise in Urnen- HonfekHßn Imprägnierte Seiden-Mäntel 195. 225 Seidene Strickjacken... 150. 175 b» Wollene Kostüme 125."150 mr Wollene Mäntel 98. 125 mr Wollene Köcke 38. 55 mr Mk. Gegenüber dem Untergrundbahr hof Hausvogteiplatz r< imn BacUNauheim Hessisches Staatsbad.— AaUerhalb dea besetzten Gebiets und der neutralen Zone gelegen. Am Tannus bei Frankfurt am Main— Sommer- und Winterbetrieb. Hervorragende Heilerfolge bei HerEbrank- beiten, beKinnendeP Arterlenverbalknns. Mun- bel- und Gelenbrhenmntlamo«. Gicht, Rückenmark»-. Frauen- und Serventelden. SSmtliohe nenzeitliche Kurmittel— Herrliche Park- und Waldspaziergange.— Vorzügliche Konzerte, Theater Tennis, Golf, Krocket usw. Man fordere die neueste Auskunftsschrltt C 117 vom Oeschäits zlmmer Kurhaus Bad-Nauheim". Nr. Z77 � ZS. Jahrgang Mittwoch, SZ.�uli 1H?H In der gestrigen NachnrittagSverharcMnng wurde dann nach das Protokoll über die Leichenschau verlesen. Der Sachverständige, Dr. med. Kropp, berichtete über seine Untersuchungen. Danach .waren Kennzeichen des Erstickungstodes nicht festzustellen. Die Schädeldecke war teilweise sehr zwtriimmert und wies auf Schnfiverlebungen hin. In der linken Hand fand man am dritten Finger ein Jnfanteriegeschoß. Ztach Auffassung des Sachverständigen hat Neuring einen. Schuß durch den Kopf bekommen, doch wäre es möglich, daß gleichzeitig ein plötzliches Er- lahmen des Herzens den Tod mit herbeigeführt haben könnte. Darauf wird die Zeugenvernehmung vorgenommen. Als erster wird Zeuge Münch, früher Mitglied des Roten Sol- datenrats und Aktionsausschusses, vernommen. Er bekundet, dah gegen den Minister wohl eine starke Erregung sich gellend gemach: habe, weil er öfter Mitglieder hatte verhaften lasten. Davon, dqst man ihn aber beiseite schaffen wollte, hätte er nie etwas gehört. Gewerkschastsiekretär Kluge sagt darauf aus, dah er von Be- kannten, die sich mit Mitgliedern der Kommunistischen Partei unterhalten haben, erfahren habe, es seien Ausdrücke gefallen wie: .die jetzigen Machthaber müsten verschwinden" und „Neuring wird iu vierzehn Tagen nicht mehr leben". Man sah davon ab, die Zeugen zu vereidigen, weil erst die beiden Hintermänner als Zeugen geladen werden sollen. Der Zeuge Brarnrtz bekundet, daß die Menge sich wie Bestien benommen hätte. Er habe sich eine Person genau eingeprägt, die den �letzten Schutz auf Neuring von den Elbwiesen abgegeben hätte. Er könne sie aber auf der Anklagebank nicht fest- st e l l e n. Darauf wird der Sekretär des ermordeten Ministers Albert dernommen. Der Sekretär gibt an, daß er schon beim Vorüber- ziehen des Zuges Drohungen gehört haben will. Der Minister iei sofort bereit gewesen zu verhandeln. Er habe auch am Fenster nicht gelächelt, sondern im Gegenteil recht ernste Gespräche gehabt. Ueber di« beiden angeblichen Handgranaten sagt der Zeuge aus, daß diese beiden blinde Handgranaten gewesen seien, durch die niemand verletzt wurde. Er habe gehört, dah Frenzel zu der Menge n. a. gerufen habe:„Der Minister hat kein Interesse für Euch!" Inzwischen hatten sich auch schon viele abonteuerliche Gestalten unter die Temonstramen gemischt. Sein Vvrfcklag, das Leben Reurings zu schützen, habe b:i den anwesenden Offizieren und Beamten keinen Anklang gefunden, da es aussichtslos gewesen sei, sich der Menge gegenüberzustellen. Durch eine Hintertür ins Freie zu gelangen, habe der Minister abgelehnt. Die heraus- stürzende Menge hätte er erwartet und sei sofort umringt worden. Zu einer richtigen Verhandlung sei es nicht gekommen. Den Mi- nister und ihn hätte man die Treppe hinabgedrängt, woran sich vor allen anderen der Angeklagte Fritze beteiligt habe. Unten aus der obersten Stufe habe Neurmg sprechen wollen; ein fernstehender Matrose habe auf Neuring das Gewehr angelegt. In diesem Augenblick seien beide die Treppe hinabgestohen worden. Die Menge habe sich sofort des Ministers bemächtigt und ihn unter Stößen und Schläge» nach der Brückt geschleppt. Heute vormittag wird die Vernehmung der Zeugen fortgesetzt. Rechtsanwalt Wilhelm gibt an, am 12. April mittags gegen 2 Uhr vom Sekretär Albert telephonisch angerufen und vom Ernst der Lage unterrichtet worden zu sein. Er eilte sofort ins Kriegs- Ministerium und fand dort eine erregt? Meng« Zivilisten und Sol- daten um das Gebäude versammelt. Auf seine Frage nach dem Führer antwortete man ihm:„wir haben keinen Führer." Er be- «ebne Emlah ins Ministerialgebäude, klopfte aber vergebens. In- zwischen steigerte sich die Erregung d«: Massen, das Schießen setzle erneut rasend ein. Um zu retten, was möglich sei, schloß er sich der ins Gebäude dringenden Menge an. Neuring versuchte der- gebens, den Eindringenden den Rechtsstandpunkt klarzumachen. In einem Zimmer kam es endlich zur Aussprache. Man machte Neu- ring den Vorschlag, er solle doch— es sei der einzige Ausweg— - unten zur Menge reden. Neuring ging hinunter.„Ich will all« Forderungen bewilligen," rief er vergebens. Wikhelm rief: „Kameraden, begeht keinen Mord!" Einer schrie'dagegen:„Halt den Mund, sonst fliegst du mit hin- unter." Tann riß man Neuring fort. Den Augenblick des Hinab- stoßen? sah der Zeuge nicht. Borsitzender: Erkennen Sie unter den Angeklagten einen der am Mord Beteiligten? Zeuge: ReinI ß Neurmg. Ter Zeuge fährt fort: Ich habe persönlich die Empfindung, daß der tödliche Schuß von der Brücke aus fiel. Vorsitzender: Haben Sie den Angeklagten Fritze im Blockhaus gesehen? �> Zeuge: Ich entsinne mich, daß er neben mir versuchte, iuS Blockbaus zu koinmen. Borsitzender: Stimmt es, daß Fritze die Menge nicht auf- geregt hat? Zeuge: Ich weiß es nicht. Vorsitzender: Trug Fritze Waffen? Zeuge: Ich habe keine gesehen. Vorsitzender: Versuchte Fritze, den Minister hervorzurufen? Zeuge: Einige deuten es auf dwsie Weise, ich nicht. Der Zeuge sagt weiter aus: Oben im Zimmer wurde dem Minister von einigen Leuten� gesagt, wenn er hinunterginge, könnte keiner für seine Sicherheit garantieren. Dennoch ging er hinunter. Borsitzender: