Nr.414.I6.Iahrg. Bezugspreis, ViertkljührUS� Mü. monatL 8�- SRI frei ins vaus> ooraus jaliibac. Postbezug! Monatlich 8>— Ml. exll. Zu- sl e üung zg edühr. Unier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 6,23 Ml. Mr das iibrtg« Busianb w 23 Ml. bei täglich erutnal. Zustellung S,23 Ml. Postbestellungen nehmen an Dänemark. Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Singetragen in die Post-Zeitungs-Preielift«. Der.Vorwärts� mit der Sonntag» beilag?»Poll u. Zcif" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag, einmal. Morgen-Ausgabe. Telegrmnnt-Adresse: »Sozioldemotral Oetlin". Berliner Volksblstt. Zentralorgan der fozialdeniokratifdjcii parte» Deutrchlanda. ( 15 Pfennig) Anzeigenpreis: Dte achigelpalten» RonparelllezeN« lostet lchll Ml„Slein« Uuzeigen». da» tettgebruSte'Wort 60 Pig.(zulässig 8 seNgedruckie Wortes, sede» weitere Wort tll Pfg. Stellengesuche Mld Echlafstellenanzetgen da« erste Wort to Psg.>ede» weiter, Wort ZV Pjg. Wort» über l3 Buchstaben zählen für zwet Wone. Teuerungsznschlag SO»/». Familien- Anzeigen, politische und gcwerlschastliche Verein»- Anzeigen 1.50 Ml. dt- geile. Anz-tg-n Mr die nächste Rummer mlisien bis 5 Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft, verlin SW SS, Ltndenstraße Z. abgegeben «erden. SeSffnet von S Uhr frsih bt» S Uhr abend» Reöaktion unü Expedition: SW. 6$, Ändenstr. 3. aermprecher: Amt Morinplatz, Nr. l.SI.V0— tölt»?. Freitag, den 15. August 1919. Vonvärts-Verlag G.m.b. h., SW. 68, tindenstr. 3. Aerufprecher: Amt Moridplaq. Nr. 117 SS— S4. Sturm auf die luxemburgische Kammer. Luxemburg, 14. August. Etwa 20 Wv Arbeiter baben gestern vor der Abgeordnetenkammer eine Kundgebung veranstaltet und dabei eine Teuerungszulage verlangt. Die Kammer hat daraufhin eine Teuerungszulage von 250 Franken bewilligt. Die Arbeite? verlangten 450 Franken. Da die Abgeordneten sich weigerten, ihren Bc- fchluß zu ändcru, drangen die Kundgeber in dir Kammer ein, wobei sie Schüsse abgaben. Sie haben die Abgeordneten gefangen gesetzt. Alle Befrciungsvcrsuche sind bis jetzt trotz der aufgebotenen Truppen fehlgeschlagen. Die Reaktion in Ungarn. Ein sozialistenreines Kabinett. Ter Umsturz in Ungarn ist nun vollkommen. Seit Donnerstag sind alle politischen Spuren der ungarischen Revolution ausgelöscht. Ein Kabinett der äußersten Rechten ist gebildet wor- den und die Sozialdemokratie hat jegliche Beteiligung daran abgelehnt. Das Kabinett hat folgend« Zusammensetzung: Ministerpräsident: Friedrich, Auswärtiges: Martin L o- v a S z y, Inneres: Baron Pernhi(Staatssekretär unter TiSza), KultnS: Karl HuSzar(Ehristlichsozial), Ackerban: JuliuS Nubinek(Großagrarier), Handel: Franz Heinrich, Finan- zcn: Lorand HcgedueS, VolkSwohlfahrt: Stefan Haller (Ehristlichsozial). Wie verlautet, soll bald die Nationalversammlung einberufen werden. Das neue reaktionäre Kabinett hat auch bereit» B e- ziehungcn zu der Szcgediner monarchistischen Regierung aufgenommen und verhandelt mit ihr. Diese Wand- lung der inneren politischen Herrschaft Ungarns ist der k» m m u- n ist ischrn Verwilderung Budapests zuzuschreiben. Bei den radikalen Elementen kann sich nun da» ungarische Volk bedanken. Der Kleinkrieg in Ungarn. Wie das Ungar. Telcgr.-Korr.-Bureau meldet, halten sich die zersprengten Truppen der früheren Regierung in kleineren Gruppen in den Wäldern auf. Zu ihrer Festnahme hat das Militärkommando im ganzen Landesteile jenseits der Donau eine Razzia angeordnet. Ernährungskrise auch in Ungarn. Budapest, 14. August. Wie das Amtsblatt.Budapesti Kozlöny' meldet, können die Druscharbeiten im Lande wegen deS Kohlen» und Benzinmangcls nicht ausgeführt werden. Das bedeutet für Ungarn eine Katastrophe und ist geeignet, auch den Ernährungskommisstonen der Ententemächte gesteigerte Sorgen' zu verursachen._ Der Krieg in Armenien. Der starke bewaffnete Widerstand, den die ueu gesammelten türkischen Truppen den ZertrümmerungSabsichtru der Entente gegenüber dem türkischen Reiche entgegensetzten, hat die Entente in äußerste Besorgnis gestürzt. In O st a n a t» l i r n, auf dem Ge- biet, das dem neuen armenischen Staat zugesprochen werden soll, stehen starke türkische Truppenkräste. Dir Lage ist sehr gespannt. ES ist bereits eine amerikanische Division nach Konstan- tinopel eingeschifft worden und der amerikanische Vertreter in Klein- ästen dringt darauf, daß dir britischen Truppen auS diesem Gebiet nicht zurückgezogen werden. Statt der Welt den Frieden zu bringen, wie man es so oft hech und heilig in Paris versprochen hatte, stürzt man durch die Vergewaltigung geschwächter Völkerschaften ein Land um daS andere in neues gräßliches Blutvergießen. DaS ist der Frieden, den uns Wilson beschert hat. vor öem Verkehrsstreit la Selgien. Reuter meldet aus Brüssel, daß daS Syndikat der Eisen- bahn«, Post«, Telegraphen- und Telephoa-Ange« stellten eine Note veröffentlicht, in der es mitteilt, die Erklärung der Regierung in der Kammer trage leider nicht zur Besserung der Lage, die äußerst gespannt sei, bei. Wenn das Syndikat daraus den Schluß ziehen müsse, daß olle Mittel zur Versöhnung erschöpft seien müsse rS seine Forderungen mit allen gesetzlichen Mitteln, die in seiner Macht liegen, durchsetzen. Bekanntlich laust übermorgen die Frist ab, innerhalb deren daS Syndikat in den Streik zu treten gedenkt, wenn inzwischen seine Forderungen nicht bewilligt stnd. Krise in Gbersihleflen. B c n t h e n, 14. August. Nachdem die Arbeiterschaft des obcrschlcsischcn Elcktrokrastwerkes Z a b o r z e sich heute dem Ausstande der Berg« und Hüttcnleute, die zu 95 Proz. aus- ; ständig sind, angeschlossen, beginnt die Lage sich zuzuspitzen und das Wirtschaftsleben zu lähmen. Im Bezirk Hindcnburg und Gleiwitz ist wieder jeglicher Verkehr lahmgelegt, elektrische Kraft und Licht fehlen, sie haben nur schlechte Ersatzbclcuchtung. Das Erscheinen der Zeiwngcn ist für morgen in Frage gestellt. Ueber die übrigen Bezirke Obcrschlefiens wird morgen nach der Besprechung zwischen Behörden und Arbeiterschaft die Entsendung fallen. Ausschreitungen in kattowih. sl Breslau, 14. August. In Kattowitz ereigneten sich vormittags mehrere schwere Ausschreitungen. Auf dem i Wochenmarkt wurden die Verkaufsstände der Händler wegen der hohen Preise umgelvorfen und geplündert. Die Händler selbst wurden mißhandelt. Die Polizei blieb machtlos gegen die zu Tausenden angesammelte Menge. Eine Rotte loilder Burschen, meist Streikende, sowie Feld- graue und Matrosen, durchzogen die Straßen. Sie schlugen teilweise die Schaufenster ein und raubten ein Zigarren- geschäft vollständig aus. In der Rathausstraße versuchte die Menge die Polizeiwache zu stürmen. EL mußte militärische tilse requiriert werden. Die Soldaten gaben mehrere ch r e ck s ch ü s s e ab. worauf die Menge auseinanderstob, indem sie eine Anzahl Verwundeter zurückließ. Die Streiklage. Ueber die Streiklage sinder morgen bei dem Staatskommissar in K a: l o w i tz eine Sitzung statt, an der GewerkiwaflSvertreter aller Richtungen teilnehmen werden. Da« Zaborzer Licbtwerk bat sich dem Streik jelt Herne Mittag angeschlossen. Da« Chorzower Llchtwerk dal erklärt, noch bi« morgen warten zu wollen, ehe e« seine Entschließungen fahl. Nach dem Nachmittagsbericht sind noch weiterhin in Streit aetreien: Friedensgrube. Emanuelsegen. Fürstengrube. Heimlich Gluck; von den Hüttenwerken: die Baildon-Hülte und Uthemann-Hütte bei Schoppinitz. Die KvnigShütle ist arbeilS« willig, wird ober wahrscheinlich morgen wegen Kohlenmangel feie n j müssen, da die Laurabütte streikt. Sollte der Lichlstreik eintreten, dürften noch weitere Hüttenwerke gezwungen sein, zu schlichen. Parteitag üer französischen Sozialdemokratie. De: außerordentliche nationale Kongreß der sozialdemokratischen Partei, der in Lyon stattfindet, wird vom 14. bis 16. September tagen. Die Lebensmitteikontrolle in Jrankreich. Versailles 14. August.„Journal Osfidel" veröffentlicht ein Gesetz, durch das die Festsetzung von Normalpreisen für Lebensmittel obligatorisch gemacht wird. Jede einzelne Ware muß deutlich sichtbar mit dem Preis« verseihen sein, und es darf keine Ware verkauft werden, Wwen Preis den festgesetzten Normalpreis übersteigt. Die Ireilaflung See Kriegsgefangenen. Eine Erklärung Bonar LawS. Englischen Blättern zufolge erklärte B o n a r L a w auf die Frage KenwonhyS, welche Schritte unlernommkn werden, um die deutschen Kriegsgefangenen in England jetzt, wo die deutsche Regierung den Friedensvertrag genehmigt hat, in ihre Heimat zurückzubcsördern, daß die Gefangenen sobald wie möglich nach der Ratifikation des Friedens- Vertrages heimbeförderl weiden. Dies sei jedoch eine An- gelegenheit. die dem Friedensvertrag zufolge gemeinsam mit den Alliierten behandelt werden müsse. Stanügerichte in polen. DaS Warschauer RcgierungSorgan„Monitor Polöki" veröffentlicht eine Verordnung, wonach die Standgerichte im ganzen Gebiet des früheren Kongrrßpolen eingeführt werden. Der Landtag hatte am 30. Juni d. I. ein Gesetz beschlossru, das dir Standgerichte rrmächtigte, die Todes- strafe bei den Lcrgchcn auszusprechen, die im gewöhnlichen Ber- fahren mit schwerer Gefängnisstrafe geahndet werden. Zuckerknappheit infolge der Kohlennot. Di« zuständigen Reichs- stellen haben sich hemüht. im Ausland Zucker anzukaufen; bei der großen guckerknappheit auch im Auslände sind aber Zuckerankäufe nicht möglich gewesen. Der Mangel an Kohle» wird auch auf den Betrieb der Zuckersabriken in der empfiudliwsteii Weise einwirken, so daß voraussichtlich lauin damit gerechnet werden kann, daß die Fabriken die ihnen angebotenen Mengen an Zucker- rüben werden verarbeiten können. /luf Sem Wege zur Abrüstung? Vor dem jubelnden englischen Unterhaus hat C h u r- ch i l l verkündet, daß in einem Jahre England und Deutschland die einzigen großen Nationen sein werden, die keine allgemeine Wehrpflicht hoben. Deutschland wird durch den Friedensvertrag gezwungen, sein Heer so bald wie möglich auf die Zahl von 100 000 Mann zuriickznsühren. Wenn auch einige Hoffnung besteht, die Militärkommissionen der Entente werden sich davon überzetlgen lassen, daß 100 000 Mann für Deutschland zu wenig sind. so ist doch daran nicht zu zweifeln, daß wir uns auf absehbare Zeit mit einem sehr kleinen Söldnerheer werden begnügen müssen. In dein Friedensvertrag wird uns dies« bittere Pille durch die Behauptung zu versüßen gesucht, die Wehrlos- machung Deutschlands sei lediglich der erste Schritt zur allgemeinen Begrenzung der Rüstungen, die zu den ersten Pflichten des Völkerbundes gehören werde. Vorläufig besteht die Lösung des Abrüstungsproblcms durch die Entente jedoch lediglich in der einseitigen Entwaffnung der von ihr besiegten Mächte, und eine törichte Illusion wäre eS, in der Tatsache, daß jetzt England dasselbe Wehrsystem annimmt, das Deutschland aufgezwungen wurde, bereits einen weiteren Schritt auf dem von der Entente gewiesenen Wog zu erblicken. Das immer wiederholte und mit zäher Energie erreichte Kriegsziel unserer Gegner war die Vernichtung des preußischen Militarismus. Damit meinten' sie nicht so sehr die Beseitigung eines rückständigen politischen Systems, als die endgültige Erledigung der militäriidhen Machtstellung Deutschlands in Europa. Das europäische Staatcnsystom beruhte seit jeher auf der traditionellen Ohn- macht der europäischen Milte. Nach dem Kriege 1870/71 verlegte sich der militärische Schyverpunkt Europas jedoch immer mehr nach Deutschland, eine Tatsache, die während des Ber- liner Kongresses iftren glänzenden, aber für die Folge vcr- hängnisvollen Ausdruck fand. Damals wurde die Grundlage für das französisch-russische Bündnis gelegt, das sich zu jener übermächtigen Koalition ausgewachsen hat, der Deutschland erliegen mußte. Die Entente hat ihr Ziel erreicht. Die gewaltigste Kriegs- Maschinerie der Welt ist zerbrochen. Aber der brutale Gewalt- friede, den die Feinde uns aufgezwungen haben, beweist, worauf es ihnen ankam. Zwar geben die Ententemachthaber vor, daß es ganz in der Srdnung sei, mit der Bosrenzung der Rüstungen zuerst und allein bei Deutschland zu beginnen, weil'dieses den Staaten Europas das ungeheure Anwachsen der Rüstungen aufgezwungen habe. Aber so sehr auch aner- kannt werden soll, daß in dem alldeutschen Machtstreben eine erliste Bedrohung der Welt lag, so ist es dock) nunmehr, nach deni innerpolitischen Umschwung und dem Sieg der Demo- kratie m Deutschland, ein Akt schnöder, imperia- Ii st i scher Vergewaltigung, Derttichland dauernd zur Ohnmacht zu verdammen und ihm die spezifische Heercsorganisation der Demokratie zu rauben, die allgemeine Wehrpflicht. Hierbei von„Abrüstung" zu reden, ist nichts als elende Heuchelei, denn die erste Voraussetzung für eine wirkliche Ab- rüstung ist völlige Gegenseitigkeit. Aber die sieg- reichen Mächte denken gar nicht daran, auch bei sich abzu- rüsten. Frankreich und Amerika rüsten im Gegenteil munter ans. Und selbst wenn sie abrüsten wölkten, so könnten sie eS nicht. Denn solange die vom englisch- französisch-amerikanischcn Weltkonzern im sogenannten Völkerbund aufgerichtete Weltordnung auf der Ausbeutung eines Teils der Welt durch den aiideren beruht, solange Teutschland als Sklaven- und Arbeitsvolk gehalten werden soll, werden die Weltherrschaftsmächte ihre Waffen nicht ab- legen und auf alle Abrüstungsbestrebungen pfeifen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß England jetzt wieder zu dem Heeressystem zurückkehrt, das es v o r dem Weltkriege gehabt hat. Der Verzicht auf die allgemeine Wehrpflicht bedeutet für England nicht auch einen Ver- zicht auf seine W e l t st e l l u ng, wie für Teutschland, sou- dern gerade im Gegenteil eine Stärkung seiner Machtstellung, aus der es nur Vorteil« ziehen wird. Die Grundlage der englischen Machtstellung in der Welt ist seine Flotte. Das Landheer diente ihm seit jeher in der Hauptsache zur Beherrschung seines gewaltigen Kolonial- reiches. Und für lange überseeische Expeditionen eigne» sich Söldnerheere am besten, sind Volksheere unbrauchbar. Außerdem bedeutet die Rückkehr zum Söldnerwcsen eine gewisse Er- leichterung der drückenden Rüstungslasten Englands und be-. wahrt es davor, noch tiefer in die Schuldknechtschaft von Amerika zu geraten. Ganz anders ist aber die Lage Deutschlands. Wohl können wir auf eine Flohe verzichten, nicht