|lr.406. 36.Ia�rg. Bezngsvret», Bierieltährl. 9,— M. mmutä, i,— HB. frei ins Hau«, oorsst zahlbar. Postbezug! Monatlich Ml.«ifl. Rn- Üellungogediihr. Unter Kreuzband für Deuti ch land and Oesterreich- Ungar« 6.25 Mi, für da» übttgt Ausland 10 25 Ml., bei täglich einmal. Ruftelluaa ? 25 Mt. Postbestellungen nehmen an Dänemarl. Holland. Luxem barg. Schweden u. die Schweiz. Ttngetraaeo in die Post-Reitungs-Prelsliste. Der„Vorwärts' mt«»er Sonntag» deilage.Voll u. gett» ericheml wochentäglich zweimal. Sonntag» etmnal. Morgen-Ausgabe. Telegramm-Adreste! „Sozialdemolrol Perlin-. Nevlinev Volksblatt. �ISpksnnig) gOtgttgtevrtte l Du achtgespaitene Nonpareillezeile lostet l« Ml»Kleine Anzeigen- da« fettgedruckte Wori S!> Pfg. tiuläffig i fettgedruckte Worte), jede, weitere Wart 40 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen da» erste Wort All Pfg, jede» weitere Wort 30 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sllr zwei Worte. Teuerungszuschlag 50°/» Familien- Anzeigen, politische uzid gewerkschaftliche Berein»- Anzeigen 1,80 Ml. die Reite. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW 6»- Ltndenstrafce 3, abgegeben Seoffnet von» Uhr früh dt» d Uhr abend». 2�entralorgan de? sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Reüattion und Expedition: SW. öS, Linüenftr. Z. Fernsprecher: Am« i0!ort«pla«. Ztr.».»tS0—»»Ki>7. Montag, den 11. August 1919. vorwärts-verlag S.m.b. H., SW. öS, Ltnüenstr. Z. Fernsprecher: A»it« Moritzplatt, Nr. 117 alt— 54. Die Blockierung Rußlands. Versailles, 10. August. Der Oberste Rat der Alliierte» hat sich in seiner Sitzung am Sonnabend mit der Haltung gegenüber Rußland besaßt. Dabei wurde— wie dir Blätter berichten— die A u f r e ch t e r h a l t u n g der Blockade gegen Rußland beschlösse». Die Entente wird vorerst keine eigenen Truppen in Rußland mehr unterhalten. Aber die Unterstützung der gegen die Moskauer Regierung kämpfenden Generale wird fortgesetzt werden. Tie Entente begnügt sich mit dem passiven, aber langsam tödlich wirkenden Mittel völliger Abschnürung Sowset-Ruß- lauds von allen Zufuhren. Die Weltproöuktionskrife. Während in Europa internationale Abmachungen zur Ver- meidung der Kohlenkrise für den nächsten Winter getroffen werden, während in Oberitalien 300 VOli Arbeiter streiken und auch die übrigen Siegerstaaten von Streikwellen heimgesucht werden, ist nun auch Amerika von einer schweren Produk- tionskrise bedroht Nach englischen Blättermeldungen befinden sich mehr als 50000 amerikanische Arbeiter der Eisenbahnwerk statten im Aus st and. Dje Er- füllung ihrer Forderungen würde für die Gesamtarbeiterschaft eine Erhöhung der Betriebskosten der amerikanischen Eisen- bahnen um 800 Millionen Dollar bedeuten. Da Wilson vor- läufig Verhandlungen abgelehnt hat und die Stimmung des Kongresses gegen die Verstaatlichung der Eisenbahnen ist, ist eine Ausdehnung des Streiks zu erwarten, der die amerikanische Industrie schwer treffen würde. In Amerika wird die Lage als ernst angesehen. Gleichzeitig werden in den Bereinigten Staaten Maßnahmen zur Bekämpfung der Nahrung?- mitt elschwierigkeiten beraten. Präsident Wilson hat in einer gemeinschaftlichen Sitzung des Abgeordnetenhauses und des Senats die hierfür nötigen Maßnahmen dargelegt. Danach ioll die Nahrungsmittelkontrolle auf sämtliche Lebens» bedürfnisie ausgedehnt werden. Diese Kontrolle soll für die Dauer aufrechterhalten bleiben. Preiswucher wird gesetzlich bestrast.. Waren, die aus den Gcfrierhänsern freigegeben werden, sollen das Datum und den im Augenblick der Freigabe festgesetzten Marktpreis tragen. Waren, die von einem«ich dem anderen Staate inner- halb des Gebietes der Vereinigten Staaten versandt werden. müssen den Preis aufweisen, den die Erzeuger dafür erhalten haben. Gesellschaften, die sich mit diesem Handel befassen, er- halten dazu eine besondere Genehmigung. Gegen Schieber werden besondere Maßnohmen getroffen. Weiter sollen samt- liche Lebensmittelvorräte öffentlich verkaust werden. Preis- Wucher wird nach dem Lebensmittelkontrollgesetz und den Llntrstrustgesetzen gerichtlich verfolgt werden. F e st h a l t e n oder Aufspeichern von Waren, die fiir die allgemeinen Lebensbedürfnisse notwendig sind, wird bestraft. Die Presse und die politischen Kreise beider Parteien sind im allgemeinen mit den Mitteilungen des Präsidenten einver- standen. Es geht daraus hervor, daß die Ernährungsschwierigkeiten. mit denen der Welllieferant Amerika im eigenen Lande zu kämpfen hat, einen bedrohlichen Umfang angenommen haben. G Tie erste Sitzung der europäische« Kohleukommissio«. Die europäische Kohlentommission hat in ihrer ersten Sitzung. auf der 10 Vertreter anwesend waren, beschlossen, die Möglichkeiten zu schärferer Ausbeutung der Kohlengruben in Schlesien sowie in den Gebieten bei Tesche» und Dombrowo zu prüfen. Mit den Be- rgtungen soll je ein Sachverständiger dieser Länder herangezogen werden. vermögensversthiebung ües Königs von Sachsen. Kopenhagen, 10. August.„Berlingske Tidende" meldet aus Malinö: Freitagvormittag wurde ein Wasserflugzeug, das aus einer HSHr von etwa 200 Meter» zwei Pakete ab- warf, gesichtet. Darauf verschwand eS wieder über die Ostsee. AnS dem Innern des Landes, wo seit einiger Zeit ein deutscher Herr und eine deutsche Dame wohnte«, wurden Signale an das Flugzeug erteilt, daS sich nach ihnen richtete. Der LruchUurm» Wächter von Trrllcborg erstattete Anzeige hierüber. DaS dentschr Paar wurde in SöSra Albp verhastet und die beschlagnahmten Pakete nach Trelleborg geschafft, wo sich zeigte, daß sie außer cchte« Spitzen und I u w e le n s ch m u ckst ü cke u StaatSobli. ,-tionen über einen sehr hohrn Betrag enthielten. Nach ver. schiedenrn Ausflüchten gestanden die beiden Deutscheu, die Pakete seien vom Prinzen Wied abgeworfen. Der Inhalt gehöre de» König von Sachse«. Die Lage in tzabsburg-Ungarn. To» ungarische Krieg? rninistermtn meldet, daß die Sntwaff- nung der Roten Armee überall in größter Ruhe verlaufen und am Sonnabend beendet worden sei. Dem widerspricht eine andere Meldung des Ungar. Korr-Bureaus, wonach in Transdanu- bien die nationale Organisation emsig betrieben wird. Für den Guerillakrieg gegen die bolschewistischen Reste wurde Oberst Lehar mit 2000 Mann und mehreren Ge- schützen aufgeboten. Die militärische Organisation wird in den Komitaten im Einverständnis mit der rumänischen Heeresleitung von ungarischen Offizieren besorgt. Hilfeleistung für grauen und Kinder. Auf Vorschlag de? Oberstleutnants Romanelli hat der Vor- sitzende der Wiener italienischen Waffenstillstandskommission Gene- ral Scgre veranlaßt, daß die kranken Frauen und Kinder in Buda- pcst Reis und Milchkon scrven erhalten. Als erste Sen- dung dirigierte er heute auf Lastautos 20 Tonnen nach Budapest. Ultimatum üer Entente. Aus Versailles wird gemeldet, daß nach Pariser Jnfor- mationen die Alliierten gegenüber den Rumänen eine rück- sichtslos entschiedene Stellung einnehmen. Sie wollen auf jeden Fall verhindern, daß sich die Rumänen in Budapest festsetzen und daß sie ihre Rücksichtslosigkeit weiter ausüben. Die Alliierten sind zu schroffster Stellungnahme entschlossen. Die Note, die Clemenceau im Namen der Entente an Rumänien gerichtet