ite.46«.3«4WN- VeMgOPvrOt WöMlSed.«y- SO,*w fui tn» Hau»,»ocaa»»ahlbar.%*%• d ezug: Monatlich V— M»«xll. 8». st-llung�tbühr. Unter Xrrujdand fit» Deutschland und Oesterreich-Ungarn 6,25 Sit, für da» üdrtg» Ausland 10 23 Ml, bei täglich einmal. Austeilung ».25 Mi. Postdcstellunge» aehmrn an Dänemark Holland, Lnzemdarg, Schweden n. die Schwei», eingetragen tu die Pvst-Zetnrngs-Prei»IlA». Der.Vorwärts� mit der Sonntag»» deilage»Doli a. geiN erscheint wochen» täglich zweimal. Sonntag» Morgen-Ansgabe. S relegramm�ldreff», »Sozialdemoiral vorkw�. W-PD-G s>. Vevlinev Volksblatt. Avzetgenprek», Di»«chigespalltite«onpareillezeil» lostet IchoMi..«leine Anzeigen", da» settgedrucktc Wort 60 Psg. lzulässig t fettgedrulite Wortes, jedes weitere Worl.0 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzetgen das erste Wort V Psg, jedes wettere Wort W Pfg. Wort» über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%, Familien- Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins-Anzeigen ILO Mi. die geile. Anzeigen für dt» nächst« Nummer müssen bis 5 Ith» «achmtltag« im Hauptgeschiist. Verlin SB»S. lltndenstrabe 3. abgegeben «erden. Seossnet von 9 Uhr früh bis 6 Uhr abend», Zentralorgan der fodaldcmokratirchcn Partei DeutfAlande. Reüaktion nnd Expedition: SV. 68, Lindenstr, Z. Fernsprecher: Amt Moriichlass, Nr. I.SI.S0— tS1S7. Freitag, den 1Ä. September INI 9. vorwärts-verlag G.nt.b. H., SW. 68, Linüeastr. Z. Fernsprecher: Amt Morinplass- Nr. 117 33— 5-1. Die alte Sturmfahne. Scheiöemann spricht in Kaflel. Seitdem er wegen der Unterzeichnung des GewaltfriedenZ das Präsidium des Reichsiliinisterinms niedergelegt, ist P h i- lipp Scheidemann öffentlich nicht mehr aufgetreten. Er hat sich in die Schweiz begeben, um sich nach den fahre- langen Anstrengungen lvcpcrlich zu erholen und geistig wieder die alte Spannkraft zuiiickzugewinncn. Seine Reise und sein Aufenthalt in der Stille sind von den Gegnern rechts wie links niit den böswilligsten Nachreden begleitet worden. Es gab kaum ein Verbrechen, das man ihm nicht andichtete. Jetzt ist er zurückgekehrt, �n voller Frische und Tatkraft. Sofort stellt er sich der Partei und dein Volke wieder zur Verfügung. In seiner Vaterstadt Kassel spricht er am Donnerstagabend vor übersiillter Versammlung. Seine Worte werden im ganzen Deutschland gehört werden. Für Kassel war der Abend eine politische Sen- sa t i o n. Mehr als zehntausend Eintrittskarten waren im Vorverkauf erworben worden. Und weitere Tausend» von Be- suchem strömten schon in den späten Nachniittagsstunden in den Stadtparkgarten, in dessen Saal die Riesen-' Versammlung stattfand. Der ungeheure Raum vermochte bei weitem nicht alle Erschienenen zu fassen. Scheidemann wurde bei seinem Auftauchen nnt starkem Be'fall begrüßt. Nachdem der Vorsitzende ihm das Wort er- teilt, führte er Folgendes aus: Erlauben Sie mir zur Einleitimg einige persönliche Be- mcrkungen, wenngleich mir das widerstrebt. Ich erfülle'damit aber einen Wunsch meiner hiesigen Freunde, die mir mitg'e teilt baben, daß ich gerade in meiner Vaterstadt besonders bös- artig verleumdet worden bin! Ich nehme es keinem Men- schen ubel, wenn er meine Politik für falsch, wenn er mich für einen Esel hält. Aber niemand hat da? Recht, mich für einen Menschen zu halten, der jemals gegen seine Ueberzeugung Politik getrieben oder nicht zu seinem Worte gestanden hatte. Ich habe allezeit in meinem Leben die Konseguenzen meiner Ueberzeugung gezogen und ich bin entschlossen, auch fernerhin so zu verfahren. Ich habe Ende Juni d. I. mich dem Be'chlusse meiner Fraktion gefügt. Präsident des Reichsministerinms zu bleiben vermochte ich Nicht, weil ich dann eine Handlung hätte be- gehen müssen, die im Widerspruche gestanden hätte zu dem, >vaZ ich im Mona? zuvor im Auftrag? deK Ministerium? als die Ueberzeugung und Absicht der Reichsrcgierung aller Welt verkündet Katte. Meiner Meinung nacb muß jede Regierung durch ihre .Handlungen beweisen, daß kein Mensch das Recht bat, an ihren Worten zu zweifeln. Nur so kann eine Reglern ng Vertrauen sich erwerben und erhalten. Ja muß Ja, Nein unter allen Umständen Nein bedeuten. Nicht mehr und nicht weniger. Viel: mögen mein Verhalten nicht gebilligt haben— niemand aber hat das Recht, mir unlautere oder lörichie Motive zu unterstellen, mir gar den Unsinn zuzumuten, ich hätte den Krieg fortsetzen oder gar von neuem be- ginnen wollen. Dergleichen konnten mir, der ich— wie wenig andere— öffentlich vom Beginn des Krieges an für den Frieden der Verständigung gewirkt habe, wirklich nur Irrsinnige unter- stellen. Als ich dann, nachdem ich fünf Jahre lang Tag und Nacht, ohne Sonn- und Feiertage, ohne ein ausreichende Erholungspause gr- arbeitet und meiner Gesundheit mehr zugemutet hatte, als selbst die robusteste Natur vertragen kann, nach der Schweiz ging, um neue Kräfte zu sammeln für neue Arbeit— und ich bin ent- schloffen zu arbeiteu—, da begannen Lästerzungen zu munkeln, baß ich geflohen sei, daß ich große Summen in Sicherheit gehrackit, daß ich mir eine Villa in Dänemark, ein Schloß in der Schweiz ge- kaust Hab» und dergleeckien Dinge mehr. Geflohen? Vor wem? Große Summen—'woher?..Wer nibbts erHeirat', nichts ererbt, der bleibt ein armes Luder, b's er sterbt i" Ällerdings, eine Erb- schast Hobe ich gemackt: von einer alten Tante in Cassel ist mir eine Erbschaft von 226 M. zugesallen. Darauf habe ich Verzicht geleistet, weil ich niemals daraus versessen war. ein reicher Mann zu werden. Wenn ich ein geldhuugriger Mensch wäre, hätte ich meinen Ministerposten nicht sreiw'.llig ausgegeben. Denn er würde mir neben der freien Wohnung jährlich lOOlXK) M. Gehalt und RepeäsentotiouSgelder eingebracht haben. Als mir das Kanzler- Palais in der Wiihelmstraße zu Berlin als Wohnung zufiel, bin ich nicht hineingezogen, sondern blieb mit meiner Familie, be- scheiden drei Treppen hoch in einem Voropte Berlins wohnen. ES ist traurig, daß man von solchen Dingen überhaupt reden muß. Wie tief steht daS Gejind-t, daS den politischen Kampf mit persönlichen Verdächtigungen und Verleumdungen führt. tStürmischcr Beifall.) Aber so groß auch der Haß ist, mit dem man mich verfolgt, so groß wie meine Ver- achtung vor solchem Pack ist er nicht.(Bravo!) Das möge ge- nügen. Und nun zur Sache: In wenigen Wochen wird sich ein Fahr vollenden, seit die Sozialdrmokratie in die Regierung eingetreten ist. Man hatte uns erst in einer Stunde der Verzweiflung an das Sterbebett des alten Teutsöbland kb'holt, nachdem man vier Jahre lang beharrlich unfern Rat mißachtet hatte. Die Revolution des November Hatte im» eine führende Stellung berllessen, ifn 8er un? 8cf5t RKe?sngresse llestakßsien. Die Wahlen des Januar haben uns dann zwar nicht die Mehr- yeii gegeben, aber doch ein Ergebnis gebracht, dgs aller WJt zeigte, daß eS ohne die Sozialdemokratie nicht geht. Die Erfahrungen der folgenden Zeit haben diese Lehre nur bekräftigt. Bedenkt man, daß wir die Macht nur unter dem Zwange der Um- stände übernommen haben, so kann man nicht verkennen, daß die gegenwärtige Stellung der Sozialdemokratie das Ergebnis nicht von Zufälligkeiten und taktischen Schachzügen, sondeni das Resultat einer entwicklungsgcschichtlichcn Notwendigkeit selbst ist. Sie haben gesehen, daß die Demokraten aus der Re- gieruug ausgeschieden sind und daß sich eine nur aus Sozialdemokraten und Zenirumöleuten bestehende Regierung ge- bildet hat. Sie könneu sich ebensogut eine Renieruug denken, die nur aus Sozialdemokraten und Demokraten besteht und in der das Zentrum fehlt. Eine Regierung aber in der die So- zialdemokratie fehlte können sick hellte nur die rücksichts- losesten Katastrophen Politiker denken, und tatsächlich würde die Bildung einer solchen Regierung— komme sie von rechts oder links— eine neue Katastrophe für miser unglückliches Land bedeuten. Eine Regierung von rechts bedeutet die Monarchie, eine Regierung von links bedeutet die sogenannte Rätediktatur. Beide find ohne schwerste innere Kämpf« nicht denkbar. Beide würden Experimente darstellen, die mit dem Zusammenbruche enden müßten. Beide bedeuten die Gefahr schwerster äußerer Konflikte. Ich verlange von den Monarchisten nicht, daß sie mit einem Male aufgeben, was den Gesühlsinhalt ihres Lebens bildet, und bin. solange ich an leitender Stelle stand,«in ebenso«nlschiedc- ner Gegner jedes GesinnungszwangeS gewesen, wie ich es jetzt bin. Ich verlang« aber von diesen Herren, daß sie sich nicht in Gegen- sah stellen zu den lebenden Interessen ihres Volkes und daß sie nicht neue Krisen hrrausbeschwiZre», di« unser tfn Leib und Seele erschüttertes Volk nicht mehr verträgt I In F ra n k r ei ch ist der Versuch zweimal gemacht worden, und zweimal wurde die Monarchie wieder gestürzt, teils durch Krieg, teil? durch innere Krisen. Sehen Sie sich um in der Welt, es gibt einige Staaten, in denen sich Reste einer Schcitimonarchie bewahrt haben, aber die republikanische Staatkform ist über- all im Vordringen, sie beherrscht den ganzen amerikanischen .kontinent, den größten Teil von Europa und Asien. Von den Pyrenäen bis zum Stillen Ozean steht kein Theo««che! Könige gibt«s nur noch im Lager der Sieger and in Ländern, die in diesem Kriege neutral geblieben find. Das kleine Bulgarien bildet die einzige Ausnahme. Und so erleben wir jetzt das sonderbare Bild, daß nach einem Kriege, der von der Entente im Nanien der Demokratie geführt wurde, die monarchische Gefahr von der Entente- seile kommt. Ich wünsche den Sozialisten der Weststaaten von ganzem Herzen die Macht, zu verhindern, daß— nach dem sehlgeschlagenen Versuch in Ungarn— in Rußland mit der Wiederaufrichtung der Monarchie-der Anfang gemacht wirdl Die Gefahr ist groß und ernst I Aber, was immer in Rußland kommen mag— wo der bolschewistische Wahnwitz so trefflich den Boden für jede Reaktion bereitet hat— das wollen wir uns ge- loben, daß Dentschlanb eine Republik bleibe« soll!'(Stürmischer, immer wieder einsetzender Beifall.) In diesem Punkt wenigstens ist sich die ganze Arbeiterschaft und mit ihr auch ein grofs-r Teil des Bürgertums einig, nnd ich hege ein viel zu festes Vertrauen in den entschiedenen Willen des Volkes, als daß ich für Deutschland den Erfolg einer monarchischen Gegen- revolution fürchten könnte! Jene aber, die vielleicht dennoch daran denken, mit diesem Feuer zu spielen, möge gewarnt seinl Die November- revolution ist mit den Trägern und Vertretern des alten Regimes so großmütig verfahren, wie nie eine Revo- lut?on zuvor.(Sehr richtig!! Man hüte sich, diesen Großmut noch einmal auf die Prob? zu stellen. Hier auf besonders geäußerte Wünsche ein Wort über die irreführende Mitteilung der Presse, daß dem früheren Kaiser Wilhelm auf Grund von Verein- barungen über die Verrechnung seines privaten Besitzes bzw. als Abfindung die Summe von Millionen Mark ausgezahlt werden solle. Der Finanzmiuistcr Südckum hat öffentlich die Richtigkeit der Mitteilung bestritten. Es wäre selbstveri ständlich unerhört, wenn eine Regierung sich bereitfände,- dem Manne eine solche Riesen summe auszuzahlen, in dem Millionen und aber Millionen einen der Hauptschuldigen an dem Krieg« und dem daraus hervorgegangenen Elend sehen! sAllgemciner starker Beifall.) Es wäre unmöglich, daß eine Regierung sich auch nur noch einen Tag halten könnte, die diesem erledigten Monarchen 170 Millionen auszahlte, während dem Volke die furchtbarste!: Lasten aufgebürdet werden, um den Friedensver- trag erfüllen zu können.