itr.442.3g.gnl|ra. veznftSvrei«: eimtllStcL I/—«a, manofl. l.— SB. frei m« Hau», oocatu»ahldar. Postbezug: Monatlich ch— Ml. exkl. gu- ftellungogedüdi. Unter Kreuzband fite Deutschland UN» Oesterrelch- Ungarn SL5 ML, für da» llbrtg« ausländ 10 25 ML. bei täglich einmaL Zustellung 3.25 ML Postdestellungen nehmen an DänemarL Holland. Luxemburg. Schweden u. die Schweiz. Singetragen In die Poft-Zeitungo-Prelollst«. Der.Vorwärts' mit der Sonntag» beilage.Boll u. Zeit' erscheint Wochen- tiiglich zweunaL Sonntag» einmaL Zelegramm-Adresf«» «Sozioldemolra» Berlin-, Morgen Ausgabe. P. Bevlmer OolksblAtt. (iSPffennia� sm�cigcttprct» t SM achtgespalten« ZionpareMezeile lostet L« ML„»lein««nzeigen-, da, fmgedruckte Wort«0 Pfg.(zuliisstg 2 settgedruckte Worte), srdes weiter, Wort 30 Pfg. Stellengesuch« und Schlafstellenanzetgen das erste Wo« 10 Pfg. jede« weitere Wo« 20 Pfg. Worte ltder IS Buchstaben zählen ftir zw« Worte. Teuerungszuschlag 50%. Mamillen- Anzeigen, pollttfche und gewerlfchastltch» Vereins- Anzeigen 1,50 ML die geile. Anzeigen für die nächste Nutitüler mllffen bis s Ahr nachmittag» tm Hauptgeschäft, Berlin SW 68, SindenstraKe 8, abgegeben werdetL Geöffnet von S Uhr früh bi» S Uhr«den»». Zcntmlorgan der foztaldemoferatircbcii Parte» Deutfchlands. Nsüaktion und Expedition: SW. 6$, Änöenstr. Z. aernivrechrr: Amt Moritiplast, Nr. 15190—15197. Sonnabend, den BO. August 1919. vorwärts-veriag G.m.b. H., SW. öS, Linöenstr. Z. Fernsprecher- Amt MoritzplaN, Nr. 117 SS— St. Die Kriegsgefangenen kommen. Versailles, 29. August. Der Oberste Rat der Alliierte» veröffentlicht folgende Note: „Um so rasch wie möglich die durch den Krieg verursach. ten Leiden zu mindern, haben die alliierten und assoziierten Mächte beschlossen, den Zeitpunkt des Inkrafttretens des Friedensvertrages mit Teutschland, soweit er den Rück- transport der deutschen Kriegsgefangenen betrifft, vorzu- datieren. Die Vorbereitungen zum RücktranS- Port werden sofort beginnen, und zwar durch eine interalliierte Kommission, der ein deutscher Vertreter ange- gliedert werden soll, sobald der Vertrag in Kraft getreten ist. Die alliierten und assoziierten Mächte weisen aber aus- drücklich daraus hin, dass diese wohlwollende Hal- t u n g, von der die deutschen Soldaten so grosse Vorteile haben, nur dann von Dauer sein wird, wenn die deutsche Regierung und das deutsche Äolk alle ihnen ob- liegendenVerpflichtunge» erfüllen." Ankunft eines kleinen Transportes sibirischer Gefangener auf üem Schlesischen Sahnhof. Nach langem Sehnen und Warten war«rS heute leider nur einem kleinen Teil von. Kriegsgefangenen a«S dem Ural, Tomsk und JrkutSk vergönnt, daS Wiedersehe« mit ihren Lieben zu feiern. Ter Empfang war unter den heutigen Verhält- nissen glänzend zu nennen. Hunderte von Ungehörigen waren auf dem Bahnsteig mit Blumen und ausgestreckten Armen, die nur leider einige(il> Köpfe zählenden Heimkehrenden zu begrüße». Tränen der Freude über das Wiedersehen von Vermißten und Langerwarteten, Söhnen und Männern, sah man hier. Aber auch viele Tränen der armen Mütter und Frauen, dir vergebens zum Empfang erschienen waren, ohne die Lieben unter dem Transport z« finde«. Denn daS Nachrichtenfvstcm reicht nicht au>, alle Namen der sich bei dem Trans- Port Befindenden im voraus zu nennen. Im Namen deS BolkSbundeS wurde den von langen Leiden Erlösten von der Kriegsgefangenen- Heimkehr«in würdiger Empfang bereitet. ES wurden Kakao, Kaffee, Brot mit Wurst und eine kräftige Suppe verabreicht. Zum Schluß wurde» von de« Damen Zigarren und Blumen ver« teilt. Die Angestellte« der Kriegsgefangrnrn-Hrimkehr wurde« in glänzender und aufopfernder Weise von einer Reihe von Ehren- damrn unter Leitung von Frau Schatz, die persönlich für zeiche Blumcndekoration in den EmpfangSräumen Sorg« trug, unterstützt. Unsere heimkehrenden Krieger waren sehr l»rglückt über einen solchen Empfang, den sie nicht erwartet hatte». Bon diesem Transport waren 10, die in Berlin Angehörige hatten. 6, die i« Berlin bleiben wollten, wurden in dem Heim der 5kriegSgefangen«n-Hrimkehr, Oranienftr. 10S, untergebracht. Ebenso wird de« Oefterreichern, die morgen weiter in die Heimat nach Wien reifen, Unterkunft gewährt. Alle andere« wurden nach Hause weitertransportiert. Wün- scheu wolle» wir, daß diesem Transport recht bald andere und»och größere folgen werden. Freilassung dentscher Seeleute in Chile. Die chilenische Regie- rung hat die internierten Mannschaften des deutschen Kriegsschiffes Dresden und des deutschen Seglers Seeadler in Freiheit gefetzt. Grleüigung öer Schantungfrage. „New Dork World" erfährt, daß der AenderungSantrag des Se« »ators Lodge in der Schantungfrage erledigt wurde. Der amerikanische Gisenbahnersireik vermieden. Reuter meldet au? Washington: Der BollzugSrat der Verbände der Arbriter in den Eifenbahnwerkstätten empfahl die Annahm« von Wilsons Angebot, demzufolge der Lohn eine geringe Erhöhung erfahren soll, bis das Ergebnis deS RegicrungSaner- bietens, die Kosten des Lebensunterhalts zu verringern, feststehe. Stahlarbeiterstrelk! ..Time«" meldet auS New Dork, daß in Flnanzkrrifen und Kreisen der Stahlindustrie damit gerechnet wird, daß die Stahl- arbeit er in den Aus st and trete» werden. Man glaubt jedoch nicht, daß die Betriebe vollständig stilliegen werden. Das Presiebureau Radio meldet, daß Samuel GompcrS mit den Arbeiterführern beraten wird. ES werde» wichtige Ereignisse erwartet. Die Arbeiterführer sprechen jetzt weniger vom Streik, so daß die Lage hoffnungsvoller angesehen werde« kann. Gegen öie öeutjche Sozialdemokratie. In der Debatte über den Friedensvertrag griff der Sozialist Brunet die deutsche Sozialdemokratie scharf an. Er sagte, daß die deutschen Sozialisten mit der Bewilligung der Militär- kredite nicht ihre Pflicht erfüllt, sondern ein Verbrechen be» gangen hätten, welches auf der ganzen Menschheit laste.(Bei- fall.) Die französischen Soziali st en hätten leine Ver« antwortung an der Katastrophe, da Frankreich ungerechter- weise angegriffen und Belgien vergewaliigt worden fei. Der Redner erklärt, daß der Vertrag niemanden befriedige. Das Blut der Tolen und die Grösse der Opfer Frankreichs hätten zu besseren Erwartungen berechiigt. Der Redner stellt fest, dass der Vertrag Keime zu einem neuen Krieg enthalte. Jedoch betonte er, dass die französische Regierung Beweise von Mässigung und dem Gerste der Gerechiigkerl abgelegt habe. Er schliess: mit der Erklä- rung. dass er der Regierung die Verantwortung für den Vertrag überlasse, der ihm ungenügend erscheine, um den Frieden zu sichern. Brunet gehört zu den französischen Sozialisten, die da» Elend, das der Krieg über Frankreich gebt acht hat, so tief schmerzt, dass es ihnen unmöglich ist, Deutschland gegenüber gerecht zu sein. Hoffen wir, dass auch sie einst unser ehrliches Wollen wieder erkennen und uns die Hand zur Versöhnung reichen. Betriebsräte in England. Nach dem Monatsbericht de« eng- lifchen Arbeitsministeriums bestehen in 41� verschiedenen Industrien Englands Arbeiterräte. Sie vertreten fast zwei Millionen Arbeit- uehmer. Lebensmittelunruhen in Gppeln. In Oppeln kam»s am Donnerstag«nd Freitag z« großen Zusammenrottungen der Bevilkrrnng, welch« eine Herab- setzung der Lebensmitte lprrise«nd der Preise für Wirt- schaftSartikel forderte. Bereits Donnerstag stürmte die Menge die Stände der Obst-«nd Gemüsehändler, besonders der Groß- Händler. Am Freitag setzten fich dir Znfammenrottnnge» in großem Maß« fort. Die Menge drang in ein» größere Anzahl Geschäft« der Textil«, Lebensmittel«, BckleidungS«, Zigarren«nd Zigarettenbranche. Die Waren wurden weit unter dem Preise verkauft, und ei» Teil der Geschäfte wurde geplündert. Die meifieu Geschäfte find heute geschlossen. Die Ausschreitungen nehmen ihre« Fortgang. Di« Zusammenrottungen führten zu einem Einschreibe» de» Militär«, da« Ruhe und Ordnung wiederherstellte. Zu grösseren Zusammenstößen zwischen Militär und Bevölkerung kam es nicht. Das Militär besetzte die Hauptstraßen der Stadt und einzelne öffent- liche Gebäude._ Die Numänenherrschast. Auf Anordnung des rumänischen Platzkonnnandanten ist unga- rischcn Oftizieren und Unteroffizieren das Waffentragen untersagt. Offiziere dürfen die Stadt, nicht verlassen. Polizisten dürfe« nur aus Grund rumänischer Legitimationen Waffe trage«. Pöbel. Nicht von dem der Hinterhäuser und Kaschemmen, dem erblicke Belastung, Aechtung durch die„Anständigkeit", Rot und Schwäche dahin gebracht haben, soll die Rede sein, sondern von den vor- nehmen, von ererbten oder erwucherten Güter» lebenden Drohnen der Gesellschaft Ihre wahre pöbelhafte Natur zeigte diese Gesellschaft, al« ein Berliner Kriminalkommissar auf Anordnung des Ministers de« Innern die Swinemünder Spielhöllen schloß. Da« in einem Spiel- saal versammelte.vornehme" Publikum nahm dem Beamten gegen» über eine so drohende Haltung ein, dass dieser den Revolver zog. Darüber noch größere Empörung in der.Welt", die Direktion des KurhauS-KasinoS will beim Minister Beschwerde über daS Verhalten de« Beamten führen. Hoffentlich bekommt sie die richtige Antwort_ Das Gbst bleibt frei! Entgegen den bisher gehegten Absichten wird auf jede ZwangS- rrfassung von Herbstobst verzichtet Der ReichSernährungSminister hat genehmigt, daß auch für Herbstobst volle Handelsfreiheit be- stehen soll. Die Reichsstelle für Gemüse und£töst und deren Organe werden jodoch, da. eine ferner« allgemeine Versorgung der Bevölkerung mit zuckerhaltigen Brotaufstrichmitteln noch nicht als entbehrlich betrachtet werden kann, die Marmeladenfabriken bei der Hereinnahme entsprechender, Obstmengen nach Möglichkeit unter- stützen.'_ BerkehrSschwierigkeiten auch in Fraukreich. Infolge der Verkehr»- schwierigkeilen leidet in Frankreich die Baustoffindustrie derart, daß man in Bollen« die Ziegeleien stillegen und etwa 600 Arbeiter entlassen mußte. Seit dem Waffenstillstand hat die Desorganisation der Eisenbahntransporte solche Fortschritte ge- macht, daß das Material nicht abtransportiert werden konnte. Stillegungen auch in England. Nicht nur die RegierungS- schffsswerften stellen auf Regierungsbefehl ihre Tätigkeit ein, sondern auch ein« Reihe von Munitionsfabriken, die Kriegsmaterial ftir die Regierung angefertigt haben, sind offiziell stillgelegt worden. Eine grosse Munitionsfabrik, die 8 Millionen Pfund gekostet hat und gegenwärtig über 3000 Arbeiter beschäftigt, hat Kren Betrieb eingestellt. Sie Zrüchte öes Radikalismus. Die vernünftigen und anständigen unter den F ü h- rern der Unabhängig en beginnen jetzt die Früchte der rücksichtslosen Hetze zu ernten, die sie seit Monaten in Wort und Schrift aus Angst vor den Kommunisten mitge- macht haben. Sie müssen jetzt, innerhalb ihrer eigenen Partei die Entwickclung erleben, die mit dem Wesen einer jeden Diktatur der Minderheiten aufs Engste verknüpft ist: wo man den Boden der„formalen" Demokratie verlassen hat, hat man zugleich den letzten festen Halt für eine vernünftige, ehrliche Realpolitik aufgegeben und Tür und Tor der radi- kalen Phrase geöffnet. Ein geistvolles französisches Wort sagt:„On est toujours le radical de quelqu'un": Man ist stets der Radikale eines anderen. Und man könnte dem hinzu fügen: Es ist n i ch t s ch w e r, der Radikale eines anderen zu werden. Die radikale Phrase, die heute von den fortgesetzt aufge- peitschten Massen bejubelt wird, kann morgen kinderleicht durch eine noch radikalere überflügelt und als reaktionär be- schimpft werden. Der Führer, der heute als echter„Revo- lutionär" gepriesen wird, wird morgen als.�öremser" auS- gepfiffen werden. Was nützt es, wenn die Mehrheit den im Munde eines Phantasten oder eines Verbrechers jüngss geborenen Wahnsinn nicht mitmachen will? Die Mehrheit? Das wäre doch ein Rückschritt zu der mit Schimpf und Schande abgeschafften „formalen Demokratie", die Mehrheft entscheidet nicht mehr. Also die Gewalt, die Waffen, der Terror! Die Diktatm: des Proletariats bedeutet die Diftatur der radikalen Phrase, be- . deutet Terror, Terror und kein Ende, es sei denn, dass die Konterrevolution ihren Schlußpunkt bilde. Auf Trotzky und Lenin sind die eigentlichen Machthaber des heutigen Sowjet-Russlands, die Ausserordentlichen Kom- Missionen, gefolgt, auf Bela Kun folgte Samuely. Und so ergeht es auch im Kleinen der U. S. P. D. als Parter. Auf die zu Beginn der Revolution zur Vernunft mahnenden, weil ihrer Verantwortung bswußten H a a s e und K a u t s k y folgten Ledebour und Richard Müller, und auch„letzterer wird bereits in Groh-Berliner Verfammlun- gen als Bremser" niedergeschrieen, wehrt sich eine zeitlang, wie fich auch Haase und Kautsky eine zeitlang wehrten, und wird auch, genau wie sie, mit immer größer werdenden Kon- Zessionen nachgeben müssen, aus Angst vor den noch zug- kräftigeren Phrasen und Forderungen der Spartakusleute. So sehen wir. dass in den letzten Wochen in zwei Fragen von entscheidender aussen- und innerpolitischer Be- deutung für die Arbeiterklasse die U. S. P. gegen den Willen ihrer Gründer und nominellen Führer sich den Standpunkt der Kommrmisten zu eigen gemacht hat. Freilich, es hat den Anschein, daß in ber'einen Frage zumindest, nämlich des Anschlusses an die dritte I n t e r n a t i o n a l e, die U. S. P. vorläufig noch Halt vor dem letzten folgenschlveren Entschluß gemocht hat. Als ich unmittelbar nach der Luzerner Konferenz an dieser Stelle die Frage auftvarf:„Wo bleibt unser Aus- schluß?", antwortete der Vorsitzende der U. S. P., Artur C r i s p i e n, in der„Freiheit" mit Redensarten von„kindi- schem Vergnügen" u. dgl, und beteuerte, daß seine Partei von vornherein auch öffentlich zum Ausdruck gebracht hätte, dass die Luzerner Konferenz nur vorbereitende Arbeiten zu erledigen haben würde, und daß entscheidende Beschlüsse — also auch unser etwaiger Ausschluss— erst in Genf, im Februar 1920, gefaßt werden könnten. Gewiss, bereits am Schluß feiner Artikelserie:„Die Jnter- nationale", erschienen Ende Juli in der„Freiheit", hatte Dr. H i l f e r d i n g, nach einer ausführlichen und scharfen Be- tonüng aller Gründe, die es der u. S. P.