Itr.3rr.36.lnto. vezsgSprei» t BierteltShrl. 9r- 9)11« monatl. t,— Bt frei ins Saus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich Sr- Ml. eglLgu* fiellungsgebühr. Umer Kreuzbaub für Deutschland und Oesterreich- Unzaru KLö Ml. für da» übrig« Ausland ld 2ö Ml., bei täglich einmal. Zustellung 8Lä Ml. Poslbestellungw nehmen an Dänemarl, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeinrngs-Preisliste. Der.BonwSris" mit der Sonntag«- deiloz««Volk u. got* erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag» einmal. Morgen Ansgabe. Telegramm-Adresi«: «Sozialveiuokrot Setlln". Verlinev VolKsblstt. ( 15 Pfennig) S-zeigenvret» t Die achtgespalten» Aonpareillezeil» lostet 1.20 Ml»aiein« Ilnzaigen-, da» lettgedruckte Wort S0 Psg. szulässtg 2 fettgedruckte Worte), jede« weiter» Wort 26 Psg Stellengesuche und Schlafstellenanzetgen das erst» Wort <0 Pfg. t>de» weiter« Wort ZN Psg. Wort» llber 16 Luchstaben zählen Hit zwei Worte. Teuerungszuschlag 50°/» Familien- Anzeigen, politische und. gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen H20 Ml die gell«. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmiitag» im Hauptgeschäft, Berlin 6W 68, Linden strahe 3, abgegeben «erden. Seösfnet von 9 Uhr früh bis S Uhr abend», Zentralorgan der roztaldcmofcratirchen Partei Daitfcblands. NeSaMon und Cxpeüitton: GW. öS, Linöenstr. Z. Zhernsprecher: Amt Morittplatf, Nr. TalilO— 15197. Sonnabend, den 26. Jnli 1919. vorwärts-verlag G.m.b. H., EW. öS, LinSeostr. Z. Fernsprecher: Amt Moriiipla«, Nr. 117 33— 54. "v- Entlarvung der /lllöeutsthen! der Konflikt in öen Siemens- werken. Dir Berhandlungen, die gestern nachmittag im Rcichsarbeits- Ministerium stattfanden, haben noch nicht zu einer Beilegung des Konflikts geführt. Die Bertreter der Parteien verständigten sich dahin, das) der Streitfall vor dem Schlich tungsausschuß Grotz-Berlin zum Austrag gebracht werden soll. Die Verhandlungen des Schlichtungsausschuss-s begannen heute vormittag 1» Nbr im Vorsighause. Zurzeit ruht der Betrieb in allen Werken des Siemcnskonzerns vollständig. Tic Arbeiter haben die Entlassungen mit dem all» gemeinen Streik beantwortet. Infolgedessen befinden sich mehr als 30900 Arbeiter und Arbeiterinnen im Ausstand. Die in bürgerlichen Blättern ausgesorochenc Befürchtung, der Streik könne sich auf die gesamte Berliner Metallindustrsie aus- dehnen, ist grundlos. Tie Arbeiter haben keine Veranlassung, dem Ausstand ein: weitere Ausdehnung zu geben. Daß sie zu einer Verstöndigung bereit sind, zeigt ja ihre Beteiligung an den Ber- Handlungen. Mt der Lohnbewegung in der Metallindustrie, für welche die Verständigungsmöglichkeiten»och nicht erschöpft sind, steht der Konflikt bei Siemen? in keinem Zusammenhang. Hoffentlich wird der Ausstand in den Siemenswerkeu durch die heutigen Verhandlungen beigelegt werden. ES wäre ja unge- henerlich, wenn ein so unbedeutender Vorgang wie das Abreisten von Plakaten zu einem ausgedehnten Kampf von den schwer� wiegendsten Folgen führen sollte. Es mar kein Nuger Einfall, dast die Betriebsleitung einen Unfug, für den eine kleine Ordnungsstrafe vielleicht angebracht gewesen wäre, mit der Entlassung von 40 Arbeitern beantwortete, die dann den Ausstand von 30 000»ach sich zog. Hier muß ein Weg zur Verständigung gefunden werden. » In vorgerückter Nachtstunde erfahren wir noch, daß am Freitag nur mittags zwischen 11 und 1 Uhr im Reichsarbeitsamt verhandelt worden ist. Ohne Ergebnis. Tie Verhandlungen werden vor dem SchlichtuugsauS. schuh am Sonnabend vormittag 9 Uhr fortgesetzt. « Schieüsspruch im Schmieüestreik. Zur Beilegitiig des Schmiedcstreiks fand am gestrigen Freitag vor dem Schlichtlingsausschuß unter Borsiy eines Vertreters des DemobilmachungökommissarS eine Verhandlung statt. Es wurde ein Schiedsspruch gefällt und den Parteien aufgegeben, sich bis Dienstag mittag 12 Uhr über seine Annahme zu entscheiden. Es darf die Hoffnung ausgesprochen werden, daß damit der Schmicdestrcik fem Ende findet. Lohnbewegung öer Metallarbeiter. Wegen der allgemeine» Regelung der Lohn« und ArbeitSverhält- nisse in der Berliner Metallindustrie fanden am gestrigen Freitag gleichzeitig paritätische Verhandlungen zwischen dem Verband Berliner Metallindustrieller und dem Deutschen Metallarbeiter- Verband statt, die bisher jedoch zu einer Einigung nicht geführt haben. Die Arbeit- nchuicr beabsichtigen nunmehr daS Reichsarbeitöministerium zwecks Vermittlung anzurufen._ Elektrhitätsarbeiter in Gberjchleflen ausständig. Kattowili, 25. Juli. Die Arbeiter der beiden oberfchlefifchen Licktwerle C h o r z o w und Z a b o r haben beschlossen, heule lFreitags in den Äusstand zu treten. Sie fordern 10 Prozent Lohnerhöhung. Wiedereinstellung von ent« las jenen Arbeitern, Absetzung des Direktors Pilger, sofortige Bewilligung eines Kohlen« deputates und Wohnungsgeld. Birkungen ües englischen Bergarbeiter- streiks. Einschränkung des englischen Eisenbahnverkehrs. w'.°US London gemeldet wird, muß von Montag an der Eisenbahnverkehr i» England erheblich eingeschränkt werden, um �"c." �"gleich für den Ausfall der Kohlenförderung zu schaffen. Glelchze,t,g wird bekanntgegeben, daß vom 1. August ab Hausbrand- �"ur in halben Rationen abgegeben wird. � wird durch den Streik auf das empfiuid- lichiie ff�iahtnt. �nfolge ber Kohlenknapphcit können in verschiedenen �glischcn«.adten kvinL Straßenbahnen mehr verkehren, die Straßenbeleuchtung mußte glechfalls eingeschränkt werden. Die englizche Cif n- med ivtahlinduftrn« wird auf das schwerste geschä- JnsKeiamt tetern bereits 50 000 Arbeiter, deren Betriede in« folge Kohleamangel» ichteßeg jmchtea»(ygj) Staatssekretär Gtto Sauer vor Sem Rücktritt. Wien, 25. Juli.(Eigener Drahtbcricht des„Bor- wärts".) Tie Politik des Staatssekretärs für Auswärtiges, des Genossen Dr. Otto Bauer, war darauf gerichtet, mit Italien als unserem mächtigsten Nachbar in ein gutes Per- hältnis zu treten. Er hat danach getrachtet, eine Lösung für Sie Frage Deutsch- Süötirol zu finden, welche dieses Land militärisch zwar Italien über- läßt, das daraus bestand, es aber politisch und wirtschaftlich bei Teutschöstcrreich läßt. Er wollte in diesem Sinne auch ein Mittler zwischen Italien und Deutschlanö sein. Nun hat vor einiger Zeit der Chef der italienischen Mission in Wien, Prinz B o r g h e s e, erklärt, daß Italien auf diesen Plan, der ihm nicht die volle Souveränität in Deutsch- Südtirol gibt, sich nicht einlassen könne.... Der zweite Grund für den Nückttitt Bauers ist das Mißtrauen üer Franzosen gegen ihn, das sie einmal wegen seines Eintretens für den Anschluß Teutschöstcrrcichs an Teutschland hegen, dann aber auch, weil sie ihn bolschewistischer Ideen verdächtigen. Dieses französische Mißtrauen wird auch durch die Erwägung nicht beseitigt, daß Otto Bauer während des Krieges so wie wenige die imperialtsttschrn Tendenzen bei den Mittelmächten auf das schärfste bekämpft hat. Bauer hatte schon vor längerer Zeit dem Staatskanzler Genossen Dr. Renner mitgeteilt, daß er aus diesem Grunde zurücktreten wolle, der Staatskanzler hatte aber die Entschei- dnng bis zu einer persönlichen Unterredung verschoben. Bei der Besprechung in Feldkirch in Vorarlberg, die nach der Ueberreichung des Erwürgungssriedens von St. Germain stattfand, scheint öer Staatskanzler zugestimmt zu haben, sadaß das Scheiden Bauers vom Staatsamt des Auswärtige» höchst wahrscheinlich ist. Er leitet daneben auch die Sozialisicrungskommission. * In der heutigen Sitzung des Hauptausschusses der österreichischen Nationalversammlung wurde vom Präsi- denten Seitz Mitteilung vom Rücktritt Bauers gemacht, der danach schon vollzogen ist. Der Nationalversammlung soll vorgeschlagen werden, den Staatskanzler Neuner mit der Leitung des Auswärtigen zu bettaue». Die französische Zinanzlege. Sechsmilliardenanleihe? Aus der gestrigen Sitzung der französischen Kammer, in der der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wurde, ist zu berichten: Scharfe Angriffe richteten die Abgeordneten B e d o u c e und L e f s v r e gegen das Finanzgebaren des Ministeriums. Bcdouce erklärte, der Krieg habe Frankreich 300 Milliarden gekostet; dazu kämen bis Ende 1919 89 Milliarden konsolidierte Schuld, 74 Milliarden schwebende Schuld und 30 Milliarden ausländische Verpflichtungen. Unter diesen Umständen berechne er das Minimum des zukünfttgen jährlichen französischen Budgets auf 25 Milliarden. Trotz der verschiedenen Steucrpläne blieben noch 10 Milliarden un- gedeckt. Lefövre vertrat die Ansicht, daß eine Anleihe von fünf bis sechs Milliarden notwendig sei. 5ranzöstjen als„Beweise revolutionärer Unter- wühlnng" der Armee anführen, das sind in Wirklichkeit nur die Beweise der vollkommenen Erschöpfung einer jahrelang gegen ungeheure Uebernmcht von Menschen und Material schonungslos ins Feuer geschickten Armee. Daß die Westarmee im Herbst 1918 moralisch und physisch am Zu- sammenbnlch war, das leugnet niemand, aber gerade dieser Umstand führt tms auf den springenden Punkt. Auf dm Punkt, welcher lautet: Mußte der Krieg bis zu diesem totalen Zusammenbruch fort- gesetzt werden? Gab es keine Möglichkeit, ihn früher zu beenden? Selbst wenn die Beweisführung der All- deutschen so zutreffend wäre, wie sie falsch ist, selbst dann sind sie in keiner Weise entlastet, wenn sich herausstellt, daß die Möglichkeit bestand, den Krieg lange vorher zu beenden, noch ehe all das eintrat, was sie behaupten. Das wissen die Alldeutschen. Und deshalb halten sie nrit imgehenrer Zähigkeit die Behauptung von dem„unbedingten Vornichtungswillen der Gegner" aufrecht. Wie ein u n a n- ta st bares Dogma stellen sie den Satz hin, daß England, Frankreich, Amerika usw. in joder Phase deS Krieges entschlossen gewesen seien, dm Krieg bis zur völligen Niederzwingt, ng Deutschlands fortzuführen. und daß Deutschland deshalb gar keine andere Wahl gehabt habe, als den Krieg auch seinerseits fortzusetzm bis zum völligen Sieg oder bis zur v ö l l i g e n N i e d e r l a g e. UndebendasistdieLügel Die Lüge, der wir dm fürchterlichen Ausgang des Krieges verdanken. Die Dokumente, die der Reichsministsr Erzberger gestern in der Nationalversammlung vorgetragen hat— unsere Leser finden ihren Wortlaut an der Spitze der erstm Bei- läge— beweisen unwiderleglich daß der angebliche unde- dingte Vemichtungswille der Gegner mindestens zu einem Zeitpunkt des Krieges nicht be st anden hat, daß sie mindestens zu einem Zeitpunkt- die Verständigung mitDeutschland angestrebt baben, daß aber diese Verständigung an der Schuld der All- d e u t s ch e n und ihres Vertrauensmannes in der Regierung, des Reichskanzlers Michaelis, gescheitert ist. Das war wenige Wochen, nachdem der Reichstag die be- kannte Friodmsresolution vom 19. Juli gefaßt hatte. Von jener Resolutton behaupten die Alldeutschen, sie habe den VernlchtungKwillen der Gegner gestärkt, denn sie sei als Zeichen der Schwäche aufgefaßt worden. Das Gegenteil stellt sich jetzt heraus! Anderthalb Monate nach dieser Resolutton machte England einen sehr ernsthaften Verständigungsversuch. Am 30. August 1917 schrieb der päpstliche Nuntius P a c e l l i einm Brief an dm Reichskanzler unter Beifügung einer Abschrift eines Telegramms des englischen Gesandten beim Vattkan. Der Inhalt dieses Schreibens war, daß der Papst seine Bemühungen für baldige Erreichung eines gerechten und dauerhasten Friedens wirksam fortsetzen werde, wenn Deutschland eine bestimmte Erklärung über die Absichten: bezüglich Aneriennung der Kalles ttsfrölftsäislsti Belgiens unS seiner Entschädigung für die KriegZschä- den abgäbe und wenn zugleich Deutschland genau ausspreche, welche politischen, wirtschaftlicken und militärischen Garan- tien es seinerseits für die künftige volle Unabhängigkeit Belgiens fordere. Ter Papst ließ hinzufügen, daß durch eine solche offene Erklärung ein bedeutender Schritt zur weiteren Entwicklung der Verhandlun- a e n g e in a ch t würde. Tie englische Regierung sei bereits informiert, daß der Papst ihr nach Eingang der deutschen Mitteilung nähere Antwort geben � werde. Tas war ein deutlicher und klarer Friedens- s ch r i t t E n g l a n d s, der offenbar von dem Wunsche diktiert war, ein weitere? Kriegsjabr zu vermeiden und mit Teutschland zu einer Verständigung zu gelangen. Offen- bar rechnete England in diesem Stadium des Krieges kaum auf größeren materiellen Gewinn, es suchte nur seine Ehre zu retten, die in Belgien verpfändet lag. denn um Belgiens willen hatte ja England das Schwert aus der Scheide gezogen. Andererseits konnte Teutschland die gewünschten Erklä- rungen in Ruhe abgeben, hatte doch der Reichskanzler B e t h m a n n H o l l w e g am 4. August 1914 das an Belgien verübte Unrecht und die Entschädigungspflicht Deutschlands offen zugestanden. Hier öffnete sich weit die Möglichkeit für Deutschland, mit Ehren und ohne ma- te r i e l l c n V e r l u st aus dem Kriege gegen die ganze Welt herauszukommen. Daß diese Möglichkeit verpaßt wurde, ist die Schuld des damals allein noch von der alldeutschen Militär- und Zivil- cligue im Anite gehaltenen Reichskanzlers Dr. Michaelis. Für das Parlament war dieser Mann bereits erledigt, als er seine Zustimmung zur Friedensresolution mit den Worten einschränkte:„wie ich sie auffasse". Diese Worte wurden sofort als überaus bedenkliche Zweideutigkeit ausgelegt, im Lichte der neuen Dokumente enthüllen sie sich als d i e g r ö ß t e H i n t e r b ä l t i g k e i t, die in der Weltgeschichte dagewesen sein dürfte. Die geschichtliche Rolle des Dr. Michaelis stellt sich seht dar als die e i n e s p o l i t i s ch e n V e r b r e ch e r?, der ein Parlament, der ein ganzes Volk mit Lug und Trug hinters Licht geführt bat. seine Aufgabe war die Lüge. Er ging ins Amt als Vertranensmann der reaklionären M i l i t ä r k l i a u e und sollte vor aller Welt und Volk er- scheinen als Vertrauensmann der Parlamentsmehrheit. Er sollte sich z um Schein auf den Boden der Frie- densrcsolution stellen, und sollte sie durch die Tat mit dem Ziele einer rein alldeutschen Annerionspolitik b e- kämpfen. Zu diesem Frevclspiel gab sich dieser mucke- rischc Frömmler her und sein christliches Gewissen suchte er abzufinden durch die Worte„wie ich sie auffasse". Dieser hinterhältige Feind des Verständigungsfriedens tot alles, aber auch alles, was nur möglich war. um die sich ausstreckende Hand Englands zurückzustoßen. Zu- nächst ließ er diese? Schreiben, von dem das Schickial eines Volkes, von dem das Schicksal der Welt abhing, volle fünfundzwanzig Tage unbeantwortet. TaS Schrei- ben, das er dann abschickt, ist ein unendliches Geschwätz, von dem das Goethesche Wort gilt:„Vergebens sprichst du viel, um zu versagen". Michaelis weigert sich, die Beoingun- gen Teutschlands in der belgischen Frage zu nennen, und es nützt nichts, daß er diese Weigerung hinter einem Schwall zweideutiger diplomatischer Phrasen verbirgt. Von den Gegnern konnte die ausweichende Antwort des deuischm Reichskanzlers nur dahin ausgelegt werden, daß Deutsch- land sich bezüglich Belgiens jede Möglichkeit offen halten wollte, d. h. mit der Absicht umging, bei günstigem Kriegsausgang Belgien z u unterjochen. Irgend eine Möglichkeit der Weiterverhandlung war damit für Eng- land, dem Belgien Ehrenfrage war, nicht mehr gegeben. Zur öie Unabhängigkeit öes Geistes. E i n Aufruf von Romain Rolland. Di« Uebersetzung d-ieseS Aufrufs, den die Berliner Zeitschrift„Demokratie" soeben imtteilt, stammt von®. F. Nicolai. Wir— einst Kameraden in der Arbeit am Geiste— find seit fünf Jahren hier auf Erden einsam geworden, getrennt durch Armeen, Zeusurvorschriften uud den Haß der kriegführenden Völker. Aber heute, da vie Schranken fallen und die Grenzen sich langsam wieder öffnen, wenden wir uns an Euch mit dem bittenden Ruf, unsere einstige Genossenschaft wieder herzustellen! Aber in neuer Form— sicherer und widerstandsfähiger als früher. Der Krieg hatte Verwirrung in unsere Reihen getragen. Fast alle Intellektuellen haben ihre Wissenschast, ihre Kunst und ihr ganzes Denken in den Dienst der kriegführende» Obrigkeit gestellt. Wir klagen niemand an und wollen keinen Vorwurf erheben; zu gut kennen wir die Widerstandslosigkeit deS Einzelnen gegenüber der elementaren Kraft von Maffenvorftellungen. die um so leichter alles hinwegschwcmmten. als keine Institutionen vorhanden waren, an die man sich hätte klammern können. Für die Zukunft jedoch könnten und sollten wir aus dem Geschehenen lernen. Dazu aber ist eS gut, sich an den Zusammenbruch zu erinnern, den die fast restlose Abdankung der Intelligenz in der ganzen Welt verschuldet hat. Die Denker und Dichter beugten sich knechtisch vor dem Götzen de? Tages»nd fügten dadurch zu den Flammen, die Europa an Leib und Seele verbrannten, nnauslöfch- lichen, giftigen Haß. Aus den Rüstkammern ihres Wissen? uns ihrer Phantasie suchten sie all die alten und auch viele neue Gründe zum Haß, Gründe der Geschichte und Gründe einer angeblichen Wissenschaft und Kunst. Mit' Fleiß zerstörten sie den Zusammen- dang und die Liebe unter den Menschen und machten dadurch auch die Welt der Ideen, deren lebendige Verkörperung sie sein sollten— vielleicht ohne eS zu wollen—, zu einem Werkzeug der Leidenschaft. Sie haben für selbstsüchtig« politische oder soziale Parteiinteressen gearbeitet, für einen Staat, für ein Vaterland oder für eine Klasse! Und jetzt, da alle Völker, die in diesem Barbarenkampfc gekämpft — Sieger sowohl wie Desiegte—, in Armut und tiefster uneinge- standener Schande ob ihrer Wahnsinnstat verzweifelt und ernte- drigt dastehen, jetzt scheint mit den Denkern auch der in den Kampf gezerrte Gedanke zerschlagen! Auf! Befreien wir den Geist von diSsen unreinen Kom- vromisscn. von diesen niederziehenden Ketten, von dieser heimlichen Knechtschaft! Ter Geist darf Niemonde« Diener sein; wir aber müssen dem Geiste dienen und keinen andern Herrn erkennen wir an. Seine Fackel zu tragen sind wir geboren, um sie wollen wir unS scharen und die irrende Menschheit zu scharen versuchen! Unsere Aufgabe und unsere Pflicht ist es. das unverrückbar« Fanal aufzupflanzen und in'der stürmischen Nacht auf den ewig ruhende» Polarster» hinzuweisen Amuifte» dieser Orgie von Mr würben bissen Brief bes Dt Mickjaelis, von ssem er dem Parlament ebensowenig Mitteilung machte wie von dem englischen Friedensschritt, als das größte Der- brechen am deutschen Volke bezeichnen, wenn wir absolut sicher wären, ob nicht die Forschung über den Krieg ein paar noch größere Verbrechen der Alldent- schen enthüllen wird. Jedenfalls ist dies ein Fall, der un- bedingt vor den zu schaffenden Staatsge- r i ch t s h o f gehört. Freilich wird man bei der Verurter- lung des Dr. Michaelis daran zu denken haben, daß dieser kleine Geist nur ein Werkzeug stärkerer Kräfte war, ein Werkzeug der alldeutschen Militär- und Z i v i l k l i g u e, die durch ihn den Verständigungsfricden vereitelte und damit das maßlose Unheil des deutschen Volkes vollendet hat. Sie alle sind gerichtet!