|tr.451. ZS-Iahrg. Gegnt&ptt&t 3Hittfl|aF|iL iRt. aanatL«t frei IN» Sau», voraus johlbar. Post. bizug i Monatlich X— Ml. fjO. gu- ftettunasgtbiUjr. Unttt Zlrsiztxnrb für Deutlchlaud und Oesterreich- Ungarn iJS Ml. für da» übrige Ausland 10 25 Ml. bei täglich eimnaL Zustellung 8,25 ML Postbestellungen nehmen an DänemarL Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schwet». Eingetragen m die Poft-Zetinngs-Preislift». Der.Vorwä«»- mit der Sonntag» deilage»Boll u. geit» erscheint wochen- täglich zweimal. Sonntag» einmal. Teleg rmnm-Adresse: �Sozialdemokrat verlia-. Morgen-Ansgabe. OG £> mmmwrur W 4 berliner VolKsblstt. c ) «»zetgeupreiS: vi» achtgeipalten« Zlonparewezeil, lostet IS» ML„Steine«»zeigen-. da» settgedruckt- Wort 60 Pfg.(juläfsig st kttgedrurli» Worte),|tbt» weiter« Wort 40 Psg. Stellengesuch« und Schlafftelleaanzelgen da» erste Wort ■0 Big. iedes weitere Wort Zill Psg. Wort« über Ii Buchstabe» zählen fiir zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%, Familien• Anzeigen, politische und gewerlschastlich»«eretn»- Anzeigen lS0 ML dt» Zelle. Anzeigen fiir die nächste Nummer mstssen dt»» Ahm nachmittag, tm Hauptgeschäft, Perlw SW 88, Ltiibenstraße Z. abgegeben werden, Eeöffuet von» Uhr früh die i Uhr abend». Z«ntralorgan der rozi'aldcmohratirchen Parte» Deutfcblanda. Reüaktion und Expedition: Ew. öS, Lindenstr. Z. Fernsprecher:«mt Moristplaq, Str.»SR SO— 15107. Donnerstag, den 4. September 1VZ.9. Vonvärts-Veclag G.m.d. H., EW. öS, Lindeustr. Z. Kernsprecher:«mt Moritzplatz. Rr. 117 5Z— 51. ElsäKsihe und üeutsthe Arbeiter. Wir unS aus Lörrach gedrahtri wird, hate» die Gt- «erkschastSkartelle Mülhausen, Colmar, Straß bürg und Metz erklärt, das, ste de« General- streik proklamiere« würde«, falls die vo« den Franzosen angekÜAdigte Ausweisung von 15 000 dent- fchcu Arbeitern Tatsache wird. Bekanntlich Planen die Franzosen diese Answeisnug aus dem Grunde, weil fie Arbeitsstellen für die arbeitslosen Elsässer schaffen wollen,»nd weil sie fich weigern, die deutschen Arbeiter weiter zu ernähren. Diese Haltung der elsässischen Arbeiter ist lebhast zu bc- grüßen. Nicht nur weil sie selbstlos ist, sondern auch weil sie zeigt, daß das internationale Solidaritäts- g c.f ii h l der Arbeiter stärker ist als alle unsoziaiistlschen Trennungsversuche und Hetzereien. Die ö'fterreichisthe über üen Jrieüens» vertrag. Die Wiener Blätter beklagen einhellig, daß die von Tachlichkeit eingegebene» Borschläge des Stacrtstanzlers Renner durch die Entente bis auf wenige unbedeutende Aenderungen abgelehnt wur- den, und erklären, der erste Sindruck der vorläufig auszugsweise Vorliegenden FriedcnSbedingungen sei so inederschmetternd, daß n»r der harte Druck der Wirklichkeit Teutschösterreich zur Unterschrift des Vertrages zwingen könne, den es niemals werde«Inhalten können. Neuerlich betonen die Blätter, daß dem Staatskanzler Renner, der redliche gute Arbeit mit Hingebung geleistet habe, der Dank nicht nach dem Ergebnisse zuge messen werden diürsc. Die zugestan- denen Aenderungen und Milderungen des endgültigen Vertrages hätten daS Wesen dieses Gewaltfriedens nicht berührt. Das schmerzende Bewußtsein, daß Millionen deutscher Volksgenoffen in skrcmd- staaten hineingezwängt würden, werde noch durch die Tatsache verschärft, daß die Unabhängigkeit Oesterreichs, das sich nicht einmal mehr deutsch nennen dürfe, für unveräußerlich erklärt weiche, was mit anderen Worten da? ausdrückliche Verbot deS Anschlusses an Deutschland bedeute. » Der österreichische Eisendahnerstreik, Der gesamte Verkehr der österroichischen Südbahn ist infolge allgemeinen Ausstcmdes eingestellt. Nach übereinstimmenden Meldungen haben die Angesielllen der Staatsbahnen beschloffen, die Entscheidung über«ine Beteiligung am Ausstande bis zum 10. September z u verschieben. Inzwischen werden Verhandlungen mit der Regierung gepflogen. polnische Verleumdungen. Von polnischer Seite werden in letzter gelt in auffallender Häufung Berichte über angebliche Greueltaten der deutschen Truppen in Lberschlesien verbreitet. Diese Bchauplnngen können nicht un- widersprochen bleiben, da fie ganz offensichtlich den Zweck verfolgen, das Verhallen der deutschen Truppen vor den. Auslände mit dem Vorwurf barbarischer Kriegführung zu bemakeln und gteichzeilig einen Borwand für den Einmarsch polnischer Truppen zur Befreiung der angeblich gequälten Bevölkerung zu schaffen. Bei der großen Zahl der erhobenen Beschuldigungen ist es nicht möglich, auf jede einzelne mir einer Widerlegung zu antworten, Ais Stichprobe möge eine Auslese aus den Berichten Krakauer Blätter dienen, in denen behauptet wird, baß in lkattonitz 20 Frauen erstochen worden sein sollen, weil ihre Ehemänner am Ausstand beteiligt waren, daß nach den Erzüblungen oberschlesischer Geistlicher mehr als zehntausend Menschen ins Innere Deutschlands verschleppt und über 0000 inS Gefängnis gesteckt worden seien, daß inMybnik die Deutschen 100 Personen, darunter Frauen und Mädchen, und in Gr, Wartenterg wegen de« Haltens einer polnischen Zeitung einen Arbeiter erschosseu haben. An diesen ungehevelllchen Behauptungen ist, wie schon aus der Höhe der genannten Zahlen hervorgeht, nicht ein Wort wahr. Sie dienen vielmehr zur Verschleierung der in den militärischen Berichten wiederholt erwähnten heimtückischen Ueberfälle auf deutsche Truppen «nd Niedermctzelungen ganzer Feldwachen und Verschleppungen graßer Mengen harmloser Einwohner über die Grenze. Tie Freigabe der verschleppten Deutsche». I» einer lützlich an General Dupont gerichteten Note der deutschen Waffenstillstandskommission war dieser gebeten worden, sich iür die Freigabe der bei dem Aufstand in Ober- schiene ii nach Polen verbrachten Deutschsnein. zusetze». In ihrer Aiuwon teilte die französisch« Mission in B«ll;» mit. daß der Inhalt der deulschen Note nach Warschau Übermittelt worden sei. um die Freilassung der Betreffenden zu de- schleunigen. Andererseits habe die interalliierte Kom- Mission, die fich in Oberschlesien befindet, die Anweisung erhallen, sich ebenfall« für die Freilassung und Hzimbefvsderung der Geiseln und Geiaiiqenen euliiisttzCü. Ter amerilanstche Oösrst Goodqear, ein Müglted d«« besagten Allmmilfio«. habe auch bereit« mitgeteilt, daß er alle» tun werde, um die Freilassung durchzusetzen. Kückführvns der versihieppfcn GberMefler. Bon»nterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß die deutsche» Verschleppten spötesten« Doonrrstaz früh vo« der polnischen Regier«»» zurückgeliefert werde«. die Hergarbeiter in Nährifth-Gftrau. An einer Volksversammlung in Orlau erstattete die Berg- arbeiterabordnung des Möhriscki-Ostrauer Revier«, die beim Präsi- ocnlen Masaryk in Prag geweilt hat, den Bericht, Wie der Tele- graphen-Union gemeldet wird, wurde folgende Entschließung an- genommen: Nachdem erwiesen ist, daß die Teschener Frage in kürzester Zeit entschieden wird und der Demonstrationsstreik sein Ende erreicht hat, erklären wir, die Arbeit unter folgenden vr- dingnngen wieder aufzunehmen: Die Tschechoslowakische Wehr- macht wird an der Grenze so verstärkt, daß sie unsere Sicherheit gewährleistet und einen Ueberfall der Polen ausschließt. Kein einzige« Kilogramm Kohle darf aus der tschechischen Republik auS- geführt werden. Die Teschcner Frage muß binnen 12 Tagen ent- i'chieden sein._ Räumung Suöapests. Der New Dork„Sun* wird gemeldet, daß die Rumänen im Begriffe seien, sich aus Budapest zurückzuziehe«, um die Stadt dem Mob auszuliefern, um auf diese Werse zu zeigen, daß die Besetzung gerechlserttgt war und die Berantworiimg den Amerikanern und den Engländern zu überlasten, die gegen die Politik Rumäniens lvaren. « Das Ungarische Tet.-Korr.-Bllreau meldet: Di« amtliche Untersuchung stellte fest, daß die Kommunistenführer nach ihrem Sturz A-uslandsvaluta und altes Geld der Austrolungarischen Bank im Gesamtwerte von 2b Millionen Kronen auf ihrer Flucht nach Oesterreich mitgenommen haben. Täglich 6000 Kriegsgefangene? Die englischen Blätter vom 1. melden, daß die britischen Behörden in der Lage sind, die Zahl der täglich heimzubeför- dernde» deutschen Krirgsgcsaugeuen ans 6000 z« erhöhen, sofern die deutsche« Behörden die dafür notwendigen Eisen- bahnzüge stellen. I« Gefangenenlager van Oswefirv kam es bei« Bekanntwerden de« Beschlusses de« Oberste» Rate«, die deutsche« Gefangene» heim- zubesörderu, zu große» Frendenkundgebuuge». » Rückkehr AuSlandSdentscher. Am«. September wird in Rotter- dam auS Australien der Dampfer TraS-Os-Montcs mit 1319 ans- gewiesenen Deutschen, 1Z5S Männern, ii Frauen»nd 23 Kindern, erwartet.__ Neinharü öer Retter. Seine Taten im Januar. Da» anmaßende Schreiben, da» Oberst Reinhard an die .Borwärl»*-Nedakiion gerichtet hat. findet natürlich den jubelnden Beifall der reaktionären Press«. Besonder» freut diese Blätter, wie Herr Reinhard mit der Retierrolle prunkt, die er beim Januar- putsch gespielt haben will. Das zwingt unS, diese Rolle einmal etwa« näher zu beleuchten. Am 0. Januar verfügte die Regierung bekanntlich mir über einen minimalen Stamm geschulter Truppen. Bor der Reichskanzlei in der Wilhelmstraße fanden sich jedoch zahlreiche organifierte Parteigenossen«in. größtenteils Kriegsteilnehmer, die fick, stürmisch dazu drängten, die Regierung mit der Waffe in der Hand zu der» teidigen. Damals, am S. Januar, begaben sich im Auftrag der Volksbeauftragten zwei Bertrauenspersonen zum Obersten Rein- h a r d, um ihn zu fragen, ob er versuchen wolle, die Leute militärisch zu organisieren und mit ihnen die Regierung zu retten. Reinhard erklärte scdoch in höhniscistier Welse:„Jiir dies, Negier, lng mache ich keinen Finger Uuu.m. Sehen Sie selber zu, wie Sie fich helfen." Di« Parteigenossen halfen sich selber und schufen au« den Freiwilligen die Regimenter Reichstag und Liebe, die tagelang ohne Hilfe regulärer Truppen die innere Stadt gegen Spartakus hielten. Für Oberst Reinhard sibeint ja der Spartakuspulsch erst am 11. Januar begonnen zu haben, in Wirtlichkeit aber brach er a», S, aus, uud wenn damals alle so gehandelt Häven wie Oberst Reinhard, dann wäre am 11. nichts mehr zu retten ge- Wesen. Jetzt spielt dieser Mann sich als Retter in der Not aus! • In diesem Zusammenhang interessiert vielleicht auch di? Tat- fache, daß am 3. September di« Gebäud» de» 4. Garderegimenis, wo da» Reichs weh rregnnenr 20 u»terg«�rqchl ist, zum Sedantag, trotz des»«rdots des Minister« de« Jnnuern. Heine, geflaggt waren. Oesterreichs frieden. In den nächsten Tagen wirt» auch Oesterreich den Frieden unterzeichnen, den ihm die Entente beschieden hat. Im Zu- fammenhang mit diesem diplomatischen Porgang wird auch die Parallriaktio-n gegen Berlin zur Erledigung ge- langen, die von der Entente unternonrmen worden ist, um Frankreichs Sorge wegen eines möglichen größeren Deutsch- lands zu beschwichtigen. Unter der Drohung weiterer Be- setzimgen auf dem rechten Rheinuser wird binnen 14 Tagen die Kraftloserklärung des Artikels 61 Absatz 2 der deutschM Reichsverfassung gefordert, der von einem späteren möglichen Anschluß Oesterreichs an Deutschland handelt. Run ist dieser Artikel schon durch den /Artikel 178 der Verfassung für kraft- los erklärt, der besagt, daß die Bestimmungen des Friedens- Vertrages durch die Verfassung nicht berührt werden. Ein Anschluß Oesterreichs an Deutschland oder irgendeine andere Form der gemeinsamen Betätigung wird also nach der Ver- fassung selbst nicht ftüher möglich sein, als bis der Völker- b«nd seine Zustimmung dazu gegeben haben wird. Ob bei einem so klaren Sachverhalt die Androhung weiterer Besetzungen— die ja kaum der Völkerversöhnung dienen kann— unbedingt notwendig war, mag man auf der anderen Seite selbst entscheiden. Den so wenig militaristischen Ententestaaten scheint die Rückgcwöhnung cm Friedenszeiten, in denen man mit militärischen Maßnahmen nicht so schnell bei der Hand war, recht schwer zu fallen. Sehr gerne würden wir in solchen Fällen den mäßigenden Einfluß der Entente- s o z i a l i st e n begrüßen, den wir ja auch bei dem neuesten Oesterreich aufgezwungenen Gewaltftieden aufs schmerzlichste vermissen. Das arme Oesterreich wird nun also stöhnend das Doku- ment von St. Germain unterzeichnen müssen, wie Deutschland jenes von Versailles unterzeichnet hat. Wir sind aber selbstlos genug anzuerkennen, daß die sinnlose Grausamkeit. die in St. Germain verübt wird, jene von Versailles noch bedeutend übersteigt. Denn bleibt es schon ein lveltgeschicht- licbes Unrecht, daS deutsche Volk für die Sünden seiner früheren Machthaber bestrafen zu wollen, so wird die auf Oesterreich angewandte Gerechtigkeitstheorie vollends zur Farce. Man kann den Bewohnern der Alpenländer alles mögliche nachsagen, aber daß sie ein kriegerisches Herrenvolk seien, ist noch, von keinem Beobachter bemerkt worden. Die alldeutschen Kraftnatnrcn waren im Gebiet der früheren Donaumonarchie selten, höchstens waren einige Eremplare in Deutschböhmen anzutreffen. Diese deutschböhmischcn Scharfmacher, die übrigens auf die österreichische Außenpolitik nicht den geringsten Einsluß hatten, sind jetzt als Tschecho- slowaken bevorzugte Weltbürger und Bundesgenossen der Entente, und die schweren Wetter der Weltgeschichte entladen sich über die Häupter der niederösterreichischen Weinbauern. der steirischen Aelpler, der gutmütigen Wiener, die wahrlich nie von Krieg und Welteroberimg geträumt haben. Gerechtigkeit hätte geboten, alle Teile des ehemaligen Oesterreich-Ungarn entsprechend ihrer Tragfähigkeit in gleicher Weise mit den Lasten der K ri e g s li g u i d a t i o n zii beladen. Die Entente hat es vorgezogen, ein kunstvolles System von Mehrbegünstigten und Meistbenachteiligten zu schassen und dabei die schwersten Lasten auf die schlvächsteil Schultern zu laden. Das gilt nicht nur von den„Wieder- gutmachungen", die von Oesterreich eingetrieben werden sollen, sondern auch von den Schulden der alten Monarchie, die Oesterreich nahezu bis zur Hälfte übernehmen muß, ob- ivohl es der Bevölkerung nach noch nicht ein Werte! des früheren Oesterreich umfaßt. Dke geringen Erleichterungen, die der abgeänderte Ber- trag zugesteht, unterstreichen nur die Tatsache, daß Oester- reich in seiner künftigen Existenz ganz von der Gnade der Entente abhängig sein wird. Die diplomatische Kunst, in Worten daS Gegenteil von dem auszusprechen, was man meint, hat nie einen größeren Triumph gefeiert als in jener neuen Bertrogsbestimniung, in der die„u n v e r ä u ß e r- liche Unabhängigkeit" Oesterreichs verkündet wird. Die ganze„Unabhängigkeit" Oesterreichs wird darin bestehen, daß es gezwungen sein ivird, sich die dürftigsten Rotwendig- ketten seines Daseins als dürftiges Almosen jeden Tag neu zu erbetteln, und daß es ihm verboten bleiben lvird, über sich selber ftei zu verfügen und dahin zu gehen, wohin es nach Sprache, Raffe, Kultur, durch Wirtschastsverflechtung und gemeinsames Schicksal unzweifelhaft gehört. Bon dem Wunsch geleitet, auch zwischen Oesterreich und Ungarn einen Zankapfel zu werfen, hat die Entente den An- schluß der deutschen Gebiet« Westungarns