|tr«378, W.Iahrg. Bezugspreis: V-erteljährl. g,— Mk> monatl. t,— Mi. frei ins Haus, ooraus zahlbar. Postbezug; Monatlich 8,— Ml» exkl. Zu» stellungsgcbühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn k,Zö ML, für da» übrige Ausland 10 25 ML, bei täglich eininaL Zustellung 8,25 ML Postbeslellungen nehmen an Dänemari, Holland, Luxemburg. Schweden u. die Schweiz. Singetrageu in die Past-Zeitirugs-Preisliste. Der„Vorwärts" mit der Sonntag»» deilage„Voll u. Zeit" erscheint wachen- täglich zweimaL Sonntag» einmaL Abend-Ausgabe. c ) Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Berlin" Verlinev VolKsblAtt. Anzeigenpreis, Die achtgeivaUen» Nonvareillezeil« toliel L20 Ml„Slein» Anzeigen", da« iellgedruckt« Won 50 Psg. szuiässtg 2 fettgedruckte Wone), sedee welter» Won 25 Psg. Stellengesuch, and Echlafstellenanzeigen das erst« Won t0 Psg. sebes weitere Won 20 Psg. WoNe llber 15 Buchstaben zählen für zwei Wone. Teuerungszuschlag 50»/» Familien- Anzeigen, politische und glwertschasttiche Verein»- Anzeigen 1,20 ML die geile, Anzeigen für d>« nächste Nummer müssen bis 5 Ahr nachmittag« im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenstraß» 8, abgegeben werden, fficöfsnct von 9 Uhr früh bis S Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokrattfcben Partei Deutfchlands. Neöaktion und Expedition: SM. b8, Lindenstr. 3. Fernsprecher- Amt Morinplatz, Nr. 15190—15197. vorwärts-verlag G.m.b. H., EW. öS, llindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morihplatz, Nr. 117 53— 54. Der Schleier wird gelüftet. Die Anklage. In der Nationalversammlung hat am Frei» tag die erste große Abrechnung mit unseren Kriegsverlän- gerern und Welteroberern begonnen. Der zeitige Reichs. finanzminister Erzberger hat den ersten Streich ge- führt, den ersten Zipfel des Vorhangs fortgezogen, der dem belogenen und betrogenen deutschen Volk die Wahrheit verbirgt. Es ist kein Zweifel, daß andere Minister mit an- deren Enthüllungen folgen werden. Denn die Alldeutschen werden mit neuen Lügen und Verdrehungen kommen, und diese Lügen werden durch neue Wahrheiten erstickt werden müssen. Der Stein ist im Rollen. Die große Abrechnung beginnt. Da ist es notwendig, daß unsere Leser das ganze Material zur Prüfung erhalten. Der gestrige Parlaments- bericht kam spät in der Nacht, der Raum war äußerst be- schränkt, die Rede Erzbergers mußte daher aufs äußerste zusammengestrichen werden. Es ist indessen nötig, daß. sie ausführlich zur Kenntnis der Leser gebracht wird, denn auf sie wird in den nächsten Tagen andauernd Bezug genom- men werden. Wir sehen uns daher veranlaßt, die e r st e A n- klagerede eines Ministers der deutschen Republik im ungefähren W o r t la u t wiederzugeben. Hier, ist er: Reichsfinanzminlster Erzberger. Ist das alles? Das ist die einzige Fraffe, die ich an den Lorredner zu richien baÄe. sHoitenkeit.) Soviel Anklagen in Berlin und hier, und so schwach begründet. Wie in einer beliebigen Agiiationsrede.(Sehr richtig!) Wir nehmen den Kamps auf und wollen ihn gzgen die Partei des Vorredners mit aller Entschiedenheit und Rücksichtslosigkeit führen im Interesse des deut- schen Volkes.(Lebhafter Bsifall links und im Zentrum.) Di« Wiederkehr der deutschnationalen Elemente würde den politischen Ruin des deutschen Vaterlandes für alle Zukunft bedeuten. Wenn sie sich heute einen modernen Anstrich geben, ja, rechter Hand, linker Hand, beides bertauscht! Herr von Graefe plötzlich ein begeisterter Anhänger deS parla- mentavischen Systems! Acht Monate Revolutionsregierung. Aber wer im November-Dezember knicschlotternd durch die Berliner Straßen wanderte, das waren die Freunde von Graefes!(Stürmischer Bei- fall und große Heiterkeit links.) Er selbst hat eben das stärkste ge- leistet und Noske, den Reichsminister, der das meiste für Ausrecht- erhaltung von Rübe und Ordnung getan hat, in persönlichster Weise angegriffen.(Widersvruch bei den Deutschnationalen, Unruhe.) War denn biS zum November eine herrliche Zeit in Deutschland? Wenn diese acht Monate seitdem nichts geleistet haben, so ist das die notwendige Folge dessen, was Sie Ihrerseits geleistet Halen! (Sehr richtig!) Wodurch ward Deutschland Republik? Lediglich durch Ihre Schuld. Die erfolgreichsten Schrittmacher auf diesem E-übiet und ein ganz erheblicher Teil der Schuld trifft den Kaiser und die BundeSfürsteu selbst. Wo waren sie in jenen Tagen, wo waren Mut und Selbst- achtung. zu dem Volk in seiner Not zu stehen?(Betsall. Dann langanhaltenbe dauernde Unruhe.) Und im Wahlrecht hat diese Partei in Preußen und Mecklenburg das Schlimmste gc- sündigt. Das Deutsche Reich ist eine Republik und wird eine Republik bleiben trotz Graefe und allen anderen. In langen Jahren parlamentarischer Arbeit habe ich politische Fehler begangen. Einer der größten Febler war eine zu weitgehende Gutmütigkeit gegenüber früheren Regierungen, ein zweiter ein zu weitgehendes Vertrauen zu ihnen. Auf diesem Vertrauen beruhten die Aufgaben, die ich von dem damaligen Reichskanzler erhielt. Den Weltkrieg habe ich nie propagiert. Ich habe mich aber zuerst öffentlich von ihm zurückgezogen. Seitdem bin ich immer schamlos angegriffen worden. Mit dem Märchen von dem Ueber- fall, der Zweiselhasttgkeit der belgischen Neutralität machen Sie auf mich keinen Eindruck, weil ich weiß, wie es bei KviegKauSbnich zugegangen ist. Die Weisen reisen von dem Irrtum zur Wahrheit, das find die Narren, die im Irrtum verharren. Ich habe seit 1906 zahlreiche Mißstände aufgedeckt und bin seitdem der erklärte Lieb» bmg der Alldeutschen. Ich Hab« immer das Best« für daS Vaterland gewollt und auch dafür gearbeitet. Ich wünschte, meine Gegner hätten ein so gutes Gewissen wie ich Met Ihnen, Herr Graefe, tausche ich nicht.(Zustimmung.) Wer, wie Herr Graefe. im Glashause sitzt, darf die Regierung nicht als illusioniistisch bezeichnen. Wer hat denn vier Jahre lang unverantwortlich das deutsche Volk von einer Illusion in die anderc gestürzt? Der Krieg gegen Frankreich sollte in drei Monaten zu Ende sein und dann England niedergeworfen werden. Alle drei Monate hieß es, Frankreich stehe vor dem Zusammenbruch. Herr v. T- r p i tz erklärte. England werde ausgehungert werden, jedes englische Schiff werde torpediert und die Zufuhr ab- geschnitten werden. Dabei batte Deutschland damals nicht ein einziges U-Boot, das um England herumfahren konnte.' Kitchener sollte kein Feldherr sein. Ehe Amerika bereit i sei, sollte der Krieg beendet ssin. Ich erinnere nur an all daS, was in der«Deutschen Tageszeitung" stand. Die Blockade sollte Deutsch- land nicht schädigen, Deutschland sich selbst ernähren können. Jetzt macht man die große Rechnung auf, wie die Blockode unsere Ge- sundheit geschädigt hat. Ferner verbreitete man die Illusion, kein Amerikaner könne herüberkommen, das amerikanische Militär sei Null, die Amerikaner würden willkommene Beute für unsere U-Boote sein, Amerika käme gerade im rechten Augenblick, um am Ende deS Krieges die ganzen Kriegskosten zu bezahlen. Deutschland hatte vier Jahr« lang überhaupt keine poli- tische Regierung, sondern eine militärisch« Diktatur. Es war das Unglück des deutschen Volke?, daß es sein Militär herrschen und die politische Vernunft nicht zum Wort: kommen ließ. Sobald die Politik sich borwagte, drang das Militär gegen die schwache Regierung vor. Mehr a l s e i n m a l waren FricdcnSmöglichkeiten vorhanden. Jetzt haben wir nicht mebr-zu schweigen.