Nr.4v0.36.Iahrg. Bezugspreis: Vierteljährl. 9,— Ml> monatl. S/~ SSI frei ins&0119, voraus zahlbar. Postbezug! Monatlich 3,— MI. exN. fju- stcllungsgebühr. UulerKreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 630®Jt, für das übngt Ausland 10 2öMk., bei tägltch einmal. Zustellung 8,20 ML Poftbestellungen nehmen an Danemarl, Holland, Luxemburg, Cchroeden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeininzs-Preisliste. Der„Vorwärts" mit der Sonntag»- beilage»Vglk u. gcit"-rscheuu Wochen» täglich zweimal. Sonntag» einmal. Abend-Ansgabe. Telegramm-Adresse: »Sozialdemorrak Berlin- V f Vevlinev VolKsblstt. ( 15 Pfennig� Anzeigenpreis: Di« achtgcfpaltene NonpareiSezeile lostet 1,50 Ml.»Kleine Anzeigen-, da» fettgedruckte Wort 60 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), fcdes weitere Wort 40 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort ist Pfg„ fedes weiter« Wort 39 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Tcuerungsznschlag SS'/o. Familien• Anzeigen, politische und gewerlschastliche Der«nls- Anzeigen 1,50 ML die geile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EW 68, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Deöffnet von S Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdemoltratircben Partei Deutfchlands. ReSaktion und Expedition: SV. 6$, Lindenstc aernivrecher: Amt Morinvlatz, Nr. I.alSV— ISR S? Vonvärts-Verlag G.m.b. tz-, SV. öS, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Morittplati, Nr. 117 53—54. aenrevolution der Entente. Die Ereignisie m Ungcrrn gehen ihren unerbittlichen Gang. Sie nehmen den Verlauf, den sie in einem Lande nehmen müssen, welches, von kapitalistischen Nachbarn um- yeben, unter Nichtachtung der wirtschaftlichen und geschichtlichen Entwicklung seine eigene Politik zu treiben versucht. Das gewaltige Unglück, das über Ungarn hereingebrochen ist, und das in seiner ganzen Schwere naturgemäß von der Unter- fchicht, von den breiten Massen des Volkes ani tiefsten empfunden wird, ist auf die verbrecherische Politik der Räte- diktatoren zurückzuführen. Es war von vornherein vorauszusehen, daß die proletarisch! Diktatur in Ungarn sich auf die Dauer nicht werde halten können, aber die ungarischen Gewalthaber besaßen nicht das notwendige Verantwort- lichkeitsgefühl, um an die Lage ihres unglücklichen Volkes nach ihrem Sturze zu denken. Anstatt sich zu sagen, daß Ungarn die Beute seiner imperialistischen Nachbarn, die nur auf seinen'Fall lauerten, um sich darauf zu stürzen, sein werde, warteten sie sehnsüchtig auf die W e l t r e V o l u t i o n und blickten hoffnungsvoll nach allen Ländern nah und fern hin in der Erwartung, daß ihnen von dort das Licht erstrahlen werde. H erin haben sie sich getäuscht, wie sie sich mit ein wenig Einsicht allein hätten sagen müssen. Die Folge war eine ganz anderer Die Rumänen nahmen den günstigen Augenblick wahr, überschwenimten das schwer- geprüfte und völlig ohnmächtige Land und hausen dort nicht als Befreier von der bolschewistischen Herrschaft, sondern mit der ganzen Brutalität des schonungslosen Siegers. Ob der amerikanische Einfluß eine wesentliche Milderung des rumänischen Machtrausches herbeiführen wird, erscheint mehr als zweifelhaft. Diese Tatsache sollte uns zu denken geben. Sie enthält alle die Paralleldilder, die ohne Entstellung der tatsächlichen Verhältnisse ans Deutschland, falls in ihm jemals die Räterepublik Regieruugssonn würde, übertragen werden tönnten. Zunächst würde eS die Entente auch bei uns mit der Ad- schneidung der Lebensmittel- und Rohstoff- zufuhr versuchen. Wenn aber dieses Mittel, obwohl es bei uns viel wirksamer sein müßte, versagen würde, dann würde sie, wie gegenüber Ungarn in den Rumänen, so uns gegenüber in den Polen und Tschechen willige Henkers- knechte finden. Eine deutsche rote Armee dürfte bei den gün- ftigen strategischen Angriffspositionen der Polen imd Tschechen ftune größere Widerstandskraft zu entwickeln im- stände sein, als die ungarische gegenüber den Rumänen. Man werfe nicht ein: Rußland würde den Polen in den Rücken fallen— es hat auch die Rumänen nicht zurückhalten können, imd die Entente würde auch ohne direkte militärische Hilfe geeignete Mittel und Wege finden, um die Russen von den polnischen Grenzen fernzuhalten. Berlin in den Händen der polnischen Soldateska.— das wäre allerdings ein Grad der Schmach und Erniedrigung, aus dem sich Deutschland schwerlich jemals wieder wurde emporarbeiten können. Doch«och andere Rückschlüsse lassen„sich aus dem hier angeführten Vergleich ziehen. Die Möglichkeit der Weltrevo- lution ist durch die Ereignisse in Ungarn auch für den größten Optimisten und Illusionisten in weite Ferne gerückt. Wohl aber haben wir uns mit der Frage der Gegenrebolu- t i o n zu beschäftigen. Als nichts anderes denn als Gegen- rcvolution kennzeichnet sich nämlich das Vorgehen der Ru- mänen unter der stillschweigenden Billigung der Entente- führer. Denken wir an die mit allen Mitteln der Lüge, des Chauvinismus, der Volksverhetzung und der aufgepeitschten Leidenschaften geführten Feldzug der deutschen nationalistischen Kreise gegen die Friedensunterzeichnung. so enthüllt sich uns jetzt erst die Möglichkeit, die uns im Fall« einer Ablehnung gedroht hätte, in schrecklicher Klarheit. Wie heut« Ungarn, so wäre Deutschland das Aufmarsch- gebiet der feindlichen Heere geworden, und es hätte nicht vermocht, auch nur kurze Zeit den feindlichen Hör- den Widerstand zu leisten. Damit wären aber die Errungen- schaften der Revolution in der größten Gefahr gewesen, von den siegreichen Ententeländern restlos beseitigt zu werden. An der ganzen Art, mit der sie die Friedensverhand- I u n g e n führten, war' ersichtlich, daß ihnen der soziale unddemokratischeGcist.dsr durch das neue Deutsch- laud weht, höchst unerwünscht war. So hätten sie für den Fall eines Einmarsches freudig die Gelegenheit benutzt, uns ihre Wünsche restlos aufzuoktroyieren. Die Budapester Ereignisse des gestrigen Tages bieten dafür den schlagendsten Beweis. Die Vertretung der Entente hat das sozialdemokratische Ministerium zu« Rück- tritt gezwungen und ein Triumvirat, einen Drei- männerrat als oberste Gewalt eingesetzt, der den H a b s b u r- ger Erzherzog Friedrich an der Spitze und daneben auch zwei rumänisch« Generale als neue Machthaber sieht. Ein von diesen abhängiger ehemaliger Sek- tionschef namens Friedrich ist zum Ministerpräsidenten de- fohlen worden. AIS äußeren Grund für das Einschreiten gibt die Entente an, daß die sozialdemokratische Regierung nicht die Gesamtheit der Nation, vertrete. Ihrem Dreimännerrat mit einem Erz- herzog an der Spitze aber wird die ganze Nation, alle Demo- kmten imd Sozialisten eingeschlossen, voll Begeisterung zu- jubelnl Dabei war die sozialdemokratische Regierung auf dem besten und schnellsten Weg«, sich das Vertrauen der Mehrheit der Nation zu erwerben. Sie hatte, kaum zur Macht gekom- men, schon die Wahlen.zur Nationalvers am m- l u n g ausgeschrieben und allen Männern über 21 Jahre das Wahlrecht gegeben. Die Wahlen sollten nach dem Verhältnis- Wahlsystem stattfinden; die Wahl sollte gleich, geheim und direkt sein. Aber die Entente hat den Termin nicht abgewartet. Ihr lag nichts daran, den Willen des ungarischen Volkes zu ergrün- den, sondern ihr lag einzig und allein daran, die Sozial- demokrotie, die organisierten Arbeiter, die Gewerkschaften aus ihrer Position zu werfen, sie zu verhindern, dem Lande Ruhe, Ordnung, Demokratie und Sozialismus zu brmgen. Die Entente stützte sich dabei auf die rumänischen Bajonette und verschmäht nicht, einem Habsburger die Hand zu reichen und ihm die erste Stufe zur W i e d e r e i n- führung der Monarchie zu zimmern. Die glatte Gegenrevolution der westlichen Demokratien mit Hilfe der brutalen Gewalt I Derselben kapitalistischen Demokratien, die nicht müde geworden sind, das Vorgehen der deutschen Imperialisten im Osten, in Kurland und Polen. zu verdammen und dagegen das demokratische Recht auf Selbstbestimmung der Völker anzurufen. In Ungarn küm- mern sie sich wie anderswo nicht um dieses demokratische Recht; dort fallen sie den Sozialdemokraten in den Arm, die dieses Recht verwirklichen wollten. An dem ganzen Unheil trägt die ungarische Räte- republik die alleinige Schuld. Mit der Aufrich- tung der Diktatur hat sie die Gewalt gerufen. Durch die Gewalt ist sie gestürzt worden. Die Gewalt geht weiter ihren Weg. Die Sozialdemokratie ist verhindert worden, Recht imd Gesetz, Ordnung und Vernunft herzustellen, als dies noch möglich war. Nachdem die