Nr.45?.3S.I-hrg.(20 Pfennig) ©fgttfl«t>rei»i v �5*««zeigeuvrei»» Si törii 0l)rL»/— SRI. monoll ti— BS.\Mf D» od)tgc)poltfiw Nonp-reM-zeN« frei w« S-ni».-orau, jahlb» Poft. a. Av-An.-A.. a MM| l-ft-l iLo Mi.«leiu»«nz-ig-»-. dezug- Monatlich 1�-«l. exti. ga. WW�W� MI I. Jk. JL.' A.\ Ax MI da» iengedruckte«ort S0 Psg.(»uläsfta stellung-zedlilir. Unter«renjlxnld fite«�WQVP iT TB«»/ WMr,- All..» ieNgedruckte Worte), i-des weit«« Deutschland und O-fterretch. Ungar» MM MM MM DM Hj DM I Wort«0 Pfg. Etellengefuche und «Lb M. fitr da» lldrtg,«u.land MM MM! MM W H f/ MD H B DM MD B // H[ Schl-Mellenanzeig-n das erste Wort wZZMl.dei»iigltcheMmal.SnstelIu», MS B DM B B MD B B B MD lA B MM\ //*0«fg. I-des weiter« Wort, so Pfg. B3b Ml. Postdest-llungen nehmen an B B B—/ B MD B B B B W} B B i/ Borte über 15 Buchstaben zählen Für Dänemarl, Holland Luxemburg, �BB fpMH I DM �M �M DMD MM mW �M MW MM zwei Worte. Teuerungszuschlag Wh, Schweden u. die Schweiz. Eingetrage» ���M I MM DM �M UM �Mi �M MM DM Aamtllen- Anzeige» volitische und in dt« Post-zettung»-Vrrt»ltst«. �MW MM B �Bv� B gewerkschaftliche Verein-. Anzeigen Der.»orwär,«- mit der Sonntag«. �M MM| � J�äX // B ,'50®t<>le SeUt-?ln>e,9cn kill die d«ll-ge.PaU u. gelb'«rschetm wachen. DM I I �Mx �w/ V �MMV // nächst» Nummer mllssen bis» Uha täglich zweimal. Sonntag» einmal. nachmittags im Hauptgeschäsi. Verlw _•* J®®®' Lwdenstraße 8, abgegeben ää.. �Verlinev Volksblatt. Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Keüaktion unü Cxpeöition: EW. öS, Ltnüenstr. Z. lAn»,»,tnn bett 7(Srtitrmftrr 1A1d i vorwärts-verlag G.m.b. h., SW. öS, �inSenstr.S. ae«n>.red,er- Ami Marilivlan. Nr. 1�190-15197.__ vjPOHIItlig. PCIt i. wOpteitlOCI: AlfAjf« Fernw-ech«-«m. M-rchPiad. Nr. IITSZ-St� Oesterreich unterzeichnet. Gestern hat das deutschösterreichische Parlament die Un- nähme des Friedens beschlossen. Diese Bedingungen der Sklaverei, der nationalen©elbstentsagung und der wirtschaftlichen Unterdrückung, gegen die die unserm Baterland auferlegten schweren Berpfllchwngen nur ein Abklatsch sind, muß die österreichische Volksvertretung, dem Druck der Gewalt folgend, annehmen. Als Nation hat Deutschösterreich aufgehört zu existieren. Die„Republik der beut- schen Alpenlande", wie sie Staatskanzler Renner bezeichnete, Hot keine nationale Lebensfähigkeit, wenn es ihr nicht gelingt, sich mit den Deutschen diesseits der Sudeten und des baye» tischen Waldes zu vereinen. So ist ihr Protest gegen den Raub des nationalen Selbstbestimmungsrechts auch unser Protest. Nach dem Völkerbund der Gewalt, der jetzt in Paris begründet worden ist, wird der Völkerbund der Versöhnung kommen. Auf ihn setzen'auch wir unsere Hoffnung. Erst wenn die wahre Demokratie der Völker begründet worden ist. wird das Recht sich bahnbrechen, das jetzt der Gewalt weichen mußte: Erst dann wird die Bahn frei sein für das neue Deutschland aller Stämme. Bis dahin können wir nur den bitteren Schmerz unserer österreichischen Brüder teilen. ' gen Entwurf« vollzogen. Die FriedenZ'delegation mußte wegen der absurden Diktionen des ursprünglichen Entwurfs einen zähen Kamps führen, dessen Ergebnis in dem Friedensvertrag vorliegt. Dennoch bleibt, die uns aufgebürdete Last ungeheuerlich, und jeder deutschösterreichische Staatsbürger empfindet, daß uns durch die Auseinandersetzung mit den Nationalstaaten unsiihnbares Unrecht geschehe, daß der Kampf der Friedensdelegation u m das Selbstbestimmungsrecht aller Deutschen in Oesterreich in der Hauptsache ohne Erfolg geblieben sei. Die vorher zwischen den alliierten Mächten geschlossenen Verträge bilde- ten hier ein unübersteigbareZ Hindernis. Die im Entwurf vor- gesehene nationale Begrenzung spricht jeder Grundsätzlichkeit Hohn. Es gäbe keinen Deutschen, der die Loslösung der Sudeten- deutschen von den Alpendeutschen nicht als nackte Vergewaltigung empfinden würde.(Lebhafter Beifall.) Die Aufrichtung der Brennergrenze im Süden bedeute ein schneidendes Schwert mitten im Herzen des Tiroler Volkes, das seine Heimat und Einheit dieser Heimat über alles liebt. Auch das ist ein Unrecht, daS kein Volk jemals vergessen kann.(Beifall.) Nur in bezug auf die Volksabstimmung im südlichen Kärnten und bezüglich eines Teiles West-Ungarns werde das Selbstbestimmungsrecht ge- währt. Der Friedensvertrag legt uns die bittersten nationalen Opfer auf, und jedes Herz ist darüber von Trauer und Bitternis erfüllt. Alle Herzen vereinigen sich heute in dem Wunsche: Möge der Völkerbund, auf den wir hoffen, das Unrecht, das Saint Germain aeschaffen hat, wieder aus der Welt schaffen. Das nationale und politische Ergebnis des Friedens von Saint Germain ist, daß unsere Staatßbezeichnung Deutschijfterreich nicht mehr den ' J Tatsachen entspricht. Infolge der Trennung der Süddeutschen von den Alldeutschen ist unser Staat, seinem Wesen nach n,ur mehr eine,.... Republik der deutschen Alpenlande, die durch ihre Lage und ökonomische Gebundenheit von selbst ge- halten ist, eine Politik des'Friedens und der Freundschaft mit allen Völkern zu machen; aber mit dem gewaltigen Unterschied, daß wir durch den Krieg verarmt und nur ein Bruchstück von einem Wirt- schaftskörper sind. Das Gefühl dieser Verarmung, da» Gefühl, als Bruchstück nicht selbständig leben zu können, sondern nur zusammen mit unseren Nachbarn, das Gefühl der nationalen und kulturellen Ge- meinschaft mit den Deutschen des Reichs(Beifall) bestimmte die Nationalversammlung zweimal feierlichst den Anschluß an daS Deutsche Reich zu verkünden. Es gehört zu meiner schmerzlichen Pflicht, dem Haufe zu verkünden, daß der Friedensvertrag uns die Freiheit dieser Entschließung nimmt. Wir müssen versuchen, zunächst allein zu stehen. Da wir es müssen, müssen wir es auch wollen. Aber auch in dieser Frage soll der Völkerbund entscheiden, und das Ideal der Bereinigung mit dem deutschen Mutterlande kann nur mehr vollzogen werden im Wege der Verhandlungen mit dem Völker- bunde, im Wege der Usberzeugung der Großmächte von der Not- wendigkeit dieses Anschlusses. Ich bin nicht berufen, d;� tön ftige Politik Deutsckösterrsichs vorher festzulegen, aber ich hege mdne persönliche Usberzeugung, daß Deutschösterreich diesen Weg zur gegebenen Zeit unter geeigneten Umständen in loyalster Weise de- schreiten wird. Das neue Staatswesen hat mit den sage- nannten österreichischen Traditionen nichts zu tun.(Lebhafter Beifall links.) Der StaatSkanzler empfahl schließlich der Nationalversamm- luny gemäß dem Beschluß des Kabinettsrates den Vertrag zu unter- zeichnen.»Wir können weder den Krieg wieder aufnehmen, noch können wir weiterleben in dem Zustande, in dem wir uns befinden. Bringen Sie das Opfer und schließen Sie die Vergangenheit ab, und möge sie uns den Weg in die Zukunft weisen.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die deutschösterreichische Nationalversammlung nahm nach längerer Debatte den vom Hanptausschlust vorgeschlagenen Beschlußautrag, wonach der StaatSkanzler beauftragt wird, den Friedensvertrag unter Protest zu unterzeichnen, an. Der� Protest wurde einstimmig und der Auftrag an den StaatSkanzler, den Friedensvertrag zu unterzeichnen, mit st? gegen 23 Stimme« angenommen. Konferenz öer norüifthen Arbeiterparteien. (Eigener»rahtbericht de«„Vorwärts".) Kopenhagen, 6. September. Der vvn den Gewerk- schasten und den sozialistischen Parteien«ingesetzte Aus- schuß für Zusammenarbeit der skandinavischen Arbeiter« organisationen deichloh 1S17. mit Schluß de» Weltkriege» die Abhaltung eine» skandinavischen Lrbeiterkongresie« vorzubereiten. Die Borfitzenden der schwedischen und norwegischen LandeSorganisatiomen sowie der Lorfiyende der sozial- demokratischen Partei Dänemarks haben nun in einer Beratung beichlofien. den Borfitzenden der Lande« organisationen und der Parteien der drei Länder den Vorschlag zu diesem Kongreß um den L Dezember ia Kopenhagen zu muerdreilea. Kautstp gegen Spartakus. Im Verlag Neues Vaterland(Berger u. Co., Berlin) ist dieser Tage ein Buch Karl Kautskys erschienen, das in der sozialistischen Welt die größte Beachtung verdient.*) Kautskys Buch ist eine auf ein umfangreiches historisches und nationalökonomisches Material gestützte Anklageschrift gegenden Bolschewismus und seine deutsche Neben- strömung, den Kommunismus oder Spartakismus. Mit dem ganzen Rüstzeug der Wissenschaft belvaffnet, tritt der hervor- ragende Verfechter des Marxismus gegen diese Zerstörer der sozialistischen Arbeiterbewegung in die Schranken. Das Buch gibt eine gedrängte Geschichte der Revolutionen seit 1783, es stellt die Schreckensherrschaft und die Pariser Kommune von 1871 mit dem Regime des Polschewismus in Vergleich mit dem Ergebnis, daß dieser wohl mit der Schreckensherrschaft starke Aehnlichkeiten besitzt, n i cht aber niit der Kommune, die sich trotz einzelner von ihr nicht ge- billigter Ausschreitungen vom Geiste der Demokratie und der Humamtät leiten ließ. Kautsky, dem es darauf ankommt zu beweisen, daß sich der Bolschewismus zu unrecht auf die Kam- lnune beruft, läßt die Tatsache ziemlich weit in den Hinter- grund treten, daß auch die Kommune ein verunglücktes, weil mit den wirklichen Reifeverhältnissen der Gesellschaft nicht rechnendes Unternehmen war, doch hat er zweifellos recht stiit der Feststellung, daß das. Grundprinzip der Kommune sticht der Trrorismus war, sondern das allgemeine Wahl- recht. Der Terrorismus aber entnervt die wirklichen revo- lutionärev Energien, er erzeugt in den breitesten Massen ein Gefühl der Erschlaffung und des Widerwillens und sein Sturz wirkt als Befreiyng. So erging es der Herrschaft Robes- pierres, so wird es nach Kautskys Urteil auch den gegen- wältigen Machthabern Rußlands ergehen, wenn sie nicht, woran Kautsky zweifelt, noch im letzten Augenblick die Kraft finden, auf den Weg der Demokratie, der Menschlichkeit und des wissenschaftlichen Sozialismus zurückkehren. Die Verteidigung der Kommune hat aber im Zusammen- hang von Kautskys Darstellung ihren besonderen Sinn, Haben doch die Theoretiker des Kommunismus sich stets ale die einzig richtigen Marxist e n ausgegeben, weil Marx der Kammune seine Sympathie bekundet hatte, der Bolsche- wismus aber weiter nichts als ihre Wiederauferstehung und Fortsetzung sei. Mit dieser Geschichtsklitterung sowie mit der ganzen Legende vom„marxistischen" Bolschewismus wird gründlich aufgeräumt. Kautskys Kritik an der Sowjetherrlichkeit ist, trotz der tollen Beschimpfungen, denen er von jener Seite ausgesetzt ist, frei von Gehässigkeit und nicht ohne menschliches Ver- ständnis. Ohne weiteres wird zugestanden, daß die Bolschc- wiki int Augenblick, in dem sie die Herrschaft ergriffen, vom besten Willen und von den redlichsten Absichten gegenüber der Arbeiterklasse beseelt waren. Aber es war in Kautsftis Augen wie in den unseren der Sündenfall der Bolschewiki, als sie die russische Nationalversammlung wegen ihrer mißliebigen Zusammensetzung auseinanderjagten und unter dem Schein einer neuen Staatsordnung, des Räte- systems, ihre eigene absolute Parteidiktatur errichteten. Seitdem ist die Geschichte der Bolschewistenherrschaft ewe Geschichte des Terrors, der Korruption, der verunglückten Sozialisierungsexperimente, deren Fehlschlag zur Wiederaus- nähme der alten Methoden führt.-Kautsky weist im einzelnen nach, wie die Bolschewiki immer schließlich zum Gegenteil dessen kommen, was ihr Ziel gewesen war: sie waren Gegner der Todesstrafe und arbeiten mit Masienerschießungen, sie zerstörten den Militarismus und bauten ihn dann wieder auf, sie machten die Intellektuellen zu Parias, mußten sie dann wieder zur Leitung der Betriebe heranholen, und statteten sie nun sogar mit diktatorischen Befugnissen aus, wodurch die Räte wesenlose Schatten wurden. Als Resultat des Ganzen erwartet Kautsky nicht die klassenlose Gesellschaft, sondent die Schaffung neuer Klassenscheidungen, und nicht den So- zialismus, sondern einen neuen Kapitalismus. Dieser neue Kapitalismus zieht seine Kraft aus den Tat- fachen, daß der Bauer Privatwirtschafter und Warenproduzein ist. daß ein weitverzweigtes Schleichhandelssysteni besticht und daß den: ausländischen Kapital Konzessionen erteilt werden. Was als der sicherste Sprung ins Neue gedacht war, erweist sich schließlich als ein Krebsgang zurück ins Alte. Kautsky weist dann nach, wie trügerisch die Hoffnungen sind, die der Bolschewismus auf die Weltrevolption setzt. Helfen könnte ihm nur eine Revolution, die die jetzt *) Karl Kautsky. Terrorismus und ftomjmuitsnm». Ei» Beitrag zur Naturgeschichte der Revolutionen. Verlag Neues Vater» lond(E. Berger u. Co.), Berlin, Preis 4 R. Der Protest. Wien, K. September. In der deutschösterreichischen Nationalversammlung erstattete StaatSkanzler Dr. Renner Bericht über den Verlans und daS Ergebnis von St. Ger- main. Der christlichsoziale Abgeordnete Hauser legte uamcns deS Hauptausschusses einen Beschluhäntrag vor, worin dir Bericht des StaatSkanzlerS' zur Kennwis genommen und vor aller Welt feier- lich dagegen protestiert wird, daß der Friedensvertrag von St. Germain unter dem Borwand, die Unabhängigkeit Deutschöster. reich« zu schützen, dem deutschösterreichische» Volke daS Selbst- be stimmungsrecht nimmt und ihm die Erfüllung seines Herzenswunsches, seine wirtschaftliche, kulturelle und politische Lebcnsnotwcndigkeit, die Bereinigung Deutschösterreichs mit dem deutschen Mutter- lande, verweigert. Die Nationalversammlung spricht die Hoffnung aus, daß, sobald der Friede den Geist nationaler Gehässigkeit und Feindselig- keit, den der Krieg hervorgerufen habe, überwtntden haben wird, der Völkerbund auch dm deutschen Volte das Recht auf Einheit und Freiheit der Nation, da? er allen anderen Völkern gewährt, nicht dauernd verweigern werde. Die Nationalver- sammlung protestiert ferner gegen die gewaltsame LoS- r e i ß u n g von 3� Millionen Sudetendentsch-en und Alpendeutschen und ihre Unterstellung unter die Fremdherr- fchaft eines Volkes, das sich selbst im Friedensvertrag als Feind bekennt. Die geschichtliche Berantivortung für diesen Ratschluß legt die Nationalversammlung auf daö Gewissen fnicr Mächte, die ihn trotz unserer ernstesten Mahnung ausführen. Di« Nationalversammlung erhebt weiter vor der gesamten Kultnrwelt Klage und Protest über die Abtrennung de« deutschen Südtirols von seinem einheitlichen Heimatland Tirol und den übrigen Deutschen der Alpenländer und damit von seiner Nation. Sie erwartet, daß der Völkerbund das unfaß. bare Unrecht, das an den Sudetendrutschen, an Deutsch-Süd- tirol sowie an wichtigen Teilen Kärntens, Stciermarks, Niederöster- reichs verübt werden soll, rhebaldigst wieder gut mache« wird und entbietet den abgetrennten Volksgenossen im Norde» und Süden hcißestens Segenswunsch für die kampfreiche Zukunft. Die Nationalversammlung nimmt mit Befriedigung zur Kenntnis, daß die alliierten und assoziierten Mächte den Anspruch der Bereinigung Deutsch. WestuugarnS mit den beut- schen Alpenländern anerkannt haben. Die Nationalversamm- lnng entnimmt der Antwort der alliierten und assoziierte« Mächte d« Zusicherung, daß sie- willens seien, unserer außerordentlichen Bedrängnis Rechnung zu tragen und uns die notwendigste Existenz zu sichern. Sie ist bereit, das Möglichste zu leisten, um die Bcr- gangenheit