an Oesterreich ohne Volksabstimmung verfügt. Wer steht nicht, daß nach der- leiben L»gi? auch Oesierreick» und Deutschböbmcn an Deutsch- land angeschlossen werden mühten, und daß man uns noch tbr gewisse rein deutsche Gebiete, die man uns jetzt nimmt, uns nie hätte entreißen dürfen I Die Pariser Kartenmacher sollten doch aufhören, von Moral, Recht und ähnlichen Dingen zu reden, wo sie doch nun daran sind, ein neues machiavellistisch ausgeklügeltes System der Machtpolitik zu schassen, unbe- uiminert um Grundsätze irgendwelcher Art. Grundlegender Gedanke dieses Systems ist aber der: Deutschland und alles, was als künftiger Freund und Bundesgenosse Deutschlands in Betracht kommen könnte, muß so schvach, so ohnmächtig wie möglich gehalten werden. Gegner Deutschlands sind durch Erhaltung und Verschärfung vor- handener Gegensätze in ihrer Gegnerschaft zu bestärken und iu ihrer Macht zu befestigen. Der ganze Frieden ist wie von Generälen gemacht, die nicht an die Befestigung des Friedens denken, sondern nur an den nächsten Krieg. So soll die Tschechoslowakei, ob sie will oder nicht, zu einer französischen Feldwache gemacht werden, Polen soll fürs erste Rußland er- setzen, Oesterreich aber inutz„unabhängig" und in seiner Un- abhängigkeit so elend wie möglich bleiben, damit eS auf keinen Fall für Deutschland als Hilfe in Betracht kommen kann. Es wird die große Ausgabe der Deutschen Republik sein, diesem im Frieden sortdauernden Kriegswahnsinn durch eine wahre Friedenspolitik wirksam zu begegnen. Diese Friedenspolitik sieht voraus, daß der Vertrag von St. Ger- main ebensowenig haltbar sein wird, wie jener von Vcr- sailles, und daß der wirkliche Frieden, der ja doch ein- mal, und nicht erst nach einem neuen Krieg, kommen muß, auf der Grundlage ganz anderer Gesinnungen errichtet wer- den wird als dieser unmögliche Scheinfrieden. Tie Gestalt, die Europa durch diese Verträge erhält, ist bestimmt durch den unzerstörten Glauben Frankreichs an die Fortdauer der. deutschen Bedrohung. Daher das krampfhafte Bemühen, Teutschland für alle Zeit in eine möglichst ungünstige Position hineinzuzwängen. Deutsch- land wird nicht immer in dieser ungünstigen Position bleiben, aber es muß durch seine Haltung beweisen, daß es eine günstigere Gestaltung der Verhältnisse nicht zu unge- rechter Schädigung seiner Nachbarn zu mißbrauchen gedenkt. Je besser ihm dieser.Beweis gelingt, desto schneller wird das Kartenhaus der neuen Machtpolitik in sich zusammensinken. Es ist kleinliche diplomati'che Künstelei, die neben dem großen Deutschland ein kleines Deutschland schafft, Oester- reich geheißen, denn Deutsch österreich darf es sich ja nicht mehr nennen. Die Entente verschließt die Augen vor ihrem eigenen Werk, denn sie hat ja ein deutsches Oesterreich ge- schaffen, indem sie den deutschen Kern aus der vielsprachigen Schale herauslöste. Sie hat den ungeschriebenen Pakt zwischen dem großen und dem kleinen Deutschland besiegelt, indem sie beide an die etzbe Galeere schmiedete. Wie sollen denn die Oesterreicher vergessen, daß sie Deutsche sind, da sie doch diesen Frieden tragen mästen, weil sie Deutsche sind?! Tie Entente kann auf den Friedenspapieren jedes ge- 'chriebene Wort ändern, sie hat die Macht dazu, aber an g e- schichtlichen Notwendigkeiten kann sie nichts ändern. Im Vertrauen auf sie sieht das deutsche Volk der deutscheu und der österreichischen Republik einer besseren Zu- ftmst entgegen. Jetzt reißt man sie ja nur auseinander, weil sie zusanimengehören, und in diesem Sinne ist der Friedens- vprtrag von St. Germain nur eine Bestätigung ihrer natür- lichcn Zusammengehörigkeit, ein klares Eingeständnis, daß ihre Trennung mir künstlich ist. Solche Kunst hat aber vor der Geschichte nie Bestand gehabt, und daß sie eines Tages versagen wird, ohne daß Menschenblut fließt, nur das ist das Neue, das wir erwarten�_ Wiedninisnalsme be5 Handels. Wie das Preffedureau Radio n-.eldci, Im das amerikanische KriegSliandelSamt die Wieder- aufnähme des Handels uiiö Verkehrs mit Ungarn gestattet. Entladungen bei üe? Sicherheitspolizei. Eine falsche offizielle Darstcllnng In Nr. 4-58 gaben wir einer offiziösen Auslassung über Vor- gänge bri der Berliner Sicherheitspolizei Raum, die mit der Eni- lassuug zweier Vertrauensmänner geendet haben sollen. Hierzu er- halten wir eine Fülle don Zuschriften, die in völliger Ueberein- stimmung beweisen, daß die Oeffentlichkeit mit dieser Darstellung gröblich irregeführt worden ist. Wir stellen das ausdrück- lich fest, und bedauern lebhaft, daß wir in Unkenntnis der tatsäch- liehen Vorgänge gleichfalls ein Opfer dieser Irreführung geworden sind. In Wirklichkeit stellen sich die Vorgänge bei der SicherheitS- Polizei folgendermaßen dar: Die Truppe ist entstanden auS dem Freikorps des Majors Meyn, der sich bei seinen Untergebenen großer Beliebtheit erfreute. Wie das aber nicht nur in diesem Fall vorgekommen ist, mußte dieser beliebte Führer Knall und Fall seinen Posten verlassen, um einem adligen Oberstleutnant, Herrn von Heinrich, Platz zu machon. Die Organisation der Sicher- heitspolizei übernahm neben diesen vornehmlich Oberst von Schön- stedt und Major Weber, deren erstes es war, sich mit einem r i«- sigen Stab von Offizieren zu umgeben. Es wurde nun drauflos.organisiert", d. h. es wurden zunächst Scharen von neuen Offizieren m die Sicherheitspolizei eingestellt, unter ihnen auch zahl- reiche ungeeignet« Elemente, wie daraus hervorgeht, daß vor kurzem nicht weniger als 13 Offiziere wegen ungehöriger Be- Handlung der Mannschaften entlassen werden mußten. Dabei riß eine starke Vetternwirtschaft ein; jeder suchte feine Bekannten unterzubringen, med es fehlte auch nicht an Elementen wie z. B. einem Oberleutnant von Oven, der einem Vertrauens- mann gegenüber äußerte:„Ebert und die anderen seien für ihn nicht da." Die Mannschaften erhielten zwar den Namen von Beamten, wurden aber wie Rekruten gedrillt und, wie schon erwähnt, viel» fach unzehörig behandelt. Infolgedessen trat unvernreidlich Miß- stimmung ein, und es entstand eine doppelte Sehnsucht nach dem alten Führer der Truppe, Major Meyn. Um diese und ähnliche Ding: zu erörtern, wurde die Verfcnnm- lung der Vertrauensleute einberufen. Ob mit der Nichtanmeldung wirklich ein Fehler begangen wurde, ist zum mindesten zweifelhaft, da nach den allgemeinen Bestimmungen Besprechungen der Ver- irauenslcute nicht anmeldepflichtig sind. Aber sellsst winn hier eine schuldhafte Unterlassung vorlag, so hat doch der Oberstleutnant von Heinrich einen hervorragenden Mangel an tak- t i schc m Geschick an den Tag gelegt. Anstatt die Versammlung ruhig zu Ende tagen zu lassen und den Vertrauensmann Richter wogen der unterlassenen Anmeldung zur Rede zu stellen, wurde die Versammlung brutal ausgelöst und R'chter Knall imd Fall ent- lassen. Dabei reichen die Gründe für eine Entlassung keineswegs aus. Denn alles, was die offiziöse Mitteilung darüber behauptet, daß die Versammlung beschließen sollte, sich bei Unruhen ne u t r a l zu verhalten, und das Richter hierzu aufgewiegelt hätte, ist glatt aus den Fingern gesogen. Ebenso unwahr ist es, daß die übrigen Vertrauensleute mit der Maßregelung Richters einverstanden ge- Wesen seien. Gänzlich unwahr ist schließlich auch alles, was die offiziöse Verlautbarung über den Untcrtvachimeister Brust erzählt. Brust ist nicht h:ran.tfordernd aufgetreten, sondern hat das Wort ergriffen. als Oberstleu!, Witt von Heinrich selbst dazu auffordert: und hat sich in ruhiger und sachlicher Weise ausgesprochen, wobei er den un- bedingten Gehorsam gegen die Regierung betonte. Es ist auch nicht wahr, daß er sofort entlassen wurde: er hat viel- mehr noch am 2. d. M. Dienst getan und dann s e l b st sein E n t i a s s u n g s g e s u ch eingereicht. Alle Zuschriften klingen darin aus, daß die Truppe ihren alten und beliebten Führer wieder verlangt und die aufgezwungenen Pro- tektionsoffiziere nicht haben will, die den Mannschaften Verständnis- los gegenüberstehen und jeden, der für die Rechte der Mannschaften eintritt, zum Kommunisten stempeln möchten, um einen Grund für Sckweinefleis-b in jeder Menge zu haben, das Kilo kostet 44 bis SO Kronen, Käse 22 Kronen, Kaffee, ungebrannt, 33 Kronen, Tabak kostet, da er ja Monopol ist. das Kilo über 340 Kronen. Raucb- material ist rationiert, nnd da zu wenig geliefert wird, besteht auch hier ei» ungeheurer Scbleilb- und Tanfibbandel. Wie bei diesen Preisen die große Masse existiert, wäre ein Rätsel, wenn nicht bei der Jugend der Industrie und der noch starken Verflochtenheit der städtischen und ländlichen Bevölkerung in Tschechisch- Böhmen die Selbstversorgung großen Umfang ange- nommen hätte. Es herrsch! jedoch eine starke Erregung in� den Massen Prag?, die von den klerikalen Feinden deS Regimes Masarhk-Tm'ar noch geschürt und vielleicht auf die Juden abzuien'eri versucht werden wird. « Man weiß, da? die Tschechen selbst keine Mehrheit in diesem Staate haben, der von Asch bis in die Hinteren Karpatken und von Bodeubach biö Preßburg reicht. Die Besorgnis vor dem Nachweis dieser Tatsache soll auw die Hinausschiebung der Parlamcnrswablen verursachen. Denn die junge Republik erfreut sich noch einer .Nationalversanunlung', die vor dem Krieg gewählt wurde. Die erste und gründlichste Tat der Tschechen war, aus Prag olles Deutsche äußerlich auf das radikalste auszurotten. Es gibt beute in Prag nur noch zwei deutsche Aufschriften an öffentlichen Orten. Bei der Abstempelung der Banknoten wurde die Hälsre einbe- halten: sie wird nur mit 2 Proz. verzinst und dienr als Kaution für die kommende Vermögenssteuer. Diese Geldeinschränkung, dazu die Konskription allen Besitzes, aller Guthaben. Rohstoffe usw. haben zu den größten Schwierigkeiten im Wirtschaftsleben geführt und verschiedenen Industriellen den Vorwand zur Schließung ihrer Betriebe gegeben. Die staatliche Arbeitslosenunterstiitzung beträgt nur 5 Kronen täglich und für jedes Familienmitglied 1 Krone. In der nordböhurisaien Textilindustrie wird, der Not geborckend, einfach über diese Sätze weil hinauSgegangeir. Auch die'Metallindustrie in Nordwestböhmei! ist in schliinmstcr Situation. Die Tonne Stahl, die in Deutschland 350 M. kostet, muß in Komotau mit 3000 Di. bezahlt werden. Die Kohlennot im Staate ist stirchtvar. Auf den Halden liegen Lewaltige Vorräte, nur fehlt eS vollkommen an Waggons. Es sind zu viele von ihnen an den Fronten. So ist die wirtschaftlich« Lage der Tschechoslowakei äußerst düster und darum ist die Tschechenkrone in Zürich jammervoll gefallen, ebenso wie unsere Mark. R. Bernstein. Die UrQlzfführung oou Weöek'nös»Herakles�. Als Festspiel begab sich im Münchener Prinzregenten» t h e a t e r die Uraufführung von Wedekinds Spätwerk.Herakles". Wohl wissend, daß hier keine dramatiiche Ballung gelungen(und vielleicht nicht gewollt), nannte der Dichter das Werk.dramatisches Gedickt". Aber ist es dramatisch? Nein. Allenfalls ein szenisches Flachrelief, eine autobiographische Demonstration, insoweit als in aufgezeigten Schicksalswenden die Lebenskurven des Dichters mit denen des mythischen Halbgotts zusammenfallen oder in symbolischer Handlung sich Beziehungen verwandten Schicksals verdeutlichen. Schon fein.Simson" war. dramatischer gestaltet und fester gefügt, reines Bekenntnis eigenen Erlebens. Wo dort Ausführung war, bleibt seine Entlassung zu haben, selbst wenn der Betreffend: organlsirrteZ Mitglied der S.P.D. ist. Klägliches SeWeismaterial. Ein A-älfcherstück der„Tentscheu Tageszeitung". Die„Deutsche Tageszeitung" veröffentlicht einige angcb- lich„besonders wichtige" Dokumente, mit denen sie die plan- mäßige Zersetzung des Deutschen Heeres durch revolutionäre Agitation aus dem Jnlande beiveisen will. Keines der drei Dokumente ist seinem Inhalt nach neu oder irgendwie un- bekannt, alle drei sind bereits während des Krieges Gegenstand ausführlicher Erörterungen gewesen. Neu ist lediglich die irreführende und auf Täuschung berechnete Auf- machung, in der die„Deutsche Tageszeitung" diese Dokumente wiedergibt. Es handelt sich um drei Geheimverfügungen hoher mili- tärischcr Stellen, die auf die Unterbindung gewisser Agitationen im Heere hinauslaufen. Die erste Verfügung des Generalguartiermeisters vom 28. Mai 1917 wendet sich gegen die Verbreitung eines Rund- schreibens des unabhängigen LandtagSabgeordncten Paul H o f f m a n n. Wie schon der Inhalt der Verfügung ergibt. hatte dieses Rundschreiben rein parteipolitischen Charakter, es betraf die Partcispaltung. Hoffmann suchte die im Felde stehenden Berliner Organisationsmitglieder zu ver- anlassen, sich bei ihrer Rückkehr aus dem Felde der N.S.P.D. anzuschließen. Die Mchrheitspartei hat sich damals diesen Schutz militärischer Stellen energisch verbeten, es ist aber interessant, daß ausgerechnet die.Deutsche Tageszeitung" in einer Agitation gegen die S. P. D. eine Unterwühlung der Front erblickt. Noch viel bekannter ist der Inhalt des zweiten Schriftstücks vom 3. September 1917, es betrifft nämlich die vom ehemaligen Reichskanzler Michaelis seinerzeit mit großem Trara im Reichstag vorgebrachten Vorgänge bei der Flotte, wobei sich Michaelis die bekannte Abfuhr holte. Diese Vorgänge sind bereits öffentlich in einer Weise klar- gestellt, daß heute nicht noch einmal darauf eingegangen zu werden braucht. Der Höhepunkt der„Enthüllungen" aber ist der dritte Erlaß, der sich gegen eine„Anleitung zur Verteilung von Flugblättern" richtet. Er stammt vom 26. Januar 1918 und eS ist wunderbar, daß die„Deutsche Tageszeitung" erst jetzt darauf verfällt, denn diese„Anleitung" hat schon damals d i e Runde durch die gesamte Presse gemacht. Nur ist sie damals als das bezeichuet worden, was sie ihrem Inhalt und Sinn nach allein sein kann: als ein Machwerk der ententistischen Propaganda. Daß diese Anleitung nur von Agenten der Entente ausgehen konnte, beweist fast jede Zeile ihres Inhalts. So wenn gleich zu Anfang im ersten Punkt den nach der Anleitung handelnden Agitatoren empfohlen wird, sich zunächst„durchaus deutschfreundlich" zu stellen. Weiter werden den nach der Anleitung handelnden Agitatoren hohe Belohnungssummeu in Aussicht gestellt usw. Nur die schmutzigste Unverfrorenheit kann es fertig be- kommen, dieses Schriftstück einer deutschen sozial- demokratischen Partei, welcher Richtung auch immer. in die Schuhe schieben zu wollen. Die„Deutsche Tagesztg." kennt auch sehr wohl die Quelle, der es entstammt, aber ihrem moralischen Tiefstand verschlägt es nichts, dies Er- zeugnis ententistischer Propaganda der deutschen Revolution zur Last zu legen. Ebenso gut könnte sie behaupten, die Sozialdemokratie habe die Ballonflugblätter verfaßt, mit der die entcntistischc Propaganda die Front überschwemmte. Es ist wieder einmal nichts mit dem Beweismaterial, die Reaktion wird uns den Beweis, daß die Niederlage Deutschlands von innen her gekommen sei, ewig schuldig bleiben; sie kmut ihn nicht erbringen, weil Unwahrheiten sich nun einmal nicht beweisen lassen. hier die Selbstschilderung in der Skizzicrung stecken. Ungebunden reihen stcki aneinander Notizen zi» einem Drama, daS den Ausweg zur Tragödie sucht. Aber den ausgewiesenen Stationen fehlt auch das Zwingende entscheidender Momente, im Dramatischen wie im rein Menschlichen. Es bleibt der Eindruck eines Fragmem-Z. Herakles bat(ungewollt) Züge eines hellenischen Don OuichoteS. Das Ewiggültige in seinem Wesen stellt sich nicht pkastisch heraus, daS.Mcnjchenschrckial" bleibt zu stark verschüttet unter dem Sor.dsrschickial. Seelisches wird nicht erschütternd sichtbar; Herakles Aufschrei durchreißt uns nicht. Man fühl: hier nur, hier rang Wedekind um eine olympische Geste— und e? blieb bei der Geste. Es war ein Versuch, über Grenzen hinauszukommen, die seinem Schaffen gesetzt. Kluce Erkenntnis der Schwächen ließ die Aufführung auf? Bildmäßige stellen. Die Er- schülterunge» kamen von Steinrücks Vermenschlichung des Helden. die Wirkungen von Pirchans prächtiger, stimmungSsatler Stilifiernng de? Bühnenraums. Seine Bilder' begleiteten die Handlung wie Sätze einer tubenreichen Farbensymphonie. Im übrigen fügte sich eine Vielheit unterschiedlicher Leistungen zu vollem Eindruck in den Nahmen, den Steinrücks Regie geschaffen. _ Curt M o r e ck. Ausstellung erwerbsloser Künstler. Im Schön eberger Rathaus haben die erwerbslosen Künstler eine Ausstellung veranstaltet, die wärmste Beachtung vcr« dient. Unter den fast restlos guten Arbeiten ragen die Plastiken K. H. Isen st eins hervor, die eine monumentale Kraft des AuS« drucks offenbaren. Di« Zeichnungen JsevsteinS verraten dos Fem« gefühl des Künstlers für die Lebendigkeit der Linien und Formen. Von tiefer Farbenfreude und sicherer vollendeter Technik zeugen die Pastell« Reich- Münsterbergs(Hamburger Fleet, Pichelswcrder usw.). Ludwig Kro llS visionäre, das innerste Wesen des Krieges erfassende Zeichnungen prägen sich unvergeßlich ein. Die Preise der Arbeiten sind so. daß selbst Minderbemittelte der Versuchung zum Ankauf nicht widerstehen werden. 