Räterepublik das ganze Land in einen einzigen Trümmerhaufen verwandelt hatte, war es ihr nicht mebr möglich, das Vernichtete» wenigen Tagen wieder aufzubauen. Da griff die gegenrevolutionäre Entente zu. XSie schiebt die Sozialdemokratie mit militärischer Macht beiseite und regiert allein im Lande. Im Bunde mit einem Sproß der Habsburger l Die ungarischen Ereignisse zeigen, wie richtig die deutsche Sozialdemokratie handelt, wenn sie all ihre Krast� daransetzt, unser Land vor den Wirren der Dik- tatur und des Nätesystems nach kommunistischer Auffassung zu bewahren. Das Ende würde dasselbe sein, wie es jetzt in Ungarn eingetreten ist. Denn die kapitalistischen Regierungen der Entente lauern nur darauf, die organisierte Arbeiterschaft überall aus der Machtposition zu werfen, die sie sich durch die Revolution er- kämpft hat. Um dieses große kapitalistische Ziel zu erreichen, verbinden sich in Ungarn die Führer der westlichen Demokratien selb, mit dem Sproß einer eben erst davongejagtem bisher feindlichen Dynastie. Und das würden sie überall tun, wo ihnen durch kommunistische oder unabhängige Unterminierung die Gelegen- heit dazu geboten wäre. Die deutschen Arbeiter mögen daraus lernen. Der englische poliziftenftreik. Die streikenden Polizisten in Liverpool suchen auf jede Weise einen allgemeinen Streik herbeiznführen. Die Gemeindearbeiter haben der„Times" zufolge gestern ihre Zustimmung zum Streik der Straßenbabnange- st e l l t e n ausgesprochen und beschlossen, nach 24 Stunden die Arbeit niederzulegen, wenn die Forderungen des Straßen- babnpersonals und der anderen Gemeindearbeiter nicht be- willigt werden. Infolge dieses Beschlusses wird heute allen Gemeindrbediensteten. u. a. auch den E l e ktri z i t ä ts-' äugest eilten, gekündigt werden. Rückkehr deutscher Kriegsgefangenen. Im Laufe dieser Woche sind aus dem Uebergangsbahn- hof Deutz über 80V deutsche Kriegsgefangene eingetroffen, und zwar in englischen Lazarettzügen aus englischen Ge- fangenenlager« in Nordfrankreich: insgesamt 768 Mann- schaff en, darunter 76 aus dem besetzten Gebiet. ?m„freien, gleichen" Polen. Die seit mehreren Monaten mit aller Strenge durchgeführte Grenzsperre seiiens der polnischen Behörden hat es bisher vcr- hindert, zuverlässige Rachrichten über das Scksicksal unserer in polntschc Grenzen hineingezwungrnen Genossen hinanSgelangcn zu lassen. Jetzt endlich ist es einem Parteimitglied gelungen, einen ausführlichen Bericht über dep Stand nnserer Bewegung nach Bromberg zu bring:», von wo aus er dem„BorlvärtS" zur Bcr- fllgnng gestellt wird. „Böse Tage," schreibt der Geu»ffe,„liegen hinter nnS und bösere noch sind vielleicht in nächster Zukunft für unsere Bewegung in Posen yu erwarten. Die schwärzesten Zeiten der preußische« Reaktion waren immer noch erträglicher, als der seit nun sieben Monaten anhaltende Druck der neuen pslnischcn Diktatoren, die sich, der Kuckuck weiß es, mit welcher Berechtigung,„Demokraten" nennen. Seit dem 27. Dezember v. I., jenem denkwürdigen NnistnrgsnS' nn dem der jetzige Ministerpräfident PadercwSki vor dem Posener Bazargcbände dem polnischen Volke ein„freies, gleiche?" Polen ver- s p r a ch, in dem der arbeitenden Masse als der Trägerin des neuen Staats der Hauptantcil an der politischen Gewalt feierlich zugesichert wurde— feit diesem Tage begann eine brispiestosc Acra der poli- tischen und wirtschaftlichen Entrechtung der deutschen wie polnischen Arbeiterschaft. Die erste Massnahme war die sofortige AnflSfnng des Arbeiterrats, der zur Hälfte aus Mitgliedern der S. P. D. bestand, deren Einsluß als einer angeblich deutschen»nd„chanvi- nistischen Partei" ausgeschaltet werden mußte.„Das polnische Volk", schrieb damals der mit Haut und Haaren den K o r f a n t h und Adamski verkaufte„Knrjer Poznanski", ist politisch so reif und durch- gebildet, dafi es dieser deutsch-jiidischrnErfindung.dem Sozialismus, niemals Existenzberechtigung in dem neuen Polen einräumen wird. Darum, polnische Arbeiter, heraus aus der S. P. D., heraus namentlich ans den freie» Gewerkschaften." Dieser Appell blieb nicht nnbefolgt, wobei da? von dem früheren deutschen RrichStagSabgeordneten Rowicki geführte Lager des„Raro- dowe Stronnictwo Nobotnikow"(Rationale Arbeiter-Partei) Hand- langerdienste leistete und ein« starke Abwanderung aus den Gewcrk- schaften nach de« gelben Berufsorganisationen veranlasste. Trotz- dein konnten wir noch mft zirka 1000 Mitgliedern den Wahlkampf bei den Stadtverordnrtenwahlcn aufnehmen, deren Resultat ein Mandat(von 00 Sitzen) nnsrreS Genossen MatuSzrwski, des GewerkschaftSsekretärs des Holzarb.'iter- Verbandes, war. Dieses bescheidene Ergebnis war aus die verfehlte Politik der bürgerlichen Elemente PosenS zurückzuführen, die'-'ine nationale Blockliste aufgestellt hatten, die ihnen zwar 17 Sitze ein- brachte, deren Inhaber aber, deS Polnischen unkilndig, in dem nur polnisch verhandelnden Stadtparlamettt zur Bedeutungslosigkeit vcr- urteilt sind. Natürlich stimmt:« sie als brave Kapitalisten— die Sorte ist doch überall die gleiche— in wirtschaftlichen Fragen stets mit der polnischen Rechten. Eine weitere Ursache unseres Wahlmisserfolgs war auch die Stellung der P. P. S., der Polnischen Sozialistischen Partes. Getreu ihrem Programm, daS extrem nationalistisch ist, wollt?» die polnischen Genossen keine gemünsame Kampffront mit uns bilden. Sie stellten ebenfalls ein« eigene Liste auf, die bei den damals schwachen Kräften der P. P. D. und ihrer mangelhaften Organisation überhaupt keinen Erfolg hatte. Wohl»mter dem ver- ärgernden Einstnss dies:? FiaSk»? lehnte» sie ti anch«b, die M a i- frier mft«nS gemeinsam zu begehen. Ungeachtet dessen verlief die von«nS im Schützengarten in Solotsch trotz aller behördlichen Schikanen— Nmzng war verboten— veranstaltete Feier überaus würdig«nd erhebend. War eZ doch da? einzige Fest, was die Deut- scheck der Stadt Posen seit langem wieder vereinigte. Tansendc hatten sich cingefund.-n, darunter viele Bürgerliche, die an dem vom Ge- nossen Flauter mit Gescknck.zusammengestelltcn Programm: Konzert, künstlerische Vorträge erster Stadttheater-Krnfte, Tambola, Tops- schlagen und Zirkusvorstellung für die Kleinen, ihre Frenie hatten. Mit Recht wies Genosse Gancke in seiner Festrede auf die hohe Be- deutung dieser internationalen Feier der Solidarität und der Völker- Verbrüderung gerade auf unserem von nationalen Leidenschaften durchtobtcn Posener Boden hin. Haft:» Partei und Gewerkschaft bis jetzt trotz aller polizeilichen Ueberwachungcn, Hausdurchsuchungen, der Briefzeusnr und aller anderen Segnungen des Belagerungszustandes zur Rot ihr Dasei» fristen können, so wurde es wie mit einem Schlage anders, als die Wahlen zu« polnischen Reichstag, der in Warschau tagt, ausgeschrieben wurden. Den Bemühungen der Genossen Krahn, Gancke und Poraukiewicz von der P. P. S. war es inzwischen gelungen, wenn auch keine Verschmelzung, die wir au? taktischen Gründen für verfehlt hielten, s» doch ein Kompromiß zustande zu bringen. Danach beschloß die S. P. D. entgegen der Parole Wahlenthaltung de? Deutschen BolkSratS, die wohl durch staatsrechtliche Erwägung und durch Bedeuten materieller Natur bkktlert Wttrbc, geschlossen für bfe Liste der!ß7 P. S. ein- zutrete«. Diese Liste, an deren Spitze der erste polnische Minister- Präsident Gen. MoraczewSN stand, trug dicht dahinter auch die Namen einiger unserer Genossen, wie Mntuszcws!i, Gancke, Eitner n. a. Wir deutschen Sozialdemokrnte« hielten es für unsere sozialistische Pflicht, unsere im harten Kampf gegen die polnische klerikal-chauvinistische Reaktion stehenden polnischen Genossen z» unterstützen, und begänne» mit einer ener- gischen und planmähige« Agitation, namentlich unter d.'n bürger- lichen deutsche« Elementen. Durch ZeiwngSinserote, Flugblätter, Versammlungen in der ganzen Provinz sollte dem Deutschtum klar gemacht werde«, daß schon politische Klugheit und Einsicht jeden Deutschen zwingen mußten» Sozialisten zu wählen, damit die klerikal- chauvinistische Mehrheit im poluischen Landtag durch Zuzug vom Sozialdemokraten geschwächt werden konnte. Aber mit beispiellosem, in Kulturländern ungewchntem Ter» evr wurde unsere Agitation von den Posener Machthaber« unterdrückt. Unter Führung von Geistlichen und polnischen Schlachtasprosse« wurden bezahlte Banden mobil gemacht, die jede Bersammtun«, bentsche wie polnisch», sprengten,- Vorsitzende, Redner und Teilnehmer in bestialischer Weise mißhandelten und lebensgefährlich verwundeten. Den Auftakt dazu gab die Anwesenheit dcS Vizepräsidenten des polnischen