„ganz unmöglich" machten, sich„einer Internationale anzuschließen, deren Grundsätze gestatten würden, eine Partei wie die der deut- scheu Rechtssozialisten aufzunehmen", so nebenbei erwähnt, dass Luzern„allerdings nur vorbereitenden Charakter" und erst Genf„endgültige Entscheidungen zu fällen" haben würde. Auch der offizielle Beschluß der Parteileitung der U. S. P., erschienen in der„Freiheit" vom 30. Juli, Abendausgabe, hatte sich dieses Rückzugstürchen offengehalten. Er besagte— und zwar sind die eigenen Druckauszeichnungen der „Freiheit" hier respektiert: .... Uebereinstimmend kam die Ueberzeugung zum Ausdruck, dass ein Anschluß an die Internationale, in der für die RechtSsozialisten Raum wäre, für die Un- abhängige S o z i a l d: m o! r a! i e nicht in Betracht käme. Die Luzerner Konferenz wird nur als eine Borberei- ttwg für de« später zusanunentretende» Internationalen Kongreß ftehratfifet, der erst die endgültige Entscheidung über die prin- zipielle Grundlage der neuen Internationale wind fällen können." In den Zeitungen der ganzen Welt pflegt man das Wesentliche durch Sperrdruck zu kennzeichnen, das minder Wichtige dagegen in gewöhnlichem Druck zu erledigen. Nur bei den Unabhängigen scheint man also umgekehrt zu verfahren. Aber gleichviel, ich mache Herrn Crispien höflichst darmif aufmerksam, daß in meinem Artikel:„Wo bleibt unser Aus- schluß?", die Sätze standen:„Wird sich die U. S. P. hinter dem faulen Vorwand verschanzen, daß erst der Genfer Kongreß im Februar 1920 berufen sei, über einen solchen An- trag abzustimmen?" Und am Schluß:„Ein solcher Schritt" — nämlicki der Anschluß an die Moskauer Internationale— „wäre wenigstens logisch und tapfer. Beides Gründe, die es uns als unwahrscheinlich erscheinen lassen, daß er von der U. S. P. getan werde." So wird mir Herr Crispien nicht vorwerfen können, ich hätte sein Auskneifen nicht vorausgesehen und seinen Mut überschätzt. Denn es handelte sich bei dieser Frage nicht darum, ob bei der Ankündigung unserer Ausschließung der Vorbehalt über die Zuständigkeit der Luzerner Konferenz mehr oder minder offen und auffällig betont wurde, sondern um die kon- kretcn Ergebnisse der dortigen Zusammenkunft. Es ist in der Tat sehr leicht, dieselben radikalen Reden, mit denen man in Groß-Berlin die Massen verrückt macht, vor den versammelten Führern der Internationale zu wiederholen und dazu noch hinterher entscheidende Stellen in der„Freiheit" gef...— na, sagen wir:„korrigiert" wiederzugeben, aber die Wahrheit über die in der zweiten Internationale vorherrschenden Stim- mungen und Anschauungen zu sagen, kurz, aussprechen, was g e w e s e n i st, das ist viel schwieriger, zumal unter dem kritischen Auge der Kommunisten. Sonst hätte Herr Crispien erzählen müssen, daß fern Antrag auf Ausschluß der Gewerkschaften als Mitträgerinnen des sozialistischen Befreiungskampfes ein- stimmig öon der Organisationskommission abgelehnt wurde, desgleichen sein Antrag, der ein Bekenntnis zum Rätesystem enthielt. Sonst hätte er erzählen müssen, daß die Stimmung der Internationale gegenüber den deutschen Mehrheitssozialisten, wenn nicht gleichmäßig herzlich, so zu- mindest stets korrekt war, und daß, nach dem treffenden Wort Eduard Bernsteins in Nr. 10 des„Marxist", die Delegierten der S. P. D.„unumwundene Feindseligkeiten nur aus deutschem Munde" zu hören bekamen,. nämlich aus dem Munde Crispiens und seiner Freunde. Sonst hätte er er- zählen müssen, daß nach der gegenwärtigen Zusammensetzung der Internationale, die in ihrer überwältigenden Mehrheit entschlossen ist, sich auf keine bolschewistischen Experimente einzulassen, ein Ausschlußantrag gegen die S. P. D. i n Genf vollständig aussichtslos ist. Wenn er aber dieses wahre Bild der Luzerner Kon- ferenz gegeben hätte, dann wäre wohl die ganze unter seiner Führung radikalisierte Unabhängige Partei zu demselben. Schluß gekommen, wie die Spartakisten und z. B. die H a l- l es ch e B e z i r k s o r g a n i s at i o n der U. S. P., daß nämlich ein westeres Verbleiben bei der Zwesten Jnternatio- nale eine Unehrlichkeit und Feigheit ist, gegen- über rechts wie auch gegenüber links, gegenüber den Geg- nern, wie auch gegenüber den eigenen Parteigenossen. Der erwähnte Hallesche Beschluß vom 14. August ließ an Deut- lichkeit nichts zu wünschen übrig. Er stellte fest, daß die Delegierten der U. S. P., wie bei der Zusammensetzung der Luzerner Konferenz vorauszusehen gewesen sei, keinerlei maßgebenden Einfluß auf die Gestaltung des neuen Zusammenschlusses der Jnter- nationale� ausüben konnten und daß für die U. S. P. D., dieaufdemVodendesRätesystems und der Diktatur des Proletariats steht, ein Der Dreitlang. Acht Stunden sollst du arbeiten: durch das Werk seiner Hände nährt und erhält sich der Mensch. Die Erde gebiert nicht müßig aus ihrem Schoß die Früchte, dem nackten Körper, mit dem du geboren wurdest, schenkte der Wind kein- Kleid, und die Flamme auf deinem Herde entbrannte nicht von selber. O Freude des hellen Morgens, wenn der Arbeiter sein Werk ergreift, wenn die reine Kühle der Luft durch die Stadt weht und der Gesang der Werkleute sich auf dem Bauplatz erhebt. Gewaltiges Gesetz der Arbeit, schöpferische Ordnung der Welt, die das Gebäude der Staaten errichtet! Schmerz und Enttäuschung über das Miß- lingen sinken dahin, Kraft und Gesundheit durchdringt die Mus- keln, die erMt sind von dem Glück ihrer eigenen Bewegung. Acht Stunden soll du müßig sein: wenn deine Finger von ihrer Betätigung ausruhen, erhebt deine Seele die Frage nach allem Ursprung. Die Gedanken erwachen, das Herz verlangt nach seinem Glück. Die stille Feier des Abends erfreut dich, das Spiel des Kindes auf deinen Knien, der Spaziergang durch die Allee und das Singen der Nachtigall in den Bäumen. Qual und Bitterkeit über eine vergebliche Mühe, die Sorge um das verlorene Geschäft — versinken in einem Kuß deines WeibeS. Der Tisch der Mahl- zeit versammelt deine Freunde um dich, die Musik der klappernden Teller und das willkommene Geräusch der kauenden Kiefer. Das schöne Buch unter der Lampe gehört dir nicht weniger wie der hohe schweigende Raum in der Bibliothek.durchweht von dem Atmen der Lesenden, die voll Erwartung eine Seite umblättern. Dir gehört der Ausflug in den sonzmerlichen Wald, die Reise in das Gebirge, die bunte Flamme der Theater, deren Vorhang über einer südlichen Landschaft aufsteigt, der köstliche Traum im Halbschlaf und die stille Stunde am Nachmittag, auf einer Bank in den Anlagen, vie Hand um die Hüfte des geliebten Mädchens geschlungen: Seligkeit aller Müßigen! Acht Stunden sollst du schlafen: deine Lider, die ermüdet find. bedürfen der Ruhe. DaS wohlige Gefühl des AuSruhens durch- strömt dich. Nun verlosten dich Not und Kummer, die Last der Ver- antwortung, die Ungewißheit der Zukunft, der Streit mit dem Gegner, der Schmerz um die treulose Geliebte, den mißratenen Sohn, Hunger und Kälte, und der Gedanke, der nicht zu Ende ge- dacht wurde. Fühlst du nicht neben dir die Wärme des nachbar- lichen Leibes? Die süße Schwäche des gestillten Begehrens betäubt dich, freundliches Geschenk der Träume, denen kem Wunsch mehr versagt bleibt. Schon schaukeln die Gedanken losgelöst auf dem Meer des Vergestens. aus dessen Tiefe der wiedelerlöste Leib sich für die Arbeit de? neuen TageS bereitet. O Wiedergeburt! Auf- erstehung! Acht Stunven Arbeit, acht Stunden Muße, acht Stunden Schlaf! Süßer Dreiklang des Levens: in dir wandelt und erneut jich hie Welt. In deinem Gleichtakt rollen wir das Rad des Ge- westeres Verhandeln mit dieser gelben Jnternatio- nale nicht in Frage kommen dürfe. Gerade West diese Resolution logisch und mutig war und den Tatsachen entsprach, deshalb hat sich auch die„Freiheit" beeilt, von ihr abzurücken. Mit einem verzweifelt klingenden Aufsatz Karl Kautskys,.�udaS in Luzer n", in dem vor den Gefahren, eines Anschlusses an die dritte Internationale gewarnt wurde, wurde die soeben über dieses heikle Thema in der„Freiheit" eröffnete Diskussion geschlossen und der diktatorische Beschluß der Parteileitung der Unabhängigen — Entscheidung erst'nach Genf— bekanntgegeben. Aber es ist unwahrscheinlich, daß sich die Kommsinisten, über boren „fanqtische Unduldsamkeit" ausgerechnet die„Leipziger Volkszeitung" klagt, damit zufrieden geben werden. Wie auch in den meisten übrigen Fragen' werden auch hierin die im Schlepptau der Radikalen befindlichen sogenannten „Führer" der U. S. P. über kurz oder lang, jedenfalls noch vor dem Genfer Kongreß, der erst im-Feftruar 1920 stattfindet, nachgeben müssen. Die Geister, die sie riefen, werden sie nicht mehr los. Wie unaufhaltsam die Radikalisierung der unabhängigen Massen vor sich geht, zeigt nämlich, die andere kapitale Frage, in der sie sich den kommu- nistischen Standpunkt zu eigen gemacht haben: die Frage des Rätesystems. Ja, sie stehen heutzutage be- reits weiter links, als selbst Karl Liebknecht noch zur Jahres- wende. Trat nicht Liebknecht bei der Reichskonferenz des Spartakus-BundeS, Ende Dezember 1918, für die Aufstellung von Kandidaten zur Nationalversammlung ein, für Betäti- gung im Parlament, um dort zugunsten des Rätesystems zu agitieren. Er wurde jedoch von der Kongreßmehrheit über- srtmmt,..Und so wird auch heute in den Versammlungen der U. S. P. die Forderung laut, die gewählten Unabhängigen müßten aus den Parlamente? austreten. Beschlüsse werden in diesem Sinne mit überwältigende? Mehr- heit angenommen. Auch dagegen wehren sich di� in die Par- lamente gewählten„Führer" nach Aräftsn, ausbleicht ver- ständlichcn Gründen. Wie lange werden s�e aber nach gegen- über der fortgesetzten Aufpeitschung ihrer Massen durch die Kommunisten auch diese brennende Entscheidungsftage dila, toriich behandeln können? Was nützt es. wenn ein Kautsky seine warnende Stimme verzweifelt erhebt? Jüngst sprach in Pankow bei einer Versammlung über den Zusammenbruch der Rätediktatur als Korreferent kein ge- ringerer als der Vorsitzende irr U. S. P.-Arbeiterräte Groß- Berlins, Stahlberg. Diese neue'„Größe" am politischen Groß- Berliner Firmament erklärte, daß jeder, der sich dem Räte- system widersetzt, vo» Sqzialismiis und Revolution nichts ver- stehe und dgß die Massen das Rätesystem eiyfi'chren würden, was auch die Kautsky und dergleichen dazu sagten. Die An- Hänger der U. S. P. bejubelten d i e s e V e r h ö h n u n g Karl Kautskys, jenes Mannes, der durch seine rastlose wissenschastlich�Aibeit während eines Menschenalters im Jnter- esse de? ganzen Proletariats gewirkt und in der ganzen Welt allgemeine Verehrung erwonben hat., So weit haben es die Berliner Radikale« schon aebracht. Kautsky und Haase khnnen sich zu diesen Früchten ihrer eigenen Schwächen und Fehler gegenseitig kondolieren! Unterstuhung polnischer Insurgenten. Wie die„Nowinh" aus Sosnyl�ice meldet, Hai P a d.e rtzw s ki für die aus Obers�hlesien zeflüchleten I n s u r fyp n t eM, die, wie bereits gemeldet, in Polen einem großen Elend entgegen- gegangen sind, Vs Million Marl gestiftet. Paderew�i bemerkt ausdrücklich, daß dieser Betrag iür vie Bedürsnisie der Opfer der pre»tischen Gewalttaten in Oberschlesien bestimmt ist. Daß zahllose Deutsche polnischen Gewalttaten zum Opfer gefallen find, bat der edle Polepführer wohl nie gehört? Die französisthe Kohlenkrise. In der„Humanste" macht Bartuel Vorschläge zur Beseitigung ver Kohlenkatastrophe, die auch über ganz Frankreich als ungeheure Gefahr für das Wirtschaftsleben schwebt. Seine Forderungen gipfeln darin, daß die Nationalisierung der Kohlen- gruben ollein die Ausnutzung der Bergwerke gewäbrleistct. D«i'e Nationalisierung ist nicht«ls Verstaatlichung gedacht, sondern etwa in dem Sinne, wie wir die Sozialisierung verstehen. Ein nationaler GemeinschaftSkörper soll gebildet werden, der einen technischen, fiwi�ziellen und einen kommerzialjn'Handels-) Dienst umfaßt, der dem' dbersten Ausschuß unterstehen soll. Der oberste Ausschuß soll zusammengesetzt. sein aus Technikern, Berufs- leuleu und Vertretern der Gewerkschaft der UnlerragSarbeste�, außerdem aus Vertretern der Unternehmer, der Arbesterverbände, des Handels, des Ackerbaues und des Staates. Jedcs,Bergwerk soll einen Verwaliungsrat besitzen, der dem obersten Rat Rechenschaft abzplegP, habe und der sich auS Ingenieuren, Arbeitern und Ver- tretern derjenigen Gemeknden zusammensetzt, auf die sich die Aus« beule erstreckt. Finmiziatt sollte die nationalisierte Kohlenwirtschaft durch eine festverzinsliche Anleihe werden, die allmählich zu tilgen sei, um dann leinen ZinS mehr verteilen zu brauchen. Kohlenüberfluß— in Spanien! Während die' Kohlennot ganz Europa bedroht, bestehen in Spanien ernsthafte Schwierigkeit«! infolge Ncbcistusses au Kohlen. Im Jahre 1914 betrug die Erzeugung 4,42 Millionen Tonnen, im Jahre 1918 stieg die Produktion guf 7,64 Millio- nen. In Afflurien liegen allein 600000 Tonnen Kohlen auf Lager. Kleinere Bergwerke wurden geschlossen, wodurch 60 000 Mann arbeitslos wurden. Dabei wird immer noch ein Preis von 50 Gulden für' die Tonne be- zahlt, während die Gestehungskosten die Hälfte betragen. Die Kohlennot. In Anwesenheit von Vertretern des preußischen Handels- Ministeriums, des Reichskommissars für die Kohlenverteilung und der Gewerkschaften fand am Freitgg bei der Kohlenwirffchaftsstelle in den' Marken eine Besprechung mit der Groß-Berliner Industrie und d�n Elektrizitärswerkeu über die infolge des bedrohlichen Kohleninangels enforderlichen Maßnahmen statt. Die z w i n- gende N o twe n d i g k e i t. e i n e r d u r ch g re stf e n d e n Einschränkung des gesamten Energieverbrauches sKohle, Gas, Elektrizität) wurde allseitig anerkannt. Eine wesentliche Verbesse- rung(tCf Ausnutzungsmöglich�eit der zur Verfügung stehenden elektischen Kraft läßt sich durch eine gleichmäßigere Verteilung ocs KrZaftverbauches'über Tag und Nacht erzielen. Es ist des- halb in Aussicht genommen, die Industrie grundsätzlich auf 70 Proz. des bisheripsi Durchschnittsverbrauches einzuschränken. Für. den Fall aber, daß die Entnahme von Elektrizität auf die Nachtstunden verlegt.werden kann, würde eine Stromentnahme in Höhe von 85 Prozent des bisherigen Bedarfs zugestanden werden. Für die, jcniaen Verbrcyicher, die Strom aus Werken entnehmen, welche durch Fernleitungen versorgt werden, sgst für den Fall der Eni- � nähme von Elektrizität lvähvenö der Nachtstunden zunächst»ersucht 'werden, ohne Eii>i'chränkum;en auszukommen. Da ein« prozentuale Eyischränkling während der Normaldauer de? Betriebes häufig, aus technischen Gründen unmöglich ist� wird bei diesen Betrieben von einer Einschränkung der. Arbeitszeit nicht abgesehen werden können. Eine entsprechende Verordnu«g wird' in den nächsten Tagen zur Veröffentlichung kommen.- .■» Kohlenmangel und Textilinöustrie. In einA Brsslqzier Textilarbcitbrversamm- l u n g erklärte ein Mitglied der Preußischen Landes- v e r ßa m m l u n g, die Kohlennot habe zur Folge, daß die Leirxnindustrie ungeheuren Schaden leide. Taufende Tonnen Flachs müßten verfaulen, da sie nicht geröstet werden können. Auch in Zuhunft könnte man nach amtlicher Aus- kunft dos Kohlenkommissariats wenig Kohlen zuführen. schehens in die Ewigkeit, an diese kleine Erde gebannt, die von dem Glück und dem Schmerz�der Millionen erfüllt, sich auf ihrem unbe- kannten Wege schweigend durch den unendlichen Weltraum fort- bewegt.' Armin T. Wegner. Oer sexuelle Jilm. Augenblicklich tobt der Kampf um Filmzensur und Filmmoral. und immer häufiger werden die Hilferufe nach dem Staatscmwalt, Her in der vergangKncn Epoche die braven Bürger zu behüten vorgab. � Eine Grenze zwischen Kunst, die sich ein erotisches Thema er- wählt, und zwischen grober Spekulation auf imanständige Instinkte ist schwer zu ziehen.. Wir sind unter der Monarchie so sehr ge- gängelt und beicheuklappt worden, daß wir immer noch bei einem kräftigen, deutlichen Wort zusammenzucke«. Trotzdem kann mau sich angesichts der neuen Fikmproduktion nicht der Erkenntnis verschließen, die sich ganz vqn selbst aufdränge. daß augenblicklich ern reichlich großer Teil' der Mmfabrikanten mit Sexualität und Sinnlichkeit jn wenig yerschämter, meist unvcr- schämter Form ordentlich Geschäfte machen will. Der beste Beweis für solche Dinge ergibt sich auS der Fach- presse; und was hier angeboten und angezeigt wird, ist ein bißchen reichlich So enthält z. B. die letzte Rummer einpr wichtigen Film- fachzeiffchrift Anpreisungen folgender Kinsitücke:„Die Gefahren der Straße."