Ur.4H2.36.Iahrg. Bezug»vrctS t SieeteyLhrl. 9,— Mi, monatL l— ES. frei tns Kau», oocaus zahlbar. Post. dezug: Monatlich»- Ml. etfL Ru> fttllmtgsgedühr. Unter Rmubanb für Deutschland und Otftecrnd)- Ungarn BJb SXL, für da» übttgt Suatand 10.25 Ml, bt< täglich nranaL Anstellung 8.25 Ml. Eolibefltllungai nehmen an Dänemarl. Holland. eutentbutg, Schweden u. bte Schwei» Eingetragen tu die Post-geiIttNg»-Pcez»lille. Der„BorwSN-." mu der Sonnrag«- deilage»Voll u. gelN erscheint Wochen- täglich zweimal. Sonntag» einmal. Morgen-Ausgabe. Telegrammadresse: »Sazialdernotroi verltn». Verlinev Volksblatt. (iSpksnnlg) «nzeigeuvretS» 9u»chtgespaltene Ronparelllezell» loftet 1» 3RL.aieiac Mnjetgeo". da» iettg«brückte©ort 8D Psg. lzulässtg > settg«druckte Wort«), lebe» weitere Wort«0 Psg. Stellengesuche und ©dslafftellenoiiaetflen da» erste Wort G» Psg.. lede» weitere Wort Z» Pfg. Warte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50V». Fantillen• Anzeigen, politische und gewerfschastllche Verein»- Anzeigen >50 Ml bte steile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Ahr nachmlttag» im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Lindenstraße 3. abgegeben Bttben. tteöffnet von 9 Uhr früh bi» 6 Uhr abend». Zentralorgan der rozialdcmohratircbcn parte» Deutfchlancte. Reüaktion und Expedition: SW. 08, Lindenstr. Z. »herusprecher: Amt Mortsplatz, Nr. täl Sv—»3197. Mittwoch, den 10. September 1919. vorwärts»verlag S.m.b. tj., SW. öS, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Morittplaft. Nr.»17 33— 51- Die Entente-/lntwort in Sicht. Annahme des Verbandsultimatnms an Deutschland. H a v a s meldet: Das neue BerbandSultiwatum an Deutschland wegen des AuschlusieS au Oesterreich ist vom Rate der Alliierte» einstimmig angenommen worden. Es wird im Laufe des Mittwoch Deutschland zugehen. ch Englische Presseurteile. »Dailh News' vom 0. September schreibt in einem Seit- artilel, der Streit zwischen den Alliierten und der deutschen Regie« rung über die Beziehungen Deutschlands zu Deutsch- ö st e r r e i ch sei in jeder Hinsicht zu bedauern. Das Veto der lllliierten gegen den freiwilligen Zusammenschluß zwischen Oesterreich und Deutschland sei vollständig unberechtigt. Es vergewaltige jeden Grundsatz der Selbstbestimmung und sei aus Gründen der Zweckmäßigkeit eine Totheit, da der Anschluß Deutschösterteichs an den Deutschen Bund ein ansehnliches Gegengewicht gegen die Vorherrschaft Preußens bilden würde. Deutschland sei vollauf berechtigt,'Vorsorge für einen zukünftigen Zu- sammenschluß mit Oesterretch zu treffen, besonders, wenn" es an- nehme, daß der Völkerbund diesen Plan wahrscheinlich billigen werde.' Auch der Lloyd Getn:ge. nahe stehende. D a i l h Thro- nic le' schreibt in einem Tditartikel, der Versuch, Oesterreich und Deutschland zu trennen, sei u n v e r st ä n d i g und ungerecht. Die Oeftet reicher seien Deutsche und würden nie etwas anderes sei» wollen. Ihre künftige Bereinigung mit Teutschland auf dir eine oder andere Weise sei so sicher, wie die Sonne aufgeht. Die Lesterreicher könnten nicht allein stehen. Wenn ihnen verboten werde, sich mit Deutschland zu vereinigen, so würden sie sich mit anderen Räch- barn zusammenschließen, und wenn sie dann wieder in den Kreis Deutschlands treten, so wüi den sie ihre Nachbarn miibringen. Den Oesterreichern würde also auf diese Weise wieder ihre alte Rolle, nämlich das Zusammenschaien nichtdeutscher Völker unter daS Banner Deutschlands aufgezwungen werden. der österreichische Meöensvertrag. Heute unterzeichnet. Wie die Schweizerische Depelchen-Agentur erfährt, erfolgt die Unterzeichnung des ö st erreicht sch.e» Friedens- Vertrages am Mittwoch vormittag 11 Uhr in St Germain. Am Abend desselben Tages reist Renner mit dem Teil der Friedens delegalion, der noch in St. Germain geblieben ist, nach Wien zurück. Als GeichäftSlräger der deutschösterreichische» Republik bleiben ein Seltionschef mit einem kleinen Stabe von Milarbeitein in St. Germain zurück, der in ähnlicher Weise, wie es der deutsche Ver- treter tat, bis zur Herstellung der diplomatischen Beziehungen den Zusammenhang mit den Ententeländern aufrechterhalten wird. Nnmänieu an der Kandare. Der Oberste Rat hat entschieden, daß er den V o r b e b a l Rumäniens bezüglich des Friedensvertrages mit Oesterreich nicht annehmen kann. Er wird die runiänische Delegation auffordern, den Friedensvertrag als ganzes oder über- Haupt nicht zu untetzeichnen. Wer kommanüiert im Generalkommanüo Lüttwitz? Eine tolle Durchsuchungsaffäre. Im.Vorwärts' wurde bereits über eine militärische Haussuchung in der„Zentralstelle für Eini- gung der Sozialdemokratie', Potsdamer Straße 27b, berichtet, die am vergangenen Freitag von zwei angeblichen Beamten des Reichswehrgruppenkommandos I vorgenommen wurde. Auf eine Beschwerde bei dem Rfcichs- Wehrgruppenkommando erklärte der Leiter der dortigen Nach- richtenstelle. Oberleutnant K n a u t h. daß vom Reichswehr- gruppenkommando I keine derartige Haussuchung angeordnet worden sei. daß auch das Reichswehrgruppen- kommando niemals solche Hausdurchsuchungen ohne Mithilfe der Polizei vornehmen lasse. Herr Ober- leutnant Knauth meinte, die ganze Hausdurchsuchung sei eine Köpenickiade gewesen. Nun hat sich am gestrigen Dienstag folgendes zugetragen: Am Nachmittag um 4 Uhr erschienen in der Wohnung deS Schriftleiters der Zestschrift..Ter Marxist", Pritzwalker Siraße 1, dieselben angeblichen Beamten des Reichs- wehrgruppenkommandos, um auch dort eine Hausdurch- suchung vorzunehmen. Der also Belästigte, Genosse R., Mit- glied der Zentralstelle für Einigung, erkannte die beiden so- gleich wieder und erklärte gemäß der von Herrn Oberleutnant Knauth gegebenen Auskunft, daß er zunächst die Polizei anrufen müsse, damit diese der Haussuchung beiwohne. Darauf— ergriffen die beiden die Flucht! Der eine wurde in dem Hause Pritzwalker Str. 2 auf dem Boden festgenommen, während der zweite durch die Turmstraße ent- kommen war. soweit schien sich die Annahme einer Köpenickiade zu rechtfertigen, aber es kam ganz anders. Auf das 75. Polizeirevier gebracht, erklärte nämlich der eingefangene Flüchtling, daß er— Agent der Nachrichtenab- teilung des Generalkommandos Lüttwitz sei und berief sich auf die Nachrichtenoffiziere Hauptmann B o s e und Oberleutnant M e» ck w i tz. Dem recherchierenden Kriminal-Oberwachtmeister Fritze wurde tclephouisch von diesen beiden Herren b e st ä t i g t, daß tatsächlich der Fest- genommene wie der Entflohene Agenten des Generalkommandos Lüttwitz seien. Wir stellen für heute nur den Tatbestand fest. In der Annahme, daß schleunigst Aufklärung erfolgt. Die deutsche Valuta auf öem Tiefjkanö. Die deutsche Valuta ist an den ausländischen Plätzen wiederum außet ordentlich zurückgegangen. Sie hat ihren tiefsten Stand erreicht. In Holland kosten 100 Mark 11 Kronen gegen 58.60 Parilät. In Zürich zahlte man für 100 Marl 23,50 Franken gegen 123 80 in Kopenhagen 19 Kronen gegen 88,88, in Stockholm 87 Kronen geaen 88,88. Der besorgniserregende Tte'itand der Valuta ist vor allem zurückmiübren auf die Kapital- Verschiebungen nach dem Susland, auf ine songe'etzle Verschuldung DeulüblandS. auf das Daniederliegen der Produktion und auf daS Sinlsu des VerirauenS, das das Ausland der deutsche» VoUSwirl. ichasi eutgegeubringt. Unternehmer gegen öas Detriebsrätegesetz» Die„Berl. Börsenztg.' weiß von einer bevorstehenden Aktion der deutschen Jndustrieverbände gegen das Bctriebsrätegesetz zu berichten. Große Landesorganisationen bereiten eine Kundgebung vor, in der sie gegen den Gesetzentwurf in seiner heutigen Form pro- testieren wollen. Für sie geht der Kampf vor allem um den Eintritt der Arbeiter in die Aufsichtsräte. Die Kapitalisteu wissen sehr wohl, daß. die erzwungene Ein sichtnahme der Arbeiter in die Bilanzen, in die Gewinn- und Berlustrechnungen und in die Monatsausstellung über die Gestehungskosten der Schlüssel zur sozialen Regelung der Wirtschaft ist, wo die Macht der Spekulation und des Schieber tumL gebrochen wird. DaS kostbare Geschäftsgeheimnis steht auf dem Spiel, der Arbeiter soll wissen, was aus den Erzeug- nissen seiner Arbeit wird, wie sich rechnungsmäßig der Gewinn gestaltet— das ist Anlaß genug zum lamentieren. Die nach Bedarf rosig oder flau aufgefärbden Berichte der Direktoren könnten auf ihre Richtigkeit hin geprüft werden, Dividenden- schlucker geschädigt, Kurse ins Wanken gebracht werden, bloß weil der Arbeiter ein größeres Jwteressc an der Arbeit er hält! Selbst diejenigen Arbeiter, die dem Betriebsrätegesetz skeptisch gegenüberstehen, können aus der Besorgnis der Unternehmer schließen, was der Reglerungsentwurf ihnen bringt. Diejenigen aber, die mit uns im vorliegenden Entwurf einen wesentlichen Fortschritt in der Demo- kratisierung der Wirtschaft sehen, sollen sich die Protestaktion der Unternehmer doppalt zur Warnung dienen lassen. Der Fortschritt wird nur dann erreicht werden, wenn das Proletariat geschlossen den Oucrtreibereien der Kapitalisten gegen das Betriebsrätegesetz entgegentritt. DaS Schicksal deutscher HaudclSdampfer. Laut„Tefegraaf ist aus dem neuen Register von Lloyds ersichtlich, daß IS der großen Ozeandampfer vom amerikanischen Schifsahrlsamt, 9 vom amerikanischen Marinedepartement, 9 vom britischen Schiffahrls- kontrolleur, g von Italien übernommen werden, was darauf schließen läßt, daß diese Schiffe volltommen als amerikanische Schisse angesehen iverden. Darunter befinden sich Paterl and, Kaiser Wilhelm II., Kronprinzessin Cäcilie und die Amerika. 10 der jetzt Amerika gehörenden Dampfer waren früher Eigentum des Norddeutschen Lloyd und 6 Eigentum der Hamburg— Amerika- Linie. Und nochmals— der Osten! Zu unserem Leitartikel in der Abendausgabe wird uns von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß der Redner, der in der Versammlung des„Bundes Neues Vaterland" vom 5. September dt« deutsche Regierung heftig angriff, zu Unrecht als offizieller Vertreter der estnischen Re- publik bezeichnet wird. Er ist als solcher bei der deutschen Re- gicrung nicht angemeldet, diese würde auch ein derartiges Auftreten eines offiziellen Vertreters einer anderen Macht nicht widerspruchslos hinnehmen. Die Räumung Litauens südlich der Memel ist. wie aus König?» b-rg gemeldet wird, planmäßig und ohne Zwischenfälle ver- laufen. Zu« Landrat de» Saalekrcises ist Genosse Adolf Thiele, M. d.«. und Redakteur unsere« Haller Parteiorgan», ernannt worden. Glle Kamellen. Ist eS nun nicht«ne anarchistische KmnpffStvois«, wenn ich allen Parlamentarismus, die Beteili- gung an jeder Tätigkeit auf gesetzlichem Wege für ver- werfltch erkläre? WaS bleibt uns dann noch übrig? Diese jetzt so unreif vertretene Theorie ist ja schon früher, und zwar viel logischer von Most gepredigt wor- den, das find ja für uns olle Kamellen. Wilhelm Liebknecht auf dem Parteitag von Halle 1890. Wenn Marx sagt, daß Revolirtioncn ihre Irrtümer ständig korrigieren, so muß man beifügen, daß revolutio- näre Bewegungen die gefährliche Neigung haben, in ihre alten Irrtümer immer wieder zurückzufallen. C n Beweis dafür ist das Wirderaufkommen antiparlamenta- rischer Strömungen in der Arbeiterbewegung, wie wir sie bei den Kommunisten und den ihnen angrenzen- den Teilen der Unabhängigen jetzt wieder beobachten können. Ursprünglich waren selbst die Kommunisten nicht grund- sätzlich antiparlamentarisch. Auf ihrem ersten Parteitag nach der Revolution traten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg für die Beteiligung an den Wahlen zur konstituierenden Nationalversammlung ein, sie wurden frei- lich überstimmt. Heute hat�Haase seine liebe Not, gegen- über D ä u ni i g und den Seinen an der einmal erteilten Er- lauünis' zur Beteiligung am Parkamtzntarismus festzuhalten. Däumig und den Seinen an der einmal erteilten Erlaubnis zur Beteiligung am Parlamentarismus festzuhalten. Däumig und die Seinen betrachten die Abkehr vom Parlamentarismus als einen ungeheuren revolutionären Fortschritt. Sie haben aus der Geschichte der Revolutionen noch immer nicht genug gelernt, um zu wissen, daß die A b st i n e n z pw l i t i k nie etwas anderes als ein Zeichen der Ohnmacht und ein Ver- rennen in die Sackgasse gewesen ist.■ Wenn die 4Ser Demokraten nach der Gegenrevolution und der Einführung des Dreiklassenwahlrechts zunächst die Beteiligung an den Wahlen ablehnten, so hatte das immer nach seinen guten Sinn. Es war ja nicht mehr das gleiche, sondern eben das Klassenwahlrecht, um das es sich damals handelte. Aber bald stellte sich heraus, daß die Hoffnung auf den Wiederausbruch der Revolution verfehlt war, und im Jahre 1858 traten die Demokraten wieder in die Wahlen ein. Tie dürftigen Aussichten des neuen Regimes unter dem Prinzregenten und späteren Kaiser Wilhelm I. hatten genügt, um diesen lange angebahnten Umschwung herbeizuführen. „Was man," schreibt Klein-Hattingen in seiner„Geschichte des deutschen Liberalismus",„1849 für e h r l o s, für einen Verrat an der. eigenen Sache gehalten hatte, hielt man 1858 nicht mehr dafür; so wurde gänzlich klar, daß das liberale Bürgertum ehedem mit dem Gemüt politisiert hatte." Diese Gemütspolitik des liberalen Bürgertums von 1848 gilt heute D ä u ni i g und den Seinen als die neueste— revolutionäre Errungenschaft der Arbeiterklasse. Die deutsche Sozialdemokratie war von Geburt an kein» Gegnerin deS Parlamentarismus. L a s s a l l« begeisterte die Arbeiter für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht. Er tat es sicher nicht in der Absicht, nachdem dieses Wahlrecht errungen war, die Nichtbeteiligung an den Wahlen zu empfehlen. Trotzdem haben die antiparlamentarischen Strömungen im SozialiMuus nicht aufgehört. Sie traten nur zeitweilig llilter die Oberfläche, um in Zeiten großer politischer Er- regung wieder hervorzubrechen. Das sind eben die Zeiten, in denen viele dazu neigen, Politik mit dem Gemüt zu machen, statt nüt dem Verstände. Die Gemütsbewegung kostümiert sich dann immer mit dem Gewands einer funkel- nagelneuen revolutionären Theorie. In den Achtziger Jahren war es der Anarchismus der M o st und Hasselmann, der alle parlanientarische Arbeit für versumpfend erklärte und den Weg der g e w a l t- sanien direkten Aktion empfahl. Was ist aus ihm geworden? Und zu Anfang der Neunziger Jahre waren es dann die„Jungen", die zum Evangelium der Abstinenz- Politik zurückkehrten. Schon damals konnte Wilhelm Liebknecht mit Recht sagen, es handle sich um weiter nichts als um„olle Kamellen". Mit ihnen rechnete er auf dem Parteitag von Halle gegen Werner— so hieß der Däumig von damals— folgendermaßen ab: Der ganze Ansturm läuft auf ein« Berlvechstmrg dessen ymaus. was man unter Parlamentarismus versteht. Früher verstand man— in Frankreich unter Louis Philipp und in Eng- land— unter Parlamentarismus nicht das Wahlrecht im allge» mein«,, sondern bloß das Wahlrecht einer Minorität, nämlich der besitzenden Klassen. Dieses ganze System ist uns als Schwin- dslshstem erschienen. Wo aber da» allgemeine Wahlrecht