2. z. Notizen. - Theater. Im Deutsche«. Theater wtrd am Sonnabend zum erstenmal in der Spielzeit Else-aSkerS-SchülerS Drama„Die Wupper" zur Darstellung gelangen. — Die Berliner S e z e s s i o n bereitet für die Monate Oktober bis Dezember eine Ausstellung in ihrem Hause am Kur» fürstendomm vor. Gemälde und Plastik sollen gezeigt werden. — Das Institut f ü r S e x u a l w r, s e n s ch a s t(In den Zelten 10) eröffnet Ende September ferne regelmäßige Lehrtätigkeit. Außer klinischen Vorlesungen und Kurien für Acrzte und Juristen finden sexualwisienschastliche Vorträge für Gebildete aller Stände statt. Die sexualpatholoaücbe 5Uiim wird von dem Leiter des JnstituS. Dr. Magnu« Hirschfeld, abgehalten. — Die Geologische L a n d e S a n si a I t zu Berlin. In« validenstr. 44, stellt ihren reichen Erfahrungsschatz und den Inhalt ihrer Archive der beimischen Produktion zur Verfüflung. Täglich werden dort Auskünste erteilt, Bezugsquellen nachgewiesen, Adresien vermittelt, kurz. Arbeiten geleistet, die darauf abzielen, uns unmer unabhängiger vom Auslände zu machen und so unserem Wirtschaft' licheu Wiederaufbau zu dienen. 3n öer Tfihechoswwakei. ES soll einmal eine Zeit gegeben baben, wo man in Berlin einstieg, durch Sachsen, Böhmen und Mahren fuhr und in Wien ankam, mit keinen anderen Erschwernissen, als der Hitze, dem Kohlenstaub und der Zollrevisionen an den Grenzet?. Heute— ach du lieber Gott! Man ist schließlich über die Grenze, wo einen noch ei» altvertrauter österreichischer Finanzer erledigte. Aber man kommt nicht mehr nach Oesterreich; wir sind rit der Cesko-Sloveuska Republik a. Soldalm, mit italienischen Mützen und weißroien Kragenstretfen prüfen den Paß. An der Bahnstrecke nach Reichenberg hinein-- alles zweisprachig. Was hatte es nicht iiir Kämpfe gegeben um die Zweisprachigkeit der Aemtcr und Aufschriften, wie haben sich die Deutschnationalen da- gegen gewehrt I Heute müssen sie in Dentschböhmen die Doppel- jprachigkeit dulden, ohne daß sie auch für das tschechische Sprach- gebiet gälte! In Neichenberg auf dem Bahnhof Posten mit aufgepflanztem Bajonett und in der Stadt viel Soldaten. Die alten österreichischen Unisörnrcn, besonders die Mützen, sind kaum noch zu erkennen. Erst hat noch der selige Karl Litze» stall der Sterne eingeführt und seit dem Umsturz sind allerhand Aufschläge und Abzeichen dazu- gekommen nnd die tschechoslowakischen Legionäre aus den Entente- ländern haben ihre Uniformen mit dazugebracht. Am meisten fällt das in Prag aus, daS scheinbar von kana- disch-amerikamschen, italienischen, französischen, russischen, serbischen Soldaten und von Alpenjäger» mit deni blauen Barett wimmelt. Es sind aber— bis auf eine Anzahl höherer Offiziere— samt und sonders Tschechen. Die Garnison muß sehr stark sein, erstens, weil mau wegen Rohstoffmangel und un« geheurer Teuerung nicht demobilisieren kann, zweitens, iveil man sich ja im Krieg mit Polen und Magyaren befindet und drilienS, weil auch diese junge Republik— und sie mehr als jede — den Bolsä-eiviSmus fürchtet. Zivar ist der Kommunistenführer Muna verhaltet und die Sozialdemokraten regieren seit ihrem Ge« memdewablfieg mit den Agrariern zusammen, aber mit dem Zentral« organ„Pravo lidu" ist auch«in großer Teil der Partei weit nach links gerückt. Kein Wunder! Aller nationale Stolz auf den endlich wieder geborenen Tschechenfiaat kann nicht darüber hinweghelfen, daß die rnneren Zustände sehr düster sind. DaS ganz» deutsche SiedlungS« gebiet steht natürlich der aufgezwungenen Fremdherrschaft mit un« verwischbarer Erbitterung gegenüber; aber auch die tschechischen StäMeöewohner und Jndustricmenschen leiden furchtbar unter den Ernährungszuständen. ES hat sich der Zustand herauSgebtldet, daß man sich ohne Karten versorgen muß und höchstens ab und zu mal durch billigere Rationen etwas Geld sparen kann. Lange Zeit konnte man ja in den Jndustriegegendcn und Groß- städtsn Brot nur hintenrum kaufen, der Preis stieg bis auf 1b Kronen und darüber..... Heute strotzen die Geschäfte und Auslagen in Böhmen von markenfreien Genüssen, von Schinken, Fleisch, Speck, Oel. Die Kon« ditoreien bieten eine ungeheure Auswahl der raffinierresten Leckereien. Da» weiße Brot kostet 16 Kronen der große und 7'/, Kronen der kleine Laib, Semmeln eine Krone daS Stück. Würste jeder Art find neben dem besten Wnd«, Kalb« und Die SrZKer in den Sudeten. Auf dem Parteitag der deutfd�eri Sozialdemokratie Tschechojlawiens hielt am Montag, wie ivir schon im Auszug berichteten, Genosse Josef Seliger sein Referat über die deutsche Sozialdemokratie in der tschecho- s l o w a k i f ch e n R e p u b l i k. Er führte, toie unser Sonderberichterstatter meldet, folgendes aus: Bei der Bestimmung der Richtlinien unsere? Kampfes können wir nur ausgehen vom Interesse des Proteiariats, und zwar nicht nur unseres eigenen, sondern de- gesamten internationalen Prole- tariat«. Es ist die Grundlage unseres Wirkens, daß wir ein Teil des gesamten Proletariats sind und auf unserem Boden und unter unseren Verhältnissen den Kampf des internationalen revolutionären Proletariats zu fuhren haben. sZustimmirng.) Auch die Entscheidung durch Gewalt, die uns in diesen Staat hinein- stellt, wird nicht ewig bestehen. Aber wir haben die Tinge mit nüchternem Verstände anzusehen und unsere Politik zn bestimmen nach den augenblicklichen Machtverhältnissen, um uns vor Nieder- lagen und Rückschlägen zu bctvahren. Wir stellen uns auf den Boden, auf den uns die Gewalt gestellt hat. Nicht wehleidig sein und nicht verzagt. Denn über die augenblicklichen Machttatsachen hinweg geht die Entwicklung der Menschheit und geht die Snt- Wicklung, die da? Proletariat zum entscheidenden Faktor in der Welt macht. Die Stund« wird schlagen, in der auch uns wieder Recht und Freiheit werden wird.(Beifall.) Diese Einsicht gibt uns die nötige Ruhe und Leidenschaftslosigkeit zur Prüfung unserer Auf- gaben. Als Sozialdemokraten haben wir auch diesen Staat zu einem solchen Kampfboden zu machen, dah das Proletariat gemeinsam n'i! dem der Welt seine Schlachten schlagen kann. Im gewissen Sinne stehen wir heute da, wo die Sozialdemokratie im alten Oester- reich stand, als sie 1899 ibr Nationalitätenprogramm schuf, um die Bahn freizumachen siir den Klassenkamps der alten österreichischen Internationale. Dieser Staat, in den wir gepreßt wurden, ist z u m Verwechseln ähnlich dem alten Oesterreich, aber wir haben eZ leichter als damals, denn Klarheit de? Blicks haben wir nnS im alten Oesterreich erarbeitet. Zur Grundlage unseres Kampfes machen wir dir Forderung nach dem Selbstbestimmnngs- recht eller Völker, die diesen Staat bewohnen.(Lebhafter Beifall.) Wir übernehmen damit das Vermächtnis aller großen Revolutionen, sclbst der bürgerlichen Revolution, das freilich verraten worden ist vom Bürgertum. Tic ganze nationale Politik der Deutschbürgerlickw» in der alten Monarchie war nichts als ein fortgesetzter Verrat am Selbst- bcstimmnngsrecht, war die Politik der Herrschsucht, und darum hat sie zum Fall geführt. Seine Folgen tresfer das Proletariat, das in Wahrheit die deutsche Nation ist. Heute verrät die tschechische Bourgeoisie, die endlich rhren Staat hat, ihr Ideal aus Herrschsucht, dem der Fall gleichfalls folgen wird. Das Sclbstbestiimnungsrecht aus diesem Boden zn verwirklichen, ist ein Nuftrag der Internationale der revolutionären Arbeiter gegen den Außenposten des«aktiv- näreu�Jmperierlismus, der der tschechoslowakische Staat ist. Mit dem Spruch der Berliner Konferenz auf unserer Fahne beziehen wir den Boden der tschechoslowakischen Republik.(Stürmischer Beifall.) Wir begrüßen und bezichen ihn in dem Bewußtsein unseres Wertes und unserer Kraft. Das Wesen ein«.? Staates wird bestimmt durch�die Mittel, durch die er geschaffen wurde. Ter tschechoslowakische Staat ist auf die Weit gebracht sowohl durch revolutionäre als auch durch konter- revolutionäre Kräfte, und darin liegt«in Stück Schicksal der tschechoslowakischen thrbeiterschast, das wir ihr in aufrichtiger Brüderlichkeit nicht wünschen. Im Kriege hat die tschechische Nation rcvolvtionär gewirkt bis zum Zusammenbruch der Dtonarchie. Das deutsche Bürgertum sah darin immer nur Verrat. Aber nach dem Sieg« der Entente ließ sich die tschechische Nation vom Ententeimperialismus mißbrauchen zur konterrevolutionären Bekämpfung Soivjet-Rnßlands ryzd Ungarns und zur Mitwirkung an den anti- sozialistischen Gewaltfrieden von Versailles und St. Germain. Dieses heldenhaft opferbereite. revolutionäre Volk ist das Werkzeug der ärgsten und geflirchtetsten Reaktion der W>elt- gefchichte geworden, weil es seine Freiheit nicht wollte um seiner Freiheit, sondern um der Aufrichtung seiner Herrschaft über andere willen, berauscht vom Sieg der anderen, ohne aus dem Schicksal Oesterreichs und Deutschlands zu lernen, dessen Sündenfall von 1871 die Wurzel des Weltkrieges war. Die Slowakei wurde genommen auf Grund des„Selbstbestim- mungsrechts', Deutschböhmen aber und Sudetenland aus Grund des„historischen Rechts". Wir streiten nicht mit den Tschechen, wer zncrst Bier gesiedelt hat. Jedenfalls ist die Berufung auf das histo- rische Recht nichts anderes als die Berufung auf die Gewalt. Durch � ist dieser Staat auf die Welt gekommen und die Eigenart des GewaltstaatS haftet ihm an und er ist naturgemäß ein reaktionärer Staat. Das, und nicht die Liebe zum tschechischen Volk und seiner Freiheit, hat die Entente veranlaßt, diesen Staat zu schaffen als einen Anßenposten der Reaktion, deren Mittelpunkt nicht mehr Petersburg und Berlin, sondern Paris heißt, und so erkennen wir in diesem Staat den alten lieben Bekannten Oesterreich mit all seinen Fehlern, aber ahn» seine weiti«*» Vorteile. Ist denn diese tschechollawakische Natii-aalversammlung nicbt das alte öfter- reichische Herrenhaus, ernannt nur von einem Kaiser in einem halben Duhend Köpfen. Wo ist die Tcmokrcftie in diesem fteiheit- licben Staat mit seinem Militarismus, mit seinem Ausnahme- zustand, verhängt aus Grund der österreichischen Gesetze der fünf- zigcr Jahre.(Lebhafter Beifall.) Einen Monat lang waren wir die Träger der wahrhaft freien Republik Deutfchästerreich(Stürmisches, minutenlanges Hände- klatschen), und wenn nichts anderes den Zusammenhang mit nnserm deutsiböstcrreichisckien Volk in uns unauslöschlich machen könnte, so wäre es diese Erinnerung. Haben wir nicht die weißen Flecke wieder in den Zeitungen wie in der schändlichsten ol!öste.rreichischen Unterdrückung, haben wir nicht die ganze alte Obrigkeit übernommen, die mit der Demokratie un- vereinbar ist?(Zuruf: Hochverratsprozessel) Demnächst soll die provisorische Nativnalversnmmluna die Verfassung beschließen, ohne uns ohne die übrigen Völker. Wir können es nicht hindern, ober mm vergesse dabei nicht auch den§ 14, ohne den ein solcher Staat nicht existieren kann.(Sehr gui!) Wir wissen, mit wem wir eS zu tun haben. Wir fordern daS SelbstbestimmungSrecht für alle Völker dieses Staates. Mit aller Kraft wenden wir uns gegen die Stellung einer Minder- heitSaktion. Da man uns in diesen Staat hineingepreßt hat, wollen wir ein freie? und gleichberechtigtes Volk mit allen Völkern sein. (Stürmischer Beifall.) Die bürgerliche Gleichberechtigung ist kein Geschenk, denn die ist selbstverständlich, die braucht man uns nicht zu gewähren, denn wir hatten sie als wir in diese Republik gezwungen wurden. Dos Problem dieses Staates ist das gleiche Recht der Völker. Mögen die Tschechen an ihre eigenen Kämpfe denken um die Einffihrung der Nation als Nechtssubjekt. daß jede Nation über ihr nationales Kulturleben frei und unabhängig JU entscheiden hat. Bon der Lösung dieses Problems hängt der Bestand dieses Staates ab, sei» Aussteigen zu einem Wertob- jckt für seine Bürger. Wir sagen das. weil wir als Kampsboden für daS Proletariat einen lebensfähigen Staat gebrauchen, in dem wir uns bewegen können. Weil wir auch in diesem Staat den So- zialiSmus zum Siege bringe» wollen, müssen wir ihn von allem Schutt befreien. Alle frsn« BRker mllifen«a» gkekche Recht Habe»«fe ufe. 1 Die wirtschaftliche Weltkrise, die furchtbar drohende Kohlennot, die Teuerung, der Wucher, das Finanzelend, die Valuta— all das gibt diesem Staate keine besondere Sicherhoit. Es geht allen Staaten schlecht und nur durch die Getvalt ist Heilung nicht zu finden sondern nur durch absolute Gerechtigkeit und mit Verstand. Mögen die tschechischen Machthaber nicht so hochmütig sein, sich xiicht wavnen zu lassen. Noch sind nicht alle Märzen vorbei.