—„Wo du bist, wird meine Liebe sein!" sSchr guter Inhalt, pikante Szenen.)—„Dein Leben für eine Nacht."(Spielt im Orient.)—„Das Mädchen und die Männer."(Der sittliche Fall einer rpinen Mädchenseele.)—„Die nur für Geld lieben" —„Margarete, die Geschichte einer Gefallenen."—„pnd wandern sollst du ruhelos."(Die schöne Sünderin.)—„Heddas Rache."(Die Tochter der Prostituierten.)—„Die Sunderzn."(Eine Ankläge gegen die bestehende Sittcmnoral.)—„Halbiungfern."—„Glanz und Elend der Kurtisanen."' Damit man nicht etwa glaubt, daß da? eine Ausnahme sei, soll auch noch eine ziemlich oberflächliche Auslese aus einer anderen Filmzeitfchrift folgen:„Der Leibeigene."(Ein Kriminalproblem. Sensationell. Erotisch. Sadistisch.)—„Kinder h�r Liebe."— „ZwangSliebe im Freistem)."(Dramatische Bearbeitung der So- zialisierungsideen von Frauenliebe und Ehe.)—„Lu, die Kokette."—„Das Recht der Frauenli�be."—„Die nach Liebe dürsten."—„Moderne Töchter."—„Sklaven der Sinnlichkeit." Daß eine solche zügellose und rohp Spekulation auf die siun- lichen Triebe zuerst die Mucker, dann aber auch die anständig Gesinnten auf dqxi Plan rufen muß, ist ganz kar, ünd alle schönen Worte von Ausilävung und pädagogischer Kultur können die Hätz- liehe Taffache nicht verbergen, daß hier eine immer größer werdende Gefahr sich zeigt, die gerade den Nachwuchs aller BevölkerungS- schichten mit seelischen Schädigungen schwer bedroht. Eine»öaukunstkammer" für Württemberg. Eine eigenartige und bedeutsame Vereinigung, die dem jetzt vielfach laut werdenden Rsif nach dem Bfrufsftaat und nach staat- lich anerkannten Berufsvertretungen entgegenkommt, ist für Württemberg in der Baukunstkammsr ins Leben gerufen worden. Wie M. Elfäßer in den„Mitteilungen des Deutschen W�l�undes" ausführt, hat sich ein Kreis von etwa 100 jungen Wlirttcmbergern Bäukünstlerv zusammengetan und eine einheitliche kulturell hoch- stehendp Berufsvertretung geschaffen. In der Zusammensetzung dar Kammer kommt einerseits der aristokratische Ebarakter der Kunst, der Begriff der Auslese, bmitlich zum-Ausdruck; anderer- seitS ist dem demokratischen Prinzip so weit wie möglich Rechnung getragen. Das Hauptgewicht wird darauf gelegt, der Organisation immer frisches Blut zuziiführ«! und sie dadurch vor Einseitigkeit und Erstarrung zu schützen. Das sehr umfangreiche Arbettspro- gramm zieht alle Fragen der Bckükunst in seinen Bereich. Tie bis- her nebeneinader besteheizden Organisationen der Baub.'ratungs- stelle, Oes LandeSausschusses für Natur und Hcimatschutz. des Bun- des für Heimatschutz und der Stelle des Landeskonservators sollen, soweit baukünstlerische Fragen in Betrocht kommen, zu einer ein- heitlichen Wixkung vereinigt werden. Die Kammer übt eine bera- tende Tätigkeit aus und vermittelt künstlerisch« Arbeit. Sie will als Vertretung der Baukünstlerichaft keinerlei Konkurrenz für di� einzelnen Architekten sein, vielmehr den Baukünstlern eine ganze Reihe neuer Arbeitsgebiete eröffnen. Insbesondere wird die Kam. mer cun dem Lande und in kleineren Städten den Architskten ein .großes Arbeitsfeld erschtteßen, das bisher fast völlig brach gele- gen hat._ Notizen. — Theater. Albert Bassermann wird mit Einverständnis des Stgatstheaters nächsten Mittwoch. Sonnabend und Sonntag im Lessingtheater in der von ibm geschaffenen Titelrolle des„Schöpfers" wieder auftreten.— Die Erstaufführu/rg des„Hg 2,1 in o" zum Besten der hungernden Kinder im Erzgc- birge ist auf Dienstag,'den 8. September, nachmittags 3 Uhr(im Künstlertheater), verkchpben worden. — Romain R o l l a n d s vor dem Weltkriege 1S02 geschrie. beneS Schauspiel„D i e Zeit wird kommen" wurde zur deut- sehen Uraufführung vom Deutschen Schauspielhaus in Hamburg angenommen. — E.ine Komponist in. Am Wiener Metropolt�ater ist izaS Erstlingswerk einer.�rHrvonistin ausgeführt worden. Kamills Frhdqn hat mit ihrem Musikspiel„Ein Äärchcntraum" eine starke Begabung an den Tag gelegt. Das Textbuch handelt von dem lusti- gs»c Traum eines Kindes, die Melodien find zart und doch schlag- kräftig vertont, ohne travial zu wirken. — Bon, H ermann Siege in annSGeichichte de» Krieges" wird End« September der.dritte Band bei der Deuffctien Verlagsanstalt in Stuttgart ericheinen. Da nach der in« Zwischen eriotgten Auflösung des Großen Generalstabes ein deutsches Generalstabswerk über den Krieg nicht erscheinen' kann, wird Ste» gemanns Werk, das planmäßig zu Ende geführt wird, erhöhte Be- deutung zukommen. — Das Preisausschreiben für mustergültige F i l m S. das der Volkskraftb�nd gemeinsam mit der Ufa erlassen hatte, hat tsinen Erfolg geMbr. Unter den 2S0 eingelaufenen Manu- skripten befanden sich zwar einige beachtenswerte Arbeiten, die ober keine Spielfilme darstellten. DaS Preisausschreiben wird im Ok- tober wiederholt. Eine Anklage. Im Nvmen des„Bundes inaktiver Uirter- Offiziere und Mannschaften" richtet ein Offizier» stellvertreter folgenden offenen Brief cm den Ob er st Reinhard, den Führer der Reichswehrbrigade Berlin: „In Ihrem TsgeSbefehl dom 23. 8. IS, Rw.-Jnf., Führer 18, Abteilung 1» 0259 warfen Sie den Führern d»s Verbandes inaktiver Unteroffiziere und Mannschaften Deutschlands sNichtkapitu- lavten) eine die Truppe zersetzende Politik vor und bringen den Verband mit dem Republikanischen Führer- b u n d unter«inen Hut, trotzdem Ihnen von dem Verband in- aktiver Unteroffiziere und Mannschaften ehrenwörtlich und schrift- lich versichert worden ist, dasi derselbe mit dem R. F. B. nichts ge- mein hat und keine Politik treibt. Eine zersetzende Politik dürfte wohl von Ihnen in die Truppe getragen werden, denn Sie bekennen sich offen zur Monarchie, nennen die Regierung öffentlich ein Gesindel, den Finanzminister Erz b erger einen Lumpen und nennen die schwarz-rot-goldene Fahne die �Zudenfahne". Sie stellen sogar die ungeheuer tiche Behauptung auf, daß die Ber- lier Polizeitruppe die Leibgarde Erzbergers und gedungen s«, im gegebenen Augenblick die Reichswehr fortzufegen. Der stellvertretende Regimentsobmann des Reichswehr- regiments 29 wurde von Ihnen auf die Straße gesetzt, weil er Sie darauf aufmerksam machte, die monarchistischen Treibereien zu unterlassen. Das ist bezeichnend! Und dann: Wie sieht es bei Ihnen mit dem sogenannten Offi- zierswort aus? Heißt es nicht: Lffiziers-Ehrenwort? Gaben Sie nicht einigen Herren des Verbandes die Versicherung, daß keine Kündigungen denjenigen gegenüber ausgesprochen werden sollen, die dem Verbände angehören? Bis zur Äunde sind die ftündi- gungen noch nicht zurückgenommen, wenn auch bi» heute noch keine Entlassungen erfolgt sind. Sie senden mit Ihrem Befehl in die Welt, unsere Ziel« seien aUbeitszersetzender Naturl Warum? Weil wir geschlossen hinter der Regierung stehen und uns durch Arbeit weiter helfen und keine Arbeitslossnunterstützung wollen! Wir wollen den Staat nicht dem Bankrott entgegentreiben! Das paßt aber nicht in Ihr monarchisti- sches Programm, denn im Zerfall des Vaterlandes sehen Sie daS Wiedererblühen der Monarchie, zu der Sie sich offen vor der Truppe bekennen. Sie agitieren bewußt'mit allen Ihnen zu Gebote stehenden Mitteln für die Monarchie, schrecken selbst vor dem Mißbrauch der Kemmandogewalt für Ihre Zwecke Mcht zurück. Es ist allerhöchste Zeit, daß in« Regierung und die Oeffentlichkeit auf Ihr regierungsfeindliches Treiben aufmerksam gemacht wird. Für einen Mann wie Sie, der die Republik zu schädigen sucht, wo es nur eben geht, ist kein Platz in der Reichswehrl Wenn Sie es mit Ihrer Offiziersehre nicht ver- einbaren können, einen Präsidenten anzuerkennen, dann dursten Sic der Regierung kern Treugelöbnis geben. Vor allen Dingen dürften Sie den Treueid nicht leisten, der von Ihnen gefordert wer- den wird. Sie stellen die kühne Behauptung auf, daß durch die inaktiven Unteroffiziere— von Ihnen inaktive Vertrauensleute genannt— der Korvsgeist der Truppen von Tag zu Tag sinke und durch diese der Bolschewismus in die Reihen der Mannschaften getragen seil Wie schlecht müssen Sie über Ihre eigene Truppe orientiert sein! Zwischen den inaktiven Unteroffizieren und Mannschaften herrscht ein Korpsgeist, der wohl einzig dasteht! Der Beweis ist wohl am 17. 8. 19 erbracht worden, als der Befehl auf Ihre Ver- anlasstzng ergangen ist, daß der Mann, der bis zum fraglichen Tage vormittags 19 Uhr den Austritt aus dem Verband nicht schriftlich angezeigt habe, sofortzuentlassensei. Wie standen da Unteroffizier und Mann? Mit Ausnahme weniger Leute wie eine Mauerl Durch diesen Korpsgeist waren Sie ge- zwung-n. keine Entlassungen vorzunehmen, da sonst Ihre Brigade nur noch aus wenigen aktiven Unteroffizieren und einigen Mann- schaften bestanden hätte! Warum beabsichtigen Sie innerhalb der Brigade«inen eigenen Unteroffizierverband zu bilden? Doch nur. um auf diese Leute«in- wirken zu können, um für Ihre monarchistische Idee Anhänger zu finden, um im gegebenen Falle die Monarchie an die Spitze zu bringen. Wo bleibt aber Ihre Sorge für die Mannschaften, die ge- nau so lange gedient haben wie mancher Unteroffizier? Ist der Mann, der für sein Vaterland blutete/ nicht ebensoviel wert wie ein Unteroffizier? Für Sie ist q: nur eine Null, der wieder zum Kadavergehorsam gezwungen werden soll, um Ihre Ideen verwirk- liehen zu können. Gleichzeitig mache icki Sie auf die A.-V.-Bl. 44 und 54 auf- merksam und empfehle Ihnen eine gründliche Durchsicht derselben. damit Sie endlich über die Freiheiten des ManneS nach dem Dienst orientiert sind. Hat der Offizier Sonderrechte? Ich erinnere an den D. O. B. und den Nationalbund! Ich stehe auf dem Standpunkt: Gleiche Pflichten, gleiche Rechte, und bitte Sie, nicht stets gegen die Ausfübrungsbeftimmungen der A. V. Bl. und K. V. Bl. zu ver- stoßen. � v Ich bin gezwungen, der breiten Oeffentlüchkeit Ihre Handlung?- weife zu unterbreiten, damit dieser und der Regierung endlich die Augen geöfknet werden. Genehmigen Herr. Oberst den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung. Georg Neuendorf, Offizierstellvertreter im Rw. I. R. 29." Oberst Reinhard wird zu den in diesem Brief gegen ihn Vbobenen Anschuldigungen Stellung zu nehmen haben. Das Neichswehrministerium ober wird darauf achten müssen, daß wegen dieser Flucht in die Oeffentlichkeit nicht irgendwelche Maßregelungen stattfinden. Sie schlafen. Wieder zwei Beiträge zu dem Thema, da? wir nun schon des öfteren angeschnitten haben. I. Berlin, 29. August. Am Gebäude de? Zentralamts der Eisenbahndirektionen, Hallesches User, prangt auch heute noch die Bezeichnung„Königl. Eisenbahn-Zentral-Amt". An den Gebäuden der Zoll- Verwaltung in Moabit dieselbe Geschichte! In allen D i e n st st e m p e l n, die im inneren Dienst der diversen Behör- den verwandt werden, dasselbe Bild. ES sind ja verschiedene Gründe, bi« bei der Beurteilung der Sache herangezogen werden könnten, aber sie wirken nur teilweise entschuldigend, der Hauptgrund ist der: Die Herrschaften an der Spitze der Äemter wollen nicht! Für einen Teil dieser Beamten ist die Monarchie unvergeßlich; sie hangen mit ihrem ganzen Aufstieg, ihrem Titelkram, ihrem Mandarinentum unlöslich mit ihr zusammen. Die Republik existiert für sie einfach nicht. Sie hoffen auf„bessere" Zeilen, auf Zeiten, in denen die Wappen und Kronen und di« ganze monarchische Bilderanbetung wieder zu Recht besteht. Aus dieser Anichauunpsweise heraus ist das Verbleiben der Bezeichnung an den öffentlichen Gebäuden zu erklären. Als kleinen EntschuldigungSgrund könnte man höchstens gelten lassen, daß da. wo die Worte aus der Steinfassade beraus entwickelt sind, die Entfernung des ersten Wortes und der Kronen� die Symmetrie stören und eine größere Aenderung beanspruchen würde. Bei den Stempeln wären umfangreiche Neuanschaffungen er- forderlich.' Das alle» hätte aber schon längst geschehen könne». Der. Hanptgumtz ist wie gesagt: Li« schlaf«» nicht,»«et», Ke wolle» nicht. IL Olpe, Westfalen, 28. August. An einer Anzahl von Postämtern im Kreis Olpe i. W. prangen noch heute stolz die großen Metallbuchstaben„Kaiserliches Post- a m t". Der Kontrolleur am LandratSamt Olpe hat sich große Mühe gegeben, durch Eingabe an den Postminister, durch öffentliche Aufforderung in dem Olper Kreisblatt usw. die be- treffenden Instanzen zur Entfernung der Buchstaben aufzumuntern. Der Postminister hat die Eingabe der„Einfachheit" halber an die Oberpostdirektion Dortmund weitergegeben, von welcher nach vollen 2 Monaten der Bescheid kam, daß an dem Olper Post- amt, einem Ziegelsteinbau, die Buchstaben„Kaiserliches", deren Be- seitigung übrigens bereits im November 1918 angeordnet sei(!), in den Blendsteinen verankert seien und daß �ur Entfernung der Buchstaben„Kaiserliches" die Steine zertrümmert wer- den müßten, was nicht angängig seil Also läßt man anscheinend die Angelegenheit auf sich beruhen, vielleicht in der stillen Hoffnung, keine unnütze Arbeit zu machen, falls Wilhelm noch einmal wiederkehren sollte. Interesse dürfte es noch erwecken, daß das Zentrum?» kreisblatt ein« scharfe Kampsstellung gegen den Kontrolleur wegen seiner Versuche«innahm, diese monarchistischen Ueberbleibsel zu beseitigen Der Kreisbeamtenverein, dem auch der Olper Post- d i r e i t o r Kossuth(kein Verwandter de« ungarischen FreiheitS- Helden!) angehört, nahm deswegen auch eine, geharnischte Erklärung gegen den Kontrolleur an. Und so werden die Buchstaben weiter an der Fassade blitzen. Entweder bis Wilhelm wiederkehrt und sie dann eifrig mit Putz. pomade aufgefrischt werden, oder bis die Republikaner zur Selbst- Hilfe greifen. Das wird hoffentlich nicht notwendig sein. Die Zentral- behör den haben schleunigst dafür zu sorgen, daß der Skandal endlich allgemein beseitigt wird. Entschuldigungsgründc für die weitere Passivität gibt«S nicht. Verhöhnung oüer Versöhnung! Die Konservativen, die Alldeutschen, die Kreise der Junker und Revanchepolitiker find gut daran. Sie halten den Friedensvertrag in den Händen und sagen sich:.Hier steht alle» drinnen, was wir für unsere Parteipolitik brauchen. Wir werde« nie in Verlegenheit kommen." Im Augenblick sind die Herrschafte» dabei, die Kohlen- k r> s i i zu einer Hetze gegen die Sozialdemokratie zu benutzen. „Die Kohlenfron für die Entente", so laulet der Titel eines Ar. tikels der„Deutschen Tageszeitung", der iu parteipolitischem Behagen die Sozialdemokratie höhnr: jetzt müsse sie endlich dem Volke gegenüber Farbe bekennen und sagen, in welcher Weise der Frie- denSvertrag erfüllt werden müsse. Kohlen wolle Frankreich, und die mühten geliefert werden. Jetzt werde eS klar, wie die„Deutsche Tageszeitung" während des Kriege» so oft ausgeführt habe, daß bai ganze deutsche Volk in Zukunft für dre Feinde fronen müsse. Summa summarum: Friedensvertrag, Zusammen- bruch und Proletarisierung Deutschlands— die Früchte der Sozialdemokratie. Den Herren von der„Deutschen Tageszeitung" ist anscheinend nicht mehr in Erinnerung, daß die Sozialdemokratie immer darauf hinwies, daß ein verlorener Krieg das deutsche Volk zu einem Proletariervolk herabdrücke. Nicht der„Verständi- gungSwahn" der Sozialdemokratie hat DaS deutsche Volk prolctari- siert und die Kohlenfron herbeigeführt, sondern der Machtwahn der Alldeutschen, der den Krieg Mitverursachte und Deutschland in die hoffnungslose Situation hineinstieß. Eine Verständi- gung war diesen Leuten immer unbequem, früher wie heute. Und doch gab und gibt eS aus dem ganzen Elend keinen anderen Au?