Nr.454.36.Iahrg. BczugSvretS: SierteliäljtLB� MI. monalU— Sit frei ins Hau», voraus jatjlbar. Postbezug: Monatlich ch— Ml. erst, gu- stellungsgebllhr. Unlor streuzband Mc Deutschland und Oesterreich- Ungarn SLö Ml. für da» ildrig, Ausland lvLö Mt, bei täglich einmal. Zustellung ?.2ö Mt Postdeftellungen nehmen an Dänemart Holland. Luxemburg. Schweden u. die Schweig Eingetragen in die Post-Zettungs-Preisliste. Der„Vorwärts� mit der Sonntag»- beilage»Doli u. Zeit" erscheint wachen- täglich zweunab Sonntag» ei»mat Abend Ausgabe. Telegramm-Adresie: »Sozioldemotrat verlia". 4 Derlinev Volksblstt. ( 15 Pfennig) Au�ctgenprets: Sie achigeipaltene Nonpareillczcile lostet U» Sit»kileine Anzeigen-, da» lettgedruckts Wort Sil Pfg. izulässtg st sittgedruckte Worte), jedes weiter« Wort tll Psg. Stellengesuche und Schlasstellenanzetgen das erste Wort Gl) Psg. jedes weitere Wort 3li Pfg. Warle Uber 15 Buchstabe» zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%. Familien-Anzeigen, politilchc und gewerlschoftliche Vereins- Anzeigen IL« Mt die Zeile. Anzeigen fiir die Nächste Nummer miissen bis S»ha nachmittag» im Hauptgeschäsi. Berlin EW SS. Lindenslraße S. abgegeben «erden. Sebsfnei von S Uhr jrüh bi» i Uhr abend». Zentmlorgan der rozialdcmohrati fchcn parte» Deutfcblands. Neüaktion und Expedition: EW. öS, Ändenftr. 3. ieernsvrecher: Amt Moruipla«, Nr. täl SV— ISt 97. Freitag, den 5, September 1919. vorwärts-verlag G.m.b.H., Ew. öS, Lindenstr.Z. « Fernsprecher: Amt MoriNPlatz- Nr. 117 öS— St. Wilsons völkerbunöreife. Präsideu' W i l s o n hat am TonnerstaF in � o l u m b i a im Staate Ohio seine erste Rede über den B ö l k c r b u n d gehalten. Er erklärte, das, er beabsichtifle, das Land zu bc- suchen und überall über die Pariser Brrhandlunflcn und den Standpunkt, den er dort sür Amerika vertreten habe, Bericht zu erstatten. Etwa 40W Menschen wohnten seinem Vortrag bei. Der Präsident führte in seiner Rede, die wiederholt von Beifall unterbrochen war, aus: Das Abkomme» mit Teutschland beabsichtige zwar Deutschland zu strafen, aber niemals habe die Absicht bestanden, ein grosics Volk cnd- gültig zu unterdrücken oder zu zermalmen. Man habe sich auch in seinen Forderungen nach Schadenersatz Be- schränkungen auserlegt. Diese Entschädigungen seien nicht gröher als Teutschland zu zahlen imstande wäre. Wilson erklärte, er wundere sich über verschiedene Behauptungen bc- züglich des Abkommens, die einen vollständigen Mangel an V e r st ä n d n i s für die Bedeutung des Vertrages bc- weisen. Ter Völkerbund wurde als Erfüllung des V e r- sprccheus, das die Vereinigten Staaten abgaben, gebildet, weil sie sich in den Kampf stürzten, umdcu5lriegcinsür allemal aus der Welt zu schaffen. Wenn man den Völkerbund nun nicht gründen wollte, so wäre dies einfach ein Wortbruch den Helden gegenüber, die aus dem Schlachtfcldc gefallen sind. Wilson meinte noch, dag das Volkerbuudsabkommcn die Äcttcu der Unterdrückung zerbreche und deu k l e i n e n N a t i o n e u das Recht gebe, ein eigenes Leben zu leben. Das wäre der amerikanische Stand Punkt, den er in Paris vertreten habe. I t a l i e n z. B. habe der Konferenz einen Gcgenvor- schlag gemacht, in dem es Ansprüche aus F i u m c erhob. Obwohl es dort nur wenige verstreute italienische Gebiete gebe, wolle es Fiume aus strategischen nd militä- rischcn Erwägungen heraus doch haben. Falls aber der Völkerbund zustande komme, dann brauche es diesen Stübpunkt nicht._ der Kampf um üen Zrieöensvertrag. Der Haager„Nieulve Courant" meldet aus Washington, dos; der demokratische Führer K i t ch o ck im Senat den Kampf für die Ratifizierung des Friedensabkommcns eröffnet hat. Er sagte, daß sämtliche Aenderungsanträge a b- gelehnt werden müßten. Wenn der Aenderungsvorschlag bezüglich des Schantungparagraphen beispielsweise angenommen würde, würde Wilson sich weigern, in der Behandlung des Abkommens weiterzugehen oder diesen Aenderungsantrag fbinen Alliierten vorlegen. In diesem Falle würde Ja p d n unbedingt sich dem Friedensabkommcn entziehen. Präsident Wilson hat am Mittwoch seine'Propa- gandareise für den V ö I k.e r b u n d angetreten. Er reist in einem Extrazuge und wird von 30. Journalisten bc- gleitet. In 27 Tagen wird er eine Reise von Ist 000 Meilen zurücklegen und während dieser.Zeih 30 Reden halten. Die Kanrpagne ist gestern in Columbi« im Staate Ohio-er- öffnet worden und wird in Louisviue im Staate Kentucky schließen. Man glaubt, daß Wilson in seinen Reden auch die i n d u st r i e l l e Lage der Vereinigten Staaten behandeln wird. Von wohlinformiertcr Seite wird darauf hingewiesen, daß er diese Reise nicht unternommen haben würde, wenn die mexikanische Krise wirklich bedrohlich gewesen wäre, und daß anscheinend auch die Gefahr für einen allgemeinen. E i s c n- b a h n c r st r e i k vorläufig beseitigt ist. Ministerpräjiöent und firbeiterforüerungen. Minisierpräfident Friedrich erklärte einer Budapcster Arbeiter- dcputation, die Erfüllung der Wünsche der Arbeiter hinsichtlich der Wiederaufnahme der Arbeitslosenunterstützung sei sehr schwer, denn alle Fabriken seien in Konkurs. Mit Ausnahme der staatlichen sei keine in Betrieb. Es sei kein Geld vorhanden. Die Banknotenpressr werde die Regierung aber nicht in Betrieb setzen. Postsparkassengeld werde nur soviel gedruckt, alS Zchntausendkroncnnoteu als Deckung einlaufen. Der Wunsch nach einer Lohnerhöhung sei eine äußerst schwierige Frage. Der Ministerpräsident wieS als Beispiel für die Lage der Fa- brike» aus die Liptaksche Fabrik hin, deren Arbeitcrrat während des Kommunismus 97 Millionen Schulden machte, um die Arbeiter dieser Fabrik zu beschältigen. Es sei ein A r b c i s l o s e n f o n d S seitens des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten geplant. Hierfür seien sedoch 10 Millionen in gutem Geld notwendig, übrigens zeige die Arbeiterschaft keine große Neigung zur Teilnahme an öffentlichen Arbeite». So seien bei einer Gelegenheit 4300 Arbeiter gesucht worden; es hätten sich jedoch insgesamt nnr 160 gemeldet. Hinsichtlich der Arbeitslosenunterstützung habe der Staat immer mehr getan, als er eigentlich hätte tun können. Ohne die schwierige Wirtschaftslage Ungarns zu ver- kennen, darf man sich doch der Ansicht nicht verschließen, daß das erzreaktionäre Kabinett in Budapest und ins- besondere� der Ministerpräsident Friedrich zur Beurteilung sozialer Fragen nicht gerade geeignet erscheinen. Streikzusammenbnich in Gefterreich« Wie Wiener Blätter melden, ist der Streik bei der O st- bahn, der Aspangbahn und der S ü tz b a h n beendet. Es wurden keine besonderen Zugeständnisse gemacht, vielmehr brach der Streik zusammen, weil sich die Provinz ablehnend verhielt._ Die englischen öergarbeiter für Nationalisierung. Aus London wird gemeldet: Wie zu erwarten, haben die 150 Delegierten der Bcrgarbciterkonfereuz mit allen Stimme» den Beschluß der Verwaltung betreffend die Rationalisierung der Bergwerke angenommen. Amerikanische Arbeiter gegey Surgfrieöen. Aus Wachingion wird gemeldet: Laut Nachrichten aus allen Teilen Amerikas sind die Arbeiter nicht geneigt, die Bitte der Fabrikanten, einen Burgfrieden zu schließen, zu erfüllen. um Wilson Gelegenheit zu geben, seine Pläne zur H« r a b« fetzung der Preise durchzuführen. Fast überall haben die radikalen Elemente in Zxn Arbeiterorganisationen die Führung. Generalstreik im Pariser Konsektiottsgewerbe. AuS Paris wird gemeldet: Im Konfettiontzgew»rb« wurd« d«r Generalstreik proklaouert. Der öeutfch-lettische Sieölungsvertrag. Aus M i t a ii wird gemeldet: Die lettländische Regierung in Riga, der lettländische Geschäftsträger in Berlin und die lettische Presse leugnen, daß am 29. Dezember 1918 in Riga zwischen dem deutschen Gesandten und der lettländi- ichen Regierung ein Vertrag geschlossen worden ist, dem- zufolge die deutschen Kurlandkämpfer das lettische Bürger- recht und damit das Recht auf Siedlung erworben haben. Die Regierung, der Geschäftsträger und die Presse Lettlands entstellen damit die Tatsachen. Ter genannte Ver- trag, der in Riga abgeschlossen wurde, lautet wörtlich: Riga, den 29. Dezember 1918. Vertrag zwischen deu Bevollmächtigten des Deutschen Reiches und der provisorischen lettländischen Regierung. z 1. Die provisorische lettländische Regierung erklärt sich bereit, allen fremdstaatlichen Hecrcsangehörigcn, die mindestens vier Wochen im Verbände von Frenvilligenformationen beim Kampf: sür die Befreiung des Gebietes des lettländische» Staates von den Bolschewiki tätig gewesen sind, auf ihren Antrag das volle Staatsbürgerrecht des lettischen Staates zu gewähre». 2. Die deutsch-baltischcn Angehörigen des lettländischen Staates erhalten� das Recht, in die reichsdeutschen Freiwilligenverb�nde ein- zutreten. Andererseits bestehe» für die Dauer des Fcldzuges keine Bedenken gegen Berwcndnng rcichsdeutscher Offiziere und Unter- offizicre int Verbände der deulsch-lcttischen Kompagnien der Landes- wehr als Instrukteure. 