_____ Wie öie„Zreiheit" berichtete. Tie ängstlich versteckte Wahrheit. Die.Freibeit' ist iebr entrüstet, weil wir gefcbricben haben, sie bätte ihren Lesern die Tatsackie verbeimlicbt, daß die französische Partei den ursprünglich angesagten Generalstreik für den 2i. Juli abgesagt batte. Sie beruft sich auf ihre Rümmer vom Sonntag, den 20. Juli. Was finden wir da? Auf der ersten Seite an der Spitze deS Leitartikels in fettem Druck und auffälliger Aufmachung die Resolution der Delegierten Groß-Britan niens, Frankreichs, Rußlands und Italiens auf der Arbeiterkonferenz in Soutbport vom 1. Juli, die zum Generalstreik am 2!. auffordert. Daran anschließend einen Artikel, in dein dnrchgebend der Anschein erweckt wird, als würde diese Resolution tatsächlich zur Anwendung gelangen. So heißt es z. B: „E? unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß in Eng« land. Frankreich. Italien, ja sicherlich auch in den Vereinigten Staaten eine mächtige Welle der proletarischen revolutionären Bewegung eingesetzt hat.' Kein Wort davon, daß in England und Amerika üierhaupt kein Mensch streiken würde, kein Wort davon, daß in Frankreich der Streik soeben abgesagt worden ist. Auf der zweiten und dritten Seite der.Freiheit'— ebenfalls in größter»nd nuffälligstsr Aufmachung— ist der Aufruf der französischen Coufedsration gsndrale du travail, die etwa der deutschen Generalkommission der Gewerkschaften ent- spricht, in Spaltenlänge abgedruckt. Dieser Aufruf fordert zur Demonstration am 21. Juli auf und kündet den Generalstreik für 24 Stunden an. Weder am Beginn noch am Schluß deS Aufrufs bemerkt die„Freiheit' auch nur mit einer Silbe, daß der Aufruf nunmehr gegenstandslos geworden ist. Zwischen diesen beiden Aufrufen befindet sich eine unauf» fällige Notiz mit der Ileberschrift„Schwankende Haltung der franiösiichen Gewerkschaften'. Da ist in der Tat in ganz un- auffälliger Weise und ohne jede Aufmachung die Absage gemeldet. Aber schon die Ileberschrift ist so gewählt, daß der Leier der„Freiheit' glauben sollte, eS bandle sich nur um ein Schwanken der frnnzösifchen Genossen, nicht um einen glatten U m s a l l, nicht um eine glatte Absage. Da im übrigen da« Bild des Blattes beherrscht wurde von den eingangs beschriebenen Aufrufen und von Artikeln, die gerade da« Gegenteil der unauffälligen Notiz sagten, io konnte nur ganz geichulten Leiern zum Bewußtsein kommen, daß der französtsche Generalstreik wirklich abgesagt war. Das Gros der„Freiheit'- Leser wußte glaube« und hat tatsächlich geglaubt, daß am 21. Juli nicht nur die Franzosen, sondern sogar die Engländer und vielleicht die Amerikaner streiken würden. Die Tatsache, daß ein Blatt daß Gültige ganz unauffällig, in derselben Nummer aber zweimal das nicht mehr Gültige auffällig meldet, be- deutet zweifellos eine ganz grobe journalistische Irreführung. Aufhebung der Kabelzensur. Da? Pressebureau Radio meldet aus Washington, daß die Zensur für Kabelmeldungen aufgehoben worden ist. Hochmut und gegenseitiger Verachtung wollen wir nicht wählen noch richten: Frei dienen wir der freien Wahrheit, die in fich grenzenlos auch keine äußeren Grenzen kennt, kein« Vorurteil« der Völker und keine Sonderrechte einer Klasse. Gewiß, wir haben Freud« an der Menschheit und Liebe zu ihr! Für sie arbeiten wir, ober für sie als Ganzes. (Hier steht im ftanzösischen Text noch der Zusatz:„Wir kennen keine einzelnen Völker.'— Da nun aber da? einzelne Volk— vor allem als Kultureinheit— heute noch zweifellos seine Berechtigung hat, und da einzelne der deutschen Unterzeichner an diesem AuS- druck Anstand genommen, lassen wir ihn hier fort. Der Uebersetzer.) Für diese? eine und unteilbare Volk, daS leidet und kämpft, fällt und sich wieder erhebt und dabei doch immer vor- wärtsschreitet auf seinem schweren Wege in Blut und in Schweiß — dieses Volk aller Menschen, die alle, alle unsere Brüder sind. Nur bewußt werden müssen sich die Menschen dieser Bruder» schaft, deshalb sollten wir Wissenden hoch über den blinden Kämp- fern die Brücke bauen zum Zeichen eine» neuen Bundes, im Namen des einen und doch mannigfaltigen, ewigen und freien Geistes. Unterzeichnet haben diese« Aufruf: aus Amerika: Jane AdamS; aus Belgien: G. Eckhoud, F. Mafereel, I. MeSnil, H. da» de Veloe; aus Dänemark: SophuS Michaelis; aus Deutschland: G. v. Areo,«. Einstein. W. Forster, Leonh. Frank. A. H. Fried, H. v. Gerlach. Prof. A. Grotiabn, Wilh. Herzog. H..Hesse, D. Hilbert. Käte Kollwitz. A. Latzko. Max Lehmann, Heinr. Mann, A. Moissi, Paul Natorp. G. F. Nicolai, Nrthack-Slahn, H. Paascke. Helene Stöcker, Fr. v. Unruh, tz. Weh. berg. F. Werfel. Steph. Zweig; aus England: L. I. Brouwer, I. C. Kaptehn, Macdonald. Bertrand Russe, I. Zangwill; m aus Frankreich: R. ArocS, H. Darbusse, L. Bazalgette. I. R. Bloch. A. de Chateaubriand, Dr. E- Burnet, G. Chenneviere, A. Doyen, G. Duhamel. G. Dupin, P. I. Jouve. M. Martinet, E. Masson, M. Morhardt, A. Prenant, Romain Rolland. JuleS Romain, Han Ryner, P. Signac, G. Thieffon, Eh. Pildrac, L. Werth; ans Holland: Frederic von Eeden; aus Italien: Roberto Bracco, Benedetto Croce; aus Rußland: P. Dirjukow, V. Rubakin«; aus Schweden: Verner von Heidenstamm, Ellen Key. Selms Lagerlöf. Carl Lindhogen; aus der Schweiz: E. Bloch, August Forel. Prof. Ragaz; aus Spanien: I. Lopez Pico, Eugenia d'OrS; aus der Ukraine: Jos. Chapiro. Zustimmungserklärungen sind an Prof. G. F. N t- c o l ö i, Berlin, Ublandstr. 145, zu senden. veutjchöfterreichisches vor fünfzig Jahren. Die.Wiener Arbeiterzeitung' erinnert daran, daß am 26. Juli 1869 Ailhel« Liebknecht i» Wien vor Tausenden die Untersuchung See Januarunruhen. Wie Eichhorn ihm unbequeme Leute beseitigte. Der Untersuchungsausschuß vernahm Freitag zuerst den Kunstmaler Erich Prinz, von 1908 bis 1911 Unterleutnant in der Fremdenlegion, dann Beamtenstelwertreter im stell- vertretenden Generalstob, vom 9. November an Kommandant der Sicherhdtkwehr. die er im Polizeipräsidium nach seinem eigenen vom Polksbeauil ragten Ebcrt und dem Vollzugsrat genehmigten OrganiiationSplan errichtet hatte. Mit Eichhorn ist er in hei- tigen Konflikt geraten, seitdem dieser Ende November von ihm die allmähliche Entlassung der Sicherhsitswehr und die Einstellung Politischer vorgebildeter Arbeiter gefordert hatte, welche die Errungen» schaften der Revolution sickern und die Revolution über die da» maliae Regierung hinaus vorwärts treiben iollten. Obtvobl der Zeugx auf Veranlassung Eschborns Aniang November der U. S. P. beigetreten war, hat er doch daran festgebalten, daß die SicherbeitS- wehr politisch unbedingt neutral sein müsse, und sich gegen die Ein» stellung von lauter Unabhängigen und Kommunisten durch Braun und Laub zur Wehr gesetzt. Auch bat er stets für ein gutes Zu» fammenwirken mit der Kommandantur gesorgt und ist wegen seiner Zusammenarbeit mit Leutnant Fischer von Eichhorn unter der Beschnkdigung der Unterschlagung verhaftet war- den. Er bat sich vollständig rechtfertigen können und ist dann von der Sicherheitswehr einstimmig wieder zum Kommandanten gewählt worden. Eichhorn hat ihm dann erneut zugeredet, auf seine Pläne einzugehen und er, wie der Bolksbeauftragte Barth haben dem Zeugen versichert, die Bewaffnung der Arbeiter sei von der Regierung verfügt worden. Schließlich ist der Zeuge, weil er sich dem Treiben Eichhorns widersetzte, erneut verhaftet und drei Wochen ohne Verhör in der Stadtvogtei festgehal- t e n wvnden. bis es ibm endlich gelang, dem Leutnant Fischer von der Kommandantur davon Mitteilung zu machen. Er wurde dann nach dem Untersuchungsgefängnis überführt, hatte aber vorher noch eine Besprechung mit Eichhorn, den er hauptsächlich darüber zur Rede stellte, daß ibm bei der von Eichhorn angeordneten Haus- suchung Geld, Kleider und Dokumente abhanden gekommen seien. Tie Haussuchung hatte Eugen Grün vorgenommen, ein Bruder des Grün, der tiner der Bertrauten Eichhorns war«nd gegen de» wegen schwerer Unregelmäßigkeiten, insbesondere wogen der Unter- schlagung der Millionen a»S dem GcldtranSport am Schlcsifche» Bahnbof Prinz schwer besaitendes Material gesammelt hatte, daS ebenfalls bei der Haussuchung verschwunden ist. Eichhorn sagte dem Zeugen auf seine Vorhaltungen, er hätte besser getan, ibm nicht dauernd im Wege zu stehen und wende jetzt die Folgen trogen, dem» er habe die Macht, und � wer die Macht hat, hat auch da? Recht. Der Zeuge wunde dann wegen eines Zusammenstoßes mit dem Zug- nihrer Voß vom Schwurgericht zu 2 Monaten Gefängnis verurteile Er sitzt gegenwärtig in Untersuchungshaft wegen einer angeblich im April 1918 verübten Erpressung. Es wurde dann erneut der Zeuge H e n n i ck« vernommen, der weitere wichtige Angaben mochte, der Zeuge Ingenieur Theodor Grant, über dessen Aussage der Ausschuß Geheimhaltung beschloß, und der Zeuge Peter Bennarz.derim Dezember, um bei der Sicherheitswehr anzukommen, der unabhängigen Partei beige- treten ist, aber später seiner Uebcrzeugung gemäß wieder auSge- schieden und zur mehrheitssozialistischen Partei übergegangen ist. Er hat am 24. Dezember eine beruhigende Ansprache Eichhorns im Licktbof des Polizeivrästdiums gehört und die Waff'envcrtcilung au die Zivilisten im großen Um» iang.z beobachtet.— Der Ausschuß vertagte sich auf den 12. Sep- tember. wo der Berichterstatter den ersten Teil dos Berichls vorlege» wird. Es sollen noch Präsident L e i n e r t. Wilhelm D i t t in a n n vom Vorstand der U. T. P. und eine Reihe anderer Zeuge» g?» hört werden. Auch soll Eichhorn im September erneut geladen werden._ Tie Vorgänge in der Gewehrfabrik in Erfurt. Di«. Gewebr« fabrik Erfurt ist seit Mittwoch milstärifch besetzt, da die Arbeiiee der Fabrik den Arbeiterrat sowie den Gauleiter dos Metallarbeiter- Verbandes während feiner Verbandlung mit der Direktion der Fabrik mißbandelt hatten. Durch die Schließung der Fabrik wer- den sogar fünftausend Arbeiter brotlo». Da die Kommunisten diesen Fall für ihre Zwecke auszunutzen suchen, ist die Sande?» abteilung Erfurt in Gemeinschaft mit dem Gewerkschaitskartell an die Direktion herangetreten, um doch die Sache möglichst bald bei- zulegen. Die Direktion hlp eine befriedigende Lösung für die nächsten Tage in Aussicht gestellt. Wiener Arbeiter in einer Vormittagsversammlung sprach. Er stand damals ganz im Bann revolutionärer Erwariungsn, sprach über den Krieg von 1868, dem bald eine neue men'chenmördeeiscke„Tod- iünde gegen den Heiligen Geist der modernen Zivilisation' folge» sollte, und warb für den nahenden Eisenacher Kongreß, dem die Gründung der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei zufiel. In jenu Rede sagte Liebknecht: „Die Arbeiter Oesterreickis geboren zum deutschen Arbeiter« verband. Die jetzige Ausschließung Oesterreichs au« Deutichland ist nur eine provisorische, vorübergehende. Oesterreich muß wieder zu Deutschland zurückkehren, aber nicht zu einem Deutschland Bismarcks, sondern zu einem freien, auf demokratischer Grundlage geeinten.' Diese Sätze Liebknechts find heute wieder tagwichlig.' Die Ausschließung war allerdings keine nur provisorische, sie wurde eine langdauernde geschichtliche Tatsache. Aber daS war nicht der Wille des Proletariat«, sondern der da» Proletoriot im Stich losienden Bourgeoisie dieSseit» und jenseits von Bodenbach. Diese Epoche ist jetzt zu Ende. Heute, io schreibt die„Wiener Arbeiterzeitung', erhebt das Proletariat DeutichöstmeichS die Forderung nach dem Anschluß an Deutschland, dem demokratischen, abermals und Lieb- knechts Prophetenwort:„Oesterreich muß wieder zu Deutschland!' mag nach einem halben Jahrhundert wahr werden. Notizea. — DaS Parteiarchiv hat durch die Mitarbeit vieler Ge» Nossen in letzter Zeit die Bestände seiner Revolution«- Sammlung wesentlich vermehren können. Leider fehlen ibm immer noch manche wichtige Stücke. So vor allem au? der.■Vor- märts'-Besetzung im Januar„Extranummern de« Vorwärt«, Nummern de«„revolutionären Vorwärts", Nummern der„prei- Seit' aus dieser Zeit, der„Roten Fahne', de».Roten Soloaten in den Nummern vom 15. ab. Auch daS FTugblattmateml aller sozialistischen Parteien bedarf der Vervollständigung noch. JEif illustrierten Spartakus-Blätter und Maueranschlage z.«. wurde da« Archiv gern erhalten. Von auswärts wird b«, onoer? erwünscht Materialien au« der Zeit der Munchener Räterepublik, der ungarischen Räterepublik und besonders Soldatenrats-Zeitun» gen und Maueranschläge au» dem besetzten Gebiet. Es ist seit langem ein guter Partcibrauch, die Samm.ungen des Archiv?, L-noenstr. 3, II. Hof 4 Tr., vervollständigfen zu helfen; hoffentlich folgt darin die neue Generation der Parteigenossen gern dem älteren Vorbild«. — Vorträge. In der Urania wird in kommender Woche am Donnerstag und Sonntag abend der neue Lichtbilderdortraa .Da» Oberengadin und der Splügen vorgeführt. — Die Entdeckung de« T y p h u S e r r e g e r S sollte nach einer jüngst ergangenen Meldung einem Moskauer Arzt ge- glückt'ein. In dieser Form kann jene Nachricht nicht stimmen. vielleicht handelt«S sich dabei um Fleckfieber s.Fleckiyphus'). D'- TyphnSbazillen sind bereit« 1882 durch Eberth gefunden worden und werden nach ihm und Gaffky. dem eben verstorbenen Nach» tolger von Koch, benannt: In der Moskauer Meldung war gesagt. der betreffende Arzt habe die Parasiten in Gebirngefüßen gefunden. die Erhebungen seien tbm iwch nicht«b geschlossen. Nationalversammlung zu Weimar (Zchlutz aus der ersten Beilage.) ReichsfinanMinister Erzberger; Ist das» alles? Tas ist die e i n z i g e F r a g e. die ich an den Borredner zu richten liab«.(Heiterkeit.) Soviel Anklagen in Berlin und ksier und so schwach begrünoet. wie in einer beliebigen A g i- tationZrede.(Sehr richtig!) Wir nehmen den Kampf auf und wollen ihn gegen die Partei des Vorredners mit aller Ent- fchiedenheit«jtd Nücküchtslosigkeit führen im Jntereffc des beut- schen Kolkes. lLcbbafter Beifall links und im Zentrum.) Tie Wie, berkehr de? deutschnationalen Elemente würde den politischen Ruin des deutschen Baterlandes für alle Zukunft bedeuten. Das Teutsche Reich ist eine Republik und wird eine Republik bleiben. trotz Graefe und allen anderen. Wer wie Herr Gracke im Mas, bause sitzt, dar? die Regierung nicht als illusionistisch bezeichnen. Wy? hat denn vier Jahre lang unverantwortlich das deutsche Volk von einer Jllnst»« in die andere gestürzt. Der Krieg gegen Frankreich sollte in drei SKonaien zu Ende sein und dann England niedergeworfen werden. Alle drei Monate hietz eS. Frankreich stebe vor dem Zusammenbruch. Herr v. Ttrpitz erklärte, England werde ausgehungert werden, sedes englische Schiff werde torpediert und die Zu- fuhr abgeschnitten werden. Dabei hotte damals Deutschland nicht ein einziges ll-Bo«t, das um England herumfahren konnte. Kitchener sollt« kein Feldherr sein. Eh« Amerika bereit sei. sollte der Krieg beendet sein. Die Blockade sollte Deutschland nicht schädigen, Deutschland sich selbst ernähren können. Jetzt macht man die grotze Rechnung aus, wie dir Blockade unsere Gesundheit geschädigt hat. Ferner verbreitete man die Illusion, kein Amerikaner > könne herüberkommen, daS amerikanische Militär sei Null, die Amerikaner würden willkommene Beute für unsere U-Boote sein, Amerika käme gerade im rechten Augenblick, um am Ende des .Krieges die ganzen Kriegskosten zu bezahlen. Deutschland hatte vier Jahre lang überhaupt keine politische Regie- r u n g, sondern eine militärische Diktatur. Es war daS Unglück des deutschen Volkes, dah es sein Militär herrschen und die politische Vernunft nicht zum Worte kommen lieh. Sobald die Polittk sich vorwagte, drang vas MUitär gegen die schwache Regierung vor. Mehr als einmal waren FriedenSmöglickkeiten vorhanden. Jetzl haben wir nicht webr zu schweigen.(Zwischenruf deS Abg. R o e s i ck e.) Herr Roestcke behauptet, ich hätte FriedenSmöglichkeiten in Deutsch- iaird zerstört. DaS ist eine Unverschämtheit. Mindestens zweimal konnte ein ehrenvoller Friede« zustande komme«. (Hört, hört!) Die Recht« mit dem Militär zusammen bat dies beide Male verhindert.(Große Bewegung.) Das belgisch« Problem war das größte Hindernis. Wir erhoben Protest gegen den?lbtransport der belgischen Männer und Frauen. Tie Zusage, daß er aufhören sollle, wurde n» ch t gehalten. Man schickte die Leute in die Schützen- H r ö b e n. Man bestreitet, daß unter der Führung des Staatssekretärs Helft er ich die Schwerindustrie Aspirationen aus Belgien organisierte. Man bezeichnete es als gemeine Lüge. Der Minister verliest einen amtlichen Bericht, wonach Schwerindustriev« unter Führung von Friedrich Krupp, der Gelsenftrchener Bergtoerksgesellschast, deS„Phönix", des G?» beimrotß Hilgenberg, des Bürgermeisters Marx u. a. große Werke in Belgien zugunsten der großkapitalistischen Jnter- essen Deutschlands erwerben wollten. Ludendorfs und Hselsferich seien der Ansicht gewesen, daß man daS deutsche «ulk vor vollendete Tatsachen stellen müfle. Di« Akten sind in /belgische Hände geroten. Das war die geheim« Politik hinter dem Rücken des deutsche« Lölkes! Wilson wollt« 1316 mit aller Energie den Friede» herbei. führen. Man frage nur den Grasen Bernstorf f. Warum wurde Graf Bernstorss nach seiner Rückkehr aus Washing? m wochenlang nicht zum Lortrag an der HSchsten Stelle zugelassen? (Hört, hört!) Tos Friedenswerk Wilsons wurde sabotiert durch die Erklärung de? U-Boot-Krieges. Im demokratischen Teutschland hat Graf Bernstorss eine Darstellung seiner Bermittlungsaktton gegeben und festgestellt, daß sie durch die U-Boot- Erklärung durchkreuzt und damit der Krieg für uns verloren war. Das läßt sich nicht bestreiten, dasi die Oberste Heeresleitung in Berkennung der militärischen M-chtvrrbäftnisie nicht das richtige Augenmaß gehabt hat zur Wahrnehmung eines günstigen Moments zum Friedensschluß.(An- dauernd» Unterbrechungen rechli.) Der Abg. Graes« hat sich init einer Darstellung deS Grasen Wedel beschäftigt in den..Hamburger Nachrichten". In seinem Artikel bestätigt Gras Wedel zweierlei: die Notwendigkeit eines Fri:densschlusies im Juhre 1917 und die MSglichkeit dazu. DaS sind die größie» politischen Dalsachen, die der Artikel des Grasen Wedel enthält.(Leb. haste Zustimmung links und in der Milte.) Bis zur Stunde ist ast.'c von Ihnen(zu den Deutschnationalen) die Möglichkeit eines FriedenZschlusses immer bestritten worden. Bezüglich der t..ualitäten des Grafen Wedel weise ich darauf hin, daß er noch am tlÄ. September 1S18 ein Beruhigungstelegramm über den Zusammenbruch Bulgariens an die Reichsregierung godrcihtet bat. Gegenüber dem Grafen Wedel halte ich ausrecht, haß ich im amtlichen Auftrage in Wien gewesen bin. Der Minister oerliest die Schluß, atze des Jmmediatberichtcs des Grase» Ezerma; darin heißt es u. daß Oesterreich am End« seiner Kraft ist und Deutschland über den Spätsommer.