Getrieben oder freiwillig? Zeuge: Er handelte spontan aus sich selbst. Ich hatte das Ge- fühl, daß er der Suggestion der Masten unterlag. Der Zeuge Mohr kam nachmittags gegen 2 Uhr zum Tatort. Er hörte einzelne Leute sagen, wenn Frenzel die Sache in Händen hat, der läßt sich nicht veralbern. Neben ihm stand ein elegant geklei- deter Herr, der sich mit Matrosen und Soldaten unterhielt und sich Ztotizen machte. Der elegante Herr machte, als Neurmg reden wollte, eine Bewegung, als wollte er sagen: das fehlte noch. Fortlaufend bekam er Nachrichten zugetragen. Ich hatte den Ein- druck, sagte der Zeuge, als sei er der Leiter der ganzen Sache. Diesen Herrn habe ich später im Zoo wiedergesehen. Der Zeuge wird Pietzsch gegenübergestellt. Er erkennt den Angeklagten nicht wieder als einen, der Neuring geschlagen hat. Es wird über- Haupt keiner der Angeklagten von ihm erkannt. Zeuge Schriftsteller Withake gen. Zorvey kam kurz nach 3 Uhr an den Obergraien. Er schildert, wie die Menge schvie: Holt den Hund runter. In die Elbe! Als Neuring dann erschien, habe man ihn niedergeschlagen und fortgestoßen. Ein Soldat rief laut:„Kameraden, unsere Forderungen sind erfüllt!" Darauf rief die Menge: Es ist zu spät. Ehe Neuring ins Wasser gestürzt wunde, er- tönte das Kommando: Alle hier die Treppe herunter. Borsitzender: Dann wäre ja alles eine abgekartete Sache gewesen. Zeuge: Ja, denn das Kommando kam, als man Neuring noch auf der Brücke vor sich herstieß. Vorsitzender: Haben Sie auf der Brücke einen Jufanteristen mit Gewehr im Anschlag gesehen? Zeuge: Ja,-er stand neben mir. Die Berteidigung fragt: � Wurde Neuring kampflos der Menge überlasten oder fand er Beschützer? Zeuge: Ich habe nichts derartiges gesehen, es wäre wohl auch jeder, der das versuchte, niedergeschlagen worden. Zeuge Kurt sagt aus: Sekretär Albert rief, die Forderungen sind ja alle bewilligt. Trotzdem schlug man mit Stöcken und Fäusten auf Neuring ein. Die Leute waren wie wilde Tiere. Dann wurde Neuring fortgeschleppt und ins Wasser gestürzt. Wo- her der tödliche Schuß kam, weih ich nicht. Zeuge Polizeiwachtmeister Schramm sagt aus, Bartsch hat des öfteren von der Brücke aus auf Neuring geschossen. Ich erkenne ihn genau. Ich erkenne ebenso Pietsch bestimmt als den wieder, der den Minister gepackt hatte, einmal am Arm und einmal am Kopf. Vorsitzender: S-ie haben früher ausgesagt Pietsch sei der Hauptführer gewesen. Zeuge: Das halte ich aufrecht. Der Zeuge bleibt überhaupt bei folgender Aussage: Bartsch schoß wie toll gegen das Blockhaus. Thomm war einer der Hauptschreier. Er sagt weiter. Allner, Gottlöber erkenne ich nicht mit Bestimmtheit wieder. Als der Zeuge auch Thamm vom 12. April wiedererkennen will, kommt dieser aus Krücken vor. Der Zeuge belegt auf Anfrage mit Einzelheiten seine Angaben. Ein Zwischenfall. Der Angeklagte Thamm springt plötzlich auf und schreft: RauS! Raus! Diener halten ihn zurück.� Ein Wein kram ps schüttelt ihn. Doktor O p p e ordnet an, ibn hinauszuführen. Die Ätzung wird unterbrochen. Nach etwa ItZ Minuten wird wetterverhandelt. Erleuchtung. 20� Roman von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdorf. Dann erklärt er weiter:»Herr Simon—" Sobald er sich auf technische Erklärungen einläßt, sagt er immer Herr zu mir. Er sagt also:„Wir haben hier 663 Lampen. Wenn wir auch die schönen Bureaulawpen und die Wächterlampen und die Lampen beim Bauraum rechnen. Sie werden mich fragen, waruni man denn kerne Elektrizität brennt, die von alleine angeht. Das kost' eben Geld und das Petroleum kost' fast gar nischt. Scheint, die oben haben das so ausbaldowert. Was mir belangt, so bin ich rmmer auf die zwei Beine, schon von morgen ftüh, wo man müd' ist, weil man schlecht geschlafen hat, schon von Mittag an, wo einem ekelig ist, weil man gegessen hat, und so bis zum Abend, wo einem alles ekelig geworden ist." Die Fabrikglocke hat geläutet. Petroll und ich gehen gemeinsam nach Hause. Er hat die Arbeitshose und die Bluse ausgezogen und alle diese schweren Gegenstände, die gleich Werkzeugen verrostet sind, in eine Ecke geschleudert. Dieser schmutzkrustige Arbeitspanzer hat ihn ein wenig er- stickt. Er befreit sich von dieser Hülle und ist weniger be- bindert: Aber noch immer zivängt ihn eine viel zu kleine und quälende Oberjacke ein. Seine hageren Beine, die in weiten Hosen stecken, laufen in lange, wulstige Stiefel aus, die wie Krokodrle anzusehen sind. Die Hosen sind zu kurz. Seine pclrotcumgetränklen Sohlen idilcifcn in dem Straßen- kor Oelspuren nach, die vielfarbig schillern. Vielleicht trägt dieser düstere Gesährte mit den langen Gliedmaßen, der jetzt an meiner Seite trottet, die Schuld dar- an, daß vor mir plötzlich blitzartig das tragische Bild des ganzen Arbeitcrvolkrs auftaucht. Jch wende diesem Arbeiter mein Gesicht zu und ich sehe ihn, wie er langsam und müh- selig an meiner Seite trottet, wie er einherichrcitet durch das grollende Abendgrau.' das oben emporsteigt. Ick sehe ja manchmal Dinge im Leben, die von der Ewigkeit iolcher tragischen Erscheinung sind. Nun scheint das Fobrikior. das sich zur Abenddämmerung hin öffnet, weit in zwei breite siflügel unfgeschlagen. Und ans diesen beiden Gespenster- toten ergießt sich der düstere Menjchenjchwarm uis Freie. Die Menge rammt sich vorwärts über die Straße, die von schwarzen Schornsteinen, Leitern und eisernen Kränen be- spickt ist. Aufrecht und den Wolken zu ist alles emporgerichtet und hier und da durchbrochen von einem gezirkelten Linien- gcwirr. Das sind Eisen und Aschenwege. Das ist die Straße der Fabriken, die so unfruchtbar ist. und die doch ausgenutzt werden soll bis zum Aeußerslen. Stellenweise sind im Kreis um die Fabrik Haufen von Schlacke und Asche aufgeschichtet, die noch weiter brennen, als wenn sie Scheiterhaufen wären. Schwarzes Lustgcwelle und düstere Flammen wallen darüber. Und in der Höhe dann ballen sich die dunklen Wolkenwände, die von den dunklen Schornsteinen ausgespieen