hat. soll eindeutig den Ein- zug der rumänischen Truppen in Budapest ablehnen und die Form eines Ultimatums haben. «.Der König ist tot, es lebe der König/ Französische Stimmungsmache für den Monarchismus. Der Triumph der Entente in Ungarn ruft bereits die wyalistisch gesonnenen Kreise Frankreichs zu neuem Kampfe für die Monarchie. In einem Leitartikel schreibt der„T c m p s" mit der unverblümten Absicht, die Monarchisten aller Länder gegen die republikanische Verfassung zu mobilisieren: „Als der Bolschewismus sich in Budapest ringe- richtet hatte, warb er Schüler in Wien. Wird die in Budapest wieder installierte Habsburger Dynastie in Wien nicht viele Er- innerungen wecken? AndevcrseitS ist Budapest die erste europä» isch« Hauptstadt, die vom Bolschewismus befielt wird. Auf diesem Wege sirtd die Ungarn den Bayern gefolgt. München allerdings ist nicht so weit gegangen, einen WittclSbacher zurück- zurufen. Werden sich unter den Deutschen, die die Ereignisse in Ungarn verfolgen, nicht viele finden, die bedauern, daß man in München auf halbem Wege stehengeblieben ist? Wird daS Schau- spiel, das sich in Ungarn vollzieht, nur im Westen von Budapest Eindruck hervorrufen? Gibt es nicht im Osten ein unge-. heureS Reich. daS vom Bolschewismus Lenins zersetzt wird, viel schlimmer als der Bolschewismus Bela Khuns es getan hat? Werden nicht alle russischen Patrioten geneigt sein zu fragen, indem sie die. ungarische Wiederaufrichiung ins Auge fassen:„Wird eS bei un? eines Tage? mich so ende»?*.TempS" fragt zum Schluß:„Wollen wir die Ereignisse lenken oder ihnen folgen? Haben wir eine Politik oder haben wir keine?" Die internationale Arbeiterschaft hat alle Ursache, derartige Regungen der internationalen kapitalistischen Reaktion mit achtsamen Augen zu verfolgen. Die Tatsache, daß die Gegenrevolution von den Ländern auS organisiert wird, die bisher von der sozialen Revolution ganz und gar unberührt geblieben sind, beweist die Notwendigkeit einer geschlossenen Kampffront deS gesamten internationalen Proletariats gegen den Monarchismus, und das um so mehr angesichts der Be- strebungen der deutschen Unabhängigen, zwischen der deutschen Mehrheitspartei und den Bestrebungen der sozialistischen Inter- nationale einen Gegensatz zu konstruieren, der in Wirklichkeit gar nicht da ist._ Italien gegen Sen kalferprozeß. AuS der gestrigen Sitzung des 21er Ausschusses der italieni- schen Kammer wird gemeldet, daß man sich fast einstimmig für die Ablehnung de« KaiserprozesseS ausgesprochen habe. Die Ratifikation deS Friedensvertrages soll nicht davon abhängig gemacht werden. Irieüe zwischen Snglanö und Afghanistan. Amtlich meldet Reuter: Der Friede mit Afghanistan wurde am 8. August unterzeichnet._ Zwaugskvlonisation entlassener britische, Soldaten. Da« eng- lischt Kricgsmlnisterium wird nach einem Funkspruch den Antrag stellen, daß in den nächsten drei Jahre» 36 000 demobili- s i e r tc r britischer Soldaten mit ihren Familien nach West» australieu gesandt werden. Die Konferenz von Luzern. Die erste von Karl Marx gegründete Internationale ist an der revolutionären Erschütterung, die der Krieg von 70/71 in Frankreich brachte, und am Bakuninismus zugrunde gegangen. Wenn die zweite in Luzern wieder auf- erstehen konnte, obwohl die Ereignisse der 70er Jahre, an den gegenwärtigen gemessen, beinahe wie ein Sturm im Glase Wasser erscheinen, so ist das ein Beweis dafür, wie sehr der internationale sozialistische Gedanke in den leten vierzig Jahren an Kraft gewonnen hat. Luzern ist uns Trost und Hoffnung, nur freilich leider— der Erkenntnis dürfen wir uns nicht verschließen— bis zur Erfüllung ist's noch weit hin! In der Schlußsitzung firach Renaudel den wahrscheinlich richtigen Satz:„Das deutsche Proletariat wäre gegenüber einem Diktatfrieden des siegreichen Deutschland machtlos gc- wesen." Da ertönte aus den Reihen der französischen Mehr- heit der Zwischenrruf:„Ebenso wie wir!" Hier liegt ein Keim eines gegenseitigen Sichwiederverstehens, den man sorgfältig begen soll. Die deutsche Sozialdemokratie hat den Sozialisten der Ententeländer niemals einen Vorwurf daraus gemacht, daß sie gegenüber den Plänen � des deutschen Imperialismus die Pflicht der Landesverteidigung pro- klamierten. Sie hat ihnen niemals die Zumutung gestellt. die Niederlage des eigenen-Volkes auf sich zunehmen in der Erwartung, daß die deutsche Sozialdeniokratie den deut- schen Imperialismus von innenher überwinden werde. Eine solche Zuversicht war, trotz des guten Willens der deutschen Sozialdemokratie, nicht am Platze. Konnten� aber die dent- schen Sozialisten anders handeln als die ausländischen, konn- ten sie die moralische Mitverantwortung für den Sieg der Entente übernehmen, dursten sie übersehen, daß auch drjj�Vi. imperialistische Kräfte lebendig waren, denen gegenübe � hfi ausländischen Sozialisten, trotz ihres guten Willens, ohn- mächtig bleiben mußten? Ä Das Bild, das die gegenwärtige weltpolitische Sazituation beleuchtet, das ist die Ohnmacht des interna tiona- len Sozialismus gegenüber dem siegrei.chcn Imperialismus der Entente. Die Konferenz von �Luzern bat den guten Willen der Internationale auSgespijrochen, eine Revision des Friedens von Versailles herbeiz llfübren. Die französischen Delegierten haben gelobt, für d ie rasche Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen eintraten zu wollen, und schließlich wurde eine ProtestresolufIon gegen die monarchistische Gegenrevolution angenoüinmen. die i n Ungarn von der Entente eingeleitet t Vörden ist. Diese Gelöbnisse und Proteste sind Beweis' gennkg dafür, daß es in der Welt nicht so aussieht, wie es in istfi aussehen müßte, wenn der internationale Sozialismus schtön�die Macht hätte, die er haben soll und haben will. Wir hegen den lebhasten Wunsch, �daß es ihm bald gc- lingen möge, Besserung zu schaffen, dringender aber ist noch unsere Forderung, er möge lvenigsten s verhindern, daß cS noch schlimmer wird. Die Zettel. nitgen der Höfe, die es jetzt nur noch auf feiten der„Ententedemokratie" gibt, bedrohen nicht nur Ungarn unh., Rußland, sondern oiicki Deutschösterreich und in unmittelbaipor Folge Deutschland. .Hoffentlich wird der internationale stongreß, der am 2. Fe- bruar in Gent zusammentreten soll, nicht die Frage der Verantwortlichkeit prüfen müssen, warum die monarchistische Gegenrevolution in Europa Fortschritte machen konnte, und wird er nicht die Spuren verfolgen müssen, die deutlich a u f B r ü s s c: l hinweisen. Der Minister Vandervelde, der das Dokument des GewaltfriedenS von Versailles, als einziger Sozialist, mit seinem Namen geschmückt hat, ist auch als erster daran interessiert, daß dieser Frieden nicht gar noch zum Instrument einer neuen Heiligen Allianz wird!., Soviel ist jedenfalls klar: Der Augenblick, in dem sich die ententistische Gegenrevolution ungenierter denn je ent- hüllt und in dem trotz aller Proteste der Internationale auf den Trümmern von Sowjet-Ungarn das Gerüst zu einem neuen Habsburgerthron gezimmert wird, war am wenigsten geeignet, gegen eine bestimmte Richtung und Methode der sozialistischen Umwälzung Bannsprüche zu erlassen. Die Konferenz von Luzern hat wohlgetan, wenn sie alles zu tun unterließ, was in