Ar. 199. Erscheint täglich außer Montag». Preis pränumerando: Viertel- jährlich 3,90 Marl, monatlich l.io Ml., wöchentlich SS Pjg. frei W S Hau». Einzelne Nuininer 3 Pfg. Sonntags-Nummer mit tllustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Post-Abonnement: »,3oMl. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Teutschland u. Oesterreich» Ungarn s Ml., für das übrige «uSlaud Z Pll.vr.Mouat. Singet c. in der Post-ZeilungS- Preisliste für ILO. unter Nr. osio. Ii. Jahrg. JnsertionZ Sebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum.0 Pfg., für Vereins- und BersammlungS- Anzeigen so Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Erpedttion abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr Abends, an Sonn- »od Kesttagen bis o Uhr Bor- mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Ur. 1508. Eclegramm- Adresse: «Koiialdemoltrat Kerli»!' VolKsMalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: LV.19. Renth-Striikc 2. Spedition: 8V. 19, ZZeuth-Straßc 3. rli elter! Uarteigenosten! Trinkt kein boykottirtes Kier! Der Gewerk verein christlicher Kerglente für den Ober-Bergamtsbezirk Dortniund »st gestern in Essen gegründet»vorden. Für den Charakter der Versammlnng, ans dein diese Gründlmg beschlossen wurde, in der Pastoren, Kapläne und Fabrikanten das große Wort führte», und in der das Hoch ans den Kaiser eine Haupt- rolle spielte, ist besonders wichtig, daß trotz des mehrfach geäußerten Wunsches der Bergarbeiter im Vertrauen aus die—— Bergbehörde von der Forderung des Achtstmldentagcs Abstand genommen wurde, daß ferner eine Reihe von freilich sehr unklaren Forde- rungen aufgestellt wurden, aber über die Mittel, diese zu erkämpfen, geschwiegen wurde, daß endlich nicht nach der Fähigkeit, sondern nach der Konfession die Aemter in der neuen Organisation vertheilt werden sollen. Dem billigen Triumph dieses Kongresses ivird bald der Katzenjammer folgen. Im Zeitalter der Klassenkämpfe können von Unternehmern, Beamten und Geistlichen pa- tronisirte„Gewerkvereine" nichts erzielen, die Konfession kann nicht als organisationsbildendes Moment die Bergarbeiter zusammenhalten. Ueber kurz oder lang werden die Bergarbeiter sich im Gegensätze zu ihren Vormündern befinden und vereint mit den Arbeitern, die sich in den wirthschaftlichen Kämpfen zuerst als Bergarbeiter und dann erst als Katholiken, Protestanten oder Atheisten fühlen, gemeinsam den Kamps gegen Ausbeittnng und Unterdrückung aufnehmen. Dann wird die Bourgeoisie um eine Illusion ärmer, die Arbeiterklasse Um einen Schritt weiter sein. Wir lassen den Bericht hier folgen: Behufs Begründung eines christlichen Bergarbciler-Verbandes fand heute Nachmittag im Saale des Elablissements„Zur Rotheubnrg" ein christlicher Bergarbeiter-Kougrc» statt."') Berlreten waren 77 katholische, 19 evangelische tinappen- vereine, 13 katholische, 25 ck, risllich- soziale, 33 evangelische Arbeitervereine und der kalholisch-soziale Arbeilerverbaud von Tortmund(im Ganzen 132 Vereine) durch ungefähr 500 Dele- g i r t e. ") Da unserem Berichterstatter der Zutritt zu den» Kongresse verweigert wurde, was den Charakler dieser Versammlung kennzeichnet, so sehen wir uns gezwungen, den Bericht einer Zeitungs- Korrespondenz zu entnehmen. 121 Femtlcko». Der Jude. Deutsches S i t t e n g e m ä l d e auS der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Von C. S p i n d l e r. So wohnte denn nun, von jenem Augenblicke an, Esther in der Hütte des Forsts zu Dürniugen, und der alte Am- mon sorgte für ihre Bedürfnisse, so gut als er es vermochte, denn er war geschmeidig geworden durch die Erinnerung, durch diesen Zauber, der den Menschen durch das Leben geleitet, und»m Greise stärker wirkt, als im Jüngling selbst weil sein Dasein bloS nur in der Vergangenheit liegt. Auch der wilde Falkenjäger hatte einst geliebt, da sein Scheitel noch umwallt war von braunen Locken, und seine Jugend in der schönsten Blüthe stand; und diese Liebe war ein maurisches Mädchen gewesen, herstammend aus glühen- der Zone, und ähnlich den Zügen Esthers. Seit vierzig Jahren war diese Dirne aus dem Leben geschieden, von jäher Krankheit dahingerafft, in einer Zeit, wo Amnion seiner Väter Glauben willig hingeworfen hätte, um das schöne Kleinod sein zu nennen. Seit vierzig Jahren feierte Ammon alljährlich des Mädchens Todestag, und nun, da Kidas Bild merklich schon abgebleicht worden war in der Kammer seines Gedächtnisses,— nun war sie gleich wie aufs Nene lebendig geworden in der reizenden Esther, zu ihm getreten in seine Wildniß,— ein freundlicher Engel, ein Trost für seine leere Brust. Darum hatte er auch dem Mädchen die einzige Stube des Hauses eingeräumt, und sich auf den Speicher gebettet: darum hatte er, rund um die Hütte, neue, gefährliche Fallen und Gruben angelegt, damit ihm niemand bei Nacht die Anvertraute stehle;— daruni ging er wie ein sorgsamer Knecht hinter der Eebie- Außerdem waren anwesend: Gerichtsassessor B e n h o l d- Dortmund, köuigl. Bergrath P ö r t i n g- Dortmund, Pastor lie, Weber, M.-Gladbach, Kaplan Doktor Oberdörfer- Köln. tabrikbcsiher W i e s e- Werden, Stadtverordneter Kaufmann e g e w i t t- Essen. Brust- Altenessen eröffnete mit einem Hoch auf de» Kaiser die Versammlung und empfiehlt die Absendnng eines Telegramms an den Kaiser, womit die Versammlung einverstanden ist. Hierauf weist Brust- Alteueffeu die Angriffe der Presse aui das angeblich ultramontane Projekt des neuen Verbandes zurück und bringt folgendes Statut zur Verlesung: Statut des neugegründeten Verbandes der Bergleute. § l. Jedes eintretende Mitglied hat einen Nevers zu unterzeichnen, daß er kein Sozialdemokrat ist. tz 2. Mitglied kann jeder christliche Bergmann werden, wenn er im Besitz der bürgerliche» Ehrenrechte ist. § 3. Religiöse und politische Parteipolitik ist ausgeschlossen. § 4 bestimmt, daß ans je 100 Bergleute ein Vertrauensmann kommt. Die Vertrauensmänner bilden die Generalversammlung und wählen den Zentralvorstand. Der Zentralvorstand soll halb evangelisch und halb katholisch sein ic. § 5. Zweck des Verbandes: Wahrung der Interessen der Mitglieder nach christlicher Grundlage, a) Herbeiführung eines gerechten Lohnes, welcher d e in W e r t h der g e l e i st e t e n Arbeit entspricht und der durch diese Arbeit bedingte» Lebensweise, b) Zeitgemäße Reform des Knappschaftswesens. c) Die Einschränkung der Schichldaner, soweit solche im Jnter- esse der Gesundheit und der Sicherheit liegen, cl) Milbeslimmungs- recht in der Verwaltung der Unterslütznngskassen. o) Eine Kon- trolle der bergbaulichen Bestimmungen durch Vertrauensmänner. Brust bemerkte schließlich: Es sc» die Forderung auf acht- stündige Arbeitszeit, einschließlich Ein- und Ausfahrt, gestellt worden. Allein da die Bergbehörde versprochen habe, das ihrige zu thuu, um alle möglichen Erleichterungen zu schaffen, so empfehle es sich, von dieser Forderung Abstand zu nehmen. Bergarbeiter M ü l l e r- Hultrop: Auch er stimme dem zu begründenden Eeiverkvereine bei, er sei aber der Meinung, daß man, angesichts) der ungesunden Atmosphäre in den Gruben an der Einführung der achtstündigen Arbeitszeit, einschließlich der Ein- und Ausfahrt sesthalten müsse.(Beifall.) Auch die Auszahlung der Uuterstütznngsgclder bedürfe dringend einer Ver- bessernng. Hüttenarbeiter Schlüter- Bochum: Er sei Telegirter eines christlich- sozialen Arbeitervereins und stelle die Frage, ob nicht auch die Mitglieder der christlich- sozialen Vereine in den Verband aufgenommen werden?(Rufe: Nein, nein!) Ans Antrag des Vorsitzenden Brust wurde sogleich be- schlössen: nur Vergarbeiter-Delcgirten und den Ehrengästen das Wort zu gebe». Balles-Huttrop: Auch ich kann mich nicht damit ein- terin her, um ihren Wünschen sein Ohr zu leihen, und ihr so viele Aimehinlichkeiten zu verschaffen, als in seinen schlechten Kräften stand. Er fand in Esthers Lobe kein Ende, wenn Regina kam, nach ihr zu fragen, und miß- billigte es sehr, daß das Fräulein sich weigerte, die schöne Fremde näher kennen zn lernen, daß es gleichgiltig die warmen Tankcsänßcrnngen Esthers zurückwies, und sich ihren einsamen Beschäftigungen überließ,»vie zuvor, ohne seinem Schützling zn erstatten, ihm näher zu kommen und vertraulicher zu werden. Amnion wußte nicht, daß weder der niedere Stand Esthers, noch ihr Glaube sie von Re- gincns mitleidigem Herzen entfernte, sondern gerade der Vorzug, den das Fräulein ihr einräumen mußte, der Vorzug, Dagobert's Freundin zu sein. Amnion bemerkte es nicht, wie oft Regina im Grase sitzend in tiefes Nach- denken versank, und Viertelstunden lang nach dem Waldgange blickte, als müsse er jetzt kommen,... als müsse er dann den fremden Gast hinwegführen,»lud dann allein wieder kommen, und täglich wiederkehren, und endlich gar nicht mehr von dannen gehen.— An Dagobert's Statt kam aber eines Mittags Ben David an, dürftig und ver- schmachtend— bloß voll der Hülle bedeckt, die ihm das Mit- leid zugeworfen. Ammon hatte schon nach der Peitsche gc- griffen, um den verdächtig anssehendcn Bettler aus dem Reviere zu treibeil: Esthers Freude- und Angstrnf ent- ivaffnete ihn. Dem Vater von Kidas Ebenbilde konnte er nichts Uebles zufügen, und er besann sich, daß auch ihn einst sein Vater unsäglich geliebt hatte, daß auch er einst an seinem Vater mit Treue gehangen; er begriff Efthers Empfindung, und wehrte dem Alten nicht, die Wohnung seiner Tochter zu theilen. Vater und Tochter waren völlig ungestört, denn eine Unpäßlichkeit hielt Reginen vom Walde fern, und Ammon niachte doppelt eifrig seine Runde. Esthers und Davids Wiedersehensfreude, wie ihr Leid um Jochais Hinscheiden und ihre Verstoßllng aus der Stadt, die ihnen Schirm und Heimath gewesen, durfte ohne störende Zeugen sich aussprechen, fcsscllos. wie es der Schmerz, frei. verstanden erklären, daß die Forderung betreffs der achtstündigen Arbeitszeit aufgegeben werde. Wenn ivir Bergleute uns nicht selbst etwas erkämpfen, dann erhalten wir nichts. Bis zum Jahre 1853 genossen wir Schutz bei der Bergbehörde, heute sind wir ans uns selbst angeiviesen. Wenn wir uns zitsaminenschließen, um unsere Lage zu verbessern, dann erblickt man darin sogleich ein Komplott. Man klagt uns an oder setzt uns womöglich auf die Straße, und niemand fragt uns danach, ob wir 25 Jahre zur Kasse gesteuert haben.(Beifall.) Die Arbeiter finden nirgends Schutz, dies ist auch die Ursache, daß dieselben innner mehr zur Sozialdemokratie übergehen. Wir müssen daher in erster Linie bei Begründung des Verbandes die Verbesserung unserer wirthschaftlichen Lage im Auge haben und uns auf keinerlei Versprechungen verlassen.(Lebhaftes Bravo.) Bergarbeiter Wahl- Waltenscheid: In letzter Zeit sind die Protestanten in Zeitungen angegriffen worden.(Beifall und Wider- sprnch.) Vors.: Ich muß Ihnen das Wort entziehen, Sie be- treten das konfessionelle Gebiet.(Rufe: Sprechen lassen!) Vors.: Ich werde dem Redner das Wort geben, übernehme aber für den Verlauf der Versammlung keine Garantie.— Wahl (fortfahrend): Ich will blos bemerken, daß wir Evangelische an nnsern evangelischen Grundsätzen trotz aller Angriffe streng fest- halte».(Stürmischer Beifall.) Bergarbeiter Jürgens beantragte: behufs Berathnng der vorgelegten Statuten eine Konnnission zu wählen. Fabrikbesitzer Wiese- Werden: Ich danke Ihnen, daß Sie mich als einen Vertreter des Kapitals zu dem Kongreß eingeladen haben. Ich erlaube mir nun, Ihnen den Rath zu gebe», dem Antrage des Vorredners zuzustimmen, aber zunächst einen frier- lichen Beschluß behuss Vereinigung aller christlichen Bergarbeiter zu fassen.(Beifall.) Im weiteren ersuche ich Sie, eine andere Form der Beitragsleistung zu schassen, damit der Verband einen ordent- lichen Fonds hat. Die Bergarbeiter Englands haben Haupt» sächlich durch Ihren großen Fonds etwas erreicht. Ich mache sofort mit einem regelmäßigen Beitrage den Ansang.(Lebhaftes Bravo.) Pfarrer Lic. W e b e r- M-Gladbach: Auch ich danke Ihnen für die mir zntheit gewordene Einladung und freue mich über den friedlichen Geist, der in dem Kongresse geherrscht hat. Ich bin schon vor fünf Jahren auf einem jiongreß in Berlin für obligatorische Arbeitcr-Fachvereiiie eingetreten, da ich der Meinung bin, es muß den Arbeitern ebenso wie den Arbeitgebern möglich sein, ihre Interessen durch eine geschlossene Organisation wahr- zunehmen.(Lebhaftes Bravo.) Deshalb begrüße ich den neuen Verband mit Freude». Ich muß Sie aber dringend er- suchen, in allen Dingen recht besonnen vorzugehen, denn Sie haben Feinde ringsum. Ilm so sorgfältiger muß bei der Statuten- Prüfung zn Werke gegangen werden. Es muß bei Feststellung derselben vor allem darauf Bedacht genommen werden, die Klusr, die zwischen den verschiedenen Klassen gähnt, zn überbrücken, nur so wird es möglich sein, die Sozialdemokratie mit Erfolg zu be- wie es die Lust verlangt. Aber schon am folgenden Tage begehrte David zu wissen ans Esthers Munde, wie ihr Ver» hällniß gewesen sei zn dem Junker. Esthers Wange er- röthete zwar; doch hatte ihr Mund keine Schuld zu be- kennen, und ihre Rede, einfach und erklärend, trug der Wahr- heit Stempel. Ben Davids scharfes Auge, allen seinen Glanbeitsgenosseu mehr oder minder eigen, sah indessen durch den Schimmer der Wahrheit hindurch einen dunkeln Punkt in dem Herzell seiner Tochter; ein verschleiertes Gefühl, dessen Decke zn heben sie nicht begehrte. Er faßte daher»yre Hand und sprach:„Geliebtes Kind, Du verschiveigst mir, ivas Du nicht solltest, und wegen dessen ich Dir nicht zürnen mag, denn es ist nur die Folge der Vergangenheit. Dagobert ist gewesen Dein Schirm, Dein alles, weil ich lag in Banden. Dagobert hat Dich genährt und gepflegt, und gerettet ans tausend Gefahren; der hochgclobte Gott wird ihn darob segnen und eingehen lasse»» ins Paradies, weil er Gutes gethan an Israel; weil er es hat gethan nn- eigennützig, und nicht hat befleckt Dein Kleid der Ehr�l. Friede sei mit ihm, und auch ans seinem Angedenken sei einst Friede, wie auf Zodick's Gedächtuiß Schmach sei und der Zorn Gottes, und ihm selbst das Feuer der GeHenna! Aber, liebste Tochter, mein Kind: dergestalt, wie Du den abtrüniligen Knecht Zodick mußt hassen,— dergestalt hast Du gelernt lieben den seltenen Mann, der da handelte, als stamme er aus den Lenden Jakobs, und nicht voin Berge Seir. Gesteh' es mir, mein Kind."—„Vater," erividcrte Esther stockend:„Deiner Klugheit kann nichts verborgen bleiben. Ick muß eS bekennen, und wenn es Sünde wäre vor Dir und dem Gesetz. Nach dem hochgelobten Gott, den ich fürchte,— nach Dir, mein Vater nnd Herr, den ich ehre, lebt niemand mehr auf der Welt, denn er, den ich beivlludre, den ich liebe,... o laß mich nicht vollenden." �»Nein, meine Tochter, vollende nicht," versetzte David ängstlich:„Du liebst ihn nicht, wie der Dankbare den Wohlthäter,... Du liebst ihn nicht, wie das Kind den Vater.... nicht»vie die Schivester den Bruder.... Dn Tün-vifn,(Beifall) Deshalb ersuche ich Sie, entschieden und besvuuen vorzugehen und auch der nach dem Willen unseres Ztnijers und Königs eingesetzten Bergbehörde, die es in der That tmt den Arbeitern gut meint, zu vertrauen. Ein christlich- oesinnter Arbeiter muß auch ein königstreucr Arbeiter sein.(Leb» Haftes Bravo.)/ Es folgte noch eine längere Veschäftsorduungs- Debatte, alsdann gelangte folgende Resolution fast einstimmig zur Annahme: „Ter heutige Telegirtentag beschließt, die geiverkschaftliche Organisation der christlichen Bergarbeiter des niedcrrheinisch- westfälischen Kohlenreviers wird im Prinzip, im Sinne des heute vorgelegten Statuts, einzelne Aendernngen vorbehaltend, angenommen. Ferner beauftragt die Versammlung die bis- herige Koinmission mit der weitere» Ausarbeitung der Statuten; einer späteren Versammlung bleibt die definitive Beschluß- sassung vorbehalten, nachdem dieselben in den einzelnen christ- liehen Vereinen berathen und die Vorschläge durch die Vor- sitzenden der Vereine innerhalb vier Wochen eingesendet sind." Bergarbeiter K ö st e r- Frohnhausen: Es sei heute vor Be- ginn der Versammlung am Eingang zum Saale ein gewisses Eedränge entstanden. Es habe eine Anzahl Delcgirter Zutritt verlangt unter dem Vorgeben, daß sie a»ch auf christlichem Boden stehen. Diese mußten jedoch mit Rucksillch auf den be» kannten Beschluß in Witten zurückgewiesen werden, da eine Störung des Kongresses befürchtet wurde. Er erachte es für nothwcndig, derartigen Vorkommnissen für die Zukunft vorzu- beugen und deshalb den Beschluß zu fassen, daß nur Delegirte von konfessionellen und christlich-sozialen Vereinen zu den künftigen Kongressen zugelassen werden.(Beifall.) Die Versammlung er- klärte sich mit diesem Vorschlage einverstanden. Kaplan Dr. Oberdörfer- 5bölii: Es freut mich, daß Sie mich zu dem Kongresse, aus den das christliche Teutschland mit einer gewissen Spannung blickt, eingeladen haben. Ich bin selbstverständlich Ihrer Meinung, daß nur christliche Berg- arbeitcr in den zu begrülidenden Gewerlverein aufgenommen werden dürfen. Ich ermahne Sie aber, einträchtig zusammen- znwirkcn, zivischcn Bergarbeitern darf kein Konfessions- oder Partei-Uuterschied herrschen. Ich habe aber noch eine zweite Mahnung an Sie: sind Sie in der Polemik nicht zu schroff. I» den Gruben arbeiten bekanntlich nicht blos christlich gesinnte, sondern auch ungläubige Arbeiter, die ebenfalls bestrebt sind, ihre wirthschastliche Lage aufzubessern. Deshalb empfiehlt es sich, diese Arbeiter nicht als Feinde zu betrachten, denn es löiinten Zeiten eintreten, in denen es das Interesse der Berg- arbeiter gebietet, wie ein Mann zusammenzustehen ohne jcg- lichen Unterschied. Ich empfehle nicht ein Zusammen» gehen mit de» uiiglänbigen Bergarbeitern, aber ein mög- lichst friedliches Verhältniß mit denselben anzubahnen. Andererseits empfehle ich Ihnen, eine möglichst gute Kasse zu gründen, ohne diese wird der neue Verband kaum etwas erreichen. Der Verband wird, angesichts der vielen Arbeiterfeiude, nicht umbin können, gegen seine Widersacher Krieg zn führen; zum Kriegführcn gehört aber erstens Geld, zweitens Geld, drittens Geld. Der Verband kann auch in die Lage kommen. Gemäß- regelte unterstützen zu müsse» und er muß auch den nöthigen Fonds habe», wenn die Nothwendigkeit einer großen Aktion, die de» christlichen Grundsätzen nicht widerspricht, an die Berg- arbeiter aus wirthschastlichen Gründen herantreten sollte. In diesem Sinne empfehle ich Ihnen, mit Einigkeit, Mnth und Ausdauer ans Merk zu gehen, da»» wird Ihnen der Erfolg nicht fehlen.