3. Das im Bertrage vom 7. Dezember den deutschen Balten zu- gestandene Recht zur Bildung von sieben nationalen Kompagnie» und zwei Batterien im Berbande der Landeswchr wird seitens der provisorischen Regierung ausdrücklich garantiert, auch wenn 8 2 der vorliegenden Abmachungen zur vorübergehenden Auffösung der deutsch-baltischcn Berbände führen sollte. Bei einer Erlsöhnng der Zahl der lettischen llompagnicn der Landcswehr tritt eine cnt- sprechende Erhöhung der Zahl der deutschen Kompagnien ein. 4. Die in«nsführung von 8 1 nostvcndigen Listen über Zu- und Abgang von Freiwilligen werde» der provisorischen Regierung mindestens einmal wöchentlich übersandt. Es wird ans Grund dieser Listen zwischen den Vertragschließenden festgesetzt werden, welche deutsche» Staatsangehörigen sich das Staatsbürgerrecht gemäß 8 1 erworben habe». gez. August Winnig, deutscher Gesandter in Riga. K. U l m e n i s. Ministerpräsident. Fr. P a r g e l. I. S a u l i t-l Es ist zu bemerken, daß dieser Vertrag vom gegen- wärt igen Min isterpräsidenten Ulmanis unterzeichnet worden ist, der heute den moralisckien Mut auf- bringt, diesen Vertrag zu brechen. Die 5lottenversenkung. Fre-Herr v. LerSne« überreichte Donnerstag nachmittag in Ve» salllrS eine Rote, die eine Rechtfertigung des Admirals v. Reuter bei der Berseukuug der deutsche« Flotte in 9capa Flow bezweckt. Novembersozialisten. Im November 1918 konnte, man das erheiternde Schau- spiel genießen, daß die sogenannten Stützen der alten Re g i e r u n g im Freihcitsftinm wie Holunderstämmchen umknickten. Viele hatten zwar dem alten System, dem sie viel Gutes verdankten, Treue bis in den Tod gescktzvoren. Als es aber ihren Herren an den Kragen zu gehen schien, ver- krochen sie sich nicht nur vor lauter Feigheit, sondern forder- tcn durch ihre Gesinnungslumperei den Spott jedes anständigen Menschen heraus. Hätten sie den Zusammenbruch der Staatsform, die sie sür die richtige hielten, bedauert; hätten sie die Umwälzung als ein Unglück bezeichnet oder gar bekämpft, so würden die Sozialisten sie zwar als Feinde betrachtet, ihrem Mannesmut und ihrer Ueberzeuguwgstreue aber die Anerkennung nicht versagt haben. Wer aber am 9. November verbrannte, was er bisher angebetet hatte, und das anzubeten sich anschickte, das er am liebsten verbrannt hätte, der ist ein Wicht; und die Partei wird an ihm keine Freude erleben. Er hing sich nur an die sozialdemokratischen Rockschöße, weil er ein Amt oder ein Mandat zu erlangen hojste. Sobald er sich aber in seinen Erwartungen enttäuscht findet, und wenn ein anderer Wind zu blasen beginnt, dann fällt er wie eine wurmstichige Pflaume ab. Verschiedene dieser Novembersozialistcn sind bereits ins bürgerliche Lager zurückgekehrt oder versnchen, um dennoch R e v o l u t i o n s g e w i n n c zu machen, bei den Unabhängigen oder Spartakisten ihr Glück. Wir beneiden unsere Gegner von der äußersten Linken um diesen„Wert- Zuwachs" nicht! Nicht alle November sozio listen aber sind solches Gesinnungsgeschllieiß, das sich auf den— für sie auswechselbaren!— Boden der jeweiligen Verhältnissx stellt. In Scharen kamen nach der Revolution solche ins sozialistische Lager, die sich bisher wenig mit Politik befaßt hatten, und. die von der Woge der revolutionären B e g e i st e- r n n g fortgerissen wurden. Auch sie nahm man mit ge- mischten Gefühlen aus, da man damals nicht wußte, ob man eine frisch entsachte Älut von Dauer oder nur ein Strohfeuer vor sich hatte, das bald niedergebrannt sein würde. In den 10 Revolutionsmonatcn hat sich gezeigt, wessen Herz dem Steinichten glich(„Und es ging bald auf. Da aber die Sonne kam, verwelketc es, darum, daß es nicht Wurzel hatte"), und bei wem das sozialistisdbe Wort— um abermals'biblisch zu reden— auf„gut Land" gefallen war. Mancher dieser Noveiußersozialisten hat sich bisher be- währt; und es besteht die Aussicht, daß er ein tüchtiger Par- teigenosse werden wird. Es stehen noch viele abseits. Voll- ständig spurlos sind wohl die Ereignisse seit dem November 1918 an keinem vorübergegangen. Aber nicht wenige haben sich immer noch nicht dazu aufraffen können, dort Anschluß zu begehren, wohin sie gehören. Sie auszusuchen, erst als Leser und Bezieher der Parteipresse zu gewinnen, dann aber zum Eintritt in die Partei zu besuchen, ist eine wesentliche Aufgabe der sozialdemokratischen Propaganda. Dieses Werben von Person zu Person wird auch bei denen nicht Halt machen, von welchen man bestimmt weiß, daß sie im falschen Lager stehen. Mancher Berussgenosse billigt das Treiben der 1l. S. P. oder K. P. D., der. er sich in einer Stunde augenblicklicher Verärgerung anschloß, nicht mehr. Er würde gern zur M e h r h e i t s p a r t e i zurück- kehren, wenn jemand das Ansinnen an ihn stellte. Um- gekehrt gehört mancher im Herzen zu uns, hat sich aber immer noch nicht�cntschl�ssen, seinen äußerlichen Zusammenhang mit einer bürgerlichen Partei zu losen. Auch bei solchen muß angeklopft werden. Ten entscheidenden Schritt hätten Meie Leute allerdings gleich nach der Revolution tun sollen. Vor- her war es vielen— es sei nur an die Beamten erinnert! — einfach unmöglich, Sozialdemokrat zu sein. Sie wurden bereits mit Mißtrauen behandelt, wenn sip nicht konservativ waren, und geniaßregelt, wenn sie.�iich links neigten". So hat man den bekannten Mecklenburger Seminarlehrer S i v k o v i ch, weil er fortschrittlich organisiert war, das Leben unendlich schwer gemacht und schließlich erreicht, daß er im kräftigen Mannesalter sein Anit niederlegte. Und so hat mancher liberale oder freisinnige Beamte mindestens ebenso viel Drangsalierungen wenn nicht noch mehr— ausstehen müssen, wie. ein Arbeiter wegen seiner Zugehörig- keit zur sozialdemokratischen Partei. Daß solche Leute im fortschrittlichen Lager nicht gegen links kämpften, sondern lediglich gegen rechts, liegt wohl ans der Hand. Sie standen eben so weit links, als ihnen unter den alten Ver- Hältnissen gerade noch erlaubt war! Nun sind die Schranken gefallen, die den Weg ins sozia- listische Lager versperrten. Soll man nun solche wackere Streiter für Recht und Freiheit, die im Herzen s ch o n l a n g c sozialistisch dachten, und deren Handeln ebenfalls sozialistisch war, mit dem Spottruf„Novembersoziaststen" da- für strafen, daß sie erst im November Mitglieder der sozialdemokratischen Partei werden dursten? Ihr Los ist keineswegs so leicht, wie es sich viele vorstellen. Denn man- chy: Novembersozialist wurde vor de; Revoluüos von feifigä» gleichen Äer die Schulter angesehen, weil er fortschrittlich organisiert war. Jetzt aber, da er„richtiger Sozialdemokrat" ist, ächtet man ihn einfach, während er als Demokrat— dieser Partei anzugehören, ist in bürgerlichen Kreisen, be- sonders bei Damen, förmlich Mode!— eine gewisse Rolle spielen würde. Wer derartige Unannehmlichkeiten auf sich nimmt, muß es doch mit seiner sozialdemokratischen Gesin- nung ehrlich meinen. Trum sollte man ihm Vertrauen schenken. An den Novembersozialisten ist es nun aber, sich dieses Vertrauens würdig zu erweisen. Das können sie, indem sie fleißig für die Partei arbeiten, ihr gleichgesinnt? Berufs- genossen zuführen und— was die Hauptsache ist— in schweren Stunden die T r e ue wahren. Fritz Müller- Chemnitz. Der zerspaltene Rumpf-vollzugsrat. Die Meldung, daß der unabhängig-konimunistifche VollzugSrat, nachdem vor einigen Wochen die Demokraten und Sozialdemokraten ausgetreten sind, sich abermals gespalten habe, beruht, wie eine hiesige Korrespondenz erfährt, auf einem Irrtum. Die an Stelle der drei ausgeschiedenen Kommunisten gewählten Ersatzmänner Heinen, Riedel und Exner sind ebensallS Mitglieder der K. P. D. Tatsachs ist jedoch, daß im Roten Vollzugsrat gegen- wärtig, trotz der Neuwahlen dreier seiner Mitglieder, eine Spannung besteht, die über kurz oder lang zum Kon- f l i k t führen dürfte. Die KrisiS ist begründet durch dte Haltung der U. S. P. D. in der Frage des Verbotes der von den Unabhängigen ausgeschriebenen Arbeiterratswahlen. Die Kommunisten, die selbst mit einem eigenen Wahlrecht auf den Plan zu treten gedenken. verlangten in der entscheidenden Sitzung der Arbeiterräte, daß die U. S. P. D. den Kampf mit der Regierung aufnehme. Jedenfalls zeigt sich, daß der Rumpfvvllzugsrat, in dem jetzt Unabhängige und Kommunisten unter sich sind, zerspaltener ist als je. Die Unduldsamkeit und der UnfehlbarkeitZdünkel der links- radikalen Gruppen macht eben jede Zusammenarbeit der einen mit einer anderen Gruppe unmöglich. Reaktionäre Propaganda als tzeeressache! Reichswehr und„Offene Worte". Von gut unterrichteter Seite geht uns folgende Nachricht zu: Die im Verlag der„Deutschen Zeitung" erscheinenden„offenen