Nr.437. 36,Itthrg. BezngSpret», BikrtrlISHrl. Ml. monoll. tr— TO, frei w» Haus, oorau» zahlbar. Post» dezug: Monatlich Ml. eglL gu» ftellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 923 Mi. für da» Ubng« Ausland 10.25 Ml. bei täglich einmal, gustellung SLS Ml. Poftbestellungen nehme» an D-inemarh Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Stngerrageu tu die Paft-Zeitungs-Preislist«. Der.Vorwärts" mit der Sonntag«- deilage»Voll u. Zeit" erscheint wdchen- täglich zweimal. Sonntags einmal. Abend-Ausgabe. S ) Telegramm-Adreffe» »Soziaidemokro» verlier�. ** f berliner Volksblslk. Anzeigenpreis t Dt« achtgespaltene RonpareMezell« lostet lchO Ml..Slein» Anz-ig-n-, da» tengedruckte Wort SO Jig.(zulasstg d settgedruckte Worte), sehe, weiter« Wort«0 Big. Stellengesuche und Schlafstellen anzeigen das erste Wort W) Pfg.(tbci weiter» Wort 30 Pfg. Wort» über 15 Buchstaben zählen fiir zwei Wort«. Teuerungszuschlag 500/» Familien- Anzelgen. politische und gewerlschastliche Verein»- Anzeigen ILO Ml die Feile. Anzeigen für di« nächste Nummer müssen bis S Ulz« nachmittag» tm Hauptgeschäft. Berlin SW SS. Ltndensttaste S. abgegeben werdm. Geöffnet von S Uhr fdiij bis d Uhr abend». �entralorgan der roztaldemokratifcben Partei Deutfchlands. Usüaktion und Expedition: EW. HS, Lindenstr. Z. �ernfvrecher: Amt Moritzplatz, Nr. lSR 97. Mittwoch, den Ä7. August 1919. vorwärts-verlag H.m.b. H., EW. öS»£indeti|h. Z. Fernsprecher! Amt Moritzpiatz, Nr. 1.17 SU— 54. öie Gefangenen. Das Spiel, das Frankreich in der Gesangencnsrage treibt, ist ein nichtswürdiges. Es steht außer Zweifel, daß England aern bereit ist, die Gefangenen nach Hause zu schicken; dafür spricht schon, daß das englische Armeeoberkommando in Köln eine unzweideutige Erklärung in dieser Hinsicht abgegeben hat. Der Pariser Ober st e Rat hat diese Zusage kraft seiner Machtvollkommenheiten wieder rückgängig gemacht und damit Hundcrttansendcn die bereits gehegte Hoffnung wieder zerstört. Es gibt keinen Grund irgendwelcher militärischer oder politischer Nakur, der der endlichen Entlassung der Äriegsgc- fangenen im Wege stände. Im Gegenteil ist anzunehmen, daß die auch in den Ententeländern eingetretene Arbeits- losiAkrit big Anwesenheit der Kriegsgefangenen mehr als unnötig erscheinen läßt. Es muß angenommen wirdcn, daß es lediglich niedrige Gründe des Hasses ans fran- zösischer Seite sind, der sich an den wehrlosen Opfern des Krieges offenbart. Das Verhalten Frankreichs gegen dir Gefangenen wird kein Ruhmesblatt für dir sranzösischc Geschichte sein. Von einer Milderung in der Behandlung der Gefangenen kann, den ständig einlaufenden Briefen aus Frankreich und Belgien zufolge, keine Rede sein. Welches Interesse hat Frankreich daran, den ehrlichen Willen der breiten Massen Teutschlands zur Versöhnung mit allen denkbaren Mitteln zu unterbinden? Der Kampf um öie politische Macht in Krankreich. Die Tevbanblungen in der französischen Kammer werden nach allgemeiner Annahm« zwei Wochen ausfüllen. Man sieht ihrem Verlauf mit der größlen Spannung entgegen; nicht weil man von ihnen ein greifbares Ergebnis für die künftige Richtung der franzö- fischen Politik gegenüber Deutschland erwartet, sondern lediglich deshalb, weil die Möglichkeit einer offenen Auseinander- setzung Clemenceaus mit B r i a n d und vielleicht auch mit D e l c a s s ß besteht. Den beidsn letzteren spricht man die Absich: zu, sich bei den bevorstehenden Neuwahlen an die Spitze der Lppo- sition gegen Clemenceau zu stellen, um die Trümmer der üker Führer beraubten radikalen Parteien zu sammeln und sie als republikanischen Block Clemenceau gegenüllerzustellen. ES handelt sich bei dieser Redeschlacht, wenn sie wirklich zum AuStrag kommt, lediglich um eine persönliche Machtfrage. Be- hauptet sich Clemenceau bis zu den Wahlen, so wird er sich schließ- lich auch zum Präsidenten der Republik wählen lassen und Herr Tardieu wird sein Ministerpräsident werden. Siegt Briand vor den Wahlen, so bleibt Poincare im Elysee und Briand wird sein Ministerpräsident. Es handelt sich also um das Schicksal der einen oder anderen persönlichen Cligur. Das ist die Moral der inneren französischen Politik am- Ende des siegreichen Krieges! Sie wird heute besonders dadurch veranschaulicht, daß Elsäß-Lothringen, ob- wohl es seit 6 Monaten zu Frankreich gehört, von der Verhandlung über die Ratifikation des Friedensvertrages' ausgeschlossen ist, ob- wohl seine Zukunft dabei auf dem Spiele steht. Schlimm ist es, daß die sozialdemokratische Partei in drei Gruppen gespaltet ohn- mächtig beiseite steht. Das Enöe üe? Merbungnn. Znr Durchführung der Verminderung des Heeres auf Grund des Friedensvertrages sind künftighin Renan Werbungen und Neueinstellungen in die Reichswehr verboten. Für zurück- kehrende Kriegsgefangene und die bei Abwicklungsstellen zurückge- haltencn Kapitulanten wird eine bestimmte Anzahl bon Unter- ofsizier- uni�Mannschaftsstellcn offen gehalten»verde». Es empfiehlt sich daher nicht, zum Zwecke der Meldung noch kostspielige Reisen zu Werbestellen oder Truppenteilen zu unter- nehmen, da sie ohne Erfolg sei» werden. Zwiespalt in der internationalen Sergarbeiterschast! Der Brüsseler..Peuple" schreibt: Der Sekretär des inter- nationalen Bergarbeiterverbandcs Thomas Ashton lädt zu einer internationalen Bcrgarbe�tcrlanferenz ein. Die Deutschen sind bereit, sich aus der Konferenz vertreten zu lassen, haben aber Schwierigkeiten mü ihren Pässen und wünschen, daß die Konferenz entweder in Deutschland oder» in Holland stattfindet. Tie Belgier weigern sich, mit den Deutschen zusammenzutreffen und richteten an Ashton des Ersuchen, eine Konferenz der interalliierten Länder einzuberufen. paöerewski gegen Veutsthlanö. Hollandsch NieuwSbureau meldet aus Paris: Laut Mittei- lungen au? W ä r s ch a u bliebt die Lage in Oberschlesien sehr ernst. PaderewSkp erklärte, daß Deutschland die Berpflich- tvugen, die es üi Balm aus sich nazm, nichterfüllt£a&e. Die �Revolte" in Mitau. Bon einem früheren Angehörigen der baltische« LandeSwehr � wird uns geschrieben: Es war für den Kenner der Vorgänge im Baltikum von vorn- herein klar, das? die von der Entent- verlangte sofortige Räumung Lettlands bei der LandeSwehr aus Schwierigkeiten stoßen würde. > Wen» aber in der heutigen halbamtlichen Meldung, ebenso wie in früheren Berichten, die Sache so dargestellt wird, als ob der Wider- stand gegen die Räumung Lettlands lediglich von den Mannschaften der dort liegenden Truppenteile ausgehe, so ist dies eine nicht uu- wesentliche Verdrehung der Tatsachen. Es soll nicht geleugnet werden, daß Hunderte von Angehörigen der baltischen Landeswehr wirklich die Absicht haben, sich im Lande als Kaufleute, Handwerker oder Landwirte niederzulassen und zu diesem Zweck das ihnen von der damaligen lettischen Regierung versprochene Bürgerrecht zu erwerben. Ein großer Teil der Mannschaften denkt jedoch nicht daran, sich dort dauernd anzusiedeln, sondern will die mancherlei An- nehmlichkciten und Vorteile möglichst lange genießen. Der weit- aus größte Teil der Truppen hat sich infolge der Arbeitslosigkeit, namentlich wegen der schlechten Ernährung zu Hause, bei der Lan- deswchr anwerben lassen» zumal die zahlreiche» Werbeanzeigen auch glänzende Versprechungen machten, die jetzt nicht gehalten werden können. Daß ein kleiner Teil der Mannschaften die Au- Wesenheit in Lettland nebenbei zu Schiebungen aller Art benutzt und daher nicht gern-�rin so dankbares Fxld lohnende« Erwerbs verläßt, soll nur nebenbei erwähnt werden. Es sind nicht die besten, die sich für Oberost gemeldet haben. ES muß hier aber offen ausgesprochen werden, daß die Trnppenführer, die Offiziere selber zum weitaus größten Teil ein Interesse daran haben, die �Räumung Lettlands möglichst in die Länge zu ! z i e h e n. Sie kehren sich hierbei recht wenig an die Befehls der i Rcichöregicrung. Als Riga noch von den Bolschewisten besetzt war !»nd die RrichSrvgierung mit Recht wenig Lust zeigte, für andere ! Leute die Kastanien a»S dem Feuer zu holen und Riga zu befreien, � da sprach der jetzt wieder erwähnte Major Bischof, der damals die � Eiserne Division führte, in Mitau an seine Truppen in einer An- | spräche das Wort: Wen» die Reichsregierung Riga nicht entsetzen will, so tun wir es auf eigene Kappe! Nnd er hat sei» Wort ja auch eingelöst. Dem General- tommando in Libau kam die plötzliche Einnahme Rigas ebenso überraschend wie beispielsweise der Sturz des Kabinetts UlmaniS durch den baltischen