seinem Endeffekt— wenn es auch ganz anders gemeint war— auf eine moralische Unterstützung der Joseph, Koltschak und Denikin hinauslaufen könnte. In der Politik kommt es nicht nur darauf an. was man sagt, sondern unter welchen Umständen man es sagt, und darum war die Situöktion für eine Entscheidung der Frage: „Demokratie oder Diktatur?" so ungünstig wie möglich. Indes, durch den Verlauf der Debatten ist die Luzerner Konferenz gegen den Verdacht, eine Bolschewistenkonferenz gewesen zu sein, Hinreickend gefckützt. Auch in den Reden der französischen Mehrheit bleibt der Trennungsstrich zwischen gefühlsmäßiger Sympathie für die russischen Re- volutionsmethoden und verstand sSmäßig er Ablehnung deut- lich ganz sichtbar. Der unakchänstie Crispten blieb mit seim-m Borstc>ki zugunsten einer demokratischen Rätediktotur isoliert, und über das Ansuchen eines Ausschlusses der deutschen Sozialdemokratie aus der Internationale sting man mit HisUchem Schweigen zur Tagesordnung über. Wenn die Unabhängigen trotzdem den krampfhaften Versuch machen, aus dem Verlauf der Konferenz einen Erfolg für sich heraus- '�destillieren, so erklärt sich dos aus dem taktischen V e- d ü r f n i s ihres rechten Flügels, in der zweiten Umternationale bleiben zu dürfen und nicht in die dritte abgedrängt zu werden, was nach Hilferdiugs Geständnis das rettungslose Aufgehen der Unabhängigen in die Kom- munifttfchc Partei zur Folge haben müßte. Das ist der tiefere Grund der heftigen Angriffe, dre der taktische Seilkünstler Z i l f e r d i n g in Luzern gegen die deutsche Mehrheits Partei gerichtet hat. Auch bei einem Teil der Unabhängigen mag noch ein gesundes Gefühl dafür rorhanden sein, daß es kein glücklicher Gedanke war, Luzern zum Schauplatz deutscher Richtungskampfe zu machen. Die Delegation der Unabhängigen bandelte aber aus einer taktischen Zwangslage heraus, in die sie durch das unausgesetzte Drängen der Kommunisten versetzt war. Die..Unabhängigen Sozialdemokraten" machen ihrem Namen immer weniger Ehre: sie sind nicht unabhängig, sondern abhängig von den Kommunisten, und wenn sie als deren Trabanten die demokratischen Grimdsätze de? Sozialismus verleugnen, dann sind sie auch keine Sozialdemokraten mehr. Indes, wenn die Konferenz von Luzern ihnen da? Ver- bleiben in der zweiten Internationale, neben der deutschen '.Nebrheitsvartei, nicht unmöglich machen wollte, so haben wir volles Verständnis dafür. Denn die Internationale soll nicht trennen, sondern einigen. Ter Sozialistenkongreß von Gent wird dann hoffentlich eine günstigere Sitnation vor- finden als die Luzerner Konferenz, um über die Methoden des Klaffen kampfes und der sozialistffchen Verwirklichungen oolle grundsätzliche Klarheit zu schaffen. Bis dahin wird sich aber auch in der Welt die Erkenntnis verstärken, daß mir die internationale Vereinigung des Proletariats den wirk- 'ichen Weltfrieden, nur die methodische Arbeit eines v" ik- tischen Sozialismus den Ausweg au? wirtschaftlichen Wi re.i und Nöten finden kann. Für sie gewirkt zu haben, ist der Luzerner Konferenz bestes Verdienst. IMe EnthiMungen Erzbergers. Gerichtliche Klarstellung gefordert. Da« Mitglied der Nationalversammlung Mittelmann CD. Lp.) hat an den Rei�präsidenten einen Brief gerichtet, in dem er verlangt, daß die gegen den ReichSfinauzminister Erzberger erhobenen Anschuldigungen gerichtlich untersucht und festgestellt werden. Auch von anderer Seite soll Reichs- Präsident Ebert derartige Schreiben erhalten haben. ES ist bekannt, daß eine offiziöse Wolff-Mcldung ersucht Hab, alle die zu nennen, die neue Enthüllungen gegen Erzberger planen, damit diese vor Gericht Gelegenheit finden, ihr Material vorzu» tragen. Helfferichhat sich daraufhin gestellt und als Enthüller benannt._; Die„Enthüllungen" von allen Seiten wachsen sich zu einer Gefährdung der inneren Ruhe und zu einer sehr schweren Gefährdung de» Ansehens der Reichs- reoierung aus. Nachdem nun einmal die ganze Materie an die Sjj&e.'ntlichkeit gezogen ist und die Regierung gerichtliche Schritte angekü ndigt oder angedroht hat. ist es notwendig geworden, nun- mehr.'ui durcheinander schwirrenden üblen Gerüchte, die auch in der Ar! Äterschast laufen, durch eidliche Vernehmung vor der ganzen Qeffentlii. äkeit auf ihren wahren Wert zu untersuchen. Daß"tach dieser Richtung noch nicht» erfolgt ist, wird der Regierün g ü b e l a u S g« leg t. Ihr Ansehen gebietet, irgend? einen der Em liillrr�rsuSzugv�fen nnd ,u prvzessiereu. ---- .MMn» MZun e? See llnternativnale. ™ 1 i Luzeru, 8. Auyuch. Der franzöfi! ch e Sozialismus ist zwar nicht fornrell ge- spalten,'aber der W-id-erstoeit der Mehrheiten von heute und gestern rriU doch deutlich hech v«� Pie.Sozialpatrioteu" haben ihren ersten Mamm hergeschickt, dein man eine grvtze Zukunft beimißt: Re- naudel. Dieser ehr.'waKge Tierarzt, ein blander Normanne, groß, brvit und walchii�Utzt so behäbig da, daß nicn fast meinen möchte, et fei ein bffyu« n.«toctiiift. Aber die kleinen Augen sind nur halb geschlossen: k\ff schpellt er auf und nach einem kurzen Auftakt flammt der BW»« aitf, und e« weht eme heiße Woge von Temperament.' � � � �. Sein G-genskück. L ongu et, der Wortführer der fran.ösisSen Unabhän.Ag.'o', der Enkel von Karl Marx. Dieser zufällige Umstand scheiNi'vÄ �u feiner führendem Stellung bei- getragen zu haben, wen« chaip nach dem bisherigen rednerischen Austoeteii LouguetS-rrtsftn �harf. Natürlich, als Romane iü auch er ein gewandter U.id«tzperameutvoller Redner. Jeden- falls cm interessanter ZwpsiG&vn Ztark ergraut. E§ soll nicht ver- ächtlich sein, wenn hier der E.schpvck mitgeteilt wird, daß ihm die äußerliche Wirkung nicht gaf�'gfeichgültig ist. Com« Parte,- geuoss«. Mistral und Y ach tu. der Chefvedakteur der .Humauite", scheinen nicht gchiz so»Meffiver Gemütsart zu fem. Sie zeigen mehr Ruhe als frei heyett und für einen Franzosen übergroße Longuet. Dagegen ha, strvsfard schon seine Heftig- keit in links radilalom Sinn«»eivicstn. auch er groß und schlank, wen« auch mit einer ganz unvadikalen Glatze gesegnet. Aber auch der melancholisch-ostjüdisch dreinsehenide David Renault gehört zur Mehrheit, während der typische Romaue Severac neben Zienaudel fitzt und zu ihm hält. Vollendete Ruhe sind natürlich die Engländer Henderson ,md Macdonald. Sie sprechen nicht von der Krise in ihrem Lande, die so ernst fein soll. Henderson führt an Stelle BrantingS den Vorsitz, und der Schotte Macdonald debattiert; aber seit der Be- schrönku-ng der Redezeit im Plenum aus eine Viertelstunde nicht mehr mit der Ncflhnrten schottischen Redelnst. Stets hat der Silberchaartge den Landsmann Buxton neben sich, den Uebrig- gebliebenen des aus den Balkanwtrrem bekannten Bniderpaareß. Er übersetzt ihm alles, was französisch borge, ragen wird. Macdonald und Henderson sind bei dm letzten englische« Hurrawahlen beide durchgefallen, aber das hat ihrer Treu« zur Demokratie keinen Abbruch getan. Von den anderen Nationen zieht Zeretelli wohl die meiste Aufmerksamkeit aus sich. Er war atS Innenminister der wichtigste Mann in der Negierung KevenskiS, und, die Bolscheiviki aller Länder habe» ee üm nicht vergessen, daß er im Juli 1317 ihren Peterj&asgsr Ausstand«MUttoerfw liefe. Mit Tscheidse und an- Rußksthe befehle kn Deutftblanö. Die.Areiheft" verössentlicht folgende Befehl« de» Chef« d« russische« Militärmisfton in Bertin» die»n der in Berli» erschei- nenden russischen Zeitung„PrySzw" mitgeteilt werden: „Indem ich nachfolgcnd den Befehl des Oberkomman- diereud.