lefteht. kann davon keine Rode sein. Die 45 Millionen Deutsche können doch nicht an einem Tag: zusammenkommen und über jedes Besetz berat«; wir müsse» also«me Vertretung Hab«. Wesse» Tchuld ist eS, wenn die Vol?sv«trewng nichts taugt! Schuld daran ist doch nicht das allgemeine Wahlrecht, fondern der U n- verstand der Massen, die leider nur zu oft ihre eigenen Feinde wählen. Da zeigt sich, wo wir den Hebel anzusetzen haben. Von den 30 Pro z., die gegen uns sind, wür- den mindestens noch neun Zehntel zu uns gehören, wenn sie ihre Interessen verständen. Diese bis jetzt indifferente Masse müssen wir erobern. Haben wir sie erobert, so haben wir den Sieg. Heute verfügen die bürgerNchen Parteien zusammen nicht mehr über 8ü Proz. der Stimmen, sondern nur über eine knappe Mehrheit. Mese Mehrheit wäre ohne weiteres zu werfen, wenn nur die gesamte sozialistische Arbeiterschaft geschlossen in den Wahlkampf eintreten würde. In dieser Situation empftehlt man sozialistischen Arbeitern, sich von der Wahl fernzuhalten und verspricht sich von dieser Fernhaltung eine revolutionsfördernde Wirkung. Auch die famose Idee, man dürfe zwar wählen und sich wählen lassen, die Gewählten müßten sich aber dann von der ihrem revolutionären Seelenheil gefährlichen Atmosphäre des Parlaments möglichst fernhalten— auch diese Idee— Patent Lund— wurde schon damals lebhaft erör- dert. Aber Singer konnte sie in seinem Bericht über die Tätigkeit der Reichstagsfraktion abtun mit der trockenen Be» merkung: In der übergroßen Mehrheit der Parteigenossen wird kein Verständnis dafür vorhanden sein, daß zwar gewählt werden soll, daß aber die Gewählten nicht zu arbeiten brauchen. Man sieht, je mehr eS sich ändert, desto mehr bleibt es dasselbe Ding. Der heutige AntiParlamentarismus ist durch- aus kern struppiger Emporkömmling, sondern sozusagen ein Aristokrat mit einer langen Ahnengalerie, die bis in das liberale Bürgertum zurückreicht. Bei der Betrachtung solcher Ahnengalerien findet man gewöhnlich, daß die Gesichter mit der Reihenfolge der Geschlechter nicht gerade klüger geworden sind, und dann spricht man von Degeneration. Uns will be- dünken, als ob die 4Ser Demokraten, die Anarchisten, die Jungen noch viel eher einen gewissen Schein von Recht für sich gehabt hätten, als die heutigen Kommunisten und Links- Unabhängigen. Womit nicht gesagt sein soll, daß die Rechts- Unabhängigen viel besser sind, von einigen rühmenswerten Ausnahmen, an deren Spitze Kautsky steht, abgesehen. Auch die Rechts-Unabhängigen haben heute zu- meist nicht mehr den Mut, den Massen zu sagen, wie schmäh- lich sie mit dem aufgewärmten Abguß alterer revolutionärer Epochen betrogen werden und wie unsinnig die Abstinenz- Politik ist in einer Zeit, die alle polittschen Forderungen der Sozialdemokratie— gleiches Wahlrecht zu allen Bertre- tungskörpern, direkte Gesetzgebung durch das Volk— so gut wie restlos verwirklicht hat. Sie sehen die Abgründe, denen die Bewegung zurast, und haben nicht mehr die Kraft, ein lautes Haiti zu rufen. Sie haben den Glauben an das Volk verloren, haben aufgehört, Sozialdemokraten zu sein, und selbst die prachtvollen Worte, die ihnen Kautsky in seiner neuesten Schrift entgegenschleudert, klingen bei ihnen an taube Ohren: Die vehauptung, für die Sozialisten sei auch bei freiestem und geheimem Wahlrecht und einem Ueberwiegen der Lohnarbeit« in der Bevölkerung ein Gewinnen der Mehrheit in einem Parlament ausgeschlossen, wegen des Einflusses der Geld- macht der Kapitalfiten auf die Proletarier, heißt dies« für ein« feile und feige Band« von Analphabeten erkläre», heißt de« Bankerott der proletarische« Sache proNa- mieren. Wäre das Proletariat wirklich so erbärmlicher Art, dann könnte ihm keine Institution helfen, wie fein sie auch ausgetüftelt fein mag, um ihm trotz mora» lischer und intellektueller Impotenz den Sieg zu sichern. Marie v. Cbner-Efthenbach und öle Zragen unserer Zeit. Zar Erinnerung an ihren Geburtstag, 13. Sept. Wenn je die Persönlichkeit eines Menschen ganz auf einen Klang gestimmt war, der in jedem Wort, jeder Tat als Unterton durchklingt und damit allem, womit sie in Berührung kommt, allem, das durch ihre Hand geht, einen hohen persönlichen Wert verleiht, dann war es die Maries v. Ebner-Eschenbach: ihr Grundton war die Güte, eine von Vorurteilen fieie Menschenliebe. In einem in Schlichtheit und Tiefe gleich großen Gleichnis erzählt sie, wie «inst ikkH einer ungeheuren Geisterschlacht, einem Endkampf aller Tugenden und Laster am Ende alle tadmatt am Boden liegen: Vereherung und Eifersucht, Haß und Liebe, und nur die Güte unverwundet, ewig stark, heilend und tröstend bei Toten und Ber- wundeten auf dem Schlachtfelde weilt. Und diese Güte kann auch heute, wo täglich diese Geisterschlachten gekämpft werden, uns in klarer Sicherheit Antwort geben auf die Fragen der Gegenwart. In ihren Aphorismen finden wir solche Antworten, die Ernte eine? langen, echter, aufrichtiger Menschenliebe gewidmeten Lebens. Mit den Augen der Güte steht sie das Leben an, Md da sieht sie eine ganz neue Welt:.Erinnere dich der Vergessenen und «ine Welt geht dir auf." Als Adlige stand sie den Vorurteilen des Bürgertums fern, und ihre freie Menschlichkeit erhob sie über die Vorurteile ihres Standes:..Das Vorrecht ist der größte Feind fceS Rechtes, alle irdische Gewalt beruht auf Gewalttätigkeit." Mit unerbittlicher Strenge prüft sie ihre und ihrer StandeSge- Nossen Wohltätigkeit, die Wohltätigkeitsfeste und das Almosen- geben:»So mancher meint ein gute» Herz zu haben und hat nur �schwache Nerven; erstritten ist besser als erbettelt. Der Arbeiter soll seine Pflicht tun, der Arbeitgeber mehr al» seine Pflicht; es gäbe keine soziale Frage, wenn die reichen Menschen von jeher auch gut« Mensche» gewesen wären." WaS uns diese Frau in den Tagen verbissenen ParteihaderS, wo jede kleine Selbstsucht sich mit Schlagworten aufputzt, so be- sonders wert macht, ist ihre Stellung über den Parteien:„Der Ignorant weiß nichts, der Parteimann will nichts wissen." Und sie steht hoch über der Parteimoval. die den politischen Gegner nur nm seiner Ueberzeugung willen verfolgt:.Wenn wir nur das sehen, was wir zu sehen wünschen, sind wir hei der geistigen Blind- heit angelangt." Auch in den schlimmsten Zeiten hat sie für uns «in trostreiches Wort, sie. die in den friedlichen Zeiten geschrieben hat:.Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal au». Wir werden vom Schicksal hart oder weich geklopft, e» kommt auf da» Material an." Trostreich ist «S. wenn sie in de» Tagen de» Rationalhasses sagt:„Wir sind in Todesangst, daß die Nächstenliebe sich zu weit ausbreiten könnt« >und richten Schranken gegen sie auf— die Nationalitäten."— ; Ifefc»blich: JCisjet, die euch Haß predigen, erläsen euch nicht 1" Die Hartnäckigen werden trotzdem bei ihrer vorgefaßten Meinung bleiben. Sie sehen nicht, daß sie eine Partie spielen, die schon so und so oft verloren worden ist und die immer wieder verloren werden muß, weil sie die Logik der Dinge gegen sich hat. Sie haben nicht begriffen, daß wirkliche Revolutionen stets durch die Parlamente hindurch gegangen sind, daß die Abstinenzpolitik dagegen stets nur ein Zeichen dafür war, daß sich eine revolutionäre Bewegung am Ende ihres Lateins befand. Ein Symptom des Abstiegs, nicht des Aufstiegs. Die Weltgeschichte» wird scheinbar noch einmal den Beweis dafür erbringen müssefn, daß man mit„ollen Kamellen" keine Revolutionen macht. tzerunter�erisiene Parteifahnen. Sittliche Entrüstung rechts. In S t a r g a r d i. P. hatten sich einige reaktionäre Bürger bewogen geseben,' anläßlich eine« dort stattgebabten deufiS-notio- nolen JugendtogeS schwarz-weiß-rote Fahnen herauszu- stecken. Die Arbeitvrschait fühlte sich hierdurch provoziert, die Fahnen wurden verschiedentlidb von den Häusern herunterge- rissen. Darüber sist die.Deutsche Tageszeitung" ganz aus dem HäuSchen vor Wut. Sie zetert über eine„S db a n d e für die Star- gatdet Genossen unjh für das ganze L a n d". Wir find keine Freunde von Gewalttätigkeiten und billigen sie nicht, aber wir möchten das sittlich entrüstete alldeutsche Blatt doch an folgende» erinnern: Als im Novomber vorigen Jahres verschiedentlich die Off i« ziere heimkehrender Truppenkörper rote F.fjnen herunterrissen, mit Füßen traten und»erbrannten, da war die.Deutsche Tageszeitung" ganz s e e l i g v« r Fr e u d e. Weit entfernt, die Urbeber solchen TunS zu tadeln, sprach sie ihnen Lob aus und eiferte zur Nach« ahmung an. Ferner: Air baben noch kein Wort der Entrüstung in der .Deutschen Tageszeitung" darüber gelesen, wenn jetzt von allerhand Alldeutschen, sagar von reaktionären Offizieren der Reichswehr die ich warz-rot» goldene Reichsfabne beschimpft und herabgewürdigt wird. Zu den Beispielen, die wir bierfür schon gegeben haben, möchten wir folgendes weitere anführen: Herr Leutnant P r u ck, Adjutant Beim Krafiwagenkommandeur der ReichSwehrbrigade IS, schreibt aus Nordseebad Juist, wo er sich aus Urlaub befindet, an denHauptmann und Kompagnieführer M y l i u S des gleichen Truppeuteiis auf einer offenen Postkarte folgendes: .Hochzuverehrender Herr Hauptmann! In Juist wird die fchwa rz-weiß-rote Fahne hoch« gehalten und der neue Jammerlappen heruntergerissen. Die Juden verlallen eS in drei Tagen, falls sich einer hierher verirrt. Ich habe schon 4 Abonnenten für die.Deutsche Zeitung" geworben. Mit vorzüglicher Hochachtung und mit der Bitte, die anderen Herren zu grüßen, bin ich Herrn Hauptmanns ergebenster Pruck. Die.Deutsche Tageszeitung" kann nicht verlangen, daß Ar- beiier vor der deufichnationalen Parteifahne größeren Respekt be« künden, als ein Leutnant der Reichswehr vor der Fahne des Reich», dem er dient. beunruhigte Reaktionäre. Bekenntnisse eines monarchistischen Reichswehroffiziers. In der.Deutschen Tageszeitung" macht ein monar- chistischer Reichswehroffizier, der sich durch den Republikanischen Führer-Bund beunruhigt fühlt, seinem gepreßten Herzen Luft. Seine Wut darüber, daß durch den Zusammenschluß der republikanischen Elemente ein Strich durch die sauberen Pläne seiner Gesinnungsfreunde gemacht wird, entlädt sich in un- flätigen Schimpfereien auf die verhaßte Organisation, die er „Bund der Gcsinnungsschnüffler" und ähnlich tituliert. Er Das ist ja das Große an der edlen Frau, daß fie in reinem Schauen die Wirrnisse des Lebens durchschaut und auf den Grund sieht, daß sie die treibenden Kräfte sieht, ohne sich, wie ei Art des Mannes ist, in das Warum des Warum zu verirren. So mag darum mancher in ihrem Buche der Aphorismen Antwort suchen, er wird stets, oft mit fast grausamer Klarheit der Seelen- und Herzens- forschung auf den letzten Grund schauen, immer aber eine kluge Antwort bekommen. Gersienbergs„Upolino" im künsilertheater. ri. Damit für die im Erzgebirge hungernden Kinder ein wenig Nahrung und Gesundheit erkaust werden kann, spielte man im Deutschen Künstlertheater GerstenbergS.Upolino", die tragische Rhapsodie des Hungertodes, die, den jungen Goethe und seine stürmi- schen Freund« einstmals schwer ergriffen hat. Da schrie aus den verdorrenden Gebeinen und Herzen eine» Helden und seiner drei Söhne die Verzweiflung de» Sterbens. Upolino, geadelt durch die Höllendichtung Dante», ist als Rebell mit seinem starken Sohn und mit dem schwärmenden Jüngeren und dem zartliebltchen Jüngsten in den Hungerturm gesperrt worden. Die Gefangenen versuchen umsonst einen kühnen Fluchtplan. Der älteste Sohn büßt seinen Versuch mit dem Giivtrank. In den Sarg der ermordeten Gattin und Mutter müssen die vier entsetzten Opfer einer unmenschlichen Rache starren. Und es beginnt an thnen der grausige Zerfall, da der Jüngste stillschnend verschmachtet, der erwachende, hellenisch begeisterte Jüng- ling in WahnsinnSraserei gerät, und an dem ältesten der Brüder der Giftbecher seine Wirkung vollendet. Getroffen wie Niobe, getroffen wie Laokoeon, steht der überlebende Vater. Aber auch er mutz sinken im Angesicht de? aufdämmernden Morgens. hellhörig noch einmal auälaufchend nach einer überirdischen Har- monie, die er nichl zu deuten weih. Dem Goethekreis klang diese Melodie der krankhaft gesteigerten Leidenschaft als etwas Antikes ins Ohr. Wir empfinden fie heute, seltsam berührt, vielfach abgestotzen. nur durch Geschichtliches angeregt, nicht durch lebendigen Seelenkampf fortgetragen, olS etwa? bedenklich Veraltetes.— Fritz Ebers, Otto Blumentbal, Blondine Ebinger und Margarete Schlegel wollten diesem Werke hilfreiche Diener sein. Man spürte aber zu häufig, daß ihre Kunst an andere Sphären gewöhnt ist. Mit öem Flugzeug zum Süöpol. Den Plan einer großen antarktischen Expedition, bei der der Südpol mit Hilfe des Flugzeugs erreicht werden soll, setzte John L. Cope, einer der Teilnehmer der englischen Expedition in den Jahren 1914— 17, Vertreterp Londoner Zeitungen dies« Tage aus- einander. Die Expedition soll im nächsten Juni aufbrechen und etwa fünf Jahre ausbleiben. Da» Ziel der Unternehmer ist»oben der Fortführung der wissenschaftlichen Forschungen, insbesondere weiterer Ergänzung der Karten, die Untersuchung des Gebietes unter wirtfchaftilichen Gesichtspunkten. Mit Hilf« der drahtlosen Telegraphie hosten die Forscher dabei in ständiger Verbindung mit der zivilisiert»» Welt zu bleiben. Die Expedition wird von England gut»ach Wellington atff Neuseeland und von dort zur Macquaoe- behauptet, daß jetzt die monarchistisch gesinnten Offiziere das Gefühl hätten,„von Gesinnungsschnüfflern, Spitzeln und Spionen umgeben zu sein". Das ist natürlich pure Verleumdung, denn der Nepubli- kanische Führerbund ist, wie der Schreiber selbst an einer andern Stelle notiert, als Abwehrorganisation gegen die systematische Herausdrängung aller republikanisch Ge- sinnten aus der Wehrmacht gegründet worden. Aber wir können schon begreifen, daß es gewissen Herren sehr u n- angenehm ist, wenn sie stch im O'fizierkasino nicht mehr ungestört darüber unterhalten können, wie demnächst die Republik beseitigt und der Kaiser zurückgeholt werden soll. Natürlich weiß der Einsender der.Deutschen Tagesztg.", daß all das, was von reaktionären Putschabsichten gewisser Oifiziere berichtet wird,„Gespensterseherei" und„gegenstands- loses Geschwätz" ist. Dabei gebraucht er selber Redewendungen, wie folgende:„Sollte uns deb Himmel wieder eine Monarchie bescheren, was ja vielleicht früher eintreten kann, wie Herr Müller aus Brandenburg(ein Vorstandsmitglied des Führer- Bundes. D. Red.) ahnt.... oder„die jetzige Mißregierung, Mißwirtschaft usw. lassen die Sehnsucht nach den alten Zuständen von Tag zu Tag glühender werden".