Stoßtrupp am 16. April. Als am 22. Juni die Garnison Libau notgedrungen die Stadt räumen mußte» zog sich i daS Gouvernement nach dem Städtchen Grob!», 8 Kilometer von Libau, zurück, w der Hoffnung, schon in den nächsten acht Tagen , wieder Gelegenheit zu haben, in Libau„Ordnung" zu schaffen und wieder dort bleiben zu können. Aber den Gefallen taten die Libauer den Deutschen nicht nnd verhielten sich ruhig. Und schon längst hätte ganz Lettland geräumt sein können, wenn nicht gerade der Widerstand einer mit deutschbaltischen Barone« vcrschwisterten nnd verschwägerten Offiziersklique gewesen wäre. Es ist begreiflich, daß das bequeme, sorgenlose Leben, das namentlich die Offiziere nach der Einnahme Rigas in Lettland, besonders auf den Gütern der Edelleute führten, sowie die Furcht, in Teutschland den Abschied nehmen zu müssen, sie zum Bleiben veranlaß»?. So mancher hat sich dort ein kleines Vermögen er- werben können. Als, um nur ein Beispiel zu erwähnen, Riga genommen, war, waren deutsche Offiziere nach Kräf- ten bemüht, die Stadt mit allerlei Brauch barem, namentlich Süß st off und anderer leicht zu»er- schiebender Ware, ja sogar mit— Nähgarn zu versorgen. Daß dieses Beispiel auch bei den Mannschaften Nachahmung findet, ist nicht zu verwundern. Ob Graf von der Goltz bei der Räumung Lettlands dieselbe Energie gezeigt hat, die er beispielsweise der Arbeiterschaft in Libau gegenüber zu Unrecht bewies, darf mau wohl mit Recht be- zweifeln. Es soll hier nicht unerwähnt bleibe«, daß zahlreiche Beamte, die zu Hause ihr Gehalt beziehen, noch immer bei der LandeSwehr tätig oder untätig sind und dort ebenso wie im Kriege die Borteile doppelter Geholtzahlung und andere Annehmlichkeiten genießen. Daß alle diese Herren, die auS keinerlei ideellen Beweggrün- de» Lettland absolut„beschützen" wollen, gerade nicht geeignet find, daS deutsche Ansehen in Lettland zu stärken, sondern im Gegenteil den Balten Haß und Verachtung ihres deuftchen Nachbarn, von dem sie ja nur den Typ des„schneidigen Offiziers" und deS„geschäftstüchtigen Zahlmcisters" sehen, einflößen, ist unzweifelhaft. Es wird lange dauern� bis wir uns da» Bertraucu der Balte» wieder erworb«» habe» werde». Der deutsche Außendienst. I. Die Organisatio«. Als die Versailler Verhandlungen sich ihrem Ende zu- neigten, betrachtete die Zeitung Marghilomans, des Führers einer der konservativen rumänischen Pc�rteien,'in einer be- achtenswerten Artikelreihe die neugeschaffene Lage und prägte das Wort von den„proletarischen Staate n", die den wenigen kapitalistischen Staaten gegenüber ständen und der Natur der Dinge- nach aufeinander angewiesen seien— mit deutlichen Seitenblicken auf das zur Führung berufene Deutsckiland, dessen baldige wirtschaftliche . Wiedergesundung für alle anderen„proletarischen Staaten" eine Lebensfrage von höchster Bedeutung sei. Eine ähnliche Gruppierung der Staaten legt Professor Obst, Breslau, einem Artikel„Der Aufbau des Außen- dienstes"(„Voss. Ztg." vom 14. August) zugrunde. Er unterscheidet Arbeitnehmer-Staaten, denen die Arbeitgeber-Staaten geschlossen gegenüberstehen. Schon diese Formulierungen enthalten, wenn auch un- gewollt, einen deutlichen Hinweis darauf, in welchem Maße der Sozialismus V e r a n l o s-f u.n g hat, sich mit den außenstaatlichen Interessen und im Zusammenhang damit auch mit der Vertretung des deutschen Volkes im Ausland zu beschäftigen. Obst macht Vorschläge für die praktische Neugestaltung des deutschen AuslandSdienstes in organisatorischer wie in persönlicher Hinsicht. Für den organisatorischen Ausbau sieht er eine Verbindung des„systematischen"", des Fach- mit dem„regionalen", dem Länderprinzip vor. An der Spitze der Zentralinstanz in der Heimat steht der Reichs- � minister für Auswärtige Angelegenheiten, ihm zur Seite sachlich vorgebildete Unterstaatssckretäre(Obst schlägt drei vor: se einen fiir internationales Recht, für Wirtschafts- und »sozial-, sowie für Kulturpolitik(Presse, Unterricht, Kunst usw.) Im Auswärtigen Amt in Berlin arbeiten aber da- neben iwch Abteilungen für einzelne Länder der Länder- gruppen(Nordische, Balkanstaaten, Rußland, Vereinigte Staaten usw.). An der Spitze jeder Abteilung steht ein Leiter, der mit den betr. Ländern eingehend vertraut ist, ihm"stehen wiederum, den beiden letztgenannten Unter- staatssekretären entsprechend, zwei Spezialisten zur Seite (Wirtschafts-, Sozialpolitik sowie Kulturpolitik). Im Ausland wird jede Vertretung des deutschen Volkes von einem Geschäftsträger geleitet, dem ebenfalls die ent- sprechenden zwei Spezialisten beigegeben sind. Der„Ge- sandte" ist also durch ein Kollegium von Fachleuten ersetzt. Jeder Faclstenner bearbeitet selbständig sein Gebiet, macht sich mit den herrschenden Verhältnissen und Enftvickelungs- tendenzen eingehend vertraut und legt die Ergebnisse seiner Beobachtungen in regelmäßigen Berichten nieder, die an die Zentralstelle gesandt werden, und zwar gehen alle Fachberichte an den betreffenden Spezialisten der Abteilung im Auswär- tigen Amt, der das betreffende Land eingegliedert ist. Dieser verarbeitet die Fachberichte der einzelnen Länder zu einem Gesamt-Fachbericht für seine Ländergruppe und übergibt diesen dem zuständigen Unterstaatssekretär, dem auf diese Weise das gesamte Material aus allen Ländern zur Verfii- gung steht, um den Reichsminister auf dem Laufenden halten und in gegebenen Fällen beraten zu können. Ebenso gehen die Gesamt-Fachberichte auch an die Abteilungs l e i t e r der betreffenden Ländergruppe zur Kenntnisnahme. Diese fachliche Seite der Organisation wird ergänzt durch die„regionale". Schon im Ausland nämlich arbeitet der Geschäftsträger, der Leiter der einzelnen Vertretung, die Berichte der Fachreferenten seines Landes zu einem einheit- lichen Landesbericht zusammen, der dem Abteilungsleiter der Ländergruppe zugeht, der das betreffende Land ange- hört. Aus diesen einzelnen Länderberichten wird vom Ab- teilungsleiter ein einheitlicher Gruppenbericht zusammenge- stellt, der dem Reichsminister direkt unterbreitet wird. Auf diese Weise, die sich im einzelnen natürlich variieren läßt, ist jederzeit sowohl der Ueberblick über die Gesamtlage in den einzelnen Ländern und Ländergruppen, wie auch über den jeweiligen Stand jeder Einzelfrage und-beziehung in allen Ländern und das Vorhandensein verwendimgsbereiten reichsten Materials zu schneller und zuverlässiger Orisntie- rung gewährleistet. Natürlich wird der Schrifwerkehr durch Konferenzen der leitenden Persönlichkeiten, Fachkonfcrenzen usw. ergänzt. Dieser Organisationstpus. so umständlich und mancherlei Reibungsflächen darbietend er erscheint, würde wahrscheinlich bei sinngemäßer Anwendung alle notwendigen Garantien bieten. Angesichts der unleugbaren Tatsache, daß das deutsche Volk zurzeit noch arm ist an überragenden Persönlichkeiten von sicherer politischer Intuition und an, zu selbstverständ- lichem Allgemeinbcsitz der weitesten Kreise gewordener außenpolitischer Schulung und Tradition, an weltpolitischen Jnstinftsn, wie Franzosen und Engländer aller Parteien und aller Stände sie haben, muß man sich vorläufig damit ab- finden, durch einen um so sorgsamer ausgebauten Apparat den Mangel zu ersetzen. Einige der großen Vorzüge des von Obst vorgeschlage» nen Typus, Heranbildung und stetes Heranziehen von um- �assendein und vertieftem Spezialwissen und außerordentliai eichcm, stets verwendungsbereitem Material auf dem&<.• biet der Auslandskunde, springen in die Augen, sind aber ficht die einzigen. Dadurch, daß die Fachberichte der Spezia- listen von den Geschäftsträgern(Gesandten) in den einzelne.. Ländern zwar zu einem Landesbericht zusammengearbeitet, gleichzeitig aber auch vollständig an die Zentralstelle weiter- gegeben werden müssen, ist der Willkür ein Riegel vorge- schoben, mit der früher die leitenden, so gut wie ganz un- kontrollierten Einzelpersönlichkeiten nur zu oft Hinweise. Mahnungen, Warnungen von Sach- und Landeskennern mit dem berüchtigten überlegenen Lächeln des süffisanten Besserwissens in der Versenkung verschwinden ließen— wie sehr zum Schaden des deutschen Volkes, weiß ja nachgerade auch der Pertrauensseligste. Vor allem aber ist es von grundlegender, gar nicht abzu- sehender Bedeutung für die deutsche Außenpolitik, daß sie endlich aus dem Verdacht des unzuverlässigen, Unberechen- baren, darum unlauter Wirkenden herauskommt und sich die Einschätzung als stetig, gleichmäßig, damit Vertrauens- würdig verdient. Dazu kann ein System nur förderlich sein, bei dem die verschiedenen Instanzen und Organe des Außen- dienstes sich automatisch gegenseitig ergänzen, korrigieren und kontrollieren!