abzuschließen und sich eine neue Zukunft unter de» Völker» ,u eröffne«. Doch hält dir Nationalversammlung einen große» Teil der wi-ttschaftliche« und finauzielle» Bedingungen für undurchführbar und befürchtet, daß unser Volt sie einfach nicht ertrage» kann. Dennoch bleibt ihr keine Wahl. Sie sieht im Bölkcrbund jene Lnstauz, die berufen sein wird, auch unserer Republik ihr Recht wiederzugeben und dauernd zu sicher«,»ad beauftragt de« Kanzler, de» Friedensvertrag z»«nterzeichnen. Die Reüe Renners. StaatSkanzler Renner kennzeichnet« feine Bericht« über die Friedensverhandlungen, den Wandel, der sich im ganzen Seifte der zriitutSdcvtngungen zwischen de« erstmalige» und de« endgülti» tn NMrind bestehenden Zustände in ganz Europa verallge- meinert. Tas wäre aber nach Kautskys Ueberzeugung weiter nichts �ls die„Entfesselung von Bürgerkriegen in der ganzen Welt für ein Menschenalter", aber nicht Entfesselung eines wirklichen Klassenkampfes, son- dern„des Bruderkampfes zwischen den Pro- letäriern". In schärfsten Worten wirft Kautsky den deutschen Kom- muni sten vor, das; sie durch die Gefolgschaft, die sie dem „tatarischen Sozialismus" leisten, den deutschen Sozialismus gespalten �ind die deutsck)e Revolution gefährdet haben. Wollte d-e Sozialdemokratie sich nach dem Krieg als Herr- schende Macht behaupten, dann war die sofortige Wieder- Vereinigung eine dringende Notwendigkeit. Aber durch die prorn ä che Propaganda, die„bei den Unabhängigen starke bolschewistische Tendenzen auslöste", sei ein neuer trennender Keil in die sozialistischen Reihen Teutschlands eingedrungen.' Nur die Demokratie, mit deren Hilfe man freilich auch nicht„mit einem Satz aus der kapi- talisti schon in die sozialistische Welt hinüberspringen" könne, biete den Weg zur Rettung. So KautSky, der es. entsprechend seiner Parteistellung, gelegentlich auch nicht an scharfen Ausfällen gegen die Mehr- heitspartei und ihr„Noskcregiment" fehlen läßt. Was Kautsky dos„NoSkereaiment" nennt, hat in der Partei sicher keine begeisterten Anhänger, am allerwenigsten, wie wir genau wissen, an Noske selbst. Aber weder N„ske noch ein anderer von uns wird in Kautskys Darlegungen den Weg finden, der vom„Noskeregiment" hinwegführt, der uns der fürchterlichen Aufgabe enthebt, die Demokratie gegen einen irr egeleitetenTeildereigenenKlasse durch den Belagerungszustand verteidigen zu müssen. Wir können durch Kautsky im Gegenteil nur' 'n der Ueberzeugung bestärkt werden, daß wir die Arbeiter- klassc mit allen brauchbaren Mitteln vor dem entsetzlichen Unheil des Bolschewismus schützen müssen. Weiß Kautsky, wie man das machen kann, ohne Begleiterscheinungen tragen zu müssen, die auch uns im höchsten Maße widerlich und be- dauerlich sind, so mag er es sagen: die sozialdemokratische Partei wird Von ihm gern Belehrung annehmen und ihn als Befreier aus einer Lage begrüßen, die sie sich selber wahr- lich nie gewünscht hat. Kautskys Buch zeigt uns aber deutlich genug, daß der Schlüssel der Situation bei den Unabhängigen hegt. In dem Augenblick, in dem sie Kautskys geistige Füh- rung annehmen, gibt es zwischen ihnen und uns keinen grundsätzlichen Gegensatz mehr, sondern höchstens nur noch taktische Meinungsverschiedenheiten, die sich in kameradschaft- lieber Aussprache ausgleichen lassen. Bis dahin aber werden wir, fürchte ich, noch einen recht beschwerlichen Weg zu gehen baben, den wir im Bewußtsein unserer ungeheuren Verant- wortung nicht früher verlassen können, als bis man uns «uöi anderen �cigt. Friedrich Stampfer. * 0 Ms Kautskps neuester Schrift. Lov der Pariser Kommune. Nachdem sich die Kommune konstituiert hatte, übergab ihr das Berctralkomitee seine Macht, am 28. März. Ja. es machte sogar Miene, sich vollständig aufzulösen. Doch die Kommune bestand nicht darauf, und so fungierte es weiter unter der Kommune als Teil ihres militärischen Apparats. Das diente nicht zur Verein- iacknuig der Geschäfte und zur Vereinheitlichung der Kriegsführung. «der daS Zentralkomitee versuchte«ie� das Prinzip anzutasten, daß den Erwählten des allgemeine« Stimmrechts die»berste Macht ge- bühre. Nie erhob eS den Anspruch, daß alle Macht den Arbeiter- und Soldatenräten, das heißt, im vorliegenden Falle dem Zentral- komitee der Arbeiterbataillone, zufallen solle. In diesem Punkte war also die Pariser Kommune das gerade Gegenteil der russischen Sowjetrepublik. And doch schrkib Friedrich Engels am 18. März 13!>1, am zwanzigsten Jahrestag der Pariser Kommune: Heimkehr. .Ein Zug voll Soldaten l Frau Mark, können daS Kriegsgefangene fein?" Erregt beugt sich die iunge Arbeiterin aus dem Fenster, schaut dim Zug nach, der im Gewirr des Bahnhofs verschwindet. Die Angeredete sitzt im Hintergrund der Küche, hebt ein sorgenvolles Gesicht scheu zu der Sprecherin, die immer noch dem Zng nach- starrt, auf. In ihrer Seele nistet die Sorge. Die dort am Fenster hofft und harrt nun fünf Jahre auf den einen, der tnS Feld zog und um den sie trauerte, bis überraschenderweise, als alle ihn schon tot geglaubt, eine Nachricht aus einem englischen Hospital sagte, daß er lebe. Seitdem ist da? Versprechen, daö er ihr gab, bevor er in? Feld zog, da? Versprechen, mit ihr nach dem Krieg gemeinsam des Leben» Sorgen und Freuden zu teilen, die Stärke gewesen, die sie das harte wirbelnde Leben der vermögenslosen Arbeiterin während der KriegSzeit gerade utrd unbe schmutzt durchschreiten ließ. Sie weiß es. die Mutter des Kriegsgefangenen, daß seine Braut den Durst nach Freude und nach Lust unterdrückt hat, um sich für den einen, den Fernelr, zu bewahren, sie weiß, daß die Gedanken an ihn das junge Mädchen an den Winterabenden in dem kalten, halbdunklen ZimmSr bleiben, wunschlos über die Straße nach den hell erleuchteten jdaffees und KinoS hinüber- schauen und geizig Pfennig aus Pfennig zur Sparkasse tragen ließen. Und doch kann kein Stolz, keine Freude in ihr aufkommen. In ihrer Seele nagt und frißt die Furcht, die Sorge um die furcht- bare Enttäuschung des Mädchens. daS sie wie eine Tochter lieb- gewonnen hat. In ihrer Seele hat sie eine Nachricht verschlossen, die sie auS England bekam, die Nachricht, daß man ihrem Sohn hatte beide Füße abnehmen müssen. Und noch eins hat die Mutter zwischen t«n Zeilen der Briefe gelesen.-twaS. was die liebenden Augen de? Mädchen? nicht sahen: Eine totwunde Gleichgültigkeit dem Leben gegenüber, eine krankhafte Scheu vor der Arbeit, vor allem, wonach sich gesunde Leute drängen. Sic weiß, das Glück für das Mädchen ist schon da. SS wird ihr einziges bleiben, dies« starke Hoffnung auf den einen. Ist er da— sie wagt nicht auszudenken, wie da» junge Mädchen sich dreiirfinden wird, statt eines starken, lebenskräftigen, geliebten Menschen einen Krüppel an Leib und Seele zu empfangen. TränenloS starren ihre Augen zu dem jungen Weib, das sich sehnsüchtig, lcbensdurstig aus dem Fenster reckt; grausamer S-hmerz macht ihre Hände zittern— st« sehnt sich doch nach dem sie möchte ihn wiedersehen und doch nicht, doch nicht— »Ihr Herren, wollt ihr wissen, wie die Diktatur de? Pro- letariats aussieht? Seht euch die Pariser Kommune an. Das war die Diktatur des Proletariats." Man sieht, Marx und Engels verstanden unter dieser Diktatur keineswegs die Aufhebung des allgemeinen gleichen Wahlrechts oder der Demokratie überhaupt. Engels gegen die Gewalttheorie. Der Weltkrieg brachte die Arbeiterklasse moralisch und in- tcllektuell zurück nicht nur dadurch, daß er fast alle Schichten der Bevölkerung verrohte, daß er die unentwickelten Teile deS Proletariats in den Vordergrund seiner Bewegung brachte, sowie end- lich dadurch, daß er dessen Notlage unendlich steigert« und damit Verzweiflung an Stelle ruhigen Ueberlegens setzte. Er förderte primitive Anschauungen in ihr auch dadurch, daß er das militärische Denken stark entwickelte, jenes Denken, daß schon dem unwissenden, an der Oberfläche lebenden Menschen sehr nahe liegt, als sei die bloße Gewalt der entscheidende Faktor in der Weltgeschichte, als bedürfe man bloß der nötigen Kraft und Rück- sichtslofigkeit, um alles durchzusetzen, was man wolle. Marx und Engels haben diese Auffassung stets bekämpft. In seinem klassischen Buch über„Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft" handeln drei Kapitel ausschließlich von der„Ge- waltStheorie"(3. Aufl., S. 162— 192). Diese Theorie ist durch und durch unmarxistisch. Engels scheute sich nicht, ihr auch dort ent- gegenzutreten, wo sie in revolutionärem Gewände erschien. Er war nicht der heute so vielfach verfochtenen Ansicht, man dürfe die Fehler einer.Bewegung dann nicht aufzeigen, wenn es eine revo- lutionäre, proletarische Bewegung sei, denn das könne den revolutio- nären Elan schwächen. Bolschewismus und Banditeutum. Der Bolschewismus siegte über seine sozialistischen Geyner da- durch, daß er die Wildheit und Roheit der„anfangenden Arbeiterbewegung" zur Triebkraft seiner Revolution machte. Da- durch, daß er die Bewegung deS Sozialismus degradierte, indem er aus der Sache der Menschheit eine Sache„bloß der Avbeiter" machte; dadurch, daß er die Allmacht der Lohnarbeiter allein(neben den ärmsten Bauern auf dem Lande) verkündete und seine Herrschaft damit begann, alle Menschen, die nicht in sein Horn bliesen, zu völliger Rechtlosigkeit zu verurteilen und ins tiefste Elend herabzustoßen; dadurch, daß er die Auf- Hebung der Klassen mit der Schaffung einer neuen Klasse von Heloten aus den bisherigen Bourgeois einleitete. Indem er so den sozialistischen Kampf um Befreiung und Erholung der ganzen Menschheit auf eine höhere Stufe in einen Ausbruch der Erbitterung und der Rache an einzelnen verwandelte, die den schlimmsten Mißhandlungen und Foltern preisgegeben wurden, hat er das Proletariat nicht auf eine höhere Stufe der Moral er- hoben, sondern es demoralisiert. Er hat die Demoralisation noch vermehrt dadurch, daß er die Expropriation der Expropriateure los- löste von ihrer innigen Verbindung mit der Schaffung der gesell- schaftlichen Neuorganisation, mit der allein sie ein sozialistisches Element bildet. Losgelöst davon erstreckte sie sich bald von den Produktionsmitteln auf die Konsummittel. Bon da zum Banditen- tum, da» tu Stcnka Rasin idealisiert war, braucht nur einen Schritt. Sozialismus und Intellektuelle. DaS Schwinden des Zweifels der Intellektuellen an der Durch- führbarkeit des Sozialismus und die Bereitwilligkeit dieser Kreise, sobald die nötige Macht hinter ihm steht, an seinem Aufbau mit- zuwirken, gehört zu den Vorbedingungen sozialistischer Produktion, zu den Bringungen, zu denen die Gesellschaft vorgeschritten sein muh, soll sie zum Sozialismus reif fein. Diese Bedingung selbst wird um so mehr eintreten, je mehr die anderen Bedingungen des Sozialismus vorhanden sind, so daß die Erkenntnis der Wirklichkeit die unbefangenen Intellektuellen zu sozialistischer Ueberzeugung führt. Diese Wichtigkeit der I n t ell e kt u el le n �h aben die Bolschewiki nicht von Anfang an erkannt, die sich zunächst bloß der blinden Triebe der Soldaten, Bauern und städtischen Handarbeiter bedienten. Die Masse der Intellektuellen stand ihnen schon von Anfang an feindlich gegenüber, auch die Sozialisten unter ihnen, weil sie erkannten, daß Rußland für die Art der sofortigen Bollsozialisie- ihn ewig verbergen vor dem jungen Mädchen, damit er ihr bleibt, wie er gewesen?. H. 3m öirkenfelöisthen. Aus dem oberen Nahetal wird uns geschvieben: In der nächsten Zeit wird sich die Zukunft des jetzt vielgenannten Fürstentums Birkenfeld entscheiden, das ein Jahrhundert lang mit Oldenburg ve»bunden war und diese Zugehörigkeit� zu lösen im Begriff steht. Wer jemals von Bad Kreuznach über Münster am Stein nach Kirn hinauf ins ober« Nahetal, ins Birkenfeldische, gekommen ist, dem wird nicht entgangen sein, daß sich die Bewohner des rings von rein preußischem Gebiet umschlos- senen Ländchens etwas darauf zugute taten, keine Preußen zu sein. Natürlich ist das emsig erwerbstätige Völkchen dieser olden- burgischen Enklave um kein Haar anders geartet, als die„Preußen" rings umher. Sie find alle Rheinländer, aber mit dem leisen An- klang an die pfälzisch-süddeutsche Art. Von der Nahe, die hier durch ein romantisches, manchmal so- gar wildes Tal strömt, zieht sich das Fürstentum bis hinauf auf die Hockkämme des Hunsrück, wo bisweilen im tiefen Winter immer noch Wölfe gespürt werden und hurtige Flühchen durch reizende Tälchen hinab zur Nahe eilen. Zu ihnen zählt die Idar, vom Idar- Wald kommend. An ihr liegt Idar, die weltberühmte Stadt der Achatschleiferei, und an ihrer Mündung Oberstein, überragt von den Ruinen der Alten und der Neuen Burg, ebenfalls mit groß- artiger Achatindustrie. Beide Städte haben die engsten gemern- schaftlichen Interessen, haben auch eine gemeinschaftliche Gewerbe- halle, in der die großartigen Leistungen der ein hei mi üben Steinschleifereien zum museumartigen Ausdruck kommen. DaS ganze Idartal zwischen beiden Orten ist Sitz dieser Industrie, die sich aber nicht auf Achat beschränkt. ES werden vielmehr Halbedelstein« fast aller Arten geschliffen. Neben der Steinschneiderei und-itblefferei besteben Gravieranstalten für Wappen, ferner eine ganz bedcu- tende Uhrkertenindustrie, sowie Bijouterieerzeugung. Wie das ganze Nahetal von Kreuznach aufwärts, so ist auch die Birkenieldische Talstrecke von Kirn bis Türkismühle zu den schönsten Gegenden Deutschland? zu rechnen. Di: Stadt Oberstem ist ein wahre« Juwel einer deutsiben GebWpSstadt. Ihr Städte- bild mit den Burgen jmf den hoben Melaphhrwänden ist einS der entzückendsten im ganzen Rheinland. Die Haup-stadt Birken feld fiegl etwas abseits von der Rhein-Nahe-Bahn; hier wird aber die „große Politik" des Ländchens gemacht, denn hier befindet sich bis- her immer noch die oldenburgische Verwaltung, die unter einem Regierungspräsidenten steht. Hier tagt auch der Landesvorstand, und hier werden die Würfel über die. kümfigen Geschicke des .Fürstentum»" fallen. Einen Kilometer von der Stadt Birkenfeld entfernt steht die alte Burg Birkenfeld, die dem Ländchen den Namen gab. einst die Residenz der Herzöge von Pfalz-Birkenfeld. Daß Birkenfelder Rinder besonders geschätzt werden, weiß man außerhalb de» RheinlandeS kaum. Da» Ländchen hat eine blühende pffehznch�. � rung, die die Bolschewiki unternahmen, nicht reif sei. Andere, die sich darüber keine Gedanken machten, wurden abgestoßen durch die Mißhandlungen, die dem Intellektuellen zuteil wurden. Dieser wurde aus der Fabrik verjagt, die die Arbeiter allein in BetricH halten wollten, er wurde politisch rechtlos gemacht, denn die All- macht der Arbeiterräte verlieh tatsächlich nur den Hand- arbeitern das Wahlrecht. Er wurde expropriiert, soweit er etwas besaß, und jeder Möglichkeit einer kultivierten Lebensführung be* raubt. Ja, schließlich wurde er sogar zur Zwangsarbeit und zum Hungertod? verurteilt. Die Bolschewiki gedachten anfangs, sich ohne Intellektuelle, ohne„Fachleute" zu behelfen. Der Zarismus war der Meinung gewesen, ein General sei fähig, ohne alle spezielle Vorbildung jeden Posten im Staate zu bekleiden. Die Sowjetrepublik Wernahm vom Zarismus mit vielem anderen auch dies« Auffassung, nur setzte sie an Stelle des Generals den Proletarier. Die Theoretiker de? Bolschewismus nannten