aber auf eine Organisation der nationascn Verteidigung, die uns bei unserer gefährdeten Lage inmitten Europas einen sicheren Schutz unserer Grenzen gewährleistet. Das zuverlässigste und wirksamste Instrument zur Verteidigung des Landes ist aber allein ein V o l k s h e e r auf der Grundlage der a l l g e- meinen Wehrpflicht. Die sich aus seiner Weltlage für Deutschland ergebende Notwendigkeit, ein starkes Heer der allgemeinen Wehrpflicht zu organisieren, hat Lloyd George vor dem Weltkriege durchaus anerkannt. Man hat es vielfach als merkwürdig bezeichnet, daß gerade das vor- märzliche reaktionäre Preußen zuerst und lange allein in der allgemeinen Wehrpflicht die fortgeschrittenste Heeresverfassung besaß, die bekanntlich Engels im Jahre 1865 die einzige demo- kratische Einrichtung Preußens genannt hat. Aber gerade die Tatsache, daß sich trotz der Widerstände der Reaktion das Werk der Scharnhorst, Gneisenau und Boyen durchzusetzen und zu behaupten vernrochte, belveist, wie sehr die allgemeine Wehrpflicht durch die Weltlage Deutschlands bedingt ist. So gewiß es ist, daß das Problem der Abrüstung nicht eher von der Bildflächc verschwrnden wird, als bis es gelöst ist, so gewiß führt der von der Entente eingeschlagene Weg der willkürlichen Entwaffnung der von ihr beherrschten Mächte n i ch t zu diesem Ziel. Im Gegensatz zu der Methode der Entente erblickte Engels in der Verkürzung der Dien st zeit den Punkt des Archimedes, an dem das Bedürfnis nach Abrüstung den Hebel ansetzen kann. Diese wirkliche Abrüstung konnte vor dem Weltkriege nicht erfolgen, weil die imperialistische Raubpolitik ihr hindernd im Wog? stand. Der Angriffsgeist des Imperialismus braucht möglichst starke, schlagfertige, stehende Heere und ist deshalb ein Feind der Volksheere mit kurzer Dienstzeit. Der lebhaste Widerstand gegen die Ver- kürzung der Dienstzeit, der in allen Ländern geleistet wurde, geschah nicht so sehr im Interesse der militärischen Ausbil- dung— das Beispiel der Schweiz bewies auch schon vor dem Weltkriege, daß in wenigen Monaten kriegsverwendungs- fähige Mannschaften ausgebildet werden können— als deswegen, weil jede Verkürzung der Dienstzeit die Zahl der in der aktiven Armee stehenden verkleinert und demgegenüber die Zahl der Reservisten anschwellen läßt, das Heer also für Angriffszwccke unbrauchbar macht. Sehr mit Recht schrieb Jaurds: „Das kaiserliche militaristische Deutschland ist nur konsequent, wenn es sein Vertrauen und den Schwerpunkt seiner militari- schon Kraft immer mehr in seine aktive Kasernenarmee legt, wenn es bestrebt ist, bei den ersten und seiner Ansicht nach ent- scheidenden Kriegseveigmssen die Rolle der Reserven, also die der Ration, immer mehr einzuschränken."» Was für das kaiserliche Deutschland galt, galt in gleichem Maße für das republikanische Frankreich. Beide Staaten be- fanden sich in einem Wettlauf um eine möglichst sprung- bereite, aktive Kasernenarmee. Vor dem Weltkriege erstrebte man möglichst große und schlagfertige stehende Heere, weil das nnlitärische Denken voll- kommen von den Grundsätzen der Niederwerfungsstrategie beherrscht war. Der aus ihr geflossene Offensivgeist hat, so sehr er Deutschland auch strahlende Einzelerfolge gebracht, im Weltkriege im ganzen doch versagt gegenüber der Ermattungs- strategie. Für ein System der reinen Verteidigung sind jedoch Volksmilizen die gegebenen Heeresformen, so daß in Zukunft der Einführung der Miliz in Deutschland stra- tegisthe Bedenken nicht mehr entgegenstehen können. Heine unö Napoleon. Bon Hermann Wendel. Das qeschichtsdarstellerisch vollblütige Buch Hermann Mendels über„Heinrich Heine", dessen Erscheinen(bei Kaden u. Co., Dresden) erst nach dem Aufhören der Kriegszensur möglich wurde, ent- hält ein Blatt, das auf die Napoleonverehrung in Deutschland vor hundert Jahren eingeht. Wir geben diese Betrachtung heute in Erinnerung an den Tag, an dem vor anderthalb hundert Jahren Napoleon Bonaparte in Ajaccio auf Corsika geboren wurde. Die Lehre der Freiheit und Gleichheit war in den Tagen der großen französischen Revolution„aus jener allgemeinen Er- kenntnisquclle geflossen, die wir Vernunft nennen", und neben der Liebe zu schönen Frauen saß deshalb die Liebe zur franzö- fischen Revolution von Uranfang in Heines Herzen. Diese Revo- lution war das Signal für den Befreiungskrieg der Menschheit, und als der Kuhreigen der Freiheit Nang ihm die Marseillaise ins Ohr, doch seine Neigung galt immer noch mehr der großbürger- lichen Gironde als der kleinbürgerlichen Bergpartei, wie er auch die radikalen Wahlrechtsreformer in England in Verdacht hatte, auf eine„Pöbelherrschaft" loszumarschieren. Wenn der Dichter der Zwei Grenadiere der schwärmerischste deutsche Sänger Napoleons wurde, so sprach sicher die rein künst- lerische Freude an einer gewaltigen Persönlichkeit mit, die durch ihre menschliche Größe auch einen Goethe in ihren Bann zwang. Aber mebr noch steckte in dieser Napoleonbegeisterung kühne Aus- lehnung gegen die herrschenden Mächte des Tages. Damit stand Heine nicht allein, sondern wie einst im Düsseldorfer Hofgarten war er auch jetzt im Garten der deutschen Literatur nur einer unter vielen, die den Hut von, Kopfe rissen und mit lawtem: Vive l'Empereur! den Mann umlärmten, der gelassen die Allee heruntergeritten kam. Schon im Oktober 1814, als die siegreichen Landwehren aus Frankreich nach Deutschland zurückströmten, feierte eine sächsische Zeitschrift den entthronten Kaiser als„die Schutzwehr der Verfassung durch Stellvertreter, als einen ge- schworenen Feind des Feudalsysteuis und als kräftigen Erzieher der Nationen zum Widerstande gegen mutwilligen Druck und ab- genützte Vorurteile", und als der vpn Elba Zurückgekehrte in den hundert Tagen gar mit konstitutionellen Gedanken spielte, war er mit einem Schlag der Abgott aller liberalen Elemente in Deutsch- land nicht nur, sondern in ganz Europa. Man erinnerte sich, wie er einst jeden Aufstieg zu höherer Gewalt, vom General zum Kon- sul und vom Konsul zum Kaiser, durch eine allgvmeine Volks- abstimmung hatte bestätigen lassen. Man bewunderte außerdem in dem Advokatensohn, der es bis zum allmächtigen Weltherrscher gebracht, den gelungensten Beweis für die liberale Weltanschauung vom Sieg des Tüchtigsten beim freien Spiel der Kräfte. Mit jedem Tag wuchs die Neigung und Bewunderung um so mehr, je viehischer sich nach Waterloo in Frankreich der weiße Schrecken in bluttriefenden Orgien gegen alle Anhänger deS Kaisers ausraste und je hündischer die Engländer den Gestürzten in dem Käfig der einsamen Insel St. Helena folterten. In all den Jahren zitterten die Fürsten und Feudalen vor seiner Rückkehr, und Chateaubriand meinte mit Recht, daß„Napoleon? Hut und grauer Nicht in der willkürlichen Einführung kleiner Polizei- truppen, sondern in der Verkürzung der aktiven Dienstzeit m dem Volksheere der allgemeinen Wehrpflicht, d. h. in der Ein- führung des Milizsystems, liegt die Verwirklichung der Abrüstung. Daneben sind gegenseitige Abmachungen der im Völkerbund vereinigten Mächte über eine weitgehende Beschränkung mechanischer Rüstungen erfor- derlich, denn die mit der Entwicklung der Technik schier nn- begrenzt gewordenen Möglichkeiten der Kriegsindustrie wür- den die Völker nach wie vor wirtschaftlich zum Weißbluten bringen müssen, wenn sie sich nicht über den Umfang ihrer mechanischen Rüstungen verständigten. Auf die Organisierung seiner Wehrkraft in einer natio- nalen Miliz wird Deutschland dauernd nicht verzichten können. Nachdem das alte Heer zertrümmert war, ein Staat aber ohne eine reale Machtgrundlage nicht existieren kann, ergab sich die Zusammenstellung von Söldnertruppen naturnot- wendig aus der entstandenen Situation. Dieses Söldner- Wesen kann in Teutschland aber nur eine Ucbergangsform sein. Es ist selbstverständlich, daß wir, wie alle Friedens- bedingungep, so auch die über unser Heerwesen loyal und ge- wissenhaft erfüllen wollen. Aber ebenso selbstverständlich ist es auch, daß wir dabei die deutsche Zukunft nicht crns dem Auge verlieren dürfen. Diese ist aber nur gesichert, wenn das Werk Scharnhorsts fortgesetzt wird und auf einer höheren Stufenleiter ein Volkshecr entsteht, nicht zur Bedrohung der Welt, sondern zum Schutze der deutschen Kultur und unserer Zukunft. Unsere demokratischen Ideale geben wir nicht aus, trotz des Friedensvertrages, und auch trotz der„Abrüstung" Eng- lands. Bernhard Rausch. Reichstag oüer Nationalversammlung Durch Erlaß des Reichspräsidenten ist nach dem Jnkraft- treten der Verfassung bestimmt worden, daß die Nationalver- sammlung � hinfort als Reichstag anzusprechen ist. Die „Freiheit" hat daraufhin einen Mordslärm vollführt und von brutalem Terrorismus und schamlosem Betrug der Re- gierung gesprochen. In der falschen Annahme, daß mit der Namensänderung beabsichtigt sei, der Nationalversammlung die vierjährige Reichstagsdauer zuzusprechen. Der„Vorwärts" hat dazu das Nötige im letzten Abend- blatt gesagt. Die„Freiheit" hat diese Notiz nicht gefunden. Sie behauptet daher, der„Vorwärts" schweige, scheine also mit dem„Betrug, der am deutschen Volke verübt werden soll, einverstanden zu sein". Die„Freiheit" schimpft gern auf den„Vorwärts", aber sie liest.ihn nur recht mangelhast. Allerdings sind Diir mit dem„Betrüge" oder dem „neuesten Terrorakt" einverstanden, weil weder ein Betrug noch ein Akt des Terrors vorliegt, sondern die Erfüllung einer Verpstichtung, die die neue Verfassung der Regierung auferlegt. Im Artikel 186 der Verfassung heißt es nämlich: „Bis zum Zusammentritt des ersten Reichstages gilt die Nationalversammlung als Reichsta g". Dar- aus hat die Regierung die Schlußfolgerung gezogen, daß hinfort die Nationalversammlung auch Reichstag zu nennen ist. Nun kommt die„Vossische Ztg." der„Freiheit" zu Hilfe. Sie behauptet in einem Weimarer Drahtbericht, daß die Benennung unrichtig sei, weil sie die vierjährige Legislatur- Periode in sich schließe. Das ist nicht richtig. Der Name sagt durchaus nichts über die Dauer. Aber wir geben zu, daß die Frage der Benennung strittig erscheinen kann, weil die Verfassung nur von einem „gelten" spricht. Man kann sich so oder so entscheiden. Wer Lust hat, mag daraus eine Doktorarbeit machen.. Rock auf der Spitze eines Stockes an der Küste bei Brest genügen würden, um ganz Europa zu den Waffen greifen zu lassen". Aber wenn schon einmal zu den Waffen gegriffen werden mußte, wollte auch der Mann aus der Masse lieber für den kaiserlichen Adler seine Haut zu Markte tragen, der doch auf seinen Schwin- gen ein gut Stück Freiheit in die Welt gebracht, als für den kur- hessischen Zopf, in dem nur der Staub verstorbener Jahrhunderte dick und modrig saß, und für die Napoleonverebrung im deutschen Volk sprach noch Jahrzehnte später Herweghs Klage: Wann hängt in jeder deutschen Hütte Der Hutten statt des Bonaparte? Nun hatte Heine nicht nur als Rheinländer und Jude die Segnungen des Napoleonischen Regimes am eigenen Leibe er- fahren, sondern auch in der dicken und heißen Luft Deutschlands nach dem Wiener Kongreß kaum zu atmen vermocht und im be- sonderen in der preußischen Hauptstadt die schnarrenden Junker getroffen mit ihrem ingrimmigen Haß gegen den Code Napoleon, „dieses schlechte Gesetzbuch, das nicht mal erlaubt, der Magd eine, Maulschelle zu geben". Wie Hegel am Tage von Jena und Auer- städt im Kaiser die„Weltseele""sah,„zu Pferde sitzend und über die Welt hingreifend und sie beherrschend", so bewunderte Heine in Napoleon„den Mann der Idee", den„Ideen gewordenen Menschen", und de» Dichter, der so ganz dem Ideal der bürger- ltchen Freiheit ergeben war, begrüßte ihn natürlich als den Bahm brechet: der Freiheit und als den Testamentsvollstrecker der bürger- lichen Revolution, als den neuen Mann und als den Mann der neuen Zeit. Unbedingt wollte er ihn deshalb nur bis zum 18. Brumaire lieben, denn„da verriet er die Freiheit". Aber der Dichter konnte sein Herz nicht zügeln, er liebte auch den Mantel von Marengo, er liebte auch die Sonne von Aüsterlitz und den Pulvernebel von Waterloo und mit ganzer glühender Seele liebte er das Grab auf St. Helena, und wie ihm der Kaiser kein Mensch wie die andern, sondern ein Götterbild war:„jeder Zoll ein Gott", so verglich er das Leiden und Sterben des Sohnes der Revolution mit dem Christi, und St. Helena wurde ihm zu dem „heiligen Grab, wohin die Völker des Orients und Okzidents wallfahren in buntbewimpelten Schiffen und ihr Herz stärken durch große Erinnerungen an die Taten des weltlichen Heilands, der gelitten unter Hudson Lowe, wie es geschrieben stebt in den Evangelien Las Cases, O'Meara und Antommarchi". Aber auch der Gefangene von St. Helena war für Heine immer nur der Mann des Volkes, an dein die Könige jetzt heimlich rächten, was einst am 21. Januar 17W das Volk öffentlich an einem der ihren verübt. Da das kaiserliche dl in Sternenschrist strahlend an des Dichters Himmel stand, sah er die Befreiungskriege natürlich aus ganz anderen Augen an als die„alldeutschen Revolutionsdillet- tauten mit ihren Turngemeinplntzen", deren einen in der Gestalt des Münchener Turnprofessors Maßmann er damals schon grau- sam zu höhnen begann. Für Heine hatte in der Napolconischen Epoche ein Heldengeschlecht, emporgeschossen durch den Zauber- spruch Freiheit und Gleichheit aus dem Boden Frankreichs, wie im Triuphzug, berauscht vom Ruhm un!s geführt vom Gotte des Ruhmes selbst, die Welt durchzogen und tanzte endlich den rasseln- den Wafsentanz auf den Eisfeldern des Nordens„und diese brechen ein, und die Söhne des Feuers und der Freiheit gehen zugrunde durch Kälte und Sklaven". Dann kamen„die Alliierten und die schlechten Befreiungsgedichte, Hermann und Thusnelda, Huna! Lud der Frauenderein, und die Paterlandseicheln und Was nickst zweifelhaft ist und von der„Voss. Zig." auch nickst bezweifelt wird, ist die Tatsache, daß die Nationalver- sammlung die gesetzgeberischen Befugnisse des Reichstags besitzt und daß sie aufgelöst wird, sobald die Konsolidierung der jungen Republik Neuwahlen überhaupt nur möglich scheinen lassen. Das ist aber die Hauptsache. Und deshalb ist das Ge- schrei der„Freiheit" nicht anders als kindisch zu nennen. Die Unabhängigen können auch anders. Tost für und gegen den Generalstreik. Als am 21. Juli die Berliner Arbeiterschaft