— Der Gefahr eines noch langsameren und schleppenderen Geschäftsganges als bisher läßt sich schon durch eine inten- sivere, allseitige Ausnutzung der modernen technischen und organisatorischen Hilfsmittel vorbeugen. Bei der großen Verschiedenheit der Voraussetzungen in den einzelnen Ländern wird, sich Verschiedenheit der organi- satorischen Ausgestaltung deS Außendienstes in der Praxis von selbst ergeben. Deshalb schalten wir die Frage aus, ob die vorgeschlagene Zweiteilung der Dezernate mit ihren Einzelgebletcn eine glückliche ist. Indessen scheint Obst zu übersehen, daß das Deutsche Reich dem einzelnen Lande, in dem es sich durch seine Ge- schäftsträger vertreten läßt, nicht isoliert, nicht als absolute Größe gegenübersteht, sondern als relative. Die gegenseiti- gen Beziehungen werden aufs stärkste beeinflußt auch durch die SZeziehungen zu andern, besonders zu den kapitalistischen Ententestaaten, deren Vernichtungswille sich mit Unterschrift des Friedens sa nicht erschöpft haben wird. Der„Friedens"- vertrag enthält Klauseln genug, die es ermöglichen, dem deut- scheu Volke so gut wie überall auf der Welt die Türen zu verschließen, der friedlichen Ausbreitung deutscher Wirtschaft- sicher Betätigung die Luft abzuschneiden, wo und wann immer daS Interesse vor allem der kapitalistischen Kreise Enaftirds und Frankreichs dies verlaugt. Das deutsche Volk darf durchaus nicht vergessen, daß es nicht als gleichberechtigter, freier Wettbewerber auf dem Weltmarkt wieder erscheinen wird, sondern m i t e i n e m S t r i ck am Fuß, der ibm eben genug Bewegungsfreiheit lassen wird, um für den Imperialismus der Entente zu arbeiten. Daß dieser, wo er zur Erdrosselung entschlossen ist, vor keinem Mittel zurückschreckt, könnte jedes Kind aus dex blutigen Geschichte Irlands lernen, die in Deutschland viel bekannter werden muß. Ilm so dringender notwendig ist es, keine Stelle uner- kannt, unbeachtet und unbenutzt zu lassen, wo etwa die Maschen dcö Retzes. in das das deutsche Volk verstrickt ist. Die Volksbühne in Serlm. Sie hat ihr Wesen vom Zrreck. dem sie dient, auZ ihm leitet sie ihre Bedeutung und ihre Geschichte aib. In Deutschland, vom AuZland erst gar nicht zu reden, ist sie das einzige Institut solcher Art und hat nirgends ihresgleichen. Denn alles, was später kam, bat von ihr Antrieb und Wegrichtung empfangen. Daß die Idee zu ihrer Gründung gerade im Jahre 1390 gefaßt, aber nun auch in die Tatsache umgesetzt wurde, ist kein Zufall. Die Auf- Hebung des Sozialistengesetzes öffnete alle Tore ins ZuIunftS- land sozislkötistlerischer Reformen. Mit dem Entstehen des ersten uiodernen deutschen Dramas war nicht bloß die Möglich- keit, nein auch die Rotwendigleit einer Organisation de? Publikums, das ist eben die Volksbühne, gegeben. Die ihrer Entwicklung vom Herrengewaltstaat auf Schritt und Tritt be- retteten Hemmungen würden einer rein bürgerlichen Grün- dung— falls sie überhaupt denkbar gewesen—- sofort den Todes- stoß versetzt haben. Aber Idee und Gründung hatten ja ihren Ursprung von der Arbeiterklasse hergenommen. DaL gab schon Gewähr, daß die Volksbühne, einmal ins Dasein gerufen, ihre Lebenssahigleit erweisen und, müßte eS sein, mit allerschwersten Opfern erkämpfen würde. Hiervon ist ihre Geschichte voll; und diese Geschichte ist xccht eigentlich ein Stück wirtschaftlicher und geistiger Arbeiterbewegung. Aus diesem Gesichtswinkel heraus wird die Geschichte der Berliner Volksbühne einst geschrieben werden. Bis zur Stunde ist das nicht der Fall. Die im Auftrage ihres Verbandes jetzt von Julius Vab herausgebrachte Schrift über„Wesen und Weg der Berliner Volksbühnen- bewegung"(bei Ernst WaSmuth hier, Preis S M.) kann nur als Abriß gelten. Das schöne, mit guten Abbildungen gezierte Heft in Ouartformat ist zusammengesetzt auS Beiträgen einzelner derer, die in der älteren Freien Volksbühne(Conrad Schmidt) oder in der Neuen Freien Volksbühne(Julius B a b, Max O S- b o r n, Leo Kestenberg und Max D e r Y) von Beginn an oder doch eine gute Wegstrecke als literarisch-künstlerische Leiter und Berater gewirkt haben. Solche Arbeitsteilung kann ihre Vorteile haben. Eine weniger akademisch gehaltene Darstellung wäre allerdings vorzuziehen gewesen. Hoch erfreulich ist es. daß die bei diesen Einzeldarstellungen Beteiligten alle in sm Ziel ausmünden. Was mit soviel persönlicher Einordnung und liebevoller Sachlichkeit geboten wurde, heischt dankfrohe Entgegennahme. Die Monographie„Die Volksbühne in Berlin", deren AnschauungSwcrt noch durch künstlerische Ab- bildungen deS Theaters am Bülowplatz in seiner äußeren Monu- Mentalität wie in der innenbaulichen Struktur gehoben wird. bildet eine neu- artige, bislang beispiellose Erscheinung in der Z�eaterliteratur. Sie lann gerade jetzt, wo sich überall eine Ansätze zur Lockenmg zesgen. Der deutsch« Außendienst braucht unbedingt in jedem Lande ein Dezernat— es wäre wohl am besten, mit dem der Presse zu verbinden— für die internationalen Beziehungen dieses Landes.— FloreNce Williams. Unabhängig- kommunistischer wirrwar» Am 27. Juli wurde, wie seinerzeit gemeldet, eine„ p r» vi, sorische Zentralstelle der Zentralbctrielis.rStr" mit dein Siq in Halle gebildet, von der auS der„Aufbau de» R L t e s y st e m S" vorgenommen werden sollte. Für den 22. und 23. August hatte diese„provisorische Zentralstelle" nun die erste „Reichskonferenz der BrtriebsriHe Teutschland S" nach Halle einberufen, die sich vornehmlich mit dem R c g i e r u n g S e n t w u r f für die Betriebsräte und dem Ersatz beschäftigte, den die unabhängig-kommuui st i scheu Wirrköpfe an seine Stelle setien wollen. Die Konferenz hat abrr kein positives Ergebnis gezeitigt. Nur geredet wurde viel. Die verschiedenen Schattierungen der Unab- hängigen und die Kommunisten gerieten sich in die Haare, verteidigten g c'g c« einander„ihre" verschiedene»„Entwürfe". Sie ginge« von dem„Rrde-Kongretz" ohne eine befreiend. Tat nach Hause. Bor Beginn der Verhandlungen wurch« vom Verhandlung»» leitcr verlangt, daß diejenigen Teilnehmer, die nicht auf dem Boden der Diktatur des Proletariats stehe», die Kon- fcrcnz verlassen. Auf diese Weife wurden zwei Mehrheit». s o z i a l i st e n, die Vertreter der Funfzchner-Kommissiou der Hamburger Werften, Logat»nd Becker, die in einwandfreier Weise von ihren Kollegen delegiert waren, an die frische Luft gesetzt. Man braucht eben nnr„Delegierte", die nach der Pfeife tanzen und jeden Unsinn mitmachen, wenn er«ur daß Aushänge. schild„revolutionär" trägt. Der BcrhandlungSleiter S» e n en referierte»nery über den „Kampf um die Betriebsräte". Er ließ zwar an dem RcgirrungS- cntwurf keinen guten Faden, betonte aber doch, daß in der Ratio- nalversammlung an dem Gesetz mitgearbeitet werden mußte und daß bei den ferneren Beratungen Berbesierungsvorschläze gemacht werde» sollen. Trotzdem müßten im Lande die„revolutionären" Forderungen der Betriebsräte energisch propagiert werden, damit durch eine große Massenaktion die Nationalversammlung und Negierung beeinflußt werden. Bleibt Aper die Massenaktion aus, so ist eS möglich, daß die Nationalversammlung den Regie- rungScntwurf noch verschlechtere. Beschlüsse können nach Koencn jetzt noch nicht gefaßt werden, da man nicht wissen könne, wie die Sache geht und was die Zukunft bringt. Zu einer Kraftprobe könne man nicht schreiten, denn das deutsche Proletariat sei an und für sich nicht revolutionär. Die Frage der Be- triebSräte sei aber eine gute Gclegcnhnt, auf die Massen im revolutionären Sinne zu wirken. Ein Diskussionsredner glaubte nicht, daß man jetzt die deutschen Arbeiter um„großer Ziele" willen zum st r e i k e n bekomme. Das einzige wäre, bah man sie für die wirtschaftlichen Betriebsräte aus den Betrieben dringe, und selbst da? wäre noch recht zweifelhaft. D ä u m i g- Berlin wandte sich scharf gegen Kornea, weil dieser mit dem RegiernngSentwurf, der glatt abgelehnt werden müsse, komvromisscln wolle. Tänmig forderte, nach dem Bor- bild deS Berliner Nnmpf-VollzugSrates sofort eigene Be- triebSräte zu schaffen, um dadurch die Regierung und die Nationalversammlung vor vollendete Tatsache» zy st e l l e n. Er forderte die anderen Orte auf, dem Berliner Bei- spiel zu folgen, um auf diese Weise die Wirtschaft zu„revolntio- niercn". Däumig schlägt schließlich„Richtlinien zum Aufbau deS NätesvstemS" vor, die