(Stürmischer Beifall.) Ter Kongreß wurde alsdann mit eiucm dreifachen Hoch aus den neuen Gewerkverein geschlosien. polikischo Ucl-evNis,». Berlin, den 27. August. Tie Aussordernug zur Sammlvng aller anti- sozialistischen Elemente findet blos in der„Post" einen Widerhall. Da aber das deutsche Volk in der„Post" und der„Norddeutschen Allgem. Zeitung" seine publizistischen Vertreter nicht sieht, so bedeutet der neueste Stoßseufzer des Organs der Schlotbarone nichts. Daß König Stumm für Knebelung der deutschen Arbeiterklasse nach Saarbrnckener Muster ist, weiß man, ändert aber an der Sachlage nichts.— Ei» groster Neaktionösischzng wird nach der„Nat.- Lib. Korrespondenz" für die nächste parlamentarische Session im Reichstag und Landtag geplant. Die Nährmutter der nationalliberalen Partei schreibt: Eine Emscheidiliig über Form und Richtung sei noch nicht liebst ihn wie die Jungfrau den Mann, und Wehe? ge- schrieen über mich und Dich... was soll aus dieser Liebe werden?"— Was Gott wird beschließen, und Tu, mein Vaters" sagte Esther ergeben, wiewohl sie erbleichte und erkannte, daß sie nun an den Markstein ihres Lebens ge- treten.—„Ich kann nichts beschließen;" antwortete seiif- zcnd der Vater, niit größerer Fassung, weil er auf sein eigen Unglück zurückkani:„Ich bin ein armer, geschlagener, zu Nichts geivordener Mann; sie haben mich hinausgestoßen in die Welt, und ich habe von all' meinem Gute nichts mitgenommen als die Last der Dankbarkeit gegen den Jüng- ling Dagobert, dessen freigebige Hand mir noch einige Pfennige zuwarf. Des Herzogs Glücksstern ist erloschen, und mein Gold, das ich ihm lieh, gewiß verlöre». Meine übrige Habe, theils in Costnitz zurückgeblieben, thcils in unserem Hanse zu Frankfurt verwahrt, ist eine Acute ge- »vordeu, dort betrügerischer Frcimde, hier der habsüchtigen Nichter, die noch nach verborgenen Schätzen lechzten, von welchen ihnen der abscheuliche Zodick vorgelogen. Ich mnß wieder hinaus in die Welt, wie ich gekommen bin herein, nm zu erjagen, wo möglich ein neues Glück; und Dich, »»ei» einzig Kleinod, mnß ich lassen hinter mir, auf daß Tu nicht verderbest unter dem Druck des Elends und der Entbehrung meiner flüchtigen Wanderschaft. Tu magst nun entscheiden, Tochter, ich lasse Dir die Wahl:»villst Du Dich werfen in die Arme Edoin's? Willst Tu znriickbleiben unter unser»» Leuten, zu Worms entiveder, oder zu Nürnberg? Wir haben zivar nicht Freunde nichr, nicht Vcr»va»ldte, aber Israel wird nicht lassen von Davids unglücklicher Tochter."— Esther sprang auf, faßte heftig ihres Vaters Hand, und rief mit ausbrechenden Thränen im Auge: „Vater! bei der Herrlichkeit des Reiches, das nns vom Messias gebracht werden soll! Nimin mich mit Dir; ich »vill leiten Deine Schritte durch Fels und Sand; ich»vill fchluinmern neben Dir anf Heidekraut und Moor, ich will nicht mehr begehre», de»» ein Stücklein verschinunelten Brots, nm mein Leben zu fristen; und am Ende auch dieses Leben»villig verlieren, erliegen unter Bekümmerniß und Gottes, des Herrn Schickung. Aber niinlner geh' ich nach Worms, nimmer»»ach Nürnberg. Unsre Leute, zu dciicn ich flüchtete zu Fwinkfnrt, haben mich vcrrathen an die Woflust, ein Sohn der Gebote hat Dich verrathen und den Raas Jochai getödtet;»vas sollich erivarten von ihnen? Die Arme»vird sein verachtet und arm in Ewigkeit; eine Magd»verde ich sein müssen in Schmach und Kummer. Vater, Dir»vill ich folge», aber nicht fürder dem Gesetze geirossen. Es stehe auch»och»icht fest, ob die Aktion in den Reichstag oder den preußischen Landtag oder vielleicht auch in beide verlegt werden werde. Bei verschiedenen Maßregeln auf diesem Gebiet sei der Reichstag nicht zn umgehen, so ungünstig auch die Anssicbten sind, zu einer Verständigung zu gelangen, so bei einer Revision des Preßgesetzcs, bei Maßregeln gegen den Zwang zn Arbeitseinstellungen und zum Konlraktbruch, bei Bestimmungen, ivelche die Zucht und Ordnung, namentlich in der jüngeren Arbeiterschaft besser zu sichern bezwecken,»vie si- in der Geiverbe- ordnungs-Borlage von I89V enthalten waren, vom Reichstag damals aber abgelehnt»rnnden, worauf dte Regierung sich vor- behielt, später darauf zurückzukommen. Die Ausarbeitung solcher Gesetzentwürfe»vürde, da sie enUveder schon fertig vorliegen oder verhältnißmäßig einfache Fragen betreffen, nicht lange Zeit in Anspruch nehmen. Wie weit hier der Wunsch Vater des Eedcrnkens ist, können»vir nicht benrtheilei».— Scho»« wieder nichts>«it der Spaltung der Sozialdemokratie, so»verde»» unsere Gegner tief betrübt klagen, wenn sie die folgende Erklärung unseres Genossen Wächter lesen»verde»»: Die Notiz in der bürgerlichen Presse, daß ich dein nächsten Parteitag die Frage vorlegen»volle, ob ein Christ Sozial- deinokrat sein könne, schien»nir so lächerlich, daß ich eine Wider- legung für«nnöthig hielt. Eine solche Frage kann doch natür« lich kein Parteilag entscheiden, einfach»veil er nicht entscheiden kann,»vas ein„Christ" ist; wer aber ein Sozialdemokrat ist, hat der Erfurter Parteitag schon entschieden, und die Frage, ob dies sozialdemokratische Programm ein Christ vertreten kann oder nicht, kann kein Parteitag, sondern nur die Erfahrung ent- scheiden. Einem Düsseldorfer Parteigenossen, der mir entgegen- hielt: das Wort Bebel's, auf religiösein Gebiet erstreben»vir"den Atheismus, dürfe ein Parteigenosse nicht als Bebel's bloße Privatmcinnng hinstellen, n»t>vortele ich: wenn je die Reli- gionsfrage aus dem nächsten Parteitag zur Sprache käine und nach jenen» Wort Bebel's die Weltanschauung des Atheis- mus z»lr Parteisache erklärt würde,»viirden sich für solche be- schränkte Partei alle Anhänger einer nicht atheistischen Welt- anschauung. aber auch alle freidcnkcnden Anhänger des Atheis- m»s bedanken und es»vürde sich sofort diejenige sozialdemo- kratische Partei bilden,»velche jede Weltanschauung als gleichberechligt anerkennt,»velche zu konsequenter, zielbeivnßter Vertretung des sozialdemolratischeu Programms fähig macht. Aber— so geistig beschränkt ist eben unsere Partei nicht, sich ans eine Weltanschauung einzuschwören, sie bekämpft alles Pfaffenthllin»vie Antipfaffeuthnm. Ich speziell würde eine „christliche" Sozialdemokratie gerade so scharf bekämpfen wie eine atheistische— weil Politik und Religion zu trennen sind. Wächter.— Ter„Reichsbote" vo»n 24. August schreibt in eine»»» Artikel über den F a l l A r o n s: Es dürfte bald noch niehr solcher Arons geben, denn die Nniversitatskarriere ist ja längst nur dem möglich, der viel Geld und die Geschmeidigkeit besitzt, sich durch das Kliquenivesen, wie es dort vielfach herrscht, hindnrchzinvinden. Das jüdische Element erobert die Lehrkanzeln der Universitälen in iinrner weiterem Umfange für sich»ind»vas könnte es sür reiche Juden, welche keine Neigung zum Ha»delsstn»ide haben, angenehmeres geben, als die freie, z» den höchsten gesellschaftlichen Ehren berechtigende Universttätskarriere? Deutsche christliche Jünglinge, anch wenn sie noch so große Begabung»ind Neigung für dieselbe haben, uiüfsen sehr oft davon abstehen,»veil sie die Kosten derselben nicht ersch>viiigen köniie»», zumal>vei»n sie ohne Konnexionen in diese» Kreisen als bomines novi lediglich durch ihre Wissen- schaftlichkcit vorivärts konuiien»vollen. Hat der„Freund" der dem„Rcichsboten" gesinnnngs- verwandten„Staatsbürger-Zeitung", dessen Aufgabe es»st, „diesen eigcnthünrlichen Politiker(Arons) zu beobachten", seines Amtes! geivissenhaft geivaltet, so wird er nns bezeugen, daß Arons in Versammlungen wiederholt ähnliche Ausführungen gemacht hat, daß er die Gefahren, die der Wissenschaft durch den Kapitalismus drohe»«, mit ernsten Worten geschildert und anch hieraus schivcre Vorivürfe gegen die heutige Gesellschaftsordnung abgeleitet hat. Frei- lich bleibt er als Sozialdmokrat nicht anf halbein Wege stehe»»,»vie der„Reichsbote", bei dein der Me»>sch allerdings nicht mehr»vir bei»»» Fürsten Windischgrätz erst mit dem Baron, aber doch erst beim„Mittelflaicd" anfängt. Wir Sozialdemokraten erheben die schärfsten Vorivürse gegen unser ganzes BildnngSivesen, gegen die nach dem Gcldsack abgcstnsten Leistungen der Schule, die in der Volksschule und seinen Bekenner»». Ter Herr hat nnS verderben lassen in der Roth, die Brüder haben uns lassen verziveifeln. Der Christ hat mich errettet. Ihm gehören, nach Dir, »neine Tage. Weisest Du niich von Dir, so bin ich sein Eigenthun»,»venu er's verlangt, seine Diencrii», denn er ist mehr als ein Mensch; ein Engel des Heils, ein Erlöser und Erretter!"—„Weh»nir! weh mir!" entgegnete Ben David beküinmert:„O,»vie ist Dir doch angeflogen der Mchlthan aus Amalek! Du»villst nicht mehr sein eine Tochter Zions! Du brausest auf in Leidenschaft und Hitze, und hörst nicht die Stininie des Herrn»ind des Vaters! Envarte nicht, daß ich Dir fluche, nicht, daß ich zn Dir flehe! Aber gerettet möchte ich Deine Seele»vissen. Ich würde Dich ermorde»», wenn ich Dich mit hinaus nähnie in Sonnen- brand und Nachtsturm, n»n»nir niein Brot stichei» zn belfen unter den Hefen des Volks, begleitet von Verachtung und Hohn. Deine Bliithc wurde nicht groß gezogen, um zu ersticken im Kothe. So bleibe denn lieber iz» ,'Edom, und halte Dich zn den Ungläubigen. Vielleicht, daß einst der Herr in seiner Barmherzigkeit Deine Seele berührt mit dem Stabe seiner Gnade,— vielleicht, daß Du einst zurück- kehrst in den Schoß des Gesetzes, nicht zn spät für Deine Paradicses-Hoffnung, wenngleich zu spät für meine in Kummer und Todesgram erloschenen Augen!"— Wehmütig und beklommen stand der Vater aus»ird überließ Esther dem Strome von Thränen, ü»»velchen sich die Er- schütter»lng ihrer Brust auslöste. Ben David legte sich hinter der Hütte ins üppige Waldgras, von Mücken u»n- tanzt, von Vögeln umgeben, deren Gezivitscher herrlich und frei a,is dein Wipfel der Bäume zum Hiinmel stieg. In dieser Einsanlkeit legte sich der Sturin seines Vorurteils, und, zn der blauen Decke hmanfblickend, dachte er, daß dieses schöne Zelt ja für jeden erbaut sei, und daß die Hand des Herrn alle Rienschengräber mit Gras und Blumen ziere. Die Brust wurde ihn» weiter, und mit ihr anch die Fesseln, die seine knechtische Glaubeicslehre ihin von Jugend an über den Nacken geivorfen. Er beseufzte das Geschick, das ihn unter diesen» Hinnnelsstriche in Jakobs Hütte» hatte hervorgehen lassen; er»vünschte um seiner Efther willen, in den Reihen der Gojiin geboren zn sein; er dachte sich die Möglichkeit, sie mit Dagobert vereint zu sehen; er gönnte ihr den edlen Mann, ihm die reine vollendete Jnngsran, aber wie ein Felsstück von der Höhe eines Alpengebirges rollte die Eri»inernng an jenen Schivur, den er in des sterbenden Jvchai Hände hatte leisten müsse»», anf sein Herz. (Fortsetzung folgt.) nur noch das Allerdürstigste neben einem eher geisttödtenden Plunder bietet. Ja,»vir legen den Finger noch tiefer in die Wunde, indein wir zeigen, wie die ausgehungerten»md frierenden Kinder des Proletariats selbst dieses Allerdürstigste sich kauin aneignen können, zumal die Aermsten der Armen, bevor sie das überfüllte Klassenzimmer betreten, zum Thcil schon stundenlange Wege als Austräger von Zeitungen oder Gebäck gemacht haben, und oft noch im Laufe des Tages ihre Eltern, sei es in der Abwartung jüngerer Geschwister, sei es beim Erwerb des kümmerlichen Lebensunterhaltes, unter- stützen niüssen. Wir zeigen,»vie Staat und Gemeinde für die Kinder der Besitzenden weit, weit höhere Beträge pro Kopf aufivcnden, als für die Kinder der Armen. Wir forvern in unserem Programm, so weit es die Schule be- trifft(Nr. 7): Weülichkeit der Schule. Obligatorischer Besuch der össe>»tl>chen Volksschulen. Unentgeltlichkeit des Unterrichts, der Lehrmittel lind der Verpflegung in den öffentlichen Volksschulen, soivie in den höheren Bildungsanstalten für diejenigen Schüler und Schülerinnen, die kraft ihrer Fähigkeiten zur»veiteren Aus- bildnng geeignet erachtet»verden. Hier, edler„Reichsbote", ist Rhodus, hier tanze! Aber ach, der ärmste kann es nicht, kann es nicht beini besten Willen: denn solange der Klassenstaat besteht oder an» Leben erhalten»verden soll, dürfen diese Forderungen nicht erfüllt werden und der„Reichsbote" ist eine der trenesten Stützen des Klassenstaates, in dem, ob jüdisch, christlich oder heidnisch das Kapital geherrscht hat, herrscht und herrschen wird! Ter Prozeft gegen die Genossen Eichhorn»»nd Findeise» bedeutet nach der Meurung anständiger Leute, daß in Sachsen der Bogen schon viel zu stark gespannt ist, daß selbst sächsische Richter es mit den Aufgaben der Rechts- pflege sür unvereinbar halten, all' das für gut zn finden, was vcrfolgungssüchtige Unternehmer und übereifrige Polizeibehörden anstreben. Freilich, Blätter wie die „Halle'sche Zeitung" und des Königs Stumm„Post" ziehen andere Schlüsse ans diesem Urtheile. Nur weil sie jede Schau» verloren haben, können sie das folgende schreiben: Man braucht nur an die Bierboykotts zu erinnern, und den Ausgang des Dresdener Boykottprozesses zu betrachten, um die Unzulänglichkeit unserer gegen wärtigenGesetz- gebnng der staats- und gesellschaftsfeil» blichen Strömung gegenüber zu erkennen. Das Züchten des Klassenhasses verstehen diese Blätter aus den» ff.— Einen Schaden von über 60 000 M. hat nach den gerichtliche»» Aussagen ihres Direktors die Tresdeiter Waldschlößchen-Branerei im ersten Monat des über sie vcr- hängten Boykotts gehabt. Das»var im Anfang, als die Erbitterung unter der ehre»lhaften Arbeiterbevölkerung Dresdens durch den Erpressungsprozeß noch nicht zu hochlodern- den Flammen entfacht»var. Um wieviel empfindlicher nii»ß der pekuniäre Schaden— die moralische Schädigung allein kiinunert unsere Kapitalisten ja selten— jetzt sein, nachdem das beleidigte Rcchtsgefühl nicht allein der Arbeiterschaft, sondern aller gesitteten Menschen die empörendsten Faustschläge er- halten hat. Welch' einen hohen moralischen Gewinn hat die Sozialdemokratie a»ls dieser Affäre davongetragen! Ob die hiesigen Blätter vo»n Schlage der„Post" und der„National- Zeitung" aber schon einmal darüber nach- gedacht haben,»velch eine sittliche Berivüstung sie mit dem heißen Bemühen unter ihren Klassengeuosscn anrichten, Rechtspflege und Gesetzgebung auf den Standpunkt des egoistischesten Klasseuinteresses herabzndrücken?— Tie Schlappe in« Eichhorn-Prozesse fühlen die sächsischen Behörden noch in allen Gliedern, ihrein Eifer hat dieses Urtheil aber doch nicht Abbruch gethail. Eine Privatdepesche aus Dresden meldet nns: „Die heutige Auflage der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung" wurde wegen des BohkottaufrufeS konfiSzirt. Weitere Ko»fiskatio»e» lviirdc» angedroht." Wer die Annahme gestattet, daß man Haß und Er- bitternng unter den sächsischen Arbeitern gewaltsain steigern Paris. 24. August ISSt. z o u r d e s. In dem Palais Bourbon ist es stille geworden; die Ab- geouneten sind in die Sommerfrische gereist, die Politik feiert. Sonst erschien unter gleichen Verhältnissen die Seeschlange wieder, vergnügte das Publiknin. versorgte die Journalisten; man sprach über ihre Länge»nid Größe, die Möglichkeit ihres Vorhände»»- seins und den Werth der Aussagen derjenigen, die behaupteten, sie gesehen zn haben. Dieses Jahr ersetzt die Kolik des Herrn Dupuy das berühmte See-Uugehener. Die einen glauben, daß sie von Leber-, die anderen, daß sie von Nierenleiden herrührt, anstatt sie einfach der Schlvelgerei zuzuschreiben, die ihn in dicke Fettpolster eingeivickelt hat. Alle aber»vollen de» Glanben erwecken, daß sie, wie viele andere Koliken, durch die Furcht vor der Hydra der Anarchie verursacht sei, die, richtig betrachtet, selbst eine Erdschlange mit mehreren Köpfen ist. Die Berichterstatter sprechen von drei in England. Frankreich und Deutschland geschiniedeten Koinplotten, die das Lebe» unseres kostbaren Ministers bedrobe»; ich sage kostbar, weil ein gntgeinästetcs Sch'vein in hohen» Preise steht; die Polizei ist Tag und Nacht auf den Beinen, hält die Augen offen und packt Jeder»»«»»», auf jede falsche Denunziation hin, an» Kragen. Doch das Publikuin ist fetzt skeptisch geworden n»d lacht der dunklen kosmopolitischen Anarchistenhorde», deren mysteriösesten Geheiinnisse die Polizei so gut kennt, die Polizei, die bis jetzt ihr« Talente»»»r dar»», offenbart hat, daß sie friedliche Bürger verhaslete und Dynaiuit- Attentate nach ihrer Ausführung entdeckte. Die Journalisten mußten schon bei so vielen wichtigen An« gelegenheiten die Hydra der Anarchie besch>vären. daß die Un- glücklichen nun nicht mehr wissen, über»vas sie schreiben sollen. Wohl»st um Korea«in Krieg entbra»lnt; indeß Korea liegt so »veil von de» Boulevards, und die Pariser interessirt nichts, was jenseits der Befesügnngen ihres Paris liegt; und so beschäftigen sich nur die Spekulanten ein wenig mit diesen Vorgängen jensecls der Stadtniauer»». Sie sind wüthend, daß den deutschen«nd englischen Bankiers das Glück winkt, die Chinesen, unter dem Deckmantel selbstloser Fürsorge, bestehlen zu können. Sie versteigen sich zu den» unsinnigsten Geschwätz: eine»venn auch noch so wenig ministerielle Zeitung„La Patrie"(„Das Vaterlmid") verkündete ganz ernsthaft, die Reise des deutschen Kaisers nach England sei unter», onniien morden, nm Beziebnngen zwischen den Bankiers beider Länder anzuknüpfen. Der Mangel an politischem Stoff macht die Journalisten zu Narren. Für einen Augenblick hat Zola die Neugier des Publikums wach erhalten durch seinen neuen Roman:Lourdeß:da wir jetzt auch grade die Saison der Pilgerfahrten haben, so will ich dieGe- legenheit benutzen, einige Worte zu äußern— nicht über Zvla's Buch, das ebenso lai>g»veilig sein soll,»vie die vorhergehenden, und das ich»»»ich»vohl hüten werde, zu lesen— sondern über die Wunder, welche die J>»»gfrau Maria in diesem kleine»», weltverlorenen «volle, mau würde diese Erwägung von sich nicht abweisen können. Bei all' der entwickelten Energie der sächsischen Behörden nniB es— und dies ist das tröstliche an den Verfolgungen unserer Genossen— selbst dem für die beliebte Polizei- praxis begeistertsten Spießbürger bald klar werden, daß all' diese Maßregeln Lufthiebe sind. Heute weiß in Dresden jedes Kind,daß kein anständiger Mensch Waldschlößchen- Bier trinken darf. Daran ändert gar nichts, ob die„Sachs. Arb.