Nr.423.36.Iithrg. BezvgSvreiS, Birrt�iihrl. Ml. monaL-U�»»� frei w» bau», voran» zahlbar. Post» bezug- Monatlich»- Ml.«rll. flu» ftelluilg»gebiihr. Unler ikrruzboad für Deutfchland und Veiterrrich» Ungarn SLö Mb, für da» übrig« Susland ll> 25 Ml. bei tag lich einmal, gu Ilellung 8L5 Ml. Paftdeftellungen nehmen an Dänemark. Holland. Luremdurg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen w die Post-Zeitungs-Preisliste. Der.Vorwärts' mit der Sonntag»- bellage»Boll u. Zeit' erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag» einmal, Morgen Ausgabe. Telegramm-Adreffe: �Sozialdernotral Berlin'. Sevltner VolKsblstt. ( ISPfennig) Anzeigenpreis: SH* ochigespaUene Vonpareillezeil» loll-t Ibll Mk.«leine Anzeigen'. da» fettgedruckte Wort SllPfg.(zulässig i iettgedruckte Worte), lede» weiter» Wort«0 Pfg. Stellengesuche und Echlafftellenanzetgen das erste Wort >5 Pfg» lebe» weitere Wort SO Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Wotte. Teuerungszuschlag 50%. Familien• Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Berein»- Anzeigen lbo Ml. dt- Zeile. Anzeigen für dl« nächste Nummer mllsten bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Seöffnet von ü Uhr früh bi» b Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfchlands. Neüaktion und Expedition: SW. b8, Lindenstr. 3. Tkernivrecher: Amt Morivvla», Nr. 151 90— 15197. Mittwoch, den 20. August 1919. Vorwärts-Verlag S.m.b. h., SW. bS, Ltndenstr. 5. Fernsprecher: Amt Morinplatz, Nr.»17 5Z— 51. Regierung unö Kriegsgefangene. Irauenaborünung in Weimar. Der Reichskanzler hat heute in Gegenwart des Reichs« in i st ers des Aeußern und anderer Mit- alieder des Kabinetts 5l) Frauen aus allen Teilen� Deutsch- lands empsangen, die der neue„Bund deutscher Frauen zur Befreiung der Gefangenen" nach Weimar entsandt hat. Durch drei Sprecherinnen brachten die Frauen ihre Bitten an die Reichsregierung vor. Vor allem das Verlangen, die Reichsregicrung solle auf baldig st e Ratifikation des Friedensvertrages durch die Entente- mächte hinwirke». Ausserdem verlangte der Bund Kennt- nis der Gründe, die bis jetzt die Rückbeförderung der Kriegsgefangenen verhindert hatten, gröhte Dring- lichkeit der Heimbeförderung der Gefangenen aus Sibirien und eine rcgelmäsnge Berichterstattung in der Presse, um den irreführenden Berichten und falschen Nachrichten in der Kricgsgesangcucnsragc entgegen- zutreten. Der Reichskanzler legte in ausführlichen Darle- gungcn die Haltung der Regierung in dieser allen Deutschen ohne Rücksicht auf Partcistellung in gleicher Weise am Herzen liegenden Frage dar. Er betonte das fort- währende Bestreben der Regierung bei jedcr Ver- Handlung, die Forderung mach Heimkehr der Kricgsgcfan- gcncn in den Vordergrund zu stellen und erörterte den parteipolitischen Mißbrauch, der mit dem Schicksal der Kriegsgefangenen getrieben wird. Vor allem sagte er jegliche Unterstützung der Schritte zu, die von den Frauen selbst unternommen werden soll- ten, und versprach die Entsendung einer Fraucnkom- Mission nach Versailles zur Unterstützung, die sich an Ort und Stelle überzeugen solle, daß tatsächlich von der Regierung jede Möglichkeit ausgenutzt worden sei, und daß es nicht ihre Schuld sei, wenn die deutsche Kriegsgefangenen- kommission in Versailles bis jetzt nicht zu Verhandlungen ge- kommen sei. Ter Minister des. A e u ß e r n ergänzte diese Ausfüh- rungen noch an Einzelheiten und schloß sich der Versicherung des Reichskanzlers mtt allem Nachdruck an. Die Abordnung verabschiedete sich mit mehrsach wieder- holtem Dank und lebhafter Zustimmung zu der Bitte des Reichskanzlers, nunmehr gegen falsche Gerüchte und Ver- h e tz u n g im Lande energisch auszutreten. Die Nationalversammlung wird sich mit allen ihren Parteien in den nächsten Tagen durch eine Resolution den Bemühungen der Regierung anschließen, die große Menschlichkcitssragc der Heimkehr ünscrer Kriegs- gefangenen dem Verständnis unserer bisherigen Kriegsgegner näherzubringen. Der Anschluß Deutsch- Westungarns an Deutsch- Gesterreich gesichert. Aus Wie» wird gemeldet: Der Anschluß D c u t s ch- W e st- Ungarns an Deutschs st erreich kann trotz des Widerstandes der derzeitigen ungarischen Regierung, wie die Trlegrapben-Nnion erfährt, als. durchaus gesichert gelten. Nach dem Bor- friedensvertrag vom 20. Juli steht es heute schon unzwcifel- hast fest, daß die drei Komitatze Wiesclburg, Oedcnburg und Kifenburg unbedingt zu Deutschösterreich kommen und daß die B�o l k S a b st i m m u n g in diesen drei Komitaten unter n e n- traler Kontrolle erfolgen wird, daß also keinesfalls magyarisches Militär diese Bolksabstimmung zu leiten habe. Terror gegen die Deutsch-tlngar». Wiener Blättermeldungen zufolge verlangten die Ver- treter der w e st u n g a r i s ch e n Gemeinden die rascheste Intervention der deutschösterreichischen Regie- rung bei den Ententevertretern, da die Verhaftungen in Westungarn fortgesetzt unh die Verhafteten f ü r ch t e r- l i ch mißhandelt wü r d e n. Die Bevölkerung ist in höchster Verzweiflung, da sie standrechtliche Hinrichtungen befürchte. Wie aus Fiirstenfeld gemeldet wird, erhielten olle Ge- meinden Deutsch-Wcstungarns. wo am Sonntag Volksver- sammlungen stattgefunden haben. Besatzungen von 30 Mann mit zwei Maschinengewehren, die die sofortige Ablieferung der Waffen bei Androhung der Todesstrafe und bei Einäscherung des Ortes fordern. Die Ungarn haben seit gestern die Grenze gegen Steiermark gesperrt. Der Bauernführer Wollinger wurde von ungarischen Gendarmen verhastet und nach St. Gotthardt eingeliefert. Tie West- ungarischen Gemeinden ersuchten telegraphisch die Entente- Missionen um seine Fr e i l a s s u n g. Der oberschlesisthe Aufruhr. In der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung nahm Reichskanzler Bauer das Wort zum Aufstand in Oberschlesien und sagte: Während in Berlin zwischen Preußen und Polen über eine friedliche, schicdlichc Nachbarschaft verhandelt wirb, haben in Ober- schlesicn polnische Agitatoren einen gewaltsamen bewaffnete« Auf- stand herbeizuführen versucht. Es sind die verschiedenste» Nach- richten über den Stand der Dinge in Oberschlesien verbmtet. Zu meiner Freude kann ich mitteilen, daß diese Nachrichten wesentlich übertriebe» find und daß es wesentlich besser steht, als man nach diesen alarmie- renden Nachrichten annehmen sollte. Es ist um 12 Uhr mittags die Mitteilung eingegangen, daß das Generalkommando.Herr der Lage ist. Wo polnische Bewaffnete eingedrungen find, sind sie zurück- getrieben»der festgenommen worden. Nur im Gebiet östlich der Linie> Bcutllen— Tarnowitz halten sich noch polnische Bewaffnete auf, die noch nicht gesaßt worden sind. Reguläre polnische Truppen sind auf deutschem Boden nicht angetroffen wordsn. Nach Mcl- düngen des Generalkommandos trifft auch die Meldung von der Besetzung von Myslowiy nicht zu. Die Befürchtungen, die gehegt wurden, sind als« nicht berechtigt. Wir sind militärisch stark genug, um dieser Putsche Herr zu werden. Es gibt eben Nationalpolen in Oberschlesien, die fürchten, daß die Volksabstimmung zu ihren Un> gunsten ausfällt, und die deshalb unter allen Umständen jetzt schon feststehende Tatsache» schassen«ollen. Unsere Aufgabe wird es sein, solche Bestrebungen zu verhindern und dafür zu sorgen, daß dem Friedensvertrag gemäß eine wirklich ungehinderte und un- parteiliche Entsck>cidung seitens Oberschlesiens erfolgen kann. Die Regierung betrachtet eS als ihre vornehmste Pflicht, Obcrschlesicn vor solchen nationalpolnischen Angriffen z» schützen, und es gereicht unS zur Freude feststellen zu können, daß div polnische Regierung diesen Dinge» fernsteht und daß polnische Truppen sich nicht betri- ligt haben. Ich glaube, daß diese Mitteilungen wesentlich dazu beitrage» werden, beruhigend auch in Oberschlesion zu wirken. Tie militärischen Operationen. Wie aus Beuthen gemeldet wird, sind gestern weiiere mili- tärische Verstärkungen in Oberscklesjen angekommen. Ein De- iachement rückte gestern in Schomburg ein und säuberte den Ort, wobei 1ö Personen festgenommen und Haussuchungen nach Waffen vorgenommen wurden. Jetzt herrscht dort Ruhe. Die Aufrührer haben sich nach Bobrck zurückgezogen. Kars wurde im Laufe deö TageS gesäubert und von den Truppen nach Kampf be- setzt. Auch hier wurden Haussuchungen nach Waffen vorgenommen. Gegen Kamin bei Beuthen sind militärische Unternehmungen im Gange, da dieser Ort noch zu säubern ist. Die Schlesien- Grube wurde gestern von den Truppen besetzt. Gegen L i p i n», das teilweise noch aufrührerisch gesinnt ist, sind militärische Unter- nehmungen eingeleitet. Der Gotthardtschacht, der in der Hand der AuirüHrer war, wurde gestern genommen; die Ruhe ist wieder her- gestellt. Weitere Unternehmungen sind im Gange gegen Orzegow, Godullahüttc, einen Teil von Lipine sowie in Richtung Morgenroth. Die Verluste auf militärischer Seite betragen 7 Tote unv 17 Verletzte, die des Gegners sind beträchtlich höher. Fort- gesetzt werden Transporte von Gefangenen auS der Beuthcner Umgebung eingeliefert, von denen nachweislich feststeht, daß sie sich am Aufruhr beteiligt hohen. Bor Einstellung des Personenverkehrs. Aus Breslau wird gemeldet: Da die Zufuhr von.Kohlen aus Oberschlesien infolge des neuerlichen allgemeinen Streiks völlig aufgehört hat, ist, wie die Eisenbahndirettion Breslau mitteilt, mit großer Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, daß der Personenzugderkehr im Eisenbahndircktionsbezirk Breslau vom Frei- tag, den 22. d. M., ab vorübergehend gänzlich eingestellt werden muß, um den Güterzugverkehr und vor allem die Beförde- rung der Lebensmittel aufrechtzuerhalten. Das Ende des Kohlenschwindels. Die heutige Morgenausgabe der„Vossischen Zeitung" bringt unter der Ueberschrift„Beginn der Kohlenlieferungen an die Entente" eine auch von der heutigen„B. Z. am Mit- tag" weitverbreitete Drahtnieldung der„Frankfurter Zei- tung" aus Genf, wonach die Agence Havas der französischen Presse mitteilt, daß die K o h I e n l i es c r u n g e n aus dem Ruhrgebiet begonnen hätten und daß im ersten Monat über die vereinbarte Menge hinaus statt 883 000 Tonnen über eine Million Tonnen geliefert würden. Wie uns von zuständiger Seite mitgeteill wird, ent- spricht die französische Pressemeldung nicht den Tatsachen. Bisher ist in den noch schwebenden Verhandlungen über die Kohlenlieferungen kein Einvernehmen erzielt worden; irgendwelche Lieferungen sind bis jetzl nicht erfolgt. Sin Nachwort zur Luzerner Konferenz. Wenn die Internationale heute so ohnmächtig ist, ob- wohl, nach der sehr treffenden Formel Renaudels,„niemals eine Lage im Grunde genommen so revolutionär gewesen ist," so hat sie diese Ohnmacht nicht zumindest selbst verschul- det. Während die einen es vermeiden wollen, gegenüber den Ententemachthabern zu energisch aufzutreten, fürchten sich die anderen vor einem vollständigen Bruch mit Lenin. Aber in einem sind sich beide Richtungen einig, nämlich in der Kritik an den deutschen Mehrhcits sozio- listen: das ist das Ventil, durch das sich das beschämende Bewußtsein der eigenen Fehler und der eigenen Ohnmacht Luft macht. Aber auch dies natürlich mit Maß, denn alle Teile haben das richtige Gefühl, daß es ohne uns doch nicht gebt. Deutschland ist geschlagen und ruiniert, aber alle wissen, daß ohne die deutschen Mehrheitssozialisten und ohne die deutschen Gewerkschaften die ganze zweite JntermLion-iIe eine bloße Farce wäre. Die einen möchten gerne eine offizielle Verurteilung unserer Kriegspolitik durchsetzen, hauptsächlich um jick) dadurch die eigenen Sünden vergeben zu lassen, aber weil ihnen bereits in Bern von Wels deutlich erklärt wurde, daß sie dann ohne uns weiterberaten könnten, versuchen sie, die Tat- fachen so zu drehen, als sei eine solche Vernrtellung schon erfolgt. Die anderen möchten gerne ein Bekenntnis zum Rätesystem durchdrücken, wagen aber um so weniger diesen Sprung ins Dunkle, als sie wissen, daß mir und auch noch andere ihn nicht mitmachen würden. Aus diesen verzwickten Verhältnissen entsteht eine ganze Menge von Halb- beiten und Unanfrichtigkeiten, die letzten Endes die Aktions- fähigkeit der Internationale lähmen und dazu führen, daß, obwohl„niemals eine Lage im Grunde genommen so revolutionär gewesen ist", auch niemals die konterreoolulii.nären Kräfte Europas so mächtig und unverschämt waren, wie jetzt. Wie war es denn mit der Resolution über den Staats- streich der Entente in Ungirn? Wer hatte den Mut, im Plenum zu erklären, daß's niemals zur Wiederkehr eines Habsburgers gekommen wäre, wenn nicht die ungari- schen Bolschewisten selbst Fehler über Fehler, Verbrechen über Verbrechen angehäuft hätten? Der rranzösi'che Mehr- heitlcr F r o s s a r d hatte einmal sehr selbstbeivußt erklärt, wenn man ihn zwingen sollte, zwischen den Methoden NoskeS und den Methoden Lenins zu wählen, er und seine Freunde sich für Lenin entscheiden würden. Wahrscheinlich ist er weder über die einen, noch über die anderen auch nur halb- Wegs informiert. Aber die Nachrichten aus Ungarn hätten doch den Einsichtigen die Augen öffnen müssen: wenn sich überhaupt bis zum Genfer Kongreß noch eine der revo- lutionären Republiken behauptet haben wird, so wird man das nicht zuletzt gerade dem verfehmten Noskismus verdau- ken(womit man noch lange nicht alle überflüssigen Unzuträglichkeiten des gewiß nicht idealen Zustandes zu decken braucht). Statt desien aber kompromisselt man Resolutionen zu- sammen, die alle befriedigen sollen und in Wirklichkeit nie- manden befriedigen: man schafft nach außen ein durch ein- stimmig angenommene.Halbheiten eine scheinbare Einmütig- keit, die nicht ist und nicht sein kann, weil eben grundsätzliche Gegensätze vorhanden sind, und das Endergebnis ist eine innere Zerfahrenheit, die sich in Ohnmacht bei der Jnter- nationale und Allmacht beim Viererrat ausdrückr. Ist aber eine Einigkeit angesichts der gemeinsamen Lei- den und Gefahren und angesichts des gemeinsanien Ziele-? wirklich unmöglich? Wiederum liegt der Schlüssel des Pro- blems b ei Deutschland. Solange die d e ut s ch e A r b e it e r k l a s s e gespalten ist. s o la» g e wird auch die ganze Internationale oh»mächtig sein. Tuß die Spaltung nicht eine Frage der Personen lst, und daß die Einigung unseres Erachtens nicht daran scheitern soll, hat Genosse Wels in der politischen Kommission aus- drllcklich erklärt. Und doch, nach der Rede Crispiens muß man sagen, daß. solange die Unabhängigen solche Führer haben, ein Zusammenarbeiten unmöglich sein wird. Die Rede Crispiens war wobl die traurigste Episode der ganzen Konferenz. Es war die tvpische.unabhängige Berliner Volks- Versammlungsrede. Es hagelte darin an Unwahrheiten, an niedrigen Verleumdungen und ekelbasten Denunziationen. Deutschland wurde darin als eine zaristische Hölle hingestellt. in der die Revolutionäre verfolgt, eingekerkert, erschollen we'-hen. F" Dai-tschltin� �msch? s;e Reaktion der Bourgeoisie, in Teutschland blühe der Militarismus mehr denn je, in Deutschland gebe es eine Million Koldaten, duz deutsche Negiernug versuche den Frieden Zvertraa durch die Schaffung der Einwohnerwehren zu umgehen, die deutschen