(Der Bericht trägt das Darum des lZ. April 19171) hinaus nicht mehr auf Oesterreich würde rechnen können.„Die deutschen Staatsmänner. baben mir keinen Zweifel darüber gelassen, daß auch tür Deutschland ein» w, eitere Winterkampagne ein Ding der Unmöglichkeit sei." Dieser Bericht ist mir seinerzeit frei zu meiner Verfügung ge- stellt mit der einzigen Bedingung, über sein« Herkunft zu schwer- flpn. midj znx-lirftction verpflichtet unv werde den Namen des lleberbringers nicht nennen.(Lebbafte Bewegung.) Nun bat der Abg. Graes« gcwaal zu sagen, ich sei von Oesterreich br- stowen worden. lHest'ger Wroerspruch rechts, große Unrube.) Bröstdent. Febrenbacki: DaS bat der Abg. Graefe nicht gesagt. Minister Erzberger(fortfahrend): Ich frage den Abg. Grass«. bat er mit seinen Andeutungen zum Ausdruck bringen wollen, daß ich von Oesterreich bestochen worden sei oder im österreichi- ichen Solde stebe? Ich erkläre im voraus: Wer es wagen sollte, diesen Sah sich zu«'gen zu machen, den erkläre ich für einen gemeinen Lügner und Ehrabschneider.(Beifall.) Graf Lledel behauptet, daß eine rheinische Zeitung darüber berichtet bebe. Er n>ar ober so schambast, den Namen nicht zu nennen. ist nämlich die Rheinisch-We st sälische Zeitung. lSeiterkeit!) Und selbst wenn, was Graf Wedel andeutet, nie Entente Kenntnis von dem Bericht erhalten haben sollt«, von �«r Bereitwilligkeit, im Jahre 191? mit ihnen Frieden zu mir?' bat sie sich dadurch nicht abbringen lassen. Graf Wedel behauptet serner, Czernin habe mich veranlaßt, nach Wien zu-ommen, um mich zu verantworten. Das ist unwahr! Und nun zur F r i e d- n» a k t i o n selbst, die dama's«S tut mir Icid, dos öffentlich feststellen zu müssen, durch unser Volk uud die damalige Regierung vereitelt worden ist!(Hört! hörtft Und zwar unter hrn»orragender Mitwirkung der Herren Äonferoativen. Im Aprn 1917. alz dieser Jmmediotbericht auch schon weiteren Kreisen besannt geworden war, haben wir im Auswärtigen Amt eine Besprechung gehabt, an der auch die Herreu Schisjer und. Graf Westarp teilnahmen. Da sagte der Führer der Konserva- twen, Grat W e st a r o: Tas wäre ganz gleichgültig. Wenn Oester- reich einen Seperatirieden einginge, dann hätte» wir eS leichter und kämpften allein weiter.(Hört! bört! und große Bewegung.) Ich will nicht darauf eingehen, welch« Antwort von Deutsch- land nach Wien gegeben worden ist. Es wird die Zeit kam- inen, wo auch das veröffentlicht werden wird, denn das deutsche Volk soll die restlose Wahrheit erfahren. Ich habe darin auch wiederholt mit dem Reichskanzler Bethmann Hollweg über diese Aktion gesvrochen und habe darauf bingcwiesen, daß wir von unseren hochgespannten Kriegszielen zurückgehen müßten auf die F o r. m e l vom 1. August, die das ganz« Volk genehmigt hat. Ich habe vor allein daraus hingewiesen, wie alle Berechnungen über den U-Boot-Krieg völlig falsch seien. Ich habe am 4. Juli daS erste Mal darüber gesprochen und am 6. Juli bin ich direkt auf das Ziel losgegangen.(Redner verliest �einzelne Stellen aus der Redeh Am 9. Juli bat dann auch der Führer der Nationalliberalen, Stresemann, die Lage in derselben Weise ge- schildert. Der konservative Graf Westarp hat damals auf die Frag« Stresemanns. ob er mit einem Frieden quo ante zufrieden sei, glatt geantwortet: Rein!(Hört, bört! links.) Die damalige Regie- .rvng. die durch das unglückliche Wort: Wie ich sie verstehe, in ihrer Geburtsstunde erdrosselt wurde, bat ein verbrechen am deutschen Volke begangen.(Lebhafter Beifall.) Am 1. August hielt der Reichs- kanzler seine Rede mit dem Grundgedanken, daß alle Friedens- angebote aussichtslos seien. Er weigerte sich, ein« klare Erklärung über die Neutralität Belgiens abzugeben. Am 30. Augnst aber erhielt der Reichskanzler durch den Nuntius ein Schreiben, in dem ein Angebot England? vorlog, dem die französisch« Regierung sich angefchlossr« habe, die kaiserliche Regierung möge sich üter di« Unabhängigkeit Belgiens erklären und Garantien fiir die politische, Wirtschaft- licke und militärische Unabhängigkeit heS Landes geben. Eine»er- söhnliche Antwort werde den guten Fortgang der Friedensuntrr- Handlungen erleichtern. iLanganhaltendes Hört, hört! links, groß« Bewegung.) Wir haben hier den amtlichen Schritt einer neutralen Macht, die in der Lage war, zu beurteilen, wenn ein Friedens- schritt Aussicht a u"f Erfolg hatte, hervorgegangen nicht au» eigener Initiative, sondern um einen ausdrücklichen Versuch der englischen Regirrung mit ausdrücklicher Ermächtigung der fran- zösische«. Das war 1917 eine wohkbegriindete, wohlüberlegte Frieden Saftion von einer neutralen Macht, die wie wenige berufen war. die Ideen der Völkerveriöhnintg einzuleiten und eS wurde verlangt lediglich eine präzise Erklärung über Belgien. Di« Erlaubnis, den Inhalt der englischen Note zu veröffentlichen, ist vom Popste eingeholt. aber noch nicht eingetroffen. Was aber geschieht in Berlin? Man sollte eS nicht für möglich halten: Bier Wochen gibt man den Ministern keine Antwort. (Stürmisches Hört, hört! links und im Zentrum.) Ich muß aber noch oineu Schritt weitergehen. In einem Schreiben vom 24. 9. wird abgrlchnt, eine Erklärung abzugeben. (Stürmisches Hört, hörtl Große Unruhe, di« sich zum Lärm stei- gert.) Im l>eutigen Stadium, heißt es in'der Antwort, sei die Regierung nicht in der Lage, di« Erklärung über Belgien und die gewünschten Bürgschaften ousziisprechen. weil die Vorbe- tingungen für Abgabe einer solchen Erklärung noch nicht genügend geklärt seien.(Hört, Kört!'! Also, ein amtlicher divlomatiicher Bericht für ein Volt, da? in höchster Not liegt, wird vier Wochen nicht beantwortet, dann erklärt man ihn nicht für genügend.(Hört, bört! Groß« Bewegung.) Damit war der von England über den Heiligen Stuhl eingeleitet« Versuch erledigt. Das ist das Tragische, das Entf etzliche. Man kämpft für den Frieden und dann kommt es so.(Bewegung.) Da kann man nicht schweigen!(Zuruf: Das ist das Wert der Vaterlands- Partei!) So war es l917. Wir müssen dem deutschen Volke sagen, wie es zwei Jahre gewissenlos irregeführt ist. ist. Hätte-? diese Dinge besser gewußt, hätte es den Frieden einfach erzwungen.(Sehr richtigl> Und wie stand es im Juli 1917? Wir wollten nach außen den Frieden und nach innen die Freiheit.— Und was war Ihre Parole? Keinen Frieden und keine Freiheit! In dem Augenblick, wo die Friedensaktion au? dem Höhepunkt stand, wurde die V a t« r l a n d s p a r t e i g«. gründet, zu dem Zweck, die Friedensreiolution totzuschlagen. End« September war die vom ehrlichen Willen de? Deutschen Reichs- tage» getragene Friedenspolitik des verständigen Ausgleichs durch die Agitation erledigt. Teutschland ist mit offenen Augen in den Tod hineingerannt. Im September bildeten die Alliierten ihren Obersten Kriegsrat. Und waS war die Folge hier- von? Tie Ablehnung der von England verursachten FriedenSver- inittknng.(Stürmisch« Bewegung.) Die Wahrheit über alles! Jeder Versuch, diese Zeiten zur Vernunft zu bringen, wurde mit militärischen Mitteln niedergeschlagen. Tie flmwort war, man möge noch ein Weilchen warten, und dann kam Ende September dar restlose militärische Zusammen- beuch. Eine D«vesch« nach der andern jagt« nach Berlin. Die Regierung des Prinzen Mar von Baden bat nur den Fehler ge- macht. Ludendorff nickst hinzuschicken, um den Waftensrillstand ab- zuschließen.(Sehr richtig?) Der Zusammenbruch ist auch erfolgt durch die Ungerechtigkeit im Heer.(Zum Abg. Graese:) Luden- dorff wollte demissionieren, wenn auch andere Heerführer zur Beratung zugezaxen würden. Vorn an der Front sagte mir«in General, von seinen zwei Divisionen habe die eine noch 4Z7, di: andere Ml Mann.(Hört, fort!— Groß« Bewegung.? Ter Zu- kammenbruck Deutschlands ist nicht durch dir Revolution, sondern durch dies« konstante Täuschung des Militärs bedingt worden! Die Geduld der Regierung und der Mebrbeitsparteien hat ein Ende. (Ruk bei den Soz.: Staatsperichts.lwf?) Kommt gleich nachher. Ich werfe die Frage aus, ob denn am 22. Juni überhaupt noch die Möglichkeit einer anderen Stellungnahme als die U n- ie rzeichnung bestanden hat. Der?tbg. v. Graese hat die Behauptung aufgestellt, die Deutschnationale Volksportei sei zu einem Eintritt in ein?lbl«hnungSka binett bereit gewesen. Als Graf Posodowskh in Erwägung ziehen wollte, ob seine Partei sich an der Regierung beteiligen würde, war es mittags 1 Nhr. Abends 7 Ubr sollten aber die ersten Kanonen- schüsse fallen.(Lebhafte Bewegung!) Abg. Graese spricht, wir hätten uns an di« Futterkrippe setzen vollen, das wird von dem Volke dem Vertreter einer Partei nicht vergessen wer- den dürfen, die selbst Jahrzehntelang an der Futterkrippe ge- scsscn hat.(Große Unruhe bei den Deutschnationalen.) Wir leiden unter der Niederlage ebenso schmerzlich �wie Sie (nach rechtS'!. Aber eins scheidet uns von Jbnen: Wir brüsten uns damit nicht, wir stellen unS nicht so bin. als ob wir allein ein Herz ssir die??vt und Schmach unseres Vaterlandes hätten. Gewerkschaftsbund): Die Ausführungen des Genossen Jäckel deckten sich mit der Resolusion des Gewerk- schaftskongresses; auch seine Resolution stehe nicht im Widerspruch mit derselben. Er könne daher nicht verstehen, warum er in Nürn- berg gegen die Resolution gestimmt habe. Zur Frage der gebunde- nen Wirtschaft habe sich� der Reichsministerpräsident Bauer in Weimar genau auf den Standpunkt-Jäckels gestellt. Er habe er- klärt, man könne von derselben nicht ablassen. Der zweite Gesetz- entwurf über die Betriebsräte, an der der Redner gearbeitet hat, birgt verschiedene Verbesserungen in sich, gegen die die Unter- nehmer mit aller Macht Sturm laufen. Daran könne man ersehen, wie derselbe im anderen Lager eingeschätzt werde. Im übrigen können wir zunächst nur die Plätze besetzen, für die wir die Kräfte haben._ SewerffchaflsbewEung Teuerungszulagen im Malergewerbe. Am 16. d. M. fanden zwischen den Zentralorganiiationen der Gehilfen des Malergewerbes und dem Westdeutschen Malermeister- verband erneute Verhandlungen über eine weitere Teuerungszulage, die siebente während des Krieges, statt. Obwohl die Arbeitgeber sich zunächst entschieden sträubten und iogar vom Abbau der be- stehenden Löhne sprachen, wurden schließlich 30 Pf. Zulage die Stunde für Gehilfen über und 20 Pf. für Gehilfen unter 20 Jahren festgesetzt. Dadurch beträgt der Mindestlohn einschließlich der während des Krieges bewilligten Zulagen im rheinisch-westfälischen Industriegebiet mit Köln im Maler- und Anstreichergewerbe nun- mehr 2,30 M.— Die letzte Zulage von 30 bzw. 46—56 Pf. die Stunde wurde am 8. April vereinbart. Für das übrige Deutschland tagte dann am 13. d. M. im Reichs- arbeiismimsterium ein Schiedsgericht, auf Grund von Vereinbarungen, die zwischen den Zentralorganisationen am 29. April getroffen worden waren. Darin hieß eS, daß die zentral festgelegten Zu- lagen von 50 bzw. 40 Pf. für die Stunde durch die örtlichen Verbände überschritten werden können. Da man sich in 69 Orten über die besonderen Zulagen nicht einigen konnte, machte für diese am 2. Juni auf Wunsch der Zentralorgani- sationen Herr Landgerichtsrat Wulff vom ReichsarbeitSministerium Vermittelungsvorschläge. Diese wurden inzwischen oon den Gehilfen in 2 und voil den Arbeitgebern in 23 Orlen abgelehnt.— Das Schiedsgericht unter Vorsitz des Herrn Dr. Weigert und je zwei von den Parteien ernannten Vertretern hat die Wulffschen Vor- schlage bis auf drei bestätigt. In diesen Fällen lAuqsburg, PotS- dam, Waldenburg) wurden 8 bezw. 5 Pf' weniger festgeietzr. Wird der Schiedsspruch von den Zentralorganisationen an- genommen, so ist die Teuerungszulagenbewegung vom Frühjahr, durch die der Mindestlohn im Malergewerbe um durchschnittlich 66 Pf. die Stunde gestiegen ist, erledigt. Redner ging dann auf die Lohnbewegungen der einzelnen Brancken ein.— Es soll in näckster Zeit auch wieder die Bezirkseinteilung eingeführt werden.— Der Redner gab den Bericht über die letzten Sitzungen der Gewerkichaftskommission. Die Gewerkschaflskom- Mission sei jetzt auch den Wünschen der Opvosition gemäß zusammen- gesetzt. Es sei notwendig, den Beitrag für das Geweiiichait-baus und die Herberge und deshalb auch den Lokalbeiirag zu erhöhen. Böhlert gab den Kasienbericht des, 2 Quartals. Dle Kassenverbällnisse seien sehr schlecht. Eine Bcilra fterböhung iei unumgänglich. Eine längere Diskussion entstand über die Erhöhung des Lokalbeitrages und die Einkassierung der Beiträge durch Haus- kassierung. Die Erhöhung des Lokalbeilrages um 10 Pf. wurde angenommen. Vollmerhaus gab dem Bericht vom Gewerkschaftskongreß. Die Versammlung nahm eine Resolution an, die die Haltung der Opposition aus dem Gewerkschaftskongreß billigt. Deutscher Gutsbeamten-Berband. Am 20. d. M. tagten im Herrenhause Vertreter der Gutsbe- amten aus allen Teilen Deutichlands. Nach einem eingehenden Referat, daS die Notwendigkeit des engsten Zusammenschlusses aller Gutsbeamten betonte, faßten die Teilnehmer der Versammlung ein- stimmig den Beschluß, sofort eine Organisation aus gewerkschaitlicher Grundlage zu gründen, die olle Gulsbeamten umiaßt. Dorumer sind zu verstehen: Laiidwirtichafts-, Bureau-, Brennerei-, Forst-, Trocknerei-, Molkerei- und Gärlnereibcamte sowie sämtliche weih- liche Angestellte dieser Fachgruppen. Die Vereinigung führt den Namen:„Deutscher Gutsbenmten- Verband'— freigewerkschaftliche Organisation—, sie erstrebt die sofortige Beseitigung der augenblicklichen Notlage der Gutsbeamlen sowie die Förderung und Wahrung ihrer wirtschaftlichen und sozial« politischen Ziele. Zum Verbandsgeschäftsführer wurde Paul Reß, früher lang- jähriger Sekretär des Berliner Vereins Deutscher LandwirlschaftS- beamten gewählt. Die Geschäftsstelle des Deutschen GutSbeamten-Verbandes ist in Berlin SW., Deffauer Str. 311. Ter Streik der Bretterträger und Plaffarbeiter. Der Streik gegen die Berliner Platzholzhändler geht weiter. In der letzten Verhandlung am 22. Juli haben die Arbeitgeber die gewünschten Vereinbarungen der Arbeitnehmer abgelehnt; die Ber- sammlung der Brelterträger und Platzarbeiter beschloß daher am Mittwoch, die Arbeit dann erst aufnehmen zu wollen, wenn die Arbeitgeber ein annehmbares Entgegenkommen zeigten. Nach- siebende Firmen haben den eingereichten Lohntarif anerkannt und unterschrieben: H. Klages, Linkstraße; Richard Meyer: Karl Gottwald, Kolonie- straße; Josepb Honig. Lichtenberg, Lllckstraße; Joseph Honig, Beller- mannstratze; Oswald Stumpf. Elsenstraße; Rudolf Horstmann, Landsberger Allee; Ernst Hannemann; Albert Schröder, Runge- straße; Jafinsft Nachfolger, KöllnischeS User; Ernst Treptow, Behm- straße; W. Neumann, I. B. Petruichke, Kottbuier Ufer; W. Pflugrath, Elsenstraße; Rick. Wille. Neukölln, Pannierstraße; Karl Riemer, Neukölln, Pflügerstroße; Firma Meißner, Krautstroße; Karl Schulz. Friedenstratze._ Generalversammlung der Schuhmacher. Auf der Generalversammlung der Schuhmacher am Donnerstag ab Bollmerhaus den Geschäftsbericht vom 2. Quartal. Buchbruckereihilfsarbeiter. Die am 23. Juli stattgefundene Mitgliederversammlung der Zahlstelle Berlin des Verbandes der Buchdruckereihilfsarbeiter beschäftigte sich mit einem Vorschlage der Prinzipale, für eventuelle Ueberstunden nicht mehr die festgesetzten tariflichen Aufschläge zu zahlen, sondern die Bezahlung nach dem Modus, wie für die Buchdrucker festgelegt, vorzunehmen. Nach längerer Diskussion beschloß die Versammlung, an den tarif- lichen Sätzen festzuhalten. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Mitteilungen beivrach die Versammlung den im Juni stattgesundenen Ausstand. Große Entrüstung riefen die in einzelnen Blattchen und von der P. P. K. herausgegebenen Artikel über denselben hervor. Dort wurde das Gerücht verbreitet, daß der Streik einen politischen Hintergrund habe. Wie von allen Vorstands- und Lohnkommissionsrednern fest- gestellt wurde, ist derselbe nur rein wirtschaftlichen Motiven ent- sprungen. In den Vorstand wenden darauf gewählt: Frau Laukant und Arnold Röhl, siir die ausgeschiedenen Revisoren: Kollsgin Kieseler und Kollege Czischke. Alle Gewählten stehen auf dem Boden des Rätesystems. Deutscher Transportarbeitcrverband. MöbeltranSvorlarbeiicr. Packer und Kutscher usw. I Am Mittwoch, den 30. Juli 1910, abends 7 Uhr, im Lokal Königstadt-Kasino. Holzmarktstr. 72, an der Alexanderstraße, Versammlung. Tagesordnung: Bericht über die Verbandlung mit den Unternehmern. Mitgliedsbuch ist vorzulegen. Vollzähliges Erscheinen er- wartet Die Branchenleilung. Postboten, Aushclfer. Ausbelser innen und Reinmachefrauen der Postt und Delcgrapbenvcrwaltung k. Sonntag, den 27. Juli 191». nachm. Ift, Uhr, im GewerkschaftShau». Engelufer 15: 2 Versammlungen? Tagesordnung: 1. Unsere wirllchastlichen Forderungen der Gegenwart. 2. Diskussion und Beschlußfassung. Mitglieder der Darifkommission der Berliner Metallindustrie und Kollegen des Gewerkschaslsbundes. Sonnabend, den 26. Juli, nach- mittags 2 Uhr. Jndustriebeamtenhaus, Derstitr. 7. ei da» arbeitsreichste Ouarial des Geschäftsjahres gewesen. Der Verantwortlich für Polltil:«rhu 3141«, Charlottenburg, für den übrigen Teil de- Blattes: Alfred Scholz, Neukölln; für Anzeigen: Theodor Slo4«, Berlin. Bcrlag: Vorwürts-Berlaq<6, m. d. H., Berlin. Druck: Borwärt»- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. in Berlin, Lindcnstr. s. Hierzu 2 VcUage». IVoktfeUes iVlÖbßi-Anaeüoü Mainon alten Kunden und allen Interessenten mache ich auf diesem We�o die Mitteiiuug, dasa die Anschaffung einer teuren Wohnungs-Eiurichtung haute überflüssig ist, nachdem ich durch einen grossen und überaus güns.igen Abschluaa Gelegenheit«um Kauf von Elurlchlungan für mohrom hnndsrte Zimmer gnhabl habe, die ich unter dem Namau Feder- ginheifs- Ammer Mark von beuta ab zum Verkauf stelle. Sämtliche Einrichtungen sind nach einem Entwurf von Professor Peter Behrens ans bestem anecairoekaetem Kleiernhali hergestellt und erfrenea steh durch Ihr elnfachsi, sehr geschmackvolles Anseahan allcamatner Beliebtheit. AI* Feder-Einheltt-Zlmmer kommen in Betraebt Woha- und«ehlalzUnmer, welche aus aaobfolgendea Möbeln bestehen; 1 Wohnzimmerschrank 2 Bettstellen 2 Patentbüden 2 Auflege-Matratzs* 2 Keilkissen 2 Nachtschränkem, Platten 1 Waschtoilette m. 