Landtages in Warschau, Genossen MoraczewSki, gegen den von der im Solde de» Raezelna Roda stehende« polnischen Presse ein unbeschreibliches Kesseltreiben inszeniert wurde. Der„Kurjer Poznanski",„Postep",„Oredornik" forderten ihre«rtcilslosen, fanatisierten Horde« offen dazu auf, den sozialistischen Red- ner ,« lynchen, waS zweifellos geschehe« wäre, wenn nicht die deutsche« und poknische« Genosse« einen Wall«m ihn gebildet hätten, alS e» im Saal der„Villa Flora" in Posen vor Ist- biS 12 Taufend ZuhSrern zn sprechen versuchte. Nur mit Mühe konnten MoraczewSki und die Führer unserer Partei durch Polizcifunktio- näre, die Parteigenossen sind, vor der Wut dieser polnischen Kultur. träger geschützt werden. De« Gipfel des Zynismus erklomm wohl der Polizeipräsident von Pose«, Rzrpccki, der nach Abzug unserer Genosse« eine begeisterte Wahlrede für seine Partei hielt. Schlimmer erging e» unS einige Tage darauf, wo eine ver- smnmlnng der P. P. S. in Glowno bei Posen mit Hilfe von Gen- darmm gesprengt, die Genossen Porankiewicz, PrzybylSki, Mikolaj- czak, PwardowSki, dir Genossinnen GulinSka, PwardowSka geschlagen, getreten un-d so elend zugerichtet wnrden, daß sie wochenlang ans Bett gefesselt waren. Am gleichen Abend wurde unsere von ca. LOG) Personen besuchte Versammlung, kaum daß d«r Borsttzende Genosse Gancke sie erSffnet, wiederum mit Gewalt, mit Stuhlbeinen und Knüppeln auSein- andergejagt, alle» unter den Augen der Polizei, die tatenlos zusah, dafür aber den Genosse» Gancke, als er in etwas drastischen Worten auf diese merkwürdige Objektivität hinwies, kurzerhand verhaftete und unter wüsten Beschimpfungen und Mißhandlungen nach dem Polizeipräsidium abführte. Schwer verletzt wurde derselbe Genosse auch in Echwersenz, wo nach einer gesprengten Bersamm- lung durch dieselbe Horde Drutschenpogrome inszeniert wnrden, die erst mit Hilfe von auS Posen telephonisch beorderten Truppen eingedämmt werden konnten. In Wreschen, in Ostrowo baS gleiche Schauspiel, nur in Gnese« hatten wir einmal Gelegenheit, den nationalen Radaulümmrl« die Prügel heimzuzahlen, da die ganze Garnison geschlossen für die sozialistische Liste eintrat und alle unsere Versammlungen mit Waffengewalt beschützte. Um un« jede Propaganda«nd Agitation«nmSglich zu machen, «urde von der Raezelna Rada alle» ZeitungSpapierXbe- schlag« ahmt. Da wir jedoch aus buntem Papier«riterdrucken ließen, ließ der schon genannte Polizeipräsident auS dem Partei- bureau heraus alle Flugbläatter beschlagnahmen, so daß wir 2 Tage vor der Wahl jede AgitationStätigkeit einstellen mußte«. Um aber auch dir Deutschen von der Ausübung des Wahl- recht», das ohnehin schon nnr den in der Provinz Pose« gebore- «rn Deutschen zustand, abzuschrecken, wurden in der Presse den- Spartakusplatat. Der Spartakusbund � läßt Plakate ankleben. Auf ihnen ein junger Arbeiter, der ein riesiges zweihändiges Schwert gegen einen lrteOöpfigen Drachen schwingt. Für Denkfaule hat jeder Kopf ein« Bezeichnung bekommen wie: Neuer MÄituviSmnA, Agrariertmn, BureaukranSmuS usw. Wir danken Spartakus für dieses Plakat: treffender konnte kein Fremder ferne Ziele zeichnen. Ja, da» ist Spartakus, ein Wünsch, der auf den Staat nvit «itnem Schwert«inHaut, der die Köpf« des Staates albschlagen jpill— Und dann? Ja— und dann storHirtet der Staat und Spartakus ist sslor- reicher Sieger. Niemand kann es leugnen, er hat alles Schürfe und Schlechte mit scharfem Schwert getötet. Zwar verblutete der wwndgeschlagen« Staatskörper, aber alles Faul« war aud� getötet. Ein radikale« Wittel, besser noch al» fcrS biblische:„Aergert {Bich Dein rechtes Auge, so reih eZ auS und wirf es von Dir." Lassen wir Spartakus den Ruhm, alles Schlechte töten zu wollen! Unserer sei ein anderer! Unser Wolle« sei, neu« Säfte dem GefellschaftSorgamSmus zuzuführen, die die alten verdrängen, unschädlich machen, van innen heraus den Körper gesunden, nicht in seinen feinsten Keimen zu Tod verwunden. Neue Saat in die bestehende Srd« zu senken, das sei unsere Arbeit!» Unser Bild fet ein Eäemann, der rüstig ausschreitet und Samenkörner in frischgepflügte Erde senkt, säend, um ernten zu können— den Schlächter, den Henker, daS zerstörende, verwüstende Schwert behalte Spartakus als Sinnbild— wir aber wollen den Pflug! «n» Usung der Mvholfrage. Eine der wenig«« segensreiche» Erscheinungen de? Kriege« war der außerordentlich starke Rückgang des AlloholismuS. Dr. W. SchweiSheimer weist in der Münchener.Medizinischen Wochenschrift" darauf hin, daß die Zahl der wegen AlkoholiSmuS in den deuischen Anstalten für«eistcSlranke aufgenommenen Kranken von 3148 männlichen und»82 weiblichen Insassen am 1. Januar l0l4 aus 1896 männliche und 295 weibliche am 18. Dezember 1918 iank. Die Zabl der neu aufgenommenen Alkoholisten betrug 1914 noch 0380 männliche und B41 weibliche, 1918 dagegen nnr 1986 männliche und 260 weibliche Personen. An» alle bisher veröffentlichten Angaben der pshchia- irischen UniverfitSlSHiniten verzeichnen übereinstimmend einen Rück- gang der alkoholischen Erkrankungen während des Krieges, nament» kich m den letzten 2— L Kriegsjabren. Gezwungen zu dieser tat- sächlichen Eiuschränkung de» Alkoholverbrauche» hat bisher allem die Rot, und zwar war dt« wichtigste Ursache die Emschränkung der senkge« Repressaften angedroht, die trotzdem für dt« sozialistische Liste stimmen sollten. Damals schon kannte« viele die Annehm- lichkeiten des Jnternirrungslagers Szczypiorno, so daß natürlich die meisten Deutschen Wahlcnthaltung vorzogen. ES bedurfte aber trotz- dem unglaublicher Wahlfälschungen, um unsere Stimme nanzahl in dem amtlichen Resultat auf ca. 11 606 herab- zudrücken, wonach wir nicht einen einzigen unserer Kandidaten durchdrücken konnten. Taufende von Protesten gegen diese an Zu- stände auf dem Balkan erinnernden Wahlfälschungen haben wir gesammelt und der Warschauer Regierung zur Verfügung gestellt. Heute hat auch, das polnische Volk längst eingesehen, wozu man seinen nationalen Taumel mißbraucht hat. Namentlich Ine schmäh- liche Rolle, die der Führer der Nationalen Arbeiterpartei, Abßeord- neter Novicki, i« diesem Kuhhandel gespielt hat, treibt die Masse» mit Macht der P. P. S. z«. Wie jetzt bekannt geworden ist, hat man ihm für den Verrat der polnischen Arbeiterschaft den 2. Bürger- meistcrposten in Posen zugedacht, aber noch hat er eS nicht gewagt, ebensowenig wie die Korfanty und AdamSki, in Posen zu erscheinen. „Wichtige Arbeiten," heißt rS,„halten sie noch in Warschau zurück." Inzwischen pfeifen die Vertreter des reaktionären Regimes auf dem letzte« Loch und versuchen, durch Berhaftnogen und Intet- nierungen unserer Führer wie der Führer der P. P. S. der täglich zunehmenden Gärung unter den Massen Einhalt zu tun. Vergeblich. Auch die letzte Stütze aller Reaktionäre, das M i l i- tär, beginnt zu wanken. Immer mehr wird'S zur Gewiß- heit, daß auch in dem neuen Polen die Erkenntnis dämmert: Unser ist die Zukunft! der engllsthe Zrieüensfühler. . Der kurze Bericht, den wir gestern über die Beantwortung einer Anfrage im Londoner Unterhaus über die Weimarer Enthüllungen betreffs des Friedens- angebots gegeben hatten, liegt heute im Wortlaut vor. Ob- wohl die Darstellung nichts Neues enthält, sei sie ihrer Wich- tigkeit halber nochmals ausführlich mitgeteilt. Der Major Kennworth fragt den Minister des Aeußern an, ob die Aufmerksamkeit auf Ki« in der Nationalversammlung in Weimar durch Erzberger und in Paris durch P a i n l e v 4 abgegebene� Erklärungen betreffend das Friedensangebot, welches Deutschland durch die Alliierten im August 1317 gemacht worden sein soll, gelenkt worden ist, ferner ckb im August und Sep- tember 1917 zwischen dem britischen Gesandten beim Vatikan und dem deutschen Reichskanzler durch Vermittlung des Heiligen StghleS Noten ausgetauscht wurden, ob diese Initiative von der britischen oder von der deutschen Regierung ergriffen wurde, und wann die Dokumente, welche auf diese � Debatte Bezug haben, veröffentlicht werden. Der englische Unter st aatssekretär erwiderte: Am 91. August 1817 erhielt der britische Gesandte beim Vatikan In- ftruk tarnen dahingehend, den Kardinalstaatssekretär dahin zu unter- richten, daß die britische Negierung nicht sagen könne. welche Antwort im gegebenen Falle aus die FriedenSvor- schlüge des Papstes erteilt würden, denn sie hätte ihr« Alli- ierten noch nicht befragen können, und daß es für alle Fälle unnütz erscheine, die Herbeiführung eine» Abkommens zw-ifchen den krieg- führenden Mochten zu suchen, bevor die Zentralmächte einige Angaben über die