— Derartige Bekenntnisse sind gewiß außerordentlich geeignet, die Besorgnisse klar sehender Republikaner als„Gespenster- seherei" erscheinen zu lassen. Natürlich fehlt auch nicht der Versuch, die republikanisch gesinnten Offiziere der Wehrmacht als GcsinnungSüberläufer herabzusetzen. Ein Gesinnungslump ist unseres Erachtens nur einMann, d e r A n si ch t e n v e r- tritt, wie der Einsender der„Deutschen Tageszeitung" und gleichwohl gelassen den Treueid auf die Republik l e i st e t, der auf die Republik schimpft wie dieser und dennoch mit Vergnügen sein Brot von ihr nimmt, der die Republik bekämpft und ihr Treue schwört. Derartige Leute sollten mit Verdächtigungen anderer vor- sichtiger sein._ Nlitttari sth er Gehorsam. Gilt nicht für reaktionäre Offiziere. Unter der Ileberschrift„Die schwarz-rot-goldene Judenfahne" berichteten wir in Nr. 440' des„Vorwärts" vom 29. August über eine Parade, die am 26 August in Pinne- berg(Holstein) stattgefunden hat. Hierzu sendet uns Ritt- meister Schimmeipfennig eine längere Erklärung, in der er die ihm zur Last gelegten Aeußerungen teilweise be- streitet und abzumildern sucht, teilweise auch in ziveideutiger Form zugesteht, wie z. B. die Verächtlichmachung der Re- gierung durch Vorzeigung des bekannten Bade- b i l d e s der„Illustrierten Zeitung", wozu er nur zu be- merken weiß, es sei nicht seine Schuld, wenn sich die Abge- bildeten in'dieser Weise lächerlich gemacht hätten. Im übrigen schreibt Rittmeister Schimmelpfennig: „Die schwarz-weth-roie Fahne ist das Abzeichen deS betreffen«? den Bataillons stets gewesen und wird es auch bleiben... Wir behalten uuS auch weiterhin das Recht vo�, unter dieier Fahne unter bestes für unseres Volkes Gedelherknuind Zukunft einzusetzen.... selbst wenn man unS aus Angst vor Ruhe und Orb- nung Reaktionäre nennt." Der Mann, der selbster in dieser Weise die Beschlüsse der Nationalversammlung mißachtet, glaubt uns dann in ein paar Zeilen später folgende Belehrung geben zu könnnen: »Wer kür Ruhe und Ordnung eintreten will, mutz selber Ordnung, Ruh« und Anstand lieben. Wer sich da nicht fügt, für de» ist, ebenso wie für Bummelanten und Schmier« sinken, kein Platz in der Reichswehr, im grauen Ehrenlleide. Insel gehen, wo eine geologische Station eingerichtet werden soll. Dann wird sie zur Scoit-Jnsel fahren, wo drahtlose und meteoro- logische Stationen errichtet werden, und schließlich nach New Frabour, wo das Hauptquartier bleiben wird. Mit Hilfe des Flug- zeuges hofft man den Südpol, der sonst eine Reise unter den groß- ten Mühseligkeiten von vielen Monaten erforderte, in einem Fluge von 20 oder 23 Stunden zu erreichen. Die Entfernung des Poles von der Basis �beträgt etwa 750 englische Meilen. Bei dem Fluge soll ein Schlitten und aller Proviant mitgenommen werden, der im Falle eines VersagenS des Flugzeuges nötig würde.'Da die Bc- lastung zu groß wäre, um damit die Gebirgskette, die vorgelagert ist, zu überfliegen, so soll ein Teil de» großen Petroleumvorrats, der auch mitgeführt werden muß. vorher in einem Reservelag« zurückgelassen weiden, um für den Nückflug zu dienen. In wirt- schaftlicher Beziehung hofft man wertvolles Material für die Wal- fischindustrie und Mineralschätze, darunter vielleicht Gold, zu finden. Besondere Aufmerksamkeit soll den meteorologischen Forschungen zugewandt werden, da man den atmosphärischen Verhältnissen am Südpol einen großen Einfluß auf die Weiterbildung beimißt und durch die Möglichkeit langer Voraussage von atnufiphärischen Störungen wesentliche Vorteile, besonders auch für die landwirt- schaftlichen Verhältnipe der südlichen Festländer, bringen zu können glaubt. Notizen. — Theater. Im Lessing»Theater wird Rolf LaucknerS Drama. Ch r i st a die T a n tye" als erste Neuheit in Szene gehen.— Im Theater des Westens führt am Sonntag, nachmittags 3 Uhr. die russische Schauspiel- Gesellichaft»Das Paradies auf Erden" von Horst auf. — Es lebe die Operette! Das Eden-Theater in der Alten Jakobstraße, das den Berlinern als das ehemalige Zentral- t h e a t e r bekannt fit, wird von Viktor Holländer in diesem Monat als Operettentheater zu neuem Leben erweckt werden. — Bortrag. Im Lessing« Museum spricht Donnerstag, 8 Uhr, Dr. Paul Landau über.Theater und Revo- l u t i o n'. — Die Kinopest. Das Recht des Volke? auf Anteilnahme an allen Kulturgütern ist proklamiert. Auf dem Gebiete des Theaters äußert sich die Verwirklichung dieses Rechtes auf merk- würdige Weife. In Berlin ist das ehemalige Schiller-(Wallner-) Theater in ein Operettentheater verwandelt worden. Ein anderes Theater— das Nationaltheater— wird jetzt in ein Lichtspielhaus verwandelt. Der Sportpalast, der vielleicht die geeignete Stätte für eine Voltsoper gewesen wäre, fft bekanntlich auch dem Moloch Kino geopfert worden.>t?taat und Gemeinde müssen endlich ein- greifen, um für die Volkskultur Grundlagen zu schaffen. — Neue wissenschaftliche ForschungSre isen. In diesen Tagen geht unter Leitung von Prof. Erik Nystrom«ine schwedische Expedition nach China ab. Beabsichtigt ist eine metho- discke Durchforschui*'' bestimmter Teile von China, teils nach bio- logischen, tef'S nc",■ und ethnographischen Gesicht». punkten? i;'rat fit, daß mau den biologischen Stoff nicht nur u» Original, sondern im Film sammeln will. Sollten nun, tote Einsender behauptet, aus solchen Gründen entlassene Mannschaflen, vor allem den links stehenden Parteien an- gehören, so mutz dies wohl mit dem der Ordnung wider st rebenden Gerste(III) zusammenhängen, den ge- wisse Elemente ihren Anhängern anerziehen". Nachdem Rittmeister Schimmelpfennig in krassester Form zum Ausdruck gegeben hat, daß er sich dem Beschluß der Nationalversammlung betreffend die neuen Reichssarben nicht fügt, erklärt er salbungsvoll, daß für jeden, der sich nicht fügt, kein Platz in derReichswehrist. Er scheint garnicht zu merken, daß er damit sich selber das Todesurteil spricht. Für ungehorsam hält er nur die Mannschaften, welche diese seine reaktionäre Widersetzlichkeit nicht mitmachen wollen; daß er sie obendrein als „Bummelanten und Schmierfinken" beschimpft, paßt nur zu dem sonstigen Bilde des Mannes. Der Reichswehrminister hat allen Grund, an diesem reaktionären Frondeur, dessen eigenes Wort und Prinzip wahr zu machen:„Wer sich da nicht fügt, für den ist kein Platz in derReichs- wehr". Pfarrhaus und Wohnungsnot. Aus dem Kreis S-Vmalkalden wird uns geschrieben: Ober- schönau wie der ganze Kreis Schmallalden sind durch Versügung des Regierungspräsidenten als N o t st a n d S g e b i e l für das Wohnungswesen erklärt. Die dortige Wohnungskommission über- wies deshalb einer Lehrerin 2 Zimmer in dem sehr geräumi- gen Psarrhauie, um rbre Wohnung iür«intreffende junge Lehrer irei zu bekommen. Das Piesbyterium war damit nicht ein- verilonden und, anstatt das Mieleinigungsamt anzu- r u s e n, wandle sich diese« an das Konsistorium zu Kassel. Daraufhin erhieU die Lehrerin folgendes Telegramm: .Wir hören, daß die Gemeinde als Eigentümerin deS Pfarr- hauieS Ihnen die Piarrwohnung überwiesen hat. Die ö f f e n t- liwe Zweckbestimmung des Pfarrhauses geht dem Privaleiaentum vor. Bei Vermeidung einer Zwangs- strafe von Einhundert Mark untersagen wir daS Beziehen des Pfarrhauses, solange Presbyterium und Konsistorium nicht ge- nehmigt haben. Regierung." Die.öffentliche Zweckbestimmung" deS Pfarr- HauieS geht über die WobnungSnotl Der P'arrer braucht traft feines Amte? auck auf überflüssige Räume nicht zu verzichten. sGanz im Sinne des Evangeliums?!) Was sagt das Ministerium dazu?_ Aentralverbanö öer Angestellten. Tie frcigctverkschaftliche Einheitsorganisation. Aus Weimar wird gemeldet: Die zwischen dem Zentral- verband der Handlungsgehilfen, dem Verbände der Bureauangestellten und dem Verbände der Versicherungsbeamten geführten Verhandlungen haben auf einer Tagung am 8. und S. September 1919 in Weimar zur Vereinigung zum Z e n t r a l v e r b a n d der Ange- stellten geführt. Damit ist die freigewcrkschaftliche Einhcitö- organisation für alle in Handel» Berkehr, Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft tätigen Handlungsgehilfen und Bureauangestellten sowie für die in der Sozial- und Privatversicherung, bei Behörden und Rechtsanwälten beschäftigte« Angestellten geschaffen. Der neue Verband steht beschlußgemäh auf dem Boden strengster parteipolitischer Neutralität und ist mit über 359 999 Mitgliedern der größte Angestelltenverband der Welt. Eine oanö wäscht öie andere. Ein günstiger Wind weht unS folgendes recht charakteristisches Schreiben auf den Tisch: E. D. 2 L Z 32b. B«rlin, den 27. August 1919. 1. Anläßlich der Abnahme der ersten Lieferung Kognak am Sonnabend, den 23. d. M., in Grünberg, versprach unS der Lieferant, Kommerzienrat G o lch m a n n, sich zu bemühe«. die Verarbeitung unserer rohen Schafwolle zu Strickwolle zu vermitteln und stellte den sicheren Erfolg in Aussicht. Für seine Bemühungen und für die besonders gute und prompte Lieferung des Kognaks sind ihm im dienstlichen Jnter- esse einige Lebensmittel, wie Rohkaffee, Kakao und Seife, zugesagt worden. 1.®. R. Lager der E. D. Berlin, Halle III am Oftbf. Sie wollen ein Paket von 19 Pfd. Kaffee, 5 Pfd. Kakao, 2 Kar- tonS gute Toilcttcnseife und 5 große Würfel Kernseife fertig- stellen und zur Abholung bereithalten. DaS Paket wird der Begleiter zur Abholung der nächsten Lieferung Kognak nach Grünberg mitnehmen und dem Kommerzienrat Gothmann dort aushändigen. Die abgegebenen Mengen sind alS Schwund zu verrechuen. 3. Rw. 19 z. K. wegen Verrechnung des Schwundes. 4. Z. Borg. gez. Dr. G i e ß n e r. Wir möchten bei Herrn Dr. G i e ß n e r die bescheidene An- frage stellen, ob schon öfter als Präsente verschoben« Waren aus so bequeme Weise als Schwund wieder eingebucht worden sind. Das ist ja ein ganz vortreffliches Mittel, empfehlenswert auch für Per- walter von Depots, die von den ihnen anvertrauten Waren gewisse Quanten in die eigene Tasche verschwinden" lassen. Was sagt denn die vorgesetzte Eisenbahnbehörde zu der BuchführungSmethode System Dr. Gietzner? Alldeutsche Selbstenthüllung. Das Verbrechen des U-Boot-Krieges. Wenn man den Alldeutschen vorwirft, daß sie durch den uneingeschränkten U-Boot-Krieg uns die amerikanische Kriegserklärung frivol auf den Hals ge- zogen haben, so erhält man gewohnlich die Antwort, Amerika würde sowieso dem Ausgang des Krieges nicht tatenlos zugesehen haben, die enge Blutsverwandtschaft zwischen dem englischen und dem amerikanischen Volk hätte die Amerikaner auf jeden Fall bewogen; einem siegreichen Deutschland in den Arm zu fallen. Daß es sich hier um eine durch nichts bewiesene und ganz tendenziöse Behauptung handelt, dafür legt jetzt ein Mann Zeugnis ab. der selber mit am meisten auf diesem Steckenpferd geritten ist. der alldeutsche Graf Reventlow. Er schreibt in einer Be- trachtung über die Schwierigkeiten, die Wilson jetzt von der Opposition gemacht werden: Die Monroelehre gilt nach wie vor in einem große» Teile der Bevölkerung als unabänderliche Richtschnur im Großen iür die Politik der Vereinigten Staaten. Auf der anderen Seite steht fest, daß die Politik de« Präsidenten Wilson in denkbar schroffem Gezensatz zu den Lehre» M-nroels steht. Wilson bat st- einfach über den Haufen geworfen. Er wird seine Dialektik auf- bieten, um oem amerikanischen Volte glauben zu mache», daß der Eintritt i« den Krieg eiu« Notwendigkeit gewrsen sei. Wem» mau aber jenseits des atlantischen Ozean» wieder j angefangen haben sollte, den Tatsachensinn sprechen zu lassen, so wird man den Behauplungen und Beweisversuchen des Präsidenten die Grahamichen Enthüllungen entgegensetzen. Sie beweisen, wie wir neulich dargelegt haben, daß Wilson bereits im Sommer 1919 den Einiritt der Vereinigten Staaten in den Krieg heimlich vorbereiten ließ. Außerdem iei erinnert, an die KongreßverhanMungen vom Frühjahr 1916, die bewiesen, daß Wilson den Krieg wollte, die Mehrheit der Volksvertretung aber nicht. Hier ist ein offenes und klares Bekenntnis, daß die große Masse des amerikanischen Volkes dem Krieg ursprünglich ab- lehnend gegenübergestanden hat. Auch Wilson hat ihn nicht gewollt. Aber selbst, wenn er ihn gewollt hätte, dann hätten unsere verrückten alldeutschen U-Boot-Hetzer, Graf Revent- low an der Spitze, erst Wilson den Weg für seine Pläne geebnet: Sie haben ihm zum Siege über die pazifistische Volks- stimmung verholfen. Es ist erfreulich, daß Graf Revent- low nunmehr selber dies offen eingesteht. I Objekten die in die Millionen gehenden Differenzen wegen der Höhe der Entschädigung an, wozu dann noch die enormen Prozeßkosten treten, so wird es� der Gemeinde oft unmöglich sein, eine auch nur einigermaßen sichere Unterlage für die Festsetzung der Tarife zu finden. Es wird in der Regel der Ausgang des Prozesses auch nicht annähernd von vornherein zu überblicken sein, so daß die enteignende Körperschaft vor- sorgehalber die Differenz zuzüglich einer Kostenpauschale bei Festsetzung der Tarife zum Nachteil der Bevölke- r u n g wird einkalkulieren müssen. In Fällen der Enteignung zu anderen �wirtschaftlichen Zwecken liegen die Dinge ebenso. Diese Möglichkeiten, die sehr oft in die Erscheinung treten werden, sind offenbar bei Schaffung der Bestimmung nicht übeichlickt worden. Ein Schiedsgerichts hos hätte ebenfalls aus- reichende Rechtsgarantien geboten und hätte wesentlich schneller und billiger entscheiden können. Hummiknüppel-Kunze. Tie Hintermänner der Pogromhetze. Aus Veranlassung des Staatskommissars für die Ueberwachung der öffentlichen Ordnung ist in letzter Zeit gegen eine Anzahl von Stellen vorgegangen werden, die als die Ausgangspunkte einer syste- matischen Progromhetze anzusehen sind: Den„Ausschuß für Volksaufklärung", Berlin. Köthener Straße 45(Vor- sitzender Richard Kunze), den„Volksbund", Berlin, Pots- damer Straße 1(im Vorstand gleichfalls Richard Kunze), den „Großdeutschen Volksbund", Berlin, Köthener Str. 19 (im Vorstand Ingenieur Josef P e l z« r). Bei einer Durchsuchung der Bureauräumlichkeiten wurden etwa 127 999 Flugblätter beschlagnahmt, die reiches Material über die aufhetzerische Tätigkeit der genannten Verbände enthielten. Sie sind außer von diesen noch verbreitet worden vom„Deutsch- Völkischen Bund", Hamburg, vom„Deutschen Schutz. und Trutzbund", Hamburg, von der„Deutschen Er. neuerungsgemein schast", Leipzig, von der„Deutschen Vereinigung für Wahrheit, V o l k s a u f k l ä r u n g und Volksgesundung", Leipzig, vom. Hammer ver- lag", Leipzig. Besonders hervorgetan hat sich bei der Verbreitung ein Robert Christ, Berlin, Linkstr. 29, der auch die Bertei- lungsstelle für Flugblätter des„Deutsch-Völkischen Bundes" unter sich hat. Ferner wurden auch einige Kisten mit Gummiknüppeln vorge. funden. Gegen Kunze ist wegen seiner Propaganda für die Per- Wendung von Gummiknüppeln ein Strafverfahren einge- leitet worden. Er hat die Knüppel als geistige Waffe sowohl in einer Versammlung im Askanischen Gymnasium mün>dlich emp- fohlen, wobei er Muster vorzeigte, als auch durch eine Annonce, die sich dauernd im„Deutschen Wochenblatt" befand. Schließlich sind auch Briefe von ihm im Besitz der Anklagebe- Hörde, durch die er persönlich seinen Gesinnungsgenossen die Knüppel anbietet. Kunze behauptet jetzt, er habe die Benutzung der Knüppel„nur zu Verteidigungszwecken" empfohlen, was aber durch Ohrenzeugen der Versammlung im Askanischen Gymnasium Wider- logt wird. Es dürfte nun interessieren zu erfahren, wer eigentlich hinter Richard Kunze, dem ehemaligen Generalsekretär der konservativen Partei, und seinem„Ausschuß für VolkS- aufklärung" steht. Dies ist keineswegs das angeblich elementar er- regte deutsche Volk, sondern eS sind— mit Ausnahme einiger Renommierarbeiter— Herren von wahrhaft feudalem Ur- s p r u n g, die früher mit dem Volk nicht viel zu tun haben wollten. Mit dem Ausschuß für Volksaufklärung verbunden ist nämlich eine „Hauptstclle für Aufklärung", die ihren Sitz im gleichen Hause hat und der das Sammeln von Geldmitteln im großen obliegt. Ihre Hauptmacher sind der Rittergutsbesitzer Carl Forst er, zurzeit Berlin, Bernburger Str. 19, Kor- vettenkapitän a. D. Georg von Zitzewitz, Berlin- Halensee, Joachim-Friedrich Str. 50, Hauptmann a. D. Christoph von Krogh, Friedenau, Stubenrauchstr. 