diesen Prozeß:„die Entwicklung des Sozialismus von der Wissenschaft zur Tat". Eher könnte man ihn bezeichnen als„Entwicklung des Sozialismus von der Wissen- schaft zum Dilettantismus". Die neue Herrenklasse. Die Begeisterung für die Bolschewiki schwand bei einer Ar- beiterkatzgorie nach der anderen, aber deren Opposition stand un- organisiert, zersplittert und unwissend der geschlossenen Phalanx einer im Vergleich zu ihnen höher gebildeten Bureau- k r a t i e gegenüber. Gegen die kamen sie nicht auf. So entwickelt sich aus der Alleinherrschaft der Arbeiterräte die Alleinherrschaft der zum Teil aus den Arbeitcrräten hcrvorge- gangenen, zum Teil von ihnen eingesetzten, zum Teil ihnen auf- oktroyierten neuen Bureaukratie, der höchsten der drei Klassen in der Stadt, der neuen Herrenklasse, die sich unter der Leitung der alten, kommunistischen Idealisten und Kämpfer bildet. Der Ab- solutibmus des„Tschio", der alten Bureaukratie, ersteht wieder. in ne»em, dbtr, wie wir gesehen haben, keineswegs verbessertem Gewände. Und aus ihm sowie neben ihm bilden sich auch schon wieder durch direkt verbrecherisch« Praktiken die Keime eines neuen Kapitalismus, der tief unter dem früheren industriellen Kapi- taliSmuS steht. Epistel an die„Freiheit"? Kein« Weltrevolution, keine Hilfe von außen könnte das ökono- mische Versagen der bolschewistischen Methode verhindern. Die Aufgabe des europäischen Sozialismus gegenüber dem„Kommu- niSmus" ist eine andere: dafür zu sorgen, daß die moralische Kata- strophe einer bestimmten Methode des Sozialismus nicht zur Katastrophe des Sozialismus überhaupt wird, daß diese Methode von der marxistischen genau unterschieden und den Massen dieser Unterschied zum Bewußtsein gebracht wird. Jene radikale sozialistische Presse versteht die Interessen der soziale« Revolution sehr schlecht, die glaubt, ihnen nur dadurch dienen zu könne«, daß sie den Massen die Identität von Bolschewismus und Sozialismus predigt und sie im Glauben erhält, die jetzige Form der Sowjetrepublik, weil sie unter dor Flagge der Allmacht der Arbeiterschaft und des Sozialismus segelt, stelle auch tatsächlich dessen Verwirklichung dar. Ter 3« jährige Bürgerkrieg. Also die Revolution ist gleichbedeutend mit Bürgerkrieg, einem Krieg, in dem es keinen Pardon gibt, in dem die ein« Seite die andere zerschmettert, ober ohne dauernde Niederwerfung, da dieser angenehme Prozeß„wenigstens eine Generation w Anspruch nehmen wird". Dieser verwüstende Bürgerkrieg, der, mit Maschinengewehren und Gasbomben geführt, das Land weit grauenvoller verheeren muß, als es ehedem der Dreißigjährige Krieg tat; der die Bcvölke- rung dezimiert, ihre Roheit zu wildester Barbarei steigert, die Quelle« der Produktion völlig verschüttet: das soll der Weg zur „Hervorarbeitung der höheren Lebensform" fein, die der Sozia- lismuS bedeutet! Diese„geistreiche" Auffassung der sozialen Revolution ist sicher nicht die eines„Querulanten von Beruf", wohl aber eines Revo- lutionärS von Beruf, dem die Insurrektion gleich be- deutend ist mit derRevolution, der seinen Lebensinhalt verliert, wenn diese sich in den Formen der Demokratie und nicht jenen des Bürgerkrieges vollzieht. tlottzen« — Kunstdebatten— Kunstskandale. In der Großen Kunstausstellung am Lehrter Bahnhof werden vor den Werken der Novembergruppe lebhafte Kunstdebatten unter den Besuchern geführt. Man glaubt sich bisweilen in tumultuöse Versammlungen versetzt und könnte sich über den lebhaften Eifer freuen— wenn er nicht zuweilen in unduldsame Ketzerei und Schimpferei aus- arten würde. ES scheint, daß die Propaganda gegen die neueste Kunst direkt inszeniert werde. Nun hat zweifellos jeder Besucher das Recht, eine ihm nicht paffende Kunst abzulehnen, aber die hitzigen Besucher sollten auf ihre Rachbarn soviel Rücksicht nehmen, daß sie ihnen den unbefangenen Eindruck nicht zerstören. Jede neue Kunst verlangt eine gewisse Bereitwilligkeit der Einstellung und Aufnahme. Vor allem aber soll in einer Kunstausstellung ge- schaut und nicht debattiert werden. Die Künstler könnten durch Führungen oder Vorträge(vielleicht vor der Ausstellung) die Ein» fühlung vorbereiten. Der Besucher muh aber vor allem mit eigenen Augen sehen lernen und sich auch nichts suggerieren lassen, was er nicht selber empfindet. — Die Frage der preußischen L a n d e s t h ea t e r in Hannover, Cassel, Wiesbaden ist immer noch nicht gelöst. Neuer- dingS wird besonders die Zukunft deS Wiesbadener Theaters erörtert. DieS Theater erhielt bisher einen besonders hohen Zu- schuß, den der Staat nicht mehr zu leisten vermag. Es geht das Bestreben dahin, die Gemeinde an der Aufbringung der Mittel in starkem Maße teilnehmen zu lassen. Selbstverständlich müßte diese Art der Regelung auch auf Berlin Anwendung finden. ES ist in der Tat nicht ersuhtlich, warum der preußische Staat allein da? große Defizit der Berliner Staatstheater tragen sollte, während er für die Provinzen eine gerechtere Verteilung der Lasten erstrebt. — Theater. Im Kleinen Theater wird alS erste Premiere am Mittwoch„Summa Summaru m", Tragikomödie von Hermann Keßner, ausgeführt.— Deutsches Künstlet- Theater. Die Uraufführung von Heinrich Pfeiffers KomiÄie „Die letzten Ritter" ist auf Sonnabend festgesetzt.— Im Schauspielhause wird Leopold Jeßner als erste Neu:instudie- rungen„Maria Stuart" und FigaroS Hochzeit" herausbringen. — Musik. In der Heilig- Kreuzkirche beginnen wieder die von dem Organisten Fritz Schink alle 14 Tage veran- stalteten Orgelkonzerte am Dienstag, den 9. September, abends 8 Uhr. — Vorträge. In der Humboldt-Hochschule wiÄ Jen? Lützen am Donnerstag. 7� Uhr(im Luisengymnasium, Turm- straße 87), einen Vortrag über„Neues über Himmel und Erde" bei freiem Eintritt halten. — Ein Saal der Presse. Da» Deutsche Kulturmuseum für Buchwesen und Schrifttum in Leipzig beabsichtigt, seine Abteilung für Zeitnngswesen zu einem Saal der Presse auszugestalten. Der Saal der Presse soll weiteren Kreisen einen Begriff von der politischen nd kulturellen Bedeutung, dem Wesen und Wert der deutsche« Tagespreise gebe» Eines jedoch ist richtig:«S gGt mir die beiden Möglichkeiten, entweder Demokratie oder Bürgerkrieg. Wer jene aufhebt, mutz auf diesen gefaßt sein. Eine Diktatur entgeht ihm höchstens dort. wo sie mit einer völlig hoffnungslosen und apathischen Bevölkerung zu tun hat, dem schlimmsten Menschenmateria! für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft. Da wir nur die Alternative haben: Demokratie oder Bürger- krieg, schließe ich daraus, daß dort, wo sich der Sozialismus auf demokratischer Grundlage noch nicht möglich erweist, wo die Mehr- heit der Bevölkerung ihn ablehnt, seine Zeit überhaupt noch nicht gekommen ist, während der Bolschewismus meint, der Sozialismus werde überall von einer Minderheit einer Mehrheit aufgezwungen werden müssen, und das könne nur geschehen durch Diktatur und Bürgerkrieg.(Gegen Bucharin, dem Theoretiker des Bolschewismus.) Demokratie und Menschlichkeit. Das Proletariat der ganzen Welt gerät in Bewegung, und sein internationaler Druck wird stark genug werden, daß von jetzt an jeder ökonomische Fortschritt nicht mehr in kapitalistischem, sondern rn sozialistischem Sinne erfolgt. So wird der Weltkrieg sicher eine Epoche bedeuten, das Ende der kapitalistischen, den Beginn der sozialisti« sch e n Entwicklung. Wir werden dabei.nicht mit einem Satz aus der kapitalistischen in die sozialistische Welt hinüber- springen. Der Sozialismus ist nicht ein Mechanismus, den man nach einem voraus bestimmten Plane aufbaut und der dann, ein- mal in Gang gebracht, immer wieder in gleicher Weise abläuft, son- dern er ist ein Prozeß gesellschaftlichen Zusammen- wirkens, der seine bestimmten Gesetze hat, wie jede Art gesell- schaftlicher Tätigkeit, der aber innerhalb dieser Gesetze die mannig- fachsten Formen annehmen kann und einer Entwicklung fähig ist, deren Ablauf man heute noch nicht abzusehen vermag. Auch heute noch haben wir keine„fix und fertigen Utopien durch Volksbeschluß einzuführen". Was sich jetzt vollzieht, daß ist„die Freisetzung der Elemente", die den Beginn der sozialistischen Ent- Wicklung in Angriff zu nehmen haben. Will man das Weltrevolu- tion nennen, weil es sich in der ganzen Welt vollzieht, dann stehen wir vor der Weltrevolution. Aber sie wird sich nicht vollziehen auf dem Wege der Diktatur, nicht durch Kanonen und Maschinrnge- wehre, nicht durch Zerschmetterung der politischen und sozialen Gegner, sondern durch Demokratie und Menschlichkeit. Nur so kommen wir zu jener höheren Lebensform, die hervorzuarbeitrn die historische Aufgabe des Proletariats ist. Wij)el zur Planwirtschaft. Vor den Funktionären des Bezirksverbandes Niederbarnim sprach Sonnabendnachmittag Genosse Wissel über die Planwirtschaft. Er kennzeichnet« in großen Zügen die Politik, die er als Reichswirtschastsminister durchzuführen versucht hatte, und gab eine Darstellung seines Wirtschaftsprogramms. Er habe sich immer mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, daß da« freie Spiel der Kräfte da eingeschaltet werde, wo die Nachfrage das Angebot übersteigt. Die Vorgänge auf dem Ledermarkt, die Folgen der Freigabe des Hafers haben ihm Recht gegeben. Um bei der ungeheuren Schuldenlast des deutschen Volkes wieder einigermaßen erträgliche Verhältnisse zu schaffen, bedürfe es der gemeinwirt- schaftlichen Zusammenfassung aller Kräfte. Das Volk weiß noch »Kicht, was es heißt einen verlorenen Krieg tragen zu müssen.- Den- !Moch glaubt er an der sittlichen Kraft des Volkes und an seiner Fähigkeit zu arbeiten, trotz aller Nebenwirkungen des Wirtschaft- «plichen und politischen Zusammenbruchs, wie ihn Deutschland erlebt hat. Sehr treffend kennzeichnete er die Gesinnung des Bürger- tums, das in der größtmöglichen Förderung des EigeninteresfeS auch die höchste Leistung für die Gesamt- heit sehe. Diese Bürger dürften sich nicht wundern, wenn der Ar- beiter es ihnen gleich zu tun suche und ebenso auf seinen eigene» Vorteil bedacht sei. Unbedingt nötig sei«in neuer wirtschaftlicher Geist, die Arbeit darf nicht nur ein Mittel zur eigenen Erhaltung, sondern eine soziale Pflicht des einzelnen gegenüber dem Ganzen sein. Das geht nur, wenn die Wirtschaft aus einen«in- heulichen Plan eingestellt wird, wobei den Arbeitern ein Mit- bestimmungsrecht an der Produktion gewährt wird. Gerade die außerordentlich trüben Aussichten für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands, die man nicht verschweigen dürfe, drängten nach einer einheitlichen gemeinwirtschaftlich organisierten Wirtschaftsführung. Neben der regionalen Vertretung der Wirtschaftsinteressen in den Räten müßte die beruflich« treten. Die Wirts chaftli che Kon- z e n t r a t i o n sei eine Vorbedingung des Sozialismus, der nicht mit der Verstaatlichung zu verwechseln ist. Wären die Kohlenberg. werke im Anfang d. I. verstaatlicht worden, so würden die un- geheuren Preissteigerungen für Kohle der Soziaftfierung zuge- schrieben werden, was der Idee des Sozialismus mehr schaden als nutzen wüvde. Wie schädlich die privatkapitalistische Bewirtschaftung wirkt, wies er besonders an den Beispielen der Zementindustrie nach, die infolge der Ueberkapitalisierung heute nur zu 16 Prozent be- schästigt sei. Die Zeit laufe für den Gedanken der Planwirtschaft. Heute wendet sich die Stimmung schon mehr und mehr gegen da» freie Spiel der Kräfte. Wenn beteiligte Kreise dagegen halten, dag eine große Zahl vop Kaufleuten ihre Existenz verlieren, so ist dar- auf zu erwidern, daß auch SflOOO von den 60 000 deutschen Seeleuten sich anderen Berufen zuwenden müssen. So würden viele bisher im Handel Beschäftigte in der Güter e r z e u g u n g ihr Brot suchen müssen. » Im weiteren Verlaus der Sitzung erfolgen die Wahlen zur Preßkommission. Gewählt wurden die Genossen Meyer, Müller. MieSbach, Kleinwächter und Thorwald. Des weiteren wurden Fragen der Kommunaljsterung erörtert, wobei die Meinung zum Ausdruck kam, daß eine erfolgreiche Kommunalisierung erst möglich sei. wenn mit Zusammenschluß des Stadtkreises Groß-Derlin die gcmemwirtschastliche Organisation größerer Wirtschaftszweige ermöglicht fei. � Verbot der„Deutschen Zeitung". Di«.Deutsche Zeitung" ist vom Reichswehrminister bis auf weiteres verboten worden wegen gmncingesährlicher Verhetzung der Truppen durch die in der Nummer 410 zum Ausdruck gekommene Behauptung. die deutschen Truppen seien durch die Regierung verraten worden. Die nächste Sitzung der preußischen Landesversammlnng ist auf den 18. September, nachmittags 2 Uhr, anberaumt worden. Ernennung von Lehrern zu Schulleitern. E i n Erlaß des Kul- tu�wimsters H a e n i s ch bestimmt, daß Ernennung und Bestätigung eines Schulleiter»»ich; mehr von der vorherigen Ablegung der Rektoratsprüfung abhängig zu machen ist. Die Rektorprüsung fällt vom 1. Juli 1920 an weg. Keine Aufhebung de» HaserdruschverbvtS. Entgegen anders lautender Nachrichten erfahren wir von gut unterrichteter Seite, daß eine Aushebung des HaserdruschverbotS mit Rücksicht auf die Gefährdung der Brotversorgung nicht beabsichtigt ist. Der Erlaß von Ausfuhrverbote« für Haf« ist geplant. die üeutsth-Aänifth en Geheimverhanülungen (Eigener Drahtbericht des.Vorwärts".) Kopenhagen, 6. September. Die Erklärung des Führers der moderatcn linken Partei des früheren Miuisterpcaüdcnten Christensen, in der er Verhandlungen mit dem deutschen Ge- neralstab wegen Abschlusses einer Militärkouvcntion im Jahre 1906 abschwächen oder ganz abstreiten will, hat nicht die beabsich- tigte Wirkung gehabt, da die R e g i e r u n g S p r.e s s e in der Lage ist, den Inhalt der betreffenden Aktenstück« genau mitzuteilen. Die Angelegenheit, die in Dänemark eine Sen- sation allerersten Ranges ist, weil sie möglicherweise den Rücktritt des außerordentlich gewandten und gcfürchteten Oppositionsführers aus der aktiven Politik bedeutet, ist jedoch auch für die Kurzsichtig- keit der deutschen Mllitärpolitik von großem Interesse. Die Akten- stücke über die Verhandlungen wurden vor einigen Wochen in den Archiven des dänische,, Außenministcriums gefunden, von dort dem Kricgsministerium übersandt und vom Verteidigungsminister Munck am 6. August der sogenannten militärischen Abwicklungskommission des Reichstages vorgelegt. Darauf hat der damalige AbteilungS- direktor im dänisch«» KriegSministcrium, Hauptmann Luetken, im alleinigen Auftrag des Ministerpräsidenten Christensen Verhandlungen geführt, zu denen er von Christensen bis zum Abschluß einer Militärkonvcntion bevollmächtigt war. Allerdings war die Voraussetzung einer solchen Militärkonvention ein deutsches Ent- gegenkommen in der sch l e s w i g s ch e u Frage. Die Berhand- lungen z«itigten kein positives Ergebnis, da Deutschland diese Zu- geständnisse nicht machen wollte, indem man erklärte, daß man erst zu einer Regelung der schleSwigschen Frage schreiten würde nach einem Kriege, in dem Dänemark an Deutschlands Seite teil- nehmen würde. Die vorliegenden Aktenstücke über die geführten Verhandlungen tragen die Unterschriften des Generalstabchcss Mottle, des Hauptmanns Luetken«nd des Ministerpräsidenten Christensen. Im übrigen hat der im vorigen Jahre als General verstorbene damalige Hauptmann Luetken auch Erinnerungen