Zi-ele, zu deren Erreichung sie den Krieg fortsetzten, gegeben hätten. In seiner Antwort schränkte GaSparri das Aktionsfeld ein und teilte mit, daß die deutsch« Regierung ihre Absicht kundgeben ließ, die Unabhängigkeit Belgiens wieder her zu- stellen, indem sie sich auf die Resoluteon de» Reichs- tags zugunsten eineS annexionslosen Friedens stützte. Der Ver- treter Englands meinte, dah die britische Regierung keinen authen- tischen Text dieses Dokument» besitze, welches übrigen» nicht ge» nüge. Denn der Reichstag habe keine Vollmacht, über diesen Punkt zu entscheiden. Am 24. August teilte der Kardinal mit, dah folgende» Tele- gramm als Antwort aus das britische Telegramm abgesandt würde: .Der Kardinalstaatssekretär behält sich vor, auf das Telegramm zu antworten, nachdem er von Deutschland eine formelle Erklärung über Belgien erhalten hat." Kardinal G a s p a r r i fragte den englischen Vertreter um seine Meinung über diese Antwort. Dieser Biererzeugung. Einmal ist nickt genügend Bier vorhanden, um eS in beliebigen Mengen zu genictzen: vor allem aber beträgt der Gehalt des Kriegsbieres weniger als 1 Proz., ist alio prakliich al« alkoholfrei zu bezeicknen. Da es technisck nickt möglick ist, ein derartig alkoholsckwackeS Bier herzustellen, lo wird das Kriegsbier zu- nächst in derselben Stärke wie das FriedcnSbier gebraut und dann durch teichlichen Wafierzusatz auf seinen AuSickankgchalt verdünn». .Uebrig bleibt ein auch in der veränderten Gestalt bei entiprecken- der Vorbehandlung und Pflege oft angenehm sckmeckendcs dürft- stillendes Ginränk, dessen Nährwert ebenso chte sein Al- koholgehalt gleich Null ist." Da mit dem allinählicken Eintreten geregelter verhSlmisse auch die Ursachen fortsallen müssen, die zur Abnahme deS Alloholrimus geführt haben, io ist zu«rtvarten, dah ohne Gegenmaßnahmen die früheren schweren Schädigungen der Volksgesundheit wieder auf- treten. Für den geringeren Verbrauch der Weine und Schnäpse Ivird schon die Teuerung dieser alkoholiscken Luxusgctränie sorgen. DaS hauptsächlickste und weilberbteileiste alkoholische Ge- tränk ist aber in den meisten Teilen Deulicklands da» Bier, und dieser Jahrhunderte alten Gewohnheit deS Biergenusses muß man entgegenkommen, will man Erfolg sehen..Wenn man sich von einem völligen Bierverbot bei der Bekämpfung deS AlkobolismuS niemals etwas erwarten darf, so scheint eS doch möglich, auf dem Wege der Beibehaltung deS KriegSbiereS auch im Frieden, dem Aliobolmißbrauch erfolgreick entgegenzuirelen. Diese Bierart, deren Einbürgerung sich nach anfänglichem Wider- streben überall al» durchführbar erwiesen bat, wäre dann al«»Bier" schlechthin zu bezeichnen. ES dürften Jahre vergehen, bi» die Herstellung des ehemaligen, drei' und mehr Prozent enihaltenden FriedensbiereS wieder möglich sein wird, ohne die Volksernährung zu gefährden. Bis dabin ist die Gewöhnung an da» ehemalige Friedensbier, der scklimmste Feind jeglicher Aenderung, noch weiter geschwunden, als eS bereits jetzt der Fall ist, und die Forderung nach seiner Wiedereinführung ver- stummt oder schwach geworden." DaS dünne, alkoholentbehrende nährstoffarme Bier muß aber freilich dann viel billiger werden, damit es den Verbrauchern möglich ist, sich anderweitig die Nährwerte zu beschaffen, die sie früher im Bier der Lorlriegszeit zu sich genommen haben. Die Cröbebentataftrophe auf Java. In Holland find jetzt nähere Nachrichten über daS furchtbare Erdbeben eingetroffen, da» am 19. Mai auf Java stattfand und das zwischen 40000 und 50 000 Menschen da» Leben gekostet hat. Die meisten der Umgekommenen wurden buchstählich in den Strömen heißen Waffers gekocht, die aus dem Krater nieder- stürzten. Ein Augenzeuge berichtet hierüber: Die Katastrophe kam vollkommen unerwartet, und eS war auch keiner der bekannten großen Vulkane auf Ostjava, der in Tätigkeit war. ES war der K l o e t, ein Berg von 1738 Meter Höhe, der 1252 Meter über seinem Fuß einen Kratersee trägt. Der See maß ungefähr 1000 Meter im Durchmesser und enthielt etwa 40 Millionen Kubik- Ureter Wasser. Eine Piertelssunde nach de« Beginn de» vuUani- letztere antwortete, daß eine Erklärung Wer Belgien wünschenS- wert erscheine, denn die Frage sei wichtig, insbesondere für Groß- britannien. Als die britische Regierung den Bericht über diese Unterband- lungen erhalten hatte, fügt« sie bei, daß es unzweckmäckig sei. sich in fragmentarische Diskussionen dieser Frage hinein- ziehen zu lassen, und daß die Zentralmächte, wenn sie zu Verhandlungen bereit seien, ihre Friedensbedingungen rm einzelnen bekanntgeben sollten. Der englische Vertreter erhiel: infolgedessen Instruktionen, rn welchen er aufgefordert wurde, in keiner Weise in die Verhandlungen des Vatikans und Deutschlands einzugreifen und sich, wenn man ihn von neuem um die Bekanntgabe seiner Ansicht fragen würde, zu weigern, sie bekanntzugeben. Dabei blieb eS. Denn die deutsche Regierung gab keine Erklärung über Belgien ab. Es ist deshalb klar, daß die bri- tische Regierung zu dieser Zeit Deutschland kein Friedensangebot machte, doch war sie natürlich bereit, im Einvernehmen mit den Al.iierten jeden aufrichtigen Vorschlag zur Herbeiführung des Friedens zu prüfen, den sie von der deutschen Regierung hätte empfangen können. Diese Darstellung bestätigt die Meldung vom gestrigen Tage und den Kommentar, den wir an sie geknüpft hatten, in vollem Umfange. Wir freuen uns feststellen zu können, daß die alldeutsche Presse genau in der von uns prophezeiten' Weise auf die Meldung reagiert-hat. Unsere Voraussage, sie würde ein lebhaftes Triumphgeschrei anstimmen, ist der „Deutschen Tageszeitung" offenbar sehr peinlich, denn sie be« müht sich, ihren freudigen Ton ein wenig herabzusftmmen und verfällt dafür in ihren gewohnten Fehler: sie schimpft und beschuldigt. Was sie uns vorwirst, ist natürlich Frre- führung des deutschen Volkes und Unwahrheit der in Wei- mar gemachten Enthüllungen. Für den, der sehen will, wie die Dinge liegen, ist die Sache trotzdem sonnenklar. Einer siegreichen i in p e r i a- l i st i s ch e n Regierung wie der englischen ist es natür- lich peinlich zuzugestehen, daß sie sich einmal in einer Lage befand, in der auch für sie der Frieden das Beste war. Des- halb sucht sie krampfhaft abzuschwächen. Trotz der Zustim- mung, die sie in der alldeutschen Presse findet, müsien wir feststellen, daß ihr das nicht gelingt. Sie bestätigt lediglich die Tatsache, daß die belgische Frage und ihre be- fricdigende Beantwortung für sie die Vorfrage zu weiteren Friedensschritten war. Sie bestätigt die von uns in der gebührenden Weise gegeißelte Tatsache, daß die deutsche Re- gierung, der damalige Reichskanzler Michaelis an der Spitze, den Reichstag, die Sicbener-Kommission, den Haupt- ausschuß und das ganze deutsche Volk in der schamlosest.:» Weise belogen und betrogen hat, indem sie sich offiziell aus den Boden der Friedensresolution stellte, insgeheim aber in edler Uebereinstimmung mit der Militär- k a m a r i l I a Politik auf eigene Faust,„wie sie sie auf- faßte", trieb. Diese Tatsachen sind nun einmal nicht aus de? Welt zu schaffen, so peinlich sie auch der nationalistischen Presse sein mögen. Wir werden sie wieder und wieder wahrheitsgemäß dem Volke verkünden und freuen uns der .von der„Deutschen Tageszeitung" bestätigten Tatsache, daß die Presse der Linken von den breitenMassen des Volkes ge- lesen wird, wonach der Rückschluß auf den Umfang des all» deutschen Leserkreises nicht zu schwer sein dürfte. Eine Einladung an öelgien. „Soir" keilt mit, daß da» Ministerium des Auswärtigen heute «in Telegramm von Foch erhaltru hat, worin Belgien eingeladen wird, das Gebiet von M a l m r d y, das durch de« Friedcnsvcrlrag dem belgischen Gebiet angefügt wurde, militärisch zn besetz-en und in Verwaltung z« nehmen. Rückkehr nach Wien. Nach Ueiberreichung der Note ist heute abend Staatskanzler Renner mit dem größten Teil der Delegation nach Wien zurückgereist. Ankunft bentscher Zivilpersonen. Gestern such mit dem Dampfer Luttevtvorth 198 deutsche Zivilpersonen aus England in Rotterdom eingetroffen. scheu Ausbruchs wurde die Stadt Blitar, die unter dem Krater liegt, von kochendem Wasser überschwemmt, daß alles fortriß. was eS auf seinem Wege traf. Der Wasserstrom, der auch riesige Massen von Sand mit sich führte, war mehrere Kilometer breit, EtwaS ähnliches hat man nie vorher auf Java gesehen. Häuser, Bäume, Eisenbahnzüg«, alle? wurde von dieser kochenden Sünd- flut fortgerissen, und eS spielte« sich herzzerreißende �Szenen ab. An einer Stelle sah man, wie eine Mutter, wahnsinnig vor Schreck, mit ihrem llemen Kind auf dem Arm zum. Fenster hinaus- sprang und im nächsten Augenblick in dem kochenden Wasser um- kam. An anderen Orten suchte die Bevölkerung Rettung aus den HauSdächern; aber die Häuser stürzten unter ihnen zusammen, und sie starben unter gräßlichen Oualen eines fürchrerlichen Todes. Ganze Stadtviertel wurden rasiert. Ein Eisenbahnzug. der die Leute aus der Stadt bringen wollte, wurde aus dem Schienen gehoben, und man mußte ihn später aus einem Sand- Hügel herausgraben. Erst hinter dem Bahnhof kamen die Wasser- Massen zum Stehen. Fünf Tage nach der Katastrophe wagte sich ein Geologe auf den Krater hinauf. Nicht ein Tropfen war mehr von dem früheren See übrig. 