17, Ar- beiter Kurt Hinz, Berlin, Göbenstr. 12, Faktor Josef Gläser, Berlin, Claudiusstr. 6. Diese Hauptstelle wendet sich— meist durch Vermittlung des Rittergutsbesitzers Fötster— an die Rittergutsbesitzer in O st e l b i e n mit der Bitte um Geldspenden. Im w e st- l i ch e n Teil Deutschlands geht man dagegen die Großindu- st r i e an. Interessant ist in dieser Beziehung die Mitteilung deS Direktors einer großen chemischen Fabrik, wonach der gesamten Großindustrie ern Rundschreiben zugegangen ist, in dem die Juden als die Schuldigen am Unglück des Vater- landeS bezeichnet werden. Deshalb werde zum Kampf gegen das Judentum aufgefordert, jeder Industrielle sollte der Höhe seines Einkommens entsprechend herangezogen werden. Der betreffende Großindustrielle wurde selber mit 9 9 9 M.„besteuert", er hat energisch protestiert, weiß aber bestimmt, daß dem Alifrnf von der Masse der Großindustriellen Folge gegeben worden ist. Eine weitere Filiale der Bewegung befand sich in Frankfurt am Main, gegen deren.Hauptsührer einen Oberpostsetretär Rei- m u t h, jetzt ein Strafverfahren schwebt, weil er den Führer des dortigen Marrnesicherbeitsdienstes durch �»bieten von Geld»u Pogromen zu veranlassen gesucht hat. ist nicht überraschend, haben doch die oben genannten Stellen trotz ailler Verbote und Gegenerlasse ftnmer wieder Versuche gemacht, die Pogromhetze auch in die Reichswehr zu tragen. Jedenfalls steht das eine fest: Gespeist wird die Bewegung vom Geld der Grotzagririer und Schwerindustriellen. Danach weiß das Volk zur Genüge, was es davon zu halten hat, und was letzten Endes Ziel und Zweck der ganzen Bewegung ist: auf dem Wege über das Judenpogrom Sturz der Republik, Rückkehr Wilhelms, kurz Wiederherstellung der re aktionären Herrschaft. verfaß ungsmängel. Im Artikel 133 der neuen Reickisverfaffung heißt es, daß wegen der Höhe der Entschädigung, die im Ent- eignungsfalle zu gewähren ist,„im S t r e i t f a l l e der Rechtsweg bei den ordentlichen Gerichten offen zu halten" ist. Hier hat der im allgemeinen zutreffende Standpunkt der Schaffung von Rechtsgarantien eine Ueber- spannung erfahren, die zu einem ungeheuren Hemmnis führen kann. Der Rechtsweg durch drei Instanzen— bis zum Reichsgericht— kann, namentlich in Enteignungsjachen bei einem oft nötig werdenden ausgedehnten Beweisapparot und bei der bekannten Schwerfälligkeit des Verfahrens vor den ordentlichen Gerichten, eine Reihe von Jahren an- dauern. Nehmen wir als Beispiel die Fälle der EnteiMung zum Zwecke der Kommunalisierun.g von Verkehrs- anstalten, Beleuchtungs- oder Wasserwerken, in denen die Gemeinde eine finanzielle Uebersicht zum Zwecke der Festsetzung von Tarifen haben muß, und nehme» wir bei öeu oft hohen, Stadtverordnetenversammlung. Zur herrschenden Kohlennot bemerkt H intze(U. Soz.): Mit solchen albernen Maßnahmen, ltre sie ergriffen worden sind, sollten die regierenden Kreise die Bevölke- rung nicht zur Verzweiflung treiben. Von einem Wintervorrat ist keine Rede; die Bevölkerung steht vor dem Nichts. Wir beantragen eine Neufestsetzung der Kohlenmengen für Koch, und Ofen- brand, bevorzugte Belieferung von Wohnungen bis zu 3 Zimmern einschl. Küche und Sickerstellung von Holz- und Torfmengen. Der Holzpreis ist enorm, 64— 89 M. pro Kübikmeier. Nutzen darf aus diesem Artikel nicht gezogen wer- den; die städtischen Forsten müssen auch herangezogen werden. Die eigentlich Schuldigen an der Kalamität sind nicht die Bergarbeiter, sondern die Kreise, die diesen ihre berechtigten Forderun- gen vorenthalten. Vor allem muß aber auch der Wasserweg zum Transport herangezogen werden. Der Leiter der Kohlenstelle Groß-Berlin, Körte, gibt einiges Zahlenmaterial betreffs der Koblenbestände und des Verbrauchs. Die Kohlcnkarten stellen eine Anpassung an die Verhältnisse dar. Die neuerdings getroffenen Einschränkungen wären bitterste Not- wendigkeit. Die Zentralheizung stände nicht vorteilhafter da als die Ofenheizung. Strom müsse vor allem an Lokalen und dergleichen gesvart werden. Redner gibt dann einen Ueberblick über die West- fälischen und oberschlesischen Verhältnisse und die Transport- schwierigkeiten. Frau Schmidt(Christl. Vp.) weist als Grundursache des Uebels auf die gesunkene Arbeitsmoral sowohl der Berg- wie der Lohnarbeiter hin. Der Kampf der Arbeiter gehe gar nicht mehr gegen den Kapitalismus, sondern gegen andere Ar- beiter. Die mangelnde Religiösität trage viel Schuld an den be- stehenden Zuständen. Brückner(Soz.): Die drohende Kohlenkatastrophe muß die Arbeitslosigkeit ins Ungemessene steigern. Die Ursach« der Arbeits- unlust der Eisenbahnarbeiter liegt in den Zuständen, die in den Werkstätten herrschen. Die Mehrkosten der Schiffahrt treffen zwar den Einzelnen, aber Einzelinteressen müssen in dieser Zeit zurück. treten. L i e b i g(Dnat. Vp.): Die größte Schuld liegt in den ge- ringen Leistungen der Betriebswerkstättenarbeiter, die immer wieder zu Arbeitsniederlegungen veranlaßt werden. Die Bevölke- rung wird in kurzem zur Selbsthilfe greifen. Bürgermeister R e i ck e: Wir müssen praktische Arbeit leisten. Die Jndustriearbeit muß auf die Nacht verlegt werden. Strom- ersparnis, Ersatz der Kohle durch Holz u. dgl. sind � immer nur Lückenbüßer. Der Wasserweg wird nur nock zwei Monate offen sein. Die Holzpreise, die wir berechnen, sind kaum mehr als der Selbstkostenpreis. Bei den maßgebenden Behörden werden wir mit allen Mitteln vorstellig werden.(Beifall.) Hintze: Die Arbeiter werden sicher bereit sein, durch Ein- sührung von Nachtschichten die drohende Katastrophe abwehren zu helfen. Die Schuld liegt nicht an den Arbeitern, sondern bei den Kohlenmagnaten, die den Lohn herabgesetzt habtn, ihrer- seits aber riesige Dividenden verteilen. Einstimmig wird der Antrag angenommen, durch eine gemischte Deputation zur Versorgung der Bevölkerung mit ausreichenden Brennmaterialien alle nur möglichen Schritte zur Ab- stellung der Not zu unternehmen. Zur Errichtung einer Beratungsstelle für die vorübergehend im städtischen Obdach untergebrachten Flüchtlinge bemerkt Stadtrat D o f l e i n: DaS Obdach soll natürlich keinen Daueraufenthalt bieten. Das Rote Kreuz wird alles tun. diese Kalamität zu beheben. Berlin wird 19 999 M. für die BerahingS» stelle auswerfen. Hoff tn an(II Soz.): Die Mittel mutz da» Reich zur Ver- fügung stellen. Stadtrat Toflein: Das Rote Kreuz wird vom Reich �5 u ch t(Soz.); Selbstverständlich muh das jltoch Kosten zurückerstatten, besonders da der Zustrom immer größer werden wird. Der AuSschußontrag wird angenommen, Zu dem Antrag betr. das öffentliche Feilbieten von Schundliteratur und die Vorführung zweideutiger Filmaufnahmen kritisiert Kim« b e l(B. V.) scharf Inhalt und Tendenz der sogenannten A u s- klärungSfilme. Diese wirken nicht aufklärend, sondern aus» reizend; sie sollen eben nur die Kassen füllen. Den gleichen Zweck verfolgt die ohne jede Hülle dargebotene Schundliteratur, sowie die Postkarten, die sich bedenklich dem Pariser Niveau nähern. Stadtrat Sassen back: Die organisierte Arbeiterschaft be- faßt sich seit 18 Jahren mit der Bekämpfung dieser Uebelständ«. Es ist llilgeheuer schwer, besonder? in der letzten Zeit, hier wirksame Abhilfe zu schaffen. Bereits seit dem Frühjahr arbeiten mehrere Ausschüsse daran, festzustellen, wie hier gesetzlich eingegriffen uno wie sonst Abhilfe geschaffen werden kann. In ungefähr zwei Mo- naten wird ein Programm vorliegen; vor allem werden Zusammen- stellungen auter Bücher gegeben werden,_ Frau W e y l(U. Soz.): Die Kinematographie muß eine Selbst. zensur einführen. Die Filmindustrie muß verstaatlicht, dos Kiiw kommunalisiert werden; dann bat die Bevölkerung einen Einfluß aus den Inhalt. Die Kenntnis des V o l k s g e s ch m a ck s wird uns die rechten Wege bezüglich der Literatur weisen, nicht der Zensor... . Dittmer(Soz.): Wir müssen durch freie Selbsthilfe organt- satorisch vorgehen: am Stadtkino nach dem Neuköllner Plan wät« da? rechte Vorbild. Der vom Stadtrat Sassenbach«ingeschlagene Weg kann uns weiterführen; vor allem aber müssen wir selbst unsere erzieherische Aufgabe ernster nehmen. Die Kinointereffen- ien kommen reichlich spät mit ihrer eigenen Zensur. Erziehung»- arbeit am eigenen Volke bleibt die Hauptsache. Dowe lDem.): Die Verstaatlichung der Filmindustrie hat große Bedenken. Hauptsächlich die Konkurrenz wird das Besser« hervorziehen, besonders auch auf dem Gebiete der Literatur. H o f k m a u n(IT. So�) tritt für Kömmunalisierung ein. Der Antrag, Schritte zu unternebmen, um das Feilbieten vpn Schundliteratur und Postkarten unsittlichen Inhalts zu verbieten und die�Vorführung zwetdeutiger Filmaufnahmen zu unterbinden. wird abgelehnt. Zur Wohnreifmachung unbewohnter WoHtl«n» gen Tollen 599 999 M- vorschußweise bereitgestellt werden. W i l d« g a n S(Soz.l weist ans die Tätastrophalen Verbältnisse deS Wohnunasmarktes hin und tritt kür Herrichtung aller nur irgend bewohnbaren Bauten und Grundstücke«in. Die weitere Beratung wird vertagt. Schluß lg Uhr, HewerkschoflsbewWNg Die Kehrseite üer Meüaille. Eevadezu sprunghaft sind die Mitgliederzahlen der einzelnen Gewerkschaftsverdände in die Höhe geschnellt. Organisationen» die noch vor Kriegsausbruch ein kümmerliches Dasein fristeten, stellen heute achtunggebietende Verbände dar. Wir freuen uns, dag die neuere Zeit Hunderttausende von Angestellten und Arbeitern mit so großem Erfolg an ihre gewerkschaftlichen Pflichten gemahnt hat. (Jjn den Reihen der um Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen Kämpfenden hätten diese Hunderttausende bereits Jahrzehnte vor dem S. November stehen müssen, so manch bitterer Kampf mit den Unternehmern wäre dann den bisher Organisierten erspart geblieben. Aber nicht allein da». Hätten die Hunderttausende, ja Millionen der bisher unorganisierte» Angestellten und Arbeiter auch nur ein Jahrzehnt früher gewußt, wohin sie gehören, so hätten die Organisationen sie heranbilden und reif machen können für die großen Probleme der kommenden Entwicklung. Niemand außer gewissenlosen Phraseuren und Demagogen— kann von so großen Scharen neu eintretender Mitstreiter verlangen, daß sie mit dem historischen und ökonomischen Denken der klassenbewußten Arbeiterschaft vertraut sind. Nicht die klare Einsicht in die Eni- Wicklung der Dinge war-die Ursache, weshalb sich so große Scharen plötzlich der modernen Arbeiterbewgung anschlössen, sondern ledig- lich ein dunkles Gefühl, das sie in dieser neuen Zeit in die freien Gewerkschaften drängte. So sehr der Zustrom zu begrüßen war, so barg er doch für die gesunde Fortentwicklung der modernen Ar- Heiterorganisationen erhebliche Gefahren in sich. Bisher war es den Organisationen möglich die im Laufe der Jahre neu Gewor- benen heranzubilden, sie vertraut zu machen mit den Kulturbe- strebungen der Arbeiterklasse. So große Scharen neuer Mitglieder, wie sie die einzelnen Organisationen im letzten Halbjahr erhalten haben, sind jedoch nicht in so kurzer Zeit zu schulen. Kein Wunder, wenn diese Hunderttausende die Probleme unserer Zeit anders werten, als die Mehrzahl der in der Arbeiterbewegung erprobten Genossen. Leider bilden gerade die neuen Mitglieder die willen- losesten Objekte für ein heute weit verbreitete? Phrasen- und Maulheldentum. Und aus den hier kurz angedeuteten Umständen ist es denn auch erklärlich, wenn heute vielfach das VersammlungS. leben ein bisher nie gekanntes tiefes Niveau aufweist. Die in- tslligentesten Gewerkschaftsgenossen sehen gewissermaßen, wie schwer eS ist, die ungeheure Zahl der neuen Mitglieder zu brauch- baren Kampfgenossen heranzubilden, sie müssen beobachten, wie gewiegte politische Demagogen gerade diese Unwissenheit benutzen, um ihre Zwecke zu erreichen. Angeekelt durch ein solche? Treiben, bleiben sie daher dem ganzen Versammlungsleben fern. So sehr wir eine solche Haltung gerade der Besten in der Arbeiterbewegung psychologisch begreifen, so verkehrt erscheint uns dieselbe vom Standpunkt der weiteren gesunden Fortentwicklung der Arbeiterbewegung überhaupt. Gewissenlose Demagogen, die die Unwissenheit breiter Massen zur Verfolgung dunkler und all- gemein schädlicher Ziele benutzen, muß das Handwerk gelegt wer- den. Daß wachsender Widerstand gepaart mit geistiger Regsam- keit das beste Mittel ist, um die Organisationen vor Entartung zu bewahren, zeigt sich heute bereits mit erfreulicher Deutlichkeit. Di� Zeit wird kommen, in der die Gewerkschaftsbewegung sich wieder brei machen wird von jenen Elementen, die heute nachgerade zu einer wachsenden Gefahr für den einheitlichen Bestand der Organisationen zu werden drohen. Dies« Zeit wird' aber um so früher kommen, je zäher und ausdauernder die im Gewerk- fchaftSkampf erprobten Genossen ihre Pflicht erfüllen. Zentrale Tarkfberatunge« im Schneidergewerbe. Am v. September begannen in Cassel die zentralen Tarif- beratungen für das Schneidergewerbe unter dem Vorsitz der Herren Magistratsrat v. Schulz-Berlin, Stadtrat Dr. Hiller-Frankfurt a. M. und Gerichtsrat Sarwrius-München. Während der Dauer des Krieges find die bestehenden Lohntarife mehrfach durch Teuerungs- zuschlage ergänzt worden, um für die gestiegenen Warenpreise einen VevdienstauSgleich zu schaffen. Am 1. Mai d. I. stnd nun sämtliche Tarife in der Herren, und Damenmaßschneiderei gekündigt worden. Der Ablaufvermin ist vom 1. August ab verlängert worden, um noch etwa? mehr Zeit für die örtlichen Verhandlungen zu gewinnen. Der Hanptstreitpunkt ist die Forderung des Wochenlohnes an Stelle der Akkordarbeit für alle auf der Werkstatt beschäftigten Ar- beiter. Dieser Hauptforderung setzt der Arbeitgeberverband den größten Widerstand entgegen, so daß dieser Punkt bei den örtlichen Verhandlungen überall strittig geblieben ist. Dagegen ist der All- gemeine Deutsche Arbeitgeberverband für das Schneidergew�rbe fAdav) bereit, das bisherige Akkordsystem in der Art umzugestalten, daß für jede Arbeit eine bestimmte Zeit festgelegt und dazu ein Stundenlohn vereinbart wird, woraus sich dann der Lohn für jedes einzelne Stück ergibt. Außer dem Lohn stehen noch zur Verhandlung die Kündigungs- frist, das Mitbestimmungsrecht der Betriebsräte, der Abbau de� Heimarbeit und die