Mehrheitssozialisten hätten den Frieden ablehnen wollen, weil sie einen neuen Krieg gegen die Entente beginnen woll- ten!' llnd anderes mehr. Satz wir dieser Orgie von Lügen nicht ruhig beizuwoh- nen vermochten, wird man wohl begreifen können. Die Eng- ländcr jedenfalls haben es begriffen, denn Macdonald sagte mir nach der Sitzung:„Es ist traurig, daß eine solche Rede auf einer internationalen Konferenz gehalten werden konnte". Traririg sei es aber auch für die Internationale, fügte er hinzu, daß sich zwei Parteien eines selben Landes derartig bekämpfen. Das ist ganz unsere Meinung— aber gibt es Versöhnung mit der Lüge, gibt es Kompromisse mit der Gemeinheit? Genosse Eduard B e r n st e i n, dessen von uns ab- weichende.Ansichten über wichtige Fragen der Kriegspolitik bekannt sind, und der als Schöpfer der Einigkeitsbestrebun- gen sicher über den Verdacht der Leidenschaft und der Bor- urteile steht, sah sich bei zwei Gelegenheiten gezwungen, ein- mal in der Kommission und einmal im Plenum, Dr. H i l- Ter ding zuzurufen:„A be r, Genosse Hilferding, daron, was Sie sagen, glauben Sie doch wohl sel b st'n icht!" Eduard Bernstein, der sich durch seine her- vorragenden Reden in Luzern wiederum unveroeßlick>° Ber- dienste um das Wohl der deutschen Arbeiterschaft erworben bat, hatte damit die ganze Loge gekennzeichnet: solange die Unabhängige Partei nur von Kritiken lebt, die größtenteils unaufrichtig sind, solange wird auch die Einigung unmöglich und die Internationale ohnmächtig sein. Genosse Wels hatte seinerseits im Plenum jeden Angriff gegen die U. S. P. vermieden, er hatte nur die Tat- i-iche festgestellt, daß, wenn die Unabhängigen gemeinsam mit uns bei den Wahlen gekämpft hätten, wir wahrscheinlich zu- sammen die absolute Mehrheit errungen und eine Koalition mit Bürgerlichen heute nicht nötig hätten. Er hatte sich im übrigen hauptsächlich auf die Erörterung von konkreten Problemen beschränkt, namentlich der Kohlennot, die eine un- geheure Gefahr für das gesamte europäische Proletariat bilde. Der Tank für diese Sachlichkeit war einerseits die Hetzrede Erispiens, andererseits der Hohn Hilferdings, der, wider besseres Wissen, behauptete, Wels habe mit keinem Worte die Notwendigkeit des Klassenkampfes erwähnt und ihm sei wohl die Kohlcnnot wichtiger... Wenn am Wedding oder sonstwo in Groß-Berlin solche Hetzreden beklatscht werden, so hoben wenigstens die Men- ichen, die sich verfuhn�n lassen, die Entschuldigung, daß sie gelitten, gehungert, gefroren, geblutet haben und in den auf- veitschendcn Worten und Phrasen so etwas wie eine Rache für ihre Qualen zu finden meinen. Aber im Kursaal von Luzern saßen Herren in Flanellhoscn und mit Brillant- ringen, Damen mit Perlenkolliers und geschminkten Lippen und aoplaudicrtcn kräftig den Worten Erispiens. Refrak- täre, Ententeagenten, Valntaschieber, alles goldene Gesindel, das in diesen fünj Iahren Deutschlands Niederlage gewünscht bat und jetzt, logischerweise, mit� seiner Begeisterung für die Rede Erispiens und mit seinem Haß gegen uns, deutsche Mehrheitssozialisten, die diese Niederlage gefürchtet hatten und abwenden wollten, nicht zurückhalten konnte. Da ist mir doch der Wedding lieber! _ Viktor Schiff. Die„Freiheit" behauptet nach immer, dah Werbungen iür deutsche Formationen in Lettland stailfiuden. ES wird demgegenüber dcirnui hingewielen. daß wiederbolt Beseble erlassen worden sind, die die Werbungen und die AuSiendung von Truppen verbieten und auf da« seit langem bestehende V e r- b o t solcher Werbungen immer wieder binweisen. In letzter Feit sind aucki zwei Transporte von Freiwilligen, die nach Lettland gehen sollten, angehalten und ihre Angebörigen nach Hanse geiandt worden UebrigenS ist es nur noch eine Frage der aller- nächsten Zeit, daß ganz Lettland von deutschen Truppen g e- räumt iein wird. Srot! Zrieöe! Zreihelt! Drei Worte stehen auf unserer Fahne geschrieben; Brot: Die Frucht der Erde, die auch uns erzengt hat, Spenderin allcS Lebens, ewige Nabelschnur, die uns an die Scholle dieses erkaltenden Gestirnes fesselt und ohne die auch wir erkalten müssen. F r i ed e: zitternder Atemhanch, in deinen Duft grünen die Felder und die Tiere paaren sich. In dir ist alle Süße de« Reisseins und das Glück aller Liebenden. Ter Mann, sein Wert vollendend, blickt voll Stolz ans das gutgeordnete Land und die schwangeren Mütter bereiten sich zn gebären. Freiheit: unsterbliche Hoffnung aller Geknechteten. Vor dir zittern die Fürsten und die Reichen verbergen ihr Gut. Wo dein kostbares Wort ertönt, da zerspringen die Tore aller Kerker. In deinem Namen lächeln die Gefangenen, die Verwundeten fühlen ihre Narbe» nicht mehr und die Sterbenden glauben an das Leben. Drei Worte! und doch so viel Blut vergossen um ihret- willen. Soviel Verblendung, Hinterlist, Lüge, Gewalt. Soviel Tränen... und soviel Freude. Armin T. Wegener. Segen öer Arbeit. In Heft 4 der Monatsschrift für die Zukunft deutscher Kultur ,.d i e T a t", die im Verlag von E. DiederichS m Jena erscheint, feiert Anna Siemsen die Schönheit und die Segen spendende Kraft der Arbeit, die durch die Warenwirtschaft in ihr Gegenteil verkehrt worden ist. Der natürlich empfindende Mensch sieht sich im Zwang der Not, gejagt von, Hunger und von seinen unerbittlichen Bedürfnissen, ins ssoch der Arbeit gespannt. Er kann sie nicht anders empfinden, � ie als Unglück und Schmach, und wenn er einen Gott der Arbeit kennt, so ist's ein harter Gott, der straft und verflucht. Gibt es keinen Weg, diesen Fluch in Segen zu verkehren? Wir sehen ihn lchon: Was das Spiel über die Arbeit erhebt, ist eine schöpferische Freiheit. Macht die Arbeit zum Schöpfungswerk, so verschwindet ihr Flmb. so wird sie göttlicher Art. Treikach ist dieser Weg, auf dem Arbeit zum götilichen Werke wird. Wir können Schöpfer sein am Werke selbst. Schöpfer am andern Menschen, Schöpser an uns selber. Schöpfer am Werk? Die meisten denken dabei an Künstler und geistig Schaffende. Und bei diesen ist gewiß das freie Glück der inneren Entfaltung am stärksten. Aber beim Kinde, das der selbstgemachte Papierdrachen mit Stolz erfüllt, wie beim Bauern, der am Sonntagnachmittag seine Felder besieht und sich ihrer freut, nicht am Besitz—.auch der Bauernlnecht kann die gleiche Freude empfinden—, nein, am Wer! seiner Hände: überall finden wir diese Schöpferfreude, wo der Mensch noch wicht osu seinem.Werke getrennt ist, wo'» ihm noch Eine unabhängige Rheinrepublik. Zahlreiche bürgerliche Blätter bringen folgende Nachricht: Der neugegründele..Rbemlandebund" forden zur loforiigen Erricbmng eines nach West nnd Ost unabbnngigcn Volksslaales tm Föderativverbande mi, den in Bildung begriffenen ober- rheinücken Republiken nur. Vorsitzender ist der unabbängige Sozioldemolrok Joseph SmeetS. Der Bund setzt sich aus Mit- nliedcrn aller Paneien zusammen. Ueberwiecend dürften wohl die radikalen Arbeirermasien und Bauern dabei vertreten sein. Wir gehen wohl nicht in der Annahme fehl, daß es sich bei diesem.Rheinlandbund" um das Gebilde handelt, das aus den von uns gemeldeten Verhandlungen zwischen Zentrum und U. S. P. entsprossen ist. Als wir zuerst über dieses neueste hochverräterische Bündnis berichteten, warnte die„Frei- heit" vor unserer„Glaubwürdigkeit"; ivas wird sie nun sagen? Protest öer baöischen Räte. Die Landesvcrsammlung der badischen Arbeirer- und Soldatenräte nabm nach slnrrni'cher Aussprache eine Emichlietzung an, in welcher geaen die Auflösung der Arbeiterräte protestiert wurde. Ihre Auilölung habe erst stattzufinden, nachdem BelriebSräle ein» gesiibrl und Bolkssekretariate geichaffen worden sind. Ein von der radikalen Minderheit der Landeszenlrole der Arbeiterräle ausge- lprochenes Mißtrauens Votum wurde von der Mehiheit abgelehnt. Tie Einigung in Köln. Das Ergebnis der nahezu vierstündigen Verbandlungen der Stadlverwaltung mil der Arbeitlosenkommiision in Köln ist folgendes: 1. Die Stadiverwaltung ist wegen entgegenstehenden Vor- ordnungen der Neichsregierung nicht berechiigt, die Sätze der Arbeilsloienuiitersiützung aus sich zu erhöhen. Sie soll jedoch Zuschüsie in anderer Form gewähren. 2. Die Forderungen betreffend Abgabe von Winterkleidung aus der Al!-Leihstelle. Gewährung von Vorichüsien zur Beschaffung von Winterbrand fanden die Zustimmung der Verwaltung. 3. Ueber die Forderung einer einmaligen Teueruiigszulage soll die Finanzkommiiston am Dienstag beraten, wäbrend die entgülnge Entscheidung der Stadtverordnerenversammlung zusteht. Seemen gegen wiiüe Setnebsräte. Der Versuch, dem Betriebsräiegesetz und der Wahlordnung des Zentralrats durch Bildung von kommunistischen Rätcorgam- sationen vorzugreifen, wird von der Bremer Arbeiterschaft, die be- kanntlich zum großen Teil auf radikalem Standpunkt steht, ge- schloffen abgelehnt. In der letzten Versammlung der Betriebsräte wurde die Bildung eines Zentralrats gegen wenige Stimmen ver- schoben, bis das neue Gesetz in Kraft getreten und di- Neuwahlen danqch erfolgt sind. Aus den Kreisen der unabhängigen Betriebsräte heraus wurde bedauert, daß die Mehrheitssozialistcn an dem gegenwärtig bestehenden provisorischen Vorstand der Bremer Betriebsräte nicht beteiligt seien. Die Mchrhcitssozialisten er- klärten sich zur Mitarbeit bereit, worauf ihre Kandidaten in den provisorischen Vorstand zugewählt wurden. Eine zeitgemäße Enthüllung. Die Gefährdung des Deutschtums im Osten ließ in Meseritz die bange Frage enistehen, was wohl aus dem Denkmal Wil- belmS I., dos zurzeit in Bromberg steht, werden würde. Nach einem kurzen Depeschenwechsel mil Bromberg überließ diese Stadt den beglückten Mcseritzcrn ihr Denkmal. Hierüber stimmt die„Meseritzer Kreiszeitung" eine Jubelhymne an, die in dem schleimtriefenden Stil der vorrevoluiionären Zeit ab- gefaßt ist. DaS Glück, gerade das Denkmal des alten .Heldenkaisers" zu erhallen, läßt das Blatt sich zu der Aeußerung versteigen, daß ihnen das Denkmal da« Symbol des neuen sozialen Zeilalters sei. In Meieritz, wo man immer eiwa? rückständig war,' schadet es allerdings nichts, die alte, von den übrigen Teilen des Reicks längst begrabene H o h e nz o ll e r n- legende wieder aufzuwärmen. Allerdings hinkt der Pferdefuß der Geschichte nach. Die Stadt soll nämlich die Kosten des Funda- menles tragen, eine Pflicht, der sich vielleicht doch nicht alle unterziehen werden. nicht Ware geworden ist, Mittel, sein« Lebensnotdurst oder Ueber- fluß, Macht oder Ansehen damit zu erkaufen. Dies ist die ein- sachste und reinste Art schöpferischer Arbeit. Riebt die höchste. Höher noch scheint mir die Arbeit, die am andern Menschen geschieht. Was die Mutter den Kindern, der Freund dem Freunds oder Kameraden, der Samariter dem.„der unter die Mörder gefallen war", tut, ist dieser Art. Aber jede Arbeit, die in irgendeiner Weise den anderen dient, trägt schöpferisches Glück und Heiligkeit in sich, wenn sie im Geist dieses Helfen- und DienenwollenS geschieht. Und sie hat ebenso wie die schöpferische Arbeit am Werke die Kraft in sich Müh- somes leicht. Schmutziges rein. Ekelhaftes selbst erwünscht zu machen. Welche wahre Mutter wird danach fragen, daß ihre Ar- beiten für das Kind oft recht schmäbliche, langweilige, ermüdend- sind? Diese Not und dieser Zwang sind ganz und gar geheiligt durch die Schöpserfteude dem werdenden Menschen gegenüber. Und diese natürliche, angeborene Freude kann zu einer Ueberwindung auch des äußersten Ekels führen, wenn sie im Dienst der andern gefordert wird. Erinnern wir uns nickt an den alten Abortreiniger in Tolstois„Macht der Finsternis"? Wo bleibt bei deffen wider- wärtigster Arbeit der Makel und die Plage? Hier ist die Arbeit, diese Arbeit wirklich Gottesdienst. Und wo wir nicht dem Werk und nicht dem Menschen durch unser Werk gestaltend dienen können, da bleibt noch immer die Arbeit, die uns selbst gestaltet, an der wir Geist und Körper bilden, die Kraft üben, den Willen erproben, an der wir, wenn nichts anderes bleibt, die Ueberwindung lernen. Unzählig sind auch hier die Arten, vom ersten— ach so mübsamen— Gehenlernen des K,ndes bis zu Spinozas Gläserschleifen, mit dem er nicht allein sein Brot verdient bat, sondern sich selbst erzon zur beiteren Un- abhängigkeit deS Weisen. Und hier liegt der größte Spielraum und die größte Aufgabe der reifenden Menschen, auch die blanke, bare Not zun, Dienst zu zwingen unter den schöpferischen Gott in uns, zum Dienst unter den freien Menschen. Das wären unsere Wege von der verfluchten und gottlosen Arbeit der Not und des Zwanges zur freien Tat. die auch im aller- bescheidensten Kleide des Windelwaschens und Kohlentragens gött- lich bleibt, weil sie memchlich ist. Gehe» wir diese Wege? Einzelne sind sie gegangen, gewiß. Aber die Völker? Aber die Men'chen? Unsere Aufgabe war es, Zwang und Knechtschaft der Not zu brechen. Notarbeit zu ver- wandeln in freie Tat, und durch sie uns selber menschlich zu ge- stalten, den andern zu gleichem menschlichen, freien Leben zu helfen und durch unser Werk das EhaoS der feindlichen Erde in ein KoS- mos, eine Menichenheimat. zu wandeln. All unlere wachsende Er- kenntniS und Kraft, alle Wissenschaft und Technik. Heldenmut nnd Fleiß der Menschen hätten diesem Ziele lich»iwenden sollen. Wie könnte so durch freie Tat die Erde blühen, wirklich ein Garten GotteS und ein Paradies. Ein öeutsches Erfinüungsinstltut. Uns wird geschrieben: Bon verschiedenen Seiten ist schon wiederbolt der Ruf nach Errichtung eines deutschen Erfindungsinstituts laut geworden. tzelfferich gegen Erzberge?. Ruf nach gerichtlicher Aufklärung. Der Staalsfekretär a. D. Helffcrich wtzt seinen Feldzug gegeu Erzberger fort. Er Hai jetzt ein Schreiben an den Reichs- präiidenten gerichiet, in dem er seinen Wrdersacher als„eine Gefahr für die Reinlichkeit unseres öffentlichen Lebens" bezeichnet und ihm„unsaubere Vermischung politiich-parlamentarischer Tätig- keit und geschäftlicher Interessen" vorwirft. Helffcrich wiederholt, daß er nichts anderes wünsche, als vor das Strafgericht gezogen zu werden, um seine Behauptungen unter Beweis stellen zu können. Ein solcher Wunsch lann u.E. unmöglich obne Erfüllung bleiben. Allerdings wird man die Person von der Sacke trennen und dafür sorgen müssen, daß die notwendige Steuergesetzgebung des Reiwes durch diese persönliche Angelegenbeit in keiner Weise gestört wird. Man lann es der Opposition nicht gestatten, daß sie durch reckt- zeitige Erhebung peisöiilicher Angriffe aus einen Finan, minister zu- gleich mit ihm auch die ihr verhaßten in den Besitz tief eingreifenden Sleuern zu Fall bringt. Auf der andern Seite gebt es aber in keiner Weise an, daß ein Minister derartige Vorwürfe auf sich sitzen läßt. Daß übrigens im Kamps gegen Erzberger das von Helfferich in den Vordergrund geschobene„Reinlichkeitsbedürinis" die kleinste Rolle spielr, zeigt eine Versammlung dei Deutschen Volkepanci von gestern abend, in der die politische Tobsucht Orgien ieierte. Die Redner gnfien Erzberger wegen seiner Kriegs- und Smicrpoliuk an und wurden dabei von ihrem alldeutschen Chorus mit Zwnweii- rufen unterstützt,'wie:„Schieber!",„Lump!",„Landesvenäier!" „An die Laterne mit ihm I" In dieier Atmosphäre gedeiht nicht die reine Gercchligkcil, man wird daher durchaus nicht geneigt sein- daS, was jetzt gegen Erzberger behauptet wird, ohne weiteres als bare Münze zu nehmen. Leidenschaftslose Aufklärung tu: not! Spftematischer Nihilismus. Spartakistischc Vorbereitungen. AuS einer parlamentarischen Korrespondenz aus Weimar geht hervor, das; sich die Regicrungskreisc mit den jetzt wieder vcrstärrt in allen Berufsschichten und Wirtschaftsgebieten ben:crlbar werden« den spartaklstischcn Wühlereien beschäftigen. ES handelt sich um Vorbereitungen nicht allein von Streits, sondern auch von ver- brechcri scheu Unternehmungen gegen die Wirtschafts- kraft des deutschen Volkes und die Sicherheit für Leben und Eigen- tum. Wir haben aus dem Mord am dem GutSinspektor Blau und auS den Bestialitäten, unter denen Rcgiernngssoldatcn in Chemnitz ermordet wurden, offene Anzeichen für die Planmäßigkeit der linkSrediknlen Vorbereitungen zu erblicken. Spartakitmiis und Kommunismus werden nur noch von einem kleinen.KrciS der dabei Be- tciligtcn als geistige Bewegungen aufgefatzt. Im allgemeinen ist«■- der Kommunismus unserer Zeit nichts anderes alS Nihi- l i s m u s.