-n der bewaffneten Kräfte in Südrußland vom 28. Mai d. I. unter Nr. 1063 oeröffentliche, betehle-.» positiw, des Generals Jude-nusch abtransportiert«Verden. Anlage: Befehl Nr. 10SS. gez. VenenaSeutuant Monkewttz. Richtig: Der Kanzle? Vorsteher der Militärmission, Oberstleut- nant des Äeneralstab» S i j a l s k t. Diesem Befehl folgt die Wiedergabe de» erwähnten Befehls General DenekinS vom 28. Mai, in dem die Mobilisierung aller Osfi» ziere der Arm« und Flotte in Südrußland anbefohlen wird. An- schließend iciran folgt ein zweiter Befehl des„Chefs der rusfi» schen M i I i t ä r mi ssi o n in Ver Ii«", datiert vom 2. August m dem der Mc-bilisieru ngSbeftch! General DenikftrS auf sämtliche Offiziere sowie auch Aerzte m der russischen Armee und Flotte ausgedehnt wind. Allen, die diesem Befehl uricht nachkommen sollten, werden strenge Strafen angedroht. Dann heißt eS in dem Befehl wörtlich: .Von Russen, die znnzeit in Deutichland Ubtn, werden derartige Erklärungen in der Russischen Militärmission in Berlin, UHIand- straße Ibv, in Empfang genommen. Sämtliche Offiziere, Aerzte und Beamte im Alter von 18— 50 Jahren sind verpflichtet, sich in die Listen eintragen z« lallen. Falls die betreffenden Vertonen llch ni!-v- diesen oder senen Gründen für den Dienst untauglich halten, so müssen st« die Gründe ausführlich darlegen. Allen in die Listen Eingetragenen werden nach Maßgabe der Notwendigkeit und Mög- lichkeit Mittel zur Verfügung gestellt werden, um an jene Front- teile in Rußland zu gelange«, an sie erforderlich fein sollten..... gez. Generalkeudnant Mvnkewftz. Richtig: Kanzleschef de» General stabS Oberstleutnant S i. j a l S k i. ES Erscheint mindestens recht merkwürdig, daß solche Befehle im Teutschland ausgegeben werden dürfen. Man stelle sich die Kons«» q Uenzen vor. wen« die Sowjet-Regiervng, die mit ebenso viel Rech! besteht wie die Koltschaksche, in Deutschland ihrerseits in ähnlicher Weife weiden und Teutschland zum Kampfplatz der russischen Mili- tärlonlurrenz machen wollte. Wenn die deutsche Regierung ihre Unparteilichkeit gegenüber russischen Vorgängen wahren will, so muß ste derartige Publikationen für die Zukunft umnöglich machen. Kekne verhanölungen!m Kattftre!?. Der ReichSberga rbeiterrat in Halle a. S. h-;« namen» der streikendenden Kalibergarbeiter den ReichSarbeitSminister wiederholt telegraphisch um eine Unter- redung und um die Einleitung von Verhandlungen mit den Ver- tretern der Kaltinteressenten gebeten. Am Freitag, den S. August 1919, wurde einer Abordnnung de» Bezirksarbeiterrates unter Führung deS Abgeordneten Kvehnen(U. S. P. D.) und des Stet- gerS Peter Gelegenheit zu einer Rücksprache mit dem Referenten des ReichsarbeitsministeriumS m Weimar gegeben. Die mitge- teilten Forderungen gingen im wesentlichen auf weitere Er- h öh u» g der Löhne nnd Verkürzung der Arbeit»- zeit, iibex die im Tarifvertrage zwischen Gewerkschaften und Kaliinteressenten getroffenen Vereinbarungen hinan» und auf die sofortige Einführung der Betriebsräte i» Kali- bergan. Der ReichSmiuisterkehntedie Sink eitung von Verhandlungen ab, mit dem Hinweis, daß am 26. Juli ein Tarifvertrag für den gesamten Kalibergbau abgeschlossen sei und etwaige Forderungen bei der ReichSarbeitSgemeinschaft ge- werblicher Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Fachgruppe Kaliberg- bau, anhängig zu machen seiem Die Besetzung Malmedys..Nieuwe Rotterdamsche Einmntt' meldet aus Brüssel, daß dt« belgischen Truppen am IL. d. MtZ. in Mä I m e d h einziehen werden. deren iaerka fischen Soziattsten ging er nach dem siegreichen und im- hoilschwangeren Herbstputsch der Bolschewik! nach Georgien zurück, dessen reife Arbeiterschaft— die schon Soziaidomcckraten im die Duma wÄstte, ot» fast da« ganze übrige Rußland noch voakttonär war— mit dem BolschewiSmu» nicht» zu tun halben will. Mit seiner dunklen Haut-, Haar- und AugenfaNbe wohl ein typischer Kaukasier, ist Zeretelli ein packender Redner. Da er nur gebrochen französisch spricht, durfte er der Kommission seine Aufklärungen über die Soivfetwirtschast in russischer Sprach« geben, und e» fehlte nicht viel, daß der immer noch leidenschaftliche alte Axel- r o d in Tränen ausgebrochen wäre, als Zeretelli von dem furcht- baren Elend de»„rasskii pr«letariat" unter der blutigen Rätediktatur sprach, fast ohne Geste», nur mit wechselnder Betonung, aber mit glühenden Augen. Noch viele sind da: dt« alt gewordenen Holländer V liegen nnd T r o e l st r a, dem«S erfreulich besser geht, als vor zwei Jahren in Stockholm, und der in schwerer Sorge den Weg sucht, den demokratischen Sozialismus dam Gären der Zeit anzupassen. Banderveldes tönende Stimme erklang und d« Broucktre. der etwa» an Wolfgaug Heine erinnert, setzt Vandervelde» Kamps gegen den Bolschewismus fort, ohne der deutschen Mehrheit doch mit der Schärft des belgischen Ministers entgeyenzutredcn. Der weißhaarige T a n e p a zeigte den gerechten Stirn der italienischen Reformsozialiston, und Tngberg, der blonde jugendliche Ver- treter BrantingS, redete den Unabhängigen mit nordischer Ruhe und unafftktterter Eindringlichkeit nrS Gewissen. Allein der Kon- flikt bleibt ungelöst, den Eduard Bernstein in die entscheiduagS- schwere Frage:„Marx oder Balurun' faßte. r. d. �!ne preußische 5iteratura?aöemie! Die Preußische Akademie der Künste hat bisher einen SchönheH»- fehler gelnftck, den alle freien Geister als ihren wesrntlichsien Vorzug betrachteten: sie hatte kerne Abteilung für Literatur. Die Literatur ist dadurch in Preußen vor vielem bewahrt geblieben, was ihr hier sonst an BevormuiKdung und Drill gedroht hätte. Zweifellos würde in der neuen Republik nicht die gleiche Gefahr bestehen, aber e» taucht die Frag« aus: hat in einer sozialen Republik eine Akademie der Künste überhaupt DasemSberechtigung, verfolgt st? Ziele, die nicht ans andere Weift besser und schneller zu erreichen sind? Die Geschichte aller Akademien der Künste lehrt, daß sie wohl geeignet sind, in autokratischen und bureaukrati schen Staatsverwaltungen die Kunst im Sinne der Maclühaber zu beeinflussen und zu gängeln. eine Reihe überflüssiger Würdenträger und abhängiger Kreaturen zu schaffen, daß sie aber niemals imstande war, die Kunst schöpftruch zu fördern und der Kunst ihre Ausgaben im Dienste de« Volke? zu erleichtern. Im preußischen Kultusministerium ist man anderer Ansicht. Die Akademie der Künste ist bereits um eine Reihe neuer Namen bereichert worden, und allerlei Hoffnungen find an diese neuen Namen geknüpft worden. Wir glauben nicht, daß diese Hoffnungen in Erfüllung gehen werde», die erste Tat der neu besetzten Ako» Nene Mttel zur Jürsorge für KrsegshintsrdZiebenc" Auf die Forderungen deS Reichsbundes der Kriegs« deschädigten, Kriegsteilnehmer und Krieshin« terbliebenen auf Bewilligung außerordentlicher Unter- stützungen hat das Reichskabtnet! einen Beschluß gefaßt, in welchem die Reichsregierung eine Prüfung der Forderungen zu- sagt. Außer