(Zwischenruf des Wg. Roesicke:.Dps ist eine solche unverschämte Behauptung!"— Großer Lärm. Präsident Fehrenbach rügt diese Aeußerung und bemerkt, daß er den Zwischenruf des Abg. Roesicke nicht verstanden habe, um ihn gleichfalls zurückweisen zu können.) Herr Roesicke behauptet, ich hätte Friedensmögtichkeiten in Deutsch- land zerstört. Das ist der schwerste Vorwurf. Mindestens zwei« mal konnte ein ehrenvoller Frieden zustande kommen.(Hort, hört!) Die Rechte mit dem Militär zusammen hgj dieS beide Mal« verhindert. (Große Bewegung.) DaS belgische Problem war das größte Hindernis. Wir erhöben Protest gegen den Abtransport der belgischen Männer und Frauen. Die Zusage, daß er aufhören sollte, wurde nicht gehalten. Man schickte die Leute in die Schützengräben. Man bestritt, baß unter der Führung des Staatssekretärs Helfferich die Schwerindustrie Aspirationen auf Belgien organisierte, man be- zeichnete es als eine gemeine Lüge, Der Minister verliest einen amtlichen Bericht, worin Schwer- industrielle unter Führung von Friedrich Krupp, der Gelsen. kirchener Bergwcrks-Gesellschaft, des„Phönix", des GeheimratS Hilgenberg, des Bürgermeisters Marx u. a. große Werke in Belgien zugunsten der großkapitalistischen Interessen Deutsch- lands erwerben wollten. Ludendorsf und Helfferich seien der Ansicht gewesen, daß man das deutsche Volk vor vollendete Tatsachen stellen müsse. Die Akten sind in belgische Hände geraten. Das war die geheime Politik hinter dem Rücken des deutschen Volkes. Angeblich wollte man nur den Wirtschaft- iichen Anschluß an Belgien. Darum wurde der Kr feg so lange geführt. Niemals ist uns ein klares Wort über Belgien gesagt worden. Wilson wollte 1S16 mit aller Euer-' gie den Frieden herbeiführen. Man frage nur den Grafen Bernstorff. Warum wurde Graf Bernstorff nach seiner Rückkehr aus Washington wochenlang nicht zum Vortrag an der höchsten Stelle zugelassen?(Hört, hört!) Das Friedenswerk Wilsons wurde sabotiert durch die Erklärung des U-Boot- Krieges. Im„demokratischen Deutschland" hat Graf Bern- storff eine Darstellung seiner Vermittelungsaktion gegeben und festgestellt, daß diese durch die U-Booterklärung durchkreuzt und damit der Krieg für uns verloren war. ES läßt sich nicht bestreiten, daß die Oberste HeereSleftung in Vertennung der militärischen Machtverhältnisse nicht das richtige Augenmaß gehabt hat zur Wahrnehmung eines günstigen Moments zum Friedensschluß.(Andauernde Unterbrechung rechts.) DaS sind Tatsachen, die Sie nicht bestreiten können. Der Abg. Graefe hat sich mit einer Darstellung des Grafen Wedel beschäftigt in den„Hamburger Nachrichten". Ich bin dem Grafen Wedel für sein Hervortreten dankbar.(Zurufe rechts: Na, nal) In seinem Artikel bestätigt er zweierlei: Di« Notwendig- keit eines Friedensschlusses im Jahre 1917 und die M ö g- I i ch k e i t dazu. DaS sind die großen politischen Tatsachen, die der Artikel des Grafen Wedel enthält.(Lebhafte Zustimmung links und in der Mitte.) Bis zur Stunde ist aber von Ihnen(zu den Deutschnationalen) die Möglichkeit eine? Friedensschlusses immer bestritten worden. In diesem Zusammenhange will ich an mein Wort vom Juli 1917 erinnern, das oft mißbraucht worden ist, sich aber auf die Tat- fache der Möglichkeit des Friedensschlusses gründet. Damals habe ich gesagt, daß man in wenigen Stunden im Verlauf eine? Ge- svrächs mit Lloyd George zum Frieden kommen könne. Ueber die Qualitäten des Grafen Wedel will ich mich nicht aus- lassen.(Zuruf bei den Deutschnationalen: Auch oies« Methode kennen wir!) Ich weise nur darauf hin, daß er noch am 23. Sep- tember 1918 ein Beruhigungstelegramm über den Zusammenbruch Bulgariens an die Reiebsregierung gedrahtet hat. Ich will auch nicht näher darauf eingehen, daß auch der Abgeordnete Dr. Strcse- mann von der jetzigen deutschen Volkspartei die Entfernung des Grafen Wedel von seinem Posten verlangt hat. Gegenüber dem Grafen Wedel halte ich ausrecht, daß ich im amtlichen Auftrage in Wien gewesen bin. Von dem Jmmediatberickt des Grafen Ezernin an den früheren Kaiser Karl hat der Graf Wedel nur den Satz gesagt: Er habe im Hanptauartier nicht den erwünschten Ein- druck gemacht. Ich kann den Bericht des Grafen Ezernin wegen fein«? Umfangcs nicht verlesen, er wird aber veröffentlicht werden (er i st schon veröffentlicht. Red. d.. Vorm."), und dann mag fich jeder e-n Urteil darüber Hilden, ob man diesen Bericht mit einem so nichtssagenden Satz abtun durfte. Der Minister verliest, die Schlußsätze des JmmediatberschtS des Grafen Ezernin; darin heißt es u. a., daß Oesterreich am Ende seiner Kräfte ist und Deutschland über den Spätsommer(der Bericht trägt das Datum des. 12..April 1917!) hinaus nicht mehr, auf Oesterreich würde rechnen können.„Die deutschen Staatsmänner haben mir keinen Zweifel darüber gelassen, daß auch für De u t s ch l a n d eine weitere Winterkampagne ein Ding der Un- Möglichkeit sei." Weiter heißt es am Schluß des Berichtes: „Euer Majestät haben den Beweis erbracht, daß Sie nicht egoistisch denken und den deutschen Bundesgenossen kein Opfer zumuten, welches Euer Majestät nicht selber zu tragen bereit wären. Mehr kann niemand verlangen. Gott und Ihren Völkern aber sind«S Euer Majestät schuldig, alles zu versuchen, um die Katastrophe eines Zusammenbruches der Monarchie zu verhindern, vor Gott und Ihren Völkern haben Euer Majestät die heilige Pflicht, das dynastische Prinzip und Ihren Thron zu verteidigen mit allen Mitteln und bis zu Ihrem letzten Atemzuge." Dieser Bericht ist mir seinerzeit frei zu meiner Verfügung gestellt mit der einzigen Bedingung, über seine Herkunft zu schweigen. Ich fühle mich zur Diskretion verpflichtet und werde den Namen deS Ueberbringers nicht nennen.(Die Ausführungen des Ministers rufen andauernde lebhafte Bewegung hervor.) Nun hat der Herr Abgeordnete Graefe gewagt zu sagen, ich sei von Oesterreich bestochen lvordcn.(Hefhger Widerspruch rechts, große Unruhe.) � Präsident Fchrcnbach: DaS hat der Abg. Graefe nicht gesagt, wenn er auch ein Zitat gebraucht hat. das ich lieber nicht gehört hätte. Minister Erzberger(fortfahrend): Ich frage den Abg. Graefe, hat er mit seinen Andeutungen zum Ausdruck bringen wollen, daß ich von Oesterreich bestochen worden sei oder im österreichischen Solde stehe, oder hat er irgendwie zum Ausdruck bringen wollen, daß ich auf Veranlassung oder auf Anstiften Oesterreichs meine Stellungnahme zur Friedenssrage eingenommen habe? Ich habe es nicht nötig, die Antwort abzuwarten, sondern tch erkläre im vor- aus: Wer es wagen sollte, einen dieser beiden Sätze, den ersten oder den zweiten, sich zu eigen zu machen, den erkläre ich für einen gemeinen Lügner und Ehrabschneider.(Beifall.) Entsprechend der Bedingung, daß ich den Bericht so verwerten solle, daß er dem Frieden dienen könne, und aus der Erwägung heraus, daß das Ausmaß einer Kriegführung sich nicht ergibt aus der Kraft der stärksten, sondern aus der des Schwächsten der Bundesgenossen. habe ich meinen Parteifreunden in Frankfurt a. M. von seinem Inhalt Kenntnis gegeben, wobei die absolute Gewähr bestand, daß aus diesem Kreise mchts herausgekommen ist.