zlr.447.S«.z«5rg. vez»gSpretS s WerttlMri.%-«i. BUmatt. H- Cd frei tns Hau» oorou««alzUia» Poft- bezug! Monatlich Kr- Ml.«xkl. gu- itellungozedübr. Unter jkiNtdmtd für Deutschland und Oesterreich- Ungarn KLö Ml, für da, lldrtg,«usiaud >0 W Md. bei tdgitch ennnal. guftellun, ILb Mt. Pokdeftellunaeu nehmen an Dänemarl. Holland. Luremdur� Schwede» n. die Schwei» stinzetraae» tu die Post-g«>tur.g»Pr«>»ltst». Der.«orwär»,» mit»er Sonntag»- deilag»»Voll u. g-ir» erscheint> täglich zweimal. Sonntag» Delegramm�ldreff» t »Sozialdeniolrat verNn». Morgen Ausgabe. Verlinev Volksblatt. ( 15 Pfennig) Ewzeigenpret» t St» achtgefpalten» Nonparctlleietle loste» läd Mi..«letne Anzeigen». da» tettgedruckte Wort S0 Pfg. ttuläfstg i lettgedruckte Woete>.>ede» weiter» Wort ist Lsg. Stellengeluch« und Echiafstellenanzelgen da. erste Wort Ui Psg. jede« weitere Wort W Pfg, Bort» über U> Buchstaben zählen für ,w«t Worte. Teuerungozuschlag S0°/» Familien- Anzeigen, politische und gewerlschaftliche Verein»- Anzeigen IX Md die Feile. Anzeigen für die nächste Nummer müsten bi« S Aha nachmittag« lm Hauptgeschäft. Berlin SB S». Linden strast» Z. abgegeben «erden Seäffnet von« Uhr früh bi» b Uhr abend«. Zcntralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblatids. Keüaktion und Expedition: SV. 68, Lindenftr. 3. Fernsprecher! Amt Mortvvlatz. Nr.»SISV— tätS?. Dienstag, de« A.September IVIN. Vonvärts-Verlag G.m.d. h., SV. 68, Lindenstr.3. Fernsprecher: Amt Moriiiplal», Nr. 117 82— 5t. ,»»». mg»tiWWM i ii ii ii gm Die WT? meN>et: Tie seit Wochen in Versailles geführten B e r h a n d l u n g e u über die nach den FrtcdenSbrdingungen an die Entente zu Liefernden Kohlen sind jetzt zu einem gewissen Abschluß gekommen. Bekanntlich ist Deeitschland nach dem Wortlaut der FricdenSbedjngungcn zu Kohlenlicfcrungeu bis zu etwa 43 Millio- neu Tonnen im ersten Jahre verpflichtet. Bon Anbeginn der Ber- Handlungen ist deutscherseits betont worden, daß bei der äugen- Hlicklichen WirlfchaftS- und Arbeitstage in Deutschland, die im Winter zu einer schweren Kohlenkrise führen müsse, eine Lieferung in diesem Umfange zu den verhängnisvollsten Folgen führen würde, ja daß nach dem jetzigen Stand der Förderung Teutschland über- ;aupt nicht in der Lage sei, Kohlen in irgendwie nennenswerten Mengen auszuführen. Tie Gegenseite hat sodann unter der Bor. auSsctzung, daß mit de» KohlcnlicferAngen sofort und nicht erst, wie im Friedensvertrag vorgeschrieben ist, 30 Tage nach dessen In- krafttreten begonnen werde» ihr» Forderungen zunächst auf 20 Millionen Tonnen jährlich ermäßigt. Die deutschen Unterhändler haben dem gegenüber immer wieder betont, daß, selbst wenn mit den Kohlenlieferungen gleich begonnen würde, durchaus keine Sicherheit dafür bestehe, baß in den kritischen Zeiten dcS kommenden Winters die verlangten Lieferungen auf. rechtzuerhalte» seien. Es müsse daher unter allen Umstände« Deutschland ein Miuimvm belasse» werde», und nur bei einer eventuellen Mehrforderung könne ein« Liefe» ruug an die Entente in Betracht kommen. Diesen Standpunkt bei der Entente zur Geltung zu bringen, ist bei deu Verhandlungen leider nicht gelnagen. ES wurde abgelehnt, eine Verein- baruug zu treffen, die den nötigen Eigenverbra«ch Deutsch. landS sicherstellen würde. Die Entente hat vielmehr ihr« Forde» rnnge» endgültig, wie folgt, formuliert: Teutschland hat in den nächsten sechs Monaten, beginnend vom Zeitpunkte der Pflichtlicserung, an die Entente insge- samt Kohlcnliefcrungcn zu lcisteu, die einer Jahrcslieferung von 20 Millionen Tonnen entsprechen. Steigt die Gesamtförderung Deutschlands über deu gegenwärtigen Stand von etwa 108 Millionen Tonnen jährlich, so sind von der Mehrfördcrung bis zu 128 Millionen Tonnen 60 Prozent, darüber hinaus 50 Prozent zu liefern, bis das Höchstmaß der in den Fricdensbedinguugen vorgesehenen Pflichtlieserung , erreicht ist. Fällt die Gesamtförderung u n t e r 108 M i l- l i o n e n Tonnen, so wird die Entente die jeweilige Sachlage nach Anhören Teutschlands prüfen und ihr Rechnung tragen. Diese Grundlage soll jedoch nur dann Geltung haben, wenn Teutschland mit den Kohlenlieferuuge« sofort besinnt. Trotz der außerordentlich schwere» Bedenken, dir deutscherseits Veutsth-Tsthechos lowakischer Parteitag. Die Konstituierung der Partei. UcHer den weiteren Verlauf des Parteitages der deut- jchen Sozialdemokratie meldet unser Berichterstatter: Seliger fuhr fort: Die dautsche» Sozialdemokraten werden in diesem Staate, wi« im alte« Oesterreich, geschlossen und einig sür die Selb st Verwaltung und Selbftregirrung der Völker unter dem SozialiSmnS kämpfe». Friedrich Adler- Wien spricht im gleichen Sinne und betonte, daß ber dentschöfter- reichische Staat die Schuld des alten Oesterreich übernehmen soll, der tschechoslowakische Staat aber Erbe dieser StaatSgesinuung sei. Zum Vorsitzenden wurde Dr. C z e ch. Brünn gewählt. Der Parteitag beschloß nach Anhörung des Referat» Dr. Czech- Brünn, der das unzerreißbare Bündnis mit der deutschösterreichischen Partei betonte, einstimmig und dcbattenloS die Konstituierung der deutsche» sozialdemokratischen Arbeiterpartei im tschecho- slowakischen Staat«. 3�« Resolution verkündet die unauslöschlich« Gemeinschaft mit den Arbeiterkreise« des deutschen Volkes und der vanzen Welt. Ueber daS Parteiprogramm referierte S r e i b i ch- Reichcnbcrg. Er begründete eine längere Entschließung, welche am Marxismus und den darin wiederholten alten Parteiprogramm festhaltend die demokratische Republik als den geeigneten Kampfboden de« Proletariats erklärt, ohne jedoch auch andere Kampfmittel auszuschalten. Dir Referent spricht entschieden gegen einen Antrag«us Bodenbach, der die Partei allein auf den Bolschewismus festlegen will. Der Partc'vorstand müsse ein ncn«S. bessere» Programm ansarbkite«, daS die Einigkeit der Partei nnd damit ihre Unbesiegbarkrit verwirklicht. Tie darauf folgende Debatte beschäftigt« sich überwiegend mit der Frage der p r» l e- t a r i s ch e n D i k t a t» r, dir fast anLaahmSlos als in der Tschechoslowakei als nicht i„ Betracht kommend bezeichnet, wen« auch nicht grundfätzUch abgelehnt wurde. Zugestimmt wurde an anch gegen diese Forderung der Entente mit Rücksicht ans«nser« Wirtschaftslage bestehen, hat sich die deutsche Regier nng entschlossen, schon jetzt mit den Lieferungen z« be- ginnen. Sie hat sich hierzu im Bertramen darauf verstanden, daß die Entente nicht auf den Lieferungen in der verlangten Höhe bestehen wird, wenn nachweislich die Wirtschaftslage Deutschlands dadurch erschüttert werde« würde. Im gegenwärtige» Auge«. blick war eine andere Lösung der schwierigen Frage nicht zu er» zielen. Deutscherseits darf deshalb an die Einsicht aller Beteiligten, insbesondere a«ch der Arbeiter in den Bergwerken und bei den Eisenbahnen appelliert werden, daß fir alle? tun, was in ihre» Kräften steht, damit durch eine Erhöhung der Fördrrungsztsfrr und durch sine raschere Produktion von Beförderungsmitteln uns die Möglichkeit gegeben wird, der Entente d«n Beweis zu liefern, daß da» deutsche Boll den ernsten Willen hat, den Friedensvertrag lopal durchzuführen. Auf der anderen Seite darf aber Deutschland erwarte«, daß die Entente die Bedeutung unseres Ent. gegenkommens in der Kohlenlieferung nach Gebühr würdigt und im Lauf der ferneren Verhandlungen in Versailles den berechtigten finanziellen und wirtschaftlichen Wünschen Deutschlands Rechnung tragen wird. « Wenn die Zilgeständnisse der Entente auch zweifellos ber bedrängten Wirtschaftslage und der verminderten Kohlen- förderung Deutschlands keineswegs in vollem Umfange ge» recht werden, so verdient ihr Entgegenkommen doch alle An» erkennung. Unter Hinweis auf die internationale Kohlen» katastrophe ist an dieser Stelle bereits betont worden, daß die Deutschland auferlegten Kohlenlieferungen für Frankreich nicht ein Gebot der Willkür, sondern ein Gebot der Not ge- Wesen sind, in die Frankreich durch die Zerstörungen seiner eigenen Kohlenreviere hineingekommen ist. Es hat darum keinen Zweck, zu lamentieren, daß die Last noch immer groß genug ist. Das Entgegenkommen der Entente bestärkt in uns die Zuversicht, daß sie ihrerseits loyal an der Beseitigung der internationalen Kohlenkrisis mitwirken wird. Das macht uns doppelt zur Pflicht, die Lieferungen im Rahmen des Möglichen auszuführen. Erst wenn wir tatsäch- lich die Unmöglichkeit bewiesen haben, den Anforderungen der Entente Genüge zu tun, werden wir erneut an ihr Rechts- gefühl appellieren und erwirken können, daß sie Deutschland eine Mindestmenge von Kohle zum Selbstverbrauch überläßt. Darum können wir den Appell an die Arbeiterschaft, ihrerseits zur Förderung der Kohlenproduttion nach Kräften beizutragen, nur unterstreichen. jev,ch allseitig jenem Absatz de« vvdenbacher Antrages, der schärf» sten Protest gegen die Säbelherrschaft und die Ber» sklavung beider Völker Böhmen» erhob. Der Eintritt üer Schweizer in die öritte Internationale. Vor der Urabstimmung. Die Parteileitung der schweizerische« sozialdemokratischen Partei hat die Urabstimmung über den Beitritt zur dritten(Moskauer) Internationale auf die Zeit vom 1. bis 14. September angesetzt. Das Abstimmungsergebnis läßt sich schwer voraussagen, da das Abstimmungsergebnis am Parteitag in Basel nicht als unttüglicher Gradmesser fü, d« Sttmmuttg ig» Lande betrachtet werden kann. Die sozialdemokratische Press« macht dem schweizerischen Bun» dcsrat die heftigsten Vorwürfe, daß sich derselbe noch nicht nach dem Schicksal deS in RuinLnien verhafteten schweizerischen NationalratcS Fritz Platten erkundigt Hab«. Nach einer Mit- teilung de» französischen Sozialistenorgans.Le Populaire' soll Nationalrat Platten auf Geheiß der rumänischen Regierung i m Gefängnis ermordet worden sein. In Bern hat man darüber noch kein« bestimmten Nachrichten. Angriffe polnischer öanöen. DaS Generalkommando des VI. Armeekorps meldet: In der Nacht vom 31. August zum.1 September grifsen polnische Banden unsere Postierungen bei Gohschalkowitz an. Sie wurden unter Mitwirkung eines Panzerzuges abgewiesen. Feldtvache Gotzschallowitz wurde nach Feuervorbereitung durch Mnenwerfer, die auf polnischem Gebiet aufgestellt Ware«, von Banden an- gegriffen. Im Bahnhof Gotzschalkowitz eingedrungen: Feinde wurden durch Gegenstoß zurückgeworfen. Versuche von Aufrührern, die Bahnbrücke nördlich Tarnowitz, sowie Fernsprech- und Licht» drähte in Anwntenhülte zu zerstöre«, wurden vereitelt. Winnigs öekenntnis. Die ganze Politik der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands während des Krieges, und man kann wobl auch hinzufügen seit der Revolution, ist eigentlich nur ein langer, tragischer Konflikt zwischen ihrem parteipolilisckien Interesse und dem Interesse des Volkes und des Staates, ein Konflikt, in dem letzteres stets für unser Denken und noch mehr für unser Handeln ausschlaggebend war. Nur unter diesem Gesichtspunkt ist die Frage unseres Verhältnisses zur Revolution zu betrachten, die in jüngster Zeit wieder aufgerollt wurde, zuletzt aus Anlaß eines Schreibens unseres Ge- nassen August W i n n i g, des neuen Oberpräsidenten von Ostpreußen, an die„Königsberger Volkszeitung". In dieism Brief setzt Winnig mit der ihm eigenen rückhaltlosen Ofscn- heit seinen Standpunkt zur deutschen Revolution auseinander. Er, und mit ihm die ganze Partei, habe sie nicht nur nicht gewollt, sondern sogar vier Jahre lang in Wort und Schrift bekämpft,„weil wir wußten, daß die Revolution unseren militärischen und politischen Zusammenbruch bedeuten und uns der Rachsucht und Raubgier der haßerfüllten Feinde aus- liefern würde". 