Erweiterung der Werkstätten. Außerdem ist die Forderung der Gewährung von Ferien zum ersten Male erhoben und bei den örtlichen Verhandlungen auch vielfach zugestanden worden. Bei den zentralen Verhandlungen, für die zehn Tage in Aussicht genommen sind, kommen über löv Ort« in Frage, aus denen beide Parteien(Arbeitgeber und Arbeitnehmer) ihre Vertreter entsenden. Aufwärtsbewegmig im Zimmererverband. Der Zentralverband der Zimmerer und verw. Berufsgenossen Deutschlands kann über eine erfreuliche Aufwärtsbewegung be« richten. Schon Anfang Juni dieses Jahres gelegentliS des Statt- findens der 21. Generalversammlung des Verbandes konnte festge» stellt werden, daß der Friedensbestand an ZabUlellcn und Mitgliedern nahezu erreicht sei. Heute ist er weit überschritien. Die Nummer 86 deS»Zimmerer"' erschien in einer Auflaae von 81 3 Exemplaren. Im Verbände selbst herrscht rege Tätigkeit. Die Zahlstellen stehen in Verhandlungen mit den Unternehmern über eine weitere Lohnzulage. Leider versuchen in verschiedenen Orten die Unternehmer, die Verhandlungen zu sabotieren, obwohl die Ver- tragSparteien am 12. und 13. August dieses Jahres an zentraler Stelle vereinbart haben, daß die örtlichen oder bezirklichen Verband- langen sofort aufzunehmen seien. Dieses unzulässige Verhalten der Unternehmer ist in einer Reihe von Orten bereits mit dem Streik beantwortet worden. Eine große Anzahl von Zahlstellen hat sich mit den Unternehmern verständigt und Vereinbarungen getroffen. Wo eine Einigung nicht erzielt wird, soll daS Haupttarisamt für das Baugewerbe eine solche versuchen. Nach§ 1 des Reichstarifvertrags für das Baugewerbe ist. falls die Parteien damit einverstanden find, ein Schiedsspruch zu fällen._ Streik i« den englischen Konsumgenossenschaften. Wie dieser Tage berichtet wurde, befinden sich 36 000 Ange- stellte und Arbeiter der Konsumvereine in Lancashire und Forkshire im Ausstande. Die britischen Konsumvereinsange. stellten und Arbeiter gehören meistens nicht den BerufSorganisa- tionen, sondern der Gewerkschaft der Genossenschaftsarbeiter(Amal- gamated Union ok Cooperative Employees) an. Der Ausstand betrifft die nordwestliche Sektion des britischen Genossenschaftsver- bandeS, der die genannten Provinzen umfaßt. Die Abteilung zählt etwa 436 Konsumvereine mit rund 3000 Warenabgabestellen und über 1 Milliarde Mark Umsatz. Beschäftigt weuden etwa 40000 Per- sonen, von denen 30000 Mitglieder der genannten Gewerkschaft sind. Nach dcni»Cooperative News" Vom 23. August planten die Angeffellten, an diesem Tage in einem Test der Vereine in de» Ausstand zu treten; die Genossenschaften kamen ihnen jedoch zuvor und sperrten die gesamten Beschäftigten du Sektion aus. Sie er- klärten in einer Entschließung, daß sie an der bereits früher kund- gegebenen Absicht festhielten, den Anspruch der Gewerkschaft der Gi- nossenschafisangeftellten abzulehnen, wonach dies« zuständig sein soll, für gelernt« Arbeiter irgendeine? Berufs Forderungen zu stellen, mr die ein Landes-, Bezirks- oder Ortslohntarif besteht, der von der Landes, oder OrtSgewerkschaft genehmigt ist, die für diese ge- lernten Arbeiter zuständig ist, und weiter, daß im Streitfall, welche Gewerkschaft zuständig sei, gelernte Arbeitet zu vertreten, der parlamentarische Ausschuß des Gewerkschaftskonzresses entscheiden soll. Es handelt sich also wiederum, wie schon bei früheren Vorkomm- nissen, um den Gegensatz zwischen den Gewerkschaften der gelernten Berufsarbeiter scraktsmen) und den Betriebsgewerkschaften, der zum Schaden der Genossenschaften ausgefochten wird, die letzten Endes doch nicht zween Herren dienen, d. h. nicht zweierlei Tarife für ihr Personal mit zwei sich befehdenden Gewerkschaftsrichtungen abschließen können, sondern Wohl oder übel versuchen müsse»,«in- heitlich vorzugehen, was nur bei Anerkennung einer Richtung möglich ist. Woher hat der Herr TemobilmachungSkommissar seine Kenntnis? Vom Zentralverband der Handlungsgehilfen wird unS folgendes geschrieben: Seit einiger Zeit werden vom DemobilmachungSkommrssar Bsp- lin bei der Bearbeitung der SchsichtungSschiedSsprüche merkwürdige Entscheidungen gefällt. Ein solcher Fall liegt unS zurzeit vor. Bei der Firma Siemen? u. HalSke Wernerwerk wurde am 13. Mai zpm 30. Juni ein Angestellter entlassen. Diese Entlassung fand nicht die Billigung deS Ausschusses. Vor dem Schlichtm�sausschuß wurde die Firma verurteilt, den gekündigten Angestellten weiter zu be- schäftigen. Da die Firma diesen Schiedsspruch nicht anerkannte, beantragte der Ausschuß beim Demobilmachungskommissar die Ver- bindlichkeitSerklärung. Nach Ablauf von vier Wochen erhielt der Angestelltenausschuß die Antwort, daß der Schiedsspruch nicht für verbindlich erklärt werden körnte, da c3 sich im vorliegenden SchiedS- streit lediglich um die Frage handle, ob der Beschwerdeführer einen Grund zur fristlosen Entlassung gegeben habe und daß für fristlose Entlassungen nicht der SchlichtungSauSschuß. sondern daS ordentliche Gericht zuständig fei. Während aller Verhandlungen und auch im Schriftwechsel ist von keiner Seite davon gesprochen worden, daß ein Grund zur fristlosen Entlassung vorliege. Es ist uns um des- willen unerfindlich, wie der Herr Demobilmachungskommissar ein« solche Behauptung ausstellen kann, ohne beide Parteien gehört zu haben. Wir möchten die Frage aufwerfen, ob der Herr De mobil- machungskommissar nicht die Verpflichtung hat, einige Behauptungen durch Vernehmung der anderen Partei nachzuprüfen." Urabstimmung im Glaserverband. Im Zentralverband der Glaser Deutschland« wurde im Lupuft diese« JabreS unter den 3795 eingeschriebenen Mitgliedern eine Ur- abstimmung wegen Anschluß an eine größere Organisation vor- genommen, welche folgendes Resultat ergab: für den Deutschen Bauarbeiterverband 123 Stimmen, für den Deutschen Holzarbeiter- verband 1397 Stimmen, für Fortbesteben de? GlaierverbandeS 1439 Stimmen. Nicht abgestimmt haben 822 Mitglieder und 14 Stimmzettel waren ungültig. Da für den Anschluß an eine ander« Organisation die im Statut vorgesehene Zweidrittelmehrheit nicht erreicht wurde, bleibt der Glaserverband bestehen. Ueber die inneren Einrichtungen und den wetteren Ausbau wird die nächste General- Versammlung beschließen. Verantw. für den redaktion. Teil:«Med Schollt, Reulölln: für«Njteizeni Theodor� Stock-, Bertin. Verlag: Vorwäris-Berlag®. m. b. H., Berlin. Druck: Borwäiis- Duchdruckerei und Berlagsanstati Paul Elnaer u. Co. in Berlin, Lindenlir.«. Hirrgi 1 BeUagc.--- Ankauf von bedeutendem Brillanten«-»a Perlschmuck bei barer Auszahlung » K«OBlmiA j Sperialhau« f. Juwel en- Gel egenheltskäuf a Warnung! Alte künstliche und»erbrochene gähne, sowie ganz« Gebisse nicht wegwerfen! � Xnt Mittwoch, den 10. September und Donnerstag, den 11. September, bleibe hier und zahle pro Zahn �und 12 Mark Drennstift« Ms 10 Ml.. Platin den heutigen hohen ikinlaus ftnhft statt in S-rUo lm»Hotel Ma aeorgen. gang Bahnhof 24 I, Zimmer 10. ------------ i--o» 8 Uhr Keine Wanze meh riiXs« nur mit KammeriSger Bergs Nlcodaal I u. II zu erzielen. Kestlose Wanzen- n. Brutvernichtnng: Erfolg verblüffend. 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Er bleibt zunächst unvereidet, da er zur kritischen Zeit der dritte Kommandant des Luitpold-Gymnasiums gewesen ist. Er erkennt fast alle Angeklagten wieder und bekundet, er sei bis zum 14. April Vertrauensmann bei der damals noch be- j stehenden Republikanischen Schutztruppe gewesen, welche die alte Regierung stützte. Schließlich ging er seiner Stellung verlustig. Er will einen amtliche« Austrag gehabt haben, als er sich im Gymnasium um ein« Stellung bei den Kommunisten bewarb. Er behauptet, im Besitz einer amtlichen Erklärung gewesen zu sein, daß, wenn sich das Gymnasium kampflos übergebe, JC ein Mann erschossen werden würde. Leider sei es ihm nichf' gelungen, seine Kameraden auf diesen Weg zu bringen. Vorsitzender:«Sie sollten also da? Gymnasium wieder im die Hände der Regierung zu bringen versuchen?' Zeuge:.Ja, und zwar möglichst ohne Blutvergießen. Kampflose Heber- gäbe des Gymnasiums hätte daher viel Unheil verhüte:.' Vor- sitzender:.Sie sollen auch beaustragt gewesen sein, die Ma- schin engewehr« aus dem Gymnasium herauszuorin- gen?' Zeuge:.Ja.' Vorsitzender:.Um Ihre Tätigkeit zu verschleiern, haben Sie nun den Dienst im Gymnasium übernommen?' Z e u ge:„Ja.' Vorsitzender:„Wer war nach Ihrer Meinung der Leiter des Ganzen?' Zeuge:.Seidl. Er wurde nur der erste Kommandant genannt und bandelte durchaus selbständig, hat ohne weiteres Haus- suchungen angeordnet und vorgenommen und auck Beschlagnahmen durchgeführt. Auf diese Weise kamen sehr viele Sachen ins Gym- nasium. die er von seinen Ausslügen mitbrachte. Eimen Wider- ivruch gegen seine Anordnungen gab eS nicht: auch die Soldaten mußten sich ihm bedingungslos imterwerfen. Er dwhte ihnen mit VerhgstSbehehlen und mit Ausschließung aus der Roten Armee.' Vorsitzender:.Wie war es bei Denunziationen?' Zeuge:„Da war er auch selch schnell bei der Hand.' Vorsitzen- der:„War er auch in militärischer Beziehung Oberster?' Zeuge: „Er war schon der Oberste! Allerdings hatte Schicklhorer auch man- cheö zu sagen.' Vorsitzender:„Welche Disziplin herrschte im Gymnasium?' Zeuge:„Gar keine. Jeder tat, was er wollte. Zur Verpflegung und Beteiligung meldeten sich immer rund 899 Mann, aber wenn es zum Dienst kam oder zum Wachescbieben, waren eS kaum noch 30. Angenommen wurden alle Leute, die sich meldete» und zur K. K. D. gehörten, aber auch Ar- beitslose.' Vorsitzender:„Zur Wache sollen sich aber meist anständige Leute gemeldet haben?" Zeuge:„Ja, es waren aber nur wenige und sonst herrschte keine Disziplin. Dienst wurde überhaupt nur auf Drohungen hin gemacht." Vorsitzender:„Sind auch LebenSmsttelbeschlagnahmungen durch Seid! gemacht worden?' Zeuge:„Ja, er kam mehrfach mit Sol» daten und Weibern heim, die Seife, Kakao, Ziga- retten usw. mitschleppten." B o r s i tz en d e r:„Kamen nicht auch einmal silberne Rasierapparate als Lebensmittel mit?" Zeuge:„Ja." Vorsitzender:„Auch viel Wein?" Zeuge: .Das babe ich nicht gesehen.' Vorsitzender:„SS sind allein ein- mal 599 Hektoliter veguiriert worden. Wissen Sie nichts von dem Gelage im Kommandantenzimmer?" Zeuge:„An dem Tage hatte ich gerade dienstfrei." Vorsitzender:„Ist auch geplündert wor- den?" Zeuge:»Ja, es wurde in anderen Depots mehrfach re- guiriert." Vorsitzender:„Nein, auch die Kammer des Gym- nasiums soll einmal vollständig anögeplündert worden sein." Zeuge:„Das ist richtig." Vorsitzender: „Wieviel Frauenzimmer waren wohl im Gymnasium?" Zeuge: „Eine ganze Menge." Vorsitzender:„War nicht auch eine so- genannte Krankenschwester da, an der ein Sittlichkeitsverbrechen verübt wurde?" Zeuge:„Ja." Vorsitzender:„Sie ist dann wohl verschwunden?" Zeuge:„Jawohl." sHeiterkeit.) Vor- sitzender:„Nach dem Etat waren im Gymnasium 339 Mann." Zeuge:„Ja, aber beim Mittagessen meldeten sich 559, während des Abends beim Appell etwa 35 da waren." Vorsitze«der: „Wie erklären Sie sich das?" Zeuge:„Die sind einfach hinein- gekommen und naebher einfach auf und davon. Die meisten gingen zum„Hamster n."(Große Heiterkeit.) Vorsitzender:„Waren nicht auch. Russen da?" Zeuge:„Ja. es waren eingekleidete russi- sche Gefangene. Die babe» sich hauptsächlich an die Front gemeldet." Vorsitzender:„Sind Festreden an die Leute oebalten worden und wissen Sie, daß Levien, Axeldrod und Levine-Nissen mit ihnen verhandelt haben?" Zeuge:„Ja." Vorsitzender:„In der Nacht zum Freitag, als das Champagnergelage mit den Weibern gewesen sein soll, sind die drei dagewesen." Zeuge:„Ja, und zwar in Begleitung einer Zivilperson." Vorsitzender:„Hat sich nun Seidl um den Betrieb gekümmert?" Zeuge:„Er hat sich nicht viel darum kümmern können, weil jeder tat, was er wollte, und wenn man schimpfte, rückten sie aus." Vorsitzender:„Wer ordnet« an, daß die Geiseln in den Keller kamen?" Zeuge: „Seidl." B or sii? e n d e r:„Wie war die Behandlung der Gei- sein?" Zeuge:„Die Behandlung der Husaren war Hunds- gemein." Der Zeuge schildert dann, daß er zweimal verhaftet worden ist.„Seidl sagte, das Tribunal hätte Mitteilung erhalten, daß ich mit der alten Regierung in Verbindung stände. Ich hätte bis dahin noch nichts zur Verteidigung ange- 'ordnet. Ich bestritt alles und schimpfte auf die Weiße Garde, um mich zu schützen. ' Die Sache sollte vor dem Tribunal zur Verhandlung gelangen. Mir selbst wurde ein Schweigegebot auferlegt. Inzwischen kamen die beiden Husaren ins Gymnasium und Hesselmann brackte sie zu mir ins Zimmer. Ich fragte ihn dabei: Was ist mit mir los? Daraus sagte er:„Deine Sache ist sebr brenzlich. Du wirst wohl auch dran glauben müssen. Es hieß dann, die Weißgardisten rüsteten zum Angriff auf das Gymnasium. Darauf wurden die Posten in- formiert, daß alle Geiseln zu erschießen seien, sobald da« Gvmnasium ins Gefecht käme. Die beiden Husaren wurden schrecklich mißhandelt. Beide mußten Stichen fegen und Schüsseln reinigen. Als dem einen das Blut in die Schüssel lief, wurde er nochmals geschlagen. Man rief den Husaren zu: „Mit Euch Luders machen wir es genau so. Ihr müßt Euch vorher Euer Grab selber schaufeln" Als die Geiseln zum.Kartoffelschäl«! auf den Hof gebracht wurden, schrie man den Weißgardisten zu: ,j£>o. jetzt kommt mit, Ihr Hunde Jetzt machen wir es mit Eych so, wie Ihr es mit uns machen würdet." Dann wurden sie zu zwei und zwei auf de« Hof geführt und bort hieß eS: Halt! Rechts schaut! Da standen in Zlbstünden von 5 Metern schon die Husaren an der Pfeilermauer. Es kamen mehrere Schützen aus den Hof. darunter Josef Seidl, der Kantinenwirt, den der Zeuge wiedererkennt. Er nennt auch noch die Namen anderer Personen, die aber nicht auf der Anklagebank fitzen. Der Zeuge fährt dann fort:„Als die Schüsse auf die Husaren krachten, bekam ich einen schweren Nerde'achoc. Ms ich wieder zu mir kam, sah ich Seidl bei de« Leichen stehe«. Hesselmann und Schicklhofer habe ich nicht gesehen." Vorsitzender: „Haben Sie das Kommando zum Feuern' gehört?" Zeuge:„Nein, eS hat mich gewundert, daß plötzlich Schüsse fielen. Ich war sehr aufgeregt. Einer der Husaren schlug noch mit den Händen um sich, darauf erhielt er einen Fangschuß. Für mich wurde dann ein Arzt geholt und ich tmirjie hinausgetragen. Einer der Soldaten erkannte mich wieder und sagt«:„Der war doch früher bei der Schutztruppe. Der gehört auch erschossen. Er ist nur als Spion hier." Der Zeuge bestätigt, daß das Verhör der Geisel» eine reine Farce war. Bei der Abführung der Geiseln in Trupps ist die Bemerkung gefallen:„So. das sind die, die für die 29 bei Forstenried erschösse- nen Rotgardisten niedergeknallt werden." Gleich darauf krachten auch die Schüsse. Rechtsanwalt L i e b k n e ch t:„Was haben die Husaren darauf erwidert, daß sie Rotgardisten erschossen hätten und daß Kopfprämien ausgesetzt seien?" Zeuge:„Da? weiß ich auch nicht. Sie haben eben nicht viel erwider nkö n n e n. Der Angeklagte Schicklhofer springt erregt auf und hält oem zeugen vor, daß er doch einen großen Teil der Anordnungen bei der Erschießung selb st getroffen habe. Zeuges „Aber das ist doch Unsinn, Du warst doch mein Vorgesetzter.