- weg als den der Verständigung. Freilich diese Erkenntnis wird der„Deutschen Tageszeitung" und ihren Helfershelfern nie kommen. Die„Deutsche Tageszeitung" höhnt die Sozialdemokraft« ob der Arbeitsunlust im republikanischen Deutschland. Sie denkt vielleicht im Augenblick an Oberschlesien. Nun, wie steht es denn mit Oberschlesien? „Die Bergarbeiter Oberschlesiens", schreibt die„Mener Ar- beiter-Zeitung,„sind zumeist Polen. Das alt« junkerliche Preußen hat ihnen die polnische Schule verweigert, sie in deutsche Schulen gezwungen, deren Unterrichtssprache sie nicht verstanden, gegen deren Geist sie sich auflehnten; so lernte ein großer Teil von ihnen weder deutsch noch polnisch lesen und schreiben." Es sind also die Sünden der Junker, die Deutschland heute büßt, und eS sind die Junker heute in Deuischland. die das Volk während der Abbüßung der Junkersünden noch verhöhnen. Die Herren vergessen, daß eS sich um eine internatio- nal« Krankheit handelt, die sie mit ihren alten Methoden a la Dr. Eisenbart nicht beseitigen können. Die Not ist da. Sie wird sich noch steigern ftn Laufe des Herbste? und kommenden Winters. Die Not ist überall bei Siegern und Besiegten. Allein wenn der„BerständigungZwahü" infolge der Not vielleicht eines TageS in der chauvinistischen Presse Frank- reichs, in Blättern wie„Matin" und„TempS" marschieren sollte, bei der„Deutschen Tageszeitung" wird der> Verstand igu ngAvahn" nie marschieren. DaS ist ja schließlich vichtS neues. Neu ist an dem Verhalten der Junker und ihres Anhangs nur, daß sie, die Deutschland ans Kreuz geschlagen haben, sich jetzt hin- stellen und höhnen und ihr frwoles Spiel weitertreiben wie bisher. Ein Irrtum. Zu dem Artikel mit dieser Ueberschrift in Nr. 440 des.Vorwärts" habe ich nachstehendes zu berichten: Ich habe nicht gesogt, daß das Vorgeben des preußischen Finanzminlsters, Genossen Südekum, in Sachen der Ueber« nähme der Sieuerverwaltung auf das Reich eigenmächtig er- folgt sei. Ich sagte, daß sich die Fraktion der preußischen LandeSdersammlung mit den einzelnen Steuer- vorlagen noch nicht beschäftigt Hai, daß ich aber die Durch- ftihrung der Reichseinkommensteuer für unbedingt notwendig halte. Ich habe ausdrücklich nur von dieser einen Steuer gesprochen. Im übrigen bezog sich meine Bemerkung von einer Eigen- mächligleit Südelums auf einen ganz anderen Fall, der mit der vorstehenden Sache gar keine Verbindung hat.. Wie diese Sache, ist auch die in dem Artikel noch- erwähnte, eine Bemerkung des Een. Heine betreffend, unrichtig wiedergegeben und zwar, wie ich hier annehmen mutz, absichtlich. Bei der in Frage lammenden Sitzung des Parteiausschusses sagte ich, daß Heine ursprünglich auf dem Standpunkr stand, daß zu Re- gierungSpräsidenten und Land raten Juristen genommen werden sollen, da sie richterliche Funktionen mit auszuüben haben und daß er erst nach auSftibrticher Aussprache in der Fraktion diese Einschränkung bei den Laut röten fallen ließ, aber dafür juristisch vorgebildete Betgeordnete forderte. Bei dieser Sitzung der Fraktion war der ArtUelschreiber. in dem ich eineu bekannten, sehr gewandten Jour- noftste». Mitglied der peeußlfche» SaadeSverftmonOwg, tnmmto, mit anwesend. Der Irrtum, und zwar der absichtlich gewollte, liegt also mzr auf der Seite des Arftkelschreibers, der mir hier aus sehr be» kannten Gründen einen freundschaftlichen Seitenhieb versetzen wollte. Dies« meine Feststellung vor Eintreten in die Tagesordnung der heutigen Sitzung de« Parteiousschusses wurde von keinem der mehrfach anw/senden Teilnehmer der beiden Sitzungen des Parleiausschusses widersprochen. Im Gegenteil bestätigen mir mehrere ausdrücklich die Richligkeit meiner Ausführungen. G. S. ch o 1 i ch. » System Lunö.' Geitosse Davidsohn schreibt uns: Zu der gestrigen„Vorwärts"-Gwsse über den B e- s ch l u ß d e r U.S.P.-Arbeiterräte—„Nicht austreten, nur schwänze nl"— bitte ich folgendes nachtragen zu dürfen: Um den 20. September herum will der„Unter- s u ch u n g s a u s s ch u ß" die Arbeiten zur Feststellung der Kriegsschuldigen, der Kriegsverlängerer usw. aufnehmen. Ueber die Wichtigkeit dieser Tätigkeit und darüber, daß im In» wie im Austand schon zu lange auf den Beginn dieser Untersuchungen gewartet wird, brauchen nicht viel Worte ver- loren zu werden. Wohl aber bedarf das Folgende baldiger Klarstellung: Die sozialdemokratische Mehrheitsfraktion hat auf einen Sitz im Untersuchunigsousschuß zugunsten der Unabhängigen verzichtet, damit diese statt eines Vertreters, der auf sie ent- fiele, deren zwei entsenden können. Es muß nun alsbald festgestellt werden: ob die Unab- hängigen auch den Untersuchungsausschuß „schwänzen" oder ob sie in ihm mitarbeilen wollen. Falls sie die Absicht haben sollten, nicht m'tzuarbeiten, müßten wir unsere Zusage zurückziehen und statt zehn die uns zustehenden elf Mitglieder abordnen. David sob n. Versammlung öer Schultheißbetrieb!. und die Viktatur. Am Freitogciheefc tagte in vor Unions-Brauevet eine Per- sammlung der Kopf, und Handarbeiter für Schultheiß-Betriebe, die die Fortsetzung einer früheren Versammlung war. in der die verschiedenen Frakftonen der Arbeiherpa.teien durch Redner ver- treten waren. Nachdem eine Reihe von Diskussionsrednern gesprochen hatten und der Vc�treier der lt. S. P.. Kille, sein Schlußwort gehalten hatte, kam Genosse Erwin Barth vom„Vorwärts" zum Wort, um über die Diktatur der Mitte zu sprechen. Der leitende Gedanke der Ausführungen de» Genossen Barth war, daß jetzt alle für den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft geeigneten und ge- willten Kräfte ohne Ansehen des Standes und der Partei zur Ar- beit gesammelt werden müßten. Das politische Rätesystem sei für den Aufbau Deutschlands nicht geeignet, denn es sei auch nichts anderes als eine große Versammlung, in der geredet und Parteikampf getrieben würde. Geredet sei in Deutsch- land jetzt genug geworden, jetzt müsse gehandelt werden. Dabei müsse rücksichtslos jeder Schädling, wo er'auch stehe, bekämpft. wer- de-.. Er schloß: Alle guten und nützlichen Elemente unseres Volkes müssen zusammengefügt und gegen alle die, die au- der NvttzM des Volkes für sich politisch« oder materielle Sondervorteile zieben wollen, mutz ein absoluter Schuy aufgerichtet werden, mV wenn«s sein muß, mit Hilfe von scharfgeschliffenen Bajonetten. Di« Anhänger der Linksparteien, die zu Deginn häufig Zwischenrufe machten, hatten sich gegen das Ende der Rede des Genossen Barth völlig beruhigt und hörten mit großer Aufmcrk- samkelt zu. Der Hauptwortführer der U. S. P., H e i n k e. erklärte am Schlüsse vom Podium, daß Molsi alle ehrlichen U. S. P.-Le»ie den Hauptwil der Ausführungen des Genossen Barth unterstreichen könnten. Nur die gegenwärtige Regierung habe nichts getan, um der Arbeiterschaft zu zeigen, daß die deuische Neuordnung nicht ausschließlich auf Koste» der Arbeiterschaft"gemacht werde. Zum Streik im chemischen Großhaaöe!. In der Freitagsitzung, die von morgens 10 Uhr bis in die spätes Nachtstunden, hinein dauerte, war es nicht möglich, mit den Arbeit- gebern zu einer Verständigung über die Lohnfoage zu gelangen, da die Angebote der Arbeitgeber so stark hinter'den Forderungen der Angestellten und Arbeiter zurückvlieben, daß die übergroße Mehr- heit der Beteiligten nennenswerte Aufltesserungen nicht erzielt Hütten. Von dem unparteiischen Vorsitzenden wurde dann der Vorschlag gemacht, zu überlegen, ob nicht der Kampf abgebrochen werden könne, wenn seitens der Arbeitgeber bestimmte Verpflichtungen eingegangen werden. Dazu gehörten in erster Linie die Aufhebung der Kündigungen und das Verbot der Maßregelung. Die Arbeit- nebmer waren dereit, im Einblick aus eine in 19 Tagen eventuell unier Zuziehsing hes Schlichtungsausschuffes zu treffende Regelung der Lohnfrage die Arbeitsaufnahme unter den vorgenannten Be- dingungen zu empfehlen. Die Arbeitgeber wollten sich aber nicht bereit erklären, von Maßregelungen abzusehen, vielmehr wollten sie sich diesen Weg offen halten indem sie erklärten, die Streikenden würden eingestellt nur foweit es die Verhältnisse der Betriebe ge- statten. Auf diesen Boden konnten die Vertreter der Streikend«» picht treten, weshallb die Verhandlungen resultatlos abgebrochen werden mußten. Di« Streikenden werden heute, Sonnabend, früh 8 Uhr, in den „Sophien-Sälen", Sophienstr. 19, zur Sachlage Stellung nehmen. Gewalttat eines Sefatzungssoldaten. Wie das„Westdeistsche Tageblatt" von vertraulicher Seite erfäh�, ereignete sich Ende voriger Woche auf der Venloer Straße in Köln bei Hellem Tage ein Moroanfall eines'eng- lischeo Soldateu auf einen Polizisten. Ein deutsches Mädchen ging mit einem englischen Soldaten und einem Sergeanten über die Straße. Als die drei an. einem Polizisten vorüberkamen, bemerkte das Mädchen, zu seinen Begleitern, der Polizist habe es einmal wegen Verkehrs mit Engländern angezeigt. Darauf zog der Soldat seineu Revolver und schoß den Poli- ziste» kurzerhand nieder. Der Sergeant schlug den Polizisten mit seinem Seitengewehr ins Gesicht. Es gelcuig, den Sergeanten festzunehmen, während der Mörder bisher noch nicht ermittelt-ist. Trotzdem zahlreiche Zeugen des unerhörten Vorfalls vorhanden sind, durften die Kölner Blätter diese« Mord bisher nicht veröffentlichen. Berichtiguung. In dem Artikel„Der Bolschewismus in Ruß- land"(Nr. 441) mutz es auf der 2. Seite. Spalt: 2. Zeile 23 D w i n s t statt Minik beißen; iu der 51. Zeile statt Einwandvollste»: Einwandfreiesten. GewerffchaflsbewMng Der 13. Sunüestag ües flrbeiter-Naüfahrerbunües „Sottöorität" tagte vom 23. bis 26. August in Würzburg. Den Geschäftsbericht erstotiet« BundeSvorsttzender K> f ch e r> Lffeu ach a. M.. der ein Bild der Tätigkeit des Bundes Mi Krieg und einen Ausblick in die Zukunft gab. 126 660 Mit- glieder wurden zum Militär eingif.zvgcii; zirka 10 060 sind als Lpfer des Krieges gefallen.'Der Bund ist im Krieg auf 23 606 Mitglieder zusammeiigeschmvlzen; heute gehl es wieder erfreulicherweise auf» wärts, die Zalst der Mitglieder ist bereit? auf 8 5 6 66 gestiegen. Kassierer Zi m m e r in a n n- Lffcnbach a. M. zeigte den Stand der F i n a n z v e r h ä l t n i s s e dcS Bunde». Wenn es gc- lm,g. eine Verminderung des Vermögens abzuhalten, so nur durch die Neduzierung der Unterstützungen. Da diese in alter Höhe wieder eingeführt werden sollen, wäre eine Beitragserhöhung un- vcrmeidlich. Für das FahrradhauS„Frischauf" gab Sachi-Offen- dach F. M. einen Bericht. Dieses Geschäft ist ein altes Schmerzens- lind des Bundes, der schon viel Geld in da? Geschäft hineüistecken mußte. In den letzten Jahren wurde das Geschäft reformiert und vom Bundesvorstand geleitet. Dadurch war e§ möglich, eine Besse- rung zu erzielen. Es wird gehofft, daß, wenn die Warcnbeschaffung wieder besser ist, das FahrradhauS sich günstiger als bisher ent- wickelt. Das fremde Kapital soll so schnell wie möglich abgestoßen und kein Kredit mehr gewährt werden. Den Bericht über die Presse gab Frahnert-Offenilach a. M., der betonte, daß das BundeSorgan strengste Neutralität gegenüber den Parteistre.itlgke.iten einhalte, sich aber gegen jedes Paktieren mit Bürgerlichen wende. In der A u S s p r a ch e über die Berichte wurde an der Tätig- keft dcS Vorstandes manche Kritik geübt. Dieser habe es an der Uebcrsenduug von Material sehr mangeln lassen. Gegenüber den sozichdcnrokratischen Parteien müsse Neutralität geübt werden. Be- züglich des FahrradhauseS„Frischauf" wurde dessen Liquidation verlangt, ein dahingehender Antrag fand jedoch nicht die genügende Unterstützung. Es wurde aber der tlrtsgruppe Frankfurt a. M. aufgegeben, eine Kommission einzusetzen, welche in Vevlindung mit kaufmännischen Sachverständigen die' Lebensfähigkeit des Geschäfts feststellen soll. Ferner wurde beschlossen, den Mitgliedschaften zu empfohlen, auf die Rückzahlung der Baufondsmarkcn zu verzichten. Ueber den Zusammenschluß der Arbeiteriportvereine zu einem Arbeitersportbund referierte der Sekretär der Zentralkommission für Sport und Kör- t>erp siege W i l d u n g. Leipzig. Der Redner zeigte in längeren Ausführungen die Zweckmäßigkeit der Verschmelzung der verschiede- nen Arbeitersporwereine. Er legte folgende Resolution vor, der btt Bundestag einstimmig zustimmte: Der 13. Bundestag de? Arbeiterradfabrerbundc? Solidarität erkennt den Zusammenschluß aller bestehenden Arbeiter' sport- und verwandten Verbände als eine dringende Notwendig- ieit an. Ter Zusammenschluß hat sich zu vollziehen auf dem Wege zu einem geschlossenen Zentralver and mit einheitlicher Verwaltung, die sich paritätisch aus den einzelnen angeschlossenen Gruppen zusammensetzen muß. Das Beitragswesen ist einheit- lich zu gestalten. Das Unfall- und Sterbeunterstützungswesen ist als gesonderte Einrichtung mit getrennter Beitragszahlung für die verschiedenen Zweige der Versicherung zu organisieren. Die Vorarbeiten sind von der Zentralkommission für Sport und Körperpflege so zu beschleunigen, daß der Zentralverband sein« Tätigkeit spätestens mit dem 1. Januar 1922 auftiehmen kann. Bei der Statutenberatung wurde von größeren Acnde- rungcn des Statuts in Berücksichtigung der geplanten Verschmelzung Wstand gciwmmen. Der Beitrag fand eine Erhöhung von 25 Pf. auf 46 Pf. monatlich. Das Eintrittsgeld beträgt künftig 1,56 M. gegen bisher 75 Pf. Verschiedene Bestimmungen, die im Kirfeg aufgehoben worden sind, wurden nach dem alten Statut wieder eingeführt: die Unterstützungen nach den auf dem Bundes- tag in Leipzig festgesetzten Sätzen. Das neue Statut tritt am 1. Januar 1926 in Kraft. Beratung zahlreicher verschiedener Anträge ging der Bun- deStag über Anträge, bezüglich der parteipolitischen Haltung des Bundes mit großer Mehrheit zur Tagesordnung über, womit »r sein« parteipolitische Neutralität ausdrücken wollte. Die An- Hänger der U. S. P. versuchten mcbrmals, derartige Anträge zur Beratung zu bringen. Der Bundestag ging aller nicht darauf ein und lehnte Erörterungen parteipolitischer Art ab. Nur Wer An- träge, daß Mitglieder, die der„NoSkegarde" angehSre«, ausgeschlossen werden sollen, fand eine Debatte statt. Die Anträge würben mit großer Mehrheit abgelehnt. Ein Leipziger Ver- treter erklärte jedoch, sie würden trotzdem im Sinn« der Anträge handeln.