von denen Koencn« abweichen. Kurt G e tz e r- Leipzig wendet sich wiederum gegen Dän- m i g. Er will eventuell durch Generalstreik zur gegebenen Zeit die Durchführung der Rätrdiktatur erzwingen. Kö bring»Essen und K a n o w f k y- Stuttgart bringe«, um die Unklarheit über die Betriebsräte in den radikalen Kreisen zu illustrieren, noch andere BetricbSratS-Entwürfe, die sich von den vorliegenden wesentlich unterscheiden. HMUIWMW» I■»-IMMM.M'W llf WW stärkere Beteiligung des Volkes am Theater geltend macht, an- regend und wegweisend wirken. Den alten Mitgliedern aber wird sie eine schöne Erinnerungsgabe sein. Ernst KreowSki. veutsch'anös Kohlenvorrat. Im H. Band« seiner„Allgemeinen Geologie", der kürzlich in 3. Auflage erschienen ist, sagt der im September 1917 als Opfer des Weltkrieges im Lazarert zu Aleppo verstorbene Vreslauer Geologe Prof. Fritz Frech:„Das 19. Jahrhundert müßte das Zeit- alter der Steinkohle genannt werden, wollte man für die siingste Kulturentwicklung des Menschengeschlechts eine Bezeichnung wählen, die den Namen Stein- und Bronzezeit ähnlich ist." In diesen Tagen der Kohlenkrise sind Freche- Mirteilunaen über Kohlen- fönderung und Kohlenvorrat i„ ix n wichtigsten KMcnländern und besonders in Deutschland von besonderem Interesse Im Jahre 1911 sörderten die Vereinigten von Nordamerika an Steinkohlen rund 4M Millionen Tonnv«tzinschließlich Braunkohlen), Großbri- kannten rund 276, Deut-ck�md rund 169, Frankreich rund 33, Bel- gie» rund 23 und Le�rrreich-Ungarn rund 13 Millionen Tonnen. Seit 1902 hatte sich d.-e Förderung in England von 230 auf 260. in Deutschland nur von IM aus IM Millionen gehoben, d. h. England geht mit seinem Kohlenvorrat weit verschwenderischer als Deutschland um, wozu noch kommt, daß die neue Art des Abbaues der Koblen in Deutschland sehr viel geringer« Verluste, eine viel auZ- gsebigcre Verwertung und eine außerordentliche Erhöhung der Ab- bauzeit mit sich bringt. Von uniere Kohlengebieten reichen noch Frech die Beck-n deS Königreichs Sachsen kaum mehr für ein Jahrhundert, doch sollen jetzt neu« Kohlenlager erschlossen sein. Das niederschlesischc Kohlenbecken enthält nock' eine Milliarde Tonnen, kann also mindestens 130 Jahre reichen. Die Reviere an der Saar und in' Westfalen sowie daS Aachener Kohlen feld haben zusammen bis zur Tiefe von 1300 Meter etwa sowie! Kohlen wie England. Freilich unsere größten Kohlen- lager sind in Lberschlesien, das durch den Friedensvertrag auch ge- sährdet ist. Di« Zahl der hier übereinander gehäuften Kohlenflöze ist größer als in jedem anderen Stsinkohlengebiet der Erde. Di? Sattelflöze erreichen im Durchschnitt 10— 12 und örtlich 16— 18 Meter Mächtigkeit reiner Steinkohle. Schon da« westfälische Köhlen- etwa soviel Koblen wie England. Freilich unsere größten Kohlen- 343 Jahre und bis zur völligen Erschöpfung für mehr als ein Jahr- tausend. In England stbirankt die Schätzung de? Kohlenvv'ratS zwischen 86s4 und IM Milliarden Tonnen. Nehmen wir eine Sie-- gerung bis zu 300 Millionen und einen 5kohlenvorrat von IM Mil- liavden an, so würde England nur nach mr 330 Jahre Kohlen haben. Ilmerika wird infolge der Verschwendung und deS Raubbaus bei der Förderung der Kohlen trotz seiner riesigen Vorräte im Jahre 2015 oder 2027 crsck>Spft sein. . 1313—1919, in wenig mehr als IM Jahren, hat sich das Gesicht Europas ganz verändert; auch die skeprischsten Schätzungen über die Kohlenvorrät« gehen bei den kleineren Feldern nicht unter ein Jahr- hundert herab, nur Raubbau kann frühere Erschöpfung möglich machen, und bei all diesen Berechnungen sind technische Verbessern n- Braß- Remscheid verlangt die Schaffung«iner Zentrale, von der aus die ganze Bewegung zu leiten und zu fördern ist. In Zukunft dars nach ihm die Kraft nicht mehr �n Tcilstreiks und Putschen verzettelt, sondern es muß einheitlich im ganzen Reiche eine Aktion unternommen werden. Ziicharh Müller- Berlin fordert die unbedingte Diktatur de? Proletariats und wendet sich scharf gegen die Mitarbeit der Unabhängigen in der Nationalversammlung. Schließlich arbeitete eine dafür eingesetzte Kommission«ine« Entwurf für den wirtschaftliche» Aufbau der Betriebsräte cinS, der zur Kenntnis genommen wird. Eine Abstimmung über den Entwurf, der sich im wesentlichen mit dem der Berliner Kästchen- baucr deckt, wird nicht vorgenommen. Die Regelung deS politi- fischen NätesvstemS soll einer späteren Konferenz überlassen bleiben. Danach referierte der Essener Kommunist Köhring über „Gewerkschaften und B e t r i e b's r L t e". Er verlangte unbedingte Zertrümmerung der Gewer'kfcheften und Ersetzung der Gewerkschaften durch die Betriebsräte. Richard Müller als Korreferent ist anderer Ansicht. Er will die Gewrrk- schaften bestehen lassen, sie nur„revolutionär" umgestalten, nach ihm soll daS Rätesystem mit den Gewerkschaften verbunden werden. An die Referate schloß sich ein; recht heftige D e b o't t r, in der soviel Richtungen zutage traten, wie Redner zu Worte kamen. Däumig prophezeite einen KlärungSprozeß, der sich in Kürze bei den Unabhängigen um der Gewerkschaften willen vollziehen werde. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Auch die Gewcrkschastsfrag: soll dem nächsten Kongreß vorgelegt werden. Ten Schluß der Tagung bildete eine Aussprache über die„O r. ganisationsform" der„Zentralbetriebsrätc". Bor- läufig wurde eine Zentralstelle von 16 Bartretern eingesetzt, deren vorläufiger Sitz Halle bleibt. Außerdem wird noch be- schlössen, ein« Zentralnachrichtrn stelle in Leipzig ein, zurichten. Der Leiter dieser Stelle wird der als Arbeiterdclegicrter anwesende Dr. Kurt Geyer. Ter unabhängige Abgeordnete Braß und einige Kommunisten wandten sich erfolglos gegen diese Einrich- tung, die sie als M e i n u n g S f a b r i k für die Unabhängigen be« zeichneten. Dir nicht unwichtige Frage der F i n a n z i e r n n g der neuen„Organisation" soll ebenfalls auf der nächsten Konferenz gr> regelt werden. Das revolutionäre Element der Arbeitslosen hofft man, wie zum Schluß gesagt wurde, zum„Aufbau deS Räte- systemS" sehr gut gebrauchen zu können. Tie auf diese Tagung gesetzten Hoffnungen der„Revolutionär» sten" haben sich wieder mal nicht erfüllt. Man möchte gern und kann doch nicht. Tie Radikalen merken so langsam ihre Felle fortschwimmen, sie spüren es und sprechen es, wenn sie unter sich sind, auch anS, daß die deutsche Arbeiterschaft nicht „revolutionär" genug ist und daß sie mit irgendwelchen Aktionen hereinfallen würden. Darum verschieben sie die „Aktion" ans den Nimmerleinstag und reden sich warm, damit sie doch tun, wie wenn sie wa« täten. Die Arbeiterschaft wird sicherlich recht bald über diese Kon- fusionsräte zur Tagesordnung übergehen und sich freie Bahn schaffen zum wirklichen Ausstieg. Der Streik in Spanien. Die spanische Streikbewogung hat von der Bauindustrie auch auf die Textilindustrie übergeflriffen- Sehr erbittert hat die Haltung drr Arbcitgebcrverbände in Barcelona, die die Anerkennung der Arbeiterverbönde verweigern. Eine Erklärung der Ausständigen verlangt sofortige Aufhebung de? Belagerungszustandes, Wirderherstellung der verfassungS- mäßigen Bürgschaften. Auch der Streik der Seeleute dehnt sich bedenklich au«. Die Streiken-don verlangen Lohnerhöhung und Entlassung aller Nichtorganisierten Seeleute. Vertreter der Reederei- verbände wurden am Sonntag vom Arbcitsminister empfangen. Si« erklärten sich zu teilweisen Zugeständnissen bereit. Die Regie- rung wird heute dem Minislerrat ihre Reformpläne unterbreiten. Baumwolle für Deutschland. Zurzeit werden aus den Daseier Lagerhäusern bedeutende Quantitäten Baumwolle, die seinerzeit für Rechnung deutscher Kaufleute angekauft wurden, nach Deutsch- land abtransportiert. gen, die die in der Kohle aufgespeicherte Kraft auf rationellere Weise verwenden können, nicht in Rechnung gestellt; daS Zeitalter der StVnkohle eilt also, wie Frech betont, noch lange nicht seinem Ende zu._ Oer Kampf um Sie Jahne. Die Wiener.Neue Freie Presse" erzählt von einem Kampf um eine Fahne, der für die Verhältnisse tm ehemaligen Deutsch-Tirol bezeichnend ist: Die rot-weiß-rote Fahne, die auf der Santnerfpitzc in den Tolomiien drei Wochen hindurch geweht hat, rjt endlich herunter- geholt worden. Ein Fassaner Bergführer hat den Italienern diesen Gefallen getan, hat die Spitze erklettert und die Fahne, die bei den gegenwärtigen Machthabern von Südlirol so unangenehme und peinliche Empfindungen auslöste, beseitigt. Sein Honorar betrug 1000 Lire. Diese 10M