(Bravo, bravol) Es handelt sich also offenbar um einen erlogenen Bericht. Die D e u t s ch n a t i o n a l e Partei hat sich auf ihrem letzten Parteitage offen zur monarchischen Staatsform bekannt. Wenn das nur eine Art von religiösem Glaubensbekenntnis sein soll—; Gedarüen sind zollfrei! Aber eine politische Partei, die sich ernstlich die W i ederaufrichtung der Monarchie zum Ziel setzt, bekundet damit, daß sie die bestehende Verfassung und d'« bestehenden GefeHe nicht z« respektieren getoikkt ist. sondern auf die nächste Gelegenheit lauert, sich mit Gewalt über sie hinwegzusetzen.■% Hier muß ich den w->- Fall Reinhart erörtern. Dem Oberst Reinhart ist öffentlich der Vorwurf gemacht worden, daß er der Monarchie vorarbeitet, daß er gesagt haben soll: Erz- berger sei ein Lump!, die Regierung sei Gesindell Oberst Rein- hart— der vielfach leider mit dem loyalen Kriegsminister Oberst Reinhart verwecksselt wird— hat darauf in einem Briefe an den„Vorwärts" geantwortet, man müsse einem Feld- und Fronisoldaten ein derbes Wort zugute halten. DaS heißt mit anderen Worten: ich gebe zu, die Regierung als Ge- finde!. Erzberger als Lumpen bezeichnet zu haben. Er sagte weiter: im Augenblick habe er nur für Ordnung zu sorgen, im Augenblick sei an die Wiedererrichtung der Monarchie nicht zu denken l Summa summarum; der Heerführer in Berlin, der die militärische Macht der Regierung repräsentiert, be- schimpft die Regierung in w ü st c st e r W ei s e und gibt ziemlich unverblümt zu, daß er für die Monarchie eintreten wird, sobald er die dazu erforderliche„Ordnung" hergestellt hat. Das ist ein unmöglicher Zustand! Daß Oberst Reinhart bis zum heutigen Tage sein Koinncando führt, ist eine Talsache, die blitzartig eine Situation beleuchtet, die»verträglich ist.(Brausender Äerssall.) In der Verur- ieilung des Obersten Reinhart ist die sskegieruug selbstverständlich vollkommen einig. Daran darf nicht gezweifelt werden! Es drängt sich aber die Frage auf— und hundertfach ist sie mir in diesen Tagen gestellt worden—: htr t die Regierung nicht die Macht, diesen Mann von seinem Posten zu ent- fernen? Tann, wäre tatsächlich Herr Reinhart der NoSke, der über die militärische Macht verfügt, Noske aber nur der Inhaber einer papiernen Vollmacht? In dieser Frage darf niemand den Kops in den Sand stecken? Hier wäre eine Vogel-Strauß-Politik verhängnisvoll für die innere und äußere Politik, das brauche ich nicht erst näher zu erläutern! In den Kasernen wird nicht nur offen monarchische Propaganda getrieben, es wird auch in Juden hetze gc« macht und Pogromstimmung brzengtl Der Antisemi- t i? m u s war allezeit das bequemste Mittel für reaktionäre Zweckel(Großer Beifall.) Die reaktiontiren Drahtzieher werden hellte, wie sie es früher getan haben, nicht sagen, daß sie das Volk entrechten und die Monarchie wieder einführen wollen. Sie werden auf die Juden schimpfen, die Ver- gehen einzelner verallgemeinern und daira mit den aus antisemi- tischen Leimruten gefangenen Anhänger« ihre reaktionären Pläne zu verwirklichen suchen.(Bravol) Hier in Hessen haben wir es doch zur Genüge erlebt, wie demagogisch der Antisemitismus zu arbeiten pflegt! Ich habe nahezu 26 Jahre meine? Lebens iln Spezialkampf gegen den Antisemitismus gestanden, ich kenne also die Gefabren. Hier heißt es: Widerstehe den Anfängen I Die Regierung von rechts bedeutet die Monarchie sagte ich, lind damit den Bürgerkrieg. Tie Regierung von link? bedeutet die sogenannte Rätediktatnr«nd damit mich de» Bürgerkrieg? Ich sage: die sogenannte Rätediktatur, weil es eine wirkliche in der ganze» Welt nicht gibt, auch in Rußland nicht! Es ist ein Märchen aus längst«ntschwiindener Zeit, daß Rußland von ge- wählten Vertretern det Arbeiterklasse regiert wird und daß das, was in Rußland geschieht. Ausfluß des Willens der Arbeiterklasse ist. In Rußland h e r r s cb i die n a ck t e D e s p o t i e einiger Parteiführer(starke Bewegung), die weder durch eine allgenvinc Volksveriretung, noch durch eine Arbcitervertretung, noch auch durch die Presse kontrolliert wird. Das ist ein System, daß sich das deutsche Volk, die deutsche Arbeiterklasse keine vierzehn Tage lang gefallen ließe.(Rufe: Nicht einen Tag!) Wer will seine Einfübrung in Deutschland? Alle bürger- lichen Parteien lehnen es ab. die Sozialdemokraien lehnen es ab, und selbst die N n a b h ä n g i g e n sind in dieser Frage ge- spalten? Ich möchte bei dieser Gelegenheit sagen: was die K o m m u- nisten wollen, daS glaube ich genau zu wissen, aber was bre Unabhängigen wollen— außer, uns Sozialdemokrat!-« herunterzureißen lallgemeiner Bcijloll!— ich meine, was sie po s i t i v wollen' und was sie tun iviirdcn, wenn sie an der Re- gierung wären, das weiß ich nicht und möchte es sehr gerne wissen! Es mag sein, daß auch die Unabhängigen einmal dazu kommen werden, etwas Positives zu �eisten und niemand würde das mehr begrüßen als ich. Dazu müssen sie sich aber erst aus der Gärung und aus der Unklarheit, in der sie sich jetzt befinden, herausarbeiten. (Sehr gut!) Die Unabhängigen haben eS bisher immer so dargestellt, als ob die Frage der Einigkeit des Proletariats nur eine Frage der Führer wäre. Es hieß immer: Ja, wenn nur der oder jener weg wäre, dann würden wir. viel leichter wieder zusammenkommenl(Rufe: Unsinnl Lächerlich!) Eine große Rolle hat dabei immer ein gewisser, auch Ihnen nicht ganz Unbe- kannter— Scheidemann gespielt! Der und— Landsbcrql so hieß es immer Wiederl find der eigentliche böse Geist der Regierung! Und wenn sie erst verichwnnden sein würden, dann.würde die Sacke schon viel besser gehen! Nun ist die Probe aufs Exempel gemacht hwrben: Sfftrb�Bctg*,-—, freilich nicht den Unabhängigen ondern aus anderen Gründen— »nsere Aemter niedergelegt uno haben uns einige Zeit ganz in die Stille zurückgezogen. Jetzt, sollte man meinen, hätten sich die feindlichen Brüder in die Arm« fallen müssen! Aber was ist ein- getreten? Das g e r a d e G e g en t e i l o a v o n! Wenn ich lese. wie die Unabhängigen über meinen Freund und Nachfolger Bauer schreiben, so muß ich finden, daß ich von ihnen noch Verhältnis- mäßig nobel behandelt worden bin; wäre ich eingebildet, so könnte ich mir einreden, daß ich bei den Unabhängigen verhältnismäßig noch recht beliebt gewesen bin. und daß sie sich jetzt ein klein wenig nach mir zurücksehnen.(Heiterkeit.) Aber im Ernst gesprochen: setzen Sie an Bauers, an Eberts. an Noskes Stelle einen anderen Sozialdemokraten ein. er heiße wie er wolle, und Sie werden das unabhängige Geschrei von der niederträchtigen, arbeiterverräterischen Regierung wieder hören! Ich gehe noch einen Schritt weiter und sage: Machen Sie heute einige der unabhängigen Kritiker zu Ministern, so wird eZ keine vierzehn Tage dauern, bis sie von ihren bisherigen Anhängern genau so angefallen werden, wie i ch angefallen worden bin(Rufe: Sehr gut! Bravo!), wie Bauer jetzt ange- fallen wird. Da haben Sie den besten Beweis für die Unrichtigkeit der Behauptung, daß es nur die Anwesenheit einiger Führer ist, die die Einigkeit unmöglich macht. Nein, was sie unmöglich macht, das ist auf der einen Seite die Notwendigkeit des Handelns, in die sich jede Regierung, sie beiße wie sie wolle, versetzt sieht, und auf der anderen Seite das Unverniögen, diese Notwendigkeit zu begreifen, oder der böse Wille, der sich absichtlich ihr gegenüber blind stellt. Keine Regierung kann ein geschlagenes, durch einen entsetzlichen Krieg körperlich und seelisch zerrüttetes Volk mit einem Schlage zu einer Schar von Glücklichen und Zufriedenen verwandeln. Wiedergeuesung und Wiederausrichtung können sich nur allmählich in Jahren und Jahrzehnten vollziehen. Auch der Sozialismus kann nur allmählich helfen, und er muß schrittweise vorgehen, er darf keine Pferdekuren veranstalten. Ich mutz setzt oft an die alte Geschichte von dem Bauern denken, der krank im Lazarett lag und dem der Arzt eine Medizin verordnet hatte: täglich drei Teelöffel; als der Arzt zurückkam, hotte der Bauer die ganze Flasche ausgetrunken; er meinte nämlich, der Arzt wollte ihn nicht so schnell gesund werden lassen, darum habe.er ihn die Arznei nur teelöffelweise verordnet, wenn er sie alle mit einem Male austrinke, dann werde er sofort gesund.(Große Heiterkeit.) Ungefähr auf der gleichen geistigen Höbe steht die Agitation der Kommunisten und Unabhängigen, und ich sage, es ist eine Schmach undSchande, wenn Arbeiter darauf hineinfallen. Jeder politisch geschulte Arbeiter, der schon länger« Zeit im Klassenkampfe steht, weiß genau, daß man aus einer kapitalistischen Gesellschaft nicht im HnnhimdreHech eine sozialistische machen kann. Er kennt die ungeheuren Schwierigkeiten dieses Werkes und weiß, wieviel Kampf, aber auch wieviel sorgsam überlegte Arbeit dazu gehört, es allmählich zu vollenden. Behel sagte:»Sozialismus ist angewandte Wissenschaft!" Was die Unabhängigen und Kommu- nisten predigen, ist nicht Sozialismus, denn es ist nicht Wissenschast, sondern Aberglaube, mit dem sie hausieren gehen im Vertrauen auf die Unwissenheit der Masse!(Großer Beifall.) Darum sehe ich im Punkt Einigkeit, die ich im Interesse der Arbeiterschaft und des ganzen deutschen Volke? sehnlichst wünsche und für die ich auch wirke, vorläufig recht trübe in die Zukunft. Die Einigkeit wird erst kommen, wenn die belehrbaven Element« der Opposition zu sich gekommen sein werden nnd wenn es ihnen ge- luugen sein wird, besonders gewissenlose Demagogen,-- die sich in ibre Bewegung gedrängt haben, wieder los zu werden. Dazu wünsche ich ihnen alles. Glück, denn Menschen solcher Art sind zähe. Was aber uns ialdemokraten betrifft, so kann . ich sagen, daß die Einigkeit niemals scheitern wird, wenn ihr nicht mehr sachliche Differenzen, sondern nur noch Personen fragen im Wege stehen sollten! Ich glaube aber. Ihnen gezeigt zu haben, daß der Konflikt auf sachlichen Gründen beruht und daß Personcnfragen dabei die allergeringste Rolle spielen. Wir sind Regierungspartei geworden, nicht auS Ffreuto an diesem Geschäft, das nie heiter war und nie trauriger sein konnte, als es ietzt ist. sondern durch den Zwang der Vcr- b ä l t n i s s e. Wir müssen regieren in den Formen der p a r l a- mentalis chen Demokratie, weil es anders nicht gebt? es wären denn die barbarischen Formen der Despotie! (Beifall und Händeklatschen.) Wir können die Leiden des Kriege? und eines unglücklichen Friedens nicht beseitigen, sondern sie nur allmählich lindern. Wir können Wünsche, die wir für be- greiflich und berechtigt balten, nicht erfüllen, weil uns jede Möglichkeit dazu fehlt. Wir sind dagegen gezwungen, dem Volke Wahr- boten zu sagen, die viele nichtz, gerne hören, und für Ordnung und Fortführung der Produktion zu sorgen, wodurch wir uns wiederum bei vielen nicht belieht machen. Die Stimmungen, die da entstehen, demagogisch auszunützen, ist kein« Kunst. Jeder von uns könnte es, wenn er das nötige. Ouantum von Gewissenlosigkeit dazu aufbrächte. Es isi spielend leicht! Ich sehe wohl, daß mancher, der es nicht besser versteht. sich in Zorn von uns wendet, aber ich warte ruhig, bis er wieder zurückkehrt, und bleibe auf meinem Wege. Er wird wieder zurückkommen, sie alle werden wieder zurückkommen(Sehr richtig!), verlassen Sie. sich darauf? Wir aber, die wir bleiben, wa» wir sind, werden dann wenigstens einen Umweg vermieden haben, der gefährlich ist und vor dem wir die anderen vergeblich warnten.(Großer Bei- fall.) Es ist leichter, die Einigkeit zu zerstören, als sie wieder herzustellen. Das haben wir auch bedacht, die wir im Juni unsere Aemter verließen, weil die Fraktion in einer wichtigen Frage anderer Meimmg war als wir. Die Frage der Unter. Zeichnung der Friedensbedingungen war vielleicht nicht weniger entscheidungsvoll als die Frage der Bewilligung der Kriegskredi ie! Ein Teil der Fraktion, zu dem ich gehörte, war der Meinung, daß dieser Vertrag nicht unterzeichnet werden dürfe, und er hoffte— wie ich sagen darf, auf Grund sehr wichtiger Berichte aus dem Ausland«—. daß einig? Wochen der Weigerung genügen würden, um eine gründliche Revision des Vertrages durchzuführen! Der Friedensvertrag hat uns zu einem Sklavenvolke gnnacht. Jedem Deutschen- ist durch den Verlraa quasi ein Stempel auf die Stirn gedrückt worden:»Das isi ein Bocke!"