Nr.38Ä.36.Ikchrs. BeMgSvret», «iertellilhrl. Ml. monatl. I,— Ml. frei ins Hau», voraus zahlbar. Post- bezug- Monatlich IH— Ml. exll. gu- stellungsgedilhr. UMerArruzband filr Deutschland und Oesterreich-Ungar» KAz Ml. für da» lldng« Busland IstLSMI. bei täglich einmal. Zustellung 8.23 Ml. Postbestellungen nehmen an Dänemark Holland, Luxemburg. Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Poft-Zeittrng»-Preis! ist». Der„Vorwärts" mit»er Sonntag»- beilag?.Voll u. Zeit" erscheint Wochen- tiiglill, zweimal. Sonntag» einmal. Telegraunn�ldreff«! JSozialdemolcat Serlw». Morgen-Ausgabe. MM G Vevlmev Volksblatt. ( 15 Pfennig) Avzeigenpret», St»»chtgef palten» Nonparetllezell» kostet IL» Ml �iletne llnzelgen", da» fettgedruckte Won lili Pfg. fzuläfstg » fettgedruckte Wone), fedes weiter» Won 2S Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzelgeu dos-rslr Won W Pfg. sede« weitere Won Ä> Pfg WoNe übet 15 Buchstaben zählen für zwei WoNe. Teuerungszufchlag 5»>/» Familien- Anzeigen, politische and gewerkschaftliche Verein»- Anzeigen ILO Ml. die Zeile Anzeigen fitt die nächste Nummer müssen bl» 8 Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Lindenstraß- 8, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bi» b Uhr abend», Zcntvalorqzn der roztaldcmokrati fchen Partei Dcutfchlands. Neöaktion und Expedition: SW. öS, Lindenstr.Z. Kernsprecher: Amt Morinplatz. Nr. IS» SO— ISA S7. Dienstag, den 29. Juli 1919. vonvärts-verlag G.m.b. h., SW. HS, Lindenstr.Z. Fernsprecher: Amt Moritiplast. Nr. ll.7 öS—»4. Die Abrechnung geht weiter Weimar, 28. Juli. Die Enthüllungen, die am Freitag begonnen hatten, wuvdsn heute von zweien der Minister fortgesetzt. Die neuen Enthüllungen sind provoziert worden durch die Ver- dunkelungsverfuckie der alldeutschen und konservatwen Presse und durch die Erklärungen von Ludendorfs und Michaelis. Ministerpräsident Genosse Bauer erklärte, daß die Hetze der Konservativen gegen die Männer des neuen Regimes den Zweck hätte, über die Schuldfrage Unklarheit zu ver- breiten und die Revolution sowohl, wie das neue Regime mit dieser Schuld zu belasten. Um nun ein ganz unpartei- isches und gerechtes Urteil zu erzielen, sei die Vorlage über den Staatsgerichtshof eingebracht worden. Die Ver- Handlungen vor diesem Staatsgerichtshof würden mit allen Rechtsgarantien umgeben werden. Da aber die Angriffe der Reaktion und die Erklärungen von Michaelis und Luden- dorff den Zweck hätten, die heutige Staatsform mit der Schuld an der Katastrophe zu belasten, hätten die Männer der neuen Regierung Klarheit über das Vergangene im Volke zu verbreiten; den Kriegslügen dürsten keine Frre- denslügen folgen. Unter diesem Zwange werden die Ent- hüllungen, die Erzberger am Freitag im Gegenangriff ?egen die konservativen Verleumdungen aufgenommen, eute von der Regierung fortgesetzt. Gegenüber den Ver- dunkelungsbestrebungen der Konservativen und den Er- klärungen von Michaelis und Ludendorff gibt nun Minfftcv- Präsident Genosse Bauer zwei Briefe bekannt; der eine ist am 12. Dezember 1917 von Michaelis an Hindenburg geschrieben worden, also zwei Tage nach dem K r o n r a t, von dem Michaelis in seinem Briefe gesprochen hat. Der zweite Brief ist vom 13. Dezember 1917, die Ant- wort Hindenburgs an Michaelis. Der Text dieser Briefe ist im Bericht nachzulesen. Die Verlesung durch Bauer erfolgte unter atemloser Spannung des ganzen dichtgefüllten Hauses. Aus diesen Briefen geht heiW, daß der Kronrat und mit ihm auch Michaelis die militärischen Ziele der Obersten Heeresleitung zu ihren eigenen gemacht hatte, daß sie Lüttich besetzt halten wollten als Sicherung für den Niederrhein, daß sie den wirtschaftlichen Anschluß Belgiens, der einer verkappten Annexion gleichkam, forderten, daß sie Lüttich und seine Umgebung an der Maaslinie erst nach dem erfolgten Wirt- schaftlichcn Anschluß Belgiens wieder freizugeben gedachten! Diese Auffassung von Michaelis genügte Hinden- bürg noch nicht einmal. Er verlangte eine mehr- jährige Okkupation Belgiens und er forderte Lüttich als Vollbesitz für Deuffchlvnd, denn nur dadurch wäre nach seiner Meinung eine militärische Sicherung des Nieder- rheins und des rheinisch-wefffälischen Industriegebiets her- zustellen. Hindenburg will auch von einem Ersatz der schweren Schäden, die Belgien zugefügt find, nichts wissen, außerdem streckt er seine HaNd nach dem Erz- decken von Longwy und Briey aus und er gibt nur die flandrische Küste in gewissem Maße preis, nennt dies aber schon einen schweren Schlag für die Marineleitung und für alle Patrioten! Sowohl Hindenburg wie Michaelis de- rufen sich auf eine Denkschrift Ludendorffs, in der vom mili- tärischen Standpunkt aus verlangt wird, daß beide Ufer der Maas fest in deutscher Hand bleiben und daß nur in diesem Falle die militärische Sicherheit für das Industriegebiet gegeben sei. Aus dem Kronrat und aus diesen beiden Briefen geht affo hervor, daß die Militärpartei mit ihren Hintermännern im Kronrat und in der Regienrng einen vollen Sieg in jenen entscheidungsschweren Septembertagen des JahreS 1917 errungen hat. Gleichwohl wird damals die Vater- landspartei gegründet, wird in der Oeffentlichkeit von den Alldeutschen eine wüste annexionistische Hetze betrieben und werden diejenigen, die für die Friedensresolution des Reichs- tages vom 19. Juli 1917 eintreten, auf das schwerste ver- dachtigt und verleumdet, als Landesverräter und Hochver- räter beschimpft und wird in der alldeutschen Presse die Forderung erhoben, daß Scheidemann auf den Sandhaufen gestellt und standrechtlich erledigt werden müsie.... m„ ist�Vrosident Bauer nennt unter dem stürmischen BcifaU der Mehrheit des Hauses diese ganze Agitation eine annexiouistische Raserei. � m die reichen Million? mnittel, die dieser ver- werstlchen Varteigründung in den Jahren 1917 und 1918 zu» geflossen sind. Diese Millionen hat der Feudaladel und die Schwermdustne geliefert. Wenn das Volk sich dagegen schützen wolle, dann hatte es diese Industrien und den Besitz der Magnaten in daS Gemeineigentum de? VolbeS zu überführen. Bevor Bauer gesprochen, hatte schon der Minister des Auswärtigen, Genosse Hermann Miklller, den Haupt- eimvand der Konservativen in den Sonntag-Morgenbtättern zurückgewiesen, daß nämlich zu gleicher Zeit mit der Note des päpstlichen Nuntius Pacelli und der Antwort von Michaelis nicht auch das Schreibe« des englischen Botschafters beim Vatikan veröffentlicht worden sei. Die Alldeutschen und Konservativen folgern daraus, daß dieses Schreiben die Oeffentlichkeit nicht ertrüge und daß, wenn es veröffentlicht worden wäre, die Ablehnung des Friedensangebots durch England und Frankreich in einem ganz anderen Lichte er- scheinen würde. Nun hat Genosse Müller den Text dieses Schreibens bekanntgegeben, und aus ihm geht hervor, daß die Hoffnung der Reaktionäre auf Entlastung ihrer Kriegs- Politik unerfüllt bleibt. Das Schreiben des englischen Botschafters zusammen mit der Note des Nuntius beweisen auf das Klarste, daß ein wirkliches, volles Friedensangebot der Westmächte erfolgt wäre, wenn nur die deutsch« Regie- rung die Zwischcnstage Englands und Frankreichs nach dem Schicksal Belgiens zufriedenstellend beantwortet hätte. Aber hier fetzte das hinterhältige Doppelspiel der deutschen Regie- rung und Heeresleitung ein. Während sie nach außen hin damals behaupteten, daß Deutschland friedensbereit sei, und daß die Alliierten auf die päpstliche Note mcht einmal geant- wortet hätten, während sie also damals den Anschein erweck- ten, daß die Fortsetzung des Krieges von den Regierungen der Wesrmächte gewünscht würde, stellt sich jetzt heraus, daß nach der ablehnenden Beantwortung der Zwifchenfrage wegen Belgien es ganz erklärlich war, daß die Weftmächte auf den päpstlichen Friedensschritt nicht mehr antworten konnten. Es stellt sich weiter heraus, daß die ständigen Vorwürfe der westlichen Regierungen, Deutschland hätte immer ein hinter- hältiges diplomatisches Spiel getrieben und mit seinen wirk- lichen Kriegszielen nicht herausrücken wollen, auch nicht her- ausgerückt sei— daß diese Vorwürfe durchaus berechtigt sind und berechtigt waren. Dabei hätte die Regierung für eine Erividerung, die die belgische Kernfrag« des ganzen Frie- densproblems günstig beantwortet hätte, eine große Mehrheit im Reichstag und im Volke gesunden. Die Regferung hatte also dir günstigste Position, die sich denken läßt, diese Position ist nicht ausgenützt, sondern unter dem Einfluß der Obersten Heeresleitung und der All- deutschen Partei und Gruppen ist diese Möglichkeit so miß- achtet und versäumt worden, daß ein vollständiges Fiasko herauskam. Den Beweis dafür liefert der von dem Minister- Präsidenten Bauer verlesene Briefwechsel zwischen Michaelis und Hindenburg. Außerdem hat ja Ludendorfs noch in einer Depesche an Helfferich seine Meinung ausgesprochen, daß das deutsche Volk bezüglich Belgiens vor vollendete Tatsachen gestellt werden müßte. Ludendorff also, so wenig wie Hindenburg und Michaelis, waren im gering- sten geneigt, der Mehrheit des Reichstags und des deutschen Volkes irgendwie entgegenzukommen. Gestützt auf diesen Beweis darf man aussprechen, daß Helfferichs jetzige Artikel in der„Kreuzzeitung" in schärfstem Widerspruch zu den damaligen Vorgängen stehen; wie denn überhaupt zu konstatieren ist, daß jeder der damals Beteiligten heute eine andere Darlegung über die Vorgänge, wie über seine Be- strebungen gibt, so daß der Schluß nicht von der Hand zu weisen ist, daß die damals Regierenden die koufuseste« Leute gewesen find, die man sich politisch vorstellen kann. Unter dem Eindruck dieser neuen Enthüllungen verlief die Sitzung teils unter gespanntester Aufmerksamkeit, teils unter stürmischen Zwischen fällen, wenn nämlich die Rechte des Hauses versuchte, in Zwischenbemerkungen und Zwischenrufen für sich irgendeine günstigere Auffassung durchzusetzen. Der allgemeine Eindruck ist, daß die Parteien, die noch vor Jahres- srist geherrscht haben, durch die bisherigen Enthüllungen schon arg bloßgestellt und so schwer belastet sind, daß ihre politische Zukunft für die nächste Zeit erledigt sein wird. Aber es steht noch nicht einmal fest, daß mit diesen Enthüllungen Schluß gemacht wird Die Lawine wird kommen, und man weiß nicht, wen alles von den früheren Machthabern sie unter sich begraben wird. Wie das Junkergelichter auch heute noch trotz der zer- malmenden historischen Belastung auf dem Lande die Herr- schende Klasse geblieben ist. das zeigte der von dem preußischen Landwirtschaftsminister Genossen Otto Braun gegenüber dem konservativen Redner geführte dokumentarische Beweis für die heimliche Bewaffnung der Agrarier in Pommern und für ihre versteckten Bestrebungen, aus den Einwohnenvehrcn bewaffnete Schutztruppen für Junker und Agrarier zu machen. Diese Leute lernen nicht, sie werden nur vor dem Zorn des Volkes schließlich kapitulieren. Ter Zorn des Volkes ist nach den letzten parlamentarischen Erörterungen im Anzüge, er wird das feimge tun, damit die vor der Gegenwart und vor der Geschichte Belasteten ihrer Strafe und der Vergeltung nicht entgehen. Genau so wie die Alliierten durch die ablehnende Antwort von Michaelis und die gleichzeitige Aktion, die sich der Vermittlung eines spanischen Diplomaten bediente, g e- täuscht worden sind, genau so ist auch der Reichstag und seine Siebenerkommission im Irrtum erhalten und m:t doppelsinnigen Auskünften und Antworten bedacht worden. Die Schlußfolgerung ist also zu ziehen, daß die damalige Regierung unter der Militärdiktatur, unter der sie stand, gegen Treu und Glauben, auch gegenüber dem Parlament und seinem Ausschuß gehandelt hat. Nachdem der Pabst und sein Kardinal-Staatssekretär in dieser Frage so doppelsinnig behandelt worden waren, konnte sich selbstverständlich kein Neutraler mehr zu Vermittlungen zuglinsten Deutschlands hergeben. Das verwerfliche Doppelspiel der Re- gierung, der Konservativen, der Vaterlandspartei und der Alldeutschen trägt infolgedessen das volle Maß der Schuld daran, daß im Jahre 1917 ein Frieden nicht zustande ge- kommen ist. Die Tatsache, daß wir damals von der Regie- rung hintergangen worden sind, st c h t a u ch f ü r d e n M i- nister Erzberger erst vierzehn Tage fest. seitdem er die Aktenstücke kennen gelernt hat. Die damalige Regierung hat unter dem Einfluß der mächtigeren Militärpartei den Friedensschluß vereitelt,— und Erzberger nennt bei dieser Gelegenheit den früheren Reichskanzler Dr. Michaelis einen politischen Stihn- per—, sie bot außerdem unter der Regierung Hertlings