40 Millionen Kubikmeter Wasser hatten sich über Blitar ergossen. Die. Natur scheint bei Vulkanausbrüchen grausam erfinderisch in der Wahl ihrer Mittel zu sein: Die Bewohner von Pompeji und Herculanum wurden unter Aschenbergcn begraben; der AuS- brach deS Krakatau im Sunda-Archipel richtete durch eine unge- heuere Flutwelle, die mittlerweile ins Land drang und alles Leben vernichtete, Verheerungen an; beim Ausbruch des Moni Pelee auf Marinique erstickten die Bewohner der Stadt in einer Wolke glühenden Gases und bei dieser letzten Katastrophe auf Java kamen die Menschen in kochendem Waffer um. Notizen. — DaS Jenens er Phhletische Museum, das den Forschungen der Entwicklungslehre dient, ist hervorgegangen aus einer Idee Ernst Haeckel». Man weiß das nicht anders und nahm bisher an, daß des greisen Gelehrten letzte Dchaffenssreuoe dieser Anstalt diene. Jetzt stellt sich heraus, daß HaeckÄS Nachfolger aus dem Lehrstuhl für Zoologie in Jena, Professor' Dr. Plate, dem Meister die Mitarbeiterschaft an der Ausgestaltung deZ Museums unmöglich gemacht hat. Wie Prof. H. Schmidt feststellt, hat Plate bald nach der U Übernahme der ihm von Haeckel selbst übertragenen Direitlon rund heraus erklärt:.Ich bin hier Direk- tor und Sie haben hier nicht» zu sagen, Sie haben sich allen meinen Anordnungen unbedingt zu fügen!" Plate« Verfahren, das ein« Versündigung ist, hat Haeckel. wie Schmidt sagt, zehn Jahre seines ehrwürdigen Alters verbittert. Die Sache kommt jetzt an den Tag, weit Plate in Aeußerungen über die Entstehung des Museums das Berdienst Haeckel Z cm dies« Schöpfung in sehr übler Form zu schinälern versucht hat. Schmidt stellt nun öffentlich fest, daß Plate.gewiß das lobenswerte Verdienst habe,-in gegebenes Programm gut ausgeführt zu haben". Da» Programm aber ist hervorgegangen au» der Lebens- arbeit Haeckel«, Da» hätte in Jena am allerwenigste» von dem Nachfolger HaeckelH gering geschätzt werde» dürfen. Zkl» Luzern wird gemeldet: Die heute angenommenen provisorischen Statuten berücksichtigen folgende Gesichtspunkte und Ziele: 1. Politische und wirtschaftliche Organisation der Arbeiter- Nasse zur Eroberung der politische« Macht und Sozia- lisierung der Produktion nud der AuStaufchmdttel durch Ersetzung des kapitalistischen Systems durch die sozialistische und kommunistische Gesellschaft. 2. Internationale Einheit und Aktion für die Organisation de? wahren BSlkerbuudeS, Kampf gegen ChauviniS- m u s und Imperialismus, allgemeine Abschaf- fuug de? Militarismus und der Rüstungen. 3. Bereinigung der Jnteresieu aller unterdrückten B ö l k e r.. 4, Zusammenfassung der politischen Kräfte der Genossen- s ch a s t e« und Gewerkschafte«, die weiter als a« t o- n o m e Körperschaften betrachtet werden, um gemeinsam im inter- nationalistischen und revolutiouären Geist zur Erhaltung d«S Weltfriedens vorzugehen. Dazu meldet unser Luzerner Vertreter, daß die Heber- mittlungsverhältnisse die Mitteilung der programmati- schen Einleitung obiger Gsichtspuntte im Wortlaut nicht gestatten. Er stellt nur fest, daß stch diese Erklärungen ist den Bahnen und Ausdrucksformen der Sozialdemo» k r a t i e vor dem Kriege und vor der Parteispaltunz bewegen. Wir tragen den Wortlaut nach, sobald er in unsere Hände gelangt. Heute geben wir die Fortsetzung deS eigenen laufenden Berichts: Bliesen führte weiter aus: Solange die Axbeiterrate Kampsorganisationen sind, sind sie politisch und daher auch in d-e politischen Organisationen einzureihen; wenn sie aber durch die Gesetzgebun g«o rganisiert sind, dann kann es auch nicht- sozialistisch« Räte geben und diese gehören natürlich nicht in die Internationale. Es ist Sache der nationalen Sektionen, über ein« Vertretung der Arbeiterräte in der Internationale zu ent- scheiden. Vliegen bemerkte weiter, daß nicht pine neue Internationale gegründet werde, sondern die alte wiederhergestellt werden soll. Der Name des Internationalen Bureaus wird geändert in„Internationaler Rat". Was die Kraft der Kvngrehbeschlüsse cm- langt, so kann jede angegliederte Sektion dem Exekutivkomitee jeden V e r st o ß gegen die Grundsätze melden, worauf das Exekutivkomitee«ine Untersuchung anstellt und dem Internationalen Kongreß das Ergebnis vorlegt. Die Einberufung eines Inter- nationalen Kongresses muh auch dann erfolgen, wenn Sektionen, die zusammen«in Drittel der Stimmen darstellen. eS verlangen. Jede national« Sektion zahlt jährlich mindestens zwanzig Pfund Sterling vro Stimme. Ebassanowitsch sPalästina): Die Anträge von nnS und den Unabhängige� sind nicht genügend beachtet worden. Die Infer-ationale vor dem Krieg war ein Ideal, sie soll jetzt eine Realität werden. Wir sind in einer Zeit großer sozialistischer Umwälzung. Der Bölkerbund in seiner jetzigen Gestalt dient der Reaktion. Die Internationale muß sein Gegengewicht sein. Im Statut fehlt der SinweiS darauf, daß wir die volitische Macht durch den Klassenkampf erobern wollen. Ein Vorzug ist es, daß der Kampf gegen die Unterdrückung von Völkern in unserem Statut auf- genommen wird. Wir müssen dahin streben, daß auch diejenigen, die beute kein Vertrauen zur Internationale haben, sich ihr an- schliek-en. Erispien lll. S. P.s: Die wahre Demokratie kommt erst, nachdem durch die Diktatur des Proletariats der Kapitalismus be- fieat sein wird. DieKewerkschaftenkönnendaSnicht, sondern nur die politischen Organisationen. Nie kann eine neue Internationale vorübergehen an den Räten. In Deutschland stehen den gesetzlich abgestempelten stubenreinen Räten die r e v o» lutionären Räte entgegen. Das OrganisationSstatut enthält auch keinen Hinweis auf den Beschluß der einheitlichen Aktion des WeltvroletariatS. Mistral l französische Mebrheit) beantragt eine Anzahl Aende- ru-ngen im' Statut, die den Inhalt nicht betveffen, aber tne� Form so stellen, daß der revolutionäre Geist des Sozialismus stärker zum Ausdruck homm't. Hierbei wird jedoch, so fügt Mstral hinzu, keineswegs an eine gewaltsame Revolution gedacht. Mokkenbuhr nimmt die Borschläge Mistrals an und führt aus, daß es weniger auf den Wortlaut des Statuts ankommt, als auf die Einigkeit, zu der das Proletariat der ganzen Welt zusammengeschweißt werden müsse, denn wenn auch nicht jetzt, so wird doch sväter sehr bald der Friedensvertrag erkannt werde« als Kriegserklärung des internationalen kapitalistischen JmperialiS- muS an das Proletariat der ganzen Welt! öauernfreunüe unü Iuöenfresser. In der in weitesten Kreisen unbekannten„Belgarder Zei- tiing" macht sich ein namenloser Journalist von seinem Haß gegen die Juden im allgemeinen sowie gegen die deutsche Regierung im besonderen Lust. In einem Artikel, dessen Niveau so tief steht» daß er auch den Ansprüchen de? letzten pommerschen Grenadiers nicht genügen dürft«, sucht daS edle agrarische Organ in verhüllter Form die Bauern zum Produktions st reik aufzuhetzen. Daß eS hierbei die bewußte Lüge begeht, eS so hinzustelleti, als sei die deutsche Regierung bauernfeindlich, erwähnen wir nur nebenbei, um die Wahrheitsliebe de» Verfassers festzunageln. Auch in Belgard sollt« man wissen, daß unser Kampf sich gegen die agrarischen Großgrundbesitzer und die mit ihnen versippt« Clique, nicht aber gegen den fleißigen deutschen Bauern wendet. Wenn daS Blatt mindestens fünfmal die ehe- maligen Zivilberufe unserer heutigen Ministergenossen hervorhebt und feststellt, daß sie einst Buchdrucker und Tischler waren, so dürfte daS nur allgemeine Genugtuung hervorrufen. Denn wie stände die Regierung da, wenn fie in ihren Reihen so s ch m i e- rige Journalisten aufzuweisen hätte» wie jenen Artikel- schreiber. Z�m Schluß sei, ohne un» auf Rasfeforschuygen einzulassen— das überlassen wir den Belgarder Geistesgewaltigen — festgestellt, daß unser Redaktionskollege Kuttner ein Ber- Imer Kind ist und mit Galizien fo wenig zu tun hat, wie Belgard mit Berlin, falls