'Daran ist an sich zweifellos etwas Richtiges, und doch hat diese Offenheit den Nachteil, in einer etwas zu sim- p l i st i s ch e n Weise ein kompliziertes psychologisches und ge- schichtliches Problem zu formulieren. Auf diese negative Art: „Wir haben die Revolution nicht gewollt!" darf man die Frage nicht beantworten, und es ist kein Spiel mit den Worten, sondern es entspricht viel eher den Tatsachen, wenn man sagt:„Wir haben die Revolution gewollt, jedoch erst in zweiter Linie." �fn erster Linie aber wollten wir den militärischen und politischen Zusammenbruch Deutsch» lands und dessen Auslieferung an die Rachsucht und Raub- gier der haßerfüllten Feinde vermeiden. Mit dem 1. Auyust 1914 wurde das revolutionäre Ziel durch die Partei im Jnter- esse der Verteidigung von Land und Volk an zweiter Stelle zurückgesetzt, niemals aber aus dem Auge per- l o r e n. Und Winnig sagt übrigens selbst,„die ganze und zornige Abrechnung wäre nach beendetem Friedensschluß dock gekommen", und daß diese Abrechnung als Revolution gedacht war, geht auch aus den Worten Scheidemanns in einer seiner Reichstagsveden, und zwar zu einer Zeit günstigster militärischer Lage, hervor:„Die Abrechnung bleibt Ihnen nicht geschenkt: aber dann auch gründlich!" Es ist zu erwarten, daß die Rechtsparteien mit ihrer ur- eigenen Kunst, die klarsten Tatsachen auf den Kopf zu stellen. die Erklärungen Winnigs zu neuen unverfrorenen Angriffen gegen die Sozialdemokratie und die Revolution benutzen werden. Aber wie auch— von der Schuld am Kriegsaus- bruch hier gar nicht zu sprechen— die Schuld an der Nieder- läge überhaupt auf sie zurückfällt, so ist die Unvermeidbarken der Revolution das Ergebnis des starrsinnigen, verbrechen- fchen Egoismus Wilhelms' II. Das hat, nebenbei bemerkt, unser holländischer Genosse T r o e l st r a in sehr treffenden Worten in Luzern etwa folgendermaßen ausgesprochen:„Die deutsche Revolution ist nicht gem'acht worden, weder von bestimmten Führern noch von bestimmten Parteien. Oder vielmehr: Kaiser Wilhelm II. hat sie gemacht." Auf der anderen Seite aber hat sich die„Freiheit" bereits auf die Worte Winnigs gestürzt, um ihr altes Schlagwort zu wiederholen, wir seien nur die„Nutznießer der Revolution". Wenn dieser Vorwurf überhaupt einen Sinn hat, so richtet er sich allein gegen das deutsche Volk. Denn, obgleich die Kriegspolitik der Sozialdemokratie allen bekannt war und mit allen Kräften, nicht am wenigsten nach der Revolution von den Unabhängigen angegriffen wurde, haben letztere bei den Wahlen zur Nationalversammlung nur etwa einen siebzehnten Teil der Stimmzettel des deutschen Volks auf ihre Listen zusanunenzubringen vermocht. Dennoch hatten sie bis kurz vor den Wahlen, bis zu ihrem Austritt aus der Regierung, ganze 50 Proz. der Staatsgewalt aus- üben dürfen. Danach wären sie die letzten, die berechtigt mären, von„Nutznießern der Revolution" zu sprechen. Bei der Bildung des ersten Neich�minlsteriums in Weimar war ihnen trotz allem Vorangegangenen eine Beteiligung an der Regierung angeboten worden, die sie jedoch ablehnten. Des- gleichen wiesen sie nach der Bekanntgabe der Friedensbedin- gungen das vielfach laut gewordene Ansinnen, die Regierung selbst zu übernehmen, kategorisch zurück. Damit fällt wohl das Schlagwort„Nutznießer der Revolution" in sich zu- jammen. Dieses Schlagwort drückt übrigens nur die vom allzu menschlichen Standpunkt aus erklärliche Verärgerung der un- abhängigen Führer auch die auS der Tatsache entstanden ist, daß sie, obtvM sie die Revolution, wenn nickt„gemacht", so doch gewollt hatten(und zwar in erster Linie gewollt, unter Zurückstellung der Landesverteidigung an zweite Stelle), die Volksmassen nicht zu sich kommen sahen, wie sie es gehofft hatten. Wir wollen übrigens annehmen, daß der bei ihnen ausschlaggebende Revolutionswille auf ihrem unbedingten Vertrauen in das Wort Wilsons, in die Versprechungen der „westlichen Demokratien" und in die machtvolle Unterstiitzung durch die Ententesozialisten beruhte. Nun, es ist richtig: dieses dreifache unbedingte Vertrauen hatten wir nie gehabt — und Versailles hat uns leider nur zu recht gegeben: und deshalb versuchten wir die Revolution vor dem Frie» den zu vermeiden. Und da möchten wir diejenigen Führer der U. S. P. fragen, denen das Los Deutschlands anscheinend nicht gleichgültig war— und wir denken dabei z. B. nicht nur an H aase und Dr. Oskar Cohn, sondern sogar an Ledebour, der doch oft Beweise deutschen Empfindens an den Tag legte—:„Wenn Ihr gewußt hättet, daß die Entente ihre Versprechungen brechen, als sie uns vollständig wehrlos am Baven sehen würde, wenn Ihr die Hoffimng gehabt hättet, daß das Vorhandensein eines bei den Friedensverhandlungen intakten deutschen Heeres uns Danzig und das Saarbecken erhalten hätte, hättet Ihr auch dann die Revolution getrollt? Oder hättet Ihr nicht vielmehr, w i e w i r, die große gründliche Abrechnung, die Revolution, bis nach jenem Tage zurückstellen wollen, der die Erhaltung deutscher Ge- bietsteile dem Deutschen Reiche, deutscher Kraft- und Lebens- quellen der deutschen ZUbeiterklassc gesichert hätte?" Victor Schiff. Oberst Reinhard maßregelt! Ein freches Schreiben. Auf den offenen Anklagebrief, den der„Vorwärts" am TO. August 1919 veröffentlichte, antwortet Oberst Reinhard mit dem folgenden an uns gerichteten Schreiben: Berlin, den 3t. August 1919. An die Redaktion des„Vorwärts", Berlin. Auf Ihren Artikel von, 30. August.Eine Anklage" er- widere ich: Mein Bjunsch für? Vaterland im Augenblick ist vor allem Ordnung. Weil ihr sich Reuendorff nicht fügte, ist er entlassen worden. Daß bei den augenblicklichen Zuständen einem Feld- und Frontsoldaten gelegentlick ein recht derbes Wort über die Lippen fährt, wird wohl niemand wundern. Auf die Wiederkehr einer Monarchie im Augenblick ist wohl nicht zu denken; sie verbietet schon die Entente; daS weiß auch Ihre Redaktion. Ich vermag daher in Ihrem Artikel nur den Versuch zu erkennen, sich für kommende Unruben bei den radikalen Parteien noch schnell in günstiges Licht zu setzen; auch dies bezweckt wohl die Gründung des Republikanischen Führerbundes in Ihren Räumen. Sie können nickt verlangen, daß man zusieht, wie Sie und Ihre Anhänger sich allmählich der Zerwühlung der Truppe widmen. Diese �eitz genau, daß sie für die kommen- den Zeiten treu zusammenhalten muß, wenn sie bestehen will. Nicht um Republik oder Monarchie wird es sich demnächst im Lande handeln, sondern um Arbeit und Ordnung. � Ich' ffr-m die Redaktion nur bitten, sich hierbei zu beteiligen. So' wird sie Deutschland am meisten nilhen, und auch nur dann tzitrieder Männer finden, die:br helfen, wie am 11. Januar.' : Reinhard, Oberst und Jnf.-Führer der Reichsw.-Brigade Berlin. Der anmaßende und unverschämte Ton des Schreibens .nacht eigentlich jeden Kommentar überflüssig. Mit der be- zeichnenden Ausdrncksweise, daß er„im Augenblick" nickt an, eine Wiederherstellung der Monarchie denke, und auch dies nur aus dein Grunde, weil es die Entente verbietet, enthüllt Oberst Reinhard seine Gesinnung auf das deutlichste. Seine gegen uns gerichteten Vorwürfe treffen uns nicht. Schon in dem Anklagebrief des Offizierstellvertreters Neuen- dorff war gekennzeichnet, in welch tendenziöser Weise Oberst Reinhard die Bekämpfung der von ihm und seinen Kumpanen ausgehenden reaktionären Machenschaften als„Wühlereien" usw. zu verdächtigen sucht. Die Methode ist alt und nicht un- bekannt. Gerade der„Republikanische Führerbund", der Herrn Oberst Reinhard begreiflicherweise besonders ein Dorn im Auge ist, betont in seinem Programm die Aufrecht- erhaltung der Disziplin und Ordnung inner- halb der Armee. Er ist übrigens nicht, wie Herr Reinhard sich aus den Fingern saugt, in den Räumen des„Vorwärts" gegründet worden. Wenn Herr Reinhard aber mit dieser Be- merkung vielleicht die Mitwirkung eines„Vorlvärts"-Re- dakteurs an der Gründung dieser Organisation treffen will und in diesem Zusammenhang höhnisch auf die Rückeroberung des„Vorwärts" am 11. Januar anspielt, so dürfte ihm ja wohl nicht unbekannt sein, daß in den kritischen Januartagen— und zwar bevor Oberst Reinhard aus dem Plan erschien— der Regierung aus der ,.Vorwärts"-Redaktion selber eine tatkräftige Hilfe zuteil geworden ist, ohne die die Rückeroberung des„Vorwärts"-Gebäudes am 11. Januar vielleicht nicht mehr möglich gewesen wäre. � Aber wichtiger als diese Auseinandersetzung ist uns die zynische Feststellung des Obersten Reinhard, daß er den Offizierstellvertreter Neuendorff gemaßregelt hat. Da- mit ist die von diesem erhobene Anklage nur allzu deutlich bestätigt. Das Recht eines„recht derben Wortes" erkennt Oberst Reinhard offenbar nur sich selber und allen re- aktionär Denkenden zu; wenn ein republikanisch gesinnter Feld- und Frontsoldat von demselben Rechte Gebraucht macht, so setzt ihn Oberst Reinhard auf die Straße. Dieses Berliner Gegenstück zum Münchener Herrgott bat schon lange genug sein Unwesen getrieben. Für diesen Mann ist in der republikanischen Wehrmacht kein Platz. Die siegesbewußte Anmaßung, mit der er schreibt, zeigt zur Genüge, wie notwendig die Gründung einer reprcklikanischen Abwehrorganisation gegen derartige m o n- a r ch i st i s ch e Wühler und U m st ü r z l e r gewesen ist. Wir verlangen vom Reichswehrminister, daß er diesem Treiben ein Ende macht, und zwar auf dem Wege, den ihm Oberst Reinhard selber gewiesen hat. m Zum Fall des Obersten Reinhard erhalten wir übrigens noch verschiedene Zuschriften, welche die Denkart dieses Mannes ins grellste Ljcht setzen. Eine Zuschrift stellt eine Aeußerung fest, die Oberst Reinhard am 10. Juni 1917 in einer Ansprache anläßlich eines Sportfestes des 2. Garde- regiments bei Cornay in den Argonnen vor versammelter Mannschaft getan hat. Sie lautet: Wenn es nach ihm ginge, dann würden die Sozialdemokraten, die augenblick- lich in Stockholm den Frieden machen wollten, an dem ersten besten Apfelbaum(er zeigte dabei auf ein paar nahe Bäume) aufgeknüpft werden. Ein Angehöriger der Reinhardschen Brigade übersendet uns eine offene Anfrage an den Reichswehrminister, in der er fragt, ob es diesem bekannt ist, daß durch die s y st e- matische Abschiebung der sozial demokrati- scheu und demokratischen Wehrleute und die irreführende sogenannte„Aufklärung" seitens reaktionärer Offiziere die Truppe mit der Zeit der Regierung voll- ständig entfremdet wird? Uns sind diese Machen- schaften jedenfalls nicht unbekannt, sie beleuchten die Art und Weife, wie Oberst Reinhard sein Ziel der„Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung" in Wirklichkeit auffaßt. Gefährdung der Grotgetreideverforgung. Eine 3folge des freien Handels. Der Ausdrusch des Brotgetreides ist dieses Jahr in ganz besonderem Rückstände. Der Grund ist einmal hier- für die Verspätung der Ernte um drei Wochen, ferner in erster Linie die neue- Preisgestaltung des Hafers. Bekanntlich ist der Hafer zu einem erheblichen Teile von der Zwangv- Wirtschaft befreit worden. Infolgedessen schnellten die Haferpreise außerordentlich empor und überstiegen die Roggcnpreise. Angesichts der Wahrscheinlichkeit des baldigen erheblichen Sinkens der Hafer- preise bemühten sich die Landwirte, den Hafer möglichst schnell auszudreschen, um sich die höheren Haferpreise zu sichern. Die Folge hiervon war eine Vernachlässigung des Roggenausdrusches, wodurch wiederum unsere B r o t v e r- s o r g u n g in eine überaus gefährliche Lage ge- kommen ist. Um dieser einigermaßen zu steuern, entschloß sich der Reichsernährungsminister zu folgenden zwei Maß- nahmen: Er gewährte für Roggen zwecks raschester Lieferung einen A b l i e s e r u n g s z u s ch l a g, der auf löv M. für die Tonne bis zum 1. Oktober und darüber hinaus bis zum 1. Oktober auf 75 M. bemessen wurde- Sodann können für die nächsten sechs Wochen, die kritischste Zeit der Brot- Versorgung also, sowohl Haferdrusch als auch Hafertransporte zwangsweise si st i e rt werden, sofern nicht der Kommunal- verband für besonders dringende Fälle ausnahmsweise die Druschgenehmigung erteilt. Die Kostendeckung der Preiserhöhung für die Lie- ferungszuschläge wird vom Reich übernommen. Unter Be- rücksichtigung dieses großen Opfers mögen die Landwirte nicht vergessen, daß die unliebsame Erfahrung mit der außer- ordentlichen Verteuerung des Hafers eine Folge des A b- baues der Zwangswirtschaft gewesen ist. Diese Tatsache dürste wieber einmal den Mangel«n wirtschaftlicher Einsicht derjenigen Kreise beweisen, die sich nicht laut genug für den freien Handel aussprechen können. Kohlennot— eine Warnung! Die K o h l e n n o t, die einen völligen Zusammenbruch unseres Wirtschaftslebens herbeizuführen droht, macht eS jedem einzelnen ohne Rücksicht auf seine persönlichen Vorteile oder Bequemlichkeiten zur unabweisbaren Pflicht, die Be- schränkungen im Verbrauch von Gas. elektrischem Strom. heißem Wasser und Kohlen, die im Interesse der Gesamtheit verfügt worden sind oder noch verfügt werden, aufS Genaueste einzuhalten. Soeben ist bekannt geworoen, was für ein- schneidende Beschränkungen sich die HauS- Haltungen gefallen lassen muffen. Binnen kurzem ist eine erhebliche Beschränkung der P o l i z e i st u n d e in Gastwirtschaften und des Betriebes von Theatern. Kinos und sonstigen Vergnügungsstätten zu erwarten. Das Landespolizeiamt beabsichtigt, von der ungeheuren Bedeutung der Frage der K o h l e n e r s p a r n i s für daS gesamte deutsche Volk und sein Fortbestehen durchdrungen. unnachsichtlich und mit vollster Schärfe gegen jeden Verstoß gegen die bereits bestehenden oder noch zu erwartenden Ein- schränkungen im Verbrauch von Gas, elektrischem Strom usw. vorzugehen. Wenn man schon unter den bisherigen Ver- Hältnissen den Betrieb von Tanz- und Spiellokalen weit über die vorgesehene Polizeistunde hinaus aus allge- meinen Gründen verwerflich finden könnte, so ist daS eine Sache, die eine Strafverfolgungsbehörde als solche nichts angeht. Wohl aber ist sie befugt und auch ins- besondere unter den jetzigen Umständen verpflichtet. Ueber- tretungcn der bestehenden Vorschriften mit allem Nachdruck zu verfolgen.; Das Landespolizeiamt ist daster Entschlossen; jede Gastwirtschast, jedes Hotel, jeden Klub oder ähnlichen Betrieb bei Polizeistundenübertretungen rücksichtslos zu schließen. Wer heute noch nur seinen eigenen Vorteil wahr- nimmt und sich über das Interesse der Allgemeinbeit hinweg- setzen zu dürfen glaubt, muß sich die Folgen selbst zuschreiben. In den nächsten Tagen werden umfassende Nachprüfungen der Schankwirtschaften durch das Landespolizeiamt mit Hilfe der ihm neu zugeteilten Gewerkschaftler veranlaßt werden. Neue Zeit. Größentvahnfinnigc Herrenmenschen, die ans eigener Macht das Schickial von Millionen leiteten, habgierige Ausbeuter, die immer nach de« anderen Eigentum schielten, verhetzte, vertrauensselige Völler brachten es zum Krieg, zum vierjährigen blutigen Morden. Und als der Tod zu tiefe Wunden riß, als Not und Elend zu schwer auf dem Volke lasteten, als im leeren Magen zegliche be- nebelnde, beweihräuchernde Flamme erlosch, da erinnerten sich die Besten deS Elend?, daS ickion vor dem Kriege gewesen, da erinnerten sie sich der Wege zum Frieden, zum Glück, die große und tief« Denker aufgezeichnet hatten. Es wuchs und wuchs daZ Wort, das Wollen: Es muß anders werden; es soll besser werden I Der Novembcrsturm segte da» Harte, Allzuspröde, Verknöcherte hinweg, jedoch mißtrauische, eben noch befehdete Rachbarn, ver- dorbeiie Felder. Not und Elend schmiedeten einen eisernen, tief in das Fleisch ichneidenden Ring um dq� deutsche Volk. Fetter Boden ist die Not für das böse Erbe, da» der Krieg unseren Seelen geschenkt, Habgier, Mißbrauch des Nächsten und Anbetung der Gewalt. Betrügen lassen sich die leeren Mägen und Sorgen durch das funkelnde Wort, Es kann besflrc werden, gleich! Selbstsucht und Machtgier, im Krieg stark gewordene Kinder schreien: Nimm dir, was du brauchst, so lange Du die Macht l» Daß uns Selbstsucht und Machtgier in unser Elend geführt, wer spricht noch davon? Und daß wir, daS Volk, durch Vertrauensseligkeit mitschuldig sind, wer hört eS gern? Gewalt? Diktatur? Soll das alle, sinnlose Spiel weitergehen, wir un» nur auf die allen Herrenthrone setzen, andre knechten, bis sie in Verzweiflung und Not so stark geworden, uns wieder nach unten zu werfen, die Herrenpeiticken wieder auf unsre Rücken sausen zu lassen? Soll das tierische Einanderknechten weitergehen? L a ß l u n s einander helfen, arbeiten! Laßt uns die Revolution weitertreiben zu fruchtbringender, aufbauender Arbeit, das ist der einzige schöpferische Kampf, der einzige, den die Drohnen fürchten I Laßt eine wirkliche neue Zeit sein, keine Fort« setzung der alten!