(Große anhaltende Bewegung.) Man hat uns Pflichten und Lasten auferlegt, die kein Deutscher für ermllhar hält, dageaen hat man uns i m eigenen Lande rechtlos gemacht. Was wir in unsere Verfassung schreiben, macht Herr Clemenceau von seiner Zustimmung ab- hängig. Einen solchen Vertrag wollte ich nicht unterzeichnen! Der andere Teil, der erst die Minderheit war, aber bald zur Mchrbeit wurde, war anderer Meinung. Wir haben beide mit dem Aufgebot aller Kräfte gekämvst, um unserer Ueberzeugunq zun, Siege zu verhelfen: die Anhänger der Unterzeichnung siegten und wir Gegner blieben in der Minderheit! Wir haben daraus die demokratischen Konsequenzen gezogen und haben uns, obwohl eS uns nicht leicht ankam, der Mebrheit gefügt. Ich habe mich demokratisch in diesem Fall? gefügt, wie ich«S getan habe trn Falle des Brest-LitowSker Friedens. Auck gegen den bin ich mit Entschiedenheit in der Fraktion eingetreten? Um kein Mißverständnis auskommen zu lassen, will ick klar und deutlich hinzufügen: ich selbst hätte den Versailler Vertrag zwar nimmermehr unterschrieben; nachdem er aber unterzeichnet worden ist. müssen wir bemüht sein, die eingegangenen Bedingungen zu erfüllen. Viel bitteres Leid wäre der Arbeiterklasse erspart geblieben, wem» die jetzige» U»«bhä»gige» damals, als ße noch unsere Fraktionskollegen waren, ebenso gehandelt hätten,!me wir es getan haben!(Sehr gut! Beifall.) Als Parteigenosse in Reih und Glied richte ich an die Arbeiter die Aufforderung, unserer Partei in guten und bösen Tagen die Treue zu wahren und unseren Genossen, die in der Regierung sind, ihr Amt nicht noch schwerer zu machen, als es ohnehin schon ist. Das bedeuiet keineswegs einen Verzicht auf das Recht der Kritik. Dieses Recht möchte ich ebensowenig einem anderen nehmen lassen, wie icb es mir selber streitig machen lasse! So sehe ich jetzt— das will ich offen aussprechen— nicht ohne Sorge, wie sich die parlamentarische Grundlage, auf der die Regierung steht, durch das Ausscheiden der Demokraten verengert hat. Ich halte die gegenwärtige Partei- konstellation weder für glücklich noch für dauerhaft. Wenn wir schon nicht allein regieren können, ich meine, wenn wir nicht eine Arbeitcrregicrung bekommen können, zu der die ganze Arbeiterklasse V e r t r a u e n hat— ein Ziel, aufs innigste zu wünschen und zu erstreben im Interesse unseres ganzen Volkes, das Stetigkeit in der Produktion und Ruhe gebraucht, wenn es gesunden soll—, ich sage: wenn wir eine solche Regierung nicht haben können, sondern aus die Mitwirkung bürger- licher Parteien angewiesen sind, so halte ich es für gut, wenn zwei bürgerliche Parteien vorhanden sind, die in gewissen Fragen sich gegenseitig die Wage halten, so daß wir wenigstens nicht einem einseitigen Drucke ausgesetzt sind. Der Austritt der Demokraten a»S der Regierung war unter den gegebenen Umständen weder ein Glück für uns, noch ein Glück für die Demokraten, deren rechter, kapitalistischer Flügel desto mehr Einfluß gewinnen muß, je weiter die Partei als Ganzes sich von uns entfernt.(Beifall.) Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch aussprechen, wie tief wir den Tod des Vorsitzenden der Demokratischen Partei, des Abg. Naumann bedauern, dessen edle soziale Gesinnung — bei ollem, was uns voneinander trennte— soviel dazu beigetragen hat, ein Zusammenarbeiten der beiden Parteien mitein- ander zu erleichtern. Wir wollen hoffen, daß dieses Zusammen- arbeiten, solange es notwendig ist, auch weiterbin möglich sein wird. Wir verlassen unS dabei auf die Macht der Demokratie, daS heißt auf die Masse der sozial tiefer Geftellien, die noch zur bürgerlich- demokratischen Partei gehören und auf die diese Partei— genau wie das Zentrum— Rücksicht nehmen muß, wenn sie sie nicht von sich selber abwendig machen und in unsere Reihen treiben will. Ein Ideal ist die gegenwärtige Notwendigkeit des Zusammen- gehens mit bürgerlichen Parteien nicht. Unser Ideal ist die Einigung der Arbeiterklasse unter den Fahnen der Demokratie und de? Sozialismus! (Brausender Beifall.) Für die Erlösung unseres Volkes vom inne- ren und äußeren Druck, den dieser furchtbare Krieg hinterlassen hat, sehe ich keinen anderen Weg! Ihn wollen wir gehen, ohne die Schwierigkeiten zu verkennen, die auf ihm liegeil. und ohne vor ihnen zurückzuschrecken. Ich glaube an eine bessere Zukunft unseres Volkes. Ich glaube, daß unserer Partei, der alten deutschen Sozial- demokrati«, die schwere und große Aufgab« zugefallen ist, es dieser besseren Zukunft näherzubringen. Arbeiten und nicht der- zweifeln! Ausharren, weiterkämpfen und sich nicht irremachen lassen! So werden wir in Ehren vor uns selbst bestehen und kommende Geschlechter werden uns für unsere Beharrlichkeit Dank wissen! l Starker Beifall.) Dann wird auch noch der Tag kommen, an dem sich diejenigen schämen werden, die uns heute in ibrem aufgeregten Unverstände vorwerfen, wir verrieten die Sache der Arbeiterklasse und des Sozialismus! Nein, wir verleugnen nichts, nicht die Arbeiterklasse, nicht den Sozialismus und auch nicht unser demokratisches Programm! Arbeiterklasse, Sozia- lismus, Demokrati«, das ist für uns die unerschütterliche Dreiheit, das ist das Zeichen, das wir wieder aufrichten, heute wie immer! (Brausender Beifall.) Das ist das Zeichen, das uns aus dem Elend und der Berirrung unserer Tage hinausführt in eine Heller«, bessere Zeit. Es ist die alte Sturmfahne der sozialdemo- k r a t i s ch e n P a r t e i. Ich gebe den Glauben nicht auf, daß sich unter ihr eines Tages wieder alle zusammenfinden wer- den, die für die Befreiung der Arbeiterklasse kämpfen. Unter i b r. nur unter ihr ist die Einigkeit möglich, die das Ganze zum Siege führt?(Ohrenbetäubender Beifall, der immer aufs neue wieder einsetzt.) Alls der Rode spricht der starke Wille zur Arbeit, das feste Vertrauen zu den Arbeitern, baß sie sich aus den Wirren dieser Monate wieder zurückfinden werden zur Demokratie mit ihren Rechten wiePflichten und zur Geschlossenheit der Ar- beiterbeivgung. Sckwidemann unterschätzt die Gefahren nicht, in denen die Sozialdemokratie schwebt. Sie wird von recht? wie links bestürmt und sieht sich zu Maßnahmen genötigt, die ihr im Innersten zuwider sind. Sie will nicht mit dem Belagerungszustand regieren und will keine Gewalt anwenden, aber sie ist gezwungen, zu diesem Mittel zu greifen, solange die Demokratie von jenen Seiten mit der Anwendung von Gelvalt bedroht wird. Um die Demokratie zu retten, ist die Sozialdemokratie gezwungen, der Geivalt unter Umstän- den Gelvalt entgegenzusetzen. So schwer auch diese Stellung für die Partei ist, so sehr sie auch manchen irre macht, der mit feinem Urteil an der Oberfläche haftet und die ungeheuren und komplizierten Schwierigkeiten unserer Tage nicht erkennt, aus Scheidemanns Rede leuchtet doch ein starker Zukunftsglaube. Sie werden alle wiederkommen, die uns jetzt verlassen. Denn außerhalb der Demokratie gibt es keine Rettung. Deshalb u n- beirrt den alten Weg verfolgen! Nicht sich be- einflussen lassen von Stimmungen des Augenblicks und den verworrenen Ansichten, die in schweren Zeiten immer an die Oberfläche und auf den öffentlichen Markt drängen. Dann werden wirs schaffen, so bergehoch und abgrundtief augenblicklich auch noch die Schwierigkeiten und Hemmnisse sich vor uns türmen mögen. Wie scharf hebt sich dieser feste Glaube an die Zukunft der Partei wie der Demokratie ab von der Müdigkeit, Vcr- zagtheit und Verworrenheit, die auf der soeben beendigten Reichskonfcrenz der Unabhängigen zutage getreten sind. Ter Grund liegt auf der Hand. Die Un- abhängigen haben mit der revolutionären Kraft der Arbeiter- klaffe Raubbau betrieben. Bald in jeder Woche ließen sie in den vergangenen Monaten an allen Ecken und Enden des Reichs einen Generalstreik auflodern; ja, sie stellten selbst den organisierten Bürgerkrieg in ihren Dienst. Die Agitation gegen die sozialdemokratischen Mitglieder der Regierung wie die So- zialdemokratie überhaupt wurde mit den schärfsten Kraftworten. mit Verleumdungen wie Erdichtungen betrieben. Wenn ein solches verwerfliches Spiel zehn Monate lang andauert, ist es kein Wunder, daß in den Reihen der Unab- hängigen und Kommunisten„Revolutionsmüdigkeit" einsetzt. Kein Nervensystem— auch das des rabiatesten Demagogen nicht— kann die höchste Anspannung fast ein volles Jahr hin» durch ertragen. Der Rückschlag ist ganz natürlich. Unter ihm haben die Unabhängigen wie ihre Worthelden von links jetzt zu leiden. Anders die Sozialdemokratie. Ste hat mit der revolusionäreu Energie der Arbeiter jparja« und der- nünftig gewirtschastet. In ihren Reihen ist daher von einer Revolutionsmüdigkeit nichts zu spüren. Anstatt ihrer ist der feste Wille vorhäuden, der Schwierigkeiten Herr zu werden, positiv und praktisch zu arbeiten, sich vor der Verantwortung nicht zu scheuen und zu drück.n, so schwer sie auch auf den Schultern lasten mag. Scheidcmanns Rede ist dafür der beste Beweis. Er ist nicht müde, er verzagt nicht, sondern er arbeitet und kämpft und harrt aus und handelt. Er ruft auf zum Kampf und zur Arbeit. Die Partei wird dem Rufe folgen. Nickt müde, son- dern hoffnungsstark wie er. So werden wir die Reaktion von rechts überwinden, die Anschläge der Monarchisten vereiteln. So werden wir nach Monaten der Wirren und Verwirrung allmählich wieder Licht und Vernunft und Einsicht in die Köpfe der irregeführten Arbeiterschaft bringen. Unter der alten Sturmfahne der Sozia ldemo- kratie für die unerschütterliche Dreiheitz Arbeiterklasse, Sozialismus und Demokratie! ** Der verlauf üer Versammlung. Di: Versammlung war von über 10 000 Personen besucht, die mit größter Spannung den Worten Scheidemanns lauschten. Der Verlauf entsprach der alten Tradition der Sozialdemokratie. Die Kasseler Unabhängigen, die seit einiger Zeit.Abrechnung" mit Scheidemann in prahlende Aussicht gestellt hatten» erlebten einen bösen Reinfall. Di: Massen gingen auf den Grundion der Scheidemannschen Rede, die getragen war von dem ernsten Willen zur Einheit der Arbeiterklasse, zur Demokratie und zum Sozialismus, mit einer Begeisterung sondergleichen ein. Die Unabhängigen schickten drei Redner ins Ge» fecht, von denen einer, ein gewisser Schneider aus Ber- lin zu diesem Zwecke in Kassel erschienen war. Die Angriffe gegen die Sozialdemokratie und die persönlichen Angriffe gegen Scheidemann wurden in so ungeschickter Weise eröffnet, daß es Scheidemann ein Leichtes war, unter dem stürmischen Beifall der Versammlung mit diesen jeder Verantwortung baren Katastrophenpolitikern abzurechnen. Durch die Annahme einer Entschließung, die sich mit den Ausführungen Scheidemanns einverstanden erklärt und ihm für seine bisherige Arbeit im Interesse des werktätigen Volkes den Dank und volles Vertrauen ausspricht, dokumentierte die Der» sammlung ihren ernsten Willen, auf dem von Scheidemann al» einzig richtig bezeichneten Boden der Demokratie und des Sozia» lismus zu wirken. Vas hat Herr v. Lüttwitz noch alles vor! In letzter Zeit häufen sich die Fälle recht peinlicher Helden» taten deS Korps Lüttwitz. Nachdem die Zentralstelle für die Einigung der Sozialdemokratie zweimal das Opfer war, scheint man bei Lüttwitzens wieder auf neuer Fährte zu sein. Diesmal handelt es sich um P a z i f