hinterlassen, in denen interessante Aufzeichnungen über die deutsch- dänischen Verhandlungen zu vermuten sind. Scharfe Kritik am �rieüensvertrag. Sembat gegen die alliierte Politik. Marcel Sembat erklärte in seiner Rede in der französischen Kammer, selbst Charles Benoist habe in seinem Bericht festgestellt, daß Danzig eine nrdeutsche Stadt sei. Gewiß habe man Polen einen Zugang zum Meer zusichern müssen. Das sei aber möglich gewesen, ohne Danzig von Deutsch- land zu trennen. Man hätte es nur zu einem Freihafen machen müssen. Als Zufuhr hätte eine genau wie die Weichsel zu internationalisierende Eisenbahn genügt. So aber habe man aus einer deutschen Stadt eine polnische gemacht. Wie vertrage sich das mit dem Grundsatz der freien Wahl der Bevölkerung? Die Wiederherstellung Polens sei von der gesamten Welt gutgeheißen worden. Trotzdem habe man diese Defteiung dergestalt ausgeführt, daß sie die stärksten Keime für einen zukünftigen Kneg in sich trage. Ganz Rußland sei gegen� Frankreich, nicht nur die Bolschewisten. Auch die revolutionären Sozialisten beklagen sich, daß man sie ver- lassen habe. Eine derartige Politik müsse Rußland�in die Arme Deutschlands treiben. Den französisch-amcrikanisch-englischea Schutzvertrag findet Sembat nicht befriedigend, obzwar er etwas sei. Man habe Deutschland nicht entwaffnet. Man habe davon gesprochen, die deutsche Einheit zu zerstören, habe sie aber mit der preußischen Einheit verwechselt. Tie erster« sei unzerstörbar, weil sie sich aus den Tatsachen ergebe und normal sei. Die künstliche preußische Einheit, die der Krieg herbeigeführt habe, aber hätte man erschüttern können. ES sei ein unverzeihlicher Fehler gewesen, Kurt E i s n« r nicht angehört zu haben. Wenn Frankreich die Bekehrung Deutsch- lands nicht bebindern wolle, müsse es ein Ideal der Gerechtigkeit und des wirklichen Rechts aufstellen. Es dürfe aber nicht das Schauspiel eines übertriebenen Imperialismus geben, wie dies seitens der Alliierten geschehen sei. Vom Völkerbund erwartet Sembat die Abrüstung. Wenn er die erforderlich« Sicherheit bringen solle, müßten ihm alle Staaten angehören, denn erst»lSdann könne man die Ver- antwortlichkeiten am Krieg feststellen und die Schuldigen bestrafen. Das sei dann kein Urteil der Sieger des Kriegs, sonidern ein Urteil der zivilisierten Völker. Das allein sei Gerechtigkeit. Der Sozialist Mistral erklärte, daß er und seine Freunde den Friedensvertrag nicht ratifizieren würben, weil die Unter- Händler ihn nicht im Gedanken an einen dauerhaften und gerechten Frieden abgeschlossen hätten. Die zeitliche Besetzung der Rhein- gebiete sei eine mögliche Quelle von Konflikten. Die Regelung der Kolonialfragen sei ausgegangen vom englischen Imperialismus. Frankreich als Sieger habe das Maximum verlangen wollen, und das habe seinen Zllliierten gestattet, auch für sich nach einem Maximum zu streben. Habe man etwa geglaubt, durch die Lösung der Saarfrage Frankreichs zu dienen? Maurice Barres verlange am linken Rhein. ufer eine AnnäherungSpropaganda mit Deutschland. Der Redner befürchtet, daß daS in der Hoffnung geschehe, die rheinische B«- völkerung von Deutschland loszulösen. Das sei eine verheerende Politik. Er und seine Freunde stimmten gegen den Friedens- vertrag, weil er von der Geheimdinlomatie abgeschlossen sei, von der Quelle aller Unglücksfälle von gestern. Man müsse dafür sorgen, daß die Völker nicht in einen falschen Sicher heitsgedanken ein- geschläfert würden, deshalb rufe er den Arbeitern zu: Zählt nur auf Euch, denn Ihr müßt den Frieden organisieren. Die Arbeiter wollten keinen französischen, keinen englischen, keinen amerikanischen Frieden, sondern einen humane« Frieden. Die Schuld Lettlands. Eine deutsche Note. (Amtlich.) Dem Führer der lettischen Delegation in Berlin, Schreiner, wurde heute vom R e i ch s m i- nister des Aeußern, Hermann Müller, folgende Note übergeben: Die deutsche Regierung verurteilt anfs Schärfste die ma 24. August in Mitau von deutschen Truppen gegen lettische Svl- baten und Behörden verübten Gewalttätigkeiten und spricht der lettlöndischcn Regierung ihr lebhaftes Bedauern über die Vorkommnisse auS. Ohne diese Vorkommnisse irgendwie ent- schuldigen zu wollen, glaubt die deutsche Regierung doch die letti- sche Regierung auch bei dieser Gelegenheit aus die Ursachen der äußerst gereizten Stimmung eines Teils der deutschen Truppen aufmerksam machen zu müssen. Ein Teil der deutschen Soldaten ist in hohem Grade erbittert darüber, daß die lettische Re- gierung den fremdstaatlichen Soldaten zu einer Zeit, als ihr deutsche militärische Hilfe unentbehrlich schien, das Recht auf Einbürgerung gab und damit Niederlassung und Ansied- lung in Kurland eröffnete, daß sie diesen nuumehraberjede Anwartschaft abspricht. Dessen ungeachtet versucht die deutsche Regierung mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln, inS- besondere auf dem Wege stärkster Beeinflussung der Truppen durch ihre Führer weiteren Ausbrüchen dieser verbitterten Stimmung vorzubeugen und die Truppen zur Aufgabe des Widerstandes gegen den von ihr gegebenen Befehl der schleunigen und voll« ständige« Räumuug Lettlands zu bewege«. Die deutsche Regierung spricht die Hoffnung aus, baß sie hierdurch zu dem von ihr erstrebten Ziele der Vermeidung weiterer Unbotmäßig« leiten der deutsche» Truppen in Lettland gelangen wird. Eine Note an Sie Entente. Die deutsche Regierung hat in der Frage der Räumung der baltischen Gebiete an die Entente folgende Note gerichtet: „Die Deutsche Regierung bedauert, daß die von ihr befohlen« schleunige vollständige Räumung der ballischcn Gebiete durch das ge« horsamswidrigc Verhalte» der noch in Kurland stehende» deutschen Truppen ins Stocken geraten ist. Während sie die Eigenmächtigkeit der Truppen aufs schärfste ver« urteilt, sieht sie sich jedoch infolge der ihr von de» alliiert.» und assoziierten Regierungen auferlegte» Beschränkungr» außerstande. durch Anwendung militärischer Machtmittel den Gehorsam der Truppe» zu erzwingen. Die deutsche Regierung gestattet sich hierzu zu bemerke», daß sie bereits in ihrer Note vom 13. August J.-Nr. 4884 auf den voraussichtlichen Wider- stand einzelner Truppenverbände und die daraus sich ergebende» Ber- wickluugcn hingewiesen hat. Bei dieser Sachlage bleibt der Deutschen Regierung nichts übrig, als der Versuch, die Truppen durch Zureden zur Bcrnunft zu bringen und von Ausschreilungen namentlich auch gegen Angehörige der alliierten Mächte zurückzuhalten. Lediglich zu diesem>]wcck ist auch General Graf Goltz, zunächst allerdings gegen seine ausdrückliche Instruktion, »ach Mitau zurückgekehrt. Seine vorgesetzten Dienststellen haben sich jedoch der von ihm geltend gemachte» Auffassung nicht ver- schließen können, daß die Unruhe» bei de» Truppe» wohl nicht entstanden wären, wenn er in Mitau geblieben wäre, und daß seine Anwesenheit wesentlich zur Wicdcrberuhigung der Truppen beitragen würde. Sie haben ihm daher nachträglich die Genehmigung seiner Rückkehr nach Mitau erteilt, werden ihn aber sofort nach Erreichung des erwähnten Zieles wieder von dort zurückberufen. Tatsächlich ist die günstige Eiuwirlung, die sein Erscheinen bereits aus die Haltung dcv Truppen ausgeübt hat, nicht zu verkennen. Immerhin ist bei der noch äußerst gereizten Stimmung der Truppen die Festlegung eine« Räumungsplanes und insbesondere auch der Abtransport der Truppe» zur See zur- zeit noch ansgcschloise», wovon sich die Vertreter der alliierten Regierungen an Ort und Stelle überzeugen können. Auch ist es. solange der Erfolg der Bemühungen deS Grafen Goltz nicht feststeht, nicht möglich, von hier aus Mitteilungen über die gegenwärtige militärische Organisntio» zu machen, da von Tag zu Tag Aenderuiigen eintreten können. Die Vertreter der alliierten Mächte, die sich in Mitau befinde» und mit dem Grafen Goltz in ständiger Verbindung stehen, können sich über dir jeweilige militärische Lage und die deutsche Organisation ivrtlauscnd niitrrrichten. Neberhaupt erscheint im Hinblick aus die Unbeständigkeit der gegenwärtig in Frage kommenden Verhältnisse, die Behandlung der ganzen RäumungSangelcgenheit an Ort und Stelle durch die beiderseitigen militärische» Befehlshaber der einzig«, eine Aussicht auf Lösung der Berwickluiigcn bietende Weg zu sei». Den dieser Auffassung entsprechenden Borschlögen in der Note Nr. 16L0j- wird daher mit Genugtuung zugestimmt. Die in der Note Nr. 1624x erwähnten Uebergriffe deutscher Truppen gegen lettische Soldaten und Behörden, die von der deut- sche» Regierung aufs Nachdrücklichste verurteilt werden, sind als eine zwischen der deutschen und lettischen Regierung schwebende An- gelcgenheit zu betrachte» und bilden bereits den Gegenstand vo» Erörterungen zwischen diese» beiden Negierungen." Die Erzberger-Hetzr. Rechtsstehende Blätter haben in Fori» setzüng der alldeutschen Hetze gegen den Reichsminister Erzbergev behauptet, dieser habe die Julius Berger Ti«fbau-A.-G. bei den zu vergebenden Wiederausbauarbeiten bevorzugt, während er felbft mit 1 800 000 Mark Kapital an der Firma beteiligt war. Wie w>r von zuverlässiger Seite erfahre», war Erzberger zwar von 1917 bt» 1918 Aufsichtsrat der Firma, hat aber diesen Posten mit der Hebe»- nähme eine« Staatsamts niedergelegt und ist aus der Ge- ssllschaft ausgeschieden, an der er in keiner Werse mehr fi- nanziell interessiert ist. Der Krauen Rat. Ratlos steht manche Frau, oft selbst wenn sie Genossin ist, d«n mannigfachen Anforderungen der neuen Zeit gegenüber. Politischer Irrtum und Wahrheit ringen miteinander in der Seele des Volkes. Wer zeigt den Neulingen in diesem Kampf, den Frauen, den rechten Weg? »Die Gleichheit." In wöchentlichen Ausgaben behandelt sie die politischen Tagei- fragen unter dem Gesichtswinkel der sozialistischen Weltanschauung und im Zusammenhang mit den besonderen Interessen der Frau. Ratlos steht manche Frau den gesteigerten Anforderungen des Hauses gegenüber. Wex gibt ihr praktische Winke für die Schaffung eines Ausgleichs zwischen dem Mangel an Kulturgütern und den Kultlirbedürfnissen des Hauses? Die Beilage �.Vie Krau und ihr haus." Sie behandelt alle Fragen' de« Hauses vom' Kochen bis zur Kunst. Sie gibt Anleitung zur Herstellung einfacher und doch ge- schmackvoller Kleider, für die Schnitte zu haben sind. Die jetzt all- gemein beliebte Ausstattung mit Häkeleien, Zierstichen und Sticke- reien wird durch Abbildungen mit Erklärungen erläutert. Ratlos steht manche Mutter den geistig-seelischen Unterhaltungsbedürfnissen des Kindes gegenüber. Wer gibt dem kindlichen Ge- müt dem Ausgleich zwischen Phantasie und Wirklichkeit? Die Beilage „Kür unsere Mnöer." Der Welt des Kindes angepaßte Erzählungen, Dichtungen und belehrende Aufsätze legen in sein« Seele die Grundlage zu allen Tugenden d«S Gemeinschaftssinnes und flößen ihm Ehrfurcht und Liebe zur Natur ein. Die Spielecke regt den jungen Gerst zu: Er- gründung rätselhafter Zahlen- oder Wortgebilde an. � Die.Gleichheit" befriedigt also alle politischen, kulturellen und praktischen Bedürfnisse der Voltsmutter und Hausmutter zugleich. Sie ist somit ein rechter Frauenrat, ein' Kulturblatt, das in keiner Familie fehlen sollte, darum §rauen, lest»Die Gleichheit"! Ich bestelle;; Exemplar Z J „Die Gleichheit" Name:_. Ortr Straße u. Hausnummer:----—- preis monal.lch 1.20 Meef. Einzelnummer 30 Pfennig. Durch die Pas» bezogen oleviel' tllhrNch ohne peprllgelt» 3,60 NU. Unter«reozband 4,25«f. GewerkschaflsbervMng hebt Sie firbeitsfreuüigkeit! In vngezählten Artikeln ist von berufener Seite darauf hin- gewiesen worden, daß an eine Verbesserung der zurzeit im Wirt- schaftsleben herrschenden Zustände erst dann zu denken sei, wenn die Arbeiterschaft mehr als bisher sich wieder in den Produktion?- Prozeß einfügt. Von den rechtsstehenden Blättern ist nach der be- kannten vorrevolutionären Schablone darüber gezetert worden, daß die Arbeiter nur zu faul seien, die sich ihnen bietende Arbeits- gelegenheit anzunehmen. In riesengroßen Plakaten wurden die Arbeiter ermahnt: Geht aufs Land!, ohne daß die, die solche beherzigenswerte Lehren gaben, nachgeprüft haben, ob auch die nötigen Vorbedingungen für die Arbeit auf dem Lande erfüllt sind. Oft genug haben wir betont, daß man doch nicht glauben dürfe, die Großstadtarbeiter in solche Löcher sperren zu können, wie rücksichtslose Unternehmer eS früher mit polnischen und galizischen Arbeitern getan haben. Eine sehr dankenswerte Schilderung der von uns in obigem skizzierten Zustände stellt uns ein 23 jähriger Student der Staatswissenschaften zur Verfügung, der seit einiger Zeit als freiwilliger Kohlenarbeiter auf der Grube„W i l- helminens Glück" in Klettwitz(N.-L.) beschäftigt ist. In seiner auch dem Reichswirtschaftsministerium überreichten AbHand- lung heißt es: „Das Werk, welches gegen 800 Arbeiter beschäftigt und im Besitz einer Groß-Aktiengesellschaft ist, hat zur Unterbringung von Arbeitskräften mehrere Baracken zur Verfügung, die zum Teil neu erbaut sind und für etwa 200 Arbeiter Unterkunft ermöglichen. Obgleich eS mit wenigen Mitteln(z. B. Einstellung besonderer Reinigungsarbeiterinnen) zu erreichen gewesen wäre. die Baracken in sauberem Zustand zu erhalten, ist von feiten des Werkes hierfür nicht das geringste getan worden. Die Baracken, in denen außer deutschen Arbeitern gleichzeitig Polen und Russen wohnen, sind völlig mit Ungeziefer aller Art infiziert. Die Umgebung der Baracken ist v e r- wahrlost; infolge Fehlens einer Müllgrube werden von den Arbeitern Unrat und Speisereste aus den Fenstern und vor die Türen geworfen, so daß ein Aufenthalt für reinliche und gesittete Menschen unmöglich gemacht wird. Hierdurch ist die Tatsache erklärlich, daß die hinzuziehenden Arbeiter innerhalb weniger Tage wieder abwandern und zur Verbreitung der Gerücht« über gänzlich unzureichende Unter- bringung in den Kohlengebieten beitragen. Hinzuzufügen ist, daß auch die Bade- und Wohl- fahrtsein richtungen des Werke? den Anforderungen, die an ein großes Unternehmen in dieser Hinsicht gestellt werden können, durchaus nicht entsprechen. So befindet sich z. B. die K ü ch e, m der für etwa 200 Ar- beiter gekocht wird, in einem frühereu Schweinestall unter gleichem Dach mit den Aborten." Bei solchen Zuständen ist es wahrlich zu verstehen, daß nur recht wenige Arbeiter Sehnsucht nach den ländlichen Gefilden der- spüren. Damit es anders wird, müssen die Regierungsstellen ein- greifen. Eingreifen dadurch, daß Beauftragte der Ge- werkschaften, Leute, die mit den Arbeitern fühlen und denken, die Kontrolle über die sozialen Verhältnisse üben, unter denen die Arbeiter auf dem Lande arbeiten und leben müssen. Wo Unternehmer durch passive Resistenz sich weigern, für Abhilfe zu sorgen, muß von regierungswegen das Unternehmertum gezwun- gen werden, die soziale« Vorbedingungen für die Hebung der>» deitsfreudigkeit zu schaffen. Hier eröffnet sich«in sehr dankbare? Feld für das ReichSarbeitSmimsterium und den ReichswohnungS- kommissar. Streik bei der Mrma Rudolf Mofie. Di« Arbeiter der Firma Rudolf Masse find am Sonnabend u« 4 Uhr in einen 2 4 st ü n d i g e n P r o t e st st r e i k eingetreten. Am Freitag sollte vor dem Schlichtungsausschutz eine Verhandlung wegen der Forderung einer