oen Mliieln, die bereits bewilligt worden sind, also auch insbesondere außer den am 27. April d. I. zur Verfügung gestellten 303 Millionen Mark stehen weitere Mittel zurzeit nicht zur Verfügung, da die gesetzgebenden Körperschaften solche nicht bereitgestellt haben. Tie Reichsregierung wird jedoch von den gee setzgebcnden Kürverschatten für den mit dem 1. Oktober d. I. in Kraft tretenden ReichSlziu«bat tS plan die Einstellung aus« reichender Mittel erbitten, die insonderheit zur Behe- bung der Notlage bedürftiger Kriegshinte r« bliebener, insbesondere unbemittelter Witwen mit Kindern, dienen sollen. Sie ioeist ferner darauf hin,'daß die zur Abhilft der Lebensmittelteuerung und zur Beschaffung billiger Kleidungsstücke an die unbemittelte Bevölkerung getroffenen Maß- nahmen auch den bedürftigen Kriegshinterbliebenen zugute kommen, Protest des ReichSbundes gegen die Nntlvort der stieg iernng. Der ReichSbnnd der Kriegsbeschädigten, Abt. der Kriegshinterbliebenen, nahm gestern in der Unions-Breuerci, Hasenheide, Stellung zu den Forderungen, die er der Reichsregierung unterbreitet hatte. Kamerad B a» der führte aus, daß die Forderungen gerechtfertigt feien und schon längst auch ohne Protestoersammlung hätten von der Regierung be- willigt werden müssen. Selbst die Nationalversammlung habe die Notlage der Hinterbliebenen und KriegHbefchädigten anerkannt. Doch sei nichts geschehen, obwohl in den Industriestädten und unter den Frauen besonders mit mehreren Kindern furchtbare Not herrsche. Entrüstungsstürme erregte es, als die oben kurz wiedergegeben« Autwort der Regierung verlesen wurde, die weit entfernt sei von der Erfüllung ihrer Pflichten gegen die Opfer des Krieges. Es wurde ein« Kommission von drei Kriegshinterbliebenen und drei Kriegsbeschädigten gewählt. die unter Hinzuziehung der BunbcSftitung sofort m erneute Verhandlung mit der Regierung eintreten soll. Von dem Resultat der Verhandlungen wird eS abhängen, ob trotz des Belagerungszustandes demonstriert wird, um die Forderun» gen zu erkämpfen. .Spartakisten� in öer Reichswehr. Dom Verband inaktiver Unteroffiziere erhcckteu wir folgende Zuschrift: Bei der Brigade Reinhardt, die doch bekanntlich in den Haupt- Sturm» und Revolutionstagen die große Retterrolle in Berlin spielte, wird zurzeit folgender Besch! ausgegeben: „Mit Rücksicht auf die von killen Seiten bestätigten spartakistischen Vorgänge bei den letzten Versammlungen deS Bundes inaktiver Unteroffiziere verbiet« ich für die mir unter- stellten Truppsnteile bis auf weitere» die Zugehörigkeit zu diesem Bund und stelle allen Unteroffizieren der Brigade anhcim, dem Verband der aktiven Unteroffizi.re beizutreten. Einen MannfchastSbund habe ich bis jetzt nicht gestattet; i von seinem Vorhandensein ist mir nichts gemeldet worden, gez. Reinhardt. So'werden die ffnterossiziere, die seinerzeit das Gerippe der Brigade bildeten, behandelt. Wir fragen: Wo waren den« spanta! i stifche Um- triebe? Weil die Unteroffiziere und Mflnmfchafien ihre freie Meinung aussprechen'und weil in einer Versammlung ein Redner entgleiste, der obendrein sofort zur Ordnung gerufen wurde, sind sie für die reaktionären Offiziere Spartakisten! Um dem entgegen- zutreten, sandte der Bund erst vorgestern eine Abordnung nach Weimar, die der Regierung erneut bestätigte, daß der Bund hinter der jetzigen demokratischen Regierung steht. Der Bund wehrt sich auf da» Entschiedenste gegen solche auf Spitzeltvesen beruhend« Anschuldigungen und weist sie mit Entrüstung zurück. iwie der Künste, ibr« neue Ausstellung, hat in keiner Weise bewiesen, daß nun bessere Kunst gefördert wird. DaS KultuSmini- fterium scheint trotzdem zu beaibsichtiaen, eine Abteilung für Lite» rattrr der Akademie anzugliedern. Minister Haemsch hat einem Vertreter des„Berliner Tageblattes" gegenüber— warum werden solche Verlautbarungen nicht deriWesamten Press« zuteil?— sich in diesem Sinne ausgesprochen, und sich persönlich für die. Wahl Hauptmanns, Dechmei», 5ftrrs. Klara MebigZ und evtl. Reinhardts ausgesprochen. Von neuen Ausgabe« der Akademie ist dabei frei- lich nicht die Rede gewesen. Minister Haenisch scheint sich die Litevaturakademie wesentlich ali ein Sachve rstäudigenkollep ium zu denken. Auer auch diese Tätigkeit könnte aus andere Weise besser und ohne alle? Odium, da« nun mal jeder Alademie anhaften muß, a-u«geübt werden. Jede Akademie ist im besten Falle mit den Kinistlern von vorgestern oder gestern besetzt. Die neuen Strö- mutigem werden dort nie entsprechend vertrete« sein können. Sie wollen«s auch gar nicht. Braucht aber das Ministerium Gutachten, so kann eö sie sich viel besser, umfassender und unparteiischer be- schaffen, als durch eine Akademie. Eine Vertretung der Literatur zu sein, könnte eine Akademie sowieso nie beanspruchen— sie müßte dann ans freier Wahl der Literaten hervorgehen. Der Plan, der Preußischen Akademie der Kfintte eine Lite» natu Mb tei tat ng anzugliedern, besteht fett langem. Er ist immer wieder erörtert und— verschoben worden. Auck der letzte Kaiser bat sich damit befaßt. E? wäre eine besondere Ironie des Schick» sttlS, wenn dieser kaiserliche Plan jetzt als erste größer« Tat des n-euen Kultusministerium» aus dem Gebiete der Kunst, allerdings mit anderen Personen, verwirklicht würde. Hoffentlich findet aber da? Ministerium wichtigere und friichtl>arere Aufgaben als die Schaffung einer neuen Dekoration. Die Cchristftellerorganiiation n werden Wünsche und Vorschläge genug haben, die nützlicher sind. Notizen. — Gegen die ReichSvergnügungssteuer, soweit sie Veranstaltungen von höherem wissenschaftlichen oder Kunstinteresse sind, haben sich die Verbände der Berliner Bühnenleiter und der konzertierenden Künstler Deutschlands in einer Eingabe ausgesprochen. Sie betonen darin, daß Theater und. Konzerte nicht aiS vermeidbarer Luxus, sondern als ein Bedürfnis. weitester VolkSkreift anzusehen sind. — Die Universität Rostock wird am 12. November d. I. ihr fünstjnndertjähngeS Jubiläum begehen. Das Jubiläum soll ein Ausdruck der Sammlung, der Erneuerung und Vertiefung der geistigen Kräfte sein. Regierung und Volksvertretung haben der Universität ermöglicht, weitere außerordentliche und ordentliche Lehrstühle zu errichte«. — Da» Rodin- Museum in Pari«. Dieser Tage ist i« Pari« das neue Roiun-Museum eröffnet worden. E» befindet sich im Hotel Biron, doch wird ein Teil der Sammlungen aucki i« Moudcm in der„Villa des Brillatits". die Rodin bewohnt«. Auf- stellutig finden; dieser Teil des Museums soll aber erst im Herbst eröffnet werden. Rodin hatte seine ganze Hinterlassenschaft dam Staat vermacht, der sie nun in dem genannten Museum vereinigt. Außer den Werken von Rodin selbst wurde fit das Museum auch die Einrichtung aufgenommen, die Rodm besaß. Zsgwn öer Aentfch-polnkfchen Uebernahme� Verhanü!ungen. Laut Mitteilung des polnischen MrnisterprSstdiumS, die Wittels Funkspruchs am 9. mittag« hier einging, wird die polnische D c l e g'a t i o n unter Führung de« UnterstaatS« sekrctär« deS polnischen AuhenminifteriumS Dr. WroblewSki in der Stärke von-T, Teilnehmer» Svnntog nacht in Berlin zu den deutsch-polnische» Verhandlungen eintreffen. Die Eröff- »angafilzuilg wirb im Beisein von Vertretern