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In seinem Gegenhieb stützt sich Erzberger in der Haupt- fache auf zwei Dokumente, einen Brief des damaligen päpst- Ii wen Nuntius in München, der den e r st e n ernsthaften Jiicdensschritt Englands und Frankreichs darstellt, und die ablehnende Antwort des damali- gen deutschen Reichskanzlers Michaelis. Diese Dokumente werden in einer Broschüre mitgeteilt, die unter dem Titel:„Warum mußten wir nach Versailles" im Verlage von Reimar Hobbing in Berlin erschienen und von Oskar Müller verfaßt ist. In dieser Broschüre wird eine klare und lesenswerte Darstellung der t'age des Sommers 1917 geboten. Die Dokumente sind als Anlage beigefügt. Wir lassen den Wortlaut dieser Akten- stücke folgen: Schreiben des päpstliche« NtintinS. München> den 30. August 1917. Eure Exzellenz! Ich habe die hohe Ehre, anliegend Suetvr Exzellenz die Abschrift eines Telegramms zu übermitteln, das von Seiner Exzellenz dem Herrn Gesandten Seiner Majestät des König? von England bei dem Heiligen Stuhle Seiner Eminenz dem Herrn Kardinalstaatssebretär übergeben wunde; die französische Regierung schließt sich den im gleichen Telegramm ausgeführten Darlegungen an. Seine Eminenz ist voll des Verlangens, jene Bemühungen für a l d i g e Erreichung eines gerechten und dauerhaften Frie- d c n s wirkiam fortzusetzen, welchen anzunehmen die Kaisenlich« Regienrng so entgegenkommende Bereitwilligkeit an den Tag ge- legt hat. Darum hat mich Seine Eminenz beauftragt, die Auf- merksamkeit Euerer Exzellenz in besonderer Weise auf den Punkt ! mzulenkev, welcher sich auf Belgien bezieht und zu erreichen: 1. eine bestimmte Erklärung über die Absichten der Kaiserlichen Regierung bezüglich der vollen Unabhängigkeit Bel» g i e n s lind der Entschädigung für den in Belgien durch den Mrieg verursachten Schaden; 2. eine gleichfalls bestimmte An- gäbe der Garantien für politische, ökonomische und militärische llnabhäugigkeit, welche Deutschland verlangt. Sei dies« Er- klärung befriedigend, so meint Seine Eminenz, daß ein bedeutender Schritt zu weiterer Entwicklung der Verhandlungen gemacht würde. Tatsächlich hat der erwähnte Gesandte von Großbritannien seine llönigliche Regierung bereit» verständigt, daß der Heilige Stuhl aus die im angegebenen Telegramm enthaltenen Mitteilungen ant- Worten'wird, sobald er seinerseits durch mein« Vermittlung die Aniwort der Kaiserlichen Regierung erhalten haben wird. Meinerseits möge es mir gestattet sein, der festen Ueberzeuigung Ausdruck zu geben, daß Euere Exzellenz, bei deren Eintritt in die allerhöchst« Stelle unter loohl erwünschtem Zusammentreffen der hochgeschätzte päpstliche Vorschlag erschienen ist und welche so gün- stige Gesinnungen in bezug auf dieses Friede nöwcrk gezeigt hat, sich unsterbliche Verdienste erwerben wird, um dos Va-ter- Iimd und um die ganze Meufchheit, wenn mit einer versöhn- Iichen Antwort der gut« Fortgang der Friedensi-nKr- Handlungen erleichtert wird. In solcher Erwartung ist es mir sehr angenehm, der Gesinnung höchster Wertschätzung Ausdruck zu geben und habe ich die Ehre zu verharren als Euerer Exzellenz ergebenster gez. Eugen Pacellst Erzbifchof von Sardi Apostolischer Nuntius. Auf dieses ernste Friedensangebot folgte drei volle Wochen später diese ablehnende Antwort: Die deutsche Antwort. Berk«, den 24. September 1917. Euerer Exzellenz geneigtes Schreiben vom 30. v. M. habe ich zu erhalten die Ehre gehabt und bitte den Ausdruck meines aufrichtigen Dankes für die gütige Uebersendung der interessante« Mitteilungen entgegenzu- nehmen. � Wie ich au» dem Schreiben Euerer Exzellenz eiWehme, will Kardinalstaatssekretär feilte Bemühungen für baldig« Her- be:füh»ung eines gerechten imd dauerhaften Friedens wirksam fortsetzen ich nehme hiervon mit lebhafter Genugtuung Kenntnis, da die Wünsche der Kaiserlichen Regierung mit diesen Bestretungen Seiner Eminenz vollkommen übereinstimmen. Euere Exzellenz wollen mir gestatten, zu der mir gütigst über- mittelten Abschrift eines Telegramms der Königlich Grotzbritanni- ichcn Regierung an ihren Gesandten boi dem Heiligen Stuhl« noch. stehendes zu bemerken: Die Kaiser! che Regierung schließt sich der Auffassung an. daß eine genaue P räzisierung der Kriegsziel« denjenigen Weg bildet, auf dem sich unter Umständen eine Einigung unter den kriegführenden Parteien wird erzielen lassen. Denn gerade eine scharfe Präzisierung der gegenseitigen Bedingungen ivird es ermöglichen zu übersehen, ob durch ein« Prüfung im Geiste eines ver- ständigen Entgegenkommens vorhanden« Gegensätze beseitigt werden kennen. Für die Behandlung der zu untersuchenden Punkte wird obne. Zweifel ein« gewiss« Ordnung und Reihenfolge festzulegen scrn; hierbei werden auch nach unserer Anficht die auf Belgien bezügl-chen Fragen in erster Linie Beachtung zu finden haben. Alle Einigungsversuche müssen aber— und hierauf möchte ich vor Eintritt in Einzelheiten besonders hinweisen— von vorn- Ii crcin zur Unfruchtbarkeit verurteilt sein, wenn ludst bei dem Austausch der Meinungen derjenige Geist von Ob- je�tivität und Achtung vor dem Standpunkt des Gegners vorwaltet, für den gerade Seine Heiligkeit der Papst wahrend der ganzen Dauer dieses furchtbaren Krieges den Völkern ein so leuchtendes Vorbild gegeben hat. Bei un ren Gegnern ist im allgeistcinen die Tendenz hervor- getreten, d»i M ittelui ächten die alleinige Schuld an dem Krieg« aufzubürden und von ihnen in einem Tone zu reden, als habe ei» Angeklagter vor dem Tribunale strenger Richter zu erscheinen. Wir haben mit aufrichtigem Bedauern wahrgenommen, daß auch in dem von Euerer Exzellenz mir überreichten Telegramme der Königlich Großbvitannischen Regierung Auffassungen anklingen, die den eben geschilderten entsprechen. Und doch-sind nach den uns zugegangenen Berichten manchmal auch in den Aeußerungen leiten» der englischer Staatsmänner objektivere Auffassungen zutege getreten, die von uns angenommen werden könnten und dem Urteil entsprechen dürften, das die Geschichte dereinst über die Entstehungs- Ursache dieses gewaltigen Kampfes als Wahrheit feststellen wird. Nur ein solcher Geist der ruhigen Beurteilung und der Ver- sähnlichkeit kann eine für einen erfolgreichen Gedankenaustausch günstige Atmosphäre schaffen. Es würde mit dem berechtigten Stolze des deutschen Volkes vollkommen unerträglich sein, aus dem Boden anderer Anschauungen oder Gefühle sich mit soinen heutigen Gegnern zu einer Diskussion über die Möglichkeit und die Be- dingungen eines Friedens zu begegnen. Ich habe mir erlaubt, diesen Gesichtspunkt so ausführlich her- vorzuheben, nicht zu dem Zweck, alte Kontroversen, die jetzt mehr als drei Jahre lang die Völker entflammt hatten, wieder zu beleben und das Friedenswerk zu erschweren, sondern gerade in dem Be- streben, durch genaue Umschreibung jener seelischen Voraus- setzungen— auch bei unseren Gegnern—, ohne welche alle noch so wohlgemeinten Versuche ergebnislos bleiben müßten, dem Fliedens- werke den Weg zu ebnen. Wenn sich unsere heutigen Gegner darauf borusM, daß fie als Antwort auf die Note des Präsidenten Wilson ihre Kriegsziete mitgeteilt hätten, so dürfte es nicht überflüssig sein, schon jetzt darauf hinzuweisen,.daß die damals bekanntgegebenen Kriegsziele als Grundlage eines Meinungsaustausches nicht in Erwägung gezogen toerden können, da sie einen Ausgangspunkt zur Vor- aussetzung haben, der dank der Stairdhaftigkeit des deutschen Volkes niemals eintreten wird: nämlich die völlige Niederwerfung Deutschlands und seiner Verbündeten. Wollte Deutschland Kriegsziete veröffentlichen oder seinen heutigen Gegnern mitteilen lassen, die von der umgekehrten Voraussetzung, d. h. von einer völligen Niederwerfung seiner heutigen Gegner uuS- gingen, so würde unseres Elachtens die Sache des Friedens hier- durch nicht gefördert, sondern geschädigt; denn die Abweichungen der gegenseitigen Forderungen wären so groß, daß auch der beste Wille verzweifeln müßte, eine. Einigung siir möglich zu halten. Sollte es im gegenwärtigen Augenblicke zu Gesprächen über die Möglich- keit des Friedens kommen, so könnten sie nur auf einer neuen Grundlage geführt werden— auf der Grundlage nämlich, daß zurzeit keine von beiden Parteien besiegt sei und keine der anderen moralisch oder politisch etwas zumute, was von einem stolzen Volk, selbst lvenn es besiegt wäre, nicht ertragen werden könnte. Sind wir mithin im heutigen Stadium der Dinge noch nicht in der Lage, dem Wunsche Euerer Exzellenz zu e n t» sprechen und eine bestimmte Erklärung über die Ab. sichten der Kaiserlichen Negierung im Hinblick auf Belgien und auf die von uns gewünschten Garantien zu ent» sprechen, so liegt der Grund hierfür keineswegs darin, daß die Kaiserliche Regierung grundsätzlich der Abgabe einer solchen Er- klärung abgeneigt wäre oder ihre entscheidende Wichtigkeit für die Frage des Friedens unterschätzte oder glaubte, ihre Absichten und die ihr unumgänglich notwendig scheinenden Garantien könnten ein unübersleiglicheS Hindernis für die Sache des Friedens bilden, son- dcrn lediglich darin, daß ihr gewisse B o r b e d i n»u n g c n, die eine unbedingte Boraussetzung für die Abgabe einer derartigen Erklärung bilden, noch nicht genügend geklärt zu sei» scheinen. Hierüber Klarheit zu gewinnen, wird das Bestreben der Kaiser- l ichcn Regierung sein, und sie hofft— falls die Umstände ihr Vor- haben begünstigen— in nicht allzu ferner Zeit in der La(tze zu sein, Euere Exzellenz über die Absichten und nötigen Forderungen der Kaiserlichen Regierung, insbesondere in bezug auf Belgien genauer unterrichten zu köunen. Ich darf schon jetzt der uns beseelenden Hoffnung Ausdruck geben, daß das große Unternehmen Seiner Heiligkeit des Papstes den Völkern nach so vielen Schrecknissen dieses beispiellosen Kampfes die Segnungen des Friedens wieder zu schenken, von vollem Erfolg gekrönt sein möge. In ausgezeichneter Hochachtung habe ich die Ehr« zu ver- harren als Euerer Exzellenz ergebenster gez. Michaelis. Seiner Exzellenz dem Apostolischen NnnttuS Erzbifchof von Sardi Msgr. Eugen Pacclli München. -Was ergibt sich aus diesem amtlichen Schriftwechsel? In dem ersten Briese wird dem damaligen Reichskanzler Michaelis die bedeutsame Tatsache mitgeteilt, daß die e n g- lische Regierung mit ausdrücklicher Z u st i in- m u n g der französischen durch ihren Gesandten beim Heiligen Stuhl ein Telegramm hat überreichen lassen, in dem die Regierungen der beiden Westmächte sich darüber Gensißheit verschaffen wollen, erstens ob Deutschland eine bestimmte Erklärung abgeben wolle über seine Absichten be- züglich der vollen Unabhängigkeit Belgiens und der Entschädigung siir die in Belgien durch den Krieg verursachten Schäden. Zweitens welche Garan- t i e n Deutschland für die politische, ökonomische und militärische Unabhängigkeit Belgiens verlange. Ter damalige Reichskanzler Michaelis läßt drei Wochen ins Land geben, bevor er den ersten ernsthaften Friedensschritt der W e st m ä ch t e beantwortet. In- zwischen hat eiste wühlende Agitation der Alldeutschen ein- gesetzt, der es gelingt, die Regierung Michaelis einzuschüch- tern. Tie A n t w o r t des Michaelis bedeutet den Sieg der Kriegsverlängerer und Annexionisten. �„Diese Antwort bedeutete— so schreibt Oskar Müller in seiner oben erwähnten Broschüre— das Ende auch der geheimen nichtamtlichen Vermittlung des Vatikans. Der deutsche Kanzler legte in seinem Brief den Hauptwert auf die damals nebensächliche Frage, ob Deutschland die alleinige Schuld am Ausbruch des Krieges treffe. Auf die präzise, von England und Frankreich gestellte, durch den Vatikan übermittelte und dringend zu einer versöhnlichen Beantwortung empfohlene Frage über die Räumung Belgiens und die von Deutschland gewünschten Tara.i- tien verweigerte er jedoch die Antwort, da er „im heutigen Stadium der Dinge" noch nicht in der Lage sei, bestimmte Erklärungen abzugeben. So war es nach der öffentlichen und vertraulichen Behandlung, welche die Frie- denskundgebung des Papstes in Deutschland erfahren hatte, nicht zu verwundern, daß sich bei den feindlichen Regierun- gen und im neutralen Auslande von neuem die Ueberzeu- gung festsetzte, die Friedensresolution des Reichstags vom 19. Juli 1917 sei mehr eine Angeligen- heit politischer F a s s a d e n k u n st gewesen, als eine ernst- hafte Orientierung der deutschen Politik zum Verständi- gungsfrieden, daß vielleicht einige Parteien des Reichstags, keinesfalls jedoch die Regierung und die sie stützenden Faktoren zu einer siir die Entente annehmbaren Lösung der belgischen Frage bereit seien, und daß es min gelte, m it z us ammengebissenen Zäh- nen in den vierten Kriegswinter zu gehen. Das war es, was auch die Minderheit des Deutschen Reichstags und die alldentsch-konservative Agitation im Lande gewollt hatten. Sie waren im offenen politischen Kamps unterlegen, aber sie hatten, dank der Schwäche der Regierung, einen großen geheimen Sieg daiwngetragen. Der Frieden war verhindert, der Krieg ging weiter, und das Schicksal Deutschlands neigte sich in der typischen Verbindung glänzender militärischer Erfolge mit der Un- Möglichkeit, sie politisch fruchtbar zu machen, und zum Frie- den reifen zu lassen, seinem Ende zu." Nationalversammlung z« Weimar Vormittagssitzung. Am Regierungstiich: David, Müller, NoSke, Erzberger, Naumann. Nach Erledigung kleiner Anfragen nimmt das Wort Präsident Fehrcnbach: Der Aeliestenausschuß bat folgenden Arbeitsplan entworfen. Es soll versucht werden, beute und morgen in Vormittags- und Nachmitlo�ssiyungen die politische Aussprache zu Ende zu fübren. Gelingt dies, dann soll ferner für Montag die Beainleninterpellation zur Beratung gestellt werden. Für den Dienstag und die folgenden Tage ist in Vormittags- und Nachmittagssitzungen die d r i t t e L e s u ng der Verfassung in Aussicht genommen. Dann soll, etwa vom l.bis 5. August, für des Plenum eine kleine Pause euttrelen. Vom ö. August an würden dann in erster Lesung die großen Stcucrvorlagen zur Beratung kommen, dann werden wir versuchen, die in der Zwischenzeit verhandlungSreif gewordenen kleineren Steuer- vorlagen zu erledigen. Wie lange Zeit das in Anspruch nehmen wird, läßt sich nalürlich heul noch nicht sagen; es kann der 10. August werden. eS kann aber auch noch später werden. Dann würden wir für daS Plenum eine Ferienpause von etwa einen Monaz und für die Sleuerausschüsie eine kleine Paule von etwa 8 Tagen eintreten lassen. Nach der kleinen Pause würden wir Ihnen für etwa Mitte August den Umzug der Steuerkommissionen nach Berlin vor- schlagen, einmal im Interesse der Förderung der sachlichen Wer- Handlungen, und dann wegen der großen Kosten, die unS hier in Weimar erwachsen. Alio wir schlagen Ihnen vor, daß die Aus- schüsie nach ihrer kurzen achttägigen Pause in Berlin ihre Arbeite» fortsetzen und daß das Plenum etwa am 15. September in Berlin tagen wird. Ich nehme an. daß bis dahin die Steuervorlagen in den Aus- schüsien vorberoten sind; in der Zwischenzeit wird auch der Etat zux Vorlegung kommen, und es wütde das eine Arbeitszeit bis itt den Oktober hinein bedeuten. Ich weiß, daß das eme außerordentliche Zumutung an Ihre Ausdauer und Arbeitskraft bedeutet; ich möchte auch namentlich gegenüber törtchlen Redereien draußen im Lande der Nationalversammlung das Zeugnis ausstellen, daß sie. wie selten ein Parlament, in fortgesetzter Arbeit sich betätigt hat mit unendlicher Ausdauer, Arbeitslust und Arbeitsfreude. Die geschäftlichen Mitteilungen sind damit abgeschlossen, und wir können zum nächsten Gegenstand Besprechung der Erklärnng der Reichsregierung übergehen. Dr. Branne(Zent.): Zentrum und Sozialdemokraiie haben ihre Koalition in der FriedenSfrage nicht von langer Hand vorbereitet; die Notlage des Vaterlandes erzwang hier, wie in anderen Dingen, ein Kam- p r o m i ß. Ohne Sozialdemokratie ist heute keine Regierung denkbar� Das Zentrum glaubte sich der Verantwortung für die Unterzeich- nung des Friedens nicht entziehen zu können. In der entscheidenden FraitionSsitzung siiniinteu nur sieben Mitglieder gegen die R a t i i t l a t t o n. Die Ablehinmg wstde Anarchie und Bürger- krieg gebracht haben. Auch die Rechte lvimte die Entwicklung mcht hindern. Ihr Nein war ein Nein des Affektes lStürmischer Widerspruch techis, langanhaltende Bewegung und durckeinanderlvogcnde Zurufe, die sich wiederholen, als der Redner fortfähtt:), war ein Nein des Affektes und nicht der aufbauenden Tat. Die Frage war nicht: diesen oder einen anderen besseren Frieden, sondern die Frage war: Wann schließen wir den schlechten Frieden, jetzt oder später, und vielleicht gar noch einen schlechteren? Das Rechnen mit der Welt» revolution war weder recht noch redlich. Sie hätte nie Ordnung geschassen und wird sich auch in absehbarer Zeit nicht v e r w t r k 1 1 ch e n. Anders handeln konnte nur, wer in der Opposition stand.(Sehr richtig! links und im Zentrum.) Man spricht dort den Ja-Sagern. wie man sich geschmackvoll aus« drückt, die nationale Ä e i i n n u n g ab, nickt einmal ein neues, sondern aus alter Zeit berückligte« Mittel. Wir broucken leine Bestäiigung unserer nationalen Gesinnung.(Seht tichiig! im Zentrum) Man bat von Schmackfrieden gesprochen. Eine Schniack ist der Friede sür die. die ihn uns auizwingen, aber auch für die, die den Krieg, dessen Folge der Friede ist, ' verstricht haben. Der Friede selbst ist ein Unrecht und eine Vergewaltigung, und wir werden nicht aufhören, seine Si«Vision auf friedlichem W e g e zu fordern und mit allen Mitteln nachdrücklich zu betreiben. Alles Unrecht rächt sich einmal. DaS deutsche Volk hat sich so oft aus Armut, Elend und Niederlage herausgearbeitet, daß es auch diele Prüfung überstehen wird. In seiner Unetfüllbarkeit trägt der Friede bereits eine Korrektur in sich. Wir können unsere Verpflichtungen nur mit unseren Fabrikaten be« zahlen» die Entente zw!n� uns also zur schZrfsten Kon l u r r r n z g-�gen ihre eigene Industrie. Von unserer christliche religiistizn Ueberzeugung aus verurteilen wir alle Bestrebungen, Feindsckm� gegen andere Völker zu predigen; die alte Formel vom Erbfeind darf nichl wieder aufleben.(Beifall im Jen trum.) jmi pen Polen liegt eine Verständigung im beiderseitigen Interesse. Nicht der Krieg ist die Triebkraft deS Fortschritts, sondern der Friede.(Beifall im Zentrum.) Bei der Reform des Auswärtigen Amtes muh dem Tüchtigen freie Bahn geschaffen werden, müssen die Privilegien der Reichen verschwinden. Für den Wiederaufbau unserer Wirt» schaft brauchen wir Rodmaterialien, Arbeitsleistung, Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion, Sicherung der Arbeit durch Tarif- Verträge, die das beste Mittel gegen Streiks sind sowie länd- liche Besiedelung. Gegen die Ueberschwemmung mit Fertigwaren vom Ausland müssen wir unsere Zollgrenze wieder auf- richten. Wir müssen die Einfuhr von Rohstoffen und die Ausfuhr unserer heimischen Erzeugnisse bel-.eiben. Die AuSnützung der Wasserkräfte ist praktische Soziolisierung. Wir begrüsten das Reichsmonopol für die elektrische Krait und für den Erzbau, wie des Braunkohlenbergbaus; für den gesamten Kohlenbergbau ist die Verstaatlichung noch nicht möglich, allerdings bin ich deren Anhänger. Die groffen Vor- r ä t e an Rohmaterialien ans der Kriegswirtschaft muffen herausgegeben werden. Die Kriegsgesellschaften müssen schnellstens verschwinden, Was diese an Auswüchsen und Kor- ruption gezeitigt haben, ist nicht zu sagen.