Entschuldungssumme stattfinden. Am Tage zuvor wurde anläßlich der Vorstellung der neugewählten vier Ar- beiterräte auch in dieser Angelegenheit deballiert. Im Verlaufe dieser Unterredung mußten die Arbeiterräte M der Annahme kam- men, daß die Firnia vor dem Schlichtungsausschuß erscheinen würde. Als nun bei den Verhandlungen vor dem Schlichtungsaus- schütz nur ein Schreiben der Firma, in dem sie den Schlichtungsaus- schuß ablehnte, verlesen wurde, erblickte auch der Schlichtungs'- ausschutz darin eine Unkorrektheit. In Anbetracht der bisherigen Gepflogenheiten der Firma beschloß die Arbeiterschaft einmütig, ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit, durch einen Proteststreik der Firma zu zeigen, daß sie rn geschlossener Front ihre Rechte zu wahren gewillt ist. Ter Mufikerstrcik im Kaffee Kerkan. Das Internationale Tonkünstlerorchester, oder wie«S sich noch nennt: Deutsch-Nationales Tonkünstlerorchester, hat sich bereit erklärt, die im Kaffee Kerkau streikenden organisierten Musiker durchStreikbrecherzuersetzen. Es ist bezeichnend für die Denkungsart dieses Unternehmens, das bei jeder Gelegen- heit die sozialen und wirtschaftlichen Bestrebungen der Musiker- organisation zu durchkreuzen sucht. An die Solidarität der ge- samten Musikerschaft Berlins appellieren hiermit die streikenden Musiker. Deutscher Musikerverband, Ortsverwaltung Berlin. *• • Zu dem Streik wird uns noch gemeldet, daß sich das Kaffee Kerkau zurzeit des weitgehendsten polizeilichen Wohlwollens erfteut. Zehn Polizisten sind auf der Straße postiert, um das Ein- Wirten der Streikposten auf eventuelle Streikbrecher zu verhindern, und zwei Polizei beamte verschönern aus uns unbekannten Gründen das Innere des Lokals. Wir find angenehm über- rascht, daß» das Polizeipräsidium einen so großen Beamtenstab für einen bestreikten Unternehmer, der sich weigert, die tariflichen Löhne zu zahlen, zur Verfügung stellen kann. Das läßt uns hoffen, daß die SicherheitSzustände sich grundlegend gebessert haben und daß Diebstähle, Raubüberfälle, Plünderungen und dergl. nicht mehr zu den alltägliche» Begleiterscheinungen des Berliner Lebens ge- höre». Keine Einigung bei der Hageda« Der durch Schiedsspruch beendete Streik im chemischen Groß- Sandel ist für die Arbeiter und Angestellten der Handelsgesell- schaft deutscher Apotheker noch nicht beigelegt worden. Die Firma wollte entgegen dem Schiedsspruch mit den Ar« b e i t e r n neue Verträge abschließen und unter den An- gestellten eine Auswahl der Einzustellenden vornehmen. Diese Zu- mutung wurde von dem gesamten Personal auf das entschiedenste zurückgewiesen und wurde die bis dahin geübte Solidarität der Hand- und Kopfarbeiter in diesem Betriebe noch fester geschlossen. ES wurde einstimmig beschlassen, den Streik so lange fort- zusetzen, bis alle Streikenden restlos wieder eingestellt werden «ch«ikes übrig« bis znr endgüMge««ntschekdnng wer Wa Schiedsspruch zurückgestellt wird. » Die im chemischen Großhandel beschäftigten Arbeiter und An- gestellten, welche die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben, der- sammeln sich Montag früh 9 Uhr im„Königstadt-Kcisino", Holz- marktftratze 72. Die Streikleitung. Zur Generalversammlung der Holzarbeiter. Der Bevollmächtigte der Berliner Zahlstelle des Holzarbeiter- Verbandes Siegle ersucht uns um folgende Richtigstellung: In dem Bericht über die Generalversammlung der Holzarbeiter in der Abendausgabe des.Vorwäns" von, S. Sept. beißt es in bezug auf den Antrag die wilden Streiks betreffend:„eS können alio in Zukunft Streiks ohne Zustimmung der Ortsverwaltung beschloffen werden". Dieier Satz konnte nur niedergeschrieben werden in Unkenntnis de» Reglement. Die Bestimmung unter V im Reglement besagt folgendes:„Differenzen, die zum Streik führen können, sind in allen Fällen vor Einleitung irgendwelcher Verbandlunaen dem zuständigen Obmann zu melden, der möglichst peisönlich die Sache in einer Werkstattsitzung zu untersucherr>!Nd die weiteren An- träge an die Verwaltung zu stellen hat." Durch diese Bestimmung ist die daiaut folgende, aus die sich der Antrag der Vergolder bezieht, überflü'sig. weil es selbst« verständlich ist, daß keine Strcikuniersiützung gerablt werden kann an Teilnehmer eines Streiks, der nicht die Zustimmung der Ver- waltung gefunden hat. Zu den nun wiederholt aufgestellten Behauptungen Glocke«— die dadurch nickt wahrer werden— bab.e ich nur zu bemerken, daß sie an den von mir vorgebrachten Tatsachen nichts ändern.- • Wir wollen mit Siegle nicht darüber rechten, auf welcher Seite die größere Wabrbeitsliebe zu suchen ist. Begreifen können wir aber, daß der doch von den näberen Gesinnungsgenossen Siegle« beschlossene Streik ein wenig erfreulicher Auftakt für da» Regime Siegle bedeutet._ Deutscher Trausportardeiterverbaud. verbau dsstrnMonär«, ve» triebs�ertrauensleute, Brambenleiter, Delegierte zur örtl'chen Eeneral- Versammlung Am Donnerstag, den II. September I9lg, abends 7 Uhr, im Saal IV de?„Gewerlschastshauses", Engeluser 14/16: Allgemeine Funktionärversammlung. Tagesordnung: Berichterstattung von der VerbandSgeneralvelsammlung in Stuttgart. Reierent: Kollege O r t m a n n. Diskussion. Mitgliedsbuch und Legitimationskarte ist am Eingang des Saales zwecks Kontrolle und Abstempelung vorzulegen. Bentscher Metallarbetterverband. Montag, 8. September, abends 6 Uhr, Veriammlung der Metalldrüitcr Arotz-BerlinS im Reichen- berger Hof, Reichenberger Str. 147. Tagesordnung: 1. Bericht von der Vorkonferenz der Drücker Deutschlands. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes.— 7 Uhr Versammlung aller in den Karosseriebetriebcn beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen in den AndreaS-Fcstsäle», Andreasstr. 21. Tagesordnung: Stellungnahme zur Ferienfrage. Musiklnsirumontenarbeitcr. Dienstag, 9. September, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung im(SewerkschaftsbauS. Engelufer 16(großer Saal). Tagesordnung: Vortrag über das Rätelystem. Referent: Voll- zugsrat der ll. S. P. D. Sommerfeld. Korreferent: Genoffe Franz Büchel, VollzugSrat der S. P. D. Die Frauenarbeit in unserer Industrie. Maler, Lackierer, Anstreicher l Das Bureau des Verbandes der Maler usw. ist der erhöhten Gassperrstunden wegen von Montag. 8. September, an täglich durchgehend von 8—3 Uhr, Sonnabends von 8 bis 1 Uhr, an jedem Donnerstag dagegen von 8—7 Uhr geöffnet. Di« Ortsverwallung. «aufmönnische Augeftellte der Glühkörperfabrike«, die nicht durch den Tarif in der Metallindustrie ersaßt werden, Montag, 8. Jep- tember, abends ft,8 Uhr, Versammlung w den Mustkersätcn, Kaiser- Wilhelm-Str. 31. Peranstv. für den redaktuni. Seil: Alfred Scholz, Neukölln: für Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin. Verlag: VorwiirtK-Vsrlag E>. m. b. H., Berlin. Druck: Borwarts. Büchdruckerer und Berlagsanstalt'Baal Singer u. So. in Berlin, Lindentrr. L. Hlrrzn 3 Beilagen. WMMSieeMliM? (Nachdruck verboten.) Um Ihre Augen zu schonen und weil eS flotter aussieht als eine Brille? Schont denn der primitive Kneifer, den gerade S i e tragen, Ihre Augen? Siebt er wirklich flotter au? als selbst eine altmodische Brille? Sitzt er so fest und bequem, als Sie es wünschen? Nein, alles dies trifft nicht zu, denn er ist trotz aller komplizierten„Neuerungen" in der Haupt- fache nach dem System des alten Nasenquetichers tonstrniert, über das sich schon Ihr Großvater ärgerte I Ihr Kneifer sitzt nicht fest. Er fällt schon beim Reiten und Radfahren herunter, geschweige denn bei noch energischeren Körperbewegungen. Und sitzt er wirklich einigermaßen fest, so macht er seinem Namen mehr Ehre, als gerade unbedingt nötig ist, er kneift nämlich abscheulich I Kneift Ihnen die Nase wund, und verursacht Ihnen Kopf- 'chmerzen I Letzteres allein aber nicht durch den Druck, sondern noch mehr dadurch, daß er nicht richtig sitzt. Sie sehen nicht richtig durch den Brennpunkt, sondern oben durch den Rand des Glases. Sie sehen auch Nickt senkreckt, zur Glasfläche, also so: — 1, sondern schräg, nämlich so:— X hindurch. Das ist keine Schonung für die Augen, sondern eine fortgesetzte Ueberanstrengung derselben I Denn Sie werden hierdurch in eine schielende Stellung genötigt, und diese Zwangsstellung überanstrengt Sie schnell. Daher die rasche Ermüdung beim Lesen, daher die chronischen Kopfschmerzen, daher die Nervosität Letztere aber noch aus anderen Gründen. Ihr Kneifer hält schlecht. Zählen Sie bitte. wie oft Sie im Laufe von 10 Minuten ihn durch Anfassen in die richtige Lage bringen muffen! Wie Sie bemüht sein müssen, ihn dadurch in der rich- tigen Stellung zu erhalten, daß Sie jede Bewegung der Gesicktsmuskeln unterdrücken! Bis er Schließlich sich doch wieder vornüberneigt, und wieder gerode« gerückt, vielleicht auch, da Sie ihn öfter» anfasien müssen, geputzt werden muß. Und das soll Sie, wenn es von früh bis abends geschieht, etwa nicht nervös machen? Sie meinen, Ihr Kneifer sähe flott nuS? Andere sind anderer Meinung. Die Gläser hängen ja, statt wagerecht zu einander zu stehen, seitwärts herab; sie bringen einen gewissen leidvoll entstellenden Zug ins Gesicht hinein, der eher alles andere als einen netten flotten Eindruck macht. Ihr Kneifer erfüllt seine Aufgabe miserabel. weil er gegen alle anatomischen und, optischen Regeln konstruiert ist l Ein guter Kneifer soll so fest, so angenehm und so korrekt sitzen wie eine gut passende Brille. Er soll deren sämtliche Borzüge haben und ihre Nach- teile vermeiden. Man soll nicht nur reiten und radfahren, son- dern sogar, wenn eS sein mutz, radschlagen können. ohne daß der Kneifer abfällt. Er soll nicht das Gesicht zwickelförmig verunstalten, sondern wage- recht stehen, elegant und absolut unauffällig sein. Er soll vor allen Dingen ein vollkommenes optisches Instrument sein und die Augen nicht in eine un- natürliche, anstrengende Stellung zwingen. Der Kneifer, der allen diesen Ansprüchen gereckt wird, ist der L o h m a n n- Kn e i f e r; er ist patentiert und in Deutschland nur in einem einzigen Geschäft käuflich, bei der O r t h o z e n t r i s ch e n Kneifergesellschaft m. b. H., Berlin, Potsdamer Straße 134a. Daselbst wird auch gründliche Augenprüfung kostenlos gewährt, werktäglich 9—6 ununterbrochen. Man beachte aber genau die Hausnummer 134.4.(Einhundertvierund- dreißig), mit der Keanmarke„Lohmann-Kneifer", denn in unmittelbarer Nähe und viel auffälliger ge- legen befindet sich ein anderes optisches Geschäft unter ähnlicher Benennung, welches aber die vorzüglichen Lohmann-Kneifer nicht führen darf. . Man lasse sich die Mühe nicht verdrießen, sich den besten, vollkommensten Kneifer zu besorgen, den man bekommen kann, denn ein weniger vollkommener kann jahrelang nicht nur Unbequemtichkeiteu ver« Ursachen, sondern auch die Augen schädigen. Fortgesetzt gehen Anerkennungsichrerben ei». So schreibt uns Herr Kunstmaler Felix Stern. Berlin:„Es gereicht mir zur größten Freude. Ihnen bezeugen zu können, daß ich die Erhaliung meiner geschwächten Sehkraft Ihren Augengläsern zu ver« danken habe. Tie Schädigungen und Störungen, die mir andere, ungenaue Gläser und Fassungen einbrachten, sind mir einem Schlag« geschwunden, auch empfinde ich beim Tragen Ihrer Gläser gar nicht meine äußerst starke Kurzfichrigkeit." Herr Willi Richter, beim Stabe deS 12. A.-K., schreibt:„Selbst im Felde hat mir Ihr Klemmer, den ich nunmehr schon 5 Jahre trage. unschätzbare Dienste geleistet, so daß ich ihn nicht entbehren möchte." Der Lohmann-Kneifer ist der beste für Damen, für MililärS, für im Bureau Tälige. wie iür Sporlsleute. Wer ihn erst kennt, will nie wieder einen anderen, wer ihn noch nicht kennt, sollte ihn kennen lernen, und zwar, ehe es zur Schonung der Augen zu spät ist. Man verlange Prospelt 2iL LEIPZIGER STRASSE KÖNIG. STRASSE KOSENTHALER STR. MORITZ. 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Auf der Polizeidirektion wurde ihm von einem Soldaten, der ihm das Seitengewehr vorhielt, erklärt:»Ihr Bande seid nicht mehr wert, als daß man Euch das Messer in de» Ranzen rennt. ES'ist nur schade, daß es so kurz ist und hinten nicht wieder her- auskommt/ Am Tage nach der Erschießung beobachtete der Zeuge, wie unten im Gymnasium Ziehharmonika gespielt und getanzt wurde. Auch wurde viel getrunken.— Der frühere Unteroffizier Do nerbauer wurde auf offener Straße verhaftet, weil er an seiner Uniform noch die Unteroffizierstressen trug. Nach seiner Einlieferung ins Gymnasium hat er geseben, daß H e s s e l m a n n die Namen der Geiseln auf einen Block schrieb. Diese Notizen hat Haußmann dann mir einem roten Stift angestrichen und Hesselmann hat hinter jeden einzelnen Namen geschrieben:„Erschießen!" D o n e r b a» e r, der wiederholt vom Vorsitzenden darauf auf- merksam gemacht wird, daß Hesselmann jedes Verschulden in Abrede gestellt habe, bleibt dabei, daß dieser in. der angegebenen Weife tätig gewesen fei. Er habe hinter ihm gestanden und ihm während der Niederschrift über die Schulter gesehen. Das Wort »Erschießen' habe er mehrmals deutlich gelesen. Der Zeuge wurde vor dem Erschießen nur dadurch gerettet, daß er unmittelbar vor der Abführung der Geiseln hörte, wie man zu ihnen sagte:„Ihr seid Plünderer, jetzt geht es mit Euch zu Ende". Da habe er ge- rufen:„Ich bin doch gar kein Plünderer. Ich bin doch nur ver- haftet, weil ich noch die Tressen trug". Daraus wurde der Zeuge wieder in das Zimmer geführt, wo Seidl, Haußmann und dessen Frau sich befanden. Haußmann erklärte, indem er Seidl anscch:„WaS machen wir jetzt mit dem da?" Daraus er» hellt, daß Haußmann sich dem Seidl unterstellt hat, und daß damals die Möglichkeit bestand, diese und jene. Geisel zu befreien. Inzwischen erinnerte sich der Zeuge, der früher im Auftrag des Erwerbslosenausschusses die Kontrolle über Unterstützungsberech- tigte geführt hatte, daß er bei einem Besuch des bei Haußmann wohnenden Eglhofer, den er damals zu kontrollieren hatte, er mit der Frau Haußmann zusammen gekommen war. Er ftagte also die Frau Haußmann, ob sie ihn nicht wiedererkenne. Sie nickte mit dem Kopf unnd darauf wurde der Zeuge f r e i g e- lassen.— Ein weiterer Zeuge Schwarzmeyer war unter dem Vorwand festgenommen worden, daß er mit der weißen Garde telegraphiert und telephoniert habe. Im'Polizeipräsidium wurde ihm erklärt:„Wenn Du nicht gestehst, dann kommst du ins Luit- pold-Gynmafiuin. Da hast Du in einer Stunde nichts mehr mit der Sache ßu'tun. Als der Zeuge dann tatsächlich in das Ghm- nasiu mgebracht wurde, kam gerade H a u tz m a n n heraus, ge- folgt von den Angeklagten G s e l l und Hesselmann, wno sagte zu ihnen:„Jetzt gibt's ein G'schäft, jetzt Werdens erschossen". Hesselmann habe bei der Abführung der Geiseln mitgewirkt und angegeben, in welcher Reihenfolge die drei Gruppen auf den Hof geführt werden sollten. Der Zeuge hat auch gehört, wie der Prinz von Thurn und Taxis Seidl noch einmal um sein Le-ben .anflehte. Der Unglückliche wurde aber kurz abgefertigt und war -wenige Minuten später eine Leiche. Um 6 Uhr abends fragte ein Rolgardist nach dem Prinzen, erhielt jedoch die Antwort: chk?