dieses noch immer den Namen der„Stadt der Intelligenz" trägt. Deutschösterreich verlaugt Milöerungen. St. vermain, 6. August. An dem von der Entente festgesetzten Tage bat die deutschösterreichische FriedenSdelegation der Friedenskonferenz eine Note überreicht, die die E i n w e n- düngen gegen den Bertrag in feiner Gesamtheit enthält. Die Note macht den Oberste« Rat darauf aufmerksam, daß Deutschösterreich nur solche Milderunge» des Vertrages verlangt, die für fei» Volk«ine DafeinSnotwendigkeft sind. WaS dir G r en z f r a g r n anbelangt, so habe sich Deutschösterreich um- s o n st auf das Nationalitätenprinzip und ans daS Selbst- bestimmungsrecht der Bölker berufen. ES lehne«pnmehr die Berantwortun» ab und gebe den Erfolg der Entente der Ent» fcheiduug der Goschichte anHeim. Deutschösterreich ist schon fetzt fest davon überzeugt, daß eS die ihm von dem Bertrag aufgebürdete» ökonomischen Kasten nicht tragen könne und daß eS, wen» sie nicht wesentlich gemildert würden, zusammenbrechen müßte. Dieses Bekenntnis muß so ernst genommen werden, wie es offen- herzig gegeben ist. ES ist Pflicht Deutschösterreichs, zu fordern, daß seine Bürde erträglich gemacht werde. Deutschösterreich will nichts alS leben. Möge ihm die Friedenskonferenz die Gewißheit geben, daß es auch leben wird können. Die Note führt weiter auS, daß eS Deutschösterreich in den nächsten Monaten unmöglich sei, Milchkühe»nd Bieh zu liefern, da doch seine Kinder infolge Fleisch- und Milchmangels hinsterben. Deutschösterreich muß stch unter die finanzielle Kon- trolle der Ententemächte stelle» lassen, erwartet aber, baß die Reparationskommission mit der durch die verzweifelte Lage ge- botenen Schonung vorgehen und Deutschösterreich die notwendigen Kredite zur Beschaffung von Rohstoffen und Lebensmitteln ein- räumen werde. Znöustrie und hanöel. Börse. An ber Börse gestaltete sich die Tendenz im Anschluß an die Behauptung in New Aoek und London. Etwas schwächer ange- boten wurden namentlich Montanwerte und Schiftahrtsaktien. Dagegen waren Farbwerke weiter erholt. Am Rüstuagsaktien- markte waren die Umsätze unbedeutend. Kanada gaben stärker nach und büßten etwa 10 Proz. ein. Von Petroleumwerten zeigte sich gute Meinung für Steaua Romana, deutsche Petroleumwerte waren schwächer, erholten sich aber später. Heimische Anleihen waren gut gehalten. Kriegsanleihen gaben mäßig nach und notierten 80%. GroßVerlm Eine stürmische Beamtenversammlung. Äe„Soziale Arbeitsgemeinschaft der un- teren Beamten" hatte für gestern abend nach den„Ger- maniasälen" eine Mitgliederversammlung der unteren Beamten aller Verwaltungen einberufen. Der Andrang war so stark, daß eine Parallelverfammlung abgehalten werden mutzte. Anwesend waren Vertreter des ReichspostministeriumS, des Reichsamts des Innern, des preußischen Landwirtschasts- und des Justizmini- steriums. Redakteur K a m o s s a referierte über das Thema: „Wo bleibt die einmalige Beschaffungszulage?" Er berichtete kurz über die verschiedenen Eingaben an die Behörden und die Verhandlungen, die sich daran knüpften und führte dann auS: Die Verhältnisse haben sich nicht gebessert, der Amtsschimmel be- wegt sich immer noch im alten Trab. Die Reichsregierung ist be- reit, unsere Forderungen zu erfüllen(Stürmische Zurufe:„Wo denn?") Aber die Erfüllung scheiterte an dem Widerstand des Preußischen Ministeriums, besonders an dem des Eisenbahn- und KinanzministerS(Großer Lärm.— Rufe:„Raus! Fort mit dem alten Zopf!) Aber sie werden nicht Sieger bleiben, man wird über diese Herren zur Tagesordnung übergehen.(Stürmischer lärmender Beifall.) Durch ihr Verhalten haben sie gezeigt, daß sie sich den Teufel um die Wünsche der Beamten kümmern. (Stürmische Pfuirufe.) Es liegt uns an einer Senkung der Pre'fe mehr, als in einer Erhöhung der Gehälter. Aber man erfüllt unsere Forderungen nicht und hält auf der anderen Seite die Lebensmittelpreise kunstlich hoch. Man kann es niemandem verdenken, wenn er in seiner Verzweiflung zum Streik greift. (Stürmischer Beifall.) Wir sind davon überzeugt, daß die Streiks unser Wirtschaftsleben zerrütten und vernichten, aber die ver- kehrte Politik der Preußischen Regierung führt dazu. Man wartet scheinbar auf einen Beamtenstreik, um dann ein Streik- verbot zu erlassen.(Große Unruhe.) Für die Polizei hat die Re- gierung Geld übrig, ihre Neuordnung belastet den Etat außer- ordentlich.(Großer Lärm. Zurufe:„I u d e n r e g i e r u n g!") Die Beamten der Heeresbetriebe und des MarstallS stehen vor dem größten Elend, denn sie sollen nicht mehr voll im Staatsbetriebe belassen werden. Mit einem Appell an die Preußische Regierung, die Beamtenforderungen so schnell als möglich zu bewilligen, schließt der Redner unter stürmischem Beifall sein Referat. Es folgen dann Ansprachen der Vertreter der urtteren Heeres- beamten, der Schutzmannfchaft, der unteren Justizbeämten, der unteren Post- und Telegrapihenbeamten und des Weichensteller» Verbandes., Abgeordneter Rem merS berichtet über die Verhandlungen des interfraktionellen Beamtenausschusses und spricht die Hoff- nung auS, daß die am 12. August in Berlin beginnenden Verhand- lungen zu dem gewünschten Resultat führen werden. Diese Hoff- nung sei um so mehr berechtigt, als die Beamten heute das Mitbe- stimmungsrecht haben und in Fragen, die ihre wirtschaftliche Lage betreffen, gehört werden. Die Reichsregierung sei bereit, alles zu tun. was für die Beamten nötig ist.(Beifall.) AlS Vertreter des ReichSamtS des Innern führt Geheimrat Falkenberg auS, daß es nicht richtig sei, die Schuld an dem Elend der Beamten nur auf die jetzigen Regierungsmänner abzu- wälzen. Wäre man 1015 schon zur Bewilligung von Teuerung?» zulagen geschritten, dann würden die Beamten beute nicht in dem Elend stecken.(Sehr richtig!) Der preußische Finanzminister hat sich nie gegen die Beamtenforderungen gewandt, sondern nur immer gesagt:„Zeigen Sie mir den' Ausweg, den ich verant- Worten kann." Es tst billiger eine einmalige Beschaffungszulage zu gewähren, als die Staats Maschinerie durch ein Versagen der Beamtenschaft zusammenbrechen zu lassen.(Lebhafter Beifall.) Jetzt gilt eS Ruhe zu bewahren und die Verhandlungen des IL. August abzuwarten. In den Regierungsstellen wird absolut nicht verkannt, daß die unteren Beamten heraufwollen anS Licht. (Beifall.) Für das Neue System wird die Parole gelten: Vor- wärtS und aufwärts!(Stürmischer Beifall!) Angenommen wurden zwei Entschließungen. � von denen die eine die Gleichstellung der unteren Beamten der Heeresverwal- tung mit den Beamten der übrigen Reichs- und SiaatSverwal- tungen, die Ueberführung der eventuell überzählig werdenden Beamten dieses Ressorts in andere Verwaltungen und die Gleich- stellung der trotzdem überzählig werdenden Beamten mit den un- kündbar Angestellten fordert. Die andere Resolution bezeichnet die sofortige Auszahlung einer erheblichen wirtschaftlichen Beihilfe für unerläßlich. Die Finanzlage des Preußischen Staates dürfe kein Hinderungsgrund für die Auszahlung bilden. Ferner wird in ihr die einmütige Entschlossenheit der unteren Beamtenschaft be- kündet, alle Mittel anzuwenden, um eine Beseitigung der Wirt- schaftlichen Not zu erreichen. An den Reichsministerpräsidenten Bauer und den Preußischen Ministerpräsidenten Hirsch werden Telegramme chbgesandt, in denen die Unterstützung zur Durchsetzung der Beamtenforderungen erdeten wird. Bekleidungsfürsorg« fiir heimkehrende Gefangene. Um den KleidungS« und Skbuhwarenbedarf der heimkehrenden Kriegs» und ivilgefangenen decken zu können, ist der Deuticke Städtelag an die eichsbckleidungsstelle und Reichsstelle für Schuhversorgung heran» getreten mit der Bitte um Aufklärung über den gegenwärtigen Stand der Bekleidungs- und BefchubungSsüriorge und über die Möglichkeit einer Mithilfe in gemeindlichen Kreiien. Nach AuSkiiüft der RelchsbekleidungSstelle wird diese die Reichszenlralstelle für Kriegs- und Zivilgefangene zeniral beliefern, während die Zentral- stelle alsdann die Textilien an die Untergeordnelen örtlichen Verbände, die Kriegsgefangenen beimkehrstellen, verteilt, die ihrerseits die Sachen an die heimkehrenden Gefangenen abgibt. Zum Zwecke der Versorgung mit Schuhwerk ist Bereits eine umfangreiche Hilfsaktion(u. a. Fabrikation von 500 000 Paar Männersttefel auS Fahlleder) eingeleitet. Kriegsgefangene, welche nach ihrer Rückkehr als Berussarbeiter tätig find, sollen im Falle der Bedürftigkeit auf Anforderung ihrer Arbeilgeber, soweit der Vorrat reicht, mit neuem Berussschuhwerk. andernfalls mit getragenem und instand- gesetztem