-Ztg." ihre Boykottaufrufe veröffentlicht, oder der Gewalt weichend, die Veröffentlichung unterläßt. Unsere sächsischen Genossen sind, dank ihrer Behörden, in allen Feuern so vortrefflich einexerzirt, daß sie jedesmal wissen, ivas sie zu thun und was sie zu lassen haben. Ter Eifer der Gegner stärkt das Pflichtgefühl der Genossen und vermehrt die Sympathien für uiis in den bis nun indifferenten Arbeiterkreisen.— Gerichtsstand snr Zeitungen. In einem Straf- verfahren wegen Beleidigung des Reichskanzlers gegen den Redakteur der in Dresden erscheinenden„Deutschen Wacht" erachtete sich das Magdeburger Gericht am letzten Sonnabend für zuständig, weil die„Wacht" auch in Magdeburg verbreitet sei, sprach aber den Angeklagten in der Sache selbst frei. Ungefähr zur gleichen Zeit erklärte das Dresdener Gexicht sich zur Verhandlung über eine Prcßbeleidiguugsklage des Verlegers Glöß gegen den Rabbiner Hildesheimer für unzuständig, weil die„Jüdische Presse", in der der beleidigende Artikel enthalten war, zwar in Dresden verbreitet, aber in Berlin herausgegeben wird, mithin allein das Berliner Gericht zuständig sei. Derartige Ver- schiedenartigkeiten in der Auslegung der Gesetze sind recht geeignet, den Werthmanael„gelehrter" Juristen weiteren Kreisen klarzumacheu. In der Sache selbst haben wir wiederholt dargelegt, daß nur das Gericht an dem Ort der Herausgabe einer Zeitung zur Aburtheilung der Preß« missethatcn zuständigist. Mit derHerausgabe derZeitling istdas Vergehen vollendet. Das Reichsgericht meint za allerdings, weil z. B. der„Vorwärts" an allen Orten gelesen wird, müsse er auch an allen Orten angeklagt werden können. Durch Annahme solchen Rechtsgrundsatzes wäre großer Vor- schub der Anklagefrciheit, starke Hemmniß der„Preßfreiheit" bereitet.— Damit wäre allerdings den Eulen der Reaktion und den Fledcrmänscn der Dunkelheit nicht sehr gedient. Wie wäre es mit Einführung wirklicher Preßfreiheit? Der„Sieger von Eckernförde". In dem auch von uns erwähnten Ausrufe uationalliberaler und ganz charakter- loser Maunesseelen zur Sammlung von Beiträgen für eiii dem verstorbenen Herzog Ernst II. von Sachsen Coburg- Gotha zu errichtendes Denkmal findet sich auch der folgende Satz: „Schon der Sieg bei Eckernförde hatte den Namen des Herzogs, als des Befehlshabers der deutschen Truppen, mit dem ersten kriegerischen Erfolge zur See verbunden." Dazu bemerken die„Hamburger Nachrichten": „Allerdings ist der Name des Herzogs, wenn auch durchaus unberechtigter Weise, mit dem Siege von Eckernsörde in Verbindung gebracht worden. Der Herzog war nicht„Befehls- haber der deutschen Truppen", sondern der deutschen Reserve- brigade, von der nur eine Nassauer Feldbatterie, soweit sie dies nach Lage der Tinge konnte, an dem ruhmreichen Gefecht vom b. April 1849 theilnahin. Die schleswig-holsteinischen Strand- battcrien, von deren 10 Geschützen während des mörderischen Kämpfet die Hälfte unbrauchbar gemacht wurde, standen überhaupt nicht unter dem Befehle des Herzogs. Außerdem war Herzog Ernst nicht einmal Zeuge des Gefechts. Gleich nach Beginn des Kampfes verließ er in„f l n ch t ä h n l i ch e r Eile" das Schlachtfeld und begab sich nach Gottors. von wo er erst am Abend xost festurn zurückkehrte. Man würde dem Andenken des tobten Herzogs einen besseren Dienst erwiesen haben, wenn man in dem Aufrufe zur Errichtung eines Denk- mnls seine Anwesenheit in der Nähe von Eckernsörde am 5. April 1819 gar nicht erwähnt hätte." So dankenswerth diese Mittheilungen für nochmalige Feststellung der historischen Wahrheit sind, so bemerkens- wcrth ist es andererseits, daß gerade die„Hamburger Nachrichten", das Bismarck am nächsten stehende Blatt, diese den Koburger und seine Haushistoriker wenig ehrende Miltheilung bringen. Die gemeinsame Hetze des Koburgers und Bismarcks gegen die„Engländerin"(Kaiserin Friedrich) im Frühjahr 1883 hat man in Varzin zu vergessen be- liebt.— Em sachsen-tveimarisches Kartell aller bürger- lichen Parteien zur Bekämpfung der Sozial- d e m o k r a t i e bei den Landtagswahlen soll nach der„Post" in verschiedenen Landtagswahlbezirken zur Stande gekommen sein. Wir werden auch mit der einen reaktionären Masse fertig.— Auch dem verrückten König Ludwig». von Bayer» hat man nun auch ein Denkmal gesetzt. Der ober- bayerische Marktflecken Mnrnau hat sich die Ehre erworben. Wer wird nun seinem Nachfolger, dem Könige Otto 1. von Bayern das erste Denkmal setzen?— „Die Beurlaubungen von Soldaten zur Aushilfe bei Ernte-Nrbeiteu werden", so schreibt der„Reichs- Anzeiger",„in der sozialdemokratischen Presse zu tendenziösen Angriffen gegen die Militärverwaltung ausgenutzt".„Zur Richtigstellung" bemerkt er folgendes: „Die Besugniß, derartige Beurlaubungen eintreten zu lassen, liegt in der Hand der betreffenden Truppenkommandeure. Doch darf dadurch die militärische Ausbildung nicht beeinträchtigt, insbesondere bei der Infanterie die sorgsamste Ausbildung im Schicßdienst nicht übereilt werden; jedenfalls sollen die Be- urlaubungeu mit dem Beginn des Regimeuts-Exerzierens ihren Abschluß finden. Diese Anfang der 1870er Jahre gegebenen Weisungen be- stehen auch jetzt, nach Einführung der zweijährigen Dienstzeit, noch in Kraft. Man sollte meinen, daß sie im Interesse aller Betheiligten läge». Dem Soldaten, der fich freiwillig dazu meldet, wird die Feldarbeit seitens des Be- sitzers gut bezahlt; dieser erfährt in einem Augenblick, wo sich für seinen Betrieb eine große Arbeitsleistung in eine kurze Spanne Zeit zusammendrängt, eine wirksame Unterstützung. Eine solche Unterstützung wird dem Bauern zu theil, welcher vielleicht direkt den Kompagniechef seines Sohnes bittet, diesen zu beurlauben, wie dem Großgrundbesitzer, welcher fich»nt seinem höheren Bedarf an den Höchstkommaudirenden der benachbarten Garnison wendet. Es ist eine unbestrittene Thatsache, daß in vielen Gegenden ein Mangel an ländlichen Arbeitskräften besteht, dem auch durch das Angebot hoher Löhne nicht abgeholfen werden kann. Eine illegitime Konkurrenz der be- urlaubtcn Soldaten mit den ländlichen Arbeitern ist demnach ausgeschlossen. Sozialdemokratische Blätter, insbesondere der„Vorwärts", stelle» die Sache außerdem noch so dar, daß erst die Kompagnien durch Entlassung zur Erntearbeit— und zwar lediglich im Interesse der Großgrundbesitzer— dezimirl würden; in die so entstatidenen Lücken würden dann ü b u n g s p f l i ch t i g e Reserve- und Landwehrmannschaften ein- gezogen. So komme eS, daß der Tagelöhner und Kathen- mann, der sein Korn noch aus dem Halm zu stehen habe, zur Truppe einberufen werde und sein Getreide vielleicht verderben lassen müsse, während den Großgrundbesitzern die weitgehendste Hilfe gewährt werde. Zu derartigen Unterstellungen liegt eine sachliche B e- r e ch t i g u n g in keiner Weise vor. Abgesehen davon, daß der Tagelöhner oder Kathenmann kein Korn baut, sondern dasselbe als Deputat vom Gutsherrn bezieht, fehlt überhaupt jeder innere Zusammenhang zwischen den Beurlaubungen zur Erntearbeit und der Einziehung von Mannschaften des Benrlaubtenstandcs zu den gesetzlich vorge- schriebenen Uebungen. Trotz der vielen Worte dieses Dementi sind gerade die wichtigsten Punkte am oberstächlichsten behandelt. Die illegitime Konkurrenz der Soldaten und die Ergänzung der Trnppenkörper durch Lohnarbeiter, gerade zu der Zeit, wo diese die meiste Aussicht ans halbwegs befriedigende Löhne haben, ist zwar bestritten, aber nicht wider- legt. Die auch von uns mitgetheilte Nachricht, daß Soldaten zum Holzfällen in den fürstlich Bismarck'schen Forsten verwendet wurden, ist mit keinem Worte erwähnt, kann demnach wohl nicht bestritten werden. Trotz der Bemerkungen des offiziellen Blattes sind wir von der Ueberzcugung nicht abgekommen, daß die Beurlaubung aktiver Soldaten zum Zwecke der Lohndrückerei und Vermehrung der Arbeitslosigkeit ein Uebergriff der Militärbehörden ist, dem selbst Verfechter des Militarismus, vermögen sie noch nüchtern zu urtheileu, nicht werden zustimmen können.— und stattgcsundenen Heilungen Kunde geben. Eine Wittwe er- zählt, der Gott Asklepios habe ihr das Gesicht wiedergegeben; ein Krieger, ihn habe er von einer Brustwnnde, die ihm schon 1�/2 Jahre lang Schmerzen bereitet habe, geheilt; ein gewisser Keimnta ans Theben, er habe ihn von seinen Läusen be- freit u. s. iv. Der heidnische Gott hielt ebensowenig etwas für unter seiner Würde, wie die heilige Jungfrau, deren Keuschheit sie nicht hindert, die Syphilis zu heile». Es giebt andere merkwürdige Uebereinstimmungspnnkte zlvischen Lonrdes und Epidaurns. Wie in dein französischen Flecken war es in der griechischen Stadt ein Schäfer, der in herrlichem Ninibns den göttlichen Asklepios sah, wie er von einer Ziege gesängt' ward. Nichts ist neu unter der Sonne. Die Aerzte blicken scheel auf diese Konkurrenz, die der gleicht. die Kneipp den deutschen Aerzten macht, ja sogar auch den französischen, denn nian hat eben in der Umgegend von Ronbaix eine Kneipp'sche Heilanstalt gegründet. Um sich zu rächen be- Haupte» sie, nicht die Jungsrau Maria brächte die Kuren zu stände, sondern der Kranke heile sich selbst; der Glaube, den er an die wunderthätigc Macht der Jungfrau habe, mache ihn gesund, und da, wo der Glaube fehle, gäbe es keine Heilung, und zum Beweis zitiren sie das XIII. Kapitel des Evangeliums St. Mathäi, das besagt, Jesus that in einer gewissen Stadt nicht viel Wunder „infolge der Ungläubigkeit der Einwohner". Ein Professor der Arzneischule von Paris ging sogar so weit, seinen unheilbar Krauken zu rathen, nach Lonrdes zu gehen; einer von ihnen, die einen starken Glauben besaß, versicherte er, daß sie vor ihrer Ankunft, auf halber Fahrt, in Toulouse, sich besser befinden und geheilt werden wurde, was auch wirklich eintraf. Aber in Paris und den großen Städten giebt es, ol»gleich Kranke im Ucberflnß vorhanden sind, doch nicht genug, uN> den Aerzten, die immer zahlreicher werden, die Existenz zu ermög- lichen. Diese haben keine Lust, ihre theuren Kranken den geist- lichen Charlatanen von Lonrdes und anderen heiligen Orten abzutreten; sie wollen ihnen im Gegentheil ihre Patienten streitig machen und sie beginne» Wunderkuren durch Suggestion und Hypnose zu machen, und nennen sich Psychiater, Seelenärzte; das fehlte nur noch, um den medizinischen Charla- tanismus zu vervollständigen. Die Medizin wird mystisch. Die Bourgeoisie Frankreichs, die am Ende des 18. Jahrhunderts sich rühmte, atheistisch und freisinnig zu sein, beendet das 19. Jahr- hundert in Mystizismus. Nichts beweist mehr ihre Greiseuhaftig- keit. Als David kam ins Alter, Da machte er Psalter.") sagt der Volksmund. Gallus. •) Das französische Sprichwort lautet: (juanä le diable fut vieux il se fit hermite. Eigentlich: Als der Teufel alt ward, wurde er ei« Eremit- Temottstration gegen das englische Oberhanö. Aus London wird telegraphirt: Sonntag Nachmittag fand im Hydepark eine große Kund- gebung gegen das Oberhaus statt. Die Sozialisten betheiligten sich nicht an derselben, weil sie der Ansicht sind, daß die Kund- gebung gegen beide Häuser gerichtet sein sollte. Die Betheiligung war eine sehr zahlreiche, man schätzte die Anwesenden aus gegen 100 000 Personen einschließlich der Mitglieder der Arbeiter- Syndikate und der radikalen Vereinigungen. Unter den Rednern befanden sich mehrere Parlamentsmitglieder. Es wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in welcher dem Bedauern Ausdruck gegeben wird, daß die Regierung keine endgiltige Versicherung hinsichtlich eines Vorgehens gegen das Oberhaus abgegeben habe, und in welcher die Regierung auf- gefordert wird, unverzüglich die Abschaffung des Oberhauses in's Werk zu setzen. Sämmtliche Wähler des vereinigten Königreichs werden aufgefordert, keine» parlamentarischen Kandidaten zu unterstützen, der nicht ein Anhänger der Abschaffung des Ober- Hauses wäre. Von anderer Seite wird telegraphirt: Die gestrige große Versammlung im Hydepark war ungemein stark besucht. Nach längeren Ausführungen verschiedener Redner wurde einstimmig eine Resolution angenommen, worin an die Regierung die Aufforderung gerichtet wird, unverzüglich gegen das Oberhaus vorzugehen. Ferner wurde beschlossen. alle Wähler zu ersuchen, nur solchen Kandidaten die Stimme zu geben, die sich das Vorgehen gegen das Oberhaus energisch zu unterstützen verpflichten. Der ruhige Verlauf der Versammlnng wurde nur unterbrochen, als von Seiten einiger sozialdemokratischer Redner heftige Agitationsworte fielen. Weiler« Zwischenfälle kamen nicht vor; die Versammlung war vom besten Wetter be- günstigt.— Zur Anfhebnug des Belagerungs-Zustattdes in Sizilien. Die Präfcktur von Palermo veröffentlicht ein Manifest, durch welches bis auf weiteres die Zurückgabe der Waffen, welche während des Belagerungs- Zustandes eingeliefert wurden, in anbetracht der noch nicht vollständig normalen Zustände suspendirt wird. Die Präftktur von Messina ordnete gleichfalls die Suspensation an.■— Nihilistisches. Von einem erzrealtionären Schritt haben die sozialistischen und radikalen Blätler Rumäniens durch ihren Einfluß auf die öffentliche Meinung die Regierung abgebracht. Einem jungen Russen, Namens Gliko, dem Sohn eines achtbaren Kaufmannes ans Odessa, gelang es, ans der Haft zu entkommen und sich so vor der Verbannung nach Sibirien, zu der er ver- urtheilt war, zu retten. Er flüchtete nach Rumänien, wo er auf Verlangen der russischen Behörde verhastet wurde und an den Schergen des Zaren ausgeliefert werden sollte. Dem Prolest der öffentlichen Meinung mußte sich die Re- gierung fügen, Gliko ist freigelassen worden und hat das Recht erhalten, sich in Rumänien niederlassen zu dürfen.— Die russischen Finanzen. Aus St. Petersburg wird telegraphirt: In den ersten 5 Monaten des Jahres betrugen die ordent- lichen Einnahmen des Staates 403 676 000 Rubel gegen 341 437 000 Rubel im gleichen Zeiträume des Vorjahres, die außerordentlichen 17 241 000 Rubel gegen 99 046 000 Rubel im Vorjahre. Von den Ausgaben in derselben Zeit beliefen sich die ordentlichen ans 269 665 000 gegen 261 533 ovo Rubel ini Vor- jähre, die außerordentlichen auf 23 863 000 gegen 13 667 000 Rubel. Die Verzinsung der öffentlichen Schuld erforderte in den ersten 5 Monaten 90 143 000 gegen 110 23ö 000 Rubel im gleichen Zeiträume des Vorjahres. Diese Aufstellung hat blos den Zweck, dein ungeübten Leser Sand in die Augen zu streuen. Thatsächlich sind die Einnahmen in den ersten fünf Manaten des Jahres um 19 566 000 Rubel zurückgegangen, während die Ausgaben um 14 328 000 Rubel gestiegen sind. Demnach ist das Ge- sammtergebniß in blos fünf Monaten um 33 394 000 Rubel (über 74Vs Millionen Reichsmark) ungünstiger wie im Vor- jähre. Dies wird den Kredit Rußlands nicht steigern, kann dagegen als Friedensbürgschast für Europa angesehen werden.— Russische Sozialpolitik nach dem Herzen unserer Agrarier. Der dirigirende Senat hat, wie aus St. Peters- bürg geschrieben wird, entschieden, daß Feldarbeiter, die eigenmächtig ihre Arbeit verlassen, von ihren Arbeitgebern nicht zur kriminellen Verantwortung gezogen werden können; dagegen kann der Arbeitgeber im Wege des Zivilverfahrens vom Arbeiter eine Ent- schüdigung in der Höhe des dreimonat- lichen Arbeitslohnes fordern oder ver- langen, daß die Polizei den Arbeiter zur Rückkehr zwingt, wobei außerdem dem Arbeiter noch der zw ei fache Lohn für dieZeit, die er nicht gearbeitet hat, abgezogen werden k a n n.'— Krieg in Ostasien. Die„Times" melden aus Tientsin vom 23. d. M.: General Zeh mit 4000 Mann vereinigte sich heute früh mit der chinesischen Hauptmacht bei Piöng-Nang, der Rest der chinesische» Streitmacht unter General Niey soll morgen eintreffen. Der Rückzug von Asan wurde sehr gut ausgeführt; die Truppen marschirten 350(engl.) Meilen durch schwieriges Terrain und durchbrachen, obwohl auf der ganzen Strecke beunruhigt, schließlich die Ausstellung der Japaner bei Tschungyu.