(Sehr richtig!) Wir brauchen Auslandskredit und freie Bahn für den Außenhandel. Die Ueberfülle von Papiergeld muß beseitigt, die harten Steuer- opfer müsten willig gelragen werden. Die Steuergesetzgebung muß natürlich der sozialen Gerechtigkeit entsprechen. Aufs Schärfste sind Steuerhinterziehung und Steuerflucht zu bekämpfen. Wir sind keine grundsätzlichen Gegner einer gebundenen Wirtschast, und manches Gute steckt in der Wissellschen Planwirtschaft. Aber in der seligen Lage können wir solche Experimente nicht machen. Für besonders notwendig halten wir die Stärkung des Arbeits» willens. In dieier Hinsicht wird die Besserung unserer Ernährung besonders wirksam sein. Man gebe dem armen Volke, das so viele Jahre hindurch gehungert hat, einmal regelrecht satt zu essen, und müßte es selbst auf Kosten der Vorauswirtschaft für das nächste Jahr geschehen.(Sehr richtig I) Nicht vorbei kommen können wir an einer zweckvollen Regelung der Arbeitslosen- f ü r s o r g e. Eine Steigerung der Arbeitswilligkeit erwarten wir auch durch die Bekämpfung der wilden Streiks Von einem Streik- verbot hallen wir nichts, weil seine nächste Folge ein Streik gegen das Verbot sein würde. Die völlige Gesundung der Arbeitsleistung kann nur durch die Arbeiter selbst kommen. (Lebhafte Justimmung.) Wir stehen vor dem Abschluß der Reichsverfassung. Durch unsere Mitarbeit daran verpflichten wir unS ans keine RegierungSform, sondern erfüllen nur unsere gottgewolHe Pflicht der Stützung der neuen Ordnung, damit überhaupt wieder Ordnung komnil.(Leb« hafte Zustimmung im Zentrum.) In der Ländenrage werden wir nach wie vor dafür eintreten, daß die Selbständigkeit der Einzel« stauten nicht stärker beschnitten wird, als es die Notlage des Reichs verlangt; ein völlig zentralisierte« Reich lehnen wir ab. Völlig neue Wege haben wir durch unser Kompromiß für die Ordnung der Verhältnisse von Staat, Kirche und Schule eingeschlagen. Ein Teil der Presse hat dagegen da? Volk mit allen Mitteln demagogischer Art aufzureizen versucht. ES ist von Finsterlingen geredet worden; man glaubt anscheinend immer noch, mit kullurkämpserischen Mitteln Politik machen zu können. Man hat gesagt: „Wer mit dent�ciltrum essen solle, der müsse einen langen Löffel haben." (Heiterkeit, Zurufe bei den Demokraten: Sehr richtig I) Wir wollen eine ErziehungS schule und keine teint. Sil» d u n g S s ch n l e. I Erziehung ist nun aber einmal von Religion und Weltanschauung nicht zu trennen. DaS Kompromiß bietet uns die Möglichkeit, an einem neuen Kulturkampf vorbeizukommen. Wir sind aus Pflicht- gefühl entschlossen, an der aufbauenden Arbeit der Regierung auch weiterhin teilzunehmen; unser Blick ist nicht nach rückwärts, sondern nach vorwärts gerichtet.(Langanhaltender Beifall im Zentrum.) Preußischer Landwirtschaftsmimster Braun: Wenn der Abg. Tusche auch nur eine Spur des Verantwortlich- keitsgefühlS hätte, das er mir ge st e r n abgesprochen hat, so würde vr nicht leichtfertig so schwerwiegende Vorwürfe gegen mich erhoben haben. Ich habe schon vor Monaten, als die Gefahr eines Land- arbeiterstreiks auftauchte, VorbeugungSmaßregeln getroffen, bei denen ich allerdings von der Tatsache ausgegangen bin, daß die Arbeits- und Lolmverhältniffe der Landarbeiter die rückständigsten und unbefriedigendsten sind. Wo diese Erlaffe loyal ausgeführt worden sind, hat Ruhe ge- herrscht; nur in Pommern, wo die Arbeitgeber unter Führung des Pomm ersehen Landbundes in der einseitigsten Weise deck Herrn-im-Hause-Standpunkt vertreten haben, yt' es zu Streiks gekommen. Dieser pommersche Landbund cht eine Art geheime Gesellschaft, in jedem Falle ein reatlionäres Ge- bilde, das von seinen Mitgliedern deutsckMölkische Gesinnung verlangt, das Juden und Katholiken von der Mitgliedschaft ausschficßt(Hört, hört!), das seinen Mitgliedern Verschwie- genheit über die ihnen zugegangenen Richtlinien deS Bundes auferlegt.(Hört, hört!) Durch ein Schreiben dieses Landbundes vom 28. März, das nur an die zuverlässigen Landräte durch Offiziere verschickt worden ist(Rufe: Hört» hört! Unerhört! bei den Soz.), ist ein Waffcnschinuggcl zwecks Bewaffnung der Mitglieder des Landbundes in die Wege geleitet worden(Hört, hört!), und leider muß gesagt werden, daß auch militärische Behörden dabei ihre Hand rm Spiele gehabt haben. Durch zahlreiche Eingaben hat der Bund den Ein- druck zu erwecken gesucht, als ob in Pommern alles brenne und es deshalb nötig sei, sofort den Belagerungszustand zu lwr- hängen und ein allgemeines Streikverbot zu erlassen. Redner verlieft zum Beweis feiner Behauptungen eine Anzahl Schreiben und andere Schriftstücke und geht dann des näheren auf den Ausbruch und Verlauf deö Streiks im Kreise Franzburg ein. Eins steht fest: durch alle diese Treibereien und schliessl'.ch durch die Verhängung des Belagerungszustandes nicht nur für den Bezirk Stralsund, sondern auch darüber hinaus für drei Kreise des Regierungsbezirks Stettin, wo völlige Ruhe herrschte, hat der Streik einen Umfang angenommen, den er sonst nie an- genommen haben würde. Ich habe, meiner Verantivortung voll bewußt, foforl veranlaßt, daß der Belagerungszustand auf- gehoben und Verhandlungen über T a r i f v»r t r ä g e in die Wege geleitet wurden. Ich habe einen Kommissar hingeschickt, dem es an einem Tage gelungen' ist, für den Bezirk Stralsund einen Tarifvertrag zustande zu bringen. Nachdem, trotz der in der preußischen Landesversammlung gegebenen Aufklärung di« Be- haupiung hier wiederholt worden ist, einer meiner Kommissare, Dr Grimm, habe zum Streik gehetzt, so bleibt mir nun nichts anderes übrig, als durch gerichtliches Verfahren festzustellen, wer sich diese Verleumdung aus den Fingern gesogen hat. Ich glaube behaupten zu dürfen: Wenn bei dem jetzt grassic- renden Streikfieber von den Millionen Landarbeitern nur einige Tausend in den Streik, getreten sind, so ist das in erster Lmi« der Tätigkeit des LandwirffchaftSministeriumS und feiner Kommissar« zu verdanken. Wenn es infolge des Streiks zu Schäden in Pom- mern gekommen ist, so tragen lediglich diejenigen die Schuld daran, die seit Wochen und Monaten systematisch das Zustandekom inen von Tarifverträgen vereitelt haben.(Sehr richtigl und Beifall bei den Soz.) Die Nachrichten, die über den Ausstand in die Presse gekommen find, sollten in der Bevöl- kerung Unruhe suggerieren. Trotzdem ist die Lage nicht leicht zu nehmen, d. h die berechtigten Forderungen der Arbeiter müssen erfüllt werden.(Zuruf rechts.) Ich will lieber Minister von 20 000 Landarbeiter,, sein, als i>« Kommis von 50 Großgrundbesitzern, die mit ihrem Hochmut den Streik verschuldet haben. Spruch- kammern müssen die richtige Anwendung der Tarifverträge durch- fetzen. Dann können wir gegen bolschewistische Elemente zur Sicherung des Eigentums und der Ernte richtig einschreiten. Der gesunde Sinn der Landarbeiter wird hoffentlich die Provokationen von rechts wie. hie kommunistische Hetze von links als Wahnsinn und Verbrechen am Volke ablehnen.(Beifall links.) Tusche(D. Vp.)(persönl. Bemerkung): Der preußische Land- wirtschaftS:n'.nistcr hat kein Wort der von mir geforderten und gewünschten Anerkennung der Tätigkeit der Landwirte und reine Warnung für die Landarbeiter gehabt.(Sehr richtigl rechts. Unruhe links.) Er hat nur vom pommerschen Landbund gesprochen. der mich nichts angeht. Er hat nichts zurückgenommen, son- dern die Beleidigung sämtlicher Landwirte in Deutschland aufrechterhalten. Landwirtschaftsminister Brau«: Mir ist gar nicht eingefallen, alle Landwirte zu beleidigen. Meine Ausführungen waren voll- kommen deutlich, wen ich meinen konnte. Ich halte allerdings die- jenigen, ob rechts oder links, die mit Handgranaten arbeiten, für Bolschewisten, sie bilden ebenso wie die Kommunisten nur eine gewalttätige Minderheit.(Beifall bei den Soz.) Schluß der VormittagSsitzung. RachmittagSfitzung. Am Regierungstische: David, Erzberger, Nolle, Müller, Naumann. Präsident Dietrich eröffnet die Sitzung 8 Uhr 40 Minuten. Abg. Frau Dr. Bäumer(Dem.): Der Zentrumsredner ist noch einmal auf unsere Stellung zur FricdenSfrage zurückgekoGmen; wir fühlen uns nicht veranlaßt, ihm darin zu folgen, da unsere Haltung immer konsequent gewesen ist.(Zurufe bei den Sozial- demokraten: Konsequent?) An dem von dem Minister entwickelten Programm werden wir im Rahmen unserer demokratischen und politischen Ueberzeugung mitarbeiten. Dabei wollen wir in ent- schlössen« Treue zu deutscher Art und Gesinnung stehen, lehnen aber eine Gewaltpolitik entschieden ab. Unsere Auslands- beziehungen müssen auf Grund einer demokratischen Politik wieder angeknüpft werden, damit die Deutschen im Auslände aufs neue Boden gewinnen und die deutschen Minoritäten außerhalb unserer Grenzen ein erträglich«? Dasein führen.(Beifall.) Der Völk«bund hat für uns nur W«rt auf der Grundlage der Gleichberechtigung deS deutschen Volke».(Lebhaste Zustimmung.) Wir stimmen mit dem Minister überein in der An- erkennung der KriegSlciden Frankreichs und Belgiens. Wir haben sie auch im Verlauf deS Krieges mitgefühlt.(Teilweiser Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Schmerzlich bedauern wir, daß die französischen und englischen Frauen, die Widerspruch?» loZ die Hungerblockade gegen die deutschen Frauen und Kin- der duldeten(Lebhafte Zustimmung), für die Zustände in dem französischen okkupierten Gebiet, wo dauernd Vertrag Sbrüche stattfinden, noch kein Wort der Kritik gefunden haben. Wir wenden uns auch gegen die Aufladung der Kriegsschuld, die gegenwärtig besonders in jener verwegensten Parodie eines Gerichtes über hunderte angeblich kriegSschulviger Deutscher in Erscheinung tritt. Wir verlangen, daß der von unS bereit? einmal aufgeworfene Gedanke eine? internationalen Schiedsgerichts über die Schuldfrage noch einmal erörtert wird.(Lebhafter Beifall.) Eine Revanche- Politik lehnen wir ab. Sie würde eine verhängnisvolle Fortsetzung der JllusionSpo'litik deS Krieges bedeuten und die neue innere Einheit unseres Volkes unmöglich machen. (Beifall.) Wir wollen mitarbeiten an dem Versuch, der Welt nicht die WeltreMolution, sondern den Weltfrieden zu brin- gen.(Lebhafte Zustimmung.) Dafür ist die Voraussetzung der Ueberwindung unserer Zerrissenheit im Innern. Die Pogromgefahr, die sich gegenwärtig geltend macht, ist ein Frevel an der inneren Einheit, der Welt gegenüber ist eS schädlich und unangebracht, ihr auch noch dieses Schauspiel zu bieten.(Lebhafter Beifall.! Dem sür die innere Politik aufgestellten Regierungsprogramm stinMren wir durchweg zu. An den Ausführungen des Reichswirtschafts- ministcrs begrüßen wir besonders seine Würdigung der Wirtschaft- lichen Probleme nach der technischen Seite hin, die er hinter poli- tische Rücksicbten zurücktreten ließ. In dem Maße, als es gelingt, eine innere Demokratisierung des Arbeitsverhältnisses, die für uns gleichzeitig eine V e r m e n s ch l ich u ng bedeutet, herbeizuführen, werden wir auch zur Herstellung des un? so bitter nötigen Ar- beitsfriedens kommen. Von dem Standpunkte grüßen wir vor allen Dingen die vom Ministerpräsidenten angekündigte Ein- führung der obligatorischen Schiedsgerichte. Unser ganzes Wirtschaftsprogramm dient dem Gedanken, aus unserm zer- nssenen Volk wieder eine Einheit aufzubauen, denn daS ist die Voraussetzung zu einem Wiederaufstieg.(Beifall.) Von diesem Standpunkt hat uns die Regelung der Sckulfrage mit der tiefsten Besorgnis erfüllt.(Lebhafte Zustimmung bei den Demokraten.) In dem Augenblick, wo wir die Einheit unseres Volkes so nötig haben, wird ein Schulkompromih abge- schloffen, das unser Volk in seiner ganzen Jugenderziehung aus- einanderreißt.(Sehr richtig! und lebhafte Zustimmung bei den Demokraten. Lebhafter Widerspruch im Zentrum.) ES ist gesagt worden, durch dieses Kompromiß vermeiden wir den Kul- t u r k a m p f. DaS Gegenteil ist der Fall. Wir tragen den Kampf hinein in jede Stadt, in jedes Dorf und in jede Familie. Wir lassen ihn entbrennen um jedes Kind und um jede Mutter.(Sehr richtigl bei den Demokraten.) DaS entschei- dende ist, daß wir die ganze Jugenderziehung so in zwei Ströme sich spalten lassen, die sich in ihrem beiderseitigen Eha- rakter immer schärfer differenzieren müssen, weil sie sich nicht an- einander stoßen und abschleifen lassen.(Beifall und Zustimmung bei den Demokraten.) Dieser Entwicklung gegenüber werden wir auf dem Boden der Einheit und der Freiheit und eine? starken nationalen Bewußtseins an dem Programm der Reicköregierung mitzuarbeiten suchen.(Lebhafter Beifall bei den Demokraten.) Abg. V. Graefe(Dnatl.): Die Regierung hat erklärt, ihr Programm hier nicht ent- wickeln zu können, ehe nicht die Vexfassunq fertig sei. Wir sind nicht harmlos genug, daS so anzunehmen. Charakteristisch erschien mir nur das Geständnis deS Ministerpräsidenten; er verzichtete darauf, die Errungenschaften der letzten acht Mcknate auszuzählen. Herr Bauer, war das Rücksicht auf denjenigen Kollegen, der im Ministerium die eigentliche führe nde Stellung hat?(Große Unrube links!) Wir allerdings wollen uns ansehen, wodurch die jetzige Regierung und ihre unmittelbare Vorgängerin auf den Platz Bismarcks gekommen.sind, um sein Werk zu zer- stören.(Großer Lärm links!) War der Weg, auf dem sie die Monarchie st ü r z t e n, der Wille der Mehrheit deS deutschen Volkes?(Widerspruch und Unruhe links!) DaS Wahlresultat gibt ihnen kein Recht dazu. Die Berufung auf die Mehrheit des HauseS ist ein Trugschluß. Sie kam zustande durch eine Vergewaltigung des deutschen Volkes(Lebhafte Unruhe links!), wie man dem deut- scheu Volk jetzt eine republikanische Verfassung gegen den Willen seiner Mehrheik aufgezwungen hat.(Sehr richtig! rechts, Unruhe links!) Möglich wurde die Vergewal- tigung der Mehrheit durch eine Minderheit nur. weil das deutsche Volk, durch die Schrecknisse des Krieges verwirrt, Frieden und Brot verlangt« und alles über Bord warf, wenn ihm dafür die Aussicht auf Frieden und Brot geboten wurde. Wenn auch manche ehrlicbe Phantasten Brot und Friede«warteten, so haben doch unendlich viele lediglich zur Befriedigung ihrer politischen Machtgelüste die niedergedrückte Stimmung des deutschen Volkes verbrecherisch gemißbraucht.(Sehr richtig! rechts.) Aehnliche Versuche in den Ländern unserer Feinde wur- den dadurch unterdrückt, daß d« englische Admiral Beatty 200 Matrosen erschicßew ließ und Clemenceau die Meuterer in den Regimentcru an die Wand stellen ließ. Es ist ein tragisches Geschick für uns« armes deut- sches Volk, daß die verbrecherischen Jllusionspoli- t i k e r bei uns nicht auf diese Weis« beseitigt wurden. Der „Vorwärts" schrieb ja damals, wenn die Regierung nicbt Blutvergießen hätte vermeiden wollen, wäre es nicht zum Matrosen- aufstand gekommen.(Vollkommen unwahr! Red. d. V.)' Sie(zu den Soz.) baben auch kein gutes Gewissen bezüglich der Jllu- sionen, mit denen sie da? deutsche Volk hingehalten haben. Mji welchen demagogischen Mitteln sie jene Ideen' in die Armee trieben und unsere militärische Macht zerrütteten, dafür liegen die Be- kenntnisse von Herrn Vaker und von H«rn Ledebour vor. Ebenso direkte Beweise.von der Front selbst. Niemand wird ihnen die Schuld abnehmen.(Lärm bei den Soz.!) Die Zermür- bung unseres Heere? hat seinen Zusammen- bruch herbeigeführt.(Lärmend« Wid«''vru die Negierung erklärten, daß«in Volk feine Ehre nicht preis- geben dürfe. Was am 12. Mai nur Reden waren, wäre Anfang November noch eine Tat gewesen.(Lärmender Widerspruch bei den Soz.) Aber dann war es aus mit den Erfolgen der Revolution. Unt« d« MaSke eines Waffenstillstands lief«te man daS Volk restlos dem Feinde a«S. Eine ehrliche Demo- kratie hätte unserem Volke die Entscheidung überlassen, anstatt ihm da? Gaukelspiel deS Waffenstillstands vorzumachen.(Heftig auf den Tisch schlagend:) H«r Erzberger hat als erster das ge- macht. Die dem Volke Frieden und Brot versprachen, stehen jetzt vor der Pleite ihr« Politik. Aus sozialdemolratischem Munde haben wir am 12. Juni gehört, daß uns«- Arbeit« ihr- Walten am 5. Novemb« 1918 nicht niedergelegt hätten, wenn sie diesen Frieden vorausgeahnt haben würden. Nun wird in ein« offiziellen sozialdemokratischen Parteikundgebung ausgeführt, wir verdank'-n diesen traurigsten Frieden der Weltgeschichte den Alldeutschen, die bis zum 0. Novemb« die Politik uns«« Heimat g-sübri haben. Ebert ist darüber ganz ander« Auffassung g-wesen. Im November 1917 anerkannte auch der„Vorwärts", daß die Politik des Reichs- tagS(aber auch. nur des Reichstags. Red. d.„V."> nicht mehr unter dem Einfluß d« Alldeutschen stünde, und jetzt sollen die Alldeutschen die Träger der Politik vor dem 9. November gewesen sein. DaS heißt Sand in die Augen deS deutschen Volke? streuen(Andauern- d« Beifall recht? intb Widerspruch links.) Die Demokraten Hreber, Dr. Pachnicke und andere waren nicht grundsätzlich gegen die Annexion. Ab« der schlimmst« aller Annexionisten...(der Redner blickt auf den Minister Erzberger; langanhaltende stürmische Heiter- feit) Der Redner legt das bekannte AnnexionSprogramm ErzbergerS au? dem Sevtember 1914, unter ständigen Widersprnchskundg-h"n- gen d« Linken u>nd ZusfimmnngSäuß«ungen der Rechten im cm- zelnen dar und stellt ihm die Friedensvovschläge der Obersten Heeresleitung aus dem Dezember 1910 gegenüber. Ich zweifle nicht, daß Herr Erzeberger hernach allerlei vorlegen wird, was die Annexionslust der alldeutschen Kreise in der Obersten Heeresleitung beweisen soll.(Zuruf des Reichsministers Erzberger: Allerdings!) Ich bin überzeugt, daß eS Ihrer Geschicklichkeit und Gewandtheit gelingen wird, durch irgendwelche Enthüllungen sich vier im Hause eine Beaeisterungsatmofvhäre zu schaffen.(Andauernde Unruhe links!) Aus die Enthüllungen des Grafen Wedel, die wirklich Enthüllungen sind, will ich vor der Antwort Erzbergers nickt weiter eingehen. Wenn Erzberger auch nickt im seindlick-n Solde gehandelt bat, so hat« doch so gehandelt, als ob er im feindlichen Solde gestanden• hatte.(Langandauernde Unterbrechungen. Ein Teil des Zentrums ruft fortgesetzt: Pfui!) Der Redn« beschäftigt sich nunmehr mit den Behauptungen, die vom Zentrumsabgeordneten Dr. Braun? und and«en gegen die Deutschnationalen anläßlich ihrer Stellungnahme zur Frie- densunterzeichnung öffentlich erörtert worden sind. Als „höchstes Ziel" unserer auswärtigen Politik bezeichnet der Ministerpräsident unseren Eintritt in den Völkerbund. Hat er denn gar kein Gefühl dafür, wie solche demütigenden Freundlichkeiten und Unterwürfigkeiten auf das Ausland wirken werden?(Lebhafter Beifall rechts. Lachen be' den Soz.) Und Dpi« die äußere, so ist auch die innere Politik d« Revo- lutionSregi«?ung völlig zusammengebrochen. Jetzt kommt man mit bex Sozialifierungspolitik und mit einer Steuerpolitik, die Einfach eine BermögenSkonfiSkation bedeutet. Trotzdem wird man um den Staatsbankerott nicht herumkommen. Wir wollen daber der Regierung unser Mißtrauen in aller Form aussprechen. Wir wissen, daß wir n'cht mit solchem Antrag«ine weitgehende- Resonanz im deutschen Volke außerlaib des HauseS finden werden. Die Mehrheit des Hauses kann unS einen Augenblick von furchtbarer Arbeit zurückdrängen, aber nach den Werten deS Dichters ist eS ein Genuß, einer Minderheit anzu- gehören, die die Wahrheit vtttritt.