Militärschuhwerk in auskömmlicher Weise versorgt werden. Ein großer Spiel- und Sportplatz in Hakenselde. Die Span- dauer Stadtverordnetenversammlung wird sich am Donnerstag mit einer Vorlage beschäftigen, die die Anlage eines großen Spiel- unld Sportplatzes im Stadtteil Hakenfelde zwischen der Straß: Haken» felde, der Wicherm'traße und der Bötzowbahn vorsieht. Die Anlage ist in großzügiger Weise geplant, neben einem Kampfplatz für Rasen- spiele, sowie für Wurf und Sprung, sind Uebungsplätze für Hockey, Nasenspiele, Tennisplätze, Plätze für Schlaaball- und Ringspieke und für Geräteturnen vorgesehen. An der Längsseite des Kampf- Platzes wird eine Zuschauertribüne errichtet, die im Hauptgeschotz terrassenförmig an gelegte Sitzplätze enthält und mit den Plätzen vor der Tribüne rund 1100 Zuschauer faßt. Die Kosten der Anlage stellen sich auf und 933 000 M., wovon voraussichtlich Reick und Staat»inen Anteil von 400 000 M. als UeberteuerungSkosten über- nehmen werden. Bereits seit einer Reihe von Monaten sind die Bauarbeiten im Gange; eS ist zu hoffen, daß im zeitigen Frühjahr 1920 der Sportplatz in Betvieb genommen werden kann. Der Kursus..Streifzüge durch die soziale Dichtung" kann wegen der noch nicht beendeten Renovierungsarbeiten in der Aula de» Falk-Realghmnasiums erst am Freitag, IS. d. M., beginnen. Ein hartnäckiger Selbstmörder. Ein 27 Jähre alter Einrichter aus der Brunnenstraße unterhielt seit längerer Zeit Beziehungen zu einer Arbeiterin. Obwohl verheiratet, wollte er mit dem Mäd» chen ein ernst gemeintes Verhältnis eingehen. Dieses war jedoch damit nicht einverstanden. Als seine Anträge nicht zum Ziele führten, versuchte er sich zunächst im November v. I. in der Woh- nung der Arbeiterin mit Leuchtgas zu vergiften. Sem Vorhaben wurde jedoch rechtzeitig bemerkt und sein Beginnen vereitelt. Zwei Monate später, im Januar 1919, machte er, ebenfalls in derselben Wohnung, einen zweiten Selbstmordversuch. Aber auch diesmal kam rechtzeitig Hilfe. Gestern nun schloß er sich in dem Zimmer der Arbeiterin während deren Abwesenheit ein, öffnete den GaShahn und nahm sich wegen verschmähter Liebe das Leben. Wiederbele- bungsversuche waren diesmal ohne Erfolg. Beim Spielen ertrunken ist■ der 8 Jahre alte Schüfet_ Ernst Hahn aus der Bärwaldstraße 16. Er fiel an der Bärwaldbrücke in den Landwehrkanal, ging unter und kam nicht wieder zum Vor- schein. Seine Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werde«. Ein HS Ktloiiietcr-Radreniic« hinter Zwcisitzerführung wird der Hauptprogrammpunkt des radlportlichen Teiles der Berliner Meisler- schafte» sein, die nm kommenden Sonntag, 4 Uhr, nachmittag?, auf dem Gebiete des SchwImmenS, Radfahrens und der Leichtathletik im Stadion abgehalten werden. Das Dnuerrennen, an dem sich dl« besten Berliner Rennfahrer wie Schreseld, Schaaf, Dobbrack, Richter, Lüderitz be- teiligen, wird durch die Unierftiitziing durch zahlreiche Zweisitzer ein recht lebbiisteS tportlichcs Bild bieten. Pretfe der Plätze S M. für Log«, Borr er- kauf 4 M. bei A. Werttzcim und in den SP ortgesch ästen, 2 M. für Arena- Sitzplatz. ' Botanischer Garten. Der Anfang der am 13. d. M. im Botanischen Garten Dablem beginnenden Vortragsreihe des Herrn Dr. Ulbrich über eßbare und schädliche Pilze muß wegen Erlranlung des Vortragenden auf den 27. August verlchoben werden. Die gekauften Karlen behalten ihre Gültigkeit oder werden zurülkvergütet. Tie Lichtlplele»Neue Philharmonie*, Köpenlckerstr. 96/97, bringen ab Freitag.Das Narrenfchloß» mit Lotte Neumann, außerdem den FUm »Der Eibe von SktiUdnigsholm". Tanenßie»> Palast. Freitag: Uraufführung„Falscher Start". Renn- roman; ferner Uraufführung von, Eine Nacht gelebt im Paradiese", Lustspiel. AdlerShof. AuS der Gemeindevertretung. In Anwendung des Gesetzes vom 4. Juni 1919 beschloß die Vertretung, die Einkommen von 900— 2700 M. in der Gemeindesteuer biS auf 50 Proz. zu er- mäßigen. Die Ginkommen von 6500 bis 8000 M. werden statt mit 25 Proz. nur mit einem Tondcrzuschlag von 5 Proz. belegt. Zur gründlicheren Durchführung der Straßenreinigung wurde Ber- mehrung des Personals und die Anschaffung der nötigen Geräte be- schlössen. Der Antrag der Sozialdemokraten auf Bewilligung freier Lernmittel für die Gemeindeschüler wurde nach Begründung durch den Gen. S ch m a l z mit der Maßgabe angenommen, daß Fibeln. sämtliche Hefte und Zeicheniintensilten vom 1. Oktober ab allen Ge- meindeschülern unentgeltlich zu liefern sind. Auf Antrag des Schöffen Zabel(Soz.) trat die Vertretung dem Schiedsspruch des gemeindlichen Zentralausschusses bei, nach welchem bis zum 30. Sep- tember den ungelernten Gemeindearbeitern eine UebergangSbeihilfe von 14 M., allen anderen Arbeitern ein« solche von 10 M. zuerkannt wird. Der Antrag der Sozialdemokraten, eine der 3. Gemeinde- schule anzugliedernde Förderklasse für Begabte einzurichten, wurde dem Kftratorium der„Höheren Schulen" und der Schuldeputation zur Ausführung überwiesen. Wilmersdorf. Die letzte Ferien-Halbtagswandetung de! Jugend- amteS findet heute statt und bitten wir die Genossen, ihre Kinder mittags 12l/„ Uhr zur Gemeindeschule VIl in der Babelsberger Straße zu fchicken. Kinderbelustigungen. Eltern(Selbstpflegersi willkommen. Friebrichsfelbe. Der OlaSpreiS für August beträgt bei Entnahme durch den Privatgasmesser 58 Pf. pro Kubikmeter und bei Automaten ein Zuschlag von 40 Pf. pro Kubikmeter. Groft-Berliner Lebensmittel., Wittenau. Von Freitag ab auf Abschnitt 49 der Groß-Berliner Leben!» miitelkarte: 126 g Reis(0,60 M.t; für diejenigen, die in der vergangenen Woche nicht berücksichllgt werden tonnten, der Rest erhält auf dleien Ab- schniit: 230 g Nudeln. Aus Ab'chnitt 64: 260 g Marmelade(0,65 M.), 816« schnitt«6: 260 K Hüisensrüchte(0.63 M.). Die Ware ist bis spätestens Sonnabend, den 16. d. Mts. abzuholen. Reinickendorf. Für August entfallen auf Kinbcrkarte A 1 Pfund Kindcrgersteninchl, 4 Pakete Keks zu je 89 Ps., 2 Pfund Zwieback, 1 Paket Puddingpulver zu 30 Ps., llt Pfund Schotoladenpulver zu 1.60 oder, nach- dem die Bestände ausgebraucht sind, l Tafel Schokolade(100 Gr. 1,75 M). Aus Kinderkarte S außer Kindergerstenmebl dasselbe wie auf A, und auf Kinderkarle C 4 Pakete KekS, 1 Pfund Zwieback, 1 Paket Puddingpulver Es dürjen nur die MonatSabschnttte von den Karten abgetrennt werden. Aus die Nummerabschnitte IV A, IV B, IV 0 wird nochmals verteilt. Vorträge, vereine unü Versammlungen. ReichSbunb der Kriegsbeschädigte««nd Kriegshinterblirbeneu. Sonnlagvvimiltag 10 Uhrc.Massenlundgcbung w der Unionsbrauerei, Hasen- Heid« 22. Mitgliedskarte ist Ausweis; Neuaufnahme im Saaleingang. Tie Zeiiiralftelle für Bolkswohlfahrt veranstaltet, wie im Vorjahr, vom 2. bis 11. Oktober 1919 im Emvetnebmen mit dem preußischen Staatskommissar sür das WohnunqSweien, mit dem Deutschen und Preu- ßischen Siädtetag« sowie dem Groß-Berliner Verein sür Kleinwohnungs- Wesen einen Lehrgang sür WohnungSausstcht und Woh- nungspfleg«. Der Lehrgang bezweckt die Aus- und Fortbildung der in Dohnungiaussicht und Wodnungspstege täligen Personen. Altersriegenturner Groß. Berlin. Am Sonntag. 4—6 Ubr, Zu- sammcuturnen aus dem Fickteiurnvlatz in Treptow. Nach dem Turnen geselliges Beisammensein mit Angehörigen. Groß-Serliner partelnachrkchten. Marieudorf- Südeade. Sonnabend, 9. August, 8 Uhr, bei Hoch, Mariendors.. Cbausseestr. 44, Ecke Bergstraße, erweiterte VorstandSsitzung. Erscheinen sämtlicher Funktionäre des WahIvereinS dringend notwendig. Riederschönhausen. Morgen pünktlich»Uhr im„Schwarzen Adler», Blankepburgcr Str. 4: Oeffentlicher Vortrag des Genossen Ernst Heil» mann, Mitgl. d. Preuß. LandeSversamml., üb«.Frechett oder Gewalt» Herrschast". Zutritt nur mit Karten a 20 Ps. GewerWWenMMg Tarifverhandlungen in der Metallindustrie. Die dreitägigen Verhandlungen zwischen dem Verband der Me- tallindustrielle» und den Vertretern der Angestellten im Reichs- arbeitSministcrium unter Leitung des Rcgierungsrats Sitzler haben zu einer vollen Einigung über die grundsätzlichen Fragen go- führt. Die beiden Parteien werden nunmehr über die endgültige Formulierung allein weiter verhandeln, so bah mit einem schnellen Abschluß des Tarifvertrages zu rechnen ist. Streik im Münchener Bersicherungsgewerbe. Die Angestellten von 82 Münchener ProvisionS-Generalagenturen traten am Dienstag früh in den Streik, da die im Arbeitgeber» Reichsverband deutscher Versicherungsvertreter organisierten Pro» disionS» Generalagenten eS ablehnten, den ReichZtarif für das Ver» sicherungsgewerbe restlos anzuerkennen. Paritätischer Stellennachweis der deutschen Bühnen nennt sich die neue gemeinsmrtd Einrichtung des Deutschen Bühnen- Vereins(Arbeitgeber) und der Deutschen Bühnengenossenschaft (Arbeitnehmer), die die für die Theater erforderlichen Personal- abschlüsse zu vermitteln bestimmt ist und die die Geschäfte der bis- her bestehenden Theateragenturen übernehmen soll. Dieser Stellen- nachlveis arbeitet für Bühnenleiter und Mitglieder völlig g e- bührenfrei; die recht erheblichen Verwaltungskcsten werden ge- meinsam von beiden Körperschaften getragen. Zur Leitung der neuen Einrichtung sind seitens der Bühnenvereins Kommissionsrat Oskar Lange, seitens der Genossenschaft der bisherige langjährige Bureauchef des Deutschen Theaters Othmar K e i n d l bestimmt worden.