_„Der liegt schon lang drunten, der steht nimmer auf". Der Hotelier Aumüller kam nach seiber Verhaftung auf der Polizeidirektion mit den Mitgliedern der Thule-Gesell- schaft zusammen. Der Zeuge blieb mehrere Tage im Geiselkeller und gibt erschütternde Einzelheiten bekannt, wie die Geiseln mehr und mehr abstarben und sich in Nervenschocs und Krämpfen wanden. Der Obersekretär D a u- m e n l a n g, der schwer verletzt war und blutete, wurde von Siedl jedesmal, wenn er sich bei ihm beschweren wollte, mit dem Re- volver bedroht und aufgefordert, das Rau� zu hqlten. Die Gräsin Westarp versuchte vergeblich, bei«eidl eine Besserung ihrer traurigen Lage zu erreichen. Auch ihr hielt Seidl den Re- oolver vor das Gesicht und, als sie trotzdem weitersprach, ent- sicherte er die Waffe. Unterwegs beim Transport wurde das Publikum dadurch irregeführt, daß die Rotgardisten schrieen, die Geiseln seien Plünderer, wrguf die Menge z. T. noch„Bravo" rief und auf die Transportierten einzudringen suchte. Ein Pro- tokoll wurde stberhaupt nicht aufgenommen. Seidl selbst schrieb die Namen auf und sagte in außerordentlich zynischer Weise: „In den Keller mit den Schweinen". Mir einem gewissen Gal- genhumor fügte der Zeuge hinzu:„Es war ja auch ein furchtbarer Schweinestall, in den wir kamen. In einer Ecke saß Daumenlang und betete. Am letzten Abend vor der Hinrichtung war Geschütz- donner hörbar und darauf rückte» einige Rotgardisten«ms. Der Zeuge, der erschossen werden sollte, begegnete unterwegs Hautz- mann und Seidll Sie unterhielten sich einige Zeit über ihn und gaben ihm schließlich einen Entlassungsschein, worauf er sich schleunigst aus dem Gymnasium entfernte. Die Vernehmung des früheren Borsitzenden des RevolutionS- tribnjntls, Gronauer, erfolgt nunmehr. Er bekundet: In München war damals eine Berhaftungsmanie eingerissen, die ein Seiten- stück nur in der von 1914 hatte, als fast jeder Mensch als Spion galt. Gegen diese Manie wurde ich beim Stadtkommandanten, wie auch beim Vollzugausschvß wiederhlt vorstellig, erreichte aber nichts. Bei einem telephonischen Anruf dieserhalb sagte E g l- hofer zu mir:„Komm doch gleich mal herüber. Wir hgben Kerle hier, die Stempel gefälscht haben. Der Zeuge wohnte dann einer Vernehmung des N e u h a u s bei, der ein Buch der Thüle, Gesellschaft vorlegte, in dem sämtliche Namen der Mitglieder enthalten waren. Darauf erklärte Eglbofer:„Wenn ich die alle erschießen sollte, das gäbe etwas Schönes." Zeuge erzählt weiter tolle Stückchen aus dem Revolutions- tribunal und Luitpold-Gymnafium. Alle möglichen Leute wurden vor das Gericht geführt und in das Ghmnasiu� geschickt. Jeden Tag wrdcn 15 bis 20 Personen, oft direkt von der Slraße vorgeführt uns in vielen Fällen von den Rotgardisten für Leute, die in ihren Reden unvorstchlig gewesen waren, einfach die Todesstrafe verlangt.' „Er gehört an die Wand gestellt", mit diesen Worten wurde mancher in den Sitzungssaal geschoben. Trotz aller Gerüchte sei niemals ein Todesurteil von dem Tribunal gefällt worden. Die höchste Strafe waren ein- mal zwei Jahre Gefängnis. Das patzte natürlich den Radikalen vo mSchlage Seidls und Hautzmanns nicht in den Kram und man drängte den Zeugen dazu, auch einmal endlich ein Todesurteil zu. verhängen. Einmal.mußte der Zeuge drei Viertelstunden lang auf die Arbeiter einreden, doch vernünftig zu sein. Die Genossen stimmten zunächst zu. Als es dann aber hieß, die Plünderer aus den„Bier-Jahreszeiten", womit die Thule-Leute gemeint waren, seien verhaftet,, war kein Halten mehr bell den Rotgardisten. Der Zeuge setzte sich vergeblich dafür ein, daß die Angeklagten vor das Revolutionstribunal kämen. Die andere Seite erklärte einfach: „Gebt sie uns nur her, Ihr seid zu human". Darauf ist der Zeuge fortgegangen. Einmall brachten etwa 50 Ardeiter in höchster Er- regung einen Jntendanturbeamten angeschleppt, der geäußert hatte:„Wenn die Weißen wirklich einen Ring um Mün- che» gelegt haben, dann hängt uns in 8 Tagen die Zunge zunt Hal�hcraus��lln�i�lÄciter�u�eruhigrw�urd�e��ann zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt, aber nach_ seiner Entlassung von den Arbeitern fürchterlich verprügelt. Sie ließen erst von ihm ab, als der Zeuge drohte, er würde jeden, der den Beam- ten angriffe, standrechtlich erschießen lassen. Der Zeuge ist schließlich selbst verhaftet worden. Es gelang einem Radikalen, die Betriebsräte zu alarmieren, mit der Behauptung, daß Gronauer ein Konterrevolutionär sei und zu den Bürgerlichen stehe. Er müsse erschossen werden. Nur dadurch, daß die Wache des JustizpalasteS sich gegen fein« Verhaftung sträubte, kam. der Zeuge wieder frei. Ein weiterer Fall, wie man das Revolutionstribunal zu beeinflussen suchte, be- trifft eine S p a r t a k i st i n, die sich in einer Pension euigemietet hatte, in der Offiziere und höhere Beamte wohnten. Das HauS hatte zwei Ausgänge, von denen einer, dessen Tür defekt war, ver» schlössen gehalten wurde. Das behagte der Spartakisiin nicht. Sie ließ sich im Kriegsmlnifterium eine» Haftbefehl ausstellen, nachdem man die Pensionsinhaberin vor das Tribunal stellen sollte, wenn sie den zweiten Ausgang nicht offen� halte. Die Frau wurde auch zum Tribunal gebracht und ihr erklärt:„Jetzt werden Sie erschossen." Daraus erlitt die Frau einen Nervenschok. Der Zeuge gab ihr schließlich einen Ausweis mit, der sie unter den Schutz des RevolutionStrtbunals stellte. Solche Scheine hat er gegen 30 ausstellen müssen und infolge der Beeinflussung radi- kaler Elemente war er oft gezwungen, zu allerlei Listen seine Zu- flucht zu nehmen. Dem Prinzen von Thurn und Taxis, der schließlich doch noch ein Opfer Seidls und Hautzmanns wurde, hat der Zeuge auf diesem Wege zweimal gerettet. Leider habe der Prinz den guten Rat des Zeugen, nichts ins Hotel zurückzukehren und sich eine andere Wohnung zu nehmen, nicht beachtet und das habe ihm schließlich das Leben gekostet. Zum Schluß der Sonnabendsitzung wird dann noch der russische Untertan Z r o b e l, ein junger Mann von 18 Jabren, der nur gebrochen Deutsch spricht und demonstrativ ein rotes Band im Knopfloch trägt, vernommen. Er bezeichnet Seidl als einen aufrichtigen Genossen, unermüdlichen Arbeiter und zuvorkommen« den Menschen. Der Zeuge war gegen die Thule-Leute eingenom» men, weil von ibnen behauptet wurde, sie hetzten die» Landbevölke- rung gegen die Stadt auf. Darauf werden die weiteren Berhand- lungen auf Montag früh verragt. Theater üer Woche. 1. b..«chwarzNinsNer", 14. it. Jongfrrngsst�, t„ B. Ax"", 8., 10..SchwarzNinItler", 9., 11., 12. ,'ä Zungserngift, 14.„Maß für Blaß, 15.„®illjelnt SpD".— Opernhaus: 7.„Rossnkavalier". 8.„Hänsel und Eretel, Tanzbilder, 9., 13. �Lustige Weiber", 10. Fliegender Holländer", 11.„Iifef in Aegypten", 12.„Aida", 14.„Tannhäuser", 15.„Salome".— Schanspielhan»! 7.„Flachsmann als Erzieher", 8.„Peer Ennt", 9..Heimat", 10., 14.„Coriolan". 11.„Äreuzelschreiber", 12..Journalisten", 13.„Nathan der Weise". 15.„Räuber. — Deutsche« Theate»: 7., 11.„Hamlet", 8., 12.„Wie es Euch gefällt", 9.. 13. „Faust I". 19.„Die Wupper", 14.„Und das Licht scheint in der Finsternis", 15.„Aaustnann von Venedig"..— ttamwcrsplele: 7. n.„Eine glückliche Ehe", 14. n.„Nathan der Weife". 7., 9., 14.„Frühlings Erwachen", 8., U.„Maria Magdalena". 10.„Gefp cniierlo nate, 12.„Der Sohn". 13., 15.„Büchse der Vau- dora".— Lessing. Theater: 8., 11., 15.„Liebe", 9., 13.„Peer Synl", 10., 12., 14. „Der Schöpfer".— Deutsche» itünstlcrthcater: 8., 9.. 10., 11., 12., 15.„Schloß am Wannsee", 13., 14.„Die letzten Ritter".— Theater in der KSniogrätzee Straße: 7., 14. n.„Wustl". 8.„Musik", 9., 10.. 12., 13., 14. ,Han:eradon", 15. „Erdgeist".— Deutsche, Opernhaus: 7.. 14. n.„Rigoletto", 7.„Tannhänser". 8.„Cavalleria",„Schwätzerin von Saragossa". 9...Troubadour", 10..Lustige Weiber". 11.„Wildsäiütz", 12..Äraviata". 13.„Freischütz", 14..Carmen", 15..Siefland".—»leine« Theater: 7., 14. n.„Fohannisfeuer", 7., 8., 9.„Äüm- melblättchen". 10., 11.. 12., 13., 14., 15.„Summa Eummarum".— Luisen- Theater: 7.„Dorf und Stadt", 8.. 9., 10., II.„Der verflossene Reßdorf". 12., 13., 14., 15.„Strandgut".— Schiller-Theater: 7., 14. n.„Wie es Euch gefällt", 7., 8.. 9., 10., 15.„Bund der Jugend", 11.„Der Andere". 13.. 14...Flachsmann als Erzieher".— Urania! 7., 9., 13., 14.„In den Bergen Tirols", 10.„Der Groß» glockner". Täglich. KymSdicnhans:.Hiselolt von der Pfalz".— Berliner Theate« „Die Dame im Frack".— Trianou-Theater:„Der gute Ruf".— Residenz- Theater:„Das Hähers Leben".— gentral-Theater:„Die Sthänsie von allen".— Äomische Oper:.Liedeszauber".— Luslfpiclhau«:„So ein Mädel", 7. n..380 Frauen".— Metropol-Theater:„Die Faschingsfee".— Neues Operetteahans: „Die Dome vom Zirkus".— Thalia-Theater:„Jungfer Sonnenschein". 9.„Polnische Wirtschaft".— Theater am Nollendorfplatz:„Die Puppe".— Theater he» Westen«:„Die Frau im Hermelin", 7. n.„Eifersucht", 14. n.„Paradies auf Erden".— Theater drr Friedrichstadt: Vier Einakter.— Wallner-Theoter: „Eine Ballnacht".— Walhalla-Theater:„Das Gesetz".— Rose-Theater:„Som- mebnacht".—»asino-Theeter:„Großstabtpflanzcn". jvrcrsämGL, BERLIN C SßanJauer Str. 16 Gegründet 1815 DamenKleiöung kleiöerstoffe BW 56.00 Rsrnwoll. KWerstoöe 12 1 a. einfarb. Seide, /"Q /1A jDlUSe Krag, mit Stepp. Oy.UU Kleid au» weich. Seide 185.— TT 1* 1 au» weich. Seide o CA iS-leid m. einfarb. Stick. 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Zw ei mal läglich wird man rannen Voll Bewunderung und Staunen: Gin Programm, i o auserlesen, Das ist noch nicht dagewesen i 85/18 Opernhaus. Rosenkavalier. Anlani; OV; Uhr. Schauspielhaus. FlachsmaBD als Erzielier. Direkt'on Max Reinnardi I>eurwcheH Theater. j wr: Hamlet. UonL 7'/,; Wie es euch gefUIL Kamm erspiele. ?/, U.: si ne Rlückliche Ehe. » Uhr: Früliüngs Erwaclien Mont V/3: Mana Magdalena� Theater i. d. KOniggrätzerStraße 3.15 Ul»r: Musik. Abends 8 Uhr- Kameraden. Montag. Musik. Dienstag: Kameraden. Mittwoch; Kameraden. Donnerstag: Erdgeist« Freitag: Kameraden. BonnaLend: Kameraden. Sonnt tgnachm.: Musik. Abends: Kameraden. Montag; Erdgeist. Komüdieuhaus ö Uhr Die iünf Frankfurter. V4: Ltselott von der Pfalz. "Befüüer Theater 3 Uhr: Die tolle KomieÜ. (Hilde Wörner, Emil Birron.) 7.15: Die Dame Im Prack. Contrai-Tiieater Kommandantenstralie 57. u'hr Die Schönste W ÄUen. Üentttcbea Opcrnhaua » uhr: Tannhäuser. Kleines Theater. SVi Uhr: Joliannisieuer. 7v. uhr: Küimnelliiätlctien. KamiHe.tie Oper SV, Uhr: Liebes: auber. 1% u.: Liebeszauber. LuwtHpielhoaa 2� Uhr; 260 Frauen. j*/, uhr: So ein Mädel, Metropol-Theater. 7 u� 20: Die FaseDingslee. ÜYenea Operettenhau». BVz: Die keusche Susanne. 7'/, u-JeDamevoin Zirkus. Schilier-Theat. Charl. 3 Uhr: Wie es euch getüIIL uh.': Der Bund der iugeni ThaUa-Tlieatcr 3 Uhr: Polnische Wirtschaft 7v.u.:jun8!erSoiinensciieln TU. neu XoUendorfplata 3'/« U.: Drei alte Schachteln. pi, uhr: Die Puppe. Theater de. U'eateu. Bonntag 3 Uhr; Russisches Gastspiel: Elfersucht, 7»/- u.: Die Frau Im Hermelin Theater d. Prledrlchatadt k uhr: liier Einakter. Wallner-Theater S'/i Uhr: Qeizha. Ä? Eine Bailnacht, Trianon-Theater. Bhi.Friedrichstr.Ztr. 4927 �301 Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: Jobannlsfeaer. VC'S1 344. Male Per gute ftnf Komödie �on Sudermann, Mlttwochnachm. 4, kleine Pr.: stich nee wtttehc.n. Eonnab. nachm. 4, kleine Pr.: Aschenbrödel� Walhalla-Theater. 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Bon einem Straßenbahnwagen überfahren und schwer ver- letzt nach dem Augusta-Viftoria-Krankenhause gebracht wurde gestern abend 8 Uhr aus dem Viktoria-Luisenplatz eine unbekannte Frau von 30 bis 35 Jahren, die noch besinnungslos daniederliegt. Ein bedauerlicher Unfall trug sich gestern in der Schwedter Straße 9 zu. Dort haften sich im Keller des� Hauses Kohleuoxyd- gase gebildet. Als eine Frau aus dem Hause sich in den Keller begcib und nicht zurückkehrte, suchten zwei andere sie, die ebenfalls nicht zurückkehrten. Die alarmierte Feuerwehr holte alle drei Frauen heraus. Mit Hilfe von Aerzten gelang es, alle drei Frauen zu retten. Trotz aller Warnungen begab sich später eine vi e r t e Frau in den Keller und kehrte nicht zurück. Als nun abermals die Feuerwehr alarmiert wurde, konnte sie nur noch die Leiche bergen. Der Keller wurde von der Polizei abgesperrt und soll gründlich gereinigt werden. Ucberfall auf einen Wächter. Einbrecher hatten eS in vorvergangener Nacht auf die Schuhfabrik von Sally Stein in der Schillingstraße 15 abgesehen. Sie ließen sich cm einem Strick vom Dach hercib bis zu den Geschäftsräumen im zweiten Stock. Wäh- rend sie sich dabei machten, die vorhandenen Ledervorräte zusammen- zupacken, wurde der Wächter auf sie aufmerksam. Sie machten diesen aber unschädlich, indem sie ihn in den Keller einsperrten und mit vorgehaltenem Revolver hinderten, polizeiliche Hilfe herbeizu- holen. Sie stahlen ftir ungefähr 25 000 M. Leder und Häute und entkamen mft der Beute unangefochten. Vom ReichSkiirsbuch erscheint Ansang Oktober ein« neue Ausgabe zum Preise von 8 M. Bestellungen nckimen sämlliche Postanstalten und Buchbandlungen entgegen. Wegen der Schwierigkeiten bei der Herstellung des Kursbuches wird trnilichst srühzeitigr Bestellung empfohlen. Der Verband der Laubenkoloniste» Berlins und Umgegend ver- anstaltet vom 7. bis 9. September seine dtesjährige A u ö st e I l u n g von felbstgezogenen Blumen, Gemüsen, Früchten, Kaninchen unv Geslügek. Die Beteiligung der Aussteller ist in diesem Jahre eine besonders zahlreich«. Die Ausstellung findet in dem für diese Zwecke äußerst geeigneten Raum des Exerzierhauses deS IL Garde-Regiments, Karlstr. 12, statt. „DaS größte Lichtspieltheater Deutschlands" wurde Freitag im ehemaligen Sportpalast eröffnet. Ein Massenandrang von Frei- billettlern belagerte den Eingang, so daß unser Vertreter erst nach langem Warten in die total überfüllte Riesenhalle Einlaß fand und einen so ungünstigen Platz erwischte, daß er es vorzog, über den neuen Film„Die'von der Liebe leben" erst nach Herstellung günstigerer Bedingung«! zu berichten. Im Zoo heute Einlritt nur 50 Pf. während deS ganzen TageS, ebenso für das Aquarium; Linder unter 10 Jahren die Hälfte. Grsß-Serllner Partesnachrichten. ». Abt. Montag, T/3 Uhr: Sitzung der Parteisunkttonärr und Be- triebsvertraucnSleutc bei Kehser, Neichenberger Str. 154. Ausgabe der neuen Legitlmationskaften. 10. Abt. Montag, 7'/, Uhr: Funktionärfitzung im bekannten Lokal. Abt. Montag, 7 Uhr: Sitzung der Partcisunltwnäre bei Junge, Litauer Str. 17. 20. Abt. Parteisunktionäre und BetriebSvertrauenSIeute. Montag, 7'l, Uhr, bei Alörccht, Straßmannstr. 42. Ausgabe der grünen Ausweis- karten. XI. Abt. Fimktionärlonserenz am Montag, L Uhr, bei Pfeiffer, Hausburgstr. 2. 28. Abt. Montag. 8 Uhr: Fnultionärfftzung beim Gen. Allinann, Rhkeiir. 2. 35. Abt. Montag, T1/, Uhr; funktionärfitzung bei Rampel, Volta- strastc 45. Legiiimationslarleu jur Vertrauensleute sind beim Wen. Obst, Hussitcnstr. 35, abzuholen. 43. Abt. Montag, 7 Uhr: Funklionärsitzung bei Meher, Pankstr. 82. Der Abteilunqskassicrer Wen. Emil Glöckner wohnt W i e s e N st r. 21, nicht, wie irrtümlich angegeben, Liescnstrajze. 47. Abt. Montag. 7 Uhr: Sitzung der Bezirkssührer im Lolal von Senkel, Utrechter Str. 10. Charlottenburg. Montag 7 Uhr im Volkshaus, Tharlottenburg, Rosinenstratze 3, im llcincn Saal, kombinierte Vorstandssitzung. Nrutölln. Montag pünktlich 8 Uhr Funktionärsitzung jftndl-Brauerci, Hermannstrage. Lichtenberg. Montag 7st, Uhr ordentliche Funktionärsitzung bei Kur- kowSki, Psarrslr. 