vom„revo- lutionären" Vollzugsrat zum Generalstreik besohlen wurde, war der Bevollmächtigte des Deutschen Metallarbeiter-Ver- bandes. der Unabhängige O t t o T o st einer der prorr. inentert Befehlshaber. Er als Arbeitnehmer-Vorsitzender des Pa.i- tätischen Arbeitsnachweises für die Metallbetriebe Groß- Berlins gab für die Angestellten der Nachweise die Parole aus: Wenn die Vollversammlung der Ar- beiterräte den Generalstreik beschließt, bleiben auch die Arbeitsnachweise ge« schlössen. Am 8. August wurde nun den Angestellten des Arbeits- Nachweises folgendes Schriftstück zur Kenntnisnahme und Unterschrift vorgelegt: Paritätiscber Arbeitsnachweis für die Metallbetriebe Groß-Berlin? Geschäftsstelle: Berlin SO. 16, Am Köllnischen Park 7 Fernsprecher: Moritzplatz 12 294, 15 999. Berlin, den 8. Aug. 1919. Die Verwaltungskommission spricht den Angestellten und Hilfsarbeitern ihre Mißbilligung aus, daß sie am 2l. 7, den Arbeitsnachweis geschlossen haben, ohne sich vorher mit der Geschäftsstelle in Verbindung gesetzt zu haben, zumal an dem« selben Tage die übrigen Arbeitsnachweise den Betrieb offen! hielten. Die Verwaltungskommission hat sich mit der Frage beschäs« tigt, ob den Angestellten für diesen Tag das Gehalt gekürzt werden soll. Sie sieht von dieser Maßnahme nur um deswillen ab, da sie annimmt, daß die Schließung des Arbeitsnachweise? Linienstraße auf ein M'itzverständnis und die Schließung des Arbeitsnachweises Wusterhausener Straße aus dieses Mißver- ständnis zurückzuführen ist. Die Verwaltungskommission nimmt diesen Vorfall jedoch zum Anlaß zu erklären, daß in künftigen Fälle» Strciktage nicht bezahlt werden. Die Verwaltungskommission: gez. E. v. Borsig. O. Tost. Wir heben es hier mit einem Aktenstück zu tun, dciZ gleichermaßen die Verworrenheit, Dreistigkeit, Verlogenheit und Hinterhältigkeit der unabhängigen Drahtzieher enthüllt« Dieser Herr T o st hetzt erst die A n g e st e l l t e n i rt den Generalstreik und dann, als ilm sein Kollege im Vorstand des Arbeitsnachchicises, der hochadlige Herr von Borsig, den Kopf wäscht, knickt er gehorsam wie ein Scheuer- läppen zusammen und teilt stirnrunzelnd den betrogenem Angestellten mit, daß er für diesmal noch mit einer Strafe zurückhalten wolle. Das nächste Mal aber würden sie an ihrem Einkommen be st rast werden, wenn sie der Streikparole folgen. „Das nächste Mal" wird aber Herr Tost mit der gleichen Dreistigkeit von den Angestellten verlangen, daß sie streiken, wenn in Abwesenheit des respektgebietenden Herrn v. Borsig seine radikalen Freunde es von ihm fordern sollten. Staatliche Erfassung der Erzlagerstätten. Die preußische Berg- Verwaltung hat, wie der„Berk. Börsen-Courier" meldet, die plan- mäßige Erfassung der ein bei mischen Erzlagerstätten angeordnet, um einen genauen Ueberblick sowohl über die noch zur Verfügung stehenden ErzVorräte als auch über die abbauwürdigen, zurzeit aber noch nicht ausgebeuteten Erzvorkommen zu gewinnen. das ewige Prahlen mit der Schlacht bei Leipzig und wieder die Schlacht bei Leipzig und kein Aufhören davon". Von einem alten Lehrer aus der Düsseldorfer Schulzeit erzählte er in diesem Zu- sammcnhang, der auf den Ciegesjubel der Befreiungskriege das Wort des Äntisthenes auf den Sieg der Thebaner bei Leuktrcc anwandte:„Sie machen es wie die Knaben, die vor Freude sich nichts zu lassen wissen, wenn sie einmal ihren Schulmeister aus» geprügelt haben", und wehmütig hinzufügte,„liebe Jungens, eS wäre besser gewesen, wir hätten selbst die Prügel bekommen", Das war auch Heines Meinung. Mit einer unerhörten Kühnheit und Frische, mit einem un- bekümmerten Radikalismus gellte den Herrschenden dieses Triumphlied der siegenden Revolution und der Enthusiasmus für den besiegten Kaiser ins Ohr. Bedrohlich wie der Trommelwirbel des Ca ira rasselte das durch Deutschland und aufpeitschend wiö das Sturmlied von Marseille. Das war die verführerische Musik der Revolution, das war die Revolution selbst! Und fortan galt den Machthabern und Finsterlingen Heinrich Heine als der ge- fährlichsten Demagogen einer, und während der genießerische Feinschmecker Metternich sich im stillen Kämmerlein an den Reizen der Reisebilder ergötzte, traf in fast allen Bundesstaarcn hartes Verbot Heines Schriften._ vas Schicksal üer Glöenburger Galerie. Da eine befriedigende Auseinandersetzung zwischen dem Frei»» fiaat Oldenburg und dem ehemaligen Großherzog nicht zu erzielen ioar, beabsichtigt dieser, seine gewählte Kunstsammlung ins Aus- land zu verkaufen. Da die deutsche Republik in unverständlicher Zagheit es unterlassen hat, die Hand auf solche Sammlungen zul legen oder wenigstens ihre Ausfuhr zu verbieten, ist dagegen nichts zu machen. ES beißt sogar, daß aus finanziellen und Valuta. Gründen solche Auslandsverkäufe gefördert würden. Wird von diesem unverantwortlichen Prinzip nicht endlich Abstand genommon und noch in letzter Stunde energisch zugegriffen, so iverden viele deutsche Kulturstälten— zumeist die ehemaligen kleinen Rest- dcnzen— an Kunstwerken verarmen und in absehbarer Zeit den Verlust nicht wieder'einholen können. Die..Kunstchronik", die nicht gerade ein sozialistisches Organ ist, schreibt in diesem Zusammenhange: Läßt man den Dingen weiter wie bisber ibren Lauf, so werden wir unser blaue? Wunder erleben, wenn erst eimnal die Sicherheitsschlösser von den Türen genommen werden. Wir dürfen es nicht ruhig geschehen lassen, daß alt- angestammter, öffenllicher Besitz uns genommen wird, für dessen Verlust kommende Geschlechter ein Recht haben, uns verantwortlich zu machen. Man hat in Italien und in Japan in kritischen Zeiten Mittel und Wege gefunden, den nationalen Kunstbesitz dem Lands zu erkalten. Man wird auch bei uns nicht umhin können, gesetz- geberische Maßnahmen zu treffen, wenn wir uns nicht sträflichen Leichisinn vorwerfen lassen wollen. Warum sollte man nicht dein Volte das Fideikommißrecht zugestehen können, das ehemals die Familien ausübten? Das Eigentum soll unangetastet bleiben, aber es sollte für unveräußerlich erklärt werden, wo es den Cbarak- ter'öffentlichen Besitzes angenommen hat. Auch die öffentlichen Galerien sind zur Sozialisierung reif, und eS liegt im wohlverstandenen Interesse der Allgemeinheit, daß sie erhalten werden. Ist es hierzu zu spät, so müßte nochmals ernstlich die Re- giftrierung der bedeutendsten beweglichen Kunstwerke, andererseits ein Ausfuhrverbot für unersetzliche Schätze der Vergangenheit eu wogen werden. Die Gegenrevolution. In der Donnerstag-Abendcmsgabe der„Freiheit" wird ein neuer„FeldzugKplan der Reuklion" in feilem Druck„enthüllt". C's ist ein umfangreicher Plan, der alle militärischen Vorbe- rciwngcn für etwa kommende Putsche enthält. Aber auch nichts weiter. Für jeden unbefangenen Leser geht das schon aus dem folgenden Passus hervor: „Augenblicklich herrscht Nuhe, Ordnung und Sicherheit... wenn auch Unruhen im Augenblick nicht zu erloarten sind... so ist der Ausbruch von Unruhen doch immerhin m ö g- ! i ch. In dieser Ansicht wird die Division bestärkt, weil einer der hauptspartakistischen Rädelsführer sim Original steht der Name), welcher im Winter die Unruhestifter anführte, kürzlich wieder in Schwerin eingetroffen ist. Austerdein haben es die 200— 300 Spartakisten und Kommunisten jederzeit darauf abgesehen, Unruhen unter die Bevölkerung zu bringen." Im iveiteren wird mitgeteilt, dag man befürchtet, daß unter öcr unabhängigen und kommunisti- schcn Arbeiterschaft Waffen verteilt sind. Wenn Anzeichen dafür gestehen, daß gewalttätige bewaffnete Aufstände zu erwarten sind, dann ist es die selbstverständliche Pflicht der Staatsgewalt, die erforderlichen Gegenmaßnahmen vorzu- bereiten, um Ruhe, Ordnung und öffentliche Sicherheit zu schuhen. Die„Freiheit" ist natürlich darüber erbost. Ihr Ideal ist eine schuh- und waffenlose Regierung und ein b e w a f f- netes Putschistentum. l�as könnte ihr so passen, daß, wie bei den Ianuarunruhen, die Regierung sorglos ohne genügende Ächußmaßnahmen einem plötzlichen Ueberfall von gewalttätigen Grupven ausgesetzt ist. Jetzt aber soll Deutschland endlich einmal zur Ruhe zurückkehren und darum ist erforderlich, daß alle vor- beugenden Maßnahmen rechtzeitig getroffen werden. Was an dem Geheimbericht auszusetzen wäre, ist sein politisch- naiver Cbarakter. Der geht daraus hervor, daß im informatorischen Teil des Berichtes allerhand aufgeführt wird, was nach allgemeinem Empfinden mit der Orga«z sation einer militärischen Putschabwehr nickus zu tun hat. Aus dem Plan die Organisation der Gegen- revolution herauszulesen, ist Wortklauberei, auf die das Publikum von der geistigen Qualität des Durchschnitts der„Freik!eit"-Leser leicht hereinzulegen ist und womit bei einiger Verdrehungskunst eine niedliche Hetze gemacht werden kann. Die Arbeitszeit im Hergbau. (Dünstiger Gesundheitszustand. Der Ausschuß zur Prüfung der Arbeitszeit im Berg- bau beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung hauptsächlich mit den g e i u n d h e i t l i ck e n Verhältnissen der Bergarbeiter, wozu als besondere Sachverständige vier Mediziner des Ruhrgebiets gc- laden waren. Es wurde festgestellt, daß sich der GesundbeitSzustand im Riihrbergban erbeblich gebessert hat und daß auch die Lebensverhältnisse günstiger geworden sind. Die zahlenmäßigen Angaben ergeben, daß im Laufe der Jahre die Krankenziffer eine stark sinkende Richtung aufweist. Jedoch lasten die Zahlen nur gewisse Schlüste zu. Allgemein wurde aber zugegeben, daß die bisherige Schicht- vcrlürzung vorteilhaft auf den Gesundheitszustand der Berg- arbeiter eingewirkt hat. Uebereinstimmung berrschte über den Vor- schlag Hetimann-Bierkowsky, daß über mehrere Monate dauernde erakle experimentelle, medizinische und psychologische Forschungen zur Klärung der Frage der durch die berichiedenen Schichten hervorgerufenen Ermüdung angestellt werden müsten. Einigung im Ruhrbergbau. Im Nuhrbergbau hatte es den Anschein, als ob es auch dort zu einem neuen Generalstreik kommen sollte. Diesmal war es das Maschinen- und Kesselpersonal, das um seine rechtliche Anerkennung und einen Lohnausgleich sich zum Kampfe rüstete. Erfreulicherweise gelang«s in letzter Stunde durch Vermittlung des Oberbergamtes Dortmund zu einer Verständigung zwischen dem Zechenverband und dem Zentralverband der Maschi- nisten und Heizer zu gelangen. Nach recht langwierigen Verhandlungen erkdhrte sich der Zechenverband bereit, den Zentralverband der Maschinisten»ind Heizer als Vertragskontrahenten bei der Regelung derLohnverhältniste des Maschinen- und KestelpersonalS im Bergbau anzuerkennen. Bei der Regulierung der Löhne und dem Ausgleich der großen Lohn- schwankungen wurde eine Einigung dahingehend erzielt, daß inner- bald 14 Tage ein Tarifvertrag für den gesamten Ruhrbergbau zum Abschluß gebracht werden sollte. In einer Revierkonferen, des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer, die von 159 Schachtanlagen durch 236 Delegierte be- schickr war, wurde nach eingehender Debatte die A n n a h m e d e S Angebots beschlosten. Tiefe Bewegung hat für daS Maschinen« und Kestelpersonal grundiätzliche Bedeutung. Bisher stand der Zechenverband auf dem Standpunkt, nur die vier Bergarbeiterverbände als Vertreter der Geiamibergarbeiterschaft anzusehen. Diesen grundsätzlichen Stand« Punkt mußte er nun für das Maschinisten- und Kesselpersonal auf- geben. Der große Zuwachs an Mitgliedern im Zentralverband der Maschinisten und Heizer, der in den letzten Tagen mehrere Tausend beträgt, legt davon Zeugnis ab, daß die Maschinisten erkannt haben, daß dieser Zentralverband ihr wahrer Sachwaller ist. Ankunft deutscher Internierter. Konstanz, 14. August. Dienstag abend kam ein aus 248 Ojfizieren und 296 Mann bestehender Transport beut- scher Internierter aus der Schweiz hier an. Gestern nachmittag ist der letzte diespr Transporte, der aus 8 Offizieren und 40 Mann bestand, hier eingetroffen. Einzel- transporte werden in den nächsten Tagen noch �wartet, darunter ein Transport Schivervcrivundeter, der nächste Woche eintreffen soll. Damit werden die Interniertentransporte uns der Schloxiz beendet sein. � Einmalige Zuwendung für Kriegsbeschädigte. U-ber den An- spruch auf d,e in dem kriegsinmisteriellen Erlaß vom 15. Mai 1919 belanurgegebene einmalige Zuwendung für K r i e g S b e s ch ä d i g t e sind Zweifel entstanden. Das Kriegsministerium weist in seinem Erlaß darauf bin, daß die Zuwendung an Hinterbliebene Erbberechtigte mir dann zahlbar ist. wenn der anerkannte Rentenempfänger nach dem 14. Mai 1919 verstorben ist. Frankreichs Ansprüche am Rhein. Nach einem Pariser Havas- be ncbt hat die Kommission für ausivärtige Angelegenheiten dm Bericht Renould über die Klausel des Friedensvertrages, die Elsaß- Lothringen und den Rhein betrifft, angehört. Danach wird die Rückgabe Elsatz-Lothringens schuldenfrei erfolgen. Frank- reich wird ohne weiters in das Recht-ingesetzt, über die öffentlichen und privaten Besitze, darin einbegriffen die Eisenbahnen verfügen zu können. Frankreich wird eine Anzahl Schiffe halten und das Vorrecht haben,, den Fluß zur Erzeugung von Motorkrästen aus- zunützen, während dies aus dem deutschen Ufer nicht geschehen kann. Frankreich erklärt, daß es alle Stützpunkte nehme, die es nötig habe. Die belgischen Verluste im Kriege. Nach einer offiziellen Nachricht aus Brüssel hat die belgische Armee während des Krieges an Toten verloren 98 2 Offiziere und 2 9600 Mann. Im Ganzen hatte Belgien mobilisiert 365 000 Mann und 14 000 Offiziere. heraus Mit unseren Knegsgesangenei Sonntag, 17* August, vorm. 10 Uhr, im Lehrer-vereinshaus, Alexanüerstr.: W»lW Oes WllMhMs M'ZM Oer S.V. mit öer Tagesorönung: Freigabe unserer Kriegsgefangenen." Der öezirksvorstanö. Sozialisierung der Elektrizitätswirtfchast. Der 14. Ausschuß der Nationalversammlung ist heute in die Beratung des Gesetzentwurfes betreffend die Soziali- sierunq der Elektrizrtätswirischast eingetreten. Nach Anhörung einer Reihe von Sachverständigen wurde be- schlössen, über bestimmte Fragen weitere Sachverständige zu hären. Tie Auswahl dieser Sachverständigen erfolgt durch einen Unter- ausschuß. Der.Ausschuß hat sich ferner damir einverstanden erklärt, daß das Reich, soweit es zur Beseitigung eines sonst vielleicht ein- rretenden Notstandes dringend erforderlich erscheint, den Bau und den Erwerb von