(Stür- mijcher Beifall.) Wir stehen erst im Anfang der sozialen Revolution. Nicht wir haben davor zu bangen, sondern jene. Kein Volk in Oesterreich hat so schwer geblutet und so schwer gehungert als das deuffch-bohmische, dessen Reihen gelichtet find. Wollen wir uns behaupten, so müssen wir wieder stark werden, muß in diesem Staat eine Wirtschaftspolitik auf breiter Grundlag« getrieben werden, die uns vor allem leben läßt. Dazu müssen wir Einfluß gewinnen im Staat, der aufgebaut werden muß nach unseren Forderungen. Das Proletariat der anderen Nationen dieses Staates hat das gleiche Interesse. Ob Siegerstaat, ob besiegt— wir siud nicdergebrochen, und Frankreich, das am meisten zu er- raffen suchte, vielleicht am schwersten. Wir hoffen, mit der Ent- fernung vom Siegesrausch wird auch die tschechische Arbeiterklasse fühlen, daß auch sie das Opfer ist und auch noch das Opfer der europäischen Reaktion werden soll. Die ewigen Krisen im Tschechen- staat zeigen, daß auch dort in der regierenden Koalition die Gegen» sätze ausklassen. Die tschechischen Genossen wenden vor die Ent- scheidung gestellt sein: Mit dem Imperialismus gegen das Selbst- bestimmungSrecht und gegen die Internationale,»der mit der Internationale für das SelbstbestimmungSrecht und gege« den Im- perialismus.«'Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Im Anschluß cm dieses Referat wurde eine Resolution cm genommen, die die Auflösung der Alliance mit dem Ententeimperialismus fordert, alle Bündnisse und Mlitär- konventionen verwirft und die Pflege freundschaftlicher Be- Ziehungen zu allen Staaten, also auch zum Deutschen Reich und zu Deittschösterreich fordert. Ferner wird die Ersetzung des Militarismus durch eine demokratische Miliz, die Ab- schaffnng der demokratischen Herrschaftsform und die Auf- Hebung aller nationalen Fremdherrschaft gefordert. Zum Schluß heißt es in dieser Resolution:„Die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei in der tschechosiouxi tischen Republik will den Kampf für die Erfüllung dieser Forde- rungen in engster Gemeinschaft mit den Proletariern aller anderen Nationen führen... Vor allem aber setzt sie ihre Hoffnungen auf die Wiederherstellung ihrer alten Kampf- gemcinschaft mit dem tschechischen Proletariat. Sie ist Wer- zeugt, daß die Verschärfung der Klassengegensätze das tschechische Proletariat von dem Einfluß der Bourgeoisie befreien, es auf dem Boden des unbeschränkten und nnver- fälschten Selbstbestimmungsrechts der Völker zurückzuführen und es damit fähig machen wird, imengsten Bundemit den deutschen Proletariern den revolutionären Klassenkampf zu führen."_ Mbbruch der Fwaugswirtfthast! Die„Deutsche Tageszeitung" beschäftigt sich in einem Artikel mit dem Zusammenbruch der öffentlichen Brotver- sorgung. Als Grund für die mangelhaste Wlieferung von Brotgetreide an die Reichsgetrerdestelle führt sie vor allem den Verlust der Provinz Posen und der Weichselgebiete West- Preußens au und bejammert die armen Landwirte, denen zu- gemutet wird, daß sie im Allgcmeininteresse auf die Wahr- nehmung ihres eigenen wirtschaftlichen Interesses zu einem Teil verzichten sollen. Daran schließt sich das übliche Geschm gegen die Zwangswirtschaft, mit der der Ernährungsminister Robert Schmidt Vabangue spiele. Wir haben allen Grund daran zu zweifeln, daß man ausgcreclmet Robert Schmidt Väbangue-Spielerei vorwerfen kann. Wenn eine Gefährdung der Brotgetreideversorg-ung tatsächlich vorliegt, so ist der Hauptgrund der, daß die Land- Wirte sich einfach weigern zu liefern. In interessierten Krei- sen erzählt man sich ganz unverblümt, daß die Beitreibungs- kommissionen mit Dreschflegeln von den Höfen gejagt wer- den, und weshalb das alles?— weil die Preise noch längst nicht hoch genug sind! Man mutet dem Ar- bester zu, seine Ausgaben für die allerdringlichsten Lebens- mittel wie Brot, Kartoffeln usw. zu oervielfachen und er- hebt das übliche Gezeter über bolschewistische Umtriebe, wenn der Arbeiter entsprechende Lohnforderungen stellt und sie durch Streik durchzusetzen versucht. Gibt es gegen die Sa- boteure der Lebensmittelversorgung von Geldsacks Gnaden keine militärischen Machtmittel? Wie lieblich sich die Dinge zu entwickeln drohen, zeigt eine Zuschrift von sachkundiger sette, die wir nachstehend wiedergeben: „Für sie neue Ernte ist der Handel in Hafer und Hülsen- flüchten freigegeben worden. Der Preis für Hafer stellt sich naturgemäß bedeutend höber als der bisher geltende Beschlag- nahmepreis. Die deutsche Haferernte ist gewaltig; man spricht von einer Rekordernte und schätzt den Ertrag auf etwa 8 Mil- lionen Tonnen. Die Landwirte reizte der hohe Preis, so daß sie fast nur den Haferdrusch besorgten und das Brotgetreide, Roggen und Weizen, das an die Reichsgetreidestelle zu bedeutend niedrigeren Preisen abzuliefern war, liegen ließen. DaS Reichsernährungsministerium hat nun bekanntlich versucht, den schädlichen Folgen durch ein Druschberbot für Hafer, durch Sperrung der Transportmitte! und durch Gewährung einer Ein- lieferungSprämie für Weizen und Roggen bis zum IS. Oktober diesem Uebelstand entgegenzutreten. Die Marktvorgänge, die sie daran knüpfen, sind außerordentlich interessant. Seit De- kaimtwerde» der Pläne de? ReichSernäBrnngsministerS stieg der Hafer außerordentlich. Schon heute ist die Preissteigerung des Hafers höher als die zum AuS- gleich für die Übrigen Getrcidearten gezahlten Lieferungs- p r ä m i e n, die etwa 150 M. pro Tonne betragen sollten. Der Hafer ist nach den offiziellen Notierungen von 48 auf durch- schuittlich 57 M. gestiegen, das macht pro Tonne 189 M. Dre offiziellen Kurse sieben gber buchstäblich auf dem Papier. Nach auswärtigen Bedarfsplätzon Nord- und Nordwestdeutschlands werden jetzt schon Preise von mehr als 6V M. erzielt. Auch für Berlin wird Hafer am freien Markt schon.zu Preisen gehandelt, die über den Kursnotierungen lisgen. Dabei besteht die Gefahr unvermindert fort, daß der für uns so teure Hafer ins Ausland verschoben wird, da er dort infolge der schlechten Valuta immer noch mehr als die Hälfte unter dem dortigen Inlandspreis liegt. Bei den Hülsenfrüchten zeigen sich die Folgen des freien Handels noch viel deutlicher. Einem Friedenspreis von 13 M. pro Zentner stellten sich beim Einsetzen deS freien Handels Preise von 149 bis 159 M. gegenüber. Die Anlieferungen vom - Lande waren schwach, der Bedarf der Verbraucher sehr stark; so überboten sich die Händler gegenseitig, um den Landwirt zu ver- anlassen, möglichst schnell und möglichst viele Erbsen zu liefern. Dieser wiederum nutzte die Konjunktur aus, bielt die Erbsen zurück und so wurde erreicht, daß innerhalb 14 Tagen der Preis von 140 bis 150 auf über 170 M. pro Zentner gestiegen ist und wahrscheinlich noch weiter steigen wird. Der wucherische Charakter dieser Preissteigerung ist so offenbar, daß anständige GetreidetzSndler den Handel' in Erbse« nststt«Mfr bettekbe» wolle», NN, sich an her aftgmdw** sifcefe- tr eiberei nicht mitschuldig zu machen, zum Teil wohl auch, weil sie die Strafbestimmungen der Wucher- und Kettenhandels- Paragraphen fürchten; gibt es aber keine Gesetze, die den Land- wirt zwingen, ein so wichtiges Nahrungsmittel wie Hülsen- ftüchte auch im freien Handel abzu liefer« und nutzt in Erwartung weiterer Preissteigerungen zurückzuhalten?" Dicsc geradezu skandalösen Preissteigerungen beweisen dem Arbeiter, was ibm bei einem plötzlichen A-bbau der Zwangswirtschaft blüht. Die Landwirte, die heute nicht obne Unrecht über die erheblichen Erhöhungen der Gestehungskosten flogen, verkennen dabei ganz und gar, daß diese Ge- stehungskosten noch bedeutend mehr steigen müssen, wenn die Preise für die grundlegenden Nahrungsmittel so ungeheuer. lich verteuert werden. Ganz abgesehen davon, daß die Plötz- liche Preissteigerung eine Unzohl von Streiks und damit eine Nerteuernng der industriellen Produktion_ nach sich ziehen muß. so hängt doch der Preis der landwirffchastlichen Gestehungskosten von den Arbvitslöhnen ab, die automatisch in die Höhe schnellen, wenn die Lebensmittel teurer werden. Sie schneiden sich damit nur ins eigene Fleisch. Zum mindesten ist nicht gesagt, daß sie aus dem wirtschaftlichen Tobuwabohu, das bei einem überstürzten Abbau der Zwangswirtschaft ein- tritt, als lachende Erben hervorgehen. Bedauerlicherweise muß festgestellt werden, daß selbst in Ministerkreisen diese Einsicht nicht durchgängig vorhanden ist. Das Preußische Landwirtschaftsministerium, dos ja in erster Linie das Interesse der Landwirt- fchaft zu verfolgen hat, tritt nicht nur nicht dem Treiben der Großagrarier und Getreidespekulanten mit genügendem Nachdruck entgegen, es scheut sich sogar nicht, seinen von dem des ReichsernÄhrungsministeriums abweichenden Stand- Punkt vor der Oeffvntlichkeit zu vertreten. Mit sattem Behagen konstatiert die„Deutsche Tageszettung"(und das nun schon zum zweiten Male, weil ihre erste Anzapfung keinen Erfolg gehabt hat) Aeußerungen des Landwirtfchaftsmini- sters Braun, die dieser vor einer Abordrnmg der Oberlausitz gemacht haben soll. Herr Braun meint, ersten? scheue da? Ministerium de? Herrn Schmidt, also doch wohl dieser selbst, die Verantwortung. Ztveitent spiele die Zähigkeit der im Reichseruäh- ruNgSam t verankerten Beamten nebst dem gesam- ten Angeftelltenapparat. die in der Aufbebnng der Zwangs- Wirtschaft den Verlust ihrer Stellung erblicken, eme große Rolle, und drittens hätte man überhaupt den Eindruck, als wenn diese. Beamten glaubten, daß nur von ibnen und ihrer Tätigkeit daS Wohl und Wehe des Voltes adhinge. Mr können es dem Agrarierorgan nicht verdenken, wenst es daran die Bemerkung schließt: ES ist wohl ein etwas sonderlicher Vorgang, daß ein Minister dem andern Scheu vor der Verantwortung vorwirft, und zwar in aller Oefsentkichkeit. Was uns wesentlicher erscheint, ist derjnrefte Vorwurf gegen Robert Schmidt, daß er sich in seiner Stellung von der Anhänglichkeit einzelner Beamten an ihr Amt leiten lasse. Auf dsnffch nennt man das: G ü n st l i n g s w i r t sch a f t. Solche Vorwürfe pflegten unterm ailten Regime von einem Ministerium gegen das andere nicht gemacht zu werden/ und es könnte gar nichts schaden, wenn man darin doch ein wenig Tradition wahrte. Was wir brauchen, das ist eine zielbewußte Politik. Die Arbeiter hoben alles Interesse daran, von ihren Vertre- tern in der Regierung gegen die agrarischen Geldsackbestrc- Hungen mit aller Macht geschützt zu werden. Darum kansi" vor der Liebäugelei mit der freien Lebensmittelversorgung nicht nachdrücklich genug gewarnt werden. Deutsthnationale EiSesscheu. Gcwisscncsstrupel monarchistischer Beamten. Der BeamtenauSschuß der Demschnationalen Volkspartei bat eine lange Kundgebung beschlossen, in der er sich gegen die Vereidigung der Beamten auf die neue Reichsverfassung wehrt. Dieser Eid verursache den debtschnationalcn Beamten.schwere Gewissenskonflikte" und taste angeblich die Freiheit der politischen Gesinnung an. Sie»vollen sich nicht auf die Republik vereidigen lassen, aber— sie wollen auch nicht gerne ihre brotspendenden Stellen aufgeben. Deshalb erkläre» sie noch manchem Hin und Her, daß sie den verlangten Eid leisten werden, aber nur in dein Sinne, daß sie sich zur gewissenbafien Beobachtung der in der Bersassungsurlunde niedergelegten Lesiinimungen verpflichten. Insbesondere behalten sie sieb das Recht vor, im Rahmen der durch die Verfassung gegebenen Möglichkeit andere Zustände zu erstreben. In der Form, wie die Regierung von ihnen die Eidesleistung ver- langt, erblicken sie einen.Mangel an Rücksicht". Höher geht die Frechheit nimmer. Welche Rücksicht hat denn eigentlich das monarchische System auf die, Beamten aenommen, die EewissenSbedenlen hatten, dem Monarchen den Treueid zn leisten?<' Parteinachrichten. Die Nürnberger„Einigung". Die.Fränkische Tagespost" erfährt jetzt erst, daß die Einigung?- kommission den Anschluß der Nürnberger an die Zentralstelle der Betriebsräte beschlossen hob«. Diesen Beschluß hätten die unabhängigen und kommunistischen Drahtzieher am Schlüsse einer alle Anweiende» ermüdenden Sitzung durchzusetzen verstanden. ES habe sich also hier lediglich um eine Ueberrumpelung gehandelt. lind der.Sozialdemokrat", das unabhängige Organ, sucht die Zentralstelle der Betriebsräte möglilbst harmlos darzustellen, hütet sich aber, aus weniger schamhaiten unabhängigen Blätiern da« ab- zudrücken, was diese z» dem Ausbau de« Rntejhstems gebracht habe» und den Bericht des.Vorwärts" über den Vertretertag der Zentral- stelle in Halle a. S. bestreitet der.Sozialdemokrat" Wort für Wort. Darnach wollen die unabhängigen und kommunistischen Eini- gungsapostel aus unfaire Weise die Anhänger der Mehrheitssozial- demokratie sür ihre Zwecke mißbrauchen. Dieser Vorgang beweist aufs neue, daß es unseren Freunden von links lediglich darauf an- komnit, das Proletariat auf dem Boden der Rätediktatur zu einigen. DaS hieße ober nicht« mebr und nichts weniger als die Ausrickitlmg einer Mmderheilkherrschast durch eine neue opferreiche Revolution. Gegen einen iolcben permanenten Bürgerkrieg und die dnmir verbundenen Gefährdung aller revotu- tionären Errungenschaften muß sich da« werltälige Äolt entschieden wenden. Eine Einigung mit dem Ziele, die Arbeiterbewegung zugrunde zu richten, ist. wie die.Fränkische Tagespost" mit Recht betont, Selbstmord. Und wir stimmen durchaus mit Unserem Niirn- berger Bruderoraan überein. wenn es am Schlüsse des das unab» hängig-komniunistifche Belrugsinanöver behandelnden Artikels schreibt: Auf diese schiefe Bahn dürfen sich die ge- schulten und erfahrenen Parteigenossen nicht begeben, sie sind für die Einigung, aber nicht für dir Bcschwindelung der Arbeiterschaft. HeweeWlWewMng das richtige Wort. Seit der«�lüSfrlige» SpalstMg der Partei, dt« die flu jeden Einsichtige« erkennbare Folge hatte, daß manches, tva» m erreichbarerer Nähe stand, zur Freud« der Re- aktionär« aller Schattierungen nicht erreicht tvurde. macht sich immer mehr das Streben bemerkbar, die politischen Gegensätze in den gewerkschaftlichen Versammlungen aus. zukämpftn. Ganz abgesehen davon, daß durch den mit aller Leiden» schast geführten Bruderkampf die gewerkschaftliche Arbeit erschwert wird, sollte doch jeder Gsverkschasller sich sagen, daß für die kam? Menden BnailSblciblichen Kämpfe mit dem Unternehmertum eine geschlossen« zielklare GewerkschaftStätigkeit die erste Vorbedingung ist. Cder sollen wir auch hier da» Schauspiel erleben, daß die Reaktion, d. h. in diesem Fall« da» fest zusammengeschlossen« Unternehmertum, sich lachend die Hände reibt, derweil die Arbeiter im unsinnigen Streit sich zerfleischen? Ein sehr passende» Wort für die derzeitige« Zustand« in den Gewerkschaften finden wir in der letzten Nummer de? Fachavgan» der Dachdecker Deutschland»..Sind die Gewerkschaft«« p o» litisch« Rieselfelder fragt die Redaktion in einvn Artikel, in dem sie die Frage der Twuzeiklichen Politisierung der Gewerkschaften behandelt. Da» ist ein lefter nur zu nichtiges Wart. Wir wollen uicht pharisäisch die Schuld allein auf die Anhänger der U.E.P. und Kommunist«« wälzen. Auch die Anhänger unserer Partei find Lein« Engel. Schuld ist letzten Ende» die Gärung, hervorgerufen durch die ganzen wirtschaftlichen und politischen Berhältmss« der Jetztzeit, zu einem nicht geringen Teile wohl anch da» Erwachen so vieler bisher politisch und gewerkschaftlich Indifferenter, die imn im Gegensatz zu LH rem früheren Dasei« in RafcikaNsmu» verfallen, der ja ein Borrecht de» jung in die Bewegung Gekommen« ist. Im Interesse der gedeihliche« gewerkschaftliche« Arbeit ab« liegt es, daß einer nicht im anderen schon dann einem Schuft steht, inenn er sich«cht zu der Auffassung de» Erste» bekenne« kann. Sonst werden die Gewerkschaften wirklich die politischen Weselfelder und statt den Aufsftog der Arbeiterschaft z« flrdcrn, Nmrten wir schließftch im Schlamm stecken bleiben. Ter Streik flu chemische« GrofthnndeL Im ReichSarbeitSamt begannen am Mittwoch vormittag unter dem Vorfitz de» Landgerichtsrats Wulffs die EimgmrgSverhand« ige» der WirtschaftSbeihilf« und über die Bedingungen, unter denen der Streik abgebrochen werden kann, eingehend verhandelt. Die Ar« beitgeber gaben trotz wiederholter Anfragen der Gegenpartei und de» VerhandlungSleiter» keine bestimmt« Sutwort. Es wurde insbesondere die Frage aufgeworfen, ob die Arbeitgeber be« reit seien, sich dem zu fällenden Schiedsspruch zu fügen. Deren Vertreter erklärten jedoch, stch hierüber so lang« nicht äußern zu lönnea, al» ihnen der Wortlaut de» Schiedssprüche»«»bekannt sei. Andererseits erklärten die Vertreter der Arbeitnehmer, daß fie fich dem zu fällenden Schiedsspruch fügen würde«, ohne je- doch der Entschließung der Ausständigen vorgreifen zu wollen. E» wurde serner noch die Frage der RechtSverbindltchkett de» Schiedsspruches erörtert. Dte Arbeitqeberseite führt» dazu an«, daß man die Berechtigung einer BrrbmdlichkeitSerilänmg n«t«r keinen Umstände» anerkenne. Um•/<4 Uhr begannen die Verhandlungen de» Schiedsgerichts zwecks Formulierung de» Schiedssprüche« unter Ausschluß beider Parteien.