— Eine kaiserliche Verordnung befiehlt die Enthauptung der Urheber der jüngsten gegen Missionäre begangenen Ausschreitungen, sowie die Zahlung von Entschädigungen an die Familien der Getödteten. Das Tsungli-Namen und der Vizekönig Li-Hung-Tschang sprachen dem englischen Gesandten gegenüber ihr lebhaftes Bedauern über die Vorkommnisse ans. v Aus Tsientsin wird telegraphirt: Die beiden von Briganten gefangenen deutschen Missionare der katholischen Mission in Siniiigchn(Shanlung) sind wieder freigelassen. London, 27. August. Die„Times" berichten, in Formosa seien fünfzig mit der Herstellung von Kamphor beschäftigte Japaner ermordet worden. Vsvketnsi&vii&keit. Parteikonferenz. In Offenbach fand am 26. Maust eine Landeskonferenz der hessischen Sozialdemokratie statt. An- niesend waren 91 Delegirte, welche 91 Orte vertraten. Der Kassenbericht des Landeskomitees brachte nicht viel Erfreuliches zum Vorschein.' Es betrug die ganze Einnahme seit Dezember vorigen Jahres einschließlich eines Kassenbestandes von 19,75 M. 302,71 Mark, der eine Ausgabe von 263,95 Mark gegen- übersteht. Wenn, so erklärte der Berichterstatter, Landtags- Abgeordneter Genosse Cramer- Darmstadt, die Konferenz nicht dazu übergehe, dem Landeskomitee feste Einnahmen zu verschaffen. so werde es nicht besser und die Aaitatio» werde auch fernerhin Roth leiden. Die Konferenz nahm sich diese Mahnung zu Herzen und nahm nach eingehendem Referat des Landtags-Abgeordneten Müller einen vom Landeskomitee vorgeschlagenen Organisations- entwurf nach langer Debatte trotz heftigen Widerspruchs mit 34 gegen 24 Stimmen au. Nach demselben bilden die sozialdemokratischen Organisationen(Wahlvereine, Arbeitervereine u. s. w.) im Großherzogthum Hessen Mitgliedschaften einer Landes- organisation. An keinem On) darf mehr als eine Mitglied- schast bestehen. Jedes Jahr«ll eine Landeskonferenz stattfinden und»war vor dem deu��en Parteitage. Der Ort« der Städtchen inmitten der Pyrenäen vollbringt: sie macht die Lahmen gehen, und die Blinden sehen und die Sterbenden führt sie wieder ins Leben zurück. Aber sie ist noch nicht so weit gekomme», das Geld der Pfaffen und ihrer Schäflein vor den Fallstricken der Panamisten zu bewahre». Jährlich strömen Tausende von Pilgern nach Lonrdes: Die Eisenbahnvenvaltungen richten Züge zu ermäßigten Preisen ein; Leute, welche vorgeben, durch die Gnade der Jungfrau Maria geheilt zu sei», führen ganze Eisenbahnzüge, vollgcpfercht mit Krebskranke», Schwindsüchtigen und anderen unheilbar Er- krankten heran- Hunderte von Gläubigen der Umgegend treffen unter der Führung ihrer Pfarrer ein, in ihrem'Lokaldialekt Preislieder zu Ehren der wunderthäligen Jnngfrau singend. Unter ihnen befinden sich Fanatiker, die Kilometer weit auf den Knien rntschen. Sie werden zu der Grotte geführt, in welcher vor ungefähr 50 Jahren die Jungfrau Maria zwei kleinen Hirten erschien. Diejenigen, die nicht lausen können, werden in kleinen Wagen dorthin gefahren; dort verweilen sie stundenlang, zuweilen tage- lang in stiller Bndacht. Die Grotte ist feenhaft erleuchtet. In- mitten dieses Meeres von Glanz erhebt sich die Statue der Jung- fra». Ein Geistlicher spielt die Orgel, während die oftmals mehrere Tausende zählende Menge Choräle anstimmt. Alles ist geflissentlich so angeordnet, um die Einbildungskrast der Kranken anzuregen. Wirkt die Grotte nicht, so trinkt man aus der heiligen Qnelle; versagt auch diese, so nimmt man seine Zuflucht zu dem äußersten Mittel, einem kalten Bade. Man taucht die Kranken in Wannen voll Wasser zu 6 Grad Celsius. Das Wasser wird immer für mehrere Personen benutzt, die manchmal mit Wunden, Geschwüren oder anderen Hautkrankheiten behaftet sind. Man erneuert das Waffer nur, wenn es zn ekelhaft ist. Der begeisterte Glaube an die Wunderkraft des Spülwassers ist noch weit größer, als an die der Grotte. Es gehört wirklich ein felsenfestes Gottvcrtrauen dazu, eine solche Tortur über sich ergehen zu lassen. Wie es scheint, giebt es zahlreiche Kuren, von denen einige ärztlich beglaubigt sind. Wie diese schmutzige und mystische Heilkunde in Lonrdes im Schwange ist und den Priester», die. sie ausüben, unglaubliche Geldsummen einbringt, so steht sie auch in einer ganzen Reihe von Städten und selbst Dörfern in Ehren; die Jiingfran Maria oder irgend ein Heiliger praktizirt dort mid heilt gewisse Krankheiten besser als ein Diplomdoktor. Diese Heilmethode ist keine Erfindung des Christeuthums, denn man findet überall Spuren von ihr wieder, bei den Indern ebenso gut, wie bei den Negern Afrika's und den Wilden Australiens. Letzthin hat Herr Kavvalas, Ob-ranfseher der Alterthümer Griechenlands, bei den Ausgrabungen, die an der Stelle des be- rühmten Tempels von Epidaurns gemacht wurden, kleine Säulen ausgesunden, auf denen Inschriften von ausgestandene» Leiden �htlich zu ivechsXu ist, wird vom Laudeskomitee bestimmt. Die Landeskonferenz wählt für das Landeskomitce drei Personern die an einem Orte wohne» müssen. Die dem Landeskomitee erwach- senden Kosten werden durch Beiträge gedeckt und z>var uro Mit- gl, cd und Vierteljahr 10 Pfg.; in welcher Weise diese Beilräge erhoben werden sollen, bleibt den einzelnen Mitgliedschaften über- lasten. Organstationen, welche Beilräge an das Landeskoinitee Nicht absuhren, sind von der Vertretung auf der Landeskonferenz ausgeschloisen.— Mit dieser Organisation hat sich die hessische Sozialdemokratie eine fest gefügte Form gegeben, die der Partei zum Segen gereichen wird. Bei der hierauf vor- genommenen Wahl wurde der Sitz des Landes- komitees von Darmstadt nach Mainz verlegt und die Genossen Schreiner Stack. Redakteur Sprenger und Stadlverordneter Tiefe! mit den Aemtern betraut. Da der Genosse Reichstags. Abgeordneter Ulrich wegen Kranksein fehlte, wurde ein Begrüßnngstelegramni an ihn ab- gesandt und sein Bericht über die Thätigkeit der Landtags- Abgeordneten von der Tagesordnung abgesetzt. Nach einem kurzen Referate des Reichstags-Abgeordneten Genossen Jöst-Mainz über den bevorstehenden Parteitag wurde die Konserenz mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen, worauf die Delegirten die Arbeitermarseillaise anstimmten. Möge die neugeschaffene Organisation gute Früchte trage». Vou der Agitation in Oberschlesie». Die Wnth über die Erfolge der Sozialdemokratie in Oberschlesien ist eine so große, daß das oberschlesische Chinesenlhum sich kaum fassen kann. Wie hat man sich gemüht und gequält, gelogen, ver- leumdet und gehetzt, um die Bewegung todtzulügcn.— Alles vergeblich. Der Reichslagsabgeordnete Herbert, meint man, habe Schlesien zur Bearbeitung erhalten, und er solle System in die Sache der Hetzerei bringen; ganz Oberschlesien sei allem Anschein nach mit Hetzern überschwemmt:c. Dies ist so der Sinn fast aller Artikel über die Arbeiterbewegung in Obcrschlesien, die gerade jetzt so große Fortschritte macht. *» Zur Agitation in Elsasi-Lothringe». Gegenwärtig steht man im Reichslande unter dem Zeichen der Wahlagitation. Am IS. und 16. September sollen Ergänzungswahlen für die Bezirks- und Kreistage'stattfinden, ivclche insofern politische Be- deutung haben, als aus den Bezirkstagen der größere Theil des Landesatzsschusses gewählt wird. Die erste Volks- Versammlung, in welcher Genosse Jäckh über:„Die Bedeutung der Bezirks- und Volksversammlungen- sprach, war genehmigt worden. Weiter sollte er vergangenen Sonnabend in Dornach und Sonntag in Thau über dasselbe Thema referiren. Die Ver- sammlnng vom Sonnabend wurde kurzerhand verboten, und die vom Sonntag durch Abtreibung des Saales unmöglich gemacht. So werden in Elsaß-Lothringen Wahlen vorbereitet! ** * Ei» ganz gemeiner Schurkenstreich wird, wie die „Bremer Bnrger-Zeitung" mittheilt, gegenwärtig gegen unsere» Genossen Bruh ns verübt. An Straßenecken, Häusern, Mauer» u. s. iv. werden kleine gummirte Zettel angeklebt, die solgende» Inhalt haben: „Arbeiter Brelneus!-Der frühere Reichstags-Abgeorduete Jul. Bruhns hat ei» Gehalt von monatlich 176 M. und bezog, während er Reichstags-Abgeordneter war, pro Tag 7,S0 M. Parteidiäten, macht Summa jeden Tag 13 M. Bei diesem Einkommen hat der Bursche noch die Frechheit gehabt, 2500 M. der Bremischen Parteikasse abzuborgen. Natürlich hat er bis heute keinen Pfennig zurück- gezahlt. Arbeiter! Nun wißt Ihr, wo Eure Gelder bleiben!" Was diese bübische Gemeinheit besonders charakterisirt, be- merkt hierzu unser Bruderorgan, ist die Thatsache, daß die Schmutz- zettel ohne jede Unterschrift und ohne Angabe des Truckers ge- blieben sind. Nun, die Arbeiter wissen nach den jüngst gemachte» Erfahrungen, wo sie das feige Subjekt, den ehrlosen Urheber dieser ekelhaften Augriffe aus einen Parteigenossen zu suchen haben und sie wende» sich, gleich jeden» anständigen Menschen, einerlei welcher politischen Richtung derselbe augehören mag, mit Verachtung von einem solchen verleumderischen Treiben ab. »* Ktiegervereiue nud Sozialdemokratie. Von Alten- d o r f der Chemnitz wird dem„Beobachte r" folgende schreckliche Geschichte berichtet: Hat da der Wirth der„Deutschen Bierhalle", in welcher der Wahlverein seine Versammlungen abhält, die„Dreistigkeit" besessen und hat sich in den M'litärverein ausnehmen lassen. Dieses Vergehe» sollte jedoch der Wirth bald büßen müssen, den» der Vorsitzende deS Militärvereins erhielt die Ordre, das neue Mitglied sofort aus deuiVereiu zu entferne». Jedoch die Geschichte ging nicht so glatt, das Mitglied wollte nicht freiwillig gehen und der Vorsitzende des Vereins legte darauf sein Amt nieder. Streichen wollte man den Wirtb auch nicht, weil man ihn erst aufgefordert hatte, einzutreten, es blieb also blos der eine Weg, im guten mit ihm zu verhandeln. Nachdem ihm seine Beiträge zurückerstattet, erklärte er sich bereit, sreiivillig auszutreten, um von dem Verei,. die drohende Auflösungsgefahr abzuwenden. So können also die Patrioten wieder ruhig schlafen, Altendorf ist für dies Mal ge> rettet. Auf diese Weise drängt man kleine Geschäftsleute immer mehr zu uns, denn der Wirth gehörte bisher unserer Partei nicht an, war vielmehr laugjähriges Mitglied im Wittgensdorfer Militär- verein und Feuerwehr- Hauptmann daselbst. Da er jedoch die rothe„Bierhalle" gekauft, scheint er„angesteckt" worden zu sei». Ter Wahlverein aber und die bösen Sozis werden nun bald merken, daß der Kamps gegen sie derb entbrennen wird, wenn neben dem Militärverein der antisemitische Verein„Neudorj" nach seiner Gründung auf der Bildfläche erscheint. Ei» Kesseltreiben nach der Art. wie man es unter dem Sozialistengesetz so häufig gegen Sozialdemokraten anzuivende» beliebte, scheint man gegen Genosse Braun inszeniren zu wollen. Zunächst wurde»hin bekanntlich Ende Juni ei» Aukweisungs- befehl aus Burgstädt zugestellt, dem er nach vergeblich erhobener Beschwerde am 19. Juli dadurch entsprach, daß er von Burgstädt nach Göppersdorf übersiedelte. Gleichzeitig hatte er aber gegen feine Ausweisung weitere Beschwerde an das Ministerium in Dresden eingelegt, die vor einigen Tagen abweisend beantwortet wurde. Nunmehr ist Braun aber noch eine weitere Verfügung zngegangen, wonach er binnen acht Tagen auch Göppersdorf, sowie die ganze Amtshauptmannschast Rochlitz verlassen muß. DaS„sozialdemokratische Gift" in der Studenten- schaft. Von der Universität Bonn berichtet uiiser Kölner Parteiorgan einige Vorgänge, die äußerst bezeichnend sind. In dem akademischen Lesezimmer liege» Hunderte von Zeitschristen aller Parteirichtungen aus; nur eine Partei ist nicht vertreten: die sozialdemokratische. Da zeigte sich nun ein Theil der Studenten den Herren Professoren an Äerständniß für das, was unsere Zeit verlangt, überlegen; Ende vorigen Semesters legten nämlich einige Studenten dazu in den, Lesezimmer eine Petition auf, des Inhalts, die„Hamburger Nachrichten". ivegen ihrer bekannten Beziehungen zum Fürsten Bismarck, und außerdem de»„Vorwärts", als Organ der stärksten Partei Deutsch- lands, anzuschaffen. Etiva 150 Unterschristen kamen zusammen. Bezeichnenderweise fand die Petition keine Gnade in den Augen der Insasse» des Konvikts und der übrigen ultramontanen Studenten. Kurz vor den Osterferien wurde die Petition dem aus Prosessoren aller Fakultäten und aus drei Studenten gebildeten Vorstand des Lesevereins zugeschickt. Zu Beginn dieses Semesters nun lagen wohl die„Hamburger Nachrichten" auf. nicht aber der„Vorwärts". Darauf setzten Mitglieder der Burschenschaft„Alemannia" eine neue Petition auf, worin es unter anderem hieß: Man verlange von den Studenten immer, sie sollten die Sozialdemokratie bekämpfen; wie sie das machen sollten, wenn sie die Ziele dw sozialdemokratischen Partei gar nicht kennen? � Diesmal•-rden sich sogar 175 Unter- ' i�lantwortlicher Redakteur: 4 schriften zusammen; wieder schloffen sich die ultramontanen Studenten ans. Inzwischen ist die Petition eingereicht, und nun herrscht Ruhe über den Wassern. Will, man die drei Monate Herbstferien wieder benutzen, um das Verlangen von ungefähr der Hälfte aller am Lesezimmer betheiligten Studenten zu ignoriren, so daß, wie bisher, die deutsche Sozialdemokratie, von ihren wiffenschaftlichen und provinziellen Organen zu schweigen, nicht einmal mit ihre», größten Tageblatt vertreten wäre? Man kann wohl kaum einen anderen Grund für ei» solches Vorgehen ausfindig machen, als die blasse Furcht vor der sozialistischen Idee, vor de», Eindringen des„sozialdemokratischen Gists" in die Studentenschaft. Polizeiliches, Gerichtliches ze. — In D o r t in u n d hatte sich eine sozialdemokratische Ver- sammlnng zweimal vertagt, und zwar jedes Mal für die Dauer von 59 Minnten. Nach der zweite» Pause, die nur 43 Minuten dauerte, war sie wieder eröffnel worden. Die Polizei aber löste unter Berufung auf das Vereinsgesetz(!) die Versammlung auf, weil die Gesammtdauer der Pausen wäh- rend der Versammlung eine Stunde nicht überschreiten dürfe. Diese Auslegung des Vereinsgesehes seitens der Dortmunder Polizei ist durch den Worllaut des Vereiusgesetzes nicht gerecht- fertigt. Nach dem preußischen Vereinsgefctz gilt eine Versamm- tung nicht inehr als vorschriftsmäßig augezeigt, wenn sie„die länger als eine Stunde ausgesetzten Verhandlungen wieder auf- nimmt".— Es wird wirklich Zeit, daß man den unteren Polizei- Organen Jnstruktionsstuiideii geben läßt, damit sie nicht so häufig und in gröblichster Weise gegen das Gesetz verstoßen. — DaS Allerneue st e ans Sachsen. Aus Gelenau im Erzgebirge wird gemeldet: Der hier bestehende Arbeiter- Gesangverein wurde auf gruud der seinerzeit in Aussicht ge- nomnienen Bclheiligung am westsächstschen Arbeiter-Sängerbund von der königl. Amtshauptmannschast Annaberg aufgelöst. Daß man jetzt sogar Vereine auslöst wegen angeblich ungesetzlicher Handlungen, die sie in Aussicht gcuomme», aber»och inchl vollführt haben— das dürfte das Allerneueste der„schärfere» Be- kämpfung" sein. — Zu 14 Tagen Gefäugniß wurde Genosse Rei- ch a r d, Redakteur der„Sachs. Arbeiter- Zeitung", verurtheill, weil er die Dresdener Polizeidirektion beleidigt haben sollte. Die Beleidigung sollte geschehen sei» durch einen Artikel, der de» Boykott behandelte und in dem gesagt war, daß der Boykott- erlaß der Polizeidircklioii„ungesetzlich" sei. Weiler ii>krim,nirle mau die Sätze:„Tie Furcht vor dem Mililärverbot und den Cl?ikaue» der Polizeibehörden haben die Wirthe iinmer zu einer ab- lcbneudeu Haliuug veranlaßi", und die im Zusammenhange mit dem Hiumeisednrauf, daß Militärbehörden, Konservative und Autiseiuiten ungestört boykottiren könnten, gebrachte Stelle:„Da aber die Arbeiter den Spieß umkehren, sich mit der von den Gegnern zuerst gebrauchten Waffe wehren, springen Polizei und Staats- anwalt den Kapitalisten zur Hilfe und steckt die Arbeiter ins Gcfängiiiß." Fünf Zeugen, welche unser Genosse zur Ver- „ehmuug vorgeschlagen, um Zenguiß abzulegen darüber, daß sie in der That von der Polizei„chikanirt" worden seien, wurden vom Gericht als„unerheblich", abgelehnt und so gelangte mau zu obigen, Urtheil. — Die Verhandlung gegen Genossen Hülle, Redakteur der „Thür. Tribüne" wegen Beleidigung des Stadtraths K o r t ü m, welche auf Sonnabend, den 25., anberaumt war, ist abermals vertagt worden, um weitere Zeugen zu laden. Sozikile Melicvjttfjl. Bestrafte Iluteriiehilier. 43 Straf in andate wurden von der Altona er Polizei gegen solche Personen erlassen, welche die bei ihnen beschästiglen Leute nicht rechtzeitig zur Jnvaliditäts- und Altersversicherung an- respektive abgemeldet haben. ProletarierlooS. Ein Cobnrger Tuchmachergeselle von 55 Jahren, welcher ca. 30 Jahre lang in ein und demselben Geschäft zur größten Zuftiedeuheit seines Meisters thätig war, ist sreiivillig aus dem Leben geschieden. Der Verstorbene wurde vor 3 Jahren entlassen, weil sein Meister der Konkurrenz nicht mehr widerstehen könne und weae» einer Geschäftsveränderung (d. h. nur noch mit fertigen Stoffen handeln) die Tilchmachcr- Werkstelle hindernd im Wege sei. Da der Verblichene schon zu alt war und ein gebrechliches Bein hatte, so konnte er ander- weilige Arbeiten nicht gut verrichten nnd infolge dessen ist das Elend über ih» hereingebrochen. Dabei ist zu bemerke», daß er ein fleißiger, rechtschaffener Arbeiter und ein eifriger Kirchen- gänger war und trotz dieser Tugenden in seinein Beruf nirgends Beschäftigung gesunden hat. Auch die Thatsache, daß er streng national gesinnt war. komile ihm vom Elend nicht erretten. WctuevftschnfMrlics. Tic 4. Geiicralversammliliig deS Verbandes Deutscher Verg- nnd Hüttenarbeiter trat am Sonntag, den 26. Anglist, in der„Gernianiahalle" zu V o ch u in zusammen. Tieselbe wird um 114/s 11 yr Vormittags vom ersten Vorsitzenden Ludivig Schröder mit eiuci» herzlichen Glückauf eröffnet. Schröder giebt einen Rückblick ans die Beivegnng seit>639 und des gegenwärtig tagenden„nationalen Kongresses der evangelischen nnd katho- lischen Bergleute". Gerade diese letztere Beivegnng sei erst der diesseitige» zu verdanken und könne nur dazu beitragen, auch diese iudisferenten Masse» mit der Zeit der Sozialdemokratie zu- zuführen. Le g i en- Hamburg, der im Auftrag der General- kommission zugegen war, richtete eine mit großein Beifall auf- geiiommene Ansprache au die Versammlung. Der Vorsitzende Schröder erstallete hierauf den Geschäftsbericht. Im vorigen Jahre habe die Gencralversauunluiig in Dortiiinnd tagen niüssen, da hier kein Lokal zu erhallen war. Bei den Wahlen zu», Berg- gcwerbegerichte habe der Verband seine Kandidaten durch- gebracht. Redner berichtet nun des Ausführlichen von den, internalionalcn Bcrgarbeiterkongreß zu Berli>,. Dort seien das erste Mal Vertreter ans Oberschlesin, zugegen gewesen. Die zwei Delegirten, die bei ihrer Rückkehr geniaßregelt worden seien, haben seitdem eine so rege Agitation entfaltet, daß der Verband in Oberschlesien jetzt 3000 zahlende Mitglieder habe. Westfalen sei in der Agitation etwas vernachlässigt ivorde», zu bedenken sei aber, daß die besten Kräfte lange im Gesängniß waren. M e y er als Kassirer berichtet, daß die Einnahmen 20 633,08 M. betrugen, die Ausgaben sich auf 22 067,76 M. bcliefe». Gegen das Vorjahr war dies eine Mindereinnahme von etwa 9000 Mark. Bon dem vorhandenen Baarvermögen sind 22 000 M. zins- bar angelegt, wovon 16000 M. an den Konsumverein rheinisch- westfälischer Bergleute„Glück aus" zu Gelseukirche», seit den, 12. Pugnst in Liquidation, ausgeliehen sind und höchst wahr- scheinlich verloren gehen. Außerdem besitzt der Verband eine schuldensrcie Druckerei. Das vermeintliche Defizit gleicht sich durch vorhandene nnd vorräthige Maaren, wie Druckpapier, Kartons. Zeitungssarbe, Oele u. s. w., die bei Lieferung sofort bezahlt sind, aus. A» Außenständen für Druckarbeilen sind noch 799,20 Mark vorhanden, wovon zirka 300 M. als verloren zu betrachten sind, da Auftraggeber zahlungsunsähig sind. Wenn wir alle Ver- hällnisse, die schlechte wirthschaftliche Lage u. s. w. erwäge», so ist angesichts des Kassenberichts keinerlei Veranlassung an der Existenzsähigkeit des Verbandes zu zweiseln. Als Vorsitzender des Kontrollausschusses erstattet Möller. Reichstags-Abgeordneter für Waldenburg, Bericht. Dreimal ist die Kasse revidirt worden und in Ordnung befunden. Z» sonstigen Maßnahmen lag nichts vor. In Sachen des Konsumvereins konnten»vir nichts thun, da wir dann dem Beschlüsse der General- Versammlung vor 2 Jahren zuwider gehandelt hätten. Als Vorsitzender der Mandatsprüsungs-Kominission berichtet sodann Bunte- Dortmund, daß 39 Mandate als richtig aner- kannt worden seien. Außerdem sind einige Vertrauens- Pö iss'ch in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing i niänner ohne Mandate als Vertreter ihrer Mylstellen anivesend, so daß im ganzen 53 Delegirte anwesend sind. Von den oberschlesischen Sektionen ist beantragt, eine Zeitung in polnischer Sprache herauszugeben. Schröder und Meyer erklären sich dafür, wenn nur genügend Abnehmer vorhanden seien. Dietrich-Bickern und M ü h l e n b e ck- E s s e n treten ebenfalls für diesen Antrag ein. Außerdem wird noch der Antrag gestellt, das Verbandsorgan in größerem Format herauszugeben. H a n s n> a n n- E i ch l i n g h o f e n ist für beide An« träge. Die Knappschafts-Angelegenheiteii müssen erörtert werden, aber auch den polnischen Kameraden müssen wir verdauliche geistige Speise bieten. Auf eine Anfrage theilt der Vorsitzende mit, daß ein polnischer Redakteur sehr leicht zu erhalten sei, allerdings werde er Geld kosten. Er sei genölhigt gewesen, bei seiner Agitations- tour in Oberschlesien ein polnisches Flugblatt herauszugeben und das habe wie eine Bombe eingeschlagen. Meyer beantragt, das polnische Organ herauszn- geben, wenn innerhalb vier Monate 4000 Mitglieder sich gefuiideii hätten. Der Antrag wird einstimmig angeiiomnien.