elektrischen Hochspannungs- leitung en, Transportmotoren und Elektrizitäts- werken sofort in die Wege teilet, wenn diese Maßnabmen mit Rücksicht auf den bevorstehenden Winter wirtschaftlich geboten er- scheint._ Reaktionäre Mache. Zu welchen Folgen der alldeutsche Berleumdcrfeldzug führt, zeigt eine Versainmlung von Frauen, die gestern in der„Phil- Harmonie" eine Kriegsgefangenentagung abhielten. Dve Sitzung war von Anfang an erregt, wurde aber durch das provozierende Verhallen einzelner Teilnehmer, die zu einem Zug gegen die Re- gierung aufforderten, zu turbulenten Szenen gesteigert Die Ta- gung, die von friedlichen Frauen in banger Sorge um ihre Ange- hörigen einberufen worden war, wurde gewaltsam von bestellten Hetzern unterbrochen. Schon am Eingang wurden zahllose Ex-m- place des„Deutschen Wochenblatts" der Judengegner an die Be- sucher verteilt. Künstlich gezeugte Progromstimmung vereint mit einer widerwärtigen Hetze gegen die Regierung brachte die Versammlung in eine von den Einberufern ungewollte Bahn, die in Drohrufen gegen die Regierung gipfelten. Von den Ein- berufern wurde das matzlos hetzerische Verhalten als partcipoli- tische Ausnutzung der Gesangenenfrage scharf gegeißelt und ver- urteilt. Der Vorfall zeigt aufs neue, wie selbst besonnene Ange- hörige durch den systematischen Lügenfeldzug zur Verzweiflung getrieben werden. Für die Beantwortung der Frage, an wem die Schuld der verzögerten Heimsendung liegt, dürfte die Beantwortung Churchills von Interesse sein, die wir im Wortlaut geben: .Die Heimbeförderung der türkischen Gefangenen ist jetzt gestattet. Der oberste Rat hat die Heimbesörderung der deutschen Geiangenen jedoch noch nicht erlaubt. Wenn unsere Kriegsgesangenen noch Ratifizierung des Ver- träges in die Heimat zurückkehren, dann werden sie denen, die sich heute nicht scheuen, mit ihrem Leid Parteipolitik zu treiben, die Ourttling für ihr verbrecherisches Verhalten vorlegen. Die Räumung ües öaltikums. Bis zum 13. August ist die Linie Ra g gössen— Tuck um— Saaten— Wörme« sowie das gesamte nördliry dieser Linie gelegene Gebiet Kurlands geräumt worden. Die Kämpfe in Rußlanö. Die Berichte aus Nordrußland und von der Armee Denikins verzeichiicn fortgesetzt Siege über die Truvpen der Sowjetregierung. So verbreitet der amtliche nordrrrssische Heeresberichi vom 10. August eine Meldung von einem erfolgreich? n Angriff der britisch- russischen Truppen auf die bolschewistischen Streitkräfte am Dwina-Fluß. Sechs. fein bliche Bataillone wurden vollständig vernichtet,. über 1000 Gefangene gemacht und zwölf Feldgeschütze sowie viele Maschinengewehre erbeutet. Die Front wurde urrgeiähr zwölf Meilen vorgerückt. Wie ferner drahtlos aus London gemeldet wird, haben die Truppen Denikins bei der Eroberung von P o l t a w a un« gefähr l'l6 Lokomotiven, 1200 Eisenbahnwagen und 20 Geschütze mit Munition erbeutet. Die Bevölkerung von Poltawa bcrciiele den einziehenden Truppen einen begeisterten Empsang. Am rnrttlereii Dnjepr haben die B o l s ch e w i st e n östlich von Krernentschuz eine Niederlage erlitten, wobei sie lausend Gefangene und sechs Geschütze einbüßten. Demgegenüber besagt eine Meldung der.New Dock Times" aus Washington, der amerikanische Botschaster, der aus dem Wege von Sibirien nach Tokio ist, habe sich dahingehend geäußert, daß viele Anzeichen auf den bevorstehenden Zusammenbruch der Herrschast Koltschaks hrndeuten. Seine Regierung stehe auf schwachen Füßen. Sie hat nicht die Macht, ihren Befehlen Gel- rung zu verschaffe». Die militärischen Mißerfolge trage» viel zu ihrer Irilrschen Lage bei._ Ich bestimme... Das folgende Aktenstück wird uns übersandt: Kommandantur des Tr.-Usb.-Platzes Nenhcmrmer, den 11. Juni 1919. Komma, rdanturbefehlc! 1— 5. Dienstliche Angelegenheiten. 6. Durch Anzeigen von weiblichen Zivilangestellten und durch Beobachtung ist festgestellt, daß eine Anzahl von w e i b- lichen Zivilangestellten einen überaus üblen Lebenswandel aus dem Platze führen, sich des NachtS herumtreiben und in ihren Wohnräumen des Nachts männliche Personen beherbergen. DaS ist mit dem Ansehen der gesamten weiblichen Zivilangestellten nicht in Ein- klang zu bringen. Ich bestimme daher: daß 1. die weiblichen Zivilangestellten von 12 Uhr abends db in ihren Wohnräumen sich aufzuhalten haben und daß die Baracke L. 4a. verschlossen wird. Der Schlüssel zur Baracke L. 4a wird auf der Hauptwache niedergelegt. Der Wachthabende erhält Anweisung, nur weibliche Zivilange» stellte nach 12 Uhr in die Baracken einzulassen, die einen Urlaubs- ausweis von dem betr. Abteilungsleiter� bei welche; die betveffende weibliche Zivilangestellte beschäftigt ist, hat und der über 12 I nachts hinaus ausgestellt sein muß. Den Abtsilungsleitern w es zur Pflicht gemacht, nur in dringeniden Fällen ülter 12 1 hinaus an die weiblichen Zivilangestellten einen Urlaub sausw. auszustellen. 2. Zu der laut K. V. Bl. 19 Nr. 31 Nr. 376 vom 11. April 1 zu ernennenden Oberaufsicht über die weiblichen Zivilanf r stellten wird Frau Schwarz bestimmt, deren Anweisungen unl dingt Folge zu leisten ist. Frau Schwarz hat hier die Anwetsui und Berechtigung erhalten, eine genaue Kontrolle in d c einzelnen Wohnräumen derjenigen Zivilangestellten, t■ denen der Verdacht besteht, daß männliche Personen bei ihne � nächtigen oder die betreffenden Zivilangestellten während der Nac überhaupt nicht in ihren Wohnräumen weilen, auszuüben. 3. Sämtliche weiblichen Zivilangestellten, die sich na 12 Uhr im Lager herumtreiben, sind fe st zunehmen, tx Name festzustellen und diesen an die Kommanidanwr I zu melde: Zivilangestellte sind dadurch kenntlich, daß sie auf ihren Ausweis. karten mit roter Tinte geschriebenen Buchstaben Z. A. tragen. 4. Sämtlichen männlichen Personen auf dem Platze ist es v e rb o t e n, die Baracke L. 4a zu betreten. 5. Alle vorkommenden Unregelmäßigkeiten werden mit so- fortiger Entlassung bestraft. 6. Frau Schwarz und Frl. Pech sowie alle weiblichen Zivilan- gestellten, die einen liederlichen Lebenswandel weib- licher Angestellter in Erfahrung bringen, haben mir hiervon Kenntnis zu geben, wie es bereits im Falle der..... geschehen. die am gestrigen Tage entlassen worden ist. 7— 10. Dienstliche Angelegenheiten. gez. von Rode Oberst z. D. und Kommandant. Es wird ohne weiteres zuzugeben sein, daß im Lager Neu- Hammer sich Fälle ereignet haben, die mit gutem Grunde das Dunkel der Nacht um sich gebreitet haben. Es ist weiter zuzugeben, daß die Kommandantur bemüht sein muß, Wie- derholungen unmöglich zu machen. Gleichwohl ist der Weg, der hier eingeschlagen wird, verfehlt. Denn er verletzt mid schädigt diejenigen, die von Fehl und Schuld sind. Der Befehl greift tief in die Rechte der weiblichen An- gestellten ein, öffnet der Denunziation Tür und Tor und setzt sich in einigen Punkten sogar über gesetzliche Bestim- mungen hinweg. Die Frau Schwarz darf z. B. unter keinen Umständen berechtigt sein, die Wohnräume der weiblichen Angestellten zu kontrollieren. Tie Angestellten sind keine Sträflinge. Außerdem ist noch lange nicht gesagt, daß eine Angestellte, die des Nachts nicht in ihrem Zimmer ist, sich schon einem „liederlichen Lebenswandel" hingibt. Viele der weiblichen Angestellten sind in der Umgebung von Neuhammer behei- matet. Sie können aber infolge der schlechten Bahnverbin- düng nicht zeitig genug zum Dienst am Platze sein, sie sind daher gezwungen, auf dem Platze zu wohnen. Nun kommt es vor, daß sie mal am Nachmittag frei haben und daß sie dann nach Hause fahren. In solchen Fällen kommen sie des Morgens mir dem ersten Zuge zurück, waren also nachts nicht in ihren Quartieren. Nach dem Kommandanturbefehl könnten sie sofort entlassen werden. Wenn sie also eine gute„Freuu- diu" haben, so wird ihnen zum mindesten viel Aerger und Unannehmlichkeiten erwachsen. Ferner ist es ungerecht und unstatthaft, den Besuch männlicher Personen ganz allgemein zu verbieten. Denn die Angestellten bezahlen Miete für ihre Quartiere und sollen dennoch nicht einmal das Recht haben, ihren Bruder, Vater oder sonst einen männlichen Familienangehörigen in ihrer eigenen Wohnung zu empfangen! Ja, wenn die Kam- mandantur den Besuch männlicher Personen des Nachts verboten hätte, so wäre dagegen nichts einzuwenden, aber Absatz 4 des Befehls verbietet männlichen Personen ü b e r- Haupt das Betreten der Baracken. Im übrigen ist es im Lager Neuhammer tatsächlich nicht so schlimm bestellt, wie die Kommandantur ahnen läßt. In zweieinhalb Kriegsjahren sind im ganzen vier Fälle vor- gekommen, in denen bewiesen werden könnte, daß sich männliche Personen in den Frauenquartieren des Nachts aufge- halten haben. Die Kommandantur hat damals die betreffen- den weiblichen Angestellten sofort entlassen und das genügt. Dagegen ist die Kommandantur nicht berechtigt, solche dra- konischen Maßregeln zu ergreifen, den weiblichen Angcstell- ten allgemein einen liederlichen Lebenswandel vorzutverfeir und sie ihrer Freiheit zu berguben. Es ist z. B. gleich nach Ausgabe des Befehls vorgekom- men, daß Soldaten des Freikorps Görlitz, die in jenen Tagen nach Neuhammer Hamen, und denen der Befehl bekannt ge- worden war, den Mädckien eindeutige Anträge stellten. Auf die entrüstete Antwort folgte die Entgegnung:„Na, es steht ja doch in der Parole, was Ihr für Weiber sei d." Der Lagerkommandant bat also alle Veranlassung, zu bestimmen, daß sein„Ich bestimme" nicht mehr Geltung hat. Die Ordnung kann aufrecht orbalten werden, ohne daß-Un- schuldige dafür die Kosten zahlen müssen. Lekte Nachrichten. Grostfeuer im Zossener Barackenlager. Berlin, 14. Aiiqust. Großfeuer brach Donnerstag abenh nach acht Uhr im Zossener Barackenlager aus uno nahm infolge heftigen Windes, Wassermangels und unzureichender Lösch- Hilfe bald solche Ausdehnung an, daß die Wehren aus Zossen, Mellen, Dabendorf, Schönow, Glienicke und anderen Orten machtlos waren. Die angerufene Berliner Feuerwehr konnte nur einen Zug entsenden, weil die elektrisch-n Fahrzeuge nur 35 Kilometer zurücklegen können. Der Berliner Löfchzug kam gegen 9% Uhr an der Brandstelle pi. Mit seiner ßilfe und dem inzwischen noch auS anderen. Orten eingetroffenen Wehre« geling es, den gewaltigen Brand zu begrenzen. GewWffchoflsbewVUng Zur Lohnbewegung öer Serlmer Metallarbeiter. Wi« wir bcrsitZ in unserer gestrigen Morgenausgabe berichteten, baben sich die Verhandlungen der Berliner Metallarbeiter mit den Unternehmern ivegen zeitgemäßer Erhöhung der Lohnsätze zerschlagen. Von der Berliner Leitung des Metallarbeiterverbandeö erhalten wir in Ergänzung unserer gestrigen Mitteilungen über den Verlauf der Verhandlungen die folgende Darstellung: Die Verhandlungen für die Arbeiter der Metallindustrie sind gescheitert. Auf die Forderung der Berliner Metallarbeiter, für gelernte Arbeiter einen Stundenlohn von 3,50 M., für angelernte von 3,30 M. und für ungelernte von 8,— M. zu bewilligen, ant- wartete der Verband Berliner Metallindustrieller mit einem Gegen- Vorschlag von 6 Lohnklassen, deren jede eine untere und obere Grenze vorsieht. Die Löhne dieser K Klassen bewegen sich zwischen 2,— M. und 8,20 M. Nachdem sich die Verhandlungen im Haupt- auZschuh für die Berliner Metallindustrie zerschlagen hatten, weil dieses Gegenangebot der Unternehmer eine tatsachliche Verschlechte- rung der bestehenden Entlohnung vorstellt, wurde vom Deutschen Mctallarbeiterverband da! Arbeitsministerium gebcien, vermittelnd einzugreifen. Das geschah seitens des Arbeitsministeriums. Unter dem Vorsitz des Herrn Regierungsrats Hausmann fanden in der ersten Hälfte des Monat August drei solcher Verhandlungen statt. Während die Verhandlungslommission der Berliner Metallarbeiter weitere» Entgegenkommen zeigte, war seitens des Verbandes Ber- Im« Metallindustrieller keinerlei Entgegenkommen zu verzeichnen, Die Metallarbeiter gingen von ihren obengenannten Forderungen '" bis zur Bildung von vier Lohnklassen. Der Einst« in der 1. Klasse wurde mit 3,10 M., in der 2. Klasse mit 2,90 M., in der 3. Klasse mit 2,75 M. und in der 4. Klasse mit 2,55 M. vorgeschlagen. Dazu sollten in jeder Klasse 30 Pf. Zuschlag pro Stunde für die Arbeiten eines Arbeiters durchschnittlicher Leistungsfähigkeit gezahlt werden. Die von den Unternehmern verlangte obere Be- grenzung des Verdienstes ist für die Berliner Metallarbeiter un- annehmbar. Die Arbeitgeber gingen auf dieses weitere Entgegenkommen nicht«in, schlugen vielmehr vor, daß von beiden Parteien die äußerste Grenze ihres Entgegenkommens dem unparteiis«chen Vor- sitzenden als diskreter Vorschlag zu Händen gegeben werden sollte. Seitens der Arbeiter wurde auch auf diesen Vorschlag eingegangen. In der Sitzung am 13. August 1913 machte der unparteiische Vor- sitzende auf Grund der eingegangenen diskreten Vorschläge folgen- dm Vergleichsvorschlag: X. Die Zahl der Lohnklassen für männliche Arbeiter über 18 Jahre soll möglichst auf 5 beschränkt werden. 2. Der Einstellnngslohn soll betragen: In der 1. Klasse 3,— M., in der 2. Klasse 2,80 M., in der 3. Klasse 2,00 M., in der 4. Klaffe 2,40 M. und in der 5. Klasse 2,20 M. 3. Je nach der Leistungsfähigkeit des einzelnen Arbeiters sollen zu den Einstellungslöhnen der einzelnen Lohnklassen Zu- schlüge gezahlt werden, und zwar in sämtlichen 5 Klassen drei Zuschläge otzn je 10 Pf. Der erste Zuschlag von 10 Pf. soll nach S Arbeitstagen mit rückwirkender Kraft vom Tag« der Einstellung ab gezahlt werden, wenn der Arbeiter sich als branchbar erweist. Die weiteren Zuschlag« werden unter Derülksschtigung von Leistung, Dienstalter. und den Verhältnissen des Betriebes gegeben. Die durch die aufgefübrten Zuschläge sich ergebende Grenze kann ausnahmsweise bei einzelnen Leuten überschritten werden, die außergewöhnliche Fähigkeiten und Leistungen aufweisen. Die Feststellung der Leistungsfähigkeit des Arbeiters erfolgt durch den Arbsitgeber und den betreffend«» Arbeitnehmer. Im Streitfalle ist der Betriebsrat oder NröciterauZschuß zu hören und nötigenfalls der SchlichlnngZausschuß anzurufen. Soweit Arbeiter bisher höhere Löhne beziehen, als Lohn und Zuschläge in diesem Abkommen betragen, sollen sie nicht ver» schlechtcrt werden. 