Ende April 1918 auch im Osten durch die Zurückweisung eines polnischen BündniSangcbots die Lage Deutschlands wesentlich verschärst nnd dann durch die monarchistischen Bestrebungen für Kurland, Livland, Finnland, Polen, Litauen usw. die relativ günstige poli- tische Sitliation erheblich verschlechtert. Die militärischen Forderungen, die die Oberste Heeresleitung auch im Osten stellte, nämlich einen 199 Kilometer breiten Strei- s e n aus militärischen Sicherheitsgründen haben das ihrige getan, um auch im Osten Deutschlands politische Stellung zu unterminieren und unmöglich zu machen. Die Reaierung hat angekündigt, das ganze Material zu veröffentlichen. In der nächsten Woche werden die Aktenstücke durch Druck bekanntgegeben werden, die sich auf die Vorgeschichte des Waffenstillstandes beziehen und danacb wird das übrige Material folgen. Hauers �nklagereöe. Ich habe nicht, wie Herr Haase behniivtet, einen gesetzlichen Arbeitszwang emaelündigt, sondern ausdrücklich erllärt, die Regie- rung denke nicht daran, mit Zwangsmaßnahmen vorzugehen wie die Sowjetregierungen in Rußland und Ungarn. Ich erwarte,- daß Herr Haale diesen Bericht in der„Freiheit" richrigstellt. Herr Haase meint, der öslerreichiiche Staatüsekietär Otto Bauer sei vollblütiger Sozialdemokral, während ich alle sozialistischen Grundsätze verleugne. Deuliw- land hat aber für die Demokrolisicrung und den Sozialismus bisher mehr geleistet als Oesterreich. Die Vorlage über die Be- triebsräte wird noch in dieser Woche der Nationalversammlung zu- gehen, und auf dem'Gebiet der Sozialisiernng ist in Deutschland auch mehr geleistet als in Oesterreich. Die Bchauptnng deS Abg. Schusch, die Regierung habe durch die Zulassung politischer Streiks da? jetzige Elend herbeigeführt, verkennt Ursache und Wirkung. Die Streiks in diesem Ausmaß sind die Folg? der verbreche- r i s ch e n Politik der herrschenden Klassen bis zur Revolution. Der politische und wirtschaftlickw Zusammen- bruch ist eine Folge ihrer(nach rechts) Politik.(Sehr wahr! bei den Soz,) Daß die jetzige Regierung Solidarität mit der alten Regierung an den ag lege, das könnte Herrn Schultz gefallen, aber er vergißt, daß zwischen der alten Regierung und uns eine Revo- lution liegt und der völlige wirtschaftliche und politische Zusammenbruch d«S deutschen� Volkes für die Sünden des alten Regime» Bcrant- Wartung zu übernehmen, muß die neue Regierung ablehnen; sie würde sonst Selbstmord begehen. Der Abg. Schultz nennt den früheren Kaiser einen F r i ed e n S ka i s e r. Ich habe dessen«erson immer außer Betracht gelassen, Sie täten gut, ebenso zu hanteln, denn wen» wir uns darüber auseülaudersctze» wollte», dann würde der von ihnen so sehr gessebie deutsche Kaiser sehr schlecht abschneiden. Wir wollen aber dieses Materia! ruhig dem StaatSgerichtZhof unterbreiten und dessen Urteil nicht vorgreifen. dann wird sich zeigen, daß auch der frühere deutsche Kaiser nicht so ganz unschuldig an dem Erdbeben ist. Die Engländer haben aller- dingS weitgehende Forderungen aufgestellt, aber sie haben immer wieder ihre Bereitwilligkeit zu einer Verständigung erklärt, sobald Deutschland einmal seine Kriegsziele wirklich klar umschrieben be- kanntgegeben würde. Das hat aber die deutsche Regierung stets abgelehnt oder wenigstens vermieden.(Sehr richtigl links.) Nun versucht die Deutschnationale Volkspartei seit Wochen in einer, der Reichs regicrung und den MehrheitZparteien die Schuld an dem Zusammenbruch zuzuschieben. Unter dem unaufhörlichen Druck dieser Lügcnkampagne hat Reichsminister Erzbcrger am Sonnabend den geheimen Notenwechsel bekanntgegeben. Darauf sind mzwich-n schon Erklärungen des früheren Reichskanzlers Michaelis und des Generals Ludendorff ers�enen. Gegenüber diesen beiden Erklärungen, die an sich ganz unschuldig aussehen und die cS fast als rätselhaft erscheinen lasten, warum unsere Bereitwilligkeit zur Wiederherstellung Belg,cnS, Die Herr o. Kühlmann als die unbedingte Voraussetzung jeder FriedenSan. bahnung bezeichnet hatte, nicht ausgesprochen worden ist, gebe ich l)fmcn zwei Niederschriften auS jenen Tagen bekannt. Die eine vom 12. September 1917, also vom Taye nach dem Kronrcrt von .s)errn Michaelis an den Herrn Generalfeldmarschall von Hinden- bürg gerichtet! die zweite vom 15. September 1917, die Antwort Hindenburgs enthaltend, der eine Denkschrift Luvender'� Z beiliegt. Wenn Sie diese beiden Schriftstücke zur Kenntnis genommen haben. werden Sie verstehen, warum auf-ine prä-ife Anfrage bezüglich der Wiederberstellung Belgien? keine präzise Antwort erfolgen konnte. Herr Michaelis schreibt unter dem 12- September 1917 an Hindenburg: Nach Abschluß der gestrigen Verhandlungen unter Vorfitz Seiner Majestät des Kaisers drängt eS mich, Ihnen und dem General Ludendorff den Dank dafür auszusprechen, daß Sie beide in soweitstchtiger Weise und weitab vom einseitigen Stand- vunkt militärischer Gesichtspunkte mich darin unterstützt haben. maßvolle Kriegsziele für den Fall zu umgrenzen, daß wir bald, etwa im Herbst oder Frühjahr zu Friedensverhandlungen kommen. Ich nehme als Forderungen der Obersten Heeresleitung. an denen unbedingt nach Zchrer Meinung festgehalten wmwen muß, in unsere Verhandlungspläne auf, daß Sie beide zum Schutz unserer westlichen Industrie in erster Linie Lüttich und ein S'che. rnngsgrlänbe fordern.-. Daß Sie beide von dem wirklichen engen wirtschaftlichen Anschluß Belgiens einen Zustand erhoffen, der den Belgiern in Zukunft aus rein egoistischen wirtschaftlichen Gründen«ruSge- schlössen erscheinen lasten wird, mit un5_ in kriegerische Diffe- rcnzen zu geraten, so daß daher, wenn für Belgien alles getan werde, was zur Sicherung des wirtschaftlichen Anschlusses von uns gefordert wird— was natürlich mehrere Jahre von den �ersten Friedensverhandlungen ab dauern würde—, die militärische Sicherung fortfallen kann; Lüttich p. p. würde daher nur als Sicherbeitsiaktor oder auf Zeft gefordert werden. An Eure Exzellenz habe ich nun die dringende Bitte, daß, wenn die zu erwartenden Besucher inS Hauptquartier kommen, die einer einseitig annexionistischen Richtung angehören(ich selbst habe z. B. dem Grafen Westarp zureden lasten, einmal� nach Oesterreich zn fahren) und die von den großen Zusammenhängen bei den Bundesgenossen wenig wissen und deshalb noch immer peneigt sind, einen Frieden bezüglich Belgiens auf der ange- deuteten Grundlage als einen faulen anzusehen, Ihnen von ihrer Auffassung Kenntnis zu geben, damit die extremen Wünsche eingedämmt werden. Man muß den Leuten vorhalten, was die Feinde mit uns vorhatten und was wir erreichten; statt Vernichtung und Länderraub: im Westen intakte Grenzen, uns die gesicherte Aussicht der Nutzung der Rohstoffe i« den besetzten Gebieten, günstige Wirtschafts» und Verkehrs- entwicklung auf Eisenbahnen und Wasserstraßen. Vorzugsplätze im Hafen von Antwerpen, Einfluß auf die deutsch-orientierte ilämische Bevölkerung, Auferlegen zum Selb st tragen der von uns den Nachbarn zugefügten schweren Schäden. Ausschaltung des englischen Einflusses an der Küste Flanderns und Nordftankreichö und die Forderung des Rück- erwerbeS unserer Kolonien als Ausgleichsobjekt. Ich habe darauf die Antwort HindenkmrgS vom 15. September. Ich weist« Eurer Exzellenz Wunsch entsprechend helfen, um führende Männer über unsere Absichten mit Belgien aufzuklären, über die zwischen den maßgebenden Faktoren nunmehr für den Fall Klarheit besteht, daß wir in diesem Jahre einen Frieden erhalten. Ich verhehle mir nicht, daß in der Marine und m weiten patriotischen Kreisen ein Verzicht auf die flau- drische Küste als ein schwerer Schlag empfunden w ir d, der nur dann gemildert wird, wenn die von Eurer Exzellenz der Marine zugestandenen Kompensationen zur Tat werden. Ich sehe mit General Ludendorff diese Kompensationen in Stützpunkten in- und außerhalb unseres Kolonialreiches. Zu zwei Punkten darf ich noch einfügen: Die wirtschaftliche Angliederung Belgiens an Deutschland wird ohne einen Druck auf Belgien auch nach Friedensschluß mich: gehen. Hierzu wird ein« mehrjährige Okkupation dienen, die aus militärischen Gründen auch nötig werden wird, wenn England und Amerika Frankreich räumen, lieber die mehr- jährige Okkupation hinaus muß die deutsche Stellung in L-üttich wirken. Sie hat als Hauptzweck den unmittelbaren militärischen Schutz des niederrheinisch-westfälischen Industriegebietes. Nur wenn wir in Lüttich als Besitzer unbeschränkte Herren der Lage sind und bleiben, können wir dt« erforderlichen militärischen und BerwaltungSmaßnahmen treffen. Ich vermag mir daher nicht zu denken, daß wir in irgendeiner absehbaren und vertragsmäßig festgesetzten Zeit aus Lüttich herausgehen könnten." (Mit erhobener Stimme) und das nennt Michaelis schonend« Kriegs- ziele.(Widerspruch rechts, ungestümer Lärm linK. Rufe: Und Ludendorff wußte nichtsl) Weiter heißt es in dem Schreiben': .Die Auferlegung znm Selbsttragen der von uns den Nach- dorn zugefügten schweren Schäden wird schwerlich von irgend jemand als ein betonenswertcr Gewinn aufgefaßt werden. Die schweren Schäden, die wir den Nachbarn zugefügt haben, sind eine unvermeidliche Noiwendigkeit dcL Krieges gewesen. Das Zuge- ständni«, daß Entschädigungen dafür in Frage kommen könnten, darf bei unserer militärischen Lage nicht vor- ausgesetzt werden. Wir dürfen auch dem Ausland gegen- über das nicht verlautbaren. Soweit ich unsere Psyche kenn«, glaub« ich bezweifeln zu können, daß in der Tatsache, daß der Feind uns zerstückeln wollte und nicht erreichte, als irgendein Trost für ein etwaiges Nichterreichen unserer Ziele anzusehen ist. General Ludendorff hat in der anliegenden Denkschrift seine Aeußerungen in Berlin zusammengefaßt und in bezug aui Longwh-Briey auf Landwirtschaft und Ueber- seehandel erweitert. Die Denkschrift deckt sich mit meiner eigenen Auffassung vollständig." Und schließlich die entscheidende Stelle au? der Ludendorffschen Denkschrift, die eine'eigenartige Beleuchtung für die im Kronrat gefundene Formel über Belgien ergibt: „Um so dringender ist die unversehrte Erhaltung beS niederrheinisch-westfälischen Industriegebietes. Waö die flandrische Küste für Luftangriffe auf England für diese? Land ist, das ist die Maaslinie bei Lüttich in noch erhöhtem Maße für da? In- dustriegebiet. Wir müssen das Gebiet zu beiden Seiten der Maas und südwärts bis St. Vith fest in der Hand behalten. Dahrr sehr ich nur in der Einverleibung durch das Deutsche Reich das Mittel, dies zu erreichen. Ob es ein anderes Mittel gibt, muß ich dahin- gestellt sei» lassen. Vorläufig scheint eS mir noch nicht gefunden. Der Besitz der Maaslinic allein genügt nicht, um dem Industriegebiet die erforderlich« Sicherheit zu geben. Wir müssen ein englisch-belgischeS-fraiizösischeS Heer noch weiter znrückfchirbrn. Das kann nnr dadurch gesdfrchrn, daß Belgien wirtschaftlich an unS so eng geschlossen wird, daß es auch seinen politischen Antchluß an »nS sucht. Ter wirtschaftliche Anschluß wird ohne starken mili- tärischen Druck— längere Okkupation— und ohne Vesitz- ergreifung von Lüttich nicht ins Werk zu setzen sein. Dir Reu- tralität Belgiens ist ein Faktum, mit dem praktisch nicht gerechnet werden darf." AuS diesen Schriftstücken ergibt sich, daß bezüglich Belgiens kerne befriedigende Antwort gegeben wurde. Keine neutrale Macht der Welt hätte angesichts der wachsenden Teilnahme Amerikas einen so völlig unzureichenden Vorschlag über Belgien weitergegeben. Es hieß in jener Zeit, da es einen vollständigen Verstand igungS- frieden nicht geben könne, müsse man den Krieg gewinnen oder verlieren. Ich verzichte auf weitere Schlußfolgerungen. Wer stand nun hinter der Vaterlaadöpartei nnd lieferte ihr die reichen Mittel für ihrx aunexionistischr Raserei? Wir Fakire tanzten sie um daS Volk und trieben es in ihrer Verblendung in den Untergang.(Zu- rufe rechtS: Abg. Traub: Schauspieler! Tosender Lärm links. Rufe: Politische Schurken! Vaterlandsverräter. Der Bräsiident läutet, nnr abgerissene Worte des Redners dringen durch.) DaS deutsche Volk wird sie zur Rechenschaft ziehen! lCrneute wilde Zurufe links: Berbrecherbandc. Tvaubl Andauernde stürmische Bewegung.) Ich frage, wo kamen die Mittel her?