� Schicklhofer:„Umgekehrt, Du warst der Vorgesetzte." Zum Schluß gibt der Zeuge noch an, daß mit den vorhandenen Stempeln nn Gymnasium viel Unfug getrieben wurde. Jeder stempelte, was er wollt«. (Heiterkeit.) Der Staatsanwalt widerspricht der Vereidigung des Zeugen, weil dieser im Verdacht der Mittäterschaft stebe. Der Zeuge wehrt sich dagegen uud gibt an. er habe heimlich aus dem Gymnasium die Patronen fortgeschafft, die Handgranaten unbrauchbar und das Maschinengewehr in Unordnung gebracht. Die Ausklagten halten ihm demgegenüber vor, daß er die Reu« gruppier"« ng der Roten Armee vorgenommen habe. Zeuge:„Jawohl, aber nur in bezug auf die Verpflegung." Der nächste Zeuge Ebner hat Schicklhofer aus dem Hof he' der Erschießung gesehen. Der Rotgardist Potze bekundet, daß Levien und Levine-Nissen im Gvmnasium waren, als die Geiseln erschossen wurden. Ein anderer Rotgardist, der zum Aktionsausschuß gehört«, erklärt, daß die geheime Sitzung vo.m 29. nicht unbedingt die Geisel- erschießung zum Gegenstand gehabt haben müsse. � Es könne auch ein« einfache Parteisitzung gewesen sein.(Bewegung.! Zeuge Josef Schneider, der zux Wachmannschaft im Gvm- nasium gehörte, erklärt, von feiten der Wachmannschaft sei alle? getan worden, um den Leuten ihre traurige Lage zu verbessern. Der Zeuge gibt an, daß der Chausteur Seidls. ein gewisser Kam- merstädter zu ihm gesagt habe:„Niederschießen habe.. ich sie schon helfen mber den Mut, ibnen die Papiere aus der Tasche zg holen, habe ich doch nicht aehebt. �Mir graut davor" Er, der Zeuge, habe dann zu Kammerstädter gesagt:„Hole Dir doch ein paar Russen, die werden es schon machen!" Aus die wieder- holten Fragen des Staatsanwalts bleibt der Zeug« bei seinen Aus- sagen, die Kammerstädier schwer belasten. Hierauf wird unter großer Bewegung de? Publikums der in« zwischen festgenommene Zeuge Kammerstäd te r durch einen Schutzmann in Zivil vorgekührt. Er wird unvereidigt vernommen und kennt die Angeklagten sämtlich, fluf die Frage, welch« Kleidung der Zeuge als Chauffeur getragen habe, erwiderte er: Eine grüne Mütze und wollenen Schal, im übrigen Zivilkleidung. Daß er eine schwarze Lederjacke gctraaen bebe, bestreitet der Zeuge. lTa? ist wesentlich, weil die Angeklagten bei ibrer Vernebmuna. ebenso wie mehrere Zeugen angegeben haben, daß bei der. G e i.s e l e r» schießung auch ein Cbanffeur in der oben geschilderten Bekleidung mitgewirkt habe.) Der Zeuae bat in der Nacht, vom 29.. zum 39. m?i Seidl eine Fährt nach..MiHertMofen gemaW.Und fand am nächsten Mittaa in"seinem Ziminer in wer.Kaserne einen Rotgardisten vor, der Seidl iy einer. dringenden �Angglech'nbeit sprechen wollte. Der Rotaärd!� habe ihm dann erzählt,' ru Grnn- wald seien Rotgardisten ew s cha s s c n worden � iurb- dafür solle jetzt Vergeltung geübt wenden. Ich beachrrchtigte Seid! von der Botschaft und der sagte zu mir darauf:„Wenn Du den Befehl ausführen willst, kannst Du es tun." Ich brachte die beiden Weißgardisten auf den Hof zur Erschießung. Die 8 bis 19 Mann znr Ezjckntion hat Schicklhofer im Gymnasium zusammengesucht. Auf die Frage de? Vorsitzenden, wer von den Angeklagten mit bei den Schützen war, deutet Kammer- städter auf den Kantinenwirt Seidl und sagt: „Der hat mitgeschossen!" Vorsitzender:„Ist das auch wahr?" Zeuge:„Er hat ein Gewehr gehabt und mit in der S ch ü tz e n k e t t« g est a n de n.". Vor- sitzender:.„Können Sie sagen, ob der Angeklagte Siebel auch mit- geschossen hat?" Zeuge:„Den kenne ich nicht". Angeklagter Siebel:„Aber ich erkenne Dich sehr genau." Seidl schickte mich 62] Erleuchtung. Roman von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdorf. Er hatte recht. Er hatte die Kette beim richtigen Glieds gepackt, als er diesen Wahrheitsschrei ausgestoßen hatte, der sich gegen die Wahrheit richtete. Jeder Mensch ist ein Etwas, das gezählt werden muß. Aber die Unwissenheit treibt den Menschen von seinem Nebenmenschen fort, und der Verzicht auf Jegliches sprengt die Menschen auseinander. Jeder arm- selige Tropf trägt in sich ganze Jahrhunderte der Verlassen- heit und der Versklavung. Er ist ausgeliefert ohne Waffen und Wehr an den Haß uud an die Verblendung. Ich möchte mich aus dieser Verwirrurg herausarbeiten, wie aus dem Erdkote, der mich einwühlt. Ich suche den Mann aus dem Volke. Der Arbeiter, der sich mit der Arbeit mißt, er mißt sich mit einet Macht, die ihn weit überragt. Er entschlüpft niemals seiner Fron. Er ist der Sklave unserer Zeit. Ich sehe ihn in seiner sanften Wesenheit. Dort tritt er aus seiner im Hofgrund liegenden Werkstatt heraus. Er trägt ein viereckiges Mützlein. In seinem schlecht geschabten Barte schillern die Spuren des Alters. Mit Geräusch zerkaut und raucht er sein Tonpfeiflein. Er zuckt mit den Achseln, er lächelt ein gütiges und keineswegs aufsässiges Lächeln, und er sagt:.Krieg hat es seit altersher gegeben. Also wird es auch ewig Krieg geben." Und die Menschen, die um ihn herum stehen, sie zucken auch mit den Achseln, und sie denken in dem armen Einsam- keitssumpfe ihrer Seele das gleiche: Sie bergen die Ueber- zeugung. die fest in ihr Gehirn vernietet ist, daß die Dinge niemals mehr geändert werden können. Die Menschen stehen wohl jeder für sich und deutlich da, aber sie gleichen Eck- und Pflastersteinen, die fest in ihren Bezirk verbaut und verrammelt sind. Sie glauben, das Leben der Welt sei nur wie ein riesiges, steinernes, nicht mehr zu verrückenden Denkmalsgequadere. Und sie gehorchen. ohne daß sie zum Bewußtsein zu gelangen. Sie prüfen nicht mehr und unterwerfe» sich allem, was befehligt. Sie denken nicht mehr in die Ferne hinaus, obwohl die Zukunft ihrer Kinder auf sie wartet. Und ich erinnere mich an das Verhängnis, daS auch mich drängte Körper und Seele dem Verzichte hinzugeben, von dem alle Menschheft eingeschnürt wird. Und dann ist ja auch der Alkohol da, der die Ge- danken zerdröhnt, und dann ist ja auch der Wein da, der die Gedanken ersäuft. Man sieht die Könige nicht leibhaftig. Man sieht nur den Widerschein, der von den Königen auf die Masse niederrieselt. Verblendung, Verblendung, der wir zum Gegenstande dienen müssen l Ich denke nach, und die Verblendung läßt mich nicht los. Meine Lippen sagen andächtig ein Buchstück auf, das mir einstmals ein junger Mann vorgelesen hat. Damals war ich noch ganz klein, und ich saß am Küchenttsch und stützte die Ellbogen auf und kämpfte mit einiger Schläfrigkeit. Der junge Mann aber las:„Roland ist nicht tot. Jahrhunderte- lang ist unser prächtiger Vorfahr, der Krieger der Krieger, über die Berge und die Hügel geritten. Er hat das karolingische Frankreich und das kapetingische Frankreich auf seinem Rosse nach allen Richtungen durchsprengt. Bei allem großen Leide, das dem Volke begegnete, hat er sich vor dem der Völker aufgereckt. Wie ein Siegeszeichen stand er da, wie ein Ruhmeszeichen, und der Helm strahlte auf seinem Haupte. und das Schwert strahlte an seiner Seite. Er erschien und verweilte, gleich einem bepanzerten Erzengel, wenn der Schlachtenbrand am Horizonte aufbrannte. Er fehlte nicht, wenn man im Kampfe duftermassig zusammenwimmelte. Als die Pest kam, tauchte er nicht minder auf. Er rftt. auf die Flügelmähne seines Rostes ge- beugt, daS wild und phantastisch tanzte, als wenn die Erde berauscht wäre. Ueberall hat man ihn gesehen. Er hat das Ideal wieder aufgerichtet. Er hat die wackere Tapfer- keit der vergangenen Zeiten nicht aussterben lassen. Nach Oesterreich ist er gekommen, als die endlosen Streitigkeiten zwischen dem Kaiser und dem Papste tobten. Sichtbar wurde er, als die Skyten und die Araber in Schlachten aufeinander« fuhren. Er hat dem reich-bunten Fortschritt der Menschheit gedient, der sich am mittelländischen Meere ansiedelte, um dort weitcrzuwirken, bald auffteigend, bald absteigend, wie ein MeereSgewoge. Der große Roland ist nicht tot, er ist niemals gestorben." Die Worte dieser Legende hat mir damals der junge Mann vorgelesen. Ich mußte sie bewundern und er blickte mich an. Dieser junge Mann, den ich derart wiedersehe, ge- nau so, wie mir sein Bild an jenem ungewöhnlichen Abend erschienen ist. war mein Vater. Und ich entsinne mich, wie ich sett jenem Tage an die Schönhett dieser Dinge glaubte. obwohl ich doch nur im Strome mit allen übrigen Menschen hinwandelte. Denn mein eigener Vater hatte mir ja so ge- sprochen. Mein Vater, der Bürger aus einer verklungenen Zett, saß damals in dem niedrigen Zimmerlein unseres alten Hauses. Er saß unter dem weißlichen und grünlichen Lichtlem des schmalen Fensters, daS von Rautenmustern gezeichnet wurde, und er rief aus:„Es gibt Menschen, die sind wahnsinnig ge- nug, um zu glauben, daß England und Frankreich niemals mehr Krieg miteinander führen werden l" Aus dem Wirbel der Vergangenheit steigt mein Vater herauf, solches spricht er, und dann verschwindet er wiederum. Und ein Bild, das ich vor langer, langer Zeit auf einer Buch- seite studiert habe, gewinnt wieder Leben: An das Holzgeländer des alten Hafens lehnt sich der Seeräuber. Er ist rostig ge- worden im Wind und im Meeressalz. Sein alter Rücken ist gewölbt wie ein volles Segel. Er ballt die Faust nach der Fregatte, die in der Ferne vorübergleitet. Er beugt sich über das geteerte Balkenwerk, als wenn er auf der Brüstung eines Piratenschifses stände, und er sagt den ewigen Abscheu voraus, den seine Rasse gegen die Engländer fühlen wird. .Rußland eine Republik?" Man reckt die Arme zum Himmel.„Deutschland eine Republik?" Man reckt die Arme zum Himmel auf. Und die großen Stimmen, die Dichter und Sänger, was haben die großen Stimmen gesagt? Die Dichter haben den Lorbeer verherrlicht, ohne zu wisien, was der Lorbeer ist. Auch du, alter Homer, du Barde der stammelnden Küstenstämme I Auch du. Barde, mit den ehrwürdigen, heiteren Zügen, die gemeißelt sind, in Eintracht mit deinem großen kindlichen Genie! Auch du, Homer, mit deiner drei- mal tausendjährigen Leier und deinen leeren Augen I Auch du, Homer, der du die Dichlkunst zu unseren Tagen hinüber- gebracht hast! Und auch ihr, ihr Heerscharen der versklavten Dichter, ihr habt auch nicht begriffen. Gelebt habt ihr, be- vor man begreifen konnte! Gelebt habt ihr in einer Zeit, in der die großen Männer nur die Diener der großen Herren waren! Und auch ihr. ihr Knechte de« Ruhmes, der auck heute üppig erschallt, ihr beredsam und prächtig unwissenden Schmeichler. Ihr von Bewußtsein nicht erhellten Feinde der Menschen, auch Ihr endlich, Ihr habt den Lorbeer ver- herrlicht, ohne zu wissen, was der Lorbeer bedeutet! (Forts, folgt.) später WtnauS, Me Papiere der Toten zu ffolen. Ich sagte zu Schneider, daß ich keine Toten anrühren könne. Die Rusien, die hingeschickt wurden, fanden ober keine Papiere, sondern nur ein paar Wertsachen, die ich ins Bureau brachte. Am Rachmittag saßen Seidl, Haußmann und Hesselmann im Bureau, als das kiriegsministerium anrief. Haußmann ist an den Apparat ge- gangen, er teilte Seidl mit, daß in Grünwald rote Sanitäter er- schössen worden sind.„Dafür müßten wir Geiseln erschießen". Seidl hat sich gewunden, er wußte nicht recht, was er sagen sollte. Dann erklärte er:„Alsdann machen wirs halt." Der Vorsitzende ermahnt den Zeugen, die reine Wahrheit zu sagen. Vorfitzender: „Sie sollen geäußert haben: Die Weißgardisten habe ich jetzt er- schießen lasten." Zeuge bestreitet dies. Rechtsanwalt Sauter: „Ein anderer Zeuge hat Sie bereits mit aller Bestimmtheit als Mittäter bezeichnet." Zeuge, sehr erregt:„Wer ist dieser Zeuge?" Darauf tritt der Zeuge Schneider ohne Aufruf hervor und beide messen sich eine Zeitlang mit den Augen. De-. Zeuge Schneider kehrt dann stumm auf seinen Platz zurück. Der Angeklagte Josef Seidl springt in höchster Erregung auf und ruft Kammerstädter zu: „Lüge nicht, Du hast auch mitgeschossen.' Zeuge: „Rein, Du hast geschossen." In sehr aufgeregter Weise greift nun Schicklhofer ein und ruft:„Ich habe nicht? zu befehlen ge- habt. Ihr habt nur immer befohlen. Ihr seid stets zu mir ge- kommen und ich habe Eure Befehle ausführen müssen. Wenn Ihr mitgetan habt, dürft Ihr nun nicht feige sein, sondern eS offen gestehen. Nein, mein Lieber, ich bin nicht im Hof gewesen. Sage nur, daß Du es warst." Der Hauptangeklagte Seidl der- sucht durch Fragen, einen Alrbibeweis für die Zeit von 12 bi» 2 Uhr zu erhalten. Der Zeuge Schneider wird dann Kammer- städter gegenüber gestellt. Beide bleiben bei ihren Aussagen. GroßSerlln Zwei Sriefe. L Berlin, den 5. September 1919. Herrn E. T...... Berlin. In der von Ihnen besuchten Vertrauensmännerkonferenz der Rohrleger und Heiter haben Sie einen Ausspruch getan, der den Bollzugsrat beleidigt. Um diese Anschuldigung klarzustellen, werden Sie er'ücht, in der Zeit von 9 Uhr morgens bis nachmittags 5 Uhr in unseren Geschäftsräumen, Sophienstr. 18, zwecks Verneh- mung bei un« zu erscheinen. Der Bollzugsiat der Arbeiterräte Groß-BerlmS. IL 9. Sept. 19. Lindenstr. 114. An den BollzugSrai der K. P. D. und ll. E. P. Berlin. Ein alter auf dem Boden der S. P. D. stehender Parteigenosse, E. T. bat unter dem b. 9. d. I. eine Aufforderung»zwecks Ver- nehmung in der Zeit von 9 Uhr morgens bis S Uhr nachmittags in Ihren Geschäftsräumen, Sophien« straße lb. zu erscheinen", erkalten. AlS Grund wird ein Ausspruch.der den BollzugSrat beleidigt" angegeben. Obgleich an viele« gewöhnt, find wir dock einigermaßen er» staunt, über diese neuartige Methode, unbequeme Nöi-zler nach dem Muster der berüchtigten russischen außerordentlichen Kommissionen Raison beizubringen. Diese Unverfrorenheit und Anmaßung auf Ihren naiven oder gegenteiligen Cbaralter hin zu untersuchen, seblt unS die Zeit, find Sie aber über den heute in Versammlungen üblichen Ton entrüstet, so bitten wir Sie, einem großen Teil Ihrer Anhänger erst noch die primitivsten Umgangsformen anständiger Menschen bei« zubringen. Der BollzugSrat Groß-Berli«. Heute frudet die juristische Sprechstunde von 3 bis 5 Uhr statt. Der Reichsbund der Invaliden, Ortsgruppe Groß-Berlin, hielt dieser Tage mehrere öffentliche Versammlungen ab, welche fast ausnahmslos sehr stark besucht waren. Der Referent, Leidensgenosse Subke, sprach über„Das Hungerelend der Jnva- liden und Rentenbezieher". Er führte u. a. aus, daß Regierung und Kommune die Invaliden, deren Witwen und Waisen, die Armenrentenbezieher usw. vollkommen vergessen haben. Die alte Regierung, Wilhelminischen Angedenkens, habe(abgesehen von den 26 Pf. tägl. Teuerungszulage) für unS nichts übrig gehabt und die jetzige Regierung hat für uns noch keine Zeit. Di» Ar- beitSlosen haben die Erwerbslosenfürsor�e, die Beamten eine Teuerungszulage erhalten, und für die Staatsbeamten ist sogar eine Bekleidungsbeihilfe von zirka 1009 M. geschaffen. Nur für die Invaliden hat man nichts! Oder glaubt man genug getan zu baben, wenn man die Teuerungszulagen um 8 refp. 12 M. im Monat erhöhen will? Denkt niemand an die bedauernswerten Armenrentner? In einer Resolutton wird sofortige Hilfe durch billige Lebensmittel, Kleidung usw. gefordert. In der Geschäfts- stelle des Reichsbundes der Invaliden, Raumarstr. 