(Bei diesen Worten bricht aur der Linken Hohngelächter aus, in dem die Schlußworte de? RevnerZ verloren gehen.).. (Schluß im Hauptblatt.) öriefkaften üer Neöakiwn. lll 81. Sie sind zur Zahlung von Einkommensteuer nicht derdsti»tet, wenn die dortige KemeindebeSörd« von dem ihr zubebenden Recht-er Zleuerfrcihei, für Zensiten unter 1500 M. Tcbrauch macht-«Ibing 38. (Ihre Fragen tonnen wir nicht beantworten. Erkundigen Sie sich bei»ineni Patentanwalt- O. f>. 27. Um in den Kenuh der Altersrente treien ,u können, erfordert da» Eiletz 1200 Beitrag, Wochen-«. 33. 1.„dann habe ich den Prozeß gewonnen" gefallen find. Auch Hahn sagt aus, daß er um seine Acußerung von Dr. Gla- ser gefragt worden sei. Dr. Liebknecht stellt fest, daß, wenn eine Frage fiel, fie rein objektiv und keine subjektive gewesen sei. Zeuge Lade:.Ein« Aufforderung von Dr. Glaser hörte ich nicht." Zeuge Jentsch:„Ich hörte nicht, daß Dr. Glaser davon sprach, er habe seinen Prozeß geivonnen." Der Gerichtshof zieht sich zur Beratung zurück. Danach wird verkündet:» „Das Gericht erachtet Dr. Glaser der wissentlichen Begünsti. gung nicht für schuldig und beschließt, ihn zu vereidigen." Dr. Glaser erklärt:„Ich halte diese Aeußerung für zu ge- schmacklos, als daß ich sie getan hätte. Hiermit erkläre ich es nicht für möglich, etwas so Geschmackloses gesagt zu haben. Hahn sprach ganz aus sich selbst heraus und ich hätte nach seinen Aeußerungen im Saal auch nicht annehmen können, daß er auf meine Frag« «inen für meinen Klienten gunstigen Ausspruch tun könnte."— Dr. Glaser leistet den Zeugeneid. Dr. Glaser und Dr. Liebknecht beantragen für die Vertcidi- gung das Recht, mit den Zeugen zu sprechen. Dr. Liebknecht fordert ferner die Entlassung des Zeugen Müsch.— Müsch wird entlassen. In der weiteren Zeugenvernehmuna bekundet ein Zeug«, daß der Angeklagte Fritz«, der immer ein sehr ruhiger Mensch gewesen fest versucht habe, die Menge zu beruhigen. Er habe sich auch be- müht, sie von Neuring abzudrängen uno habe dabei selbst Schläge bekommen. Zeuge Albert: Das Benehmen Frih«s und setn Eifer machten einen durchaus feindseligen Eindruck. Gerichtsarzt Medizinalrat Dr. Oppe äußert sich dann noch über den Geisteszustand der verschiedenen Angeklagten. Der Angeklagte Bartzsch leide an Kopfschmerzen und babc in seiner Zell« einmal einen Erregungsanfall gehabt. Er hält ihn aber für zurechnungsfähig. Der Sachverständige äußert sich dann auch über die Frage der„Massenpsychose". Er ist der Meinung, daß«ine solche damals nicht vorhanden war, wohl aber könne man von einer sehr weitaehenden seelischen Er- regung der großen Menge sprechen. Krebv sei erblich b e!ast«t und habe verschiederie Zeichen von Hysterie gezeigt; er soll auch nach Angabe der Ehefrau Selbstmordversuche gemacht haben. Er ist ein phantastischer Lügner. Geistesgestört ist er nicht, aber vermindert zurechnungsfähig. Der Angeklagt� Schreiber hat 1917 im Felde ein« Gehirnerschütterung ge- habt; er hat ein Bein verloren und ist fünfmal operiert worden. Vielleicht war er bei seiner Erregung einer Massensuggestion stär« ker ausgesetzt als andere Personen. Der Angeklagt« Pietzsch hat als Soldat einen Schlag gegen den Kopf bekommen und ist dadurch in der Ausübung feines MalerberufeS unfähig geworden.. Er hat krampfartige Zustände gehabt und ist ein Mensch von wandelbarem Gemütswesen. Auf Antrag der Verteidigung werden die Zeugen llhlmann und Schramm einander gegenübergestellt, die ganz abweichende An- gaben gemacht haben. Uhlmann hat erklärt, daß Bartzsch kein Ge» ioehr gehabt hat, während Schramm betonte,„ich habe genau ge- sehen, daß Bartzsch ein Gewehr hatte". Di« Zeugen bleiben beide bei ihren gegenteiligen Ansichten. Schließ» lich äußert sich noch Medizinalrat Dr. Oppe über die Todesursache des Minister» Neuring, daß der Tod durch Schuß in den Kopf eingetreten ist.— Auf Frage der Verteidigung erklärt der Zeuge, daß die Wahrscheinlichkeit eines Todes infolge Herzlähmung und zufälliger Schußverletzung, während der Kopf schon unter Wasser war, m höchstem Maße ge- ring sei. Ein Antrag de? Verteidigers Dr. Glaser, em Bikd de» Tumults herzustellen, wird als unerheblich vom Gericht abgelehnt. Festge- stellt wird dann noch, daß der Angeklagte Becker vierzehnmal vor- bestraft ist, darunter vorwiegend wegen Diebstahls. Nach einigen weiteren unwesentlichen Zeugenvernehmungen wird die Beweisaufnahme geschlossen und die Verhandlung auf Sonnabend früh vertagt. ES werden dann die Schuldfragen vorgelegt werde« und der Staatsanwalt wird sogleich da? Wort erhalten. Serichtszeitung. Der Mord im Eisenbahnzuge. Ein Kapitalverbrechen, da» in einem Eisenbahnzuge zwischen der französischen Grenze und Berlin oerübt worden ist, fand gestern ein Nachspiel vor dem Oberkriegsgericht. Angeklagt war der Grena. dier Ortmann. Als Mittäter kommt der Grenadier Schön- feld in Frage, der aus der Untersuchungshast entflohen ist. Am 21. März v. Js wurde in einem Transportwagen eines vom Westen eintreffenden ZugeS der Leichnam eines Soldaten entdeckt. Die Täter hatten die Leiche unter Auwgummireifen versteckt. An der Schläfe wies der Tote«ine Schußwunde auf. Di« Leiche war be- raubt und die Kisten ausgeplündert. Der Tot«, Kraftfahrer Füll, hatte eine größere Ladung Gummireifen nach Berlin zu begleiten. In einem Lokal auf dem Gesundbrunnen hatte ein gewisser Schön- teld von einem GummitranSport geredet, bei dem er als Begleiter fungiert hätte. Sch. wurde verhaftet; er bezichtigt« Ortmann als den Haupttäter. O. war als Deserteur zu seinen Eltern zurück- gekehrt und vom Vater der Kommandantur übergeben. Die beide« Mörder rntflohen««» dem Untersuchungsgefängnis. Während sich O. später wieder stellt«, konnte Sch bisher nicht wieder ergriffen werden. Vor Gericht gestand Ortmann folgendes: Auf der Fahrt hätten Ortmann und Schönfeld, beide Deserteur«, den Entschluß gefaßt, einen Offizier während der Fahrt zu er- | morden und zu berauben. AIS sie bei Füll eine gefüllt« Geldtasche ■ mhen und von ihm hörten, daß er Gumnui. Lebensmittel, Seife 1 Leder usw. zu begleiten habe, baten sie den Kameraden, sie doch mit in seinen Wagen zu nehmen. Ahnungslos erfüllt« F. die Bitte. \ Nachts, als Ortmann den Revolver gegen die Stirn de? Schlafen- de« richtete. Mert« de»«r» WMg» bei«MM» M Nag»,». DchönfÄd sprang mm mit den Worten: Menfch, D« hast wohl de» Tatterich!" hinzu irnb hielt dem Spießgesellen den Arm, damit er sicherer zielen und abschießen konnte. Dem Toten zog man selbst die Ringe vom Finger u«ii> die Stiefel ab. Die Leiche wurde unter Gummi- reifen versteckt und die Blutsputen nach Möglichkeit beseitigt. Ab» ob nichts geschehen wäre, setzten die beiden Kumpan« nun die Fahrt fort und sobald ein« Staion kam, auf der länger« Zeit angehalten wurde, ging es am den Brrkauf der den erbrochenen Kisten ent- nommenen Lebensmittel und Waren. Bald hatten die Mörder für SM M. Waren aller Art. losgeschlagen. Schließlich wurde dem Schönfeld die Fahrt mst der Leiche doch zu unangenehm und die beiden machten sich au? dem Staube.' Sde trennten sich und wollte» sich in Berlin wiedertreffen, um gemeinsam mit dem Revolver i» der Hand anf nächtlichen Raub auszugehen. Das Wiedersehen er- folgt« dann jedoch auf dem Polizeipräsidium. Durch das Krieg»- gericht waren die beiden Angeschuldigtem bereits zum Tode»er- urteilt worden. Hiergegen legten sie Berufung«in und Schünfeld schrieb an daS Berufungsgericht,«r werde zur Verhandlung kontmen, wenn man ihm fretr» Gelett zusichere. Das OberkriegSgericht verurteilte Ortmann zum Tode und Verlust der bürgerlichen Ehrenrecht«, Zum Räuber geworben ist aus vollständigem Mangel an mora- lifchem Hall der noch nicht 19 Jahre alte ehemalige Realschüler Wilhelm Mittel. Er war Kriegsfreiwilliger. In einem Eafä in der Köthenerstraß« hatte er einen Mann in Feldgrau, namens Bartknecht kennen gelernt, der ihn nach dem Genuß einiger Kognaks überredete, mit ihm irgend einen nächtlichen Wanderer zu berauben. Bartknecht band sich«m weißes Tuch um den Aermel seine» Uni- formrockes und beide gingen nun als„Beauftragte der Sicherheit»- wehr" durch die Straßen. Als ihnen am Lützower Ufer der Bäckev- moifter Otw entgegenkam, wurde er von den beiden angehalten und Bartknecht verlangt« Auskunst, was ex so spät auf der Straße zu tun habe. Auf die Gegenfrage, was ihn die» angehe, erhiell O. die Antwort, daß er die Sicherheftswehr� vor sich Hab« und unter- sucht werden müsse, denn„es handle sich um Spartakus". Dabei zeigte B. einen„Ausweis" vor, revidierte die Taschen de» O„ nahm aus ihnen«ine Brieftasche mit Geld, eine Zigarrentasche und ein Portemonnaie heraus und übergab sie dem M. Herr O. verlangte sehr energisch Auffchluß über die Bedeutimg dieser Maßnahm«, wurde aber dahin beschieden:„Das wird sich alles auf der Wach« herausstellen!" Als sie-an der dunklen Brücke angelangt waren, hielt es der Ueberfallene, der inzwischen Verdacht geschöpft hatte, für geboten, die beiden angeblichen Sicherheitsmänner festzuhalten; sie rissen sich aber los und M. soll ihm noch zugerufen haben: „Wenn Sie einen Laut von sich geben, schieß« ich Sie nieder I" O. ließ sich aber wicht verblüffen, eS kam zu einem Ringen mit Bartknecht und O. hielt diesen so lang« fest, bis Hilf« kann M. war inzwischen entkmnmen, wurde ab«? ans einem Lokal in der Köihewer Straße herausgeholt und die geraubten Gegenständ« noch bei ihm vorgefunden. Bartknecht ist schon vor einiger Zeit verurteilt wov- den. M. behauptet, jede Erinnerung an die Borgänge verloren zu Hachen. Der GefängwiSarzt Dr. Hirsch begutachtete aber, daß, wenn auch die Angabe des Angeklagten richtig sein sollte, daß er Kognak getrunken und kurz vorher von einem Sanitäter eine Mor- phtum-Einspritzung in den Arm sich habe geben lassen,? öl doch nicht zutreffe. Der Angeklagte sei aber als geistig minderwertig anzusprechen. Unter Zubilligung mildernder Umstände erkannte das Gericht gegen den Angeklagten auf 1 Monat Befängm» der als verbüßt auf die Untersuchungshaft angerechnet winde. Wegen Taschendiebereie« in der Untergrundbahn wurde«. a. der aus Warschau stammende Schästearbvitier Fifchel Blank zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. vortrage, vereine und Versammlungen.' Arbelter-Dtenograptenverei« Jntershstemal. Jeden Freitag abend Veriammluug Fruchtstr.?l. Patzenhofer.— Bund sozialistischer jilrchensreunde. Montag.'1,8 Uhr, Restaurant WtlhelmShos, Anhaltstr. 12 lEcke Wilhelmstrahe), Zimmer 1, Vortrag de» Stadlo. von Harnack:»Die Trennuyg von Kirche und Staat". Käste herzlich willkommen. freie TiirnerscIiRft Neukölln-Britz M. d.A.-T.-B. Am Dienstag, b 82.6. St. verstarb unser Turngenosse Max Zimmermann an den Folgen seiner im Felde zugezogenen Kran!- heil. 185/1« Ehre seinem Andeuten I Die Beerdigung findet beute Sonnabend, den 2«. d. SVL, aus dem Stadl- friedhof in Beel ig, nachmittag. a>/, Uhr. statt. Di« Mitglieder treffen(ich zur Teilnahm« an der Bei- segung um I Uhr am Poto- damer Babnhos. vrr Vorutau«. MM«««»»«*) Ba«!jw,aas Montag, den 28. Juli, vorm. 10 Uhr, W! Ml WM. MwM Wsl. In«Newerkschoflshousa, Engeluser 15, Saal 4: Versammlung der anläßlich des letzten Streiks gemaszregelten Kollegen. «rsehelv-a aller ist Pflicht! vis veTtr'lcLlettuax. Miim. Anläßlich des Hinscheiden. meiner lieben Frau, unserer guten Mutter 182A Marie Otto sagen wir allen Freunden und Bekannten, beiandtr. dem Rauchklub„Partorico", den Mietern de- Hause,«aiser. Friedricki-Straße 81 und Herrn Pastor Zcllner sttr die trast. reichen Barle am Grabe unseren besten Dank. Ernst Otto«i�t T kauft Otto Hahn. ——_JMrc; � 5 e n»t,. 2." Sie MMwM !,u?,nk Uisachen. Ser- äÄÜfi'&Bj du,» 1,1,.. MM in MM- DBiS Mleu- MM. A»»erw. Geschäftsstelle': E. M, Mulackstr. 10.— Fernspr.: Ann Sorben 4518. Geöffnet Wochentag. 9—1 und 3—5 Uhr. Eon»- und Feiertag. geschlossen. Sonnabend» bis 1 Uhr geössnei. Sonntag, den L7. Juli, nachm. 1 Uhr, im GewerkschastshauS, Engelufer IS(Saal 4) General- Versammlung Tagesordnung: » vom Bcrbandstag. 2. Geschäft»- und Kassenbericht vom II. Quartal Ivlg. 3. Antrag aus Aenderung des Statuts des paritätischen Arbeits- nachweise, fllr da« Braugewerbe zu Groß-Berlnr. 4. V-rbundsangelrgenheitcn. -rsch?innu oller Mitglieder in dieser Versammlung z>i Mitgliedsbuch oder.Karte berechtigt zmn Giutrltt I via Ortooerwolteeag. Malsmehl, goldgelb, prima Ware..... Dedörrte, bosnische Vslanmen, fleischig u. süß Gemllsc-Srbsen. belgische Ware...... Mischhonig in Gläsern mit iöla«..... Ausländische Marmelade, mit Zucker gesüßt. Schellfische tu Gelee........ 4 Psd.-Dose 10,— Marinierte Schollen, lose........ 1 Pfd. 1/— Gedörrte Kartaffelschelben, gesunde Ware.. 1. 1,80 Mostrich, lose............. 1, 1,50 Rindsleischkonserven........ 1 Psd.-Dose 12,— Sultaninen............. ll, Pfd. 4.— Aährhese in I Kllogramm-Paketm.... Vater 8,50 stradbenertrakt............ Dos« 1L5 sfrattertralt, sonst 4.10, setzt.... 2,05 ibische Marke Sxelflor.... 1 Pfd. 16,— Schntzhimde, sÄr' Dobermänner. Rehplntscher, Teckel, spottbillig, 34226' Schaftlnnd, Pallsadenttr. 25. Vtandal-l WWWWW Stärke, ausländische Marke Sxelst lifisaöe erfolgt m jeden(BroHerllnet Ein- modner BMeaitei. Gemeinde BerIin=BrJtz. Nerkoussstakl« yaanemanastrahe. 4t9ki>-i!ilW.fM.Äl>r!iigz Ersatz für Matz!"VS auch fllr flatU Figuren zn mäßigen Preise«. Doi-iiiscvei-. Sörinzenstr. 79, nahe Moritzplatz. Allg. Oriskrankenkasse für Berlin-Lictiterfelde. vom 28. Juli 1919 ab befindet sich da» 277/15 Kassenlokal M-llAerseltt, Roonstrafre 13. Set vorslaad. 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T'/.DMFll!VWliLbek Sonntag 3 Uhr: Ein fillie[(lich.F8nilllenvater Täglich abends TU- ?c(in?a Reöen. APOLLO i Priedrichstraße 218 i j Dir.: James Klein 73/ Sonntag>73/ / 4»U und I /<] 1 Nur(R Tage! j noch w Gastspiel j der Gesellschaft Anton i: mit ddr neuesten Schlager-Burleske Nnr nicht ischießenl ! Vorh. Spezialitäten! I ■Sonnt 3Vj Id.Erwachs.l l Kind Ire! 1 AMsls-Palast. Snternation. FlingkAmpZs um den Preis der Deutschen Republik. Anfang 8 Uhr. idmiralsiKino. i Halbblnt ResTon. Ei» gtaL'äii»- liialaii- RBiclisDall.-TI»atep Gastspiel b.Setübmten Dresdener @$1 Bölllg Neuis 1 sali Programm. k 1. 8. Meber- miftrflen b.Stettlntr Iieaalnff-Tliettter spiel Gastspiel Guido Thlelschcr; Sommers Sternberg 8 Uhr; Charl ey» Tante. Deataelic. Künstler- Theater. Allabendlich 8 Uhr; Max Adalbert In; Die Rutschbahn. Hatioiial-Tiieater 8 Uhr Stürm. Erfolg 8 Uhr Miie Bonnginonn. Voigt-Theater Babstraße 58. TU Uhr: Sie ZöMCWl. Vorher: Varletd-Vorstellung. StBffnmtfS Uhr, Anfang 5 Uhr. Ieb. Mtttw., Ebb.,SonnL: vaN. Slegbert Goldschmidt Karlürstemlamm 2Z6 Lok Voikzheid der vkrnino 6 Akt«, verfaßt und Ins zeniert von . Martin ltor(fcr Hauptdarsteller: r Eva Speyer Außerdem das Lustspiel: Die Medaille der Republik mit Richard Benins Heinrieh Peer Ida Ferry Regie: L." Bätx. Serliner Theater. ITnr noch kurze Zeit: Vie tolle RomteK Voranzeige: Ab 8. August:„Die Dame im Frack." (fKSnigsM-i Theater Alezanderstrahe 21. Täglich: 10 Spezialitäten| und zum 25. Malai Die Republik in Stimmung. Kolossaler Lacherfolg I Anfang wochentags 7, Sonntags 5 Uhr. Prltz Berger und Minna Rererelly im Duett Dr. Alloa Paul Coradlnl Emst Warlitz Bra Warlitz Conf.t Willi Horvltz Am Plfi ffl»!"an�»BephnCl9 � AHeihiVe Fabrfkani�n u. Patentinhaber» i WTr Ifefern sofort torcctispparäte STa au zur Probe und auf Wunfcb gegen Monatsrafen Beefifl Atexandrinenktr. S7 sofort u.graüs die illulfnerhfe Brofchüre N9 1277 Z.?.ASA0t»Z Alte Welnstnben Frtedrlchst. II, Invalidenst. 164 Gr. 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Der Vorsitzende des Bundes der Telegraphenarbeiter, V a l l e n t h i n, gab die bestimmte Erklärung ab, daß die Or- ganisaiionsleitung bei Erfüllung der Forderung auf Wiederein- stellung der Entlassenen die Verpflichtung übernehme, daß die Mit- glieder für die Zukunft während der vorgeschriebenen Arbeits- oder Dienstzeit sich an politischen Demonstrationen nicht beteiligen wer- den. und daß der Streik' augenblicklich beendet werden würde. Oberpoftdirektor S ö n k s e n erklärte, daß sich durch den Streik- bc'chluß die Situation sehr verschärft und zuungunsten der Arbeiter gestaltet habe. Er wollte sich nur dazu bereit finden, dem in Weimar weilenden NeichSpostminiftcr telephonisch Bericht zu er- statten, und hselt weitere Verhandlungen für zwecklos. Die Vertreter der Arbeitnehmer machten auf die Folgen dieses schroff ablehnenden Standpunktes aufmerksam und erklärten noch- mals ihre Bereitwilligkeit, falls eine Zusage für die Wiederein- stellung der 281 Entlassenen gegeben und in eine Erwägung über 'die Möglichkeit der Lohnzahlung seit der Entlassung eingetreten werde, für die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit und die Ruhe und Sicherheit im Betriebe die Gewähr zu übernehmen. Ober- poftdirektor S ö n k s e n nahm jedoch abermals einen ablehnenden Standpunkt ein und hob die Sitzung auf. Von den Vertreten! des Verbandes der unteren Post- und Telegraphenbeamten, die an der Besprechung teil- nahmen, wurde die Frage aufgeworfen, ob diejenigen Unter- beamten, die aus dem Telcgraphenarbeiterberuf hervorgegangen seien, etwa zur Uebernahme der Arbeiten der Streikenden heran- gezogen werden sollten, die vom Oberpostdirektor S ö n k s e n da» hin beantwortet wurde, daß eine derartige Maßnahme, wenn sie notwendig erscheine, selbstverständlich erfolgen und energisch durch- geführt werden würde. Diese Mitteilung hat den Vorstand des Verbandes der unteren Post- und Telegraphenbeamten veranlaßt, noch am gestrigen Freitag nachmittag eine Sitzung einzuberufen, in der zu der Frage Stellung genommen wurde. Es besteht danach die Befürchtung, daß unter Umständen auch die Post- und Telegraph enunterbeamten in die Bewegung der Telegraphenarbeiter hineingezogen werden, die übrigen» mit keinerlei Lohnforderungen der- knüpft ist. Von weiteren Maßnahmen hat die Arbeitnehmerorganisation vorläufig noch abgesehen, da sie erst den Bescheid deS Ministers aus Weimar abwarten will. « Sofort nach dem Ausbruch des GenevalstveikS hat die Oberpost- direktion angeordnet,' daß der Störungsdienst durch untere Beamte, wie Loitungsaufieher usw., durchgeführt wird. In der Aus- führung der Verlegung und der Einrichtung neuer Anschlüsse tritt eine Pause ein.' fwgestellten-verhanölungen in üer chemischen Inöuftrie. Während in der Metallindustrie die Tarifverhandlungen vor- läufig abgebrochen find, hat der ArHeitgeberverband der chemi- s ch e n Industrie Deutschlands sich zu weiteren Verhandlungen be- reit erklärt. Die„Afa" und der Gewerkschastsbund hatten in zwei großen Versammlungen den Angestellten der chemischen Industrie die bisherigen Ergebnisse der Verhandlungen und die Gegenvor- schlage der Arbeitgeber bekanntgegeben In beiden Versammlungen war einstimmig gefordert worden, daß der Tarifvertrag bis zum 31. Juli unterzeichnet fein sollte. Daraufhin hat sich der Groß- Handel außerstande erklärt, die GehaltSsrage gemeinsam mit der chemischen Industrie zu behandeln, während der Arbeitgeberverband der chemischen Industrie mit den Vertretern der Angestellten in weitere Verhandlungen eingetreten ist. Damit die VerhandlungS- kommifsion möglichst schnell positive Arbeit leisten kann, war eS er- forderlich, sie enger zu begrenzen und die Vertreter aller kleinen Erleuchtung. 