— Eine längere Debatte entspinnt sich über die Liquidation des Konsumvereins„Glück auf", dem der Verband 16 000 M. ge- liehen hat. Der Kassirer Meyer betont, daß. wenn der Verein diese Summe fordere, die Mitglieder nachzahlen müßten. Da die anderen Gläubiger nichts nachließen, so sei das Geld jeden- falls verloren. G at h m an»- Gelsenkirchen, Liquidator des Konsums- Vereins, giebt den Verlauf der letzten Generalversammlung be- kannt, welcher die Liquidation beschloß, dieselbe kann stattfinden, wenn der Verband auf die 16 000 M. verzichte; finde sie statt, so brauche kein Mitglied nachzuzahlen, was beim Konkurs. der sonst eintrete» müsse, der Fall sein werde. Bei der Liqui- dation könne» wir 5000 M. noch erübrigen, die wir dann für den Verband retten können. Beim Konkurs aber werden die Gläubiger die Forderung des Verbandes bestreiten, der Verband wird nichts bekommen, und die Mitglieder werden ausgepsäudet werden. Schröder erklärt, daß der Vorstand des Verbandes auf die 16 000 M. nicht verzichtet habe, weil er das nicht könne, denn das müsse die Generalversammlung thun, weil es das Geld der Blitglieder sei. Die Diskussion über diesen Punkt, in der eine große Anzahl Delegirter, als auch die Ausschußmitglieder des Konsnnivereins das Wort nehmen, endigt mit der Annahme einer Resolution. durch welche ausgesprochen ist, daß der Verband auf die 16 000 Mark verzichte. Es werden aber zwei. Bunte- Tort- niund»nid Hansemann- Eichlinghofen, in den Gläubiger» ausschuß geivählt, um dort die Interessen des Verbandes wahr- zunehmen. Man hofft auf diese Weise noch 5—6000 Mark retten zu können. Auf eine Anfrage L e g i e n v, wie der Verband sich zur Generalkommission stelle, wird der Beschuß gefaßt, daß der Vor- stand in Zukunft verpflichtet sein soll, Beilräge regelmäßig an dieselbe abzuführen. Ein Antrag auf Erhöhung der Beiträge auf 50 Pf. per Monat ivird an die Zahlstellen zur Abstioiinung überwiesen. In den neuen Vorstand werde» gewählt; Schröder als Vorsitzender, Meyer als Kassirer und Hünuinghaus als Schriftsührer. Bezüglich der Druckerei wird beschlossen, diese einem Vorstandsmilgliede und zwar dem Kassirer Meyer zu übergeben.— Damit ist die Tagesordnung erledigt nnd schließt der Vorsitzende Schröder die Sitzung mit einem Hoch auf die internationale Solidarität der Bergleute. Depreslhen; (Wolff'S Telegraphen-Bureau.) Elbing, 27. August. Ein Feuer zerstörte heute früh daS Emaillirwerk der Aktiengesellschaft Ad. H. Neuseldt. Das Stanz- werk und das alte Einaillirwerk sind gänzlich zerstört. Der Schaden, den fünf Versicherungsgesellschaften zu tragen haben, wird aus eine halbe Million geschätzt. Das Feuer ergriff auch die höhere Töchterschule und zerstörte deren Giebel. Die Eni- stehungsursache des Feuers ist unbekannt. Miincheu, 27. August. In dem Neubau in der Türken- straße 60 brach heute Mittag Feuer ans; der Neubau stürzte lheilweise ein, 3 Arbeiter wurden verschüttet; bisher ist ein Arbeiter schwerverletzt hervorgezogen. Die lliettungs- Arbeit dauert fort. Das 3. Feldartillerie-Reginient ist heute in das Manöver- tcrrain abmarschiert; im Garnisonlazareth befinden sich, der „Allgemeinen Zeitung" zufolge, 11 Typhuskranke. M iillcheu, 27. August- In Ruhuianusselden hat eine Feuersbrnnst 19 Gehöfte mit allen Ernlcvorrälhen und drei Brauereien zerstört. Thun, 27. August. Das„Hotel Victoria" aus dem Beaten- berg ist in der Stacht vom Sonnabend aus Sonntag vollständig abgebrannt. Das Hotel war von 160 Fremden, meist Eng- läudern beivohnt; die Effekten der in den oberen Slockwerken logirenden Gäste konnten nicht gerettet werden. Das Feuer ist i» dem Zimmer des Porliers ausgebrochen und durch ungeschicktes Umgehen mit Benzin entstanden. Athen, 26. Aug. Heute Vormittag wurden mehrere starke Erderschütterungen auf der Insel Euböa verspürt, eine davon wurde auch in Athen wahrgenommen. Ei» Schaden wurde nicht herbeigeführt. Brcscia, 26. August. Fünf Arbeiter des Arsenals wurden unter der Anschuldigung verhaftet, einige Theile des neuen italie» nischen Mililärgewehrs„Modell 1691" entwendet zu haben. Mndrid, 26. August- Gestern herrschte in ganz Spanien ein furchtbarer Orkan. Die Telegraphenleitungen sind unter- brochen- In den Provinzen ist vielfacher Schaden angerichtet. Brügge, 27. Augnst. Gesten, Abend um 11 Uhr fuhr der Zug von Ostende im hiesigen Bahnhofe auf einen anderen Zug aus. Drei Personen wurden leicht verwundet; der Material- schaden ist bedeutend. Amsterdam, 27. Augnst. Heute sind hier 3 Cholera- erkrankungen und 1 Choleratodesfall vorgekommen; aus Maastricht und Rieuwerkerk a. d. Nlsel wird je 1 Todessall gemeldet. Paris, 57. Atigust. In einer in Stenay snr Meuse vor seinen Wahler» gehaltenen Rede betonte der Finanzininistcr Poincars die Nothwendigkeit, jede unbesonnene Finanz-Reform zu vermeiden. Der Minister theilte mit, die Regierung werde der Kammer Sleucrgesetz< Entwürse vorlegen, durch welche das Kapital nnd das Einkommen uniniltelbarer getroffen, die Erbschaftssteuer verbessert und die kleinen Steuerzahler entlastet werden sollen. Chinsi, 26. August. Ein von Rom nach Mailand gehender Zug stieß hier mit einer Rangirmaschine zusammen. Ei» Heizer nnd drei Reisende ivurden verletzt. Die Maschine des Zuges wurde umgestürzt. Unter den Verwundeten soll sich der Präsekt Capitelli befinden. (Depeschrii-Biireau Herold.) Aulsterdam, 27. August. Die aus Batavia hier eingetroffene Nachricht, daß die holländische Expedition nach Lombok verrälhe- rischer Weise von Eingeborenen überfallen und in die Flucht ge- schlagen wurde, ruft in allen Kreisen große Erregung hervor. Einzelheiten über das Vorkommuiß werden mit Spannung er- wartet. Mailand, 27. August. Ein französischer Soldat, Cremieux, aus Aviguvn, ist wegen anarchistischer Umtriebe verhastet worden. Er ivird an Frankreich ausgeliefert. London, 27. August. Wie die„Times" aus Lima melden, sind 600 stark bewaffnete Ausständische im Begriff, nach dem nördlichen Peru gegen die Regierungstruppen vorzurücken. Es steht eine entscheidende Schlacht nahe bevor. Berlin SW., Beulhstraße 2. Hierzu eine Beilage. -'-K Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ar. 199. Dienstag, den 28. Angnst 1894. 11. Jahrg. rbeiter! Der brutale Willkürakt des Brauereirings harrt noch der Sühne. Ten Hunderten unschuldig aufs Pflaster geivorfenen Arbeitern ist noch keine Genugthuung ge- worden. Arbeiter und Parteigenossen! Ohne Eure opferwillige Unterstützung würden die Gemaßregelten der bittersten Roth versallen und gezwungen sein, um Gnade zu betteln. Die Hochherzigkeit der Berliner Arbeiterschaft hat diese Schmach verhindert. Ter erste Sturmlauf des Protzenthums scheiterte an Eurem Solidaritätsgefühl. Nicht eine Bresche vermochte der Bierring in Eure Reihen zu legen. Einig, geschlossen, kampsesmnthig und opferwillig seid Ihr fest entschlossen, den entbrannten Kamps zun» siegreichen Ende zu führen. Arbeiter, Parteigenossen! Euer Wollen garantirt Euer Können! Ihr könnt, wenn Ihr wollt. Den zweiten Sturmlauf auf Euere Phalanx mußten die dem Bierring Lehensdienste leistenden Saalbesitzer unternehmen. Die Agitation sollte unterbunden, das Mund- todtmachungssystem praktizirt werden. Auf der Mine, die sie gegraben, sind die Saalbesitzer aufgeflogen. Ihr Wehgeschrei könnte Mitleid erwecken. Arbeiter, Parteigenossen! Selbst der Himmel, auf den der Bicrring seine letzte Hoffnung setzte, ist mit uns im Bunde. Die Saison kann dem Ring nicht mehr über die Verlegenheiten hinweghelfen, die nut jedem Tag des weiteren Kampfes sich thurmhoch häufen. Ausharren bedeutet für uns siegen. Unsere Position ist uneinnehmbar. Der Stand des Boykotts ist ein vorzüglicher. Wir können zuwarten, ohne entbehren zu müssen. Arbeiter, Genossen! Je konsequenter der Boykott durchgeführt wird, desto nachhaltiger seine Wirkung, desto entscheidender der Sieg. Duldet keine Ausflüchte, keine Ausreden. Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns. Soweit unser Einfluß reicht, muß das Ringbier verpönt iverden. Nicht ein Tropfen darf getrunken werden. Arbeiter, Genossen! Die Bierznfuhr ist eine geregelte. Sie wird mit jedem Tag der Fortdauer des Boykotts eine bessere. Alle Ansprüche können befriedigt werden. Darum widersteht jeder Versuchung, Ringbicr zu trinken. Die schwerste Arbeit ist gethan. Die Periode der Organisirnng des Kampfes war die aufreibendste. Jetzt wird uns der Kamps leicht, weil wir das Terrain zum guten Thcil beherrschen. Der Sieg muß unser werden, wenn wie bisher mit gleicher Schärfe und Ausdauer der Parole gefolgt wird Hoch der Boykott smnnttlicher Nmgbrauereien! Trinkt keinen Tropfen Ningbier! Die ImjitottltoiitnttlTion. MMtstties Bier litsern: Brauerei CarlSberg, Friedrich Reichenkron, Char- l o t t e n b u r g. Brauerei Wilheluishöhe, E. Lehmann, Berlin. Brauerei Pichelsdorf, Direktor Hossmann. Müuchcner Brauhans, Aktien-Gesellschaft, Berlin. Süddeutsche Brauerei, Karl Kintz u. Ko., Berlin. Brauerei Mnggclschlvsschc», Friedrich shagcu. Nordstern-Brauerei, Berlin. Exportbrauerei Nathenotv, Niederlage bei Max Denn- Hardt, N.W., Hannoversche Straße 18a. Schlostbrauerei, F ü r st e» w a l d e. Niederlage bei Franz Heiser, ü, Liesenstr. 5. Bürgerliches Brauhaus(in Firma Müller), Frank- f u r t a. O. Phönix-Branerei, C. Radon, L i ch t c r f e l d e. Brauerei Jaadschlösschcn, E b e r s w a l d e. Niederlage E d in. R e n t e r, Sivinemiinderstr. 45. Bcrg�Braucrei, Brand eii b n r g. Vertreter: H. W o l f f, N., Dragoncrstr. 31. Brauerei Wusterhausen, Vertreter: Max Fleischer, Rcicheubergerstr. 155. Bürgerliches Brauhaus, H a in b n r g- Eilbcck, Kellerei und Niederlage, SW., Verlängerte Trebbinerstr. 7. Bürgerliches Brauhaus, Luckenwalde. Niederlage G. S p i e k c r m a n n, Weberstr. 66. Brauerei Tivoli, Strausberg. Niederlage Stabernack, Mühlenstraße 49a. Brauerei i» Storkow(in Firma A. Miethe), Vertreter: S p i e k e r in a n n, Wcbcrstraße 63. Brauerei Hildcbrandt, Nowawcs. Vertreter: H. Hensel, Kraujenstraße 13. Uolterles. Genosse Kiinert wird endlich heule der„Freiheit" wieder- gegeben, nachdem er sechs Monate lang hinter den öden Gcfängnisi- mauern Plötzensee's hatte zubringen inüssen. Ihm war bekannt- lich die langzeitige Freiheitsstrafe auferlegt, weil er einige Ur- theile ans dem geheimen Militär-Verfahren zur Veröffentlichung gebracht hatte, und weil die an Papier- und Sckrifiwerth noch nicht einen Pfennig wcrlhen Erlcnnlnip-At-schristen vernichtet waren, nachdem ihr Inhalt gedruckt und der Ocsfentlichkeit über- geben war. In unanfechtbarer, aktcnmähig konstatirtcr Weise war durch jene Erlenntnisse Kunde von brutalen Mißhandlungen gegeben, die in unserem«herrlichen Kriegshcer" an Brüdern im Waffenrock von Vorgesetzten verübt sind. Jedem Denken- den und Fühlenden wurden durch jene Veröffentlichung die naturgemäßen Folgen unseres Militarismus klar: brutale Miß- bandlungen Untergebener durch Vorgesetzte, selbstredend fruchtlose Versuche jedes Selbständigkeitsgesühl durch kolossal hohe Strafen zu unterdrücken und die Furcht vor dem unbedingten Sieg der sozialdemokratischen Lehren.') Eine enorm hohe„Strafe" ist dem Genossen Kunert durch„gelehrte" Richter für diese ini Interesse der Gesammtheit vorgenommene und der Ausklärung breiter Volksinassen dienende Veröffentlichung zudiklirt worden. Endlich hat er diese überstanden— hoffentlich ohne zu große» Schaden an seiner Gesundheit gcnoniinen zu haben. Ein herz- lichcs Willkommen dem unverdrossenen Mitkämpfer! Achtung, Parteigenossen! Zur besseren Durchführung der Kontrolle und Kenntlichmachung der Gastwirthe, welche kein boykoliirtes Bier fuhren, iverden von heute ab neue Plakate mit der Ausschrift: „Hier wird kein Ringbier ausgeschänkt" herausgegeben. Diese Plakate sind mit dem Stempel der Boykott- kommissiou versehen. Alle bisher von feiten der Boykottkoinmission und der Bier- konmiission zur Ausgabe gelangten Plakate sind von jetzt an u n g i l t i g, und ersuchen wir die Genossen, streng darauf zu achten, daß dieselben, wo sie noch aushängen, entfernt werden. Die B o y k o t t k o m m i s s i o n. An die Gastwirthe Berlins und Umgegend! Um den regelmäßigen Bedarf an Bier seitens der Gast« und Schankwirthe Berlins und Umgegend zu decken, haben die ver- schiedenen außer dem Ring befindlichen Brauereien von auswärts selbst hier Niederlagen von ihren Bieren eingerichtet. Die unter- zeichnete Kommission glaubt, daß dadurch ein jeder Gast- und Schankwirlh, der seine Gäste befriedigen und denselben ring- freies Bier verabfolgen will, dazu in der Lage ist, umsomehr als wiederum zwei außerhalb bestehende Brauereien hier Niederlagen eingerichtet haben. Sollten dennoch unpünktliche und unregelmäßige Lieferungen von Bier vorkommen, so ersucht die Kommission, alle Beschwerden *) Gesammelt ist der größte Theil dieser Dokumente aus dem Geheimarchiv des Militärstrasverfahrcns in der bei Mörlein und Cie.(Nürnberg) erschienenen Brcchüre,„Die heilige Vehme", die keinem Hause fehlen sollte. au die unten genannten Adressen zu richten, wonach dann das Weitere veranlaßt wird. Norden. Schebs, Neiiiickendorferstr. 7; Haferlandt Vellermaunstr. 87. O st e n. Lorenz, Koppensir. 47; Tempel, Laugestr. 6ö; Wille, Andreassir. 26; Spiekermann, Weberstr. 66; Stabernack, Miihlenstr. 49a. S ü d- O st. K ö h n, Naunynstr. 8?; Z u b e i l, Naunyn- straße 86; Henke, Gr. Frauksurterstr. 73 und Naunynstr. 86. S ü den und Weste». S ch o n h e i»I, Gräfestr. 8. Charlotten bürg und S ch ö n e b e r g. Wer nicke Charlvttenbnrg, Krummeslr. 19. Die meuschenfreuudliche Natur eines Brancreibesitzerö und eines anderen Philanthropen offenbart sich recht anschaulich in einem Aufruf„An unsere Mitbürger", dem einige im Zentrum wohnende Herren zu gunsten einer armen Näherin verbreiten. Es heißt in dem, u.a. von dem Hoflieferanten Otto Grnnow, Brüderstr. 9a, unterzeichneten Ausruf;„Im Hause Roßstraße 29 wohnt in einer nach dem Hofe gelegenen Dachkammer die nn- verehelichte Näherin Anna L o t s ch, genannt Meyer. Dieselbe wurde vor einigen Jahren von einem Kutscher der Bötzow- scheu Brauerei überfahren, infolge der durch diesen Unfall nölhig gewordenen Operation verlor sie: ein Bein sowie m e h r e r e R i p p e n. Das andere Bein war gebrochen und eine Hand ist steif geblieben. Viiyolv verweigerte jedwede Siibvcutivn. Der Kutscher wurde gerichtlicherseits zur Zahlung der Alimente verurtheilt, hat jedoch den Offen- barungseid geleistet. Die unglückliche Person ist der städtischen Armenpflege anheimgefallen, vermag jedoch von den ihr dargereichten Almosen ihr Leben nicht zu fristen und erwirbt, trotz ihres entsetzlich verkrüppelten Körpers, durch Näh- arbeiten das zur Existenz Nothwendige. Edle Menschen haben dieser unglücklichen Person während der Sommermonate in Woltcrsdorfcr Schleuse ein Asyl eingeräumt. Nun trifft sie unerwartet ein weiterer Schicksälsschlag. Ihr Nachbar, der Lederhändler Herr Heinrich Lamm, hat zum 1. September d. I., auscheinend infolge einer belanglosen Kontroverse, den von der p. p. Meyer bewohnten Ranm ge- miethet. Selbst die Bitte, ihr die Dachkammer nur bis zum I. Oktober d. I. zu überlassen, wurde einfach abgeschlage n." Es ergeht dann die Bitte an die Bürger, insbesondere an die im Stadttheil„Alt-Kölln" wohnenden, in ihren Bekanntenkreisen nach einer geeigneten Wohnslätte für die Genannte Umschau zu halten und den Nachweis einer solchen an einen der Unter- zeichneten des Ausrufs gelangen zu lassen.