— Zur Presse wurde ein Antrag angenommen, daß das BundeSorgan üb 1. September zweimal im Monat erscheinen soll. Bon der Fülle der sonst beschlossenen Anträge ist hervorzuheben eine Erklärung, die sich gegen die Nummernschilder und gegen die Fahrradsteuer wendet. Das NeichSwtrtsrbastSamt wurde ersucht, die noch im Staatsbesitz befindlichen Fahrräder und Fahrradbereifun- gen an die Arbeiterradfahrervcreimgungen und an die Konsumver- »ine zu überweisen. Eine Verschiebung der Fahrräder zu Wucher- Ccken soll unterbunden werden. Um die Jugend mehr für den id zu gewinnen, soll eine Wertung bei Reigen- und Korso- fahrten zugelassen werden, ebenso Strahenwettfahren bis zu l6 Kilometer. Zur Hebung de? Spvrtbetriebs soll eine technische Kraft angestellt werden. Die Mvtorfahrer erstreben einen beson- deren Zusammenschluß im Bunde. Bei der Wahl des Bundesvorstandes wurde an Stell« des bis- herigen Vorsitzenden Fischer, der auf eine Wiederwahl verzichtet«, Ntemann- Elberfeld als Vorsitzender gewählt. Die besoldeten Vor- standSmitglieder Zimmermann und Sachs-Offtnbach a. M. wurden wiedergewählt und als Redakteur F r a h n« rt- OffeWach be- stimmt. Damit waren die Arbeiten des Bundestages erledigt. Stunde. Htkf»arh«iier ab K. August MS: 20 Pf. und ab 15. November 1S19: 16 Pf. pro Stunde. Arbeiterinnen und jugend- liche Arbeiter unter 18 Jahren ab Lv. August 1919: 26 Pf. und ab 15. November 1919: 5 Pf. pro Stunde. Tagelöhner, Aufräume», Späneträger. Holzstapler usw. erhalten Mindest- bzw. Durchschniits- löhne, die 16 Pf. niedriger sind wie die nachstehenden Mindest- und Durchschnittslöhne der Hilfsarbeiter. Mindrstlohn. Facharbeiter 2,45 M. pro Stunde. Hilfsarbeiter 2,15 M. pro Stunde, Facharbeiterinnen 1,55 M. pro Stunde, Hilfs- arbeiterinnen 1B5 M. pro Stund«. Arbeiter und Arbeiterinnen unter 26 Jahren 16 Pf. weniger, solche unter 18 Jahren 26 Pf. weniger. Durchschnit'slShne. Jacharbeiter erhalten 2 BS M., Hilfsarbeiter 2,65 M.. Facharbeiterinnen 1,95 M. und HilsSarbeire- rinnen 1,75 M. pro Stunde. Ueber die Ferien folgen Bekanntmachungen Anfang September 1919. Bis dahin sind all« darauf Bezug habenden Forderungen ad- zulehnen. Di« Lohnzahlungen erfolgen in Zukunft durchweg Freitag». Sie müssen eine Viertel- stunde nach Arbeitsschluß, beendet sein, für darüber hinausgehendes Warten haben die Arbeiter Anspruch auf Bezahlung als Ueberstunde. Falls also von den Arbeitern gewünscht wird, die folgende» Wochenzahlung.'n am Freitag zu erhalten, ist diesem zu entsprechen._ Generalversammlung der Buchbinder. In der Generalversammlung der Buchbinder erstattete Kaspar den Bericht über da» zweite Quartal. Der große Zustrom der Mitglieder habe auch während des zweiten Quar- tals angehalten; dqr Mitglicderstand beträgt jetzt 1314 7 gegenüber 52 6 5 am 1. Oktober 1918.— B h t o m s k i gab den Kassenbericht. Der Streik der Aartonnagenbranche und die Aus- gaben dafür hätten vermieden werden können. ES seien viele Mit- glieder unterstützt worden, die erst einen Monat im Verband waren. Das dürfe in Zukunft nicht mehr geschehen. Auf Beschluß de? VerbandstageS werden die Beiträge ab 1. Oktober auf folgende Sätze erhöht: 1. Klasse 46 Pf.. 2. Klasse 96 Pf.. 3. Klasse 1 M.. 4. Klasse 1,66 M., 5. Klasse 2,16 M. Ueber den Streik der Karton- brauche entsteht«ine längere Diskussion, in welcher die Mehrzahl der Redner die Ausgaben hierfür billigt; es hätte ohne Unter- ftützung der Kollegen nicht soviel erreicht werden können. Ein An- trag, den im Ausstand befindlich gewesenen Mitgliedern aus der Album-, Mappen, und Galanieriewarenbranche eine einmalige Mietsentschädigung zu zahlen, wird angenommen. e» deren ausschließlicher Berus ist, Leben und Gesundheit der Arbeiter zu schützen, und sie daher in dieser Hinsicht die um- fassendst« wissenschaftliche und praktische Erfahrung besitzen." Der zweite Tag war außer dem Bericht deS Ausschusses für Unfallverhütungsnormen, erstattet von Oberingenieur A l v« n s- leben- Berlin, der Erledigung von Vereinsangelegenheiten ge- widmet. Die Stellungnahme des Vereins zu den Standes- und Wirtschaktsfragen seiner Mitglieder. Bericht de» Vorstandes über das letzte Vereinzjahr uno Rechnungsabschluß nahmen den größten Teil der Verhandlungen ein. Die Tagung brachte eine Fülle von Anregungen die der notwendigen Verbesserung der Unfallverhütung von großem Nutzen zu sein versprechen. Ueber den Abschluß eincS TarikvertrageS für die Angestellten der Berliner Metallindustrie verhandeln die Berliner Metall- industriellen mit der Arbeitsgemeinschaft freier Angstclltenverbände nunmehr seit 16 Monaten. Ueber die Schwierigkeiten der Ver» Handlungen kann sich nur derjenige ein Bild machen, der die weit- verzweigten Fabrikations, uno Handelsgebiete der Berliner Metall- industric in ihrer ganzen Vielseitigkeit kennt. In der ersten Septemberwoch« soll nunmehr dieser Extrakt der Verbandlungen durch eine gemeinsame RedaktionSkommiision fest- gelegt und dann den beiderseitig beteiligten Organisationen zur endgültigen Beschlußfassung vorgelegt werden. Alle irgendwie bekanntgewordenen, al» au? dem Vertrage stammend beezichneten, Mitteilungen und Zahlen sind selbstver- ständlich grobe Irreführungen, die meisten? den Zweck verfolgen, die bisherigen Verhandlungen zu stören. ES wird nochmals aus- drücklick darauf hingewiesen, daß nur der demnächst in Druck er- scheinende Vorschlag der beiderseitigen Tarifkommissionen als maß. gebend zu betrachten sind. Für alle Angestellten wird der Tarif von der Afa, OrtSsekre- iariat herausgegeben. Verband der Fabrikarbeiter. Der Streik bei den Märkilchcn Oel- und Farbenweiken VUIenau, Rolenibaler Weg, dauert unvermindert fort. Die Firma verfucht mit allen Mitteln Streikbrecher anzuwerben. Z uz ug ist streng fernzuhalten. OrtSoerwattung Grotz-Aerlin. ZtertrauenSlente der Kriegsgesellschaften, Organilattonen und Heeresverwaltungen I Am Dienstag, den 2. Sevtember, abend« 5 11 6 r, (ScwcrkfchaftsbauS, Engeluser 14/15, Zimmer SS, äußerst wichtig« ver- trauenSmämierfitzung. Deutscher Werkmeister. vezirkSverein Berlin 7. Nächste Mi- gliederverfammlung TienStag, den 2. S., abend« 7 Uhr, im.Patzenboler', Turm- Ecke Sttomflraße. Portrag de« Kollegen Otto Frcv Uber Preßluft- werkzzugc. Die Vertrauensmänner wollen die Kollege» besonder» aus die Versammlung aufmerksam machen. wichtig für Sie öerliner Holzarbeiter. Die Arbeiigeberberbände der Berliner Holzindustrie haben an alle Unternehmer ein für die Berliner Holzarbeiter beachtenswertes Zirkular versandt, dem wir folgendes entnehmen: Zwischen dem Arbeitgeberschutzverband für das deutsche Holzgewerbe und dem Deutschen Holzarbeiterverband sind— in Ueber- «instimmung mit dem in Kürz« ganz in Kraft tretenden Reichstarif — zunächst folgende Vereinbarungen getroffen worden: Für Berlin: Die Arbeitszeit beträgt vom 25. August 1919 ab wöchent» lich46Stunden ohne Lohnausgleich(eS istzu zahlen 4Smal der jetzt bestehende Stundenlohn plus 25 Pf. Zulage). Teuerungszulagen erhalten Facharbeiter ab 25. August 1919: 25 Pf. und ab 15. November 1919: 16 Pf. pro Vierhunderttausend. .Der Grundstein", Organ des Deutschen Bauarbeiterverbanbes, teilt in seiner Rummer am 86. August mit, daß er bereits in 462666 Exemplaren int Land geht. Das Blatt hatte vor dem Kriege seine höchste Auflage im Sommer 1913 erreicht. Damals erschien es in 857 666 Exemplaren. Infolge der schlechten Bau- lätigkeit ging dann die Mitgliederzahl und damit die Auflage wieder zurück. Bei Ausbruch des Krieges im Jahre 1914 kam die Nr. 32 noch in 325 666 Exemplaren heraus. Dann sank infolge der Ein- Ziehungen zum Heeresdienst die Auflage rasch. Mit der Nr. 49 vom 27. November 1916 erreichte sie ihren tiefsten Stand. 161 666 Exemplare wurden noch ausgegeben. DaS Hilfsdienstgesetz brachte dann«ine Belebung der Agitation und einen schönen Aufschwung der Mitgliederzahl. Bis zum 1. Oktober 1917 stieg die Auflage auf 116 556, um dann mit den erneuten starken Einziehungen wieder auf 111966 bei Beendigung des Krieges zu sinken. Von da an stieg die Auflage unausgesetzt. Ende Dezember stand sie auf 144 666, Ende Januar auf 186 666, Ende Februar auf 219 666, Ende März auf 262 660, Ende April auf 299 666, Ende Mai auf 366 666, Ende Juni auf 359 606. Ende Juli auf 382606 und mit dieser Nummer stieg sie auf rund 4 02 000. Ein VolksarbeitSamt. Am Schluß der Plenarsitzung der GewerlschafiSkommission am Donnerstag machte Vollmerhans die Mitieilung. daß sieb aus Vertretern der Gewerkschaften, der Techniker und der Arbeitslosen ein BolkSarbeitSamt gebildet habe, um siw mit der Frage des Wieder- aufbau« der zerstörten Gebiete zu beichäftigen. Nach einem gefaßten Beschluß l'oll mit der Regierung zweck« Entsendung von Ver- traucnSleulen nach diesen Gebieten verhandeln werden. Am Montag. 1. September, soll in der Waffenstillstandskom- misfion. Budapester Str. 14. abend« 6 Uhr. eine Beiprechung der Lohnfragen beim Wiederausbau stattfinden, zu der alle Verbände Vertreter entsenden wollen._ Der Verein deutscher RevisionS-Jngenieure. hielt in'diesen Tagen in Eisenach seine 24. Hauptversammlung ab. Nach einigen Vorträgen des Ingenieur« Dr. Hederich- Cassel über„Das Verhindern deS UnbrauchbarmachenS von Sicherheit!- Vorrichtungen", de« Ingenieurs Schäfer- Leipzig über„Die zwangsweise Einstellung Schwerkriegsbeschädigter in der Industrie", des Dipl.-Jng. Gärtner- Stuttgart über.Exjjlosioiis- gefahren an Reduzierventilen und Manometern von Skahlslaschen unter Vorführung von Lichtbiloern und des Regierungsbaumeisters a. D. Philipp- Berlin über „Der Pftichteukrei» de» technische» AufsschtSbeamten" wurde hierzu nachstehende Entschließung einstimmig angenommen: „Der Verein Deutscher Revisions-Jngenieure stellt fest, daß wirksame Unfallverhütung nie verzichten kann auf das � reiche Material, das die Berufsgenossenschaften in den Unsallschrift-. stücken jeder Art, in den Statistiten und sonst besitzen. Nur bei den BerufSgenoffenschaften kann man die täglich wechselnde genaue Zahl, Art und Oertlichkeit der Betriebe und ArbeilSstcllen wissen, ein besonder» wichtige» Erforderni» für wirksame Prufungs- tätigkeit. r l ni Abgesehen von vielen Fragen rein wirtschaftlicher Art genügt dies« Erkenntnis schon allein dazu, daß die.Durchführung der Unfallverhütung, im besonderen die Ueberlvachung der Betriebe, Aufgaben der Berufsgenossenschaften bleiben.,. Um die sittlich und volkswirtschaftlich so wichtige Schutzpflicht für Leben und Gesundheit de» werktätigen Volkes wirksamer zu erfüllen, hält der Verein e» für unbedingt erforderlich, daß an die technischen Auffichizbeamten hinsichtlich ihrer Eignung und Vorbildung die höchsten Anforderungen gestellt werden,� und daß den Arbeitnehmern die Mitarbeit rn der Unfallverhütung er- möglicht wird. Im besondere« wird al» dringend gefordert, daß an Fach- schulen und Hochschulen okckigatonsch« Unterrichtsvorträg« und Prüfungen, getrennt nach Fachgebieten. Wer Arbeiterschutz unter besonderer Würdigung der Unfallverhütung abgehalten werden. Für die Durchführung dieser Aufgaben sind technische Aufsichts- beamte von Berufsgenossenschaften die geeignetsten Männer, weil parteinachrichten. Dr. Laufenberg gegen die U. S. P. ??m„Hamburger Echo" wurde vor einigen Tagen aus Kiel folgendes gemeldet: Dr. Laufenberg au» Hamburg verteidigt« am Sonnabendabend im„Eolosseum" alz Gralshüter des reinen kommunistischen Prin- zip? die moSkowitische Hochburg gegen di: U. S. P. Die lebende Illustration eines geschichtlichen Dokuments, in Erscheinung, Sprache, Gebärden und Anschauungen da» Jahr 1847 verkörpernd, entwickelte er aus Grund der„proletarischen Staatstheorie" die reaktionäre Praxis eines revolutionären Konservatismus, der in- dessen beileib« nicht identisch mit Konsequenz ist. Die U. S. P., die konterrevolutionäre Politik im nationalen Rah» inen treibe, käme schon bei ihrer Stellung zu den Gewerk- schaften, dieser„internationalen Organisation zur Wahrung der Interessen des Kapitals", gar nicht in den Verdacht, mitwirken zu können. Die U. S- P. steheaufdem Boden de» Paria» mentariSmuS und der Vaterlandsverteidigung und babc erst, als die Revolution in Rußland ausbrach, dem Drange der Massen nachgegeben, die Einigkeit der Betvegung zerrissen und damit einen Fluch auf sich geladen, an dem sie zu« grundegebenwerde. Am 9. November habe sie gemeinfchaft- lich mit den Gaunern und Halunken die Ovieniierung nach dem Westen vorgenommen, sei darum die HilfSarbeiterin der Konterrevolution(Stürm..Zwischenrufe. Pfiff« auf Schlüsseln, die nicht nach Moskau, aber zu den Lokalen der u. S. P.- Weltrevoluiion führen), und habe die bestimmte Aufgabe de» deutsch- russischen Proletariats durckchreuzt. Die Not de» Winter» würde Zu- stände schaffen, die di« Entente zum Nachgeben in der Oscholitik zwänge, und schließlich eine Zertrümmerung der Internationale der Sozialpatrioten herbeiführen. Damit zog sich daS östliche Irrlicht in den kommunistischen Ur- nebel zurück und die revolutionären KönigZkinder standen wieder am tiefen Wasser der Grundsätze. Da sie nicht hinüberkonnten, riefen die Unabhängigen Kretz«, und Hansen in der Di»- kussion wenigstens allerlei Wahrheiten herüber, doch mit leisem Be- dauern, daß ein Zusammenarbeiten mit der K. P. D. nicht möglich sei, weil sie immer weiter nach link» gleite. So schnell käme man nicht nach. Ueberhaupt, da die K. P. D. nationalistisch« Tendenzen züchte, konnte man keinen Bitt- gang nach Moskau machen. Glänzende Erfahrungenhätt» man auf wirtschaftlichem Gebiet in den Sowjet- revubliken nicht gemacht. Ein Redner untersuchte den Einfluß der nordischen Sonne auf das kommunistische Denken, be- zekbncte die K. P. D. al» die ärgsten DurchHalter, fand aber kein Eingehen bei Dr. Larnenberg. det doch bei seiner Würde wieder nicht einsah, daß seine Ausführungen nach Abstrich der Wissenschaft- lich>e» Fachausdrucke(„Gauner, Halunken") sich auf dem gleichen Niveau bewegten. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Reichsbiind der Kriegsbeschädigten. Bezirk 12 ODsten). Sonntag, nachm. 4 Uhr; Gemütliches Beilammensttn der K. B. u. K. H. bei Meqer, Tiliiter Str 54.— Sonntag, 2. September, 7 Ubr abends: Gemeinsame BezirkSoerlnmmlung in der PiebbosSbörie, Eidenacr Str. 37/35. Reierent: Kam. Müller-Brandenburg über Mi1-Veriorg.'Gel., Kavitalabfinduna, Siedlung.— Rrichsbnnd der Invaliden usw., OrtSnruvve Groß- Berlin. Große öffentl. Versammlungen aller Unfall«, AibeitS-. Alters- und Alnienrentcubezieber am Montag, abend« 5 Uhr. MarkuSstr. 43. Gemeinde- lchill? lAula) am DienStag. abend» 6 Uhr: Petersburger Str. 4. Ge- meindeichui« Glula), am Mittwoch, abend« 5 Ubr: Ellsabethitr.»7/58, KSnigs/raße, Realgymnasium(Aula). Ref.: LeidenSgenolie Hugo S u b k e: Tbema: TaS Hungerelend der Fnvallden usw.