i st e n. Unser Genosse Erich Schlesinger, Pariser Str. 21/22, hat in Gemeinschaft mit anderen bekannten Führern der pazifistischen Bewegung das französische und deuffche Material über Lille herausgegeben, das an gewissen Stellen Mißfallen erregt hat. Jedenfalls erschiew-gestern im Hause des Genossen ein angeblicher Offizier in Zivil, der bei den Hausbewohnern Erkundigungen einzog und dabei Haus- suchung und Schutzhaft für Genossen Schl. iß Aussicht stellte. Es würde uns interessieren, inwieweit wirklich beim Korps Lüttwitz die Sehnsucht nach neuem Skandal besteht. �kkoröarbeit in üen Eisenbahnbetrieben. Ueber die Mittel zur Hebung der Arbeit, bekonders in den Eisenbahnwerkstälten, fanden seit einigen Tagen im ReichSarbeits» Ministerium zwischen RegierungSverlretern und Beauftragten der Eisenbahnerverbände Besprechungen statt. Beide Parteien sind zu dem Schluß gekommen, daß das einzige Mittel, um die Verhängnis- volle ArbeitSunlust aus den Betrieben zu bannen, die Einführung der Akkordarbeit iei. Da die Vertreter der Eisenbahner Bedenken gegen die Einführung des Alkordsystems hatten, haben die einzelnen Verbände selbst zur Akkordfrage Stellung genommen. Bon der Tatiache ausgehend, daß bei der gegenwärtigen Berlodderung des ganzen Ersendahnwesens«ine grundlegende Besserung mit den diS- herigrn Mitteln kaum z« erzielen sei. ist zu erwarten, daß die großen Eiienbahnerverbände schließlich dem Akkord'ystem zustimmen werden. Der Allgemeine Eisenbahnerverband steht auf dem Standpunkt, daß zwar prinzipiell das Akkordsystem ver« worfe» werden müsse, daß aber in einigen Werkstätten die Akkord- arbeit probeweise für drei Monate eingeführt werden solle. Der erste Krlegsgefangenenbesuch. Major Draudt, Borfitzender der deuticken Hauptkommisfion für Kriegsgefangene bei der Friedensdelegation in Versailles, hat in Begleitung des englischen Hauptmanns W. E. Hinchley Cook« von der alliierten Militärmission in Versailles den Kriegsgefangenen- lagern van Boulagne-sur-Mer erstmalig einen Besuch abgestattet. Major Draudt fand unsere KtiegSgefangenen in guter Ver» fassung. gut aussehend und zufrieden st eilend ge» kleidet. Das erste Wiedersehen der Kriegsgefangenen mit einem Vertreter der deutschen Heimat hat sie wehmütig gestimmt, jedoch fand Major Draudt unendlich viel Interesse bei den Kriegs- gefangenen für die jetzigen Zustände in Deutschland. Major Draudt konnte in kurzen Zügen den Entwicklungsgang vom alten zum neuen Deutichland schildern und feststellen, daß vor allem die Wirtschaft- liche Zukunft unseres Vaterlandes den meisten Kriegsgefangenen am Herzen lag. Das gab ihm den Mut, die Hoffnung auszusprechen, daß die deutsche Jugend, die in Feindesland schwer gelitten hat, zurückgekehrt in die Heimat, da« ernste Bestreben haben werde, mit- zuarbeiten an dem wirtschaftlichen� Wiederaufbau Deutschlands. Verhaftung deS italienischen Abgeordneten Morgari in Wien. Wie die Wiener Morgenzeitung meldet, ist der italienische Sozialist und Abgeordnete Morgari in Wien abermals verbafret worden. Außer ihm sein Sekretär und der Wiener Korrespondent des .Politiken" und.Avanti". Sie stehen unter dem Verdacht, einer kommunistischen Organisation anzugehören. Eine Haussuchung wurde in ihrer Wohnung vorgenommen. Da? Resultat muß aller» ding? negativ gewesen sein, denn sie wurden unmittelbar darauf wieder freigelassen. Schicberoffiziere, In letzter Zeit sind mehrere französische Osfi» ziere, darunter auch ein Sohn des Geüerals Andlauer, nach Frank- reich zurückgeschickt worden wegen allzu intensiver Beteiligung am Schiebcrhandel. Beteiligt war auch der Seifenfabrikant Kirckmer, der verbattet und nach Mainz zur Aburteilung gebracht wurde. ES beißt übrigen?, daß die Untersuchung nach weiteren Teilhabern im tranzösischen Offizierskorps eingestellt wurde, weil sie in zu Kreise hinaufführte.— Ferner wird berichtet, daß der Militärver- Walter de» Landkreises Saarbrücken, de BillerS, abgesetzt und durch Kapitän Deforest ersetzt wurde. De Villers soll als Generalsekretär der VollSbundStegirrung in Saarbrücken ausersehen sein. Der Buchhäudlerstreik erloschen. Der Streik im Leipziger Buch- Haudsl fjt beendet. Die Arbeit wird Freitag wieder ausgenommen. Den deutschen kein Selbftbeftimmungsrecht! Reuter meldet aus Paris: Der Oberste Rat hat über die Antwort auf die deutsche Note mit Bezug aus die Forderung der Entfernung des Artikels 61 der deutschen Verfassung beraten, der den eventuellen A n- schluß Teutschösterreichs vorsieht. Er kam zu der Ansicht, daß die deutschen Bürgschaften unzulängli'ch sind und daß die dcutscheRcgierung bevollmächtigte V e r- tretet nach Paris entsenden muß, die ein Pro- tokoll unterzeichnen, in dem alle Artikel der denk- scheu Verfassung, die mit dem Vertrag von Versailles u n- vereinbar sind, für n u l l n n d n i ch t i g erklärt werden. Dieses Protokoll muß ebenso wie der Vertrag von der Nationalversammlung ratifiziert werden. Die deutsche Verfassung bestimmt schon, daß solche Be- stimmungcn in ihr, die mit dem Versailler Vertrag etwa in Widerspruch stehen sollten, nicht in Kraft treten. Was der Oberste Rat erreichen will, ist also längst Tatsache und er gibt nur der französischen Gier nach einer neuen Demütigung Teutschlands nach. » (Eigener Drahibericht des.Vorwärts".) AuS Kopenhagen wird telegraphiert: Die Furcht vor einer Verschärfung der Lage infolge der deutschen Ablehnung, den Artikel Nr. 61 der Reichs Verfassung über den Anschlnst Deutschösterreichs an die deutsche Republik aufzuheben, scheint sich als unbegründet her- auszupellen. Allerdings ist von französischer Seite der Vor schlag gemacht worden, Deutschland eine Note zuzustellen, die mit einer Ffrift von 14 Tagen die Aufhebung des Ar- tikels Nr. kl verlangt und im Nichterfüllungsfalle die alliierten Truppen marschieren läßt. Dieter Lorschlag wurde jedoch im Obersten Rat mit vier Stimmen gegen eine Stimme verworfen und ein Aufschub zu.' AnSarbeitung einer neuen Note beschlossen, die im wohl- wollenden Tone gehalten ist, jedoch die Entfernung des umstrittene» Artikels verlangt. Namentlich von ameri- k a n i s ch e r Seite stieß der französische Vorschlag ans Wider- stand. Auf Grund der amerikanischen Auffassung soll die neue Note abgefaßt werde». » Säbelrassel«. Genf, 11. September. Havas meldet: Fach ist nach Koblenz abgereist, um die militärischen Maßnahmen gegen Deutsch» land zu leiten. Der.Temps" meldet: Drei französische Armee- korps stehen'zur Durchführung der Forderung der Verbündeten zur Verfügung Fachs am Rhein. Welch hehre militärlsche Aufgabe für eine siegreiche Armee! Eisenbahnerstreik in Elfaß-Lothringev. Metz, 11. September.(Havas). Infolge eines Lokomotiv- f 2 h r e r st v>e i k s steht der Güterzugdienst vollkommen still. Ein Expreßzug nach Paris blieb ohne Lokomotive im Bahnhof stehen. Es verlautet, daß, wenn die Forderungen der Lokomotivführer nicht binnen 24 Stunden befriedigt werden, das ganze Personal des Elsaß-Lothringer Netzes den Streik erklären werde. Metz, 11. September. T.U. Infolge der a u t o n o m i st i s ch e n Bewegung ist für Lothringen die seit dem 15. August aufgehobene Brief- und Telegrammzeusur wieder eingeführt worden. Parallel mit dieser Maßnahme geht die verschärfte Ueberwachung der Relsendeit an de» Bahnhöfen. Frankreich unü üie elsäsiijchen Arbeiter. In der elsässischcn Arbeiterklasse g ä r t es. In ganz Elsaß herrscht der verschärfte Belagerungs- z u st a n d, Ivird die Arbeiterbewegung systematisch unter- drückt. Versammlungen, Umzüge und Kundgebungen jeder Art sind in den Kreisen Mülhausen. Thann und Gebweiler und in zahllosen einzelnen Orten verboten. Alle Ansamni- lungcn von mehr als drei Personen werden aufgelöst. Das Waffentragen ivird mit den schwersten Strafen belegt. Die Pariser„Huimmitü" entnimmt dem„Republikaner des Oberrheins" zur Beleuchtung der Brutalität der fran- zösischen Militärherrschaft folgende Erzählung eines Mül- hauser Arbeiters: In meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Verbände? der oberrheinischen Bergarbeiter wurde ich zu dem Unterpräfek- t e n Casser gerufen, der mir in einem Tone, den ich von Leuten seiitesgleichen bisher nicht zu hören gewohnt war, folgendes er- klärte:„Jetzt hat der Spaß ein E.i d e. Von heute ab ist der verschärfte Belagerungszustand erklärt. Wenn zwei Personen stehenbleiben, werden sie sofort verhaftet. Wenn der Streik nicht im Laufe dieses Tages ein Ende nimmt, lasse ich Sie morgen festnehmen. Streikende haben Revolverschüsse abgegeben und Handgranaten geworfen. Sie haben dazu die Befehle gegeben. Wenn der„Republikaner" noch ein Wort schreibt, lasse ich auch die Redakteure einstecken. Wir wissen ganz genau, was Sie wollen." Der Herr Unterpräfekt ließ mir keine Zeit zur Antwort, sondern stieß mich mit der Faust zur Tür hinaus. Gegen meine Gewohnheit habe ich solch gemeiner Behandlung nicht die gebührende Antwort erteilt. Mülhausen, 28. August 1919. Karl Kuhn. Die„Humanits" sagt dazu:„v. Forstner läßt noch immer feine Reitpeitsche durch die Luft pfeifen, nur ist er heutzutage in horizontblau gekleidet. Daß das e l s ä s s i s ch e Volk wenige Monate nach jenen großen so gefeierten Tagen, da das Elsgß„sich Frankreich" gab", in dieserArtbc handelt wird, welcher Schmerz und welche Schande!" Der einzige Trost, den die„Humanito" den elsässischen Arbeitern bietet, ist der, daß Clemenceau die Arbeiter von Paris und Novdfrankreich und die Bauern im Süden genau ebenso brutalisiert._ Schweizer Sozialüemokratie unü Moskau. Ein eigener Drahdbericht aus Bern meldet uns: Aller Wahr- scheinlichkeft nach wird das Ergebnis der Urabstimmung in der Schweizerischen Sozialistischen Partei über den Beitritt zur dritten Jnternattonale verneinend ausfallen. Orgleich die Abftim- mung noch nicht beendet ist, kann man die Zahl der Stimmen gegen Moskau auf 62 Proz. schätzen. Die Teilnahme an der Ab- st- mm im g beträgt kaum 25 Proz., nämlich ungefähr 12 099 von den 48 999 Mitgliedern der Partei. Die Industriezentren Zürich und Basel ergaben starke Mehrheiten für den Anschluß an die dritte Internationale, während das Land, Bern, die Kantone St. Gallen, Thurgau, Appenzell und die ganze romanische Schweiz weit über- wiegend dagegen entschieden haben.— Wenn sich das Ergebnis nicht noch ändert, würde der Beschluß de» Baseler Parteitags um gestoßen. pr üke Natkonallfierung öes Bergbaues. (Eigener Drahtbericht de? vorwärts".) Auf dem englischen GeperkschaftSkongreß dean- tragte S m i l l i e eine Entschließung, wonachderNegierungs- plan zur Regelung der Kohlenindustrie abgelehnt werden soll. Der Kongreß wurde aufgefordert, der Gewerk- schast der Grubenarbeiter in ihrer Bestrebung zu«nterstütze» und die Regierung zur Annahme des Nationali- s i e r u n g s p l a n e s, der von der Saukey-Kommission vorgeschlagen ist, z u v e r a n l a s s e u._ Eftlanüs ßrieüensbMngtmgen. (Eigener Drahtbericht des„Vorwärt S".) Der Stockholmer Vertreter Estlands erklärt gegenüber den englischen Meldungen von dem russischen Friedens- a n g e d o t, daß Tschitschcrins Vorschlag für Einleitung von Unter- Handlungen weder angenommen noch abgelehnt sei. Estland brauche Frieden, werde aber nm seine Selbständigkeit bis zum äußersten kämpfen und nicht eher Frieden mit Ruß- land schließen, als die Angelegenheit nicht mit anlaud und der Entente erörtert sei. S»n » französischer SoziaUsienkongreß. Versailles, 11. September. Heute vormittag begann der außerordentliche nationale sozialistische Kongreß im Ge- werlschaflshauS zu Paris._ 45 Abänderungen! Nach einer ergänzenden Reutermeldung a«S Washington wurde der Friedensvertrag mit Deutschland zusammen mit dem Völkerbuudsvertrag dem Senat mit 45 Abänderungen und vielen Vorbehalten unterbreitet. Die Vorbehalte bezüglich des Friedensvertrages sehen das unbedingte Recht des Austritts ans dem Bunde vor und schlagen vor, daß die Vereinigten Staaten es ablehnen sollen, die sich ans dem Art. 10 ergebenden Verpflichtungen zu über- nehmen. Die Hauptabänderungen fordern, daß Amerika die- selbe Stimmeuzahl erhält wie Großbritannien, und Schautung an China statt au Japan gegeben wird. polizeisirekk kn öosioa. Boston, 19. September.