Worte" werden in rund 45 Mg Auflagen an die Truppen verteilt. Das Blatt ist, seiner Ursprungsquelle getreu, im Inhalt durchaus alldeutsch und reaktionär, wird aber von zahlreichen Kommandobehörden der Reichswehr in jeder Weise unterstützt. Wie stark diese Unterstützung ist, geht daraus hervor, daß die Redaktion der„Offenen Worte" ihre Briefe als„Heeressache" versendet. Ein Mitarbeiter der„Offenen Worte" teilt unserem Gewährsmann mit: „Me Briefe, die ich bisher erhielt, wurden stets unter„Heercssache" versandt; gesetzlich ist die Benutzung unzulässig, sogar strafbar. Auch die Zeitschrift selbst habe ich unter„Heercssache" erhalten. Durch die Versendung unter„Hceressache" wird nicht nur der Staat um eine große Einnahme betrogen, sondern vor ollen Dingen eine starke Beeinflussung des Lesers er- zielt. Jeder Soldat, der einen Brief unter„Heeressache" erhält, wird annehmen müssen, daß die Zeitschrift von amtlicher Seire herausgegeben wird. Auf dem Brielboaen stebt aul-rrdem „Zeitung für die gesamte Reichswehr und die Freikorps, für Führer und Mann." Es scheint doch durchaus notwendig, baß da? Reichswehr- M i n i st e r i u m sich nunmehr etwas näher mit der Frage der „Offenen Worte" befaßt. Auch die„Deutsche Zeitung", die sich seit Monaten über Ver- schwendung von Staa�Sgetdern beschwer;, dürft« hocherjreu; p..n. wenn diesem Unfug ein Ende gemacht wird. Aber es handelt sich hier nicht um die Hinterziehung von Staatsgeldern, sondern um die Frage der reaktionären Agitation in der Reichswehr überhaupt, die um so auffälliger wirkt, als dieselben Kommandostellen, die sich die strafbare Förderung reaktionärer Hetze so angelegen sein lasten, ihr möglichstes tun, um die Verbreitung von Zeitschristen, die auf dem Boden der republikanischen Regierung stehen, systematisch zu unterdrücken. » In der Sache wird un» noch eine überraschende Aufklärung zuteil durch eine uns soeben zugehende Zuschrift des Reichswehr- gruppenkommando I, worin die„offenen Worte" als«ine„dem ReichSwehrgruppcnkommando l nahestehende Toldatenzcitung" bezeichnet werden. ES handelt sich in jener Zuschrift sachlich um die Empfehlung des alldeutsch-antisemitischen Witzblattes„Phosphor" durch jene Zuschrift, die anfänglich vom ReichSwehrgruppenkom. mando gebilligt, später allerdings inhibiert wurde, weil oaS Blatt die Amtstätigkeit verschiedener Regierungsmitglieder in satirischer Weise angriff. Uns interessiert an dieser Zuschrift aber vor allem das Bekenntnis, daß der Ableger der„Deutschen Zeitung" oem Reichswehrgruppenkommando I„nahesteht". Um Aufklärung wird gebeten._ Nochmals üie Vorgänge in öer Sicherheits- Polizei. Aus Anlaß der in Nr. 448 und 451 des„Vorwärts" geschil- derten Vorgänge in der Sicherheitspolizei hat einer unserer Ver- treter«ingehende Besprechungen sowohl mit dem Gruppen. kommando, als mit den Vertrauensleuten der Unterbeamten ge- habt, als deren Resultat wir hier folgendes feststellen möchten: Der durch WTB verbreiteten und in Nr. 448 von uns wieder- gegebenen Darstellung.won unterrichteter Seite" steht das Gruppenkommando vollständig fern, es teilt unsere Auf- fastung, daß diese- Darstellung, die von einer mangelhaft infor- mierten untergeordneten Ktelle ausging, in wesentlichen Punkten unrichtig ist. Insbesondere legt auch daS Gruppen- kommando großen Wert darauf, festzustellen, daß niemals eine Agitation in der Sicherheitspolizei stattgefunden hat, die darauf hinzielte, daß sich die Sicherheitspolizei bei Unruhen neutral verhalten sollte. Der Vertrauensmann Richter ist nach Darstellung deS Gruppenkommandos sofort entlasten worhen, weil er eine Ver- trauenSmännerversammlung nicht angemeldet hat. Diese Versammlung sollte zu der neugegründeten Interessen- Organisation der Sicherheitspolizeibeamten Stellung nehmen. Das Gruppenkommando sieht in der Nichtanmeldung einen schwe- ren Verstoß gegen die Disziplin, der die sofortige Entlassung recht- fertige. Dagegen waren die von unserem Gewährsmann befragten Vertrauensmänner der Anficht, daß bei Richter nur ein formale? Versehen vorliege, daS keinesfalls fo schwere Sühne erheischt habe, und daß vor allen Dingen vor der Entlassung sie, die Bertraneußmänner, hätten zu Rate gezogen werden müssen. Letztere? bestreitet das Gruppenkommando und verweist Richter auf den Beschwerdeweg. Ter direkte Vorgesetzte Richters stellt diesem ein gute» Zeugnis au». Im Fall des Unierwachtmeisters Brust ist richtig, daß dieser seinen Abschied selber eingereicht hat. Jedoch wird von den Ver- trauensmännern selber die Ansicht vertreten, daß Brust nicht richtig gehandelt habe; die Vorwürfe beziehen sich aber nicht auf sein Auftreten gegenüber dem Oberstleutnant Heinrichs(der übrigens nicht adlig ist), sondern auf eine spätere Agitation, die Brust eigenmächtig«ntfaltet hat. Die angebliche Aeußerung des Oberleutnants V. Oven ist Gegenstand einer Untersuchung. Der Angeschuldigte bestreitet die Aeußerung. Offiziere, die die Mannschaften nicht richtig behan» dein, werden rücksichtslos entfernt. Bezüglich des früheren Führers Major M e y n steht die Truppe auf dem Standpunkt großer per- ftmlicher Anhänglichkeit, sie lehnt es aber ab. Kasernenhofpolitik zu treiben und Personenfragen in den Vordergrund zu stellen.— fillöeutsche Schamlosigkeiten. Mit einer edlen Dreistigkeit, wie sie selbst bei der„Deutschen Tageszeitung" eine Seltenheit ist, veröffentlicht diese eine Anzahl von Gefangenenbriesen, aus denen die Ueberzeugung der Gesänge- nen hervorgeht, die deutsche Regierung täte nichts für ihre Befreiung. Daß«in großer Teil unserer Gefangenen dieser Ansicht ist, haben wir selbst zu �wiederholten Malen auf Grund von Gefangenenbriesen unseren Lesern mitgeteilt; wir hatten aber nie verfehlt, darauf hin- zuweisen, wer in unseren gefangenen Volksgenossen diese irrige Meinung erregt und durch verleumderische Agitation unterstützt hatte. Es sind das dieselben Kreise, die jetzt mit scheinheiligem Augen- verdrehen Interesse für die Gefangenen heucheln, die sie bisher in der schamlosesten Weise für ihre Sonderinteressen miß- braucht hatten. Wenn nun die„Deutsche Tageszeitung" an Hand der von ihr veröffentlichten Briefe der deutschen Regierung erneut den Vorwurf der Untätigkeit macht, so ist das eine der schmutzigen Verleumdungen, die unsere Gefangenen nach ihrer Rück- kehr bald durchschauen und für die sie Rechenschaft fordern werben. Für die nötige Aufklärung werden wir sorgen, darüber mag die „Deutsche Tageszeitung" nur beruhigt sein. Fraucnwahlrecht in Italien. Die italienische Kammer stimmte laut Baseler Nachrichten eineni Zusatzantrag zu, der den Frauen das aktive und passive Wahlrecht verleiht. De? Münchener GeiselmorS vor Gericht. München. 5. Septembex. Am heutigen 5. Verhandlungstage sind die Wachen>m Gerichts. gebäudc außerordentlich verstärkl worden mil Rückstchl darauf, daß aus dem im gestrigen Verbör bekanntgewoid�nen Kaisiber des Angeklagten S e i d l hervorgchi. daß Fluchlversuche von Freun- den der Angeklagten beabsichiigt sind. Auch hol inzwitchen ein weiterer Angeklagier einen Fluchlverspch unternommen. Die Garnison Münchens befinde» sich in erhöhter Alarm- bereitschait und neben dem Genchtsgebände werden der Lahnhof und die öffentlichen GcbäuZe ichärier als sonst bewacht. In der B e w e i S a u i n a h m e wurde der Gärtner Glonner vernommen. Er beslälig«. daß die bekannte Reiolulio» des 1. Infanterie-Regiments in welcher die Eischießung der Gciieln verlängt wurde, dein Ange�agien Peicrmeier von mehreren Rai- 'ardislen überbrachl wurde, und. daß Pelermei er darauf er- ilärre:„Lieber lasse ich mich ielbst erichießen!" Schtießtich gab P jedoch die Reiolulion an Jglbofer weiler. Die Neiolutio» sei be- reitS Mille April gefaßt, aber voiläufig beiseite gelegt worden. Der folgende Zeuge Tauben berger weigerl sich, den Eid zu leisten, da ihm dies sein revolutionäres Gewisse« verbiete. Für ihn fei der Eid eine Uiopie. Als revolutionärer Prolciarier könne er nur die reine Wabrheil sagen, aber den Eid nicht leisten. Er biitei das Geiicht, ibn in Sirase zu nehme». Der Siaaisanwalt erklärt, daß dazu auch alle Vcran- lassunq vorhanden sei. da die B e r f a l i u n g ein revolinionäres Gewissen nicht vorsehe. Der Zeuge wird dann zu 300 M. Geld- strafe verurteilt. Im Anschluß macht die Verleidigung gellend, daß Nach§ 138 der neuen Beriassung niemand zur Ableistung eines religiösen Eides gezwungen werden lönne. Der Schauspieler Ullinann ans Wörrishosen erklärt Seidl für einen äußerst anständigen Menschen und erzielt damit einen vollen H e i t e r k e i t s e r f o l g. Arbcitcrsekrctär Straub aus Dachau erzählt, daß Seidl zu Be- l»n seiner Tätigkeit in der dorligen Pulverfabrik in einer 'llgemetnen Arbellerversammlung Zurufs gcmachl habe, die ihil als einen Anhänger der ZentrlnnSpartei kennzeichneten. Die