__ S a u l u s. Eine„fehenüe" Maschine. Da? Bedürfnis, bei rein mechanischen Arbeiten Zeit und Menschenkrast zu ersparen, hat schon vor mehreren Jahren zu dem Versuch geführt, Massensendungen ohne Briefmarken zu versenden. Dieses Verfahren, wobei die Briefe nur gezählt und dann nach Be- zahlimg des Portos gleich gestempelt werden, hat sich in Bayern, wo es schon seit dem Jahre 1910 eingeführt ist, außerordentlich bewährt. Nun könnte aber auch die markenfreie Beförderung von Postsachen noch vereinfacht werden, und zwar dadurch, daß man auch die Zählung der Sendungen auf mechanischem Wege vornehmen würde. Eine solche Zählung könnte, wie in den„Neuesten Er- findungen und Erfahrungen" mitgeteilt wird, z. B. sehr vorteilhaft mit Hilfe des Selens erfolgen. Die Selenzelle besitzt die Eigen- schaft, Lichieindrücke m Elektrizität umzusetzen, so daß, wenn die die Selenzelle treffenden Lichtstrahlen vermehrt oder vermindert werden, die Zelle diesen Lichtwechsel sofort in Stromschwankungen und elektrische Arbeitsleistungen umwandelt. Auf dieser seltsamen Eigenschaft der Selenzelle würde nun auch die Leistungsfähigkeit der durch sie in Tätigkeit gesetzten Zählmaschin«, ein« Erfindung des Ingenieurs Ries, beruhen. Die Postsendungen müßten zwischen einer Lichtquelle und einer Selenzelle in der Weise hindurchgleitcn, daß das Selen durch jeden einzelnen der gleitenden Gegenstände belichtet oder beschattet würde, während die hierdurch hervorgerufenen elektrischen Strom- schwankungen gleichzeitig auf ein Zählwerk einwirken könnten. Würde tnan dieses Zählwerk noch mit einer Frankostempelmaschine in Verbindung setzen, so wäre es also wohl möglich, in aller- kürzestem Zeitraum ein« ganz enorme und rein mechanische Arbeits- lcistung zu bewältigen. Man hat berechnet, daß das Bekleben von 6000 Postsendungen mit Briefmarken nicht wemger als 9 Arbeit?- stunden erfordert. Bei einer jährlichen Durchschnittszabl von 1,8 Millionen Sendungen würde das Bekleben mit Marten demnach volle 3300 Stunden menschlicher Arbeitskraft kosten. Ganz abgesehen davon würde dl? Poftverwaltung auch die Herstellung der Brief- marken ersparen._ Mzu echte Sühnenkunst. In der englischen Bühnenkunst herrschen noch immer vielfach die Forderungen der bei unS als„Meiningertum" bezeichneten Richtung, die den größten Wert auf möglichst« Stilechtbeit legte. Daß aber solche Bühnenausstaitung bisweilen allzu echt sein kann, dafür ist ein Borfall bezeichnend, der sich kürzlich ereignete. Bei der Aufführung der Oper„Pro Patria" wurde in der Kritik� geladelt, daß der Uniform rock, den ein einen deutschen General verkörpernder Schauspieler trug,„ganz falsch" sei. Der also in seiner Ehre ge- kränkte Darsteller konnte aber nachweisen, daß der von ihm ge. tragen« Uniformrock einstmals im Besitz eines wirklichen Generals der deutschen Armee gewesen sei. Aus diesem Anlaß erzählt ein englischer Musitschriststeller zwei weitere Beispiele für„allzu echte" Bühnenausstattung. Bei der Aufführung von Puccinis„Madame Butterfly" war behauptet worden, die Uniform, die Caruso als amerikanischer Marineoffizier trug, weise schwere Verstöße gegen da? Reglement auf und habe ganz unnatürlich gewirkt. Carliso aber zeigte, daß er auch in diesem Punkte seiner Rolle die größte Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Seine Uniform war bei einem der offiziellen Schneider der amerikanischen Marineverwaltung in Washington angefertigt worden, wozu die besondere Erlaubnis der Behörden eingeholt worden war. Ja, der Sänger trieb die Echtheil so weit, daß er sich auch echte Uniformknöpfe verschaffte. waS ihm nur durch ein« vom Marinemmister selbst ausgestellte Bescheinigung möglich war. Eni anderer derartiger Vorfall ereignete sich bei einer Aufführung von„Tristan und Isolde" in der Londoner Covent-Garden-Op«, Di« Ausstattung des SchiffcS im erste» Akt und die ganze Szenerie wurde damals aus archäologischen Gründen schwer getadelt. Ter Bühnenkünstler aber hatte sich die Mühe ge- nommen, im Britischen Museum die keltischen Altertümer zu stu- dieren und einen Fachmann der keltischen Archäologie zu Rate zu ziehen. Das Schiff war die genaue Kopie eines keltischen Schiffes, das noch heute zu Bloomsburq zu sehen ist. Man sieht an solchen Beispielen, daß allzu getreue Naturnachahmung auf der Bühne, die nun einmal den„schonen Schein" verlangt, die Illusion häufiger stört als fördert. Notizen. - Der isländische Dramatiker Johanu Gig»«. j o n s s o n. dessen bedeutendstes Werk„Berg Ehvind und sein Weib" in der Aufführung der Berliner Volksbühne starken Erfolg hotte, ist im Alter von 39 Jahren in Kopenhagen einem Herzleiden erlegen. — Musik. ES haben sich Birgitt Sngell. Luise Willer. Bruno Walter, Alexander Peischnikoff und Joiet Disolez zusammengetan. um vor der Aufführung von Hans Pfitzners„Palestrina" in der Berliner Siaatsoper dem Berliner Publikum ei» Bild von PfitznerS kammermusikalischem und Lieder-Schaffen zu geben. Do» Koiizert findel als erste Veranstaltung des HanS-Pfitzner-VereinS für deutsche Tonkunst am 22. Sept. in der Singakademie statt. — Ein« Organisation Berliner Musiklehr« kräftr hat sich gegründet, die alle an Konservatorien und privat Unterrichtende zusommeniassen will, um durch gemeinsame Arbeit die wirtschaftlichen und künstlerischen Nöte dieses Berufe» zu über- winden. Es sollen auch die künstlerischen Bestrebungen des Berufes, besonders die Vorbedingungen für die Berechtigung mufiipädago- giicher Tätigkeit, geordne» werden. Zuschriiten find zu richten an W. Zimmermann, Charloltenburg S. Sophie-Charlotte-Str. 36. Die nächste Versammlung findet Sonntag, den 11. September, vor« miilagS tihr, Dorolheen-Lyzeum, NW, Wilhelmshavener Straße 2, statt. — Der«ntifylla bu», das streitbare freidenkerische WeltonschauungSgedicht, da« während de» Sozialistengesetzes rrotz oller Verbole in der Arbeuerschaft von Hand zu Hand ging, ist in einem guten Neudruck im Verlag der Buchhandlung Vorwärts er- schienen. Das Heft(Preis 75 Pf.) enthält, auch die anderen nicht weniger bekannten großen Kamvigedichte F r i« d r i ch Kra Isert — Ceterurn censeo, die Marseillaise des Eprislentums, der alte und der neue Glaube— und gibt in einer Einleitung Ankunft über den Dichter, der ein siebenbürgischer Achtundvierziger war und in den sechziger Jahren zum Sozialismus gelangte. — Die Sahara- Eisenbahn. Nach dem Kostenanschlag eines französischen Ingenieurs soll der Bau der Tahara-Eisenbahn, wie die Halbmonatsschrift„Der neue Orient" berichtet, mindesten» S00 Millionen Frank kosten. Die Lange wird auf 2500 Kilometer geschätzt. Besondere Schwierigkeiten wurden den Arbeiten nicht ent- gegenstcben; auch eine„Ueberschwemmung" der Strecke durch den Wüstensand ist an keiner Stelle zu befürchten. Die Reise von Frankreich nach dem südlichen Afrika soll durch diese Sahara-Effs�- bahn auf fünf Tage verkürzt werden, während sie jetzt»nrdesteu» drei Wochen dauert. Allein durch die Beförderung von Fleisch dem Inner» Afrika»»ürdeu die BetriebSkoft« gebe« werden könne«. öolschewiftische Siegesmeldungen. Einem bolschewistischen Kommunique zusolge habe» die Bol- schewisten dreißig Meile» südwestlich KraSnajar eine der Divi« sionen Deniiins geschlagen und zweitausend Gefangene gemacht, darunter den Divisionsstab. Auch in der Gegend von Zarizin und korsun haben die Bolschcwisten Erfolge errungen. Die Truppen DenilinS sollen sich in Unordnung in Richtung Zna- «rnka zurückziehen. Ferner berichten die Bolschewisten, daß alle britischen, kanadischen und japanischen Truppen Wladiwostok verlassen haben. Ein Erfolg der Balten! DaS K» p en h ag e n er lettische Presscbureau meldet, daß die lettische» und litauischen Truppen in einem gemein- samcn Angriff bolschewistische Truppen aus der Stadt N o w o- AlexandrowSk vertriebe» haben. Nowo-Alexandrowsk liegt 25 Kilometer südlich von Dünaburg. Die lettischen und litau- ischen Truppen erbeuteten zahlreiche Geschütze uud anderes Kriegs- Material, machten viel« Gefangene uud setzten den Bormarsch fort. Die Irisch-�tmerikaner gegen öen Zrieüen. DaS Presseburean Radio meldet aus Washington: Mehrere Ber- treter der Bereinigte»„Freunde der irischen Freiheit und Rasse", die vor einigen Monaten in Philadelphia einen Kongreß abgehalten haben, forderten vor dem Senatsausschuß im Ramen vou 20 Millionen Jrisch-Amerikanern, daß der Friedensvertrag vollständig abgelehnt werde, da er dir Vernichtung der politischen und kommerzirllen Unabhängigkeit Amerikas bedeute, und da er Irland und andcre Untcrtanenstaaten verhindere, ihre Unabhängigkeit zu erreiche». Vor öem§rieüensschluß mit Oesterreich. Einberufung der österreichischen Nationalversammlung. Der Präsidont d:r österreichischen Ratioaalver- s a m« l u« g hat den Hauptausschuß auf de» 5. September, die Nationalversammlung auf den 6. September einberufen. Die Tages- ordnung brider Sitzungen bildet die Beschlutzfassung über de» Ber- trag von St. Germai». Der vom Obersten Rat angenommen« Text des Friedens- vertrag? mit Oe st erreich enthält in territorialer Hinsicht kein« wesentlichen Aenderungen. Die Alliierten seien sich der Tatsache bewußt, daß sie Oesterreich angesichts seiner terri- torialen Ausdehnung und geringen Bevölkerung, die kaum 6 Mil- Ronen erreicht, in ökonomischer und finanzieller Hin- ficht helfen müßten. der Wiederaufbau Noröfrankreichs. Der Pariser„E x c e l s i o r" meldet, daß die mit dem Wiederaufbau der befreiten Gebiete beschäftigten Krieg?- gefangenen nicht vor dem S. September abreisen werden. Außer Verhandlungen mit Oesterreich prüfte die Regierung die Schaffung von Anwerbe stellen für spanische, portu- giesische und italienische Arbeitskräfte in Hendane und Modane. Die fremden Arbeitskräfte sollen die französischen nur vervoll- ständigen. ES wurde, um ihren Wettbewerb zu vermeiden, beschlossen, daß die französische Arbeitergesetz- gxbung streng auf sie anzuwenden sei, ' Für die österreichischen und deutschen Arbeiter prüft man ein KompensationSshstem, vermöge dessen der Grundsatz der geschuldeten rechtmäßige» Wiedergutmachung ge- wahrt wird. Negerunruhen in Amerika. »TimeS" meldet aus Washington, daß in Omungee(Georgia) infolge von Gerüchten, daß die Reger»sich erheben und die Weißen austilgen" wollten eine Negerkirche von Beißen angegriffen und«in Reger in der Kirche erschossen wurde. Hierauf legten die Weißen mehrere Negerkirchen und einen Neger- klub in Trümmer. Da« Reutersche Bureau meldet auS Knoxville(TenneSsee), daß im Verlauf von Rassekämpsen, wobei die weiße Be« völkerung daS Gefängnis stürmte, um einen Neger, der des Morde« an einer weihen Frau angeklagl wurde, heraus- zuholen, zwei Weiße und drei Neger getölel und eine Anzahl ver» wundet wurden. IS Gefangene, darunter mehrere Mörder, find aus dem Gefängnis entwichen. Den Truppen gelang es, den Mob zu zerstreuen. Der von der Negerbevölkerung Amerikas zur Friedenskonferenz nach Paris entsandte Delegierte, der vergeblich versucht baite, die Jntereffen der Reger auf der Friedenskonferenz zu vertreten, erklärte vor dem SenatSausichuß. wenn die Reger nichl ordentlich behandelt würden und in der Praxis nicht dieselben sozialen und politischen Rechte erhielten wie die Weißen, so werde Amerika eine Gefahr für den Weltfrieden werden. firbeitswleüeraufnahme in �uüwigshafen. Die Arbeit wurde heute vormittag fast in allen Betrieben Ludwigshafen« wieder aufgenommen. Bon den 17 ver- hafteten Post- und Bahnbeamten find alle bis auf«inen aus der Hakt entlasten worden. Die Arbeiterschaft fordert auch die Ent- last-ing deS letzten Beihaf.eten. anderenfalls sie abermals in den Streik eintreten würde. Mißglückte Gefangenenbefreiung. In der Nacht vom SO. zum 31. August haben etwa sechs Per- fönen dreimal vergeblich versucht, in das Gefängnis auf dem Käß- berg bei Chemnitz einzudringen. Sie wurden unter Gebrauch der Waffen abgewiesen. Ein« Person ist namentlich festgestellt worden. Weitere Untersuchung ist im Gange. Seit wann gilt Sie Verfassung! Ueber die Frage, seit wann die deutsche Reilhsverfassung in Kratt ist, brachte kürzlich ein Berliner Blatt eine Notiz, in der behauptet wurde, das.R e i ch» g e 1 e tz b l a t< habe die«erfassung am IS. August verkündet, im.HeereSverordnungSblatt" f-i ober mitgeteilt worden, die Verfassung fei am 14. August in Kraf, getreten. Es wurde daran eine unfreundliche Glosse über die angebliche.Zerfahrenheit" geknüpft, die jetzt an den Amtsstellen herrschen soll. Diese Behauptungen find recht leichtfertig in die Welt gesetzt. DaS.Reichsgeieyblatt" Nr. 1S2 verkündet die Verfassung deS Deutschen Reichs, die am 11. August vom Reichspräsidenten und vom Reichs- Ministerium unterzeichnet worden ist. Ausdrücklich steht aut der ersten Seite der genannten Ausgabe des Reichs-GesetzblattS:.AuS- gegeoen zu Berlin, den 14.