„Für die fernere Existenz der Petcntin wäre ihr Verbleiben im Sladtlheil„Alt- Kölln" sehr wnuschenswerth." Wie es trefft, so trefft es, nicht allein mit der Katz, sondern auch mit der Menschenliebe. Zu der gleichen Zeit, wo die Ring- brauereien und natürlich auch Herr Bötzow ein hochverehrtes zahlungsfähiges Publikum um milde Gaben für das Corps der nothleidenden Saalveriveigercr anflehen, wo Herr Bötzow selber vielleicht, wenn auch mit Schinerz, so doch mit Fassung diesen Herrschasten einige hundert Mark vor die Fuße wirft, zu gleicher Zeit müssen einige Bürger Perlins, die beileibe nicht sozial- demokratisch, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach königslrcu und auch boykottfeindlich gesinnt sind, den Millionär und Mensche»- freund Bötzow öffentlich an den Pranger stellen. Herr Bötzow verweigert jedwede Subvention einer armen Näherin, die unter den Rädern seines eigenen Gefährts aus's Entsetzlichste verstümmelt ist, es zuckt ihm kein Pulsschlag danach, wenn das arme Wesen ihn verziveiflungsvoll um einen Bettelpfennig an- fleht; die Unterstützungspflicht konnte ihm, dein Millionär ja nicht gesetzlich zugeschoben werden, nachdem sein Habenichrs von Kutscher den Offenbarungseid geleistet hatte! Und Wohlthätig- keit darf man nur üben, wo sie etwas einbringt, so z. B. an den Eseln von Saalverweigerern, die man nach jedem neuen Älkl arbeiterfeindlicher Charitas desto fester in den Klauen halten kann. Wo es nichts einbringt, da ist das Wohlthun eine schwere Versündigung an den Geboten des Gottes Kapital, der für der- gleichen Frevel kein Verständniß hat und sie an seinen Kindern rächen wird bis ins dritte und vierte Glied. So denkt Herr Hofliefeiant Bötzow und so denkt der Chorus seiner Mitstreiter im Kampfe für Ordnung, Gesittung und glingbier! Zu der vulgäre» Bcttelplage im Reiche der Gottesfurcht und frommen Sitte, die dem deutschen Philister so oft Aus- bräche moralischer Entrüstung entlockt hat, gesellt sich jetzt eine Bettclplage höherer, auscheinend legitimer Art. Die Dalles- brüder im Saalveriveigerer-Vcrein schivingcn den Bctlelsack nicht allein mehr vor dem wahrscheinlich bereits abgegrasten Berliner Philisterium, sondern sie schnorren bereits deh- und wehmüthig ihre auswärtigen Kollegen an. Wie uns von Mitgliedern des Hamburger großen Gästivirthsvereius mitgetheilt wird, hat die nächste Monatsversammlung dieses Vereins über ein Unter- stütznngSgesuch der Berliner Saalbesitzer zu berathen. Man wird sich da auf eine recht intereffanle Debatte gefaßt machen können. Ju der Liste deö l. Kreises ist ans Versehen der Wirth Z i c s k e, Kanonierstr. 26, nicht mit aufgeführt. Derselbe schänkt boykotlsreies Bier.— Boykoltsreies Bier schänkt ebenfalls der Gastwirth M ö n k e, Louisenufer 12. dessen Aufnahme in die Liste des 3. Kreises am Sonntag versäumt wurde. Piermogclcicn hat der Elephantenwirth Heising, Pappel-Allee'lS getrieben, in dem er ein Plakat der Zwölser- kommissiou aushängte, trotzdem er nach Beschaffung desselben Bier aus der Schultheiß-Brauerei bezog.— Der Gastwirth Krüger, Danzigerstr. 56, hat am Montag voriger Woche sechs Vierteltounen Unionsbier erhalten. Bei der kurz darauf abge- haltenen Kontrolle wurden die Fässer in einem dem Gastwirth nicht gehörenden Nebenkeller gefunden. Obgleich der Wirth leugnete, daß das Vier ihm gehöre, waren diese Fässer am nächsten Tage leer. Es ist daher wohl der Verdacht begründet, baß der Wirth, falls er das Bier nicht selbst verbraucht, es an andere Wirthe abgegeben hat. Die Parteigenosse» in Moabit werden von betheiligter Seite nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß der Vertrieb des„Vorwärts" sowie sämmtlicher Parteischriftcn dem Genossen Hempel, Stephanstraße 8, übertragen worden ist. Alle Abonnementsbcstellungen sind dort aufzugeben. In Verfolgung dieses seinerzeit im 6. Wahlkreise gefaßten Beschlnsses erwächst den Parteigenossen die Pflicht, die Beachtung dieser neuen Ein- richtung immer weiteren Kreisen anzuempfehlen. Beschwerden über unregelmäßige Expedition nimmt der Vertrauensmann Joh.Pfarr.Wilsnackcrstr. 49, entgegen. Es wird die Parteigenossen die Miltheilung interessiren, daß trotz der Kosten, welche die Neueinrichtungen verursacht haben, bereits ein zusriedenstellender pekuniärer Erfolg erzielt worden ist. Zu einer theologischen Disputation kam es gestern Mvrgen vor dem Polizei-Asyl. Zwei Apostel der christlichen Liebe hallen es auf die Obdachlosen abgesehen, die gerade das Institut verließen und für den Abend wiederum nicht hatten, wo sie ihr Haupt hinlegen sollten. Die Armen wurden mit Traktätcheu reichlich beschenkt. Da aber Papier nur wenig Eiweiß und Kohlehydrate in löslicher Form enthält, fo deuteten die Obdachlosen betrübt auf ihre Mageugegend und legten dar, daß ihreAugen durch den Genuß einer Butterstulle weit mchrverklärt werden würden, als durch die schönsten Traktätcheu und Bibelsprüche. Nun fügte es aber ein unglücklicher llmstand, daß die frommen Brüder zufällig � keine Hosprediger oder sonstige feiste Pfäfflein, sondern einfache, niedere Hausknechte der Licbesreligion waren, die� gar wenig von den Schätzen, welche Rost und Motten fressen, ihr eigen nennen konnten. Unter dieser Sachlage schien es den Obdachlosen geralhen, aggressiv vorzugehen, und sie machten es den frommen Brüdern mit Recht begreiflich, daß es den Enterbten zieme, nicht den salbungsvollen Worten der Staalsreligion. sondern dem Schlachtruf der Sozialdemokratie zu folgen. Man iveiß nicht, wie viel die Agitatoren des Christenthums von der neuen Wahrheit in den Schalten eines Schutzmannes, unter dessen Fittiche sie sich schließlich flüchteten, hinüber genommen haben. Neklame für daS Gcldjndcnthum.„Herr Dr. James v. Bleichröder, der bekanntlich erst im vergangenen Winter unserem Zoologischen Garten ein Nilpferd geschenkt, hat soeben dem Institut wieder ein sehr iuteressantes und seltsames Ge- schenk gemacht, und zwar einen jungen Bock der Sumpf» Antilope u. s. w. u. s. w." Wer bringt diese Reklame für den reichen Juden, der sich zu all seinem Ueberfluß auch noch«von det Volk" als verständ- nißvollen Förderer der Wissenschaft, als einen Mäcenas der Zoologie angestaunt sehen möchte? Etwa irgend ein semitisches Börsen- und Skandalblatt? O, nein, diesmal ertönt die Re- klametrompete für die Größe aus dem Volke Israel in dem orthodox-evangelischen„R e i ch s b o t e n", von dem man mit Fug behauptet, daß sein vornehmster Interessent, Ehren-Stöcker, der gewiegteste Gourinand unter den Judenfressern sei. Das Berliner Aquarium hah eine Anzahl seltener und zum Theil in Europa noch nicht gezeigter Thiers zum Geschenk erhalten, welche Herr Dr. Fülleboru vom hiesigen Anatomischen Institut ans seiner Reise durch Nordamerika gesammelt hat. In erster Reihe stehen drei Exemplare eines Fisches, der in bezug auf Körperbau und Stammbaum ganz besonderes Interesse erregt. Der Schlammfisch gilt als der einzige noch lebende Vertreter einer umfang- und formenreichen Fischgruppe, die in den ersten und mittleren Zeitaltern der Erdentwicklung vorzugsweise die Binnengewässer bevölkerte. Sodann sind elf Exemplare eines ge- schwänzten Amphibiuins, des durch prächtige Kaminbüschel aus- gezeichneten, fußlang werdenden Furchenmolches angelangt, welche ein Heim im mittleren Fischzuchibecken a» der Treppe gesunden haben. Neu für das Aquarium sind auch mehrere nordamew- kanische Wasserschildkröten(Chrysemis pseudopicta), ebenso reizend in ihrem olivenbraun, gelb, schwarz und rolh gezeichnetem Kleide, wie gewandt in ihren Bewegungen. Im National-Theatcr hat eine hervorragende Künstlerin, Frau Dr. S ch r a d e r- B r e h m, am heutige» Abend ihr Ab- schieds-Benefiz. Gegeben wird Goelhe's„Faust", und zwar in einer Besetzung, wie sie an diesem Theater sonst höchstens in Borstellungen der Freien Volksbühne zu finden sein wird. Es absolviren nämlich Frau Sophie Burska und Herr Dr. � Max Pohl vom Deutschen Theater ei» einmaliges Gastspiel zu gunsten der Bcnesiziantin, die für die kommende Saison von Herrn Dir. Lautenburg für das Neue Theater engagirt worden ist. Unter solcher Mitwirkung dürfte für die Künstlerin, die sich unlängst namentlich durch ihre vor- treffliche Darstellung der Frau Alving in Jbsen's„Gespenster" ausgezeichnet hat, an einem erfolgreichen Abend nicht zu zweifeln sein. Ju der EröffuuugSuobität des Zentral- Theaters, in der Posse„O, diese Berliner", wird ein Künstlerdreiblatt mimen, wie es rootil selten auf einer Possenbnhne zusammentrifft. Es nnrkcn nämlich der unverwüstliche Emil Thomas und die beiden Soubretten Frau Josephine Dora und Fräulein Anna Bäckers zusammen. Hoffentlich erweist sich die neue Posse dieser Künstler- schaft würdig. Des Mordes beschuldigt hat sich selbst der Rollkutscher Joses S w ietersky aus der Sorauerstraße. Die 16 jährige geisteskranke Tochter Erna des Schuldieners Kubbe in der Barulherstraße war ihren Eltern, wie schon mehrfach, im April entlaufen und hatte ihre 6 jährige Schwester mitgenommen. Die Mädchen wurden den Eltern von Arbeitern»ach einigen Tagen wieder zugeführt. Seit dein LS. Juni war nun Erna wieder verschwunden und ihre Eltern haben seitdem nichts mehr von ihr gehört. Wohl aber wurde» ihnen die goldenen Ohrringe der Verschwundenen durch Sw. zugestellt, der mitlheilte, daß er die Erna am L8. Juni auf der Straße getroffen und am nächsten Morgen in Gegenwart dcsZigarrcnfabrikantcuN. wiedergesprochen. wobei sie niil ihm für den Abend des 20. eine Zusammenkunft on derselben Stelle verabredet habe. Als Cw. beiiweifelle, daß sie kommen würde, habe sie ihm als Pfand die Ohrringe über- geben. Tiefe Angaben wurden von dem Zeugen R. bestätigt. Cw. will nun. wie er den Eltern des Mädchens erzählt hat, in einer hiesigen Zeitung eine Notiz gelesen haben, wonach ein Mädchen mit solchen Ohrringen, die er von Erna K. erhallen habe, vcrschwuudc» sei. Deswegen habe er die Ohrringe gebracht, da das Mädchen nicht, wie verabredet, gekommen, und er vom ihm nichts gehört habe. Heute nun hat sich S,v. bei einem Polizeirevier gemeldet mit der Anzeige, daß er die Erna K. am 20. Juni aus Zlergcr, daß sie ihn durch ein Schimpfwort beleidigt, von der Treptcwer Brücke in den Freiarchengraben geworfen habe, um sie zu tobten. Seine Angaben klingen sehr wahrschein- lich. Tie Leiche des Mädchens ist noch nicht zum Vorschein gekommen. Ei» anS der Kriegöschnle in Potsdam Anfang dieses Monats wegen einer nichtigen Veranlassung in ganz kopsloser Weise entwichene Portepcsähnrich vom 10. Feld-Arlillerieregi- menl. L., ist in Holland, wohin er sich in Zivilkleidern geflüchtet, festgenommen und am Sonnabend nach Potsdam zurücktranspor- tirt worden. Der Knabe Max Zimmermaun, der von seinem Vater dreier Tage in der Wohnung Dcmminerstr. 63, wie gemeldet, euren Schuß in die Stirn erhielt, ist am Sonnabend Nachmittag als geheilt aus der Charitce«ntlassen worden. Frau Zimmer- man» besindet sich in der elendesten Lage. Ei» Opfer seines Berufs ist der in dem Alter von 31 Jahren am Sonnabend verstorbene Assistenzarzt am Moabiter Krankeuhause Dr. Albert Finkelstein geworden. Der junge Mediziner, ein Assistent des Professors Sonnenbnrg, hatte sich vor etwa drei Wochen bei einer Privatobdnktion eine unbedeutende Verletzung an der Hand zugezogen, die zuerst keinen Anlaß zu Besorgnissen gab. Zu spät bemerkte man, daß giftige Keime in die kleine Wunde eingedrungen waren; der junge Arzt erkrankte schwer an den Folgen einer Blntvcrgistnng, welcher er schließlich erlag. Gegen einen Biitterhändler, der sein Geschäft in der Nähe des Hermannplatzes hat. waren in letzter Zeil niehrere Anzeigen bei der Polizei erstattet, wonach die von demselben verkaufte Butter mit fremden Stoffen vermischt sein sollte. Eine aus polizeiliche Anordnung von dem Händler entnommene Butter- probe, die als Butter zum Preise von 1 Dt. 20 Pf. pro Pfund verkauft wurde, stellte sich bei der Untersuchung durch den ge- richtlichcn Chemiker als ein Gemisch von Butter, Preßtalg und Baunnvollsamen-Oel heraus. Der auf diesen Befund hin wegen Nahrungsmittel-Verfälschung Angeschuldigte gab zu seiner Enl- schuldigung an, daß er die Butler in diesem Zustande erhalten habe. Da diese Angabe nicht ganz unwahrscheinlich ist, weil dem Händler bei seinem geringen Umsatz die Beschaffung von Fäl- schuugsmittelu nicht ohne Weiteres zuzutrauen ist, so soll ans Grund behördlicher Anordnung die Ermittelung des eigentlichen Fälschers versucht werde». Ein häßliches Bild war es, welches sich gestern Abend gegen Viö Uhr den Passantten der Hirtenstraße bot. Uns wird darüber von einem Augerrzcugen geschrieben: Um genannte Zeit hatte sich in der Prenzlairerftraße ein stark angetrunkener Mann an einem dort haltenden Fuhrwerke, zu dem er in leine Beziehung stand, etwas zu schaffen gemacht, ivar von dem Führer des Fuhrwerkes einem vorübergehenden Schutzmann übergeben worden und sollte von letzterem wegen groben Unfuges zur Wache fistirt werden. BiS in die Hirtensiraße. etwa 300 Meter hinein folgte der Mann, dann warf er sich zur Erde und wollte nicht weiter gehen. Durch den dadurch entstandeneu Menschenanflanf ailfmerksam gemacht. eilten mehrere Schutzleute ihrem Kollegen zu Hilfe und versuchten, dcn Menschen zum Weitergehen zu bewege». Bis hier- her umß das Verhalten der Beamten als korrekt an- gesehen«erden, aber das Folgende verdient sicher diese Be- zeichnnng nicht mehr. Denn zetzt ergriffen die Schutzleute, deren wir inzwischen f ü n f gezählt halten, den Menschen an de» Armen und schleiften ihn buchstäblich mit inzwischen halb entblößtem Oberkörper und aus mehreren Wunden blutend auf dem Pflaster entlang, die ganze H i r te n st r a ß c hindurch bis zur Ecke der Grenadierstraße. Erst dort ergriffen einige halbivüchsige Burschen den Mann an den Füßen und halfen ihn nach der wenige Schritte entsernten Polizeiwache in. der Grenadierstraße bringe». Ist es auch nicht zu verkennen, daß die Beamten einen schwierigen Stand hatten, so hätten doch wahrlich die Kräfte von fünf Schutzleuten genügt, dcn Transport in einer Weise zu be- wirken, welche— vorsichtig ausgedrückt— mehr den An- fordernnge» der Humanität entsprochen hätte. Denn was die beiden halbwüchsigen Burschen vermocht, das zu leisten hätten wohl auch die Schutzleute zu wege gebracht. Der Unwille des Publikums gab sich in mehr oder weniger drastischen Ausdrücken kund. Aenge» gesucht! Der Arbeiter I. Lemm. Blumenfir. 51c, v. 4 Zr., bitter die Personen, welche über einen Auflauf näheres wissen, der am 17. April. Abends nach 0 Uhr, in der Blumen- ftraße, nahe der Andreasstraße. stattfand, sich bei ibm zu melden. Lemm ist in die Affäre gerichtlich vmoickelt. und hofft durch neue Zeuge» zu seinem Recht zu kommen. Ter Hausdieuev Erwin Höselbarih, Marienbnrgerstr. II. theilt uns mit, daß er mit dem Denunziant«», der vor eistigen Tage» durch den MajestätcbeleidigungS-- Prozeß zu so großer Berühmtheit gelangt ist. nicht identisch ist. Ans Nahrungssorgen sprang am Sonntag Abend gegen 3 Uhr der 36 Jahre alte obdachlose Schmiedegefelle Albert Warg von der Potsdamerbrücke in den Kanal, um sich zn ertränken. Hinzneilende Personen retteten ihn mit Hilfe eines Bootes, und die Polizei brachte ihn in einem Kraukenhause unter. Eine Menscheujagd. Am Montag früh lief ein etwa zwanzigjähriger Mann über den Marheinikeplay die Bergmann- straße entlang, krampfhaft einen Holzkasten mit Geld vor sich kältend. Mehrere Personen verfolgten ihn unter lauten Rufen: Haltet den Dieb! Ein Arbeiter, der sich dem Flüchtling in den Weg stellte, erhielt de» Kasten mit Inhalt ins Gesicht geworfen; während fleißige Hände das verstreute Geld einsamnielten, kam eine ältere Frnn, die Wittwe Heilig, welche in der Mittcnwalder- straße ein Schankgeschäft betreibt, weinend herbei und reklamirte oie Geldstücke als ihr Eigenthun». Auch der Dieb, der, wie sich herausstellte, seit längerer Zeit arbeitslos war, und die günstige Gelegenheit zum Kassendiebstahl benutzt hatte, wurde inzwischen von einigen Leuten unter rohen Faustschlägen herangeschleppt und dann der Polizeibehörde übergeben. Ob«s nölhig war, die widerliche Lynchjustiz an dem Uebelthäter zu üben, möchten wir billig bezweifeln; das Bestrasen sollte man füglich anderen Leuten überlassen. Das Nachfüllen breunender Lampen mit Petroleum hat schon wieder schweres Unglück zur Folge gehabt. Als gestern Abend die Frau des Leichterschiffers Jonas diese Unvorsichtigkeit trotz der Abmahnung ihres Mannes beging, explodirte die Lampe, und das brennende"Petroleum ergoß sich über die Frau und ihr neben ihr stehendes zweijähriges Kind. Während erstcre nur leichtere Brandwunden erlitt, wurde das Kind so schwer ver- letzt, daß man wenig Hoffnung hat, es am Leben zu erhalten. Durch Messerstiche verletzt wurde am Sonntag Abend etwa um 0 Uhr der Schlossergeselle Paul Berlin aus der Keibel- straße. Bor dem Hause Prenzlauerstr. 47a war ein Arbeiter Schwerin aus dem Nebeuhause 46 mit einem Schlosserlehrling in Streit geralhen. Berlin wurde zu Hilfe gerufen und suchte zu verhindern, daß Sch. gegen den Lehrling thätlich wurde. Dabei erhielt er selbst mehrere Stiche in den Kopf. Der Thäter entfloh in seine Wohnung. Seinen Arbeitslohn im Betrage von 20 M. 23 Pf. hat am Sonnabend Abend der Stellmacher Baum, Fehrbelliner- straße 32. v. 3 Tr. wohnhast, ans dem Wege von der Urania bis zur Gartenslraße verloren. Der Verlust trifft Baum um so stärker, als er längere Zeit mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen hatte. Polizeibericht. Am 23. d. M. Morgens wurde ein Kutscher auf dem Grundstück Gartenplatz 2/3 in einem Pferdestall und eine Frau in ihrer Wohnung in der Hornstraße erhängt vorgefunden. — In der Hasenhaide, hinter Keller's Hosjäger, wurde die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden.— Im Laudwehrkaual, an der Potsdamer Brücke, wurde Vormittags die bereits stark verweste Leiche eines Mannes angeschwemmt.— Nachmittags imirde in der Dragonerstraße ein Knabe durch einen Aktenwagen überfahren und am Kopfe und an der Brust bedeutend verletzt. — Im Hause Rosentbalerstraße 62 siel Abends ein Almosen- rmpsänger von der Treppe und verletzte sich so schwer am Kopse, daß er bereits am nächsten Morgen starb.— In der Hascnhaide fand Abends ein Zusammenstoß zwischen zwei Fuhr- werken statt, wobei ein auf dem einen Wagen sitzender Arbeiter einen Armhrncki erlitt.— In der Nacht zum 26. d. M. fiel ein Mann in der Holzmarklstraße infolge eines Fehltritts zur Erde und brach den Unterscheukel.— Im Hause Chausseestr. 42 stürzte ein Arbeiter aus einem Fenster im zweiten Stock in einen Lufischacht hinab und erlitt schwere innere Ver- letznugen.— Am 26. d. M. Abends sprang ein Mann von der Potsdamer Brücke in den Landwehr-Kanal. Er wurde jedoch noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach der Charitee gebracht.— In der Meinelerstraße fiel ein Mann infolge eines Fehltritts hin und verletzte sich erheblich am Fuße.— In ihrer Wohnung in der Blumenstraße wurde eine Frau erhängt vor- gesunden.— In der Nacht zmn 27. d. M. wnrde in der Dra- gonerstraße ein Arbeiter mit einer bedeutenden, anscheinend von einem Falle herrührenden Verletzung am Kopfe angetroffen und nach der Charitee gebracht.