(Er- neuter großer Lärm.) Von dem feudalen Adel und der Schwer- industrie, der Schwerinduustrie, die lange Jahre eine wahnsinnige Propaganda für ihre Annexionen getrieben hat. EincS lernen wir aus diesem Kriege: nämlich, daß ein Volk sich nicht besser schützt gegen die Wiederholung solcher Dinge, als wenn es die reichen Erwerbsquellen, die die Großindustrie besitzt, in den Besitz der Allgemeinheit überführt. lStürmischer Beifall links, andauernde große Unruhe.) Ich beabsichtige nichts Neues zn sagen (Zuruf: Nee! Große Heiterkeit.), hier Oel ins Feuer zu gießen. Wir wollen ein unparteiisches Gericht. Nach diesen wenigen Pro- ben aber sollen Sie sich(nach rechts) gesagt fern lassen: wir sind zu jedem Kampf- bereit, wir haben nichts zu vertuschen, wir wollen nicht, daß daS neue Teutschland mit den alten Schulden belastet wird. Gegen die Agitation, ob sie von rechts oder links gefördert wird, gibt es nur ein Gebot.(Zuruf: Arbeit I Große Heiterkeit. die auf der Linken zu stürmischer Entrüstung wird. Der Prä- sident läutet, während ein tosender Lärm ausbricht.� Ihr« Klassen- genossen, da gibt es Existenzen genug, die arbeiten sollten.(Neuer großer Lärm) Wir wollen Richter und der Gerechtigkeit freien Lauf lassen. Der StaatSgerichtShof wird über Schuld und Unschuld am deutschen Volk entscheiden.(Stürmischer Beifall links. Zischen rechts, das allmählich von dem immer stärker attwachsenden Bei- falle der Linken übertönt whtd.) Vizepräsident Haußmann: Der Ministerpräsident bat von der Gewissenlosiakeft des Abg. v. Gr aefe gesprochen. Dieser Aus- druck verstößt gegen die OÄmung des HauseS. Ich bitte, ihn nicht zu wiederholen. �Heiterkeit und Beifall.) (Weiterer Bericht in der ersten Beilage.) der Streik in Ken Siemens- betrieben. In einer Riesenverfannnlung unter freiem Himmel nahm die Arbeiterschaft d-S SiemeuS-Konzernz gestern nachmittag im Span- dauer Bock Stellung zn den Verhandlungen des HaupiauSschusses am Sonnabend. Di« Redner führten aus, daß die Unternehmer das Mitbestimmungsrecht, das sich die Arbeiter am 9. November er- obert� haben, vernichten wollten. Sie wollen wieder allein und unbeschränkt in ihrem Hause regieren. Die Entlassung dgr Vertrauensleute bei Siemens war der erste Austakt zu dem kommenden großen Kampf. Dies geschah, ohne daß die maßgebenden Körper- schaften befragt wurden. An der Einigkeit und Geschlossenheit der Arbeiterschaft muß dieser Plan der Kapitalisten scheitern. Einstimmige Annähme fand eine Resolution, in der bekundet wurde, nicht eher die Arbeit wieder aufzunehmen, bis alle Arbeiter dos SimenS-KonzernS restlos wieder eingestellt sind. « Die Verhandlungen vor dem SchlichtungsauSschuß begannen gestern nachmittag um 3 Uhr. Lüdemann vom ReichSarbeuSamr führte �den Vorsitz. Nach sehr ausgedehnten Verhandlungen, die sich bis spät abends hinzogen, die nicht zu einer Verständigung zwischen den Parteien führten, schritt der SchlichtungsauSschuß zur For- mulierung eines Schiedsspruchs. Bei Schluß der Redaktion lag derselbe noch nicht vor._ Abbruch öes Telegraphenarbefterstreiks. In der gestern abend abgehaltenen Versammlung der Tele- graphcnarbeiter gab Vall-enthin den Bericht über die letzten BerhanÄungen mit der O. P. D. In den Verhandlungen am Sonntag hätten sich die Vertreter der O. P. D. wieder auf den alten Standpunkt gestellt. Der Ober-Postdircktion habe die Erklärung, daß sich die Mitglieder d-S Bundes an parteipolftischew Bestrebungen während der Dienstzeit nicht beteiligen werden, nicht genügt. Die Ober-Postdirektion verlangte weiter, daß erst dann in einen Wirt, schaftlichen Streik eingetreten werden darf, wenn das Dienstver- hältniS gekündigt ist. Der Bund könne sich mit dieser Forderung nie einverstanden erklären. Die Oiber-Posidirrftion Hab« sich nicht von ihrem Standpunkt abbringen lassen. Eine Einigung sei dann dahin zustande gekommen, daß die letzte Forderung der LL P.D. und die Forderung der Arbeiter auf Bezahlung der Streiktage zu- Taplor? Von Fritz Karstädt. Ja, er war ein sehr kluger Man«, der diese» System erfand — em amerikanischer Ingenieur—, ein Mann Mit einem so kühlen Kopf und Gedanken und viel Logik so geradeweg wie ein Schienenstrang. Er dachte sich etwa: Eins. Schlag.— Haft! Zwei. Schlag— Halt! Drei. Schlag— Halt! EimS. zwei, drei zu- sammenge reiht und die übrigen Zahlen dazu bis in die Hunderte, ergeben ein Ganzes,«ine Maschine. Eins ist der Mann und das Werkteil, an dem er arbeitet, zwei, droi auch und so weiter. Zahl, Arbeitsstück und Mann gehören zusammen, unverbrüchlich, in alle Ewigkeit— nein, solange der Mann lebt oder arbeiten kann. Da« ist Tahlorshstem. Nun geht es uns so schlecht und wir sollen dieses Arbeits- «xempel, dieses System einführen, um durch rationellste Arbeits« Verwendung unsere Schulden bezahlen zu können. W-ie man unS sagt, wird alles wieder gut werden, und wir werden auch einiges erübrigen können, sobald wir uns der Methode des Herrn Taylor zugewandt habe», die eS ermöglicht, mit den vorhandenen Kräften ein Höchstmaß von Arbeitsleistung zu erreichen. Nein, es wird keine sehr uneerhalffame und auch kein« frohmachende Arbeit sein, die sich so entwickolt. Es ist, als wenn ein Kind in der Schule nur einen c-Strich machen lernt und nie mehr dazu. ES schreibt Bände von c-Strichen und oft, wenn es wieder eine Seite voll hat, wird es denken, jetzt kommt unten ein Häkchen und es wird ein r daraus oder ein schlanker. Bogen, wie er notwendig ist, um ein„a" zu formen. Aber nein, es kommt niemals, niemals in seinem Leben dazu, das Häkchen des„x" und den Bogen des„a" zu machen. Ein anderes setzt diese Arbeft fort, macht zu den.«"-Strichen die Häk- chen, sein ganzes Leben hindurch nichts als Häkchen. DaS zweite Kind würde folgerichtig denken: Ach, wäre es mir doch vergönnt, ein ganzes.r" zu bilden. Da kommt ein dvittes und macht den dritten Ausstrich, lauter Aufstriche zum ,c" mit Häkchen. Sein ganzes Loben hindurch Aufstriche. Das letztere macht die Schleifen zum Schluß, macht lauter Schlußschleifen, immerzu Schlußschleißen, sein ganzes Loben hindurch. Man sieht eS klar, welche ungeheure Produktivität sich auf diese Weise heraustftden kann. Niemand braucht mehr ein« langtvierige Lehrzeit; jeder Vorbildung ist Genüge getan, wenn erner den .«"--Strich beherrscht oder das Häkchen oder den Ausstrich. Denn es ist wohl eine komplizierte Maschine, die entstehen soll, aber im Grunde setzt sie sich doch, so verwirrend ihre Gesamtheit wirkt, nur aus lauter zusammen. AuS tausend Händen wird sie geboren und wenn sie hunderttausend Teile hätte, gehörten hunderttausend Hände dazu, um sie entstehen zu lassen. Jeder macht ein Teilchen, «in Schräulxhen, ein Winkslchen, ein Rädchen, einen Stift, eine winzige Achse, einen Hobel, ein« Röhre, einen Knopf, einen Arm. Jedvö ist imgfaichiirh lamgwoilig« feiner Ginsachheit. Drei zusammen bilden wieder nur ein Tausendstet der Maschine, des Werks?, das entstehen soll. Einzeln sind sie gar nichts. Und so steht der Mann und drechselt, hobelt, foitt seine Teil- chon, macht 190 Doilchen an einem Tage, so und soviel Tausend in einem Monat, in einem Jahr. Macht wie etwas anderes als dieses Teilchen, diesen Winkel, schließlich in einer so hohen Vollendung und Schnelligkeit, wie es kein anderer fertig bringen würde. ES wird ein Virtuos« in dem kleinen Winkel, den er zu bauen hat. Er ist allein und unerrei�t, und neben ihm die 999 Arbeits- kamevaden tun das gleiche, leisten dasselbe in ihrem Werkstück. Nun, denkt man, kommt einer und baut daS Ganze zusammen, schafft auS den Tausend ein Ganzes. Ach nein, das wäre.uu- rationell". Einer ist da und fügt drei Teile zusammen und tut den ganzen Tag nichts anderes, als immer die gleichen drei Teile zusammenzufügen. Er tut sein Leben hindurch nichts anderes. Der nächste fügt drei weitere Teile hinzu, und daS auch fein Leben hin- durch. So fetzt sich die Maschine fort, bis zu dem Letzten, der ihr die drei letzten Teile zur Vollständigkeit geben muß. Ist er der Schöpfer? Er hat nichts vom Schöpfer und ist auch nicht stolz darauf, denn er weiß nicht, was in der Maschine steckt, die da vollendet vor ihm steht. Er weiß nur, eS fehlen ihr die drei letzten Doile, dann ist sie fertig, ganz fertig. So hat sich, nach der Methob« des klugen nnd kühlen Ameri- kaners, der Arbeitsprozeß zu entwickeln. Er führt zu einer un- geheuren Steigerung der Produktivität nach den Berechnungen seines Erfinders. Es würde gehen: Eins, Schlag, halt! Zwei, Schlag, halt! Wenn es gelänge— und es soll in der Tat gelungen sein—. die Menschen zur schönen, unverrückbaren Gleichmäßigkeit einer maschinellen Leistung zu erziehen! Welche Steigerung! Ader es könnte geschehen, daß der Arbeiter Nr. 1, der 1000 mal oder 10 000 mal seinen Winkel zurechtgefÄlt hat, den vermessenen Ge- danken faßt: Lieber Gott, ich möchte doch sehen, was aus meinem Winkel wird. Ich möchte zu gern den Zapfen hineinpressen, für den ich IvoMmal eine winzige Oefftnmg gebohrt habe. Möchte wissen, was um den Zapfen herum sich drehen soll. Und wenn er sich Mühe gibt, wird er das erfahren. Er wird eS erfahren, soweit sein Blick an den Arbeitstischen seiner Kameraden reicht. Nach- dem er nun gesehen, daß sie mft der gleichen Monotonität ein win- ziges Stück verrichten, zu dem er nur den Anfang gab, wird er, enttäuscht, nicht bis ans Ende sehen zu können, zu seinem Winks! zurückkehven und wird weiter Winkel bauen, 100 an einem Tag. Jetzt ist keine Freude mehr in feiner Arbeit. Er sieht nicht, was wird, sieht keine Vollendung, beginnt immer von neuem, ist wie der SisYPhoS, ohne dessen verschlagen« Kräfte, müde, zerschlagen; in seinen Träumen verfolgt von der Gleichförmigkeit der Be- wegung, die ihm das Wachen bringen wird, in den Stunden der Ruhe trostlos und widerwillig, wenn« daran denkt, wie sich daS gleiche am nächsten Tage wiederholen wird— immer wiederholen. So«migkS ahnte bw Erfinder dieser Methode und dachte sich häufigere Ruhepausen eingefügt, um einer Ermattung vorzubeugen. Er kam dabei mft der Psychologie und schematisierte sie notwendigerweise wie seinen ganzen klugen Arbeitsplan. Ihm blühte« große Erfolg«, sein System wurde berühmt. Und doch-- Das Ganze ist so klug, kühl und genau. Nirgend» ein Fehler. Eins geht aus dem andern hervor, geradeaus, folgerichtig, und doch.— Es war für die robusten Hände und Köpfe in Amerika und für Neger erdachf. Gäbe es nichts Bessev-S für uns langsam Ge- nesende? Ist kein jemand, kein Taylor, der un§ ein System aus- denkt, das sacht in die neue Arbeit führt, uns die Arbeit freundlich macht? Alle Leistung mft einer hohen Aufriedenhett krönt, auch die Hand-in-Hand-Arbeit, die Fabrikfron. Schafft frohe Meufchen mft dem Herzen am Werk! Notizen. — Theater. Richard SeniuS spielt«in« der Hauptrolle« in dem am Sonnalbend im Berliner Thoater zur Erstaufführung gelangenden Vaudeville.Die Dame im Frack". — Kunstausstellung. Paul Gerd Guderian zeigt bei Reuß& Pollack. Kurfürsiendamm 220, eine Reihe graphiicher Blätter und Biihnencntwürfe. — Märchenfilme für Kinder bereitet die Olympia- Filmgesellschaft in Berlin als besonders zu pflegenden Teil ihrer Arbeit vor. Auf Schlichtheft der Darstellung soll Wert gelegt werden. Welche Märchen gefilmt werden sollen, wird noch nicht mitgeteilt. An sich ist der Plan begrüßenswert, doch muß die Lei- sturqz abgewartet werden. — Ausruhr-Eesibichten. Im Münckiener Delphin» Verlag ist unter dem Titel.Autruhr" eine Sammlung von IS Geschichten erschienen(300 Seiten, 6.50 M.). Revolulions- qelchichten aller Zeiten mit Beiträgen von Thomas und Heinrich Mann, Anatolc France. Zola. Balzac, Wilhelm Schäfer, Bernhard Kellermann, Alfred Lemin u. a.