— Der Schiedsspruch liegt bei Redaktionsschluß noch nicht vor. Vorbereitungen ffir die«iuhettS orgauffatioa. Am Dienstag fand im großen Saal des Mufiker-VereinShause» «i«e Versammlung der Funktionäre der Sektionen Metallindustrie und Elektroindustrie de» Zentralverbande« der Handlungsgehilfen und de« Verbände» der Bureanangestellten Deutschlands statt, die zu der am l. Oktober stattfindenden Verschmelzung beider Ber» einigungen Stellung nahm und die notwendigen organisatorischen Vorbereitungen traf, fodaß vom nächsten Monat ab die Sektions- arbeit im.Zentralverband der Angestellten' energisch weitergeführt werden kann. Ans Grund de» vorligenden Entwürfe» zum neuen OrtSstatiit wurden die Leitungen der Sektionen imd Fachgruppen gebildet. Sekretäre der in den Fachgruppen Metall- und Elektroindustrie znsammengeschloflenen Sektionen find die Kollegen Fla tau und G l a e s e r. In der DiSknsfion winde wiederholt betont, daß volle Einigkeit über die Absichten und Ziele der in den Sekttonen Tätigen herrscht. Auch z» dem neuen Tarif wurde Stellung genommen. Endlich wurde noch ein« Resolution angenommen, die den streikenden kanfmännischen und gewerblichen Kolleginnen und Kollegen vom chemischen Großhandel die wärmst« Ghmpa» th t e ausspricht für die Energie, mtt der st« in wochenlangen Kämpfen ausgehalten haben. Di« Bersammelten erklären sich bereit, mtt vollem Eifer in ihren Betrieben dafür zu wirken, daß den streikenden Kollegen auch finanziell ein« Hilfe zuteil wird, die es ermöglicht, über die statutarischen Bestimmungen hinaus die Streikenden z« mrterstützen._ Di? Eisenbahner»nd d«S Akkordlohnsyftem. Der Werbeavsschuß der Bisenbahner Groß-BerlinS sS. P. D.) ah, in der znnächst Ge- »trat- informatorisches Referat gab. In äußerst wirkungsvoller Weif« illustrierte er die Leitsätze der Z. A. B., die die folgenden find: t. Erörterung freudiger Mitarbeit der Beamten an dem AuSban und der Festigung der jungen deutschen Republik, 2. Bekämpfung reaktionärer und radikalistischer Strömungen, die dem demokratischen Geiste in den verwattungen«nd der ruhigen Fortführung der Staat»- und BerwaltungSgelchäfte schäd« lich find,». Stärkung de« politischen Swftnfie» der Beamten im neue« republikanischen Deutschland, 4. Pfleg« wahrer demokratischer Gesinnung»nd sozialistischer WiklenSmetnnng unter den Beamte«, k>. Hochhaltung des BrnndfatzeS:»Diene dem Ganzen an» staats- bürgerlicher Pil�ch: durch hingebend« ernst« Arbeit in Beruf«nd Politik,& Erörterung sämtlicher politischen und wirtschaftlichen Beamtenftage«. die ihrer LSstmg dnrch parlamentarische» Stnflnß »«geführt werden sollen.' Um diese» Ziel zu erreichen, sei mtt alle» Mitteln dahin wirken, daß der schnellst« Zusammenschluß aller soziatdemokrl gesinnte» Beamte« anf Grund diese» ÄtionSprogrammS verwirk. licht werde. g* der beabsichtigte» SHederei» führ»u g des Skkord- f h st e m S spricht Genosse Parteisekretär T h« m a«. Der Redner wendet fich dagegen, daß vielleicht ew Akkordsvstem wieder ein- geführt wird, wie«S früher bestand, wo e» letzten Endes auf Schwindel bwauslief, de« die Meister zngnnsten ihrer Lieblinge trieben. Es müßten an« den Reihen der technischen Beamten, vor allem aber der Arbeiterschaft, positive zweckdienliche Vor» s ch l ä g e gemocht werben. Rur die Güte dieser Borschläge kann einen Erfolg verbürge». Hierbei wäre z» erwägen, daß für Repa- raturarbeiten, wen« möglich ein» ganz besonder« Art von Eni- lohnung wird gefunden werden müsse», um der Arbeiterschaft ge- i zu werden. Ew AUordfysiem gleicher Art wie für Ren- nnge» kann hierfür keinesfalls in Frage kommen. Es steht zu erwarten, daß man höchstwahrscheinlich mit den Verbefleruugs- vorschlügen bei den Fabrikation»-«nd Arbeitsmethoden wirb au- fange« müsse« und nicht bei der«»«beutung der Arbeiter. Räch einer sehr lebhafte» Diskussion, in der auf die der- schieden«» Mißstände im Eisenbahnbetriebe hingewiesen wurde, wühlte die Bersammknng ein« Kommission, der da« Material über da»«kkordlohnfystem überwiesen wird. Der Kommission gehören «i ein technischer Sekretär, ew Lokomotivführer, zwei Schloffen ein Schmied, ein Tischler und ein Vorarbeiter. An vre Lehrlinge und jugendliche» Angestellten des Zentralverbandes! Kollegen! Im letzten Mitteilungsblatt der Iugendsektion des Zentralverbandes der Haudlungsgehilsen wird aufgefordert zur Beteiligung an einer Zhrndgebung der komnrunistischen Jugend, welche am 7. d. Mts. in Pichelswerder stattfindet. Wir ersuchen alle diejeingen, die mit uns der Meinung sind, daß die GeWerk- schaft nicht der Tummelplatz für eine politische Richtung werden darf, um Uebersendung ihrer Adresse an Adolf I o sep h."W. 9, Bellevuestr. 7 III. Der Schiedsspruch im chemischen Großhandel wurde in später Abendstunde gefällt. Es wurde«ine Staffelung in vier Gruppen vorgenommen. In der 1. Gruppe erhalten die Augestellten vom 18. bis zum 80. Lebeusjahre ein Gehalt von 2Sb bis 440 M.; w der L. GrnjPe 2Sb bis WS M.; in der S. Gruppe SSO bis 625 M.; in der 4. Gruppe SSO bis 7b0 M. DaS Mitbestimmungsrecht ist auf der Basis aufgebaut, wie da» in der Metallindustrie. Die Vertreter der Arbeitnehmer erklärten fich bereit, den Schiedsspruch anzunehmen. Der Vertreter der Arbeitgeber, Syndikus Dr. Engel, erhob jedoch gegen das Vor- gehen de« Borsttzenden auf Grund des§ SS der Schiedsgerichtsordnung Protest. Der vorfitzende rechtfertigte sein Verhalten und wie» de» Protest Dr. Engel» als unpaffend zurück. Die Arbeit- geber werden w«wer besonderen Sitzung über die Annahme des Schiedsspruches Beschluß fassen. Darifvorhandlungen in der chemische« Industrie. Die kaufmännischen und technischen Angestellten der chemischen Industrie werden ersucht, w der heut« Donnerstag, den 4. Sep- tember, abends?'/, Uhr, m BräuerS Festsälen. Frankfurter Str. 117, stattfindenden Versammlung vollzählig ,« erscheinen, um den Be- richt über die am Wontag, den 1. September, vor dem Reichs- arbeite anrt stattgostm denen Einigung» Verhandlungen entgegenzunehmen. akverbaud der HandkungSgchilfen. der technischen Angestellten und Beamten. Buchhinderverband, Mbmn-, Wappen« und G-imrteriedmnchc. Die Auszahlung de» Mietsunterstützungen findet Freitag, 5. Septbr,, von 4— 7 Hhc rm Bure an Engeknfer 15 statt. Die Ortsverwaltnng. WifenkonftenkttouS- und Aadefinhldeteted«. Angrstelkte! Arbeiter! Am Freitag, den S. September tSIS, abend« 7 Uhr, Haverland» FestsSIs, Reue Friedrichstr. SS, Versammlung. Tagesordnung: Ncuaujbau de« Räic- hftemS. DiSblsston. Trfch einen aller Ardeiter und Angestellten erforderlich. Augestellte der Spaxdaner Staatsbetrieb«. Freitag, 8 Uhr, Neu- ffficlt: Versammlung,(kntgegennahme des Berichtes über die Berhand- 'lungen vor dem ReichsarbestSmünfterium. Beschlußfaffung. Unbedingtes Erscheinen aller notwendig. Angestellten-AuSschüsse»acbgrnppeu». IS. 14 und IS. Obleute werde» ersucht, sofort die Zahl der benötigte» TarisoerirSg« dem OrtSsekretariat Berlin, Nerstftr. 7, auszugeben Pro Stück 45—50 Pf. Zur Erleichterung der eigenen Arbeit wird empfohlen, daß sich jeder Kollege ew Exemplar verschafft._ Mus aller West. Fnukentelegraphrfcher Schnellverkehr Berlin—Leipzig. Saut Mitteilung de« Reichspostministeriums wird mit der Er- öffnung der Leipziger Messe ein ftmtmitelegeaphischer Schnellverkehr Leipzig— verlin eingerichtet. Veraust». für bttt tedottiea. Teil: Aisted Achel», Reukölln: für Anzeigen: rhendo- k locke, Berlin. Verlag: Vorrvörlo-Vrrlag G. m. b. H., Verlin. Druck: Borroiirts- Buchdrucker«: und Verlagoankalt Paul Eing«r«. Co. in Berlin, Lindenkr. 3. Hierin 1 Lrilagc. ZeMerMMMieMSM Vcfwaltumittdk Berlin X ll. 51, Clnienftr.$1—85 eit von oom.» Uhr bk»ach«.« Uhr. - Amt Norde» ISS, t29», 1987, 9714. DouuerStsg, de» 4. Sept. 1919, nachm. 4'/, Uhr: Versammlnng aller t» der Gold-». Silberwaren-Judustrie beschiftigten Arbeiter nud Arbeiterinnen in W»»>»etschast»hau», Sngttustc 18(Saal I> Tageoordnung: l. BertchNrstattnna über unser« Torlivcrhaudtungen. 2 Dl�sfiou. i. Verbands- und Branchenongelegmheiten. tlollegen I Wegen der wichtinen Tagesordnung t» e, PfNcht all« gollegen, pünktlich in der Bersanimlung M erschauen. Ohne«itglstdschastsauoweio kein Zutritt. 128/11 vi« Ortaverwaltnna;. Huf bau und Menden, Arn Frettag, de« S. September, abends 7is, Uhr, i» der Aula des SophteUliAeamS, Weinmeisterstrast« IS/t?: MM mmmim . N-,»---»» ">>>»> ypnitrot fret i 1■ Der dritte«ortrag«wr �Wt praki Ische NotockNoa� swwt am w.«»ptomder, abends 7V, Ilhe t» selben Lotale statt. Die Arbeiterschaft und bereu»»Uul»»»»mt, stnd«stdo-»» wwgvchp eingeladen. « SMMM« SM-Zikli« . m. b. H. m«,»««. den 6. Laptsmbar isio. nachm. 2 Uhr. «m tloiuen Si�aagssaal des H-rrenhause«: Generalversammlung. Die Genossen werden um pünktliches Erscheinen gebeten. Die ..! 0-1____— v... O~ If �...• v. � ik» Ol vf.aif ov- J>»0 nicht lung 3780b sied werde». vor vorstand. Ritz- 1. Müller. R-tnhold. Tpezial-Abteilnng Uniformenfärben, in Zivil umarbeiten in schmar,. brav», we-n,-prün. in«�T-ro»r> stach» Wenden, Umarbeiten, Nenarbeiten �neapäülicd L Mauden a. Haustiere Kainc Bäsch Kdigunn ».Möbeln, WgKh« u.dgl. Rainigonde Wirkung sufHaulu.FcU S.ttaueücro Kslne«nantsnehiata Nebencmhelnungtn Kgudhe and»ichere Wirkung Betrocci« Attwendauti bt S«;«ig«r wCeecMgcr LOiung in-lu.ferkaufTon Motoren übernimmt lecker Stromalllr&e lind feder Art, sowie Um- u. Neuwickeiwngen Wilhelm Neumann, 6. n. b. H., Berlin S. 14, Drowtencr Str. 4i. UL« Tdegr.c Lttwntubei. Td.;«odtopl aS3fii- von Qemm- und Oamrogrrcöacobeti In 3 logen. Stoffnenheiten. Stoffausstellung. Archerdem wird stder ArNktl iuSTa�� gssckrbl und im 2* Stunden chemisch gorawta«. 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Büchlein« erfolgt(«(ort im venchL Kurort ohne Firma rollst irocteoL L. Wamccke, Hannorer.FrlesenettaS. + Frauen+ "ygien. töummiwarenhaue von tau Alma Hei», st. Oberheb- amait a. d. gedurtshilfi. üimii ber Tharit« Berlin, ältestes Spezialgeschäft s.säintl. Frauen. Dedarfsarlilr!, Zrriacttoren. Leibdwden, Menftru utinbeit »ummistrümos«,«ummifauger in bekannter Quaiiiar». soliden tAer$!$n10£f gtr. X06a. .ch" „hi**" r-.r'£-"'a Sf e"* o 4z Mira p-rift-ci. J» von K. Schlipf, 21. noubearb. Auflage, 597 Seiten mit 850 Abbildung. 13,15 M. Der Landwirtschaftslehrling 9,10. Lar.d- wirtsch. Ratgeber für Frauen 4,—. Der Haustierarxt 4,40. Landwirtsch. Tierheilkunde 24,20. Der Veterinärgehilfe 4,—. Der Fleischbcachaner 3,75. Der Trichinenschauer 3.—. Tier- zuchtichre 7,—. Rindviehzucht 30�5. Föttenin)fsiehre 4.50, Ernährung des Rindes 2,—. Pferdefütterung 1,65. Pferde- kollk 4,—. Schweinezucht 1.60, Schweineflitterung 2,65. Schafzucht Sr- Düngerlehre 4,75. Eintragt. Gemüsebau 9,70. Eintragt Feldgemüsebau 4,65. Pllatrach 3,—. Qartenbucli 5,75 oder 22,—. Gartenkunst 8,50. Kaninchenzucht 3,60, Ziegenzucht 560. QellBgelzucht 5,—. Hühnerzucht 2�20. Entenzucht 2,2-. Gänsezucht 2,26 Bienenzucht 5,—. 6000 Rezepte zu Handelsartikeln 15,—. Richtig Deutsch 5,75. Rechtsfcrmularbuch 575 Rechtschreibung(Duden) 7,15. Auisatzschule 5,75. Fremdwörterbuch 5.75. Englisch 575 Französisch 575. Spanisch 575. Polnisch 5,75 Buchführung 5,75. Sankwesen 5,7». Geschäfts- u. Privatbriefsteller 5,75. Schönschreibechuie 4,—. Zeichenschuie 2,—. Guter Ton und leine Sitte 5,75. Mod. Tanzlehrbach 535 Die Gabe der gewandten Unterhaltung 3�0. Gegen Nachnahme L. Schwärs A Ca., Berila CS, 148, Annenstr. 24. Lexeo Nachnahme. 186/15 KIeiderschraiik,Vertikow, Tisch, 4 Stühle, Spiegelspind und Spiegel M. 875,— firstklass Ansführnng! Stolzmanu, Auf Wunsch Zahlungserleichterung. .» Elektromotore Gleichstrom:: Drehstrom kauft[• Berlin W9, Llnkstr. 15 Tel. Lützow 3705 und 8518, !!! och«. 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Würde die R«- «icrung die Zwangsrotionierung der Wohnungen für das ganze Ruhrgebiet betreiben,«z wäre noch Platz für mehrer» Zehntausend neuer Arbeit». In den Gemeindevertretungen der Zechengemeinden haben die Sozialdemokraten nur seltem die Mehr- heit, besonders aber nicht in den Städten, wo die meisten großen Wohnungen find und darum ist dort durch Gemeindebeschluß Me Teilung der großen Wohnungen nicht zu erreichen. Diese kann also für da» ganze Revier nur durch einen Druck vou Berlin aus verwirllicht werden. Zuwandernde Unverheiratete keßen stch auch noch in größerer Zahl bei den Bewohner» der Zechen kolonien unterbringen, wenn— ja, wenn dies« zu erschwingliche» Preis«, Betten geliefert bekäme» und ihn«, etwa»«ehr au Bahrung»- mittein für die Kofigänger zugewendet würde. Auch menschen» würdig« Ledigenheim« keßen sich ßtznell»ud leicht schaffen. Dazu scheint bei den Zechen aber der mite Wille zu fehlen. H« doch> B. erst in den letzten Tage» die Zech«.Prwzregrnt' bei Bochum(Eigentümer Snnne»— natürlich?) einem cm» Süddeutsch- land angebotenen größeren Trupp ArbeitSksser«ine total der- saute und verlauste KriegSgefaugeuenbaracke als Unterkunft zur Verfügung gestellt. Weil fich gerade für die Un- verheiratete« noch am leichtesten ein« Unterkunft beschaffen läßt, müßten auch die Arbeitsnachwvise in ganz Deutschland angewiesen werden, vorzugsweise Unverheiratet« zum Rnhrgebiet zu sende». Die» auch deshalb, weil die für Anfänger im Ruhrgebiet vmchan- denen Arbeiten meist nnr von jüngeren, über 16 Jahr« asten Personen ausgeftihrt werden. Wer aber heute im Atter von etwa 18 Jahnen den Ruhrbergba» aufsucht, hat Aussicht, vieklricht schau nach«nigen Monaten bei der Kohlengewinnung den vollen Lohn eine» erwachsenen Hauer» zu verdiene». Infolge d« milstär Ischen Abrüstung werde» Militfetuche gespart. Davon oder an deren Stelle gebe mau den neu eingestellten Bergleuten zu normalen Preisen Arbeitskleidung. Schließ» lich helfe mom den sowieso schon ziemlich.abgebraunt' dem Berg- bau zutoandernden Arbeitslosen bis zur ersten Lohnzahlung, die im Ruhrbergbau für den Anfänger lZ Wochen dauert, mit Bor- schössen an». Di« weitgehendste Anwendung aller dieser Mittel bietet kein« Schwierigkeiten, die nicht zu überwinden wären. TZ kommt nur darauf an, daß tatkräftig zugegriffen wird. H. Aufderstraß«, Bochum. I» diesem Zusammenhange verdient darauf hingewiesen zu werden, daß zur Schaffung von Wohngelegcnheiten im Ruhrreviee auch der Holzhausbau im verstärkten Maße herangezogea werden kann. Bei dem heutige« Stande der Technik ist es durch- au» möglich, hygienisch einwandfreie Dauerbaute» au» Holz herzu- stellen. Da dje Einführung der Sechs stund enschicht bereits im Fe» bruar nächsten JabreS erfolgen soll, und da e» im übrige» au Bau- matevialjen fehlt, wird man wicht umhin können, dieses Problem einmal energisch m Angriff zu nehmen. Für Nordfrankreich wer- den zum Wiederaufbau von Deutschland 00 000 Holzhäuser verlangt. die binnen Jahresfrist zu liefern find. Da die Kohlennot aber ebenso ein internationales Problem ist wie der Wiederaufbau und da letzterer ins Stocken kommen muß, wenn es nicht gelingt. Bau» ftoffe herzustellen— wozu wieder Kohle gebraucht wird—, müßt« eS möglich ssin, mit der EnUentekonunisfion darüber zu einer ver» ständigung zu komme». Auch hier müßte aber schnell und tatkräftig zugegriffen werden, veno man rechtzeitig zu gveistare» Srgebnkffe» kommen will.'