« u g u st 1010."' Hiernach ist die Ver- fassung am 14. August, nicht am IS. August verkündet worden und muh Artikel 1«1 auch an diese« Tag« inKrastgetreten. Der Münchener Hei L. 8. Unter den zur Verhandlung vorgeladenen Zeugen be- finden sich auch zahlreiche Verwandte der ermordeten Geiseln, ferner Offiziere und Soldaten der Reichswehr, Mitglieder der in- zwischen aufgelösten Roten Garde und zahlreiche Personen, die ebenfalls als Geiseln vorübergehend in Haft waren. Nach dem Zeugenaufruf begründet Staatsanwalt Hoffmann die Anklage, indem er ausführt: Die zur Anklage stehen- den Geiselmorde im Luitpold-Ghmnasium bildeten den Ursprung des Terrors in München. Die Auswirkung von blutdürstiger Ge- sinnung zum Vollzuge der Bluttat gestaltete sich unter der ver- brecherischen Mitwirkung der Beschuldigten. Zwei in ihrer Reihe am schwersten belastete Persönlichkeiten, Eglhofer und Hausmann. sind dem Arm der Gerechtigkeit durch ihren Tod entzogen. Eglhofer fiel im Kampf, Hausmann beging Selbstmord. Die Angeklagten haben die Geiseln roh und gemein behandelt. Alle Geiseln wurden gezwungen, der Erschießung der übrigen aus nächster Nähe zuzusehen. Den ehrwürdigen Greis Professor B e r g e r stieß und zerrte man zur Richtstätte. Die Gräfin Westarp empfing man auf dem Nichtplatz mit höhnischen, gemeinen Beschimpfungen rohester Geschlechtlichkeit. Die Erschießung der Geiseln fand aus nächster Nähe statt. Wenn eines der Opfer noch Lebenszeichen gab, so schoß irgendein Rohling noch einmal. Den Toten wurden ihre Hab selig-' keilen fortgenommen, zum Teil gestohlen. Ein Rotgardist versetzte nach dem Mord der Gräfin Westarp der Leiche noch einen Fußtritt in den Unterleib und spie ihr ins Gesicht. Im einzelnen stellte der Staatsanwalt die Beteiligung der Beschuldigten wie folgt dar: Der Angeklagte Schicklhofer sei als Oberzugführer der Rotgardisten im Luitpold-Gymnasium einer der rohesten und blutdürstigsten Täter gewesen. Seiner Frau sagte er, daß er sich hinterher„ver- rückt" stellen wolle und daher keine Strafe fürchte. Er ist im Gymnasium von Zimmer zu Zimmer geeilt und hat die Leute er- sucht, die Geiseln zu erschießen. Bei einer der Erschießungen hat er gerufen:„Nur gleich den nächsten her!" Den Angeklagten S i e b e I beschuldigt der Staatsanwalt, daß er einer der Schützen war, welche die beiden Husaren erschossen. Der Student Peter- meier war Rotgardist und leitete die Resolution, die der unmittelbare Anlaß des Geiselmordes war, an Eglhofer weiter, der seine Zustimmung darunter setzte. Auf Grund dieser ihm von Petermeier üt erbrachten Resolution hat dann S e i d l die Er- schießung der 10 Geiseln veranlaßt. Der Staatsanwalt hält ihn daher des zehnfachen Mordverbrechens für schuldig und bezeichnete Schickelhofer als Mittäter an diesen zehn Morden. Letzterer habe aus der Masse der Rotgardisten die zur Ausführung der Blut- tat geeigneten Leute herausgesucht nd überredet. Seidl sagte darauf zu den Umstehenden in seiner Kanzlei: Mir ist es recht, schießt sie zusammen. Während des Mordes stand er am Fenster und schaute der Hin- richtung zu. Die Angeklagten Pürzcr und Kick beschuldigte der Staatsanwalt, daß sie die Eglhofersche Weifung auf Erschießung der Geiseln zum Gymnasium gebracht, unterwegs den Zettel gelesen und genau gewußt hätten, um was es sich handle. Der Angeklagte lelmorö vor Gericht. G s e l l war, wie der Staatsanwalt ausführt«, einer der leitenden Pcrsönlichkciitzii und hat die Wichtigkeit seiner Mitwirkung noch Protzenhaft hervorgehoben. Den Angeklagten Hessel- mann beschuldigt der Staatsanwalt, ebenfalls die Geiseln mit aus- gesucht und sie abgezählt zu haben. Bei der Hinrichtung habe er sich dann wichtig getan. Der Angeklagte L e r m e r habe die Er- schießung der Geiseln ebenfalls mitgeleitet und einmal auch daS Kommando zum Feuern gegeben. Der Angeklagte Seidel, der im Gymnasium das Amt des Kantinenwirts versah, sei mit um- gehängtem Gewehr zur Gruppe der Schützen getreten und habe mit auf die Geiseln geschossen. Ter Angeklagte Schmittel habe den Fürsten Thurn und Taxis im Hotel festnehmen helfen, habe mit auf die acht Geiseln geschossen und ebenso wie der nächste An- geklagte Hannes sich dessen nachher ausdrücklich gerühmt. Den Angeklagten F e h m e r beschuldigt der Staatsanwalt, eben- falls unter den Schützen gewesen zu sein. Er schoß mit auf die Geiseln und rühmte sich hinterher der Tab Fehmer habe erklärt: „Da ist doch nichts dabei; daS geh< ganz leicht. Das Lmnpenzeug stellt man einfach hin und weg sind sie." Der Angeklagte brüstete sich dann, er habe dem Fürsten Thurn und Taxis„eine hineingejagt, daß ihm die Schädeldccke davongeflogen sei". Die Angeklagten V ö l k e l und R i st l m e y e r haben nach Behauptung des Staatsanwalts ebenfalls zu den Mordschützen ge- hört. Der Angesagte H u b e r sei besonders bei der Ermordung der Gräfin Westarp beteiligt gewesen. Als die Gräfin auf diesem letzten Gang in seiner Nähe vorüberkam, habe er sie außerdem tätlich in einer nicht wiederzugebenden Weise beleidigt. Der Staatsanwalt stimmt daher gegen Seidl und Schicklhofer auf je zehn Verbrechen des Mordes, gegen Riedl auf zwei Ver- brechen des Mordes, gegen Petermeier, Pürzer und Kick auf je acht Verbrechen der Beihilfe zum Mord und gegeu alle übrigen Angeklagten auf je acht Verbrechen des Mordes. Darauf begann die Vernehmung des Hauptangeklagten Seidl. Seidl, der früher„Kommandant" des Laitpold-Gymnasiums war, ist 1804 in Chemnitz geboren, sächsischer Staatsangehöriger, und war nie beim Heer. Während des Krieges war er zuletzt in der Pulverfabrik Dachau beschäftigt, wo er allgemein als der größte Denunziant galt. Seidl suchte bei seiner Vernehmung die Hauptschuld auf den Unterkommandanten HauSmann abzuschieben, den er als rein militärischen Kommandanten und in seinen Machtbcfug- nissen als ihm vollständig gleichgestellt bezeichnete, während er selbst nur verantwortlich für das politische und vewoaltungstechnifche Ge- biet gewesen sei. Diese Behauptung wurde an der Hand von zahl- reichen, seine Unterschrift tragenden Befehlen und Schrift- stücken rein militärischen Charakters vom Vorsitzenden widerlegt. Im übrigen verlegte sich Seidl stark aufs Leugnen, und jedes dritte Wort lautete: Davon weiß ich nichts. Er will sogar nicht wissen, wo der Platz ist. auf dem die Geiseln erschossen wurden. Auch an das ihm zur Last gelegte brutale Verhalten gegen ver- schiedene Verhaftete will er sich in keiner Weise erinnern können. Die Mitteilung im HeereSverordnungSblatt ist demnach vollständig richtig und die amllichen Stellen haben mit der Verlünduna des Datum? 14. August vollständig korrekt gehandelt. Nur nicht arbeiten! Man muß zugeben, daß die Herren Kommunisten im allge- meinen ziemlich wenig Angst zeigen. Mit jener Dreistigkeit, die mir der Dummheit und der Verantwortungslosigkeit eine verzweifelte Aehnlichkett hat, treten sie an allerhand Dinge heran, denen sie nicht im entferntesten gewachsen sind. Rur ein einziges Wort in der deutschen Sprache vermag ihnen Furcht etnzu« stoßen. Das ist da« Wort„Arbeit". DaS Entsetzen, das sie bei dem Gedanken an jegliche Arl von Tätigkeit erfaßt, äußert sich in einem von der K. P. D. herausgegebenen Flugblatt, in dem die Arbeiter aufgefordert werden, sich ja nicht an den Auf» b a u a u f a r b e i t e n in Belgien und N o r d s r a n kr e i ch zu beteiligen. Sie richten sich ausdrücklich an die a r b e i t S« losen Genossen, wollen also lieber, daß auch diese die Hände im Scboße liegen lassen, bevor der kommunistische.Zukunftsstaat" errichtet ist, als daß sie die Arbeitslosigkeit möglichst einschlänkcn und damit zum Aufbau der deutschen Republik und jener Sickie- rnng der revolutionären Errungenschaften beitragen, von der sie so oft faseln und für die sie doch so wenig tun. Bei dem Schauder vor jeglicher Arbeit nimmt es nicht Wunder, daß daS klägliche Machwerk, mittels desien sie die Arbeitslosigkeit in Perma- nenz erkläien, jeden Gedanken, g e i st i g e Arbeil also, völlig ver- missen läßt._ die Reife des Kommunismus. In den von Julian Borchardt herausgegebenen.Lichtstiahlen" heißt e« zu diesem Thema: .Die Kommunistische Partei Deutschlands hat zu wieder- holten Malen betont, daß sie die Regierungsgewalt nicht eher übernehmen werde, als bis die überwiegende Mehrheit der Deutschen dies wünscht. Wir hallen da« sür überaus richtig, ja für den allein richtigen Slandpunlt. Denn gegen den Willen der Beteiligten läßt sich der Kommunismus nicht durchführen. Vielmehr widerspricht ei dem kommunistischen Grundgedanken, das Volk.von oben her" damit beglücken und begnaden zu wollen. Wobt kein Satz im ehemaligen Erfurter Parleiprogramm ist richtiger als der, daß die B e» freiung der Arbeiterklasse nur ihr eigenes Werk sein kann." Was sagt die K. P. D. zu dieser Auffassung? Die Regierung«- gewal� übernommen durch die Mehrheit de« Volkes, ist eine Form der Diktatur, der sich kein Sozialist, auch diesi-f-f Mehr- heitsfozialisten nicht, entziehen will. Weniger erbaut hier- über werden die heutigen Nutznießer des Kommunismus sein, die so gern vom Ministersessel aus einmal die Diktatur über daS Proletariat ausüben möchten. Wir sind gespannt, wann die Kommunisten den Ketzer Borchardt wegen.ParteivcrratS" auS ihren Reihen ausschließen werden. Betriebseinftellung wegen KohlenmangelS. Die Zweigstelle Wolffenbüttel der Ravensberger Spinnerei stellte den Betrieb wegen Kohlenmangels ein. 300 Personen find arbeitslos. Französische Sozialdemokraten gegen daS Zusammengehe» mit Bürgerliche». Der Kongreß derSvzialijlen des Seine« Departements ur Versailles nahm eine Resolutirin an, in der er sich gegen ein Zusammengehen mil den bürgerlichen Parteien bei den kommenden Wahlen auS- spricht. Berkleinerung der französischen BesatzungSzone. Die Franzosen haben am Freitag die Grenz« der nordlich von Frankfurt am Main oerlaufenden Besatzungszone um rund 3 Kilo- meter zurückverlegt. Die Dörfer Stierstäfct und Weitzkirch sind geräumt. Der Bahnhof von Weitzkirch bleibt besetzt. Auch daS Gebiet von Sossenheim wird in den nächsten Tagen von der Be- satzung verleuZeu. Zur Neuwahl in Stralsund. Aus Stralsunder Parleikreisen teilt man uns mit: Ein Teil der dortigen Parteigenossen bringt der Kandidatur deS demokratischen Stadtrats Hau tzmann aus Stettin zum Regierungspräsidenten deS Bezirks S t r a l s u n d wenig Sympathie entgegen. Man ist vielmehr der Ansicht, daß unier den gegen- wältigen Verhältnissen an Stelle einer einseiligen Partei« kandidatur die Besetzung des Postens durch eine in keiner Weise festgelegte, mit den landwirtschaftlichen Verhält- nissen vertraute Persönlichleir am Platze ist. »Freiheit" und»HretiMuhgreueK. Wir werden um Verbreitung folgender Richtigstellung ersucht: In dem Leitaufsatz ihrer Morgenausgabe vom 20. August, überschrieben„Der Funkspruch", zählt die„Freiheit" eine Reihe angeblicher Greueltaten aus, deren sich die in Oberschlesien stehenden deutschen Truppen gegenüber der oberschlesischen Bevölke- rung schuldig gemacht haben sollen. Die sofort eingeleiteten amt- lichen Nachforschungen, die durch dos Fehlen näherer Daten er- schivert worden sind, haben mit Sicherheit ergeben, daß sämtliche Behauptungen der„Freiheit" entweder auf Verdrehung oder auf glatter Erfindung beruhen. Im einzelnen ist zu bemerken, daß in Bielschowitz nie- mals Bergarbeiter aus den Häusern geschleppt und auf Autos zum Schacht gefahren wurden. Ein Auto hat in B. nur insofern eine Rolle gespielt, als es zur Heranziehung von Soldaten benutzt wurde, die die Ruhe wieder herstellen und arbeitswillige Bergleute schützen sollten. Es ist ferner nichtwohr. daß im Borsigwerk der Ver- trauensmann der kommunistischen Partei Krosik so geschlagen worden ist, daß ihm ein Arm gebrochen wurde. Unwahr ist. daß in B i s k u p i tz die Arbeiter Czuppok und Kandziora so geschlagen worden seien, paß sie im Sterben liegen. Beide leben vielmehr noch heute; Kandziora ist sogar am Tage nach den Vorgängen zur Arbeit erschienen. Zu den Borgängen in Ellgut-Guttentag ist zu sagen, daß der Ort seit Wochen keine militärische Belegung gehabt hat. Ein näheres Eingehen auf die über den Ort gemachten Behaup« tungen ist nicht möglich, da aus dem Bericht nicht ersichtlich ist, auf welche Zeit er sich beziehen soll. Gegen Lipine mußte mit Artillerie vorgegangen wer« den. da die Aufständischen mehrere Maschinengewehre fach- gemäß eingebaut hatten und mit ihnen den Einmarsch der Truppen zu verhindern suchten. Die Bevölkerung hat den aufopferungsvoll vorgehenden Truppen für die Wiederherstellung der Ordnung ihren besonderen Dank ausgesprochen. Die Vorgänge in R u d a und Rudahammer sind ftgrk entstellt. Dasselbe trifft auf die Behauptungen über Kart zu; die Zahl der hier Verhafteten ist um mehr als das Doppelte über« trieben. Unter ihnen befand sich eine große Anzahl von Leuten, die wegen bürgerlicher Delikte festgenommen wurden. Ganz allgemein ist daran zu erinnern, daß«S sich bei dem Vorgehen der Truppen um Maßnahmen gegen Aufftän- d i s ch e handelt, die sich alle Folgen eines gewaltsamen Vorgehen? zur Wiederherstellung der von ihnen gestörten Ordnung selbst zu« zuschreiben haben._ Aufnahme des Kabeltelegrammverkehrs mit Amerika. Der allgemeine Kabel-Telegrammverkehr mit Nordamerika und darüber hinaus ist laut„F. Z."