Entlassung Scidl'S aus der Pulverfabrik sei ivcgen Fälschung von Stundenzettel n eriolgt. Seidl war in Arbeiterkreisen als Denunziant verrnfen. Nachdem 'er Aiigekla.ne noch bei seinem Abgang erilärl Halle, er sei An- bänger der Zenlrunisnarlei, war der Zeuge lehr erstaunt, als er ivenige Tage später hörte,, daß Seidl in den Elsenbahnzügen zwischen München und Dachau kommunistische Flugblätter vcrleiUe. Frau Straub erzählt, daß Seidl versucht habe, ihren Mann ans Rache sestzunebmen. Die Arbeiierichoit hatte ihn jedoch rechtzeitig gewarnt und so mußte das Panzerauto des Angeklagten wieder umkehren. Seidl ent'ernte sich jedoch nicht gleich, sondern verhandelte noch längere Zeit mit der Frau und erklärte ihr, wenn sie den „Schuft und Hochverräter" fänden, würde er sofort an die Wand geiiellt werden. Seidl be- streitet die« und fragt die Zeugin, ob er damals einen grauen oder schwarzen Mantel getragen habe. Vorsitzender:. Wichtiger erscheint eS für unS, ob Sie sich erinnern können, dem Slraub ein- mal auf die Bude gerückt zu iein." Seidl:„Ich kenne weder Frau Slraub. noch die Straße in der sie wohnt." Die Zeugin ge« rät über dieie Ableugnung in große Erregung und erklärt mit er- bobener Stimme:„Herr Seidl. Sie wissen doch ganz genau, daß Sie bei uns waren und ich könnte Ihnen noch manches andere vor- halten." Der Betriebsleiter Dehner aus Dachau bestätigt, daß Seidl erst ZentrumSmann und dann Kommunist war, und daß er bei der Arbeiterschaft wegen seiner„Schmieg- samkeit" der vorgesetzten Behörde gegenüber verhaßt war. Er habe die Fabrik offenbar in kommunistische Hände bringen wollen. Der Zeuge trat ihm jedoch sehr unerschrocken entgegen und ant- wartete ihm auf die Frage, ob er die R ä t e r e g i e r u n g auer» kenne:-„Sie sind, ja verrückt. Eine Regierung, in der ein Dr. Lipp sitzt, der schon zweimal im Jrpenhaus war, halte ich nicht für voll." Darauf geriet Seidl in furchtbare Wut und drohte, er würde mit einigen hundert Rotgardisten wiederkommen, worauf ihm gesagt wurde, man werde die ganze Fabrik mit den 1414 Millionen Schuh in die Luft sprengen. Der Zeuge har auch ge- merkt, daß Seidl damals viel mit Levien zusammensteckte. Einige Tage später wurde Dehner durch Seidl und Jglhofer ver- haftet und zur Polizeidirektion gebracht, wo er ohne weiteres Verhör durch zwei von der Straße heraufgeholte Rotgardisten zum Tode verurteilt wurde. Dehncr wurde im letzten Augenblick nur durch die Erklärung seiner Arbeiterschaft gerettet, daß, wenn er nicht innerhalb zwei Stunden freigelassen sei, die Pulverfabrik t« die Lust fliege« würde.— Der folgende Zeuge Nürnberger ist nicht aufsinttbar. Der Angeklagte Hesselmann bezeichnet ihn als einen Haupt- rädelsführer. Der Direktor des Münchener Park-Hotels, Zvmbrecht, wird über die kommunistischen und sparlakistischen Besuche in seinem Hotel verhört, bei denen dem Konstantinopeler Kaufmann R e y s e r die Waren weggenommen und Prinz Thurn und Taxis verbastet wurde. Seidl Hai bei diesen Besuchen wiederholt erklärt, er komme, wann es ihm passe, und hat niemals einen Ausweis vorzeigen können.— Hauptmann Pietsch wurde vom Bett seiner schwer- kranken Frau hinweg als Geisel verhaftet und zusammen mit dem Freiherrn v. Seydlitz auf das Polizei-Kommissoriat gebracht. Er erzählte einige originelle Episoden. Kurz nach seiner Einlieferung ins Gefängnis schob man in seine Zelle einen Mann, der ununterbrochen an der Wand hin'und herschlich und dann sagte:„Ja, kennen Sie mich denn nicht? Ich diu der gestrige Stadtkommandant von München. ch bin Kommunist geworben, um dem Vaterland Elsaß- othringen zu erhalten."(Heiterkeit.) Pietsch ist dann Jglhofer, dem„Matrosen mit der Tangofrisur", wie er im Gtzm- nasium allgemein hieß, vorgeführt worden. Während des. Ver- hörs schlief Jglhofer ein. Jlls er wieder aufwachte, sagte er:„Ach, ich bin jetzt müde,«lassen Sie den Kerl laufen." Nachdem er dem Hauptmann noch ein Glas Tokayer angeboten hatte, wurde Pietsch zur Tür hinausgeschoben. Der nächste Zeuge ist Rechtsanwalt Stanzoni, der Mann der Prinzessin F ü r st e n b e r g. Er wurde in der Nacht vom 23. zum 24. April verhaftet. Der Haftbefehl lautete auch auf den Namen seiner Frau und des dreijährigen Kindes. Alle drei Per- sonen mußten sich im Beisein Haußmanns und Schicklhofers an- kleiden und wurden in das Gymnasium gebracht, wo ihnen Serdl erklärte:„Wenn in der Nacht etwas passierte, dann würden zu- nächst die Geiseln„abgeschafft". Später erhielten sie von einem Wachtposten die tröstliche Versicherung, es sei doch ganz selbstver- ständlich, daß die Geiseln umgebracht würden, wenn etwas passierte. Schicklhofer erklärte ihnen das gleiche und machte die Posten darauf aufmerksam, daß sie ja die Pistolen in Bereitschaft halten sollten. denn es sei ja verboten, in den Zimmern mit Gewehren zu schießen. Zu Stanzoni selbst sagte er: „Ihr seid unsere Feinde und als solche müßt Ihr auch sterben. Wenn es niemand von meinen Leuten tun will, hole ich mir die Russen herein, die tun es schon." Kurze Zeit nach der Einlieferung des Zeugen und seiner Familie wurde das ganze Gymnasium alarmiert, weil es hieß, die weihen Garden seien im Anzug. Schicklhofer gebürdete sich als Oberkommandant, lieh die Lichler auslöschen und erteilte den ersten Befehl zum Erschießen der Geiseln. Später beruhigte sich alles wieder und Schicklhofer erklärte, er habe nur eine„Probe" gemacht. Die Geiseln sollten wissen, was ihrer barrte. Am folgenden Tage wurden dann Stanzoni und seine Frau vor das Nevolutions-Tribunal geführt, wurden aber freige- sprachen. Der Zeuge Schutzmann Nieß, der sich im besetzten Gebiet auf- hält, konnte keine Ausreiseerlaubnis von der französischen Bcbördc erlangen. Seine Aussagen werden daher verlesen. Es geht daraus u. a. hervor, daß er hörte, wie die Gräfin erklärte, daß sie lieber bei ihren männlichen Genossen bleiben und auf eine besondere Stellung verzichten wolle. Sie wurde dann auch mit Kartosfelschälcu beschäftigt. Die beiden Husaren wurden bei ihrer Einlieferung geschlagen und angespien. Die erregten Soldaien wollten sie gleich an die Wand stellen. Am Mordtage haben Haußmann. Hesielmann und ein Schreiber die zu erschießenden Geiseln herausgesucht und in den Hof gebracht. Luch er, Rieß, lci mit hinuntergeführt worden. Je- wand sei dann aber hinter ihm dreingelaufen und Hab? gerufen: .Nanu, geh doch nicht mit denen mit!" Er sei daraus umgekehrt und bald darauf entlassen worden. Al? er nur wenige Schritte aus dem Hause gewesen sei, babe er die Salve knattern hören durch welche seine unglücklichen Gefährten niedergestreckt wurden.— Lber, lcutnant Truth wurde mit dem Oberleutnant Baron Moser zu- sammen in Haft genommen, angeblich, weil zwischen ihnen ein gcgonrevvlutionäres Komplott bestehen sollte. Der Haftbefehl war von Seidl unterschrieben, l eide wurden zunächst von den Wachen anständig behandelt. Al? ffdoch Seidl kam, ändert« sich der aanzc Ton. Seidl schrie sie mit..Sau- bände" an und als Moür seine Unschuld b-ieuerte, vackte ihn Seidl und warf ihn an die Wand. D-abei fuchtelte er sortwäbrend mir einem Revolver umber. Als Moser sagte, er würde sich beim Revo- lutionStribunal beschweren, schrie Seidl:„Auf das Revolutions- tribunal pfeif«:ch. Wir erschießen, wen wir mögen." DaS alles sagte ei, obwobl Baron Moser einen Schntzschein des RevolutionSlribunalS vorzeigen konnte. Der Zeuae mußte sich dann mit Moser zusammen auf Strobi'äcke legen. Um vier Uhr moraenS kam Seidl hinzu und sagie:„Was. die Schwein? l-cgen auch noch auf Strohsäcken? Hinunter mit ibnen in den Keller." Dort trafen wir 8 bis 9 Personen. Vorsibender:.Gu». nun waren die„Sl-weine" also im Keller. Wa? geschah weiter?" Zeuge: Eine Dam« erlitt einen Nervenzusammenbruch, eine andere wurde, als sie sich beschwerte, von Hausmann mit Obr» feigen traktiert, daß sie ohnmächtig zu Boden siel. Noch 5 Ubr trüb wurden wir geweckt und ein auter Rcürardist aab unS auch etwa? Kaffee. Dann wurden wir wieder zu Seidl oefübrt. Er sagte aber, er habe keine Zeit, und erst, als Baron Moser mit einem Herrn vom Generalkommando in Verbindung treten konnte, der eine Unterschrift JqlboserS beibrachte, wurde er in Abwesenbeit S?!d!Z enftassen. Genen Abend wurde die Situation ungemütlich Bei unserer Abführung über den Hof waren die Soldaten iebr unruhig. Schicklboser schrie aulneregt herum und brüllte die Leute an Im Keller log schon alles aufeinander, wie eine Herbe Bich Ich konnte mick> nur so hinhocken, daß ick aus den Füßen der Gräfin Westarp lag. Plötzlich bieß eS. der Kellcrschlü�el sei von den Geiseln abgezogen worden. Wenn er nicht in soundsoviel Minuten wieder da sei. würden wir alle totgeschossen oder eine Handgronat? zwischen un? geworfen wenden." Der Zeuge wurde dann inkolpe eine? inzwischen eingetroffenen �chußschmneS i-ntlailen Es gelang ihm jedoch