— Stenograpbe» verein Ttolzr-Schrev zu Berlin. Eröffnung neuer Lebraänge für Damen»nd Herren obne Vorkenntnisse am 0. September C, Niederwallür. 12, in ber Oberrealichule. und am ll. September NO, Kleine Frankfurter Str. 5, und 8. Slallichreiber Str. 34. In der Gem-indeschnle Unterricht«, ett'/.» bi» 6,16 Ubr abends. Der Verein bietet auch in allen Sladtretien Getegenherl zur Fortbildung in der Kurzschrift. Schriftliche Auskunft ertellt der Vor« iitz-nd- Wilbelm Reb. Temvelhof. Mollkeilr. 21.—«rbeiter.«kadkabrer. bund„Tolidariräk-, OrtSgruvv« Berlin, Nbtetluna t. Sonntag, mittags 1 Ubr: Sireifziige durch den Grunewald. Ziel:„Alter Freund'. Bichels- wcrdcr Stürt: Wiemer, Bülowttr. 58. Abtellung II. Früh 5 Uhr; nach dem Stienitziee: nachm. 1 Ubr: Nablsdorf.„RaryauS'Bären'. Start: Fontainevromenade l8.— Ortsgruppe WiliuerSdorl. Sonntag, morgen» 6 Ubr: Mügg elhort'RabnSdorf. Start:«tlb-lm«aue. Verantw. für den redaktl»». Teil: Altred Scholz, Nentolln: für Anzeigen: Tbeod« Glock». Beitin Berlog: Borwitrls-Berlog« m. d. Berlin. Druck: Borwitet- Buchdruckerei und Berlagsanftalt Paul Singer u. To. in Berlin, Linbenttr.». Hier»» 1 Bcilaae.__ ��3€M&S0££Z£S�ßlfaerXcheWZB{ünsis-Bnrichtunsen Mf�Gfeh&Mhmnderpkk................................... Rfrhn c. 33 ifl£uuuuZo&ttxus£ 42 In jeder Holz- und Stilerl zu»olldchn Preisen. Beieh« Aiuwahl!n erstklAfc&lffen Möbeln bis zum Auserleseniien. BeeioUt�gung u Querer um fan welche n Lager IM »erst lohnend und«nrünscht. Bab.nfrele Lieferung durch gang Des�cnland direkt ab Fabrikgebäude. Nr. 442 ♦ 34. Jahrgang Seilage des vorwärts Sonnabend, 34. Mgust 1414 Wie Selgler entstehen. Der au» M a l m e d y ausgewiesene Leiter der dortigen Orts« gruppe der S. P. D. sendet uns eine Schilderung der dortigen Zustände. Die Darstellung deckt sowohl die Niedrigkeit der Kapila- listenkreise, die, um ihr Vermögen zu retten, den Anschluh an Belgien wollen, wie die Schikanierung der deutsch denkenden Be- völkerung durch die Belgier auf. Wir lassen sie daher hier folgen: In den letzten Tagen stand in mehreren Zeitungen zu lesen, daß die Belgier von Malmedy Besitz ergriffen haben. Die Leser der Zeitungen werden sich kaum bewußt sein, wie inhalt- schwer diese Zeilen für die Malmedyer sind. Der Kreis Malmedy umfaßt zwei Städte mit den zugehörigen Dörfern. In religiöser Beziehung ist die Bevölkerung überwiegend katholisch. Daher er- klärt eS sich, daß politisch das Zentrum die Alleinherrschaft besaß. die Einwohner kümmerten sich um Politik fast gar nicht. Der Krieg und die Revolution haben nun auch in die entlegensten Eifeldörfer die Politik gebracht. Das frühere System in der Be- Handlung des arbeitenden Volkes hat auch in Malmedy den Ar- beitern die Augen geöffnet. In Malmedy wird die Lederindustrie in großem Stile be- trieben. Biels Gerbereibesitzer, die vor dem Kriege schwankend standen, haben sich wieder gesund gemacht auf Kosten d«S Staates und der Arbeiter. Die Arbeiter erhielten bis zum Februar diese? JahreS bei Ivstündiger Arbeitszeit in den Gerbereien den fürst- lichen Lohn von 4,50 M. pro Tag. In den beiden Papierfabriken ist es jetzt noch nicht viel anders geworden. Kurz vor den National- und Preutzenwahlen trat zum ersten Male in Malmedy ein sozial- demokratischer Redner auf, da eS kein Saalbesitzer wagte, seinen Saal zu dieser Versammlung herzugeben(aus Furcht vor Fege- feuer und Hölle?), unter freiem Himmel. Durch die Ungunst der Witterung und auS Furcht war der Besuch nicht entsprechend der neugefaßten Stimmung, aber um so wirkungsvoller das Ergebnis zwei Tage später stattfindenden Wahl, vereinigten sich doch 773 Stimmen auf die Kandidaten der sozialdemokratischen Fraktion. Nun konnte man dazu schreiten, eine sozialdemokratische Orts- gruppe zu gründen, die sich sofort für die Besserstellung der Ar- beiter mit Erfolg einsetzte. Dunkle Wolken zogen für die beiden deutschen Kreise Mal- medy und Eupen mit den Friedensbedingungen herauf, ängstlich fragt sich die Bevölkerung, wer tut was für uns, daß wir deutsch bleiben? Endlich erfährt da, Volk, daß eS von den Kapitalisten an Belgien verkauft worden ist. Hubert Lang, der im Kriege fein Vermögen um 10 Millionen vermehrt hat(bei 4,60 M. Arbeitslohn an seine Arbeiter), hat sich an die Spitze einer Clique gestellt, die ein Schreiben über da, ander« an den König der Belgier, an Clemenceau und alle feindlichen Kommissionen richtete, daß Mal- medy und Eupen an Belgien angegliedert werden sollen. Um streng gerecht' zu bleiben, will ich gleich bemerken, daß nicht alle Kapitalisten MalmedyS auf feiten dieses Hubert Lang und Genossen stehen, sondern ein gut Teil ihre echte deutsche Gesinnung bewahren. Als Hauptagitator dient ein gewisser Bragart, Angestellter in der Papierfabrik von Steinbach u. Co. zu Malmedy. In dem belgischen Hetzblatt„Die Warchenne' schießt er seine giftigen Pfeile auf all« diejenigen ab, die eS wagen, für das Deutschtum in den beiden Kreisen etwas zu unternehmen. Dieser Feigling weiß, daß er gedeckt wird und aus eine Erwide- rung in der Zeitung nicht zu rechnen braucht, auch die deutschen linksrheinischen Zeitungen unterliegen alle der Zensur, so daß er sich denn auch die erlogensten und unglaublichsten Artikel erlauben kann. So brachte er kürzlich: „Am Rathause zu Malmedy wäre die belgische Flagg« g«. hißt und eine tausendköpfige Menge Malmedyer hätte die Flagge bejubelt. Ali dann auf Befehl der britischen Besatzung die Flagge entfernt worden ist, sei die Menge traurig abgezogen." Da» ist gelogen. Hierzu schreibe ich. Am 29. Juni, für Malmedy ein hoher Feiertag, verbunden mit dreitägiger Kirmes, haben wir im ganzen 21 Häuser mit belgischen Fahnen gezählt.(Malmedy hat 38 7 Häuser.) Von diesen 21 Häusern wurden 8 von belgischen Offizieren bewohnt. Die Bevölkerung, mit Ausnahme dieser kleinen Clique von Vaterlandsverrätern, die knapp 5 Proz. der Einwohnerzahl ausmacht, ist deutsch gesinnt und bringt die» bei allen gegebenen Gelegenheiten zum Ausdruck. Sie wollen die wallonische Sprache, ihr« Muttersprache, neben der deutschen Sprache beibehalten. Die? übt aber keinen Einfluß auf ihre wirkliche deutsche Gesinnung. Mit den belgischen Wallonen wollen sie nicht» gemein haben, vielmehr besteht hier eine gewisse Feindschaft. Viele Wallonen stehen in deutschen Staatsstellungen. Sogar über das Rheinland hinaus sind Deutschwallonen alS Beamte im Dwnst, auch viele wallonische Mädchen sind an deutsche Beamte verheiratet und willig und mutig sind die wehrfähigen Jünglinge und Manner 1014 in den Krieg gezogen. Kein Fall von Fahnenflucht ist hier bekannt geworden. Die Kapitalisten, außer der Clique von Vaterlandsverrätern, sowie diejenigen, die sich im Kriege etwas Wohlstand erworben haben, sind voll bereit, dem deutschen Staate zu geben, was er fordert und dies sogar mit Freuden, wenn man ihnen die Ge- wißheit geben könnte, daß sie deutsch bleiben. Man kann die? nur beurteilen, wenn man diese Anhänglichkeit am Deutschen Reiche bei Versammlungen gesehen hat. Sie fordern nun, daß da» gesamte deutsche Volk von dieser, ihrer deutschen Gesinnung Kenntnis erhält und die deutsche Regierung ihr�n ganzen Einfluß dahin geltend macht, daß für die beiden Kreise Malmedy und Cupen die geheime Volksabstimmung zugestanden wird. Sie wünschen, daß ihre treue, deutsch« Gesinnung in alle Welt hin- ausposaunt wird zu unseren bisherigen Feinden, zu denjenigen, die in den Friedensbedingungen vom Selbstbestimmungsrecht der Völker gesprochen. Wie eingangs erwähnt, gab eS in Malmedy bisher nur eine politische Partei, das Zentrum. Als aber bekannt wurde, daß Malmedy und Eupen an Belgien angegliedert werden sollten, versagte die Partei nicht nur ganz, nein, sie verstummte und ich habe bis heute—'ch nicht feststellen können, daß sie ein Wort ge- sprachen oder geschrieben hätte für diese beiden Kreise. Vielmehr überließ sie die Arbeit und Gefahr der neu gegründeten sozial- demokratischen Ortsgruppe. Diese ging dann auch mit Mut und ohne Furcht an die Arbeit, aber die Probelgier(VaterlandSver- räter) ruhten auch nicht. Sie sorgten dafür, daß der Führer der Ortsgruppe aus Malmedy ausgewiesen wurde, ohne Zaudern übernahm ein anderer die mir angetragene Führerschaft, aber unserer Tätigkeit wurde ein End« bereitet. Die Probelgier hatten eS fertig gebracht, daß sämtliche Versammlungen verboten wurden. Jetzt hieß es Maulwurfsarbeit verrichten, denn das geängstigte Volk mußte Halt haben, hieß e» doch von Januar alb schon, die Belgier rücken morgen ein. AlS nun der Friedensvertrag unterzeichnet war, kamen die Malmedyer schriftlich beim britischen Herrn Kommandanten ein. um wieder politische Versammlungen abhalten zu dürfen; die? wurde genehmigt. Der Gruppenleiter ließ sogleich Ankündigung?- Plakate anschlagen und berief eine große Volksversammlung ein. Diese Plakate erregten bei den Probelgiern selbstverständlich Aer- gerniS, sie ließen nichts unversucht, die Versammlung zu hinter- treiben. Kurz vor der Versammlung mußte der Einberufer zun- Bürgermeisteramt, hier wurde ihm eröffnet, die britische Kom- mandantur hätte verboten, daß die Versammlung unter freiem Himmel stattfindet, ferner dürfte ich nicht» gegen die alliierten und assoziierten Mächte sprechen, auch kein Wort von Abstimmung erwähnen. Vier Saalbesitzer verweigerten den Saal, beim fünften hatten wir Erfolg. Die Menge wurde zu diesem Saal geleite�. Ganz Malmedy war auf den Beinen, leider konnte kaum der fünfte Teil in den Saal hinein. Von den umliegenden Dörfern waren sie gekommen, die Züge waren überfüllt. Die Probelgier hatten per Auto einen belgischen Sozialisten au» der ersten Kammer kommen lassen, er sprach nur französisch, aber nicht zum Vorteil der Probelgier. Die Versammlung wurde überwacht von briti- schen und belgischen Bajonetten. Unter diesen Umständen nahm der Redner, für die katholischen Zuhörer leicht verständlich, seinen Stoff aus der Bibel, verglich die Urchristen mit den Sozialisten. Nur in diesem Thema war e» ihm möglich, die Probelgier al« Vaterlandsverräter mit Judas zu vergleichen, ohne daß man ihn vom Platze abführte. Dem belgischen Sozialisten gab man auf, bei den Sozialisten der uns jetzt feindlich gesinnten Länder seinen ganzen Einfluß geltend zu machen, daß dem jetzigen Deutschland ein menschenwürdiges Los beschieden würde, daß das versprochene Selbstbcstimmungsrecht auch wirklich zur Anwendung gelange und daß die Internationale festere Form annimmt. Er hat dies in offener Versammlung feierlich versprechen. An dieser Versammlung hatten auch die katholischen Ober« lehrer und Oberlehrerinnen teilgenommen. Prompt hielten die Probelgier ihre Kinder vom Schulbesuch zurück und beantragten in der Stadtverordnetenversammlung die sofortige Entlassung der Leiterin der höheren Mädchenschule, sie hätte in der sozialdemo- kratischen Versammlung am VorstandStisch gesessen. Die heutigen Behörden gehen auf solche extremen Extravaganzen nicht mehr ein. Diese Versammlung hatte ihre Wirkung nicht verfehlt. Wie wir erfuhren, war die Ausweisung des Redners beantragt, aber dieser Antrag ist von den Briten abgelehnt worden. Als Gegenstück veranstalteten die Probelgier des Sonntags darauf ein großes belgisches Radrennen: Lüttich— Malmedy. Ein größeres Fiasko, wie dies, habe ich noch nicht mit erlebt. An der Straße, die von Belgien nach Malmedy führt, wurde am Samstag ein Triumphbogen mit belgischen und französischen Fahnen errichtet.(Englische Fahnen durften sie nicht gebrauchen.) Beim Aufbau dieses Triumphbogens wurden die Hand voll ab- hängigen Mitläufer der Probelgier mit blutigen Köpfen heim- geschickt, sie erbaten von der englischen Besatzung Beistand und Wache, diese kam nicht und so muhte die belgische Kommission die Hilfe und Wache leisten, sonst wäre dieser Aufbau in der Nacht verschwunden. Am selben Nachmittag war in den Geschäften eine starke Nachfrage nach Sohlennägeln bemerkbar. Die Heinzel- männchen hatten in der Nacht doch noch etwas ersonnen und getan. Als am Nachmittag die ersten Radfahrer aus Lüttich eintrafen. war uns etwa? ängstlich zu Mute wegen des deutschen Straßen» Meisters. Er war wirklich nicht schuld darni, daß die Cha�ss�» in einer Nacht neues Pflaster bekommen hatte. Der geplante Umzug beschränkte sich auf ein Zehntel der Stadt, man sprach davon, daß die Ziegel auf den Dächern lebendig wurden. Viele belgischen Teilnehmer benutzten notgedrungen zum Rückweg die Eisenbahq. Die Belgier sind nun leider doch in Malmedy eingerückt und die schon so geängstigte Bevölkerung wird nun von dem übrigen deutschen Volk hermetisch abgeschlossen werden. Wir wollen es aber nicht unterlassen, für sie zu arbeiten, damit auch in den beiden Kreisen das Selbstbestimmungsrecht durch geheime Bolls- abftimmung gewahrt wird. Die Einwohner selbst können zu ihrei� Befreiung nichts unternehmen, sie würden sich harten Strafen aussetzen. Den Belgiern ist die deutsche Gesinnung der beiden Kreise bekannt, sie liefern schon lange Lebensmittel in ziemlich reichlicher Meng«, sie werden nichts unversucht lassen, die Bevölkerung zu ködern; aber der Haß ist groß und alte Leute, die kein Wort deutsch sprechen können, wollen lieber auswandern, als in Mal- medy unter belgischer Herrschaft leben. Darum würde eine wirk- lich geheime Volksabstimmung sicher für Deutschland ausfallen. Sroß'�erlln « Parteifunktionäre l Arbeiterratsmitglieder! Betriebsvertrauensleute! Die Fortsetzung der Versammlung über den„Bolschewismus tu Rußland", Referent Herr Prof. Abramowitfch, findet Montag, den I.September, pünktlich 6>/, Uhr, im LehrervercinShanS, Alexanderftr. 40/41, statt. Das Erscheine« aller Parteifunktionäre ist im allgemeinen Interesse dringend not- «endig. Eintritt nur gegen Vorzeigung der Legitimatioskarte und des Parteimitgliedsbuches. Schon wieder FahrpreiSerhShung. Erst kurze Zeit ist vorüber, wo man sich mit der Frage be- schäftigte, ob die Tarife der Straßenbahn in der bisherigen Höhe aufrechterhalten oder heruntergesetzt werden sollten, und schon 53 Erleuchtung. Raman von Henri Barbusse Verdeutscht von Max Hochdorf. XTV. Trümmer. Ich falle auf die Knie. Dam, strecke ich mich hin. Ich tue, was so viele andere getan haben. Ich befind« mich allein auf der Erde, von Angesicht zu Angesicht mit dem Erdenkote, und ich kann mich nicht mehr be- wegen. Um mich schlägt das entsetzliche Gedonners der Gra- naten nieder. Der dumpfe Sturm, der mich nicht kennt, will aber den Ort ausfindig machen, an dem ich mich befinde? Dann entfernt sich die Schlacht. Und dieses Abrücken der Ereignisse ist zerreißend. Trotz all meiner Mühe, mit den Dingen in Verbindung zu bleiben, erlisöbt das Geknattere des Flintenfeuers. Ich bin allein. Der Mnd weht. Ich bin einsam und bloß. Ich wende liegen bleiben in der Verklam- merung der Erde, und ich krampfe mich an den Boden an. Ich tauche meine Hände in den Schlund des lehmigen Bodens hinein. Ich tauche hinunter bis zu dem Steinwerk. Ich drehe den Hals ein wenig, um der ungeheuren Last gewahr zu wer- den, die auf meinen Rücken niederdrückt, aber nein, ich er- blicke nur die Unermeßlichkeit des Weltalls über mir. Meine Blicke klimmen hinauf. Meine Blicke irren herum. Vor mir verketten sich Dinge, die ganz im Dunkel liegen. Die Dinge scheinen nacheinander zu haschen, sie scheinen sich unterein- ander zu verschlingen. Ich blicke auf diese schwarzen Flecken, die mir den Horizont verstellen, als wenn Hügelwellen davor- lagen, die sich mit menschenähnlichen Bewegungen regen und hlnziehen. Die Menge der Ding« und Menschen, die dort hin- geschmettert ist. zerrt mich in ihr Getrümmere hinein. Jetzt dm ich u inmauert von den Menschen, die dort hingestreckt liegen, genau so. wie ich ummauert war von den Menschen. die vorher aufrecht um mich gestanden hatten. Ich leide nicht mehr.