(Reuter.) Den Truppen ist der Be- fehl erteilt worden, sich bereit zu halten, um unverzüglich der in- folge des Polizeibeamtenstreiks um sich greifenden Gesetzlosigkeit entgegenzutreten. Allerlei Läden find geplündert worden. Kleinere Ausschreitungen nehmen an Zahl zu. Der Schaden beträgt Wer 309 999 Dollar. Der Pöbel übte zügellose Zerstörung. Mehrere Personen wurden durch Schüsse und Messerstiche verletzt. Ungefähr 209 Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Bürgerfchaft, ins- besondere die Studenten der Harvard-Univerfität, haben wogen der vom Pöbel begangenen Plünderungen und Ausschreitungen ein Hilfepolizeikorps gebildet. Der Gouverneur von Massachusetts hat sechs Regimenter der State-Guards einberufen. Gefangenenrückkehr. Die Reichszentralstelle für Kriegs- und Zivilgefangene teilt mit, daß mit Genehmigung der englischen Regierung die in Malta befindlichen deutschen Gefangenen jetzt in die Heimat zurückgeführt werden. Z�wei Dampfer, die russische Kriegs- gefangene nach dem Schwarzen Meer gebracht, werden auf der Rückreise Malta anlaufen, um alle dort befindlichen Deutschen aufzunehmen.— Nach Blättermeldungen werden unsere Lands- leute in Frankreich in den Sammellagern zusammengebracht; von ihrer Heimfendung ist aber noch keine Rede. Donnerstag sind in Köln-Deutz zwei Transporte vcm deutschen Kriegsgefangenen aus englischer Gefangenschast eingetroffen. Der erste Transport kam aus HerbeSthas mit.1931« der zweite nitt 1999 Mann._ Die internationale SechsstunÜenschicht. Von den im Ausschuß zur Prüfung der Frage der Arbeitszeit im Bergbau des RuhrgebietS gestellten Anträgen haben die folgenden die Zustimmung des Reichsarbeitsministers gesunden: 1. Die Reicksreglerung wird von dem Ausschuß gebeten, an die anderen Mächte mit dem Vorschlag heranzutreten, sofort eine internationale Beschlußfassung über die Einführung der Sechs- stundcnschicht im Steinkohlenbergbau unter Tage herbeizuführen. 2. Der Ausschuß wird vom Reichsarbeitsminister mit den bisherigen Befugnissen in Permanenz erklärt. Er prüft fort- laufend durch fachkundige Ausschüsse, ob auf den Zechen und von den Behörden alle technischen und sonstigen Vorbereitungen zur Ermöglichung der Einführung der Sechsstundenschicht getroffen werden. Ende November tritt der Ausschuß wieder zusammen, um den Beweis zu erheben, ob ohne Gefährdung der Kohlenversorgung Deutschlands die Sechsstundenschicht am 1. Februar 1920 eiuzu- führen ist._ Gegen öie Hochverräter. Laut Meldung der Pfalzzentrale wurde am Donnerstag in Landau eine Versammlung abgehalten, die eine Eni- schließung faßte, in der es heißt- „lieber 2000 zu Landau versammelte Bürger und Bürgerinnen der Stadt und des Bezirks Landau, Pfälzer und Pfälzerinnen aller Parteien, aller Berufe und aller Bekenntnisse, geloben unentwegte Treue dem deutschen Volke heute und immerdar. Sie weisen mit Empörung die Schmach ab, mit der die berüchtigt ge- wordenen„21", zumeist keine Landauer, ihre bis heute stets mit Ehren genannte Stadt der deutschen Pfalz besudelt haben. Sie bitten ihre dcntschen Brüder, die Rcichstreue der Landauer Pfälzer nicht nach einem kleinen Häuflein selbstsüchtiger Verführter und Abtrünniger zu bemessen. Deutschland und die Pfalz auf Ewigkeit ungeteilt!" Wie genleldct wird, fand keiner der Anhänger des Dr. Haas den Mut, in der Versammlung als Redner aufzu- treten._ keine verfasiungsänüerung. Eine, Bemerkung in der„Nationalzeitung" vom 11. September ist dahin auigesaßl worden, als ob die Reicksregierung beabstchlige, die Nationalversammlung zwecks Acnderung des Artikels 61 der Lcr- fassung einzuberufen. Diese Auffassung ist unrichtig. Die deutsche Regierung bat bekanntlich in ihrer Aniwort auf die Ententenote in bindender Form sestgestellt, daß der Artikel 61 Absatz 2, um den es sich hier handelt, bis zur Entscheidung des Bölkesbundcs auf Grund des Artikels 178 der Verfassung als kraftlos zu belrachten ist, und daß demnach eine Aenderung der Verfassung nicht in Frage kommt. Dockarbeitcrstrcik in Marseille. Eine Versammlung der Dock- arbeiter hat den Vorschlag der Unternehmer endgültig abgelehnt und sich dem Generalstreik angeschlossen. Keines Theater: �Summa Summarum�. Tragikomödie von Hermann Kesser. Novellen, die mit rührender Geduld ausgebaut wurden, ein sozialer Roman, der den modernen Menschen als schöngeistigen Demokraten erträumte, Aufsätze, die aus kuliurellem Stolz und menscheuliebender Revolte entstanden, das war bisher das Lebens» werk Hermann K e s s e r s. Das Hosiannah der snstigen Schöpferverschwendung sang nicht in ihm. Es warben für ihn die Sauber« leit der Gesinnung und ein Deutsch, das farbig und stark zu nennen wäre, wenn der Dichter es nicht mehr ergrüvelr als freudig und feurig spielend erlebt hätte. Nun zwang sich Kesser, ein Schrift- steller an Willen und ernstester Erziehung, in die Theatersehnsucht hinein.„Summa Summarum", dieses komische Trauersviel einer politischen Berechnung, wurde als sehr bewegtes Glücks» solostück geplant, und der Entwurf schrumpfte zusammen zu einem sehr klug überlegten, auch kunstvoll gegliederten Ge« sprach. Der Baron sührr die Unterhaltung: Erst mit sich selbst. in dem er all seinen verschollenen und verstorbenen Ahnen an der Wand ins Gesicht leuchtet. Denn er hat ihnen zu danken. Er ist ein weggschickter Diplomat, seine Ehren liegen hinter ihm. In seinem Pult liegen aber die Papiere, aus denen er beweisen will, daß er sein Land nicht schlecht vertreten hat, daß er nur scheiterte, weil man über ihm untz gegen �jhn zu närrisch regierte. Das klingt beinahe als Anspielung auf dte Bekenntnisse der abge- dankten Staatsgrößen von 1919 und es stand doch schon im Herbst 1917 im Bühnenbuch. Vor dem Bazar steht der Kammerdiener. Der Baron: Soll man in solchem Gedanken und Erinnerungen die Wahrheit unbedingt sagen? Der Kammerdiener ist für Diplo- matie u d ei« wenig Lüge. Der Diplomat möchte lieber Wahrheit. Denn er ist ein Mann von ausgelüftetem Geist, trotzdem er auf die alten Manieren schwört. Er hat nicht umsonst als junger Mann das Cello gespielt. Er hat nicht vergebens in mehreren europäischen und exotischen Hauptstädten Danien geliebt, die-- Die Baronin darf nicht ohne Grund und erschauernd darauf deuten. Und siehe, dieser Diplomat der allen Schule möchte schon an daS Volk und in das Volk hinein, nur sind ihm die Fäuste der Volks- leute nicht willkommen. Er möchte schon ja sagen zum Demokraten« geist, der heraufiprüht, er mußte ihm aber selber gebieten, ebenso Herr sein im Neuen wie im Alten. Es kommt die Stunde, da er entscheiden muß. sehr schnell. Er zerreißt, glänzend austobend, sein Diplomatenbuch, das nach der Kammerdienermoral begonnen, das noch nickt vollendet war. Hinaus zur Masse. Hoch, Jubel. Hym- nus, Musik, Händeschütteln, Baron Hugo, Exzellenz, außerordent- licher Gesandter, einstmals, jetzt vielleicht Genosse Hugo. Da kann er nicht weiter. Sein Gedanke reicht zum äußersten, der ganze, irdische Mann, der so straucheln soll, will nicht mit. Der letzte Auf- schrei des Neins. und der Baron sinkt sterbend in sich zusammen. Er hat die Zeit nicht umgeworfen. Er zerbrach aber an der Zeit. Das ist gradlinige, durch hartnäckige? Alier und reholtierende Jugend schön und besonnen erleuchtete Psychologie. Ueberhaupt alles ist in diesem ewigen Gespräch so scharf formuliert. Die For- mein reiben sich so artig uyd gespitzt, daß selten die Teilnahme erlischt. Jeder ist im Reckte.' Die alte Welt wird nicht zerstört. Die neue Welt wird nur so weit gepriesen, daß die Charaktere in Feuer geraten. Ja. dieser lange Einakter ist der künstlerischen Tugend voll, weil alle Mensckeu mit Andacht und erklärender Ver- liebtheit beschenkt werden. Resser gliederte mit großer Behutsam- keit und mir der scharfen Ausdauer, die an ihm so lobeuswert ist, ein starles Literaturstück, eigentlich aus den letzten Akt einer Tragö« komödie in mehr-ren Akten. Denn ein Dichter, der zum Ehrgeiz der Reinheit noch den Reichtum der Vielgestaltigkeit empfangen hätte, würde den Fall diese? zerfallenden Menschen als wirklich brausendes Auf und Ab eines bunten Daseins hingeworfen haben. Kesser erörtert den Fall uns. So unparteiisch, so Welt- männisch tut er es, daß man ziemlich ratlos fragt, warum die Zu- schauer vor geschlossenem Vorhang in Tobsuckt gerieten. Sie wüteten nämlich gegeneinander mit Hausschlüsseln, begeisterten Händen und zischenden Mäulern. Gespielt wurde mit Takt, wenn Hans Junkermann, der gefällte Diplomat, auch gut täte, an manchen Stellen etwas weniger zu poltern. Gustav Rodegg, Hermine Sterlet und Regula Keller vertraten Alter und Jugend mit Glück. _ Max H o ch d o r f. Letzte Nachrilbten. Die Krisis in der Metallmüusirie. Die erweiterte Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes und die Arbeiterräte der Metallindustrie traten gestern Abend in den Sophien-Sälen zusammen, uni zu der Situatiin in der Metall- industrie Stellung zu nehmen. Rusch beantragte folgende Reso- lution: „Die Versammlung hält die von dem SchlichtungSauSschuß deS Reichsarbeitsministeriums gefällten Schiedssprüche für unan- nehmbar. Sie beauftragt die von der Generalversammlung mit Bollmachten eingesetzte Fültszehner-Kommission, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen." Alb recht bezeichnete die Stufe'nunterschiede unter den Ber- liner Metallarbeitern als ein ungesundes Verhältnis, forderte jedoch, daß unbedingt am Mitbestimmungsrecht festgehalten werden müßte.— Koch bezeichnete die Forderung der Unternehmer als eine Unverschämtheit. Die Umernehmer wollten den Kampf unter allen Umständen, der kommen werde und müsse. Ein Ber- treter der Arbeiter in der Glühlampenindustrie forderte, daß die Bewegung der Arbeiterinnen von der großen Bewegung ab- getrennt werden solle, damit die Arbeiterinnen selbständig weiter- verhandeln könnten.