nicht, die anderen G-'-ln frei zu bekommen. Als Oberleiitnant Truth in Begleitung seiner Braut daS Gvmriasium verließ, wurde ihm von einigen Rotgardisten be» deutet. cZ liege schon wieder ein Haftbefebl geoen ibn vor. Uno tatsöchlich sei er auch noch bis zum 1. Mai von Seidl verlolai wor- den. Er nächtigte darum in einem Speicher und auf unbewohnten Böden. Vorsitzender: Sie sollen mit Baron Moser ein Komplott gegen Seidl geschmiedet haben, um ihn, den„armen Arbeiter und Proletarier", umS Leben zu bringen. In Wirklichkeit sollen Sie und Barou Moser auch bei der Erschießung Liebknecht» und Rosa Lu�emburaS beteiligt pewesen sein. � e n 0 e: nt ia lln» sinn. Baron Moser lag in Nürnberg, ich in München in Garnison. Ich babe ihn erst bicr t,nnen gelernt. E:n Verteidiger macht geltend, daß auch die Bourgeoisie seinerzeit Geiseln verhaftet und im Bäuerischen Hof" untergebracht babe. Oberleutnant Truth: Aber der„Bayerische Ho'" war ein erstklassiaez Hotel. Vor- sitzender: D?r Keller im Gymmmum war nicht aanz so eleaant? l Heiterkeit.) Zeuge: Um Gottes willen? Angeklagter Seidl: Ich bleibe dabei, r» kenne den Zeuasn überbauvi nicht. ab-r ich ineiß, daß zwischm'hm und Moser ein Komvlott ge-wn»'öb besieht. Oberleutnant Trutv: Ich nebme selbstverstmidlich alle« auf meinen Eid. Die Braut des Oberleutnant Truth bekundet, 'dah. sie bei einem Desuch im Gymnasium von Seidl anyeschrtel worden sei:„Dreckige» Frauenzimmer" usw. Hroß'öerliner Zrauenkonferenz.' Znöuftcie unö tzanöel. ;>r!i Kestsaale des Herrenhauses togte gestern die von zirta 50Q Frauen besuckte Konferenz der Funktionärinnen der Grog- Berliner Parteiorganisation, die von der Ge- tiassin Ryneck geleitet wurde. Ueber die Jugendfürsorge referierte die Genossin ? o d e n b a ge n. Der Krieg bade iurchtoare Schäden an der körperlichen und geistigen Gesundheit unserer Jugend ange- richtet. Tie Sterbllchkeit der Säuglinge steigerte sich in den Kriegsjahren um 2,4 Proz. die der 2— 6jährigen um tbL Proz. und die der 6— löjährigen um 5ö Proz. 50 000 Menschen im Alter von 2— 15 Jahren starben im Kriege mehr als in den letzten Friedcnsjahren. In der Hauptsache rvar die Tuberkulose schuld daran. Daran reiht sich das Anwachsen der ge- richrlichen Aburteilungen Jugendlicher. Sie wuchs im Kriege von l l>? Fälle auf 4687, woran Berlin mit 58,7 Proz. beteiligt ist. Beim vreußifchen Ministerium, wurde bereits nach den Grundsätzen der Selbstverwaltung ein Jugendamt eingerichtet. Es gliedert sich in Juoendpflegeamt. Jugendfürforgeamt. Waijenamt und Vor- mundschaftsamt. Au? jedem Amt wird ein Konsortium gebildet, das sich zusammensetzt aus dem Direktor des Amts und S Mit- a''i>rn der städtischen Tevutationen. Für jeden Bezirk eines Armenamts wird ein beruflich gegliedertes BezirkSzugendamt ge- e idei. Sie übernehmen insvesonoere die Geschäfte der lokalen Ge. Meindewaisenräte. Air müssen die Träger der Sozialisierung de? Jugendamts fein. In der Tiskussion führte Genosse Tr. Caspar i vom Neu- kollnrr Jugendamt aus: Ter Berliner Kommunalfreistnn tragt die Schuld daran, wenn w-r heute ein Jugandamt in Berlin haben, das ein Sportklub für körperliche Ertüchtigung ist. Gegen die Reichs- und StaalSregierung richten wir den Vorwurf, dag sie bis- nichts für die Jugendfürsorge getan hat. Wir müssen mit dem Jugendschutz anfangen. Vor allem bedarf die werdende uneheliche Mutter des Schutzes.(Sehr richtig!) DaS Volk ist wirklicher Kultur- träger, da» sich der Schwachen annimmt. Tie Fürsorge der Polizei für die Pflegekinder hat die Stadt zu übernehmen. Bei dem Mangel an Pflegefrauen ist es Pflicht der Proletanerfrauen, nach bestem Können einzuspringen. Jugendfürsorge ist Dienst an der Armut.(Beifall.) Genossin Babm-Schiich betont, daß trotz der Fülle der ge- setzgcberischen Arbeit während der letzten 10 Monate die Jug:nd- für sorge nicht so schlecht weggekommen ist. Die Kenntnis der einschlägigen Gesetze ist für die auf dem Gebiete des PflegekinderrnesenS tätigen Frauen notwendig. Die Partei muß soziale Kurse für die Heranbildung von Pflegerinnen ein- richten. Folgende Anträge werden einstimmig angsnommen: l. Die heute im Festfaal des ehemaligen Herrenhauses tagende Frauenlonferenz der Funttionärinnen deS Bezirksverbandes Grog-Berlin der S. P. D. beschließt: Die Versammlung lon- jrituier: sich zu eisier Jugendwohlfahrtskommission zur Uiiierstützung der öffentlichen Jugendfürsorge. Sie organi- iien sich in 1. Jugendpflegekommission, 2. Jugendfürsorgekommission, 3. Waisenkommission, 4. VormundschastSkommission. Für jede bieser Kommsssionen wird ein Ausschuß von je 3 Frauen für Berlin, Te.ltow-Beeskow und Niederbarnim gewählt. Diesem Ausschuß w:rd der für die Frauenagitation gebildete Frauen- ausschuß beigeordnet. Beide Ausschüsse zusammen bilden den Aktionsausschuß der Kommission. Di« Kommission tritt dem von der Stadt Berlin zu errichtenden Zentraljugendausschutz beim Jugendamt in Berlin bei. II. Tie Konferenz der Funktionärinnen des BezirkSverbandeS Gros,-Berlin der S. P. D. richtet an die Fraktion des preußischen Laniiazes das Ersuchen, die preußische Regierung wie folgt zu interpellieren: Die preußische Regierung möge im Verordnungs- weg! verfügen: Alle Wohlfahrtseinrichtungcn der Stadt Berlin werden, ohne Rücksicht auf den endgültigen Zeitpunkt der Ein- gemeindung. den einzugemeindenden, mindestens aber den dem .Zweckverbande Groß-B-rlin angehörenden Vorortgemeinden mög- lichst bald, spätestens aber vom Zeitpunkt der Vereinheitlichung des Sieuerwesens— 1. April 1920— ab zur Verfügung gestellt. III. Tie Konferenz der Funktionärinnen usw. richtet an den BildungSausschuß oeS Bez.rköverl'cndcS Groß-Berlin den Antrag, AnSbiloungskurse für soziale WohlfahrtSarbeit baldigst einzu- richten. Zum 2. Punkt der Tagesordnung:.Die Entwicklung der A r b e i t e r r S t e" führte Genosie B r o I a t vom VollzugSrai aus: Tie Revolution in Deutschland setzte zu einer Zeit ein, in der die Voraussetzungen für den Sozialismus nicht gegeben waren. AuS dieser Tatsache resultieren all die vielen Schwierigkeiten, die wiederum die Verärgerung der Massen und die Unruhen her- vorriefen. Von einem Räteshstem können wir nicht reden; es besteht diel- mehr nur ein Röteproblcm. Tie Lösung, die die radikalen Elemente suchen, führt zur Dik- t a t u r. Wir bekennen uns zur Demokratie und machen e« nicht mit, wenn man ganze Klassen vom Wahlrecht aus- I ch l? e ß e n will. Die Unabhängigen spekulieren auf den Winter, der schwere Not dringen wird. Die Arbeiierräte haben sehr diel nützliche Arbeit geleistet und daS.Reich vor schweren Schäden bewahrt. Der Berliner Ra- dikalitmus hat die Lrbeiterräte direkt degradiert. Der Kampf der U.S.P- und K.P.D. gegen uns nötigt uns, den jtampf mi, aller Kraft aufzunehmen.(Sehr richtig!) Sozialismus ist nie Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck gswesen. Würden wir heute ein besseres Mittel zur Befreiung des Proletariats finden, wir würden den Sozialismus geru aufgeben. iSehr richtig!) Durch das ArbeiterratSfystcm allein Tonnen wir die -sozialisierung nicht durchführen. Wir haben leider dank der Spaltung der Arbeilerfchaft nickt Leute genug, um alle -temler mit unseren Genossen zu besetzen.(Sehr richtig!) Zur pasubung des MitbeftimmungSreckiiS in den Beiriebcn ist eine gründlich« E rz i e p n n g unserer Arbeiterschaft in Wirtschaft. nttzkn Fragen nötig. Biete Genossen im Lande verstehen heute . �nahmen der Genossen in der Regie- r u n g. e-.e haben sich abtt nQch dem Wehrheitswillen her Parlamente zu richten und wir uns dessen Beschlüssen zu unterwerfen. Trotz aller Unannehmlichkeiten ist der Kamps mit den Radikalen aufzu. nehuien. Bringen wir nicht den Mut dazu ans, dann wird die Ge- Wchte uoer uns ein hartes Urteil Fällen. Wenn wir unsere �rocit m oenielben Buhnen weiterführen, werden wir sie zum Wohl« de» ganzen Volles vollenden.(Lebhafter Beifall.) Nach lebhafter Debatte und»eratuM einiger«gitationsfragen wird die Konferenz m spater Abendstunde geschlossen. Börse. Die Börse zeigte heute einen ruhigeren Berkehr, als an den � letzten Tagen. Auch an dei? Märkten der AuSlondspapiers ist das i Geschäft stiller geworden und die Kursveränderungen hielten sich hier in engeren Grenzen. Die Gesamthaltung war nicht einheii- lich. Kanada' zogen 6 Prozent an. Baltimore wenig verändert, Steaua Rornana 2 Prozent höher. Deutsche Petroleum 4 Prozent nachgebend, Deutsche Erdöl 5 Prozent niedriger. Lebhaft und steigend Türkische Tabakaktien, die 6 Proz. gewannen. Schwächer Orientbahnen um 4 Prozent. Deutsche Uebersee-Elektrizitäts» aktien weiter um 7 Prozent steigend. Kriegsanleihen fast I unverändert mit 79 Proz. Aeltere heimische Anleihen 8 Proz. Lebhast Kolon m. Papiere Pomona nach 1175 heute 1270. Neu-Guinea von 216 auf 223 gebessert. Gefragt South-Westafrika mit 167. Am Montanmarkt die Haltung nicht einheitlich. Bis- marckhütte. Bochumer, Gelsenkirchen uns Rombacher. 