� vur ist es außerordentlich ruhig. Ich bin berauscht von Friedlichkeit Sind sie tot, alle diese Menschen? Man weiß es nickt. Tie Toten smd die Gespenster der Lebenden, aber die Lebenden sind die Gespenster der Toten. Irgend etwas Heißes leckt meine Hand. Die schwarze Masse, die dort bleiern auf mich moderdrückt, wird von einein Beben durch- rüttelt, �etzt merke ich es: Neben mir liegt ein Hingeschmet- terteS Pferd, dessen großer Körper sich verblutet. Und daS Blut rinnt auf meine Hand nieder, als wenn eine Zunge behutsam an mir leckte. Ich schließe die Augen. Ein Blenden durchrieselt mich, �ch denke an ein Fest, daS einstmals(je- Wesen ist. Jetzt erinnere ich mich auch. Einstmals habe ich in dem Theaterrahmen eines Waldfleckens ein Tierjunges gesehen, das auch so von der Jagd getroffen worden war, und das mitten in der allgemeinen Freude sein lebendiges Blut versprudelte. Neben mir spricht ein« Sfimme. Und es wird deutlich, obwohl ich nicht bis zur Höhe der zerrissenen Wolken und bis zur Himmelsmündung empor- blicken kann, daß jetzt der Mond aufgegangen ist. Dieses weiß- liche Licht beleuchtet die am Boden liegenden Leichen, wie richfige Grabmäler. Ich möchte die Stimme finden, die so leise spricht. Zwei Körper liegen aufeinander: Der Körper, der unten liegt, ist von riesigen Maßen. Denn er schleudert die Arme wie einen Sturm nach rückwärts. Die Haare, die wirr und stopplig sind, fallen wie eine zerstörte Krone über die Stirne. Die Augen stehen schräg und grau wie zwei Klümplein Gallerte. Die Unbcweglichkeit dieses Menschen ist mächtiger als alles, was man erträumen kann. Aber auf dem anderen Menschen funkelt es von silbernen und goldenen Pünktlein und Strahlen. Dieser Mann ist eS, der ohne Ende und mit leiser Stimme zu mir redet. Aber, obwohl er leise wie ein Freund spricht, sagt er doch zusammenhanglose Worte. Er ist Wahn- sinnig I Ich bin vereinsamt in seiner Gesellschaft! Tut nichts. ich werde mich doch zuerst bis zu ihm schleppen. Noch mustere ich ihn. Ich schüttele mich. Ich kneife die Augen zusammen, um ihn besser zu sehen. Sein Körper trägt die verdammte Uniform des Feindes I Da stürze ich mich auf die glänzende Beute, um mich ihrer zu bemächtigen, und meine Hand krallt sich zusammen. Aber es ist mir unmöglich, mich dein Feinde zu nähern. Es scheint, daß ich keinen lebendigen Korper mehr mit mir herumschleppe. Jetzt blickt der Feind mich an. Er wird meine Uniform erkennen, wenn sie über- Haupt noch zu erkennen ist. Er wird meine Mütze erkennen, wenn ich überhaupt noch eine Mütze auf dem Kopf trage. Er hat vielleicht das unzerstörbare Siegel der Rasse erkannt, das in meine Züge eingezeichnet ist. Ja, auf meinem Gesicht hat er dieses Zeichen erkannt. Nun hat wohl ein Widerschein des Hasses alles daZ ausgelöscht, was eben noch so nahe bei mir auf seinem Antlitz aufgeleuchtet hat. Unsere beiden Seelen machen einen verzweifelten Anlauf, damit sie zueinander gelangen. Aber je mehr wir uns treffen wollen, desto weiter müssen wir uns voneinander entfernen. Hat er mich gesehen? Ich weiß eS nicht mehr. Er wird von seinem Blute geschüttelt. Er wird von seinem Blute er- stickt. Er wehrt sich dagegen und ich sehe die flatternden Flügel seines schwarzen Mantels. Ganz in der Nähe haben andere Verwundete aufge- schrien. Und es ist, als wenn die Verwundeten, die weiter entfernt liegen, sich einem Singsang hingeben. Sie liegen jenseits der Pfähle, die so niedrig und verbogen und der- krümmt sind, als wenn man ihre Spitzen abgehackt hätte. Mein Feind weiß nicht, was er sagt. Er weiß nicht ein- mal, daß er spricht; er weiß nicht einmal, daß ein Gedanke seinem Munde entströmt. Die Nacht geistert, und dieS ungehemmte Blitzen zerreißt die Nacht in Fetzen, und es erfüllt die Nacht hierhin und dorthin mit Lichtbündeln, und es ist die Wahnsinnsphantasie meines Feindes, die beherrschend in mein Haupt eindringt. Er murmelt, daß die Dinge durch entsetzliche Ketten der Wahrhaftigkeit zusammengekettet werden, und alles hängt nur derartig zusammen. Er spricht Sätze aus. aus denen die Worte gleich plötzlichen Lichtfunkeln heraussprühen. Und ich verstehe in seinem Hymnen-Sagen nur dieses etwa: Bibel, Geschichte, Majestät, Wahnsinn. Dann schreit er auf:„Auf der Welt darf nur der Ruhm des Kaiser- reiches herrschen". Dieser Schrei schüttelt die Stein- und Menschenriffe, die unbeweglich am Boden liegen, und� i ch, auch ich. bin nicht mehr zurückzuhalten, und ich schreie:„Rur der Ruhm Frank- reichs darf in der Welt gelten". Ich weiß nicht, ob ich wirklich geschrien habe, und ob unsere Worte in der entsetzlichen Nacht aufeinandergeprallt sind. Sein Schädel ist ganz kahl. Er hat die Hand zum Ge- sicht aufgehoben, und seine Berührung hat dort ein Zeichen zurückgelassen. Er trägt einen Pelzkragen, aus dem sein dünner Sals und sein Vogelgesicht hervorstechen. Auf seiner Brust blitzen terne und Kreuze wie Schmuckstücke. In die Gehirne und in die pulsenden Lungen der düsteren Gefangenen, die rings um uns einen einsperrenden Zaun ausrichten, bohrt sich die große Stille hinein. Es scheint, daß man sich über allem Kreise nur rüste, um uns zuzuhorche«. (Lortj. folgte SwrVr»ochricht. fcf Re w» T.«*>. tembet ap bre Tarife wieder erhöhe» will. D« Straßenbahn hält sich zu dieser Erhöhung berechtigt, da das eingesetzte Schiedsgericht die Abwälzung der erhöhten Betriebskosten für zulässig erklärt hat. Wir können nicht sagen, daß das jetzt beliebte Verfahren, nach- dem die Straßenbahn in den Besitz de? Verbandes Grotz-Berlin übergegangen ist und auf Rechnung diese» Verbandes betrieben wird, den Berlinern besser gefallen wird. Bisher war die Straßen- bahn doch noch verpflichtet, ihre Mehrforderungen ausführlich zu begründen und die Zustimmung des Verbandes Grotz-Berlin ein- zuholen. Jetzt, nachdem die Straßenbahn Kommunaleigentum ge- worden ist, hält man eine solche Begründung nicht mehr für not- wendig und dekretiert einfach. Und dabei ist anläßlich der vor einiger Zeit verbreiteten Be- richte über die günstigen finanziellen Wirkungen der letzten Tarif- erhöhungen für die Straßenbahn im Publikum die Aufsaffung vor- Händen, daß das Unternehmen recht gut floriert. Di« Art, wie da- her jetzt die Tariferhöhung angekündigt wird, muß die Oeffentlich- lest direkt wie einen Fauftschlag empfinden. lieber die Erhöhung selbst teilt die Straßenbahn mit: Vom 1. September ab tritt folgende Tarifänderung m Kraft: Fahrpreis für eine einzelne ununterbrochen« Fahrt auf jeder Linie 2 0 Pf. Die früheren lv-Pf.-Fahrschein« werden wegen der Papier- tnapphcit aufgebraucht und als 20-Pf..Fahrschemc ausgegeben. Die Doppelfahrscheine zu SS Pf. und die Sammel- karten für 8 Fahrten zu 1,40 M. kommen in W eg- fa l l. Die am 30. und 31. August ausgegebenen Doppelfahrscheine bereäitigen jedoch ohne Nochzahlung zur zweiten Fahrt iwch am 1. September. Die noch im Verkehr befindlichen Sammelkarten für 8 Fahrten berechtigen ohne Nachzahlung zur Benutzung mnerhalb ihrer Gültigkeitsdauer. Für Hunde und gebührenpfliebtigeS Gepäck wird Fahrgeld wie für eine Person erhoben. Arbeiterwochenkarten vom 1. September ab: für 6 Wochenfahrten 1,— M., für 12 Wochcn- fahrten 2,— M. Monatskarten von Oktober dieses Jahres ab: für eine Linie IS,(30 M., für zwei Linien 20,— M., für drei Linien 26,— M., für vier Linien 32,— M., für sämtliche Linien 40,— M. Schülerkarten 5,50 M. Di« Fahrpreise im Anschlußbctriebe mit der Spandau er Straßenbahn(Linie X,?, R und Linie ß der Spandauer Straßenbahn) bleiben unverändert. « Die verbandSversanimlung Groß-Berlin tritt Montag, 8. Eep- fem her. im Berliner Rathause zu ihrer ersten Sitzung nach den Ferien zusammen. Auf der Tagesordnung stehen fast ausschließ- lich Verkehrsangelegenheiten, über die sich zunächst noch der ver- - bandsau Sschu ß am nächsten Montag schlüssig zu machen hat. von dem Abschluß d«S Kaufvertrages mit der Großen Berliner Straßen- bahn und der Genehmigung zur Aufnahme einer Anleihe von 141 Millionen Mark zum Erwerb dieser Gesellschaft wird der ver- bandsversammlung Kenntnis gegeben. Bon besonderer Bedeutung wird eine Vorlage über die Festsetzung von Grundsätzen zur ver- waltung der Großen Berliner Straßenbahn als Berbandsunter- nehmen fem. Heber die Verhandlungen des SonderauSschusie« der Verbandsversammlung wegen Erwerbung der Berliner Ostbahnen wird Skadtrat Loehnrng(Berlin) Bericht erstatten. Es ist, wie gemeldet, zwischen dem Sonderausschuß und den Berliner Ost- bahnen zu einer Einigung über den Ankauf auf der Grundlage eines Preises von 6 450 000 M. gekommen. Eine weitere Vorlage betrifft den Betrieb der Berliner Elektrischen Straßenbahnen (StemcnSbahn) durch die Stadt Berlin. Gebt Wohnräume her! Der Magistrat Berlin erläßr nachstehenden Aufruf: Durcki den Zustrom geflohener oder vertriebener Bollsgenosien aus den beietzien und abzutretenden Gebieten steigt die W o h- n u n g s n o t von Tag zu Tag. Alle Mittel zu ihrer Behebung find nahezu erichövit. Für den Umzugstermm am 1 Oktober mfiflen auch ohnedies Hunderte von Familien untergebracht werden. Der Magistrat hat deshalb in dieser Notlage von der obersten Landes- zentralbehörde die Ermächtigung erwirkt, in groß« Wohnungen, die von wenigen Personen bewohnt sind, Familien oder auch Einzelpersonen zwangsweise unterzubringen. Dieselbe Ermächtigung wird noch eingeholt werden für geflohene und vertriebene Familien und Personen, Bevor aber der Zwang angewendet werden ioll, wendet sich der Magistrat zum letzten Male an das soziale Gewissen der Bürger Berlin«, W>r dürfen uniere Volksgenossen nicht obdachlos werden lassen und müssen uns deshalb jede Beschränkung der eigenen Bequemlichkeit voiübergehend in dieser Zeit der Not auferlegen. Wer wünscht, Familien oder Einzelpersonen nach freier Wahl in seine Wohnung auszunehmen, der wende sich umgehend unter Angabe der zur Verfügung stellenden Räume(leer oder möbliert) an das Wohnungsamt, Oranienburger Str. 16(wer Studenten oder Studentinnen bei sich unterbringen will, wende sich an den studentischen Wohnungsnachweis. Universitäisftr. 3). Hier können auch alle weiteren Wünsche hinsichtlich Familienstand, Kon- fessian. Beruf usw. der aufzunehmenden Personen vorgebracht werden; sie werden nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Falls die Zahl der einlaufenden Meldungen nicht genügt, muß der Magi- strai unweigerlich und in aller Kürze von der ihm erteilten Ermäb- tigimg zur zwangSweiien Belegung der Wohnungen Gebrauch machen. Jetzt ist noch Gelegenheit, nnter den aufzunehmenden Familien und Einzelpersonen frei zu wählen, mache seder Gebrauch von ihr zur Linderung der Not, ehe es zu spät ist! Wir appellieren an den Opferwillen unserer Mitbürger und erwarten, daß alles getan wird, um uns in der Aufgabe der Linderung dieser großen Not vieler unserer Volksgenossen rasch und wirksam zu unterstützen. Mahnahme» Berlins zmn Mieterschuh- Auf Grund der Mieterschutzbestimmungen hat der Berliner Nagistrat folgende Anordnung erlassen: .Jeder Abschluß eines Mietvertrages über Wohnräume, Läden und Werlstätten ist dem Magistrat in Berlin— Wohnungsamt, Oranienburger Str. 16— vor» Vermieter binnen einer Wochenach Abschluß de« Vertrages anzuzeigen." In der Anzeige ist der Name des Mieters, die Lage der Wohnung, der zuletzt entrichtete und der neu« Mietzinö anzugeben. Ueberstcigt der vereinbarte MietzinS den Betrag, der für Wohn« räume, Läden oder Werkstätten der gemieteten Art und Ausstattung unter Berücksichtigung der Nebenleistungen de» Vermieters üblich und angemesien ist, so kann sowohl der Magistrat(WohnungS- awi) innerhalb einer Woche nach Eingang der Anzeige als auch der Mieter bis zum Ablauf z w ei er W o ch en nach Ab- schluß des Vertrages bei dem EintgungSamte beantragen, daß ver MietzinS auf die angemesiene Höh« herabgesetzt wird; etwaige Nebenlei st ungen des Mieters gelten als Teil des Miet- zinseS, ebenso eine für den Nochweis der Mi et räume gezahlte Belohnung, soweit fie dem Vermieter unmittelbar oder mittelbar zufließt. AuS einem Mietverträge, der dem Magistrat(Wohnungsamt) nicht angezeigt ist, können von dem Vermieter keine Ansprüche geltend gemach« werden. Der Bertrag wird auch in Ansehung der Ansprüche des Vermieters wirksam, wenn wever der Magistrat(Wohnungsamt) noch der Mieter innerhalb der Frist «ine Herabietzuirg des vereinbarten Mietzinse« beantragt, wenn die Anträg« ans Herabsetzung zurückgezogen werde», oder wenn d«S Ewisiina*»}, übsr die Anträge entscheidet. Wer dorflitzklch dieser«knerdnNng zuwider eine sthnr obliegende Anzeige nicht rechtzeitig erstattet oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark bestraft. /- Für die Freiheit im Antomobilhandel. In den Germaniasälen tagte gestern eine Automobflisten-Ver- sammlung, in der Beschwerde über die aufsichtführenden Militär- behörden, die IleichSverwertungsstelle und alle übrigen amtlichen Stellen, mit denen Antomobiibesitzer und Händler zu tun haben, geführt wurde. Der Bortragende Rühlemann befürwortete einen Schutzverband der Automobilbesitzer und Interessenten zu bilden, Er führt« aus. daß bei den Behörden die Kesselwagen mit Benzol sowie die notwendigen Reifen und Oele verschoben würden. ES würden keine Wagen zum Betrieb freigegeben, während die Reichs- verwertungSftelle die Fahrzeuge in großen Pasten an Händler ver- kaufe. Diese Händler wüßten überhaupt nicht, waS fie mit den Wagen anfangen sollten. Di« Fabriken hätten kein Interesse an einer Regelung, da fie im Kriege ihr Schäflein ins Trockene ge- bracht hätten.(Zuruf: Die Schieber auch!) Die Händler müßten mehr Freiheit haben.(Zuruf: Um noch größeren Profit zu er- zielen!) Sehr stürmisch gestaltete sich die Debatte. So Wade behaup- tet«, die Einbernfcr seien über die Materie völlig nnorientiert. Man müsse annehmen, daß fie«in« bestimmte Jnteressentengruppe darstellen. Die Herren sollten Farbe bekennen, wer fie find und was sie wollen.(Zuruf: Schieber!)