per hiesigen mili- tärische« Mission der alliierte» Hauptmächte im grohen Saale de« ehemaligen Herrenhauses M,n:a, nachmittag um 4 tlhr unter Vorsitz de» Herr» UnterstaatSsekrctärS n. H«» i e l stattfinde«. Herr v. Haniel wird ein« Ansprache halte«. Die Ber. Handlungen selbst werden ooranSsichtlich in mehreren Unterkom- Missionen am Dienstag beginnen. TentscherscitS werden Ber. treter dcv Zentralbshöroen de» Reiches und Preupens. ferner ein. zelne höhere Beamte und Sachverstandige ans den betreffende» Be» zirkea an den Verhandlungen teilnehmen. Stach Bedarf werden weitere Sachverständige und Auskunftspersonen zu den Berhand- wruKu hinzugezogen werden. Zur Oepoetation öec belgischen Arbeiter. Genosse Legien schreibt unS: Durch den Bericht über die»Generalversammlung der Schnei» Vr" in Nr. 402 des.Vorwärts" bin ich aufmerksam gemacht war» den auf di« Berichterstattung über meine Ausführungen in Amster- dam, betreffend die Deportation der belgischen Arbeiter. Der Be- richt in Nr. 3SO des„Vorwärts" läßt mich darüber sagen: „Die Deutschen geben zu, daß Belgien Unrecht geschehen ist und die Deportation die schändlichste Tat wäre, die begangen wer. den konnte. Aber die Belgier hätten selbst helfen können, diese Tat zu verhüten, wenn sie dem Aufruf der Deutschen Gehör ge- schenkt hätten und freiwillig nach Deutschland arbeiten gegangen wären. Sie hätten aber gerade in dem Augenblick, wo die belgische Gewerkschaftsbewegung Gelegenheit gehabt hätte, mit den Deutschen zusammenzuarbeiten, erklärt, daß sie mit den Deutschen nicht« zu tun haben wollen." Dieser Bericht ist falsch. Ich habe gesagt:„Die belgischen Ar» beiter durften nur freiwillig nach Deutschland kommen, niemals durfte ein Zwang gegen sie ausgeübt werden. Es war uns gelungen, den ersten Plan der Deportation zu vereiteln. Da kam der strikte Befehl aus dem ßiroßen Hauptquartier, daß die Ueberführung der arbeitslosen belgischen Arbeiter nach Deutsch- l-nb zu erfolgen habe. Die Ausführung dieses Befehls zu der» bindern besaßen wir nicht die Kraft. Unser Eintreten gegen die Deportation und für die Milderung des Elends der belgischen Ar- beiterschast hätte wesentlich mehr Erfolg gehabt, wenn die belgi- schon Gewerkschaften mit unS gemeinsam vorgegangen wären. Sie lehnten jedoch unsere wiederholten Versuche, hierzu zu kommen. rücksichtslos ab. Wir mußten uns deshalb darauf beschränken, zu ersuchen, die Lage der Deportierten nach Möglichkeit zu bessern, und Wünsche auf Rückführung nach Belgien zu erfüllen. Das letztere ist uns in so großem Umfange gelungen, daß schließlich das Äriegsamt erklärte, um weitere Anträge unsererseits zu verhin- dorn, wir hätten lein Recht im Namen der belgischen Gewerk- schatten zu sprechen und zu handeln. Weitere Anträge auf Rück- ttibrung belgischer Deportierter sollten wir an das spanische Kon- sulat richten, das die Interessen der Belgier zu vertreten habe. Ge» nasse Bauer und ich haben dann in unserer Eigenschaft als Reichs- tagsabaeordneie mit nahezu dem gleichen Erfolge die Gesuche um Freilassung belgischer Deportierter an das Kriegsamt gerichtet. Hätten wir den von den Belgiern gewünschten Protest erlassen, wäre unS diese Tätigkeit nicht möglich gewesen." Von diesen Dingen sagt der Bericht in Nr. 380 deS„Vorwärts" über die Verhandlungen in Amsterdam nichts. Die Bcrichter- stattung war sehr mangelhaft. Teilweise scheint sie auf Rückübe:- ''etzungen aus dem Holländischen zu beruhen. Bezüglich der Er- klärung von Sassenbach zur Schuldfrage ist dies«? festgestellt. Wahr- scheinlich ist die falsche Darstellung meiner Ausführungen auch darauf zurückzuführen. Ucbrigens— alle Redner, die nach mir zum Wort kamen, stellten sich auf Seiten der Belgier. Auch Mer- tenZ-Bclgicn sprach nochmals. Hätten meine Ausführungen dem emsprocheu. was der Bericht mich sagen läßt, so hätten Mertens und seine Vorredner sich den vorzüglichen Angriffspunkt nicht ent- gehen lassen. Bei ruhiger Prüfung und Uebertdgung mußten die- jenigen, die jetzt gegen meine Ausführungen Protest erheben, zu dieser Erkenntnis kommen. Aber— wozu Prüfung und Ueber- l.'gung. wenn mit der Benutzung des Falschen der Zweck erreicht wird.— Zur Sache selbst möchtck ich noch bemerken, daß wohl niemand energischer sich gegen die Behandlung der belgischen Arbeiter ge- wandt hat als ich. Das läßt sich leicht aus den Ber Handlungen, sie über Vorkommnisse in Belgien geführt wurden, nachweisen. Aui den Einwand:„Man könne die Arbeiter in Belgien nicht arbeiiSlos herumlungern lassen", gab ich zur Antwort:„Ich würde mich niemals freiwillig oder gezwungen dazu hergeben, in der Kriegsindustrie des feindlichen Auslandes zu arbeiten, um daS Material herzustellen, mit dem meine eigenen Landsleute vernichtet werden sollen. Was ich aber selbst nicht tun würde, darf ich auch imi_ andern nicht verlangen." Die gleiche Haltung nahm ich ein bezüglich des Widerstandes, den die belgische Bevölkerung dem Einmarsch der deutschen Truppen entgegensetzt«� DaS geschah zu einer Zeit, als ein großer Teil derjenigen, die jetzt gegen daS, was ich «n Amsterdam gesagt haben soll, Protest erheben, noch in heller Kriegsbegeisterung waren. Die.Zeiten haben sich geändert. Diese Protestler aber noch mehr._ T. L e g i« n. verhanöiungen im Hamburger öankgewerbe. Da die Hamburger Bankleitungen den Schiedsspruch des Schlich tu ngsaus ichusies abgelehnt haben, der von den Bank- bcamten anerkannt war. haben die Bankbeamten den De- Mobilmachungskommissar um eine Entscheidung a n- gerufen. Die Verhandlungen sind auf Grund neuer Vorschläge der Banlleitungen im Gange. Vis gestern abend war kein Ergeh- R:S erzielt. Sozialöemokratisther verein für Teitow-öeesÜow. Am gestrige» Sonntag hielt der Sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Teltoto-Beeskow-Siorkotv-Eharlottenburg sein« .4 e n e r a I v« r s a m m l u ng im Sitzungssaale de» Herrenhauses ab. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete die Besprechung der politische« Lage. .Der Referent Schulz-Elbing beleuchtet« die Haltung der Nationalversammlung in der Friedensfrage und bezeichnete die Stellung.unserer Partei zu derselben als durchaus begründet. Ten Gewalt frieden konnten wir leider nicht abwenden. Di« Jnternatio- nale hat jetzt sehr wenig Einfluß. Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß die utter nationale Verbindung der Arbeiterschaft wiederher- gestellt wiD~- Redner b-'Knach H« Beratung ber Verfassung und sagte, die Verfassung ist ja nicht so geraten, rrne wir es wollten, lSehr r.chttglj aber da wir nicht die Mehrheit in der Nattonalvcr- sanrmlung haben, tonnten wir unsere Forderungen nicht völlig durchsetzen. Bei der Erörterung der einzelnen BersassungSbestim- mungen bemerkte der Referent, daß unsere Partei wegen des Kom- promiffeS in der Cchulfvage stark angegriffen worden ist. Dagegen ist zu sage», daß wir wegen der Schulsrage nicht mit dem Zentrum bvcchen konnten, weil es in sozialen Fragen und in der Steuerpolitik unserem Stcmdpmttt erheblich näher kommt als die Dcowteaten.— Ferner bat die Nationalversammlung das Rätesystem in der Ber- faisung festgelegt. Der Redner sagte, er stehe aus dem Standpunkt, daß die politischen Arbeiterräte abzul«chn«n sind.