«u'ruhr in jeglicher Art: blutige Streiks in Kohlenrevieren Europas und Amerikas. Völker in ver« zweifeltcm Freiheitskampf, Machtkämpfe in einer italienischen Klein- itadt, eine Versammlung von Revolutionären der Kunst und deS Lebens, das Berlin von 1843 und vieles andere. Ein Buch, in dem daS Wesen der Menschen de» AusruhrS. der Führer und der Geführten, geschrieben steht, wie eS ist. Viktor Mann der jüngere Bruder von Thomas und Heinrich Mann, har die Geschichten auS- gewählt aus dem dichterischen Schaffen vor der Revolution. — DaS Motorpferd. Die noheftegende Aufgab«,«inen Motor zu schaffen, der einfach wie ein Pferd vor beliebige Lasten gespannt werben könnte, war immer noch unerfüllt geblieben. Nach einer Mitteilung des.Tropenpflanzers" ist das.Motorpfevd" nun- mehr zur Tatsache geworden, und zwar wird es von den öfter- reichischen Daimlerwerfen geliefert. Auch soll«S in Amerika gleichzeitig zur erfolgreichen Ausführung gekommen sein, Ursprünglich als Beförderungsmittel für Kr:sgsgerät gedacht. wirb es nun besonders für den Landmann trefflich« FviedenS- dienste leisten können. Die Räder sind mft besonderen Greifer» versehen, die eme Ueberwindung jedes Hindernisses gestatten. Die Geschwindigkeft kann nach drei Graden eingestellt und der Notar auch«ach rückwäiti» bewegt verde», nächst d«n Minrsteriu« überwiesen,»nd nRigenfallS dem LcHnam! des ReichZarbeirSamts zur Entscheidung unterbreitet werde. Der Minister habe diesen Bereinbarungen zugestiurmt. Tic entlassen«« Kollegen werde» somit mit allen Rechte« wieder eingestellt. Tic Arbeit wird heute früh sofort wieder aufgeuomtne«. Eine Tntschließung, die die Einigung zwischen der O. P. D. und den Telegraphenarbeitern begrüßt und die Erwartung auS- spricht, daß der Arbeiterschaft wegen deS Aus-ftandeS keine Schwierig« leiten gemacht werden, wurde angenommen. Die Schulöfrage und unsere Haltung. Die Vertreter der deutschen Gewerkschaften haben in Amsterdam eine Erklärung abgegeben, die wir m unserer 3?ontag.Nachinittogsausg eingebende Untersuchungen vorgenommen werden, ob die gewerkschaftliche Schulung bisher einwandfrei bor sich ging. Kollegen, wir möchten schon vor der Untersuchung behaupten, daß dieses nicht immer der Fall war, denn eine Anzahl von Arbeits- kollegen sah ihre wichtigste Aufgabe darin, scharf zu machen, die Massen gegen ibre Leitung auszupeitschen und durch Schlagworte die Svmpatbie der Beriammlung zu erobern. Derartige Taktik führt im wirtschaftlichen Kampf nicht zum Siege. Nur wohldurch- dachte Planmäßigkeit und offene Augen für Tatsachen, das sind die Hauptbedingungen im wirtschaftlichen Kampf und deshalb ist e» Pflicht der gesamten Funktionäre, objektiv, den gewerkschaftlichen Grundsätzen entsprechend, zu wirken. Der Schiedsspruch im Schmiedestreik ist von den Metall- industriellen angenommen worden. Sie erklären, daß sie mit mehreren Bestimmungen deS Schiedsspruchs nicht einverstanden sind, namentlich bemängeln sie es, daß den Schmieden, dieser am höchsten bezahlten Arbeiterkategorie, die einen Durchschnitlsverdienst bis zirka 3,70 M. pro Stunde erziele, eine weitere Verdiensterhöbung zugesprochen werde. Zum Schluß sagt die Erklärung: .Wenn die Firmen sich trotzdem dem Schiedsspruch unterwerfen, so geschieht dies in der Hauptsache, um einen neuen Beweis dafür zu erbringen, daß die Arbeitgeber der Berliner Metallindustrie in erster Reihe das Interesse der Produktion im Auge baben und um der von Arbeitnehmerseile in der Oeffentlichkeit betriebenen Agitation die Spitze abzubrechen, als ob es den Unternehmern auf ein« Machtprobe ankomme." Verband der Gemeindearbeiter(Filiale Grost-Berlin). Die Generalversammluriy nahm den Bericht des Kassierers Hoff- mann entgegen. Die Mitgliederzahl stieg im 2. Quartal von 28 683 auf 35 730, darunter 8838 weibliche und 103 sugendliche Mitglieder. Die Hauptkasse balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 273 145 M. Die Einnahmen der Lokalkasse betrugen inklusive eines Bestandes von 103 646.65 M. 255110.68 M An Ausgaben stehen 73 451,84 M. gegenüber. Der Bestand der Lokalkass« erböhte sich auf 175 658,81 M. Di« Entwicklung ist durchaus günstig. Rege Mitarbeit ist aber auch in Zukunft erforderlich. Weiter ersucht Kollege Hoffmann um strikte Einhaltung der Kassenstunden. Auf Antrag der Revisoren wird dem Kassierer Entlastung erteilt.— Ueber den Gewerkschaftskongreß berichtet H e ck m a n n. Seine bei- fällig aufgenommenen Ausführungen gipfelten in der Mahnung zur Einigkeit. Für die Opposition des Kongresse» berichteten ebenfalls unter Beifall Prenzlow, Lenz und Hertel.— Unter Verband Sange- legenheiten teilt M ü n t n e r mit, daß für das Bureau der Orts- Verwaltung noch Kräfte benötigt werden. Befähigte Kollegen möchten stch melden. Die Versanvmlung beschloß die Anstellung der Kollegen Prenzlow und Bänsch als AgitationSleiter, des Kol- legen Retschlag als Hilfsarbeiter. Weiter berichtet Müntner über die Verhandlungen der Tarifkommission mit den Vertretern der Gemeinden Groß-BerlinS. Auf den Vergleichsvorschlag dcS Zentralausschusses auf Gewährung einer wöchentlicben Zulage von 20 M., dem die Kollegen zustimmten, machen die Gemeinden ein Angebot von 10 M. Die Tarifkommission hat dieses Angebot abgelehnt und erwartet den Schiedsspruch des Zenlralausschusses. Die Versammlung billigte die Haltung der Tarifkommission. ZZollzuqsansschutz aller Angeftellten-Aiisschüffe und Fünfer. Kommission aller Fachgruppen der Metallindustrie. Morgen Mittwoch, 6 Uhr, In den Zelten 23. Tarifkommiiston der Angestellten der Metallindustrie. Dienstag. nachmittags 5 Ubr, Jndustriebeamtenhaus, Werststr. 7. Schriftliche Ein: ladung ersosgt nicht. Bund technischer Beamten und Angestellten. Ortsgruppe Pol?- dam-Nowawes. Nächste Mitgiiederversammlung Freitag, den 1, Außutt abcnüS 7'/, Uhr, im Vereinslokal.Mühlenpark", Babclsbergee Straße Potsdam_ Parteinachrichten. Genosse Immanuel Birnbaum aus München, bisher freier Schriftsteller und ständiger Mitarbeiter an der Parteipresse, ist am 25. Juli in die Redaktion des .Bremer Volksblattes" eingetreten, um den politischen Teil zu bearbeiten. Der leitende Redakteur der Zeitung, Genosse HansDonath.der im April d. I. von der bremischen National- Versammlung als einer der zehn sozialdemokratischen Senatoren in die vorläufige Regierung Bremens gewählt wurde, ist fütr die Zeit seiner weiteren Tätigkeit in der Regierung beurlaubt worden. Seine gelegentliche Mitarbeit wird dem Blatte jedoch erhalten bleiben. Verantwortlich sltr Volitit: Artar ßickl», Ckarlottcnburg, für de» übrigen Teil des Blatte-! Allred Scholz, Neukölln! für Anzeigen: Theodor Slon, Berlin. See! Lorwarts-Verlag ffi. in. 0. H., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei..... Lerlagsanftalt Paul Singer u. To. in Berlin, Lindenftr. i. Hierzu I BcUog. �lVeiubrauö Cogme iMarke- liftARKE \om i'&iukJf'A REINE* 7mß§füdO).ac&oMcr pamu � (Jjpgmctmutmeteti Nr. 382 ♦ 36. Jahrgang 1« Heilage öes vorwärts Dienstag, 29. 9ull191H Neue Enthüllungen in öer Nationalverjammlung. Sitzung vom Montag, LS. Juli lV19. Äm Regierungstisch: Erzberger, Dr. David, Müller, Dr. P r e u tz u. a. Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 2 llhr 20 Min. Per Eintritt in die Tagesordnung berichtigt Abg. Hebel(Z.) die Angabe in einem Kommissionsbericht über ein gegen ihn schwebendes Strafverfahoen wegen eines Flugblattes. Auf der Tagesordnung sieht die Fortsetzung der allge- meinen politischen Aussprache über die Erklärungen der Regierung. Abg. Loche(Soz.) wiederholt den Antrag, den Gesetzentwurf über den Staatsgerichtshof, der an zweiter Stelle aus der Tages- ordnung steht, mit der allgemeinen politischen Debatte zu verbinden. Die Frage des Staatsgerichtshofes stehe mit diesem Gegenstand in Verbindung. Abg. Schultz-Bromberg(Dnat. Vp.) erhebt dagegen Wider- spruch. Abg. Haußmann stimmt dem Antrag Lvebe zu. Der Antrag Loebe wird mit großer Mehrheit angenommen.' Reichsminister des Innern Dr. Dadid: Die Frage nach der Schuld am Ausbruch des Krieges, nach der Verantwortung für seine Verlängerung und für seinen Verlust bewegt heute alle Teile unseres Volke» anfS tiefste, und deshalb hat die Regierung den dringenden Wunsch, daß der Entwurf eine? «taatsgerlchtshofes so rasch wie möglich verabschiedet wird. Aber die Herren von der Rechten scheinen zu fürchten, daß die Ergeb- nisse der Untersuchungen eine» solchen StaatSgerichtShofe» den früheren Machthaber» und dem früheren RegierMigSshstem nicht günstig sein möchten. ES liegt ein Antrag Heinz« vor, der darauf hinausgebt, den Entwurf völlig zu verwässern.(Abg. Kahl: llüseltiver gestalten?) Er wünscht, daß unter Ausschluß aller dem Parlament angehörigen Personen«in Ausschuß eingesetzt werden soll, der sich zusammensetzen soll auS namhaften Historikern und parlamentarisch geschulten Juristen. Was sogenannte S i st o r i k e r a n naiver Oberflächlichkeit und ten- denziöser Verzerrung zu leisten vermögen, wenn sie das Feld der politischen Tagesgeschichte vertreten, dafür hat die KriegSzeit(;anz et- schreckende Beispiele geliefert.(Sehr richtig!) Die .üritik von Professoren an politischen Dingen ist im Kriege noch tiefer gesunken als unsere Valuta(Sehr gut! links) und nach dem, was wir an Objektivität politisch geschulter Juristen erlebt haben, ist auch nicht zu verlangen, daß daS Volk ihnen ein besondere» Vertrauen entgegenbringt. Wir sind der Meinung, daß unier Entwurf eine viel solidere und bessere Gewähr bietet für«ine gründliche und objektive Arbeit. Er sieht vor die Einsetzung eines parlanientarischen Ausschusses von lS Mitglievera, in dem all« Barteirichtungen vertreten sind, und der die Vorarbeiten leiftcn soll, Ein solcher Parteienkompl«; ist die best« Einrichtung für die objektiv« Feststellung von Tatsachen, denn jede Partei kontrolliert die ander« und so wild dafür gesorgt, daß nichts verschwiegen und nichts hinzugesetzt wird. Dazu tritt dann als zweite Jnfiämz der StaatSgerichtShof, aus fünf Berufsrichtern und zehn weiteren Mit- gliedern, die zu je fünf vom St aa ten au» schu ß und von der Nationalversammlung gewählt wer- den. Damit sind alle Garantien gegeben, daß auch vom rein juristischen Standpunkt bei der Wertung und Beurteilung deZ Materials nichts versäumt wird. Auch die Nächstbeteiligten haben ein Interesse daran, daß ein solcher StaatSgerichtShof eingesetzt wird. Er gewährt ihnen einen gewissen Schutz gegen den Spruch eines einseitig zusammengesetzten Enten tegerichtS, wo die Ankläger gleichzeitig Richter und am Spruch politisch mter- essiert sind. Was die Reichsregierung anlangt, so wünscht sie weiter nichts als Wahrheit und Gerechtigkeit nach allen Seiten. Ein An- trag Loebe wünscht die Veröffentlichung aller der Regierung bekannten Geheimdokument«. Di« Reichsregierung hat zu erklären, daß die Veröffentlichung aller dieser Dokumente in umfassendstem Ausmaß vorbereitet ist: die den Waffenstillstand betreffenden Do- kument? werden schon in den allernächste» Tagen der Oeffentlichkeit unterbreitet, und auch die den Kriegsausbruch betreffenden werden, nachdem sie noch die lebte redaktionelle Durchficht erfahren haben, schon in aller Kürze in Druck gegeben werden.(Bravo!) Die volle Wahrheit, die aus die Weise an den Tag kommen wird, mag für einzelne schmerzlich und folgenschwer sein, der Gesamtheit des Volkes wird sie zum Segen gereichen.(Beifall.) Abg. Gothein(Dem.): Der Abg. Saase hat unsere Haltung in der Friedensfrage be- mangelt. Ich stelle fest, daß wir von vornherein den Friedens- vertrag für unerträglich und unerfüllbar und deshalb auch für un- annehmbar gehalten haben. Wenü dieses Wort in dem Entwurf der Rede Icheidcmannß nicht enthalten war, so lag eS doch in der Wendung von der„Sand, die verdorren' müßte, gegen die auch Erzberger keinen Einwand erhoben hat. Unser« Absicht war nicht auf einen neuen Krieg gerichtet, wir wollten nur die Gegner vor die Möglichkeit stellen, gegebenenfalls die Durchsetzung dieser Friedensbedingungen selbst in die Hand zu nebmen. Furcht vor der Hungerblockade hatten wir nicht, weil die Neutralen ihre Be- ieiligung ausdrücklich abgelehnt hatten und der Widerstand gegen sie in England erheblich angewachsen war. Wir geben zu, daß sich allcrdirpgs am 22. Juni die Lage wesentlich geändert hatte durch die Drohung der Unabhängigen mit de« Generalstreik. Wir haben, da? sei ausdrücklich hervorgehoben, vor den Folgen unserer Haltung keine Furcht gehabt.(Widerspruch der Unab- hängigen.) Das von Herrn Graes« so heftig angegriffene parla- nwntarische System muß sich erst einleben und hat dabei mit un- geheuren Schwierigkeiten zu kämpfen. Wenn auch zuzugeben ist, daß insbesondere die Mebrheitssozialdcmokratie �noch manche? lernen muß(Sehr richtig! rechts), so sind den Männern, die die setz:ge Regierung bilden, schwerlich die ungeheuren politischen Fehler zuzutrauen, die unter der alten Regierung vorgekommen sind. Unbestreitbar hat der letzte Träger der Kaiserkrone die Beziehungen zum Auslande persönlich mehr gefährdet als der- bessert, infolge seine? Mangels an Erkenntnis der politischen Not- wendigkeiten.(Lebhaftes Sehr richtig!) Er trägt einen w e f c n t l i che n Teil der Schuld an unserem Unglück. (Erneuter Beifall.) Wir erblicken in der Wiederherstellung der Monarchie die schwerste Gefahr nach innen und nach außen und verteidigen deshalb ausS schärfste die republikanisch: StaatSform. tAnvaltender lebhafter Beifall.) Die Mitteilungen ErzbergerS über die Papstnote haben uns wohl alle erschüttert, wir halten eS aber iür unbedingt nottoendig, daß unS auch die englische Note an den Papst schleunigst bekanntgegeben wird.(Lebhafte Zustimmung.) Die Antwort auf die Papstnote war ein schwerer politischer Fehler. (Zustimmung.) Wenn eine Begründung des von dem Minister vorhin erläuterten Gesetzentwurfes über den StaatSgerichtShof noch notwendig wäve. dann Mm si* a»s»d«M totch fa*«eschü» da» ge- nannten Berichtes. Dieser hat eine ungewöhnliche Bedeutung ge- .habt. Die Beendigung d«s Kriege? 