.> Der Münchener Geifelmsrö vor Oericht. München, den 6. September. Zu Beginn des dritten BerhandlungStage» hat am Tisch der Presse auch die bekannte Münchener Kommunistin und Maler- schönheit L i l l i K r a m e r ol? Berichterstattern, des dortigen kommunistischen Organs Platz genommen. Sie trug bei der Fe- bruardemonstrntion der Münch«»er Kommunisten und Unabbängi- gen auf der Theresisnwiese den Massen da» Schild.Mosa Luxemburg' voran und war auch Mitglied d«S BollzugSauS- s ch u s s« s, der während der Gciselerschießung im Luitpold-Gym- nafium tagte. Da si« den Angeklagten sämtlich bekannt ist, kommt eS in der Vernebmung mehrfach dazu, daß auch ihr Name genannt wird. Von besonderem Interesse war heut« die Vernehmung de« L4j ährigen Artisten Bernhard Hesielmann. Auch er ist, wie die meisten übrigen Angeklagten, nicht im Felde gewesen, hat aber während seiner Tätigkeit nn Gymafinm stet» U n i fo r m ge- tragen und war dort der Bekleidungskammer zugeteilt. 9r muhte die neuen Rotgardisten einkleiden helfen. Borsitzender: Hie unterhielten damals ein Verhältnis zu einem Fräulein Kurt und diese? Rädchen soll auch in da? Gym- nastiim eingeschmuggelt worden sein. Angeklagter: Sie wnrhe als Krankenschwester enzagiert. Vorsitzender: Ist fie nicht schließlich auch w die Beklei- dungSkammer gekommen,denu mit derKraulenpflege war das wohl so eine Sache?(Heiterfeit.)— Angeklagter: Ja,— Vorsitzender: Die Herrlichkeit soll aber nicht lange gedauert haben. Denn bereits am vierten Tage soll ein Militärarzt Rnmp sie zu vergewalligen versucht haben. Kr ist dann verhaftet und zu 0 Mo- nat-n Gefängnis verurteilt worden, hat die Strafe wohl aber auch nicht abzusitzen brauchen bei den gesetzlichen Bestimmungen, die im Gymnasium herrschten.— Angeklagter: ES war nicht der Militärarzt, sondern sein Sohn. Vorsitzender: Haben Sie ihr die Heirat versprochen? Ick frage nur aus einem besonderen Grund« danach. Sie standen sich damals mit Ihrer Frau nicht gut, weil St«„neben hinausging'. Angeklagter: Ja.— V o r si tz'e n de r: Sie sollen sich nun der Kurt gegenüber als ledig ausgegeben haben.— Der Angeklagte bestreitet dies.— Vorsitzender: Nußerdem solle» Sie am vierten Tage Ihrer Anwesenheit hn Gymnasium einmal da» ganz« BeklekdungSamt zugesperrt haben, weil die ganze Mannschaft«estohlen hafte und deswegen eingelocht worden war.— Angeklagter: Ja, es sind eine ganze Menge Sachen fortgeschleppt Wörde». Vorsitzend er: Aber in der Gerichtsverhandlung tuurde««II« Betetligien freigesprochen.— Angeklagter: Das ist richtig. Borsitzender: So wurden also damals Diebe bestraft.(Heiter» kest.)— Angeklagter: Jawohl, ich bin auck, damals gleich zu Seid! gelaufen und habe ihm gesagt, unter solche» Umständen kann ich nicht mehr mittun. Seidl erwiderte mir: D» bist ja verrückt! und schickte mich wieder hinunter.— Vorsitzender: Wer hatte nun nach Ihrem Eindruck die Oberleitung im Gym» nasium?--- Angeklagter: Der Seidl. Auch Hauimann unterstellte sich ihm freiwillig, denn er kannte fich im allgemeinen nicht au». Vorsitzender: Sie sollen auch «fs Adjutant tätig gewesen sein, sollen Befehle zwischen dem KriegSministeriual und dem Gymnasium hin und her getragen haben.— Angeklagter: Nein, dafür hätte ich mich bedankt.— Vorsitzender: Die Autos find doch damals nur so hin und her gerast, da wäre doch gewiß auch für Sie eins Übrig gewesen.(Heiterkeit.) Was für ein« Atmosphäre herrscht« denn min eigentlich im Gmu- nasium?— Angeklagter: Sie war sehr unangenehm. Man hört« von nichts anderem als Totschießen, Erschießen, Erschießen'. Vorsitzender: Wer war denn da in der Hauptsache daran be- teiligt?—- A n g» k l a g l e r: De- Seidl.— Vorsitzender: In der Voruntersuchung lwben Sie auch angegeben,«eidl hätte suh der gemeinsten Ausdrückc bedient, und die Schimpfwortc seien nur so hin und her geflogen, wie: Schweinehunde, Saubande, Laad- streichet, Spitzbuben, Hallodris und fo weiter.— Angeklagter: Ja. das stimmt. Seidl war saugrob und gemein. Was im Gym- nasium ein und aus ging, war kurz gesagt Pöbel— Vorsitzen» der: Sie haben einmal erklärt, tuenn Sie sich ordentlich über Seidl aussprechen wollten, müßten Sie ein ganzes Buch schreiben. Jetzt haben Sie Gelegenheit, zu sprechen, Seidl ist da.— Hesselmann erklärt dann, daß er alle seine Angaben aus der Vorunter- fuchung aufrechterhalten müsse. Namentlich der greise Erleuchtung. 87, Roman von Henri Barbus f«. Verdeutscht von Max Hadorf. Dahin ist all»» gestrandet, dahin ist alles endgültig ge- steuert. Hn diesem KreiSbein, das schmal wie eine winzige Pfüye ist. tvird der Absturz zu den wütenden Höllenjchlunden airssgchalten. Doch vorher wird der Stürzende noch versenkt in die langsamen Martern und die unermüdliche, abschlagende Ermattung und in das«nfflammen des GcwittersturineS. Wir sind hierher gekommen, lveil man uns geboten hat, daß wir hierher kommen sollen. Wir haben getan, waS man uns anbefohlen hat. Nichts anderes? Ich denk« an die Schlicht- heit der Antwort, die wir geben werden beim letzten Gericht. Die Kanone dröhnt immer noch. Immer und immer fallen diese Granaten und diese Kugeln nieder, die kilometerweit hingestreckt sind. Menschen, die hinter dem Horizonte versteckt sind und voller Leben, stehen Lech an Leid mrt den Maschinen, und sie wüten erbittert gegen den Raum. Sie sehen die Schläge gar nicht, die sie aussenden. Sie wissen gar nicht, NwS sie tun. Dm wirst nichts wissen, du kannst nichts wissen. Da aber daS Kanonengedonnere wieder beginnt, wird man sich hier von neuem schlagen. All diese Schlachten, die sich immer wieder aus fich selber gebären, fi« find schuld daran, -daß eine der anderen folgen mutz bi« zur Unendlichkeit!-- Eine einzig« Schlacht, da« ist nicht gemsg, da« ist noch nicht vollkommen, das fügt stch nicht in den vernünftigen Plan ein. Nichts darf enden, nie und niemals darf etwas enden! Ach. es sind nur di« Menschen, die dahinsterben! Niemond begreift die Mächtigkeit der Dwge. Und auch ich. ich begreife wohl, daß ich da« ganze Entsetz«, nicht begreife, in das ich nun verwickelt bin. * Dann komm: der Abend. Es ist die Stunde, zu der das Feuer wieder beginnt. Die Horizonte, über denen der ver- dämmernde Tag und dann die Düsterkeit des Abends und enlich die hellbestrahlte Nackt lagern, fi« kreisen um das, was von meinem Leben noch übrigbleibt, wie um einen festen Angelpunkt. Ick bin wie die übrigen Menschen auch, die kmdergleich entschtofen. Schwäche überfällt mich, Sanftmut sucht mich mit ich nicht sterbe, und ich öffne die Augen, und ich suche die Krankenträger, dje vielleicht an mich, gerade an mich, denken.-- Ich denke an unser Haus. Dort setzen sie sich jetzt wahrscheinlich zusammen, damit sie leichter über die langen Abende hinwegkommen, ehe fie fich in die vertraute Regungslosigkeit ihrer Schlafräume zurückziehen, und ehe sie etntchlasen. inmitten der Dingo, die niemals au« ihrem Schlumor erwachen. Dort ist Maria, und andere Frauen find auch dort, und ste bereiten gerade des Nacktesten. Das ganze Haus wird ein Speifedunst. Ich höre die Stimme Marias, erst steht sie am Tische, dann setzt sie sich nieder. Ich höre daS Klirren ihres Ehzeuges, als sie sich jetzt zum Nacht mahle anschickt. Dann hebt einer daS Lampengla« auf. und er hält das Zündholz an die Lampe, und Maria steht auf. um die Fenstlerladen zu schließen. Sie öffnet daS Fenster. sie beugt sich hinaus, sie streckt die Arme vor, eine Weile verweilt sie sich so. ausgeliefert an die nackte Stacht. Ein Schauer überfriefeU ihren Leib, und der Schauer rinnt zu mir zurück. In der Ferne und tm Schatten wird ste größer und größer, und sie späht nach etwas au», ebenso wie ich spähe. Unsere Blicke begegnen einander. Das ist wahr und wahrhaftig. Denn diese Nacht, sie ist ebenso gut ihre Nacht wie die metniae, und die Entfernung ist ja nicht etwaS Wirkliches oder leibliches Verspürbares. Die Entfernung ist ja nur ein Nichts. Sie ist wahrhaftig, diese große Berührung, die uns zusammenbindet. Wo bin ich K Wo ist Mario? Ja. was ist Maria? Ich weiß es nicht, ich weiß eS nicht. Ich kenne nicht einmal die Wunde, die in meinem Fleische wütet, kann ich denn die Wunde kennen, die in meinem Herz«» blutet? * Die Wolle» bekrönen sich mit Sterncnbündeln. Dort schwebt eine Feuerkette, dort schimmert eine silberne und goldene Hölle. DaS Eternengeschmeitere schleudert über unS unendliche Wände, die von Licht übrrschiormmt sind. Feen- märchcnpalöste. über denen heulende Blitze zucken, und Geivölbe. über denen die Raketen funkeln, das baut sich auf. das wird schnell wieder zertrümmert mitten in diesem Dickicht all' des bleichen Älänzens und Gleißens. Das Bombenfeuer. daS an den Himmel unaufhörlich seine Flamme» ausströmt, kommt noch näher. Ganze Blitzogeschwader schlagen hier und dort ein. Sie wühlen die Erde aus, und sie verschlingen alles andere heim. Ick, schließe die Augen. Ich träum« von meinem j Leuchterl. Die überirdischen Heerscharen kommen heran. Alle Ich möchte Sicht sterbov. Haus. Ich bete zu«ix selber, da- l Wege ün Weltall werbe» aygeptllt am thueu. Und vüher � kommt es, und noch näher komnit es, und eine Granate zer- platzt mit all' ihrer Wucht. Es flammt auf, und die Granate sucht unter uns allen, die mir der Zufall verteidigt, in ent- setzltcher Gier die Eiugeioeide. die sie zerfleischen könnte. Die Granaten fallen dichter und dichter, und sie springen in eine Erdschlucht hinein..--—— Ich sehe noch einmal, wie zwischen all' diesen irdtsch-erdigen Dingen ein Mensch sich auf- richtet. Er möchte sich zu diesem Erdenschlund hinschleppen? Er ist in weiße Bündel verpackt, und der Unterleib, der über die Erde schleift, ist schwarz. Indem er mit seinen steifen Armen die Erdschollen umklammerte, kriecht er lang und flach dahin, und er gleicht einem schwimmenden Boote, er hört noch den Schrei:„Vorwärts, Marsch!" Zu dem Loche deS Schlundes will er um jeden Preis gelangen. Er weiß nicht, warum er eS tnt, und er schleppt sich doch gerade zu dieser»ugeheueritchen Erdeneinbuchtung. Aber die Granate wird ihren Zweck erreichen. Die auS der steilen Höhe zligreifende Kralle ivird von eiiier Sekunde zur anderen diesen Msnschenkörper treffen und ihn durch- bohren wie eine Frucht. Aber ich habe keine Kraft, um dem Menschen dort zuzurufen, er möge anderswohin entfliehen. Ich kann nur den Mund öffnen und ein Bittgebet iverden vor der Göttlichkeit dieses Menschen. Und dennoch, er ist der Ueberlebende. und außer dem Schläfer, zu dem mein Traum eben ganz leise gesprochen hat, ist es nur dieser Mensch. der mir noch übrig, bleibt. Gezisch der Geschoffe)-- Der letzte Schlag trifft ihn. Es blitzt auf. Ich sehe, wie die zwiefarbene Larv« dieses Menschen unter der Bucht des Gezisches zerspringt. Aber vorher wirft er noch einen schüchternen Blick zu mir herüber. Wer nein, nicht erl Ein ganzer Lichtschlag fällt blen- deich in meine Augen hinein. Es ist alles Licht der Welt. Ich selber werde in die Lust gehoben. Ich werde durch eine im- befannle Schneide emer außergewöhnlichen Feuerkugel ent-. gegengeschleudert. Die Granate.----- Ich! Und ich finie, sinke wieder unaufhörlich zurück, ich werde phantastisch aus dieser Welt herauSgescküeudert. Ich habe nur noch die Zeit, um mich in diesem Zickzack des Blitzes wiederzusehen und an mein Eingeweide zu denken und an mein Herz zu denken, die in den Wind hinausgestreut werden. Und dann höre ich Stimmen, ganz aus der Ferne, ganz aus der Ferne. die es sich lcis? tviederholöS:„crimon Paul in ist im Alter vov 36 Jahreo ge stürbe»." SSZÄ. idoU Professor Berger sei bon TeS>k in einer Weise bessmiHeii worden, daß er Seidl als einen ganz großen Lumpen und niederträchtigen Menschen bezeichnen müßte. Gegen die Mannschaft sei er unglaub- lich flegelhaft gewesen. Niemand durfte etwas. sagen. Seidl drohte gleich mit Erschiehen. Den Revolver trug er Tag und Nacht in der Hand. Er ging auch auf jede Denunziation ohne weiteres ein und schrieb sofort die Haftbefehl« aus. Als Seid! gemeldet wurde, fährt der Angeklagte fort, daß der Münchener Rechtsanwalt S t a n z o n i die �Prinzessin Fürstenberg, eine Tochter des Fürstenzu Fürstenbergzu Donaueschingen geheiratet habe und daß diese Beziehungen zu Kaiser Wilhelm II. unterhalten sollt«, war dies ein Grund zur sofortigen Verhaftung des Rechtsanwalts und seiner Frau.— Vorsitzender: Ist nicht auch für das dreijährige Kind des Paares ein eigener Haft- befehl ausgefertigt worden?— Angeklagter: Jawohl.— Vorsitzender: Und ist das Kind nicht mit in den Geiselkeller geschleppt worden?— Angeklagter: Jawohl.— Vorsitzen- bc t: Es ist doch richtig, daß diese drei Menschen ihr Leben nur einem Zufall zu danken haben?— Angeklagter: Ja, Schickl- hofer hat sich wohl dafür eingesetzt.— Vorsitzender: Hat der Angeklagte Seidl nicht auch den Hastbefehl gegen den Prinzen von Thurn und Taxis selbständig ausgefertigt?— Angeklagte r: Jawohl.