— Die Bureaus nehmen die ganze zweite und dritte Etage des Hauses Roonstratze 3 ein. Den Räumen angegliedert ist ein 20 Meier langer, etwa 150 Personen fassender Saal, der zum Probe- sprechen und Vorsingen bestimmt ist und auf dessen besonder? dazu eingerichtetem Bühnenpodium ganze Szenen und Akte aller Arten von Bühnenwerken zur Darstellung gebracht werden können. Die Eröffnung deS neuen Betriebes wird Ende dieses Monats erfolgen. Delegiertentag des ZuschneiderverbandeS. Am 8., 4. und S. August hielt der Deutsche Zuschnetderverband im„Rheingvld" seinen zwölften Delegierten tag ab. der insofern von besonderer Bedeutung war, als durch seine Beschlüsse der seit 31 Jahren bestehende Verband zu einer Angestelltengewerk. s ch a f t umgewandelt wurde. Schon aus dem Geschäftsbericht des Verbandsvorsttzenden Schulz- Berlin ging hervor, warum die Zuschneider, die sich früher als„Vertrauensleute der Chefs" fühlten und in ihrem Verband auch Arbeitgeber als Mitglieder führten, so gründlich umgelernt haben. In den ersten Kricgsjahtcn gingen die Arbeitgeber rücksichtslos mit Gehaltskürzungen vor und al' die Teuerung immer schwerer wurde, ck-nnen die Zuschneider bei der Gewährung von Teuerung?» znky» tfkel fchlcchftee©Bg af? dle Hnen unfaflefffen Tchnsiber, die sich auf ihre Kampforganisation stützten. Die Unzufriedenheit der Zuschneider steigerte sich so, daß in den letzten Monaten de? vorigen Jahres in den Ortsgruppen Königsberg, Stettin, Braun- schweig, Frankfurt, Breslau, Hamburg Mainz und Zürich Streik? unternommen wurden, die erfolgreich verliefen, obwohl der Ver- band damals noch keine Streikunterstützung eingeführt hatte. Der Arbeitgeberverband(Adas), der vorher Tarifte er Handlungen abgelehnt hatte, änderte nach der Revolution seine Haltung und schloß einen Tarif ab, dessen Sätze aber auf dem Delegiertentag allgemein als unzureichend bezeichnet wurden. Der Delegierientag stimmte dem Abschluß einer Vertragsgemeinschaft mit dem Adav zu unter der Bedingung, daß die Tarifsätze einer Revision unterzogen und be- trächtlich erhöht wenden. Bei der Besprechung des Geschäftsberichts wurde von allen Rednern im Einklang mit den Ausführungen des Vorsitzenden be- tont, daß die Zuschneider den alten Standesdünkel ab- legen und in engster Fühlung mit den Schneidern den Kampf gegen das Unternehmertum führen müßten. Ein SolidaritätSvcrtrag mit dem Schneiderverband, der gegenseitige Hilst bei Lohnkämpfen Vorst ehr, fand die einmütig« Zu- stimmnng des Delegiertentages. Der.Hauptvorsitzende des Schnei- derverbandes, S t ü h m e r, beteiligte sich an der Debatte. Ein An- trag auf Anschluß des Verbandes an die Generalkommission der Gewerkschaften wurde zurückgestellt, weil die meisten Redner be- tonten, daß der Verband seine Interessen besser durch die Arbeits- gemeinschaft freier Angestelltenverbände wahren könne, der er schon angeschlossen ist. Ein neues Statut wurde beschlossen, das eine Streikunterstützung einführt. Dst Befträge wurden entsprechend er- höht. Der Verband dehnt sein OrgamsationSgebiet aus mrf* die männlichen und weiblichen Zuschneider. Einrichter und Direktricen im gesamten Schneider- und Kürschnergewerbe und in der� Wäsche- induftrie. Der Name wurde geändert in„Verband der Zuschneider, Zuschneiderinnen und Direktricen". Arbeitgeber können kü-istig nicht mehr dem Verband als ordentliche Mitglieder angehören. Weiter wurde beschlossen, den Verband m drei Gaue einzuteilen, die von besoldeten Gauleitern geleitet werden. Der VerbandSvorsttzende Schulz- Berlin wurde»instimmig wiedergewählt, N ü s ch- Berlin als zweit« Vorsitzender. In den neugeschaffenen Verbandsbeirat wurden gewählt W a n g l e r- München, WaSmund- Hamburg, B i ckert- Köln«rd als Ersatzmann Thiele- Königsberg. Bund reaktlouLrer Gewerkschaften. Der Deutschnationale HandlungSgehilfcn-Berband(Sitz Ham» bürg), einer der eifrigsten Schleppenträger des politischen Autisemi» tiSmuS, ist auf der Sucke nach Bundesgenossen. Er will einen Bund von Angestellten schassen, den er als„Kartell der deutschen Arbeit" zu bezeichnen gedenkt. Hauptsächlich möchte er sich dabei der christlichen Gewerkschaften bedienen, besonders der katholischen Verbände. Verschiedene ihm gesinnungsverwandte Angestellten- Vereinigungen hat er bereits auf seine Seile gebracht, so den Kauf» männischen Verband für weibliche Angestellte in Berlin, den Denlschen Bankbeamtenverein, Berlin und noch zwei Grüppchen, den Verband der Güterbeamten und den Verband der Bureaubeamten (nicht zu verwechseln mit dem freigewerkschastlich organisierten Bureaubeamten-Berband.) „Thristliche und nationale Weltanschauung" soll als„auSfichts- vollsteS Kampfmittel" gegen den„Materialismus" der liniS stehen» den Richtungen der Angestellten dienen, d. h. nichts anderes, als daß auch hier die konservativen Ideen als Trumpf ausgespielt werden sollen. Eifrig ist man auch auf der Suche nach Organi« sationen technischer Angestellten, die sich diesem reaktionären Gebilde anschließen sollen; bislang freilich ergebnislos. Da trotz allem Klingeln mit seiner angeblich echten Gewerkschaftlichkcit der anlrse» mitiiche Verband„Deuticknationaler" Handlungsgehilfen immer noch nicht die ihm in letzter Zeit abhanden gekommenen Mitglieder— 40 OlWfehlendegab er bereits kleinlaut zu— wiederheranschaffen kennte, so ist iein Bemühen um Bundesgenossen wohl verständlich. In solchen Druckschriften greift der Deutschnationale Verband die Frauenarbeit aufs heiligste an und brüstet sich, ihr schärsster Bekämpfer zu iein. In den Versammlungen verteilt er zahllose dahinzielende Flug» bläfter, empfiehlt aber gleichzeitig mit wohlwollender Miene den Kauimännifchen Verband für weibliche Angestellte, wofür dieser sich beeisert, dem reaktionären Busenfreund eas VerdandSbelt so bequem wie möglich zu machen. Eine nette Gesellschaft. Lohnverhältnisse der Lackierer. Der Verband der Maler und.Lackierer hatte am Mittwoch eine Versammlung für alle bei den Jnnungs» und Kleinmeistern be- schäfligten Wagen-, Blech- und Möbellackierer veranstaltet. D r e n d e l reserierte über die gegenwärtigen Lohn- und Arbeits- verbältnisse. Während des Krieges habe die Branche ziemlich still» gelegen. Die Konjunktur sei jetzt aber um so besser. Es Müßten jetzt auch für die kleinen Betriebe geregelte Lohn- Verhältnisse geschaffen werden. Es gäbe heule noch Betriebe, tn denen länger als 8 Stunden gearbeitet und in denen ein Atkordlohn von 1,20 bis 1,80 M. pro Stunde gezahlt werde. Ehe ein Tariivertrag eingereicht werden könne, müßte eine Sialisuk aufgenommen werden, welcher Lohn gezahlt wird und wie es über- haupr in den Betrieben aussieht. In der Diskussion erklärte ein Redner, daß ein.Kollege noch 12 bis 14 Stunden für 1,80 M. Stundenlohn arbelte. Der größte Teil der Kollegen erhalte noch 2,— bis 2,80 M* Es wurde ein Mindestlohn von 3,— M. gefordert. Allgemein wurde der Abschluß eines TarftverlrageS verlangt. Es soll in 14 Tagen eine neue Versainmlung einberufen und über den auszuarbeitenden Tarifvertrag beschlossen werden. Qeffcntltche Bankbeamienversammlung. Freitag, den 8. August, aheeldS Ist, Uhr, findet in den Germania- Prachtsälcn. Chauficestiake 110 eine öffentliche Bankbeamtenversammlung statt, in der Herr Benno Marx vom Allgemeinen Verband der Deutschen Bankbeamten über den Stand der Gebaitsbewegung w den Banken rcsei leren wi'.d. Die verschiedenen Strömungen unter den Bankbeamten lassen eine lebhejte Auseinander- setzung erwarten. Bund techit. Zlligestellten«. Beamten, Bezirk Nordwest-Berlin. Nächlle Monalsoersammlung am lt. August im Nordwest- Kasino, Alt« Moabit Lb/d«. Die Versammlungen finden regelmäßig jeden zweiten Man- tag im Monat i« obigem Lokal statt und find besonders als Zahlabend für Einjelmitglieder gedacht. Berantw. für den redaktion. Teil! 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