- ES handelt sich nicht mehr um eine legale politische Strömung, sondern um die Organisation des polirischen Verbrechens gegen das Gcsemwolk wie gegen einzelne. Dieser schweren Entartung gegenüber, die zu einer Lebens. bedrohung des deutschen Volkes wird, müssen olle erforderlichen Maßnahmen raschestens getroffen werden. Berichtigung. Herr Biirgennnsier Hagen aus R a t b e n o w sendet uns folgende Berichtigung zu:„Die in Nr iOi Ihrer Zciiung voni 8. d. M., Abendousgabe, mit der Ueberichnft„Ein Bürgermeister als Lcbeiismtticttchiebcr" enihallene Mitteilung daß mir bei meiner Abreise auS Allenstein auf den, Hauplbahnhore eine Menge rationierter Lebensmittel, darunter 2 Zentner sri'ckeS Fleisch, beschlagnahmt sei. ist v o l l st ä n d i g unwahr Weder bei meiner Abreise noch sonst jemals in meinem Leben find mir Lebensinitlel beichlagnahml." Wir entiprechen dem Wunsche des Einsenders um so ireiwilliger, als uns auch von Ralhevower Parieigenosien das Unwahre der uns zugegangenen Noll; beiiäiigt wird. Die Verbreitung der snlschen Nachricht dürfte von reaktionärer, Herrn Hogen wegen seiner Gesinnung nicht grünen Seile ausge- gangen sein. Rheinische BesatzungStruppen.„Nicuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus Brüssel, daß Belgien als BesatzungStruppen zwei Tivi- sionen, eine Kavalleriebrigade und schwere Artillerie in den Rhein- landen belassen wird. In Gießen hat sich unter dem Boisitz des Gevoimen Mcdi- zinalrats Prof. Dr. Sommer im Dezember 1317 eine Gesellschaft zur Errichtung eines EtfindungSinstiluts gebildet. Freiwillige Gaben hierfür sind leider trotz der verschiedenen Auirufe in Zeitungen in genügenden Mengen nicht eingegangen. Eingaben an die Reichsregierung und Nationalversammlung, die Mittel iür die gute Sacke zur Versiiauug zu stellen, wurden nicht beachtet. Es scheint demnach die Ausfasiung zu beileben, als wenn daS deutsche Reich ein solches Institut nicht braucht oder daß man den Gedanken an die Errichtung de» Instituts und Bewilligung der Spende hinlenan stellen könnte. Hiergegen muß entschieden Einspruch erhoben werden. Gerade)' weil Deutickland den Krieg verloren hat und wir schafilich so gut wie ruiniert ist, mutz mit verdoppelter Schärfe die Einchtung eines Erfindungsinstiiutö gefordert werden, damit alle Erfinderdeen im Interesse der Allgemeinheit und im Interesse des baldigen Wieder- ausstiegt des deutschen Volkes verwertet werden können. Deutschland muß enischicden in der sozialen Politik allen Ländern vorausgehen und ihnen immer wieder zeigen, daß es ge- willt ist. auf dem Wege des Fortschritts und der Kultur nicht rück- wärts, sondern führend vorwärts zu gehen. Das Erfindungsinsiilut soll alle Etfindungen erfassen, prüfen und verwenden; es soll vor allen Dingen oiejenigen-Ideen und Erfindungen von solchen Eisindern Weiler entwickeln, die infolge ihrer berufsmäßigen Gebundenhett und infolge deö Mangels an Mitteln nicht in der Lage sind, es selbst zu tun. Die maßgebenden Stellen sollten sich doher beeilen, baldigst die Mittel zur Errichtung des Instituts bereitzustellen. Notizen. — Bühnenchronik. Dr. Franz Ludwig Hoerth. Ober» regisieur am Stuttgarter Landestbeater, hat einen Ruf an die Berliner Staatsoper erhallen. — Die deutsche Architekten schaft der Provinz Brandenburg veranstaltet die erste Bezirksversammlung am Sonnabend, den 23. August, im Künstlerhaus, Bellevueslr. 3. — Der Wiedcrelnzug der Pariser Mode.- Wie der„Konfektionär" erfährt, war der Mitinhaber einer sehr großen Pariser Rommissionsfirma in Berlin, um mit den Kunden, mit denen seine Firma bis Ausbruch des Krieges in regelmäßigem Ge- ickäflsverkehr gestanden hatte, Fühlung zu nehmen und zu eliahren, ob diese zu einer Wiederaufnahme der allen Beziehungen geneigt wären, wenn die Möglichkeit erst vorhanden ist. Diese Pariier Firma versprich», daiür zu sorgen, wenn die gesetzmäßige Einfuhr von Modellen und Modewaren nach Deutschland nnd den denlicken Kausleuien die Einrette nach Paris gestaltet sei» wird, daß die französischen Modellhäuser ihre Modelle den deutschen Einkäufern, welche in Legleitung angesehener Pariier Kommissionäre kommen, vorzeigen. Wie da» Fachblatt weiter iestsiellt, besteht bei Berliner Grossisten und Modellhäusern starkes Interesse für die Wiederaufnahme dieser Beziehungen. Also die Mode will ihre völkerein.ende Tätigkeit wieder auf- nehmen— bei gutem Gewinn, versteht sich. Wo bleibt aber nun die während des Krieges pomphaft angekündigte„deutsche Mode"? Spitzelwirtschast. Au§ dem Bezirksverband der S. P. D. Groß-Berlin wird uns mitgeteilt: Das Abendblatt der.Freiheit� vom IS. August läßt endlich den Gewährsmann erkennen, dem sie ihre angeblichen Ent» büllungen einer sozialdemokratischen Spitzelwirtschaft verdankt. Wir stelle» nun fest: Die Bureaus des Sekretariats der Bezirksorganisation Groß» Berlin der S. P. D. sind seit dem 1. Nvril dieses Jahres provisorisch in drei Stockwerken des Hauses Bellevuestr. 7 untergebracht, in einem dieser Stockwerte befindet sich auch das Bureau des»Zentral- auSschusies für soziale Au'klärung�. Dieser AuSschufi beschäftigt sich mit der Zusammenstellung des gesamten Materials an Flug- blättern und Broschüren aller Patteien sowie anderen für die poli- tische Ausklärung nötigen literarischen und sonstigen Unternehmungen. Eine Spitzelwirtichafl irgend welcher Art besteht nicht, weder bei unS noch in dem erwähnten Bureau. Dagegen sind wir, sowohl wie da» benachbarte Bureau auf da 5 gemein st e bespitzelt und bestohlen worden wie nachstehende Tatsachen beweisen: Der.junge Mann�, von dem die.Freiheit' schreibt, datz er angeblich im Juni beauftragt wurde, die Namen kommunistischer Führer auszukundschaften, hätte ja offene Türen einrennen muffen, denn die erwähnten Führer hatten sich nicht verborgen, sondern be« tätigen sich, wie bekannt, so laut und öffentlich, daß man sie wahr- haftig nicht auszukundschaften braucht. Der junge Mann, der bei uns auf seine dringende Bitte mit untergeordneten Arbeiten, w'e Paketepocken, Botengängen usw., beschädigt wurde, wird wohl in seiner Verlogenheit und Geldnot auch die.Freibeil'-Redakiion hineingelegt haben. Uns hat er, neben seinem BorschuB, diverse gestohlene Stempel und ein Verzeichnis der Grofi-Berliner Funktionäre gekoster. Zirka 600 M. Abonnementsgelder für die neue Reinhardt- bübne, die er beauftragt war, von den Angestellten einzukassieren. Hai er, der Gewährsmann der.Freiheit', ebenfalls mitgehen lassen. Nach dieser letzten Tat verschwand er, und schrieb un» einen wehleidigen Brief, worin er seine Taten bitter bereute und mir Selbstmordplänen spielte. Auf Bitten seiner Eltern sahen wir von einer gerichtlichen Ver'olgung ab. Was er aus der Redaktion der.Freiheit' weiter geschwindelt habe» mag, entzieht sich unserer Kenntnis. DaS werden wir wohl erst erfahren, wenn die Freiheit weiter.enthüllt'. �ur Kohlennot in üer Lanöwirtschast. »ton bernfener Seite wird uns geschrieben: Tie völlig unzureichende Versorgung der Landwirtschaft mit Kohlen gefährdet die Volksernährunz in ernstem MaBe. Feld- d e st c l l u n g und Getreidedrusch werden durch Stillliegen der Tmnpjflüge und Dreschmaschinen verzögert und zum Teil unmöglich gemachtz gröBer« Mengen Getreide au» der vor- jährigen Ernte sind jetzt noch nicht gedroschen. Die Zuführung elek- triiiber Kraft als Triebmittel für Pflüge und Dreschmaschinen wird ebenialls durch Kohlenmongel unterbunden. Dieser beeinflustt auch in nachteiligster Weise die Erzeugung künsteichen Düngers in den chemischen Fabriken, die für Aecker und Bauten nötige Kalk- Produktion sowie die Herstellung und Ausbesserung landwirtschafl« licher Maschinen und Geräte. Landwirtschaftliche Nebenbetriebe. wie Brennereien, Molkereien, TrocknunpSanlagen usw., sind durch den Kohlenmongel zu Betriebseinschränkungen oder-einstellungen gezwungen. Die Zuckerfabriken können ohne Kohlen nur einen ge- ringen Teil der Rübenernte verarbeiten. Das Landwirtschaftsministerium erhält täglich au» den ver- schiedensten Gegenden Zuschriften, die die Kohlennot der Landwirt- schasr und ihre unausbleiblichen Folgen schildern, es tritt mit Unterstützung des ReichsernährungsminffteriumS und de« Landes- gelrcideamles unausgesetzt und dringend bei dem ReichSkommrssar für die Kohlenverteilung für eine ausreichende Belieferung der Loudwirischaf: ein; wirksam wird der Not und ihren drohenden Folgen für Volksernährung und Gemeinwohl aber nur durch Steigerung der Kohlenförderung gesteuert werden können. vte Räumung öer Ostgebiete. Die deutsche Regierung hat an die Entente folgende Note gerichtet: Die Räumung Litauens südlich des Njemen hat am 14. August mit dem Abtransport der Reichswehrbrigade 28 in Wilkowischki begonnen. Die geplante Räumung wird voraus- sichtlich am 2. September beendigt sein. Die Räumung des Gebietes der Brigade G r o d n o wird am 26. August, die Räumung bis Wirballen am 4. September beendet sein. Die Stadt Wirballen wird am 5. September geräumt. Die Räumung Lettlands, Kurlands und Nord- l i t a u e n s wird sich derart vollziehen, daß nach Beendigung des Abtransportes der Brigade Schaulen und der Truppen des Gou- vernements Libau am 20. August der Abtransport der Masse des 6. Res.-Korps aus der Gegend Mitau und BauSk nach Deutsch. land beginnt. Die Dauer dieses Abtransportes ist auf etwa 2 b Tage berechnet. Die Bewegungen der zum Schutze des Ab- tranSporteS ausgeschiedenen Nachhuten bei Preekuln, Mitau, Bausk, Schaulen und Lidöwiany werden weitere dr«, Wochen in Anspruch nehmen. Die Milliouenjagd im Flugzeug. Polizeipräfident E r n st ist in Begleiiung des RegierungSrats Weist nach Weimar gereist, um dort über einen neuen Fall eines geheimnisvollen Millionen- schmuggels Bericht zu erstalten. Mit Hilfe von Agintinnen hatte man herausgebracht, dast«in Betrag von 10 Millionen Mark, der einer früher sehr hochstehenden Persönlichkeit gehören soll. nach der Schweiz verschoben werden sollt«. Eine mehrköpfiz« Lande war mit der Ausführung de« Schmuggels beauftragt, sie wurde aber durch ein aus drei Flugzeugen bestehende« Geschwader in Nürnberg eingeholt und festgeietzr— Die vom Prinzen von Wied nach Schweden verschobenen Schätze haben nach Feststellung van Sachverständigen einen Wert von 80 Millionen Mark. Was zu Beginn de« Kriege« krankhafte Phantasie von den Goldauto» erzöblte, wird jetzt durch die Wirklichkeit weit in Schatten gestellt. nur sind e« nicht.feindliche Spione', sondern.Edelste und Beste' von vorgestern, die rbr Vermögen vor den Folgen der Niederlage zum Schaden des eigenen Landes»n retten suchen. Der rntentistische Staateubaulasten. Die Korrespondenz Hoff- mann mcldet� amtlich aus München: Räch Preffemechungen bespricht der Pariser.T« m p s' angeblich« P l ä n e für die Schaffung eine? g rosten katholischen Staate» in Mitteleuropa. Man will hierbei auch auf die besondere Hilfe Bayern» rechnen, das sich vom Deutschen Reich gegebenenfalls loslösen werde. Es erübrigt sich, gefienübrr derartigen törichten Sensationsmeldungen festzu» stellen, dast alle elwaigcn Versuche der Entente, Bayern zum Treu- bruch gegen das Reich zu bewegen, von vornherein und für immer aussichtslos find. Nationalversammlung. (Schluh au? der Beilage.) Um 4 Uhr 20 Min. wird die Sitzung fortgesetzt. Am Regierungktisch: Dr. David, Dr. Bell. Es folgt die dritte Beratung des Tabak st euergesetzes. In der Einzclberatung bemerken zu 8 1 die Deutschnationalen, dast sie schwere Bedenken gegen wesentliche Bestimmungen des Entwurfs hätten. Abänderungsanträge hätten aber auch in dritter Lesung feine Aussicht auf Annahme, weshalb sie auf ihre Wiedereinbrin- gung verzichten und ihren Fraktionsangehörigen die Stimmabgabe überlassen. 8 1 wird angenommen. Ebenso mit einer Reihe unerheblicher Aenderungsanträge der Rest des Gesetzes und schließlich in der Gesamtabstimmung gegen die Stimmen eines Teil? der Deutsch- nationalen und der Noabhängige« Sozialdemokraten da« ganze Gesetz. Es folgen Wahlprüfungcn. Die Wahl im 7. Wahlkreis und Nachberufungen im 26. und 35. Wahlkreis werden dem Ausschust- antrag entsprechend für ungültig erklärt. ES folgt der Bericht des Ausschusses für Volkswirtschaft über die Frage der Gummibewirtschastung. Dem Vorschlage des Ausschusses, die Regierung zu ersuchen: „den Abbau der Zwangswirtschaft für Gummi alsbald in die Wege zu leiten, die Einfuhr von Rohgummi und Halbfabrikaten freizugeben, die Beschlagnahme des Rohgummis aufzuheben', tritt das Haus ohne Erörterung bei. Es folgt der Bericht des Ausschusses für Volkswirtschaft über die Beratung der Frage der Lcderbewirtschaftung. Der Ausschust schlägt eine längere Entschlietzung vor, die im wesentlichen be- stimmt: Die Einsuhr von Häuten, Fellen, Leder, Gerbstoffen, Schuhen und sonstixen Lederware« ist freizugeben, desgleichen die Ausfuhr von Leder, Schuhen und Lederwaren; die Zwangsbewirtfchaftnug für Leder, Schuhe und sonstige Lcderwaren ist aufzuheben; die im Besitz der amtlichen Verteilungsorganisatio- nen befindlichen Bestände an Häuten, Fellen, Leder usw. sind öffent- lich zu verkaufen, der daraus erzielte Gewinn ist zur billigeren Versorgung der minderbemittelten Bevölkerung mit Schuhzeug zu verwenden; die an der Lederzwangswirtschaft beteiligten Wirtschaftskreise haben 60 Proz. ihres Konjunktur- pewinns zur Verbilligung des Schuhzeugs der minderbemittelten Bevölkerung abzuführen. Das HauS tritt ohne Erörterung dieser Entschliestung bei. Es folgt der Bericht des Ausschusses für Volkswirtschaft übe: die Verordnung betr. die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Schlachtvieh. Die Vorschläge des Ausschusses werden ohne Erörterung ge- nehmigt. Es folgt die zweite Beratung de? Entwurfs der Reichsabgaben- »rdnung kGesctz über die Reichsfinanzverwaltung). Berichterstatter Abg. Burlage kZentr.) stellt fest, dast auch im Ausschuß die Auffassung, daß die Erhebung der Steuern von den Landesbchörden vorzunebmen sei, vertreten wurde. Der Ausschuß habe aber mit großer Mehrheit anders entschieden. Abg. Dr. Brann-Franken(Soz.): In der vorliegenden Frage wurden partikulare Interessen gegen die in der Nationalversammlung herrschende Auffassung aus- gespielt. In diesem Streit wird aber das Reich obsiegen. Letzteres denkt gar nicht daran, die Länder oder Gemeinden verkümmern zu lassen. Die Landesregierungen sollen der Nationalversammlung Vertrauen entgegenbringen. Wir wissen, was unsere Pflicht ist, und werden sie erfüllen. Dr. Bccker-Hessen(D. Dp.): Soviel läßt sich nicht bestreiten, die Einzelstaaten verlieren tatsächlich dadurch die Grundlage ihrer Existenz und leben nur, soweit ihnen das Reich entsprechende Zuwendungen überläßt. Da- mit geht auch ein Teil der Hoheitsrechte der Einzelstaaten verloren. Manche, auch ick z. B. hielten e» für zweckmäßig, die Verwaltung der direkten Steuern den Einzelstaaten zu belassen. Ich möchte sogar glauben, auch die Reichsverwaltung hatte damals die gleiche Auffassung. Die Regierung hat behauptet, die Steuer- Veranlagung habe im Reiche nicht gleichmäßig funktioniert, nament- lich in Preußen sei zu wünschen übrig geblieben, wie nicht be- stritten werde. Werden nun Reichsbehörden gründlichere und gleichmäßigere Arbeit leisten? Ein Beweis wurde nicht erbracht und kann nicht erbracht werden, das kann nur die Zukunft. Viel- leicht wird, wa» den Ländern im kleinen nicht gelungen ist. dem Reiche in einem so viel größeren Kreise nicht gelingen. Ich glaube eS sogar. Man mutz zu der Auffassung kommen, die Einzelstaaten werden mediatisiert— aus politischen Gründen! Das soll man aber ehrlich zugeben und die wirklichen Gründe anführen. ES kann leicht sein, daß die Neuordnung durch daS Reich keine Verbesserung bedeutet, sondern eine Verschlechterung. Für Preußen ist eS zwei- felhaft, für Süddeutschland möchte ich eS sicher behaupten. Seltsamerweis« setzt sich für die Reichsorganisation nur die Reichs- finanzvevwaltung ein, während die Sachverständigen der Einzel- staaten für die bisherigen Landesorganisationen eintreten.