— vorläufig über England— wieder eröffnet.worden. Die Bedingungen find im allgemeinen die gleichen wie bei Telegrammen»ach Groß« britannien. General Liman von Sander« wird, wie die englischen Blätter vom SV. August melden, sich wegen der Armenier- und Shriermassakret veranlworten müssen. Die irische AufstandSgefahr. In den letzten Tagen landeten einer Londoner Meldung zufolge wieder zweimal je tausend Mannschaften in Ulster. ES befinden sich dort sch« Wer 16 000 Rann. GclverffchHzbewWN? Neue Teuerungszulagen im Suchöruckgewerbe. Die Tarifvcrhcmdlungcn im Buchdruckgewerb« kamen am 28. August nach 7tägiger Dauer zum Abschluß. Die Prinzipale forderten einen Abbau der Teuerungszulagen e) für das gesamte besetzte Gebiet sowie für alle Orte bis zu Z Proz. Lokal- Zuschlag um 20 Mk. pro Woche, b) für alle übrigen Druckorte im Deutschen Reich um 10 Mk. pro Woche unter Fortzahlung der so ermäßigten Teuerungszulagen bis zum LI. Dezember d. I., mäh- rend die Gehilfen nicht nur jedtveden Abbau abwiesen, sondern eine weitere Erhöhung der bisherigen Zulagen der- langten. Nach langwierigen Verhandlungen kam eine Vereinbarung auf folgender Grundlage zustande: Die bisherigen Teuerungszulagen werden ab 1. Oktober er» höht um: ») S Mk. in Orten bis mit ö Proz. Lokalzuschlag; d) 8 Mk. in Orten mit 7 Vi und 10 Proz. Lokalzuschlag; c) 10 Mk. in Orten mit 12Vi Proz. Lokalzuschlag; d) 12 Mk. in Orten mit mehr als 12 X Proz. Lokalzuschlag. Für Maschinensetzer erhöhen sich die Teuerungszulagen an allen Orten um 25 Prozent. Gehilfen im 1. Gehilfenjahre erhalten die Hälfte der neuen Teuerungszulage. Die vorstehend festgesetzien Sätze gelten Bis zum 81. März 1920; bis zum 30. September bleibt es bei der seitherigen Zulage An kleineren Druckorten bt» zu 2Vh Proz. Lokalzuschlag und mit nicht mehr als 10 Gehilfen kann die wöchentliche Zulage von 6 Mk. ermäßigt oder erlassen wer- deck, wenn die örtlichen Verhältnisse dies rechtfertigen. Verständi- gung zwischen beiden Teilen ist Voraussetzung. Desgleichen bei der Behandlung von Druckorten im besetzten Gebiete mit gün» stigercn Lebensbodingungen. Im Streitfall entscheidet das Tarif- amt. Bezüglich des eventuellen Abbaus der TeuerungS. zulagen einigte man sich auf die Einleitung neuer Verhandlungen vor dem 31. März 1920, falls eine wesentliche Senkung de» Preise für den Lebensunterhalt(10 Proz. und mehr gegen den Stand von heute) eintrete, wobei sich die Gehilfenvertreter vor» behielten, bei wesentlicher Steigerung der Preise Forderungen zweck? eines Ausgleichs zu stellen. Eine Verkürzung der Arbeitszeit war diesmal nicht zu erreichen, diesbezügliche Anträge werden anläßlich der Tarif- revisionsverhandlungcn erneut zur Beratung gestellt. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde noch eine Kommission eingesetzi, die nach Verabschiedung des Betriebsrätegesetzes durch die National- Versammlung die gesetzlichen Vorschriften über Betriebsräte in den Tarif hineinarbeiten soll. Da? Verhandlungsergebnis über die Erhöhung lder Teieerungs- Zulagen wird zwar die Arbeitnehmer nicht voll befriedigen; immer- hin schafft die ausgesprochene Erhöhung des Lohnes eine gewisse Erleichterung in der Lebenshaltung. Vor allem konnte der Wunsch der Unternehmer abgeschlagen werden, in dieser teuren Zeit an einen Abbau der Teuerungszulagen heranzugeben. Achtung! Krankcnkasscnlttigestellte! Der Verband der Bureau-Angeftcllten schreibt unS: Am Freitag tagte die Beschlußlammcr des OberveriicherungSamteS Groß- Berlin, die sich mit dem ergangenen Spruch des Schlichtungsaus- 'Wusses bezüglich unserer Forderungen zu beschäftigen hatte. DaS OberverstwerungSamt bat folgenden Spruch gefällt: Der Beschluß des Vorstandes, wonach denjenigen Angestellten, deren Jahreseinkommen 4500 M. oder weniger beträgt, monatlich 125 M. und denjenigen Angestellten, deren Einkommen über 4500 Mark beträgt, monatlich 100 M., mindestens aber 6000 M. für da? Jahr als laufende Teuerungszulage, rülüvirkend ab 1. Januar 1919 zu zahlen, wird für diejenigen Beamten und die der Dienst- ordnung unterstehenden Angestellten, die sich am 14. August 1919 in einem ungekündigten Dieniwerhältni» bei der Kasse befunden haben, für die Zeit bis zum 31. Dezember 1919 genehmigt. Der Spruch weicht insofern von dem Spruch« des SchlichtungS- auSschusses ab. als das OberversicherungSamt bestimmte, daß nur diejenigen Kollegen Anspruch auf die laufende Teuerungszulage baben, die sich am 14. August, dem Tage deS VorftandSbeschlusseS, fn nicht gekündigter Stellung befanden. Es muß nunmehr fest- gestellt werden, ob und wieviel Kollegen durch diesen Beschlutz von dem Empfange der Zulage ausgeschlossen werden. Die Angestell- tenauSschüsse bzw. Obmänner sind verpflichtet, mit ihren Vor- ständen sofort in Verhandlungen zwecks Auszahlung der Beträge zu treten. Wir erwarten von den Kollegen, daß sie von ihrem Mitbestimmungsrecht Gebrauch machen und uns sofort Mitteilung zukommen lassen, wenn sich ein Vorstand weigern sollte, ihrem Ersuchen nachzukommen. Nach Eingang des Materials werden wir dazu übergehen, diejenigen Kassenvorstände, die den Versuch einer Verzögerung und Verschleppung machen und sich weigern, dem Spruch des SchlichtungSauZschusseS und OberversicherungS- amtes nachzkoinmen, in der Presse namentlich bekanntgeben, damit auch die Vertreter der Versicherten die Gelegenheit haben, im AuS- schuß zu dem Geschäftsgebaren ihres Vorstandes Stellung nehmen zu können. Wir werden auch nicht verabsäumen, uns in nächster Zeit ein- gehend mit der S o z i a l i s i e r u n g s f r a g e innerhalb der Krankenversicherung zu beschäftigen, um endlich über Groß-Berlin ein EinheitSgebilde im Interesse der Versicherten und letzten Endes auch der Angestellten zu erreichen. Der Streik der Bretterträger nnd Plaharbeiter. Der 4'/, Wochen wäbrende Kampf der Brettcrtröge» und Platz- arbeiler wurde am 25. August beigelegt, nachdem die drei Haupt- «sorderuugen b e w i l l i g t waren. Alle anderen Fragen sind nach Aufnahme der Arbeit zwischen de» beiden Kommissionen der Arbeitnehmer und Arbeilgeber am 26. August geregelt und zur Annahme gelangl. In der F e r i e n fr a g e wollten die Arbeit« geber dem Gesetz nicht vorgreifen. Dieser Lohnkampf war deshalb so schwer, weil ein gemein- iamer Tarif noch nicht bestand. Es wurden immer noch Löhne von 1,90 bis 2,50 M. pro Stunde bezahlt. Wenn die Arbeitnehmer ihre Wünsche nicht all« verwirklichen konnten, so sind doch durch den Tarif gesunde und einheitliche Lohnverhältnisie geschaffen, auch die Akkorde sind geregelt. Der Arbeitgeberverband der Berliner Play-Holzhändler hat erklärt, daß er nicht beabsichtigt, diejenigen Holzfirmen zu schädigen, die von vornherein die Forderungen der Arbeitnehmer bewilligt hatten. Ferner überläßt der Arbeitgeberverband es dem Transportarbeiterverband, ob er seine Mitglieder bei diesen Firmen arbeiten lassen will, auch bleibt eS dem Verband überlassen, zu welchen Löhnen seine Mitglieder dort arbeiten. Den Vorwurf. den wir gegen die Arbeitgeber erhoben, daß wir uns ihnen gegenüber verpflirdten sollten, denjenigen Arbeitern keine Mitglieder zur Verfügung zu stellen, die nicht Mitglieder des Ar- beitgeberver Bandes find, ziehen wir hiermit zurück. Beide Partein hoffen, daß sich in Zukunft Streiks vermeiden lassen, da jetzt einheitliche Grundlagen durch Tarifvertrag ge- schaffen sind. Der abgeschlosiene Tarifvertrag bringt eine achtstündige Ar- beitSzeit. Der Lohn für»die talsächlich gearbeitete Stunde" be- trägt 2,65 M.. kür besonders schwierige Arbeitsverhältnisse erfolgt besondere Regelung. Sehr umfangreich find die Bestimmungen über den Akkordlohn. Für Neberstunden wird ein Zuschlag von 50 Prozent zum Lohn bezahlt. Die Kutscher erhalten für Zweispänner 105 M. und für Einspänner 90 M. Wochenlohn. Der Tarif wurde am 1 September von den Kommissionen unterzeichnet und hat bis zum 1. Januar 1920 Gültigkeit. Am 1. Dezember d. I. beginnen die neuen Tarifveihandlungen. Deutscher TranSportarbeiterverband. Zum Streik im chemischen Großhandel. Die Streikenden weiden in Ausübung des Slreikpostenstehens seitens der Schutzmannschast in außerordentlicher Weise behindert. Die Schutzleute machten es beispielsweise bei der Hageds den Streik- Posten unmöglich, auf dem Haniaplatz, dem Sammelpunkt der Arbeitswilligen, mit diesen in Verbindung zu treten. Ferner haben bei derselben Firma Schutzleute die Streikenden zur Seite gedrängt und die Arbeitswilligen in die Betriebe geführt; die Schutzleute haben sodann die beladenen Wagen auf den Hof und vom Hofe ziehen helfen und sich hier also als Hilfskräfte des Unternehmertums aufgeführt. Luch bei den Firmen Teichgräber und dem Kontor chemischer Präparate find die Streikposten in der Ausübung ihrer gesetzmäßigen Rechte seitens der Schutzmannschaft bc- schränkt worden. Dagegen wird der entichiedenste Protest er- hoben. Der Polizeipräsident sowohl als auch die vorgesetzte Be- Hörde der Reichswehrtruppen sind ersucht worden, die ihnen unterstellten Mannschaffen in ihre Schranken zurückzuweisen. Die Streikenden werden sich durch keinerlei Provokationen beirren lassen und ihren gerechten Kamps bis zum Erfolge durchrühren, Am Mittwoch früh 9 Uhr tritt der SchlichtungSauSfchuß rm Reichs- arbeitSministerinm zusammen. Die Vertrauensleute erhalten ihre Informationen auf dem Zenkralstreiibureau,.Königstadt-Kafino". Holzmarktstr. 72. Tel.: Alexander 424. Dorthin find alle Ver- stöße seitens der Sicherheitsorgane zu melden. Die Streikleitung.' »» * In der gestern veröffentlichten Zuschrift de! Zentral- Verbandes der Handlungsgehilfen: An lne kaufmännischen und tntz- nischen Angestellten! heißt es:.Nach den eigenen Angaben des Syndikus des deutschen Großhandels, Herrn Dr. Engel sind die Arbeidgeber infolge der Weisung ihres SpitzenverbandeZ»ich: in der Lag«, den Angestellten weiter entgegenzukommen." Dazu schreibt uns Herr Dr. Engel, daß eine solche Erklärung in dieser Form von ihm niemals abgegeben wurde. Eine Weisung der Ver- einigung der Lrbeitgeberverbände des Großhandels liege nur bezüglich der grundsätzlichen Fragen de» Mitbestimmungsrechts gemäß den der Regierung durch die Arbeitgebcrverbände überreichten Abänderungsvorschlägen zum Geseventwurf über die Be- triebSräte vor: lediglich diese Mitteilung hat der Unterzeick- nete in den Einigungsverhandlungen gemacht, dagegen in allen a:- deren Fragen haben die Arbeitgeber des Chemikalien-Großhandels die Möglichkeit unter Berücksichtigung der Eigentümlichkeit der Branche die wünschenswert« Verständigung mit den Arbeitnehmern zu suchen. * Sympathieerklärung der Angestellten des A. E. G.- Konzerns. Der ZvntralauSschuß der gesamten Angestelltenobleute des A.E.G.-KonzernS hat in seiner gestern stattgefundenen Sitzung nach. stehende Resolution einstimmig angenommen: .Di« gesamten Obleut« der Angestellten des A.E.G.-KonzernS sprechen den Hand- und Kopfarbeitern des chemischen Großhandel-, die sich seit zirka 4 Wochen in einem schweren Kampf um die Besse- rung ihrer sozialen Lage und um daS Mitbestimmungsrecht befinden, ihre wärmste Sympathie und ihr« Anerkennung für ihr tapferes Ausharren aus. Sie sagen ihnen moralische und ftnan- zielle Unterstützung zu und wünschen, daß der Kampf mit einem vollen Siege für die Kollegen enden möge. An die Angestellten des gesamten A.E.G.-KonzernS ergeht gleichzeitig die Aufforderung, sich in die von ihren Ausschüssen in den Betrieben aufgelegten Lister. nach Maßgabe ihres Könnens mit einem Betrage zur Unterstützung der im Kampfe befindlichen Kollegen einzuzeichnen." I. A.: Der Vorstand der A.E.G.