(Sehr richtig!) Ader wirtschaftliche Arbeiterräte müssen wir habe» mit einem starken stiüchhalt cm den Gewerkschatten- Was die Steuer gefetz» gebungobetrifft, so wacht unsere Fraktion sorgsam darüber, daß sie in Uebercinstimmung mit den sozialistischen Grundsätzen durch» geführt wird.— Gegenüber dem Ansturm von links müssen Misere Parteigenossen den Bekennermut zeigen, der sagt, was zu sagen notwendig ist.(Beifall.) In der Diskussion führt« Genosse Ewald aus. die Polt. tik unserer Partei werde dadurch ungünstig beeinflußt, daß sie zu viel Rücksicht auf die Unabhängigen nehme. Das Sortelen nach links sei von Nachteil. Die Verfassung hätte in manchen Punkten besser gestaltet werden können, wenn bei den Abstimurungeg alle unser« Genossen anwesend gewesen wären.(Zustimmung.)— Schmidt(Vorsitzender des ltendctrbeiterverbcnides) unterstrich die Ausführujlg�n des Vorredners betvesfend deS Schielen» nach links, daS auch er für nachteilig halte. Di« Gcfabr der Reaktion von rechts dürfe nicht unterschätzt werden. Die durch die Revolutton niedergeworfenen Parteien der Rechten machten jetzt die größten Ansttengnngen, um wieder emporzukommen. Der verflossene Land- arbeiterstreik sei ein reaktionärer Putsch gewesen, durch den die bieattionäre di« Regierung aus ihre Seite bringen wollten. Die Regierung sxi gegen di« reaktionären Macher nicht in dem Maß«' eingeschrinen, wie es notwend.g gewesen wäre. Die Regierung habe gewußt, Wae vorgehe, sie sei aber nicht rechtzeitig eingeschritten. — Um einen Wiedereintritt der Demokratie in die Regierung sollten wir tms nicht zu sehr bemühen, sondern warten, bis sie von selbst kommen. Mit dem Zentrum könnten wir, weil Avbeiter in dieser Partei Einfluß haben, eher' politische Geschäfte machen, als mit den Demokraten.— Lehnen forderte voll« Wiederherstellung der Pressefreiheit. Was die radikalen Blätter gegen uns schreiben, daS würde unS nicht so viel schaden wie die Agitation, die cm die Untevdrückung ihrer Preßorgane anknüpft.— K eli tz wandte sich gegen NoSie. der in der Reichswehr monarchische, reaktionär« Cssftzieve dulde. (Beifall.) Die Regierung hätte eine aus politisch zuverlässigen Elementen gebildete Truppe ausstellen sollen.— 2 u b an führte demgegenüber aus, der Regierung sei leider nicht» übrig geblieben, als sich auf die Truppen, wie wir sie jetzt haben, zu stützen.— Herlitz betonte diesen Standpunkt noch schärfer und sagte, unsere Parteigenossen hätten doch die Regierung nicht mit der Wafte geschützt, als dies notwendig war. Darum mußten di« Freiwilligen- verbände gebildet werden. Diesen hätten wir e» zu danken, daß wir heut noch hier sitzen.— Lenz sprach in demselben Sinne. Im Schlußwort berührte der Referent Schulz unter anderem das in der Diskussion kritsicrte Fehlen von sozialdemo- kratischen Abgeordneten bei wichtigen Beschlüssen. Auch er bedauert diesen He bei stand und erwähnte, daß uns bei einer tvichtigen Abstimmung 18 Stimmen an der Mehrheit fehlten. Di« Anwesen- heitsliste ergab, daß 42 Lbgeornete fehlten, darunter 32 Mehrheits- sozialisten.(Bewegung.) Die Fraktion habe beschlossen, den Partei- organisationen mitzuteilen, welche von ihren Abgeordneten lfci wichtigen Abstimmungen gefehlt haben. Dre Versammlung stimmte der folgenden Resolution zu: „Die Kreisgeneralversammlung verlangt von dem venant- wortlichen Reichswehrminister NoSke, alles daranzusetzen, um eine Wiederholung der in letzter Zeit immer häufiger werdenden Provokationen reaktionärer militärischer Führer unmöglich zu machen. Es ist unbedingt nottoendig im Interesse unserer Republik, derartig reaktionär gesinnte Elemente rücksichtslos von ihren Posten zu entfernen." Eine zweite, gleichsalls angenommene Resolution be- dauert, daß ber Abstimmungen über wichtige VcrfassungLpositionen in der Nationalversammlung ein bedenklich großer Teil unserer Parteigenossen abwesend war. Zur dauernden Kontrolle der Abgeordneten durch die Wähler werden Maßnahmen gofordcnt entweder in der Wahlordnung, oder, wenn daS nicht möglich sein sollte, durch die Parteiorganisatton. Hierauf nahm die Versammlung den Jahresbericht des Borstande» entgegen. Der gedruckt vorliegende Bericht wirft unter anderem einen Rückblick auf die Wahlen zur Nationalversammlung, zur Preußischen Landesversammlung und zu den Gemeindovertretunaen. Bei diesen Webten hatten wir gegen zwei Fronten zu kämpfen, auf der einen Seite gegen das Bürgertum, auf der anderen Seite gegen die Unabhängigen. Trotzdem gingen wir als die stärkste Partei aus der Wahl hervor. In der lltationatversammlung er- hiellen wir 8, in der Preußischen LandeSversommlung ö Mandate. In 43 rein ländlichen Gemeinden wurden 253 Genossen in das Dorfparlament gewählt. In 24 dieser(stemeinden haben unsere Genossen die Mehrheit der Sitze. In 1 Orten haben wir mit den Unabhängigen zusammen die Mehrheit. In 20 Orten haben wir nach hartein Kampf mit den Bürgerlichen 65 Sitze in den Gemeinde- vorständen erlangt. In weiteren 20 Vorortgemeinden sind 223 Vertreter unserer Partei gewählt worden. In 12 dieser Orte haben wir mit den Unabhängigen zusammen, in Grünmi haben wir allem die Mehrheit.— Die Kreistagswahlen brachten in beiden Kreisen (Teltow und VeeSkow-Storkow) eine sozialistische Mehrheit. Der Mitgliederbestand ist erheblich gewachsen. Er kelief sich am Schluß des vorigen(Geschäftsjahres aus 3102 und schnellte nach der Revolutton bedeutend in die Höhe, so daß am Schluß des Geschäftsjahres 11 359 zahlend« Mitglieder(8709 männliche und 2360 weiblich«) vorhanden waren.— Die Zahl der Bezirksvereine ist von 41 auf 91 gestiegen. Der Kassierer P a g e l S gab einen mündlichen Bericht über die Kassenverhältnisse. G c h r k e ergänzte den gedruckten Jahresbericht und besprach die bevorstehenden?ceuwahlen der Gemeindevorstäirde und der Amtsvorstehcr.— Zur Hebung unserer Parteiorganisattonen in den ländlichen Bezirken schlug der Redner die Abhaltung belehrender YortragSkurse vor, wie sie in den Städten bereits üblich sind. Di« Parteiprosse müsse auf dem Lande mehr al» bisher verbreitet werden. Hierbei komme weniger der„Vorwärts" als vielmehr die..Märkische Volksstimme" in Frage, weil sie mehr den Bedürf- nissen der ländlichen Bevölkerung angepaßt fei.— Herlitz teilte mit, daß die Abhaltung belehrender BortragSkurfe im Kreise be« vertS organisiert sei und am 1. September beginnen werde, auch werde den Genossen der Besuch der Sozialistischen BildungSschul« Groß-Berlin empfohlen.— S ch o l z- Neukölln beantragte:„Die Gencralversamm-lung spricht sich im Prinzip iür die Auflösung der heute bestehenden KreiSorganisattonen aus und fordert die Schaffung einer einheitlichen Bezirksorganisafton Groß-Berlin. Ter.Kreis- vorstand wird beauftragt, zwecks Einteilung der Verschmelzung mit den übrigen OrganisationSleitimgen des Kreises in Verbindung zu treten."— Einige Redner besprachen örtliche Angelegenheiten. Der Kassierer wurde entlastet und der Antrag Scholz gegen einzelne Stimmen angenommen. Die hierauf vorgenommene Neuwahl de» Borstande» und der Funktionäre hatte folgendes Ergebnis: Erster Vorsitzender Thür ow, zweiter Vorsitzender Krüger, Schriftführer Böske, Beisitzer Frau Ryneck(Stellvertreterin Frau Scholz), Stiefenhoser. Fritsch. Revisoren: Menzel, Lemm, Sellin, Hoff. mann, Lazer, Wolfs.