4. Bon dem Abbau der Spitzenlöhne soll zurzeit abgesehen werden. ->. In Betrieben, in denen der Durchschnittslohn höher ist als der jetzt zu vereinbarende Lohn, wird an Neueinzustellende zunächst der neue Einstellungslohn gezahlt. Außer dem ersten — jedem brauchbaren Arbeiter rückwirkend zu gewährenden— Zuschlag- bekommt er einen Sonderzuschlaq in Höhe der Differenz zwischen dem Durchschnittslobn, der für die betreffend« Arbeiter- kategorie im Betriebe gezahlt wird, und dem Einstellungslohn plus sämtlichen Zuschlägen der betreffenden Kategorie. 6. Für neu eintretende Arbeiter gilt der Einstcllungslohn al? angemessene Bezahlung. Vorn paritätischen Arbeitsnachweis darf Arbeit nicht unter diesen Einstellungslöhnen vermittelt werden. Andererseits sind die Arbeitsuchenden vervflichtct, die Arbeit zu diesen Einstellungslöhnen anzunehmen. Es darf daher dem Ar- beiter, wenn die Arbeit sich im übrigen für ihn eignet, nicht be- schfinigt werden, daß Arbeit zu angemessenen Bedingungen für ihn nicht zu haben fei. 7. Die neuen Sätze sollen vom 1. August ab in Kraft treten. Zu diesem Vermittlungsvorschlag ist zu bemerken, daß ber vorgeschlagene Einstelluvgslohn eine Verschlechterung gegenübcr der jetzt vorhandenen Entlohnuna bedeutet. In dem alten, gekündigten Kollektivabkommen sind die Mindestlöbne zum Teil bereits mit 3,10 bzw. 3,15 M. festgelegt, während die Gruppen der Dreher und Mo- schmenschlosser ohne Abkommen jetzt schon mit 3,20 M. bztv. 3,50 M. und mehr entlohnt werden. Will man also für die gesamte Metall- industrie verbindliche Lohnklassen schaffen, so kann man unmöglich unter die bisher gezahlten Löhne heruntergehen. Weiter stehen die Arbeitnehmer auf dem Standpunkt, daß, wenn schon Zuschläge nach Leistungsfähigkeit zu den EinstellungS- löhnen gezahlt werden sollen, diese in dem Moment, in dem die Leistungsfähigkeit festgestellt wird, in voller Höhe der festgestellten Leistungsfähigkeit zu zahlen sind Ein weiterer, ganz unannehmbarer Begriff ist der, daß die Zu- schlage gegeben werden sollen unter der Voraussetzung, daß der Arbeiter stch als brauchbar erweist, daß Menstalter und die Ver- Hältnisse des Betriebes berücksichtigt werden sollen. Gibt man Zu- schlüge nach dem Dienstalter, so bedeutet das«ine Prämie aus Wohl- verhalten. Die Zuschläge abhängig machen von den Verhältnissen de? Betriebes können die Arbeiter erst dann, wenn ihnen volle Ein- ficht in die Rentabilität der Betriebe gegeben wird, kurz, wenn sie das volle Mitbestimmungsrecht haben. Während die Arbeitnehmer bereit waren, aus den Vergleich?- Vorschlag des ReichsarbeitsministeriumS ötfentlich zu antlvorten, wurde dies seitens des Vcrbairdcs der Berliner Metallindustriellen abgelehnt und vorgeschlagen, auch die Antwort aus den Vergleichs- Vorschlag schriftlich diskret zu Händen des Herrn Unparteiischen zu geben. Dies wurde seitens der Arbeitnehmer abgelehnt, die er- klärten, nunmehr in aller Lesfentlichkeit ihre Mitglieder informieren zu müssen. In einer darauf folgenden gemeinsamen Sitzung wurde seitens des Herrn Unparteiischen nunmehr mitgeteilt, daß die gegen- seitigen Differenzen lo groß seien, daß an einen Ausgleich ohne den Spruch eines SchlichtungSausschusseS mit unparteiischem Vorsitzenden nicht zu denken sei. Er schlug darum vor, daß nach Verordnung vom 23. Dezember 1918, � 22, die Parteien sich damit einverstanden erklären sollen, daß seitens des ReichSorbcitsministeriümS ein SchlichtungSauSschuß beruren werde. Auch diesem Vorschlag stimmte die Verhandlungskommission der Berliner Metallarbeiter zu. In einer demnächst stattfindenden Generalversammlung wird die Berliner Metallarbeitcrschaft Gelegenheit haben, zu ihrer Lohn- bewegung Stellung zu nehmen. Lohnkarifkündigung der Handelsarbeiter. Eine überfüllte Versammlung der Handelsarbeiter aus den Kaus- und Warenbäuiern. Spezial- und Detoilgeschäkten Groß- Berlins beschloß einstimmig, den mit dem Arbeitgeberverband im Einzelhandel und dem Deutschen Transportarbeitcrverband, Be- zirksverwaltung Groß- Berlin, vereinbarten Lobntarif zu kündigen. Pollmeier unterbreitete der Versammlung im Austrage der Lohnkommission folgende Forderungen: für jugendliche Arbeiter in dem Alter von 14 bis 10 Jahren 45 M., von 10— 18 Jahren 60 M., von 18—20 Jahren 80 M.. für Erwachsene(über 20 Jahre alte männliche Arbeiter) 100 M.. für Weibliche, jugendliche und erwachsene, betragen die Wochenlöhne 10 Proz. weniger, für besonders s ch w e r e und lebensgefährliche Ar- b ei ten werden zu den Wochenlöhnen 26 Proz. Aufschlag gezahlt. Die Versammlung ging über diese Sätze hinaus und beschloß, nach Vzjühriger Tätigkeit 120 M. pro Woche zu fordern: ferner wurde zum Ausdruck gebracht, dem Arbeitgeberverbande im Einzelhandel mitzuteilen, daß die Verhandlungen gemeinsam mit dem Arbeitgeberverbande im Gngroshandel zu führen find. Tarifverhanbluugen w der Pelzwarenbra«lche. In einer am 13. August in den Musikeriälen abgehaltenen, von der Tarilkommission einberufenen, sehr gut besuchten Versammlung der Angestellten der Pelzwarenbranche erstatiele die Kommission Bericht über die bisherigen Verhandlungen. Aus dem Bericht beben wir hervor, daß die in der Pclzwarrnindustric bisher gezahlten Gehälter zum größten Teil geradezu als Hungerlöhne zu bezeichnen sind. Der Aibeirgeberverband der Pelzwarcnbranche von Berlin hat trotzdem hartnäckig jede Verhandlung mit der Jiiieresien- vertrelimg der Angestellieii, dem Zentralverband der Handlung?» gebilren, abgelehnt. Erst durch das Eingreifen de? Schlichtungs- ausi'chusies konnte eine gemeinsame Verhandlung von Verband zu Verband erzwungen werden. Dieser Zwang wirkie auf die Arbeit» geber nach der Richtung hin, daß sie in der ersten gemeinsamen Zusammenkunft die Berhandliingen einfach sabotierten, um auf diese Weise das Zustandelommen eines Tarifvertrages und damit die Aufbesserung der geringen Gehälter zu hintertreiben. DaS ihnen dies nicht gelungen ist, ist nicht ihre Schuld. Die Forde» rungen der Angestellten kann man als äußerst niedrig bezeichnen; sie verlangen für einen 23 jährigen mit einfachen Arbeiren beschäs- tiglen Angestellten 350 Mark Grundgehali, für qualifizierte An- gestellte 450 Mark und kür vollständig iclbständig arbeitende hoch- qualifiziene Angestellte Gehälter von 600—1000 Mark, sowie eine einmalige Wirlschastsbeihilfe von 750 Mark. Eine Einigung ist infolge des geringen Entgegenkommen? der Arbeitgeber noch nicht zustande gekommen. Die Angestellten haben die Vorschläge der Arbeitgeber einstimmig abgelehnt und find fest entschlossen, ihre Forderungen unter allen Umständen durchzusetzen. Sie haben ihre Tarifkommission in Gemeinschaft mit dem Zentral- verband der Handlungsgehilfen beauftragt, mit allen ihnen zu Ge- böte stehenden Mitteln ihre Interessen weiter in der gleichen Weise wie bisher zu vertreten._ Ablehnung des Schiedsspruchs durch die General- agentur-Augcstellten. In einer Versammlung der Angestellten und Kossenboten der ProvisioiiS-Generolagenturen referierte Poppe über die Berhand- lungen vor dem SchlichtungSauSschuß. Nach sechsstündigen Ver- Handlungen fei es herausgekommen, daß der Schiedsspruch nur für Berlin gelten solle. ES sollen heut? Besprechungen der Albeitgeber stattfinden, ob der Schiedsspruch fürs Reich gelten solle. Der Reichstarif ist durch den Schiedsspruch teilweise anerkannt worden. In der Kündigung sind den Unternehmern Zugeständnisse gemacht worden. Die Klaisifizierung der Angestellten in sehr zuungunsten derselben verschoben worden. Nach dem Schiedsspruch kommt der größte Teil der Angcstellren in die 4. Klasse, nur erste Beamte, selbständige Arbeiter und Stenotipistinnen kommen in die 3. Klasse, bei Be- trieben mit über 15 Angestellten in die 2. Klasse. Der Sckiedkiprnch werde für Berlin wahrscheinlich für rechtsverbindlich erllärl werden. In Verhandlungen über den Tarif der Kassenboten einzulrclen, habe der SchlichtungSauSschuß abgelehnt. In der Diskussion wird der Schiedsspruch aufs schäriste kritisiert. Diese Vereinbarungen bäilen auch ohne einen Streik erreicht werden können. Es wird gefordert, daß die Dircklionsbeamten ebenfalls zur Unterstützung in den Generalstreik treten sollen. W an icke(HandlungSgehilfenverbandj triti dem entgegen. Es wütden daraus unabsehbare Differenzen ciiisteken und sollte man davon Abstand nehmen. Der Schiedsspruch wird einstimmig abgelehnt. Wegen eines etwaigen General- streiks der Direklion-beamlen soll mit der Zeitlralstreikleilnng in München und den Obleuten der Angestellten Fühlung genommen werden. Ter Herr Neichskommissar und die Angeftclltenvcrtreter. Dem Angestellten> Ausschuß und Arbeiterrnt der KriegSmetall- Aktiengesellschaft sowie dem Vertreter der Fachgruppe 3a fKriegs- organiiaiion) waren aus Handelskreisen und ans der Presse die Mtiteilung zugegangen, daß am Donnerslog eine Aussichtsrais- sitzung der KriepSmeiall-Aktiengesellschast stattfinden sollte, i» der der En-dlooVerkauf der Lagerbestände dieser Gesellschaft an privale Händler zum Beschluß erhoben werden sollte. Infolge dieser Nachrichten hatten sich die eben genannten Ver- trcter an daS Reichswirtschafrsmimsterium gewandt und wurden von dort aus an den Reichskommissar Adler, als die zuständige Stelle gewiesen. ES sollte gestern morgen 10 Uhr eine Verhandlung niil dem Herrn.stattfinden. ES wurde von Anfang an von Herrn Adler in anmaßendster Weise dagegen Stellung genommen, daß sich An- gesicllien-Vertreter mit diesen Sachen befaßten. Er erklärte, daß die Angestellten erst dann Rechr hätten, sich in derartige Sachen zu mischen, wenn daS MilbestimmungSrecht zum Gesetz erhoben werde. Er wallte nicht anerkennen, daß auch die Angestellten die Interessen der Allgemeinheit wahrzunehmen härten und versucht«, die Angestell- ten aufs Glatteis zu locken, indem er von der Pflicht der Geheim- Haltung usw. sprach. Die Angestellten ließen sich aber dadurch irichr einschüchtern, sondern verlangten positive Auskünfte. E» war nicht möglich, mir Herrn Adler über die Angelegenheit eine sachliche Verhandlung zu führen und mußten die«ngestellten- vertretet unter diesen Umständen unter Prolest die Verhandlung abbrechen. Die Oeffentlichkert hat unter allen Umständen ein Interesse daran, daß an leitender Stelle Persönlichkeiten stehen, die inrslande sind. Verbändlungen in rein sachlicher, nicht beleidigender Form zu führen und Angestelltenvertretcr als gleichberechtigte Fakloren anzu- erkennen. Wer diesen selbstverständlichen Forderungen der modernen Zeit nicht gewachsen ist, tut gut daran, zu verschwinden. Zum Streik im chemischen Grofthaudel. Ans Einladung des Zcntralverbandes des Großhandels erschien die Streikleitung des Zentralverbandes der HirndlungSgehilfen uno des Transportarbeitervcrbandes, um über die Beilegung des Streiks zu verhandeln. Zum lebhaften Erstaunen der Ttreikleiiung ivaren auch noch andere Verbände vertreten, u. a. solche, deren Mitglieder in diesem Konflikt Strcikbrecherdienste leisten. Die Vertreter der Streikleitung erklärten, daß über die Beilegung des Streiks naturgemäß Vertreter der Streik- brecker nicht verhandeln können. Wenn über Beilegung der Differenzpunkte, die zum Streik geführt haben, eine Einigung erfolgt ist, dann seien die Vertreter der Streikleitung bereit, sicb damit einverstanden zu erklären, daß die Tarifverhandlungen in der früheren Form fortgesetzt werden. Die Arbeitgeber weigerten sich, 5}£n Vorschlag zu akzeptieren, wodurch die Verhandlungen hinfällig wurden. Interessant ist, daß im Gegensatz zu dieser Weigerung ein Vertreter der Aribeitgeber erklärte, am Vormittag wäre dieser Vorschlag sicher angenonrmen morden. Das zeugt davon, baß die Arbeitgeber nicht die Abflcht haben, den Kampf zu beenden, daß es ihnen im Gegenteil auf eine Macht- probe ankommt. Ausführlicher Bericht erfolgt in der Streikversammlung am Freitag früh 9 Uhr in den.Sophiensälen". Zum Hamburger Bankbcanttenstreik. Hamburg, 14. August. Eine heute vormittag abgehaltene Ver- samnilung der ausiländiaen Bankangestelltrn hat mit 1590 gegen 2 Stimmen bei 8 Stimmenthaltungen eine Entschließung an- genommen, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß auf die neuer- lichen Vorschläge der Banklcilungen nicht eingegangen werden könne. Z-ranSportarbeiter der SiemenSwerke. Die Kollegen und Kolleginnen, welche die StreiluntertlLtzung noch nicht abgehoben beben, ei- halten diese am Sonnabend, den IS. August, nach Schluß der Arbeitszeit im Lokal von Marsand, Nonnendamm-illlee. Deutscher TranZportarbeiter-Verband. Fluazeugmeisterei llldlerShof. Beti-icbSversammlling Zonnabend. den tk. August, nachmiitags 2 Uhr bei Wolltlein, Adlersbof, BiSmarck'lr. 70. Tagesordnung wird daseibsl bekanntgegeben. Legitimation: Entlassung«» schein. Verantw. für den rcdaktion. Teil: Alfred Scholz, Reukülln: für Anzeiqen: Theodor «Slocke, Berlin. Berlog: Borwärts-Berlag«B. m. b. H., Berlin. Druck: Bormäns- Buchdruckern und Verlagsanftalt Paul Einger u. Co. in Verlin, Lindcustr. 3. Hierzu 1 Beilage. G. m. d. N. A WERTHEIM Leipziger Straße/ K5nigstraße/ Rosenthaler Straße/ Moritzplatz Preiswerte Lebensmittel Bosnische Pfflayrnen i 3.30 Gem. Backobst..... i 4,80 Bananenmehl!•.".< 4.50!&•; 2.30 Maizena............. i 2.50 Trock-Vollmikh ,p aS.30 K,a 4.65 Getr. 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Jahrgang Seilage öes vorwärts Ireitag, 15. flnznft 1910 nsa Nationalversammlung zu Weimar 79. Sitzung vom Donnerstag, den 14. August 1919. ! Am Regierungstische: Erzberger, Dr. David. Vizepräsident Dietrich eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Min. Zu der als ersten Punkt der Tagesordnung vorliegend-n Jnter- pellation W a ch h o r st de W e n t e-Falk(Sem.) und Genossen über loeitcre Mittel zur Abbürdung der Ueberteuerungskostcn bei der Errichtung von Kleinwohnungen läßt die Regierung er. klären, daß sie nach einem mit dem Präsidenten zu vereinbarenden Zeitpunkt zur Beantwortung bereit ist. Danach wird die Beratung über die Steuervorlagen f-rtgesetzt. Abg. Burloge(Zentr.): Die Umsatzsteuervorlage ist ein kühner Entwurf, ja vielleicht ein verfehlter Entwurf.