(Hört, hört! rechts.) Das geschieht nicht zur Aufrechterhaltung der Hoheitsrechte, sondern aus sachlichen Gründen. Für die Ueber- gangSzeit empfiehlt sich die restlose Uebernahme der Beamten der Einzelstaaten, weil sie über eine vorzügliche Praxis verfügen, in die Reichsverwaltung, Man braucht diese Beamten und muß ihnen im Reichsdienst gleüchwertige Zukunftsbedingungen schaffen wie bisher im Landesdienst. Für die süddeutschen Staaten emp- fiehlt sich die geschlossene Uebernahme der bestehenden Organisa- tionen in die Landesfinanzämter. Zur Ausbildung der Beamten reichen, wie sich die Reichsfinanzverwaltung einzubilden scheint, kurze theoretische Ausbildungsiurse nicht aus.(Zustimmung.) Sachlich sind die Einzelstaaten noch heute Gegner der Vorlage. Redner greift weiter einzelne Paragraphen der Vorlage an und schließt: Schwerwiegende sachliche Gründe sprechen gegen die neue Organisation.(Lebhafter Beifall rechts, Widerspruch links.) Reichsfmcmzminister Erzberger: Der Vorredner hat einen wunderbaren Kampf gegen Wind- mühlcn ausgefochten. Alle seine Hauptgründe gegen unsere Vor- schlüge sind hinfällig. Kein einziges neues Argument ist vorgebracht worden. Durch die Reichsabgabenordnung wird die Reichsverfas- sung nicht geändert, sondern einfach ihr Artikel 14 ausgeführt. Ge- wiß hat die Reichsregierung seit dem vorigen November ihre Auf- fassung geändert, aber zwischen November und August liegen neun Monate Entwicklung der deutschen Nadion, und die Regierung ist nicht so petrefakt, um sich nicht neuen Verhältnissen anpassen zu können. Daß die Regierung nicht bewiesen hat, daß die von ihr vorgeschlagene neue Organisation besser ist als die frühere, trifft zu. denn das kann man nicht beweisen. Wohl aber haben immer die Reaktionäre aller Zeiten und aller Länder mit dem „immer langsam voran!" operiert. Der Standpunkt, daß die Einzelstaaten leichter das geeig- nete Beamtenmaterial finden würden, ist doch überwunden. Wie beim Generalstabsprinzip, das sich als daß Richtigste bewährt hat, werden auch für die Steuerverwaltung die besten Kräfte aus ganz Deutschland heraus- und zusammengeholt werden. Gewiß wird mit der Vorlag« ein großer Schritt zum Einheitsstaat getan, aber nicht aus politischen, sondern aus tatsächlichen Gründen. Die ungeheure Verschiebung der steuerlichen Verhältnisse in Deutschland Wischen Reich und Einzelstaaten ist ein durchschlagender sachlicher Grund für di« Neuorganisation. Durch diese neue Reichsorganisation kann in den Einzelstaaten gar nichts in Unordnung kommen, Der größte Teil der Einzelstaaten geht mit der Reichsveriassung vöMg einig! mit Preußen werden die Verhandlungen alsbald nach der Rückkehr der Reichsregierung nach Berlin aufgenommen werden. Die vier süddeutschen Staaten und Sachsen werden schon in nächster Zeit die Landesstnanzämter einrichten, auch die Personen sind schon designiert. Bei den Verhandlungen haben unser« Wünsche durchweg das g rüffle Entgegenkommen gesunden. Gerade die Schil- derungen der thüringischen Kleinstaaten sind ein mächtiger Anstoß zum Abschluß der neuen Organisation gewesen. Die Gliedstaate« sind nicht„umgefallen", fondern sie haben mit drei Ausnahmen sich nach sehr eingehender und gewissenhafter Prüfung auf unseren Standpunkt gestellt. Tie ganze deutsche Industrie hat keinen sehn- Sicheren Wunsch als eine reichseigene Steuerverwaltung. Für die guten Ratschläge des Vorredners wegen der Auswahl guter Be- amter bin ich dankbar, aber sie kommen zu spät. Es handelt sich jetzt um ein Uebergangsstadium, dazu sind Praktiker in weitem Umfange herangezogen: Professoren und Rationalölonomen brauchen wir zur Mitarbeit für di« Ausarbeitung von Richtlinien. Es handelt sich also um ganz getrennte Arbeitsgebiete. Den Para- graphen 451 habe ich nicht preisgegeben, auch brauchte der preu- ßischc Finanzminister nicht berbeitelegraphiert zu werden, er wäre ohnehin zu einer Konferenz hierhergekommen; er hat auch nicht im Ausschuß gegen mich polemisiert. Nie und nimmer habe ich gesagt, daß die Kleinstaaten und die Gemeinden 25 Proz. der Einkommen- steuer erhalten sollten sondern ich habe gesagt: Von dem Ge- sawtbedarf von 25 Milliarden entfallen 75 Proz. auf daS Reich, 10 Proz. auf die Länder. 15 Proz. auf die Gemeinden. Einen Verteilungsschlüssel für die Einkommensteuer habe ich nie genannt, weil er noch gar nicht feststeht. Wie soll denn die Reichsein- kommensteuer 24 Milliarden erbringen? Das wäre ja schon der Gesamtbedarf! Den Gesamtbedarf für die Länder und Gemeinden habe ich wiederholt auf 6,2 Milliarden angegeben. DaS Reich hat doch nickt bloß für sich allein zu sorgen, sondern eS muß sich auch um die Finanzen der Länder und Gemeinden bekümmern. Gerade weil die Organisation vorweggenommen werden mußte, hat 8 451 in dem Gesetz eine Stelle gefunden. Ein Landesbesteuerungsgesetz wird den Anteil der Länder und Gemeinden an den reichseigenen Steuern regeln; es wird bestimmen, welche Steuern den Ländern und Gemeinden überlassen bleiben, es wird weiter einen Lasten- ausgleich und schließlich die Beschaffung von Ausgleichsfonds enthalten müssen. Mit diesem Landesbesteuerungsgesetz wird alle? erfüllt werden, waS im 8 451 enthalien ist. Bis dahin nehmen Sie den 8 �ol an; er hindert nichts, bietet aber den Ländern eine Garantie. Abg. Dr. Blunck(Dem.): Meine politischen Freunde stellen sick vorbehaltlos auf ven Boden der Borlage, durch die in viel entscheidenderer Weise al» durch irgendein anderes Gesetz der Grundstein zu einem Gebäude für ein einiges und einheitliches Deutsches Reich gelegt wird. Der Reichsnnanzminister hat vollkommen recht, wenn er zur Begrün- dung seines Gesetzes ausführt, daß. solange den Ländern noch wichtige Kulturanfoabcn überlassen seien, auch dafür gesorgt werden muß. daß sie finanziell 'dazu in die Lage gesetzt werden. Aber ich halte es für ein Armutszeugnis gegen uns selber, wenn wir deswegen eine derartige Be- stimmung in das Gesetz hineinbringen und uns damit für eine spätere endgültige organische und vernünftige Regelung in gewissem Sinne die Hände binden.(Deifass bei den Demokraten.) Preußischer Gebeimrat Schwarz: Namens der preußischen Regierung bitte ich Sie. dem Antrag Herold entsprechend die Bestimmung wiederberzustellen, wonach eine Aenderung des 8 46 nur auf dem Weg« der Verfassung vor- genommen werden kann. Di« preußische Finanzverwaltung befürch» tet im Einklang mit der preußischen Landcsversammlung von der Einführung einer Reichseinkommensteuer für die gedeihliche Fortentwicklung der preußischen StaatSfinanzen unerträgliche und verhängniSvolls Folgen, wenn Prceißen nicht durch sie Vorschrift deS 8 46 und insbesondere durch ein« verfassungsmäßige Bebandlung derselben die Sicherheit er- hielte, sein eigenes finanzielle? Leben aufrechtzuerhalten und seine kulturellen Aufgaben weiter erfüllen zu können. Abg. Dr. Wirth(Ztr.): Im Gegensatz zu der eben gehörten Erklärung Preußens brin- gen wir dem Gesetz kein Mißtrauen entgegen und betrachten eb andererseits auch nicht als Trinkgeld, Preußen hat ja sogar erklärt. es werde sich unter Umständen im Interesse seiner Gemeinden ge- nötigt sehen, aus politischen Gründen von der Verfassungsbestim- mung Gebrauch zu machen und gegen etwaige Beschlüsse der Ratio- nalversammlung in dieser Richtung Einspruch zu erheben.(Hört! hört! Bewegung.) In Süddeutschland denkt man anders; in Süd- deutschland wird man für die Reichssteuergesctze kein Verständnis baben, wenn sie auf Grund der ausaezeichncten Veranlagung des Süden? größere Opfer zu bringen hätten als der Norden. Abg. Dr. v. Delbrück(Dnat.): Die Annahme des Gesetzes ist uns nur möglich, wenn zu dem 461 bzw. 8 46, der auch eine Verfassungsänderung bedeutet, der ntrag Herold angenommen wird.(Beifall recht?.) Abg. Wurm(U. Soz.): Das Gefetz muß jetzt verabschiedet werden, die Behördenorgani- sation muß ab 1. Oktober ins Leben treten können. Da sollen uns kleine partikularistischc Ouisquilien nicht hindern, das Gesetz mit dem uns von Preußen aufgezwungenen Diktatfrieden zu verabschieden. Wir werden deshalb für den Antrag Herold stimmen. Damit schließt die Generaldebatte. In der Spezialdiskussion wird der Antrag Blunck auf Errich- tung der Landesfinanzämter durch Reichsgesetz abgelehnt. Ferner werden redaktionelle Acnderungen angenommen. Zu 8 46(Vorlage 8 451) liegt außer dem Antrage Blunck auf Streichung des ganzen Paragraphen der Antrag Herold vor, den vom Ausschuß gestrichenen Scklußsatz der Vorlage wiederherzustellen und demgemäß als vierten Satz hinzuzufügen:.Eine Aenderung dieser Vorschriften kann nur unter den Voraussetzungen erfolgen. die nach der Reichsverfassung für Verfassungsänderungen vorgesehen find." Abg. Herold(Zentr.) empfiehlt seinen Antrag. Abg. Dr. Blunck macht nochmals auf die weittragenden Konse- quenzen aufmerksam, die die Annahme deS§ 46 für das Reich haben würde. Abg. Keil(Soz.): Nach unserer Auffassung ist 8 46 hier nicht an seinem Platz; ee gehört überhaupt nicht in das Gesetz. Aber die Machtposition der Einzelstaaten bei der in wenigen Monaten doch notwendig werden- den Neugestaltung wird ganz die gleiche sein, ob die Sicherung nach dem Antrage Herold in dem Gesetze steht oder mchr. Wir haben die Versa ssungsklausel abgelehnt, weil wir dem Gegenstand nicht nocy eine besondere Ehre erweisen wollten. Aber angesichts der Hart- näckigkeit der Regierung und angesichts der Gefahr, daß das ganze bedeutsame Reformwerk scheitern könnte, sind wir bereit, nach dem Antrage Herold diese Bestimmung aufzunehmen. Im Herbst werden die sachlichen Gründe so überwiegend sein, daß alle Verfassungs» klauseln und aller Eigensinn dadurch gebrochen werden. In der Abstimmung gelangt der Antrag Herold und mit diesem § 46 zur Annahme. DaS HauS nimmt darauf auch sofort noch di« dritte Lesung der Vorlage vor. Ohne weitere Erörterung wird hierauf daS Gesetz in der Einzel- beratung und schließlich im ganzen mit grofter Mehrheft aug». nommen. Hierauf vertagt sich daS HauS. Nächste Sitzung Mittwoch g Uhr, GewerWObMMV 'Tin Kapitel unabhängiger Sewerkschafispolktik. Die.Hol�arbeiterzeiwng� erwähnt Gewerkschaftskongreb u. o., datz die in bi tn einem Nachwort zum den Richtlinien zur Annahme gelangten Forderungen bezüglich der Betriebs- Md ArbeiterrSte zeigten, wie wenig die auf dem Boden der seitherigen Gewerkschafts- Politik Stehenden die Bedeutung der Betriebsräte unterschätzen. Im Anschluß daran bemerkt die.Holzarbeiterzeitung' unter Bezug« nähme auf einen in Hamburg von der dortigen Verwaltungsstelle d«S Deutschen Metallarbeiterverbandes unter unabhängiger Leitung getätigten Tarifvertrag mit der Klempnerinnung folgende»: Ein Unterschied besteht allerdings. Die alten Gewerkschafts- diktatoren oder Bonzen, oder wie die schönen Ehrentitel sonst lauten. treten für die Beschlüsse der Gewerkschaften entschieden ein. wäh- rend es die oppositionellen Elemente mitunter bei der schönen Geste bewenden lassen. Als interessanter Beleg dafür mag der Tarifvertrag gelten, den die Verwaltungsstelle Hamburg d-§ Deutschen Mctallarbeiterverbandes am 2. Juni 1919 mit der dortigen Klempnerinnung abgeschlossen hat. Dieser Vertrag ist seit.enS deS Metallarbeitcrverbandes von Wagner unterzeichnet, dem Hamburger V o r s i tz e n d e n d e r U. S. P., und er enthält folgende Bestimmung:.Die Einstellung und Entlassung von Arbeitern steht im Ermessen deS Arbeitgeber S."' Beim Abschluß dieses Vertrages lag zwar der Beschluß deS Gewerkschaftskongresses noch nicht vor, wohl aber der Antrag der.GewerkfchaftSdiklatoren", Bestimmungen über die Auf- gaben der Betriebsräte zu beschließen, in denen es u. a. heißt: .Im einzelnen hat der B e t ri e b s r a t mitzuwirken: s) bei Einstellungen und Entlassungen im Betrieb. Entlastungen dürfen nur nach Anhörung de« BetrieSratS erfolgen.'' Der prinzipienfeste OppofitionSmann in Hamburg schließt aber sieben Monate noch der Revolution einen Vertrag ab, in dem von Betriebsräten keine Rede, dafür aber die Betriebsautokratie deS Unternehmers ausdrücklich gefichert ist. DaS ist nur ein Beispiel, aber eS könnte vermehrt werden. ES soll damit dargetan werden, daß eS mit starken Worten und scharfer Kritik ollein nicht getan ist. DaS Hereintragen der politischen Gegensätze in die Gewerkschaften gereicht der Arbeiterschaft nicht zum Borreil. Wenn man die von der Opposition an der Leitung der Gewerkschaften geübte Kritik sowohl auf dem Ge< werkschaftskongreß als auf unferm VcrbandStag und auf den Generalversammlungen anderer Gewerkschaften rhreS politischen Beiwerks entkleidet, dann bleibt herzlich wenig übrig. Die Gewerkschaften sind ein Boden, auf welchem die Arbeiter unbeschadet ihrer politischen Ueberzeugung«inträchtig zusammen wirken können, aber auch zusammen wirken müssen, um Schädigungen von der Arbeiterschaft fern- zuhalten. Der Gewerkschaftskongreß hat eS durch starken Beifall unterstrichen, als die Wortführer der Opposition sich dagegen ver« wahrten, aus«ine Spaltung der Gewerkschaften hinzuarbeiten. Eine solche Abficht wäre aber auch geradezu selb st mörderischer Wahnsinn. Es ist schlimm genug, daß sich noch keine Brücke gefunden bat, welche die in zwei Lager getrennte Sozialdemokratie zusammenführt, aber in beiden Lagern muß der Wunsch