— Preßkommission: Dr. B e n d iner� Fiedler, Krüger, Heitmann, Dalibrod. Zentral- bildungSausschuß: W ei m>. n n, Dille, Albrecht. Zentral- jugendausschuß: Feller, Damm. Die Versammlung beichte', den bestehenden Beschluß, wonach Emschädigung cm die Ortssunt. onäre nicht mehr gezahlt wird, aus- zuheben. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen.welche an- erkennt, daß die Regierung das möglichste für die Erleichterung der Lage und den baldigen Rückt.anZport der deutschen Kriegs- gefangenen getan hat, und die Regierung ersucht, in diesen Bemühungen fortzufahren. SewerffchaZksbewMng Aus der Bewegung der kaufmännischen Angestellten. Ein Mitglied deS Zentralveri andcS der Handlungsgehilfen schreibt unS:, Wie in der Arbeiterbewegung überhaupt, setzte auch bei den An- gestellten nach Ausbruch der Revolution ein starker Zustrom zu den sreien Gewerkschaften ein. Die MiiÄiederzahl stieg rapid, eine ungeheure Arbeit war von den freien Angestelltenverbänden zu be- wältigen, GehaltSbewegungen in großer Zahl waren zu führen. In allen Betrieben wurden AngestelltenauSschusse gewählt, welche sich nach Branchen zusammenschlössen und deren Obleute in besonderen Versammlungen über ihre Branckenangelegenheiten berieten. Hier- durch entstanden di« 19 Fachgruppen der Angestellten Groß-Berlins, von welchen jede sich auS ihren Obleuten Fünserkommissionen als Leitung wählten, die wiederum je einen Vertreter in den Zentral- auSschuß der AngestelltenauSschusse entsandten und zu welchem die /ftbettsgemeinschast freier Angestelltenverbände(Asa) ein« gleiche Anzahl Vertreter delegierte, Die Entwicklung und die Kämpfe mit den Unternehmern haben die Angestellten belehrt, daß nur innerhalb der Gewerkschaften' die Fachgruppen daS sein können, waS sie nach Absicht ihrer Gründer sein sollten: nämlich eine Waffe gegen den Kapitalismus. Aber nicht nur diesen gilt es zu bekämpfen, auch die Harmonieverbände stehen heute noch wie seit je den wahren Interessen der Angestellten ent- gegen. Diese Harmonieverbände nennen sich jetzt stolz„Geweri- schäftsbund". Sie haben sogar den„Streik" in ihr Programm ans- genommen. Aber heute wie immer haben sie noch Unternehmer alz Mitglieder in ihren Reihen. Und der Kaufmännische Verein von 1858 gestattet setzt auch weiblichen Mitgliedern, seine gelichteten Reihen aufzufüllen. Im Verein der Deutschen Kausteute„dürfen" Techniker die Mitgliodschaft erwerben. Furchtlos und treu steht der D. H. V. zu seinen Prinzipien. Er ist„eine ausgesprochen völkische Vereinigung", ein«„Männ«r"-Gewerkschaft,. bekämpft den„Dolsche- wismus und verwandte volksfeindlich« Bestrebungen" und nimmt keine Juden auf. Die Ortsgruppe Berlin des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen steht im Begriff, ein neues Ortsstawt zu beschließen, welches sich eng an die durch die Revolution geschasfc- nen Fachgruppen anlehnt. Diese sind hier außerdem noch in Sek- tionen je nach der Eigenart der verschiedenen Branchen geteilt. Jede Fachgruppe hat ihre selbständige Leitung, jede Sektion ebenfalls. Außerdem wählt sich jede Sektion eine Tarif- und AaitaticmS- kommission. Es ist also jedem einzelnen Mitglied« gewährleistet, seine ureigensten Angelegenheiten selbst vertreten zu iöimen. Durch den voraussichtlichen Zusammenschluß des ZcntralverbandeS der Handlungsgehilfen mit dem Verbände der Buremiangcstellten am 1. Oktober in den Zenttalverband der Angestellten ttt der notwendige große Rahmen für diese neue Form gegeben. E? ist die Grundlage, auf der di« kommenden Betriebsräte ausbauen können. Kein Streik der Kaffeehausmusiker. Der ab 9. August beabsichtigt gewesene Sstta? Hex Kaff�hauS- musiker ist unterblieben. Durch Vermittlung ltes Vovfiyenden de» Verbandes der GasttwirtSgehilsen fandgn in den Nachmißt ggZstunden nochmals Verhandlungen bei dem Vorsitzenden des Porbandes der KafetierS statt. Die Parteien kamen nach tzreistündigor Verhandlung zu einer Verständigung. Die. Abmachungen treten Mick Wir- kung vom 11. August in Kraft. Die Formulierung d«S Tarifverträge» soll nunmehr sofort in Angriff genommen werden. Lohnbewegung des technischen Bühnenpersonals. In der gestrigen Versammlung des technischen Bühaenperso- nalS erstattete Schäfer den Bericht der Tarifkommission und legte der Versammlung einen ausgearbeiteten Tarifvertrag vor. Für die äteitz» und Reinemachefrauen seien wegen der schwankenden Arlwltszeit keine bestimmten Löhne festgelegt worden.. Die Werk- stattzulage für Facharbeiter soll in Zuliinft fortfallen. An Lohn wird gefordert für männliches Personal: Schnür-, Seiten- und Rüstnieifter monatlich 550 M., Bühnenarbeiter 525 M., PortierS und Nachtwächter 400 M.; für weibliche» Personal: Schneide- rinnen, Näherinnen, Requisiteure 300 M.> Garberakwfvcaten 2,50 Mark pro Vorstellung. Für die Reinemachefrauen werden 40 Proz. Zulage gefordert. DaS Werkzeug soll in Zukunft von den Direktto- nen geliefert werden. Urlaub soll gewährt werden im ersten Jahr 14 Tage, bei mehr als ein Jahr 4 Wochen. Bureauangestellte und Theaterfrisenre sollen in den Tarifvertrag mit ausgenommen wer- den. Der/a8 Uhr: Der Küaptllnc. Komödienimns 8: Liselott von der Pfalz* Berliner Theater 7.15: Die Dame Im Prack. ÄiMrais-Falast. Sniematlon. BingUämpje um den Preis der Deutschen Republik.| Ante AdimratS'ifclno. Der weg, der zur Verdammnis führt. iL] Buchhandlung vorwärt» Bcr.inSw.SS.cmdeustr.2 AniWabllS Das alte und das neue Credo Loteruni consoo Die Marseillaise des EhnstenwmS FreidenkerischeSedichte von Kkiedrich krasser Preis 75 Pfennig 'WMMWs mm Ausscheide« aller flu aus den Säften gikt e« nUbiii Bessere, als Apotheker eanenftcin, i»c»ooatwn»-Pil. len 0arthsttof,e 19, Fernspr. A 8099. i Tähnp mit echtem Friedens- kautschuk 5 Mark. 5 Jahre Garantie.— gah«ziehen mit Betäubung b Bestellung v. Gebissen gratis. Doldkronen v.30M. Spezialität: zahne ohne csoumenplatke. �ahnpraxis ttatvani,' Dauziger Straße, Dcke Schönhauser Alle«. -4» Spezial-Behandlmig Kühn ki"*'-h Inrfroiccfn 75 I Ecke Breslauer Mr., dicht am Schles. Bnt. AUUlllluMl. 10, I Spreche. 10— U, 5—7, Sonnt, geschlossen. 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MI 1,— August Bebel, Attentate und Sozial- demokrati«.......... MI 0,80 August Bebel, Die Frau und der So- zialiSmuS........ geb. MI 9,— Bebel-Porträt. Heliogravüre auf Ch'napapier. Künstlerische Ausführung. Plattengr. 19,5: 26 om. Kartongröße 32: 34 om..... MI 1,50 Dasselbe nach dem Gemälde von Tronnier. Kunst- blatt in 5 Farben, Bttdgr. 24: 25,5 om MI 1,50 Dasselbe, Heliogravüre auf Chinapapier. Bild- große 48: 51 om....... MI 7,50 Dasselbe in farbigem Faksimile.... 30,— Dasselbe Heliogravüre auf Chinapapier, Bildgröße 88: 92 om....... 26,— Dasselbe in farbigem Faksimile.... 60.— Die vorstehenden Porträt» Bebel» find nach dem De» mälde Tronnier» angefertta» und wahrhaste Kunstblätter. Die«»»gaben in verschiedenen D rüsten und zu unter. schtediichen Preisen ermöglichen die«nschafsung sowohl für die bescheidenste«rbcilerwohnung wie sllr den Besser- fitnierten und für»«reine. Bebel-Büste» modell. von Julius Obst, Berlin. Größe I 30 cm hoch, MI 60,—; Größe II, 60 om hoch. MI 35.—; Gr. 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