— Heil vom Transport. arbeitervcrband erklärt«, daß die Organisationen bereit? sehr viel getan hätten, um im TranSportgewerbe geordneie Zustände herbeizuführen. Im Gegensatz zu den Einderusern stehe er nicht auf dem Standpunkt, daß man die ftei« Wirtschaft im Automobil. droschken- und MietSsuhrwesen brauche, sondern daß dieses soziali- siert werden müsse,— Schulze, der vorfitzende des Vereins Groß-Berliner Kraftdroschkenbefitzer, trat den Ausführungen des Vorredners entgegen. Di« Konzessionen seien oftmals erschlichen, Di« Lage im Autodroschkengewerbe fei zurzeit trostlos. Betriebe mit 20 und mehr Wagen seien nur in der Lage, 1— 2 Wagen laufen zu lassen. Die Brennstoffverschiebung habe ihren Ursprung in den Zechen. Man könne der Mineralölgesellschaft keinen Vorwurf machen, da sie selbst so gut wie gar nichts bekomme. Einen Posten Reifen, den die Berliner Kraftdroichkenbesitzer al» nicht konvenierend abgelehnt haben, hat das Reichsverwertungsamt angekauft und gleichzeitig vor jedem Ankauf von Keifen au» den gleichen Händen. woher sie ihr« Liefern ng bezogen hat, als einer Schiebung gewarnt. — W ag e n e r führte als Mitglied der Verkehrspolizei aus, daß die Automobflhefttzer die in Diensten der Verkehrspolizei stehenden Chauffeure später bohkotriereu wollten.(Zuruf: Sehr richtig!) Wenn Sie daS bekräftigen, so werden wir daraus dre Konsequenz ziehen und«S wird zukünftig Anzeigen hageln.(Großer Lärm.) Di« Militärkraftfahrzeuge bieten sich vielfach als �vilde' Fuhr- werke an. Auffallend fei, daß großindustrielle Firmen anstands- loS die Konzessionen für mehrere Dirckticmswagen erhalten.— Die weitere Debatte verlief außerordentlich stürmisch, Di« An. Hänger der verschiedenen Jnteressentengruppcm ließen ihre Gegner nicht zu Wort kommen. Die Chauffeure schrien die Droschkcnbesitzer nieder und diese wiederum ließen die Händler nicht zu Wort kommen. In dem allgemeinen Durcheinander versuchten noch die Leiter der militärischen Verkehrspolizei und ein Dezernent des Polizeipräsidiums gegen die erhobenen Angriffe zu polemisieren. Schließlich erklärten die Krastdroschkenbesitzer. daß sie den Rummel nicht mit- machen wollten und verließen den Saal. Die zahlreich vertretenen Chauffeure schlössen sich an und nur ein kleines Häuflein von Händ- lern und Privatautomobilbesitzern blieb zurück, um sich in eine von den Einberufern ausgelegte Liste einzuzeichnen, nach der eine Protestaktion gegen sämtliche behördliche Stellen vorgenommen werden soll._ Die A. E. G. teilt im« mit, daß auch die Kohlenversorgunq der A, E, G-Fabriken insbeiondere der großen Werkstätten an der Ober- spree genau so bedrodt ist, wie die übrigen Groß-Berliner Unter- nchmunqen Die Firma war bereits genötigt, mit Betriebs« einschränkungen zu beginnen._ Weitere Geständnisse Schumanns. Nun bat sich der Masienmördrr Schumann auch dazu bequemt, die Ermordunq de« Brautpaares Rildorf-Biedermann einzugestehen. Er schildert den Borgang in nachstehender Weise: Er sei am See- ufcr spazieren gegangen und habe dort ein Zeit erblickt. Neugierig, wer sich darin aufhalte, sei er an da« Zelt herangetreten und habe oaS Zeltdach auseinandergeschlagen. Run sei gleich ein Mann aus- gesprungen, habe ihn gepackt und in daS Zelt hineingezogen. Er habe sich zur Wehr gesetzt, eS sei ein Kamps entsponnen, bei dem er seine Pistole gezogen und auf seinen Gegner geschossen habe. Dieser Schuß müsse auch zugleich d»s Mädchen getroffen und ge- tötet haben, daß er gar nicht gesehen habe Dieser Darstellung steht aber schon das Ergebnis der gestrigen Obduktion gegenüber, bei der zwei Kugeln vorgesunden wurden. Nun meinte Schumann, vielleicht habe er in der Ausregung auch mehrere Schüsse abgegeben. Eine Vergewaltigung des Fräulein Biedermann bestreitet er. Er will sie auch nicht entkleidet haben. Besonders hartnäckig bestreitet er. wie in allen Fällen, seine Raubabsicht. Er gibt an, daß er die Leichen zunächst habe liegen lassen und erst am anderen Morgen wieder Hingegaugen sei und sich die Schmuck- und Wertsachen an- geeignet habe, um fie den Angehörigen wieder zuzustellen. Nun sind aber bereit« zwei Ringe des Mädchens gefunden worden, die er bei einem Piandleiher versetzt hatte. Die Brieftasche mit 200 M. will er gar nicht mehr bei den Leichen gefunden haben. Er habe dann zunächst die Leiche des Mädchens in ein Loch verscharrt und dann die Leiche des Mannes in der Höhle. Ucberfallen und beraubt wurde gestern nachmittags die Frau Martha Z. aus der Schliemannstr. 16. Die Räuber betäubten die Frau und raubte» ihr über 4000 M. bares Geld, mit dem fie un- erkannt entkamen. Der eine Räuber ist etwa 1,70 Meter groß, hat blondes Haar und einen blonden, gestutzten Schnurrbart und trug einen grauen Jackettanzug mit Gürtel und einen weißen, runden Strohhut. Der zweite ist etwa 1,63 Meter groß, hat dunkles, kurz- geschnittenes Haar, einen blonden, gestutzten Schnurrbart und trug einen dunklen Jackettanzug mit Gurt und ebenfalls einen weißen, runden Strohhut. Zwischen Pufferu totgequetscht wurde gestern nachmittag der 18 Jahre alte Rangierer HanS Abfand aus der Behmstiaße 43. Der junge Man» geriet nu� dem Bahnhof in der Warschauer Straße beim Verschieben von Eiienbahnwageu zwischen zwei Puffer, die ihm die Biust so eiudrückren, daß er schon auf dem Wege nach der Hilfswache in der Warichauer Straße verstarb. Kiu, statt Wofiith«us. NnS wird geschrieben: In Weißensee, Antonplatz, Ecke«Säblerstraße, ist ein WohnhauS, welches sieben Familien beherbergte, trotz der großen Wohnungsnot abgerissen worden. An derselben Srelle wird jetzt ein großer Kinopalast er- richtet. Wie ist es möglich, daß zu diesem Projekt die Erlaubnis erteilt worden ist? Und von wo wird das Baumaterial geliefert, da andere Bauten wegen Baustoffmangel nicht iertiggestellt werden können? Eine BedürfniSfrage kann nicht in Betracht kommen, da schon sechs derartige Unternehmen am Platze sind. Es wird notwendig sein, daß sich die in Betracht kommende Behörde sofort zu dieier Sache äußert. Wer hat Wohnungen für sezialdemokratische Abgeordnete? Der Partrivorstand schreibt uns: Sine Anzahl Mitglieder der National- Versammlung wünschen für die Dauer der Tagung der Naktonal- Versammlung in Berlin geeignete möblierte Zimmer in der Nähe des Reichstages oder mir guter Fabrverbindung zu demselben. Offerten sind schiifttich an das Bureau des Parteivorstande». Berlin SW 68, Lindenstr. 8. mit der Lujichrift. W ohuungtangebot' zu sende». Fstr»4« hmtgrrnde, Klub« i» Erzgebirge ginge« bei uns ei»: Sengpiel, Sprortau M. 60, Aga Bernhard Berlin M. 1,50. Neukölln. Aenderung der Gemeindeeinkommensteuer. Durch die beträchtlichen, in letzter Zeit erforderlich gewordenen Mehrausgaben haben sich die städtischen Körperschaften gezwungen gesehen, den Zuschlag zur Einkommensteuer vom 1. April ab rückwirkend von 260 Proz. auf 800 Proz. zu erhöhen. Gleichzeitig haben die Stadt- verordneten beschlosien, die Steuerpflichrigen mit einem Ein- kommen bis 1200 M.(Steuersätze 6 und 9 M.) von der Gemeindeeinkommensteuer ganz zu befreien, so daß diese Steuerpflichtigen für 1919 nur noch die veranlagte Staats- einlommensteuer zu zahlen haben, und Steuerpflichtige mit einem Einkommen zwischen 1200 und 1500 M.(Steuersätze 12 und 16 M.) nur mit der Hälfte der tarifmäßigen Sätze zur Gemeindesteuer heranzuziehen. Zur Deckung bei Ausfalls, der durch die Er- mäßigung bezw. Freilassung der unteren Steuersätze entsteht, haben die städtischen Körperschaiten«ine entsprechenoe Erhöhung der Steuersätze bei Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von mehr als 6500 M. beschlossen. Diese Pflichtigen sollen iür 1919 nach einem Tarife herangezogen werden, dessen Steuersätze um ein Drittel der für natürliche Personen vorgesehenen Zui'chlogsprozenie höher sind als die Steuersätze des§ 17 des Einkommensteuergesetzes. Die erforderliche Berichtigung der Gemeindeein- kommen st euerbeträge auf den zugestellten Sleuerkarten erfolgt bei der nächsten Steuerzahlung durch die Steuerzahlstellen. Niederschönhimseu Au« der Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung ging Genosie Müller aus die geheimnisvolle Seifenfabrik des Schlächtermeisters Grimm in der Karower Straße ein. Es sind dort beschlagnahmt worden: 47 Ballon Phosphatlauge,'/z Faß Seifenstein, 4 Fäsier mit dickflüssigem fettigen Inhalt, 26 Kilo Slückenseise, V« Ballon Mandelöl, 52 Kilo Erbsen, 48/4 Kilo geräucherter Speck und zwei große Kochtessel. Es tonnte festgestellt werden, daß dort eine Seifenfabrik in größerem Umfange beirieben wurde. Redner wies dann noch auf den Beschluß des LebensmiltelauSschusscs hin, wonach Grimm nur eine Verwarnung erhatten hat, daS sei eine geradezu unverständliche Milde, obendrein sei diese Verwarnung aber auch bis beute noch nicht veröffentlicht worden. Nach einer lebhasten Aussprache wurde beschlossen, die Angelegenheu auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen. Genosie R o p l i u erörterte die Kohlenverteilung, die ebenfalls in der nächsten Sitzung erledigt werden soll. Dem Erlaß eines Orts» statul» detreffend Einführung eines kollegialen Gemeindevorstands wurde zugestimmt. Einem Antrage des Bertreler« Hiege, bei den zuständigen Stellen ein gleichmäßiges steuerliches Vorgehen bezüg- lich der Teuerungszulagen aller beteiligten Bevölkerungskreise an- zuregen, wurde zugestimmt. Hennigsdorf. Mitallederverfammlung. Nachdem sich die An- Hänger der S.P.D. in den Hennigk dorfer A.E.G.-Betrieben einen Vertraueusmännerkörper gebildet haben, der bereits durch Ver- sammlungen und Fluqblattverbreitungen sin« gute Aufklärung?« arbeit geleistet hat, fand am Mittwoch bei Kienzler eine Mitglieder- Versammlung statt. Die Versammlung war aus den Kreisen der Handarbeiter gut besucht. Da die Arbeitszeit der Hand- und Kopf- arbeiter nicht die gleiche ist. konnten die Kopfarbeiter der Zusam- menkunst leider nur in sehr beschränktem Maße beiwohnen. Es wurden allgemeine politische Tagesftagen und Organisation? fragen besprochen. Ein HennigSdorser Genosse behandelte die heutigen Weltgeschehen in einem einstündigen Bortrage, der, nach dem Bei- fall zu urteilen, die Ansicht der Mitglieder treffend zum Ausdruck brachte und eine anregende und bildende Diskussion hervorrief. In dieses Rededuell wurde erfolgreich von einem alten Genossen ein- gegriffen, der seit Anfang dieses Jahres zur U.S.P.D. übergetreten war und heut« wieder zu uns kam, weil er das Treiben unserer linken Brüder nicht mehr mit seiner alten sozialdemokratischen Erziehung und Ueberzeugung m Einklang bringen konnte. Eine Re- solution sand einstimmige Annahme, die mit allbr Deutlichkeit un- seren alten sozialdemokratischen Standpunkt vertritt,«tellung zuü heutigen Wirtschaftslage n-immt und die brennendsten Wünsche unserer Parteimitglieder cm die Führer im der Regierung zum Aus- druck bringt. Mit der Versicherung, überall mit der ganzen Per» son für die Propagierung unserer alten Ideale, für die Gleichberechtigung aller Volksgenossen, gegen alle Herrscheruntcrdrückcrlüste von rechts und von links einzutreten, schloß die anregende Versammlung. Groß-Berliner Lebensmittel. Berit». Fleischfarten könne» vom 1. bi« Z. September bei den Brot. kommisfionen gegen Bezugscheine aus Granpen oder Teigwaren»mgeiauscht werden ,4ür jede Vollslcischkarte zwei Bezugscheine auf wöchentlich je 200 Gramm, für jede Kmderfleischkarte je 125(Jü antra lieget. Vom 1. bis 7. September kommen folgende Lebensmittel zur Ausgabe: 250 Gramm Teigwaren und 500 Gramm amerikanisches Mehl. StcgltN. Vollmilchlailen für Oktober. Magcnnilchlarlen für Oktober bis Dezember und die Nährmilletkarlen für Kmdcr im ersten und zweite» LebenSjabr heute Buchilab« A—F, Montag G— K, Dienstag L— R, Mittwoch S— Z*1,9—12 und 8—5 gegen Ausweis. NowaweS. 500 Gramm Marmeiade(62), 250 Gramm Reis(78), 3 Pakete Milchsüssspeisen(82), 250 Gramm ausländ. Weizenmehl(T 15). 250 Gramm Maismehl(26), 250 Gramm Pflaumenmus(27), 250 Gramm Hülsenfrüchte(2 C). Bis 2. September Abschnitte abgeben. Verspätete Anmeldungen werden unter keinen Umständen berücksichtigt. Ausgabe bis 7 September. Haser in jeder gewünschten Menge. Bezugscheine auj Aus- landsweizeukleie im Rathaus, Zimmer 6. Kartoffeln in jeder Menge ver- abjolgt auj Wochenabschnitle. Hroß-Serliner parteinachrichten. Jungsoztalistiiche Vereinigung>>. I. Rur bis zur Dauer von>4 Tagen. 2. Ja, falls Sic soiort abreiicn. 3. Nein, Sie mutzte» aber entlassen werden.— R- 10«..ta, rncnii es pch um einlachen Diebstahl handelt und wegen Diebstahl nicht ichon eine Vorbeitrajung er- folgt ist— L. 87. 1. und 2. Da» ist für die Beiltteüung der Ver- sichcrungSpssicht bedeutungslos. 3. Sie unterliegen nicht mehr der Vre- ficherungS Pflicht, können sich aber jreiimllig weiiervc:'ichern, stidem fle jähr- lich mindesten« 3 BeitragSmonate leisten. 4. Nur dann, wenn Tie kriegSbeschävigt stnd.____ WetteranSstchten für das mittlere Rorddenttchland»«» Sonntag mittag. Zeitweise ausklarend, jedoch überwiegend bewölkt mit weit verbreiteten RegenMe» und«ewutanj, lMjanaS noch warm, später etwa, Adtühilmg. Orrtand itr Bnotrfl- und maijUnarMittr u.vtrw BfrutagcnoIIen. gahlstell««rrlw. Den MttoU-deru diene zur Nachricht, da» unser Kollege, der Flaschen- arbetter»Z/S Hermann Ralgrotzki verstorben ist. Ehr« ietneru«n deuten! Di,»eerdigung erfolgt heut», nachmltwg» 4 Uhr, aus dem Segenokirchhos in Weihense«, Dustav-Adols- Straße 87—74. Reg» BeteUigung erwartet Dt« Vrtooerwaltung. Spezlalarzt Dr. Haedieke Friedrichsti. 187/88 (an der MohrenstraBe). Sprechzelt: 11—1,3—7. 72L* _ Sonntags; 11—1' S AuSlunft umsonst bei ewerkörigkeil vhrrer� nerv, Vhrzchwerz Uber uns. tauscnds nat bewhrt.patentantt!,««!?�� ocsch Hörtrommcir� i Bequ. u. unüdjtbail l/StVJ zu tragen. Dillnz. Anerlenn. Sröse SinisVersand München. R27b Deutlcber Pollerbund Keztrtaoer«tn»rob-B«rlin Unser» Mitgliedern die traurig« Rdchrtchh daß unser Kollege Rieh. Kleemaim gementdau voller o erstorben ist. Ihr»'einen: TedeeteA I Di» SWSscherung stndet Tloniag, den I. September, nachmittag» I Uhr, im Krematocuim Gerichtstraße slatL Um bittet reg» vetrlligung Der vorstund. Kübnerauasn Zvßlehlcvverhörwng ! d>ornhautbtldung entsirnt mit � absoluter Sicherheit Reichel» i„Bosco". Ewzige, Radikal. mittel Hit eingewurzelt» und I schmerzhaste Leiden. 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Friedrich Naumann der Rechnungsrat Gustav Fuhrmann in Berlin, Cadiner Str. 20, al« Ersatzmann in dt» Stadtvrrorlmetenvrrsaimnlung in verlin eingetreten. Berlin, den 25. August 1010. Der Kommifiar des Magistrats. Loehnlng, Stadtrat. (Tgb. Rr. 1005 Wahl. 19.) iBKBnaaBHililHHHnBRHB Slü Berlin. Gegr. 1905 ®«(ch5h»fttflr©etlinS W68, Oranienstr. 83/84, Sedstn. v. 10-8, Sonnadd. 0.10-0 Uhr. Am 08. August»erstarb unser Mitglied vtto K5»liner Str. Ehr» seinen: Andeuten I vi» Einäscherung erfolg: am Montag, L September, nachm. 4 Uhr. hn Krematorium Serichtftraße 87. Sc« Vorstand. Moselweinflaschen Rheinwein- sla scheu gebraucht»,»/, Lttee Znhait. sausen jede, Quantum ad ieder Station zu hohen Preisen. Nuehomsrotn Chartotten- /,I2— 2 mittags,>/,d dis ■/jlO Uhr abends. Sonntags V,ll— I Uhr(Im»erschlossenen Brief 1.25 Mk.'i. Spezialarzt Dr, Hascht Sprediftunden 10— L 5— 8. 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