84, wird Man- tag», Mittwochs, Freitags 6— 7 lochenlo» Rat und Auskunft in allen Unfall-, Invaliden- und Armenangelegenheiten erteilt. Gegen die enormen Lederpreise, die seit der Aufhebung der Zwangswirtschaft im Lederhandel noch gestiegen sind, protesttert die Freie Vereinigung selbständiger Schuhmacher, Bezirk Lichtenberg, aus das schärfste und bittet, sie nicht dafür verantwortlich zu machen. Die Berufsgenossen werden aufgefordert, durch Anschluß an Rohstosfgenossenschaften den verteuernden Zwischenhandel aus- zuschalten.— Di« Aufhebung der Zwangswirtschaft ,st von den Händlern betrieben worden. Die» Schuhmacher wird niemand verantwortlich machen. Die Lederpreise find in der ganzen West hoch, und da wir auf Einfuhr angewiesen sind, bedeutet auch jede« weitere Fallen unseres Geldes neue Preissteigerung. Hier wie überall ist nur durch Arbeit, die Ausfuhrware erzeugt. Besserung zu erzielen. Eine bedingte Strafgeldfalle ist auf dem Bahnhof Dahmsdorf- Müncheberg im Betrieb. Wer dort die Bohle über die Kleinbahn betritt, mutz eine Mark zahlen, wenn er in kleiner Gesellschaft ist. Gegenuber größeren Sünderschareu»«rsagt die Falle. Patent angemeldet. Die einzige Behörde, die nicht auf sich warte« läßt, ist die Steuerverwaltung. Auch die entlassenen KriegSteil- nehm er wissen davon zu erzählen, wie bald ihnen die Steuer- forderung ins Haus geschickt wurde. Einer, der vom 3. August 1914 bis zum 20. Dezember 1918 im Waffenrock steckte und immer im Felde war, hat jetzt eine Aufforderung zur Zahlung von 832 M. Steuern für Januar bi» März und für April bi» Sep- tember dieses Jahres erhalten. Diesen großen Betrag soll er nun sofort bezahlen— aber er weiß nicht, wovon. Heber vier Jahre hat seine Familie sich mit der kargen Unterstützung behelfen müssen, ist von Krankheit heimgesucht worden und hat Not gelitten. Dem heimgekehrten Familienvater wird et nach den Anstrengungen deS Kriegsdienste« schwer, feiner Erwerb». tätigkeit nachzugeben, die Brot für die Familie schaffen und da» neben die Abzahlung von 800 M. Schulden ermöglichen soll. Und nun kommt plötzlich diese bedeutend« Steuerforderung, deren schleunigste Bezahlung verlangt wird. Hier wind die Steuerver-. waltung die dam Finanzminiflernrm ausdrücklich empfohlen« Stundung unbedingt gewähre» müssen, wenu der Steuer- Pflichtige sie beantragt. Die Zahl der Erwerbslosen in Groß-Berlin betrug Ende letzter Woche rund 128 000. 426 Ferienkinder aus der Schweiz kehren heute zurück. Der Transport trifft abends 8 Uhr 10 Mim auf dem Anhalter Bahn- Hof ein. Da« städtische Wohnungsamt ist von Schicklerstratze 12 nach Oranienburger Straße 16 vorn 2 Tr. verlegt. Der Lattler kÄilbelm Bartels, Sozialdemokrat lest Kründung der Battei. jetzt Ststtsinsasie und Ebrenleser d«S.Vorwärts', vollendet am 12. September(ein 80. Lebensjahr. Möge der Alte auch weiter m geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit am Verlaus unserer Eni- Wickelung teilnehmen. Hilferufe durch Fernsprecher find zunächst im Bereich der Fernsprechämter Wilhelm- und S t e i n p l a tz einge- führt worden. Ein Teilnehmer, der bei Einbruch, Ueberfall usw. polizeiliche Hilfe herbeirufen will, hat nur nötig, bei der Meldung der VermittlungSbeamtin das Kennwort„Ueberfall" zu nennen. Er wird dann ohne weiteres mit der zur Hilfeleistung ver- pflichteten Stelle der Polizei verbunden. Bei den übrigen Ver- mittlungsstellen Grotz-BerlinS kann das- Verfahren zurzeit leider noch nicht eingeführt werden, weil die Umgestaltung der Polizei dies noch nicht gestattet. Totgefahre» wurde Dienstag mittag ein etwa 10 jähriger Junge von der Straßenbahn in der Vorckstratze. Infolge starker Staubentwicklung an der neugebauten Strecke hatte er das Herannahen des schneillfahrenden Wagen? nicht bemerkt oder die Eni- fernung unterschätzt, als er über das Glei» lief. Im Tiergarten erschossen haben sich zwei Männer. Der eine ist nach seinen Papieren wahrscheinlich ein Kaufmann Berthold Kopitlowski, der zweite besaß keine Ausweispapiere. Er scheint dem Arbeiterstande angekört zu haben, ist etwa 25 bis 30 Jahre alt, hat blondes, kurzgeschnittenes Haar und einen An- ftug von Schnurrbart und trug einen braungrün gestreiften An- zug,«inen grünlich weichen Filzhut und ein graue? E. gezeichnete« H»md. Auf dem linken Handrücken hat er fünf Warzen. Die für Berlin bestimmten dänischen LiebeSgaben find bereit» sämtlich durch die zuständigen Fürsorgeorganilationen an die bedürstige Bevölkerung verteilt werde«. Angestellte Flohr, Berlin und BSittena«. Versammlung beute nachm. 4,l4 Uhr, im Ballsaal, Chausseestr. 102. Der Angestellten-Ausschuß Lichtenberg. Der Arbeiterrat der Erwerbslosen bat seine we- schöstSstell« nach Markt st rage 10/11(Telephon: Lichtenberg 1283) verlegt. Geschäftliche Mitteilung. Die Firma Tohrs«. AmmS Nachfolger. Burgstr. 27. bat jetzt wieder prompte Müleroerladunqen nach Ltallen, Spanien, Schweiz. Bo.en, Holland, Skandinavien sowie nach dem übrigen istusland und Uebersee ausgenommen. In der Notwehr erschossen wurde, so meldet eine der Polizei nahestehende Korrespondenz, gestern nachmittag ein Arbeiter Ludwig B a r tz auS der Fruchtstr. 84. Ein Polizeibeamter hatte eine Per- Haftung vorzunehmen und wurde hierbei von Bartz tätlich ange- griffen, der den Verhafteten befteien wollte. Der Beamte, der auch von einer Menschenmenge bedroht wurde, mußre zur Dienstwaffe greifen, da Bartz von seinen Tätlichkeiten dem Beamten gegenüber nicht nachließ und gab einen Schuß ab. Bartz brach zusammen und wurde nach der Rettungswache Holzmarktstraße gebracht. Hier konnte der Arzt nur noch den Tod feststellen. Tegel. Gemrindevrrttrtersitzung. Gen. W i tz k e wurde zu- nqchst als Gemeindevertreter verpflichtet. Für da» Wasserwerk norirendige Reparaturen wurden bewilligt, so soll da» völlig ver- traf; rief!« Bollwerk an der Gaswerks ablag« wieder hergestellt werden. Die Arbeiten sollen möglichst in eigener Regie ausgeführt werden. Der GaSpreiS muß infolge der höheren Gestehungskosten von 35 auf 47 Pf. erhöht werden. Die Neuwahl der unbesoldeten Schöffen hatte folgendes Resultat: HalfeS, Meper(©.P.D.), Beyermann, Echöwfeld(11.®. P. D.), C. v. Borsig(Bürgerl.). In einer Versammlung der Händler, der Hausbesitzer und des Mietervereins hatten diese heftige Angriff« gegen daS WirtfchaftSamt der Ge- metnde gerichtet. Sie fordern Genehmigung zur Herstellung von Kleingebäck, freien Handel und protestieren gegen Bevorzugung des Konsums; sie wollen Vertreter des Handels in den WirtschaftS- ausschuß entsenden. In einer Eingabe an den Gemeindevorstand hatten sie dies zum Ausdruck gebracht. In der Antwort, die seitens des WirtschastSamtS in der Sitzung gegeben wurde und der die Gemeindevertretung zustimmt«, wurden diese Beschwerden wider- legt und betont, daß die Gemeindevertretung in ihrer Mehrheit auf dem Standpunkt der Koinmunalisieruttfi der Lebensmittel steht und alle Mittel benutzen wird, diese zu beschleunigen. Bei der Ver- Handlung diese» Punktes wurde eine Uebersicht über den Stand des WirtfchaftSamtez fett KriegSanfang gegeben. Nach der Bilanz war ein Rein gewinn von 338,80 ML vorhanden. Für Bureau- zwecke soll daS Grundstück Spandauerstr. 4 gemietet werden. Di« Gemeindearbetter haben einen Antrag auf Gewährung einer«in- maligen Teuerungszulage gestellt. Da der Staat an feine Beamten Teuerungszulagen zahlt, sollen die Beamten der Gemeinde Zulagen in derselben Höhe erhalten und zwar Verheiratete 1000 M., lodige Männliche 600 M., weibliche Personen über 16 Jahr« 500 M., unter 16 Jahren 250 M. Es sollen den Beamten die betr. Summen nach- gezahlt, aber auch den Arbeitern dieselben Summen zugestanden werden. Die Mittel sollen auS einer außerordentlichen Anleihe gedeckt werden(300 000 M.). Von einer beabsichtigten Auflösung der Volksküche wurde angesichts der unübersichtlichen Lage der Lebensmittel- und Kohlenversvrgung Abstand genommen und be- schlössen, die Volksküche in einer Baracke unterzubringen, die auf dem Grundstück Hauptstr. 16 ausgestellt weiden soll. Zur Linderung der Kohlennot werden 150 000 M. als Vorschuß bewilligt. FriedrichSfelde. Gemeindevvr tretung. Bei der Wahl der unbesoldeten Schöffen erhielt die Liste der Bürgerlichen 6, die der IL S. P. 7, die der S. P. D. 6 und die der Demokraten 8 Stim» men. Gewählt stnd Frentzel und P urseler(U. S P.). Weiß(S. P. D.). Reinhardt(BürgerL). Zwischen den Bürgerlichen, der S. P. D. und den Demokraren entschied das Los über den 5. Sitz zugmtsten des Demokraten Dr. Mock. Da» Schulkuratorium der höheren Schulen wurde befeftigt und dafür ein SchulauSfchuß mit Elternbeirat eingeführt. Ter AnyestelltenauSschuß hat unter An- drohung der Arbeitsniederlegung dem Gemeindsvorstand das Ultimatum gestellt, bis 5. September mitzuteilen, daß die den Beamten und Festangestellten gewährte Entschul dungSsumme� bi» zum 13. September ausgezahlt und ihnen das uneingeschränkte Mitbestimmungsrecht getvahrleistet wird. Da die zweite Forde. rung bereits bewilligt ist und die Vorarbeiten für eine befriedigend« Lösung der ersten fast abgeschlossen find, wird das Ultimatum als gcaenstandSloS betrachtet. Der Gemeindevorstand hat nach Mög- lichkeit für Kohlenersatz gesorgt. Die Kommunalisierung ist für diese? Jahr ausg-schlossen. da, abgesehen von der Kohlenknappheit, die Gruben neue Kunden nicht aufnehmen. Zum Ankauf von Wintervorräten wurde» dem ErnährungSowrt eine halbe Million Mark bewilligt._ Sroh-Berlwer Lebensmittel. Berlin. SSO Gramm Kunsthonig(71). Sestellabschnttt 71 i« Zucker. bemaSgeschäst abllesern bis einschließlich Sonnabend... Krankenbrot. Zur Erhöhung der herabgesetzten Krankenbrotportion können vom 22. September ab daneben noch SOO Gramm Kranken, wieback oder Kei» abgegeben werden. Aus den lOvO-Gramm-Abschnttt de« Be- rechtiaungSschetn« wie bisher 1000 Gramm»rot und aus den lSSO.»ramm. Ablcbnilt SSO»ramm»rot und SOO Gramm Zwieback oder Set«,»er Krantenzwieback nicht lausen will, kann aus die frei werdenden Abschnitte seiner Brotkarte entweder 600 Gramm Schwarzbrot od« 300 Gramm Küchenmehl beziehen. Licht haben, Petroleumdezugfchetne; für jeden Haushalt'/, Liter troleum und 3 Lichte(je 28 Ps.). Bezugscheine und Lichte gegen Bezahl Marlendoef-Sstdende. Sn Heimark efter, landwktfchafMche Betriebe. Zeiwngsbolen� Inhaber von Wohnungen, die weder Gas noch elektrische« ....,_______________________ Bezahlung und Kodlengrundkarte im RalhäuS(Zimmer 25) bis morgen Donnerstag, 4— 6 Uhr, Petroleum aus der Pumpstalion, Blumenweg 6—7, sür A— G morgen Donnerstag, 7—12 und 1— 4; H— Q Freitag, zur leiben Zeit: R—Z Sonnabend, 7—12.— 10 Pfund Karloff ein 137»), An Kriegs- beschädigte auf Zulatzkarte(37) SOO Gramm Grieß t» den Gemeindelädeu bi» 14. d. WlS._ Grsß-Serliner parteinachrichtea. weitere Zahlabeuöe heute abeuü 71/» Uhr! (Die anderen standen tm DlenStag-Morgenblatt,) «erlin. 2. Abt. Bezirle 17, 18, 19, 30, 31, 32: Wilhelmstr. 6 bei Ponicke; Bezirke 20 21, 22, 23 bei Gründler, Zimmerstr, 30; Bezirk« 24, 25. 26 bei Schirm. Kb-rlotlenslr. 7/8: Bezirke 27. ps. 29 Psefserberg, Mark. grasenstr 17; Bczlrt« 216. 217, fc-O bei Kessenich, tzollmannilr. 16, 7. Abt. 8 Uhr, Blüchcrsäle, Btücherstr. 61:.Die Tätigkeit der Stadt. verordneten'. Res. Gen. D i t t m e r. Wahlen zum AbleilungSoorstand. L7. Abt. Ichulaula Ruppiner Str. 48. Res.: Sto. Samulewitsch. Elarlottevbnrg. Ln den betannlen Lolalcn Kruppcnoettammlungen. 3, Gruppe bei Bade, KaiserlN-Augusla-Allee 52, Daedelow. Dennewitzstr, 22, Ruppert, Tegeler Weg 108. Für 9. Gruppe Sonnabend. Versammlung der 7, Gruppe wird noch belanntgegeben. Dchöneberg. In allen belannten Be-vstslokalen, Wilmersdorf. 8 Ubr: Abt. 1 und 2 Jobann-Veorgstr. 19, Flora. säls; Slbt. 3 und 4 Düsseldorfer Str, 70 bei Schulz: Abt. 5 Meier-Otlo- siraße 10 bei Lebmann: Abt 6 Gastelner Str. 6 bei Reuter; Abt 7 Brau- denburgiiche Str. 3 bei Lau; Zlbt 8 Brandenburgische Str. 69 bei Schäser; Abt. 9 Prinzregentenftr. 90 bei Stachett; Abt 10 Kaiserplatz 7 bei Kexel; Abt, 11 Augustastt. 1 im Augustahos; Abt 12 Heidelberger Platz 1 bei Kollert Britz. Aula Bürgerstr. 23. Weissenkee. 7 Ubr: 1. Bezirk bei Ming«, Lotbringenstr, 32: 2. vezirk bei Stälke, Charlottenburger Slr. 3; 3. Bezirk bei Wiclsiruk, LanghanS. straß« 62: 4, Bezirk bei Bäker, Berliner Allee, Tcke Albertinenstr. Borfigwalde und Wtttestraße bei Leider, Räufchitraße, Wittenau und Charlottenburger Straße. Zahlabend bei Fritz Böhm, Oranienburger Str. 60. Waidmannsluft bei Wennrich am Babnhos. VereinSangelegenhetten. AuS der Gemeindevertretung. Verschiedenes. Steglitz. 8 Uhr w folgenden Lokalen: Lung, stichtestr. 67: Radge, Mommienstr; Dolle. Schineberger Sic,; Stenttchke, Flora str, 2a: Clöment, Düppelitr. 7; Thiel. Albrechlstr, 86; Thielicke, Lenbachstr.; GeiSler, Jever- Uraße; Müller, Albrechlstr, 53; Adolf Lück, Schützen str, 54; Spanholz, Körnelftr, 48, Dreptow-Baumschulenweg. Für Treptow: L. Bezirk: bei S ch i e w e g, Puderltr. 21; 6. und 7. Bezirk: L i n d st a e d t, Ellen- straße 97: 8, Bezirk: Golltez, Kielholzstr, 19; 9. und 10. Bezirk: Banse. Klesbolzstr. 9: 11. und 12. Bezirk: E b e r t, Grätzstr. 1; sür Baumschulenweg: 1., la- und 2. Bezirk: Erbe, Baum. schulenstraße 13 1 3. Bezirk: Truppel, Kiesholzstr, 180; 4. Bezirk: Haß, Baumschulenstr, 72. Mariendvrf-Südende. Mittwoch, abend» 8 Ubr: 1. Südende bei Dahl, Lichterselder Str, 21. 3. Bezirk: Koch, Tbausseestr. 13. 4. Bezirk: Hilgert, Cdausseestr. 281. 6. Bezirk: Hoch, Cdausseestr. 44. 6. Bezirk: Ran, Friedcnsir. 6. 2. Bezirk tagt morgen Donnerstag bei Merkcrl, Kurfüriienslr. 24, Ecke Schützenstraße. Mahlsdorf(Ostbahu). Für Ott bei Ander«; sür de» Zlordbezftk bek Moschinstt, Lemlestraße. » Achtung! Die Vorstellung Im Walhalla. Theater findet nicht am 19,, sondern am 22. September statt Bestelluiigrn aus Einlrittskatten a 2 M. find in den heutigen Veriammlunge» bei den Abteilungssührern zu macheu. Der Betrag ist gleich zu zahlen._ Jnngsozialiftische Bereinigung Ll. P. D. Morgen.>/<8 Uhr, wr Saal der Juristischen Sprechstunde, Lutdenstraße 8: Vortrag de» Senofien B e r g e r über:»Die Idee der wittichastliche» Demoiran« und der Be- triebSräte-Gejetzentwurs. Gäste willkommen. Gerichtszeitung. Umfaugreiche Diebstähle iu dem früheren KöulgNcheu Schloß. Der 26jährige Schloßdiener Karl K.. welcher fett 27 Jahren in dem früheren Königlichen Schloß angestellt war, soll die durch die Revolution entstandenen verworrenen Verhältnisse dazu benutzt haben, um in den Gemächern des Kaisers und feiner Frau umfang- reiche Diebstähle auszuführen. Di« Liste der iu seiner Wohnung beschlagnahmten zum Teil recht wertvollen Gegenstände umsaht weit über 100 Gegenstände. Außerdem beschuldigte ihn die Anklage, auS dem Weinkeller für 2500 M. Wein gestohlen zu haben.— Geh. Me> dizinalrat Dr. Ho ffmann bekundete, daß 8 51 St.G.B. auf den Angeklagten, bei dem lediglich eine gewisse Minderwertigkeit zu konstatieren sei, keine Anwendung finden könne.