(Widerspruch rechts.) Wer behauptet das Gegenteil? Sie, Herr Hugenborg? Warten Sie ruhig. Sie sind mir gerade de- Richtige.(Heiterkelt.) Graf Wedel behauptet, daß eine rheinische Zeitung darüber berichtet habe. Er war aber so schamhast, den Namen nicht zu nennen. ES ' ist nämlich die„Rheinisch- Westsälische Zeitung".(Heilerkeit.) Glaubt denn wirklich irgend jemand, daß diese Zeitung von mir oder vom Zentrum informiert worden sei, oder besteht nicht kiel- spielsweise auch die Möglichkeit— ich behaupte es nicht, aber eS ist doch möglich—, daß die Oberste Heeresleitung, ftie den Bericht auch gehabt hat, ihn in diese Zeitung lanciert hat? Und selbst wenn, was Graf Wedel andeutet. die Eutentr Kenntnis von dem Bericht erhalten haben sollte, von ihrer Bereitwilligkeit, im Jahre 1917 Frieden zu schließen, hat sie sich dadurch nicht abbringen lassen._ Gras Wedel behauptet ferner, Czermn habe mich veranlaßt, nach Wien zu kommen, um mich zu verantworten. Das ist unwahr! Es ist auch unwahr, daß ich gesagt hätte: Ich hätte meine Fehler eingesehen.(Zuruf rechtS: Das wäre wohl auch das erste Mal gewesen! Heiterkeit.) Also die Angriffe des Grafen Wedel fallen in sich selbst zusammen. Und nun zur F r i e de n s a k t, o n selbst, die damals. cS tut mir leid, das öffentlich feststellen zu müssen, aber es muß gesagt werben, um der VergifUlug i>er öfsent- Iichen Meinung und Gcschichtsfälschung vorzubeugen, durch die damalige Regierung vereitelt worden ist!(Hört, hört!) Und zwar unter hervorragender Mit- Wirkung der Herren Konservativen. Im April 1917, als dieser Jmmediatbericht auch schon weiteren Kreisen bekannt geworden war, haben wir im Auswärtigen Amt eine Besprechung gehabt, an der auch die Herren Schiffer und Graf Westarp teilnahmen. Herrn Schiffer waren auch Nachrichten zugegangen, daß in Wien eine starke Neigung zur Herbeiführung eines Friedens vorhanden sei, und es wurde der Ge- tianke ausgesprochen, wir müßten auf Oesterreich in privater Form einzuwirken suchen, daß es nur mit Deutschland geschlossen vorgehe. Da sagte der Führer der Konservativen, Graf Westarp: DaS wäre aanz gleuhqultig. Wenn Oesterreich einen Separatfrieden einginge, dann hätten wir es leichter und kämpften allein weiter.(Hört, hört! und große Bewegung.) Ich will nicht darauf eingehen, welche Antwort von Deutschland nach Wien ge- geben worden ist. ES wird die Zeit kommen, wo auch daS ver» öffentlicht werden wird, denn daS deutsche Volk soll die r-stlofe Wahrheit erfahre». Ich habe dann wiederholt auch mit dem Reichskanzler Beshmann Hollweg über diese Aktion gesprochen und habe darauf hingewiesen. daß wir von unseren hochgespannte» KriegSzielen zurückgehe» wügfctf änfSiS Nir«s7AdÄ' 4' MMft, diSÄS Mize'Lsu.ische Volk geeinigt hat. Ich habe vor allem darauf bingewiesen, wie alle Berechnungen über den U-Boot-Krieg völlig falsch seien. Ich habe am 4. Juli daZ erstemal darüber gesprochen und am 3. Juli bin ich direkt auf das Ziel losgeganaen. Meine Rede wird in den nächsten Taaen in einer Broschüre:..Warum inustten wir nach Versailles gehen?" veroffent- licht werden C Diele Broschüre liegt vor. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin. Verfasser Oskar Müller. Wir haben sie gestern zitiert. Red. d...Vorwärts'.l. und ich bin überzeugt, sttancher wird lagen, wenn er die Rede gelesen bat:..Wie war es nur möglich, dah über eine solche vernünftig« Rede ein solcher Tpektakel in Deutsch- land gemacht werden konnte,"(Sehr qutl Redner verlieft einzeln« Steffen au» der Rede.) Am 9. Juli hat dann auch der Führer der Nationalliberalen, Stresemann. die Lag« in derselben Weis« geschildert. Mein Vorgehen war also keine grob« Tat, wie stlraf Westarp es nannte und der konservative Gral Westarp bat damals auf die Frag? Stresemanns. ob er mit einem Frieden 01,0 ante zufrieden sei, glatt geantwortet: Rein! lHört, hört! links.) Die damalige Regierung, die durch das unglückliche Wort: Wie ich sie verstehe, in ihrer Geburtsstunde erdrosselt wurde, hat ein Verbreche« am deutschen Volke begangen, fltebbafter Beifall.) Am 1. August hielt der Reichs- kanzler seine Rede mit dem Grundgedanken, daß äff« Friedens- anaebote aussichtslos leien. Er weigerte stch, eine klare Erklärung übe-r dje Neutralität Belgien» abzugeben. Am SO. August aber erhielt der Reichskanzler durch den Nuntius ein Schreiben, in dem «in Angebot Englands vorlag, dem die französische Re- aierpng sich angeschlossen habe, dt« kaiferliche Regierung möae sich über die Unabbängiakeit Belgien? erklären und Garantien für die politische, wirtschaftliche und militärische Unabhängigkeit des Landes geben. Eine versöhnliche Antwort werde den guten Fortgang der Friedensunterhandlungen erleichtern. sL angandauerndeS Hört, hört' links. Grone Bewegung.) Wir haben hier den amtlichen Schritt einer neutralen Macht. die durch ihre Organisation und Ideenwelt wie weniae in der Laae war, zu beurteilen, wenn ein Friedensschritt Ausstcht auf Erfolg hatte, hervorgegangen nicht aus eioener Initiative, sondern tmt einen ausdrücklichen Versuch d-r englischen Regierung mit auSdrück- licher Genehmigung der französischen. Da? war 1917 ein« wohlbeiriinbete, wohlüberlegte Fri:densaktion von einer neutralen Macht, die wie wenige berufen war, die Ideen der Völkerversöhnung ein�nleiten und es wurde verlangt ledia- l i ch eine präzise Erkläninq über Belgien. Die Erlaubnis, den Inhalt der englischen Note zu verösfenilichen, ist vom Papste eingeholt, aber wo?l noch nicht eingetroffen. Was aber geschieht in Berlin? Man würde e! nicht für möglich. halten: Vier Wochen gibt man den.Ministern keine AntwortI sStürmifcheS lbört, hört? links und im Zentrum.) Ich muh aber nach einen Schritt weiter gehen. In«inem Schreiben vom 24. 9. wird abgelehnt, eine Erklärung abzugeben. lStürmischcS Hört, hörtl Große An- ruhe, die sich zum Lärm steigert. Präsident Febrenbach läutet, vermag aber erst nach längerer Zeit Ruh« zu schaffen.) Im heutigen Stadium, heißt es in der Antwort, sei die Regieruna nicht in der Lage, die Erklärung über Belgien und die gewünschten Bürg- schgsten auszusprechen, weil die Vorbedingungen kür Abgabe einer solchen Erklärung noch nicht genügend geklärt seien.(Hört, bört?) ?klso ein amtlicher diplomatischer Bericht, für ein Vvl', des in höchster Not liegt, wird vier Wochen nicht b?gntwort?t, dann erklärt m»n ihn nicht für genügend.(Hört, bört! Große Bewegung.) End? September war ich in München. Ich kenne den Nuntius feit längerem al» per- innlichen Freund. Er kam mir mit Tränen entgegen: Die armen Völker! Damit war der von Entstand über den heiligen Stuhl ei-ngeleitete Versuch erledigt. Da? ist da? Tragische, da? Entsetzliche. Man kämpft für don Frieden und dann kömmt e» so.(Be- wegung.) Da kann man nicht schweigen!(Zuruf: Da» ist da» Werk der BaterlandSpartei!) So war«s 1917. Wir müssen dem deutschen Volk sagen, wie es zwei Jahr« gewissenlos irregeführt ist. Hätte es diese Ding« besser gewußt, hätte ei den. Frieden ein- fach erzwungen.