74.— Für den am 20. September stattfindenden Kunst» abend gelangen noch eine kleine Anzahl Eintrittskarten zur Ausgabe. Weißcnfce. Montag 7. Uhr Voritandssixung bei Bäcker, Berliner Allee, Ecke Albcrtmenstratzc, nicht bei Stärke. 60s Erleuchtung. Roman von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdorf. Und diese beiden Menschenparteien fahren fort, sich gegenseitig zu bekriegen. Sie tun es Tag und Nacht. Ich vermag nichts dagegen zu tun. Sie bespähen sich aus der Ferne, und sie werfen zu ihren Füßen die Schlachtgraben auf, die dem Kampfe dienen sollen. Die beiden Menschen- Parteien sind durch abgründige Grenzen von einander ge- trennt, die bespickt sind mit Waffen und Fallen und geladen mit tödlicher Kraft und vollkommen unzugänglich dem Leben. Sie sind getrennt durch alles, was trennen kann, und durch den Tod aller Tode. Und ein Feuer, das als heilig aus- gegeben wird, und ein düsteres Geflute und das, was Helden- tum ist, und das, was der Haß ist. es schleudert die Kämpfen- den unaufhörlich wieder in den Grund dieser Eilande, die vom Keuchen umbrandet sind. Und das Menschenleid wird aus den leidenden Menschen geboren, ohne daß es sich auf- halten und eindämmen ließe. Für solche Wahrheit läßt sich keine Rechtfertigung finden. Wirklich, es gibt keine Rechtfertigung dafür. Ich sträube mich dagegen, aber ich'muß seufzen und sinke wiÄer zurück. Dann quält mich die unvergängliche hartnäckige heftige Frage wieder. Sie guält mich leibhafttg. Warum? Warum? Ich bin wie der weinende Wind. Ich suche, und ich wehre mich. Und Kopf und Herz werden von unendlicher Verzweiflung eingezwängt. Ich horche. Ich erinnere mich an alles. * lieber den Häuptern schwingt und schwebt, scharf rau- schend mit den schlagenden Flügeln, ein Grollen. Es schwebt wie ein stürmischer Erzengel. Es überschwebt die Massen. Die Massen wogen durch die. endlosen Unterstände, oder sie schwärmen im Kreise herum, damit sie die vordersten Linien mit frischem Menschenfleisch versorgen. Und immer das gleiche Wort:„Vorwärts, Marsch! Vorwärts, Marsch! Es muß sein! Du brauchst nicht zu wissen, warum I" Ich erinnere mich an alles. Ich habe es vielfach gesehen, und«lj habe es gut gefehe«. Wohl branden diese Massen auf, wohl zerren sie sich los, aber ihre Gehirne, ihre Seelen und die Kräfte ihre? Willens leben nicht lebendig in ihnen. All diese Kräfte leben nur außerhalb der Massen. *■ Andere Menschen, die ganz fern von den Mafien wohnen, die ganz fern über ihnen Hausen, denken und wollen für die Massen. Es sind andere Menschen, die die Hände der Mafien führen und an ihnen stoßen und zerren. Es sind andere Menschen, die all die Fäden in den Händen halten. Sie hausen in der Entfernung. Sie Hansen nur im gedeckten Kern der höllischen Kreise, sie Hausen nur in den Hauptstädten und in den Palästen. Es herrscht ein höheres Gesetz, es rädert über den Menschen eine Maschine, die stärker ist als die Menschen selber. Di« Masse ist zugleich die Macht und die Ohnmacht. Ich erinnere mich, und ich weiß wohl, daß ich es mit meinen Augen gesehen habe. Der Krieg, das ist die Masse, und es ist nicht die Masse, von der der Krieg abhängt. Warum habe ich es nicht gewußt, da ich es doch so oft ge- sehen habe? Du Soldat in der ganzen Welt, Du Mann, den man nach Belieben aus den Menschen herausreißt, erinnere Dich an dieses! Es gibt nicht einen Augenblick, in dem Du Dir selbst gehört hättest. Niemals hat es ausgehört, daß Du ge- bückt gewesen wärest unter das bittere Kommandowort, gegen das es keine Widerrede gab:„Es muß sein! Es muß sein!" Solange noch Frieden ist, wirst Du eingezwängt in das un- aufhörlich einzwängende Gesetz der Arbeitsfron. Du wirst eingezwängt in die Fabrik mit ihren Schreibiischen. Du bist ein Sklave der Feder oder Deiner selteneren Gaben, oder Du bist der Sklave eines� anderen leblosen Dinges. Vom Morgen bis zum Abend wirst Du ohne Rücksicht zermalmt und zer- mahlen. Die tägliche Fron erlaubt Dir gerade nur, daß Du des kahlen Lebens Herr wirst und daß Du Dich ausruhst, dann allein, wenn Dich die Träume heimsuchen. Kommt aber der Krieg, den Du niemals gewollt hast, dann enthüllt sich das entsetzliche Verhängnis unabwendbar vor Dir. Welches auch Dein Vaterland, und welches auch Dein Name sei. Das Verhängnis packt Dich, es greift Dich cm, es verschlingt Dich. Der Atem der Verdammnis steigt auf. Man bemächttgt sich Deiner Person. Man unterwirst Dich durch drohende Maßregeln, die gleich Gefängnisstrafen wirken. Niemand, der in Armut geboren ist, kann dem ent- schlüpfen. Man sperrt Dich in die Kasernen ein. Man zieht Dich ganz nackt aus, daß Du entblößt wirst wie ein Wurm, und man bekleidet Dich wieder mit einer Uniform, die Dich ganz verlischt. Man bezeichnet Deinen Hals mit einer Zahl. Die Uniform dringt in Deine Haut hinein. Die soldatischen Uebungen formen und schneiden Dich zurecht, als wenn Du ein Münzstllck wärest. Dann tauchen plötzlich Menschen auf, die glänzend angezogen sind, und die Dich im Kreise um- ringen. Man erkennt sie. Es sind keine Fremden. Also ist Karneval geworden? Gewiß, aber ein wildwütiger, auf das Letzte gehender Karneval. Es gebieten die neuen Herren, die unumschränkt sind, und sie prunken mit der Macht, die golden an ihren Rockärmeln und an ihren Mützen prangt. Die Männer, die derart vor Dir stehen, sind nun auch bloß die Diener der anderen, die noch eine größere Macht bedeuten, wie es auf ihren Röcken sichtbar wird. Du sinkst in ein elendes gedemütigtes und zerquetschtes Leben hinein, dos Tag um Tag schliinmer wird. Du wirst schlecht ernährt und schlecht behandelt, Du wirst in Deinem ganzen Fleisch und Blut angegriffen. Du wirst gepeitsch von den Befehlen Deiner Oberen. In jeder Minute wirst Du heftig zu Deiner Engnis zurückgeschleudert. Du wirst gezüchtigt bei der geringsten Regung, die sich wehren will. Oder Du nrirst getötet auf den Befehl Deiner Herren. Es ist Dir verboten, in Eintracht zu Deinem Bruder zu sprechen, der Dich berührt. Ein stählernes Schweigen muß rings um Mch herrschen. Dein Gedanke darf nur ein tiefes Leiden sein. Die Zucht ist unumgänglich, da- mft oie Menschenmasse in ein einziges Heer zusammenge- schmolzen wird. Trotzdem manchmal zwischen Dir und Deinem nächsten Vorgesetzten eine oberflächliche Verwandtschaft spür- bar wird, hennnt Dich die Leblosigkeit der Befehle. Das muß so sein, damit Dein� Körper besser nach dem ganzen Schritt und Tritt des Regiments in Bewegung gesetzt wird. Alles, was Du selber bist, es muß schwinden. Trittst Du in Dein Regiment ein, so bist Du schon so etwas wie em Toter geworden. Eine Stimme, die aus der Vergangenheft zu mir zurück- kehrt, schreit:„Sie schmieden uns zusammen, aber sie reiße» uns wieder auseinander!" (Forts, folgt) \ fNKW». Hwrtoc, TV, Nhr. Btf fltagd,«SHImstr.<8; KmMonir. kottferenz. Tempelvof. Morgen Montag, 7 Uhr, bei Schretter,«Soltlieb-Dunkel- SKatze b0(Industrieviertel): Sitzung aller PmteisunflionSre. PttnNli«-, Erscheinen dringend ersorderlich� In dieser Sitzung werden die Funltionär. karten ausgegeben. „ �Kriedena«. Montag, 8 Uhr, Frauen-Vbend In der Luisenschule, «oßliwstra�«enosse Griedel, der Leiter de« LevenSmtttelamteS. wird liber die Lebentmittelpersorgung Friedenaus sprechen. Noivaweö. Mittwoch, 8 Uhr, bei Hermann Ebel, Priestrrstr. ZI, neiner Saal: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Gc chiistlicheS L. Kommunales. Resercnt; Genosse O S m e r. 3. Diskussion. 4 B-r. schiedenes, Gäste haben Zutritt. »erew für Araueu und Rtödiben der ArbriterNaste. Freitag >/,t Uhr: Besichtigung des Pestalozzi-FröbelhauseS. Karl-Schrader-Str. 8. Die Besuchcrinnen der Leseabende sind dazu besonders eingeladen. Trefj, Punkt vor dem Hause. Linie 2 und alle Bahnen zur Giunewaldstrasie. El. S». D.»lrbctterrSte, Obleute und Mitglieder der erwei. terte» Oreöverwaltuug der Metallindustrie. Dienstag g S-Pt nachm. i Uhr, Versammlung im Jugendheim, Lindenstr. 3, 2. Hos 8 Tr Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu der am Donnerstag, den lt., statt- jindcnden Sitzung der erweiterten Ortsverwaltung und der ArbeitervSte der Metallindustrie. L. Berusssragen. 3. BerschiedeneS. ES ist Pflicht aller, au dieser Versammlung zu erscheinen Partei- und Berbandsbuch legUimlert. Der Gruvvensllhrer der S. P. D.-Arbeiterräte der Metallindustrie. Karl Schmidt. «iseudahuer-WerbeauSschuft l Nächste Sitzung am Montag. 8. Sep- tember, nachmittag» 4 Uhr, im Desiauer Garten, Desfauer Straße, Ecke KSnIggrätzer Straße. Sehr wichtige rageSordnung. Neuaufnahmen l Zahl- abend I Briefumschläge mit Adresse mitbringen I Werbeausschich für Post und Xclegrapbic! Montag abends 8 Uhr Versammlung der BetriebSvertr�-ensleute deS SV-, S-BezirkeS im Lokal Reichenberger Str. 1ö. Angestellte der Sharlottendurger Glühlampenwerke der SiemcnS-Schucker-t-Werk«. Versammlung aller in der S. P. D. Organisierten Montag, den 8. September, nachnnltags g»/, Uhr, im Nordwest« Kasino, kllt-Moabtt 5S. Mitgliedsbuch legitimiert. BezlrkSvtrband Groß- Berlin.'_ Vorträge, vereine unö Versammlungen. Arbeiter-Elamariterbnud, Kolonne Groft- lNerlin. Lehr- und UebungSstunde haben: Montag, 7'/, Uhr: Bezirk Tcmpelhos, Berliner Ctr. 04, E. Merten. Bezirk Süden, Abt. I, Melchior- straße 15. Daselbst AuSgab« von Verbandsmaterial, Taschen und Arm- binden sowie RMIemptlung derselben. Donnerstag: Bezirk Weste», Abt. III und VT Schöneberg, Vorbcrgstr. 11, Rest. Haendel. Freitag: Abt. V, Neukölln, Weichselstr. 8, Jdeal-Pas�ge.— Bnnd der technische» Angestellten und Beamten, Ortsgruppe Nord- west II. Montag, den 8. Sept., abends 7>/, Uhr, Monatsoersammlmig im Nordwest-Kafino, Alt-Moabit 55/58:.Stand der Tarisverhandlungen'. RetchSbunb der KrtegSbeschädtgten. Bezirt S Süd-Ost. Nächste Hlnterblicbenenvertammlung am Montag, abend« 7'/, Uhr, in Schuhmacher» Feilsälcn, Skalltzer Straße 125. Mitgliedskarte legitimiert. Ausnahm« neuer Mitglieder. Obleute der Fachgruppe 9. Gemeinde- und gemischt-wirtschaftliche Betriebe. Sitzung Donnerstag, 11. September, abend» 5 Uhr, im Berliiter Rakhaufe, Zimmer 10g. Tagesordnung HKonstituierung de« 17 er- Ausschusses. Berichte über die Entichuldungssumme. Der Tarifvertrag. — BollznaSaudschnf« der Obleute aller Nngestelltenausschüsse der Srofj-Beniner Metallindustrie. Versammlung Dienstag S Uhr pünkt- lich in HaberlandS Festsälen, Neue Friedrichstr. 35. Tagesordnung: Betriebs- chätegesetz. Referent: Däumig. Entscheidung über Taris mit V. B. M. I.— �eichsbund der KrtegSbefchüdigten. Bez. Lichtenberg. Nächste Mit- gliederversammlung Dienstag'1,6 bei Schwarz, Möllcndorsstr. 25. Jugenüveranftaltungeni Parteigenossen und Jugendfreunde l Immer noch stehen unzäh- Nge Eurer Söhne und Töchter der Bewegung sern und haben den Wert derselben nicht erkannt. In den nächsten Wochen treten abermals Tausende junger Burschen und Mädchen m da» Erwerbsleben ein und muß es daher Eure Pflicht sein, dieselben aus den„Verein Arbeiterjugend" und seine Deranstnltuiigcn hinzuweisen und zum Besuch derselben anzuhalten. B e itri t t» e rtlä run g e» werden aus allen Vera»« staltungenentgegengenommenl TÜeddiiig. Dienstag, 7 Uhr, im Jugendheim der 14. Realschule(Ge- sangsaal), Lütticher Str. 88: Mitgliederversammlung. Vortrag:„Geschichte und Bedeutimg der proletarischen Jugendbewegung". ikSetteranSstchten für da» mittlere Norddeutichland bis Montag mittag. Trocken und überwiegend heiter, nur morgens und abends dunstig. In de« Tagesstunden warm bei meist schwachen, süd- östlichen Winden. Bekanntmachung. «etnBH si 5 der«erorbmma 6« Magistrat,«eeli»«bei Lebensmittelkarte» vom 18. Oktober 1816 wird für de» lbemeMde- dezirt der Stadt Berlin bestimmt: l. Auf«bschnltt V I» dar«kinfustr-zosa�kar,« der Swdt Berlin entfallen V-Wllü MMMK WWvchl oder '/.Md inMiles welzeiMl »ach Wahl der Bezugsberechtigten. 2. Der JTI einhandelsveriau ssprei» betrSgt fllr da, auf den Wschnllt V IS auszugebende ausländische Weizenmehl 0,4» M. je Pfund, siir tnllindffche» Welzenmehl(St prozcntigessf 0,1« M. je Pfund. S. Unter Busschluß nachträglicher«nnabme sind die Bor- angicide-Abschnitte in der Zeit vom Monlag, de»». bis mittwoitt, den 10. Sewfemb« ISIS, bei den Klein- Händlern abzugeben. Die Kleinhändler haben die Abschnitte am II. September 1818 bei den Sroßhändlern abzuliefern. Mit dem Verkauf de» auoUlndische» Mehl, wird einig« Tage später begonnen werde». Nicht abgeholt» Ware»erMt mit dem 1. Oktober 1919, i. Oa» wuwdtsch- Vstzmu-rahl kann gegen Abgabe de« ganz«» Abschnitt«» V IS der Einstihr-Zusstzkarte ohne Uoroutneldnnki sofort in den durch entsprechende Plakate kenntlich gemachien Klewhandelsgeschästen entnommen, werden. Zlach best 1. Oktober 1010 wird inländisches Weizenmehl auf den Abschnitt V lS nicht mehr ausgegeben. 5, Die mit dem Berkens» de« Znlondsmehls nebe« dem Anslandemehl beonstragteu Kleinhändler stich nerpstichtrt, die für da» Inländische Mehl enlgegse-genommenen«d- schuitte V IS der Einfuhr-Zusahlarte im»eisetn de» publikom» mit Blanstisl zu durchstreiehe». Die für das Inländische Mehl entgegengenommenen Abschnitte V IS der Einfuhr-?, nsatzkarte sind gelrennl ooo den MehlobschniNen der vrolkort» am Freitag, de» 1. Oktober 1818, an die Brotkommlssiou adinsllhre». Hinsichtlich der Abgab« der Mehlabschntlte der Brotkarte verbleibt e» bei den bisherigen Bestimmungen. 6. vi« orduunsomähis« Ausgab« des Mehl» in den SlelnhovdelsgejthSftco s»Ird kootroSIert. chiostchtlich der«usgade de» Mehl» oerbleib» e» bei»mferer vokaunimochnug vom 10. Kai ISIS. vi« ktlaluhSodisr, die das reine ausländische Mehr e'-lva zurältbehalieu. vermischen»der vertossche«, oder aber»esldesiäno« uubefugk oermeadeu, hoben uuuachftchllich Schließung des Betriebes zu g». märlige». Im adrig«» finde«, sofern nicht ander« Vorschriften schwerere Strafe» aussprechen, dl« Strafdefiimmungen dos g 10 der Verordnung de» Magistrat» Berti»»om IS. Oktober ISIS Anwendung. Berit«, den S. September 1818. Magistrat. Abteilung für Nährmittel. b. Nr. 5171 Nä. Bekanntmachung. Einwendungen gegen die Zuteilung der Kohlenkarten sind sttr die Einwohner der Etabt Berlin unter Porleauna der Zeit An sed�Montag nur von Pers. a. d. Brotkommifs. 1-40 .. Mittwoch, 0.. 81-120 .. Sonner,tag...... � ß?»nA-°d.'.'.'.' At-Sch!� Doch wird nochmal» darauf hingewiesen, daß vor dem iz. September«in« Bearbeitung von Eingaben nicht vvr» genommen werden kann, weil srühesten« dann die erforderlichen Unterlagen(Mieterquittungslistenj an UN, zurückgelangt sew werden Es ist unbedingt erforderlich, daß jeder Eesuchsteller über die Nummer fetner Brottonimission genau Bescheid weiß. Es wird empfohlen, die Einsprüche inäglichst schriftlich an die Devutatwn für die Kohlenvirsorgung, Spandauer Etraße 10, zu richten. Bei mündliche» Einsprüchen empfiehlt e» sich, Ausweise über die vorhandene Personenzahl— möglichst Bestätigung der Brotkommisüon— mitzubringen und, sosern für die später auszugebenden vsenkarten auch Angaben über die Wohnung zu mache» sind, auch den Mietvertrag.. � � � Echlieiilich wird die letzte Abteilung unserer Bekanntmachung oom-i- August 1913 hiermit wiederholt: „Um bei der späteren A«»strllung der Ofcnforte» falsche gustellunzen zu vermeiden, werden all« diejenigen, die zmn 1. Oktober n-nznziehen beabsichtigen, im eigene» Znteresie aufgefordert, sogleich— d. h. schon vor dem Umzüge— ihre neue Wohnung de, Deputation für hi« Kohlenoersorguna mitzuteilen. E» genügt e>nr Postkarte mit der U-brrschrifi „Umzno» unter Angab« der ollen und der neuen Wohnung, de» tlmzugstrrmin» und d-, Rmnens. Es empfiehlt sich, dies« Umzugsmeldui.g nicht mit anderen Wünsche»»de,»«- fragen zu verqutcken? Berlin, den 5. September 1919. Magistrat. Deputation für die Kohleuversorgmig. Ooehaiag. Bekanntmachung. I. E« entfallen aus den AbschnU, X9 der allgcoeine» Cabensmltlellacf« der Stadt Berlin 100 Gramm ReiS für 0,41 M. S00 Gramm Teigwaren sowie auf Abschnitt 48 der LedenomMeliarte sllr Zugendlich« iiSV Gramm Haferflocken. 