(Hört! hört! rechts.) Tie Unbilligkeit, in der indirekte Steuern wirken verdoppelt sich bei kuiderreichen Familien. Meine Fraktion hat mich beauftragst, zu er- klären, daß für dies« in irgendeiner Form ein Ausgleich gefunden werden muß. Es ist begreiflich, daß die Linke Vorsicht gegenüber der Umsatzsteuer übt, auch weil sie das kapitalisierte Vermögen des Reiches nicht erfaßt und die Gefahr ihrer Umgehung sehr groß ist. SL:r müssen uns aber an den Gedanken gewöhnen, daß die in- direrien Steuern nun einmal nicht zu umgehen sind. Wir werden im Ausschutz versuchen, den Entwurf in allen Einzelheiten noch anders zu gestalten. Die Abgabenordnung ist das einigende Band für eine ganze Reihe bisher zerstreuter Gesetze und lobt als eine Gestalt aus einem Guß ihren Meister. Wir wollen, daß daS große deutsche Vaterland wieder gedeihe, sonst gehen wir unter, das aber wollen wir nicht. (Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Mumm(Dnat. Vp.): Wir Deutschnationalen sind wil- lenS, dem Reich oas Sein? zu geben, halten«S aber für notwendig, auch mit indirekten Steuern. Alberten wir alle dafür, daß das deutsche Volk aus diesen schlveren Zeiten herauskommt. Deutsch- I.-.nd bleibt unser Vaterland und unserer Kinder Land. Reichsfinanzminister Erzberger: Der Wunsch des Abg. Burlage, unseren alten Beamtenstand in seiner Reinheit und Unversehrtheit dem Deutschen Reiche zu er- ballen, ist mein Ziel und die Regierung tritt mit aller Kraft dafür ein. Ich hätte in der Generaldebatte das Wort nicht mehr ge- nommen, aber der Abg. Mumm zwingt mich zu einigen Aus- führungen. Tie Herren sind von einer furchtbaren Empfindlichkeit. Für sich verlangen sie Schimpf- und Lügeufreiheit.(Sturm der Ent. rüstuna und großer Lärm.) Wenn ein Minister antwortet, sind sie wie schalenlose Eier.(Erneuter Sturm auf der Rechten.) Ich tveiß es längst, daß die Herren von der Deutschnationalen Volks- parte» gute Lungen haben.(Vizepräsident Haußmann erklärt den Ausdruck„Lügenfreiheit' für unzulässig.) Ich habe die Deutschnationalen gestern nicht von der Mitarbeit ausge- nommen, sondern ihre Stellung nur als unklar bezeichnet. Seit heute vormittag ist mir»hre Stellung klar. Die Partei stimmt gegen grundlegende Gesetze, welche zum deutschen Wiederaufbau nötig sind.(Die Unruhe und der Lärm auf der Rechten dauern an.) Das Tempo, in dem wir arbeiten müssen, gefällt auch mir»licht, aber es wird von der äußersten Not des Reiches vorgeschrieben. Mit dem Schneckentemvo müßte man den Ruin deS Deutschen Reichs mit in den Kauf nehmen. Eine Zwangsanleihe würde dem deutschen Volke zumuten, daß jeder Deutsche mindestens den dritten Teil, vielleicht die Hälfte seines Vermögens in Kriegsanleihe nieder. zulegen hat, und daö vis spätestens etwa Mitte des nächsten Jahres. Wie soll der Geschästsmanti, der Landwirt das machen? DaS ist eine wirtschaftliche Unmöglichkeit. Daß die Wünsche einer Minder- beitspartei maßgebend sein sollen auf die Gestaltung des Kabinetts, ist geradezu eine politisch« Naivität. (Heiterkeit.) Die Herren recht? haben uns auf ihrein Parteitage den Kaivpf angesagt, unS und der Verfassung. Auf ihrem Partei- tage haben sie sich kür die Monarchie, also gegen die deutsche Republik erklärt. Sie haben erklärt, Erzberger müsse unter allen Umständen beseitigt werden. Sogar Geld haben sie dafür gesammelt.(Heiterkeit und fortdauerrlder Lärm, sowie erregte Zurufe rechts.) Wenn Sie sich darüber beschweren, daß ich Sie an- schaue, kann ich Ihnen auch den Rücken wenden.(Der Minister tut das unter stürmischer Heiterkeit des ganzen Hauses.) Wenn Sie glauben, daß gegenüber einer solchen Kcnnpfansage die Regierung wie stumme Hunde dastehen wird, dann täuschen Sie sich. Wir würden als ReichSminister unserer Pflicht, die Verfassung zu vcr- teidigen, nicht gerecht werden, wenn wir den Kampf nicht mit allen Mitteln aufnehmen würden. Tie Partei habe ich nicht beschimpft. Der Haß dw Deutschnationalen gegen mich»st sehr groß.(Ruf rechls: Sehr richtig! Große Heiterkeit.) Das Maß meiner Verachtung, das ich diesem Treiben entgegenbringe, ist noch größer.(Vize- Präsident Haußmann: ES' ist nicht zulässig, Verachtung gegen Mit- glieder des Hauses auszusprechen.) Ich habe ausdrücklich gesagt, ich hasse keine Partei und keine Person, aber ich verachte diese? Treiben.(Vizepräsident Hautzmann: Also das Treiben diese» Hauses nicht gemeint?) Nein!(Heiterkeit.) Dann hatte der Abg. Mumm versucht, einen Riß zu machen zwischen dem Zentrum und dem Reichsfinanzminister Erzberger. Ob gerade Herr Mumm die nötigen politischen Reize besitzt, um das Zentrum zur Sünde zu verführen(Große Heiterkeit), weiß ich nicht. Jedenfalls will ich Herrn Mumm erklären: Der Herr Finanzminister Erzberger bleibt in seinem Amte, so lange er das Vertrauen der Mehrheit hat, und dafür ist in erster Linie entscheidend das Vertrauen seiner eigenen politischen Frernide.(Lebhafter Beifall.) Also, eS wird Herrn Mumm trotz alles LiebcSwerbenS nicht gelingen, einen Riß und eine Trübung m dem ausgezeichneten Verhältnis zwischen dem Zentrum und dem Reichsfinanzminister herbeizuführen.(Sehr gut! und Heiterkeit im Zentrum.) Wir kennen ja die Absichten der Rechten. Es ist den Herren nicht wohl in ihrer Isolierung und deshalb möchten sie eine bürgerliche Partei zu sich hinüberziehen und ihren Zwecken dienstbar machen. Das Zentrum wird auf diesen Leim nicht kriechen.(Beifall.) Das ganze zeigt jedenfalls, mit welchen kleinen und kleinlichsten Mitteln die Herren(nach rechts) arbeiten, wenn sie aus solchen Zwischenrufen eine politische Aktion machen. Aber das gehört nun mal zum politischen Handiverkszeug der Herren. Wir wissen ja aus der Geschichte des alten Preußens, daß die Herren jedem Staatsmann, der nicht konservative Politik gemacht hat, das Leben nahezu unerträglich gemacht haben. Ich erinnere daran, wie von der Gerlach-Grupve der„Kreuzzeitung" der größte Staatsmann deS Jahrhunderts, Bismarck, behandelt worden ist. Bei Ihnen (nach rechts) ändern sich die Namen, die politischen Unsitten ändern sich nicht. (Beifall bei den Mehrheitsparteien. Unruhe rechts.) Zur Frage des R e i ch s n o t o p f e r s wiederhole ich meine Er- klärung: In dem Augenblick, wo die Entente versuchen sollte, den Ertrag dieser Abgabe zu beschlagnahmen, werde ich bei der National- Versammlung die Ermächtigung nachsuchen, daß das Reichsnotopscr nicht erhoben wird. Jetzt haben Sie(nach rechts) kein« Ausrede mehr, jetzt können Sie also an dieser Abgabe mitarbeiten.(Beifall bei den Mehrheitsparteien.) Nun spricht Herr Mumm von der Vergeudung von Reichsgeldern und fragt, woher denn die Gelder kämen, mit denen in Berlin die Straßen verschandelt werden. Das weiß ich nicht.(Zuruf rechts.) Reichsgelder find es jedenfalls nicht. (Erneute stürmische Zurufe rechts.) Ich verstehe Ihre unartiku- lierten Laute nicht.(Heiterkeit.) Wer am ineisten die Berliner Straßen mit Platten verschandelt. daS ist die Liga zur Bekämpfung des Bolschewismus, die bezieht ihr« Gelder aber von Kreisen, die Ihnen(nach rechts) nahestehen.(Zuruf rechts: Sind Sie Bolsche- wist?) Nein, aber ich bin nicht so naiv, anzunefstnen, daß durch diese Plakate irgend jemand, der dem Bolschewismus verfallen ist. davon geheilt wird. Mir tut nur das Geld leid, das auf diese Weise verpulvert wird.(Lebhafter Beifall.) Herr Mumm beschwert sich darüber, daß der scqmldemokratischen Fraktion das Gebäude der Nationaloersammlung für eine Veran» staltung zur Verfügung gestellt worden sei. Mir ist mitgeteilt worden, daß auch nicht ein Pfennig Mehrkosten dadurch entstanden sind. Aber selbst wenn es der Fall wäre, ist nicht auch das Reichstagsgebäude in Berlin den Fraktionen zu Ver- anstaltungen aller Art zur Verfügung gestellt worden? Der Abge- ordnet« Mumm hat es so dargestellt, als ob die Minister, die vow ihren Posten zurücktreien, Pension bekommen. Keiner von den Ministern, die unter dem neuen Reghne zur Regierung gekommen und dann zurückgetreten sind, hat irgendeine Pension oder sonst eine Vergünstigung erhalten(Hört, hört!) Ja noch mehr, dl« 1 Minister haben von dem Tage ihres Rücktritts den Teil ihres Ge- Haltes, den sie pränumerando erhalten hatten, zurückzahlen müssen. Und weiter, nach dem Umsturz mußte Scheidemann, der bis- her als Staatssekretär ein Gehalt von 50 000 M. bezogen hatte und vom 9. November als VolkLbeauftragter nur auf eine er, heblich geringere Entschädigung Anspruch hatte, mehr als die Hälfte scineS GehalteS cm die Staatskasse zurückzahlen. Nur die V e a m t e n m i n i st e r, die aus Grund des BeämtenbesolidungSgesetzes Anspruchs darauf haben, erhalten eine Pension. Herr Mumm beschwert sich über die Verbreitung meiner Rede vom 25. Juli. Ich verstehe, daß das Herrn Mumm Leibschmerzen macht.(Heiterkeit!) Und es geschieht doch auf einen Beschluß der Nationalversammlung. Ich kann Herrn Mumm versicher»»: Auf Grund dieses Beschlusses werden wir dafür sorgen, daß diese Schrift bis in das letzte deutsche Haus hineinkommt.(L«bh. Beifall bei der Mehrheit. Große Unruhe und lärmende Zurufe rechts. S&g. Staub ruft: Rede der Unwahrheit!) Herr Traub, Sie sind mir der richtige Prediger der Wahrheit. «Große Unruhe, Pfui-Rufe und lärmende Zurufe wie: Schämen Sie sich! rechts, lauter demonstrativer Beifall links.) Es mag Ihnen, Herr Traub, unang-nehm sein, aber ich will nochmals feststellen: Wenn Sie in der Presse die Behauptung aufstellen, der Reichs- finanzminister wolle durch eine Roichsabgaberwrdnung süddeutsch- land vom Reiche absplittern u.ch ein neu«? Reich van Aachen aus bis München nnd Wien__ errichten, so fehlt mir der parlamaniarische Ausdruck für eine solche Behauptung eines Mitgliede dieses Hauses. Wenn er weiter behauptet, der frühere Pressedezernent Dr. Viktor Naumann sei von mir inS Auswärtige Amt berufen worden, so ist das eine auf- gelegte Unwahrheit. Ich habe von dieser Berufung überhaupt keine Kenntnis gehabt.(Zuruf rechts: Das war ein Irrtum.) Weint einer von Ihnen(nach rechts) einmal etwas sagt, was nicht wahr ist, dann ist das in Ihren Augen ein Irrtum, ein ganz kleines unschuldiges Kindlein.(Heiterkeit.) Wenn aber dem ReichSftnanz- minister Erzberger einmal ein solcher Irrtum unterlaufen sollte, so wird ein Riesenelefant daraus gemacht, den Sie durch daS ganze Land treiben.(Sehr gut! und Heiterkeit.) Ter Abg. Mumm behauptet weiter, es seien ReichSgelder zur Verbreitung sozialdemokratischer Literatur ausgegeben worden. Ich kenne die Schriften nicht, die er dabei im Aüge hat. Sie können auch nicht gut von mir virlangen, daß ich hier auf der Tribun» niederknie und mir si»«mschnue.(Der Minister verweist unter großer Heiterkeit auf eine Reih« von Broschüren mit bunten Titeln, die vor dem Stenographen- tische ausgebreitet auf dem Fußboden liegen.) Die von. dem Abg. Mumm vorgebrachten Bchauptimgen, daß Reichsgelder in unverantwortlicher Wci'e ausgegeben werden, sind also vollkommen unwahr. Die Reichsfinanzverwaltung arbeitet mit der größten Strenge, Sie können deshalb di« notwendigen Steuern ruhig bewilligen. Da? Geld wird ausgeworfen für Zwecke des Ge- meinwohls, für Kriegsbeschädigte, Kriegsgefangene, KrisgShinter. bliebe ne.(Lebhafter Beifall links und in der Mitte.) Abg. Dr. Mittelmann(D. Vp.): Unsere Kritik und unsere Vorschläge hinsichtlich der Umsatzsteuer behalten wir uns für die Aus- schußberatung vor. Wir erklären, keine direkten Steuern ohne in- direkte!(Zuruf links: Die haben wir ja schon.) Die Regierung gibt dauernd die Parole„Arbeit" aus, anstatt dessen gibt eS aber nichts als Streik, Streik und nochmals Streik. Reichsfinanzminlster Erzberger: Ich nehm« gern zur Kenntnis, daß die Deutsche Bolkspartek sich mit dem erwähnten Rundschreiben nicht identifiziert. Mein Vorredner hat mich ein Unglück genannt. Ein Unglück ist es, daß man mir 1916 bis 1917 nicht Folge gegeben hat, sonst stünde eS besser um das deutsche Volk. Wix waren damals machtlos gegen- über der herrschenden Militärdiktatur. Aber Sie(rechts) machten uns immer verantwortlich für die Folgen einer Politik, die wir Erleuchtung. 401 Roman von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdors. Die Haltung dieses Leichengespenstes, das derart hing, gewährte den Anblick eines Gegenstandes scheußlichster Eindringlichkeit. Da erhob Termite seine Stimme, und er sagte:„Armer Kerl!" Termite verließ die geschützte Stelle unter dem Mauerwerk, und man rief ihm zu:„Bist Du verrückt? Er ist ja doch schon tot!" Da stand eine Leiter. Termite ergriff die Leiter, er schleppte sie zu dem ausgerissenen Hause, das in jeder Minute von den Splitterschivaden umzüngelt wurde. Der Leutnant rief:„Termite, ich verbiete Ihnen hinzu- gehen, das nutzt ja doch nicht mehr." Aber Termite blieb nicht stehen, und er drehte sich auch nicht um und er antwortete:„Herr Leutnant, ich bin Herr über meine eigenen Knochen 1" Er stellte die Leiter qn, er stieg hinauf und löste den Toten los. Ueber dem Toten und dem Lebendigen, die an dem Wandbewurf hinunterglitten. schäumte eine Brandung dumpfer Schläge und weißen Ge- wölkes auf. Termite stieg mit dem Leichnam hinunter. Sehr geschickt legte er ihn auf den Erdboden, wo der Tote dann zusammengekauert liegen blieb. Hierauf kam Termite im Laufschritt zu uns zurück und er stieß auf den Hauptmann, der den Auftritt mit angesehen hatte. Der Hauptmann sagte:„Man hat mir gesagt, daß Sie ?lnarchist sind. Aber ick sehe, daß Sie ein tapferer Mann sind und das ist schon die gute Hälfte eines Frarfzosen!" Der Hauptmann streckt ihm die Hand entgegen, Termitte ergriff die Hand und er wollte so tun, als ob ihn diese Ehre wenig berührte. Als er wieder in unsere Reihe trat,' sagte er:„Weiß nicht, warum. Ist ganz blödsinnig. Aber wie ich den Jungen da Hab hängen sehen, da Hab ich an seine Mutter gedacht I" Und wie er das sagte, durchwühlte er mit der Hand seinen struppigen Bart. Man bewunderte ihn mit einer gewissen Hochachtung, denn erstens hatte er den Aufstieg gewagt und dann war er mitten durch den Eisenhagel als Sieger hindurchgeschritten. Es gab keinen unter uns. der nicht glühend gewünscht hätte, auch das Gleiche erfolgreich auszuführen, was Termite eben vollbracht hatte. Natürlich, man begriff keine Regung in diesem seltsame» Soldaten. Eine Weile hörte die Beschießung auf. Man sagte: Jetzt ist es zu Ende. Alles sammelte sich um Termite. Einer sprach für alle übrigen und fragte:„Also, Du bist„Anarchist?" Termite erwidert:„Nein, ich bin Internationalist, darum bloß bin ich eingetreten!" Ein Ha! des Erstaunens. Terniite versuchte seine Gedanken noch mehr zu erklären: „Verstehste, ich bin gegen alle Kriege". „Alle Kriege?