Lire waren weit wirksamer als da? Ma- schinengewehrfeuer, das die Italiener von dem Schlernrückcn au? gegen die Fahne gerichtet hatten. Drei Wochen hindurch hatte der Kampf gegen die rot-weiß-rote Fahne auf der Santnerspitze ge- dauert und den Italienern ebensowenig Erfolg eingetragen wie manche andere Aktion im Weltkrieg. Als sie darauf verzichlen mußten, die Fahne durch eigene Kraft herunterzuholen, erschien ein Edikt, dos von den unbekannten Alpinisten, welch« die Fahne ge- hißt halten, verlangte, sie sollten sie selbst wieder herunterholen. Dir aber zogen es aus begreiflichen Gründen vor. auf die italienr- scheu Wünsche nicht näher einzugehen und ihr Inkognito zu be- wahren. Wohl aber gelangten an die italienischen Behörden ans« ngme Denunziationsbriefe, welche Namen und Adressen der Schul- digen den Italienern verrieten. AIS jedoch die Carabmieri sich n die angegebenen Wohnungen begaben, erfuhren sie zu ihrer unlieb- samen Ueberraschung, daß der eine Wohnungsinhaber blind, der andere lahm fei, woraus die italienckchen Machthaber nicht mit Unrecht schlössen, daß es sich augenscheinlich um eine Personenver. weöhslung handle. Nun ist die arme Fahne, die dem Maschinen- gewchrfeuer trotzte, der Macht deS italienischen Geldes zum Opfer gefallen. Notizen. — Theater. Im Echiller-Tst'eat«r Tharlotten- bürg wird am Donnerstag als Eröffnungsvorstellung JbftnS Luftspiel„Der Bund der Jugend" aufgeführt.— Dl« Bereinigten Bühnen beginnen jne neue Spielzeit am 1. Septem- ber im Kleinen Theater nm der Wiederaufnahme de? Lust- spiel? ,K ü m m e l h l ä t t ch e n". AIS erste Neuinszenierung folgt Sermann KesserS Tragikomödie.Summa Summaru m". Da» Kleine Schauspielhaus wird Mitte September mit.Krach" von Harry Kahn eröffnet. — Gewerbescbau in München. Für da» Jahr 1922 wird eine deutsche Gewcrbeschau in München geplant, zu der Deutsche aller Länder Zutritt haben sollen. ES sollen nur gediegen« und künstlerisch veredel« Erzeugnisse des Handwerks und der Industrie zugelassen werden. Kewe Lebensmitte! an Rumänien. Aus PariS k-ird gemeldet: Der Oberste WirtschaftSrat hat die Lieferung von Nahrungsmitteln, Waffen und Kriegsmaterial an Rumänien vorübergehend untersagt, da Rumänien dieWünsche der Entente bezüglich der Verschleppung verschiedener Mengen Waffen aus Ungarn nicht erfüllt hat. Die Auftänöe in Polen. Wi? brachten vor einigen Wochen Berichte über die außerordentlich schlechte Lage der Arbeiter im polnischen Posen: wir sind jetzt in der Lage, unsere Mitteilungen dahin- gehend zu ergänzen, daß das gesamte wirtschaftliche Leben in Posen schwierig ist. Uns wird geschrieben: Von den Warschauer Behörden sind die G-treidchöchstpreise für das hiesige Teilgebiet für Roggen von 15 auf 25 M., für Weizen von lö auf 30 M. für 50 Kilo erhöht worden. Diese ge- waltige Erhöhung, die angesichts der außerordentlich günstigen Ernte noch weniger verstanden wird, haben sowohl Behörden wie Private lebhaft erregt. Eine Deputation soll bereits nach Warschau abgereist sein, um an den zuständigen Stellen wegen Hcrabsevung der Sätze vorstellig zu werden. Selbst in laird- wirtschaftlichen Produzentenkreisen ist man der abnormen Er« höhung, der eine starke Brotverteuerung zur Folge haben müßte, abhold. Eine andere Mitteilung zeigt, mit welchen drakonischen Strafen die polnischen Militärdiktatorcn lächerliche �Per» gehen" ahnden. Wir erfahren: 30 000 M. Strafe hat die Stadt Tzarnikau und 10 000 M. Strafe die Gemeinde Ncusarbcn an die Kreiskaminandantur zahlen, weil militärische Telcphonleitungen durchschnitten und in der Richtung Ncusuvicn Lichtsignale bemerkt worden sind. Weitere härtere Mahnahmen stehen bevor. Das ist der richtige Weg, eine Jmdenta zu schaffen. Da die Stadt Ezarnrkau zu drei Vierteln polnisch ist, gibt die Strafe auch den.befreiten" Polen Gelegenheit, über ihre .Befreier" ernsthaft nachzudenken. Die I'urcht vor öe? �rreöenta. Italien ist das Ententeland, das schon mehrmals in letzter Zeit beivies, daß in ihm die nüchterne Vernunft die Ober- hano zu bekommen scheint. Es bemüht sich, den durch den Friedensvertrag italienisch gewordenen Fremdvölkern die Zu- gebörigkeit zu Italien möglichst leicht zu machen. So will es nach der folgenden Meldung Södtirol Autonomie gewähren: Laut.Mitlagtpost" soll Südtirol volle Autonomie erhallen. ES wird ein eigener Landlag errichtet werden. Italien soll daS Einspruchsrecht eingeräumt werden. Der italienische Gonverneur würde das Betorccht gegen die Landiagsbetchlüsie haben, die mit de» Interessen Jiatlens nicht im Einklang stehen. Diese Meldung gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit, daß auch die italienische Presse die um ihr Deutschtum be- sorgten Tiroler zu beruhigen sucht. T. U. meldet hierüber: Aeußenmzen der venezianischen Presse ist zu entnehmen, daß die itatiemichc Regierung das Fortbestehen der deutschen Schulen im Ober-Eischtat verbürgt, aber überall dort, wo sich eine er- heblich« Anzahl italienisch sprechender Kinder befindet, italienische Schulen ernchict werden. Den Kindern mit demscher Mullersprache soll die Erlernung der italienischen Sprache erleichtert werden. Sosern diese Aeußerungen die Absicht der matzgebenden K, eise wiedergeben, braucht al>o die deutsche Mmderheit in Südiirol. keine Verletzung ihrer sprachlichen Rcchre zu 6e- fürchten. Wenn die Hoffnungen der meisten Tiroler trotzdem auf einen Anschluß an die Schweiz hinauslaufen, so ist es zu verstehen, sie sind eben deutschen, nicht italienischen Stammes. Sicher sind auch die letzten dLutschsüdtiroler Kund- gedungen niit Grund der italienischen Deutschfreundlichkeit. Zewöschaft oöer ßreunöfthafl! Zwei französische Preffeftimme». Der Sonderberichterstatter des.Matin' formuliert das von Frankreich gegenüber Deutschland zu befolgende Programm folgen» dermaßen: Bei der mühevollen Wiederherstellung seiner wirtschaftlichen Kraft und seiner angestrengten Festigung des demokratischen Re» gime« muh Deutschland sehen, dah wir unS mit ihm beschäftigen. Geschieht die« nicht, dann wird sich sein Wiederautbau langsamer, aber in feindlichem Geiste vollziehen, wobei wir nichts zu gewinnen haben. Wir müssen unsere moralische und wirtschaftliche Unter- stütziing jeder Regierung leihen, die testen Willen zeigt, die Machen» schatten der militärischen Revancheparlei zu ersticken und die Frank- reich zu leistende Wiedergutmachung an die Spitze ihres Programms zu seyen. Erheblich mitztrauisch'r ist der.Matin'', der schreivt: Frank- reich müsse die Eutwicklung in Deutschland ausS genaueste verfolgen. Das müsse eine der Hauptaufgaben der französischen Diplomatie sein, denn zu jeder Zeit mühten sich Franzosen uiueremander sagen:.Sage mir. wie c? in Deutschland siebt, und ich will dir sagen, was uns erwartet." Teutschland sei im Begriff, politisch, wirtschaftlich und milltärisch eine Einheit zu werden. Politiich sei die« in der Verfasiung klar ausgesprochen, und Wirt» schafttich habe Erzberger durch seine Finanzprojekte den Grundstein hierzu gelegt. Auch militärisch schicke sich Noöke an. die Einheit zu erzielen. Er sei nacb München gereist, um auch die Leitung der bayerischen Armee zu übernehmen. Das Blatt sagt, wenn Italien und England sofort nach Ratifizierung des Friedensvertrages Bot- fchaiter nach Berlin elitiendelen, müsse Frankreich selbstverständlich dem Beispiel seiner Alliierten folgen. ES müsse der richtige Mann nach Berlin gesandt werden, der die«rsorderlicken Kredite und Männer zur Verfügung habe, um festzustellen, waS Deutschland auf allen Gebictetk unternehme. Verhaftung eines Miinchener KommuMen. Wie bereit« kurz gemeldet, ist in Berlin ein von der Münche- Ner Staatsanwaltschaft wegen Hochverrats gesuchter Kommunisten« führer namens Reichard verhaftet worden. Wir erfahren dazu: Reichard befindet sich bereit« seit mehreren Tagen in Haft. Bei der Aufhebung des unabhängig-kommunistischen VollzugsracS in den Zelten wurde ein Mann festgenommen, der Ausweispapiere auf den Namen Ludwig Greiner aus München Herne. Da die Ausweise offenbar nicht in Ordnung wären und Greiner auch nicht zum Berliner Lollzugsrar gahörte, wurde er festgenom- m e n. Es hat sich nun herausgestellt, daß Greiner mit dem von b« Münchener Staatsanwaltschaft wegen Hochverrats gesuchten Reichard iocntisch ist. Reichard war während der Münchener Räteherrschaft Intendant bei einer von den Kommunisten eingc» richteten Militärstelle und hat sich Verfehlungen nicht nur po- litischer Natur zu schulden kommen lassen. Bei l-'ucr Vernehmung gab er zu, Reichard zu heißen und erklärte auch, daß er von der Münchener Staatsanwaltschaft gesucht werde. Reichard ist deshalb der Berliner Staatsanwaltschaft übergeben werden.