(Sehr richtig!) Und wie stand e» im Juli 1917? Wir wollt«« nach außen den Frieden und nach innen die Freiheit. Und was war(nach rechts) Ihr« Parole: Keinen Frieden und kein« Freiheit! WaS war die Folge? Die ganze Wehrmacht zu Lande und zu Wasser wurde mobil gemacht gegen den Mann, der vor Ihnen spricht. Namen- lot Entsedliches wurde gegen mich vom Kriegspresseamt zusammen- gelogen. In dem Augenblick, wo die Frieden»aktion auf dem Höhe- Punkt stand, wurde die BaterlandSpartei gegründet zu dem Zweck, d-te Friedensresolution totzuschlagen. Militär», Beamte, KriegSgesellschaftcn und wirtschaftliche Verbände. Ende Sep- tember war die vom ehrlichen Willen de» deutschen Reichstages ge- tragene Friedenspolitik de» verständigen Ausgleichs durch die Agi- totion erledigt, die Hoffnung, die auch die anderen Völker hatten, mit einem Schlage vernichtet. Deutschland ist mit offenen Augen in de« Tod hineingerannt. Im September bildeten die Alliierten ihren Obersten KrtegSvat. Und was war die Folge hiervon? Die Ablehnung der von England verursachten FriedevSvermittlung.(Stürmische Bewegung!) Die Wahrheit über alles!. Wir sind in entscheidender Stund« für das Gute emgelreten. Der Abgeordnete Haußmann, der das gleiche versuchte, wird daS Scheitern der Vermittlung darin sehen, daß Deutschland dt« gewünschte Erklärung nicht abgegeben hat. Wir trieben zu der F o r t. seßung des Krieges. Und in den Septembertagen kam das Friedensangebot, das von uns w Rußland in da» Gegenteil ver- . kehrt wurde._,„, So kam 1918. Jeder Versuch, diese Zetien zur Vernunft zu bringen, wurde mit militärischen Mittel« niedergeschlagen. Die Antwort war, man möge noch ein Weilchen warten und dann hm Ende September 1918 der restlose militärische Zusammenbruch. Eine Depesche nach der anderen jagte nach Berlin: Wenn nicht in kürzester Frist ein« Regierung gebildet würde, könne die Front nicht mehr vierundzwcmzig Stunden gehalten werden. All« diese Dinge weoden in den nächsten Tagen dem deutschen Volke übergeben werden dann kann eS nach den Akten selbst prüfen. Die Regierung de» Prinzen Max von Baden hat nur den Fehler gemacht. Ludendorff nicht hinzuschicken, um den Wasienstillstand abzuschließen. Wo war die Zivilkourage deS Mili- lärs?(Sehr richtig I) Die Sozialdemokratie sollte zuerst gar nicht in die Regierung«intreten und sie sollte nachher die Verantwortung übernehmen, nachdem alle» verloren war. Wie haben unsere Armee vor einem neuen Srdan bewahrt. Gewiß waren auch Tendenzen zur Unterwühlung der Armee vor- landen; aber nach solchen vier Jahren bricht einmal der Bogen. Herr von Hehdebrand soll gesagt haben: Wir sind belogen und betrogen. Ob er es gesagt hat. weiß ich nicht. Aber wahr ch: lsebr richtig!) der Zusammenbruch ist erfolgt durch die Un» gerecht igkeit im Heere.(Zum Abgeordneten von Graefe): Wer hat denn gegen die Abschaffung d«S schweren Arreste» und gegen die gemeinsam« Speisung der Mannschaften und Offiziere gesprochen? Ludsndorff wollte demissionieren, wenn auch andere HeerM-er m vuawua zugezogen würden. A« 6. November bekam ich Auftrag— ich hatte mich nicht danach gedrängt—, die weiße Fahne am 8. November morgens zu ziehe«. also zu kapitulieren, und zwar mit Zustimmung der Obersten Heeresleitung. Fern an der Front sagte mir ein General, von.seinen zwei Divisionen babe die eine noch 437, die andere 34t Mann.(Hört, hörtl Große Bewegung.) Er meinte, wenn jeder Mann und jeder Major ein Maschinengewehr habe, könne man sich noch halten; aber bei einem großen Vormarsch würden die Feinde durchbrechen. Hätten Sie(nach rechts) es verantworten trollen, daß oie Feinde verwüsteizd durch unser Vater- land ziehen? Ter Umsturz iu Deutschland soll den Waffenstillstand erzwungen haben; aber Hindenburg depeschierte, Wenk! unsere Forderungen nicht durchzusetzen seien, so sei trotzdem der Waffenstillstand abzuschließen. Tie politischen Vorgänge in Deutschland waren nicht entscheidend, denn die Waffen st illstandsbedingungen waren nicht von Fach, sondern schon 4 Wochen vorher von den Alliierten a u f g e- stellt. Selbst Herr von Graefe hätte es in Compiegne nicht anders machen können. Ich stelle fest: die F r i e d e n S r e so l u t io n des Reichstags vom 19. Juli 1917 hätte Erfolg haben müssen und können, wenn ihre Grundsätze bei Gelegenheit der Friedensnote de» Papstes an- gewendet worden wären; der Zusammenbruch Deutsch- la n d s ist nicht durch die Revolution, sondern durch die konstante Täuschung des Militärs bedingt worden. Nicht die Friedensretelution hat die deutsche Widerstandskraft gelähmt, sondern der Zusammenbruch tst erfolgt durch Mangel an innerer und äußerer politischer Einsicht der Konservativen und der Obersten Heeresleitung, die daS deutsche Volk eingeschüchtert hatten und terrorisierten und dieses Spiel auch, jetzt noch fortsetzen. Die Geduld der Regierung und der Mehrheitsparteien hat ein Ende(Rufe bei den Sozialdemokraten: StaatSgerichtShof!). Kommt gleich nachHerl Ich werfe die Frage auf, ob denn am 22. Juni überhaupt noch die Möglichkeit einer anderen Stellungnahme, als die Unter- z e i ch n u n g. bestanden hat. Mir sind lebhafte Vorwürfe gemacht worden, ich hätte die Politik Scheidemanns sabotiert. Ich bedauere, daß sich auch Herr Gothein in diesem Sinne geäußert hat. Demgegenüber stelle ich fest, daß ich in der ganzen kritischen Zeit durchaus lohal gehandelt habe. ES sind mir Aeußerungen in den Mund gelegt worden, die ich gegenüber ausländischen Journalisten getan haben soll. Vom 22. Mai bis zum 27. Juni habe ich überhaupt mit keinem einzigen ausländischen Journalisten gesprochen. In der ganzen Zeit habe ich nur zwei inländische Journalisten bei mir gesehen. Es waren da? Vertreter der„Frank- furter Zeitung", die mir als verschwiegen bekannt waren. Mit diesen habe ich mich ausgesprochen, und sie haben in der Tat mit keinem Worte von dem Inhalt unserer Unterredung Gebrauch gemacht. Aber noch mehr, die mir in den Mund gelegten Unter- stcllungen haben in der fremden Presse überhaupt nicht gestanden. (Lebhafte Bewegung.) Das von der Presse gegen mich verwandte Wort der Rede S ch e i d e m a n n s„Unannehmbar" ist bekanntlich gar nicht gefallen, sondern später angefügt. Abgesehen davon richtete sich das„Unannehmbar" nicht gegen jeden Vertrag. Im weiteren Verlauf der Entwicklung der Friedensfeagen bin ich in das Kabinett mit einer Auseinandersetzung darüber herangetreten: Was wird eintreten, wenn wir den Frieden unterzeichnen, und was wird ge- lchehcn. wenn wir ihn nicht unterzeichnen? Ich babe aus meiner Auffassung kein Hehl gemacht und in einer Vorbesprechung des Kabinetts, die zu der Klärung der Frage wesentlich beigetragen hat, schließlich erklärt, daß ich aus der Regierung austreten würde, wenn die Friedenserklärung abgelehnt würde. Für diese Behauptung berufe ich mich auf das Zeugnis de» Ministers Dr. David, der sich meiner Auffassung angeschlossen hat(lebhafte Bewegung). Nun hat der Abg. v. Graefe die Behauptung aufgestellt, die Deutschnationale Volkspartei sei zu einem Eintritt in«in Ab- lehnungSkabinett bereit gewesen. Demgegenüber stelle ich fest, daß Graf PosadowSkh nur die Mitteilung gemacht hat, feine Partei würde in E r wä g u n g ziehen, o b sie in ein solches Kabinett eintreten würde oder nicht.(Lebh. Hört, hörtl Darauf Zuruf des Abg. Gräfe: Er hat aber doch nicht abgelehnt. Sturmi- sche Heiterkeit.) Diese Zwischenbemerkung steht auf dem gleichen niedrigen Niveau wie Ihre übrigen Behauptungen. Als Graf Posadowsky in Erwägung ziehen wollte, ob seine Partei sich an der Regierung beteiligen würde, war es mittag 1 Uhr. Abends 7 Uhr sollten aber die ersten Kanonenschüsse fallen.