werden, zu Bcrgricsen auf. Die Stützflächen der Wolkenberge reichen bis zunz Erdboden, und sie bedecken das Land mit einem gewitterschweren Himmel. Im Kerne dieses Wolkenmeercs löst sich nun die Menschheit auf. Die ungeheure Brandung der Menschenmasse setzt sich in Bewegung, sie lärmt auf, und gradaus rollt sie der Arbeiterstadr zu. Wir sind umdröhnt von einem Stimmenmeer, das unerschöpflich ist. Es ist. als wenn die Hölle, die dort in dem bronzenen Himmels- rande Bezirk und Wohnung hat. Plötzlich all ihre Kräfte entfalte. In diesem Augenblicke habe ich Furcht vor der Menge. Sie bringt etwas hervor, das» grenzenlos ist, das über unsere Macht geht, und uns bedroht. Es bcdünkk mich, daß jeder zerschmettert werden muß, der sich nicht mit der Menge verbündet. Ick denke nach und ich senke die Augen. Noch immer trottet neben mir Marcasnn, den sie Petroll nennen, geschah eS nun wegen des Udbeldustes, der von ibm ausströmt, daß er den Nawen Marcasiin erhielt? Marcassin bedeutet ja so viel wie Schwein und Schmutzfink. Und wirk- sich, er macht auf mich den Eindruck, als wenn er ein Tier wäre, das sich mit weiten Spiüngen aus dem Staube macht, um die nächtliche Dunkelheit zu erreichen. Düster wird der Abend. Der Wind entblättert das Laub. Der Wind ist mit Regen geladen, und er ist scharf und beißend. Die Stimme meines elenden Gefährten gelang nur noch- stoßweise zu mir. Er möchte mir daS Gesetz der Arde:t er- ttären, die niemals aufhört. Das Ende seiner Worte schlägt mir ins Gesicht, und er sagt:„Man ahnt ja gar nicht, w.an' bemerkt ja gar nicht, was so alle Tag um uns imuwirt- schaltet l" 1 Das Verhalten des Angeklagten veranläßt den Vorsitzenden zu scharfen Worten: Ich ersuche Sie ernsthast, Ihr Verhalten zu ändern. Ter eme will hier frühstücken, der andere seine Braut empfangen und der dritte Witzblätter lesen. Wenn es ntcht anders wird, ist meine Geduld zu Ende. Seien Sie sich des Ernstes der Situation durchaus bewußt. Dr. Oppe bittet in Thamms Inte?» esse, sich bald über den Geisteszustand äußern zu dürfen. Dr. Liebknecht fragt den Zeugen Withake nochmals, ob Thamm aus der Brücke habe mitlausen können. Zeuge Withake: Aus der freien Fahrtahn in der Mitte ivar es möglich. Zeuge Kitzsche, früher Grenzschutzsoldat, sagt mit Bestilluntheit von Allner aus: Er ging vor mir aus der Straße her und sagte, da gib: cs immer noch Leute, die Neuring bedauern. Ich habe ihn selbst von der Brücke gestosien. Dabei ist der Kolbe:: mit in die Elbe gefallen. Der Zeuge will diese Aussage beschwören. Allncr bestreitet alles; er weiß von nichts. Zeuge Scheiner: Mit Bestimmtheit- kann ich sagen, ick) Hude. gesehen, oah A l l n e r den Minister geschleppt hat. Ebenso erkenne ich Gottlöber wieder, der auch beteiligt war. Allu. r •bestreitet seine Schuld; vor sechs Uhr abeirdS sei er nicht am Tatort gewesen._ Sie RaSauversammlungen. Was haben die Unabhängigen gewollt? In Berlin haben die Unabhängigen ein ungeheures Geschrei erhoben, weil die Mehrheitssozialisten ihren Generalstreik am 21. Juli— für Berlin etwa der fünsundzwanzigste Generalstreik seit der Revolution— nicht haben mitmachen Wullen. Sie konnten gar nicht genug angeben über„Prinzipienverrat", über„Mgngel an jeglichem internationalen Empfinden", über„völlige Berbürger» lichung" der mehrheitssozialistischen Partei. Schade nur, daß sie. mit jedem. Wort sich selber ins Gesicht gespuckt haben. In Leipzig, derjenigen Stadt, in der � der unabhängige Einfluß aus die Arbeitermasscn weitaus am größten sein dürfte, ist am 21. Juli nicht gestreikt worden. Die.Freiheft"' berichtet kleinlaut, daß Demonstrationen und Versammlungen unter freiem Himmel, verboten waren, und daß deshalb die Kundgebungen sich auf die Veranstaltung von 14 Abcndversammlungen � beschräutt hätten. Aber einen Generalstreik hätten sich die Leipziger.�. beiter doch sicher nicht verbieten lassen, wenn sie durchaus gewollt hätten, ganz abgesehen davon, dah er gar nicht härte verboten werden können. Die Leipziger Unabhängigen haben also genau dasselbe getan, weswegen die Berliner Mehrheitssozialisten von den Unabhängigen Verräter geschimpft werden; sie haben nicht gestreikt, sondern in A b e n d V e r s am m- lungen demonstriert. In München haben die Unabhängigen weder gestreikt noch demonstriert. Jhr� Organ„Der Kamps" hat sich in mehreren Artikeln sehr nachdrücklich gegen die„konfuse und wir- kungslose Aktion" gewendet. Der Humor der Sache ist, daß der „Kampf" sich dabei aus eine schriftliche Anweisung der u n r abhängigen Zentralleitung stützen konnte, die ebenso wie er selber die ganze Aktion für zwecklos erklärte. Die Verleugnung dieses Schreibens durch Die„Freiheit" haben wir Kreits gekennzeichnet. Jedenfalls steht fest, daß bis ganz dicin. vor Toresschluß und noch am entscheidenden Tage bei den Unab- hängigen selber ganz verschiedene Ansichten darüber. geherrscht, hahen.l wie man sich am 21. Iulr verhalten, sollte.,„ Jetzt, iiachdcm die Streikrichtung in'diesem Meimiugskamsft gesiegt hat, beschimpfen diese Leute jeden' als Prinzipienverräter, der derselben Ansicht gewesen ist wie ein g r o h e r T e i l ich r e r eigenen Parteigenossen. Das wagen Leute, die selbst bis zum letzten Augenblick nicht genau wußten, was sie wollten und deren Anhängerschaft in mindestens zwei.Haupt' orten der Parole der Zentralleitung— wir meinen jetzt. die spätere Parole— zuwidergehandelt hat. • Ein Arbeiter schreibt unS: Es drängt mich unter'dem Eindruck deS soeben Erlebten, Ihnen den Verlauf der von unserer Partei nach Kliems Festsälen ein- berufenen Versammlung zu berichten. Als mein Vater und ich um 4)4 Uhr vor dem Saal erschienen, wartete schon eine große Menge Erregter und voll leidenschaftlicher Wut Erfüllter auf Oeff- nung des Lokals. Schon aus den unflätigen Aeußerungen über unser« führenden Genossen, hauptsächlich Noske, gewannen wir so- fort die Ueberzeugung, daß die Massen von ihrer Leitung, der Ich bin ein wenig ermüdet durch die Eintönigkeit dieser Klageslitanei und sage nur:„Ja. da haben Sie ganz recht". Ich tröste ihn mit einigen Worten. Ich weiß, daß er seit einiger Zeit verheiratet ist, und ich sage:„Na, wenigstens in Ihrem Hausstand kann man Sic nicht anöden. Sie wissen doch wenigstens, wo Sie hingehören. Und dann nach all der Schweinerei kehren Sic nach Hause zurück. Ihre Frau er- wartot Sie. Sie sind glücklich--" Er aber;„Ich had' auch nicht mal Zeit dazu. Oder vielmehr Hab ich auch nicht mal mehr Kraft dazu.