23� Roman von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdorf. Und Crillon kommt und ruft:.Herr Gott im Himmel, welch ein Durcheinander I" Der alte Ponce erleichtert sich mit der Behauptung:„Das ist der Anfang vom Endel" Er wackelt mit dem Kopf,' gelbgrau ist seine Stirn und ganz von Falten durchftircht. > Die Zeit strich hin. Keine Nachrichten mehr. Was werden die Arbeiter tun? Was wird man erfahren I Endlich wird um 3 Uhr nachmittags Postaire sichtbar. Er schwitzt und er ist außer Rand und Band. Postaire keucht jetzt heraus:„Ist schon alles zu Ende I Alles geht gut. ha. verflucht und zugenäht! Ehrenwort, die sind in geschlossenem Trupp zur Villa Gozlan hinmarschiert und Herr Gozlan selber war dort. Und nu fangen die Leut all zu schreien und zu drohen an. Ehrenwort. Sagt nun einer von die Herren Gozlan.„Schön, ist ja schön und gut alles, aber man muß doch einen trinken I Ehrenwort, dann werden wir viel besser miteinander reden können." Ein Tisch stand da und Champagner war auf dem Tisch. Man hat ihnen zu trinken gegeben und dann noch zu trinken und dann noch zu trinken I Ehrenwort, ver- flucht und zugenäht. Die haben sich ordentlich einen hinter die Binde gegossen. Ehrenwort, daß die Champagner- flaschen wie verhext aus dem Erdboden herausgetanzt sind. Poncal brachte immer neue Flaschen an, als wenn er sie expreß vorbereitet hätte, und es war ein feiner Cham- pagner, extra-extra, was. wovor man sich in Acht nehmen müßte. Und nach einer Dreiviertelstunde war fast die ganze Abordnung besoffen. Die Zunge war ihnen ans Maul ge- nagelt, und sie umarmten sich, Ehrenwort. Der und der stand noch aufrecht, aber der zählte nicht weiter mit. Die anderen mußten gar nicht mehr, warum sie eigentlich gekommen waren, und die Chefs, die vorher das Herz in die Hosen hatten, schenierten sich gar nicht mehr, und sie hielten sich den Bauch vor lauter. Lachen. Verflucht und zugenäht, und däim morgen, wenn die Arbeiter wieder anfangen wollen, dann werden- die Soldaten schon wieder da sein I" Es gab eine freudige Ueberraschung, der Streik war im Weine ersäuft worden I Und man wiederholte sich die Worte:„Morgen werden die Soldaten schon da sein l" Crillon rollte die Augen, er war voller Bewunderung, Gruppen und Grüppchen auszuschalten. So sehr sich auch der Ver- treter des„Adcid"(Arbeitnehmerverband der cheini schen�Jndustrie Deutschlands) dagegen sträubte, war eS doch notwendig, im Jnter- esse der gesamten Angestellten derartige Sondergruppen von den Tarifverhandlungen auszuschalten. In der ersten SiKung wurden sofort Kommissionen gebildet, die von der„Afa" und dem Gewerk- schaftsbund gemeinsam-mit den Arbeitgebern paritätisch besetzt sind. Zunächst stehen die Gehaltsfeagen der Kaufleute zur Berhand- luug. Ihnen werden sich die der Chemiker und Techniker sowie der Werkmeister sofort anschließen. Man hofft in der chemischen Industrie bald zu einem günstigen Abschluß zu kommen. Die Arbeitgeber deS Großhandels werden llllilllilllllillilllllllllllllll Die Kreunöe unserer Zeitung wercken gebeten, bei ihren HuoflOgen und Reiten an allen TerhaufstteUen, besonders auf den Bahn- hSfcn, den„Torwarts" zu häufen und ihn in den GatthSfen, Reftaurants und Cafta ftets zu verlangen. Wenn der„Vorwärts" irgendwo nicht zu haben ift, richte man gOtigtt eine kurze JAitteilungan „vorwärts"-Verlag G. m. b. h., hauptexpeüition, Berlin BW. 68, Hindenftraße». lillllillllllllllillllllliilllllillilllili jedoch gut tun, ebenfalls schleunigst in Verhandlungen einzutreten, da nach der Resolutton bis zum 31. Juli keine Zeit mehr zu ver- lieren ist und die Angestellten der chemischen Industrie sowohl wie die der Metallindustrie mit aller Energie darauf bestehen, endlich das ihnen zustehende Exfftengminimum zu bekommen. GroMerlm Gegen öle Schunüliteratur in Groß-Gerlin. Der Groß-Berliner Ausschuß zur Bekämpfung der Schund- literatur �Vorsitzender Stadttat Sasienbach, Geschäftsführer Lehrer Gütte, �Geschäftsstelle NW. 21, Bochumer Straße 9) hat seine Arbeit begonnen. Sechs Unterausschüsse find gebildet worden. Der Ausschuß für gesetzliche Maßnahmen(Vorsitzender Dr. Heyde) beeinflußt die Gesetzgebung, die Gemeindevetwaltungen und die öffentliche Meinung. Der Volksbildung» aus- sch u ß(Vors. Dr. von Erdberg) klärt über das Wesen der Schund- literatur und ihre Schädigungen auf durch Vorträge und Bereit- stellung von Vorträgen, durch Flugblätter und Flugschriften. Er sorgt für Herstellung und Verbreitung guten Lesestoffs, schafft Ver- kaufsgelegenheiten billiger Bücher(z. B. setzt er sich ins Einvernehmen mit kleinen Geschäftsleuten, Papierhändlern, Zeitung s- standinhabern). Er veranstaltet Ausstellungen und regt literarische Vereinigungen unter Lehrlingen, in Fabriken und Aemteru an. Der BüchereiauSschutz(Vors. Direktor Dr. Buchholz) tritt ein für die Vermehrung der Volksbüchereien, die Erweiterung der Oeffnungszeiten, die Erhöhung der Mittel zu Neuanschaffungen. Er regt zur Benützung der Bäckereien an durch die Zeitungen, an den Anschlagsäulen und in den FortbildungS. und Volkshochschulen. Der Literarische Ausschuß(Vors. Schulrnspektor Dr. Dick- hoft) gibt Verzeichnisse empfehlenswerter Schriften für Kinder, für die werktätige Jugend und für Erwachsene heraus. Er beurteilt Neuerscheinungen und stellt Musterbüchereien zusammen. Der Schulausschuß(Vors. Stadtschulrat Dr. Reimann) bekämpft als Bundesgenosse der Lehrer die Schundliteratur in Wort und Bild bei jeder Gelegenheit, die nur immer durch die Schule sich bieten kann. Der KinoauSschutz(Vors. Pros. Dr. Brunner) überwacht planmäßig die Jugeadtwrstelliingen, gibt Anweisungen zur Aufsicht an die Vertrauensleute und veranstaltet Probevor- fiihrungen. Grundsätzlich arbeitet her Groß-Berliner Ausschuß mtt allen anderen gleichgerichteten Bestrebungen jeder Richtung zusammen. und er stammelte:„Das ist stark l Jawohl, daS ist sehr stark I Jawohl, mein Junge I" Er lachte mit seinem klatschenden, und befriedigten Lachen, und er wiederholte laut seinen wohl- bekannten Kehrreim von dem souveränen Bolk«, daS sich nicht auf den Beinen halten kann l Unter einigen kleinmütigen Bürgern, die schon am Morgen ihre polittsche Meinung geändert hatten, tauchte ein breites Gesicht auf. Es war Fontan. Ich erinnere mich, schon am Abend vorher in seinem Keller ganze Ladungen von Cham- pagncrflaschen gesehen zu haben. Sie standen in weiter Reihe, zahlreich und spitzig wie Granaten neben einander. Ja, er hatte schon für einige Tage den heutige Sieg vorausgesehen. Ja, er war wirklich stark, gerecht und weitsichttg. ES war ihm gelungen, die Ordnung durch einen Geniestreich zu retten. Während des ganzen Tages hatte aus den Bewegungen und Worten der Menschen ein Zwang gelegen. Jetzt löste sich das in Freude auf. Man legte geräuschvoll die Ver- schwörermanieren ab, mit denen man sich am Morgen auf- getakelt hatte. Die Fenster, die während der schweren Stunden des Aufstaudes geschlossen geblieben waren, öffneten sich wieder weit. Die Häuser atmeten wieder auf. Die Leute sagten auf der Straße zueinander:„Jetzt ist man diese Rotte los!" Dieses Gefühl der Erlösung bemächttgte sich aller bis auf den letzten Mann. Am WirtshauSttsch, der dunkelrot, wie mit geronnenem Blute gestrichen ist, treffe ich Mielvaque. Er hüpft vor Ver- gnüglichkeit, aber er schlottert auch vor Frost/ denn er ist schlecht angezogen in seinem dünnen, grauen und falten- zerschlissenen Röckchen, das an ihm wie Packpapier hängt. Man möchte meinen, daß die Papicrblätter auf sein Aussehen abgefärbt haben, die er unentwegt in der Pause zwischen seinen langen Arbeitstagen und seinen kurzen Ruhcnächten kopiert, um einen schäbigen Zusatz- verdienst zu ergattern. Er bleibt an der Wirtshaustüre stehen, und aus Gründen, die nur ihm bekannt sind, wagt er es nicht einzutreten. Aber wie er entzückt ist von dem allgemeinen Ergebnis des Tagest Und auch Fräulein Kon- stantine, die Heimarbeiterin, die unheilbar arm ist, und ab- genutzt von ihr?? Nähmaschine, kennt sich nicht mehr vor Freude aus. Sie reißt die Augen auf, die ewig vertränt sind. Sie ist bleichsüchtig. fiebrig und schlecht gewaschen, graufarben ist ihre Haut und sie trägt sich immer in Halb- Iraner. Aber sie klatscht freudig in die Hände. Maria und ich wir horchten auf das wütende und ver- vollzugsrat öer S. p. D. unö v. p. D. Mbeiterräte Groß-Oerlins. Achtung! Kameraden, die in irgendwelchen militärischen Angelegenheiten Rat und Hilfe des militärischen Ausschusses des Vollzugsrales in Anspruch nehmen wollen, wollen sich von jetzt ab an den Vollzugsrat. Militärischer Ausschuß, SW.Lindenstt. 114, 1. Et. r. wenden. Die Miliiärbehörden usw. sind gebeten, den etwa noch schwebenden einschlägigen Schristwechjel an die vorgenannte Stelle zu leiten. « Auf verschiedene Anfragen. Nach dem Ausscheiden unserer dort so gemein beschimpften Genossen aus dem U. S. P.-K. P.« Vollzugs" rat ist natürlich kein Pfennig für diesen zu zahlen. Kreis Nicderbarnim und Gesetzentwurf Groh-Berlin. Außer denjenigen Gemeinden, welche nach Groß-Berlin ein- gemeindet werden sollen, regen sich jetzt auch die Ortschaften des Kreises Niederbarnim, bei denen dies zweifelhaft»st oder welcbe voraussichtlich im kreise verbleiben werden. Denn es ist klar, daß die Abgrenzung Groß-BertinS nickt nur sür diese«, sondern auch für den verbleibenden Restkreis Niederbarnim von einschneidender Bedeutung ist. Jeder billig Denkende wird zugeben müssen, daß die Lebensfähigkeit des Restlreises nicht untergraben werden darf, und daß es nicht angängig»st, auf seine Kosten dem zukünftigen Groß-Berlin alle Vorteile bei der Neuordnung zuzuwenden. Unter diesen Gesichtspunkten ist von einem Werbeausschuß, der sich zunächst aus führenden Kommunalpolitikern sämtlicher Vororte an der Nordbahn gebildet hat, eine Denkschrift ausgearbeitet worden, welche der Preußischen Landesversammlung zugehen soll. Sie wird Interessenten durch Dr. I. Nenmann, Mitglied deS Kreistages Niederbarnim, N. 24, Friedrichstr. 136, gern zugesandt. Kein Einmachezucker. Wie die Biene aus jeder Blüte Honig zu saugen weiß, so der- steht eS die„Freiheit" geradezu meisterhaft, aus jedem Vorfall Stoff zur Agitation zu gewinnen. Der Ausfall der Einmache- zuckerlieferungen— behauptet däS Blatt— sei nur auf die„totale Unfähigkeit" der Reichsstellen zurückzuführen. In Gestalt von Bonbons und im Schleichhandel gäbe es genügend Zucker. Daß über die tschechisch-flowakische Grenze Zucker in nicht unbeträcht- lichen Mengen nach Deutschland hineingeschmuggelt wird, ist all- bekannt. Ob aber dieser Zucker, wenn er erfaßt werden könnte — selbst der unabhängige Herr Wurm hat das in seiner Minister- Herrlichkeit noch nicht fertig gebracht—, richtig verteilt auch nur selbst S Gramm auf den Kops der Bevölkerung ausmachen würde, ist eine andere Frage.— Im übrigen spricht die„Freiheit" ihr eigenes Urteil, wenn sie der Regierung Unfähigkeit vorwirft. Wer war dennVE rnährungsminister zur Zeit der letzten K a m- pa gne in den Zuckerfabrikqzt? Wer hat eS nicht erreichen können, daß alle Rüben gleichzeitig geerntet wurden? Wer hat versagt, als es galt, alle geernteten Rüben rechtzeitig den Fabriken zuzu- führen? Wer hätte die Pflicht gehabt, beim ReichSkohlenkommissar die ausreichende Belieferung der Zuckerfabriken durchzusetzen, um zu verhindern, daß noch in den Fabriken selbst die Rüben ver- faulten? Niemand anderes, als der Unabhängige Wurm, der von dem Urteil seiner eigenen Parteigenossen kaum sehr erbaut sein wird._ Bankbeamtenlöhne. In der SonntagSnummer des„Lokal-Anzeiger" brachte ein Bankbeamter unter dem Titel„Neuer Bankstreik in Gicht" einige Beispiele von Gehältern, wie sie bei einer Berliner Großbank ge- zahlt werden, so z. B.: Ein Kassierer, ledig, monatlich, Gehalt und Teuerungszulage, 270,85 M.; ein anderer 300 M., ein Ober- buchhalter(verheiratet, mit zwei Kindern) monatlich 358,35 M., ein Korrespondent(verheiratet, mit einem Kind), monatlich 283,35 M. Darauf erwiderte in der DienStagnummer desselben Blattes der Verband Berliner Bankleitungen, daß die angegebenen Gehälter zum mindesten nicht auf die in diesem Verband vereinigten Großbanken zutreffen. Der Einsender des SonntagsartikelS im „Lokal-Anzeiger" bittet uns, mitmteilen, da ihm dies im„Lokal- Anzeiger" nicht gelang, daß die von ihm angegebenen Gehälter bis heut« noch von der Mitteldeutschen Credilbank gezahlt werden. Wenn die Bankleitungen sozusagen erklären, daß ihnen selbst dieie Gehälter zu niedrig erscheinen, so bemerkt det betreffende Bank- zweifelnde Hämmern, mit dem Brisbille in seiner Schmiede auf den Ambos dröhnt. Wir fangen zu lachen an, wie wir seit langem nicht mehr gelacht haben. Bevor ich einschlafe, erinnere ich mich an meine demo- krattschen Anwandftlngen von einstmals. Gott sei Dank, ich bin einer großen Gefahr entronnen. Die Gefahr bestand deutlich in dem Schrecken, den die Drohung der Arbeiter bei den ehrliche� Leuten hervorgebracht hatte, und sie spiegelte sich auch in der allgemeinen Glückseligkett wieder, mtt der das Zurückweichen des Schwarms begrüßt wurden. Ich finde mich auf immer zu meiner alten Weltanschauung zurück und alles ist wieder wie zuvor. O Lange Zeit verstrich. Zehn Iahte bin ich nun schon ver- heiratet. Während dieser ganzen Zeitdauer ist nichts Be- merkenswertes eingetteten, höchstens die Enttäuschung bei dem Tode der reichen Tante Marias. Aber die Tote hat uns nichts hinterlassen. Und dann kam der Zusammenbruch der Pocardschen Unternehmungen. Es handelte sich nur um einen Riesenschwindel, bei dem viele kleine Leute ruiniert wurden. Die Politik bemächtigte sich de? Skandals, und andere Sparer brachten schleunigst ihr Geld zu Herrn Boulaque, deffen Unternehmungen weit sicherer und ernster waren. Krankhctt und Tod meine« Schwiegervaters wäre noch zu erwähnen. Das war ein großer Schlag für Maria und wir legten Tranerkleider an. Ich selber bin unverändert ge- blieben, aber Maria hat sich sehr verändert. Sie ist dicker und schwammiger geworden. Ihre Augenlider sind er- müdet und entzündet. Sie mag kaum noch den Mund zum Reden auftun. Ueber die Einzelheiten deS Lebens sind wir kaum noch der gleichen, Eintracht lschaffenden Meinung. Einstmals pflegte sie immer nur ja zu sagen. Jetzt deutet ihre erste Regung immer gleich aus das Nein hin. Bestehe ich auf meiner Meinung, so ver- teidigt sie ihre Ansicht Schritt sür Schritt, und mit Herblgkeit und oft auch mit bösem Willen. Als wir z. B. davon sprachen, im unteren Haus eine Wand niederzulegen, da hätte man glauben können, daß wir einen wilden Zank ausfochten. So laut erhoben wir unsere Stimmen. Und nach solchen Streite- reien ist ihr Gesicht verzerrt und rachsüchtig, oder sie möchte wie eine Märtyrerin erscheinen, oder manchmal klaffen zwischen uns sogar Sekunden des HaffeS auf. Wenn wir von ganz anderen Dingen reden, sagt sie häufig unvermittelt:„Ach, wenn wir ein Kind gehabt hätten, dann würde alles anders geworden sein!" (Forts, folgt.) i P?amte( dah er bei seinen GehaMbeisPielen sogar noch vergaß, die PensionSverficherungSbeilräge in Abzug zu bringen, die ungefähr pro Person und Monal 10 M. betragen. Man sieht, wie schlecht tatsächlich Bankbeamte bezahlt werden, was aber von den Bank- direktoren noch bestritten wird. Bessere Krankenernährung? Amtlich wird gemeldet:.Der Reichsernährungsminister hatte im April Maßnahmen zur Besserung der Krankeuernährung ge- troffen. Aus den amerikanische» Ausuhren wurdeit den deuischen s?reistaaten Sondermengeu von Flesich oder Speck und Fett zur Erhöhung der Krankenzulage zugewiesen. Insbesondere sollte die Kopfration für die Jniassen der Lungenheilstätten dadurch um 250 Gramm Fleisch und Speck und 250 Gramm Fett er- höbt werden, tlnler den damaligen Berhältnissen konnte die Besserung der Krankenernährung nur für beschrankte Zeit in Aussicht gestellt werden. Nachdem nunmehr genügend Vor- räte vorhanden sind oder doch in bestimmter Aussicht stehen, hat der Reichsernährungsminister die Regierungen der deutschen Frei« staaten ersucht, die damals getroffenen Maßnahmen bis auf weiteres beizubehalten.' Gerade von Lungenleidenden sind uns in den letzten Monaten und Wochen mehrfach Klagen darüber zu Ohren gekonnnen, daß ihre Ernährung zu dürftig Ist. ''„Genug" für einen Kriegsbeschädigten? Ein Kriegsbeschädigter G.. dessen vor einem Jahr eingeleitetes Renteilverfahren trotz wiederholter Mahnung bisher nicht zum Ab- schluß gelangt ist. wurde zu einer ärztlichen Iliileriuchung zu Herrn Professor Kramer(Berlin, Schumarinstr. 21) bestellt. Aus eine Frage nach seinem Arbeilsverdienst antwortete G. dem Arzt: „Täglich 11 M.", woraus der Herr Professor sagte:»Bei 11 M. Tagelohn stellen Sie noch einen Antrag auf Rente I?' Ja, glaubt denn dieser Vertrauensarzt, daß ein Kriegsbeschädigter olif feine Rentenansprüche verzichten soll, weil er jetzt ganze 11 Vi. Tagelohn hat? Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebenen. Ortsgruppe Groß-Berlin, Bezirk 4(Süden), hat durch seine Fürsorgekommiision dem Magistratskommissar für die Kricgsbeschädigtenfürsorge Groß-Berlins die ungehörige Aeuße- rung des Arztes mitgeteilt und dabei erwähnt, daß dem wenig erwerbtähigen G. auch die mit 11 M. bezahlte TntigkcN nur auf Veranlassurg der Kriegsbeschädigtenfürsorge zugewiesen worden ist. Vielleicht erfährt man, was der Magistralskommissar antwortet. Die Aufklnrungsfilme von Dr. Hirschfeld und R. Oßwald haben ein gewisses Aufsehen erregt. Man mag sie aus künstlerischen und ethischen Erwägungen angreifen, jedenfalls kann man den Ver- fassern die Anerkennung nicht versagen, daß sie den besten Willen habe», Schwächen unseres Gesellschaftsrechis zu zeigen und damit auf ihre Verbesserung hinzuwirken. Tie künstlichen Tumultszenen. die in letzter Zeit in"verschiedenen Kinotheatern bei der Vorführung dieser Filine erregt wurden, stammen, schon das Mitwirken einer Anzahl Jungdeutschlandleutc ist Beweis dafür, aus demselben schmutzigen Pfuhl, dem die. Inden- und Sozialistenhetzer entspringen und sind ebensowenig eine Kritik wie das Lachen eines unreifen Teils des Publikums bei den ernsten Werken eines Dichters wie Wedekind oder Kokoschka. Desto schärf«» muß man sich dagegen verwähren, daß diese teils unreifen, teils verhetzten Leute sich an- inaßen, eine Zensur in der pöbelhaftesten Weise auszuüben. Man kann wohl verstehen, daß sich viele Leute weder in diese Art der .Kunst noch der Aufklärung finden können- Es bleibt ihnen doch dann unbenommen, sich derartige Darbietungen nicht anzusehen, ebenso ihr Urteil in anständiger Weise darüber abziigeben. Tumult- uäd Prügelszenen können nie Beweis für die Minderwertigkeit des Dargebotenen sein, sondern nur für die des Publikums. Ist es möglich? Zu diesem Bericht im Freitag-Morgenblatt schreibt uns Chefarzt Dr. E m a n u e l, Eharloitenburg, Berliner Str." 17, daß der'Verstorbene an einer schweren Krankheit' litt. die an sich schon zu einer äußerst raschen Auflösung des Körpers führt. Eine frühere Beerdigung war nicht möglich, da die An- gehörigen des Verstorbenen im Obere! saß wohnen und trotz wiederholter Telegramme nicht erreichbar waren. Durch die, ledig- lich mit Rücksicht aus die Angehörigen und ihren etwaigen Wunsch um Uebcrführnng des Verstorbenen in die Heimat ver- zögerte Bestattung, im Verein mit der Art der Erkrankung, er- gaben sich bei der Einsargung technische Schwierigkeiten, die aber in keiner Weise auf eine P f I i ch t v e r s ä u m n i s des beteiligten bewährten Personals zurückzuführen sind. � Die Beerdigung selbst besorgt die Friedhofsverwnltung.