— Manchmal muß eS aber Krieg geben. Zum Beispiel der Verteidigungskrieg." Termite erwiderte hartnäckig:„Nein, es gibt nur den Angriffskrieg. Denn wenn es keinen Angriffskrieg gäbe, so würde es auch keine Ver teidigung geben l" Neues Ha der Bewunderung. Bald beruhigte man sich, und man plauderte weiter, nur um zu plaudern, und man schlenderte durch die Straßen, über denen noch die Gefahr lagerte. Und die Straßen wurden manchmal verdüstert durch die herumfliegenden Trümmer, die unter dem Himmel einhersausten, der noch voll sürchter licher Ueberraschungen hing. Einer sagte:„Gott sei Dank, Leute wie Du haben wenigstens Frankreich nicht hindern können, sich ordentlich auf den Krieg vorzubereiten." Termite erwiderte: �.Leider hat's nicht genug Leute wie ich gegeben. um so was zu verhindern. Gäb's nur einige mehr so wie ich, es hätt' auch keinen Krieg gegeben!" Mußt das den Boches sagen und den andern, aber nicht uns. Termite erwiderte:„Allen muß man es sagen, allen auf der ganzen Erde! Darum eben bin ich Internationalist!". Termite drückte sich uni� ging zu einer anderen Gruppe. Sein Gegner machte eine Bewegung der Ungeduld, weil er nichts weiter verstand, und er sagte:„Macht nichts, der Termite jst besser als wir alle zusammen." Nach und nach geschah cs, daß man Termite über ge wisse Fragen mit einer Selbstverständlichkeit ausfragte, über die ich lächeln und über die ich mich manchmal sogar ärgern mußte. So fragte man ihn in dieser Woche:„All das Ge- schieße, bedeutet das nun eine neue Offensive, die man vor- bereitet?" Aber Termite wußte nicht mehr als all die übrigen. 12. Kapitel. Die Schatten. Am Tag, der für den Ausbruch festgesetzt war, marschierte man noch nicht zu den Schützengräben ab. Der Abend kam, dann wurde es Nacht.— Noch immer nicht. Am Morgen deS fünften Tages standen wir faul und ungewiß herum und >vir lehnten uns an die Vorderwand eines Hauses, daß am Eingang der Straße lag. Das Mauerwerk war auch durch- löchert, aber wieder zugestopft worden. Einer von unseren. Kameraden meinte:„Vielleicht werden wir hier bis zum Endo des Krieges bleiben." Man.deutete an. daß es wohl nicht so kommen würde. Aber trotz alledem schien uns diese Straße in diesem Augenblick den Straßen zu ähneln, in denen wir einstmals friedlich gewoW hatten, und das nur darum, weil wir das Gäßleiu nicht am festgesetzten Tage hatten verlassen müssen. Dort, wo wir dem Hinströmen der Stunden tatenlos zuschauten, dort, wo wir nur in unseren großen Tabakbündeln herumstöberten, die in sich ganze Gerippe bargen, lag auch das Lazarett. Und da sahen wir, wie durch die niedrige Tür ein Schwärm armseliger Soldaten hereintrottetc. Der Schwärm war ausgemergelt und beschmutzt. Sie blickten mit müden Blicken, den Bettlern gleich. Und aus der Eintönigkeit stach nur die reinliche und tadellose Uniform des Unteroffiziers hervor, der die Leute anführte. Es waren fast immer die gleichen Leute, die in die Krankensäle hineinhasteten. Viele Soldaten setzen ihre ganze Ehre darein, daß sie sich niemals krank melden. Eine tiefe und düstere Heldenhaftigkeit liegt in diesem Starsinn. Andere sind nicht so widerstandsfähig. Sic kommen, so oft sie nur können und melden sich an den düsteren Orten des Gesund- heitsdienstes und stranden immer wieder vor der Türe des Arztes. Unter diesen Leuten befinden sich wahrhafte Menschen- trümmer, in denen ein sichtbares oder verborgenes Erbübel waltet. Der Untersuchungsraum war in einem Zimmer des Erd- geschosses eingerichtet, in den» man die Möbel zusammen- gerückt hatte. Durch das offene Fenster drang die Stimme des Stabsarztes. Er reckte krampshaft den Hals. Er saß an seinem Tische mit seinen Tressen und seinen Augen- glftsern. Und vor ihm stand irgendein armer Teufel, halb- nackt ausgezogen, mit der Mütze in der Hand, mit dem Rock über dem Arm. oder die Hose war auf die Füße nieder- gerutscht, und sie enthüllte kläglich den Menschen, der durch den Soldaten sichtbar wurde. Der Kranke wollte die blutigen Eisensträhnen seiner Krampfadern geltend machen ooer er wollte die Aufmerksamkeit auf seinen Arm heranlocken, von dem eine verknüllte und vereiterte Binde herunterbaumelte, unter der sich eine hartnäckige Wunde heraus- wölbte. Oder der Kranke wollte seinen Bruch anpreisen oder den Rachenkatarrh, der noch immer nicht zu beseitigen war. Der Stabsarzt war ein ordentlicher Mann, und wie es schien, auch ein guter Arzt. Aber diesmal prüfte er kaum die Körperstellen, die ihm hingehalten wurden und sein ein- töniges' Endurteil hallte zur Straße hinaus:„Marschfähig! GutI Nicht wegen falscher flrcmkennieldnng zu bestrafen!" Gortj. folat.) nicht verteidigt HaLen. TZ muh einmal d-armrt Hingewiesen Ker» den, welche große Mühe sich namentlich der jetzige Reichspräsident gegeben hat, um den Ausbruch der Revolution zu verhüten. (Lebh. Hört, hört! bei den U. Soz.) An der Vermeidung von Blutvergießen trägt der Herr Reichspräsident das Hauptverdienst. Der Reichswirtschaftsmintster, Reichsarbeitsminister und der Ministerpräsident führen fortgesetzt Verhandlungen mit den Ar» heitern, um das Unglück des Streiks zu verhindern. Ihre Bc- mühungen treten nicht in die Oeffentlichkeit, abex dadurch sind tatsächlich viÄ« Streiks verhindert Morden. Seien wir doch gegen die Arbeiter und Minderbemittelten gerecht. DaS Volk hat namentos gelitten und am meisten die Arbeiter- masscn in den Industriezentren, die gerade noch wie ein Tier vegetieren konnten. Ein Volk, daß derart unterernährt ist, wird in 4% Jahren krank, und unser Volk ist krank. Es mutz wieder gesund gemacht werden. Wir müssen für reichlicher«? und besseres Brot nach der Ernte sorgen. Eine Rationierung von Monat zu Monat darf es nicht geben. DaS Volk muß gekräftigt werden, nur dann wird es die Schwäche überwinden. Wir brauchen soziale Forderungen, ehe es wieder zu spät wird, z. B. eine andere Ar» b e i t slo senu merst ü tz u ng. Gerade darin hat das alte Regime am meisten verschuldet. Auf Grund der Selbstverwaltung müssen die Arbeiter dafür interessiert werden. Wenn diese For- derung nicht erfüllt wird, wissen wir nicht,, was weiter geschehen soll. Wir dürfen nicht rückwärts schauen, sondern zur Rettung des Vaterlandes: Immer vorwärts! Nur dann kommen wir zur Arbeit und durch sie zur Rettung des Vaterlandes. Zlbg. Henke(U. Soz.): Die neuen Steuern belasten die breiten Volksmassen bis zur Unerträglichkeit. Redner bespricht eingehend das Finanzgebaren der Arbeiter- und Soldatenräte.(Präsident Fehrenbach ruft den Redner zur Sache.) Mein« Partei ist ie einzige, die der Umsatzsteuer ernsthaft Widerstand ent- gegensetzt. Deshalb muß sie auch das Recht haben, ihren Wider» stand hier ausdrücklich zu begründen. Präsident Fchrenbach: Ich kann nicht irgendeiner Partei auS irgendeinem Grunde eine Extrawurst braten.(Heiterkeit.) Und ich muß sagen, Sie haben eine Reihe allgemeiner Ausführungen gemacht, die mit dem Gegenstand der Tagesordnung nichts zu tun haben. Abg. Henke(U. Soz.): Ich habe zur Sache gesprochen, ich werde mich nicht davon abbringen lassen, da» zu sagen, was ich noch sagen wollte.(Oho-Rufe.) Meine Partei ist die einzige, die die Interessen der Arbeiter vertritt.(Präsident Fehrenhach-ust den Rodner zur Sache.) Durch solche Steuervorlagen zwingen Sie einfach die Arbeiter zum Streik. Die Tatsache, daß aus der Na- tionalversammlung der Reichstag, daß aus dem Kaiserreich«ine demokratische Republik geworden ist, ändert nichts an der Tat- fache, daß die herrschenden Klassen mit allen Mitteln versuchen, die Lasten auf die breite Masse abzuwälzen.(Präsident F e h r e n- bach ruft den Redner zum zweiten Male zur Sache. Große Un- ki rube und lärmende Zurufe bei den U. Soz. g. Frau Zieh ruft: Er Hot zur Sache gesprochen! Präsident Fehren bach: Wenn der Präsident erklärt: Zur Sache, dann hat der Redner vorher nicht zur Sache gesprochen. Die Entscheidung darüber steht dem Präsidenten zu, nicht Ihnen, Frau» Zietz.) Die Revolution vom 9. November war nicht auf Fehler in der Steuerpolitik zu- rückzuführen; wenn Sic jetzt wieder in Ihrer Steuerpolitik Fehler auf Fehler machen, dann wind das eine neue Revolution erzeugen, und die Arbeiterschaft wind Sie und Ihre ganze Steuerpolitik hin- wegfegen, i Gelächter und Rufe: Oho! bei den Mehrheits-Soz. Beifall bei den U. Soz.) Minister Dr. Naumann erhält das Wort zu einer persönlichen Erklärung über«inen im Verlauf der Sitzung zitierten Angriffsartikol des Abgeordneten Dr. T r a u b. Gegenüber der Behauptung, daß ich auf Veran- lassung des Reichsministers Erzberger in meine Stellung be- rufen bin, habe ich zu erklären, daß ich während des ganzen Krieges nur zweimal mit ihm zusammengekommen bin, und daß er von meiner Tätigkeit nicht entzückt war, da ich in anderer Rich- hing arbeitete als er. Ebenso wenig habe ich Beziehungen zu. der Kaiserin Zita und den Erzherzögen von Parma unterhalten und angeblich mit ihnen mif den Sturz der Hohenzoller-ndhnastie hingearbeitet. Im Gegenteil bin ich seit 1917 in jedem Bericht aufs schärfste gegen die Kaiserin Zita aufgetreten. Nun soll ich auch noch Beziehungen zu österreichischen Herzögen unterhalten haben. Ich erkläre, daß ich lediglich einen Brief an eine Dame geschrieben habe, die ununterbrochen für Deutschland eingetreten ist. Ich habe darin zum Ausdruck gebracht, daß in unserer Hal- hing ihr gegenüber sich nichts verändert hat, und ich hätte mich ge- schämt, das gegenüber dieser im Unglück befindlichen Dame nicht ausgeführt zu haben.(Beifall.) Abg. Dr. Brnun-Franken(Soz.): Die Unabhängigen haben nichts gelernt und nichts vergessen. Ihr Festklammern an durch die Entwicklung überholte Vor- stellungcn würde von Marx zweisellos nicht gebilligt Hörden. Vermutlich hat der Abgeordnete Henke vom Friedensvertrag keine Ahnung, sonst würde er wissen, daß die Wiedergutmachungs- kommission vertragsgemäß sich die Gewißheit verschaffen kann, daß die dem deutschen Volk auferlegten Steuerlasten verhältnismäßig genau so drückend gestaltet worden sind wie für die gegnerischen Länder. Abg. Dr. Traub(Dnat. Vp.): Minister Erzberger hat mir in höhnischem Ton vorgeworfen, daß ich ein Prediger der Wahrheit sei. Bisher war es nicht Sitte des Hauses, auf den Privatberuf eines Abgeordneten zurückzu- greifen, und ich hätte erwartet, daß selbst ein Abgeordneter der deutschnationalen Volkspartei gegen einen solchen Angriff eines Ministers geschützt werde(Sehr richtig!) redst s). Wenn ich bei Verteidigung meines Standpunktes von Erzberger beschimpft werde, so ist das für mich eine Ehre. Präsident Fehrenbach: Es entspricht nicht den Gepflogenheiten des Hauses, den Privatberuf des Abgeordneten in die Debatte zu ziehen. Der bei dem Vorgang präsidierende Abgeordnete Hauß- nu, nn sagte mir bei Uebergalst�des Vorsitzes, er habe die Worte „Prediger der Wahrheit" nicht notwendig mit der früheren amt- ltchen Tätigkeit des Abgeordneten Traub in Zusammenhang zu bringen geglaubt. Prediger der Wahrheit kann von einem jeden Abgeordneten, der in irgendeinem geistigen Berufe steht, gesagt werden. Diese Auffassung habe ich geteilt. Damit schließt die Debatte. Die Borlage betreffend das Reichsnotopfer wird dem zehnten, die Reichsabgabenordnung dem elften, die Umsatzsteuer- Vorlage dem zwölften Ausschuß überwiesen. Der Gesetzentwurf wegen vorübergehender Verstärkung der Betriebsmittel dpr Reichshauptkaffe wird ohne weitere Erörterung auch in zweiter und dritter Lesung endgültig erledigt. Es folgt die erste und zweite Beratung der Gesetzentwürfe über Postgebühren, zur Aenderung des P o st s ch e ckg e s e tz e s und betr. Telegraphen- und Fernsprechgebühren. Die erste Beratung der drei Vorlagen wird verbunden. Ein Antrag Rieß er(Tisch. Volksp.) ist aus Verwei- sung cm den Haushaltsausschuß gerichtet. Präsident Fehrenbach: Die Fassung der Einleitung des ersten Entwurfs:„Der Reichstag hat das folgende Gesetz beschlossen" usw. im Zusammenhang auch mit einer Zuschrift des Reichspräsi- denien an mich hat dem Aeltestenaus schuh Veranl issnng gegeben, die Frage zu prüfen, ob wir schon jetzt mit der Publikation der Verfassung Reichstag geworden sind, oder ob w'r nach wie vor die verfassunggebende deutsche Nationalversammlug sind. Einstimmig ist im Gegensatz zu der Auffassung der Regierung ver Aeltestenausschuß der Meinung, daß wir nach wie vor die verfassunggebende Nationalversammlung sind, daß wir allerdings die Rechte und Pflichten haben, die die Ver- fassung dem Reichstag gibt, aber nicht den Namen. Nach Art. 189 der Verfassung gilt bis zum Zusammentritt des ersten Reichstags die Nationalversammlung als Reichstag, sie ist also nicht der Reichs- tag. Der erste Reichstag entsteht erst dur g die Neu w ah l. Ich gebe anheim, sich ohne weitere Debatte dieser Auffassung, der auch die Regierung stattgegeben hat, anzuschl'eßen und den Emgang der Vorlagen dementsprechend zu ändern.(Allgemeine Zu- stimmung.) Reichspostminister Giesberts: Die drei Vorlagen sind rechte Kinder der Not der Zeit. Sie sind auch reichlich unpopulär. Noch 1913 lieferte die� Post- und Delegraphenverwalwng 89 Millionen Mark Uebersdiuß, für 1918 beträgt das Defizit 669 Millionen, für 1919 wind es auf 569 Mil- Konen geschätzt. Es ist für uns außerordentlich bitter, weiten Volksschichten so / hohe neue Opfer auferlegen zu müssen. Aber die Post darf keine Zufchußvettoaltung werden, der Wunsch, den Preis für die Postkarte bei 16 Pf. zu be- lassen, würde einen Ausfall von 54 Millionen bedeuten. Die Re- form des Fernsprechwesens wird mit dem neuen Tarif nicht etwa auf die Seite geschoben werden. Wir hoffen in einigen Jahren wieder in normale Verhältnisse zurückzukommen. Auch die Portofreiheit der Behörden wird»beseitigt werden. (Beifall.) Am Regierungstisch ist der Reichskanzler Bauer erschienen. Mg. Steinsdorff(Dem.): Sehr wünschenswert wäre die Auf- Hebung der Bestellgebühren und die Einführung eines F r a n- kierungszwanges. Abg. Westlich(Dnat. Vp.): Die Post soll kein Ueberschußunter- nehmen sein, aber auch keinen Fehlbetrag erheben. Die Vorlagen bedürfen also einer ernstlichen Nachprüfung. Der Redner wünscht ferner die Einrichtung eines Postscheckamts in Dresden. Reichspostminister Giesberts: Die Vorlagen sind unter Fühlungnahme mit derx Interessentenkreisen durchgearbeitet und müssen jetzt rasch erledigt wer- den, weil sonst erhebliche Eim, ahmen verloren gehen. Von einer Desorganisation des Postwesens kann man nicht sprechen; die Beamten und Beamtinnen werden meist zu Unrecht angegriffen. An gutem Willen fehlt es ihnen nidst; sie sind vielmehr Opfer der schwierigen Verhältnisse.