— Wissen Sic, abends wenn ich nach Haus komm, bin ich schon viel zu müde.— Und dann, na, Sie tvissen schon, dann bin ich auch schon viel zu müd. um mit ihr noch glücklich zu sein. Bis Mittag hoffe ich noch, doch am Abend bin ich wieder viel zu mürbe. Immer auf den Beinen und putzen elf Stunden lang! Und am Sonntag bin ich nun von den Wochentagen ganz und gar demoliert. Manchmal wasche ich mich nicht mal, wenn ich nach Hause komm. Dann bleibe ich einfach mit meinen dreckigen Tatzen sitzen. Und Sonntag, wenn ich dann abgewaschen bin, dann reibt einem jeder noch das Wort unter die Nas: ,Du siehst ja sehr gut aus. Marcassin'." Während ich diesen tragikomischen Bericht mitanhöre, erinnere ich mich wirklich an nianchc Festtage, da das Gesicht Petrolls ordentlich abgewaschen gewesen war. Er verzapft seinen Bericht, als wenn er ihn vor sich selber hinspräche. Er verlangt auch gar keine Antivort darauf. Gott sei Dank, denn ich würde ihm auch keine Antwort geben können. Er schiebt das Kinn in den grauen Kragenumschlag. der zu weit geschnitten'ist, und dann jährt er fort:„Sonst ist Charlotte ja sehr nett. Sie hält mich ordentlich in Ordnung, sie hält das Haus in Ordnung. Und zu Haus sorgt sie für die Lampe. Sorgfältig versteckt sie die Bibliotheksbücher vor mir, hat auch recht, denn ich mache sie ganz fettig, und meine Finger hinterlassen immer Spuren, wie sie die Verbrecher hinterlassen. Sie ist ganz netr, aber wie soll das nun auslaufen? Und wenn man erst drin ist im Treck, dann konimt man nicht mehr aus der IIn- gtückspatsche rauS." Eine Weile schweigt er. Dann will er den Schlußpunkt hinter alles setzen, was er gesagt hat. und was man überhaupt sagen kann Und er sügt hinzu:„Mein Vatvr ist mit 50 Iahren um die Ecke gegangen. Auch ich I werd' mit 50 Jahren um die Ecke gehen, vielleicht noch srüherl"(Fort,, solgu) tt. S. P. D., mrfgefordert seien, unsere Versammlung recht zahl- reich zu besuchen und zu sprengen. Mit welcher Strupel- und Gp» wissenlosigkeit die Herren Radausoziulisten operierten, dafür diente ihr Verlangen, das Bureau nur von ihren Leuten besetzen zu lassen, trotzdem die Versammlung von uns einberusen war. Eine Sekunde trat Kuhe ein, nachdem der Leiter unserem alten, im Dienst des Proletariats ergrauten Führer R. Fischer das Wort erteilt hatte. Kaum hatte er aber drei Worte geredet, als ein Höllenlärm los- brach, so dag man wirklich wähnen mußt«, unter die Wilden eines noch von jeglicher Kultur unberührten Erdteils verschlagen worden zu sein. Vier-, fünfmal versuchte unser Genosse gegen die hoch- gebende Brandung der fanatischen Wut der verhetzten Menge an- zukämpsen, vergeblich; dem Terror mußte er weichen. Alsdann bildeten sich überall vor dem Versammlungslokal erregte Gruppen, welche laute Verwünschungen gegen die Mehrheitssoziq- listen ausstießen und ihrer Verwunderung über die Genossen Aus- druck gaben, welche treu zur alten Partei stehen. Unter anderem wurde der Vorwurf des Verrats auch mit der Kompromißpolitik in Fragen der Religion und Schule begründet. Auf unser« Erwide- rung, daß doch dieses eben eine Folge der NegatwnSpolitik der U. S. P. D. wäre, wurde gcrmiwortet, sie könnten es ihren Ge- nassen auch nicht zumuten, den Kurren, welchen die Rechtssozialisten in den Treck gefahren, herauszuziehen. Erwähnt sei noch als Höhepunkt politischen Wissens, daß unser Genosse Ebert Schuld am Kriege habe. Darüber waren wir denn doch so sprachlos und gingen niedergedrückt ob solchen politischen Maulheldentums nach Hause. Zuvor wurden wir aber noch Zeuge von Edelmut und Herzensbildung eines U.-S.-P,-D.-Mann«s. Kam nämlich ein Break gefahren, auf dem saß ein l6— l7jähriges Mädchen mit einem großen Reisekorb. Der erwähnte Rowdy forderte das Mäd- chen m brutalem Ton aus, runterzusteigen. Als dieses ihn er» ftauut und hilflos ansah, schlug dieser MsnschhejtSapostel oder Zuhälter die Arme miteincm starken Spazier stock. Es ist tief bedauerlich, daß die Dvachensaat des Hasses und der Infamie, we'chc von den 11. S. P. D. sowohl wie von der K. P. D. gesät worven ist, so üppig ins Kraut gewachsen ist zum Heil« aller Volks- feinde! Diese traurige Tatsache wird eS auch bewirken, daß die Früchte der Revolution restlos beseitigt werden und als MessiaS >n nicht ferner Zeit sin Militärdiktatyr die Gewalt an sich reißt. Dann erst, wenn es zu spät ist. wird die große Mass« unserer Volks- , genossen erkennen, daß sie von fvivolen Demagogen gehörig einge- seist worden ist. r In Treptow war die Parole ausgegeben worden, geschlossen nach KI i eins zu gehen und die Versammlung füx sich auszu- ichlachten, damit das internationale Proletariat wissen soll, daß die U. S. P. die Herrschaft über di« gesamte Arbeiterschaft besitzt. ES war wieder bezeichnend, wi« die Einigung in der Partei der II. S. P. aussieht. Es wird wohl kaum noch einen Genossen geben, der nun noch ein einziges Wort für Einigung mit diesen Leuten verliert. Eher ist mit den wildesten, brutalsten Menschengestalten, welche noch in der Wildnis leben, Frieden und Einigung zu er- z-eien als mit dem«zielbewußten ll.S.P.