— Vorsitzender: Wie war das dann mit den beiden Husaren? Angeklagter: Die sollten bei der Ermordung Liebknechts und Rosa Lnremburgs mitgewirkt haben, und zwar, weil sie aus Berlin berübergetommen waren. Irgendwelche Feststellungen konnten in dieser Beziehung nicht getroffen werden. Sie wurden dann auch Seidl vorgeführt, der ihnen immer mit der Pistole unter der Nase herumfuchtelte. Dem Jüngeren rief er zu:„Gestehe, daß Du die Nofa und den Karl umgebracht hast, sonst erschieße ich Dich!" Darauf fing der Jüngere an zn weinen und sagte„Ja". Aber dieses G e st ö n d n i s war ihm natürlich erpreßt. Darauf wurden die beiden weiter ge- fragt, ob es richtig sei, daß auf die Köpfe der Kommunistischen Führer Münchens Preise ausgesetzt seien. Auch hier haben die beiden aus Angst„ja" sogen müssen. Daraus schrie. Seidl:„Ihr Luderschs Euch werden wir schon lwtsen. Euch werden wir schon herunter hauen", lind gleich darauf ließ rr ein Flugblatt anferti- gcn, daß fünf Schumdroneo der Liebknecht- und Luxembnrg-Garde aus Berti» im Anmarsch auf München seien und daß Mark Prämie auf jeden kommunistischen Führer gcsebt seien. Das Pla- lat wurde dann zu den„Münchener Neuesten Nachrichten" getra- gen, die damals von der Roten Garde besetzt waren, und gedruckt. — Das Plakat wird dann von dem Vorsitzenden zur Verlesung gebracht. Auf die weitere Frage des Vorsitzenden, wie die Unterkunst der Geiseln im Keller des Ghmnasiums gewesen sei, erklärt Hesselmann, daß er ihn als ein„Loch" bezeichnen müsse, in das man selbst Schwer- Verbrecher nicht sperren durste. Im weiteren Verlauf der Ver- nehmung Hesselmanns hält ihm der Vorsitzende eine llhr mit Kette vor, die von den Angehörigen des erschossenen Obersekretärs Daumenlang als dessen Eigentum erkannt worden ist, und die im Besitz des Angeklagten gefunden wurde. Der Angeklagte er- klärt dazu, er habe die Sachen bei einem Trödler Meyer gekauft, will sich ober auf dessen nähere Adresse nicht mehr besinnen können. Es wird ihm serner ein Brief an seine Eltern vorgehalten, in dem er u. a. schreibt:„Ich bete jeden Tag, daß ich in der am l. September beginneirden Hanptverhandlung nicht de- straft werde. Botet Ihr auch, daß der liebe Gott mir beisteht und mich vor Strafe sichert." Weiterhin hält sich der Angeklagte in diesem Brief über die Untreue seiner Frau auf.— Vorsitzender: Das ist ja alles sehr schön, aber wie war es denn mit Ihrer Untreue? Der Angeklagte zuckte die Achseln. Sein V e r t e i d i- g e r protestiert gegen die Verlesung des Briefes, da er nicht ver- stehe, daß diese Privatfachen mit der gegenwärtigen Verhandlung etwas zu tun hätten.— Vorsitzender: Es handelt sich um die Glaubwürdigkeit dieses Angeklagten in bezug auf die Befchuldi- gütigen, die er gegen Seidl und Genossen vorgebracht hat. Es ist doch sehr wesentlich, daß er in diesem Brief sich ganz scheinheilig hinstellt, angeblich den lieben, langen Tag betet und über die lln- treue seiner Fron schimpft, während er selbst mit der Kurtk zu- sammenlebte.— Der Angeklagte erklärt darauf mit weiner- licher Stimme, daß er sich nicht für schuldig halte, da er stets und ständig ftrr die Geiseln Partei ergriffen und nichts out Seidl ge- mein habe. Von den wirklichen Tätern sähen überhaupt nur Seidl und Schtcklbofer mit auf der Anklagebank. Die a-nderen liefen noch heute frei umher und trieben spartakistische Propaganda. Da der Angeklagt« während seines Zlufenthalts im Gymnasium zwei eingelieferte Schutzleute befreit hat, regt der Verteidiger Liebknecht die Frage an, ob der Angeklazte etwa als Polizeispitzel zu betrachten sei. Der Angeklagte stellt dies entrüstet in Abrede und erzählt im Anschluß daran eine lange Geschichte, wie er stets bemüht gewesen sei, daS Los der Geiseln zu verbessern. Sehr belastend erscheint die Angabe, daß er den Prinzen von Thur'n und Taxis v e'r a n l a ß t habe, seine Angabe, er sei gar nicht der bekannte Reichsfürst, sondern ein harmloser Mensch, der monatlich 17ö Mark Apanag« vom Regensburger Hof beziehe, dem Angeklag- ten Seidl direkt zu machen. Seidl habe am Tisch gesessen und Geld ausgezahlt. Der Prinz habe dicht vor ihm gestanden und ihm das alles mitzuteilen gesucht. Seidl habe aber unwirsch erklärt:„Ach was, ich habe jetzt keine Zeit" und die Mannschaften hätten geschrien:„Nun aber raus mit dem!" Auf die Frage des Rechtsanwalts Dahn, eine» Enkels des Dichters Felix Dahn, ob denn gar nichts zur Rettung der Geiseln zu tun gewesen wäre, erklärt der Angeklagte:„Nein, sie hätten uns selber totgeschlagen. Die ganze Gesellschaft war direkt aus Rand und Band. Auch Seidl wäre wahrscheinlich in diesem Augenblick nicht mehr imstande geweson, die Horde zu zügeln." Die Vernehmung des Angel lagten Gs�ell ergibt, daß dieser, der im Gymnasium„der hinkende Schreiber" hieß, auch nicht Soldat war. Er ist der Sohn eines Gutsbesitzers ans Offen- bach a. M. und erzählt, daß er mit Hau ß m a n n und Hessel- mann zusammen nach der?lnkunft der für die Hinrichtung ans- gegebenen Befehle in den Gefängniskcller hinuntergegangen sei. Ha uß mann habe ihm die einzelnen Namen zugerufen und er habe sie aufgeschpiebcn und zur Kontrolle nochmals vorgelesen, Dann habe H a u ß m a n n gesagt, die Geiseln seien in Gruppen von drei Personen auf den Hof hinunter zu führen. Sie würden erschossen, Weil sie geplündert hätten. Ich Wollte auch nach meinem Zimmer zurückgehen, Haußmann sagte aber:„Die Geiseln werden wohl noch etwas aufzuschreiben haben für ihre Angehörigen." Ich mußte also mit auf den Hof gehen, wo Wer 100 ausgeregte Soldaten standen. Ich stagte die- Geiseln, ob sie eine» letzten Gruß zu bestellen hätten. Der Obersekretär Daumenlang war der erste, der auf meinen Notizblock einen letzten Gruß an seine Frau niederschrieb. Der Zettel ist jedoch nicht an die Adresse der Frau gelangt. Während Daumenlang schrieb, kam die G r ä s i n Westarp auf den Hof. Sie schrieb auf dem Rücken eines Sol- daten einen längeren Brief. Das dauerte wohl 20 Minuten. Einem der Soldaten war das zu lange und er veranlahte die Gräfin zum Weitergehen. Daß sie dann mißhandelt und getreten wurde, habe ich nicht gesehen. Dagegen sah ich, wie der Professor Berger vor- wärt« gestoßen wurde. Abends, beim Appell, gab eS Zigaretten und Wein in beliebiger Menge. Weiterhin kommt eS zur Sprache, daß der Angeklagte �chickihofer am Abend vor der Er- s schießnng der Geisekn«tnS Versehen den Schlüssel zum Kever ein- gesteckt halte, da er aber angetrunken war, entsann, er sich dessen nicht mehr, sondern behauptete, daß eine der Geiseln den Schlüssel an sich genommen hätte. Er schimpfte dann umher und meinte, man solle doch einfach eine Handgranate in den Keller werfen, dann sei da? Lumpenpack gleich weg. Am nächsten Tage fand er dann den Schlüssel bei sich zu HauS und schickte ihn in einem Kuvert in das Gefängnis zurück, lieber die Verpflegung der Geiseln ergibt die Vernehmung der Angeklagten, daß diese ebenso schlecht, wie das für die Mannschaften zubereitete Essen gewesen war. Für die Erschießung der Geiseln wurden von Schicklhofer aus einem alten Hemd leinene Augenbinden hergestellt. Als man die Binden aber anbrachte, waren die Geiseln bereits sämtlich erschossen. Der Akt der Erschießung selbst ist nach der übereinstimuienden Zlussage der Angeklagten äußerst grauen- Haft gewesen. Einer der Soldaten rühmte sich, „der Gräfin Westarp das Herz herausgeschossen zu haben", dagegen äußerte man seinen Respekt über das mutige Ver- halten des Prinzen Thurn und Taxis und des Studenten N e u h a u s, die sich beim Erschießen nicht umdrehen wollten. So weit die Geiseln nicht sofort tot waren, sondern sich etwa noch de- wegten, wurde aus nächster Nähe noch ein„Fangschuß" aus sie ad- gegeben. In bezug auf den Angeklagtem Huber wird noch fest- gestellt, daß er das uneheliche Kind einer Kellnerin ist, sich als Landstreicher umhertrieb, bis er als Roter Garbist im Gymnasium Unterkunft fand. Auch der Angeklagte Bäckergeh ikfe P ü r z e r ist ein ausgesprochen schwachsinniger Mensch. Er war arbeitslos, als er in das Gymnasium ausgenommen wurde. Wer bei der Geiselerschießung nicht mithelfen wvllte, wurde von Haußmann und Seidl angebrüllt. Haußmann erklärte den sich Weigernden, sie würden Prügel de- kommen und selbst in den Geiselkellcr eingesperrt werden. Der von den Spartakisten gesuchte Fürst Thurn und Taxis hat sich als Wohltäter von Kriegerwitwen sehr verdient gemacht und eS wurde auf ihn gefahndet, weil man in Ihm ein Mitglied der Gegcnrevo- lntion vermutete. Daß man den Falschen erwischt hatte, ist den Angeklagten erst in der Voruntersuchung bekannt geworden. An- deren Soldaten wurde erklärt, daß sie keine Löhnung erhalten nnd niedergeschossen würden, wenn sie den Gehorsam verweigerten. Tatsächlich erfolgte die Zahlung der Löhnungen an die Mann- schaften erst, nachdem die letzte Geisel erschossen war. Gro&teüR Bahn frei für den Arbeitersport! Uetze r bürgerlichen und Arbeitersport referierte am Dienstag- abend Redakteur W i l d u n g- Leipzig im„VolkShauS" in Char« lotienburg vor einer gut besuchten Turner« und Sportler- Versammlung, in der auch die Bürgerlichen stark vertreten waren. Der Referent wies darauf hin, daß durch den Hunger und die seelischen Leiden des Volkes während des Krieges die Gefehr einer körperlichen Degeneration des Volkes in bedenkliche Nnhe ge- rückt sei. An diesem Elend habe die bürgerliche Turn« und Sport- tzewegung ein groß Teil Schuld, da sie vor und während des Krieges die Kriegsbegeisterung geschürt habe. DaS frühere Regime habe die Arbeiterschaft mit allen Mitteln unterdrückt und die Führer der bürger- lichen Turn« und Sportsverbände haben bei der Unterdrückung der Arbeiterturncr und-Sportler nach Kräften mitgearbeitet. Trotzdem konnte kürzlich in Berlin festgestellt werden, daß an der Spitze dieser Vereine vielfach Genossen stehen, die auf politischem Gebieie nicht radikal genug sein können und zur K. P. und N. S. P. D. gehören. Wer den Arbeitern zum Sieg oerhelfen will, der darf nickt bürgerlichen Vereinen angehören, die die bürgerliche Ge« sellschaft stützen, sonst macht er sich zum Verräter an seinen eigenen Interessen. Diese Ausführungen weckten den stünnischen Widerspruch der bürgerlichen Sportler. In der Diskussion ttat ein Charlottenburger Lehrer sür die vollständige politische Neutralität des Sports ein. Leider seien die Arbeiter ständig bekämpft worden, aber dagegen sollten fie sich zur Webr setzen. Zu einer Unterstützung der Arbeiter in diesem Kampfe tonnte er sich nicht aufschwingen. Lebhaft begrüßt wurden die Ausführungen des Vorfitzenden der Charlottenburger S. P. D.-Stadtverordneten- iraktion, der die Benachteiligung der Arbeitersportler seitens des Magistrats nachwies und betonte, daß die sozialdemo- kr a tischen Vertreter alles tun werden, um die Arbeitersportler nach besten Kräften zu unterstützen. In der ausgiebigen Diskusston und im Schlußwort des Referenten wurden die Anwesenden aufgefordert, in den Werkstätten und im Bekanntenkreise dafür zu agitieren, daß auch auf sportlichem Gebiete endlich eineBresche in die bürgerlichenreaktio- nären Bestrebungen gelegt und das Klassenbewußtsein der sporttreibenden Arbeiter geweckt wird. Tie Polizeistnnde. Wird nun die Polizeistunde sür die Gastwirtschaften und Kaffeehäuser gekürzt oder wird fie eS nickt? Aui dem LandeSpolizeiamt wird jetzt gemeldet, daß der Polizeipräsident in der Tat eine Einschränkung plante, aber diese Absicht vor- läufig fallen gelassen hat. Das LandeSpolizeiamt erhielt aber hiervon zu spür Kenntnis, als eS die Verwarnung an die Gastwirte usw. bereits bekannt gegeben hatte. UebrigenS hat das LandeSpolizeiamt in dieser Frage nicht zu entscheiden, sondern greift nur als ausführendes Organ bei Uebertretungcn ein. Seit einigen Tagen ist ein umfangreicher Kontrolldienst emgerichtet worden, um zu prüfen, ob die Schließung der Gast- und Ver- gnügungsstätteu pünktlich erfolgt. Infolge der dabei gemachten Feststellungen ist bereits die Schließung von fünf Gast- wirtschaften angeordnet worden. Entlassung Auswärtiger. In neuerer Zeit wird oft geklagt über Entlaffung bon Ar- beitern und Llngeftellten auf Betreiben der Behörde in Fällen, in denen das Verlangen der Entlaffung im Gesetz keine Stütze hat. Da wird, sollte man meinen, eine Beschwerde beim Demobil- machuiigsausschuß Groß-Berliu gewiß Erfolg haben. Daß dies aber nicht immer zutrifft, lehrt folgender Fall: Ein Deutscher namenS H., der bei Kriegsbeginn in der Schweiz war, stellte sich freiwillig am 6. August 1914. Im Feld« wurde er zweimal verwundet und er ist Kriegsbeschädigter. Der Magistrat, bei dem H. serr seiner Enilaiiung vom Militär beschäftigt ist, sollte ihn entlassen. Auf eine Eingabe an den Demobilmachung S- a u s f ch u ß wurde geantwortet t .Die Kündigung des Herrn H. besteht zu Recht, da ihm die Stückkehr nach der Schweiz, wo er bei Kriegsausbruch feinen Wohnsitz hatte, möglich ist. gez. Retchardt." Dabei besagt Z 2 Ziffer 0 der Verordnung des Demobil- machungSauSschufleS vom 3. April 1919 in Uebereinstimmimg mit § 5 Ziffer 3 der Regierungsverordnung vom 28. März 1919, daß eine Vetpfiichmng zur Em lassung nicht besteht, soweit der Aus- wärtige am 81. Juli 1914 seinen Wohnfitz als Reichsdeutscher im Ausland hatte. Daß die Schweiz Ausland ist, dürfte auch dem Demobilmachungsausschuß bekannt sein. Nebcrall Schmiergelder! Bei der Inspektion der Kriegs- gefangenenlager des III. Armeekorps find von ver- ichiedenen Arbeitgebern Klagen darüber erhoben worden, daß sie keine Kriegsgefangenen zur Arbeit bekämen, wenn fie nicht an die Unteroffiziere, die mit der Arbeitervermittlung in den Legem zutun haben, Lebensmittel liefern. Es ist der FufsteMon, wie ff« in einem Ausruf mitteili, noch nicht möglich ge Wesen, durch gerichtliche Untersuchung festzustellen, ob diese Klagen aus Tatsachen beruhen. Die Jnspettion bittet jetzt aber dringend dämm, daß jeder Arbeitgeber, dem eine solch« Zumutung gestellt wird, den Namen und Dienstgrad der de- treffenden pflichtvergeffenen Militärperionen feststellt und sowohl dem Lagerkommandanten als auch der Inspektion der Kriegs- gefangenenlager HL Armeekorps(in Berlin W, Genthiner Str. 32) Mitteilung macht. Die Erfüllung berechtigter Bitten um Arbeitet- gestellung wird durch die von der Inspektion eingeleitete Untct- suchnng nicht verzögert, sondern im Gegenteil beschleunigt werden. — Sollte die Untersuchung ergeben, daß tatsächlich.geschmiei:" worden ist, so muß gegen die Schuldigen rücksichtslos vorgegangen werden. Das Treiben, das da behauptet wird, erinnert bedenklich an Sklavenhandel. Immer höher steigen auch die Eisenbahnfahrpreise. Am 1. Oktober werden wieder die Personentariie des Fernveikehrs sowie die Gepäck- und Expreßgutfrachten um 50 Proz, erhöbt. Lnü dem Berliner Stadt-, Ring- und Vorortverkehr ist eine neue Fahrpreiserhöhung zugedacht. Sie wird hier jedoch erst zu einem späteren, noch nicht festgesetzten Zeitpunkt eintreten. Für Bewohuer der Vororte und solche, die es werden wollen, bedeutet die Nachricht von der bevorstehenden Erhöhung auch der Vorort- fahrpreise eine sehr unangenehme Ueberraschung. Wie soll die wünschenswerte Besied el un g der Umgebung Berlins gefördert Werden, wenn man selbst im Nahverkehr die Eisenbahn- fahrten immer mehr verteuert? Zur„Fei«" des Setnmtages steß in der Berliner 290. ffi c- meindeschnle(Danziger Straße)«ine Lehrerin Frl. Reh- Penning die Schüler der Klasse III O die Lieder.Heil dir i in Sieger kränz" nnd.Deutschland, Deutschland über alles" anstimmen. Die Dame scheint vergessen zu haben. daß schon in den ersten Wochen nack» dem 9. November die Berliner Schulverwaltring den Lehrern nnd Lehrerinnen untersagt hat, tbrc antirevolutionären und antirepnblikcmischen Empfindungen in der Schule zu bekunden. Für unzulässig halten wir«s auch, daß auf dem G e m e i nid« schu lg ru nd st ü ck in der Böttger- st r a tz e das RektorwohrchauZ am Sedantag eine schwarz-weiß-ro!