(Lebhafte Bewegung.) In diesem kritischen Augenblick der deutschen Geschichte mußte gehandelt werden. Mit Freuden erinnern wir uns an die Erklärungen deS Abgeordneten Schiffer und Heinz«, daß unsere Entscheidung aus dem ehrlichen Willen getroffen worden sei, unserem Vaterlande zu dienen. Die Deutschvationalen haben sich dieser Auffassung nicht angeschlossen und sich damit selbft ein unrühmliches Zeugnis aus- gestellt.(Lebh. Zustimmung.) Der Frieden mußte unter- zeichnet werden, um die Einheit des Reiches zu r e t t e n. Der Vorwurf und der Uebcrmut, der aus der Wendung deS Abg. Graefe spricht: Wir hätten uns an die Futterkrippe fetzen wollen! wird von dem Volke den Vertretern seiner Gruppe nicht vergessen werden dürfen, die selbst jahrzehntelang an der Futterkrippe gesessen haben.(Große Unruhe bei den Deutschuationalen. Andauernder lebhafter Beifall in der Mitte und links.) Die Frage des Abg. Graefe: Wohin kommt daS viele Geld? beantworte ich dahin: Mehr als die Hälfte aller Ausgaben, die in den letzten Monaten geleistet werden mußten, sind vom Heer aufgezehrt worden. Im Monat Juni allein 1,8 Millionen Mark. Daß dieses Geld nicht allein an die Offiziere und Mannschaften geht, ist selbstverständlich. ES find darin auch die großen Abwick- lungSgeschäste vom Hindenburgprogramm einbegriffen, daS immer noch nachwirkt. Ich komme zum Schluß: Wir leiden unter der Niederlage ebenso schwer wie Sie(nach rechts). Der Anblick der abgemagerten Kinder und abgezehrten Frauen geht unS ebenso zu Herzen wie Ihnen.(Zuruf: Noch viel mehr!) Aber eins scheidet un» von Ihnen: Wir brüsten uns nicht damit, wir stellen uns nicht so hin. als ob wir allein ein Herz für die Not und Schmach unseres Vaterlandes hätten(Beifall), was uns aber ebenso tief kränkt wie der Jammer unseres Volkes und Vaterlandes, das ist das falsche Sviel, das Sie treiben.(Lebhafter Beifall und Zustimmung.) Wir haben den Gewaltfvieden annehmen müssen, weil kein anderer Ausweg blieb. Wir hoben die Verantwortung übernehmen müssen für das. was Sie verbrocheu haben. (Sehr richtig! und lebhaste Zustimmung.) Wir werden aber nie- mal? zugeben, daß Sie nun versuchen, au» der Verantwortung, dt« auch Ihre Schuld ist. unsere Schuld zu machen und un» heuch- lerisch mit Hohn und Spott zu übergießen. Der Friedensvertrag ist die Schlußrechnung«ineS Krieges. Wer den Krieg verliert, ver- liert den Frieden. Wer aber hat den Krieg verloren, diejenigen, die sich in unvernünftigem, trotzigem, verblendetem, verbrecherischem Eigensinn der Möglichkeit eines ernsthaften Friede«» entgegenstellte». (Stürmischer Beifall und Zustimmung.) Die moralische P e r a n t» w o r t u u g dafür, daß schließlich kein anderer Frieden mehr mög- Kch war, haben diejenigen zu tragen, die den Kampf gegen die FrtedenSresolution de» Reichstage» geführt haben, und wenn sie hundertmal durch ihr lautes Nsm ihre Hände« Unschuld waschen wollen, sie werden die Schuld nicht los, weder vor uns, noch vor der Geschichte, noch vor ihrem eigenen Gewissen. (Stürmischer Beifall, der sich auf den Tribünen fortsetzt.— Präsident Fehrenbach rügt das Händeklatschen als nicht üblich.) ** Luüenüorff heißt haase. Zu den Enthüllungen über die frühere Oberste Heeres- leitung erhält die„B. Z. a. M." eine Information, die Ludendorff reinwaschen will. Sie lautet: DaS Schreiben des Nuntius Pacelli und das Antwortschreiben des Reichstanzlers Dr. Michaelis, die heute in der Morgenpresse veröffentlicht wurden, sind dem General Ludendorff er st heut früh bekannt geworden. Er hat von diesem Sckireiben früher nie etwas gehört. Andeutungsweise und geheimnisvoll wurde Ende August oder Anfang September 1917 der Obersten Heeresleitung mitgeteilt, daß England eine Fühlungnahme erstrebe. Völlig unabhängig hiervon war dem General Anfang August don Oberst v. Hafter auf Grund von ihm zugegangenen Mit- teilungen aus pazifistischen Kreisen des neutralen Auslandes gemeldet, daß England jetzt eine offene Erklärung Teutschlands über Belgien erwünscht sei. Der General glaubte, es handele sich in beiden Fällen um die gleiche Ange- legenheit und erklärte tn beiden Fällen sein Einverständ- n i» zu einer Erklärung über Belgien. Es fanden eine Reihe von Besprechungen über die belgische Frage statt, darunter auch ein K r o n r a t vom 11. September. Im Verlauf'der Verhandlungen wurde eine Einigung über eine Formel betreffs Belgiens erzielt. Einige Tage darauf regte der Reichskanzler in einer Besprechung mit seinem Stell- Vertreter Dr. Helfferich und dem Staatssekretär v. Kühlmann. der auch Oberst v. Hasten, Direktor Deutelmoser und ein Ver- treter des Kriegspresseamts beiwohnten, an, die öffentliche Mei- nung in Hsimat und an der Front«ruf eine starke Be- schränkung der in vielen Kreisen des öffentlichen Lebens hinsichtlich Belgiens erstretten Ziele vorzubereiten. Staatssekretär v. Kühlmann sprach sich aus unbekannten Gründen dagegen aus General Ludendorff bat in diesen Tagen Dr. Michaelis, von einer von ihm beabsichtigten KriegsfammlungSrede Abstand zu nehmen, damit nicht etwa mögliche Verhandlungen erschwert würben. Am 29. September hat Oberst v. Haften, der ebenfalls von dem Schritt des Nuntius Pacelli keine Kenntnis batte, eine Be- sprechung mit Staatssekretär v. Kühlmann gehabt, in der er ihn auf Veranlassung des Abgeordneten Konrad Haußmann bat, eine öffentliche Erklärung über Belgien abzugeben. Der Staatssekretär lehnte ab. Oberst v. Haften erstattete hiervon der Obersten Heer-Sleitung Meldung. General Ludendorff hat später den Reichskanzler oder den Staatssekretär V. Küblmann gefragt, was auS der angeblichen englischen Fühlungnahme geworden wäre. Er erhielt eine aus- weichende Antwort." Danach heißt Ludenborff eigentlich Haase: er weiß von nichts. Und der allgewaltige Ludendorff beschied sich gern mit der untergeordneten Rolle, die die Minister ihm zudik- tierten. Wenn er eine ausreichende Antwort auf eine be- scheiden« Frage erhielt, dann zog er sich untertänig aus dem Vorzimmer zurück und wagte nicht, auf Klarheit und Offen- heit zu dringen. Wenn und so off auch immer etwas von Friedensschluß cm sein Ohr drang, dann war er zum Entgegenkommen und zum Einlenken bereit. Nur der istiegerische Kühlmann und anders schwertumqürtete Zivilisten wie Diplomaten sind schuld daran, daß der Krieg verlänaert worden ist, b's die Heere ausgepumpt waren und die Katastrophe eintrat. Ludendorff aber war immer der Friedensen"� heißt Haase. O das Dresden. 26. Juli.