-Angestelltenobleute. Beck. M. Schröder. E. Hinhe. Die politischen Streiks und die Gewerkschaften. Mit diesem Thema beschäftigte sich«ine gut besuchte Versammlung aller im GastwirtSgewerbe angestellten Personen. Der Referent SIeps. garth legte in seinen Ausführungen die Gründe dar. die die Or- ganisation veranlaßt«, am LI. Juli der Parole der U.S.P. und des Vollzugsrats, in den Streik zu treten, nicht zu entsprechen. Dem Vollzugsrat dürfe überhaupt nicht das Rächt«ingeräumt werden, ohne die Führer der Gewerkschaften so weittragende Beschlüsse zu fassen. Nach dem Redner erhielt Habel als Korreferent das Wort; er schien sich zur Aufgabe gemacht zu haben, auf die S.P.D. zu schimpfen. Ihm sowohl wie auch dem Rfferenten. beides U.S.P.- Leute, trat in der Diskussion D i e s i n g(S.P.D.) gegenüber, dessen Ausführungen unter einem erheblichen Teil der Versammelten leb- haften Beifall auslösten. Der weitere Verlauf der Debatte bot ein ödes Durcheinander; man gewann den Eindruck, daß man sich nicht mehr in einer Gewerkschaftsversammlung, sondern in einer poli- tischen Radauversammlung befand. Deutscher Transportarbeiter-Verband, Bezirk Groß-Berlin. Rollkurtscher, Bevleiter, Stalleute. Bodenarbciter und Mitsabrer aus aller. SpedilionSbetrieben» Berlin»! Am Dienstag, den 2. September 1919, abends 7 Uhr, Im Lehrervcreirshau», Alexanderftr. 41: Branchen- Versammlung. Tagesordnung: Bericht über die erneute Verhandlung bezügl. unseres Lohntarsse« und Belchlußfassung. Da» belllmmte Ericheinen ist dringend notwdndig. MiigliedSbu» legitimiert. Die Branchenleitung. «erantw. für den red-kti-n. Teil:«lfred«ch-U. Renttlln: für Anzeigen: Ihe-dor »locke, Berlin Verlag:»orwltrts-Verlag®. m. b. H., Berlin. Druck: BorwSri,. Buihdruckerei und Berlaneanstalt Paul Einqer u. Sa. in Berlin, Lindenltr. S, Hierzu 1 Beilage. �ldeiubrcmö Cwiwc marke AMW REINE»! SS Jacoß BtMOlac�t�ev pamm "vaky, tiit/mwwa/rv etat Bekanntmachung betreffend Ersatz für einen ausgeschiednen Stadtverordneten. An die Stelle de« auegeschiedenen Siodwerordneten Karl Mommfen irlii nach der von mir aut chrund der Bellimmnng des K 8 der Verordnung über die andenveit« Regelung de« Semeindewahlrechis vom Zt. Januar 1919. sowie der 8$ 58 und 59 der Zgadlordnung für die Madien zur vrrfalsnnggcdenden beukschen Nalionalöersanimlunq vom 90. November l9>8, in .......«*»21 deutschen Nationalversammlung vom 90. Novemver>«>», in Verbindung mit dem K 91 des Reichsvahlgesege» vom 99. No- vember 1918 vorgenommenen sseststellung als»ächsier Bewerber aus dem Wahioorschiage D. Friedrich Naumann der Syndikus Franz Breittopf in Berlin, Stratzbnrger Str. ÄS, als Ersatzmann in die Sindtverorbnetenversammlung in Berlin ein. DerUn, den 99. August 1919. Der Kommissar des Magistrats. I.oehnlng, Stadtrat. (Tg.B.Nr. 1120 Wahl 19.) Bekanntmachung betreffend de« Ersatz für einen verstorbenen Abgeordneten zur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung. Nachdem der im Wahlkreis« Berlin gewählt« Abgeordnete für die verfaffnaggebend« deutsche Nationalversamininng 0. Friedrich Naumann verstorben ist, Hai gemltz Z 59 der Per- ordnung über die Wahlen zur rersassungaebenben deutschen Nationalversammlung vom 39. November 1918 der Wahiau»- schuh in seiner heutigen Sitzung krZuleill vk. phil. Marie Eiisabetk Laders In Oflffeiborf.«apellsir.«. als den gemäß M 90/91 de« Reichswahlgesetze» vorn 80. November 1918 in I) Friedrich Naumann« Stelle eintretenden Ersatzmann nach der durch den Wahioorschlag 0. Friedrich Naumann gegebenen Reihenfolge festgestellt. Die« bring- ich hiermit zur iissentiichen pennini«. Berlin, den 50. August 1919. Der Wahlkomwiffar für den Wahlkreis Berlin für die Wahlen zur vcrfaffunggcbcudeu deutschen Nationalversammlung. Coctjoing, Stadtrat. (Tg». Nr. 1104 Wahl 19.) Z)r. med. Karl Reinhardt{ Berlin. Potsdamer Str. I i7(a. d. LfltzowstraBc) Speziair Arzt bewahrte{adunfinnUche Bchandlnns. Unentgeltliche Auskunft und aufklkrende Oratis Broschüren(Beschreibung sämtlich, heilvrdahren) in den Sprechstunden von ViU— 2 mittags,>/,d bis "- abends, Sonntest V, 1 1— t Uhr(Ii tchlossenen Brief 1,25 Mit.). Dr. med. Hotlaender Bpeaiialanst Aufklärende BrosebQre Hr. 1. 1,50 M. regen Nachnahme.* Berlin, Lcipilger Str. 108\ liglich 11— 1,5— 7 Uhr, Hamborg, Kolonnaden 26/ Sonntags Ii— I Uhr. 1 ein Her beseitigt DÄ, Haussalbe ted. Hautausschi., Flecht.. Hautjuck., bes.Beinscbtd., Krampladern der Frauen u uergl. in Origina.d&sen 4 SO, 7 SO erhältlich in der „Elctanien-Apotheke" Berlin 213, Leipri�r StraBe 7« Zurück l Dr. Kart Fleischer. Sebüeebg.AlBsta'-MIlllcrslr.t. |£> q c ch a r i w j kann feber fabrizlrrea mittel'- unserer leichten dsteihode durch Brieie. auch perjünltch. i3, 13- —• JJrofpcftc grutfs.— J. Matusan 4 M S. Kaplanski, Stjrllschaft für Fabrikation che- mifch-iechnlschrr Produkte„Sve- ranj-" Zürich 0(Schwei») Nr. 447 ♦ ZH. Jahrgang Seilage öes vorwärts Dienstag, 2. September GroßGerlw Die Zwangswirtschaft ist ihnen unbequem. Gestern fand in Berlin die Herbsttagung des Deutschen Kar- tosfel-Großhändlerverbandes statt, die aus allen Teilin des Reiches sehr zahlreich besucht war. Gegenstand der Ver- Handlungen bildete vor allem eine Konferenz, die am 26. August im ReichS-Ernährimgsministerium stattgefunden hat. Die Großstädte and Kommunaloerbände haben sich dort für die Beibehaltung der Kartoffel-Zwangsbewirtschastung ausgesprochen, während die Ver- treter der Landwirtschaft und de« Kartoffelgroßbandels die ent- gegengesetzte Ansicht vertraten. Das Reichs- Ernährungs- ni i n i st e r i u m hat sich aus den Standpunkt gestellt, daß d i e Zwangswirtschaft in Kartoffeln beibehalten werden müsse. In der Versammlung wurde demgegenüber be- hauptet, daß unter diesen Umständen eine Regelung der Kartoffel- Versorgung nur unter den größten Schwierigkeiten, vielleicht über- Haupt nicht, möglich sein würde. Nach längerer Aussprache wurde eine Entschließung angenom- men, die mit Angriffen gegen die Zwangswirtschaft nicht kargt. Sie lautet: .Die Versammlung erklärt, daß die weitere Fortsetzung der Kartoffel-Zwangswirtschast vom fachniännischen Standpunkt aus in jeder Weise zu verwerfen ist. Durch die Mißwirtschaft der Reichs- kartoffelstelle find die vom Auslande eingeführten Kartoffeln dem deutschen Volke gewissermaßen ungeheuer verteuert worden. Ferner haben sämtliche Großstädte, z. B. Köln, Frankfurt a. M. usw. bei der Karwffelversorgung sehr große Verluste erlitten, die von der Allgemeinheft wieder gedeckt wevden müssen. Die Kartoffel-ZwangS- Wirtschaft hat sich hierbei um so nachteiliger bemerkbar gemacht, als die Qualität der Kartoffeln gegenüber dem freien Handel be- deutend schlechter geworden ist. Angesichts der jetzigen Verkehrs- not ist die Kartoffel-ZwangSwirtschaft für die gesamte Volkswirt- schast um so gefährlicher, als die ReichS-Kartoffelstell« nicht m der Lag« ist, den Eisenbahnwagenpark so vorteilbaft zu verwenden, wie es der fteie Handel vermag. Aus diesen Gründen wird die Zwangswirtschaft für Kartoffeln vom deutschen Volk immer mehr als l ä st i g e Fessel empfunden und daher'.m größeren Um- tange durch Selbsthilf« übertreten. Ein- besonders um- fangreiche Durchbrechung steht aber in diesem Herbst bevor, indem sowohl die Erzeuger alz auch die Verbraucher offen erkennen lassen, daß sie sich nicht mehr an die behördlichen Bestimmungen kehren «vollem Da die Kartoffelernte in diesem Jahr überaus reichlich sein dürft«, so sieht sich der deutsche Äartoffelgroßhandel genötigt zu fordern, daß die Zwangsmaßnahmen für Kartoffeln bis zum lo. Dezember aufgehoben werden. Sollte diesem Ver- langen nicht entsprochen werden, so ist nach Ansicht der Versamm- lung angesichts der ganzen Sachlage kein anderer Ausweg mehr möglich. alseinZufammenbruchderKartoffelzwangS- Wirtschaft von innen heraus, so daß die Tätigkeit des freien� Handels von selbst wieder Platz greifen mutz. Der deutsche Kartoffelgroßhandel ist angesichts einer solchen Entwicklung nicht mehr m der Lage, die Firmen, welche sich in Zukunft an einem solchen Verkehr beteiligem, für unehrbar anzusehen, zumal die jetzt an dem BeWirtschaftssystem beteiligten Personen zum allergrößten Teil kein« Fachleute sind und die Zwangswirtschaft nur deshalb fortzusetzen wünschen, weil damit für sie einträgliche Pfründen verknüpft sind, die sie so lange alS möglich beibehalten möchten." Das müssen wir sagen: ein starkes Stück ist die Entschließung mit ihrem Hinweis auf die Selbsthilfe durch Uebertretung der Zwangswirtschaft und auf den Ausweg ihre?.Zusammenbruchs von mnen heraus", den man offenbar herbeizuführen wünscht! teil, einen stärkeren Petroleumbedarf zu decken. Und was den Preis deS Petroleums anbetrifft, so kann auch er jetzl„ficb sehen lassen". Unter den sonstigen Abhilfevorswlägen, die gemacht werden ist sogar der, die Treppenbeleuchtung gänzlich ein- zustellen. Gegen dieses verzweifelte Mittel, dessen Bedenkliib- keit auf der Hand liegt, müßten wir uns ganz enlschieden aus- sprechen. Die Hauswirte allerdings würden wahrscheinlich sofort Ja sagen! In mehreren Zuschriften wird daraus hingewieien, daß man in den Wohnvierteln der Wohlhabenden oft beobachten könne, wie bis lief in die Nacht hinein die Zimmer strablend hell erleuchtet sind. Wrr empfehlen dringend, solche Beobachtungen unter genauer Angab« von Straße. Hausnummer und Stockwerk an die Kohlenstelle Groß-Berlin(Linkstr. 25) zu berichten. Sie»st verpflichtet, gegen derartige Lichtverschwendungen einzuschreiten.— Beachtung verdient der Vorschlag, möglichst überall die durch- gehende Arbeitszeit einzuführen, wobei am Abend mindestens für die Grotzgeschäste ein früherer Geschäftsschluß möglich würde. Zur Verstadtlichung der Grost-Berliner Milchversorgung wird jetzt entgegen einer früheren Meldung mitgeteilt, daß die Interessengemeinschaft märkischer Milchprodu« z e u t e n keineswegs in den Besitz der Fettstelle Groß-Berlin über- gegangen ist. Die Ai heiter und Angestellten der Gesellschaft hatten die Annahm« des Tarifvertrages und ein Weiterarbeiten nur dann in Aussicht gestellt, wenn dte Feltstelle Groß-Berlin der Meierei der Gesellschaft ein ausreichendes Milchquantum auf die Dauer zwecks Aufrechterhaltung des Betriebes zusichern würde. Eine solche Zusicherung ist von der Fettstelle Groß-Berlin abgelehnt worden. Sie erklärt vielmehr, eine Zusammenlegung der Betriebe vor- nehmen zu müssen. Aus dieiem Grunde wird der Meierei- betrieb der Jnkeresiengemeinschaft märkischer Milchproduzenten jsdenfalls in allernächster Zeil st i l l g e l e g t werden. Die Ge« sellschafl als solche bleibt jedoch selbständig b e st e h e n. Sie will, wie gemeldet,.auch ferner die Interessen der nach Berlin liefernden Landwirte auf das Kästigste zu wahren und zu fordern suchen." Das soll wohl heißen: sie will die Verstadtlichung der Groß- Berliner Milchversorgung nach Kräften zu hintertreiben suchen._ Geständnis des Spandauer Raubmörders. Wegen des Raubmordes an dem Arbeiter Lemm auf der Chaussee zwischen Spandau und Pausin wurden, wie wir gestern berichteten, von der Berliner Kriminalpolizei zwei Polen namen« R o s a l S k i und S ü w a l e r unter dem dringenden Ber- dacht der Täterschaft bzw. Mitwisserschaft verhaftet. Beide leug- neten trotz de? herbeigeschafften Belastungsmaterials hartnäckig, mit dem Verbrechen etwas zu tun gehabt zu haben oder etwa? davon zu wissen. Gestern abend nahmen nun Beamte d«S Kriminalober- wachtmeisterZ Lehmann, der auch die Aufklärung der von dem Schlosser Schumann verübten Massenverbrechen leitete, den mut- maßlichen Täter, den angeblichen.R o s a l S k i", in ein eingehendes Verhör, das dahin führte, daß dieser das Verbrechen einge- stand. Er gab auch zu, daß er nicht Rosalski heiße, sondern sich einen falschen Namen beigelegt habe und in Wirklichkeit der am 17. Juli 1896 aus Brzejske gebürtig« Arbeiter Josef B a b u t sei. Die Tat schildert er so, als ob es ftch nicht um einen geplanten Raubmord handle, sondern um einen Streit, in dessen Verlauf er Lemm erschossen habe. Er will auf der Landstraße gegangen sein, um sich in einem Dorf Arbeit zn suchen. Hinter ihm sei dann Einbruch beim Temobilmachungsamt. In der Nackt zum Sonntag wurde das Temobilmachungsaint, das im Hause Hedemannstr. 