lebendig sein, die Gewerkschaften intakt zu erhalten, sie vor Spaltung zu bewahren._ Ncvolutions-Tchmarotzer. Vom Angestellten- Ausschuß' des VersorgungSamtS HL A. K. wird uns geschrieben: In einer gestern im Herrenhause von der Fachgruppe 3 b fSiebener-AuSschuß) der freien Gewerkschaften einberufenen Vollversammlung sämtlicher Angestellten-Ausichüste der Heeresbehörden, erschien auch der von allen klasienbewußten An- gestellten gemiedene sogenannte Vierzehner-Ausschuß. welcher sich ebenfalls als Fachgruppe Sb bezeichnet, was lediglich zur Irre- sührung unsere» Kollegen dienen soll. Nachdem der Vertreter der freien Gewerkschaften feinen Tätigkeitsbericht erstattet und dabei sachlich mit dem Vierzehner-AuSfchuß ab« gerechnet hatte, ergriff ein Mitglied des letzteren, Herr Schleen- böcker, das Wort, um mit allen demagogischen Mitteln für diese am starken Baume der freien Gewerkschaften schmarotzende Talmi- gewerkschait Stimmung zu machen. Er erklärte zur größten Heiterkeit der Versammelten, nachdem er sich mit dem Brustton loyalster Ueberzeugung für die Arbeiter- räte eingesetzt hatte, u. a. nachber:»wir gehen, wenn'S darauf ankommt, mit den gelben Gewerkschaften". Die Hauptsache für diese ehrenwerten Herren ist eben, daß sie sich auf Kosten einer kleinen Zahl von Kollegen eine recht überflüssige Existenz sichern. Diese Talmigewerkschast. die mit Hilfe von Bettelbriefen in der Klingelbeutelmanier Beiträge von den freien Angestellten er« hebt, verdient, daß sie durch strengste Boykottierung seitens der klassenbewußten Angestelltenschaft recht bald an pekuniärer Rücken- markschwindsucht zu Grabe getragen wird. Solche Vertreter von Korporationen, die erst mit Beginn der Revolution ihre Heilssendung entdeckt haben und nun den Arbeitern und Angestellten mit Jahr- mafktsmanieren ihre Dienste gegen entsprechende Bezahlung an- preisen, müssen schleunigst kaltgestellt werden. Der Schlichtungsausschutz im Hamburger Bankstreik. Im ReichSarbeiiSmiuisterium trat am gestrigen Dienstag der Schlrchtungsausschuß für die streikenden Hamburger Bankbeamten zusammen Die Berliner Bankbeamten hatten versucht, vor diesem Ausschuß auch die Forderungen der hiesigen Angestellten in der Frage der Tarifablösung zur Sprache zu bringen, doch waren schon zu den vor einigen Tagen stattgefundenen Beratungen die Berliner Bankleitungen nicht erschienen. Man will nun insofern einen Aus- gleich schaffen, daß man den Spruch des SchlichiungSauSschusies als Grundlage für die in Kürze stattfindenden Verhandlungen mit den Berliner Banken wählt. Die gestrigen Verhandlungen gestalteten sich anfänglich sehr er- regt, da man sich über die Frage der Zusammensetzung de? SchiedS« gerichts nicht schlüssig werden konnte. Nach langen Verhandlungen, welche fast den ganzen Vormittag in Anspruch nahmen, einigle man sich schließlich und wählte einen Schlichtungsausschuß, dem folgende Herren angehören: Für die Bankleitungen: Direktor Reinhard fMitteldeulsche Kreditbank), Dr. Bernstein sZentralverband des deutschen Bank- und Bankiergewerbes) und Direktor Schwarz von der Preußischen Zentral-Boden-Aktiengesellschaft. Die Arbeit- nehmer waren durch die Herren Dr. K a tz, Mohr und F ü r st e n« b e r g vertreten. Am Nachmittag trat man dann in die Verhand« lungen ein. Beide Teile legten noch einmal dem Vorfitzenden Dr. Busse die Gründe dar. die zur Ablehnung der Forderungen der Hamburger Beamten geführt und so den Streik veranlaßt hatten. Nack der Aussprache zog sich der SchlichtungSauSschuß zur Beratung zurück. Der eventuelle Schiedsspruch dürfte erst in später Stacht- stunde gefällt werden._ Gewerkschaftsmitglieder! DaS Nollendorf-Tbeater hat unS für die Operette»Die Puppe" eine Anzahl Billetts zu den verschiedensten Plätzen zu einem sehr ermäßigten Preise(2 bis 6 M.) zur Verfügung gestellt. Karten sür Mittwoch, den 20., Donnerstag 21., Freitag 22., Sonn- abend 23. und Sonntag, den 24. August, können m unserem Bureau. Berlin 80 16, Engelufer 16 L Zimmer 16, von Mittwoch, den 2l>., ab von vormittags 9 bis nachmittags 4 Uhr an allen Wochen« tagen m Empfang genommen werden. Der Ausschuß der Berliner GewerkschaftSkomwisfio». DaS Schuldkonto de« Zrntralrate« der Eisenbahner. Zu den unter vorstehendem Titel veröffentlichten Untersuchungen de« Vor- standeS des EisenbabnerverbandeS über Verfehlungen seines Zentral- rates sendet uns das Mitglied de« ZentralrareS der Eisenbahn« arbeiterräte Georg Michaelis aus Münster folgende Er- klärung: WaS die rein gewerkschaftliche Tätigkeit der Zentrale an- geht, have ich mit allen Kollegen solidarisch gemäß der unS von der Generalversammlung übertragenen Aufgabe: Propagierung deS Räte- systems, gehandelt. Bei meinem ganzen Tun, in allen Sitzungen, Konferenzen und Besprechungen mit den Staatsbehörden, dem Haupt- vorstand und im Zentralrat selbst habe ich mich stets von dem Jntereffe der Kollegen und der Organisation leiten lassen; ich bin mir nicht bewußt, in irgend einer Weise das Vertrauen der Kollegen mißbraucht zu haben. Jeder Verdacht, als ob ich von der Her- stellung oder Verbreitung der fragltchen Flugblätter, den angeb- lichen Zechereien gewußt oder gar an diesen reilgenommen hätte, weise ich auf das Entschiedenste zurück. Für die vorsiehende Erklärung bin ich jederzeit bereit, den Wahrheitsbeweis zu er- bringen. Zeutralverband der Handlungsgehilsen, Bezirk Osie». Bezirks- fitz ung Donnerstag, den 21., abends 7)/, Ubr, in Heinrichs Feslsälen, K>roße Frankfurter Str. 30. Tagesordnung: Neuausbau der Ortsgruppe. Erscheinen aller Mitglieder dringend erforderlich. Deutscher Metabarbeiterverbaud. Mittwoch, den 20. d.. abends 5 Uhr, Versammlung aller in der Gold- nud Tilberwarenindufiric be- schästigten Arbeiter und Arbeiterinnen im»Dresdener Gatten«, Dresdener Straße 45. Tagesordnung: 1. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 2. DiSkuifion. Fachgruppe Metallindustrie und Eisenbau(XU und XIV). Donnerstag 3 Uhr usw. wie oben. Angestelltenansschüfle und Funktionäre� der'Arbritsgrmel»« schast freier Bngeftellteuverbände haben Sitzung: Fachgruppe 16. Elettroingenieure. Mittwoch, S Uhr, Königstadter Lvzeum, GreisSwalder Straße 23/24; Fachgruppen 12 und 14 tagen zusammen Freitag. 6 Uhr, Königstädter Lyzeum. GreisSwalder Str. 23/24. Alle anderen Mitteilungen find ungültig. Der Vollzugsa>>Sschuß. BerstcherungSangeitellle in den ProvifionS-Gencrakagentllrbettteben Beriammlung Donnerstag, den 2t. Auguit d. IS., JO Uhr vorm. in Haverlands Festiälen. Neue Fnedttchstr. 36, Zimmer S:.Stellungnahme zum Schiedsspruch". Bestimmtes Erscheinen unbedingt erforderiich! Die kartellierten Verbände. Soziales. Neuregelung der laudwirtfchaftlichen Uofallreute«. Aus Anlaß eines Beschlusses der Nationalversammlung haben im ReichSarbeilsministerium Verhandlungen über die Gleichstellung der londwirischaftlicken mit den gewerblichen Versicherten hinsicktlich der Berechnung der Unfallrenten stattgesunden. Außer den Haupt- sächlich beteiligten Behörden und dem ständigen Ausschuß der land- wirtsckaftlicken BerufSyenossenickaften waren Vertreter der land- wirtschaftlicken Arbeitgeber und Arbeitnehmer dazu eingeladen. Die eingehende Aussprache ergab Einigkeil darüber, daß die Renten- berechnung, wie sie bisher gebandhabt wurde, zu berechtigten Klagen Anlaß gebe. Andererseits wurde anerkannt, daß bei Anwendung der für die gewerbliche Unfallversicherung vorge- schriebenen Berechnung der Renten nach dem Jahresarbeitsverdienst des einzelnen Verletzten aus die landwirischastliche Uiifallversicherung in der Regel zeitraubende Feststellungen über den Wert der Sach- bezüge getroffen werden müßten, die fast in jedem Falle einen Bestandteil des Lohnes landwirtschaftlicher Arbeiter bilden. ES wurde daher empfohlen, die Renten auch weiterhin nach dem durch« schnittlichen JahreSarbettSverdienst zu berechnen, diesen aber so festzusetzen, daß er mit den tatsächlichen Ler- Hältnissen im Einklang st ehe. Dabei würden die bei den Tarifverhandlungen in den verschiedenen Gebieten ver- einbarten Sätze tunlichst zn berücksichtigen sein. Solche neuen Fest- setzungen werden eine Reihe von Monaten in Anspruch nehmen. Um den Arbeitern, die inzwischen Unfälle erleiden, schon jetzt eine höhere Entschädigung zu sickern, wurde vorgeschlagen, die bisher geltenden Jahresarbeitsverdienste weiter derart zu erhöhen, daß sie einschließlich der im vergangenen Jahre bereits vorgenommenen Erhöhung die Friedenssätze im ganzen um 60 Proz. übersteigen. Berantw. für den redaltion. Teil: Alfred Schal», Sleulölln: für Anzeigen: Theodor »löcke. Berlin. Verlag: Vorwärto-Verlag G. m. b. K., Berlin. Druck: Vorwärts. Buchdruckerei und Lerlagsanstalt Paul Einaer u. To. w Berlin. Lindenftr. 8.' Hierzu 1 Beilage. Glück und Glas Zufrieüenheit ist wahres Glück! Wir garantierenJhnen Zufriedenheit wenigsten? mit den von uns gekauften Brillen und Kneifern. Ob Ihr Kind, ob Ihre Katze Ihr AugenglaS beim Spielen zerbrochen haben, oder ob es unter den Omnibus geraten ist, wir fragen Sie nicht da- nach, sondern reparieren eSJbnen kostenlos. zerbrochene Gläser müssen Sie bezahlen! Schildpatt, Horn und ähnliche Teile, sonst: Die Garantie läuft bis zu drei Jahren, um»« bestens jedoch zwei Jahre für Fassungen von 8.60 M. an. Dafür erhalten Sie aber bei uns schon einen guten Gold-Doublö-Kneifer(ohne Gläser). Wir müssen gediegene Ware liefern, sonst tonnen wir nicht lange unsere Garantie ohne eigenen Schaden halten. Die Augenuntersuchung ist kostenlos. Für paffende Gläser garantieren wir Ihnen besonders. Das bedeutet noch mehr. Selbst wenn Gläser so genau verpatzt find, daß kein Fachmann etwas daran verbeffern könnte. .Sie" selber aber sind vielleicht nicht damit zufrieden, dann reden wir nicht lange, sondern wechseln Ihnen die Gläser so lange kostenlos um, bis Sie wirklich damit zufrieden find. V Optiker Rtihnke ti's die Augen nke! 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Zoachtmsthaler Strasts 2, am Bahnhos Za«. Met öWiM'MM Zahlstelle Berlin. Achtung! Der Groß-Berliner VollzugSrat hat für die Zeit vom 18.— 23. August eine restlose Er- sassung deS gesamten werktätigen Volles zwecks Neuaufbaues der Räteorgonisation veranlaßt. Wir fordern alle Kollegen und Kolleginnen auf, für eine restlose Erfassung unseres Berufes Sorge zu tragen. Betriebe meiden sich geschlossen durch den Ver- IrouenSmann, Einzelbeschäftigte muffen selbst ihre Meldung vollziehen. Die Ortsverwattnng. Zahle für 90/2 s AlteGebiffc.L?. wöhnl Platinzah» 1—2 M., Platin-Stiftzahn 10 SR., ältere Gebisse mit Plt.-Plattenzähue pro Zahn von 8 Mark an. Gebisse in Gold u. Platin höchste Preise nur«och bis einschlirffttch Sonuafieud, de« ItL. August von 10— G Uhr im Hotel»Nor. » t s ch e r H o f», partr. Juvaltdeuftr. ISS b. Stett. Bahnhof.€>. l-lndner. iülMMU Drehbänke Fräsmaschinen Bohrmaschinen Hobel- u.Shaping- Maschlnen mn, sowie alle anderen neu u.gebraucht i.gr.Ausw. £. 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Die Veruieblnng»«Ung Ihm aber nicht« Dieter blttorlsche Bericht ist ins Deotseb« v berietst worden, mit einem Vorwort Aber Pontius Tiletua neaWerbeitet von Pcrd. äohmldu Kvia Denkender wird des Werk unbefriedift ens der Bend leren. Preis M« echbo geboadua M« Bztu, Mech nehme 90 PC»ehr, B hoher ketelof fzeue.«» Grosser Bücherkatslog gretis dnreh: Albrecht Donath, Verlag, Leipzig 42. i V« ßei Prloste Runstseaerl» ZoscMdeschule etlln sw. i», ipziger Str. 88. ruf: Ami »lt. Aue» von Frledrloli Biallaa. Höhere gewerbliche Fachschule für zei blldung tn der guschneidekunst der ges- und Damenschnecherei. ErstNafflges moderne, Kufchneide�ystem, welche» in der feinsten Praxi» auf, best« erprobt ist. 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Am Regierungstische: Müller, Noske, Schmidt, Dr. Bell. Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 10 Uhr b Min. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anfragen. Auf eine Anfrage betr. die bittere Notlage der aus Elsay-Loth- ringen vertriebenen Deutschen erwidert ein Regierungsvertreter, daß die Fürsorge für diese Vertriebenen, deren Notlage der Regie. rung bekannt ist, dem Roten Kreuz übertragen sei.?luch Erwerbs- losenunterstützung werde gewährt. Abg. v. Gräfe(Dnal.) kommt auf die gemeinsame Erklärung der Herren Dr. Michaelis, von Hindenburg, Ludendorff und Dr. Helfferich betreffend die politischen, in der Ikationalver- sammlung am 25. Juli und folgenden Tagen behandelten Vorgänge zurück und fragt, ob die Regierung bereit ist, das Aktenmaterial zur Kenntnis der Nationalversammlung zu bringen, welches dieser von der amtlichen Betätigung deS früheren Staatssekretärs Dr. v. Kühlmann Kenntnis gibt. Ein Regirrungsvertreter beantwortet die Anfrage dahin, dafj das Material zusammengestellt und demnächst der Oeffentlichkeit zugeführt werden wird. Ergänzend fragt Abg. v. Graefe sDnat.). ob nicht wenigsten» dasjenige Material, welches Erklärungen des Herrn von Kühlmann nach seinem Ausscheiden aus dem Auswärtigen Amt enthält, der Nationalversammlung zur Kenntnis gebracht werden wird. Der RegierungSvertrcter entgegnet, er habe bereits ausgeführ?. daß das Material im Reichsministerium des Auswärtigen zu- sammengestellt, geprüft und demnächst der Oeffentlichkeit zugeführt werden wird.(Zurufe von rechts: Das ist keine Antwort!) Eine weitere Anfrage nimmt auf die Tatsache Bezug, daß irrfolge des jetzigen niedrigen Standes unserer Valuta wertvolle alte deutsche Kunstschätze waggonweise in? Ausland abwandern. Vom Regierungstisch wird erklärt, daß gesetzliche Maßnahmen in Vorbereitung seien. Abg. Dr. Mittelmau» wiederholt seine Anfrage vom 11. Juli betreffend das Berhalten französischer Soldaten in. Berlin im Juli, die die Menge durch verächtliches Gelächter und Verhöbnungen gereizt und schließlich laut gerufen haben: Wir sind die Sieger, Ihr seid Schweine! Geh. Rat Frhr. v. Welser: Die französischen Soldaten sind nicht in Schutzhaft genommen worden, sondern sie sind von der Polizsi, um sie vor der erregten Menge zu schützen, zur Polizeiwache geführt, dort über ihre Personalien vernommen und dann durch Kameraden zur französischen Botschaft gebracht worden. Die zur Botschaft gehörigen Pgrsonen seien exterritorial und können nicht zur Verantwortung gezogen werden. Die Regierung kann leider nicht Vorkehrungen treffen, um die Wiederkehr solcher unliebsamen Vorgänge zu vermeiden. Abg. Dr. Mittelmann(zur Ergänzung): Ist die Regierung bereit, von der französischen Regierung die Bestrafung solcher Frechlinge zu verlangen,(Große Unruhe bei deB Unabhängigen Sozialdemokraten.) Geb. Rat Frhr. v. Welser: Ich glaube, wer gegenwärtig die politischen Verhältniffe auch nur einigermaßen überblickt, weiß, daß wir letder nicht in der Lage sind, so aufzutreten, wie es diesen Bargängen gegenüber gebührte. (Lärm und erregte Zurufe bei den Unabhängigen Sozialdemokraten.) Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs über E n t- eignungen und Entschädigungen aus Anlaß des Frie- densvertraifes zwischen Deutschland und den alliierten und asso- ziierten Machten in Verbindung mit der ersten Beratung des Gesetzentwurfes eines Ausführungsgesetzes zum Friedensvertrag. Minister des Auswärtigen Müller: Die erste Vorlage will der Reichsregierung die restlosen Grundlagen zur Durchführung einer Reihe von Bestimmungen des Friedensvertrages geben. Sie wird dadurch ermächtigt, soweit nicht freiwillige Abgabe erfolgt, Gegenstände, die auf Grund des Friedensvertrages an die alliierten und asioztierten Mächte ab- zuliefcrn sind, für das Reich zu enteignen. Zu diesem Zweck wird ein beschleunigtes Enteignungsverfahre« eingeführt. Die Enteignung soll der Reichsverfassung entsprechend gegen angemessene Entschädigung erfolgen. Der Inhalt des zwei- ten Entwurfes ergibt sich aus der Ueberschrift und den an seine Spitze gestellten einzelnen Abschnitten> Geldverbindlichkeiten, Lei- stungen, Schutzrechte usw.j. Beide Borloge» werden dcbattelos dem Hin»Sl>altsausschutz überwiesen. ES folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über P o st- gebühren in Verbindung mrt der zweiten Beratung des Ge- setzeii'wurfes zur Aenderung des Postscheckgesetzes und des Gesetzentwurfes betreffend Telegraphen und Fern- sprechgebühren. Tie§§ 1— P des Gesetzentwurfes über Postgebühren werden ohne Erörterungen angenommen. § 4 wird unter Ablehnung eines Antrages Mumm unverändert angenommen. Ebenso der Rest des Gesetzes sowie eine vom Aus- schütz vorgeschlagene Entschließung. Auf Vorschlag deS Präsidenten nimmt das Haus das Gesetz nach kurzer Debatte in dritter Lesung an. Der Gesetzentwurf zur Aenderung des Po st s check- g e s e tz e S wich ohne Erörterung in zweiter und dritter Beratung angenommen, ebenso der Gesetzentwurf betreffend Telegraphen. und Fernsprechgebühren. Hieraus schlägt der Präsident vor. die Sitzung abzubrechen. Zu einer Erklärung nimmt das Wort Reichskanzler Bauer und gibt die auf der ersten Seite abgchruckte Erklärung über Oberschlesien ab. Hierauf wird die Sitzung auf Nachmittag 4 Uhr vertagt. (Schluß im Hauptblatt.) GroßSerlw Schlamperei iu der Berliner Mchlversorguug. Taufende von Zentnern minderwertig. Vom Angestelltenausscbuß der Brotversorgung erhalten wir nachstehende Zuschrift an die sozialdemokratischen Fraltionen zur Veröffentlichung, der wir entnehmen: Die Oeffentlichkeit hatte in den letzten Tagen wieder Gelegen- heit, sich mit der schlechlen Beichaffenheit deS seitens deS Magistrats verausgabten Backmehls zu beschäftigen. Die zutage getretenen Beschwerden sind für jeden Kundigen berechtigt gewesen. Das Mehl war»hart* geworden, d. h. es war durch unsachgemäße Lagerung zusammengeballt. Die im Mehl vorhandene Stärke war gegoren, somit die Backiähigleir außerordentlich stark beeinträchtigt und wichtige Ernährungsstoffe vernichtet. An diesem Talbestand selbst sind nach den Aussagen Sachverständiger Zweifel nicht erhoben. Es liegt ober im öffenllichen Interesse, festzustellen, oui welche Ursachen sind diese Tatsachen zurückzuführen? In den Monaten Mai— Juni find größere Mehlsendungen in städtische Speicher resp. Lagerräume untergebracht worden. Teilweise traf auch bereits.hartes� Mehl ein. Dieses durfte nicht weiter eingelagert werden, mußte vielmehr schnellstens dem Verbrauch zu- geführt werden. Hier liegt das erste Versäumnis der in Frage kommenden Verwaltungsstelle. Der weitaus größte Teil ist jedoch erst infolge nicht sachgemäßer und zu langer Lagerung im Standkahn„erhärtet". Mehl mutz deS öfteren„bewegt" werden. Dos soll nun aber au« technischen Gründen nicht möglich gewesen sein. Ob hier lälsächlich alle Mittel erschöpft worden sind, dürfle noch genauer nachzuprüfen sein. Nach dieSseniger Ansicht dürste die Angelegenheit keineswegs in der ge- schehenen leichtfertigen Weise auf sich beruhen bleiben. Es gehl keineswegs an. daß unier den beuttgen schwierigen Ernährungs« verhältniiien Tauseude von Zentnern Mehl infolge zu geringen Bcr- aniwortlichkeitSgesühls in Frage kommender städtischer Beamter und Angestellter für die Loltsernährung verloren gehen und teilweise alS Bichfutter zur Verwendung kommt. Nimmt man an. das.harte" Mehl könne durch Vermählen dem guten Mehl beigefügt werden, so ist der Erfolg immerhin ein zweifelhafter; denn derartige Mischungen find in der Qualität ge- ringer. Für die Beurteilung der Verantwortung dieser gesamten Vorkommnisse mögen nachstehende Ausführungen beleuchtend wirken: In der Abteilung für Broiversorgung des Magistrats Berlin liegt die Verantwortung für die sachgemäße Lagerung der Berliner Mehlvorräte in den Händen eines Herrn Martin Levy, dem noch etwa ö bis 8 Mehlsachverständige für die einzelnen Speicher bei- gegeben find. Für den Osthafen kommt ein Herr Herzog in Frage. Gegen biete beiden ist hier zumindest der Borwurf schwerster Pflichtverletzung zu erheben. Herr L. mußte die Vorgänge auf dem Ostbafen kennen und versucht nun die Schuld auf die Hafenver- woltung abzuwälzen. Die Hafenverwaltung erklärt aber, daß die Schuld einzig und allein bei der Abteilung für Brotveriorgung bezw. deren Sachverständige liege. Nach unserer Ueberzeugung ist die Sache nicht unklar. Die Zersplitterung in der Tätigkeit des Herrn L., indem derselbe gleichzeitig noch bei dem Magistrat Schöneberg als Nahrungsmitielsachvei ständiger fungiert und die Nebengeschäfts einzelner der übrigen Sachverständigen mußten die Dmge so reifen lassen. Soweit die Mitteilungen des Angestelltenausichusses. Die gerügten Mängel Wersen ein rech» bezeichnendes Licht auf die Verhältnisse in der Groß-Berliner Brotveriorgung. Nicht nur für die Stadt Berlin, sondern auch sür die Vororte sind derartig große Mehlmengen gestapelt, daß kein Mensch weiß, wie daS Mehl am schnellsten untergebracht werden kann. Statt nun eine größere Brolmenge auszugeben, läßt man das Mehl lagern, bis es klumpig wird, um es dann als Viehiuttir zu verkaufen. Wir haben schon wiederholt auf die Eigensinnigkeit der Berliner Brolveriorgung hingewiesen, die darin liegt, daß man trotz des Ueberslbusses nach wie vor die Schrippenbäckerei verbietet. Es wird Aufgabe der sozialdemokratischen Fraktion sein, mit Energie diese skandalösen Zustände zu beseitigen. Im übrigen erlauben wir uns an den ReichSernährungSminister Schmidt die Frage zu richten: Warum wird auch in diesem Jahre die Druschprämie gezahlt bei solchem Mehlüberschutz? Zuschriften aus Landwirtsireiien weiten auf das Unsinnige dieser Maßnahme hin, die auch im neuen Jahr dazu führt, daß'nicht auS« getrocknetes Mehl wieder in Verkehr kommt. Nochmals die Schrippen-HauSbäckerei. Qa dieser von uns in Nr. 421 behandelten Angelegenheit äußert sich die Abteilung für Brotversorgung: Der B a ck I o h n von 25 Pf. für die Herstellung von 10 Schrippen aus einem Pfund Mehl ist unter Zu, stimmung des Fachausschusses für das Bäckerei- und Konditorei« gewerbe Groß-Berlins festgesetzt worden. In dessen«-itzung war errechnet worden, daß bei schärfster Kalkulation sich ein Backlohn von nur etwa 20 Pf. ergeben würde Dieser ist dann auf 25 Pf. abgerundet worden. Bereits vor Erlaß der Verordnung haben Bäcker für diesen Backlohn 10 Schrippen hergestellt: sie müssen also doch dabei ihr Auskommen gefunden haben. An dem Verbot des allgemeinen Schrippenbackens ist bisher namentlich deshalb festgehalten worden, weis, wenn auch vollkommen ausreichend, Mehl zur Herstellung von Großbrot zur Verfügung steht, das zur Herstellung von Kleingebäck in größerem Umfang-- unentbehrliche Weizenmehl nach wie vor nur in verhältnismäßig ge». ringem Prozentsatz geliefert wird. Zur Sicherung der Milchversorgung. Die Lage im Groß-Berliner Milchgewerbe, die durch daS Ultimatum der Arbeitnehmer, der Angestellten und Arbeiter, noch ver- schärft worden ist, hat die ErnährungSbthörden zu schleunigen Maß- nahmen veranlaßt. Gestern fand bei der Fettstelle Groß-Berlin eine Sitzung zwischen den Leitern dieser Organisation und den Arbeitern und Angestellten der Berliner Mlchbetri-be statt. Der Leiter der Fett- stelle bat die Mklcharbeiter, nicht unbesonnen vorzugehen, da ein Streik von unberechenbaren Folgen für die Groß- Berliner Bevölkerung sein müsse. Er gab zu, daß d i« Forderungen nicht nur der Arbeiter, sondern auch der Angestellten aus eine Erhöhung ihrer Löhne berechtigt seien und versprach, daß die Fettstelle den Wünschen, soweit eS sich nur irgend ermöglichen lasse, entgegenkommen werde. Da in absehbarer Zeit doch mit einer Kommunalisierung des MilchgewetbeS gerechnet werden müsse, wolle man on möglichst ruhiges Zusammenarbeiten erzielen. Die Arbeitnehmer begründeten daraufhin ihre Forderungen. Die Milcharbeiter emp- fänden es als e-ine Verhöhnung ihrer gerechten Ansprüche, daß man wochenlang sich gar nicht um den vorgeschlagenen Tarif gekümmert habe. Die Stimmung sei infolgedessen so gereizt, daß die Arbeiter am Donnerstag in allen Betrieben in den Ausstand treten würdeil, wenn man nicht zu einer Einigung gelange. Schließlich einigte man sich dahin, daß sofort ein SchlichtungSausschuß mit der Beratung der Lohnfragea beauftragt werden solle. Die Meieroibesitzer und Milchpächrer haben gestern ein Tele- gramm an den Reichspräsidenten und die National» Versammlung abgesandt, in welchem sie die Eingliederung der Zentralgenostenschaft für Milchzoirtschoft in die Fettstellc Groß- Berlin, eine Erhöhung ihrer Zuschüsse und die sofortige Erledigung der Arbeiterforderungen beantragen, da sonst am Donnerstag der Streck im Mtlchgewerbe unaitv endbar sei. Inzwischen hat auch di« Staatliche VertelilungSstell« für Groß-Berlin,» die der Fettstelle Groß-Bwlin übergeordnet ist, eingegriffen und die Berliner Betriebsleiter zu einer heute, Mittwoch, stattfindenden 44] Erleuchtung. Roman von Henri Barbusse Verdeutscht von Max Hochdorf. Aubeou spähte nach allen Seiten aus. Er war der Stell- Vertreter des erschossenen Feldwebels, und er wimmerte: „Wo ist seine Mütze? Er hat so sehr daran gehangen!" Termite erwiderte:„Da, da, ich werde sie schon holen!" Und der seltsame Mann machte sich daran, dieses Ueber- bleibsel zurückzuholen. Auch er stieg auf die Grabenwand, aber als er sich bückte, war er ganz ruhig. Man sah, wie er am Boden herumstöberte. Er war schmächtig, wie ein arm- seliges Aefflein, als er da lebendig auf der entsetzlichen Grabenkante kniete. Endlich legte er die Hand auf die Mütze und sprang in den Graben zurück. Aus seinen Augen, die von Bartbewuchs umrahmt waren, glomm ein Lächeln. Der Kupferschild klapperte an seinem Handgelenk, das von einer ganzen Borstenschicht bedeckt war. Man trug den Körper weg. Zwei Männer trugen ihn. Ein dritter folgte mit der Mütze. Einer von"Ns sagte: „Für den ist der Krieg zu Ende!" Während der Tote rückwärts geschafft wurde, mußten wir wieder antreten und wir näherten uns weiter dem Un- bekannten. Aber je weiter wir vorrückten, desto mehr schien alle Wirklichkeit von uns abzurücken, sogar die lebendigen Ereignisse. Fünf Tage, sechs Tage irrten wir in den Linien herum. Wir fanden fast gar keinen Schlaf. Stundenlang, halbe Nächte lang, halbe Tage lang warteten wir, daß irgend ein Durchgangsweg frei würde, den wir gar nicht sahen. Immer wieder mußten wir eine Strecke zurück und ron vorn ansangen. Wir hielten Wacht in den einzelnen Gräben. Man richtete sich an irgendeinem düsteren und.kahlen Winkel ein, der sich gegen die kohlige Dämmerung ode�gegen die Feuer- linie hin abzeichnete. Man war dazu verurteilt, immer nur die gleichen Schlünde zu sehen. Zwei Nächte lang waren wir erbittert dabei, einen alten Schützengraben auszubessern, der in der dritten Linie lag. Und wir mußten die neuo � Ablagen über den alten und zer- schmetterten einrichten. Mao flutte das langgezogene und s ausgemergelte und düstere Skelett des Balkenbaus. Wir reinigten den ausgestreckten Abgangsschlund, der voll von Uniformstücken, verfaulten Waffenteilen, zersetzten Kleider- fetzen und Speiseresten war. Das sah aus, wie wenn irgend ein Wald oder ein Haus abgetragen werden sollte. Und alles das war schmutzig, schmutzüberladen, unter Schmutzschichten versteckt ins Unendliche. Wir schufteten zur Nacht, wir ver- steckten uns am Tage. Irgend ein Aufschimmern gab es für uns nur, wenn die schwere Nachtdämmerung yerniederfiel. Denn dann zerrte man uns aus dem Schlafe heraus. Die ewige Nacht war allein über die Erde gebreitet. Begann nach der Arbeitsmühsal das Tagesdämmern wiederum die Trübseligkeit der Nacht zu zersetzen, so gruben wir uns in Reih und Glied in die Kellerhöhlen ein. Zu uns drang nur ein verstorbenes Rumoren, aber es schütterte in den Steinen, da es auch im ganzen Erdreich schlitterte und zitterte. Steckte jemand seine Pfeife in Brand, so musterte man sich bei diesem schwachen Schein. Man lag mit Sack und Pack, man mußte darauf gefaßt sein, von einem Augen- blick zum anderen weiterzumarschieren. Es war verboten. die schwere und klirrende Kette der Patronen abzulegen. Neben mir sagte jemand:„Bei mir zu Haus, da gibt es richtige Felder und richtige Straßen und das Meer. Nirgend auf der Erde gibt es das noch." Aus dem �Schatten der Erdhöhle, die den Erdhöhlen der Urmenschen gleich war, wies die Hand hinaus, die das Bild der Felder und des Meeres belebte. Das sah ich. Und ich sah. wie diese Hand das Bild umschreiben und ergreifen wollte. Und ich sah weiter, wie vier Kartenspieler mit lautem Hallo dabei waren, irgend etwas Altes und ihnen wohl Vertrautes und Friedliches aus den Kartenbildern abzulesen. Oder Margate fuchtelte durch die Luft mit einer sozialistischen Zeitung, die aus der Tasche Termftes gefallen war. Margate lackte laut auf, weil so viel weiße Flecken in dem Zeitungs- blatte standen. Und Majorat wütete gegen das Leben. Er umarmte inbrünstig seinen Trinkbecher. Und daS schien ihn zu besänftigen, und die Tropfen träufelten von seinem Munde. das sei das einzige Mittel, um seinem Käfig zu entschlüpfen. Dann tötete der Scklaf die Worte, die Bewegungen, die Ge- danken. Ick stammelte irgendeinen Satz vor mich hin. Ich wollte irgendwelchen Sinn in die Worte hineinbringen. Aber der Schlaf warf sich über mich. ES war et» Urmenschenschlaf. So trübselig, so tief, daß es schien, als wenn hinnieden noch niemals ein derartiger Schlaf möglich gewesen wäre. Und über alledem schwebte ein Schatten unseres täglichen Tuns, das immer wiederkehrt, um das Menschengebein mit Nachtschlaf zu verhüllen. Vorwärts marsch! Stückweise werden uns die Nächte entrissen. Die Körper, die von dem liebkosenden Gift des Schlafes und selbst von vertraulichen Bekenntnissen und aller- Hand Gespensteret durchrieselt werden, müssen sich aufraffen und aufrütteln. Wir zerren uns aus unserem Loch heraus. Wir schreiten aus der Dichtigkeit des unmenschlichen Atem- Holens heraus. Wir steigen strauchelnd in den eisigen duft- losen Raum, in die Raumesgrenzenlosigkeit hinauf. Dieweilcn wir nur eine winzige Ruhe genießen dürfen, die nur so kurz bemessen ist, und allein bestimmt durch das Hinundherfluten der Marichierenden aus allen Richtungen, werfen wir uns auf die Erdschollen nieder, um borten eine Stütze zu finden. Man umfaßt die Erde, denn, was uns zu umfassen noch übrig bleibt, das Erdreich allein ist es. Dann packt uns ivieder die Bewegung. Sie ist abgehackt in regelmäßigen Stößen durch den Schlag eines jeglichen Schrittes und durch das gequälte Atemholen. Die Bewegung gibt uns' nicht mehr frei, sie nistet sich ein in unser Fleisch und Blut. In