(Eigener Drablbericht des.Vorwärts'. Im Mordprozeß Neuring beantragt der Staatsanwalt die Bw geklaglen Allner. Schreiber, Merkel, Hehnemann Bartsch, Becker. Gottlöber, Tietzsch de« Morde« schuldig zu sprechen und zum Tode zu verurteilen. Ernster Streit in Gbersthlesten. Keine Notstandsarbeite«. Der gestern 7% Uhr ausgebrochen« Streik der Lichtwerke Eholzow und Zabor, e ist sehr ernst. Seit gester« 7s4 Uhr ist der gesamte Jndustriebezir! ohne Licht und Kraft. Di« Streikenden haben diesmal auch die Ausführung von Rot- standSarbeite« abgelehnt, so daß für die Gruben, sollte« sie nicht von denen, die eig«ne Kraftwerke Hab««, mitversorgt werden können, die Gefahr des ErsaufenS droht. Die Beamten haben sich geweigert, wegen des zu erwartende» Terrors auch unter militärischem Schutz die notwendige» Arbeite» auszuführen. Der vom StaatSkommissariat seinerzeit eingeführt« Ar- beitszwang für Notstandsarbeite« ist anf de« Werke« erneut bekanntgegeben worden. Heute um 10 Uhr findet in Kattowitz ein« Sitzung mit den Streikenden bzw. de» ArbeiterauSschüsse», der Direktion, de» betreffenden Organisationen, dem Bertreter de» StaatSkommissariatS und de« Zentralarbeiterrat statt. Hoffentlich gelingt es, eine Einigung herbeizuführen. Auf Anfrage in Zaborze wurde mitgeteilt, dag«ach Beilegung des erste« Licht st reiks Berhandlunge« mit den ArbeiterauS- schössen schwebte», die plötzlich abgebrochen wurden, da man sich über di« Zeitdauer deS Tarifvertrages nicht einigt» konnte. Jetzt tauche« diese Forderungen i» verschärfter Weif« wieder auf. Wegen StrommangelS sind stillgelegt die Grube» der Äerginspcttion 1 KönigShütte, die Gruben der Berginspektion 2 Zaborze, die Gruben der Borsigschen Verwaltung und da? Lvrstg- werk, die Gcorggrube, Maxgrabe, Eminenzgrube; dazu kommt noch ein reguläre» Streik wegen Einstellunge« von Grenzschutz- l e u t e n auf Fürstengrubr und Heinrich-Freude-Grube. ES wird weiter gemeldet, daß anf de» Grube« wegen Strommangel» die Gefahr besteht, daß die Pferde unter Tage ersticken, da die Bentilatore» auch nicht arbeite«. Gtto Sauers /lbschieösgesuch. In dem gestern von uns schon telegraphisch erwähnten Schreiben des österreichischen Staatssekretärs Dr. Bauer, in dem er bittet, ihn unter Entlassung von dem Staatsamt des Aeußern zu entheben, verweist er da-auf, daß Cimet der sich- rendan Grundsätze sein» Politik war, Dentsch-Oesterreich die Freundschaft Italiens z» erwerbe«. Es heißt darin: Ich hoffte auf Italien» Unterstützung für die Vereinigung Deutsch. Oesterreichs mit dem Deut« s ch e st Reiche, und ich hoste,{einen Schutz gegen ine slawischen Ansprüche auf d-e deutschen Gebiete zu erlangen, um in freund- schaftlicher AuSemanderfetzung im? ihm«rne für Herde Teil« an» nehmbar« Lösung für Deutsch-Südtirol zu finden. Ich hoffte, Deutsch-Oesterreich werde Vermittler sein können, der der ganzem deutschen Nation die Freundschaft Italiens wiedergewinnt. Leider sind diese Bemühungen gescheitert. Am 8. Juli teilte mir Prinz Borghes«, der italienische Bevollmächtigt« in Wien, mit, die italienische Regierung sei nicht in der Lage, sich auf«ine Diskussion einzulassen, die die vollständige Souveränität des Königreichs Italien über das Alto Adige in Frage stellen würde. Damit war meine Politik an der Jntransigenz des italienische« Imperialismus gescheitert. Der italienische Imperialismus zwingt uns. neue Bahnen zu betreten. Aber auch den neuen Weg zu führen, glaube ich nicht der rechte Manu zu sei». Ich kann nicht hoffen, das Vertrauen bei den französischem Macht- hadern zu finden, die immer wieder die Zerrissenheit des deutschen Volkes für ein Recht der französischen Nation halten. Aber nicht nur wegen meines Kampfes für die Vereinigung Deutfch-OesterreichS mit der große» deutschen Republik, auch wegen der Stellung, die ich während deS.Krieges zu den damaligen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der internationalen Sozial- demokratie genommen habe, kann ich das Vertrauen der gegenwärtigen französischen Regierung nicht erlangen. Wohl haben ge- rade meine engeren Freunde und ich den österreichischen Jmperiä- lismuS während des Krieges am heftigsten bekämpft, gerade wie die das relative historische Recht der bürgerlichen Demokratien deS Westens gegen die Militärmonarchien Mitteleuropas verfochten. Aber die gegenwärtige franzöfische Politik beurteilt nni nicht nach unseren Verhältnissen zu Frankreich, sondern nach unserer Stellung z» der svzialen Revolution. Hat aber schon mein« Stellung zu der deutschen Frage und zu den sozialen Problemen da» Mißtrauen der französischen Macht. habet erweckt, so'wurde dieses Mißtrauen noch vertieft durch mein- Bemühungen um die Freundschaft Italien». Ich glaube daher, daß meine Person nur noch eine Erschwerung jener Politik sein könnte, di« mir jetzt, nachdem uns die Haltung Italiens den ande- ren Weg versperrt hat, objektiv notwendig und historisch geboten zu sein scheint, die Zreiwilligenhetze üer Freiheit". Am Donnerstag abend kam«S in einem Kino Unter den Linden, als wieder einmal einer der berüchtigten„Aufklärungsfilme' ge- spielt wurde, zu heftigen Skandalauftritten, weil ein Teil des Publikums sich die dargebotenen„AufllärungSszenen' nicht ge- fallen lassen wollte. Ein Bericht der„Freiheit' macht daraus, daß mehrere mit Revolvern bewaffnete Soldaten plötzlich in den Saal eingedrungen feien und die Fortführung des Spiels verboten hätten. Sie hätten sich furchtbar aufgeführt und nur der Ruhe des Publikums fei es zu verdanken gewesen, daß eS nicht zu Tällich- ketten kam. Mit der ihr eigenen sittlichen Entrüstung fragt die „Freiheit':„Seit wann sind denn die Freiwilligen truppen als Schützer der Sittlichkeit anerkannt worden?' Die„Freiheit', die sonst die Freiwilligen als eine Bande von Sittlichkeitsverb rcchern, Mädchenschändern usw. hinzustellen sucht, sollte doch nun eigentlich sehrbefriedigt sein, wenn gerade die Freiwilligen ein so hohe? Maß von sittlichem Fein- g e f ü h l an den Tag legen, daß sie sich die Darstellung schmutziger Szenen nicht gefallen lassen. Aber ihre ganze Darstellung ist a u S den Fingern gesogen. Wie un! Augenzeugen berichten. saßen die angeblich während der Borstellung erschienenen Sol daten bereits feit Beginn der Vorstellung im Kino. So- weit sie mit Revolvern bewaffnet waren, trugen sie diese vorschrists- mäßig in Schutztaschen und habe» sie auch nicht herausgenommen. Das verbot de? Spiels ist von ihnen nicht in die Wege geleitet war- den, überhaupt haben sie keinerlei Tätlichkeiten be- gangen. Dtzr Skandal brach vielmehr im Publikum aus, und die Soldaten haben lediglich versucht, Tätlichkeiten zwischen den beiden sich bildenden Parteien zu verhindern. Für die Verleumöermethode der„Freiheit' ist ihre Art der Darstellung typisch. Der Streit öer Telegraphenarbekter. Am Freitagabend erstattet« der Bundesvorsitzende Ballen tin in einer Versammlung der Telegraphenarbeiter Bericht über die ergebnislosen Verhandlungen. Folgende Resolution wurde angenommen: „Die Versammelten erheben entschieden Protest gegen die von der Oberpostdirettion erlassene Verfugung vom 22. Juli ISIS, die ohne Zustimmung deS BezirkSbeamten- und ArbeiterouS- schusses der Oberpostdircktion Berlin erlassen worden ist und durch die 287 Arbeiter mit ihren Familien in Gefahr kommen, dem Elend in einer so ernsten Zeit preisgegeben zu werden. Di« Versammelten erwarten, daß trotz der bisherigen Haltung des OberpostdirCktorS Sönksen es möglich sein wird, den drohenden Kampf über das ganze Reich abzulenken, und erwarten von dem Reichspostminister, daß er unmittelbar eingreift und an die Oberpostdirektion Anweisung gibt, daß die Verfugung vom 22. Juli aufgehoben wird, damtt Vt 287 Arbeiter sofort mit vollen Rechten in bezug auf Lohn und Anstellungsdienstalter wieder- eingestellt werden können. Die Versammelren erwarten ferner, daß für di« Tage der Entlassung der der Arbeiterschaft zustehende Lohnlatz gezahlt wird. Sie erklären vor der breiten Oeffentlich- kett, baß eS sich bei ihnen um keine