7 große Räume inne hat. von Ein- brechern heimgesucht. Sie erbrachen den Geldichrank im Kassen- lokal und beraubten ihn seines Inhaltes von rund 16 0 006 M. Erst am gestrigen Montag früh, als die Angest-llien in den Gc- schäitSräumen erschienen, kam der Einbruch zur Kenntnis der Ver- waliung. DaS Geld war am Sonnabend für die GebaliSzablung zum 1. September von der Bank geHoll worden. Die Diebe müssen davon Keniitnis gehabt baben und auch mit der Oerllichkcit� sehr genau vertraut gewesen sein. Von dem Einbruch haben die Wächter nichts wahrgenommen._ Nicht öffnen, bevor der Zug hält! Durch vorzeitige« Oessnen der Eiienbahnabteftlüren find neuer- ding? wieder eine Reihe von Unfällen leichterer und schwererer Art veruriackt worden. Unter anderm wurde erst vor wenigen Tagen auf dem Bahnhofe Sieglitz der Fahrdienstleiter lo ichwer von einer zu früh geöffneten Tür getroffen, daß er besinnungslos m den Dienstraum geichafft werden mußte. Alle diese Unfälle sind auf die G e d a n k e n l o I i g! e r t und Rücksichtslosigkeit der Reisenden zurückzuführen, die schon vor der Einfahrt des Zuges in den Bahnhof die Abteiltür öffnen und sie wert aufschlagen lassen Soviel wir wissen, ist dieser gefährliche Unfug auch dann, wenn er ohne schlimme Folgen abläuft, mit einer von der Eisenbahnbehörde festzusetzenden Strafe bedroht. Ein Opfer der GpielfludS scheint der kürzlich verhaftete Depo- fitenkassenvorsteher der Deutschen Bank, I u w i g, zu lein, der vor einiger Zeit wegen Unterschlagung von 300 000 M. verhaftet wurde. Wie sich im Laufe der geführte» Voruntersuchung berauSgestellr hat. war I. eiftiger Besucher eines Spielklnbs, der sich, um nicht aufzufallen, ein Tbeatermänlelchen umgehängt halte. Hier soll I. Summen, die in die Hunderltausend gehen, beim„Bac" verspielt haben. Außerdem hat er bei einem bekannten Buchmacher viele Tausende bei Pferderennen verwettet. Die Berliner Städtischen Straßenbahnen erhöhen von heute ab ihren Fahrpreis ebenso wie die Große Berliner Straßenbahn auf 20 Pf. für die Einzelfahrt. Sekretariat für militärische Angelegenheiten, TW. 68, Linden- strahe 3, 2. Hof links. 4 Tr. rechts. Die juristische Sprechstunde findet von jetzt ab jeden Mittwoch abends 6—7 Uhr statt. Oeffentliche Sportversammlung. einberusen vom Ortsausschuß für Sport und Körperpflege, Diensiag, 2. September, ff, 3 Uhr, in Cdlirtolten- bürg, Rofinenstr. 3. Rcjerent: Genosse Vlldung> Leipzig, Vorsitzender der Zentralstelle sür Sport und Körperpflege. Apolla-Theater. Für das September-Programm hat dle Direkt!«-i den Weltmeister Erich Rahn verpflichtet, der öffenilich zeigen wird, wie ün Jiu-AitlrnKampj selbst der beste Ringlämpser sofort unschädlich zu rnochni lft. Außerdem kommt wieder ein außergewöhnlich reichzalliges Vanelö- Programm zur Vorführung. Dir Amtsvorstrherwahlen im Kreis Niederbarnim, die der Kreistag vollzogen hat, brachten folgendes Ergebnis. Gewählt wurden aus der Sozialdemokratischen Partei 26 j AintSvorftcher und 22 Stellvertreter, aus der Unabhängigen SoAialdemokratischen Partei 4 Amtsvorsteher und 7 Stellvertreter, aus den Bürgerlichen 12 Amtsvorstcher und 14 Stellvertreter. Charlottenburg. Brennholz- und Torfbcschaffung durch die Wie kommen wir«m die Gassperre Hern«? Milderung der Gassperre wird in vielen Zuschriften au« un« '«rem Leserkreise verlangt. Die Lektüre all' dieser Klagebriefe könnte den Kohlenverband Groß-Berlin darüber belehren, wie hart die neue Beschränkung des Gasverbrauches in die Hauswirtschaft und in das Familienleben der Minderbemittelten eingreift. Immer wieder wird von den Briefschreibern die Frage aufgeworfen, ob und wie wir um die Gassperre herumkommen könnten, aber keiner weiß eine befriedigende Antwort. Einer regt an, den Gas- verbrauch dadurch herabzudrücken, daß man mehr Petroleum heranichafft. Gewiß, der Wunsch nach der Rückkehr zur alten Petroleumkampe wird jetzt lebhafter al« je sein. Schon die wiederholte Erhöhung des Gaspreises muß vielen Gasabnebmern dielen Ausweg nahe legen. Doch zurzeit fehlt jede Möglich- Lemm mit dem Rade gekommen. Dieser habe geklingelt und darauf--■--, ,,•.,.. hin sei er nach links auZgebogen. Aber auch der Radfahrer sei zur Stadt. Ter Magistrat hat beschlossen, eine Million zum Ankauf von gleichen Zeit nach links gefahren, und so sei er mit ihm zusammen- Brennholz und Tors aus städtischen Mitteln zur Verftrgung zu gestoßen. Lemm sei vom Rade gesprungen und habe sich mit den stellen. Worten:.Verfluchte� Lump, warum gehst Du nicht au? dem! Neukölln. Gegen de« Schuhware, iwucher. Die Aufhebung der Wege? auf ihn gestürzt. Nun sei er erregt geworden, habe die ZmangSbewirtschanung der Häute hat rasch zu einer Sleigerung V.stol-. ao,oaen unv al» Lemm kerkuchte. sie rb», entre.k--n. ,.e gicchledersneiie« gesührt, die stellenweise das zebiifache über- Pistole gezogen und als Lemm persuchte, sie ihm zu entreißen, sie abgedrückt. Dieser sei dann zusammengebrochen, und jetzt erst sei er ans den Gedinken gekommen, ihn zu berauben. In Wirklichkeit aber handelt es sich zweifellos um ein wohl vorbereitetes Verbrechen. Denn Lemm ist hurch zwei Schüsse getötet war- den, auch ist kaum anzunehmen, daß sich dieser mit den von Babut wiedergegebenen Worten auf den harmlosen Spaziergänger gestürzt hat. Die Uhr des Ermordeten hat der Täter schon«ine halbe Stunde später für 12 Mark verkauft. DaS Rad zerlegte er in ver- schiedene Teile, die er im Spandauer Forst vergrub. Erst zehn Tage später hat er sie mit Suwaler wieder ausgegraben und zu- sammengesetzt und dann das Rad nach Berlin gebracht, wo sie es für 105 Mark einem noch nicht ermittelten Manne verkauften. Er wird gebeten, sich umgehend zu melden. Suwaler leugnet noch. von der Herkunft des Rades und dem Verbrechen etwas gewußt zu haben. steigt. Durch diele enorme Steigerung werden natürlich auck die Fertigfabrikate aus Leder, insbesondere die Siieiel, arg betroffen. Dem Lederwucher energisch entgegenzutreten, ist Pflicht der Behörden. In dem Bestreben, dieser unverantwortliche» Preistreiberei Einhalt zu gebieten, hat der Magistrat Neukölln einen g r o ß e n Posten gute Kinder st iesel aus reinem Leder auf« gelaust, die aus Heeresbeständen anqe'ertlgt worden sind. Sie werden in der Bekleidungsstelle Bergstr. 20 an jedermann ab- gegeben, zu Preisen, bei denen der Verdienst wegfällt und nur die Unkosten des Ankauis darauf geschlagen werden. Der Bevölkerung wird empfohlen, von diesem günstigen Angebot Gebrauch zu machen. Lichtenberg. Stadwerorbnetenversammlung, Zunächst wurde die Einführung von neueintretendcn Stadtverordneten Vorgenom- men, unter denen sich auch Genosse Ahl befindet. Taraus gelangte 551 Erleuchtung. Roman von Henri Barbusse, Verdeutscht von Max Hochdorf. Die dichte Nacht hat sich überall ausgebreitet. Meine Hände werden von dem schwarzen Blut gebadet. Regen fällt auf meinen Nacken und auf meine Wangen. Auch der Regen ist schwarz, blutsckfwarz. Das Gefolge der Todeswolken, die silbern eingerahmt sind, schwebt noch einmal vorüber. Ein Mondesstrahl ver- silbert noch einmal den Schlamm, der von den Soldaten her- niederrieselt, der Mond breitet TodeSschweißtücher über die Menickfen, die dort hingestreckt liegen. Plötzlich huscht ein Klagegeheul von irgendwo über die Ebene: ,,Zu Hilfe! Zu Hilfe!" „Was, sie wollen uns nicht holen kommen?" Menschen regen sich sehr sachte. Ihre Bewegung ist nur wie das Wiegen auf dem Meeresgrunde. Tann ist das spitzige Gesicht meines Feindes zurückge- stinken und verschlungen worden von, diesem Getrümmere all der rumorenden Menschen. Ter Kopf des Feindes ruht oetzt auf der Erde, die noch aufständisch und lau ist. auf die sich aber schon der kalte Tod niederhockt, und schon rüstet sich ,der mächtige und starke Beutegeier, mit seiner FraH davon- zufliegen. Das Pferd blutet unaufhörlich. Das Blut tröpfelt Tropfen auf Tropfen mit der Regelmäßigkeit einer Uhr. Als wenn durch den Leib dieses Tieres alles Blut und alles Leid der Verwundeten strömen sollte, das in diese Erdschollen hineinsickert, so ist es. Ach, es scheint, daß die Wahrheit nach allen Richtungen weiter ausstrahlt als man eS glauben möchte. Man neigt sich dem Leiden zu, das die Tiere an- fällt, denn die Tiere allein versteht man vollkommen. Aber die Menschen, die Menschen!-- Neberall ist die Erde zerfetzt und zerfasert. Die Erde stemmt sich mächtig aufgemauert in den Horizont hinein, über den es bald blau und schwarz und dann wieder rot und schwärzlich hinblitzt. 15. Kapitel. Erscheinung. Ich liege noch immer auf dem gleichen Flecken. Ich öffne die Au�en. Habe ich geschlafen? Ich weiß es nicht. Es herrscht ein ruhiges Licht. Es ist Morgen oder Abend. Nur meine Arme können sich zitternd bewegen. Ich bin in den Boden eingewurzelt wie ein gekrümmtes Gesträuch, meine Wunde schuld daran? Ja, es ist die Wunde, die mich an den Erdboden anheftet. Endlich kann ich das Gesicht aufheben. Die feuchten Wellen, die durch den Raum schwimmen, überschwemmen meine Augen. In der kotigen Fahlheit, die alles durchein- andermischt, und in dem brodelnden Pfützenwasser, das un- endlich schmutzig ist, bemerke ich Schulterblätter, die wie Nebelfetzen aussehen und unbestimmte Ellbogcnwölbuitgen und ein Gefasere von Händen. Ich entdeckte den unbeweglichen Kreis, von dem ich eingesperrt werde. Gesichter schleppen sich am Erdboden hin. Sie sind schmutzig wie schmutzige Füße oder gegen den niederfallenden Regen hingestreckt, und auf den Gesichtern stehen, wie in geringen Gefäßen, Tränen- flecken. Ein Mensch wendet sich zur Seite, er rückt ganz nahe an mich heran, und er betrachtet mich mit trübseligem Blicke. Wie ein Tier taucht er aus dem Haufen heraus. Die Haare i fallen ihm wie Nägel in die Stirn. Die Nase ist ein drei- j eckiges Loch, aus der ein wenig weißlicher Menschenmarmor I herausragt. Der Mensch hat keine Lippen mehr, und die beiden Zahnreihen klaffen auf wie die Buchstaben in einem Buche. Die hellen Wangen sind von einem bärtigen Schimmel eingerahmt. Dieser Menschenleib ist nur noch Schmutz und Stein. Dieses Gesicht, das dort vor dem meinigen liegt, ähnelt nur noch einer blinden Spiegelhöhlung. Tie ganze Erde wird von den Soldatenmänteln zuge- deckt, die schwärzlich und wasserschwer herumliegen. Ich'uche, ich suche-- Ich stütze mich auf irgend etwas, und ein Schaue? geht von diesem EtwaS auf mich über. Mein Ellbogen bohrt sich in dieses Etwas hinein. Es ist der Leib des Pferdes. Das erstarrte Bein versperrt den engen Kreis, aus dem mein Auge sich nicht loslösen kann. Ach, das Pferd ist jetzt tot?-- Es betzünkt mich, daß es jetzt ganz leer in mir geworden ist. und doch regt sich etwas in meinem Herzen. DaS, was ich suche, ist das Leben. In der Ferne hallt der Himmel noch immer wieder. Und jeder dunkle Schlag packt mich an den Schultern. In der Nähe schlagen die Granaten noch immer mit ihrem dumpfen Ge- poltere ein. Ich sehe sie nicht, ich sehe nur den gelblichen Widerschein, den ihr Aufplatzen verbreitet, und ich sehe auch nur den jähen Schatten, der von ihrem schmutzigen Gewölk ausgeworfen wird. Und andere Schatten kommen und ver- schwinden und kriechen ringsherum am Boden. Dann ver- nehme ich in der Luft ein Flügelrauschcn und Geknattere und Schreie, die so wild sind, daß sie mir deutlich und mit aller Wucht den Kopf durchbohren. Der Tod hat noch nicht i'cherall vollkommen seine Macht entfaltet. Einige Menschenpünktlein, einige Menschengesicht- lein widerstehen noch. Sie regen sich noch, und sie schreien noch. Sicher geschieht es, weil eben der neue Tag aufgeht. Dann fegt der Wind mit einer dumpfen Fanfare durch das Weltall. Wohl haben all die Menschen die eisig nagenden Stunden überstehen müssen, aber es brennt noch in manchen von ihnen der unsichtbare Brand des Fiebers. Trotzdem schrumpfen sie ein in dem Froste, die Starrheit der Dinge teilt sich ihrem Wesen mit, und der Wind, der vorüberstreist, kann nur noch ein geringes Leben davontragen. Abgewetzt und verwaschen sind die Stimmen nur noch. Lose hängen die Blicke nur noch in den Augen. Schon sind die Wunden ausgetrocknet, schon sind sie nicht mehr vorhanden. Was blutet, das sind nur noch die Steine, das ist nur noch das Erdreich. Da blicke ich um mich. Und es liegen neben mir Tote, deren Körper aufgerissen sind, die Körper sind noch lauwarm und sie rauchen noch. Sie liegen unter der Rieselung des Morgendämmerns wie die Trümmer eines Dorfes, über dem noch die Finsternis lagert. Ich blicke all dem zu, diesem tadesfernen Atemholen der Toten. Schon schwirren die Raben über das entblößte Fleisch, sie schlagen mit ihren Flügelbannern, und sie lärmen mit ihrem Kriegs- geschrei. Ich sehe einen Raben, der sich aus der schwärzlichen Verwesung eines Fußes glänzende Rubinen herausp ckt, und ich sehe einen anderen, der sich stürmisch auf einen Mund stürzt, als wenn der Mund ihn gerufen hätte. Manchmal macht ein Toter eine Betoegiing, als wenn er sich noch tiefer in die Erde hineinwälzen wollte. Von diesen Toten wird kein« andere Grabesspur übrig bleiben als von dem Tod der letzten Menschen übrig bleiben kann.