— Das Gericht kam bezüglich deS schweren Diebstabls-zur Freisprechung und er- kannte im übrigen mit Rücksicht auf den außerordentltch schweren VettrauenSbruch auf ei« Jahr Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust___ Verbrecher-Frechheit. Der Kaufmann KaselowSki suchte in der Nacht zum 1. Juli d. I. in der Nähe de» Stettiner Bahnhofs ein Zimmer. Er wurde dabei von zwei gutgekleideten jungen Leute/ angesprochen, die erklärten, ebenfalls ein Nachtquartier zu suchen. Nachdem alle Drei etwa IZb Stunden hcrumgesücht hatten,� erschien als Retter in der Not ein sogenannter wilder Droschkenkutscher, der dem einen jungen Menschen mitteilte, daß in der Borsigstr. 20 ein. LogiS frei fei. KaselowSki fuhr mit den beiden dorthin, dock kaum hatte er den Hausflur betreten, als diese und der Droschkenkut,cher über ihn herfielen, ihn zu Bicken warfen und ihm die Brieftasche mit 1800 M„ die golden« Uhr und eine BrillantfchlipSnadel raubten. Zu seinem grenzenlosen Erstminen erschien etwa 8 Wochen sststter einer der Räuber, der jetzig« Angeklagt« Glücker, bei ihm und bot ihm gegen einen Finderlohn von 500 M die zum Teil sehr wichtigen Papiere, die sich m der geraubten Brieftasche befunden hatten, an. KaselowSki ließ den Angeklagten sofort verhasten.— Bor Gericht bestritt der Angeklagte ganz entschieden der Täter zu sein, er wurde jedoch von dem Zeugen mit vollster Bestimmtheit wieder erkannt.— Das Urteil lautete auf drei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust._ ?ugenöveranftaltuagea. Die Patteigenossen werden e, sticht, ihre Sinder ans die nnle» stehenden Veranstaltungen aufmerksam zu machen: �, Süden. Südwest. Heute'/,« Uhr Schule. WilmSstr. 10(Jugend. kluizimmer) Bottrag:.Die Revolution von 1848*.___,.. Lichtenberg. Heute 7 Uhr Jugendheim, Parkaue 10, Lottrag des Genosse» Schütte über Jean Jaurss. öriefkasten üer Reüaktioa. Heute findet die juristische Sprechstunde vo« 3 bis 5» Uhr statt. K. G. Berlin, Schloßplatz 1.— V.»-*■ Fragen Sie bei der AuSkunstSstclle de» Magistrat«(auch telephonfich) an.—®, 60. Ein einzelnes Institut können wir nicht empf-hten. Schuldeputation de» Magistrats ist gern zur Auskunft bereit. 9* R. 61. Berufsberatung für geistig schwache Kinder. Jugendamt. valm JüdenItr. 51/62. � Oftprenhe«. In AdsttmmungSfragm sür Oberfchlesten wenden Sie stch an den Reichsverband Oftschutz. Potsdamer Straße 7b.— Zt. P. Jawohl. ». Cr. Norde» 20. Wenden Sie sich an die S. P. D.-Frattton Neu- kölln, Rathaus.- y. B. 1«. Könnenwir nicht deuten.— F«. 21- VoUsarbettSamt. Berlin. Margaretenstr. 7/8.— M.*>. 106. LollzuzSrat der S. P. D. Bettln. Andorftr. 114. wenden.— N. 21. virfichaftsge. uogenschast vettiner Grundbesitzer. Berlin. Burgstr. 1.— 5. Ja. Wetterbericht fctt DonuerStagmittag: Mäßig warm, im Westen vielfach heiter, in den anderen Gegenden überw-egsrd rw» wölkt und im Küstengebiete ziemlich zahlreiche, im Binnenland« mehr vereinzelte geringe Regenfälle bei mäßiges westliche» Wmden. Drei arge Jeinöe. Gicht. Rheumatismus und Hexenschuh(JSchiaS) heißen sie. Sie foltern ihre Opfer ebenso grausam. wie es in alten Zeiten die Henkersknechte taten. Gicht, Rheumatismus und Hexenschuß haben nichr nur die gleiche äußere Beranlaflung(Er- kältung), sondern auch die gleiche mnere, nämlich Berglftung de« SMutes durch zurückgehaltene Harnsäure. Die Harnsäure ist ein giftiger Löfallstoff, der übrig bleibt bei der Verwandlung der Nährstoffe iu Kraft nnd Wärme, genau so wie beim Ber» brennen der Steinkohle Schlacke übrigbleibt. Die Harnsäure muß regelmäßig aus dem Blute entfernt werden, wie die Schlacke unter dem Dampf- kessel, sonst entstehen Störungen. Die Harniäure setzt sich an bestimmten Stellen Volksbttlme JÄi Opernhaus. Fliegender Holländer. Anfang 6"/» Schauspielhaus. Coriolan. Anlang 7 Uhr. Direktion Max Reinhardt Oeutsohe» Theater 7 um-. Wie es eneti gelallt Donnerstag 7 Uhr: Hamlet. Kammerspiele. 7 uhr: OespenslEFSonate. Donn.71/,; Maria Magdalena. Theater U d. KönlßprätzerStraße ■/<8 Uhr: Kameraden. Donnerstag: Erdgeist. Freitag: Kameraden. Komödieuhans : Llselott von der Pfalz« nntagn.; Fünf Frankfurter. So Der Schwarzkünstler. i.eBsing-TUeatcr Direktion: Victor Barnowsky. 7'/?: Der Schöpfer. (Albert Bassermann.) Donnerstag 7l/ji Liebe. Freitag 71/»: Der Schöpfer. (Albert Eatsermann.) Dentsohea Kttnstler- Theater. Allabeitdl 71/, bis inkl. Freitag- Das Schloß am Wannsec. fest und verursacht EntzündungSerscheinungen, die je nach der Raturanlage der betreffenden Person und je nach den näheren Umstände» verschiedener Art sein können. Die Harnsäure kann fich tn Form fester Kristalle in den Gelenken und Sehneuscheiben ablagern, wo sie rasende Schmerzen und heftige teigige Schwellung und Rötung verursacht. Später entstehen an diesen Stellen harte, knotig« Ausckwellunge», die sich zu völligen Verkrüppelungen der Hände ausbilden können. Sie kann auch ohne Lblagerungen eine heftige Entzündung der Gelenke oder Muskeln veranlasien und wird lebensgefährlich, wenn sie den Herzmuskel ergreifen wird. Sie kann endlich eme Entzündung großer Nerven- sträng« herbeiführen, die fich in neuralgischen Schmerzen des Gefickits, de» Kopfes(Kopfreitzenl), der Kinnladen, besonders aber de» großen Hüften- nerveS(Hexenschuß. JSchia») äußert. Walhullä-Ihcatsr. 7�/, ühr: Das Gesetz. Man benutzte dagegen früher mit Votlieve das I Gift der Herbstzettlos«, welche« ein Bestandteil der 1 meisten alten.unfehlbaren' Gichtmittel ist. Mancher, der solche Mittel benutzte, ist durch dieselben für immer von seinen Schmerzen erlöst worden— durch den Tod, denn VergiftungSsälle waren nicht selten, und die Mittel wirkten auch nur vorübergehend. Auch die später viel verordnete Salizylsäure ist nicht ungefährlich, dauernde Heilung bringt fie ebensowenig. Große Beliebtheit im Volke genießen verschiedene scharfe Einreibungen und Pflaster, und eS ist wahr, daß fie durch Anregung des Blutumlaufs in dem erkrankten Körperteile die Entzündung vorüber- gehend beseitigen können. Da» nützt allerdings nicht dauernd, aber es kann die Schmerzen liudern. Al« gründlich« Kur ist.Gichtofint' zur Entfernung der Harnsäure von zahlreichen Aertten als gut erprobt worden. E« enthält die Salze, welche» eine Snzahl der berühmtesten Heilquellen ihr« gut« Btrktmg verdanken, in verstärfter Form, alle Stoffe aber, welckie die Wirkung abschwächen oder welche keine Wirkung haben, sind weggelaffen. Dadurch wird eine sehr schnelle Auslösung und gründliche Entfernung der im Körper abgelagerten und im Blute vorhandenen Harnsäure erreicht. ohne daß e« nötig ist, sich monatelang in eine« Kurorte aufzuhalten, große Mengeu Mineralwasser zu schlucken und strenge Diätvorschristen einzu- halten. Das ist nicht nur angenehmer und bequemer, sondern auch viel billiger. Zum Versuch erhält jeder, der da« nach schreibt, eine genügende Probe und eine Gebrauchsanweisung voll« ständig gratis vom Generaldepot, Vikroria-Apotheke, Berlin L. 291. Friedrichstr. 19� Rvse-Thsäter. T1/, Uhr: Sommernacht. Berliner Theater >A8 Die Dame im Frack. Sonntagn.: Die tolle Komiefl. Central-Theater Die Sehünste von Allen. I>eQtf«ehea Opemhann 7 Uhr: Die lustigen Weiber von Wlndsor. Friedr.- Wil holmat.Th, Tv.uhr.Weinenüe Erben. Kleines Theater. Iä Summa SümmaniE KomlHche Oper 7% u Liebeszauber. Xsun tsp 1 e Lhau« Tf.ut-r: So ein Mädel. Mctropol-Tstfatfr. 7 uhr 20 Die Faschlngslee. Bfenea Oiieretteiihnaa. T'/.u.DieDaraevomMüs. törhliler-Thrnt. t'harl. Der Bund der Jugend. Thalia-Theater TsuJimglerSonneDseheln Th.au IVollendarfplaez 7>/,uhr Die Puppe. Theater des WVatena , tv, u.: Die Frau imllenneßn Theater d. Prledrlchstodl 8 uhr: Vier Einakter. Wallner-Theater � Eine Ballcacht. Trianon-Theater. Bhf.Friedrichstr.�tr. 4027�301 Nachm. 4 Uhr. kleine Preise: Schneewittchen. WS'".r 353. Male Oer gute Ruf Komödie-on Sudermann. Sonnab. nachm. 4, kleine Fr.: Aschenbrödel. Sonntagnachm. 4, kleine Pr.: Johanniafeaer._ Residenz- Theater. Umergrundb. Klosterstraße. Stadtbchn Jannowitibrücke. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: Rotkappehen. Täglich Heute OOO Mplo VjfUhr. rum uuO, InOiU Das lere Schauspiel von Sudermann. Engen Burg, Hansi Arnstadt. Olga Limburg, Rosa Valettl, Harry Lledtke, X Falkenstein. Sonnabendnachm.4,kleinePr.: HUnHel und Gretel. Sonntagnachm. 4, kleine Pr.: Ädmirals-Palsst.1 | in allen Gewichtsklassen| um die MeUterschaften von Deutachland. Anlang- Ubr. kamlrala-Klno. Rausch m.t Asta Nielsen lilggyssm Max Marzelll Paul Stelnltx Waller Stelner Pritz Berger Carl Bdier Röloa r. Posiema Jersey u. Juilerte Bthel Qard. KQnstl. Leitung; Fiatow AmPlUgeLIlcnscbel Kapelle: Luisen-Theater. 71/,: Der verflossene Ri Bdorf. Freitag: EtlMdgllt. Sonn- J■ Kindervorstellung abend fienovcfa. I: Dort und Stadt Kasino- Theater Lothringerstraße. TlgL'l# U.: Oroßstadt-Pfiauzen VolksstOck in 3 Akten. Vorher: ScbwirzwaldbOble. Operettenakt m.ViktorLitzek. Dazu erstklass. Spezialitäten. 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Bezirksvervand Groß-Verlw. V» r e o u: Vellevxeft». 7. Mitglieder-Uersamminngen für Kerlin am Mittwoch, de« 10. September 191», abends TVs Uhr Dilllac tliöbel!1 rgenüber dem Eeschästshanse Natwlph Hertzog. I. u. SS. Abt. In den Bubisälen, Neue Jtinigftr. 26, Referent: Gen. Ritter. Z.U. 4. Abt. Im Nationalhos, vstlotsltr. 87. Referent: Gen. Rüben:.Die Sergarbelterbewegung im Ruhrrevler». 5. Abt. Schulaula Hagekberaer Str. Zt. Referent: Genosse Bittor S ch i s f. v. Abt. bei Vtanko. Lankwißstr. 6: Schulz, Belle- «lliüncslr. 71; Fadilto. glbicinftr, 38, HSrnlp; Friesenstr. 23; Schuster, ivillibold« Mexi«. StraHe 17; Allsob, Nofllßstr. 38.»Ittelstädt, Martendorser Str. 6; Krämer, ftürbrwger- straste 86; Bleleeke, Nofttzftr. 68; SebeU, Martendorser Str. 8. 8. Abt. Schulaula BoeckHftr. g/10. FortseHung der Nu!- spräche über den Vortrag Dr. I o e l s o H n! .ArbeitSiosenräte»/ 0. Abt. bei Welter, Elisabethufer 11. Referent! Genosse Dr. Witte; Gloger, Adalbert str. 6, Referent: Genosse SchinolinSt»; Weber, Naunhn- straße 67. R-ser.:.Genossin Hoppe; Huse, Slalitzer Str. 17, Referent t Genoffe Jacob; Krüger, Admiralflr. 13, Refer.t Gen. Glocke; Ko/sor. Reichenberger Str. 154. Referent! Genosse M a s ch t e; Kergh.Manteuffetstr. 77. � Reserent: Genosse H ü b n e r. 10.«dt. SchuIIaal. Reichenberger Straße«7-70. Ref.: Genosse K a b eli tz. lli. Abt. Schulaula GSrlitzer Gtr. 51, Referent: Genosse S ch lt« n z, Neuwahl der fturcktionäre. VI. Abt. Schulsaal, Wrangelstr. 108, Referent: Genosse Brun», Neuwahl. 18. Abt. im Alexandriner, Alexaridrmenitr. S7a, Res.! Genosse Fröhlich. U. Abt, im fiowerksehattshaas(Saal S), Engelufer 15, Reserent: Genosse H e tz s ch o l b. 18. Abt. bei Trlbel. Große Frrantfurter Str. 47, Ref.: Genosse Rat b m a n n. 16. Abt. tu der Handwerkerachule, AndreaZstr. 1, Reser: Genosse Lttfin. 17. Abt. Tchulaula Hohenlohestr. 10/11. Referent: Ge- noffe Weide. 18. Abt. Diruhalle Litauer Str. 18, Referent: Genosse K a tz s e r. IS. Abt. bei KUbn, Echreinerftr. 88, Referent: Genosse Hermann. 20. Abt. Schulaula Petersburger Str. 4, Referent: Gen. Dr. P e i f e r. 21. Abt. bei Steffens, Landsberger Mee ISO, Referent: Genosse K l i n g l e r. 28. Abt. Im asrneuvbener Sohle«. Elbinger Straße, Ecke Werneuchener Straße, Ref.: Genosse R e tz e r Um pünktliches Erscheinen ersucht 214/1 21. Abt. Tchulaula Shriftburger Straße 14, Res.; Genossin Riedger, Wahl der AbtetliragSIeitung. 26. Abt. fm„Bürgerbelm", Schönhauser Str. 28/24. Referent: Genosse H e i l b u t. 28. Abt. in den BeztrkSlokalen: Prenzlauer Allee 282, Rhkeftr. 2, Marieuburger Str 1. Wörther Str.4t>. Hagenaner Sir. 1. Tboriner Str. 62, Franfecki� straße«, Kastanienallee 28, Oderderger Str. 85. 29. Abt. Schulaula Danziger Str. 23. Refer.: Genosse R. Nürnberg:.WohimngZelenb». 80. Abt. Schulaula Pappelallee 41/42. Refer.: Genosfin Schmitz: Bericht über die Tätigkeit der Stadwerordneten. 81. Abt. Schulaula Schönfließer Str. 7: Bericht b»n der Generalversammlung. DiZkuIston, Neuwahl 33. Abt. Echulaula Graun str. 11. Reserent: Genosse Bohlt». 8t. Abt. Schulaula Bernau« Str. 89/90, Referent; Genosse Knies. 35. Abt. bei Riedel. Husfitenstr. 40, Referent: Genosse Heller:.Der Zusammenbruch be4 Rät«. systemS». 36. Abt. bei llümke, Ackerstr. 8; Ooelt, Bergstr. 71; Baerwalde. Schlegelstr. 8; Beirauch, Pflug. straße 1; Weise, Boyenftr. 19. 37. Abt. im Artushof, Perlcberger Str. 26, Referent: Genosse Grunbmann. 38. Abt. im Ca« Birtner, am Bahnhof Vellevue, Res«ent: Genosse T h o m a»:.Die Stellung der Ardeilerräte in der neuen Wirlichast'. 39. Abt. bei Klelnert, Levetzowstr. 21. Vortrag, Neu. wähl der Aotellungsleitung. 40. Abt. Schulaula Rostocker Str. 32. Referent: Genosse H-ä decke. 41. Abt. Arminlus-FastsSle,»rem« Str. 73, Referent: Genosse R e i n t n e ch t. 42. Abt. bei Sturm, Sprengelstr. 40, R-s»ent: Genosse Gräber. 43. Abt. bei Meyer, Panlslr. 82, Res:«en. Frank. 44. Abt. bei Kortin, Vankstr.«0; Nielse«,, Mrifttana. straße 115; ssirsterllng, Freienwald« Str. 12. 45. Abt. Schulanla Thristia niastr. 36139, Reserent: Gen. Poltersdorf:.Aus Höckels Ideenwelt'. 46. Abt. Schulaula Plantagenstr. 15/19, Reserent: 47. n. Genosse Dr. T a S p a r t 48.«bt. _.. Schulaula Ostend« Str. 87/89, Referent: Gen.® i l f e 1 1:.Gemeinwirtschaft». Donnerstag, den 11. September, abends 7'/, Uhr: 22. Abt. bei Stetten, Landsberger All« 150, Referent: Genosse Man». Der Vorstand. SoZilUttMÜlllll. WIMM MÖOB&TO Heute Mittwoch, den 10. September, abends 8 Uhr: Bezirks- Versammlungen 1 Olawa.«chwiestr.«. 2 RoBdcmscber, Hüriaerstraß». SpreatStxger Strasse. is ßstßltö; 34 KSnig, «k» 8 Naagabaäer, Sanderstr. 10., 4 u. A Beck, Reuterstr. 46. 5 Thiel, Weferstr..«de Friedelstr. 7 Lade, Friadelftr. 7. 8 Brand," S Oer«, 10 Aldrlng, Pannte 11 unb 13 Marlent Strasse 226. ScbwclgbOter, weichseist». Ml SchJttlrr, wetchselstz. 5. Od*«»«esst». Podblelikl, Weichsel str. Z Ruppert, eobWwftt. 69. Prfifert, Julboftt. 46. Bwsld,»rserstr. 172. Schwengel, Slbestr. 3. Orunert Tvnaustr. 99,«che«rtsteasse. Llngk,«njra grub erste. 25. 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 » ""'.'rfÄÖÄ � Weber« T£onü«iDc»aF7*t. ox» Äte5., w---- Nltzeche, Bertheledorf« Strasse,«che 26 tu T��choelder, Rosenstr. 2. 28 Kellert, flertberoftr. 15/16. 29 u. 30-Wolf, Rlrchtzofftr. 41. 21 MQnow, Kats«.Zricorich.Str. 122,«de <5aalestr. 32 Amclung»m, Schwarzast». 1. 83 Marten, Böhmische Str. 45 44 Ibftr. 1. Deicht. Scke Beabastr. 6tc. 86/87. 15 Kukatacb, 36 Nock,«In S S.Mi 39 Ntbriog Slalom! 40 KrSger, Sms« 4 41 u. 42. Pank«, Kermaasstr. L 43 M filier, Shirteg« Str., Scke straft», 44 Dornfaid,«ogatstr. K 45 MOlIer, Smsrr Str. 17. 46 Adam, vodestr. 32. 47 Oohlk», Hermaunftr. IBA. 48 Kottke,®arthp(tr 14. 46 Kntzki, Lrinestr. 1. 50 Kittler,«eykestr. 3. 51 Sauer, Thoma»�. 81. 52 Klostermann, Sbamaata. 46l � 55, 54, 55, 56, 57, 58, 59. VII. Abteilung bei Ooblke, Hermannstr. 199.«ertrag de» Ken. 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