� Wir werden selbstverständlich alles tun, um die Mißstände baldmöglichst zu beseitigen.(Beifall.) Abg. Taubadel(Soz.): Die drei Gesetzentwürfe sind eine be- dauerliche Folge der in den letzten Jahren bei der Post- und Tele- graphenverwaltung eingetretenen Entwicklung. Eine Besserung kann mir erzielt werden durch Ersparnisse und durch Erhöhung der Tarife. In ersterer Beziehung wären anzustreben Ersparnisse durch Vereinfachung des Betriebes, durch Vereinfachung des Perwal- tungsapparats und durch Einschränkung der Portofveiheiten. Eine Erhöhung der Gebühren wird nicht zu umgehen fein; im einzelnen haben wir in der Beziehung große Bedenken, doch behalten wir uns vor, diese im Ausschutz vorzutragen. Abg. Nacken(Zentr.): Die Post- und Telegraphenverwaltun« braucht keine Ueberschutzverwaltung zu sein, sie darf alber auch nicht eine Z uschu ßverwaltu ng sein. Abg. Zubeil(U. Soz.): In der Postverwaltung ist eine Lotter- Wirtschaft eingerissen, wie man sie früher nicht für möglich gehalten hätte. Besonders schwere Bedenken haben wir gegen die Erhöhung der Gebühren für Zeitungen und für den F e r n s p r e d) e r. Reichspostminister Giesberts: Die beklagte Verzögerung der Postbestellungen ist auch durch den Verkehrs streik mit ver- ursacht worden. Wir sind bemüht, den Postdienst nach Möglichkeit aufreditzuerhalten. Die drei Vorlagen werden der Kommission für den Reichs- Haushalt überwiesen. Nächste Sitzung: Freitag, 3 Uhr.(Anfragen; kleine Vorlagen; Interpellation über Rückgang der Kohlenförderung; Kohlengesetz.) Schluß 8 Uhr._______ GroßSerlm Erhöhung der Brotration V Durch einen Teil der Presse geht eine Meldung, die den An- schein erweckt, als ob mit einer Erhöhung der Brotration vom 1. Oktober ab zuvcrsichilich gerecknel werden könne. Wie wir hierzu an zuständiger Seite erfahren, hängt die Möglichkeit einer Erhöhung der Brotration und die Ausmahlung besseren Mehles wesentlich davon ab, wie die Ernte ausfällt und ob auch in Zukunft größere Einfuhren von Mehl eintreffen. Das läßt sich heute noch nicht übersehen. Daß die Absicht einer Erhöhung der Brotration be- steht, und daß diese so schnell als möglich herbeigeführt werden soll, ist vom Reichsernährungsministerium wiederholt betont worden. Ucber den Zeitpunlt, wann sie in Frage kommt, kann heute noch nichts gesagt werden. Lohnabbau bei der Heeresverwaltung. Die Abwicktungsstellen des alten Heeres brauchen Schreib- personal und haben solides bei dem Berliner Arbeitsnachweis an- gefordert. Sie machen aber zur Bedingung, daß die als Schreib- gehilfen zu beschäftigenden Arbeitslosen in die Reichswehr ein- treten. Diese Anwerbungen haben die Wiclung, daß man die bis« her beschäftigten Zivilangestellten auf die Straße setzt und durch sie wieder das Heer der Arbeitslosen t�rgrößert. In den Kreh'en der Zivilangestellten wird angenommen, der Grund dieieS Bor- gehens fei der, daß man sich billige Arbeitskräfte beschaffen will. Während die Zivilangestellten sagt eine uns von dort zugehende Mitteilung, monatlich zirka 466 bis 506 M. Gehalt beziehen, be- kommen die als Soldaten eingestellten Personen nur zirta 266 M. einschließlich Verpflegungsgeld. Das sei Lohndrückerei schlimmster Art, gegen die proiestiert werden müsse. Hingewiesen wird auch auf eine Rundverfügung des Kriegsministeriums, nach der infolge der Herabsetzung der Preise ausländischer Lebensmittel die Dienststellen nun Vorschläge zur Herabsetzung der Gehälter und Löhne machen sollen. Von einer allgemeinen Verbilligung der Lebenshaltung könne doch, klagt die Zuschrift, noch keineswegs ge- sprachen werden. Sonderbar ist übrigens das Verfahren des Arbeitsnachweises bei dieser Anwerbung von Schreib- personal. Trotz der Bedingung des Eintritts in die Reichswehr weist er die Arbeitslosen mit dem üblichen Vermerk darauf hin, daß sie sich um die zugewiesene Stelle zu bemühen haben. Da iehlt nur noch, daß Nichtannahme der mit dem Einiriit in die Reichswehr verbundenen Schreibarbeit die übliche Folge bringt, nämlich die Entziehung der Erwcrbslosenunterstützung. Anträge in der Berliner Stadwerordnctciwcrsammlung. Die Stadtverordneten Dr. Wehl und Genossen haben beantragt: 1. Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, im Interesse der Berliner Bevölkerung bei der preußischen Regierung gegen die beabsichtigte Militarisierung der Berliner Polizei Protest zu erheben. 2. Die Stadtver- ordnetenveriammlung ersucht den Magistrat, wegen Nebernahme der Volkskaffees und Speifehallenin städtischen Betrieb mit der Gesellschaft in Verhandlung zu treten. Die Pilzberatungsstelle im Märkischen M u s e u m ist er- öffnet. Sprechstunde Dienstag und Freitag 12—5 Ubr. Anskunfts- gebühr kür jede Pilznrt 25 Pf. Eingang zur Beratungsstelle am Köllnischen Park Nr. 5. Borsicht gegenüber KriegSanleihe-Zinsscheinen. Von Kriegsanleihe- ZinSscheinen. die nach einer BundeSratsverordnung gesetzliches Zah- lungsmittel waren, ist ein Teil durch Verfälschung des Nennwertes, des KavitalbetrageS und des Fälligkeitstages in Zahlungsverkehr gebracht worden zum Schaden derjenigen, die derartig verfälschte Z'nsscheine an Zahlungsstatt angenommen haben. Zurzeit sind auch wieder verfälschte Zinsscheine in Ilmlauf. Es wird darauf au'merk- iam gemacht, daß Zinsscheine der Kriegsanleihen des Deutschen Reiches nicht mehr gesetzliches Zahlungsmittel find, sondern nur von den bekanntgegebenen Stellen zur Einlösung oder an Zahlungsstatt angenommen werden. BezirkÄverband Grost-Berlin P. D.). Sekretariat für militärische Angelegeaheiten i st verlegt nach L i n d e n st r. 3. II. Hof links. IV. Stock. Zimmer 11. Telephon: A m t M o r i tz p l. 14714. Auch die juristische Svrechstunde sindet dort nach wie vor Dienstag und Freitag von b'/z bis ö'/a Uhr statt. R. K. Sonnabend abends 6 Uhr im Konferenzsaal der„Vor- wärts"-Rcdaktion. Acht Gütcrwagcndiebe wurden in der Nacht auf dem Eisenbahn« gelände an der Puttlitzstraße überrascht und festgenommen. Unter den Dieben befanden sich auch wieder einige Angestellte der Eisenbahn. Ein gefährlicher„Kindcrsrcnnd". Am Montag nachmittag wurde in Neukölln im Hauie Lenaustr. 25 auf dem ersten Treppenflur das knapp sechs Jahre alte Töchterchen eines Haus- bewohners. wie dieser uns erst setzt meldet, von einem jüngeren Wüstling in Soldatenuniform vergewaltigt. Der Bursche entkam unerkannt, das Mädchen ist schwer verletzt. DaS Trittbrett! Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern nachmfttaa um V->3 Uhr» auf der Vororlstrecke Berlin— Velten, Der Arbeiter Erich Deutsch mann ans Berlin(Koloniestr. 28> be- nutzte den Vorortzug von Hennigsdorf nach Berlin und blieb wäh- rend der Fahrt auf dem Trittbrett stehen. Beim Passieren der Havelbrncke in Hennigsdorf wurde er durch einen Pfeiler der Brücke heruntergerisien, so daß er äußere und innere Verletzungen erlitt. Nach Anlegung eines Notverbandes durch einen Hennigsdorfer Arzt wurde er dem Reinickendorfer Krankcnhause zugeführt. < Grost-Berliner Lebensmittel. Lichterfelde. 5 Pfund L.ortosseln(41) bis morgen Sonnabend. Marirndorf-Südende. Vom tl bis 16. August ans 17 15 der neuen Einsubr-Zusatzkarte 250 Gramm amcrik. Weizenmebl für 42 Vs. bei den Mcblbändlcrn oder vs brozcntigcs inländisches Weizenmebl für 16 Vs. in den beiden Gemcindelädcn.— Pom 15. bis 17. August 500 Gramm Marmelade aus 47 und 250» Erarrni Marmelade aus 63. Der Aest der Ware wird vom 18. August ab sreibändig verlaust.— In den beiden Ge- meindeläden sreibändig ausländischer Kakao('/, Psd. 5,90 M), ausländischer Bienenhonig(1 Psd. 13.50 M.l, 1 Psd Erbsen, 1 Pid, Koblrabi(Gemüse-. konserven), Biandol>Tops von 480 Gramm 3 M.1, bosnisches Pflaumen- mus(Psd. 4,70 M,), Hausbaliwürze(250 Gramm 1,50 M.i. Salz. Kasfec- ersah.— Ebensalls in den(üemeindeläden sreibändig N'brhefe(l Kilo- Packung 5.10 M., 1 Psd.-Packung 2,60 M,).— Arn Freitag, 15. Augu't, aus dem Hose des Gvmnafiums, 1— 2 11 hr. Verlans von leeren Marme'adc- eimern(stück 75 Ps.) und leere HeringSfässcr(Stück 3 M.).— Statt frisches Fleisch in dieser Woche amerikanische Schwcinefleischwaren, auf den Kopf 250 Gramm(Psd. 4,15 M.) gegen A 9 der Einsuhr-Znsatzkarle,— Für Kriegsbeschädigte bis 16, August 500 Gramm Grieß Bis 17 August aus Eiusubr-Zusatzkarle 1? 13 50 Gramm Margarine, 125 Gramm Schweineschmalz, Pankow. Ab morgen Sonnabend 250 Gramm Auslandsmais(67). Groß-öerliner parteinachrichten. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Leftrcr und Lehre- rinnen. Nächiie Sitzung Sonnabend. LZ. August(nicht am 16.). Haupt- Punkt der Tagcsoipnung i Das Schulkomvromiß. Res.: Obl. Dr. Lohmann (ev, Gen, H. Schulz). Korres.: Lehrer Knies, Vorträge, vereine unü Versammlungen. Reichsbnnd der Kriegsbeschädigten nnd Hinterbliebenen, Be zir k Osten 12. Mitgliederversammlung sür Kiicgsbeschädigte Diensiag 19. August, sür Hinterbliabene Donnclstag, 21, August, bei Kamerad Mar Meier, Tilsitcr Str. 64. Freie Turnerschaf« Nciikölln-Britz.(l. Männer-Abteilung.) Von heute ab sindcn die Turnstunden wieder regelmäßig in der Turnhalle Weise- straße 8—10 Ubr flalt. Neuanmcldungen dort. Arbeiter-Radfahrer-Bund Solidarität, Ortsgruppe Wilmers- dorf. Sonntag, den 17. August, Spiel- und Badelour nach Saalwinkel. Start 1 Uhr Wilbelmsaue, Jeden Donnerstag, abends 8 Uhr, Reigcnsahren im Real-Gymnastum II, Prinz-Regenten-Straße. Arbciter-Radfahrer-Bercin„Groß. Berlin»'. 17. August früh 6 Uhr Liepnitzlce, nachmittags 1 Uhr Gorinsee bei Schönwalde. Start Mariannen- platz. Nächste Versammlung Mittwoch, den 20. August, bei Malschcnz, Forster Str. 9. Arbeiter- Radfahrer- Bund Solidarität Ortsgruppe Berlin. Abt. 1. Sonntaa Schulzendorf bei Tegel. Start 1 Ubr bei Wicmcr, Bülowstr. 58. Abt. II. Sonntag stüh 5 Ubr Bade» und Abkochtour nach Ferch und Schwielowsee. Nachm. 1 Uhr Wannsee, Fürstenbos. Start Fontanepromemidi 18. Wetterausfichten für das mittlere Norddcutschland bis Sonnabend mittag. Im Westen zeitweise bester, jedoch überall noch sehr veränderlich und besonders östlich der Oder öfter wiederholte Regenschauer mit weiierer Abkühlung. -ch- gcmw das rein natürliche Nineralwafter„Staatl. Jachingen" ist wieüer, mit alten guten verfchlüsten versehen, sofort lieferbar, von heilwirkenöem Einfluß bei Gicht, Diabetes, Nieren-, Olafen- unö Harnleiden, Sodbrennen usw. 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Höchste An. laufspretse sstr Psandschetne, Brillanten. Goibgegenstänbe. Teppiche. Bücher usw. Wplff, friedrichstr.41 III, EckeLochstr. Betonofiiiüw betreffend den Ersatz für einen verstorbenen Abgc- ordneten zur der- fassuntzgebenden preustischen Landes- Versammlung. Nachdem der im Wahlkreise Berlin gewählte Abgeordnete sstr die verfassunggebende preußische Landesversammlung Dr. Hugo Heinemann vcr- ftorben ist, hat gemäß§ 7 der Verordnung Uber die Wahlen zur versassunggebenben preußi- sd>en Landesvetsammlung vom 21. Dezember 1918, in Bei- binbnng mit§ 59 der Verordnung über sie Wahlen zur verfassunggebenden deutfdien Nationalversammlung vom 30. November 1918 der Wahlans- schuß in seiner heutigen Sitzung de« Dreher Otto Frank in Berlin, Nordufer 14, als den gemäß M 20/21 des Reiäiswahigesetzes vom 30 No- vember 1918 an Dr. Heine- mann» Stelle eintretenden Ersatzmann nach der durch den Wahivorschlag Paul Sirfdt ge- geboten Reihenfolge festgestellt. Dies bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis. Berlin, den 13. August 1919. Der wahlfammissar für den Wahlkreis Berlin für die Wahlen zvr per» faffunggchcnOcu preußischen candesversamtnlung. I.D.: Mielenz, Stadtrat. _(3- Nr. 1054 Wahl. 19.) Sortimentsbuchhandlung Vorwärts Berlin SW., Lincenstr. 2. DieDenkse'ärilt über die Wissellscbe Planwirt- SCllalt... M. 2,20 Müller: Waruiu muSten wir nach Versailles? M. 1,75 ¥orgesciiictited.WaffeD- süllstands(Amtüebe Ausgabe).. M.4.4o Ziehung 27. o. 28. Aagalt Volkswohl- ». Lotterie lOOOGO iZSÄTG I lOOOO IcseäJU'Ä'SS 15 lost M 20 H. Bllilltl LtmtiM Berlin C. 2» Mühleadamm 3 la englische Zpretten verzollt und versteuert) Mille 330 M. in größeren und kleineren Posten lieferbar I W. G. Hlittmann! Großhandlung fflünster i. W. Tel.: 2349. Neu tr. 8. i Elektromolore Gleichstrom;: Drehstrom kauft(• iDgenieurbiireau SeiMiug Berlin V 9, Linkstr 10. Tek Lützow 3705 und 8518, Deutscher Metallarbeiter- Verband. 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Löwenhl., Hoch- Ecke Badstr. 22. Gritsch. Dronthcimcr Sir. 4.. 23. Na st, Maxssr. 12. 24. Vchcr, Müllerslr. 126. 25. Evan, Tristftr. 57.> Süden. 26. Fröhlich, Moskauer Str. 1. 27. Gichhorn. Reichenbrrger Str. 86. 28. Blenkle. Bopp, Ecke Schcnleinstr. 29. Büttner, Gneisenaustr. 66. 3V.Gcwcrkichaftshaus, Engeiuferl5. 31.ToPP,AlleJalob° EckcHollmannstr. Südosten. 32. Winter, iliitterslr. 117. Westen. 33. Wiener, Külowstr. 58. Es ist unbedingte Pflicht zu beteiligen. statt, und zwar in folgenden Lokalen: Adlershof. 34. Stropp, Radickestr. 15. Bauinschulcnweg. 35. Boche, Baumschulensir. 67. Charlottenburg. 36. VolkShaus, Rösinenstr. 3. 37. Porschel,Kaiser-Friedrich Ruß» baumpiano 2800,—, Konzert- plana 3500,—, verlauft Nrnst, Orarienstratze 16« III._* ! Zigartttcn M. 140 u. 180 3522b Regulus-Kommandite Berlin, �Potsdamer Str. 20 J. Ti.©arieb Stallschreiberstr. 56 empfiehlt alle Arten Büsten, verstellbare u. Maß. r Fabrikpreise. Mödel'Mdrik Kod. öseULs'a'� B 0 112. 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Juli 1919 erhalt jeder auf Grund der Schließung der Flugzeugmeisterei Adlershof zur Entlassung gekommene Arbeiter und jede Arbeiterin, sofern sie in den neuen Betrieh des Reichsschatzministeriums nicht wieder eingestellt werden, Vergünstigung in der Beschaffung von Anzügen und Kostümen zu wesentlich ermäßigten Preisen, 565D* Diejenigen Arbeiter und Arbeiterinnen, welche von dieser Vergünstigung Gebrauch machen wollen, werden gebeten, sich am Montag, den 18. bis Donnerstag, den 21. August 1919 in derzeit von vormittags 9 bis nachmittags 2 Uhr bei der Kassenstelle B zu melden, zwecks Eintragung in eine Liste. Reichsverwertungsamt Zweigstelle Berlin A'lcderlasBnns Adlershof PlugzeugmeUterel. In Hcgenshntg ein soziahstischrs, dlatt sin (Rccishauptstobt in Bat] ein) wird fü wöchentlich sechsmal erschemendes Barle Chefredakteur gesticht. Auf gute Kraft wird gerechnet. 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