— Keitmann erklärte, den bevorstehenden Kampf hätten die Arbeiter nicht gewollt. Die Selbstachtung ver- lange jedoch, daß der aufgezwungene Kampf angenommen werde. Der Kampf würde nicht auf die Metallindustrie be- schränkt bleiben. Es würde sich zeigen, daß diejenigen, welche stets behaupten, für den Aufbau der Industrie zu arbeiten, in Wirklichkeit die Industrie vernichten. Die Resolution fand ein» stimmige Annahme. Ein Vertreter der Arbeiterinnen der Glühlampenindustrie gab die Erklärung ab, daß sich die Arbeite- rinnen mit einem besonderen Antrag an die Fünszehner-Koin- Mission wenden würden._ Der Frankfurter Buchdruckerstreik beendet. Nack fünftägiger Dauer ist der Buchdruckerstreil in Frankfurt a. Oder für die Streikenden ergebnislos zusammengebrochen. Die Arbeit wurde am Donnerstag früh unter unveräudcrte» Bcdingnngcn und ohne Abweichung vom Tarifverträge in allen Betrieben wieder aufge- nommen. Das Entgegenkommen der Arbeitgeber in desi am Miit« woch gepflogenen Verhandlungen, denen der Gauleiter der Buch- druckergewerkschoft aus Stettin beiwohnte, beschränkt« sich aiss die Wiederaufnahme der Arbeit aller Streikenden. Jür HanöelsVieöeraufnahme mit Rußlanü. „Daily Harald" erfährt aus Stockholm, daß eine Abordnung schwedischer Metallarbeiter in einer Audienz beim Minister des Aeußern verlangte, daß wegen des Arbritsmangcls die Handelsbeziehungen mit Sowjet-Rußlaiid wieder aufgenommen werde» sollen und daß man, wenn nötig, die schwedischen Handelsschiffe nach Petersburg durch Kriegssckiffe begleiten lassen solle. Der Minister sagte, daß eine solche Durckbreckung der britisckcn Blockade zweifellos zu einem Krieg mit der Entente führen würde. Serbische Krise. Die JBföiiciXiutg frfyiUen. frflfc serbische Delegation in Pari? hat di» daö serbisch« Kabinett zurückgetreten ist. wkrö so öke Wohnungsnot behoben? Aus Fachkreisen wird unS folgendes geschrieben: Die Wohnungsnot hat ganz besondere Dimensionen angeNom- imen. Den einzelnen Gemeinden-ist e? unmöglich, durch Bauten von teuren Holzbarack.'n der Wohnungsnot wirtsam zu steuern. Wir gehen katastrophalen Zeiten entgegen, wenn man bedenkt, dah endlich unsere Gefangenen, deren Rückkehr Heist ersehnt wird, zn jaller erduldeten Qual auch noch in ihren heimatlichen Gefilden der Obdachlosigkeit anheimfallen sollen. Uin der Wohnungsnot zu steuern, bat man einen RcichSwoh- nungSkommissar UnterstaatSsekretür Scheidt eingesetzt, wslchcr den Kleinwohnungsbau in Gestalt von Siedlungsunternehmen wirksam zu fördern berufen ist. Aber leider>° von dem allen recht wenig zu verspüren, und es wird auch in fern rer Zeit auf dem Gebtete des Kleinwohnungsbaues irenig zu erwarten sein. Das liegt weniger an dem' guten Wille», als an der Zerfahrenheit des ganzen dazu aufgewendeten Verwaltnngsapparates. Will z. B. zemand baucm, so nurst beim Wohnungsverband Grost-Berlin die Bewilligung der Baukostenzuschüsse beantragt werden. Hat man den glücklich in der Tasche, bittet man bei der Regierung in Potsdam um die Dringlichkeitsbescheinigung auf Erlangung von Baustoffen. Hat man auch diese, dann hängt eS von dem Zementsvndikat ab, ob eS Zement liefern kann. Dem Kalkfyndikat ist man auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert. Ist wun bloh eine Stelle nichts willens. Materialien zu liefern, so ist der ganze Bauplan ins Wasser gefallen. Wer gibt aber die Ge- währ dafür, dast alle Anträge vom grünen Tisch aus' i erledigt werden, wie eS der Allgemeinheit am ziveckdienlicbsten ist? Der .Ausstellung von Dringlichleitsanträgen ist Tür und Tor geöffnet, Unwahre Angaben zu machen. Wie ist es überhaupt möglich, dast der Sohn des BtaurermeisterS Otto Carl, der beim RegierungS- ko minissar beschäftigt ist, zur Wetterführung des Baues de? asia- tischen Museums in Dahlem für seinen Bater die DringlichkeitS- Bescheinigung auf Lieferung von 15 000 Kilo hydraulischem Kalt VAHstellen durfte? Selbst wenn dieser Bau als RotstandSarbeit zu rechnen ist, so find WohnungSbauten doch sicher notwendiger als alle Museen bder sonstige Bauwerke. Wie kommt nian aber dazu, mich noch dem Kalksyndikat die Verteilung von Kohlen zu überlassen? TaS Kalksyndikat hat das Recht, all? private Körperschaft zu bestimmen, welche Fabrik Kohle bekommt oder nicht. Die gröstte Zementfabrik Guthmann u. Jeserich in Rüdersdorf, welche es sicb zur Aufgabe gemacht hat, vorwiegend zum Wohnungsbau zu liefern, weigerte sich, hydraulischen Kalk für das asiatische Museum zu liefern. Diese Auflehnung gegen die allmächtige private Kalksyndikatbe- ll'örde hatte zur Folge, dast man der Firma Guthmann u. Jeserich für ihre unbotmäßige Auflehnung ihre Kohlenzuieilung von 800 000 Zentner Koksgrus entzog. DaS Brennen von hydraulischem Kalk wird dadurch unmöglich gemacht. In blinder Wut zwingt man die größte Zementfabri? in kürze zu? Einstellung ihrer Betriebe. Ist nian sich denn der Dragweite dieser Handlungsweise gar, nicht be- wustt, was das für ein Schlag für den Berliner Baumarkt be- deuten würde? Die Zeit drängt mit zwingender Rotwckndigkeit mit allen zu Gebote stehenden Mitteln, diesem an Chaos grenzen- t>en Zustand ein Ende zu bereiten. Dringend notwendig ist es. dast alle Fäden in eine verantwort- jliche Hand gelegt werden. Der dirigieronden Person muß die Pflicht auferlegt werden, für die dauernde Belieferung der Zement-, Kalk- und Steinfabriken niit Koble Sorge zu tragen. Unrentable Betriebe find stillzulegen, so dost' nicht eine Minute Stockung in ter Herstellung von Zement, Kalk und Siein eintritt. Die Zu- teilung dieser Materialien hat im Wohnungsbau fördernden Sinne zu geschehen. Die Bewilligung von Baukostenzuschüssen hat so zu erfolgen, dast jeder zu glckbcr Zeit auch Material bekommt. Ferner ist es dringend erforderlich, zur richtigen Prüfung der Anträge au? den Reihen der arbeitenden Bauarüeiierschaft Rechercheure BU Hilfe zu nehmen. Nur so wird es möglich sein, die Wohnungsnot zu beheben und den Kleinwohnungsbau zu fördern. GeweckschojkbttvMng Slus der Bewegung der Bäcker und Konditoren. Der Zentralverband der Bäcker und Konditoren gehört mit zu denjenigen Organisationen, die durch den Krieg die schwersten Mit« gliedereinbusten erlitten hatten? aber überraschend schnell hat er sich nicht nur wieder erholt, sondern wird sicher schon in wenigen Wochen die doppelte Zabl der Mitkämpfer als zu Kriegsbeginn zäblen, pbgleich die Backbetriebe und die zuständigen NabrungS« und Gennstinittelbeuiebe noch immer schwer unter Rohstoffmangel zu leiden haben. Am 1. Juli 1914 betrug der Mitglieder« bestand insgesamt 29116, am 1. August 1öt9 49 941. die Auflage deS VerbondsorganS, damals 32 700, jetzt 60 000, Innerhalb der Branchenzugehörigkeit der Mitglieder hat allerdings eine weitgehende Verschiebung stattgefunden, die Kon» ditoren und Süstwarenarbeiterschaft und damit auch die Arbeiterinnen stellen heute ein verhältssismästig viel größeres Kontingent als früher. In den Konditoreien stehen heute einschließlich de? Hilfspersonals und der Lehrlinge 2777 Mitglieder, in den Süßwaren- und Teiawarenbetricben 21805. Da? Prozent- Verhältnis der männlichen Mitglieder, der Arbeiterinnen und der Lehrlinge im Gesamtverbande stellte sich Ende 1914: Männer 33.8. jetzt 63, Arbeiierinnen 15,2 und 31,5, Lehrlinge 1 und 5,5 Die großen Fortschritle in der Süßwarenindustrie sind zum Teil das Resultat der hier abgeschlossenen Arbeitsgemeinschaft mit dem Unternehmertum, das zu einem Reichstarif führte und größere Agitationssreiheit in den Betrieben brachte.— lieber die lebhafte Tätigkeit de» ZentralverbandeS der Bäcker und Konditoren geben auch die im ersten Halbjahr 1919 geführten Lohnbews« gungen Aufschluß. Insgesamt wurden 834 Bewegungen zum Abschluß gebracht und hierdurch 224 Tarife vereinbart.' Erwähnt wurde schon der Reichstarif in der Süß- und Teigwarenindustrie. Er umtaßt gegenwärtig über 370 Betriebe, darunter ausnahmslos die größten der Industrie. Dieser Tarif befindet sich jedock gegen- wärtig wieder im Stadium der Revision; er wurde durch die Arbeitnehmerorganisation hinsichtlich der Löhne gekündigt, eS konnte jedoch über neu« Vereinbarungen noch keine Verständigung erzielt werden, weil die Unternehmer angeben, die Industrie könne neue Belastungen nicht mehr ertragen. Dabei betragen die Löhne für gelernte Facharbeiter gegenwärtig nur in zwei der teuersten Groß- städte einschließlich der Teuerungszulagen etwas über 85 M. pro Woche, in allen anderen Orten Wenigerl Unter diesen Umständen mußte da? ReichsarbcitSamt als SchlichtungSamt zur Entscheidung angerufen werden und die Arbeiterschaft hofft, daß diese Entscheidung nunmehr bald fällt, da sie nicht in der Lage und nicht gewillt ist. die gegenwärtigen Verhältnisse werler zu ertragen. Gesetz gege« die Einschränkung deS MitdestimmnngS- rechts. Von der Arbeitsgemeinschaft der Angestelltcnvervände erhalten wir folgende Zuschrift: Die vorn ReichsarbeitSnrinister am 3. September erlassene Ver- ordnrmg über die Einstellung und Entlassung von Arbeitern und Angestellten während der Zeit der wirtschaftlichen Demobilmachung, die nach den offiziösen Anlnndigungen den beimiohrenden Kriegs- gefangenen einen sozialen Schutz bieten soll s!), bringt in Wirklich- keit eine weitgehende Einschränkung de? in den bisherigen Ber- ordnungcn bereits gegebenen Mitbestimmungsrecht s der Betriebs- ansschüsse und hat deshalb in den Arbeitnehmerkreiscn große Er- bilterung erzeugt. Insbesondere lassen die§§ 14 und 27 dieser Verordnung ohne weiteres erkennen, daß niit diesem neuen Gesetz die von den Belegschaften der Spandauer Heeres- betriebe gegen die dort«inseitig verfügt« Stillegung eingeleitete Aktion gewaltsam zum Abschluß gebracht wer- den soll. DaS Schlichtungsverfahren, da? auf Grund der Beschwerde der Svandauer Angestellten und Arbeiter beim ReichSarbcItSminlstsrlum anhängig gemacht worden war und nach einem außerordeutlichen schleppenden Gange jetzt dor einem für die beteiligten Arbeitnehmer voraiiSstchtliS günstigen Abschluß nebt, wird durch die Verordnung völlig illusorisch gemacht. Die Neuregelung, wonach das Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer bei Entlassungen infolge von nicht vorübergehenden Betriebscin- sicllungen oder Auflösung von Bureaus usw. aufgehoben werden soll, ist nach all den Versprechungen der Regierung eine unerhörte Herausforderung der gesamten Ängestellten- und Arbeiterschaft. Tie Fassung des§ 14 läßt auch weiter erkennen, daß die Neberführung von Staatsbetrieben in privatkaviwlistischen Besitz durch die vorher erwähnte Aufhebung de? Mitbestimmungsrechts erleichwrt werden soll. Die jetzt getroffene Regelung mußte die Spandauer An- gestellten und Arbeiter um so mehr überraschen, als ihnen noch mit einem Schreiben des ReichSarbeilsminisierimns vom 26.7. die aus- drückliche Zusicherung gegeben worden war, daß für das bereits im Gang befindliche Schlichtungsverfahren auf keinen Fall durch wehere gesetzliche Verordnungen die Durchführung evschwert oder unmöglich gemacht werden soll. Die ArbeitSpemeinschast freier Angestelltenverbände hat bereits Schritte eingeleitet, um eine Aufhebung der Verordnung vom 3. September herbeizuführen. Gleichzeitig haben die freien An-»?« stelltenverbände auch sofort die Verbindung mit der Berliner Ge- werkschastskommission hergestellt, um den gegen die Spandauer Be« legschaften geführten Schlag abzuwehren. » sB. d. R.) Insofern die neue Verordnung bei Verwandlung von HsereSbetrieben in Privatbetriebe eine Aushebung des Mitbestimmungsrechts vorsteht, wodurch also der private Üniernehmer völlig neues Personal einstellen darf, möchten auch wir uns dagegen wenden. Fraglich erschein! eS ttttS, ob sich da? Mitbestimmungsrecht in- folge von nicht vorübergebenden BetriebSeinstellungsn oder Auf- lösiing von Bureau» irw. in allen Fällen aufrecht erhalten läßt. Wir können nnS denken, daß es Vertreter von Angestellten so- w ihl wie auch solche der Arbeiterschaft gibt, die unter allen Um- ßänden einer Einschränkung des Betriebes widersprechen, selbst wenn die Voraussetzungen hierzu nicht mehr gegeben sind. In solchen Fällen bedarf eS der größten Objektivität der in Frage kommenden Arbeitnehmer« und Angestelltenvertreter: anderenfalls kann der Volkswirtschaft im allgemeinen beträchtlicher Schaden zugefügt werden. Lediglich von diesem Standpunkt und nicht von dem des Unternehmerinteresses möchten wir unsere Bedenken geltend machen._ 450 000 Mitglieder. Der Deutsche TranZportarbeiterverband mustert zurzeit 450 000 Mitglieder. In Berlin allein gehören dieser Organisation 100 000 Mitglieder an. Vom 1. Oktober ad erfolgt die Angkiederung d«Z Deutschen Portierverbandes, der in Berlin mehr als 7000 Mitglieder zählt, an den Transportarbiiterverband. Die in der Organisation zu- sammengeschlossenen Portiers, Fahrstuhlführer und Wächter bilden dann eine eigene Sektion in der Berliner Mitgliedschaft. » DaS Protokoll des 10. VerbandSiageS zu Stuttgart ist soeben erschienen und für die Mitglieder des TranSvortarbeitcrverbandes zum Preise von 75 Pß erhältlich. ES enthält eine Fülle von AgitationSmaterial für die in der Organisation tätigen Mitglieder. Wetteraußstchte« für das mittlere Norddeutschland bis Sonnabend mittag. Trocken und überwiegend heiter bei meist schwachen südlichen bis südwestlichen Würden. In den Mittagsstunden sehr warm. Veront». Nr den redaktion. Teil:«lkrrd Scholz. Neukölln? fUr Anzeigen: Tbeodor »loae, Berlin. V.elag:«orwllrts.rerlai,6, überweisen. 