unseren Köpfen und zwischen unseren Zähnen surrt es ständig aus der Bewegung heraus, ein leises Wort nur:„Vorivärts marsch! Vorwärts marsch!" Aber dieses Wort ist kräftiger, es ist uneudlicher, als all das Gedröhne der Granaten. Wir stehen im Zwang dieses Wortes und lvir marschieren nach Osten, und wir straucheln nach Norden, tagelang, nächtelang. Dieses Wort verwandelt uns in eine Kette, die ewig dahinrauscht mit ihrem stählernen Geräusch. Es Walter das mechanische Gehämmere der Flinte, des Bajonetts, der Patronen und des Visirs, daS auf dem Schwarz der ganzen Flinte wie ein glänzender Bolzen leuchtet. Räderwerk, Maschine, Verkettung, da jedes Glied in das andere greift. Wir.sehen die Wirklichkeit der Dinge. Eine Lebenswirklichkeit reibt»ich an der anderen, sie reibt sich auf an ihr. sie schmiedet sich zusammen an ihr. Wir wußten genau, daß wir irgendeinem Trauerspiel entgegen- marschierten, dessen Einzelheiten die Vorgesetzten schon kannten. Aber daö Traurigste in diesem Spiel war besonders die Tat- fache, daß wir bis dahin geschleppt werden sollten. Gortj. folflt) Sitzung gekaben. Die Staatlich« Verteilungsstelle hat in einem Schreiben an die Unternehmer ausdrücklich betont, dag sie bei einem Ausfall von Lieferumgen in den Betrieben dann selbst diese Betriebe übernehmen werde. Die Milcherzeuger betrach- ten das als eine Drohung mit der sofortigen Sozialisierung und haben sich �an den Oberbürgermeister Mermuth gewandt, damit zu der Sitzung auch die Zentral-Genossenschast hinzugezogen und der ganze Streit zwischen dem Milckgewerbe und der Bettstelle Groh- Berlin zum Austrag gebracht wird. Klagen über schlichte Kartoffeln hört man seit einiger Zeit überall. Die teuer bezahlten Kartoffeln sind großenteils angefault, so daß sehr viele weggeworfen weiden müssen. Da auch die minder schlechten nicht ungeschält in den Kochtopf getan weiden können, so entsteht ein weiterer Verlust. Eine Hausfrau stellte durch Wägen fest, wieviel A b s a l l sie bei ihren Kartoffeln halte. Der Abfall einschl. Schalen betrug an einem Tage bei ->0(X> Gramm Kartoffeln 2500 Gramm, an einem anderen Tage bei 1750 Gramm Kartoffeln 1250 Gramm, an einem dritten Tage bei 1100 Gramm Kartoffeln 800 Gramm, an den drei Tagen zusammen bei 6850 Gramm Kartoffeln 4550 Gramm. Für den Kochtopf blieben also von den mit 2,74 M. spro Pfund 20 Pf.) bezahlten 6850 Gramm Kartoffeln nur 2300 Gramm übrig, nur wenig über ein Drittel der Gesamtmenge. Dabei kauft diese Haussrau ihre Kartoffeln in einem völlig einwandfreien Geschäft. Tie Mängel' im Dienstbetrieb der Bezirkskommandos. ZU den Klagen so vieler Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten über die Langsamkeit der Abfertigung in den Bezirkslommandos und ihren BcrsorgnngSstellen sendet uns ein Bezirksfeldwebel vom Bezirlskommondo I Berlin mit Wissen und Billigung seiner Dienst- behörde eine Erwiderung. Die gewünschte.möglichst ungekürzte* Veröffentlichung würde über eine Spalte unseres Blattes in An- ipruch nehmen, wir beschränken uns daher auf wörtliche Wiedergabe der sachlichen Teile seiner Ausführungen. Er schreibt: .Bei Beginn der Umwälzung im Reiche bestand das Personal der BezirkelommandoS ungefähr zu einem Drittel aus aktiven Unlerofffzieren, zu zwei Dritteln aus durchweg älteren, nicht seid- verwendungsfähigen, in der langen Kricgszeit gut eingearbeiteten Unteroffizieren und Mannschaflen des Beurlaubtenstandes und des Landsturms. Fast alle Meie eingezogenen Arbeitskräfte verließen bei Vee*Hgung des Krieges plötzlich die Kommandos, um ihren Zivilberus wieder aufzunehmen. Ihr Ersatz erfolgte durch beschäf- tigungSlose, mit dem Dienstbetrieb völlig unvertraute entlaffene Soldaten, die durch das verbleibende aktive Personal angelernt werden mußten. Bon den aktiven Unteroffizieren hatte etwa ein Drittel die Berechtigung auf Zivilversorgung erworben. Wenn nun auch diese von ihrem Rechte auf Beurlaubung zur Borberei- lung auf die Zivilversorgung und Kommandierung zur Probedienst- leistung bei anderen Behörden zur Erreichung einer Lebensstellung Gebrauch machen würden, müßte der Dienstbelrieb in einer Zeit, wo durch die schnelle Auflösung der Millionenheere und der Ver- sorgung von Millionen Kriegsbeschädigten Anforderungen an die Bezirkslommandos gestellt wurden, die diese nur bei bester Personal- beietzung genügen konnten, unbedingt zum Erliegen kommen... Tatiächlich machten wohl fast alle zivilversorgungsberechtigten Be- zirkSfeldwebel von ihren erworbenen Rechten Gebrauch und ver- ließen die Beziriskommandos; ebenso schied ein sehr großer Teil der jüngeren Unierofstziere aus dem Heeresdienste aus und fand Unterkommen in Privatbetrieben. So ist es gekommen, daß heute das Stammpersonal, also die durch ihre lange Dienstzeit mit den Bestimmungen vertrauten Arbeitskräfte, kaum noch ein Fünftel der Kopfstärke der Bezirkskommandos beträgt... Schon vor Monaten traten Mißstände in den Arbeiten der Be« zirkskommandos ein. Die eingestellten Freiwilligen und auch die Zivilangestellten, die doch die innehavenden Stellen nur als vorübergehende anzusehen haben, füllen die Dienststundcn durch allerlei dienstliche und andere Tätigkeit aus, haben aber zum größten Teil keinerlei Interesse daran, daß die bestehenden und von Tag zu Tag sich mehrenden Rückstände erledigt werden. Den Bezirkskommandeuren ist als Handhabe zur Anhaliung der Leute zur erichöpienden Arbeit praktisch nur die Entlassung NichtarbeitS- williger gegeben. Diese schüchtert aber die Soldaten wegen der vertilgen Besoldung nickt allzu sehr ein. bei den Zivilangestellten ist die Entlastung nur bei nachgewiesener grober Pflichtverletzung und auch dann nur mit größeren Schwierigkeiten möglich. Die geringe Entlohnung der Militä, Personen war auch Grund mit zu dem kürzlich crlebren zehntägigen Streit der inaktiven Soldaten bei den Berliner Versorgungsabteilungen, der ebenfalls zur Förderung der Arbeiten nicht beigetragen hat. Die wenigen, durchweg in leitenden Stellen vorhandenen aktiven Unterosfiziere, die zum Teil 10 bis 20 ungeübte Hilfskräfte anzulernen und zu beauisichligen haben, sind n.cht mehr in der Lage, den Dienftbetrieb wieder in geordnete Bahnen zu lenken....... Was nützen den » Kriegsbeschädigten bei diesen Berhälmisten alle Anordnungen der Regierung auf wirtschaftliche Besterstellung, wenn die für die Er- ledigung zuständigen BezirkSkommandoS nickt in der Loge find, dieie mit der wünschenswerten Schnelligkeit durchlühren zu können? Die Geduld der zu versorgenden Kriegsbeschädigten wird auch durch die Umständliäckcit der Versorgungsgesetze, die unzureichende Besetzung der Bezirkslommandos mit Aerzten und die verschiedenen Beurieilungen der Aerzte in den Versorgungsabteilungen und den Ver- forgungsämtern auf eine starke Probe gestellt. Eine völlige Reorganisation der BeriorgungSgetetze würde bierin große Abhilfe schaffen können. Ordnung und Stabilität wird der Dienstbetrieb der Bezirkslommandos erst wieder erlangen, wenn die Personal- Verhältnisse völlig geklärt sind. Hoffentlich erfolgt diese Klärung reckt bald durch die nun bevorstehende Em- Militarisierung der Bezirkslommandos und des Militär- veisorguiigSwe'cnS. so daß der Grund zu den Beschwerden der Ocffcntlichkeit behoben wird. Zu bemerken ist noch, daß für den Bereich der Berliner BezirkskommondoS die Abfindung der rnt- laffenen Mannschaften»nd zurückkehrenden Kriegsgefangenen mit EntlastungS- und sonstigen Gebührnissen durck die z. Z. von der Intendantur des Gardekorps gearündelen Entlassungsstellen erfolgt. Diese sind nur mit Zivilangestellten besetzt, befinden sich zwar in den Tienstgebäuden der Bezirlskommandos. jedoch bat das l�ezirks- kommando keinerlei Einwirlung aur den Geschäftsbetrieb derielben.* Diese Darstellung des Feldwebels wird im Auftrage deS Be- zirkskommandos von seinem Borgesepten in einem Begleitschreiben alS den Tatsachen entsprechend bestätigt. Sie ist gewiß sehr lebr- reich für HeereSentlastene und Kriegsbeschädigte, die mit Bezirks- kommandos und EnrlaslungSstellen zu tun halten oder noch baden. Nur wird sie für diejenigen, die auf Befriedigung ihrer Ansprüche viele Monate warten müssen, kein Trost sein. Wird aber gegen- über diesen unerträgl'cken Berschleppungen. deren Ursachen hier ein Kenner der Verhältniffe aufzudecken versucht, nicht endlich an den.zuständigen Stellen* die Notwendigkeit einer durchgreifenden Abhilfe erkannt werden? Die ArdeiterrSte«nd vetr'ebsräte, die auf dem Boden der S. P. D. und der D. B. stehen, können die Plakate mir der Er- klärung der Bollversammlung vom 18. August im Bureau deS Boll- zugSrats, Lindenstraße 114, vorn 1 Treppe, abholen. Der BollzugSrat. Achtung! Arbeiterräte»nd Betriebsvertraucnsleute der S. P. D., sorgt dafür daß in den Betrieben, wo noch keine Vertrauensleute der'Jugend gewählt find, solche provisorisch ernannt werden. ES wird gebeten, ihnen Ausweite mitzugeben. „ES dauert noch eine« Mouat". Irrtümer über die Schwanger- schaftSdauer sind leichl möglich und kommen oft vor. Sie dürfen ober nickt so arg sein, wie der, den im Krankenhau« der jüdischen Gemeinde(Exerzierstraße) eine Hebamme sich zu schulden kommen ließ. Eine Frau, die Aufnahme wünschte, erhielt nach Untersuchung durch die Hebamme die Auskunft:»Es dauert noch einen Monat.' Doch kaum zu Hause angelangt, mußte tie Schwangere schleunigst einen Arzt rufen lassen— und es dauerte dann nicht mehr einen Monat, sondern nur noch 32 Stunden. Der Ehemann meldete diesen Sachverhalt dem Krankenhausvorstand und forderte Rück- zahlung der 10 M., die für die Untersuchung bezahlt worden waren. Er erhielt den Bescheid, die 10 M. seien nicht für die Untersuchung bezahlt, sondern nur hinterlegt worden als Anzahlung für eine Entbindung in der Anstalt. Da eine solche nicht stattgefunden habe, werde der Beirag zurückgezablt. Hier ist wohl dem Krankenhaus- vorstand ein.kleiner Irrtum* unterlausen. Auf der Ouittung über die lO M. hatte man ja ausdrücklich die Worte„als Anzoblung* gestrichen und handschriftlich durch die Worte.für Untersuchung* ersetzt. War'S wirklich eine Hebamme, die diese vom Kranleuhaus mit 10 M. berechnete.Untersuchung* vornahm? Vom Erholungsaufenthalt in Norwegen kehren die dorthin ver- schickten Kinder jetzt zurück. Eintreffen soll der erste Transport mit 220 Groß-Berliner Kindern beute, der zweite mir Volks- schulkolonie-Kiiidern morgen. Die Ankunft erfolgt auf dem Stettiner Bahnhof in den Vormittagsstunden. Die Zeit kann von der Bahnhofverwaltung erst in den Frühstunden der Ankunftstage bekannt gegeben werden. Die Aufhebung der SchuhbczugSschcinpflicht wird wieder einmal angekündigt Sie soll, wie die.Voff. Ztg.*. von zuständiger Seite erfahren zu haben versichert, noch im Laufe dieser Woche erfolgen. Eine aufregende Verbrecherjagd. Die Brüder Karl, Max und Willi Schmidt, alles drei berüchtigte Ein- und Ausbrecher, batten vorgestern mit Kriminal- beamten einen heftigen Zusammenstoß, bei dem einer der Einbrecher nmS Leben kam. Die drei waren bisher vergeblich gesucht worden. Vorgestern gelang eS, Max in der Schankwirtschaft seines Vaiers in der Secstrotze 71 zu ermitteln. Während einige Beamte den Hinteren Ausgang des Lokals besetzt hielten, drangen andere vorn ein. Mox Schmidt sprang jedoch sofort zum Fenster hinaus«nd lief, von den Beamten verfolgt, die Seestraße entlang. An der Ecke der Oudenarderstraße griff er zur Pistole und schoß auf die Verfolger, ohne zu treffen. In der Hast der Flucht stürzte er dann zu Boden und verlor seine Waffe. Aber blitzschnell raffte er sich auf, zog eine zweite Pistole aus der Tasche und nahm sofort das Feuer wieder aus. So setzte sich die Ver« solgung fort bis nach dem Schillerpark. Hier erhielten die Beamten plötzlich und unerwartet Feuer aus erner anderen Rick- tung. Zugleich wurde ein kräftiger Schäferhund aus sie gehetzt, der einen der Beamten ins Bein biß. Diese setzten aber die Verfolgung fort. Mox Sckmidt erhielt dabei fünf Schüsse, denen er heute früh im Krankenhause erlegen ist. Allerhand Gesindel strömte zusammen, nahm Stellung gegen die Beamten und schafften den Schwerverwundeten mit einem Lumpenwagen weg. Die Beamten fanden im Laubengelände bei Reinickendorf den Schwerverwundeten versteckt auf. Sein Bruder Karl wurde eben- falls in einer Laube festgenommen. Er war der Mann, der un- erwartet aus dem Schillerpark heraus das Feuer eröffnet und den Hund aus die Beamten geb»tzt halte. Zuguter letzt gelang es auch noch, den letzten Bruder Willi zu fasten. Er wurde wieder nach dem uchlhau« gebracht. Damit dürften die Einbrecherbrüder für längere eit unschädlich gemacht worden sein. Ein neuer Mord am Falkeuhagener See. Ein anscheinend geisteskranker Mann hat in den letzten drei Jahren in der Gegend des Falkenberger Sees zahlreiche Raub- übersälle und Morde verübt, ohne daß es bisher gelungen wäre. seiner babbast zu werden. In der Näb« von Finkenkrug wurde vorgestern abend der Hilfssörster Nielbock schwerver- letzt aufgefunden. Er vermochte noch anzugeben, daß er von einem jungen Mann in Soldatenuniform niedergeschossen worden sei, dann verftarh er. In den letzten Tagen hol dieier junge Mann in Soldatenunifornl mehrere Raubübe, fälle verübt. Auck hat er am Falkenhagener See ein Sommer« Haus in Brand gesetzt und dann auf die anrückende Feuer- wehr ichorf geschossen. Der Wald wird von einer größeren Ab- teilung Soldaten nach dem Täter durchsucht werden. Tettower Kreistag. Der Teltower Kreistag trat am 18. August zu einer Sitzung zusammen. Er überwies die Neuregelung der Besoldung der Kreis- beamrcn dem Susickuß. Die Bildung folgender VerwaltungS- auSscküste wurde beichlosien: Wohl-, Finanz-, Eingemelndungs-, Krankenhaus-, Landwirlschasts-, Bau-, Bahn-, Kanal-, Volts- bildunasausschüsse. Die Besetzung der Ausschüsse erfolgt aus Vorschlag der Fraklionen nach ihrer FralrioiiSstälke.— Bei Besprechung der Vorlage, den der Teliower Kriegswirtichasls- stelle eingeräumten Kredit von 10 auf 20 Millionen zu erhöhen, brachte der Genosse Büchner- Klein-Glienicke unverantwort» liche Zu st än de aufdemGebiete der Lebensmittel- Versorgung zur Sprache. Der auf dem Schloß Klein-Glienicke wohnende Prinz Friedrich Leopold von Preußen erhalle alle LebenSmi-ttelkarten, betätige sich aber außerdem in umfangreicher Weise als Selbstversorger. Wiederholt seien Lebensmitteltransporte umiangreicher Art abgelaßl und beicklag- nahmt worden. Bei vorgenommenen Haussuchungen im Swloß Klein-Glienicke und auf dem Ritlergul Düppel habe man eine große Menge rationierter Lebensmittel für die nur au» zwei Perione» bestehende Familie, serner in einem versteckten Winkel eine Milch- kub vorgesunden. Eine Bestrafung lönne angeblich nickt ein- treten, da der Prinz als Mitglied des königlichen Hauses immun sei.(Lachen auf allen Seiten.) Das gleiche Bild zeige die Kohlenversorgung. Bewilligt seien für die prinzlicke Haushaltung 1800 Zenlner Anthrazit, 000 Zentner Briketts, 400 Zentner Koks. terner für die Hofgärinerei 895 Zentner Kols. Nach Beschwerde bei der Reichskoblen« stelle sei da«, vorgenannte Quantum auf die„bescheidene* Menge von 900 Zenlner Anthrazu und 540 Zentner Kohle für die 145 Zimmer und 16 Badezimmer herabgesetzt worden. De», Prinzen seien für drei Automobile Gummi und Bemebsstoffe zur Verfügung gestellt worden, während man der Gemeinde wegen der Wieder- aufnähme ihres Automobilbetriebes die denkbar größten Schwierig- keiten mache. Der Redner bot den Kreisausschutz, stch der Sache anzunehmen, um diesen unerhörten Zuständen endlich ein Ende zu bereiten. Reg.