-Mami". • Aus der Montagsversammluns im Spichernfaal schreibt uns ein alter Arbeiter: Rechts von mir zwei weibliche Wesen, Ende 20 bis Mitte 30 er Fahre, sehr gut gekleidet, Vinter mir ein s e h r gut gekleideter Herr im schwarzen Anzug, Mine 30, kam mir gar nicht so vor wie ein Arbeiter. Referent Lüdemann sängt an zu sprechen, gleich muß ich erstaunt meine Nachbarschaft betrachten. Lautes Schreien und Schimvfen. wie„der Lumv, der Verbrecher, der Mi>r- der, der Vertreter des Kapitalismus, holt ihn doch runter, den Verräter der Arbeiter, deZ PvoletariatS, Handgranate« müßte man gleich benützen, wie die Noskegarde". Fch konnte kein Wort ver- liehen, was der Referent sprach. Meine Bitte, doch sich ein bißchen iu mäßigen, damit ich was verstehen könnte, sie sollten doch, wenn üe anderer Meinung sind, sich in der Diskussion melden, ich wäre doch hierher gekommen, um zu hören, zu lernen und gegen die Der- gewaltigung durch den EntentekapitaliSmus zu protestieren, nun würde hier in der Versammlung selbst eine Vergswaltiguuo ver- ibt. Wenn man alle mit Ruhe anhöre, könnte man doch auch noch imlernen. Solche wüste Schimpfereien hätten doch keinen Wert, lireckten höchstens Indifferente noch ab nützten nichts. Desto nehr wurde geschimvft mit der Motivierung, sie konnten sich beim tnblick von solchem Verräter nicht beherrschen. Ein Herr sagte noch zu diesen Megären, wenn sie bald ruhig wären, bekämen sie ein vaar Pfannkuchen von ihm, auch die? nützte nichts, bis Rese- •tnt Lüdemarin den Saal verließ und viele mit ihm. Seit 3S Mähren habe ich mich in Versammlungen bewegt, in syzialdemo- ratischen wie auch anderer Richtungen, selbst antisemitischer Radau- irüder, auf dem Lande, wie in Berlin, im Rheinland bei den schwarzen, in London im Klub der Anarchisten, in der Schweiz, •rc doch alle extremen Elemente zu finden waren, aber solch wüste indauszenen und sinnlose Schimpfereien habe ich nicht mit- :n gehört, wie gestern in den Prachtsälen deL Westens. Ans welchen politisch oder gewerkschaftlich Organisierten bestehen denn wiche Element«: Die Arbeiter hatten eben gestern kein« Zert. die Säle vorher zu besetzen, da sie ja arbeiteten. Linksradikaler Streikterror. In der C. A. F. Kahlbaumschen Fabrik in Alt-Glienicke wurde die A�beiterousichußsitzung, die zum Streik am Montag Stellung nehmen sollte, von den Unabbängigen mit der Begrfindunz ab- geiagt, daß von Berlin noch kein Bescheid eingetroffen sei, ob ge- 'treikt werde oder nicht. Am Sonnabend abend wurde einfach am : Warzen Brett angeschlagen, daß am Montag Arbeitsrub? rrsche. Einer Abstimmung ist man woblweislich aus dem Lege gegangen, weil bei dein letzten Streik die überwältigende Mehr- gelt gegen ihn gestimmt hatte. Bei der Firma F. G. Ditlmann in Wittenau ließen die Links- radikalen bei der Abstimmung über den Sireik keine Diskussion zu und zerrissen die Liste der Mehrheilssozialisten, die sich gegen den Streik erklärt hatten. In der Betriebsversammlung de« Gaswerks H Thorlottenburq wurde die geiordem geheime Abstimmung verweigert und durch Handaufheben abgestimmt. Infolgedessen wurde der Streik beschlossen. Diele drei Fälle reden'hre Sprache für sich. Kaum«ine Zeile liest man in der.Freiheit", in der nicht gegen die Vergewaltigung der Arbeiterklasse von.oben" her getobt und geschrien wird. Und was tun die Herren Linksradikalen, wo i-i e die Macht haben? Sie dekretieren vom schwarzen Biett herab im altpreußiichen Kommißton:.Es wird gestreikt!" Wenn das die Freiheit de« Prolckaüat« ist, für die diese Leute zu kämpfen vorgeben, dann sollen sie sich nicht wundern, wenn sie sich bald zu Tod« gestreikt haben werden. « Zu den Borfälle» im Gewerkschaft«Hans haben sich un» bereit» Zeugen zur Verfügung gestellt, daß der von den Bierglaspolitiker« beschuldigte Postbeamte nicht geschossen hat. „Freie Diskussion l" In den Berliner Versammlungen haben die Unabhängigen nicht mir frei« Diskussion, sondern auch Bureau- wähl usw. gefordert. In W i l d a u bei Königswusterhausen wurde in der Versammlung der Unabhängigen»nsexen Genossen" da? Wort verweigert', obwohl ans der Bersammlungsankündigung extra vermerkt war:.Freie Diskussion" Auch«in Priusipl GroßSerün Bis einschließlich 26. Jnli findet die juristische Sprech- stunde von 3 bis 5 Uhr statt. Schlichung der Mugzeugwerke Adlershof. Wie W. T, B. erfährt, wird der gesamte bisherige Betrieb der Flugzeugmeisterei Adsershof auf Grund der Fnedensvertragsbe, stimmunqen in allernächster Zeit geschlossen werden. Die Kündigung' dex dort beschäftigten 4800 Mann steht unmittelbar bevor. Es handelt sich bei AtzlerShsf um re-ine Kriegsanlqgcn. meist auf ge- pachtetem Gelände, die laut Pachtvertrag wieder abgebrochen wer- den müssen. Ein Teil der gekündigten Angestellten und Arbeiter wind wie- der eingestellt werden können, sobald die ganz« Anlage aus dem Ressort des bisher zuständigen KriegSminlsteriums von der für die noch verbleibenden Berivertungs- und Abbauausgaben zu- ständigen Zivilvecwaltung übernommen ist. was baldigst geschehen dürfte. Auch sonst ist für die Arbeiter und Angestellten nach Möglich- ke:t gesorgt wordn. So sollen sie bis zum Ablauf der KündignngS» fr ist bei vollem Lohn beurlaubt werden. Di« Arbeiter, welche sich sosovt einer anderen Beschäftigung zuwenden, solle« außerdem über die vertragsmäßige Frist hinaus für eine Woche Lohn und andere Vergünstigungen zwecks Erleichterung des Uebergangcs in sine neue Tätigkeit erhalten. B)as wird aus de» Schlösser»? Di« Arbeiten der Kommission für die Abwicklung der Hohen- zollernschen PerlgssenschgstSangelegenheit Huden ergeben, daß die alten Schlösser in den alten Provinzen ohne besondere Entschädi- gung übernommen werden sollen. Es werden außer dem Berliner Stadtschloß und dem Kronprinzenpalais auch Schloß Monbijou, das Tharlotteniburger Schloß, das Prinzessinnen-Palais, ferner das Stadtschloß i» Potsdam, das Marmorpalais sowie aller Boraus- ficht nach das Neue Balais in staatlichen Besitz übergeben. Es oer- bleiben der Familie Hohenzollern dagegen Schloß Bellevu«, das Palais Wilhelms I., das Palais August Wilhelms, das an da? Reich vermietet ist, das Hausministerium und Dienstwohnhäuser. in Potsdam Schloß BabelKberg. Auch die großen Zuerwerbungen der Krone bei Eharlottenburg, Sanssouci und anderen Schlössern, die im engen wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem alten Be- stände stehen, werden Staatseigentum, wofür nur teilweise Ersatz geleistet werden soll. Zum Teil geht recht wertvolles Bauland lz. B. bei Eharlottenhaf) in den Staatsbesitz über, i« Potsdam auch der Neue Garten, wäbrend Cäcilienhof als Wohnsitz tür die kronprinzliche Familie bestimmt werden soll. Die Schlösser im Rheinland und in den neuen Provinzen toaren der Krone vom Staate nur zur Benutzung übergeben. Die Güter Rominten und Cadineg verbleiben ebenso Wte das eigentliche Privatvermögen der Familie. Von dem großen Kunstbesitz der Kryne soll ein sehr wertvolle« Teil an den Staat übergehen, und zwar teils als Eigen- tum. teils als Leihgabe. Die Kunstschätze, di« die Krone den Museen überwies und die in Staatseigentum übergehen sollen, werden auf ca. 26 Millionen geschätzt. Die Bewegung in den Bersorgungsämter». Da die Verhandlungen bisher zu einem endgültigen Resultat nicht geführt haben, wird für heute nachmittag 4 Uhr ein« Versammlung im Nationalhof. Bülowstraße, einberufen. Alle AuS- ständigen werden im Interesse der Aufklärung aufgefordert, dort zu erscheinen. Wenn in der„Freiheit" schon Bericht« über Personal- entlassungen erschienen sind, so ist das ein Schwindel einiger Leute, die einem kommunistischen Bund von Kriegsteilnehmern angehören. — Weiter wird uns geschrieben: Die Behauptung, daß die Auge» stellten seinerzeit die Arbeit niederlegten, um Lohnforderungen durchzusetzen, entspricht nicht den Tatsachen. Die Arbeit wurde niedergelegt, weil der Gelöbnisschein der Reichswehr unterschrieben werden sollte, andernfalls sofortige Entlassung erfolgen würde, somit werden all«, die den Gelöbnisschein nicht unterzeichnen wall- den, gezwungen, die Arbeit einzustellen. E« handelte sich um 290 Angestellt«, die böswilliger weis? als„Streikende" bezeichnet wurden. Daß eine Behörde, bei der die Hälfte des Personal« aus- tritt, de«„Betrieb im vollen Umfange aufrechterhalten" kann, ist eine fix« Idee der Landwehrinspektion, die sie in einer Mitteilung an die Presse zum Ausdruck brachte. Die weiterarbeitende Hälfte des Personals bestand aus Kapitulanten und Leuten, di« den Ge- löbnisschein unterschrieben hatten, also bei einer Arbeitseinstellung fegen die militärischen Strafgesetze verstoßen hätten; der letzte lrick der Abteilungsleiter, die Angestellten zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen, bestand darin, nach erfolgter Entlassung einem Teil der Angestellten mitzuteilen, daß sie wiedereingestellt werde« könnten unter der Bedingung, daß der Gelöbnisschein unterschrieben wird Also gerade d t e Bedingung, die die Arbeits. «instellung veranlaßte. Es ist bemerkenswert, w>« dieser alte Unternehmertrick sofort von Behörden gesunden und angewandt wurde!_ Erhöht die Slrmeuunterstüvnng l Im Anschluß an unsere Notiz über die Notlage der Altpensio« näre wird uns mitgeteilt, daß der Magistrat Berlin an eine Frau noch 32 R. monailich Armenunterstützung zahlt. Damit die Frau nicht verhungert, hat sich ein Parteigenosse gefunden, der der Frau täglich Mittagessen verabfolgt. Hoffentlich gsnügt die Mitteituirg dieses Einzelfalles, um die Gemeinde zu veranlassen, allgemein ein« mal nachzuprüfen, inwieweit die Unterstützung erhöht weüden müsse, denn die Unterstützungen sind durchweg sehr niedrig. Zur Aufregung über die schwarz-weiß-roten Fahne« wird hei de« Siesten, die sie gehißt haben, bemerkt, daß man noch kein« schworz-rot-gvlden habe und daß die Verfassung, di« die neuen Reichstarben schafft, auch noch nicht von der Nationalversammlung verabschiedet und mit Gesetzeskraft umkleidet ist. Das ist rtchtig. und man sollte es bedenken- Andererseits ist zu berücksichtigen. daß schwarz-weiß-rot heute als reaktionäre Demonstration und auf- regend wirkt. Vollzugsrat S. P. D., Liudenstr. 114, Telephon: Moritz. platz 9657. Abermalige Aufhebung Groß-Berliner Spielklubs. In den letzten Tagen ist die Groß-Berliner Kriminalpolizei außerordentlich energisch gegen die trotz des allgemeinen Verbots des Oberkomman- dos florierenden Spielklirbs eingeschritten. In Schöneberg, Wik- merSdorf, Friedenau und im„wilden" Weiten fanden umfangreiche Razzien statt, die mft der Schließung von sieben sogenannten .Wilden Spielklub»" endigten. Es wurde eine größere Anzahl Spieler dabei verhaftet, denen, ebenso wie den Unternehmern- wegen unerlaubten Spieles der Prozeß gemacht werden wird. Die Satfchädlgung der Straßenbahnabonnente« für di» Streik» tage wird in folgender Zuschrift beleuchtet. Die Sätze sind durch» weg zum Vorteile der Groß-Berliner Straßenbahn berechnet. Bei- spiel: MonatSkarienpreis für alle Linien 3S M., ergibt pro Tag fbez 31 Tagen) 1,126 M.; gestreikt wurde volle 14 Tage, folglich hat« sie 14 mal 1.126 M.. gleich 16,80 M. zu vergütsn; sie vergütet aber nur 16 M.. Mo 0.30 M. zu wenig. Di« Differenz beträgt bei einem Abimnemeni für 4 Linien Sy Pfg., für 3 Linien 25 Bfg-, für L Linien 35 Pfg., für 1 Linie 45 Pfg. Am 1». Juki wurde die Arbeit erst mittags aufgenommen, sodaß auch dieser Tag als 14 Tag vergüter werden muh. Da nun am 21. Juli die Straßenbahn wieder ein» mal ruhte, hat die Direktion an die Inhaber die Beträge für l5>t .Tage zu«Trgiitod da« ist genau di« Hälfte der Kost« bei Juli- abonnemenis. Weshakb sollen die Inhaber der Monatskarten, dte doch durch die Benutzung der wilden Fuhrwerk« genügend Unkosten gehabt haben, auch noch durch die Berechnung der Direktion Schäden erleiden? Hoffentlich entschließt sich die?/rektion dazu, ihre Ver- gütungssätze zu erhöhen. Allen Abonnenten ist zu empfehlen, auf Rückzahlung der vollen Hälfte des Abonnementsbetrages zu dringen. Fernsprechamt Humboldt. Das neue Fernsprechverzeichnis ist erschienen und wird den Teilnehmern zugestellt. Die neue Ver- mitLungsanstalt.Humboldt", EberSwalder Straß« 6—3, umfaßt eine größere Anzahl von bisher beim Amt Norden betriebenen Spvechstellen, und ztvar namentlich Anschlüsse, di« nördlich des Straßenzuges Schulzendorter-, Acker», Invaliden-, Boteranen-, Fehr- bslliner und Saarbrück« Straße liegen Bei dieser Umgruppierung sind auch viel« Anschlußnummern geändert worden. Die Jnbekviev- nahm« des neuorrichteten Amtes„Humboldt" wird noch bekannte-* geben werden. Schwerer Naubüberfall. 