(Forts, folgt.) die_ von den Unabhängigen gestellt« Anfrage wegen Besetzung öffentlicher Gebäude in Lichtenberg mit Reichs- wehrtruppcn zur Besprechung. Di« schriftliche Antwort deS Magistrats hat den Unabhängigen nicht genügt. Oberbürgermeister Ziethen hob hervor, daß jede Regierung, und sei eS eine solche der äußersten Linken, eine Macht hinter sich haben müsse, um Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Sollte durch die militärischen Maß- nahmen Handel und Wandel gestört werden, so werde der Maai- strat immer das Erforderliche tun. Im selben Sinne äußerte stch Bürgermeister Dr. Maretzky, der noch besonders betonte, vaß es doch den damals anwesend gewesenen unabhängigen Volkskommis- saren freigestanden hätte, sich energisch gegen das Militär zu wenden, wenn ihnen sein Eingreifen nicht genügte. Gegen die die Regelung des Beerdigungswesens betreffende Vorlage wendet sich scharf�Gcnosse M i r u s. Die Vorlage enthalte so gut wie nichts vom Sozialismus. Die unterschiedliche Bestattung bestehe nack wie} vor. Tie Geldfrage spiele eine wesentlich« Rolle und zur Krage � Oer Einäscherung wird überhaupt nicht Stellung genommen. Tie Unabhängigen versuchten krampfhaft, die Vorzüge der Vorlage zu beleuchten, da ihnen die Kritik des Genossen Mirus offenbar un> bequem war, zumal in ihrer Fraktion keine Einstimmigkeit über diese Frage bestand. Schließlich gelang cS den Unabhängigen mit Hilfe der Bürgerlichen, den sozial demokra- tischen Antrag auf Zurückweisung an die Kom- Mission zum Zweck der Verbesserung zu Fall zu bringen. Für den Ankauf von Baracken zu Bureauräumen wurden 17 OOV M. bewilligt, um die bisher als Bureaus benutzten Wohnräume freizumachen. Die Besetzung der ausgeschriebenen Stadtschul, und Medizinalratsstelle soll von der Kommission weiter vorbereitet werden, ohne Rücksicht auf die kommende Eingemein- durtg. Ter Entschädigung an die Stadtverordneten und unbesolde- ten Magistratsmitglieder wurde gegen die Stimmen der Bürger- lichen zugestimmt. Eine lebhafte Debatte eutstand bei der von den Unabhängigen gestellten Anfrage wegen der Einrichtung des Be- triebsrats bei den städtischen Werken. Direktor Tremus verteidigte seine Stellungnahme und erklärte, er habe kein Recht zur Bezah- lung von Arbeitern, die ohne vorherige Vereinbarung die Arbeit verlassen mit der Erklärung, sie seien in den Betriebsrat gewählt und es müsse ihre Stell« offen gehalten werden. Genosse Wessel wünschte die Schaffung einer Instanz, die bei derartigen Differen- zen die Sckstichtung übernimmt, soweit das möglich ist. Der Magi- strat in feiner jetzigen Zusammensetzung erscheine ihm nicht als geeigneter Vermittler. Oberbürgermeister Ziethen betonte, daß nennenswerte Differenzen zwischen Arbeiterschaft und Verwaltung bisher noch nicht hervorgetreten sind. In der Hauptsache habe es sich um Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Zahl der Betriebs- ratsmitglieder gehandelt. Den Arbeitern seien die weitgehendsten Zugeständnisse gemacht worden und nur durch die Streikandrohung der Arbeiter, die insbesondere darauf Verlviesen, daß bei nicht so- fortiger Bewilligung auch in den anderen Gemeinden Groß-Berlins eventuell eine Stillegung der Werke erfolgen würde, habe sich der Magistrat veranlaßt geiehen, der ganz geringfügigen Fovderung nachzugeben. Genosse Wessel erklärte nochmals, daß ähnlich wie die Lohnkommission durch Verhandlungen ganz wesentliche Diffe- renzcn beseitigt habe, auch der Magistrat die Gewerkschaften hätte hinzuziehen können. Im übrigen verurteile er entschieden den Terror, insbesondere bei so wichtigen städtischen Betrieben. Im . Anschluß hieran stellte die sozialidemokratische Fraktion den Antrag, die Lohnkommission als Verhandlungsinstanz anzuerkennen, um nach Möglichkeit Differenzen auszugleichen. Dem Antrag wurde zugestimmt. Eine weitere Anfrage wegen Beschaffung von Brenn- Material wurde vom Genossen Wessel begründet. Er bemän- gelte die Maßnahmen der Kohlenstelle bezüglich der Zuteilung von Kohlen und unterbreitete entsprechende Vorschläge, die eine gerech- tere Verteilung bsdingcn. Redner wünschte eine nachhaltige Ein- Wirkung auf die Kohlenstelle und gegebenenfalls die Anrufung des Reichswirtschaftsministeriums. Weiter erörterte er die Mißstände bei dem Bezug von Kohlen durch die Händler, die durch die Art der Anfuhr jede Kontrolle über die Kohlenmenge unmöglich machen und die Abholung durch den Käufer selbst verweigern. Einstim- migkcit bestanid darüber, daß für den Winter die umfassendsten Vor- bereitungen getroffen werden müßten, um die Bevölkerung aus- reichend mit Brennstoff zu versorgen. Genosse Arndt(Soz.) fragte an, wer die im städtischen Lager befindlichen 100 Zentner Käse gekauft habe, der angeblich verdorben sei. Stadtrat Witzle (Unabh.) erklärte, über den Kauf selbst nicht unterrichtet zu sein, da er noch nicht im Amt war. Von dem Käse sind 60 Zentner noch einwandfrei und soll derselbe nach entsprechender Vorbereitung an die Bevölkerung abgegeben werden. Trebbin. Stadwerordnetenversammlung. Bei den am Donners« tag stattgefundenen Magistratsneuwablen wurden 2 Bürgerliche 2 Mehrheitssozialisten und 1 Unabhängiger gewählt. Groft-Berliner Lebensmittel. Berlin. Infolge Eingangs groher Mengen bicklaurer Milch auf ,0 1*- und.C II*. Karten"om 2. bis 5. Sevtcmber keine Vollmilch. Als Ersatz am 2. September, eine Biichie Kondensmilch. Nowawcs. Heute be! sämtlichen ifleischermeiitern und Fleifchverkäusern Ausgabe von amerikanischen Schweincfleifchprodukten. aus 8 10 2S0 Gramm. Groß-Serliner Parteinachrichten. ki. Abteilung. Mittwoch, 3. Sept., 7 Ubr, Zablabend: bei Schmidt, Tcllower Str. t8; bei Dieck, Tcltower Str. 45; bei Keilfner, Hagclberger Str. 20»; bei Böbmchen, Kreurbergstr. l2; bei Prieß, Monumentenftr. 23; bei Vitincr, Katzbachstr. 32; bei Rieger, Aorckslr. 59; bei Huih, Uorckftr. 54. 7. Abteilung. Heute 8 Uhr: Sitzung der Funktionäre bei Grüntbal, Urbanitr. l87. lt. Abteilung. Mittwoch, 3. September, in folgenden Lokalen Extra- zahlabend: Schulz, Stallschreiberstr. 29; Radtte, Neue Jakobstr. 1; Krüger, Engelujer 13. Abteilung. Mittwoch, 3. September, 7st, Uhr, BezlrkSabcnde bei: Taube, Mülle: strahe: Grünwald. Kamerunstrage; LewandowSki. See- ftraße. Daselbst auch Ausgabe der neuen Legitimationskarten sür Partei- tunklionöre und BeiriebSocrlrauenSleute. TaZ Erfchefnen aller Genossen ist notwendig. Bereinigung der sozialdemokratischen Beamten. Angestellten und HiisSkräfte der Genieinden Grost-BerlinS. Mittwoch, 3. Sep- tcmbcr, 7 Uhr: Hauptversammlung im Köllnischen Gymnasium, Insel- ftraße 2—5 sam Untcrgrunddahnhos Jnselbrücke). Tagesordnung: Ausbau der Organisation, Wabl der Delegierten zur Zentral-ArbeitSgemeinschast, Personal- und GehaltSresorm, Verschiedenes. Vollzähliges Erscheinen dringend notwendig. Eharlotteuburg. Mittwoch, 3. September, 7 Uhr: Frauenversomm- lung der 3. Gruppe im Lokal Daedelow, Sömmeringstr. 22, Ecke Norc.- hausener Str. Reger Besuch wird erwartet. Lichtenberg. Freitag. 5. September, 7 Ubr, in der Volksschule. Marktslr. 10/11: Frauenvcrsammlung. Elsricde Ryncck, Mitglied der Nationalversammlung:.Die Mutterschastsverficherulig und die Reichs- wochenbeibilsc. Frauen und Mädchen, erscheint in Massen i Dahlem. Mittwoch, 3 September, 8 Uhr, bei Schilling, Königin- Luise-Slr. 42: Mitgliederversammlung. Bernau. Mittwoch, 3. Scplcmber, pünktlich 8 Uhr: Mitglirber- Versammlung bei Rolhwald. Kaiserftr. 82. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. Vorträge, vereine unä Versammlungen. Einsonder von BersnmmlungSankündigungen werden gebeten, die genaue Angabe von Zeit und Ort der Versamm langen nicht zu vergessen. Raummangel verbietet unS, natu Veröffentlichung einer unvollständig eingesandten Ankündigung noch die berichtigende Ankündigung zu veröffentlichen. Zentralvrrband der Handlungsgehilfen. Bez. WilmerSdorf-Halen- fee-Schmaraendors. Sitzung am Mittwoch, den 3. Scptbr., Uhr, bei Sage mann, Berliner Str. 33, Nähe Ublandilrahe, Wiime-.Sdorf. BeitragSzablun., wird entgegengenommen.— Reichsbund der jlriegsbeichädigten usw.. Bezirk N o r d. W e st. Heute Bezirks Versammlung im.Attmärkiichen.Hof" Em d euer Str. 51. Daselbst am Donnerstag, 4. Seviember. Monats Versammlung der Kriegshinterbliebenen.— Kriegsbe chadigre,-Hinter dtiebene-er Ztzlugzeugmeisterei Ablersdof. Die Vallveisammlnn ist am Dienstag. 2. September, 3'/, Uhr, bei Lehmzrübener, AdlerSho!. ?tus aller weit. Schweeer Eisenbahnunfall. SuS Glatz wird mitgeteilt: Ein schwerer Eisenbahn uu- fall ereignete sich vorgestern nachmittag um ö Uhr bei der Einfohri des Zuges der EulengebirgS-Kleinbahn von Wünichelburg in der Bahnhof Mittelsteine. Die beiden Wagen hinler der Lokomotivr sprangen aus bisher unaufgeklärter Ursache in das Neb engl ei- Ein Wagen fiel um. Bisher sind zwei Tote, vier Schwer. verletzte und zehn Leichtverletzte festgestellt. Bis zum Eintreffen deS Rettungszuges aus Glatz leistete ein auf dem Bahn- hos anwesender Arzt aus Mittelsteine die erste Hilfe. Bon der Schwerverletzten sind zwei während der Ueberführung nach dem. Krankenstift in Scheibe gestorben. Erscheinen unbedingte Pflicht. Johann Sigurjonffon gestorben. Der isländische Dichter und Dramatiker Johann S i g u r« j o n s s o n. Verfasser mehrerer erfolgreicher Theaterstücke, die zun: Teil auch in Deutschland zur Aufführung gelangten, ist in Kopen Hagen im Alter von 39 Jahren an einem Herzleiden gestorben. Srlefkasten üer Reöaktion. C. iL. 100. Wenden Sie sich an das Archiv der Partei, Lindenstr. i> — B. 3>. 34. Libertas, liberti.— B. 10. Nein. Gehen sie zur Beratungsstelle der LandeSvcrstcherung. Am Köllnrschen Bark(unentgelllich). 31. August, früh 9 Uhr, verschied im Alter von 80 Jahren nach langem Leiden unsere gellebte Mutter, Schwieger- und GroBmuttcr Marie Voigt geb. liroll. Die»«Igen tlefbetrübt an die Hinterbliebenen Alfred Voljrt. Martha Voigt, geb. Wieoecke, Anna SchHIer, geb. Voigt, Panl SchÄier, Bruno Schüfer. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. September 1919, nachmittags 4'/» Uhr, von der Halle des Gethsemane-Friedhofs In Nordend, statt Ruhe sanftl Die Erde ael Dir leicht! | Am 1. September, morgens 7'/« Uhr, emscnnei S raen langem, schwerem Leiden meine inniggeliebte j Gattin, unsere herzensgute Mutter, Frau entschlief Anna Beier geb. Ferger ! im 49. Lebensjahre. 3761b In tieler Trauer: Hermaan Beler. Alfred, Lude, Max. ; ElnSscherung: Donnerstag, den 4. September, r mittags I Uhr, im Krematorium Gerichtstr. 37. | Von Kranzspenden bitten abschen zu wollen. | Sozialdem. ülalllvercin Berlin(S. P. D.) Abteilung 22. Allen Mitgliedern zur I Nachricht, daß unser Genosse i Hermann Nottrodt ?irail»berger Str. 45, ver- .otben ist. Ehre seinem Andenken I !■' Die Beerdigung findet Dienstag, den 2. September, nachm. 4 Ubr, auf dem Friedbo! derAuferstehunas- k gemeinde. SBeirenfce, Sich. -> renborger Straße, statt � Um»ahireiche»etelli- L gung ersucht 200/14 Der Vontaod. Hufbau und Werden. Heute abend 7Vz Uhr in der Aula des Realgymnasiums i» Oberschöneweid«: Sneifn ZiMMW des iSmsseu Biol.St JaiK lM übet: I. Weltrevolution und Partcikrifis. II. DaS Ausland und die Juteruatiouale. «Hnfdff feeii Die Arbeiterschaft und ihre Vertrauensleute find besonders eingeladen. e70D ljelitsederPortierverbsnl!. DienStag, de« 2. 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Tob.... 7, , Uebertragnng 2 19 Genossen 19 Anteile Es verbleiben somrl am Echiußb.Iahres 738 Genossen 73/ Anteile Der Aufsichtsrat: Der Vorstand: «. venblg, Vorsitzender.». Dornrr. P. Schiffte. «. Psrlsser. Di« Revisionsrommisfion: «. Langer.«. Mersch H. Wolf. 217/12 4A mterestante Sittengemiiide nur ffit Erwachsene bestimmt. L Sa« Tagebuch(inet verlorenen. Herausgegeben von Margarete Böhm» aus dem Nachlaß einer Toten. M. 2. u. Porto 0.15. 3 wagmuo.(kln Berliner Warenhausroman. Bon derselben Bersasserln. M. 3,50 u. Porto 0.35. 3 Sie Uächeuiu Realistische Novellen von Max Z. Wolff. M. 3— u. Porto 0.25. 4 Sie Seicht« einer weißen Afrikanerin. Bon D. v. M. Gin Beiirag zur HerrenmoraL M 3.— u. Porto 0,25. 5. Todesnncht. Bon St Vaeano. Ein tiefergreifenbes Buch, das Schicksal eines verirrten jungen Menschen behanbeinb. M. 1.65 u. Porto 0.25. (. Kabarett Realistische Novellen von Max Kretzer. M. 3— u. Porto 0.25. 7. ainriffa. Au« dunklen Häusern Belgien«. M. 3- u, Porto 0,15. 3 Nutd. Gin afrik. Kolonialroman. M.— L75 u. Porto 0.25. ». herbst stürm. Gin packender realistischer Roman von Mai Kretzer. M. 2.50 u, Porto 0.2t 10.»1« Mädchen fallen. Bon W. N. Willis. Gin Buch der Warnung und Belehrung. M. 2.20 u. Porto 0.25. Alle 10 Bllcher tosten»ufammen M. 22,35 und M. I Porto, Bezug gegen Borrinsendung oder Nachnahme, bei Nachnahme 0.35 M. Sönbergebllhr durch Serllnar Such. uersuu».«dt. V. SerNu. Grunewald, Zrnnzenabader SlrnP« X Neu eröffnet! Dresdener Str. 64. Echt Holländer und Kambarger Zigarren bester Qualität (Abgabe auch kistchenweisei. Deutsche, ägyptische, englische Zigaretten. "> Rauch- und Kautabak. 6768b Infolge günstiger Einkäufe billigste Preise. Für Händler und Wiederverkäufer Engrospreise. Stadt-, In- und Auslandstransporte•■Kl A. 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Aufl. erschienene, mit 46 vonreliiichen, den I Texj erläuternden Abbildungen versehene Werk| „Die Ollenbaronp k Gesehleelitllelieir Das Urteil aller ist einzig Wissenschaft ist das Buch___________ 1 Kaimt, leider war das Buch, n letzter Zeitverboten. 1 Wer das Glück seiner Ehe festigen will, wer die Qualen, die die Gatten währenrf der ganzen Geschiechupcriode empfinden, vermeiden möchte, dem empfehlen wir die wissenschaftlichen Aufklärungen, wie solche in dem Buche 1 „Die Offt nbaruagen im Oeschlechtlichen" enthalten sind, aufs angeiegenute, es wird wie eine Befreiung von Not und Pein empfunden w erden. Dieser Vorzüge wegen ist dieses Buch beliebt, wie kein anderes in der Ehe. Preis M. 5,50, Nachn. 35 PI. teurer. 164/10« i Linser-Verlag, Berlin-Pankow iooi. Wanzengreiff greift jede Wanze!- Agsrren sus reinem 7sdsk Sicher wirkendes »ikalmittei Nur in Originalflaschen mit nebenstehendem*en l Ä i l d z e i ch e n Ml* ai/— Das Schuhwort„Wanzen-Sreiff" verbürgt volle Wirlsamkelt. 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