-Affeiior vRheinbaben erwiderte, daß die Lebens- milteloersorgung desPrinzen dieBehörden bereits während dcrKriegS- zeil wiederholt befchäfrigre. ES werde versucht weiden. Wandel zu ickoffen. Ter Borloge wurde zugestimmt.— Bei der Neuwahl der Kreisdeputierlen waren die demokratische, die sozialdemokratische und die unabhängige Liste verbunden worden, was zur Folge hatte, daß beide Kandidaten der sozialdemokratischen Fraktion, die alS stärkste im Kreistag vertreten ist, gewählt wurden, nämlich Gut- schmidt-Britz und Herz-Cöpenick. Herz trat zugunsten der nächst- stärksten, der verbundenen Fraktionen, von der Wahl zurück, womit der Demokrat Wiesener-Tempelhof einrückte. Die zweustärkste Fraktion des Kreistages, die vereinigte Rechte, war infolge der Listenverbindung bei der Wahl auSgeiallen. Auf Antrag der sozial« demokratischen Fraktion erörterte der Kreistag alsdann die B e r- sorgung der Kranke>l mit Nährmitteln. Genoffe Ewald< Tempelhof begründete eingehend die Jnlerpellalion und wünschte sofortige Maßnahmen, die eine gereckte Verteilung der vorhandenen Nährmittel an die Kranken gewähr- leisten. Ein Vertreter der KreiSw'rtschaftsstelle und ein anwesender Kreisarzt legten eingehend die Praxi« dar. nach der bisher ver- fahren worden ist, und bestritten gewollte Ungerechtigleiten. Auf Antrag der Demokratischen Fraktion wurde die Angelegenbeit dem Beirat der KriegSwirtschaftSstelle zur weiteren Veranlassung über- wiesen, Der Beirat war vorher aus Amrog derselben Fraktion durch drei Mitglieder verstärkt worden, vorzuschlagen find zwei von der sozialdemokratische» und ein« von der unabhängigen Fraktion, Eharlotteniurg. Ministerpräsident Hirsch, der fast 20 Jahre der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung angehört, hat sein Stadtverordnetenmandat niedergelegt, da ihm sei» jetzige« Amt nicht gestattet, seine Pflichten als Stadtverordneter anch nur in be« schränktem Umfang weiter zu erfüllen. Freie Turnerschaft Berlin. Der Verein kann jetzt auch sportlich« Uebungen betreiben, da Sportgeräte und ein SportpIoS zur Veriüaung stehe». Die Spiel« und Sportübungen finden jeden Mittwoch von 8—10 aus dem städtischen Sport- Platz Am Urban statt. Von 6—8 Uhr werden Spiele für Kinder oeron- staltet, ltn nächster Zeit wird auch der Fußballdetrieb eröfmet. An alle Turner und Sportsreunde, die aus dem Boden der parteipolitischen Neutralität des Arbciter-Turn- und Sportbundes stehen, ergeht die Ilu'sorderung, den Verein, der als einziger Ardeiter-Turn- und Sporlverein in Berlin aus dem Srandpunkl des Bundes steht, mehr als bisher zu unterstützen. Wäbrend in ganz Deutschland der Bund gure Fortjchritle inocht. liegt infolge der Indifferenz der Berliner turnenden Arbeiter und Arbeiterinnen die Bewegung ziemlich brach. Die Turnzeilen deS Vereins sind folgende: l. Männer- und LehrlingS-Abt.(ab 14 Jahre): Montag und Donnerstag 8— 10 Kottbuler Ufer 51(2. Eingang Britzer Straße). S. Männer- undLehrlingS-Abt(ab 14 Jahre): Dienstag und Freitag 8—10 Dcmminer Str. 27. 1. F r a u e n- A b t.(ab 14 Jahre): Dienstag uud Freilag 8—10 Dicffentachllr. 61. 1. K n a b e a- A b t.(ab 6 Jahre): von 1. Männer-Adt. abendS von 6—8 Ubr. l. Mädchen-Abt.(ab 6 Jahre): von 1. Frouen-Abieil. abends von 6—8 Ubr. In nächster Zeit werden besonder« LebrlingS-Lbteilungen«röffnei, bis dahin turnen Jugendliche von 14 bis 17 Jahreu tu den Männer- Abteilungen. Groh-Berliner Lebensmittel. Berlin. Bis morgen Donnerstag für 123.. 124.. 136., bis Sannabend für 123., 165., 167., 163., 170.. 218. Brotkommisfion 250 Gramm Käse. 200 Gramm amerik. Gerstenmehl, 300 Gramm Graupen>76i. Abichnittc bis Freitag abzugeben. 34» bis x verlieren heute Mittwoch Gültigkeit. 7 Pfund Karlogeln(35 a bis g) für 25. bis 31. August ab Mittwoch, 20.'August, entnehmen. Groß-Serliner parteinachrichtea. Marlendori-Tüdende. Die in den Zablabendbezirken angekündigt« VolkSveriammlung findet nicht Mittwoch, sondern Donnerstag. 21. Augim. 7 Uhr, im Mariendoifer GcsellschastShauS, Chauffeestr. 305. statt. TageS- ordnung:„Der international- Zusammenbruch der Rätediklatur'. Di« Parteigciioffcn und Genossinnen werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Auch die Genossen von Maricnselde und Lichtenrade find zu dieser Der» anjtaltung willkommen. Stralau. Heute, 7'/, Uhr, Versammlung bei Bollenbach. Vortrag deS Gen. Brummer. Karlohorst. Donnerstag 8 Ubr: Frauenabend bei Poser. Dönhoff-, Ecke Hcntigstraße. Gen. Lehrerin Riedger-verlin: Sozialismus und Er- Ziehung. Friedrichshagen. Heute, 8 Uhr pünktlich, tat Lokal von Scholz, Fricdrichstraße 81, Mitgliederveriammlung. Genoffe Bennewitz:„TaS wir wollen und was wir müssen". Gäste willkommen. Rosrnthal-Nordend. Heute 8 Uhr im Lokal von Frl. Barth: Sitzung der Funklionäre. Jungiozialistische Bcreiulguu« S. P.». Unser- Mitglieder. nehmen an den öffentlichen Versammlungen der Partei teil. Der Vortrag „DaS religiöse Problem" wird verschoben. Arbeiter und Angestellte der St. G..W. Heute, Mittwoch, den 20. August, nachm. S1/, Ubr, im Hotel„zum goldenen Löwen", Jüdenstr. 55. Versammlung aller Angestellten und Arbeiter der Städtischen EiektrizilätS- werke, die aus dem Boden der S. P. D. sieben. Verein sozialdemokratrschcr Juftizbeanrten. B-rsammwng Freitag 7'/, Uhr bei Schulz. Eliiabeihstr. 30. Gen. Rüben: Die Zentral- arbcitSgemeinschast»(Z. A. K.) für sozialdemokr atisch« Beamte. Diskussion und Wahl der DclHierten zur Z. A. G. Verschiedenes. ?ugenüveranftaltungea« Jugendliche Schirlerräte und Betrirbsvertrauensleutr. Heut». 7 Ubr. Vrrsammlung im Jugendheim, Lindenstr. S, 2. Hos 8 Tr. Jeder Betrieb, jede Schule muß vertreten sein. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Arbeiterräte der KriegSarganisatione«. Donnerstag. Lt.«ngnst. 3 Uhr. Sitzung, Potsdamer Str. 32 1. Ericheinen dringend. TageSörd- nung: 1. ArbeiterratSwahlkn. 2. Gewerlichaften. 3. Verschiedenes, t- Verband inaktiver Unteroffiziere und Mannschaften Teutschlands (Nichtkapitulaulenj, Bund Preußen. Donnerstag, 7 Uhr, öffentliche Ver. sammiung in den Gcrmaniasälen zur Ausklärung über Zwecke und Ziele deS Verbandes. GeschästSstelle deS Bundes zur Zeit Berlin X 24, Äsäffer- straße 26. Gericktszeitung. Die Spartakisten- Markcteuderiu. Wegen Beihülfe zum Aufruhr anläßlich der Lichlenberger Kämpf« hatte sich die Ber- käuierin Else I o st zu verantworten, weil fie angeblich den spar- lakrstischen Auirührern Lebensmittel. Verbandszeug, und Munrtron in einem Mililärautomobil herangeichafft halte. Sie selbst be« bauptet. daß sie ohne Unterschied, ob RegierungSlruppen oder Spar- lakusanhänqer, lediglich Lebensmittel und vor allem Verbandszeug herbeigeschafft und auch mehrere Verwundete verbunden habe. Da« Gericht erkannte wegen mangelnder Beweise auf Freisprechung. flns aller Welt. Grohe Armut in Indien. Haag, 19. August. In C b e l s e a, einem Vorort von London, bat eine Versammlung stattgefunden, auf der die bekannt« Schrift- stellerrn Anny Hesanr in ihrer Rede die Selbstverwaltung für In- dien verlangte. Sie führt« aus, daß dre große Armut in Indien nur durch da» System der Regierung veranlaßt wird. Wie arm das Land sei, ergebe sich daraus, daß in Indien durch» schuittlich die Bewohner mit 23'/, Jahren sterben, dagegen in England mit 40 und in Reuseeland sogar erst mit 60 Jahren._ Sriefkasten der Redaktion. Zeder für den Briefkasten destimmten Anfrage füg« man einen Buchstaben und eine Stummer bei. Briefliche Austunft wird nichl«rieilr. Eklige An. kragen trag« man in der Juristischen Sorech stunde. Lindenstr. 3. l. M pot* teere link», vor. Schriftstück« und Berträg« sind mitzubringen. E. 2. 37. 1. Da die BcwciSlait dem Kläger obliegt, würde er nicht zum Eide kommen. 2. Zur Rückzahlung der 330 M. holten wir Sie nick! iür verpflichtet.— R. 100. Da« ist Sache de« Hauswirt«, loiern nickt Im Mietsvertrag etwa» Anderes bestimmt ist.— H. 91. 86. Denn die Behauptungen bewiesen werden können, ja.—«uSsauger. Fn beiden Fällen kann die Rente weiter bezogen werden.— Moabit 80. Nicht eriordcrlich.— H. P. 2- S»99. Für Sie wird das mutmaßliche Ein- tommen deS Steuerjahres bei der Einichätzung zu Grunde gelegt, da» Ein- kommen, welches Sie nach bept 1. April d. I. gehabt baben. Fall» eine Veranlagung für mehrere Quartal« glelchzeittg erfolgt, beantragen Sie Stundung.— Zehleudorf 384. t. Ihre Mutter. 2. Leider ja. 3. Bei mehr als 300 M. JabreSmiet«.— 9k. 1880. 1. Warten Sie die Eni- lchcidung des MieteinigungSamtS ab, Sie tonnen auch eine Anfrage dorthin richten. 2. DaS ist zulSjstg. wird aber voraussichtlich nicht geschehen.— K. P. Beschwerde an die Eisenbabndiretnon beziehungsweise da« Ver- tehrSministerium. Sollten die Beschwerden zurückgewiesen werden, steht Jh ncn das«iogerecht beim ordentlichen Gericht zu.— M. M.». Ja. — P. B. 3. 2t Jahre.— F. S. 100. Der voll« Betrag.— BS. B- O denbur«. Wenden Sie sich an den Genoffe» F. Stühm, Reukölln. Pannierlw. 18.— S, K» 84. Richten Sie ein Gesuch an die Schuldepu- tation deS Magistrats, Berlin, Rathau«. Wetteranösichten für das mittlere Norddentfchland bis Tonnerstag mittag. Ziemlich warm, u» Norden überwiegend bewöltt und besonders an der Külte etwas Ragen. Im Süden oielsach heiter, nur ftrichweil« leichte Gewitter: Unerwartet riß der Tod unseren Gesellschafter j | und Geschäftsführer, Herrn Bertram Schneider 1 aus unseren Reihen. 20/18 Wir alle verlieren mit dem Dahingeschiedenen I einen getreuen und zuverlässigen Mitarbeiter, der mit stetem Verständnis, unetmüdlicher Arbeitskraft und immerbereitem Willen allen Wandlungen der Zeit Rechnung getragen und stets die Sache über die Person gestellt hat Die Art seiner Tätigkeit hat es mit sich gebracht, daß der Entschlafene nicht vergessen werden kann. Die Feuerbestattung findet auf Wunsch des Verstorbenen in aller Stille statt Deutsche Maschinenbau- u.VcrtriebSBesellschaft m. b. H Berlin. Die Geschäftslcltanx. Die kaufmSnnlscbeii u. I technischen Anpreßt eilten. Die Arbeiterschaft. Danksagung. Für die reichen Beweise herzlicher) Teilnahme bei dem Ableben unseres; nver- I geßllchen Vaters, des Kohlengroßhändlers I August Melzer sagen wir allen Verwandten. Freunden j und Bekannten, insbesondere Heim Pastor Nierhoff für seine wohltuenden| Worte herrenswarmen Dank. Berlin, 17. August 1919.»/» I Joh. Melzer und Frau. Aug. Melzer und Familie. [I Bekanntmachung. ' 1 jUig. ßrtskranteokasse iür Mershof bdi" •gm W-MW'DM' Kachruf. Am 15. Aug. entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden der Maschinenmeister in meinem Hause, Mohrenstr. 7/8, Herr Ed. Wagner im 36. Lebensjahre. Der Entschlafene, der seit 10 Jahren in meinen Diensten gestanden hat, war erst vor wen igen Monaten aus dem Felde zurückgekehrt. Seine Pflichttreue und sein Fleiß, verbunden mit anständiger Gesinnung, sichern diesem braven Manne ein bleibendes, ehrendes Andenken bei allen Angehörigen des Rex-Hauses, msd Georg Fromberg. Rex-Haas Mohrenstraße 7/8. 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Z. pom V«ftcherungsdml br»«reise» Teltow angeordneten und am, Schluß de» Deschäft»bericht» für da» Jahr ISIS bekanntgegebenen Serabsegmigen der Mehr» leiswngen. 278/18 Adlershof, 15. August 1918. Max Knappe, Barffst ender. Aufruf! Oclrlff t Qiatecblieben* oon «ngehOeigaa Oes Grenod.- Hcgimenfs Ztr. 10. BcOaefligc Hinterbliebene von auf dem Selbe d« Ehr« gefallenen«ngchStigen be» ehem. Bren.-Regts. 10 können aus Sammlungen, die aus Privat- mitteln d« Offfziere des Ni Das XX. tlorp« veranstaltet am 31. stelle«ncnflelti de» Oftdeutschen Heirnatdiei Mafurenbund st zusammen mtt der Beztick».�� und dem Ermländer» und auf dem Schlachtfelöe von Tannenberg für die«ngehSrlg-» Des XX. Sltmectocps an»»ic veoSlkernng IRafatens und UrrnlanOo eine Gedenkfeier zur Erinnerung an öie 1914 Gefallenen. Alle, die 1914 in den Rethen de» XX. Korps bei Tannenbevg mügefochten haben, werden eingeladen, an der Fei« tetlzunebmen und mN un» emeut da, Befenntni» zum Deutschtum abzulegen auf uns«« heißumstrittenen Mut- geträntten Heimaterbe._._, Dtesenigen. die außerhalb de« Verbände» von B«einen an d« Fei« ieilzunehnten wünschen, werden gebeten, bis zum 25. August dies dem General. iammando Allenstein. Bahichosstr. 63, unt« dem Stichwort„Sannenbergfeiee" mitjuteilen, unt« Angabe des Dienstgrades und Truppenteil», bei dem fie 1914 gestanden haben...... Di« Feier findet bei Hpheuftetn statt: Beginn der Fei« und Abfahrzettrn d« Sonderzüge w«den durch die Tagespreffe noch befannfgegeben. Wer am Tage vor oder nach d« Feier in Allenstein ober Osterode durch das General» iommando untergebracht zu werden wünscht, wolle die» gleichzeitig mtt seiner Anmeldung dem Kenerallommando mitteilen. 590® See Sommanbicceube General des XX.»rmeetarps. Albrecht,(benaaUeutnanL Wanzengreiff greift jede Wanze!>- Sicher wirkendes Radikalmittel �ur tn Originalflaschen mit nebenstehendem<\%%«% Silbzeichen Ml*<*/—■ übten, (iüßungen «halten."" 561®* Die Gesuche, welche Anqaden Üb« Dienstgrad, Rauten. Romp. de» Gefallenen, fumie de» Tage» d« betr. Schlacht enthalten müssen, find mtt orlspolizeliicher Bescheinigung tid«B«nu!gens. perhäitnisse, sonstige, Einkommen. Anzahl der Sinder usw. der«esuch»st-ll«, zurichten«n Mein. Fabrikant: Otto Reichel, Äerlin 50 3), Femspr. Mpl. 4�51-53. die AbwicklungssteUe �_ des(Sren.-RegtS. 10 OEi.- CESCH. Das Schuhwort„Wanzen-Sreiff verbürgt volle JßiiTfamfeit Man nehme nichts anderes dafür! iiiHiitiiiiinoiuiiiniuiiiuiiiiiiitiiiiiitiiiNiiiiitiniiifiiiuiiuiiitiniii 3n den Drogerien erhältlich. > in Schweidnitz. I Gesuche, welche nach dem l. Okiober 1919 eingehen, können nicht mehr berückfichngt werten. t An MMllell°?5San für Sirschen- und Spargel- anlagen. Possin, Bötzoipstr. 8. öbel! Sonder Angekot! 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Für auswärtige Plätze nur am Tage vor dem Rennen bis 6»/, Uhr abends: Schado-wstp. 8 parterre Knrfttraten- danimäS-i, lüayet l«clierPlatg;9,£ing. Tnnsbruoker Str.bS, Potadamep Str. Sita, Oranienbarecr Str. 48(49(an der Friedrichstr.), frledrichstp. 88. Schltt- baacrdaium 19 Kommission(lir Trabrennen), Neukölln, Bergatp. 43 u. an den Theaterkassen der Firma A. Werthclm Leipziger Str. 132 Nollendortpiatz 7 Planulcr 24 Unter den Linden 14 Moritzplatz Taaentzienstr. 12a Ratbenower Str. 3 Königstr. 31/32 Rosentbaler Straße Fyr briefliche u. tclegrapfaische Aufträge Annahme bis 3 Stunden vor Beginn des ersten programmäßig angesetzten Rennens nur Schadowstr. 8. An Wocnentagen vor den Rennen werden Wetten bis 7 Uhr abends angenommen. ReichshalL-Tbester Allabendlich ri/.Uhr: Stettiner Sänger Meysel, nritton Max Sleidl ufro Reictisliallen �Tsam. Dönhoff-Brettl Reue» Programm! Mtfan�ri/z�Eonntt�S�th� keiWiiggggMl�t ZcdicLdi'. Seiröneberg Hauptstr. 122/128. Täglich die spannenden x Ringkäqipse. 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