(L. S.) Neos russische Zahlungsmittel. (Eigener Drahtbericht des.Vorwärik'.) Au« Kopenhagen wird gemeldet: Die neue Regierung von Nordwestrußland läßt In Stockholm neue Scheine im Gesamtbeträge von 350 Millionen Rubel drucken, die au Stelle der unter Rodziauko« und N» l j a k» v« Namen ausgegebenen Jnterimsscheine treten sollen. England soll einen Kurs von 40 Rubel für ein Pfund Sterling g a r a»- t i e r t haben. Die Scheine, die den Namen I n d e n i t s ch und L i a n o w trage», sollen als obligatorisches Zahlung«- mittel auf russische» Boden gelten und drei Monate nach der Einnahme Petersburgs außer Kurs gesetzt werden. ?mmer noch Knsis in Suöapeft. Der bisherige Ministerpräsident Friedrich weicht nicht vom Platze und erklärt, daß er auch nicht davor zurückschrecke, einen zweiten TiaalSstreich durchzusühren, weil er da« Vertrauen des Landes habe. Fortgesetzt empfängt Friedrich Deputationen, welche ihn auf- fordern, im Amte zu verbleiben. Seitens der Sozialdemokraten wird den Bestrebungen Friedrichs der größte Widerstand entgegen- gesetzt und erliärt, daß die Behauvtung des Ministerpräsidenten Friedrich, daß er eine Einladung ClemeneeauS zur Konferenz iil Paris erhalten habe, eine Mhltifikalton sei. Es ist nicht a«S- geschlossen, daß sich zwei Regierungen bilden. Die Entente wird aufgefordert, einen Staatsrat zu ernennen, der die Leitung der Geschäfte zu übernehmen hätte. Inöuftrie unS tzanöel. Börse. An der Börse machte die feste Tendenz im Zusammen- hang mit dem Fallenlassen des Planes der N o t e n a b- stempelung weitere Fortschritte. Das Geschäft war aber still. Gute Meinung zeigte sich in erster Reihe für Schif- f a h r t s a k t i e n, die müßig anzogen. Auch Kolonial- werte waren nach schwachem Beginn begehrt und fest. M o n- tanpapiere verkehrten dagegen ungefähr auf letzten Kurs- stand. Höher bewertet wurden Anilinfabriken, in erster Reihe Aktlengesellschast für Anilinfabrikation. Auch für Kali- Papier« bestand ziemlich gute Meinung. Petroleum- a k t i e n waren im allgemeinen wenig verändert. Von Valuta- papieren waren nur Kanada befragt. Heimische An- leihen waren meistens erholt. Kriegsanleihen stellten sich auf 79*/» Prozent._ parteffunktionäre, VetriebSvertraucnslcute, ArbeiterratSmitglieder. Morgen, Donnerstag, abends pünktlich 7 Uhr, B e r f a m m- lung der BrtrirbsvertrauenSlente, Partei- funktionäre und ArbciterratSnkitglieder der S. P. D. im„Deutschen Hof", Luckauer Str. 15. Vortrag des Genossen Abramowiez über:„Der Bolschewismus iu Rußland." Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Tie Einwirkung der Kohlenkrise auf die Groftbetriebe. Durch die Ausstände in den schlesischen Kohlengruben ist die Gefahr der Betriebsstillegungen in den Berliner Groß-Betrieben in uumiitelbare Nähe gerückt. ES ist �>amit zu rechnen, daß bernts in den nächsten Tagen eine Anzahl sehr großer Firmen ihre Be- trieb: infolge Kohlenmangels stillegen muß. Da diese Maßnahme von schwerwiegenden Folgen begleitet sein dürfte, finden augenblick- lich Beratungen darüber statt, auf welche Weise man dem drohen- den Wirtschaftszusammenbruch wirksam entgegentreten kann. Die Firma Ludwig Löwe, die in Berlin und Wittenau mehrer« Tausend Arbeiter bescklästiqt, hat sich gezwungen gesehen, bekanntzugeben, daß infolge des Stocken? der Kohlenzufuhren vorläufig nur noch an drei Tag:n der Woche gearbeitet werden kann. In der letz- den Woche erst ist der Firma ein Kahn mit Steinkohlen von der Kobleustelle Groß-Berlin beschlagnahmt worden, da das Gaswerk Neukölln, um weiter arbeiten zu können, der Ladung sofort bedurfte. Auch bei den A.E.G.-Betrieben ist die Lage nicht viel besser. Di: Werke haben augenblicklich eine Kommission nach Oberschlesien ge- sandt. um verläßlich« Nachrichten üb« die Lage in den dortigen Kohlenrevieren zu erhalten. Sollte sich die Föikderung dort bald bessern und keine Stockung im Transporttvesen eintreten, hofft die A.E.G mit den Vorräten, die sie noch besitzt, über die KrisiS hin- wegzukommen. Aehnliche Nachrichten liegen auch aus anderen Be- trieben vor. Der Negierung ist bereits ein Bericht über die Lage und die Bitte um sofortige. Maßnahmen übersandt worden. Wie weiter mitgeteilt wird, erstrebt man in der Berliner Iu- dustrie den Anschluß d:r Werke an das. Zentral-Kraftwerk Bitter« feld-Golpa. Die dortigen Kraftwerke, die durch ihre nur wenige Kilometer von der Zentrale gelegene» riesigen Braunkohlengruben und»felder unabhängig von der Steinkohlenversorgung sind, sollen nicht nur die städtischen Elektrizitätswerke, deren Versorgung schon jetzt der Kohlen stelle Kopfzerbrechen macht, entlasten, sie sollen auch den vor allen Dingen von der Industrie benötigten Strom liesern. Die Frage ist allerdings nicht ganz einfach zu lösen, da Bitterfeld, das fchvn heute enorme Energiemengen an Mitteldeutschland ab- gibt, durch die Versorgung der Millionenstadt vor eine Ausgabe ge- stellt wird, deren Lösung in der kurzen Zut, bi» zum Einbruch des Winters, kaum durchführbar erscheint. Zu de« Schöffenwahlen. Der KreiSauSschuß Nieberbarnim hat in seiner heutigen Sitzung mit Stimmenmebrheit beschlossen, daß beiden am 4. September vorzunehmenden Wahlen der Gemeindeschösien auch die- jenigen Schöffen neu zu wählen jind, die zwar nicht besoldet, aber deren Dienftaufwandentsckädigung eine solche bohe ist. daß sie einer Besoldung g l e i ch z u a ch t e n ist. Da jedoch keine Einstimmigkeit besteht, soll die Entscheiduilg des Regierungs- Präsidenten herbeigeführt werden. Es müßte also, wenn big zum Wahltage diese Entscheidung nicht erfolgt, nach obigem Beschluß de? Kreisausschusses verfahren werden. Auch empfiehlt es'sich, die Neuwahlen der Kommissionen nicht am gleichen Tage vorzunehmen, da deu.tengewählten G«- meindevorstandSmitglicdern das Wahlrecht hierzu erst nach ihrer Bestätigung zusteht und sie iomil vorher ihres Stimmrechts verlustig gehen._ Der„Völkerbund" in der Schul«. Unterrichtsminister Haenisch hat an die Schulbehörden folgenden Erlaß gerichtet:„Di: Liga für Völkerbund bat sich bereitgesunden, durch namhafte Rezitatoren in den Schulen bedeutende Dichtungen und Vorträge, die dem Völkerbundgedanken dienen können, zum Bortrag zu brin- gen. Ich ersuche das Provinzialschulkollegium oder die Regierung, die Leiter der Schulen unter Hinweis au» die Wichtigkeit und den Wert der Verbreitung völkcrvereinender Gedanken in den Schulen anzuweisen, den Anträgen der Liga zur Abhaltung derartiger Vor- träge in den Aulen bzw. den Schulräumen weitestgehend entgegen- zukommen und auf regen Besuch der Veranstaltungen durch die Schüler hinzuwirken." Der Fall des Overleutnants v. Plüsio«. Um den eigenartigen Tod dc» Oberleutnants aufzuklären, wurde gestern vorw'hag der Leiter des Berliner Institut« für Sexualwissenschaft, Sanitätbrat Dr. Magnus Hirschfeld, in PoiSdam verndmmen. Aus Grund de» gesamten ihm vorgelegten Matermls gab der Sachvcrstänvige sein Urteil dahin ab. daß weder ein Word- noch ein beabsichtigter Selbst- mord, sondern ein sexueller Unfall vorliegt. Ter Uu- stand, daß der Verstqrbcne lange Tamenglacehandschuhe trug, sowie ein enggeschnürtes langes Damenkorsett lassen mit Sicherheit den Schluß ziehen, daß bei ihm eine eigentümliche geschlechtiichc Per- anlagung. nämlich, die seinen Körper einzuschnüren und«inzu- pressen, bestanden hat, ein Zustano, der in da? Gebiet des mtt tranSveftitischen Neigungen gepaarten MasochiZmus fällt. Solche Personen haben nicht selten die Neigung, auch anderweitige E.r- zwängungen und Umschnürungen an sich vorzunehmen, namentlich der Arme und Beingelenke und auch des Halses. Daraus, daß Fenster und Türen des Raumes, in dem der Tote sich he'and, von innen verschlossen waren, geht hervor, das;, als v. Plüskow verstarb, kein Fremder im Zimmer weilte. Auch die Tatsache, daß nichts geraubt und außer dem Bett des Verstorbesten nichts in Iln- Ordnung war, unterstützt diese Annahme. Auf dem Nachttisch v. PlüSkows lag ein geladener Revolver, den der Verstorbene höchst wahrscheinlich benützt haben würde, falls er seinem Leben ein End« machen wollte. Bon dem Burschen v. PlüSlow wird bekundet, baß der Oberleutnant wiederholt, mit Damenkorsett und Dtinun- Handschuhen angetan, im Bett schlafend von ihm gefunden wurde. Auch mehrere beschlagnahmte Photographien, welche den Verstor- honen mit