1S17 hätte uns 500 000 bis 600 000 unserer besten Söhne gespart(Be- wegung und Zustimmung); es kommt hinzu, daß nicht erst im Herbst 1017, sondern schon Ende 1910 und Anfang 1917 eine noch günstigere Friedensgelegeniheit gegeben war. Wir wollten Wilson ausschalten durch daS eigene Fviedensangebot, das im Siegerton gehalten war und Englands Entrüstung hervorrief. Als es trotzdem Bernstorff gelungen war, den schwer gekränkten Präsidenten zur Fortsetzung seiner Versuch« zu veranlassen, da erhielt er durch uns einen Schlag inL Gesicht durch die Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges. Die Entscheidung darüber ist in einer Kabinettssitzung vom 8. Januar 1917 gefallen, in Abwesenheit Bethmanns und des Staatssekve- tärS des Aeußeren.(Lebhafte Bewegung. Zuruf: Schuld der Kon- servativen!) Nein, das war nicht nur eine Schuld der Konserva- twen, auch die Mehrheit des Reichstags trägt hier etne Mitschuld. Im HaushaltsauSschuß ist auf Antrag Groeber beschlossen worden, die Entscheidung über den U-Boot-Krieg sei als rein militärische Frage allem durch die militärischen Gewalten vorzunehmen.(Wider- spruch des Abg. Groeber.) Die Rechte vertrat«in« Politik des PabanguespielS»nd fetzte sie mit einem gewissenlosen Terror durch» auf dessen Rechming auch die schwammige Antwort Michaeli?' zu setzen war. Die Schuld trifft also die Militaristen, die Vaterlandspartei(Unruhe und Zurufe rechts: Müller- Meiningen, Wiemer! Heiterkeit!), gewiß, auch bei uns gab eS Sünder, aber ich für meine Person habe stets jeden Landerwerb abgelehnt. Gegen Mißstände mußte die Rechte austreten; wenn sie heute über deren Ueberwucherung klagt, so mag sie an da» Wort Bismarcks denken: Dies« Leute haben nienmls, wenn es etwas au? zukehren gab im deutschen Vaterlande, ihr« Hände am Besenstiel gehabt.(Große Heiterkeit.) We» den Mißständen nicht entgegen trat, hat die Revolution gemacht, nicht die paar Männer der Srrahe und der russische rollende Rubel.(Unruhe �rechts.) Herandrängen an den Völkerbund sollen wir uns nicht." So lange er die Be- sstnrnrnrig hat, daß er nur durch eim stimme gen Beschlaß geändert werden kann, bleiben wir ihm vorläufig besser fern. Wer die Ar bester zum Streiken verführt, begeht ein. Verbrechen am Volke.(Zu fstnrmnng.) Ordnung und Achtung vor dem Gesetz müssen wieder- kehren. Wir hoffen, daß die sittlichen KrSste unseres Volke« die Krise wieder überwinden werden.(Beifall bei den Demokraten.) Minister des Aeusicrn Müller: Die Frage der Auswanderung und der ArberdevaktacheS im diplomatischen Dienst werden bereits von der Regierung mit Auf- merkfamkeit verfolgt. In der Frage der Rärntmng des Baltikums ist schon vor längerer Zeit ein Uebe reinkommen unter unS zustande gekommen, daß ein Nachschub in daS Baltikum nicht mehr stattfinden soll. Offiziere, die dagegen befehlswidrig handeln, werden vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Auch die Anwerbung von Truppen für daS Balstkum durch da» Versprechen von Siedlungsland würde unseren Anord- nungen zuwiderlaufen. In dem Fall Axelrod ist zu sagen, daß die Tiroler Behörden Arelrvd an Bayern au»- geliefert haben. Das Auswärtige Amt hat über dessen Extern toria- lstät ein Gutachten abgegeben und diese verneint. Radeck wird freigelassen werden, sobald die russische Sowjetregierung erklären wird, daß er mit ihrer Genehmigung nicht wieder nach Deutschland zurückkehren wird. Die Aufzeichnungen des MajorS von dem BuSsche werden gleichfalls veröffentlicht werden; sie find aber nicht bedeutend fiir die Frage, ob der Waffenstillstand eine Folge der Revolution oder der mili- tärischen Lage war. Der damalig« Reichskanzler Prinz Max von Baden wollte die FriedenSvermittlurrg nicht sofort unter dem Druck deS militärischen Zusammenbruches in die Hand nehmen. Er r i ch» tete deshalb die bestimmt« Anfrage an die oberste Heeresleitung, ob diese sich bewußt sei, daß die Einleitung einer Friedensaktion unter dem Druck der militärischen Zwangslage zum Verlust deutscher Kolonien und deutschen Gebiets, namentlich E l s a ß- L o th r i nge n S und der rein- polnischen Kreise in den östlichen Provinzen führen kann,(Hörtz hört!) Die oberste Heeres- leitung erklärt« auf ihrer Forderung der so- fortigen U e berm i tt lu n g deS Friedensangebot« stehen zubleiben.(Hört, hört!) Die militärische Lag« führte also zum Waffenstillstand. Der Minister Erzberger hat also durch- auS recht gehabt. Es kann selbstverständlich nicht davon die Rede sein, daß Deutschland der Alleinschulbige ist, eben- sowenig aber, daß die Zentralmächte schuldlos sind. Ich brauche nur an das österreichische Ultimatum an Serbien zu er- innern; selbst wenn Deutschland dieses Ultimatum nicht gekannt hätte, wäre eS nicht ohne Schuld, denn eS wäre sein« Pflicht ge- Wesen, sich um diese Dinge zu bekümmern.(Beifall links, Wider spruch rechts) In der Sitzung vom 20. Juli hat der Reichsfinanz minister Erzberger Mitteilung gemacht von dem Schritt«, den der Nuntiu« Paeelli 1917 unternahm, und der Antwort, die der Reichs- kanzler Michaelis gegeben hat. Ich habe veranlaßt, daß alle die Vorgänge, die hierüber im Auswärtigen Amt vorhanden find, fest- gestellt und in einem Weißbuch der Nationalversammlung unterbreitet werde«. Für heute nur folgendes: DaS Schreiben des Nuntius ist, wie wir inzwischen festgestellt haben, erst am 5. September in Ber- li n e i ng e t r o ffe n.(Hört, hört!) Dadurch wird die Spannung auf 19 Tage vermindert, denn die Antwort de» Reichskanzlers er- folgte am 24. September. Die Frage der englischen Regierung war als Anlage diesem Schreiben beigegeben; sie hatte kein Datum und lautet in Uebersetzung: „Wir haben noch keine Gelegenheit gehabt, unsere Ber- bündcten über die Note Seiner Heiligkeit zn befragen und sind nicht in ber Lage, unS über dir Beantwortung der Borschläge Seiner Heiligkeit betreffend Bedingungen eines dauernden Feie. dens z« äußern. Unserer Ansicht nach besteht keine Wahrschein- lichkeit dafür, diesem Ziele näherzukommen, solange sich nicht die Zentralmächte und ihre Verbündeten in offizieller Form über ihre KriegSziele und darüber geäußert haben, zu welchen Wieder- Herstellungen und Entschädigung sie bereit sind, durch welche Mittel in Zukunft die Welt vor der Wiederholung der Greuel, unter den sie jetzt leidet, bewahrt werden könnte..(Hört, hört!) Selbst hinsichtlich Belgiens, und in diesem Punkte haben die Zentral- mächte anerkannt, im Unrecht zn sein, ist uns niemals eine be- stimmte Erklärung über ihre Absicht bekannt geworden, die völlige Unabhängigkeit wiederherzustellen und die Schäden wicdcrgutzu- machen, die sie es hatten erdulden lassen.'(.Hört, hört!) Ein Vcr- such, die Kriegführenden in Ueberrinstimmung zu bringen, er- scheint so lange vergeblich, als wir nicht über die Punkte im klare« sind, i« denen ihre Ansichte« auseinandergehen." Aus diesem Schreiben geht zur Evidenz hervor, daß die bcl- gische Frage das Kornproblem der Friedenssrage war.(Sehr richtig!) Nur eine klare Antwort in der belgischen Irage in bezug aus seine Wiederherstellung und seine volle Unabhängigkeit konnte uns dem Frieden näher bringen.(Sehr richtig!) Es muß nun aber vor allen Dingen in dieser Angelegenheit aufgeklärt werden, wie das Auswärtige Amt dazu kam, dem Schritt des Nuntius Pacelli keine äußere Folge zu geben. Hierzu möchte ich für heute noch folgendes feststellen: Neben diesem Schritt ging ein andere: Schritt einher..Durch das Auswärtige Amt war Fühlung genommen mit einem neutralen Diplomaten zu dem Zwecke, daß er mit England Fühlung nehmen sollte, und dieser Schritt war bereits eingeleitet vor dem 5. September 191!, also bevor die Note des Herrn Nuntius in Berlin eintraf. Die belgische Frage war dann im Kronrat vom 11. September zum Gegenstand einer Beratung gemacht worden. Auszeichnungen Über die Tagung dieses Kronrates konnten bisher im Auswärtigen Amt leider noch nicht geisunden werdem Ueber die Vermittlung der neu- tralen Macht ist inzwischen einiges bekannt geworden. Ich bin in der Lage, mitzuteilen, daß es sich dabei um einen spanischen Diplomaten gehandelt hat. Balfour habe damals streng vertraulich mitgeteilt, daß eine hochgestellte Persönlichkeit in Berlin dem dortigen spanischen Botschafter gegenüber den Wunsch geäußert habe, mit England in Frie- dcnSverhandlungen zu treten. Spanien habe abgc- lehnt, aber es nicht für angezeigt gehalten, diese Erklärung Deutschlands vor England zu verheimlichen. Der englische Botschafter antwortete, er wisse nicht, wie seine Regierung sich verhalten würde, werde aber nachfragen. Bedingung sei, die Ansprüche Deutschlands zu kennen.>6>ic englische Regierung habe den Alli- ierten mitgeteilt, sie werde mit aller möglichen Vorsicht antworten. Dem Botschafter gab sie die Antwort, die Regierung werde bereit sein,«ine Mitteilung anzunehmen, die Deutschland machen würde. Diese Mitteilung würde sie ihren Verbündeten weitergeben. Das deutsche Ziel sei doch nur ein Manöver KühlmannS gewesen, um die Friedensbedingungen, die Deutschland gestellt würden, kennen zu lernen. Eine genaue Kenntnis der deutschen Kriegsziele war nicht zu erhalten. Dem Einwurf gegenüber, daß große Erfolge an der Weststont erfochten und in- folgedessen die Stimmung im Lande gehoben und ein Umschwung in der Armee sich vollzogen habe, habe es da weiter geheißen, daß der Geist der deutschen Soldaten entsprechend gesunken sei. Daraus entnehme ich als zweifellos, wie die alliierten Regierungen die militärische und politische Lage auffaßten: sie waren ihrer Sache sicher, hatten Amerika auf ihrer Seite und waren, wie Lloyd Ge- orge eS ausdrückt«, fest überzeugt, daß die Zeit für sie� arbeite, deshalb verlangten sie genau« Präzisierung der Kriegsziele. Drei- «rlei stelle ich nun fest. Erstens, dnß der Reichskanzler Michaelis de« Parteiführern von der Note Paccllis vom englischen Friedensangebot nichts mitgeteilt hat(Hört! hört!), zweitens, daß den Parteiführern die Abgabe einer präzisen Erklärung über Bel- gien versprochen wurde, und drittens, daß die Antwort Michaelis' ?uf die Note genau das Gegenteil einer deutschen präzisen Er- lärung ist. Nun noch Einzelheiten: Für die schwierige Lage der Einwohner in den besetzten Gebieten habe ich volles Verständnis, ich kann ihnen das aber nur praktisch bezeugen, und das geschieht in Ucbereinstimmung mit den Fach- ministern, die dafür in Frag« kommen. Mit ihnen sind gemeinsam Anweisungen und Vorschriften vereinbart, die die angeordneten Requisitionen erleichtern. Wenn wir gegen einzelne Ausschrei- tungen nicht den gewünschten Erfolg erzielten, so ist es nicht un- sere Schuld. Auch über den Fall Manheim verstehe ich vollkommen die Erregung in den Kreisen der Bevöl- kerung über das Treiben der Offiziere und Besatzungstruppen. 1871 wurden in Paris und Verdun einzelne Deutsche der Be- satzungstruppe getötet. Damals hat Thiers der Nationalversamm- lung in Bordeaux verständlich zu machen versucht.joi« er die Sache ansehe. Die Hauptsache ist, festzustellen, ob die Stadt Berlin völ- kerrechtlich mit einer Buße von einer Million Franken belegt werden kann. Dagegen habe ich mich gewandt und wende ich mich auch heute noch, obwohl die französische Regierung inzwischen erklärt hat, sie werde daS Geld dem Roten Kreuz zuwenden. W i r erkennen die Forderung nicht als berechtigt an.(Beifall.) Ueber die Vorgänge, die zur Ermordung Manheims führten, ist eine Untersuchung im Gange. Wenn wirklich Uebergriffe der Franzosen vorliegen, so gibt das doch keinen Anlaß, gegen irgendwelche französische Soldaten eine Hetze zu betreiben. Doch muß ich auf«inen Ausnahmefall ein- gehen, der mir jetzt erst bekannt geworden ist, da ich nicht zu den regelmäßigen Lesern einer gewissen Presse gehör«. Die„Deutsche Zeitung" hat am 10. Juli in diesem Zusammenhang geschrieben:„Wir be- dauern, daß man die Schweine, die sich hier in Berlin als Sieger zeigen und von denen sicher keiner an der Front war und die Faust eines deutschen Soldaten gespürt hat, nicht sämtlich totgeschlagen hat." Diese Aeußerung eines agrarischen Rohlings finde ich ge- radczu unerhört, und ich habe keine Lust, für eine solche Roheit mich vor dem Ausland zu entschuldigen. Außerdem wollt,,, ich die Sache einmal so deutlich nennen, wie möglich. Meine b.edc soll nichts als Fürsorge für das Ausland gewesen sein! Soll ich etwa als Minister des Auswärtigen hier eine Rede halten wie Graf Westarp auf dem deutschnationalcn Parteitag? (Heiterkeit.) Sie war geradezu auf die Eroberung der uns ent- rissenen Gebiete eingestellt. So kann ein Minister des Auswärtigen in der Lag«, in der wir sind, nicht sprechen. Meine Po- litik muß auf Erhaltung deS Deutschtums im Auslände«ingestellt sein. Diese? soll begreifen lernen, daß wir Deutschen ein friedliches Volk sind.