86/5 SZALT? ��t, Beistand, mäßige Preise, Teil- S k"htung, Ehe- Alimenten-, Straf. JL t jachen, Eingaben. Gnadengesuche. Laadgerichtsrat Dr. t. K i r c h b a c h, üesellschaü m. b. H., Alexandcrstraßc 45(am Alexanderplatz, gegenüber Tierz).(9—7) Glänz. Erfolge! Beobachtg. Sonnt. 10-12. � MF" Nur allein-%j2 » XunstspielsPlanos und Flügel« ! Virtuola! a ermöglichen gleichzeitige Wiedergabe der Stücke Q ? nach Auffassung d. Künstlers u. SelbstnUancierung." Römhildt A.--G., Nr. 466 ♦ 36. Jahrgang Seilage des vorwärts ZreKag, lt.«cptortStrlW Der Münchener Geiselmord vor Gericht. In der weiteren Beweisaufnahme bekundet der Zeuge Heiß, daß er der Erschießung der Gräfin Westarp und'des Prinzen Thurn und Taxis beigewohnt hah Er erzählt, daß der Prinz noch kurz vor seinem Tode Zigaretten rauchte. Zu den Soldaten habe er ge- sagt:„Leute, Ihr vergießt unschuldiges Blut." Die Gräfin habe geschrien:„Helft mir! Laßt mich wenigstens noch eine Stunde leben!" Der eine Teil der Soldaten sei f.ür sre gnvesen, der andere habe geschrien:„Sir gehört auch erschossen." Einige hätten gerufen:„Fragt erst noch einmal, ob sie erschossen werden soll." Da habe aber einer zum Fenster hinuntergeschrien: „Fa, sie wird auch erschossen. Bei der ist eine Liste gesunden worden, auf der die Namen von 500 Kommunisten stehen, die von der Gegen- revolutiou erschossen werden sollten."— Oberstudienrat D ü r i e bat am M. April von seinen Bureaus etwas nach'AlO Uhr bemerkt, wie auf dem nebenan gelegenen Hof des Gymnasiums unter großem Lärm die beiden Weißgardisten an die Wand gestellt wunden. Der Angeklagte S e i d l läßt sich von dem Zeugen be- stätigen, daß der Naturkundesaal im Gymnasium mit seinen wert- vollen Lehrmitteln mehrfach erbrochen worden sei und der Studien- rat sich bei ihm im Gymnasium beschwerte. Seid! sei jedoch der wilden Horde gegenüber machtlos gewesen. Auch Schicklhofer erklärt, daß er sich in dieser Hin- ficht zugunsten des Schulleiters bemüht habe.— Der 01jährige Schreiner Reichold war ebenfalls wegen Arbeitslosigkeit bei der Roten Armee eingetreten, ist nach der Geiselerschießung davon- gelaufen. Für den Fall eines Angriffs der Weißgardisten auf das Gymnasium sei der bekannte Befehl aus sofortige Erschießung aller Gefangenen ausgegeben worden. Insbesondere hat er gehört, daß es hieß: „In diesem Fall einfach eine Handgranate in den Geiselkell er." Der Zeuge will sich sehr für die Gefangenen bemüht und ihnen Decken und Matratzen besorgt haben. Bei der Geiselerschießung bc- o. achtete er, wie einem der Soldaten der Abschiedsbrief der Gräfin Westarp zu lange dauerte und er ihr zurief:„Sakra- meiit, stenographieren Sie doch. Wir haben nicht Zeit auf Sie zu warten." Als der Prinz rief:„Ich will erst vor das Revolu- tionstribunal," hätten einige Soldaten geäußert:„Nur keinen lln- rechten nehmen, führt ihn noch mal hinauf." Oben habe der Prinz erklärt:„Ich bin nicht der Reichsfürst, ich stamme aus der österreichischen Linie. Hören Sie mich doch an." Aber da habe H a u ß m a n n gesagt: Kennst Du mich nimmer? Ader i kenn Di. Weg damit." Drfbei habe er eine entsprechende Handbewcgung gemacht, und dar- auf habe auch Seidl gesagt:„Bei uns gibt es kein Verhandeln. Entweder ja oder nein." Tarauf mußte der Prinz wieder mit hin- unter.— Ter Vorsitzende hält dem Zeugen die bei dem Prinzen ganz zerbeult vorgefundene Zigarettendose vor und fragt ihn, ob etwa der Leiche noch ein Kolbenschlag versetzt worden sei, der die Dose so zugerichtet habe.— Zeuge: Gestoßen wurde schon nach der Leiche. Auch der alte Professor Berger erhielt einen heftigen Schlag ins Genick, als er nicht schnell genug vorwärts ging. Dabei rief sein Begleiter:»Nur vorwärts, alter Lump!" Zu den Laichen drängte sich alles neugierig hinzu. Einer vergriff sich auch an der Leiche der Gräfin. Der Zeuge sagt dann weiter aus, Schicklhofer habe zunächst gefragt, wer freiwillig zum Geiselerschießen antreten wolle, und suchte sich erst dann seine Leute zusammen. Ein Zivilist gab den Fangschuß auf Professor Berger ab. Der Zeuge erklärt zum Schluß: Von denen, die ich mir gemerkt habe, fitit hier keiner auf der Anklagebank, auch der Zivilist nicht!(Große Bewegung.)— Der frühere Rotgardist Fürst bekundet, daß er am 30. April das Wawkommando Iwtte und daß da keinerlei Disziplin mehr ge» herrscht habe. Nur die Aussicht auf Löhnung hielt die Gesellschaft noch beieinander. Kurz danach hieß es, die Geiseln sollten erschossen werden. Einer der Soldaten sagte zu dem Zeugen: Jetzt brauchen wir Deine Leute zum Geiselerschießen. Du mußt die Sache machen, denn Du bist der Wachhabende und mußt Deine Leiue hergeben! Zeug« erwiderte: Dazu bin ich nicht hier, ich habe nur Wache zu halten.— Vor s.: Wer war der Mann, der Ihnen'das sagte? Ein einfacher Soldat konnte Ihnen doch nicht so etwas sagen.— Zeuge: Es war elf Erleuchtung. i Roman von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdorf. Nach diesem Kriege wird ein neuer Krieg beginnen. Der Krieg wird beginnen, so lange die Entscheidung bei anderen Menschen liegt als bei denen, die zum Kriege-ausmarschieren müssen. Die gleichen Ursachen werden die gleichen Wirkungen hervorbringen, und die Lebenden werden jede Hoffnung auf- geben müssen. Man kann nicht wissen, aus welchen geschichtlichen Ver- kniivfungen die letzten Stürme entstehen werden. Man kann auch nicht wissen, welche Namen in jenem Augenblicke die ewig wechselnden Ideale tragen werden, die in den Menschen walten. Tie wirkliche Ursache wird vielleicht überall die Kurcht der Völker vor der wirklichen Freiheit sein. Was man allein wissen kann, ist nur dieses: Die Kriege werden ewig dauern! In jcdein Jahre werden die Rüstungen zunehmen. In jedem Jahre werden sie einen Aufschwung nehmen, der noch steiler hinaufgeht. Ich niuß wieder genau und gemartert alles nachrechnen und festlegen. Wir dienen setzt drei Jahre in der Armee. Unsere Kinder werden fünf Jahre dienen müssen oder gar zehn Jahre. Für die Rüstung des Krieges geben wir jähr» lich zwei Milliarden aus. Wir werden zwanzig, wir werden fünfsig Milliarden ausgeben müssen. Man wird uns alles nehmen, wcks wir besitzen. Der Raub und dar Zusammenbruch werden regieren. Der Reichtum wird vom Kriege getötet, ebenso wie die Menschen. In Trümmer und Rauch geht der Reichtum auf. Soldaten und Gold, das kann man kaum noch finden. Man kann nicht mehr rechnen. Man weiß überhaupt nicht mehr. Eine Trillion-- eine Million Millionen--, das Wort ist nur in die Oberfläche der Dinge eingeprägt. Ich entsetze mich, da ich die Unverständlichkeit dieses neuen Wortes begreife, das erst gestern von dein Krieg geformt worden ist. Es wird nur noch Kriegsrüstungan geben. Von den Rüstungen werden alle lebendigen Kräfte aufgebraucht werden. Die Kriegsrüstung wird alle Entdeckunam an sich reißen, alle Wissenschast und alle sonstigen Gedanken. Sogar die Herr- schast im Luftreiche, die gesetzmäßige Bewältigung des Welten- raumcs, wird nur herhalten müssen damit die Reichtümer der Völker verstreut und zerstäubt werden. Denn die Luftschiff- fahrt, diese zauberhaste und merkwürdige Erweiterung der Menschenkrast, ist gleich bei ihrer Geburt ein lockendes Beute- stück geworden, guf das sich ein Jeder stürzte. So sehr wüten ein fllinz Rabiater von der Front. — Vors.: Von der Dachauer Front!(Heiterkeit.) Sagte er nicht, von wem er beauftragt war?— Zeuge: Ich meine, von Hauh- mann.— Vor s.: Hat der Seidl nicht auch das große Wort ge- führt?— Zeuge: Bei dem Saustall, der im Gymnasium herrschte, war es klar, daß er schimpfen mutzte. � Hilssarbeiter R e u m u t h meldete sich am 30. April vormittags im Gymnasium zur Dienst- leistung und hatte zunächst überhaupt nichts zu tun. Nachmittags hörte der Zeuge dann, daß die Leute aus den»Vier Jahreszeiten" erschossen wurden, die die Stempel gefälscht hätten. Er interessierte sich für die Sache und ging in den Hof hinunter. Dort will er weiter nichts getan haben. Doch versagt ihm sein GedLchtitiO seit diesem AngeiMick, daß der Vorsitzende ihn schließlich resnktatloS abtreten lassen muß.— Der S3jährige Bankbeamte W i n k l e r, ein sogenannter Schwabinger Typ, war zehn Tage lang als Schrei- ber im Gymnasium beschäftigt und will dann auch am 30. April nach den Erschießungen den Bau verlassen haben. Er hat die Lohn- listen geführt und kam dabei zur Auszahlung der Löhnung durch Seidl hinzu.— Vors.: Wieviel Geld war nach Ihrer Dieinung zur Auszahlung nötig?— Zeuge: 35 000 b i s 40 000 M.— Vors.: Und wieviel brachte Seidl von der Bank mit?— Zeuge: 8 0 000 M.(Bewegung im Saal.)— Vors.: Wieviel hat Seidl wohl zur Auszahlung gebracht?— Zeuge: Schätzungsweise 20 000 M.— Vors.: Wo mögen wohl die restlichen 00 000 M. ge- blieben sein?— Zeuge: Als ich gegen 10 Ahr abends noch einmal ins Gymnasium kam, sah ich gerade»och,- wie Seidl das Geld in ein Paket packt« und damst fortging Vors.: Seidl sagt, er hätte damals nur 8 000 0 M. nrttge« nommen, 20 0 00 M. an Schicklhofer nnb 8 0000 M. an„den Zugführer" gegeben, der mit der Bewachung der Gelder beauf- tragt war. Wissen Sie etwas von einem solchen Zugführer, der darauf achten sollte, daß das Geld nicht vorher fortkommen sollte? (Große Heiterkeit.) Zeug«: Nein. Vors.: Sie waren doch zur Führung der Listen bestellt und haben doch auch aufgepaßt. Da brauchte doch Seidl nicht noch extra einen Zugführer? Zeuge: Nein, nach meiner Ansicht nicht. Es war auch keiner da. Der Zeuge bekundet dann ferner, daß er die Erschießung der beiden Weißgardisten mit beobachtet habe. Der ältere sagte zu den umstehenden Soldaten: Ich bin ein alter Mann und Vater von 6 Kindern. Ich bin nur aus Not zu den Weißgardisten gegangen. Der Zeuge wandte sich darauf an Schicklhofer und fragte ihn: Wie kannst Du so etwas tun und einen Vater von 6 Kindern erschießen lassen. S ch i ck l- hofer erwiderte: Ich werde auch erschossen, folglich müssen sie auch erschossen werden. Vors. zum Zeugen: Warum sind Sie aus dem Gymnasium herausgegangen?.Zeuge: Es war mir zu ordinär, als Schreiber tätig zu sein. Außerdem sind mir die Erschießungen auf die Nerven gegangen. Vors.: Sie sollen aber trotzdem noch längere Zeit unten auf dem Hof gewesen und sogar an die Leichen herangetreten sein. Zeuge: Das tst richtig. Vors.: Also scheint es mit Ihren Nerven nicht so schlimm gewesen zu sein. Wieviel Leichen haben Sie denn auf dem Hof gesehen? Zeuge: Fünf oder sechs. Vors.: Was haben Sie noch bemerkt? Zeuge: Ein Matrose lieh die Taschen der Leichen durchsuchen und sagte, er habe dazu einen Befehl von Seidl. Die mit der Durchsuchung beauftragten Soldaten haben dann auch dem Matrose» die Sachen in die Hand gegeben und dieser hat sie in die Kanzlei getragen, wo st« in einem offenen Fach verwahrt wurden. Vor f.: Einem der Toten, dem Baron v. Teukert, sollen auch die Stiefel ausgezogen worden sein. Dabei soll einer der Soldaten gesagt haben: Auf die Stiefel bin ich scharf. Zeuge: Ja. Die Stiefel wurden dann auch heraufgebracht und unter das Regal gestellt. Als ich abends noch einmal in die Kanzlei kam, war alles fort, bis auf die Stiefel. Vors.: Ja, es haben sich Liebhaber für die Sachen gefunden. (Heiterkeit.) Haben Sie nun auch Lebten, Levine-Nissen und Axelrod im Gymbasium