merkwürdigen, turbanartigen Umwicklungen dcS KopfcS zeigen, sind bezeichnend. Aus diesen Beweisstücken zog der Sachverständ'ge den Schluß, daß die Einschnürungen mittels Korsett, Glacehandschuhen, Leder- riemen und Koppeln von dem Oberleutnant au? automasochisti» schon Motiven an sich selbst vorgenommen wurden und daß er dabei verunglückt«, indem er aus der um den HalS gelegten Schlinge sich nicht mehr zu befreien vermocht«. Seltsam bleibt immerhin, daß v. Plüskow trotz der zusammengebundenen Füße und Oberschenkel sowie der fest umschlungenen Hände und Oberarme gleichzeitig den Kopf in eine Halsbinde stecken konnte, oder sich nicht wenigsten« darüber klar war, wie leicht er bei seinem gsfährkichen Experiment um? Leben kommen konnte. Doch konnte nachgewiesen werden, daß bei sexuellen Selbststrangulierungen die komplizieriesteu Fessel- künste beobachtet worden sind. Der Selbstmord dei Bruders v. Plüskow« spricht für eine nervöse Disposition, auf deren Grund läge sexuelle Anomalien vorzukommen pflegen. Für Homosexuali- tät liegen keine Anhaltspunkte vor. Die vorgefundenen Frauen- lnlder scheinen vielmehr den Phantasievorstellungen zu entsprechen. die der Verstorbene sich über seine eigene Person machte und b. stätigen den automonosexucllcn Charakter der Tat. WaS von 10 Waggons Lebensmitteln übrig blieb. Großes Auf- sehen erregt in Potsoam die Bekanntmachung, daß von 10 Waggon« Lebensmitteln, die zwei Stadtverordnete unter dem Deckmantel „Magistrat Potsdam" auf dem Hauptbahnhos in Potsdam ein- laufen liehen, was aber nur eine Schiebung nach Berlin und Hain- bürg verdecken sollte, jetzt pro Kopf der Bevölkerung sage u>.' schreibe ein halbes Pfund Kaffee verteilt werden soll. Die Waggoue enthielten Oel, Kakao und Schmalz. Trotzdem die Potsdamer Staatsanwaltschaft sofort die Waggons beschlagnahmt hatte, sind für die Bevölkerung eben'nur 15 000 Kilogramm Kaffee und 13 Zentner Keks übrig geblieben. Es wird sich empfehlen, wenn die Staatsanwaltschaft sofort Aufklärung gibt. Von einem Kraftwagen überfahren und getötet wurde in der vergangenen Nacht eine unbekannte, etwa L5 bis 80 Jahre alle Frau. Sie geriet um liztz Uhr an der Moltkebrücke unter einer. Kraftwagen und wurde so schwer verletzt, daß sie auf der Stelle per- starb. Die unbekannte Tote, die nach dem Leichenschauhause gsbract« wurde, ist 1,05 Meter groß, hat dunkelblondes.Haar und trug einen dunkelblauen Mantel, ein schwarzweih karierte? Kleid, einen schwarzen Hut mit weißem Band und schwarze hohe Schnürschuhe. Ihre Uniertoäsche ist L. G. gezeichnet. Raubüberfall auf ein TicnstmLdchen. Als da? 24 Jahre alte Dienstmädchen Anna Banse sich gestern Mittag allein in der in der Danziger Slraße 82 belsgenen Privatwohnung feines Dienstherrn befand, klingelte ein etwa 35 Jahre alter Soldat und begehrte Ein- laß, um die Telephonleitung zu prüfen. Das Mädchen ließ den Fremden eintreten. Dieser machte sich auch am Telephon zu schaffen und schnitt schließlich den Leitungsdraht durch. Tann fiel er plötzlich über das Mädchen her, fesselte es an den Händen, knebelte es und warf e? schließlich auf das Bett. Mit einem vorgehaltenen Revolver drohte er der Ueberfallenen, dah er von der Waffe Gebrauch machen werde, wenn sie sich nicht ruhig verhalte. DaS Mädchen gab auch keinen Laut von sich, dafür aber schlug ein Hund an, der sich in der Wohnung befand. Der Räuber wurde dadurch gestört, so daß er nur eine kleine Holzkassette mitnahm, in der er wohl viel Geld ver- mutet«, die aber in Wirklichkeit nur 240 M. enthielt. Der Räuber ist unerkannt entkommen. Er ist 1,90 bis 1,02 Meter, also sehr groß. bat dunkelblondes Haar und einen englisch geschnittenen Schnurr- hart und trug feldgraue Uniform mit blauen Gardelitzen und e:n schwarzes Koppel mit Seitengewehrschlaufe und Troddel und eine Mutze mit Totenkopf. Reisen nach England sind setzt für deutsche Stoatsangebörige, ver- beiraicte Frauen, zugclastcn, fallt die Reise dringend nötig ist. Als dringende Äoiwendigieit gilt KraniheitSsall oder Regelung von Familien- onaetcgcnheiten. Ferner werden auch deutsche Kaufleute zugelassen, die die Absicht haben, mit England Handel zu treiben. Deutsche Kaufleute, die sich nach England zu begeben wünschen, haben sich in den verlchiedcneu Städten bei der Polizei anzumelden. Für Dautsche, die mit Transporten nach Deutschlrnd zi.rückgetehrt sind als Zivil- oder AuStatlschgcjongcw. wird noch nicht erlaubt, ihre Geschäste wieder auszunehmen. Friedrjchshagen. AuS der Gcmeindevertretnng. Durch Schrei. ben des Ministers de« Innern war unterm 10. August der Gemeinde mitgeteilt worden, daß sie nachträglich noch für die Miteinbeziehung in den neuen Stadtkreis Groß- Berlin mit vorgesehen sei. Mit dieser Frage hatte sich. die Gemeindevertretung in ihrer Sitzung, vom 25. August zu be- fassen. Mit allen gegen vier Stimmen bürgerlicher Vertreter wurde der Eingemeindung zugestimmt. In der ausführlichen Aussprache wurde der Wunsch auf weitgehendste Selbstverwaliung zum Ausdruck gebracht und ein Antrag unserer Genossen angenow men, daß auf 15 000 Einwohner ein Stadtverordneter kommen und im? 10 des Entwurfs anstatt die doppelte, die dreifache Anzahl der Stadtverordneten dcS Distrikts aus den Reihen der stimmfähigen Bürger die Distriktsversammlungen bilden soll. Kurz vor der Sitzung war von den Beamten und Angestellten der Gemeinde c.n Antrag eingegangen, in welchem diese zur Wahrung ihrer besonderen Rechte die Abänderung verschiedener Bestimmungen des Eni- Wurfs verlangten. Die Vertretung nahm einen Antrag an. daß be' der Eingemeindung die Rechte der Beamten und Angestellten nicht gekürzt werden sollen. Zur Versorgung der Einwohner mit Brenn- holz hatte der Geweindcvorstand versucht, dieses von außerhalb zu bekommen.-Er mußte fedoch infolge der Ueberbietung bei den Aul- tionen davon Abstand nehmen, da sich der Selbstkostenpreis einfÄl. Transport für den Raummeter auf 70 M. stellen würde. Es soll nun mit dem Zweckverband wegen Lieferung aus den umliegenden Waldungen in Verbindung getreten werden. Bei'dieser Gelegen- heit wurde auch festgestellt, daß der frühere Dezernent der Brenn- Materialienkommission Glöde bisher noch nicht abgerechnet hat.- auch trotz wiederholter Auifordening zu den Sitzungen der Kommission nicht erschienen ist. Nach längerer Diskussion wurde die Angelegen heit der Kommiision zur Erledigung überwiesen. Groft-Berliner Lebensmittel. Friedrichsfelde. In den vier EemeindeverkausSstellm ai imt» tat Hauöhattskarte 1 Dose sterilisierte Milch(3 M.). Vorträge, Vereine unü VersamMlungen. Stenogravhenbiind.Jttterlhftemal«. Freitag, 7 Mr. Beginnt Lange Strotze 84 im Lokal in System Stolze-Schrey ein neuer Ausänger- lurjuS. t?" GAVerkschsfisbewMM GsneralvcrsaMmlung der Metallarbeiter. In der außerordentlichen Generalversammlung deZ Deutschen MetalknbeitervcrbmideS am Dienstagabend wurde zunächst zirka zwei Stunden über die Borkommnisse, die zur Entlassung des Kollegen Bahy atS Beamter führten, gesprochen. Dem Kollegen Bahn konnte in seiner Täligleil als Angestellter nichts nachgesagt werden. Tost meinte, man habe alles Mögliche versucht/sür Bahn geeignete Räumlichkeiten zu schaffen. Nachdem selbst die übrigen Angestellten ihrem Kollegen Bahn empfohlen hätten, in dem ihm zur Bersügung gestellten Raum zu arbeiten, habe fich Bahn erst 2t Stunden Bedenkzeit ausgebeten. Seine Entlassung war unvermeidlich, e-Z könne in einer derartig großen Institution wie es der Deutsche Metallarbsiterverband ist, nicht jeder Angestellte arbeiten wie es ihm beliebt. Zu seiner Verteidigung hob Bahn hervor, daß es gerade der Kollege Rusch war, der durch lein uomsches Auftreten die ganze Angelegenheit auf die Spitze getrieben habe. Nachdem noch Richard Müller sein mög- lichsles getan batle, um Stimmung gegen Bahn zu machen, kam ein Schlußantrag, durch dessen Annahme es unmöglich war, die Norkommnisie im richtigen Licht zu schildern. Die Versammlung stimmte dann gegen zirka 100 Stimmen für die Entlastung Bahn«. Es kam dann drr S w i e d s s p r u ch zur Sprache, an dem die nieisten Redner kein gjr.es Haar ließen. Alle waren aber der Meinung, daß jetzt nicht der geeignete Zeitpunkt sei, durch Ablebnung in einen Streik zu treten. Auch hier ergriff Richard Müller wieder das Wort, um in langatmigen Ausjührungeir, die das ganze politische Gebiet streiften, für die Annahme des Schiedsspruchs zu wirken. Wie bereits berichtet, wurde der Schiedsspruch dann mit übergroßer Mehrheit angenommen. Zum Schluß machte ein