— Am 23. und 26. d. M. fanden vier kleine Brände statt. Witterniigöiibersicht vom 27. Angust 189.1. Wetter-Prognose fiirZ Dienstag, den 28. Anglist 189�1. Zeitweise heiteres, vielfach wolkiges Wetter mit schwacher Lustbewegung und wenig veränderter Temperatur, Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner Wetterbureau. Get.'iik»ks-3eikutta. Wegen Beleidigung der Ersatz-Koiilmissivn II hatte sich gestern der Kailfmann Erich Filter vor der 130. Ablheilmig des Sckiöffeiigcrichis zu verantworten. Der Angeklagte war beider ersten Untersuchung ein Jahr znrückgcstcllt worden. Nach einigen Monaten tat er um eine neue Untersuchung und um eventuelle sofortige Einstellung, da er beabsichtige Berufssoldat zn werden. Er erhielt den Bescheid, daß er zuvor ein polizeiliches Führuugs- atlest eiuzureichc» habe. Nachdem dies geschehen ivar, verlaugte man ein zweites Attest aus einein Orte, in welchem der An- geklagte sich einmal vorübergehend aufgehalten hatte. Auch dies wurde besorgt und glaubte der Bittsteller nunmehr alle Vor- bedinguugen erfijlllt z» haben. Anstatt dessen erhielt er dcn Bescheid, daß seine Einstellung wegen körperlicher Schwäche nicht erfolgen könne, eine nochmalige Unter- suchliug sei nicht nölhig. Jetzt schrieb der Angeklagte einen geharnischten Brief an die Ersatzkommissio». Er beschwerte sich darüber, daß man ihn erst so lange hingehalten»nd ihm Ikosten und Schwierigkeiten gemacht habe, anstatt ihm sofort reinen Weiil einzuschänkcn. Seinen Losnngsschein füge er bei, den könne die Erfatzkommission sich sauer kochen. Er verlange auch seinen Uutauglichkeilsschein, da er auswandern wollte. Der Angeklagte räumte ein, daß der von ihm angeschlagene Ton ein unpassender sei, entschuldigte sich aber mit der begründeten Erregung. Diesem Umstände trug der Gerichtshof auch Rechnung, denn das vom Staatsanwalt beantragte Slrasmaß von 30 M. wurde auf 20 M. erniäßigt. GemepKfdlnftliätes. An die Gewerkschaften Berlins! Indem wir die Gewerkschaften nochmals a»f den Aufruf vom 10. Angust Nr. 184 des„Vorwärts" bezüglich der Auf- stellung der Gewerbegerichts- Kandidaten aufmerksam machen, müssen wir ersuchen, daß die Gewerkschaften bis spätestens l. September die Slufstellung der Kandidaten vorgenommen und diese Kandidaten mit Namen, Beruf und Wohnung dem Gewerkschafts-Bureau an- gemeldet haben. Wir müssen nmsomehr darauf dringen, daß uns die Kandidaten bis spätestens I. September von den Gewerk- schaslen angegeben werden, da vom 1. b i s 14. S e p t e m b e r die I n d u st r i e g r u p p e n- V e r s a ni ni l u n g e n zu den Gewerbegerichts-Wahlen stattfinden, und diese durch das Statt- finden einzelner Gewerkschafts- Versammlungen nicht behindert werden sollen. Sollten einzelne Gewerkschaften bis zum 1..September die Aufstellung ihrer Kandidaten nicht erledigt haben, so kann die Ausstellung dieser Kandidaten in den Gruppen-Versamnilungen vorgenommen werden. Außerdem geben wir noch bekannt, daß an einem Tage kurz vor der Wahl, die am Mittwoch, den 26. September, stattfindet, in allen Stadttheilcn Berlins eine große Zahl von öffentlichen Gewerbegerichts- Wähler- Versammlungen stattfindet, die sich be- sonders mit der Rechtsprechung des Gewerbegerichts und mit dem Verhalten der einzelnen Kammer- Vorsitzenden befassen werden. � t, Der geschäftsführende Ausschuß derBerlinerGewerkschafts-Kommission. Achtnng! Tischler«nd Pianoforte-Arbeiter! Der Vorstand der Orts- Krankenkasse für das Gewerbe der Tischler und Pianoiorte- Arbeiter in Berlin hält sich verpflichtet, ans Folgendes hinzuweisen. Wie den Wenigsten bekannt sein dürfle, hat die hiesige Tischlerinnung beschlossen, eine Jnnungs-Gesellen- Krankenkasse zu gründen. Im Interesse der Kassenmitglieder und nicht zum wenigsten der Arbeitgeber, macht der Vorstand noch zur geeigneten Zeit auf die Gefahren beiderseits aufmerksam. Es ist unbestreitbar, daß durch Gründung der Jnnungs- Krauken, kaffe viel höhere Ausgaben entstehen, da bei derselben Mit- gliederzahl eine doppelte Verwaltung mit doppeltem Beamten- personal und sonstigen anderen Ausgaben nothwendig ist. Da kein Kapital vorhanden ist, müssen die Unternehmer dasselbe be- schaffen und kann daher die Krankennnterstütznng nur aus 13 Wochen gesetzt werden. Rechnet man nun 6000 Tischlergesellen, welche bei zweimaligem Arbeitswechsel im Jahr, was jedenfalls nicht zu hoch gerechnet ist, von einer Kasse in die andere ge- warfen werden, so sind ca. 12 000 Tischler auf die Mindest- leistung von 13 Wochen gesetzt, demgegenüber die Orts-Kranken- lasse jetzt 32 Wochen Krankenunterftlltzung gewährt. Dock auch die Arbeitgeber nehmen durch die Gründung und den Beitritt zur Jnnnngskasse ein großes Risiko aus sich. Da der gesetzliche Reservefonds erst noch geschaffen werden muß, der bei der Orts- Krankenkasse fast vollzählig vorhanden ist, so müssen die Bei- trüge natürlich möglichst hohe sein. Nach dem Krankenkassen- Gesetz dürfen sie jedoch nicht höher als 3 pCt. des üblichen Tage- lohns sein, das ist für Tischler 34 Pf. pro Woche; das Fehlende haben dann die Arbeitgeber aus eigenen Mitteln zuzuschießen. Als Beispiel sei hier die Jnnungs- Krankenkasse der Steinsetzer angesührt. Dieselbe schloß letztens nach �jährigem Bestehen mit 11000 M. Defizit ab, welches von 32 Jnnungsmeistern getragen werden muß. Als Beweis, wie unsere Ortskrankenkasie bis jetzt gearbeitet hat, und sie ist eine der besten Berlins, sei hiermit angeführt: im Jahre 1888 als Tischlergesellen- Kasse ein Kassenbestand von 33 402,30 M. bei einer Mitgliederzahl von 0238.— Im Jahre 1893 ein Kassenbestand von 207 234,27 M. bei 19 320 Mitgliedern. Zu bemerken ist hierzu, daß die Kasse im Jahre 1834 durch Kranken- kassen-Gesetz in eine Ortskrankenkasse umgewandelt wurde, sonst aber dieselbe ist. Indem wir es für nothwendig halten, nochmals ans die pekuniären Nnchihetle hinzuweisen, welche die Gründung einer Jnnnngs-Krankenkaffe mit sich bringt, während keinerseits Vortheile zn erreichen sind, geben wir uns der Hoffnung hin, daß viele Arbeitgeber ihren Austritt aus der Innung demnächst erklären oder ihre Herren Kollegen wegen der Nutzlosigkeit von derartigen Experimenten noch in letzter Stunde abralhen werden. Achtung, MetaNdriicker. Kollegen! In der Lampenfabrik von Arlt u. Fricke, Heinrichplatz, Heber, Metalldrückerei, Siemon- straße und Frister(Inhaber: Hegewald), Lindenstraße, befinden sich die Kollegen in Differenzen mit den betreffenden Fabrikleitern. Es ist daher Ehrenpflicht eines jeden rechtlich denkenden Kollegen, die Werkstätten bis auf weiteres strengstens zu meiden. Achtnua, Bauarbeiter. Von Meppen wird uns ge- schrieben: Am 13. d. Mts. wurden durch Annonce in Berlin 13 Arbeiter nach Emden in Ostfriesland zum Bahnbau enga» girt. Es handelte sich aber nicht um einen Bahn-, sondern um einen Kanalbau, wobei die Arbeiter, bis an die Knie im Waffer stehend, in thoniger Erde arbeiten mußten. Der Lohn, der in Berlin verabredet worden war, ist denselben auch nicht gezahlt worden. In den nächsten Tagen soll ein hiesiger Schacht- meister neue Leute nach dort eugagiren; es dürfte sehr zu empfehlen sei», wenn die Arbeiter in der Annahme solcher EngagementZ recht vorsichtig sind. In einer Tischlerversammliing, die am vergangenen Sonntag in B u d a p e st stattfand, wnrde die Fortsetzung des Streiks beschlossen.— Die Schneider und Schneide- rinnen stellten einen solchen für die nächste Zeit in Aussicht. Deutscher Schuhmacher-Kougresi, Erfurt. Nachmittags- sitznng vom 24. August.(Fortsetzung.) Wollschläger- Burg stellt den Antrag:„Die Burger Kollegen sind solange zn iiüterstützen, bis sie wieder ein Arbeits- verhältniß gefunden." Diesem Autrage wird debattelos zuge- stimmt. Es beginnt nun die Diskussion über den dritten Punkt ter Tagesordnung: Presse. H al sie in- Ottensen hat ver- schicdenerlei Beschwerden gegen das Fachblatt. 11. a. wünscht er. daß in Zukuust die Mode-Beilage wegsallen solle. Kölke- Hamburg bedient sich in längerer Rede sehr scharfer Ausdrücke gegen die Redaktion des Fachblattes. Alle seine Beschwerden faßt er in dem Antrage zusammen, daß der Verbandstag heute eine Preßkommisflon wählt, welche über das Verhalten der Redaktion des Fachorgans zu wachen hat. Bock- Gotha widerlegt alle ihm zur Last gelegten Redaktionssünden, welche wohl bei jedem Zeitungsunlcrnehmen vorkommen können. Wenn er seine offene und ehrliche Meinung kundgeben solle, so müsse er erklären, daß er nicht das Geringste dagegen habe, wenn man ihm das Fachblatt abnimmt. Er bleibe dadurch wenigstens in Zukunft vor Insulten verschont, wie sie heute sein Vorredner gegen ihn geschleudert. Der Vorsitzende Markus läßt nun über die eingelaufenen Anträge abstimmen. Es wird beschlossen, eine fünfgliedrige Preßkonimissiou einzusetzen. Als Sitz derselben wird Hamburg bestimmt. Die Mitglieder der Prcßkommission hat die morgen be- ginnende Generalversammlung zu wählen. K ö l l e- Hamburg beantragt, das Schuhmacher-Fachblatt als solches auch fernerhin bestehen zu lassen. Die Versammlung stimmt diesem Antrag zn. Hiermit ist eine Verschmelzung mit dem Schneider-Fachblatt bis auf weiteres aussichtslos. Die Redaktion und Expedition vom Schuhmacher-Fachblatt werden dem Genossen Bock auch fernerhin übertragen. Hierin eine Aenderuna anstrebende Anträge werden zurückgezogen. K ö l l e- Hamburg beantragt, die Ausnahme von Lotterie-Annoncen im Fachblatt sür die Zukunft zn beanstanden. G ö l l e r- Frankfurt findet in der Aufnahme dieser Annoncen keine Bedenken. Es sei auch die geschäftliche Seite des Zeitung?- Unternehmens zu berücksichtigen. Simon- Offenbach: Hat unser Zentralorgan, der„Vorwärts", diese Annoncen aufgenommen, so können wir es auch lhun. Die Abstimmung ergiebt die Ablehnung des Antrages Kölle. Der Antrag ans Weglassen der Mode-Beilage wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Fleischer» Berlin stellt die Frage: Wie stellt sich der Verbandstag zu den Burger Streikschuldeu? Bock will seine Abstimmung von der töhe der Schulden abhängig niachen. Die Gründung einer chuhsabrik in Burg halte er sür vollständig versehlt. Meyer- Magdebug bittet, die vorliegende Frage nicht mit der Gründung der Schuhfabrik zu verbinden. Letztere sei«in reines Privat- unternehmen. Bogt- Burg giebt die Höhe der Schuld auf 630 Mark an. Er hält die Schuhfabrik für konkurrenzfähig. Simon- Offenbach ist der Ansicht, daß jeder Ort seine Schulden selbst decken müsse, da die Gesammtheit der Kollegen schon während des Streiks sehr in Anspruch genommen werde. Er warne vor der Konsequenz, die sich aus einem zustimmenden Be- schluß ergeben würde. Danguillier- München warnt vor der Fabrikgründung. Philipp- Düsseldorf bittet, in bezug auf die Deckung der Schulden nichts zu beschließen. Es lasse sich vielleicht in anderer Weise etwas thun. Haupt- Magdeburg ist in anbetracht der schlechten Verhältnisse in Burg sür die Be- willigung.— Ein Antrag, die Angelegenheit dem Vertrauensmann und dem Vorstand zu überweisen, wird angenommen, ebenso der Antrag Dangnillier-München, den letzten Punkt,„Internationaler Schuhmacher-Kongreß", von der Tagesordnung abzusetzen.— Folgende von den Wiesbadener Kollegen eingegangene Resolution wird angenommen:„Ter Kongreß möge an die Reichskomuujstou für Arbeiterstatipik das Ersuchen richten, eine statistische Er- bebung über die Lage und Verhältnisse im Schnhmacher-Gewerbe stattfinden zu lassen(gleichwie es im Bäckergewerbe geschehen ist). um Vorschläge für eine geregelte Arbeitszeit in dem betreffenden Gewerbe beim Bundcsralh zn veranlassen". Die Resolution soll auch der sozialdemokratischen Fraktion zugestellt werden. Die Wahl eines Ortes für den nächsten 5kongreß wird dem Vorstand überlassen. Ter Vorsitzende Markus giebt ein kurzes Resümee über die Arbeile» des Kongresses und drückt besonders seine Freude aus über die entgegenkommende Haltung der Vertreter der Lokal- Organisationen. Er bittet, ihn in seinem neuen Amte zu unter- stützen und Nachficht walte» zu lassen, und schließt dann mit einem Hoch aus die Schuhmacher- Bewegung den Kongreß. Die Telegirten verlassen unter Abfingnng der Marseillaise den Saal. Schluß 9V« Uhr Abends. Verbandstag Deutscher Schneider und Schneiderinnen in Erfurt.(Sitzung vom Sonnabend, den 25. August). Die Berathung und Beschlußfassung über die gestellten Anträge zur Aenderung der Statuten wird fortgesetzt; wesentliche Aendenmgcn werden indeß nicht getroffen. Tie Zeitungskommission berichtet, daß das Schuhmacher-Fachblatt i» seiner bisherigen Form bestehen bleibt. Als Organ des Verbandes bleibt daher die in Hamburg erscheinende Fachzeilung für Schneider ebenfalls bestehen. Der Sitz des Vor- ftandes bleibt in Flensburg, der des Ausschusses in Lübeck. Der bisherige Vorsitzende Holzhänser-Flensburg wird wiedergewählt, ebenfalls der Kassirer Mahlke-Flensburg. Die weiteren Personen des Vorstandes und Ausschusses sind am Orte zu wählen. Der Verbandstag hält es für zweckmäßig, daß zur Erledigung der im Gewerbe austauchenden öffentlichen Fragen alle zwei Jahre ein Kongreß dem Verbandstage vorauszugehe» hat. Nach Erledigung der Ctalutenberathung referirt der Kollege W a ß n e r- Hamburg über Zeit- und Stücklohn. Nach kurzer Debatte wird eine Resolution angenommen, die sich gegen das Stücklohnsystem wendet und die Kollegen und Kolleginnen Teutschlands auffordert, Stellung zu der Frage„Stück- oder Zeitlohn" zu nehmen und zu berathen, auf welche Art und Weise Mittel und Wege geschaffen werden könne», die Haus- und Stückarbeit zu beseitigen. In anbctracht der Thatsäche, daß diese Fordening der ganzen Kraft der Organisation bedarf, ist der Verbandstag der Anficht, in Zlikunst die Forderung aus Zeitlohn in den Vordergrund zu stellen und die Erhöhung auf Stückarbeit nur als Abschlags- Zahlung zu betrachten. Bezüglich des AbHaltens eines Gewerkschaftskongresses ist der Vcrbandstag der Ansicht, daß ein solcher zur Berathung von Formen gegenwärtig überflüssig ist. Sollte indeß das Bedürsniß nach Regelung anderweitiger Fragen vorliegen, so hat der Vorstand nach Bekanntgabe der vorgeschlagenen TageS- ordnnng seitens der Generalkommission die weitere Beschlupsaffung den Mitgliedern zu überlassen. Ten streikenddn Seilern in Schlotheim werden 200 M. aus der Verbandskasse bewilligt. Ter Vorsitzende Timm- Berlin schließt den Verbandstag Abends 8 Uhr mit einem Hoch auf die Solidarität der Arbeiterklasse._ DeiTautmluttgim. Vetichtlgung. In dem Versammlungsbericht des Ver- bandes der in Buchbindereien, der Papier- und Ledcr-Galanteriewaaren-Jndustrie be- schäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen muß es heißen: Am Mittwoch, den 29. d. M., findet Annenstr. 16 eine Versammlung der Kontobuch- Branche statt. Nicht Karton- Branche. Für de« Reichstags- Wahlkreis Teltow- Beeskow- Charlottenburg tagte am 26. August in Rixdorf eine öffentliche Volksversammlung, zwecks Stellungnahme und Wahl von Tele- girten zu dem Brandenburger Parteitage. Thomas leitete die Diskussion ein, indem er bemerkte, daß nach den ungeheuren Opfern, welche die Genossen des Kreises zu der letzte» Reichstags- wähl ausgebracht haben— abgesehen von den in den einzelnen Orten direkt verausgabten Beträgen— die Berliner Genossen an sie noch das Verlangen stellen, Zuschüsse an die Agitations- kommission zu leisten. In Berlin habe die Wahl im Verhältniß nicht entfernt so viel Kosten verursacht wie in diesem Kreise, die Berliner hätten wahrscheinlich ein Geschäft mit der Wahl ge- macht. Redner empfiehlt die Wahl von drei Telegirten. R e tz e r a u stimmt diesen Ausführungen im Wesentlichen zu und bemerkt noch, daß Berlin, als Zentrale, wo die Löhne höher und die Auffassung der Genossen vom Opferinuth eine andere ist, als im Landkreise, selbstverständlich mehr aufzubringen vermag. Redner empfiehlt, die Telegirten zu beauftragen, daß sie auf der Koufmuz dahin wirken, die drei sozialdemokratischen Organe der Provinz täglich erscheinen zu lassen. Diesem Antrage stimmen die folgenden Redner im Prinzipe zu. Breiten- feld befürwortet, daß mehr für die Landagitation ge- than werde, namentlich auch durch Herausgabe von Vroschüre». B ö k e r t- Adlcrshof meint, die Genossen des Kreises brächten thatsächlich mehr für die Landagitation auf als die Berliner. Mit 700 M. traten die Ersteren in die Wahlbewegung ein, die 11000 M. gekostet hat und mit 4000 M. Schulden schloffen sie ab, wovon inzwischen schon 2300 M. bezahlt sind. Redner, desgleichen Koppen- Rixdorf, L a b j u h n- Lichterfelde und Görke- Charlottenburg, machen auf die hohen Summen aufmerksam, welche ein tägliches Erscheinen des„Volksblattes" erfordern würde. R e tz e r a u hält dem entgegen, daß je mehr das Blatt bietet und je billiger es ist, desto mehr Abonnenten sich finden werden, was doch die Hauptsache für die Partei ist. Thomas hielt die Verwirklichung des Antrages Retzerau im vollen Umfange für unmöglich; durchführbar erschien sie ihm dagegen, wenn zwei der Provinzblätter oder alle drei ver- schmolzen würden. Görke- Charloltcnburg fordert die Gewerk- schaften auf, es sich angelegen sein zu lassen, daß das„Volks- blatt", daS jetzt 4000' Abonnenten bat, Inserate bekommt. B re d en fe l d- Rixdorf meint, für eine Verschmelzung bezw. Eingehen werde das Brandenburger„Volksblatt" nicht zu haben sein. Verschiedene Redner hoben serner die leichte Zugänglich- keit der Landbevölkerung für die sozialdemokratischen Ideen hervor. Sie erklärten es für wünschenswerth, daß die Berliner Genossen weniger nach der Katzbachstraße brächten und den Ge- nossen des Kreises mit Mitteln zur Landagitation unter die Arme griffen. Zu Telegirten wählte die Versammlung die Ge- nossen Thomas-Rixdorf, Labjuhn-Lichterselde und Görke-Charlolten- bürg. Der Antrag Retzerau wurde abgelehnt. Die öffentliche Volksversammlung für den Reichstags- Wahlkreis Niedcr-Baruim, welche sich am Sonntag in Vowinkel's Lokal in Rummelsbnrg mit der bevorstehenden Parteikonferenz für die Provinz Brandenburg zu beschäftigen hatte, war außerordentlich zahlreich besucht. In einciii interessanten Vortrage behandelte der Vertreter des jtreises im Reichstage, A. Stadthagen, die Schwierigkeiten der Landagitation. Den zu wählenden Tele- girten empfahl er, aus der Konferenz energisch dafür einzutreten, daß die Fraktion aufgefordert wird, Gesetzentwürfe auszuarbeiten und dem Reichstage vorzulegen, in denen 1. die Verantwortlich- keit der Beamten für ihre Handlungen festgelegt ist; 2. welche der Polizeibefugniß in Sachen der Polizeistunde Einhalt gebieten; 3. wodurch den ländlichen Arbeitern und dem Gesinde volle Koalitionsfreiheit gewährleistet wird. Sämmtliche Diskussions- redner erklärten ihr Einverständniß mit diesen Forderungen. Zu Telegirten wurden Kopp- Friedrichsberg, B i l z- Pankow und E o r g b e r t- Rummelsburg gewählt.