(Lebhafter Beifall.) Ich bin ent- gegen der Behauptung meiner Gegner dem Völkerbund nicht nach- gelaufen. Ich habe ausdrücklich festgestellt, daß dieser Völkerbund ein Bund der Kabinette, und zwar ein Bund tzer Kriegskabinette ist. Ich habe allerdings an die Völker appelliert; darin erblicke ich die einzige Hoffnung auf die notwendige Revision deS Vertrages. (Lebhafte Zustimmung in der Mitte und links.) Was soll�anan mit solchen Wendungen anfangen wie die, meine Rede fef„bar jedes realen Inhalts", sei„hinderlich für die Betätigung des Deutschtums". Was heißt überhaupt Realpolitik treiben? Wer weiß, wie in unserer Lage Realpolitik getrieben werden kann, der möge Vorschläge machen, ich bin gern bereit, sie zu befolgen. Selbst ein Bismarck hätte sieb in dieser Lage vor außerordontliche-n Schwierigkeiten ge- sehen.(Lebhafte Zustimmung.) Herr Gracfe hat den Vorwurf er- hoben, wir zerstörten das Werk Bismarcks.(Sehr richtig! rechts.) Das Werk Bismarcks ist durch die Politik der letzten 25 bis 30 Jahre in Gefahr geraten. Darüber mögen Sie sich aus dem dritten Bande von Bismarcks!„Gedanken und Erinnerungen" Aufklärung holen. (Lebhafte Zustimmung.) Bismarck hätte es vor allem niemals dahin kommen lassen, daß sich Generale sq in die Politik eingemischt hätten, wie ei in d«ie?em Kriege g e�ch sffe n ist. SaZei?aike et mii Männern M bun, die weit über Ludendorff standen.(Andauernde leb- haste Zusttnununq.) Wie dieser die Kräfte Deutschlands von Finru lcmd bis Mesopotamien verzettelt und zersplittert hat. darf kein wahrer Feldherr handeln.(Lebhafter Beifall.) Lndcndorff ist neben Tirpib der grösste Verderb« gewesen!(Andauernder lebhafter Bei- fall in der Mitte und links, der sich verstärkt, als die Deutsch- nationalen fortffesetzt Pfui rufen. Diese Rufe werden auch noch fortgesetzt, nachdem Präsident Fehrenbach sie für unzulässig erklärt hat.) Hoffentlich erhalte ich mir Ihre Angriffe(zur Rechten), sie können nur nützlich für mich fein! Für unter meiner Würde halte ich es, die Anspielungen des Abg. v. Graefe, wie„Gesinnungstüch- tigkeit" und„Futterkrippe", zu beantworten.(Fortgesetzte Zurufe deS Abg. v. Graefe.) Feststellen will ich nur, das; ich mich noch nie um ein Amtz beworben habe, sondern noch stets hineingehoben wurde. Ich habe mich auch nicht zu dem Amt des Ministers des Aeutzeren gedrängt. Ich habe diesen Posten angenommen, weil ich weiß, daß ich einigen politischen Personalkredit im Auslände habe. Ich werde meine Politik, entsprechend meiner Programmrede, weiter führen, solange ich das Vertrauen der Mehrheit dieses Hauses hinter mir weiß.(Anhaltender Beifall in der Mitie und links.) Abg. Schnltz-Bromberg(Dnat. Vp.): Die Waffcnverteilung auf dem Lande ist notwendig gewesen, um Schutz gegen Raub und Plünderung zu schaffen.(Unruhe bei den Soz.) Erzbergers Ausführungen über die Friedensangebote stehen in schärfstem Widerspruch mit den bestimmten Erklärungen der feindlichen Staatsmänner, daß niemals em Friedensangebot an Deutschland erfolgt ift.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Weshalb hat Erzberyer nicht damals seine große politische Macht für die Klärung der Dinge eingesetzt?(Andauernder Lärm links, Beifall rechts.) Nach dem durch das Wolffsche Bureau veröffentlichten Be- richt über«ine damalige Ausschußsitzung hat sich Herr Erzberger, der allein Kenntnis von allen diesen Dingen hatte, ausdrücklich hinter die Regierung gestellt.(Hört! hört!). Was hat Herr Erz- bevger darauf zu antworten? Was sagt er ferner zu den gestrigen Mitteilungen der„Hambrrger Nachrichten"? Erzberger hat hier bestritten, daß Graf Czernin ihn veransaßt habe, nach Wien zu kommen, um Rechenschaft abzulegen. Graf Czernin schreibt im einem Briefe:.Erzberger hat seinerzeit Kennt- niS von meinem Bericht erhalten und die schwersten Indiskretionen begaugon. Er kam nach Wien, von mir/zitiert, um mir Rechen- schaft über sein Vorgehen abzulegen. Er war damals ganz ver- nichte t."(Hört! hört! Große Bewegung.) Wir wußten von nichts, haben also keine Verantwortung. Aber Herr Erzberger hatte die Fäden m der Hand, hatte Kenntnis van den Dingen und tat da- mals nichts. Er ist zuletzt befuat. andern Vorwürfe zu machen. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Ein ungeheuerlicher Vorwurf ist «S, daß die Vaterlandspartei zur Verhinderung des Friedensschlusses gegründet sei.(Sehr richtig! links.) Ist Herrn Erzberger ent- fallen, daß eine große Anzahl führender Mitglieder des Zentrums Mitglieder der Vaterlandspartei waren, sind ihm nicht'die Demo« kraten bekannt, die Mitglieder und Anhänger der Vaterlandspartoi waren? Es kommt aber darauf an. alle Verdunkelungen und Ver- schloierungen zuungunsten der geschichtlichen Wahrheit auSzurcnimen. (Lebhafte Zustimmung rechts. Ironische Zurfe links: Sehr richtig!) Hierauf hält der Ministerpräsident Bauer die im Hauptblatt veröffentlichte Rede. Reichsfinanzmmister Erzberger: Nach den Ausführungen des Ministerpräsidenten könnte man sich jedes westere Wort, nachdem Se die Kenntnis der ausschlag- gebenden Dokumente erhalten haben, schenken. Sie haben eine Vervollständigung des Bildes der untilgbaren Schuld gegeben, die am deutschen Volke verübt worden ist.(Lebhafte Zustimmung.' Widerspruch rechts.) Alle Angriffe und Kundgebungen gegen meine Rede sind nur zu Ausgangspunkten neuer Bestätigungen meiner Ausführungen geworden. Diese sind nicht in einer einzigen Zeile entkräftet wor- den. Wer, wie der Abg. Schultz, die weltgeschichtliche Bedeutung des Briefes des Nuntius Pacelli vom l3. August nicht anerkennt, wer wie er die belgische Frage nicht als die Kernfrage ansehen will, mit dem ist politisch überhaupt nicht zu verhandeln.(Lebhafter Beifall links. Widerspruch rechts.) In dem Brief des Nuntius Pacelli war klar zum Ausdruck gebracht, daß eine versöhnliche Ant- wort die Friedensverhandlungen erleichtern würde. Die Voraus- setzungen für ihre Anbahnung waren erstens eine bestimmte Erklä- rung Deutschlands über seine Kriegsziele. zweitens eine bestimmte Erklärung über Belgien. Der Brief ist am 13. August abgegangen. Warum er erst am. S. September eingetroffen ist, weiß ich nicht. Die Antwort erfolgte am 24. Septembor. Das sind nahezu vier Wochen.(Die Ausführungen des Ministers werden auf der rechten Seite ständig durch Zurufe unterbrochen.) Die paar Tage ändern am Kern der Sache gar nichts.(Lehhafte Zustimmung links.) Sie (zur Rechten) versuchen jetzt noch eine Verschiebung des Streit- Punktes wegen ihres schlechten Gewissens.(Großer Lärm rechts. Andauernder Beifall links.) Von Ihnen ist jeder Gedanke eines Berständigungsfricdens spstematisch bekämpft worden. Gegen alle Personen, die sich in den Dienst des Verständigungsfriedens gestellt haben, arbeiteten Sie in einer Art und Weise, die in der politischen Geschichte der letzten hundert Jahre unerhört ist.(Widerjprllch rechts. Lebhafter Beifall links.) WaS enthielt nun die Antwort über Belgien? Angeblich wollte man noch nicht in der Lage fein, darüber eine Er-, klärung zu geben. Diese Erklärung ist aber niemals gegeben wor- den, das steht aktenmäßig fest.(Großer Lärm recht?.) Damit scheitorte der Fortgang der angebahnten Fühlungnahme. Der Blut- kämpf ging weiter.(Lebhafte Bewegung.) In Deutschland hat man dann scharf zu machen versucht gegen die Friedensidee mit dem Hinweis, wie oft haben wir den Frieden angeboten? Die Gegner haben aber nicht einmal die Frieöensnote des Papstes beantwortet. So-tzten Sie gegen die Friedensidee. Warum aber batte das Aus> nd nicht auf die Papstnote geantwortet? Weil seine Zwischen- frage unbefriedigend erledigt war.(Große Unruhe rechts. Leb- hafte Zustimmung link?.) Die offizielle Papstnote war selbstver- ständlich erst ergangen nach vorheriger Fühlungnahme mit den beiden Mächten, und zwar als die Friedensresolution des Reichs- tags bereits vorlag. Diese hat ihre volle Wirkung getan. Sie hat nicht zum Ziele geführt wegen der Stellung- nähme der Ober st en Heeresleitung, der Regie- rung, der Vaterlandspartei und der Parteien der Rechten.(Lebhafter Beifall links.) Konnte es für den Staats- mann an der Spitze Deutschlands irgendeine günstigere diploma- tische Situation geben als die zu Ende August? Eine neutrale Macht legte ohne Zwischenträger, ohne mündliche Vermittlung eine schriftliche Aeußerung vor(Zuruf rechts: Kriegslist!), die sich deckte mit der offiziellen Stellungnahme der Regierung, der Parlaments- Mehrheit und der ungeheuren Mehrheit des deutschen Volkes. Tie Regierung hatte sich nach außen öffentlich festgelegt im Sinne der Antwort. Diese große Chance wurde nicht ausgenützt! Wer trägt die Schuld an diesem vollständigen Fiasko aller Friedens- Vorarbeit? Graf Westarp namens der Konservatviven, die rechtsstehende Presse und die rechtsstehen- den Parteien, die Vaterlandspartei.(Andauernde große Unruhe rechts. Lebhafter Beifall links.) Mein Angriff bleibt bestehen, ich nehme kein Wort davon zurück.(Zuruf rechts: Auch Zentrumsabgeordnet« haben gegen die Friedensresolution ge- stimmt!) Jawohl, eS ist ein öffentliches Geheimnis, daß sieben Mitglieder der Zentrumsfraktion gegen die Friedensresolutcon ge- stimmt haben. Ist aber ciner wiedergewählt oder aufgestellt? Sie sind vom Willen des Volkes hinweggefegt! Die Instanzen, die an der unmöglichen Antwort mitgewirkt haben, trifft ein ungeheure? verschulden. Ludendorfs telegraphierte am 20. Ottober 1317 an Helfferich, baß hlnsichtllch Belgiens dollendeie Tatsachen geschaffen werden sollten. Man mutete Belgien noch viel Schlimmeres zu als eine Annexion. Diese wäre für Belgien mit Rechten hinsichtlich der Vertretung im Reichstage und der Verwaltung verbunden gewesen. Diese wollte man Belgien aber nicht einmal zugestehen. Helfferich ant- wartete damals Ludcndorff, daß er seine Auffassung über die recht- zeitige Schaffung von vollendeten Tatsachen hinsichtlich Belgiens teile. Nunmehr erzählt dennoch Helfferich in der heutigen„Kreuz- zeitung" von einem Kronrat in der gleichen Zeit, der die bedin- gungslose Wiederherstellung der Souveränität Belgiens beschlossen härte.(Lebhafte Belvegung.) Jeder hat damals etwas anderes getan. Eine konfusere Regierung wie die vom September 1917 ist eben gar nicht denkbar.(Andauernde Unruhe rechts. Große Be- wegung links.) Hier steht man vor unlösbaren Widersprüchen. (Lcblxifte Zustimmung in der Mitte und links.) Wir wurden damals fast fußfällig gebeten, auf unserem Verlangen nach einer Erklärung über Belgien nicht zu verharren, denn es würde auf andere Weise eine befriedigende Erklärung über Belgien an die Entente gelangen. Diese Erklärung aber konnte der Reichskanzler nicht wagen, dem deutschen Volke mitzuteilen, sonst wäre er fortgejagt worden, und das Volk hätte schon damals die Zügel selbst in die Hand , genommen. Wir sind damals vom Reichskanzler Michaeli? irregeführt worden. Hätte uns eine solche Erklärung dem Frieden näher gebracht? Es war ein offenkundiger Zwiespalt zwischen den Erklärungen und dem Handeln der Regie- rung. Man wollte erst nach Ablauf einiger Zeit lediglich eine allgemein« Antwort erteilen. DaS ist die absichtliche Verzögerung. Der Beschluß des Kronrats konnte nicht mitgeteilt werden, denn er wäre als eine Brüskierung des Vermittlers aufgefaßt worden. Können sich die Herren ein Bild davon machen, wie die Ablehnung der Antwort, die schriftlich erbeten war, nicht nur auf den Ver- mittler, sondern auch auf Frankreich und England wirken muhte? Offen hat Michaelis der Papstnote zugestimmt, unter der Hand erklärt er jetzt, der heilige Stuhl bot nicht die Sicherheit unbe- dingter- Vertraulichkeit. Da? ist eine schwere Anklage eines poli- tischen Stümpers gegen die beste Diplomatte der Welt (Große Unruhe). Ohne eine Spur von Beweis wagt dieser Herr beute einen solchen Satz in der Oeffenllichkeit zu vertreten. Michaelis sagte, ich sei vor ihm von dem Schreiben bei Papstes unterrichtet gewesen. Wort und Inhalt de? Schreibens habe ich nicht gekannt, sondern nur di« Tatsache, daß ein solcher wichtiger Brief in der Friedens- fache gekommen sei. Man hat mich ja gerade ausgeschaltet: Erzberger sollte ja gar nichts wissen. Der frühere Reichskanzler erklärt« heute, daß Erzberger nichts wissen durste. Die Antwort auf das Schreiben kannte ich auch nicht. Der Nuntius hat mir den Inhalt nicht gesagt. Außerdem war ich an das Ehrenwort gebunden, nicht? darüber zu sagen, das mir der Nuntius und der Reichskanzler abgenommen hatten. Ich habe das Ehrenwort gehalten. Meine Freunde und auch niemand sonst hat über die Dinge etwa» erfahren. Hätte ich etwas gesagt, so hätten sie mir wieder Indiskretion vorgeworfen. Sie treiben ein verwerfliches doppeltes Spiel. (Großer Lärm rechts.) Die Urtterstellung des Reichskanzlers Michaelis, daß ich einer Indiskretion fähig gewesen wäre, weise ich mit schärfstem Ausdruck als die letzte Ausflucht eines schwer Beschuldigten zurück. Der Reichskanzler Michaelis sagte, eine entgegenkommende Erklärung hätte hie Verhandlungen zu unserem Ungunsten verschoben. Einen hilfloseren Einwand habe ich noch nie von einem Politiker und Staatsmann gehört. Wie will man denn zum Frieden kommen als indem �nan gegenseitig seine Ziel« angibt? Nur das abnorme Denken eines alldeutschen Kopfes kann dabei etwas finden, Di« Friedensmöglichkeit ist vereitelt worden durch die Schuld Teutschlands.