Redner noch bekannt, daß von der Regierung gevlanr sei, Richard Müller, Ernst D ä>i m i g und die übrigen Mitglieder des roien Vollzugs» rales in Schutzhaft zu nehmen. sWie wir schon berichteten, handelt es sich mit der geplanten Inhaftnahme um eine der üblichen Tartarennachrichlen der„Freiheit". D. Red.) Der Redner forderte zum G e n e r a l sl r e i k auf, fand aber bei dem größten Teil der Vörsammlungsbesucher, die schon langsam den Saal räumten, keine Gegenliebe._____ Zur Lohnfrage. Wie da? soeben ausgegebene Augusthefi des„Reichs-Arbeits- bkatts" berichtet, sind nach einer vom Statistischen ReichSamt aufgenommenen, allerdings nur rohen Statistik, die Durchschnittslöhne der erwachsenen männlichen Arbeiter in der Zeit vom März 1914 bis zum September 1913. also während der Kriegsdauer, von 5,17 M. aus 12,46 M. und die der weiblichen Arbeiter von 2,28 M. auf 6,91 M. gestiegen. Setzt man den Stand vom März 1914— 100, so bedeuten die angegebenen Zahlen. daß der Durchichnittstagesverdicnst der Männer im Sep» tember 1913 241,0 und der der Frauen 263,6 betragen würde. Die Steigerung ist hiernach nicht so groß, wie im allgemeinen angenommen zu werden pflegt. Allerdings betrüg: sie in verschiedenen Gewerbegnippen mehr. So sistd z. B. die KOBS« Löhne der Männer während der angegebensn Zeit in der elektrischen Industrie von 4,52 M. auf 13,46 M. id. h, um 193 Proz.), in der Maschinenindustrie von 5,32 auf 13,04 M.(145 Pioz.), in det Papierindustrie von 3,93 aus 9,43 M.(140 Proz.), die der Frauen in der Metallindustrie von 2.05 auf 6,65 M.(224 Proz.), in der Maschinenindustrie von 2,28 auf 6,26 M.(175 Proz.), in der Industrie der Holz» und Schnitzstoffe von 1,99 auf 5,45 M (174 Proz), und in der elektrischen Industrie von 2,75 auf 7,85 M.(167 Proz.) gestiegen. Andererseits sind die Löhne auch in einigen anderen Gswerbegruvpen wesentlich geringer angewachsen, so z. B. für Männer im. Nahrungs» und Genvtzmittelgewerbe nur von 5,69 auf 8.52 M.(d. h. um etwa 50 Proz.) und für Frauen in der Leder» und Gummiindustrie von 2.82 auf 4,82 M.(etwa 71 Proz.). Wenn auch die genannten Erhebungen keinen zwingen- den Schluß auf den tatsächlich verdienten Arbeitslohn zulasien, so geben sie doch ein anschauliches und, trotz des geringen Ilmfanges. einigermaßen zuverlässiges Bild über die Lohnbewegung während der siiuf Kriegsiahre zu je zwei verschiedenen Terminen jedes Jahres, nämlich dem März und September. Es geht aus dieser Statistik nur erneut die Tatsache hervor, daß die Erhöhung der Löhne ledig» lich einen bescheidenen Ausgleich für die viel stärker gestiegenen Preise aller Lebensmittel und sonstigen Gebrauchsartikel dar- stellt._ Steinarbeiterstreik iur Rheinland. Infolge Lohndifferenzen traten die in den Kalksteinbrüchen in Wülfrath im Rheinland beschäftigten Sleinarbeiler in den Streik. In Betracht kommen etwa 1500 Arbeiter. Verhandlungen zwecks Einigung vor dem Schlichtaiigsaus'chuß zu Elberfeld der- liefen ergebnislos. Kommt es nicht zu einer schnellen Einigung, so werden Tausende von Hüttenarbeitern, die zur Stahlerzeugung Kalk benötigen, arbeitslos. Weitere Verhandlungen zwecks Eini- gung durch das Reichsarbeitsamt sind angebahnt. Die Arbeits- nachweise werden ersucht, die Vermittlung von Arbeitskräften nach dem Streikgebiet nicht vorzunehmen. die tariflichen Vereinbarungen unbedingt erfüllt werden. Ferner find besonders für die Landwirtschaft Personen bestimmt, welche die Lohn-, Verpslegungs- und Wohn- Verhältnisse gewissenhaft prüfen, bevor die Arbeit angenommen wird. Ma» kann hieraus ersehen, daß genügend Maßnabmen ge- troffen sind, um den Entlaffenen vor Ausbeutungnn zu schützen. Ein Arbeitsnachweis für die zu entlassenden Reichs- wehrtruppen. Uns wird geschrieben: Nach den Friedensbesiimmungen der Entente darf unsere Reichswehr ob 1. April 1920 nur noch 100000 Mann betragen. Wir sind daher verpflichter, umgebend die Stärke unserer Truppe aus die uns vorgeschriebene Zahl zu verringern. Um nun den Entlassenen die Möglichkeit zu aeben, sie in den Zivil- beruf überzuleiten, ist auf Enipfehlung des Reichswehrministeriums bei den Reichswehrtruppenkommando, Berlin, Genthiner Straße 13 G, ein ÄrbcilsnachweiS eingerichtet worden. In großzügiger Weise sind von dieser Stelle aus schon samt- liche Vorarbeiten erledigt. Mit allen Industrie- und Landwirt- ichastSverbäuden sowie Zentral-Arbeilsnachweisen sind Verhandlungen hergestellt, so daß in den nächsten Tagen die Arbeitsvermittlung be- ginnen kann. Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, daß im Arbeitsnachweis Vertreter der verschiedensten Gewerkschaften anwesend sind, welche streng daraus zu achten haben, daß in den zu besetzenden Stellen Zentralverband der Fleischer. Freitag, abends 7'/, Ahr, Sitzung sämtlicher Vertrauensleute. Rosenthaler Straße 11. Soziales. Wohmrngs- und Zuzugsbeschräukungeu in der Prdpivz Brandenburg. Da? Wohnungsbauderbot während des Krieges und die zahl- reichen Eheschließungen der jüngsten Zeit haben verstärkt durch die plötzliche Demobilmochung und die damit verbundene Heimkehr der Krieger die Staats- und Kommunalbebörden in bezug auf die jetzt herrschende Wohnungsnot in größte Schwierigleiten ge- bracht. Insbesondere haben fich bei der Vermittlung aus« wärtiger Arbeitskräfte in die größeren Provinzstädte Schwierigkeiten durch die in diesen Städten zurzeit beflehendpn WobnungZ- und Zuzugsbeschränkungen ergeben. Ein� Reihe von Städten hat sich nämlich, ähnlich wie Berlin, veranlaßt gesehen, den Orrs- und Berufsfremden den Zuzug bzw. die Arbeits- Möglichkeit zugunsten der Einheimischen nach Möglichkeit zu erschweren.. Nach einer Umfrage der Zentralouskunfsstelle der Arbeitsnachweise für d-e Provinz Brandenburg bestehen in den Kreisen Angermündc, Berskow-Storkow, Bei, ig, Jüterbog, Ky.ritz, Osibavelland, Westhavelland, Neuruppin. Pcrlebcrg, Prenzlap, Kroßen a. O.. LandkriiS Guben, Lübben, Weststernberg, Sorau N.-L., Svremberg(Lausitz), Züllichau. Arnswalde, Friedeberg N.-M., Königsberg N.-M., Landkreis Landsberg a. 23.. Seelow, Soldin und Zielenzig zurzeit keinerlei Wohnungs« und Zuzugsbeschränkungen. WohnungS- und Zuzugsbeschränkungen bestehen in den Städten Koitbus, Küstrin, Guben, Forst i. L., Frankfurt a. O., Landsberg a. W., und Lübbenau insofern, als Personen, die nach diesen Städten übersiedeln wollen, vorher die Genehmigung de? Magistrats (Wohnungs- oder Mietseinigungsamtes) hoben müssen. In Branden» bürg a. H. ist die Wohnungsnot bereit? io groß daß laut Bekannt� machung des Mietseinigungsamtes vom 4. August 1919 Mietverträge der von außerhalb zuziehenden Personen fortan nichr mehr ge- nebmigt werden können. Die Zuzugsbeichränkunq bezieht sich auch auf Personen, die möblierte Zimmer mieten wollen. Die ZentralauskunslSstelle der Arbeitsnachweise der Probinz Brandenburg, Berlin, An der Skalauer Brücke 7. ist gern bereit, Jntereffenten vor einer etwaigen Ucberstedlung in einen anderen Orr innerhalb der Provinz über die bestehenden Bestimmungen un- verbindlich ZlliSilinft zu geben. Verantw. für den redaktion. Teil: Alfred Tchslz, Neukölln: filr Anzeigen: Theodor ©ioie, Berlin Berlog: Vorwärts» Berlog®. rn. b.£., Berlin. Druck: Borwärts- Binfidruckerci und Verlaasonstolt Paul Singer u. Ge. in Berlin. Linden str. 3. Am 20. d. M. verlchied� mein lieber Sohn Kssm Meliert im 22. tjebensiahre. In ttcsster Trauer Frau Z. Kelcherl, Muller, tr. 8a. Die Beerdigung findet j Donnerstag, den 28. August, uon der Solle des Dantca- riedhofes, Reinickendorf- est. Vtanlestr., aus staii. j i aieleganheiistäufe iu* Obren W«'ll.GWOeA. G. Schliephacke, Zriedrichskr. 210. Ecke Kochstr. Mölsel und kornpl'Wohnungselnrlchfunoen Kenreaa- iLSpeEfezImnaciir WoSasi- tx. Sdalaifatlemxaejf Harvorragend acJiön und preiswert Ist �thcBtS>g.iS*lst.f)ca ULSäSlc-rtöiu Klubsessel und Sotes In Gobelin und Leder 3 Afo-I n Slsm»j g.Verm8atlMm<3 kornpleKer E iirich.'ungen, daber stets viele Qelegennelfskfiufe M�rlslewlca? O.ctiJa. K., Bertas W3«, MssHo"*»»».« 1 Möbel Lieferung kompletter• Speise-, Herren- n. Schlafzimmer wirtlich reell u. billig nur durch Zentrum, Kaisef-WiStsfita-St.SMTi'. Ohne Geld erhalten Sie Prospekt Uber medizinisch anerkannten hygi» enischen Frauenartikel. Schließ» fach OS. Berlin C 2, 3694b* Aus erster Hand reelle Matretzen, dreitlg. 46,— ab Lager- W. Reknecke, Katzbachstr. 25 pt. Prima Stahlmatr. fflr Kolzbenst. 46�- mit Gegenf. SO.—. Ruhebetten 100,—. Metallbettst. mit Messing. 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