1 Proz. höher. Schwach Kattowitzer, die 6 Proz. verloren. Oberbedarf 4 Proz. niedriger. SchifsahrtSwert? anziehend. Am Elektromarkt Fellen- ! Guilleaume 5 Proz. und Bergmann-Elektrizität 3 Proz. höher. i Rüstungswerte wenig verändert. GrvßGerlw Tie Kohlennot. Die neuen Einschränkungen der Kohlenstelle Groß-Berlin, die heute verölfentlicht worden sind und die von ein-chnerdendster Be- deuhing für die gesamte Berliner Bevölkerung sind, enthalten manche Unklarheit. So wird bestimmt, daß der Verkehrsschlutz in Groß-Berlin um 10$« Uhr abends eipzuireten habe. Mit dieier Maßregel sollen sich ire Gastwirte. Theater- und Kinobesitzer ohn: weiteres abfinden, obwohl das Polizeipräsidium der Ausfassung ist, daß eine Herabsetzung der Polizei st unde vorläufig nicht notwendig erscheine. Die Große Berliner Straßen- bahn, der von der Kohlenstelle noch keine besonderen Weisungen zu- gegangen sind, ist der Meinung, daß der Verkehr vorläufig in der üblichen Weise weitergeführt werden dürste, da der Erlaß des Kohlenkomunssars ausdrücklich Ausnahmen zuläßt. In der Tat wird der Srraßenbahnverkehr auch oller Wahrsckein lichkeit nach eher erweitert, als eingeschränkt werden müssen. Be- kanntlich hat der Kohelenkommissar vor wenige� Tagen in einer Sitzung mit den Vertretern der Industrie erklärt, daß die Bstriche, um die sogenannte Spitzenbclaslung der Kraftwerk: zu vermeiden. zur Nachtarbeit übergehen müßten. Somit bleibt eZ ein Rätsel, wie die Arbeiter, die in den Außenbezirken wohnen, ohne Straßen- bahn oder sonstige Verkehrsmittel ihr« Arbeitsstätten nacküS er- reichen sollen. Auch zahllos andere Gewerbe, wie z. B. die Zeitungs- betriebe, würden durch den früheren Verkehrsschlutz empfindlich geschädigt werden. Es scheint hier an dem nötigen Zusammenarbeiren zwischen der Kohlenstelle Groß-Berlin und dem Reichskoblenkom» missar zu feblen. Im übrigen vermissen wir in den Bestimmungen Maßnahmen, um eine Einschränkung des Bureaudierstes rinzufiihren. Es sollt: doch auch den Kohlenbehördcn bekannt sein, daß ein Teil der Unter- nehmer, oftmals aus Bequemlichkeitsrücksichten, noch immer nicht an die Eirnührung der durchgehenden Bureauzeit herangebcn will. In vielen Betrieben, wo es nicht unbedingt erforderlich ist. wirv heute noch eine zwei- bis dreistündige Mittagszeit innegehalten. Das hat zur Folge, daß anstatt in der Mittagszeit ohne Beleuch- tung durchzuarbeiten, künstliches LMt für die Abendstunden zur An- Wendung kommen muß. Die Einfudrung der durchgehenden Arbeits- zeit hat aber auch noch den doppelten Vorteil, daß alle diese Ange- stellten nur zweimal den Weg nach dem Geschäft zurücklegen müssen, während sie bei Tischzeit viermal die Strecke fahren müssen. Durch diese Entlastung des Verkehrs wird ebenfalls Kohle gespart. Wir wollen daher hoffen, daß endlich dieser alte, berechtigte Wunsch der Angestellten zur Durchführung gelangt. Oder sind etwa die Unternchmcrintercsseu in der Kohlcnstelle sa stark, bast sie glaubt, sich bloß von diesen leiten zu lasse«? Im Jnteoesse der Angestellten sowie der Kohlenversorgung ist zu wünschen, ssaß die Koblenstelle sich unverzüglich endlich diesen Wünschen anpaßt, wenn nicht, müßte sie vom WirtschaftSministerium dazu gezwungen werden. Berhaftnng der VataillonSkassendiebe. Rasch ergriffen wurden die beiden Soldaten Hubert Diemer und Fritz Vischel, die vor einigen Tagen dem Kampsbataillon Wildemann in Litauen die Kasse mit 180 000 M. stahlen. Die Spur der Diebe fährte nach Berlin. Einem Kriminalwachtmeisier.fielen in der Friedrichstraße zwei junge Soldaten auf, die dort in den Wirtschaften mit dem Gelde nur so umberwarfen und in Geschäften große Einkäufe machten. Da das Aussehen der beiden Lebemänner genau auf die Beschreibung der BaiaillonSiassendiebe paßte, wurden sie in einem Hotel gestern abend festgenommen. Der Verdacht erwies sich als richtig. Diemer und Piichel legten gleich ein Geständnis ab; sie besaßen aber von den 180 000 M. nur noch ungefähr 50 000 M. Wie sie behaupten, wollen sie auf der Fabrt nach Berlin geschlasen haben und von Mitreisenden empfindlich bestoklen worden sein. Mit dem Verschwinden der 18 Jahre alten Tochter Charlotte des KonfektionsschneiderL Methner aus der Sieinmetzstraße zu Neu- kölln, von der man vermutete, daß sie den Dieben in die Hände gefallen sei, wollen die Verhafteten nichts zu tun haben. Ein schweres GaSunglück, das einem jungen Mädchen das Leben kostete und seine Schwsster in schwere Gefahr brachte, er- eignete sich in der vergangenen Nacht in dem Hause Gräfestraße 1. Dort wohnt seit längerer Zeit in einem abgemieteten Zimmer im vierten Stock die 19 Jahre alte Verkäuferin Peter? aus Elbing, die vor einigen Tagen den Besuch ihrer 13 Jahre alten Schwester Albertine erhielt. Die beiden Mädchen machten sich nun gestern abend auf dem Gaskocher ihr Essen zurscht. Dabei ließen sie den Hahn aufstehen und' drehten nur den Haupthahn ab. Nachdem sie sich zur Ruhe gelegt hatten, kehrte ein junger Kaufmann, der ein anderes Zimmer bctoohnt, heim und drehte ahnungslos den Haupt- Hahn weder auf. So strömte während der fllacht in der Kücke der Mädchen das Gas aus und füllte auch ihr schlafzimnrer. ohne daß sie etwas merkten. Morgen» fand man Albertine Peters tot auf. Ihre Schwester gab noch schwache Lebenszeichen von sich. Tie Feuerwehr rettete sie und brachte sie nach dem Krankenhaus am Urban, wo sie schwer daniederliegt. Von der Einwohnerwehr angesckwsscn wurde in der vergonge- ncn Nacht in Charlottenbvkg der 29 Jahre alte Kutscher Willi Volkmann aus der Kösliner Str. 21. Ter Wagen VolkmannS erregte Verdacht, als er mit noch*n«t Männern■'"'t?, großen Säcken beladen durch di? Kaiserin-Auausta-Allee fuhr. AIS er auf Anruf von Mitgliedern der Einwohnerwehr nicht hielt. schössen diese und verletzten den Kutscher am linken Unterschenkel so schwer, daß er nach dem Krankenhaus Westend gebracht werden mußte, D'n Insassen des Wagens erp-;;•« ju P.rp; kamen. Fuhrwerk und Ladung wurde:, beschlagnahmt. D:e Säcke en:hicltcn HauS- und Leibwäsche, die S. G. gezeichnet und ohne Zweifel an noch nicht bekannter Stelle gestohlen ist. Wem gehört die VrautauSsteuer? Ein« ganze Brautaussteuer wurde von der Kriminalpolizei in einer hiesigen Schankwirtschaft entdeckt und beschlagnahmt. Der Wirt sagt, ein unbekannter Gast babe sie bei ihm untergestellt und nicht wieder abgeholt. Die Aü». steuer ist ohne Zweifel irgendwo gestohlen worden. Die Eigens tümerin ist noch nicht bekannt. Tie kann sich im Zimmer 98 im Polizeipräsidium melden. Die Sachen sind durchweg M. S. gezeichnet.-v Poftverkehr. Nach einer Bekanntmachung deS amerikanischen HauptquaxtierS in Toblenz find all« bisherigen Bestimmungen übex den Postverkehr der amerikanischen Zone der besetzken deutschen Rheingebiete aufgehoben worden. Sämtliche Postsendungen sind im Verkehr mit dieser BesatzungSzone wieder in gewöhnlicher Weise nacki und von den besetzten und unbesetzten deutschen Gebieten sowie nach und bon oem Auslände zugelassen; die Briefsendungen unterliegen jedoch auch fernerhin der ameri- lanischen Zensur, die sich aber auf Stichproben beschränken wird. Zwischen Dei'.isckiland und Elsaß-Lothringen ist die Beförde- ! ning geschlossener Privatbriese jeder Art zugelassen worden. Handels-�ochschule Berlin Die erste Immatrikulation für vaS Wintersemester 1919,'20 findet am 4 Oktober, 12 Uhr, statt. Im Zidiniralspalast finden allabcndüch große internatwnal« Box- wetttample um die Meiiierfchait von Deutichlond statt. Die Training»»» l fiihrungen de? Herrn Aijreo Lutze im Seilspringen. Keulenschwingen und ' Ztotzball sind vorzügliche Leistungen, Auch d>c Erläuterungen, die dazu gegeben werden, finden beim Vudiitum reichlichen Beifall. Die voran- gehende» Spezialitäten vervollständigen das Programm. Erwähnt feien vor allem die sich? Parierreakrobaten Grunaiho? in .bren vollendeten Leistungen. Außerdem kommen moderne Tänze, oorge- führt von Cillp und Harry Clemont, die komischen Akrobaten, Trio Var- norn und da? Admiralspaiast-Ballett zur Ausführung. Marionfelde. Die Gemeindevertretung vollzog die Neuwahl der Schössen, die folgende? Ergebnis halle: Tlsieroff(Soz.). Greulich(U, Soz.), Behrodt iDem.), Dr. JaciAssohn(Dnat.). DaS LrtSfiatut zur Bildung eine? kollegialen Gemeindevorstandes ist vom Landrat genehmigt worden. Noch immer beschäftigt die Tlmts- niederlsgung des früheren Gemeindevorstehers Dr. Klsmfaß die Gemeindevertretung. Da noch schwerwiegende Momente gegen seine Person hinzugekommen sind, so ist eine endgültige Beschluß- fassuna de? GemeindeporlamentS erst in nächster Zeit zu erwarten. Eine Beschwerdeschrzst mit vielen Namensunterzeichnungen zeigt, daß er auch in der Ernährung? frage nicht die richtigen Wege einscktlug. Die LebenSmittelsielle ist unter dem Dezernat des Schössen Bevrodt sowie unter der Kontrolle des Arbeiterrates jetzt bemüht, die Einwohnerschaft zufriedenzustellen. Die.Enthüllungen" de? christlich-volksparteilichen Seier zeigten nur die HaltlosMett seiner Anklagen. In der Wohnungsfrage steht Marienfeld« ziemlich an letzter Stelle in Groß-Berlin, Für Vermietung von Wobnungen ist allein die Kommissinn unter dem Dezernat de» Schössen Tlsieroff maßgebend. Alle privaten Verträge werden da» durch hinfällig, womit die Begünstigung einzelner verhindert wird. Angenommeit wurde ein T ri ngüchke itZantrag des Gemeinbever- ! reter? Lehrer Lademann, auch die Höbe« Knaben- und Mädchenschule unter die Schnldepntatton zu stellen. Allgemeine Verwunde- rung erregte es, daß da? Kultusministerium eine diesbezügliche Anfrage vom 23. März diese» Jabrcs noch nicht beantwortet hotte. Die Gemeindevertretung sab den einzigen Ausweg in der Selbsthilfe. Friebrichshagen. Schöffcnwahl. Bei der gestrigen Schöffen- wabl waren 20 Gcmeindeverireter anwesend. Es wurden gewählt 3 Büraerliche, 2 Mehrheitslozialisten. 