Forderungen handelt, die in diesem Moment an die Reichspostverwaltung gestellt worden sind, sondern nur darum, ein der Arbeiterschafr und deren Familien zugefügtes Unrecht wieder gut zu Nochen. Sie versichern, wie bisher im Interesse der Republik, de» Reiche», der Regierung und der Allgemeinheit ihre Pflicht zu tun, erwarte« aber» daß auch sie dafür ihr Siecht erhalten.' » Die Streikenden werden vorläufig bis einschließlich Montag im Ausstand verharren, in der Erwartung daß bis dahin eine Ver- Bändigung erzielt sein kann. Am Montagabend wird eine Ber- sammlung erneut Stellung zu der Angelegenhett nehmen. • Die Oberpostdirektion teilt mit, daß eine Störung oder gar eine DeiriebSeinstellung der Fernsprechämter infolge des Streiks nicht zu erwarten ist. Der telephonische Berkehr wird durch den Streik in keiner Weise berührt. Der Streit in üen Siemenswerken. Im Streik bei den Siemenswerken begannen heute vormittag vor dem Hauptausschuß der Metallindustrie EinigungSverhandlungen ttn Borfighause. Der Ausschuß ist paritätisch mit ö Vertretern de» Verbandes Berliner Metallindustrieller und 6 Vertretern de» Deutschen Metallarbeiter-Berbandies besetzt. Den Vorsitz führt G e. heimrat v. Borsig. Anden Verhandlungen nehmcn auch Mi- glieder de» BollzugSrate» teil. Di« Beratungen, die erst gegen 11 Uhr begannen, gestalten sich ziemlich langwierig und j dauern gegenwärtig noch an. Di« Verhandlungen finden unter | Ausschluß der Oeffentkchkett statt. Inöustrie unö hanöel. Börse. Die Börse eröffnete aus Wochenfchluß-Realisationen und im Hin» blick auf den weiteren Rückgang deS Markfurses im neutralen Ausland in schwächerer Haltung. Niedrigere Kurse erzielten nament. lich Montanaktien, Schiffahrtswerte und einzelne Färb- und Elektr.- Papiere. Auch Kriegsanleihen waren angeboten und notier- ten etwa 83?L Proz. Im Zusammenhang hiermit gaben auch Schatz- anwsisungen und die älteren heimischen Anleihen etwas nach Ziem- lich gut« Meinung bestand für Rüstungspapiere, ausgesprochen fest waren alle Valutawerte, in erster Reihe amerikanische Bahnen und fremde Kupons. Von letzteren stellten sich rumänische 7 Proz. höher. GroßSerlln Der vielbeklagte Mangel an Schutzleute« besteht in Berlin-Nord wohl nicht? Wir möchten daS annehmen gegenüber einem Bor- kommnis, das uns aus dem Hause Bernauer Str. 47 gemeldet wird. Der Verwalter bläst zwar(zu seiner eigenen Freude, nicht zu der seiner Mutter) in Mußestunden gern Trompete, aber einen Leierkasten kann er nicht leiden. Einem Kriegsbeschädigten, der mit seinem Leierkasten auf den Hof kam und die Mutter erfreute, befahl er, daS Spiel einzustellen. Als der das nicht schnell genug tat. lief der Verwalter nach Polizei und bald kehrte er mit zwei st) Schutz- leuten zurück. Der Leierkastenmann war inzwischen von Sannen gezogen, aber die gegen ihn alarmierte Polizei erwischte ihn auf einem Nachbargrundstück und stellte seine Personalien fest. Mancher ist froh, wenn er bei wichtigeren Anlässen auch nur einen Schutz- mann mobil zu machen vermag. Eine« Raubüberfall anf eine« Droschkenkutscher verübten Fuhrwerksdiebe. Als der Droschenkutscher T. in der vergangenen Nacht gegen 3 Uhr auf der Nachhausefahrt an der Ecke der Leip- zigcr- und Friedrichstraße vorbeikam, traten zwei Männer an ihn heran und baten ihn, sie nach Reinickendorf, Ecke Exerzierstraße, zu fahren. Er fuhr dann auch dorthin, und als er mit den beiden Fahrgästen an der Exerzierstraße angekommen war, auf deren Ver- langen noch weiter zur Barfußstraße. Die Männer stiegen hier aus und griffen in die Tasche, anscheinend um die Bör,« hervorzu- holen und den Fahrpreis zu entrichten. Statt dessen aber zogen sie plötzlich Pistolen aus oer Tasche und richteten sie auf den Kutscher mit den Worten:„Hände hoch, oder ich schieße'. Der Kutscher meinte zwar:„Kinder, macht doch keene Faxen', aber die Fahrgäste, die sich jetzt als Räuber entpuppten, beharrten bei ihrer Forderung, und so mußte der Kutscher die Hände hochheben und vom Bock hinuntersteigen. Dafür setzte sich einer der Räuber auf den Bock, während der andere im Wageninnern Platz nahm und von hier au» fein« Pistole solange auf den Kutscher richtete, bis sie mit der Droschke weit genug davongefahren waren. Der Ueber- fallen« lief dem Wagen noch ein Stückchen nach, konnte ihn aber nicht einholen. Er erstattete dann Anzeige auf dem nächsten Polizeirevier. Die Nachforschungen ergaben, daß die Räuber nach Rosenthal gefahren waren. Als sie hier gestern nachmittag Pferd und Wagen verkaufen wollten, wurden sie angehalten und fest- genommen. Eine Betriebsstörung auf der Stadtbahn gab heut« früh Anlaß zu dem falschen Gerückt eines schweren Eisenbahnunglücks, da? sich an der Warschauer Brücke ereignet habe. ES handelte sich nur um einen an dxr Jannowitzbrücke eingetretenen Maschinendefekt, der erst nach zwei Stunden beseitigt werden konnte. Zoologiicher Garte«. Sonntag von 3 Uhr nachmittag? ab Militär- konzert. ttinNitt 1 M., Kinder die Hälfte: ebenso für da» Aquarium, das bis S Uhr abend» geöffnet ist. Bon 6 Uhr cm kostet der Antritt zum Garte» nur 7S Pf. Neukölln. Fürsorge stelle«. Drei für die Gesundheitspflege be- deutungsvolle Auslunfts- und Beratungsstellen hat die Stadt in der Richardstr. IIS zweck» geeigneter Belämpfung der Tuberkulose, de» AlkoholiSmuS und der GeichlechtSkrankbeiten erricktet. Geöffnet sind die Fürsorgestelle für Lungenkranke Montag» und Donnerstag». von S— S Uhr und Dienstag«, Mittwochs und Freitags von 3— 7 Uhr, die Fürioraestelle für Geschlechtskranke Montags von 7—8 Uhr abend« für Männer, Donnerstags von 7— S Uhr abends für Frauen und Mädchen; die Trinkersürsorgcstelle Sonnabends von 6—7 Uhr. OmnituSlinie in Zehlendorf. Zur Verbindung der Babnböfe Zehlendorf-Mitte(Wannseebahn) und Tbielplatz(Untergrundbahn) wird am 27. Juli eine OmnibuSlinie eröffnet. Sie wird auch dem AuSflugSvertehr zugute kommen. FriedrichShagen. Die Gemeindevertretung hatte die Errichtung eines Berufsamtes schon in einer früheren Sitzung beschlossen. In der letzten Sitzung wies Gen. Schöffe Ehrlich die Notwendigkeit nach, einen sachkundigen Berufsberater hauptamtlich anzustellen. Die Gemeindevertretung nahm etnmiilig einen Antrag des Gen. Tornow an, der Anstellung eine« Berufsberaters mit der Maßgabe zuzustimmen, daß die Schaffung dieser neuen Stelle die spätere Er- richtung eines gemeindlichen Wohlfahrtsamtes, in dem alle sozialen Aufgaben der Gemeinde zusammengefaßt werden sollen. zum Ziel hat. Zur Regelung der Personalfroge wurde eine Kam« miifion eingesetzt. Eine lebhafte Debatte entspann sich um die An« träge de? Gemeindevorstande», den Betrieb der Kriegsküche und den kommunalen Lebensmittelvertrieb einzu- stellen. Die Inanspruchnahme der KriegSlüche ist rapide zurückgegangen und der Betrieb erfordert z. Zt. einen Zuschuß von 6000 bis 8000 M. monatlich. Es wurde beschlossen, den Betrieb am 2. August einzustellen. Auch der Lebensmittelvertrieb hat nur noch ein« ge- ringe Bedeutung. Es wurde aber mit Recht darauf hingewiesen, daß die Organisation diele« Betriebe» alles zu wünschen übrig lasse. Bon unserer Seite und von den Rednern der U. S. P. wurde gefordert, die Kommunali sterung auch der Lebensmittelversorgung nicht abzubauen, sondern in erweiterter Form auszubauen. Eins Kommiifion au« 8 