« Fabne trug. Der Bewohner hätte sich selber sagen müssen, daß darin nicht ein« private Kundgrfnnrg sein« sehr gleichgültigen Person, sondern eine offizielle Kundgebung der Schule gesehen werden konnte. Weiter erfahren wir, daß m Wilmersdorf das Hohenzollerulyzeum am Sedantag einen Ausflug sämtlicher Klassen veranstaltet hat. Auch bei dies« Beranstaltnnq war an- zunehmen, daß fie an diesem Tage wie eine Demonstration wirken würde. Arbeitsgemeinschaft der Slrbeiterräte der Reichs-»nd Staatsbetriebe. Am Freitag, 5. September i nicht, wie eingeladen, am 8. Sep- temb«), 3'/, Uhr, findet im Eisenbahndirektionsgebäude, Schöne« berger Ufer, eine wichtige Besprechung statt. Für alle von Arbeitern gewählten Arbeitmräte obig« Gruppe ist es Pflicht, zu erscheinen. Die Arbeiter der Reichs- und Staats- betriebe, in denen nur Beamte als Arbeiterräte gewählt find, werden um die Entsendung eines Vertrauensmannes«sucht. Jeder Betrieb muß vertreten sein. Ausschuß der Arbeitsgemeinschaft. I.«.: Neumann. Soll das Holz nngenötzt bleiben? Man schreibt tmS: Wenn man heute durch den Grunewald geht, fiebt man eine große Anzahl von Baumstümpfen, die bei der heutigen Brennstoffnot doch für den Haushalt sehr will- kommen wären. Warum werden diese Stümpfe nicht als Brennholz verwertet? Vielleicht interessieren sich die Be- Hörden einmal für diesen Fall. ES gibt Tansenbe von Minderbemittelten in Groß- B«lin, die nicht in d« Lage find, die hohen Preise für das Brennholz bei den Händlern zu bezahlen, und dab« gern die Gelegenheit wahrnehmen würden, sich durch Aus- graben d« Baumstümpfe billiges Brennholz für den Winter zu beschaffen. In den Forsten werden gegen Entgelt Berechtigungs- scheine zum Ausgraben d« Stubben ausgegeben, es müßte aber jetzt ohne weiteres jedem erlaubt sein, sich auf dies: Weis« mit Brennholz zu versorge«. Mit dem mühsamen Aus- graben der Stümpfe wird genügend produktive Arbeit geleistet. die in gewiss« Weise auch der Allgemeinheit zugute kommt, und eS ist unrecht, dafür noch Bezahlung zu verlangen. Sprachknrst bei der Bolkshochschnle Neukölln. Bei der Auf- stellung des Unterrichtsplanes ver Neuköllner Volkshochschule wird besonders darauf Bedacht genommen Werden, den Teilnehmern ausgiebige Gelegenheit zur Erlernung fremdet Sprachen zu geben. Di« Einrichtung dieser Kurse soll auch denjenigen zugute kommen, die in der Schule bisher keinen oder nur geringen Sprachnnter- richt genossen haben. Geplant sind Kurse in Französisch, Englisch und,(ofern die Zahl der Teilnehmer hinreicht, auch in Russisch, Italienisch und Spanisch. Um möglichst schnell eine Uebcrsicht zu gewinnen, werden Anmeldungen bis spätestens 12. September im Zimmer 220 des Rathauses erbeten. Dänische Liebesgaben für B«lin. Ein großer Transport von KleidungS st ücken für Männer, Frauen und Kinder ist auS Dännemark eingetroffen. Auf Wunsch deS Dänischen Roten KreuzeS soll er durch Vermittlung d« Deutschen Wohlfahrtsstelle nur an die Berlin« bedürftige Bevölkerung verteilt werden. Die„Gemeinnützige Aktiengesellschaft sür Angcstclltenhcimstättcn" wird in Siemens st adt nächstens ihre Bauten in Angriff nehmen können. Auch an einigen anderen Orten in Groß-Berlin find die Vorbereitungen trotz aller Schwierigketten vorwärtsgekommen. Die nächsten Siedlungen sollen in Riederschönhausen und in HermSdorf geschaffen werden. Die Grundstücke der Heim- stätten W«den nicht unter 400 Quadratmeter groß sein. Für die HauSbauten will man möglichst die ErsatzbauWeise vermeiden. Für den Nachweis verschobene« He«esgerätS zahlt das Reichs- verWertnngsemt Belohnungen. Die Abteilung.Wieder«- faffung", die beim ReichSschatzmiutsterium die HeereSgutschiebungen bearbeitet, hat in letzter Zeit recht beträchtliche Prämien auszahlen können. Anzeigen Nwrden zweckmäßig entweder an die Abteilung „Wiedererfassung" des ReichSschatzminist«iums, Berlin, Ftanzösischv Straße 55 oder an die Zweigstellen des Reichsverwertungsamtes gerichtet. Gcldschrankeinbrechrr m der KrerS-KomWunalkasse. Für über 200000 M. Wertpapiere erbeuteten gewerbsmäßige Berliner Ein- brecher in der vergangenen Nacht in der KreiS-Kommunalkaffe in Grimmen. Sie stahlen für 51 000 M. Kriegsanleihen und Schatz- a«Weisungen, für 52 000 M. Anleihe d« Städte Essen. Königsberg, Stettin und Emden, für 4000 M. preußische Konsols, für 86 000 Mark Hypotheken- xind Grnndbwchbriefe, für 18 000 M. Pommers che Rentenbriefe, für 3200 M. pommersche Provinz ialanlei he und 3000 M. bares Geld. Die hiesige Kriminalpolizei wurde sofort benachrichtigt, weil die Täter wahrscheinlich mit der Beute nach B«lin zurücklehren werden. lkeberfirhre« und getötet wurde am Mittwoch nachmittag in d« Elbinger Straße der 17 jährrge Willy Behl au auS der HauS» burgstraße. Der junge Jffiann versuchte aus einen in voller Fahrt befindlichen städtische» tz-traßenbahnzug zu springen. Der Sprung mißglückte und D. wurde überfahren und auf der Stelle getötet. Wer ist die Tote? AuS der Havel gelandet wurde bei Sand- hausen die Leiche einer Frau, deren Persönlichkeit noch nicht fest- gestellt werden konnte. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Margarethe Stein auS Berlin. Die Tote ist etwa 25 Jahre alt. 1,58 Meter groß und untersetzt, hat dunkelbraun es Haar»nd taig einen schwarzen DmnmeKut nnS> schwarze Ta?nn«tfch�he. Die Leiche besinnet sich i« der Halle in HeiliHensee. Das SiaatZste«era«t in der Jndenstraße bleivt v«n S. bis 13. September für den Verkehr geschloffen. Rcinickelidorf. Di« Ge meind e ve r tr e t n n g beschloß in ihrer letzten Sitzung, da? Fabrikgrnndstück der Stahlwerk Becker A!t.-Ges. für das Evnächrungs- und Bauamt zu er- werben. Der Ankaufspreis beträgt 1300 003 M.. die Umbau fasten ca. 350000 SU. und die EinnichtungS kosten für eine Tischlerei und Schlosserei etwa 90 000 M. Heber die Vorlage des Gemeindevor- standes entspann sich eine kelchaste Diskussion, in der die beiden sozialistischen Fraktionen für, und die bürgerliche Fraktion lelchaft gegen den Ankauf plädierten. Die fich ständig vergrößernde Not- läge der Erwerbslosen veranlatzte diese, bei der Gemeinde den Antrag zu stellen, den Erwerbslosem die AuslandSlebensmittek für die Hälfte des jeweiligen Verkaufspreises zu liefern und ihnen eins laufende Aietbeihilfe zu gewähren. Die Gemeindevertretung beschloß nach eingehender DiSkufsicm. einen Beirag von 50000 M. bereitzustellen, aus dem den bedürftigen Arbeitslosen Darlehen ge- währt werden können.— Gemäß der Verordnung des Reichsministe- rinms für wirtschaftliche Demobilmachung beschloß die Gemeinde- Vertretung, die Fo r t b! ldu n g S schu lp flich t vom 1. Oktober 1019 ab auch auf die Haustöchter, Dienstmädchen und sonstige Bc- ruisldsc auszudehnen.— Die außerordentliche Wohnungsnot vcranlaßte den Gemeindevorstand, der Gemeindevertretung«ine Vorlage zu uisterbreiten, die die Bildung einer Wohnungs- ko in Mission und Errichtung eiu«S Wohnung samts vorsieht. Die Gemeindevertretung stimmt« dieser Vorloge zu. Der Gcmeindevorstand hat außerdem beim Staatskommissar für das Wohnungswesen um Zustimmung zum Erlaß von Anordnungen über Maßnahmen gegen den WohrmngAmangel. wie solche bereits in Groß-Berlin mehrfach erlassen lourden, nachgesncht. Di« aus der Wohnungsnot resultierende au'ßenovganisck« JnaiisMlchahme des M i e te in igungSamt« zwingt zu einer Erweiterung desselben. Die Sitzungen sollen deshalb künftig abwechselnd im westlichen und östlichen Ortsteile abgehalten werden. Die Zahl der Beisitzer soll verdoppelt und aus ZweckmaßigkeitSg-ründen um je zur Hälfte aus dem östlichen und westlichen Ortsteil entnommen werden.— Dem Verein.FreieTuanerschaftSchönholz" wurde zur Entsendung eines Teilnehmers am TurnkursnS in der Landcsturnanstalt zu Spandau eine Beihilfe von 200 M. gewährt. — Infolge des seit der Etatberatnng außerordentlich gestiegenen finanziellen Bedarfs der Gemeinde beantragt der Gsmerndevorftaud die Erbühung des kommunalen Zuschlags zur©in- kommensteuer von 285 auf 300 Proz. Dieser Antrag wurde nach lebhaftem Für und Wider zur Beratung in einer späteren Sitzung zurückgestellt. Di« Gemeindevertretung hatte beschlossen, die Rest- denzstraße auszubauen. Mit Rücksicht darauf, daß zurzeit die Materialien nicht beschafft werden können, soll der headsichtigte Ausbau unterbleiben.— Die»Kohlen not" boschäftigte die Ge- meinidevertvetung infolge eine» DruiglichkeitSontrageS unserer Ge- noss-n, der verlängte, daß die Kohlen von der KohlenverteilungS- stelle nicht mehr an die Händler, sondern an die Gemeinde geliefert und dieser die Verteilung übertragen werden fäll. In der Begrün- dung wies Genosse Schar ff auf das zurzert bestehende System der Kohlenverteilung hin und forderte eine ander« Regelung der Kohlenznteilung. Da» auf da» emzehte Ztunner entfallende l'.ohlcnguantirm dürfe nicht mit der Zahl der Zimmer steige», son- dern müsse geringer werden. In der Debatte wurde von allen Fraktionen und vom Vorstand de» ErnährungSamteS die jetzige Politik der Kohlenstelle scharf verurtoilt. Es wurde als bedauerlich bezeichnet, daß die Vertreter Berlins und der westkichen Vororte den Vertretern des Kohlengroßhandels in der Kohleirverteilungsstelle so außerordentlich weitgehende Unterstützung zuteil werden lassen. Der Antrag unserer Genossen wurde«instiumrig angenommen. Friedenau. Au» der Nemriudevertretung. Die in der letzten Gemeindevertreterschung vorgenommene Neuwahl des Gemeindevorstandes Hai das Ergebnis gehabt, daß sämtlich« vor eisigen Wochen gewählten Schöffen wieder gewählt worden stick, so daß die von der S. P. D.-Fraktion gestellten Schöffen Friedet und Pasche im Amt verbleiben.— In der vorletzten Gemeindevertretersitzung wurde beut früheren Artkag« der®. P. D.-Fraktion auf GrtvZH- rang freier Lernmittel an die Schiller der hiesigen Schulen zugestimmt. Diese Lieferung tritt bereit? am 1. Oktober in Kraft. Di« Ausdehnung der FortbildungSschulpslicht aus weibliche Haus- angestellte wurde von G-ese können Sie jetzt noch stellen.— P. L. Sl. 1. und 2. Ntchl bckmin: 8. und 4. Bezirksverband Grofe-Berlin. Bellevuestr. 7, und Hochschule sä:: Proletarier, Sophtenfäl«, Sophienstr. 17/18. Dort erfahren Sie auch alles Where. 6. Steuer frei.— G. T. 10. Nk. 1. Ja, falls Sie in Be- schästigung gestanden haben. 2. Sie können unter Berufung aus z 20 Herbbsetzmig dl» drei Steuerstüse» beantragen. 8. Diese sind ebenfalls steuerpflichtig.— Dt. Skiv. Ist alhängig von der dortigen Sieuerordnung. Das(Sesetz verbietet die Steuer nicht.— Zl. D. 100. DaS Anrnscu des MieleitrigungSamteS ist Sache de».Vermieter». Sie brauche» sich aus die Steigerung nicht einlassen, können vielmehr dio Vorladung vor da» Miet- einigungsamt nbfoartcn,— B. R. Sie sind zur Rückzahlung ver- pflichtet, falls Sie sür die Tätigkeit in der Prüpartiudcnanstalt in der sraglichen Zeit ebenfalls Gehalt bezogen haben— O. H. Ja.— Neu käkin 03. Wiederholen Sie dir Anfrage und geben Sie noch a«, wo der erste Ebewohnfitz gewesen iit. Hczirftsverband Groß- Berlio 5. P. D. 30.«dteNung. Den Mltgliebern die traurige Nachricht, daß unser«Senesse Lkie!z Vogv! verstorben ist. Ehre setae.!» Andenke»! Die Aerrdigmig flndet beute Dounerstl«, den 4. Eeptcnlber, nachr.-.ittago g>/, Uhr, vcn der Halle des Eeorgenkirchhofes w W-Ißeusee, Noclkestraße, aus ttai». STSib zahlreiche Beteiligung erwartet Sei Vorstand. Treistnmkt: Genna«, Stahl- heiinerstraße W, 21/, Uhr. Am 31. Aug» vormittags, eutschlies nach langem, schriercuiLeiden mein innig» geliebter Mgnu, unser guter Äater, öchwicgervater und Großvater stlOZ Otto Löffler im 60. Lebensjahre. In tiefer Trauer Älara Zöffter. Onus LSftlrr nebst Frau. Max Castles nebst Frau und Kindern. Einäscherung: Sonnabrud, den 6. September, uochm. 5 Uhr, im Krematorium, Gcrichtstr. 87. Ben der Reise zu-üä s27/ll Df. MjZ. iilicft Seiigsoba Schönhauser Alle« 30. Sie ii lief beseitigt DÄ'sfiaussalbe! ied. Hautausschi» Flecht» t ilautjticit�bcs.Beinschad., 1 Krampiadern der Frauen s u. derg), in Orlginaldosen£ 4.8V. 7 SO erhaltlich in der| ..HlefantcnApotheke" j ?.e rJ 1 n"12. Leipziger« < nur Or. Skata Dir.« l.Sa er mnktr_ u. Blxrttuxtemxichtussen. Eiektr, u. meitz. Bauer. Bosenthalef Stf. 69-70, Dr. med. Hoüaender Spezialapat Aufklärende Broschüre Mr. X. 1,50 M. Jtctrer. Nachnahme.« Berlin, Le.ijzl'er Str. 1C8» täglich II— 1,5— 7 Uhr, Hamborg, Kolonnaden 26/ Sonntags 11—1 Uhr. +Speziai-ßehandioüg Kflhfl£*a�8t«Ä- inrfpoaccrp IS 1 Ecke Breslauer Str� dicht am Schies.BnL AuuiüudOir« Jö» 1 Sprechz, 10— 12, 5—7, Sonnt geschlosseji. Harn* tmd Blatqr.ters»ichunygn.——« Äeut MM! Mm\ Btstellen Sie sofort: Sie®«fatzten oet Aliverroachsn. Cht Ratgeber für Teriobie und RetwennShltc vvu Dr. Artur Müller......... von Dr. med. Heinz stkkel, Frau chrigstm« v»s t?rtchsechlsl«»e»ö Prof. Dr. Max vvu Graber... Alle drei Werk« zusammen 7». 5.75 oder Borrinfendnug. 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Iota Indische kbeotaaer £ des berühmten Dstcktfvs JoeDeebs (Carl Auen) Hegte: Las Laste. 8 6« 8» Eröffnunp| Iden 6.S8ptbr.i inachin. GObr! JÄMLMM f O _______!5 9SSAMS RetehslaB.-Theater 7»/, nnb esastad j-e«acht». 3 Uhr: Nttchahcilca-S.: UAnhoiMiraiU. Bcxlrfie verband GroB-Berttn (S.P.D� « 9, BeflcotssIfcwtB«> mu-m ef ovwTrowwwy arh v»< Gr. Harten-Doppel-Koazert w, Rürtsr des Zcttsm. Im Tppdcrghrtsa t KotucK Ar BwImpiA Sparte A» gsOaasOaa»aO»O»l AsrlinsrUonzerthsnz! m clou Mauers trafie 82 Ziininerstr.90/91 Freitag, den 8. September 1919 abestdia 7 Bfar:• Gr. Eröffnungs-Konzert i mit«em Berlin. Lehrer-öesangverein Loitar: JVofocsor lingo KÖ4i«l. Orchester Frz. v. Blon Fiseber& Wolff Spaodaoer Straße K) Eck* Kjaricr-WnhehB-Stn&e Große Neueingänge! Perset-Teppiehe für Wobsh, Herren- und Speisezimmer / ��JgmtnMalAtl■ f EViMUnngödTSCIll/«OWBTnpfTClW Dentsehe Teppiche Teppidutolie/ Läuferstoffe KlBbetstof f e w Qöbefln and Seide m/j Tisch- n. piwstulesken QanUnen n. 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In Prif« kommt nur eine fese Kraft, aeaossen, die rednuiach and ortantaatorlnch beflhigt sind, mindesten» 3 Jahre Psrtelbeftrüfe entrichtet haben, wohen ihre Angebote Ms zam T*. Septaatoar an desOenosaea W1to«*mKvfln*r, D«Ede,4. Daaum TU,» — Oehalt nach Uebomhdcnzrtt— Probeaortrai oder ProbeatbeK Meftrt vortetodten. MMlsAedeMw. eMlmm VMDWsW.'SMkl IM ikm HvlK»■ t Ws etaeö. L SffC UM Bör pfsZahn bis 3, 12 1.20 IL Katfll lIi w? hWTtc Vm L n» cmXii!. o, jojf!., alte Gebisse! Selbständige Arbeiterinnen aal Jacken sowie auf Taillen, Röcke and Blusen ————— sofort verlsnjrt■ Herrin ann Gerson BoHto W M. M Werderacfcor Blarfcl 0-4» Meldung M. Etage b> ginmauer- schrSnke Geldschränke Bfbliofhelc- Regele I PANZER Aktlengeaallaeh. BERLIN N. BaOstr.S?. Straßenhändler"VW fftr den „Normiirts" st-m et» die Hascptexpeditis«, LwdenstraHe s. A n.«sts*ii|g°ei*isuien für den„Vorwärts" werden eingestellt in iolgeaden Filialen> RppHn• Ack«r»tr. n», em Koppenplatz.— Prinzen»tr. n, Hof part— Staipmaaa. 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