1 Unabhängiger. Auf unsere Liste kamen die Genossen Otto Barth und Max Hecker. Fricdrichsfclde. Torfverkanf. Die Gemeinde will einen gröhe. rcn Posten Tors ankaufen, der voratiSsichUich frei Hau» zum Preise von 10— 11 M. je Zentner abgegeben werden kann. Lieferung kapn in 8 bis 14 Tagen erfolgen. Bestellungen nimmt jeder Kohlen- Händler entgegen. Fredersdorf-PeterSbagen. Die GcmeindevorstandSwahlen erbrachten unseren Genossen in beiden Orten je den Gemeindevor« stehet und zwei Schössen. s LtvwaweS. Beim letzten Stortielt der Freien Turn- und Sport- Vereinigung im Port BnbelSberg sind gciunden worden: 1 Paar Schuhe, 2 Pomvadoitr?. 1 Spazictiiock und 1 Hausschlüssel. Abzuholen beün Turn- genossen Biete, Augustsir. SS. „Volk und Zeit", unsere illustrierk Wochenschrift liegt der hzutigzn Pastauflage bei. Grost-Berliner Lebensmittel. Stegliu. Auf Abschnitt 4S der roicn LebenZmiUslkarte noch weitere 3 Pfund Kariost'el». Dahlem. Auf die Aifchniiie 37b bis 87« der Kartosselkarte von heute ab ö Pfund Kartv'leln. Verlauf auf dem MutShof morgen von 2 di? 5 Uhr nackm. In der nächlien Woche können die Karlofjcln auf dem kSutShof an den üblichen VerkaufStagen Montag, Dienstag und Freitag von 2 bi» 5 Uhr nachm. abgeboli werden. Demnächst an Kinder, die am 1. September 1905 und später geboren nnd, an werdende und slillcnd« Mütter und on Pcronen, die am l. September 1854 und früher geboren sind, Schokolade und Kakao in kleineren Mengen zur Berteilung. Zu diesem Zwecke Sonnabend, den S,, und Montag, den 3.. von 9 bi» 12 Uhr, im KulSban», Zimmer 9, Boranmeldung unter Vorlage der Ncdenkarlen 6 dezw. C. AIS AuSweiS ist für Kinder der GeburtS-, Tauf- oder Impiichein, für werdende und stillende Muiter die Milchtarte Ä und für über 65 Lahre alte Leute eine amiliche Beicheinigung, au» der da» Alter dervorgebt, mitzubringen. Wer die Nebenkarte nicht vorweist, wird nicht berücksichtigt. Der Pcei» für ca. 100 Gramm Schokolade beträgt 1,80 M.. für 100 Gramm Kakao 2,10 M. Pankow. In dieser Woche Nindfleischkonservcn. Preis für 200 Gramm 2.13 M. Die Konserven werden einfchließlich deS Dosenge, Vichts in voller Höbe de« Marienwertes der Reichsfleifchkarte als Ersatz für Schiachtvieh- fleisch abgegeben.__ Groß-Serttne? parteinachrichten. Mariendorf-Düdende. Morgen Sonnabend, 7il, Uhr, bei Hoch, Mariendors, Chauss'cestr, 44: Sitzung deS erweiterten Vorstandes. Sämtliche Funitivnäre find verpflichtet, zu dieser Sitzung zu erscheine». Theater unö Rustt. Ein rusiisches Konzert. Zugunsten der WohltätigkeitSabteilung de» russischen Komitee» leitete Artur N i k i s ch ein philharmonisches Konzert, dessen Pro- gramm nur Kompositionen russischer Meister brachte. ES ist ein eigentümlicher Zug in dieser Musik, die ttn» in der ersten Stunde fesselt, wie ein Märchen aus anderer Welt, und die in der zweiten Stunde des Zuhören» ermüdet. Da? liegt einmal in der Beharr- lichkeit des wehmütigen�Moll, das auch dem Tanz und dem Froh- sinn nctchdenflicfce, der Wehmut sich nähernde Stimmungen schenkt, zum asideren aber an der geringen Mühe, die auch beste russische Komponisten dem Melodischen, Selbständig-Ersinderischen zuwenden. Der Grundton alle» Liedhaften, Sangbaren scheint dem Volksmund abgelauscht, auch das Formale, Architektonische verliert an Eigen- wert, die Zusammenschlüsse sind weich, wiegend, kontrastlos. Aber in der Farbenverteilung, in der Wahl der Orchestermittel, im Schwelgen der Geigen und Celli, in der lebendigen Pneumatik de» GesamtavparntS sind sie Meister, diese RunSkp-Korsakoft, Rachmani- now nnd die beiden Größeren: Glücka und TschaikowSkh. Was Nikisch brachte, war russische Musik im konservativen Stil, wenb auch die.S ch e h e r a z e d e"- Sätze einen Hauch Bcrliozschen («eisteS aufsangen. Virtuos und doch im Geschmack gebändigt, letzten Ende» sogar originell-capriciö». gibt sich da» 2. Klavierkonzert von Rachmoninow, dem Leonid Kreutzer grüblerisch und be- berzt wiederum großen Erfolg erspielte. Nach dem vbantastischen Märch.'nstück„Kikimera" von L i a d o w, der eine Schumanm'ch« Kinderszene in einen avarten Orchcsterrgbmcn eingespannt hat, krönte TschatkowSkpS H-Moll-Sintonie den Abend. Man weiß, wie Nikisch diese Partitur beherrscht. Und e» ist nur zu berichten, daß er sie auch diesmal wieder neu und jung und mitreißend zu gestalten wußte. Das Publikum, Deutsche und Russen in harmonischer Ge- meinschast. wurde de» Beifall» nicht müde. I?. 8. Vortrage, Vereine unö Vsrsommlunsten. SretreligiSse Gemeinde. Sonntag vorm. 11 Uhr in der Slotter- kirte, Klosterftr. 73»: Vortrag des Herrn Dr. H. Haff«:.Der Fluch unserer Vergangenheit'. Harmonium: S-ndmännchen(BrahmS). Gäste willkommen. GewerkschHsbewWNs Generalyersammlung der Holzarbeiter. Die am Donnerstagabend im Gewerkschaftshans tagende eneralhersammlung nahm zniiächst einen Antrag an, die im .eichstarif vorgesehene Teuerungszulage sachgemäß auch auf die ngestellten der Ortsverwaltung auszudehnen. Siegle gab dann den Geschäftsbericht über das 2. Quartal, die Tätigdleit der Ortsverwaltung sei vollkommen durch den Streik i Anspruch genommen worden. Er stellte fest, daß der Streik che- eits unter der Leitung Glockes in der Ortsverwaltung beschlossen wrden sei; ebenso die Erhöhung der Streikunterstützung um 100 Proz, Die in einer auf dem Boden der S, P. D. stehenden HolAavieiterversammlung von Glocke aufgestellte Behauptung, daß die radikale Ortsverwallung den Streik beschlossen habe, treffe nicht zu. Die Verwaltung habe vielmehr vor beschlossenen Tat- fachen gestanden. In der Streikleitung hätten auch S.P.D.-Mit- glieder gesessen, die für die Beschlüsse mitverantwortlich seien.— Der Mitgliederbestand betrug am Schluß des Quartals 20 871. Zur Erhebung der Extrabeitröge lagen mehrere Anträge vor. Nach längerer Diskussion wurde ein Antrag der Verwaltung angenommen, daß jeder Kolloge von der 19. bis 44. Woche in"der Beitragsklasse I 26 Extramcrrken zu kleben hat. Für jede in dieser Zeit abgestempelte Arbeitslosen-, Kranken- oder Streikwoche ist pro Woche eine Marke weniger zu zahlen. Beitragsklassen II bis VI zahlen die Hälfte. Es wurde darm zur Behandlung der eingegangenen Anträge geschritten. Ein Antrag der Verwaltung, die Bureauzeit von 9 ins 4 Uhr festzusetzen, wurde angenommen; ebenso ein Antrag, das Be- zirksbureau Neukölln zu schließen. Ebenso stimmte die Versamm Mitglieder horbereiteteu Plan sämtliibe Angest'llte ihrer Aemler ent. boben wurden, gab ich einen kurzen Bericht über Den Verlauf der Bewegung und brachte der Versammlung einen von den Arbeit- gebern an die Verwaltung gerichteten Brief zur Kenntnis, in dem die Unternehmer erklärten, 60 Pf. pro Stunde nicht bewilligen zu können, aber bereit wären, mit der Verwaltung zu verbandeln. Hieran anschließend führte ich aus, daß wir biSber im Verband stets grundsätzlich verlangt ballen, daß die Unternehmer bei allen j Differenzen verpflichtet wären, mit uns zu verhandeln, wenn sie nun in diesem Schreiben uns nochmalige Verhandlungen anbieten, müßten wir auch in Verhandlungen mit ihnen eintreten. Das � wurde infolge der Beeinflussung der Führer der U.-S-P.