— Die Angelegenheit der cnossen Schneider und Maynhardt kontra Wahl- komitee, welche eine Volksversammlung in Friedrichsberg im vorigen Jabre vor das Forum der Kreisversammlung verwiesen hatte, wurde nach längerer unerquicklicher Debatte durch Ueber» gang zur Tagesordnung erledigt. Die Stnckateure hielten am 20. August eine General- Versammlung ab. Auf der Tagesordnung stand: 1. Bericht des Bibliothekars. 2. Bericht der Arbeitsnachweis- Kommission. 3. Vorfiandswahl. Nach dem Bericht des Bibliothekars sind im letzten Quartal an die Kollegen II Bände ausgeliehen. Der Kollege Lichte(früherer Bibliothekar) hat verschiedene Bücher der Bibliothek entnommen und trotz mehrfacher Aufforderung ist er seiner Verpflichtung nicht nachgekommen. Es wurde beschlossen, denselben nochmals aufzufordern und bei event. Nichtzurück- lieferung der Bände energisch gegen denselben vorzugehen. Zu Punkt 2 erhält das Arbeitsnachweis- Kommissionsmitglied Kollege Pestel das Wort. Derselbe führt aus, daß vom Arbeits- Nachweis vom 7. Mai bis 5. August 17 Ansetzer, 6 Werkstatt- arbeiter und 2 Zieher Arbeit erhalten haben. Außerdem sind au mehrere durchreisende Kollegen Unterstützungen gezahlt. Mehrere Anträge auf Abänderung des Reglements werden bis auf spätere Versammlungen vertagt. Da 3 Mitglieder der Kommission aus- schieden, so wurden als Ersatz die Kollegen Preuß, Metz und Röhr gewählt. Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: Jänicke erster, Mützelburg zweiter Vorsitzender; Lüpke Schrift- iührer. Lokal- n»d Ktraßiuhändlev-Nersammtniig am Freitag, den si. August, bei Rieft, Weberstratze 17. Bauvrrei« Kcrlincr gudtzaner. Dienstag, den es. August, Abends ell Uhr, bei Ehrenbcrg, Anncustr. lo: Bersaumuung. Tagesordnung: Holjbtld' Hauer-Abend(Besprechung der Statiftill. Krauen- nnd!Uädchcn. K>Id»»g«v«rein de« arbeitegde« Uolkeo siir Herls» und Zlmgegeitd(Filiale„Nord"). Donnerstag, den«o. August, Abends sx Uhr, im Bittoria-Garlen, Badstratze 12; Berfammlung. Tagesordnung: 1) Vortrag des«Senosten Riesel über„llharlisten-Betvegung". 2) Di?- lusfion. Herren als Säste wlllroinmcu. Vvieskastett Vvv Vedetkkton. T. P. Wenn Jemand Marken aus einer Jnvalidenkarte herausnimmt und verkauft, so begeht er Urkundenfälschung und das Vergehen, entiverthete Marken verkauft zu haben. Die Strafthat würde etwa mit einem Jahre Gefängniß bestrast werden. 10. Bötzow. Dem Klageanspruch steht keine gesetzliche Be- stinuullng entgegen. M. W. H. 50. 1. Die Klage wäre aussichtslos. 2. Die Verjähruligssrist beträgt in diesem Fall 3 Jahre. W. T. 13. 1. Dem Lehrer steht über die Beendigung der Schulzeit hinaus ein Züchtigungsrecht nicht zu. 2. Der Schul- Unterricht muß in Preußen nach dem Gesetz so lange fortgesetzt werden, bis das Kind nach Ansicht des Echulinspektors„die einem jeden vernünftige» Menschen seines Standes nothwendigen Kenntnisse erhalten hat." Für dc« Inhal: der Jnierare über nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Dienstag, den 23. A u g u st. Opernhaus. Bajazzi. Karneval. Schanfpirlhauo. Egmont. Lesstng-T>?eater. blaäams Sans- Geno. Ztrurs Theater. Wieder- Eröffnung Sonnabend, 1. September: Das neue Gebot. Zirftdenz• Theater. Jugend. Adolph Ernst-Theater. Eharley's Tante. Alerandrrplah- Theater. Ver- botene Liebe. Vorher: Ein Ehren- amt. Zlational-Theater. Faust, f Italien in Belli». Apollo• Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Theater Unter den Linden. Die Fledermaus. ßtanfinann's Uariöts. Spezialitäten« Vorstellung. Parodie- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Wintergarten. Spezialitäten- Vor- stell mig._ National-Theater. Große Franksurterstraße 132. Abschicds-Bencfizvorstellung für Frau Clara Schräder-Brehm, unter gütiger Mitwirkung der königlichen Hof- schauspielcrin Frau Soiie Barslra, sowie des Herrn vr. Vax Pohl vom Deutschen Theater. f s u s Eine Tragödie in 6 Abtheilungen von Goethe. Regie: Max Samst. Kassenöffnung 5V, Uhr. Auf. 7'/2 Uhr. Im Garten: Wrohrs Konzert. Auf der Somnierbühne: Italieu in Berlin, großes humoristisches Quodlibet, von Karl Peters, sowie Auftreten von Spezialitäten ersten Ranges. Morgen: Susanne im Bads. Sonntag Nachmittag 3 Uhr: _„Die Weber."_ Castan's Panoptikum. Hawaiische Königs- Tänzerinnen. Ccr Araber Hassan Ali, der sobverst« Mensch der Welt Adolph Ernst-Theater Eharley's Tante. Schwank in 3Akteii v.Brandon-Thomas. Vorher: � Die Bajazzi.'W Parodistische Posse in einem Akt von Eduard und Benno Jacobson. Musik von Franz Roth. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 7l/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Armin-Hallen Kommandantenstraße Nr. 20. Täglich: Fm-Konzert im schönen Natur-Garten. Ciile. VerciilSziiilmer. Empfehle mein Geschäft in trisc.ien Blumen und Kränzen. 5441 L* Robent WSeyer� Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. NB. Um häufigen Jrrthnm zu ver- meiden, bitte ich meine Freunde und Genossen, genau aus meine Adresse zn achten. Dnuksagniig. 2364b Für die herzliche Theilnahme, sowie für die zahlreichen Blumenspendeü bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Böttchers Otto Schmidt, sage ich nllenHcrrenKollegen, Freunden und Bekannten, sowie dem Gesangverein„Steineiche" und dem Verein„Augusta Charlotta" meinen tiefgefühlten Dank. Die traucrndc Wlttwe nebst Kindern. Passage-Fa»sptiim Ki mlde Weiber Ü(lHöMjl)llI(|). Zils leseude Kuld alt 13|4 Jahr. Lawu-teunis-Schalie und-Bälle, Radfahrer-, Turn» u. Kellner-Schuhe mit Gummi sohlen, Gummi-Tischdecken, Auslegestofse w. zu billigsten Fabrikpreisen empfiehlt s697M 0. Lietzmann, Gummiwaarenfahrik, _ Roscnthalerstr. 44._ Achtung! Achtung! Wahlkreis. Donnerstag, de« 30. Angnst, Abrnds 8 Uhr, in Urichert's Frstfäle», MSUcrstraste 7: Große öffentliche sozialdemokratische Partei-Uersammwng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Nbgcordneten Genossen Albin Cicriscb. 2. Diskussion. 3. Wahl der Telegirten zur Brandenburger Parteilonscrenz. 4. Verschiedenes. 233/10 Die Uertraitensleuke. Achtung! Arbeiter lillA Arbeiterinnen der Wäsche- und Kravattenbranche Berlins. Mittwoch, den 89. Angnst. Abends 8'/- Uhr. bei Kotz mann. Ltchtenbergerstraste 10: Große öffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genosse» Körsten über Gewerbe- gcrichte. 2. Diskussion. 3. Aufstellung von Kandidaten zum Gewerbegericht. 4. Bericht des Telegirten der Gewerkschaftskommisston. 5. Verschiedenes. Pflicht aller in der Branche Beschäftigten ist es. in dieser Versammluug zu erscheinen. Drr Einberufer. CarlHergt. VMF* Die Versammlung wird Punkt 9 Uhr eröffnet. 4M> Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstagsmahlkreis. D i e n st a g, 28. August, Abds. 8'/- Uhr, im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünherstr. 35: W Vepfsmtnlung.-WZ Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen tzilvtansr. 2. Dislusston. 3. Vereins» angelcgeuheiten. 4. Fragekaficn. L33/9_ Der Vorstand. Achtung! Achtung! Mittwoch, den 89, A ugust�U ornNitags�lO Uhr, in U i« ft's Saton, WIT Versammlung-MZ i>. Mgchmten Brllllerei-Arbeiter. Tagesordnung: 1. Die Lage der Ausgesperrten. Referent: Genosse Hattntat. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 91/4 Tie Kontrollkarten legitimiren._ Di» Kommt ssto«. Schlosser n. Maschinenbauer! Große öffentliche Schlosser-Versammlung heute Abend 8 Uhr itt de» Armin hatten, Kommandantenstr. 80. Tages-Ordnung: 1. Warum ist die Arbeitslosigkeit unter den Schlossern eine so große und sind ivir im stände, bessere Arbeitsbedingungen zu erringen? 2. Dis- knssion. 3. Wahl eines Vertrauensmannes. 4. Bericht der Gewirbegerichts- Beisitzer eventuell Wahl eines Kandidaten. 3. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Kollegen, pünktlich zu erscheinen. 172 14_ Der Einbernfer, Rontobuch-Arbeiter u. Arbeiterinnen! Große Versammlung Mittwoch, de» 89. Angnst er.» Abends 8 Uhr, bei Ehrenberg, Annenstrahe 10: Tages-Ordnung: 1. Der Klassenkampf des Proletariats. Referent: Kollege Alex Salier. 2. Diskussion. 3. Wahl einer Vertrauensperson. 4. Werkstuben-Angelegen- heiteu und Verschiedenes. 74/10 Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Einbernfer. Drucker! Mittwoch, d. 89. August, Abb». 8Va Uhr, in de« Armin hatte«» Kommandantenstrahe 30: Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Gewerbegerichts-Beisitzer Kollegen J. Hartmann«nb R. Beyer. 2. Diskussion. 3. Ausstellung eines Kandidaten nebst Stellvertreter. 4. Verschiedenes. Die Kollegen der Fabriken mm Brich» Oräia, Wild& Weisel, Guimaun, Holy, Arlt& Fricke, Heber& Frister(JnH.: Hegewald) sind zu dieser Versammlung ganz besonders«ingeladen. 172/1« Der Nertranensmann. Faul Heia, Straußbergerstr. 20. Große Echarniß im Haushalt! „__________ u s Kaffeeersatz macht den Kaffee kräftig und wohlschmeckend, liefert auch ohne Zusatz von Bohnen- kaffee ein angenehmes gesundes Getränk. 59g2L' Zu haben in den meisten Kolonialwaaren-Geschäften. a Pfund 40 Pf. Reste Sophastoff in Rips, Damast. Crspe, Fantastc, Gobeliu, Plüsch und bunte» Morqurto spottbillig! Proben franko! S1S0I.» Lmil bekevre, 158. üaknar�t Volk, I-sipzjgsrstr 22. Lünstl. 2äkllS 3 IL., Vdgil?. Plomben von l,S0 IL. VoUIc. scbmorsl. Zahnziehen u. MervtöJten 1 M. Sprechst. 8—7 Uhr. ßcgrändet 1871. In Roh* Tabaken und Utensilien w Cigarren•Fabrikanten !! billigster Einkauf!! W. Hermann Müller Berlin Neue Friedrich-Strasse 9. Streng reelle Bedienung. Creditge Währung nach Uebereinkunftü Ein Jeder mache den Versuch. Sietnpelfabiik» k FtO von 0� � R. Hecht � 2. BEBLINS. g.® Oranicnstr, 55®„ llslart eohnell 3 2 und billig£? S alle Arten|| Steinpel.?| "zT' Dkrlim Schnkilitr-Aililiikmie »ob RlldOlf Maurer, Berlin SV., Krausenstr. 47. Erstes u. größtes Lehrinslitiit öerWmjsellsljdftellö.SjileiKer. Preisgekrönt 187S Kerliner Gewerbe-Anskelluug. 1881 Preisrichter in Halle. Ehrenmitglied der Münchener Schneider- Innung. Anerkennung des Krirgsminikrriums. Der Unterricht wird im Gegensalz zu anderen Instituten unter Leitung des Direktors von Lehrern ertheill, welche in dem, neben der Schule seit 34 Jahren bestehenden Schneidergeschäste praktisch herangebildet sind, durch den immerwährenden Verkehr mit dem Kundenpublikum in der Schneiderei auf dem Laufenden bleiben und so auf praktische Erfahrungen gestützt, den Unter- richt wirksamer gestalten.(Die Lehrbücher zum Selbstunterricht 20 Mark.) Am 1. uud 13. jcdcn Monats beginnt ein neuer Kursus. 530L* Alfred Maurer, Direktor, Schneidermeister. Zur Einsegnung empfehlen wir unser grosses Lager Scliwarze Cachemirs, reine Wolle, Meter 1, 1,25 u. 1,50 Mk. Schwarze Diagonal-Cheviots, reine Wolle, Mir. 1,25, 1,50, 1,75 Mk. Scliwarze Fautasiestolfe, reine Wolle, 1, 1,25, 1,50 Mi. Engl. Neuheiten verschied. Fantasiegewebe Htr. 1,75, 2, 2,30 Hk. Fertige Einsegnnngskleider 15 Mk., 18 Mk, 20 Mk. Fertige Kleider schwarz und farbig 18 Hk., 20 Mk., 25 Mk. Neueste Herbst-Regenmäntel ans besten engl. Stoffen 12 Mk., 15 Mk., 18 Mk., 20 Mk., sehr kleidsame Paletots und Cape-Mäntel, Herbst-Capes(Golf-Cape) letzte Neuheit 10 Hk., 12 Mk., 15 Mk. Täglich Eingang nenester Herbst- Kleiderstoffe. Sielmaun& Rosenberg Kominandanten-Strasse, Ecke Lindenstr. Skridiii) aller in öer Melalliasaßrie beschastigte» Arbeiter Krrlius und Umgegend. Mittwoch, de» S9. August, Abends 8Vs Uhr, w Schneider'« GesrUschaftshaus» Kelforterstr. 13: Bezirks- Versammlung für den Norden. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Br. Joel über:„Religion und Sittlichkeit im Lichte der Naturwissenschaft." 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verbandsaugelegenheiten und Verschiedenes. Mittwoch, den S9. August 1894, Abend« 8>/s Uhr, im Restaurant Deigm iiiler, Alte Iakobstr. 48a: Branchen-Versammlung der Metallschleifer. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Kollegen 0. Näther. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Beisitzers zum Vorstande. 4. Aufnahme neuer Mitglieder, Verbands- Angelegenheiten und Verschiedenes. 172/16 Das Erscheinen Aller erwartet Der Vorstand. MU" Iiruttzk SSfto Himbrer-, Kirsch-, Iohanniobeersast, vorzm Fugen Neumann Sk I Ga Belle-Allianceplatz 6a. 81 Neue Friedrichstr. 81. rzüglich. Literflasche 1,30 Mk. Ä Co., 781M 8 Oranienstr. 8. ßtinhl Qäfitto schmerzlos eingesetzt, festsitzend. Reparaturen sofort. Weniger sillllfll» �jlthlit. Bemittelte Ermäßigung. Krcslawski, Spittelmarkt 13. Fahrrader auch auf Theilzahluiig, empfiehlt Csk. Rosenhain, Vertreter nur reeller Fabriken. Käufer wollen sich gefl. an die Expe- dition des„Tourist A. V. Ztg.", Elisabeth-llfer 33, wenden._ 2571b X Louis Schulze X Haupt-Comptöir: W.f Friedrichstrasse 83, zwischen vnier den I-lnden n. Lehreistr. Telephon» 1, 7520. 46/6 lZeneral- Vertrieb der ecliten Kammer- Marie• Brikets aus den Änhaltischen Kohleuwerkeu Mariengruhe in Senftenberg N.-L. Roh-Tabak A. Goldscnmidt,44351-* am biengen Platze wie bekannt grossts Auswahl! Garantie für sicheren Brand. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtlich» im Handel bestndl. Robiabate sind am Lager. A, Goldschmidt, lOranienburgerstrJ. Seidensammet u. Plüsch kein Velvet, 46 Zentimet. breit, Farben u. Maß nach Wnnsch, pr. Met. 1,65 M., pr. schw. Sammet 2,50, vers. g. Nach». 623Lf S. Haas, M. Gladbach 1. Obige Brikets werden Jetzt, um jede Tauschung des Publikums durch geringer werthige Marken zu verhindern, ausser mit dem IrOhepen Stempel S�S Hi R 1 iL noch mit der tollen Firma der Fahrik Änhaltische Kohlenwerke Mariengrube versehen. Beim Bcznge der echten Hammer-Marie lasse man sich daher nicht irre machen durch ähnlich klingende Bezeichnungen} wie „Senfteuberger Kohlenwerke" etc., oder durch blos mit � MARIE � versehene Brikets, AM- da diese nicht aus der Mariengrube stammen."WD Ich stehe mit Lieferung genannter Spezialmarke, sowie sämmtlicher anderer Brennmaterialien für den fiSusbedarf gern zu Diensten und nehme mündliche, schriftliche oder telephonische Bestellungen im HaÜpUComptoir sowie in allen Filialen entgegen, Filialen und Lagerplätze: Stettinep Bahnhof(Telephon III, 1974). Bahnhof Lagephof, Brunnenstr.(Teleph. III, 2575). Wedding-Bahnhof(Telephon III, 2264). Statteplatz am Lohmühlenweg, Bttplitzep Bahnhof, Platz 3(Telephon IV. 798). ««plitzep Bahnhof, Platz 23(Telephon IV. 798). Ostbahnhof, Fruchtstrasse 16(Telephon VII, 134). Ostbghnhof, Am Qstbabnhof 20(Teleph. VII, 5851). Strafsachen} Klagen, Ehesachen, Zahlungsbefehle, Alimente nsachen, Nebersetzung in Französisch. Englisch und sämmtliche Ge- schäfls-Angelegenheiten fertigt 2557b Äurrau Fortuna, Blnmenstr. 56, II. 8-10, 4-7. Veplag von F. Fontane& Co. Soeben erschien: ,,, Schauspiel in drei I IKVAlhllp Akten von G.Bolls. LaddaillllU. Vierte Auslage. — jlrrio 50 Pseunlgr.— 6 Pfund Albrscht's Brot für Pärlrpppi 50 Pfennig Ddl/ÄClCl, liefert Wrangel-Strasse 8, Langest!-. 26, Falkeusteinstr. 28. I-.««-a>HF»'Nadeln für BvälSaclQBmS Wiederverkauf. 10 Pf. Verkauf. Versand geg. Nach». IL Guttmann Borlin N.. Brunnenstpaase 9. 6310 Rohtabak. | Grösste Auswahl. Billigste Preise.| Formen, Boekfagon, wieder vorräthig. Heinrich Franck, Kruuurullr. 185, Ein©rüwfcnmfeller, 20 Jahre best., ist mit oder ohne Einrichtung zu ver- kaufen Barnimstr. 46. 2563b ............... BIIIIBI - Als anerkannt reelle uud �* billigste Einkanfs- Quelle des SUd-Ostens für Gold-, Silber-9 Alfenidewaaren(Eg.Fabr.) goldene n. silberne Uhren empsiehlt sich H. Gottschalk} Goldarbeiter und Uhnuachor, Ildmiral-Strake Von der Reise zurückgekehrt. Dr. med. Max David, 2573b Lothringerstr. 67. | Arbeiter-Tarner-Bund.| Turnverein„Germania" (einziger Arbeiter- Turnverein der Rosenthaler Vorstadt), turnt Dienstags und Freitags von 3 bis 10 Uhr Ackerstr. 67, 2411b Empf. den Genossen mein Weist- u. Bairisch Bier-Lokal. Vereinszimmer mit Piano zu vergeben. 2446b G. Kastner, Manteuffelstr. 86 p. Die Beleidigung gegen Fr. Rickbrodt nehme ich zurück. Fr. Großheim. Eine alte deutsche Feuer-Vers.-Gesell- schaft sucht jür Berlin u. die Provinz lhätige Knupt- u. Spezial-Agenten. Hohe fortlaufende Bezüge event. auch festes Gehalt werden zugesichert. Offerten unter 0. F. 2 nimmt die Expedition entgegen. 219L.* Blumenhandlung P. Abromoit, oiüchrrstraße 69, Berlin SW. 55472* Kränze, Bonquets, Topfgewächse, Gnirlanden n. s. w. Billigste(Markthallen-) Preise bei ge« schmackvoller Ausführung. Elim-Vm Filpth-Nilrnberg, in vorzügl. Qualität empsiehlt in Ge- binden von 17 Litern an, auch in Flaschen. Vtio Linke, Lilgerhof 3. Telephon Amt III Nr. 404. Für Hanshaltnngen. empfehle ich mein f625L W e i s s b i e r zum Selbstabziehen, in kleinen Gebinden von 10 Ltr. an, frei ins Haus. Fernsprecher Amt Schöneberg Nr. 92. A. S e i d I e p, Schöneberg, Sedanstr. 73—75 und 82, Berliner Weißbier- Brauerei. Meißbier! Für Labrikr» und Ulerkstäiten sowie für Ulirdervrrkäufer liefere ich mein Persand-Ulrlstbler in unübertrefflicher Güte zum Preise von 3 Mk. für 40 halbe oder 45 Vio oder 25 8/io oder 20 ganze Flaschen, frei in's Hans, in Flaschen mit Patent« Verschluß, ohne Psandberechnung. Perusprecher Amt Schöueberg Nn. 92. A. Seidlery Sedanstraste Ur.<3—75 und 82. Berliner Wcissbier-Brauerei. Schmiedels Feftjale Alte Iakobstr. 3S. Empfehle meine hocheleganten Säle (elokt. Bei) auch mit Bühne zur Abhakt. von Vereins- u. Privatfestlichkelten. 4900* Ww. E. Schmiedel. Schläfst, für Herren Naunynstr. 87. vorn 2Tr. Große. 2563b Frdl. Schlasst.Adalbeitstr.72. Qgb.II. r. Schläfst, z. v. Kramer, Naunynstr. 90, v.ll. E. leere Stube mit oder ohne Küchen- benutznng ist zu verm. Dt.-Wilmersdorf, Pfalzburgerstr. 71. 2567b Arbeitsminkt. Tüchtige Stockschuitzer finden dauernde Beschäftigung in der Schirm- stockfabrik in E i s e n a ch. 2566b Ein Faßbierkutscher verl. Weberstr. 66. Silberpresser 2565b' sucht Franz Mose.au» Markusstr. 50 Verantwortlicher Redakteur: Hnao Pötzsch i» Berlin. Druck und Verlag von Max Baving in Berlin, 3\W, Beuihstraße 2.