(Ruf rechkt: Wenn sie eine war!) Da? sagt niemand deutlicher als Michaelis, wenn er davon spricht, daß die kriegerischen Parteien in Deutschland, England und Frank- reich sich der Angelegenheft bemächtigten, und das sind die Kon- fervativen. die damaligen Nationalliberalen und die deutsche Reichs- Partei.(Abg. Schultz-Brombera: Trotzdem sollen wir für Michaelis verantwortlich sein!) Für Michaelis nicht, aber S,e haben sich gegen die Friedensmöglichkeit gewehrt. (Lärm rechts.) Sie haben erklärt, ein Verständigungs friede würde Deutschland ruinieren, er dürfe nicht geschlossen werden.(Lärm rechts.— Abg. Schultz-Bromberg: Neunzehn Tage!) Ich finde einen solchen Vorwurf geradezu unerhört, nachdem ich erklärt habe, daß ich dcn Inhalt des Schreibens nicht kannte und verpflichtet war, nicht zu sagen, daß ich wußte, daß ein solcher Brief existierte. Wenn Herr Schultz verlangt, ich hätte bei meinem Einfluß auf Michaelis für eine Aenderung des Beschlusses sorgen sollen, so verlangt er, daß ich General Ludendorff beseitigt hätte. Ich habe damals das deutsche Volk gewarnt, aber in meinem Wahlkreis Ulm hat man mir verboten, überhaupt über den U-Bootkrieg zu sprechen. Das Militär versuchte eine Anklage wegen Landesverrats gegen mich. (Große Unruhe rechts.) Präsident Fehrenbach: Ich glaube, daß dieser Vorwurf sich nicht gegen bestimmte Herren der deutschnationalen Fraktion richtet, son- dern gegen die Vaterlandspartei und die frühe- ren Parteien im Reichstage. Wenn die Herren sich be- sonders getroffen fühlen, so meine ich(Lachen recht».), es ist kein erfreuliches Bild vom Präsidentenplatz, immer diesen Hohn wahr- zunehmen. Ich habe keinen Anlaß, einzuschreiten, aber ich bitte den Minister, er möchte seine Angriffe immer an die Vaterlands- Partei und die Alldeutschen richten. Erzberger(fortfahrend): Die„Hamburger Nachrichten" haben ein angebliches Schreibon des Grafen Czernin veröffentlicht, in dem es heißt, er habe mich zur Rechenschaft nach Wien zittert. Ich stelle fest: ich bin nicht nach Wien zittert worden, und ich hätte auch einem solchen Rufe gar nicht Folge geleistet, die Aussprache mit dem Grafen Czernin darüber fand im September 1917 in Berlin statt; ich erinnere mich dessen ganz genau, und ich erinner« mich sogar noch der Einzel- beitsn, wie zum Beispiel, daß damals der Abg. Graefe hinter meinem Automobil hergesprungen i st.(Stürmische, lang andauernde Heiterkeir.) Ick faße meine Antwort dahin zu- sammen: Die Deutscknationale Volköpartei als Nachfolgerin der Konservativen, der Deutschen Reickspartei, der Vaterlandspartei (Widerspruch und Zurufe rechts: Wie kommen Sie zu einer solchen Behauvtung, Wir sind eine vollkommen neue Partei! Heiterkeit und Gelächter!)— in Ihren(nach rech:S) Reihen sitzen doch die Herren v. Graefe, Schieie, Roesick«, Dietrich und viel« andere, die ich momentan nicht sehe(Sehr richtig!)— ich sage: die Dentsch- nationalen sind es gewesen, die während des Krieges sdstemotifch den Gedanken de? Bcrständignngssriedens mit allen erlaubten«nd nn- erlaubten Mitteln bekämpft haben. Sie haben alle die, die kür einen solchen Frieden eingetreten sind, in der unerhörtesten Weise be- schimpf« und begeifert, indem Tie ihnen J»zar die BaterlandSIiebe abgesprochen haben. Allerdings, diese Partei wäre nicht so mächttg gewesen— denn sie Wr immer eine Minderheit(Sehr rich- ttg!)—, wenn nicht die Heeresleitung immer mit dieser Partei marschiert wäre und wenn nickt die politische Leitung von einer geradezu unsagbaren Schwäche befallen gewesen wäre.(Sehr rich- tig! und Zustimmung.) Und dieses Spiel haben Sie(nach rechts! fortgesetzt bis in das Jahr 1918 hinein. Noch im April 1918. haben Sie Petitionen verbreitet, in denen Sie verlangten, di« R eichZregierung mächt« nuzwei-t Seuklg den Bestrebungen enkgegenkreken, die auf d e m Boden des sog. Selbstbestimmungsrechts der Völker einen Frieden ohne Entschädigung und ohne Annexionen verlangten. Jede Gelegenheit, wo sich uns die Möglichkeit geboten hätte, mit Grenznachbarn ruhig und in Frieden zu leben, haben Sie(nach rechts) bekämpft und wissentlich sabotiert. Ich erinnere nur an das Schicksal der Polenfrage. Unter dem 29. April 1918 hatte der polnische Ministerprä- sident ein Schreiben an die Reichsregierung gerichtet, in dem er dem deutschen Volke ein Bündnis angeboten hatte auf der Basis der territorialen Unverletzlichkeft von Kongreßpolen. Damals ist es der Abg. Schultz gewesen, der mit allen Mitteln dagegen ge- arbeitet hat, der die phantastffchsten Annexionspläne gegenüber Polen vertreten hat und der es auch erreicht hat, daß auf dieses Schreiben überhaupt keine Antwort erteilt wurde.(Hört! hört!) Und ähnlich war es in Litauen und in Kurland in einerZeit, wo unsere Söhne und Brüder im Felde ver- bluten mußten, st ritt man sich über Herzogs- hüte und Königskronen. Da braucht man sich wahr- haftig nicht zu wundern über die kolossale Abschwächung des mon- archischen Gedankens im ganzen Reiche.(Beifall und Zustiin- mung.) Und an ein solches verbrecherisches Treiben sollte man heute nicht erinvern? Wir haben mit der alten Regierung:n diesen Dingen nichts zu tun.(Zurufe rechts: Wir etwa?) Ge- wiß, formell und nominell hatten sie nichts damit zu tun, aber tatsächlich beherrschten Sie doch die Regierung, mit der sie aiffs mgste verschwägert und verschwistert waren. Ich brauche ja mir an die Tragikomödie im Reichstag zu eripnern, als der Abg. Strefemann«ruftrat und zur polnischer Frage erklärte: „Als Politiker sehe ich sehr gut ein, daß es vom deutschen Stand- Punkt aus unmöglich ist, daß wir noch 2 bis 3 Millionen Polen be- kommen sollen, da es aber dre Oberste Heeresleihmg verlangt, stelle ich meine politischen Bedenken zurück und stimme für die Annexion des umstrittenen Hundertkilometerstreifens." Nicht die Revolution, nicht die, die für den Friedensgedanken eingetreten sind, sondern, die militärischen Kräfte, unterstützt von der Agitation der rechts- stehenden Parteien, sind schuld an diesen histonifchen Tatsachen und schweren Unterlassungen, deshalb kann ich Ihnen mir raten: Führen Sie diesen Kampf nicht weiter. Wir von der Regierung stehen auf dem Plan, nnser Mat-rial ist ungeheuer groß.(Zuvuf rechtS: UnsveS auch!) Und wenn Sie diesen Kampf mit einzelnen Aktionen weiterführen wollen, so werden Sie die Regievung zwingen, auf jede Ernzelaktirm mft noch größerer Schärfe vorzugehen.(Zurufe rechts.) Sie wollen den Kampf? (Rufe rechts: Ja!) Dann sollen Sie ihn halben. Aber dann mögen Sie sich auch nicht beschweren, wenn eS Ihnen dabei recht schlecht geht. Die Regierung wird da? ganze Material veröffentlichen. Nächste Woche schon kommt die Denkschrift über die Vorgänge heraus, die zum Waffenstillstand geführt haben, die Angriffe, die gegen mich persönlich gerichtet worden, find vollkommen in sich zusammengefallen. Im übrigen stell« ich fest: Sie auf der Rechten sind die allein Schuldigen am Unglück unseres Vaterlandes.(Stürmischer Beifall bei den Mehrheitsparteren, Widerspruch und Zischen rechts.) Preuß. Landwirtschastsminister Braun: Der Abg. Schultz Hot es so dargestellt, als ob die B e w a f f- nung der Mitglieder des LandbnndS auf Grund der Verondnung über die Bildung von Einwohnerwehren erfolgt fei. Davon kann gar keine Rede fein; wäve es der Fall, so hätte man es nicht nötig gehabt, die Sache geheim zu verhandeln. Während Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern statt- fanden, fand sich plötzlich em militävisches Kommando ein und übte einen Druck anf die Arbeitnehmer auS.(Hört, hört!) Ich habe eS mich erst nicht glauben wollen, nachdem ich aber das Aktenmaterial des Landbundes in die Hände bekommen habe(Redner verliest eine Anzahl von Schrift» stücken), weiß ich, daß eS sich bi\ der Bewaffnung um ganz andere Din�x handelte, als um die Verhinderung von Plünderungen. Seit ich rn der Preußischen Landesversammlung meine Stellung dar- gelegt habe, werde ich m der konservativen Presse durch nieder- trächtige Verdächtigungen und Verdrehungen heruntergerissen, so daß einem der Ekel vor solcher Moral ankommt. Tie„Deutsche Tageszeitung" schreibt von der mit Unverschämtheit gepaarten Rode des LandwirffchaftSministerS. Dahinter stehen dieselben Männer, die jahrelang im Hauptquartier ihr Wesen getrieben ha- den. Da kann man begreifen, daß das deuffche Voll jahrelang an- gelogen wurde.- Die Beratung wird abgebrochen. Nach persönlichen Bemerkungen wird di« Sitzung-nff DienS- tag vormittag vertagt. Der internationale Gewerkschaftskongreß. Montag nachmittag wurde in Amsterdam der internationale Gewerkschaftskongreß eröffnet. Der Vorsitzende des Niederlän- dischen Verbandes der GewerkschaftSvereinignngen Oudegeest begrüßte in seiner Eröffnungsrede die Vertreter von mehr als 18 Mil-lionen Arbeitern aus allen Ländern. Er erkiärtc, das Proletariat der gesamten Welt müsse sich jetzt zusammenschießen und sich gut organisieren, damit es nicht mehr möglich sei, eine solche Schande wie diesen Krieg über die Welt zu bringen. Ter Kongreß werde zum Arbertsabkommen Stellung nehmen, das von der Pariser Friedenskonferenz aufgestellt worden ist und prüfen, ob es dem Ziel dier Arbeiter- entspricht. Desgleichen werde der Kongreß erwägen, ob der Völlerbund, der bi« Arbeitergesetzgebung in die Hand nehiiicn soll, der Forderung der Berner Konferenz soweit entgegenkommt, bah für die Arbeiter ein Zusammcnaroeitcn mit ihm möglich und erwünscht ist. Oudegeest erklärte, bishor Hab« die Takti! der Gewerkschaftsbewegung darin bestanden, nach Erhöhung der Löhne und Verkürzung der Arbeitszeit zu streben. In allen Ländern folge jedoch anf eine Erhöhung der Löhne stets eine Erhöhung der Kosten bei Lebensunterhaltes und umgekehrt. Der Kongreß müsse den Weg finden, um auS diesem verwerflichen.Kreislauf herauszu- kommen. Nach der Begrüßungsrede von Ou.egeest erkuirte T o b i a. Amerika in seiner Rede, der Vorredner habe nicht in der gehörigen Weise zur Frage der Verantwortlichkeit für den Krieg Stellung genommen. Di« Sck'ukd am Kriege liege bei dem deutschen und österreichischen monarchischen,«tlftariftischen und kapitalifttschen System. Die Ententeregicrungen hätten nur den abscheulichen Militarismus vernichtet. Oudegeest erklärte, es sei nicht der Augenblick, dies« Frage zu besprechen. Das werde morgen zur Berawng stehen. Legten protestierte gegen di? Behauptung, daß der Krieg durch den Imperialismus und Kapitalismus eines einzigen Landes verursacht worden sei. Der Imperialismus und Kapitalismus Amerikas wären ebenso schlimm, wenn nicht schlini- mer als die aridereir Länder. Tobia irre, wenn er denke, daß Im- perialiSmu» und KapitoiiSmuS nur unter einein monarchischen System möglich seien. Der Vorsitzende teilte mit, daß morgen über die deutsche Erklärung beraten werde. Neue Verhaftung ües Lankbeamtenführers Nlarx. Der Leiter des Allgeinemen Verbandes der deutschen Bank- becrmten Benno Marx ist unter dem Verdacht der B e g ü n- st i g n n g von neuem verhastet worden. ES wird ihm vorgeworfen, da? Entkommen seines Kollegen Emonts, als dieser plötzlich in aner BcMioaumeuversamWlung auftauchte, gefördert zu haben. Volksbühne Theater am BDIowplatz. 8 Uhr Der hellige Florlas. Freitag, I. Aug., zum I. Male: DerKuhrelgen Oper von Wilh. Klenrl. Deutsches Theater. 