566 M. Belohnung. Em schwerer Naubüherfall wurde am Sonntag nachmittag in der Greifenhagenec Straße 34 verübt. Der Schankwirt Müller hatte während semcc Abwesenheit eine ihm bekannte Dame mit seiner Vertretung be- auftragt. Auf diese hatten eS die Räubcc abgesehen. ES erschienen kurz nacheinander drei Männer in dem Lokals die an yerschiedencii Tischen Platz nahmen. Dann bot der ein«, telephonieren zu dürfen und begab sich zu diesem Zweck nach dem Flur. Balv darauf rief er hie Frau und sagt«, daß ex mit dem Fernsprecher nicht zurecht komme. Als diese nun ahnungslos den Flur betrat. kam der zwyite Gast ihr nach, drängte sie in«ine Ecke, würgte und knebelte sie. so dqß sie keinen Laut von sich geben konnte. Unterdessen durchsucht« der erste Räuber daS Schlafzimmer und fanv dort«ine Kassette mit 6000 M. Damit verließen die Banditen'die Echan kwivtschaft. Auf ihr« Ergreifung sind nunmehr 500 M. Be- lohnung ausgesetzt. Einbruch beim Genosse« LundSberg. Die Berliner Wohnung des früheren Ministers Landsberg am Südwestterfo 71 zu Friedenau wurde wäbrend seiner Abwesenheit von Einbrechern heimgesucht. Sie stahlen ihm seine Kleidungsstücke, darunter auch einen Pelz. Von den Tätern und der Beute fehlt noch jede Spur. «Wohl brkomms!" Einbrecher drangen in die Loichenkammer eines hiesigen Krankenhauses und stahlen dort einen größeren Bc. hälter mit absolutem Alkohol, der in der anatomischen Abteilung zum Abwaschen der Leichen benutzt wurde. Der teur« Alkohol wurv� seines hohen Preises wegen nicht immer erneuert, sondern, wenn eine Leiche abgewaschen worden war, wieder herwendet. Die Ein- b recher wollen ihn wahrscheinlich zur Bereitung von Kognak oder Likören verkaufen. Gastwirte werden deshalb vor Anbaut von Alkohol, dessen Herkunft nicht emwandsfrei frftftcht, gewarnt. Schülerröte und tugendliche Betriebsvertrauensleute. H-ute Vollveriammlung. abends 7 Uhr, im Jugendheim, Llndenftr. S, I. Hos l. 3 Tr. Wichtige Tagesordnung. Au» der Gefangenschaft zurückkehrend« Semtngrtften, die in Berlin beheimatet find, können AuSkunjt über Unterbringung in besonderen Kurien durch die ReichSauslunslsfielle Ilic Kriegsseminansle» nnd Jung» lehrer erhalten. Schreiben an den Leiter Adolf Koch, Berlin, Hoocl, berger Str. 2ö III, Sprtchzett! Wocheniags(au«er Mittwochs) Ilü-ll Uhr. Der Deutsche«riegsfiedlerbund e. B.. Rathenow a. H., Frtefacker Diiafi» S.«rfucht uns, auf sein« Tätigkeit hinzuweisen. Wir folgen dem Ersuchen, ohne damit«ine Verantwortung übernehmen zu tonnen. /Mindeil, jahrcsbeitrag 10 M. bei freiem Bezug der Bulideszeüichuji.Der Klein. fiedler", Körperfchasteu 80 M.) Krie gsbeschödigte und Kriegshinterbliebene, vefterreichcr und Ungarn. Bersamuilung mor gen Donneittag Aula D>e»dei>er Str. 113, Ecke Luckouer«trage. Mitgtie dslorle des Reichsbundc« legitimiert. Aus- nähme« am Saaletngang. Vin Saldatenfp»rtfeft findet Sonntag, den 8. Aupukt, auf dem Spmlvlah der Militärt urnanslait in Wünsdors statt. Beben teichlathletische« Welltämpfen werden Echulübungen im Fechten, Ringen, Boxen,inmastit und Jiu-Jitsu vorgesührt. Alt-Glientcke. In der AlorHenauSgabc des„Vorwärts" vom. 14. Juli erschien ein Bericht ubpr dre Gemeindevertre- tun«, in dem gesagt wurde, daß der beim Lebens- und Futter- miftclamt angestellte Herr Apel vom Gemeindevorstand zu«nt- lassen sei, well er bei der Gemeinde Oberschäneweide Lebensmittel gegen Provision verschoben habe. Dieser Beschluß wurde, wie wir jetzt erfahren, nicht gefaßt. Die ll.S.P.D.-Fraktion hatte einen derartigen Antrag gestellt, ohne tatsächliches DeweiSmaterial anzu- führen. Taraufhin beschloß die Gemeindevertretung, daß der Gc» meindevnrstand den von der U.S.P.D. gestellten Antrag auf seine Berechtigung hin untersuchen und in der nächsten Gemeindever- tretersitzung Bericht darüber erstatten soll. Mit per Zustimmung zu der Untersuchung durch den Gemeindevorstand wollte die Frak- Hon keineswegs dokumeritieren. daß sie von der Schuld ApelS auch nur entfernt überzeugt ist, sondern daß sie sich verpflichtet fühlt. einen amtlichen Beweis Von der«ckuldlofigkeit de« Beamten her. beizuführsn, um unbegründeten Angriffen auch gegen sich selbst die Spitze abbrechen zu können. Karlshorst: Di«.VorwärtS",Sp«bition befindet sich jetzt bei Frau Stanke, Hentingstr. 82, v. ptr. Groh-Berliner Lebensmittel. Lichterfelde. Die Miltelnücke der Jull-Milchkarte« AI, Ä IT. B I. B II. CI und CII find für spätere Ausgehen qusznbeivgbren.— Mais, Wehl für Konditoren, Bäcker. Krankenhäuser und Kastwirte. Porbestellungen bis zum Ly. d. Mls. NahrmtgSmtlletstelle, Rathaus, Zimmer 101. Groß-öerliner parteinachrichten. S. Abt. Zadlabenb heute'IJi Uhr in den bekannten Lokalen. Berlin. IS.«btlg. Heule 7'/, Uhr im Hchulsaal, Wranzelstr. 138: Abteilungsversommlung. Res.; Gen. W u s ch i ck. 42. Slbteilung. Adteitungsversammlung heut« 7'/, Uhr sei Sturm. Tpreiigetstr. 10. Tagesordnung: Vortrag des Gen. P a t t l o ch. Er- gänziingswahien zur AbteilongSIeitung. Verschiedenes. Sozialdemotrarilch« Bereinigung der Beamten,«ngesiellte» und Hilfskrafir der Gemeindelirbördcu Grast- Berlins. Freitag, abends 7 Uhr, in der Aula des Kölnischen Gymnasiums. Insel» strssze 1! 1. Seamke und ihre Stellung zur Stadlgemeinbe Grog-Betlin, Referent i S'sdtfetretär Broock. 3. Disknision. 8. Verschiedenes(Ausgabe von Mitgliedertarlen). Um pünktliches Erscheinen wird gebeteu. Postdromten-SSerbeausfchust. Morgen DonneiStag, abends S Ubr, in der Aula, Weinmeisterslr. 