— Wir können nicht finden, daß die Leiche wochenlang unbestattet verwesen mußte, weil vielleicht die Angehörigen— in" Neu-Frankreichl l— den Wunsch hätten Hußern können, sie heimzuholen! Ucber 20 000 Spargläubigcr der„berühmten" Fricdrichsbergrr Bank, die 1914 zum zweiten Male zusammengebrochen ist, sollen im August vor dem Konkursgcricht einen Zwangsvergleich schließen. Viele Gläubiger sind beredet worden, dem höchst un- günstigen Vergleich zuzustimmen, eine große Anzahl ist dagegen und will sich nicht mit Phrasen und leeren Versprechungen hin- halten lassen, da mit Sicherheit anzunehmen ist, daß sie nicht ein- gehalten werden können. Denn schon 1914 haben die Behörden und Großbanken erklärt, daß ein Konkurs nicht zu vermeiden sei. Ter Verlust der Bank hat sich seit der selbstgewählten Geschäfts- aufsicht von 803 000 M. auf 014 Millionen Mark erhöht. So hat die Bankleitung gewirtschaftet, sie verdient wahrlich kein Vertrauen. Diejenigen, die ihre Zustimmung zum Vergleich gegeben haben, müssen sie sofort zurückziehen, das können sie! Dann werden die Gegner des unmöglichen Zwangsvergleichs, die sich zusammen- schließen, einen viel besseren Vergleich durchdrücken! Gläubiger, die sich anschließen wollen,'bitte umgehend Adresse und Sparbuch- nummer anzugeben. Großes Freikuvert beilegen. Sie erhalten ausführliche Mitteilungen durch Lehrer W i ch m a n n, Perlin, Ma- riannen-Ufer 7. Beim ReichsverwertungSamt, auf dessen Ueberstundenwirt- schaff wir hinwiesen, gibt es, wie uns geschrieben wird, Damen, welche 440 M. Gehalt und 200— 350 M. Ueberstunden haben. Auch Herren sind genug da, �velche nie genug Ueberstunden be» kommen können. Die Boten bekommen 234 M. monatlich, ywvon ein Mensch, welcher 4 Jahre draußen war, sich ernähren und auch noch Bekleidung anschaffen soll.— Ferner wird uns geschrieben: Ich bin seit dem 28. Februar ohne Stellung, reichte meine Bewer- bung beim R.-V.-A. ein und erhielt per RohrpostBescheid mich vorzu- stellen. Das erstemal war der betreffende Herr nicht anwesendund das zweitemal erhielt ich, nachdem ich 3 Stunden gewartet hatte, den Bescheid, daß Herren aus Kiel eingestellt worden sind. Wie ist es möglich, daß trotz der Bekanntmachung des DemobilmachungSausschusses Herren von auswärts eingestellt werden, während man Berliner Einwohner zurückweist? — Das ReichsverwertungSamt sei hiermit dem Reichs- a r b e.i t s m i n i st e r warm empfohlen! Besondere Abteile für Kriegsversehrte sind u. a. vorgesehen im Vorortverkehr nach Spandau und Nauen oder Wustermark, nach Buch-Bernau, zwischen Spandau und Rathenow. Wo keine besonderen Abteile freigehalten werden, ist das Zugbegleitpersonal angewiesen, unter allen Umständen für gute Unterbringung der Kriegsbeschädigten bemüht zu sein, sei es durch Anweisung eines SltzvkatzeS oder durch Aufnahme einzelner Personen in da? Dienstabteil. Bei Platzmangel in einer Wagenklasse kann auf Anordnung des Aufsichtsbeamten oder Zugführers den Reisenden zeitweilig ein Platz in der nächsthöheren Wagenklasse angewiesen werden. Diese Anweisung ist besonders für Kriegsbeschädigte mit Bein- und Fußverletzungen erneuert worden. Den be- teiligten 8kamten ist nochmals zur Pflicht gemacht wor- den, den Smegsbeschädigten und namentlich den Schwerverletzten, bei der Beschaffung eines Sitzplatzes in jeder Weise behilflich zu sein. Man kann aber nicht den Schwerbeschädigten allgemein erlauben, bei» Ueberfüllung ohne weiteres eine höhere Klasse zu benutzen. Tie Ballgesellschaft Hohenzollerndamm bat bereits mehrfach die Oesfentlichkeit beschäftigt. Jetzt hat sie den Vertrag mit der Müllabfuhr-Gesellschast gekündigt, ohne rechtzeitig dazsir Sorge zu tragen, daß der Müll auf andere Weise beseitigt wird. Es fehlt auch an Gefäßen zu seiner Aufnahme Ter Müll wird jetzt lose in einem Kellerraum aufgeschüttet und bat sich dort schon zu an- sehnlichen Haufen angesammelt. Die Folge davon ist eine Zu- iiaümc an Ratten, die es unmöglich macht, Vorräte in den Kellerräumen aufzubewahren. Gefährlicher als diese Rattenplage ist jedoch eine unerträgliche Vermehrung der Fliegen. Bekannt- lich sind die Fliegen die geeigneten Verbreiter von Krankheiten, und es bedarf nur eines Anstoßes, um eine Seuche in dem eng bewohnten Viertel hervorzurufen. Gesundheitspolizei, wo bist du? Ter Bund von Bereinigungen technischer Eisrnbahnbeamtcn schreibt uns: Junge Techniker, die die Laufbahn zum technischen Eiscnbahnsekrctär.usw. einschlagen wollen, werden vielfach bitter enttäuscht, weil ihnen die außerordentlich lang« Vorbereitungs- lind Wartezeit(durchschnittlich bis zur Ernennung zum technischen Eisenbahnsekretar Jahre, mit mcmatlich 125—167 M., abgesehen von den Teuerungszulagen, vergütet) unbekannt ist. Der genannte Bund, Berlin, Blücherstr. 11, hält es für seine Pflicht, auf diese Perhältnisse hinzuweifen und ist zu Auskünsten bereit. Das KrlegSunterstützungswesra ist in Neukölln folgender- maßen geregelt: Mit Ablauf des Monats Juni sind die bisher gezahlten Familienunterstützungen durch Erlaß des Reichsimnl- steriunis des Innern sowie die Zahlung der Mietbeihilfen allze- mein eingestellt worden. Anstelle der bisherigen Unterstützungen werden den Mitgliedern der Reichswehr sowie des bisherigen stehenden Heeres fortan sogenannte Löbnunyszuschüsse für ihre Familienangehörigen durch den betreffenden Truppenteil ge- währt. Einen Anspruch auf Familienunterstützung und Miel- beihilfe haben für den Fall der Bedürftigkeit nur noch die Ange- hörigen der Vermißten und Gefangenen der noch außerhalb der ReichSgrenzen befindlichen Heeresangehörigen, der an der Rück- kehr aus dem Ausland infolge feindlicher Maßnahmen ver- hinderten oder vom Feind« verschleppten Personen sowie die Hinterbliebenen der Gefallenen, soweit sie Versorgungsgebühr- niste noch nicht beziehen. Der Kommandant von Dachau. Einer Militärpatrouille fiel in der Friedrichstraße ein Mann auf, der verdächtige Redensarten machte. Da er sich über seine Persönlichkeit nicht genügend ausweisen konnte, wurde er nach dem Polizeipräsidium gebracht. Hier nannte er sich Erich Förster. Tie Feststellungen der Kriminalpolizei ergaben bald, daß man es mit dem 27 Jahre alten Leutnant d. R. und Studenrew der Medizin Erich Wollenberg zu tun hatte, der von München aus steckbrieflich gesucht wurde. Wollenberg war bei der Roten Armee der Führer der Infanterie und Kommandant von Dachau. Bei der Einnahme von München durch die Regierungstruppen wurde er verhaftet. Es gelang ihm, zu entfliehen. Als eine Durchsuchung seiner Wohnung am Schiffbauevdamm seine Identität mit dem früheren Kommandanten unzweifelhaft ergeben hatte, gab er zu, der Gesuchte zu sein. Wie er angibt, ist er nach längeren Irr- fahrten, die ihn nach Braunschweig und anderen Städten ge- führt hatten, kürzlich hier gelandet. Wollenberg wird nach München transportiert werden. Ein Diebstahl an der Volksbildung. Sechs Schulbilder wurden in der Schule am Mariannen-Ufcr �gestohlen. Ein Raubüberfall auf ein Dienstmädchen wurde in der Landsberger Straße 75 verübt. Das im Hotel Landsberger Hof beschäftigte Dienstmädchen Erna Reimann wurde von einem Manne, als es abends allein war, überfallen und gefesselt. Der Räuber nahm eine Kassette mit 8000 Mark mit. Nach den Fest- stellungen der Kriminalpolizei handelt es sich um einen Schlosser Harry Walden, der sich wohnungslos umhertreibt.— Der Raubüberfall auf die Frau Nitze in der Greifenhagener Straße, die als Vertreterin des Schankwirts Roller während dessen Abwesenheit von Gästen geknebelt und gefesselt worden ist, konnre bisher noch nicht weiter aufgeklärt werden. Aushebung von sechs wilden Spielklubs. Die Klubs, die, soweit es möglich war, geschlossen und versiegelt wurden, befan- den sich in der Kalkreuth-, Nürnberger, Augsburger, Roscher- und Joachimsthaler Straße. In einzelnen Räumen wurden bis zu 100 Ißersonen und mehr augetroffen, die entweder am Spieltisch saßen oder sich in anderen Zimmern beim Sekt in Begleitung von Halbweltdamen vergnügten., Große Miickruschwärm« konnte man am gestrigen Abend in der Nähe des Maybachufers beobachten. Wie dichte Rauchwolken zogen sie über die Dächer der Häuser hin. Das seltsame Schauspiel fesselte viele Slraßenpassanten. Der Schnlreformgedanke marschiert k Am 4. und 5, Oktober im PlenaAoal des pandcsyauies, Matthäitirchstratze, vier pädagogische Kon- serenzen mit dem Ecsamitbema: NcneZiel« und Wege der Er- ziebung und des Unterrichts. Am Vormittag des 4. Oktober vier Relcrale:.Unterricht u.i> d Erziehung'(Der neue(.Seist, Begründung und Ausbau der Einheitsschule, Gemeinschaftserziehung, Staats- und Fomiliencrzlchung), am Nachmittag drei:.Lehrerbil- d u n g und Lehre rsreiheit-«Lebrerftand und Lehrerbildung, Pädagogische Akademien und Falultätcn, Verfassung der Lchrerschasy. Am ö. Oktober vormittags:.Nalur und Gesellschaft im Unterricht"(Biologischer Unterricht, Soziologischer Unterricht, Kuliurunterricht, Reform des Kelchichtsunrerrichls); nachmittags:„Lebensanschauung und Schute"(Philosophische Propädeutik, Künstlerische Erziehung, FricdcnSpädagogik). Nach jeder VortragSgruppe Aussprache. Abends Volksveriammlungen in Berlin und Lankwid. die den neuen Schulausbau, die Koedukation, den Pazlsismus im Unterricht, die'Sozialpädagogil, die Echuigemeinde und die Elternbeiräte behandeln. Alle Mittellungen erbeten an Studienassessor Arno Wagner, Wilmersdorj, Spcssartftr. 15. Luftpoftpakete werden jetzt von sämtlichen Postanfwlten zur Be- fördcrung angenommen. Auger dem gewöhnlichen Porto sür dringende Pakete 5 M. Fluggcbühren jür jedes tlllograuun; nicht mchr als 00 Zentimeter i« Länge, Brette und Höhe. Ei» neues Lichtspieltheater am Potsdamer Platz mit 1000 Plätzen soll Ende August von der.Schauburg"-Gesellschast eröffnet werden. c Schauburg< Ringkänivfc im Klnovarietö am Andreasplatz ab 1. August. 12 000 M. Preise. Wer sind die Toten? An der Schleusenbrücke am Mühlen- dämm wurde die Leiche einer unbekannten Frau von 25 bis 30 Jahren gelandet.— Erhängt hat sich in einem Hotel in der Madaistraße ein unbekannter Mann von etwa 30 Jahren, der sich als Musiker Gustav Fritsche aus Schneidemühl eingetragen hat.— Eine Kindesleiche wurde aus dem VerbindungSkauäl gelandet. Reinickendorf. Der Gesetzentwurf.Groß-Berlin' fand in der Gemeindevertretung Zustimmung. Gewünscht wird: Ausdehnung auf die 20-Kilometer-Zone, Fortfall des Bestätigungs- rechts des Ministers, Wahlzeit für Stadtverordnete 3 Jahre, be« so'.dete Magistratsmitglieder 6 Jabre. unbesoldete 3 Jahre. Auf Antrag der Unabhängigen wurde die Eingliederung der Arbeiter- räte als Forderung erhoben.— Für Ferienipiele wurden 0000 M., den Lehrern für Abbalrung von Spielstunden 2 M. pro Stunde bewilligt, dagegen wurde die Forderung der leitenden Lehrer an den katholischen Schulen aufExtrabezahlimg von Schreibarbeite» abgelehnt. Die Hilsspolizeibeamleir sollen gegen Berussunfälle versichert werde». Der Betrag von 2026 M. hierfür wurde bewilligt. Zur Ansiedlung von zu erwartenden deutschen Flüchtlingen aus den ab- zutretenden Provinzen wurde dem Kreise Niederbarnirn ein zehn Morgen großes Areal zur Verfügung gestellr. Für zeitraubende Wohnungsbesichtigungen wurden den Beisitzern des MietSeinigungS« amtes eine Entschädigung von 200 M. gewährt. Die Kommiision zur Untersuchung der Fälle Glamonn und Hillesheimer erstaltete Bericht. Im Falle Glamann stellte der Berich: nach ein- gebenden Untersuchungen fest, daß das der Gemeinde verkaiifie Pferd mir Räude behaftet gewesen war, die beim Ankauf«n Verheilen war. DaS Fleisch solcher Pferde sei ober nach tierärztlichem Gut» achten zum menschlichen.Genuß geeignet. Der Ankauiswert des Pferdes sei zu hoch gewesen. Das ganze Geschäft sei nicht empfehlenswert gewesen. Doch treffe den Dezernenten des Fleisch» veriorgungsverbandes kein Vorwurf. Dagegen habe der Gemeinde« Vertreter Glamann die Sachlage übersehen müssen. Ihn treffe ein moralischer Vorwurf. Im Falle HilleSheimer steht die Kommission als festgestellt an, daß er, der als besondere- Vertrauensperson für die FleischauSgabe besiellr war, eigenmächtig stall eine? Pferdeviertels ein Rinderviertel der Fleiichverleilungsstelle überwiesen Habs. Dieses Rindfleisch ist zum erheblichen Teil an' die Arbeiter des Gemeindedepots zum Preise für Pferdefleisch verkauft worden, der Rest ist an die Bevölkerung abgegeben worden. Schmückwih. Gcmeindevertretersitzung. Gegen die vollzogene Schösfenwahl haben unsere Genoffen Einspruch erhoben, weil die nach der Landgemerndeordnung vorgeschriebene ortsübliche Bekcmnr- machung unterlassen worden war. Der Gemeindevorsteher bemerkte. daß er Ungültigkeitserklärung schon deswegen beantrage, weil bei Zustellung der Wahleinladungcn ein Beamter diese einem Mitglied der Vertretung nicht formgerecht unterbreitete. Gen. Schulze machte darauf aufmerksam, daß kein formeller Einspruch seitens des Mit- gliedes und des Vorstehers vorliegt und daher über unseren Ein- spruch entschieden werden müsse. Der Vorsteher erwiderte, die Ver- tretung könne selber die Wahl kassieren und Neuwahl ansetzen. Unsere Partei hat zwar bei den Gemeindewahlen die Stimmen- Mehrheit erlangt, ober wegen Verbleibens der Schöffen im Amt' ist sie noch Minderheit im Gemeindeparlament. Sie hat kein Inder- esse an einer Schöffenneuwahl vor Inkrafttreten des Gesetzes, das Aenderung bringen soll. Gen. Schulze widersprach daher einer weiteren Besprechung des Gegenstandes, der nicht auf der Tages- ordnung stand. Ein Antrag de» Vorstehers, dennoch weiter darüber zu verhandeln, wurde mit den Stimmen der Bürgerlichen ange- uommen. Die Einwände unserer Genossen setzten aber durch, daß die Beratung abgebrochen und beschlossen wurde, die Schöffenwahl bis nach Inkrafttreten des Gesetzes zurückzustellen.— Die Beratung des Ortsstatuts über Anstellung der Gemeindebeamten usw. wurde bis zur Neuwahl des Gemeindevorstandes zurückgestellt. Erörtert wurde der Plan des Baues von Kleinwohnungshäusern. Buchholz: Die„VorwärtS'-Spedition befindet sich jetzt beim Gen. Rudolf Friedrich. Berliner Str. 40. Groh-Berliner Lebensmittel. Auk.,C II Kinderkartrn beute jür 3 Tage und zwar sür Sonn- abend, Sonntag und Montag 1 Büchse Kondensmich. Die Vollmilch» karten sür September 1919 werden ausgegeben m Berk in: jür Kinder im t. und 2 LcbcnSjabrc Montag und Dienstag, im 3. und 4. Lebensjahre Mittwoch und Donnerstag, im 5. und 0. Lebensjahre Freitag und Sonn- abend. 250 Gramm Bratfett in der kommendeiTWoche(H K), ebenso 200 Gramm an die Fetiselbktoersorger. Berlin. Bis Dienstag im 09., 70.. 72.. 80.. 81.. 82.. 180.. 208., 238. und 240., bis Mittwoch im 74., 73, 77.. 83., 84., 90. und 192.. und bis Donnerstag im 75., 78., 79., 181., 210. und 212. Brotkommissionsbezirk 250 Mramm Knie. m Lichtenberg. Dom 1. bis 15. 8. auf 882 E. J. G. K. und 3. 375 g Zucker. Licbterfelde. Vom 28. Juli bis 3. August 750 g ausländisches Maismehl(33, 65).__ Groß-Serliner Parteinachrichten. Achtung Parteigenossen: Wichtige Flugblattverbreitnng am Montag, den 28., von 5 Uhr ab, in Berlin und folgenden Vororte»: Baumichulenweg. Britz, Eharloitenburg, Friedenau. Lichtenbero, Neukölln, Niederschönhausen. Pankow. Reinickendorf-Ost und-West, Schmargendorf. Schöneberg, Steglitz, Stralau, Tegel, Tempelhof, Treptow, Weißensee, Wilmersdorf. Nicderschöneweide. Die Mitglieder treffen sich am Sonntag früh 0'/, Ubr zur gemeinsomen Partie nach Eichira.de- Schmökwitz. Abfahrt 0,52 Uhr. Gäste willkommen. ?ugenüveranftaltungen. Weikensee. Morgen Sonniaz, Wanderung nach Bernau— Hellsee. Treffpunkt fl,0 Uhr Antonplatz. Kosten 1,50. Srief?aften der KcdaFtion. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und«ine Nummer bei. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Eilige An- fragen trage man in der Juristischen Evrechstunde, Lindonstr. 3, 1. Hof par» terre links, vor. EchriftstUcke und Berträge sind mitzubringen. W. K. S. Soz. Lehrervercin: Herr Nydahl, Neukölln, Weichselstr. 39. Red.»Freier Lehrer", Lindenstr. 3.— F. ch». 85. X. bis 5. Durch das Reich. Das ReichSwirlichajtSministerium bearbeitet die Angelegenheii. ES wird erst eine Kommission gebildet, oie weiteres veranlaßt.— D. Z. N. T. Ein solches Universal-AuSkunslSbuch gibt es nicht: wir haben derartige Adressen nicht.— B. B. 4200. Die Rückkehr dürste u. E. kaum vor dem Herbst erfolgen.— F. Dt. 43- Die Angelegenheit bearbeitet das ReichswirtichaitSministcrium; fragen Sie dort an.— rffk. W. 3. Leider ja.— P. 123. Wenden Sie sich an einen Verlagsbuchhändier; wenn die Dichtungen aber nicht besonders hervorragend, werden Sie schwer einen solchen bcrcitfinden.— St. B. 83. Unentgeltliche Beratungsstelle bei der LandeSversicherungSanstalt, Am Köllniichcn Park.— L. 72. ES dürsten wohl noch acht bis vierzehn Tage darüber vergehen.— O. L. 20. Wenden Sie sich befchwerdejübtend an das Reichswehrmiliisterium.— M. K. 70. DaS Schreiben hat keine Bedeutung.—®. D. 31. Wenden Sie sich an das Auswärtige Amt, nebenbei an eine der großen Schisiahrlsgesellichajten. WettcrauSsichten für daS mittlere Norddeutschland bis Sonntag nachmittag: Uebcrall noch ziemlich kühl und grögienleiis be- wölkt mit öfter wiederbolten Regenjällen und mäßigen nordwestlichen Winden. (Vir lieftn» direkt an Private als fperitlitit: �- fe�KS�Bürgerikhe Wohnungs-Einrichtungen ---------------------------------- ür ftf ritn C. 33 JUexandcrstrasAC 42 � In Jeder Holz- und Stilart zu soliden Preisen. Seteh« Aorvahl In erstklassigen MObeln bis zara Aoserlesensten. Beeictatlgnng unserer umfangreichen Lsger Ist •....... M äusserst lehnend und ervünseht, Bakufreie Lieferung durch gans dand direkt ab neRlohsn PabrUgcl ibtode.