7'/, Uhr: Auch Ich war ein Jüngling... (Schwank). Kamm erspiele. Allabendlich 8 Uhr: Leopoldine Konstantin in Das Weib u. der Hampelmann. Theater des Westens Allabendlich 7'/, Uhr Mla Werber und Hans Wass- mann in Die«eiaha. Theater i. d. KBniggrätzerStraße VjS Uhr: Der Häuptling;. Komodienhaus Gastspiel von Lucie Höflich 8: JLiselott von der Pfalz* Berliner Theater VaSUhr: Die tolle Komtcss. Centrai-Theater Kommandantensirabe 57. 7'/a Uhr 7-/zU. Die Mönste von Allen. friedr.-Willielinst. Theater D�rSids Kleines Theater. T/t Uhr; Unterm Baume der Erkenntnis Komisohe Oper Jhr'i Sciiwarzwaldmädel. JLuHtspielliaiis 7-/1 uhr. So ein Mädel. Metropol-Theater. 7 uhr zo: Die faschingslee. Sleues Operettenhans. 7v,u.:D!eliine vom Zirkus. Palast-Theater Tt/a uhr: Weinende Erbet Oper. v. R. Danziaer, Sehliier Theat. Charl. Tt/auhr- Alt-Beidelberg. Thalia-Theater 71/. u.: Jongier Sonnenschein Th. am X ollendoiTplats 7l/a Uhr Theater d. 8 Uhr: So eine Frechheit Versicherung gegen Einbruch. Ein Polterabend. "Wallner-Theater TV, uhr: Das Gesetz. Residenz-Theater. Untergrundb. Klosterstraße, Ausgang Stralauer Straße. Täglich 8 Uhr. Zum 199. Male: Das im LeDen. Schauspiel von Sudermann. Sonntag 4 Uhr: Gespenster. Die Puppe. d. Priedrichstadt Trianon-Theater. Bhi.Friedrichstr.Ztr. 4927,2391 Tägl. 8 U heute z. 324. Male; Der gute Jluf von Hermann Sudermann. Sonntag 4 Uhr: Johannlafener. _Rose-Theaterr~ Täglich /■/. Uhr: 0 schöne Zeit, o selige Zeit 7'/a Uhr Gartenbühne Das sieht sich Jeder an. V o rher Konzert u. Spezialität. Luisen-Theater. Täglich abends 7>/> s30unh?? Der Biittenbesltzer. Letzte Sonntagsauftührung! MBrnnJtflnen Heben APOLLO Friedrichstraße 218 Dir.; James Klein 73/ Sonntag 73/ / 4 3V. und 1/4 ] Nor A Tage I | noeb Sm Gastspiel der Oesellschatt Anton mit der neuesten Schlager-Burleske Nur nicht Ischießen J Vorb. Spezialitäten 1 J jonnt-dViid.Erwachs I Kind Ireil luB-Theu«e» Sommenplelz.; H. Stemberg Gastspiel Guido Tbieisctaer: 8 Uhr; Cfaarleys Taut«, Dentaehe* Künstler- Theater. Allabendlich 8 Uhr Max Adalbert m: Die Ratschbahn. Walhalla-Theater. TVa Uhr: Die Frao des Debulanten. Serliner?ra(er 7/9 ftoftonimantf 7/9. Vsl; leptimsBinnmeltalirt. ®t. Opftentr.-T offt in 3 Akten. ttÄ Ball. La r i ei d Anfang 4>/, Uhr. ' Natlgugl-Theater 8 Ubr Stürm. Erfolg 8 Uhr MM ößiHsetnonn. Direktion Siegbert Goldschmidt Knrförstendamoi 236 Vn-widerrnflieh letzte S Tage! Der ¥oIksheid der Ukraine 6 Akte, verfaßt und Ins zeniert von Hartln Berger Hauptdarsteller: Eva Speyer Auterdem das Lustspiel: Die Medaille der Republik mit Richard Senins Belorltb Peer Ida Perry Regle: l~ Bits. V/V/Vz ®53B Potsdamer Str.>8 Turmstr. 12 Dar große Erfolg I Lotte Nenmann Im Filmsplei Das Narrenschloaa. Alexandcrplali-Passage. Maria CarmI; Der Fluch der Sonne. Friedenau, Rbeinstr. 14 Fern Andra In: Geheimnisvolle Gewalten Voigt-Theater BaMtraßf 58. V/i Uhr: Sie Met-(ML SGrSet. Varietd-Vorstellunjf. ErBffnung 3 Uhr, Anfang 5 Uhr. Ztd. Mlttw., Ebd.,Srnnt.: Doli. Prlta Berg.r und Mlnnn Bevereily im Duett Dr. Altos Paul Coradinl Ernst Warlita Eva Warlita Conf.: Willi Horwitz Am FlOgel Sawade Ädmirais-Palast üntemation. Ringkämpfe um den Preis der Deutschen Republik. Anian�i Ubr. AdiniralS'Klno. i Halbblut ResTona. I Ein genialer Einfall. ReichshalL-Theater Drittietziea Softfplcl der Dresdener Vietoria-Säog. Anfang T1/. Freitag, I.Aug. Stettin Sänger, Reichshallen Dönhoff-Brettl Anfang V/7(s. Plakate) yergüDgangsgaias! SehioSbr. Sehöneherg Hntiptstr. IL»/»»». �ocfekongDesSnt- Hheiöunostampies Bartkowlak iLoien) Oenncrt'i Weltmeister, (Broker SvliSeibussstoWi Jackson(Australien) Jiegeu a(Amerika). Außerbern: Gebhardt(SteutüDn) gegen Klnetzky(EchSneberg). Winter- Garten TIgllch 7 Vi Uhr: Tarietd-Spielplan Raachen gestattet! 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Die Beerdigung findet Mittwoch, d. Lv.Iuil, nachm. »/zZUb.r, von dcvLeichevhalle de« Malzahner Friedhofe-, au« statt. diaci, RücKkehr aus dem Felde habe ich meine früher Tauenizienstr. 14 ausgeübte Praxis für 14/2 Bäut-B.8gsclileehtslel[!eii nach Charloftenburg:, Berliner Str. 112, Ecke Spree- straße, Untergrundb. Wilhelmsplatz, verlegt. Sprechstunden 8—9, 11—1, 5—7 Uhr. Dr. Prytek, Wilhelm 8180. Von der Heise zurück: Dr. goMscfemidt, Oranienstr. ISS. 13, 1/9 Spezialarzt Dr. Daedicke Frieörichstr. 187/88 (an der Mohrenstraße). Sprechzeit: U— 1,3— 7. 72L* Sonntags: 11—1 Gnte Existenz. Drohe« pltiKgesihüft, mo- dcrn eillgcrichtet, eicttr. Betrieb, preiswert zu verkaufen. 18Za Wilmorsdorf, Uhlandstr. 98 SS. Aokwng!JltelsNsrdstterZ Alle der S. P. D. angehörenden Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Orts« Verwaltung Berlin, erscheit vollzählig z« der �ErLSMMiuNF am SV. Juli 1S1V, abends«1/, Nhr, in den„Germaniasälen", Chausfeestrasze(gros'er Saal). Tagesordnung: Aorlsehung der Vlskvsflo» vom 22. ZvN. Partei- und Dcrbanbziuch legüwiiert I 213/1' Oer Elnbervfer. We lmöte. Hklei- SetlteSMlttöllevlesle. WllmRe Sei S.b.S. Heute, Dienstag, LS. Juli, nachmittags 5 Uhr: Allgemeine Funktionärversammlung im Deutschen Hof, Luckauer Str. 16. Tagesordnung: 1. Krieg?- und Friedenspolitik der Sozialdemokratt«. Nefeicnt: Reichswirtschaftsminister Robert Schmidt. 2. Die Borgäuge im Bollzugsrat. Siwitliche FunliionSre werden ersucht, an dieser wichtigen Versammlung bestimmt teilzunehmen. Mitgliedsbuch und Ausweis vorzeigen. 213/2 Der BealrkvTOFfttnnd. ~ Da Aluminium enorm gestiegen ist, gebe A ich nur noch bis zum 5. August diese Ächtung! Ideal- Schreibmaschine Nr. 73 92« u. �Eti-Mianon-Schreib- Maschine Rr.»3322 find in der Slgcht». 23. znm 27. 7. 1« ge- stahl-n worden. Bor Ankauf wird gewarnt I Hohe Bctoh- nnng, wer mir über den Ver- bleib Nachricht geben kann. v. Kortf, Dewerbeinspeltor, Berlin NW. 87, Iagowstr. 36. 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Schwanger-[ schalt— Die Regelung des Kindersegens__ Unfrucht- 1 barkeit, ihre Ursachen und Verhütung.—Wie erlangt! man schöne u. gesunde Kinder?— Das Recht der Frau! und das Eherecht— Preis 3,— M., gebunden 4,— M,( Opanla-Veplpg, Oranienburg 03. FINK Frledrlcbstr. 74 „ 183 Berlin V. MS. 6. KkMWMMMW. Ortsgruppe CIcoEj-Bctlln. Berlin C 2, Etralauer Straße 66 I. yenk» vienolog, heu 2g. Juli IStg, nachmlttog» 4 Ahr. im großen Saal des Eewcrtschafishouseo, Tngeinser 15: Versammlung aller in den Orts-, Junnngs- und Betriebs- krankenkassen beschäft. Kolleginnen und Kollegen. Tagesordnung: SfeNungnahme zu der Antwort des ftosteuverbaude». Mitgliedsbuch legitimiert, Kolleginnen und Kollegenl Niemand darf fehlen, da wichtige Beschlüsse gefaßt werden. 49/7 vie vronchenleiwng. Max Maynz. Bekanntnmchnng betr. die 4 prozentige Berliner Stadtanleihe von 1919. Der Nmtansch der Zwischenscheine zu obiger Anleihe gegen Schnldverschreibnngen findet vom l. August d. I. ab in der städtischen Zeichnungs- stelle, Rathaus, Zimmer 20, statt. Für Zeichnungen, welche bei Banlen, Bank- firmen oder Sparkasien getätigt worden sind, ist der Umtausch grundsätzlich durch Vermittlung der betr. Banken nsw. vorznnehmeu, jedoch er- folgt er ans Wunsch auch in der städtischen Zeichnungsstelle. Zum Zwecke des Nmtausches wird jeder Bank, Banksirma, Sparkasse, sowie jedem Privat- Zeichner eine besondere Aufforderung übersaudt werde«, ans welcher der Tag ersichtlich ist, an welchem die auf sie entfallenden Zwischenscheine umgetauscht werde». Im Interesse der glatten Abwicklung des umfangreichen Umtauschgeschäftes wird dringend ersucht, die mitgeteilten Termine genau einzuhalten. Berlin, den 82. Jnli 1919. Magistrat. gez. Reick*. Eine größere Gemeinde im Snbnflcirgebiel beabsichtigt, einen tüchrigen Arzt anzustellen. Angebote nebst Delzalisansprüchen sind baldigst unter K. L. an das„71 olf&■ blotf In vochum zu richten. Warnung! 3n Scanffnrt n. O. z herrscht 70ohuuugsnot. Für Personen, die von auswart» kommen, sind kein« Wohnungen ver- sügbor. ffi» Ist verboten, ohne vorherige ßu- stinrmung des Mret- etnlgnngsamts Woh- nungen zu mieten oder zu beziehen, guwlber- Handlungen werden hoch vestraft. von annivflefs kann laflg nicht geffatfei v werben. Frankfurt a. 0., den U. Juli 1919. vor MnglflraL �KuptercirAkte I Kabel Litzen für Autlandsbedarf| kault Kabelvertrieb Pialzbur� 4559 Joachim, Friedrich-| straße 34. ZniMI vorlau üsiirefe Mm gleieiiweleiien Standes,! sleißig und äußerst reell,! können sich durch an- 1 genehme Tätigkeit eiuef lesieEinnäliinev.lSOSi.| inonatl.erwerben.Kapltal j picht erlorderl. Bewerb I erbeten nach HannnoTer,| Postschließfach 221. !!!Geld!!! Isir jebe Wertsache. Hdchste An- .tausspretse für Pfandscheine. Brillanten, Dolbgegensläude. Teppiche. Blldier usw. Wolii, Friedricbstr.41 III, Ecke Kochstr. beseitigt Dr�rnbi'sSSllLLSidel jed. Hautaussebb, FiecbL,[ H aulju ck., bes. 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Der Sozialdemokratische Berew Sroß-?rankfurt beabsichtigt, einen weiteren Parteisekretär anzustellen, der in der Hauptsache die Agitation leiten soll, d»c aber auch im inneren Berwaltungs- dienst Bescheid wissen muß. Reflektiert wird nur auf eine erste Kraft, die hervorraa> Fähigteiten in agitatorischer und organisatorischer Hinstchi sitzt und diese nachweisen kann. Mo Anstellung soll möglichst bald und zwar nach den Be- dingungen des Vereins„Arbeiterpresse-' erfolgen. Offerten mit näheren Angaben und Eehaltsansprllchen bttten wir bis 5. August 1919 gn das Parteifekretariat. De- Nossen Ernst Ztehrkorn, Stanffutl a. AI., Allerheiligen- straße 57 i, zu richten. 215 II* SN Moni) des SoMmMkNev Beieins GiGMnlsM. Schaber-Speziaüsteu 1 für das saubere und genaue Einschaben von flachen I | und runden Maschinenteilen nach Musterplatten und i Lehren gesucht Es kommen nur kräftige Leute in Betracht, die sich als Schaber für diese Arbelten eignen und bewährt haben. 467D P. A. Scheu G. tn. b. 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In der Gegenrichtung verkehren die entsprechenden Züge ebcnjallS meist zu ge- änderten Fahrzeiten. Deutsch-Polnische Gefaagenenpost wird eingerichtet. Zuge- lasse» find ofiene gewöhnliche Briese und Postkarten, Wertbriefe bis 500 R. juad gttnähn Nch« Postpakete iii g ailngpuinw. JHa dernnttelt die Austauschstelle deS Deutschen Roten Kreuze? in OekS (Schles.). Weitere Auskunft erteilen die Postanstalten. Eine vorbildlich« gärtnerische Ansicdlung vor den Toren Bcr- linS wird demnächst in Schwante bei Velten(Kreis Osthavelland) entstehen, wo der Berein für Gärtner-Ansiedlung(E. V.), Berlin C. 54, Alte Schönhauser Str. 33/34, im Rentengutsverfahren unter Oberleitung und finanzieller Mitwirkung der Landgesellschaft „Eigene Scholle" Frankfurt a. O. ansiedelt. Kricgtzmelall'Nkttcn gesell schaff. Bei der am Freitag stattgebabtcn Arbeitcrralswahl wurde Genosse Friedrich Meyer- Neukölln mit 262 Stimmen zum Arbciterrat gewählt. Für die Demolratcn wurden 219, für die 11. S. P. 119 Stimmen abgegeben. Zusammcukunft aller Funktionäre der Angestellten und Arbeiter der Ä. eichen. Ob die Strafen gestrichen nnd, ist unerheblich.— ft. Z. L5. Wenden Sie sich an die dafür eingerichtete ülbtestung beim Reichsarbcitsministerium. Luksenstt. 35.— F. L. 100. Das Bezirfskommando Seil n ist sür dre Etlcdigung Ihrer Ansprüche zuständig. Wenden«ie sich beschwerdeiührcnd an das Kriegsministeruim.— M. K. 1. Kommen Sic unter Darlegung Ihrer Verhälluiffe um Niederschlagung der Steuern ein. An sich ist der vom Heeresdienst Entlassene zur Steucrzabüing oerpftichtet und zwar vom ersten desjenigen Monats an, der seiner Entlassung folgt.— LÄ. 4. Ja. — R. G. 2445. 1. Nein. 2. und 3. Ja.- C. Z. 24. 1. Von dem ersten dcsjeniaen MonatS, der Ihrer Entlassung gefolgt ist. 2. Ohne Aus- sorderung müssen Sie selbst zu dem Amtsgericht hingehen und Ihre Ans- tritlscrklärung zu Protokoll wiederholen. 3' Ja, sosern eine ielbständ'ge Erwerbsquelle vorhanden war und ein stcucrvslichtrges Entkommen erreicht wurde.— K. Trntvli». t. Nein.. 2. Beschweren Sic sich beim Kriegs- Ministerium— H. L. 8. An das zuständige Bcstrkslommando.— A. F. 7525. 1. Wenden Sie sich bcichwerdenibrend an das Kriegsminilterium. 2. Beschwerde bei dem Vorsitzenden des Lieferungsoerbandes, in der Regel der Landrat des 5kreises.— mußten#tnen erneuten Antrag bei dem BezirtSkommando einreichen.— B. lU. Ihrer Aufnahme in den Verein.Arbeiterjugend' steht durchaus nichts im Wege. Adresse: Bellcoue- straße 7. Wegen des zweiten Wunichcs oleibt Ihnen das Thema selbst überlassen.— A> 42. 1. Ja. 2. Sie machen sich nicht straffällig, aber eoenluell find Sic schadeneisatzpflichtig.— M. Vi. 4000. Nein. -«Setterausfichtru sür das mittlere Norddcntschtand biS Mittwoch nachmittag- Mäßig warm, veränderlich, vorwiegend woltrg und un Weste« ziemlich jtchlreiche, im Osten mir vereinzette Gewitter.