-Mit- glieder nicht gewünscht, sondern beschlossen, der am anderen Tage stattfindenden Vertrauensmännerversammlung die endgültige Be- schlußfassung über den Streik zu übertragen. Der Beschluß über � Eintritt in den Streik bat somit unter meiner Leitung nickü statt- gefunden. Ich hätte aber auch, sofern ich die Leitung weiter ge- habt hätte, entschieden darauf bestanden, daß, bevor der Eintritt in den Streik beschlossen, nochmals mit den Unternehmern der- handelt worden wäre— selbstverständlich aus den mich während meiner langen Tätigkeit als Bevollmächtigter der Verwaltung Ber- lin stets leitenden Gründen, den Verband und die Kollegen vor schweren Opfern zu bewahren. Und ich stehe auch heute noch auf dem Standpunkt, daß diese Verhandlungen sicher das Ergebnis ge- zeitigt hätten, das nach sechswöchigem Streik, und zwar auch erst durch Verhandlungen mit den Arbeitgebern erreicht wurde. MMMWrl die Zusammensetzung der Ottsverwaltung und der Svezialkom- Missionen betreffend, wurden gleichfalls angenommen. Ein Antrag der Vergolder, im Reglement den Absatz, der die wilden Streiks betrifft, zu streichen, fand Annahme. Es können also in Zukunft Streiks ohne Zustimmung der Ortsverwaltung stattfinden. Usber einen Antrag, Dammer und Legten aus dem Verbände aus- »uschließen, weil„ihre arbeiterfeindliche Handlungsweise mit den lnsichten und Pflichten eines organisierten Arbeiters unvereinbar ist", entstand eine kurze Diskussion. Bei der Begründung dieses Antrages wurde auSgefühtt, daß der Ausschluß Legiens wegen seiner Haltung in der Frage der belgischen Arteiterdeportationen notwendig sei. Der Antrag wurde angenommen.(!) Ein Antrag, keine Beiträge für die Angestellten an die Unterstützungsvereim- gung der in der modernen Ärbeiterbswegung tätigen Angestellten zu bezahlen, wurde ebenfalls angenommen.— Bei den Ersatzwahlen zu den Revisoren wurde Schneider gewählt. * Pom Genossen Th. Glocke wird uns zu den Ausführungen Sieglez folgendes geschrieben: Die von Siegle aufgestellte Behauptung, daß die alte Orts- Verwaltung den Streik beschlossen habe, entspricht nicht den Tat- fachen. In der Ortsverwaltungssitzung, die vor der Generalverfamm- lüng am 30. April ftattgeffinden hat, drängten die U..-S.-P.-Mit- glieder auf foforRge Durchführung der gesamten Forderungen, die nach den Vereinbarungen der Zentrawerhandlungskommission for- muliert wurden. Da ich einen allgemeinen Streik zur Erreichung der Forderungen nicht für notwendig und ratsam hielt, schlug ich vör, daß die Forderungen von den Kollegen sämtlicher Betriebe ihren Arbeitaeöern vorgelegt werden sollten und wo die Bewilligung versagt würbe, sofort Meldung an das Bureau der Verwaltung erfolgen sollte. Je nach dem Ergebnis dieses Vorgehens sollte von der Verwaltung weiter« Stellung genommen werden. In der hier- auf stattfindenden Generalversammlung am 3. April, in oer be- kanntlich nach dem in hesondexen Zusammenkünsten der U.-S.-P.- I» einer Versammlung der Gold- und Silberarbeiter erstattete B e Ei r e n d den Bericht über die Tariioerbandlungen. Die Arbeits- zeit ist auf 4S>/z Stunden pro Woibe festaelegt worden. Ueber den Urlaub ist es nocb zu keiner Einigung gekommen. Auf die Löbne ist ein allgemeiner Zuschlag von 23 Pf. zugebilligt worden. Für Akkordarbeit beträgt der Zuschlag 13 Vroz. An Grundlöhnen sind folgende Sätze bewilligt worden: Fasser, Juweliermonieure, Gold- id&miede, Hammerarbeiter 3 80 M.; Reparatur-, Montier-, Besteck- arbeiter 2.73 M.: Hilfsarbeiter 2,63 M.. weibliche 1,73 M.; Poliere- rinnen 1,75. M. ssür Jung-Ausgelernte fordern wir im 1. Jahr 2 M.. im 2. Jabr 2.30 M. Des weiteren für die ersten beiden Ueber- stunden 25 Proz., die nächsten beiden 30 und weitere Usberstunden sowie Sonntagsarbeit 100 Proz. Zuschlag. Außerdem müsse sür alle im Betriebe Beschäftigten die Heimarbeit verboten werden und für berufliche Heimarbeiter müsse die Zustimmung des Arbeiter- ausichusseS eriolgen. Ueber diese Forderungen werde noch mit den Arbeitgebern verhandelt werden. Der Redner empfiehlt die Annahme des Angebotes. In der Diskussion wird die Erböbung des Junggesellenlohnes auf 2.25 und 2,73 M. gefordert. Die Versammlung beschließt dem- gemäß. Die übrigen Punkte werden gegen wenige Stimmen an« genommen. Cbcmiker- und Jogenieurtarif. Die Tarifverbandlungen in der chemischen Industrie Groß-Berlins baben am 4. d. M. zu einer Einigung der BerbandlungSousschüsse yefübrt, die von den ab- schließenden Verbänden noch zu bestätigen ist. Für Chemiker und I Ingenieure mit abgeschlossener Hochschulbildung wurden vereinbart: 500 M. monatl. Mindest-AnfangSgebalt, 5 Zulagen zu 60, 5 Zulagen zu 50 M., bis 1050 M. Mindestgehalt im 11. Berufsjahre. Auskunft erteilt Bund angestellter Chemiker und Ingenieure, W 35, ' Potsdamer Str. 86._ Lohnbewegung in den Wurstfabriken. Mit einer gutbesuchten öffentlichen Versammlung leitete der Zentralverband der Fleischer ein� Lohnbewegung für Groß-Berlin ein. Kr a u s e führte aus, daß trotz der großen Arbeitslosigkeit im Beruf Vorstand und Pertrauensmännerkonferenz sich einmütig für die Kündigung des am 2. JanucH abgeschlossenen Tarifs für die Wurstfabriken airsgesprochen hatten. Die neue Tariftorlage des Vorstandes haben die Vertrauensleute mit einigen Abänderungen gutgeheißen. Es wird eine Lohnerhöhung für Gesellen unter 18 Jahren von i 75 M. auf 100 M., für Ge'ellen über 18 Jahre von 90 M. auf ' 130 M. gefordert. Von Bedeutung ist eS, daß tn unserem Gewerbe zum ersten Male für die Lehrlinge tarifliche Löhne gefordert werden, und.zfwar inkl. Kost und Logis im 1. Jahre 10 M., im 2. Jahr« 15 M., im 3. Jahre 20 M. pro Woche und achtstündige Arbeitszeit. Der Ausbeutung der Lehrlinge soll hierdurch Einhalt geboten werden. Ferien werden im 1. BeschäftigungSjahr 4 Tage, in jedem wei- teren 2 Tage mehr bis 14 Tage gefordert. Laut Schlußbeftimmun- gen sollen die Arbeiterrät« von den Arbeilgebern besoldet werden, was bisher nicht durchzusetzen war. desgleichen soll den Vertrauens- niännern das Mitbestimmungsrecht bei Einstellungen und Enk- iafsungen zuerkannt werden. Zum 2. Punkt„Die Brotlosmachung der Gesellen durch die Meister" referierte P o I l i n. An Hand von Beweisen legte er dar, wie die Meister die wenige Beschäftigung im Beruf an sich reißen wollen und mit Hilfe der Behörden für sich Privilegien schaffen, da? Wohl der Gesellen kümmett sie nichi. So werden auf dem Berliner Schlachthof Meister bei der Speckvettcilung mit 20 M. Tagelohn beschäftigt, welche in der Stadt ein offenes Geschäft betreiben. Recht bezeichnend sei ts, daß laut amtlicher Fleischerzeitung die Gelb- Christlichen Bundesgesellen mit den Meistern für die Aushebung dc? Achtstundentages agitieren, wodurch die Arbeitslosigkeit nur noch größer wird. Pflicht aller Kolleginnen und Kollegen sei es, trotz der auzen- blicklichen schlechten Arbeitslage ausreichende Lohne zu fordern; um diese auch durchsetzen zu können, sei ein fester Zusammenschluß in der Berufsorganisation, dem Zentralverband der Fleischer, not« wendig._ Die Seifenarbeiter Berlins, die im Verband der Fabrikarbeiter eine selbständige Gruppe bilden, hielten am Mittwoch abend im GewerislbaftSbauie ihre Branchenversammlung ab. Aus den AuS- sührungen des Branchenleiter« Poch ist zu entnehmen, daß der Reichstarif für die Seifenindustrie gekündigt ist und nur bis Ende dieses Monats Gültigkeit hat. Eine Konferenz der Seifen- arbeiter, die am 24. August in Hannover stallsand. hat sich bereits mit einem neuen Tarifentwurf beschäfftgr. Berlin war ebenfalls durch einen Delegierten vertreten und sind die Wünsche der Berliner Kollegenschaft dem Kongreß unterbreitet worden. Nicht nur inbezug auf Löhne, sondern auch betreffs Ferien u>w.. werden von den Scifenarbeitern erbebliche Verbesserungen gefordert. Tie Seifen- aibeiter hatten immer unter den schlechtesten Lohn- und Arbeits- bedingungen zu leiden und sind nicht mehr gew llr sich mit völlig unzureichenden Löhnen zufrieden zu geben. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, daß von einzelnen Arbeitaebern, die sich von dem Schreck, von dem sie am 9. November befallen wurden, erholt baben, eine Sprache geführt wird, wie eS in den 80er Jabrcn üblich war. Andere Tiskuisionsredner machten die Kollegen der- artiger Betriebe darauf aufmerlfam, daß sie mitschuldig sind, wenn derartige Zustände bestehen. Gegen die Akkordarbeit. In einer ani Dienstag tagenden Versammlung der Drechsler« und Treppengeländerbranche hielt der Kollege K i tz i n g ein Reserat über Lobn- oder Akkordarbeit, worin er sich für Akkordarbeit aus« sprach. Die Versammlung war ober anderer Ansicht. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die heurige Versamm- lung beschließt, überall dort, wo noch nicht die Lohnarbeit ein- gesübrl ist, diese sofort einzuführen, mit allen uns zu Gebote sieben- den Mitteln zu verleidigen und zu seiner höchsten Vollkommenheit auszubauen._ Jugenöveranftaltungen. Wedding. Heute 7 Uhr im Jugenheim der 14. Realschule(Gesang- saal). Lütticher Straße 36: Musrkabend und Vorbesprechung zur Wanderung nach EberSwalde. Berantw. fllr den redaktton. Teil: Alfred Scholz, Neukölln: für Aiizeiq-n: Theodor SioSe, Berlin Verlag: Borwärts-Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts» Buckdruckerei und Lerlaasanitalt Paul Singer II. Co. tn Berlin. Liildcrrftr. s. Unkte- ftanos Vertauf im Fabrilmagazm N 31, Wattstr. 17/18. 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