2. Unter Ausschluß nachträglicher Annahm, sind die An- meideabschnttt« von Montag, den«,«eptmabei,»i,»ttt- woch, de» 1». September 1818- bei de» Klliichändirrn»dpi- Di« Kleinhändler haben dir Amneldeabschaitte zn�drn aufgerufenen Nummern bei den Großhändlern am tL Gep» tcnioee abzuliefern. 4. Nicht abgeholte Ware verfällt mit dem 10. Oktober 1818. Berlin, de» b. SeMemb« 1918. eichen: ZU. BTO. Magistrat. Abteils ag für Nährmittel. MwMe Mmm W ReiierMlW. Die fSMg gewordenen Steuern für den Zeitraum April» September 1918 sind spätestens bis 18. September 1919 an die zuständige Struerkasse zu zahlen. Räch Ablaaf dieser Frist erfolgt ohne weitere Benachrichtigung die kostenpflichttg« Bei- treibung im Berwaltungszwangsverfahre». Sin, besonder« Mahnung durch Bersendimg von Mahn- zetteln findet nicht statt. 7009 Di« Stenerzahlkart« ist bei der Zahlung vorzulegen. BerNn�Schbnrberg, de» t, Sqüember 1818. Der Magistrat. Bekanntmachung- Die infolge Besserung der Berliner Lebensmitielverforairng dauernd zurückgehende Teilnahme au der städtischen Volk»- speisnng macht Vp« IV. September d. I.«b wettere Einschränkungen notwendig. Die sehr wenig w Anspruch genommenen Au«ab»strlle» Sir. 8(Danzlger Str. 23), 0(Sbfenftr. 17J, 65(Sofemannftr. 8), 19(Ravensstr. 12), 22(Böltgerstr. 18), 23(Ehristianiastr. 86/89). 41(«örlißer Ufer 4), 48(Relchenberner Str. 181/182), stv (Bocbumer Str. 8) und 65 sWUmsstr. 10) werden aufgehoben. Den wenigen dort noch verbliebene» Teilnehmern muß an- heimgestelli werden, eine der uSchstbelegenen bestehenbleibenden Ausgabestellen aufzusuchen. Es werden offen gehalten: Hlasgabest«»« ZI«. 1/2 Tresckorvftr. 11 .« Zehdenlcker Sic. IT/IS ,0 Schn, edler Str. 292-294 « m 9«reif-nhagenar Str. 80/ .10«ravuftr. 11< .. 11/13 Landsberger -.. 13 .14 .1« .10 - II .10 .20 .21 .24 20 Strahn, annftr. I Bigacc Str. 01/02 Memeier Str. 24/29 Lasaeftr. 20 JS�fcilr. 34.15 tiejitarffc. 5 »iwerftr. 150/150 Schulftr 99 100 Ehrlftlania�Ir. 4/0 . 22/28 neue Friedr'chftr. 29/94 - 31 . 32 . 33 . 34 » 32 . 39a . 42 » 44 . 40 . 40 . 49 . 02 » 53 . 54 « 50 - 52 > 58 . 01 . 03 . M Marknsstr. 49 Schmidftr. 38 Zliederwaftstr. 12 Sttbrechftlr. 30 Straifonber Str. 84 waldemarstr. 22 Eitvaauer Str. 12/16 Viefteabachftr. 51 Bremer Str. 13/12 Qothsmstr. 113 ««.Moabit 23 Lulfsnafrr»st/IS rvassertorftr. 8tlt« Zakobftr. 122 aleindeereuftr. 2 vlittenmalder Str. 94/39 Velie-Ailianceftr. 00 Steinmehftr. 20 Sell-rstrah« Stadthano (nur für städttsch« Bramtr) Der Essenprris wird vom 16. d. Mi». a6 auf 60 Pf. für die t�chtier- und 40 Pf. für die»/.-Liter-Portion feftgefeid Berlin, den 6. September 1818. Magistrat- Mermuth. Z..Mr. 1074 V. Speis, l 1818._ wissen müssen! WaswinonimliUlieii Bearbeitet ton Fr. Robert. Mit 10 niustratjonen. Keiner versäume, dieses lehrreiche Werte zu lesen, es gibt jedem Aufklärung über alle Fragen im Liebesleben. Preis 225 M. postfrei. Nachnahme 40 PL mehr. Ausfährt. Prospekte gra'ls. Arhona- Versand, Berlin N 330, OdcrbetKsr Str. 29. Sie ranehenzii viel! „Rauchertrost** mw»* Sa6te,taob.(r9M«Ä � 6 ZW!» M} f-ei Nachnahme. 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September an, ist nnser Verbandsburea« täglich dnrchgebend von 8— S Uhr, Sonnabends von 8—1 Uhr» an jedem Donnerstag dagegen von 8—7 Uhr geöffnet. 217/20___ Die Ori»nctuaafW—. UWbrEinipglSSoiiiHe. Montag, bot 8. September 1919, abend« 7 Uhr, in der Aula der Friedrich. Werbers chen Oberreal schule: Generalversammlung. TageserhuNu«: ta/i L Bericht des Äajgrars. 2. Neuwahl besf--- tKSssssr* l hatzlreiches Erscheinen bittet vee svoef>a»b. ZmkstlMM m SteiMiM NMlstM. DienStag, den 9. September, abend« 7 Ahr: «mmnll berlmMW v&m JtantB Zlonzertflleu(früher ienstr, 6SS9(Saal 1). iu den Berliner Bereine.. Armin-Hallen), jtoimuaudauteustr. Tagesordnung: l.«ertrag Über:.»ätesyste« NU»«rdett-gemriuschaft-. Referent wird w der«ersatmnlung bekauntgegebeu. 2. Verschiebeues._ MM DetMoog bei SteiMbeller».ÄZe. In demselben Lokal(Saal I) Freitag, den 12. September, abends 7 Uhr.' Tagesordnung! l. Unsere Tarisünderuug zum l. Ollober. und wie stellen � �weUchatK«�. 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Der Unternehmer pflegt daS.Zugstück", das oft genug den literarischen Charakter der Bühne schädigt. In der Grohstadt entartet dieie Pflege zuweilen zum Serien« System, das auch die Schauspieler verdirbt« Reizmittel der großen Bühnen find übermäßig kostb»re Auis stattungen, die großen Aufwand erforder?. Einmal an Luxus gewöhnt, fordert ihn das Publikum bei jeder Neuaufführung. Das macht die Auf« führung neuer dramatischer Werke, kostspielig, erhöht das Risiko, dämpft den Wagemut und schädigt die Dichter, die vergebens ans Tor pochen. An dem gleichen Strange ziehen die hohen Ge- hälter der.StarS". Der Name ist englisch. Aber üppig gedeiht der Star im sub- tropischen Klima des romanischen Enthusiasmus. In Frankreich liebr man durchaus die große Geste, die»große Szene" ffie kehlt in keinem franzöfischen Schauspiel!), den großen Komödianten(Typ: Sarah Bernhardt). In Amerika, in Italien ist an den Kometen- schweif des Stars das wandernde Theater gebunden. sStagionel) Ursprünglich war ja der Star ein Stern am Opernhimmel. Wenn er dort die Stunde regierte, richtete er geringeren Schaden an, denn e« wurden— zumal in der alten italienischen Oper!— nicht gerade geistig« Zusammenhänge von der großen Kanon« zerristen. Hevle ist der Star eine internationale Erscheinung, und er schädigt vor allem da« deutsche Schauspiel großstädtischer Theater. Dieses am meisten schädigt er l Denn eS ist in seinem innersten Wesen starfremd, es will— in irgend einer Höhenlage des Stils!— das organische Leben und nicht das Trapez des Virtuosen sein, und seine darstellerische Vollkommenheit ist da« vollkommene Ensemble swill's Gott! ein Ensemble von starken Persönlichkeiten I) Star und Virtuose, sind das zwei Worte für dasselbe Ding? Nicht immer. Der Star ist in der Regel Virtuose, der Virtuose kann zufällig Srar sein. Der Star ist der bevorzugte Stern,.der h�mUche König eines Theaters. Wo er herrscht, dort beugen sich ihm die künstlerischen Gesetze. Die aufzuführenden Stücke werden nicht aus sachlichen Gründen, sondern zu seiner Gloria ausgewählt. Die Rollen werden so verteilt, daß der Star zur Geltung kommt— wobei es sich nicht bloß um die ihm.selbst zugewiesene Glanzrolle, nein, auch um der Sterne Chor bandest� der nicht die Emme verdunkeln darf. Ge- witzte Dichter lassen ych von ihren heiligen Träumen die dem Star an den Leib gemessene Rolle eingeben. Auf den Proben nimmt der Reg'sseur mit Aufopferung ernster Einsichten Rücksicht auf den überaus teuren Künstler, der übrigens seltener ein Mann als eine Frau— und äußerst selten ein ganzez Mann ist. An großen Bühnen regieren zuweilen neben einander mehrere, ja hier und dort sogar recht zahlreiche Star». Ihre Befriedigung wtrd zur Schachaufgabe deS Theaterdirektors, dieser selbst zum Diplomaten. Geraten zwei Stars einander ins Garn, so bildet das Publikum Parteien. Auch das steigert den Theaterbesuch, wie denn überhaupt das ganze Starsystem nicht? ist, als eine Mausefalle des kapita« listislyen Theaters. Der Unternehmer nimmt jene Instinkte des Publikums, die am leichtesten zu haben find: daS kindliche Interesse für die Person des Schauspielers, die naive Verwechslung von Rolle und Rollenträger, die sichere Wirkung eines einmal abgestempelten großen Ramens, in Tribut. Er, der Unternehmer, hat vielleicht selbst wesentlich dazu geholfen, mit allerlei Bevorzugung und Reklame, den Glanz des Stars zu entwickeln. Zum Scheine selbstlos, erzog er sich eine kostspielige Kraft. Doch wie hoch auch die Gage sei, diese Geschäftsspesen werden gedeckt von der richtig gehenden Zugkraft des Stars. Es kann selbstverständlich nicht Mittelwuchs zur Zedernhöhe gestreckt werden. Beim Theater herrscht, mau sage was man wolle, ein Rest von Gerechtigkeit. Wohl kann da? wahre Talent unter- drückt und vernachläsfigt, wohl kann eine Zeitlang der bevorzugte Schauspieler sehr überschätzt werden; doch die unmäßigste Pro- teition ist nicht imstande, wirkliches Unvermögen dauernd in hoher Geltung zu erhalten. Der Star ist ohne Zweifel ein Talent, es ist irgend ciwas an ihm.dran". Wahrscheinlich nur zu viel ist an ihm drum und dran! Denn wie in der Politik und auf allen menschlichen Gebieten, verdirbt auch in der Slbauspielerei ein Uebermaß von persönlicher Macht den Charakter(des Schauspielers künstlerischen Charakter). Mandbe von den Stars waren von ihrer Natur auf das Virtuosenhafte eingestellt, andere bewahrheiten das Wort des Wallenstein, daß es nicht immer möglich sei, sich im Leben Kinder zu halten... Die kun st schädliche Wirkung des StarsystemS äußert sich zunäch st unmittelbar am Star selb st. Jeder von uns hat Schauspieler gekannt, die von der Höhe, auf der die reinen Altarflammen lodern, herab- sanken zu einem mebr oder minder zügellosen Götzendienst vor dem eigenen Ich. Ein Beispiel, daß um so schwerer wiegt, als e? einen der bedeutendsten Gestalter der» Gegenwart be- trifft, springt vor Augen. Der große Künstler war, als auch ihn wie die anderen der strenge Tempeldienst der Otto Brabm- s ch e n Bühne zum selbstlosen Wirker am Werke machte, als Potenz viel bedeutender denn in diesen späteren Tagen, in denen er alle Strahlen auf seine Geltung sammelt, und aus jedem Ensemble eigenwillig und aufdringlich.hervorsticht". Ans dem Wege über die Reinhardlbühncn ist er— egozentrisch geworden. Der Virtuose ist gefährlich. Ist er gastierender Künstler, so mag die Gefahr mit dem Genuß hingenommen werden: sie zieht vorüber. Als beständiges Glied eines Ensembles, als Star, zerstört er mehr oder wenigerZdie Einheit, den Stil, den Rhythmus der Aufführungen. Seine großgezüchrelen Monomanien und Manieren und Eitelkeiten, vom starsrommen Publikum als Offenbarungen verehrt, werden vom respcklvollen Regisseur aus Unkosten deS großen Ganzen schonend behandelt. Wie denn sollte er nicht Respekt haben, sollte er nicht schonen, der Regisseur? Vom Star' hängt doch zum guten Teil das groß« Geschäft ab l Im früheren Jahrhundert blühte die Vergötterung einzelner Sänger und Schauspieler vielleicht noch üppiger. Man weiß, wie eS die Berliner mit der Schröder- Devrienttrieben— und mit der Friederike Bethmann-Unzelmann, deren blaue oder braune Strümpfe und Schuhe(so erzählt E. Th. A. Hoff- mann!) Kampfparteien im Publikum hervorriefen! Aber EtarS, d. i. Selbstherrscher aus den Brettern, waren das doch nicht. Denn harmloser war die Zeit. Das großkapitalistische Schwergewicht fiel nicht sehr mit dem Talent des Künstler« in die Wagschale, seine Macht war nicht so„fundiert"; und ein richtiges Ensemble gab eS noch kaum zu zerstören. Das hat eigentlich erst Otto B r a h m geschaffen— der den Willen der Dichtung hoch über das Beifalls- bedürsnis des einzelnen Schauspielers stellt«. Der auch die so- genannte.Nebenrolle" austilgte. Wagt keiner zu behaupten, daß die starken Staturen im absoluten Ensemble des Brahmschen Lessing- Theaters um ihr inneres Recht kamen I Nach des Meisters Tode jjing seine wichtigste Reform alsbald unter— sicher nicht für immer! Ein stilreines, harmonisches Ensemble ist heute auf den Berliner Bübnen selten zu genießen. Max Reinhardt, der schöpferische Zauberer, hat es nicht zur Regel gemacht. Seine mannigfaltigen Stars stehen im Wege. Der Star schädigt die eigene Künstlerschast und da« Ensemble. Ein weiterer sehr wesentlicher Schaden, der von ihm ausgeht, ent- zieht sich der Außenwelt: Die individuelle Rollen- besetzung wird an einer Starbühne zum Märchen. Selbstverständlich werden die einmal geeickiten.Lieblinge des Publikums" mit den tragenden Rollen seder Novität bedacht, ohne Rücksicht darauf, ob im Mitgliederstand die Kräfte sich �finden, die weit besser für die fraglichen Rollen geeignet wären?" Denn der Nimbus der Swr» mindert das Risiko einer Erstaufführung, das unter dem Druck modernen Ausstattungsaufwandes so groß ist. So hat sich der künstlerische Leiter, indem er den Star mehr und mehr zum Herrn der Situation machte, der Freiheit tu der Rollenbesetzung begeben. Der Star ist ein Unterdrücker keimenden LebenS. Er nimm� den Künstlern seiner Um- gebung Lust und Sonne. Es kommt vor, daß an einer Starbühne die späteren Wiederholungen des neuen Stücks den Wert der Erstaufführung überragen. Denn jetzt hat der Star, dessen Ehrgeiz gestillt ist, seine Nolle abgegeben und etwas ist ihr der Nachfolger oder die Nachfolgerin individuell unvergleichlich besser gewachsen. Aber die gedruckte öffentliche Meinung nimmt nicht Kenntnis von der späteren Aufführung, und sie verhilft dem Künstler daher nicht zur gebührenden Geltung. Es liegt auch im ge- s ch ä f t l i ch e n Interesse des Bühnenleiters, manches starke Talent, da« er wohl auszunützen weiß, mehr im Verborgenen brühen zu laffen. Wobiü käme er mit lauter.StarS"? Die unsinnig hohen Gehälter der StarS belasten de« Etat deS Theaters über die Maßen. Sie rentieren nur, wenn die Zugkraft der StarS aufs äußerste benutzt wird. Sie zwingen den Unter- nehmer, das Reizmittel beständig zu verschärfen und in den Vorder- grund zu stellen. Sie veranlassen die Fehlbesetzungen und der- hindern die strenge Pflege eines wohlabgestimmten Ensembles. Sie dämpfen den Wagemut. Hier ist einer der zureichenden Gründe — und nicht der schwächste!— für die mit Recht beklagte Ver- nachläsflgung der neuen dichterischen Produktion aufzuweisen. DaS Starsystem der großstädtischen künstlerischen Bühnen ist Ursache vielen UebelS; aber seine eigene Ursache ist daS kapitalistische System. lAr-s«»«ll-iwntÄMg Hermann Engel eleganter garnierter MMLNzMs «ns Zyiioder, Samt, Tretce, Hht tmd VtHoca daran 1er ein« Aoswahi Wiener Originale. Stranßtederrtlsohmi* Reiher Harabukxagen 80 BL, 88 Damen- TÄütto mit gestickter Ecke 1,50 l.*5 1 o,85 n. PrlM Dreü- WlNSldck mit bunter Kant« staefe 4.75 M. SS K. Sohwano tefflotto BZako Paar 4.05 K. I�aratisfeerger Stra&se S5, 86, 87. Wandarbare Samtkostüme, reich mit Pelx verbrämt X Feiaste Gabatin- and Taehkostttme. größtenteils mit echten Pelzkragen xl Manschetten X Entsüokende Samtabendm&ntel mit Sknnks, Jltl» u. anderen Pelzkragen X Ulster ans allerbesten Flaasohstotfea. in ieinster Anstührung X Gesellaohattskleider ans Seide n. Tüll mit Jett- n. Perlbesatz X Eleganteste Hantel- Uelder X Kleiderröcke ans Taffet, Sollenne n. welcher Seide. 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