17/13: Vertrauensmäniierversammlung. Eiichemen von Vertretern aller Aemter u n b e d t n g t erforderlich. Mitgliedsbuch mitbringen 1 Rroeiisgemeinschakt sozialdemokratischer Lehrer und Lehre, rinnen, Ortsgruppe Berlin. Sonnabend, den 2«. Juli, 4 Ubr, im Jugendbelm, Lipdenftr. Z; Sitzung. Genosse Dr. Kawerau: DaS Schul- kompiomist. Sioientbal-Nordend. Morgin Donnerstag, abend» S Uhr, im Lokal von Frl. Barth: Sitzung der Funktionäre. Korlshorst. Heule Mittwoch, abends 8 Uhr: Mitgliederver- i a m m l u n g im„Bürge rbeim-. Tre«kow-«llee 88. Vortrag dcS gem-indeoertreter« Gen. Spliedt über: G'iamtgemtind« Groß-Beriin. Bericht des kommunalen Arbeiterrate». Allgemeine Aussprache. öriefkaften der Neüaktion. Bcrgnügungöonzeige« von Gewcrkschafte» könne» i» redai- Honetten»eil uicht gebracht werde». H. 122. 1. Lwdeustr. 114; ja. S. Kritgsminifterium. WetterauSsichtsn ffir daS mittlere Siorddeutfchlond bis Donnerstag nachmittag: Ziemlich kühl, zunächst überwitgeud bewötkt und im Nord-», besonders an der Küste, olelfach starke, im Sllden meist gering« lliegensölle bei ziemlich lebhafte««xitiichen und«arbwestilchen Winde»; jpäter im Westen beginnende neue Aiijheiterung. Volksbühne Theater air. BCjlowplau. Tägiiph s Uhr; Der heilige Florian. Deutsches Theater. W, Uhr: Auch Ich war ein Jüngling... (Schwank). Kamm erspiele. Allabendlich 8 Uhr: leopäldine Konstantin in Das weih u. der Hampelmann. Theater des Westens Allabendlich T/j Uhr Wia Werber und Hans Wass- mann in Die Geisha. 7>/,U. Theater i. d. KJniggrStzerStraSe VjS Uhr Der Häuptling. KomSdlenhaas Gastspie! von Lucio iiofücb d: Liselott von der Pfalz. Berliner Theater lizi Uhr: Die tolle Komteaa. Ccntrai-TUoater KommandantenstraUe 57. ui?r Die SCi'iönste von Allen. FFiedr.-WUiieltast. Tiieater VS'Kiqz Kleines Theater. TU Uhr; Unterm Baume der Erkenntnis Komische Oper (U- Sdiwarzwalilinädel Luntspielhans 7»/, uhn So ein Mädel. Metropol-Theater. 7 uhr 20. Die Fasctiingslee. Xcncs Operetten haas. 7v.u.:DlBÜ«nefoinMiis. Palast-Theater 7'/, uhr iWeinesde Erben. Oper. v. R. Dantiger. Schlller-Thcat. Charl T/jUhr: Alt-Helileiherg. Thalln-Thcater Thu.JnnilerSöriuensebein Th. am\uUendorrplntE J1,'.: Der Schauspieldirekior. Die Verlobung bei der Laterne. 7'/, unr: Die Pappe. Theater d, Friedrltliaiadl 8 Uhr: So eine Frechheit. Versicherung gegen Einbruch. Ein Polterabend. Wallner-Tlicntcr 7V. Uhr: ßSS öeSCtZ. -Theater. Untergrundb. Ausgang Stralauer Str. KlosterstraBe, g Stralauer Straße. Täglich 8 Uhr. Zum 103. Male iicre .Schausoiei von Sudermann Regie: Alfred Rotter. TriaitoB-Theater. ilni.Priedrichttr.Ztr. 4027231: 7agI.S U Heute z. 318 Malt Oergntejlnf von Hermann Sudermann. Sonntag 4 Uhr: Johann isteaer. Walhalla-Theater. V/z IJhr: Die Fran des BelmtMteii Rose-Theater. Täglich l'l, Uhr; 0 schone Zeit, o selige Zeit Vi, Uhr OaitenbOhne: Das sieht eich jeder an. Vorher Konzert u. Spetialität. Luisen-Theater. i'�VEWssrAielilievell Sonntag 3 Uhr: Ein WiÄlckkMälmster Täglich abends VU; Benn gidüen liebe«. Sational-Theater 8Unr Stürm Erfolg 8 Uhr W«eNg«». APOLLO Friedrichttrate 21« 1 Dir.; James Klein( 73/ Sonntag 73/ I / 4.T'/j und i/ i, lNur � TaKe! lZuoch V Qastsplei J der Gesellschaft Anton mit der neuesten Sehlager-Burleske Nur nicht {sebießenj J Vorh. Spezialitäten; I l-ionnt.JVjia.Erwachsl 1 Kind irei! Bertinsr prater ftctianirnaUee 7/9- VzUJeBtBnsfiumiellalirL (&». Operetten-Posse in 3 Akten. ttÄ Ball. Sanetd Anianq 4»/, Uhr Üft Itter- Galten Täglich 7'/, Uhr: Variete-Spielplan . Rauchen gestattet t „ LesslRR-Xheater Sommersptelz: H, Sternberg. Gastspiel Guido Thielscher; 8 Uhr: Charley» Tagte. DeutBCheH Kdnatler- Theater. Allabendlich 8 Uhr: Max Adalbert in: Die Rutschbahn. Voigt-Theater SabfttOB« SS. Vi, UHri m ZSM-Wfli. Varhtr: Variete-Vorstellung. Eröffnung 3 Uhr, Aufans 5 Uhr. Je». Miliw., Sbd.,ScnnL: BoU. Direktion Siegbert Golcschmidl gurfürsfendamm ZZö l/OtiStof Tag! Der VoUeld der Ukraine 6 Akte, verfaßt und ins zenlert von Martin Uerger Hauptdarsteller: Atiniirals-Palast. Stttematiott. Ringkämpfe um den Preis der 1 Deutschen Republik.| Anfsn«« uhj. U mir äYsTKi uo. Wenn Freunde zu t Rivalen werden, t [)pr Wp'berfeind. EtabliMHement Kofftiäuser Zlleber-Schönewelv«, Btrliner EtraHe 91, direkt au b. Oberfpree gelegen. 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Dieser historische Beriebt ist ins Deutsche übersetzt wordou, mit ßiuem Vorwort über Pontius'Pilatus neubearbeitet von JPerd. ßchmid«. Kein X>4ink?,nd*»r■pird dftl Tferk unbefriedigt aus der Hand lagen. Preis|.50| flcUön W» gebunden hl» S|Sp, Kaebnahme 80 Pf« mehr. Biicharkauiog fratis* Uad Gwcser Bücherkaulog gratis durch: Albreofit Donath. Verlas, Leipzig 42. Ball intim Jeden Sonntag ab 4 Uht loöer�MaÄi Anerkannt varzOglKOcha Ciinte Wellie H. Kaifee/ Zivil» Frei»» Wiener Schrammein Dietrich Pap! Werner. Gemütlicher Aufenthalt. f Eintritt frei I Sie rauchen zu vlell „Rauchertrost" i• Tabletten fg. gesch.i ermögl., das Rauchen ganz od teltw einzustehen! Unschädlich! 1 Schachtel M. 2, t frei S Schachteln M. 10/ Nachn. Vers. Uaiua, Hamburg ZSE 174. J Ä Ardeltwerke, im Eberswalde bei Berlin Femspr. 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Gegen Deponierung dieser Summe kann bei der Filiale tu Tempelhof eine Legitimationskarlc gelöst werden, welche zum Zutritt zu beiden Geländen berechtigt. Die Bictetautionskarte der vorigen Versteigerung ist nicht gültig, dieselbe muß neu gelöst werden. Kriegsanleihe wird nur in Zahlung genommen, wenn Käufer durch Vorlage feines Zuteilungsfchetnes nachweist, daß er die Kriegsanleihe selbst gezeichnet hat. Berlin-Tempelhof, den 22. Juli 1919. 437D Reichsverwertungsamt. verkaufsabteiluug für Ankomobilwesen(„vaubll"). Danskurren, Wu», sertonnen, Jauchekarren liefert ab Lager 140L* G. Wagner, CopeniMr Strafte 71 .Golfs Hof* (kein Ladengeschäft). Dnektütirn»;; gründliche Unterweiiunq. F. Simon, Berlin W 35, Magdeburger Straße 24. Verlangen Sie gratis Probebrief. N* i»♦♦♦♦♦♦»»♦»»♦♦! > Hygienische P "i® Gummiwaren"l3 für Männer u. Frauen. Sauger, SpAapparate, Schlauä)-, Leib- bind., Bruchbandagen, Damen- binden, Verbandstoffe, elastische Sioffe. Preisliste durch Karlftr. 19. 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