bürgerlichen und je 2 Vertretern der S.P. D. und der ll. S. P. soll die Möglichkeiten der Kommunalifierung prüfen. Die Entscheidung über da» kommunal« Lebensmittelgeschäft wurde vertagt. Der Antrag der Beamten und Lehrer auf Ge- Währung von Entschuldungsvorschüssen wurde der Personalkommissio« überwiesen. Neu-Zttta«. Die Gemeindevertretung beschloß, die Umsetzung der Schulöfen sowie die Reparatur deS Lehrerbrunnens während der Ferien vorzunehmen. Hierbei glaubte der Unabhängige seine Gegnerschaft gegen unsere Genossen hervorheben zu müssen. Ihren Vorschlag der Wahl einer aus Sachverständigen zu bildenden Kommission, die diese Arbeit überwachen soll, bekämpfte er zu- Gunsten de« 1814 gewählten konservativen GchulvorstandeS auf das heftigste. Zur Beseitigung der Wohnungsnot wurde eine Kommisston gewählt, die bei den zuständigen Behörden vorstellig werden soll, daß zur Vermietung der leerstehenden Wohnungen die betreffenden Eigentümer gezwungen werden. Der Unabhängige be« antragte. daß die Gemeinde Holzbäu'cr bauen soll. Er verglich hierber Charlotteuburg mit unserem kleinen Ort von 1200 Ein- wohner._ Groß-verltner Lebensmittel. Niederfchönhanfen. Auf Abfchn. 45 lKInder bis zu 2 Fahre«)'L Pfd. Gerste lifiocten. 2 Pakete KateS; Lbschn. 21(KttegSbeschädigte) 1 Pfd. Erbsen; Al-ichn. 57 400 Gramm Teigwaren;«bfckn. 5g tSO Gr. Graupen, 160 Gr. Nährsuppm;«bfchn. 42(Fugendllche) ff, Pfd. Gerstenmehl, 1 Picket Pudding» mlöet; SlBfdjrtllSl 1 Pfund Miirmelade; Abschn.? 11'1, Pfd. amerifan. Veizenmeh!. Jflrtoffcln gibt es nicht. Vriti. Vom L8. Juli bis S. August in der Gemeinde- Verkaufsstelle 1 Pfd. Graupen(40, 43, 44)>/. Pfd. Haferflocken(41>,>/, Pfd. amerit. Mehl) fll. 11), aus Britzer Ausweis''L Pfd. Zwieback oder ilel-S(39), Sonderzuteilung(40), für Kriegsbeschädigte 1 Vfd Haferflocken(5). Verkauf für die Schlutznummern Montag, 3701—2700 Dienstag, 2099—1800 Mittwoch, 1799—900 Donnerstag, 899—1 Freitag. Pankow. 250 Gramm Boll. Maismebl für 1,45 M. Stralau. Am 26. Juli(beute) Verlauf von 1 Pfund Frühkartoffeln für 20 Pf.(Diese Mitteilung ist uns von Gememdeverwaltung erst am 26. Juli vormittags zugegangen!) Am 2. August Verlauf von 875 Gramm Zucker(15), 500 Gramm amerikanisches Weizenmehl(L! 9. V 10), 300 Kr. Nudeln(43, 44), 200 Gramm Erbsen(55), für Jugendliebe 125 Gramm Grieß(40), 125 Gramm Haferflocken(41). Abichniltc bis 30. Juli abgeben. Erneuter Hinweis: Waichseije für 4 M. und Toilettcseise für 4,40 M. pro Stück in der Lebensmiltclabteilung, Schmierseife für 2,80 M. pro Pfund in den Geschäften. Gerichtszettung. Darf ein Gepäckträger Schleichhandelsware befördern? Tiefe Frage würbe vor dem Potsdamer Schöffengericht erörtert. Auf dem Bahnhof Drewitz bei Potsdam kamen im April mehrere Säcke für einen Kaufmann an. Tie Eisenbahn gestattet den Gepäck- trägern, soweit es ihre Zeit erlaubt, auch Gepäckstücke in die Stadt zu befördern. Ahnungslos lud der Träger die Säcke auf eigenem Handwagen und fuhr sie dem Kaufmann inZ Geschäft. Der zuständige Arbeitcrrat ließ aber dort die Säcke beschlagnahmen, denn sie enthielten prima Weizenmehl, das im Schleichhandel erworben ' war. Nun mutzte sich der Kaufmann wegen Schleichhandel, der Gepäckträger wegen Beihilfe vor dem Schöffengericht verantworten. Letzterer lehnte entrüstet den Vorwurf der Beihilfe ab. Er habe nur als Gepäckträger feine Pflicht und Schuldigkeit getan und könne nicht jedes Gepäckstück öffnen und bineinrieiben. Der Vor- sitzende hielt ihm vor, daß bereits' seit längerer Zeit nach einer Verfügung Gepäckträger berechtigt seien, ihnen verdächtig vorkam- mcnde Bahnsendungen auf ihren Inhalt hin zu prüfen. Das Schöffengericht kam aber zu einem Frcispruch, da ein Gepäckträger von antzen unmöglich erkennen könne, ob eS sich um Schieber- oder reelle Ware handele._ Tie PlSnderungen vom 23. Juni im Norden hatten mehrere Nachspiele vor dem autzerordontlicben Kriegsgericht. Es wurde da- mals das Warenhaus von Moser in der Reinickendorfer Stratze ge- stürmt, teilweise verwüstet und ein großer Teil der Waren geraubt. Schaden etwa 10 00!) M. Beteiligt war der Arbeiter Georg Löfs- l e r, der erwischt wurde, als er mit einer Rolle Gavdinenstoff unter dem Arm davoneilen wollte. Lösfler ist seinerzeit wegen Fahnen- flucbt zu 5 Jahren Festung verurteilt, am Revolutionstage, 9. No- oember, gewaltsam befreil und später durch?lmneslie straffrei ge- worden. Das Gericht erkannte auf 1 Jahr Zuchthaus.— Die Arbeiterin Bertha B ä h r, die sich a-us dem Moserschen Geschäft ein Kleid im Werte von 300 Vi. angeeignet hatte, wurde zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt.— Ein Arbeiter F., der bei der Plünderung eines Gemüseladens in der Jnvalidenftratze ein Paar Gurkens!) erbeutet hatte, wurde zu 6 Monaten Gefängnis(!) ver- urteilt. Mus aller Welt. Ter gerettete Borkumstraud. Nordseebad Borkum, das Eld�rgjo aller Radauantisemilen, wollte nach der Revolution anständig werden. Der Kurkovelle wurde verboten, das berüchtigte Borkum- lied(ein antisemitisches Hetzlied) zu spielen. Eine antisemitische Proiestveriammlung der Badegäste errang jedoch Freigabe des Liedes und seitdem gröhlt das ganze Borkum wieder bei der Abend- Promenade:.. der mutz heraus, der mutz heraus!" Sriefkasten der Redaktion. C. M.3L. 1. An die Eisenbalmdireklion Berlin, schriftlich. 2. An die Ober- posldirellion Berlin, schriftlich. 3. Wissen wir nicht. 4. Nein. 5. Zur einen Hälfte an Sie. zur anderen an die Mutter und Schwester.— I. W. 1. Ja, wenn die Post das Verschulden trägt.—<£. K. 32. Wer sich in einem milüärischen DienftverbältniS als gewödnlicher Soldat befindet, ist zur Zahlung von Einkommensteuern nicht verpflichtet. 2. Ja.— B. Z. 18. 1. Sie sind zur Steuerzahlung verpflichtet. 2. Aui daS Aller der Steuerzensilen kommt es nicht an.— D. 39. 1. u. 2. Ja.— Ret. 3 B.. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Crganiiation, dem Bankbeamten- Verband.— B. 50. Tie Kinder haben keinen Anspruch. Die Sachen der Frau gehören zu ihrem eingebrachten Gut.— H. R. 2K. Teuerungszulagen find steuerpflichtig, daher nicht abzugSbir echtigt. Verantwortlich für Politik: Kttat zickler, ckbarlotteobnrg, für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Anzeigen: Theodor Stocke, Berlin. Verlag: Vorwörts-Verlag(S. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanftali Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindensir. 3. 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Anlegerin vrrlangt Funk Friedrschstraft« 231. 3435b Geübte Flach, und Seiden- spritzeriuncn verlangt Sve- zialfabrik für Farbenzerstäuber, Alerandrinenftrafte 36� i grawattensabeik hat bau- , ernde L-ichästiguna illr Seldstbindernäherinnen, Re- i gattnäherinnen und Vor- arbeitcrinnen gegen sehr hohen Lohn zu vergeben. Pellens u. Loick. Köpenicker. strafte 74._ 30/7, Landarbeiterinnen. nibe Berlin, für städtisches Gm verlangt durch Arbeitsnoch. weis der Stadt Berlin Zj.Sirsch'rid Ritterstrafte�/ Rückersttage 9(8-3). Mcl- dunq mit Pavieren bei kosten- loser Bermittluna. 125,5' Jettrulgsansttägerin vre- mugt Barwättosvedttion Brrl.- Schoneberg, Belziqerittafte 27. Rettnngoonsträgerin versangt Borwärts-Svedition. Brinzenittofte 31.�____! Rritnnqsnnotrngerin oerlangt die«oewärtsausgobe- stell« Ackerftp«»« 174. am Kovvenalatz.