gesehen? Zeuge: Am LS. April fand im Naturkundenmuseum,. eint Gehetmsipnng)",V i statt, an der Ledien. E g l h o f e r. Sei Ä«nd«Kt Sem Levien ähnlich sehender Mann teilnahmen, der Levine-Nissen ge- Wesen sein kamt. In der Nacht find dann die beiden und ei» dritter fremder Herr nochmals dagewesen, um sich die Geiseln anzusehen. Auf diese Bekundungen richtet Rechtsanwalt Liebknecht ein« Reihe von Fragen an den Zeugen, ob er sich auch genau der einzelnen Per- sönlichkeiten besinnen könne, was der Zeuge bejaht. Rechtsanwalt Löwenfebd erinnert an die Aussagen des Vorzeugen, daß man vom Fenster gerufen habe, die Geiseln müßten erschossen werden. Ob nicht hinzugefügt worden sei:„Die Soldaten haben das einstimmig beschlossen." Es könne doch also wohl nicht gut von einem Befehl des Oberkommandos gesprochen worden sein. Weiter fragt er den Zeugen, ob der Prinz Thurn und Taxis in dem Augenbsick ferner nochmaligen Vorführung wohl noch zu-crten gewesen wäre. Der Zeuge bejOveiselt dies, da die Soldaten immer aufgeregter geworden wären. Der Angeklagte Seidl erklärt, er habe von der Pank 80 000 M. mitgebracht, weil an jenem Tage arich die Truppen von der Dachauer Front im Gymnasium geliihnl werden sollten. Der Zeuge bestätigt dies, fiigt jedoch hinzu, daß dieser Befehl schon wieder zurückgenommen worden war und die Auszahlung von an- derer Stelle erfolgte, nicht von Seidl. Vorsitzender. Wo also die 60000 M. geblieben sind, wissen Sie auch jetzt noch nicht? Zeuge: Nein. Vors.: Wir auch nicht. iHeiterkeit.) Zeuge Polier Teufel war fünf Tage lang Rotgardist im Gymnasium. Auch er wurde zu keinöm Dienst angehalten und ging deshalb im Hause umher, wo er am 30. April vormittags plötzlich auf dem Hof neben dem Aschenkasten die Leiche» der beide» Weißgardisten entdeckte. Sw waren mit Holzwolle zugedeckt. Beim Löhnungsappell erzählte ihm dann Ha s s« l m a n n, der einen Zettel m der Hand trug, daß nachmittags 10 Geiseln erschossen werden würden. Der Zeuge will dann seinen Kameraden klarzumachen versucht haben, daß di» Geiseln keime Schuld gehabt hätten und ist dann auZ der Kaserne fortgelaufen. Er hörte noch die Schüsse fallen, sah beim lieber- schreiten des Hofes einen Offizier, der gerade an die'Wand gestellt wurde. Er hörte auch, daß Haußmann das Kommando zum Schießen gab. Vors.: Haben sich nicht auch noch verschiedene andere Ihrer Käme- reden für die Geiseln verwendet? Zeuge: Ja. aber da hieß es: Nur ruhig, sonst kommt Ihr auch noch an die Wand. Man wollte vor allem die Gräfin Westarp frei haben, die einzige Frau unter den Geiseln. Als sie niedergeschossen war, wurde dem Zeugen übel, er sah aber noch, wie zwei Soldaten dem Offizier di« Stiefel ans- zagen und hat auch»die Roheiten gegenüber Professor Borger bc- obachtet. Auch dieser Zeug? gibt schließlich der Meinung Ausdruck, daß bei weitem nicht alle Mitschuldigen auf der Anklagebank säße». So vor allem ein gewisser Heini, ein Mann, der ein volles rundes Gesicht hat und eine Warze aus der Backe. Vors.: Den Herrn dürsten wir auch noch finden. StaKtvererSnetenverfammlung. Tribünenkonzert der Miilchhändler. Betreffend Wohnreifmachung unbenutzter Räume bemerkt Oberbürgermeister Wermuth: Unser Ausruf zur frei- willigen Meldung abzutretender Wohnräume hat kein befrie- digendes Ergebnis gehabt. Wir wollen nun alle unbe- wohnten Wobmungen sowrc alle entbehrlichen Räume bowohntcr Wohnungen heranziehen. Auch vor der Zustimmung des Mieteinigungsamtes sollen jetzt Leute in-die für sie bestimmten Räume oingemietet werden können. Betreffs der Kricgsgesellschaf- ton haben wir wohl die Befugnis, sie anderswo unterzubringen. aber ans di« Straße können wir sie nicht setzen, wcnnjrnr uns nicht arg die Finger verbrennen wollen. Ter Staat hat die Pflicht, die Kriegsgesellschaften anderswo unterzubringen. Wir sind daher wegen ihrer Verlegung in die Kasernen und Schlösser bei den zuständigen Behörden vorstellig gewordeti.(Beifall.) Dr. Weinberginze, beide Angestellte beim Magistrat Neukölln, erhalten zu haken Dem Straßenhändler sei diese Seife schließlich beschlagnahmt worden. Der Magisttatsdirektor Rein sei krampfhaft bemüht, die Vorgänge abzuschwächen und zu vertuschen. Man habe zu der stattfindenden Sitzung den M a g i- straf eingeladen. SDer Stadtrat Mier, dessen einwandfreie Haltung man anerkennen müsse, sei jedoch«ruf Urlaub und der Stadttat Rein habe sich entschuldigt. ES fanden dann noch SBesprechungen über die Mittel statt, die man zur Linderung der Wohnungsnot in Neukölln ergreifen solle. HeklereS JnlanbSmehl dürfte eS erst Mitte Oktober geben. Dann dürfte es auch wieder.legitime" Schrippen geben. Gefährliches Spiel. In den Kreisen des LebenSmittelhandels wird für einen Proteststreik gegen ZwangSbcwirtschaftung und Kommunalisierung Stimmung gemacht. Die Geschäfte sollen einen Tag von 10—4 Uhr geschlossen bleibek. Wenn man das dorber weiß, richtet man sich zwar darauf ein. Aver die Händler müsien nachdrücklich vor einer solch völlig nutzlosen Demonstration gewarnt werden, die nur die bestehende Erregung vergrößern kann. Ganz weiß ist ja das Konto mancher Händler gegenüber der Bevölkerung auch nicht. Also— halbe Kraft! Die Eltern schwächlicher und gesundheitlich gefährdeter Kinder weist der Berliner Magistrat erneul darauf hin, daß auch nach Schluß der großen Ferien die städtischen AußenSpielplätze Blankenfelde I und II, Buch, Wartenberg und Wuhlheide geöffnet bleiben. Daselbst soll 10000 Kindern, denen ein Landaufenthalt nickt ge« währt werden konnte, bis zum 20. September Gelegenheit zur Kräftigung ihrer Gesundheit geboten werden. Die Schulen sind angewiesen, bei der Beurteilung der nnterrichllichen Leistungen der hier in Frage kommenden Kinder nach Möglichkeit nachsichtig zu verfahren. Die Verpflegung konnte wesentlich verbessert werden. Es wäre daher bedauerlich, wenn die jetzt reichlich zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel, die wiederholt durch beträchtliche Zuwendungen deS dänischen, schwedischen und englischen Roten Kreuzes vermehrt worden sind, nicht auch in vollem Maße eine ihrer Bestimmung entsprechende Verwendung fänden. Wo die den Schulen Überwiesenen AnsweiSkarten vergriffen sind, genügt für die Zulaffung eine vom Schulleiter unterzeichnete und mit dem Schulstempel versehene schriftliche Erklärung, daß das Kind bis zum Ende des Erbolungsaufenthalts beurlaubt ist. Auch die nach den städtischen Spielplätzen Grunewald, Hobenschönhausen und Plänterwald gerichteten Halbtagsausflllge sollen bis zum 20. September unternommen werden an jedem Dienstag, Donners- tag und Sonnabend nachmittag von den durch die Schulen bekannt« gegebenes Schulhöfen auS. Jedes Berliner Schulkind darf sich ohne vorherige Anmeldung daran beteiligen nnd erhält auf dem Spiel- platze eine Suppe. „Lohnabbau bei der Heeresverwaltung." Zu diesem Artikel vom 16. August teilt der Magistrat mit, daß die kaufmännische Ab- teilung deS städtischen Arbeitsnachweises Arbeitslos« niemal» mit der Androhung der Entziehung der Erwerbslosenunterstützung zum Eintritt in die Reichswehr veranlaßt hat. Die kaufmännische Ab- teilung des städtischen Arbeitsnachweises weist Schreiberstellen bei der Heeresverwaltung nach, fragt jedoch in ollen Fällen vorder die Bewerber, ob fie bereit sind, in einem militärischen Bureau Arbeit anzunebmen. Die Ablehnung zieht beim Arbeitsnachweis nach« teilige Folgen»ür den Erwerbslosen nicht noch sich. Für Waffen- oder Wachdienst werden vom städtischen Arbeitsnachweis grund- sätzlich keine Kräfte vermittelt. Papierbriketts find«in vorzügliches Hilfsmittel zur Kohlen- ersparnis, und jede Hausfrau sollte sich einen möglichst reichlichen Vorrat davon anlegen. Aller Papierlorbinhalt, Zeitungen und Makulatur wird« Wäger«iogeweicht und dann zu faustgroßen Klumpen auSgewunden. Diese läßt man auf dem HauSboden oder sonst einem lustigen Ort trocknen und verfeueit sie zwischen Kohlen« briketis. Auch Gas lann durch Papierbriketts gespart werden, wenn man Kleinigkeiten, anstatt auf dem Gaskocher, auf dem Herd mit ihnen zubereilet. Jugendweihe 1919 Berlin, Lehrervereinshaus, Alexanderplatz, Sonntag, 21. September, 11 Uhr. Vorbesprechung: Donners- tag, 13. d., 3 Uhr, Lehrervereinshaus. Einlaßkarten Vorwärtssped. Joieph, Wilhelmsbavener Str. 48, Mars, Greifenhagcner Str. 23, Bvbm, Lausitzer Platz, Höhnisch, Müllerstr. 64a, Herbert Wollstein, Lietzmannslr. 6, Viktor Haß, Harzer Slr. 117.— In Lichtenberg: Cäcilien-Lyzeum, Rathausstraße, Sonntag. 21. d., 11 Ubr, Vorbesprechung: Donnerstag. 18. d.. 4 Ubr. Ernlaßkarten bei Täubert, Scharnweberstr. 52. Ardt.Skandinavische Str. 2. Seite!, Marien- bergstr. 1.— Neukölln. Realschule Boddinslraße. Sonntag, 23. Sep- tcmber, 11 Uhr. Vorbesprechung: Freitag, 26. September, nachmittags 4 Uhr, Realschule Boddinstraße. Einlaßkarten ab 16. September bei: Rohr, Britz, Siegfriedstr. 20/29, Heinrich, Neckarstt. 2 und Viktor Haß, Harzer Str. 117. Die Arbeiterwochenkarten können bei dem unregelmäßigen Ar- beiten der Fabriken, die infolge des Kohlenmangels an einzelnen Tagen der Woche stilliegen, von den Wochenkarteninhabern nicht voll ausgenutzt werden. Daher macht die Eisenbahndirektton Berlin darauf aufmerksam, daß die aus diesem Grunde unterbliebenen Fahrten zur Arbeitsstelle innerhalb der 14 tag igen Gel- tungsdauer nachgeholt werden können. Siebe« Familie« obdachlos. Durch einen größeren Brand in Lichtenberg sind steben Familien gezwungen worden, wegen Ein- sturzgefahr ihr« Wohnungen schleunigst zu räumen und bei anderen Familien Unterkunft zu suchen. De« Bräutigam und sich selbst erschossen bat in der Jüdenstraße eine Dame aus Koltbus angeblich aus Familienzwistigkeiten. Uebcrfahren nnd getötet wurde eine unbekannte Frau am Donnerstag vormittag vor dem Hause Königsberger Straße 33 von einer elektrischen Straßenbahn. Eine zweike Frau erlitt beim Plätten infolge Explosion einer Spiritusflasche ni der Invaliden- straße 138 lebensgefährliche Verletzungen. Sie dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. Der Schwindler im Milititranto, über den wir im letzten Abendblatt berichteten, ist in der Person des Kaufmanns Peter Pelzer vor zwei Tagen in Düsseldorf auf Betreiben eines seiner Opfer verhaftet worden. Die größte Wettzentrale Berlins wurde von der Kriminal- Polizei in der Mittelstraße ausgehoben. Auf dem Grundstück Nr. 23 tat sich in den Räumen des Erdgeschosses am Hof vor einiger Zeit ein„Im- und Exportgeschäft Baumert u. Co." auf. Die Inhaber, Kaufleute namens Kurt Baumert, Arnold Wachs- mann und Baron Robert von Trüt schier, füllten die großen Räume mit Schreibtischen, Fernsprechanlagen usw. und entwickelten bald einen regen SBettieb, der jedoch ebensobald die Aufmerksamkeit der Kriminalpolizei erregte. Baumert u. Co. betrieben in Wirkljch- keft eine flottgehende Buchmacherzentrale mit mehreren Zweigstellen in verschiedenen Stadtteilen und Agenten auf den Rennbahnen selbst. So wurden an den großen Renntagen Wetten über 700- bis 800 000 M. abgeschlossen. An einem Hauptgeschäftstage beschlagnahmten SBeamie des Spielerdezernats einen ganzen Koffer voll Weitzettel, die noch der Abrechnung harr- ten. Auf ein Pferd waren Wetten über 70-, 90- und mehr tausend Mark getätigt worden. Die große Zentrale und ebenso ihre Zweig- stellen wurden geschloffen, gegen die Unternehmer wegen gewerbs- mäßigen Glücksspiels das Sttafverfahren eingelegt. Auch in e'ner Schankwirfschaft an der Ecke der Brunnen- und Usedomstraße und' in einem Zigarrenladen in der Prinzenstraße wurden Wettbureaus ausgehoben, SWettzettel Gelder usw. beschlagnahmt. Große Einbrüche. Hohe Belohnungen. Für 100 000 Mark Pelze und PePz mäntel erbeuteten Geschäftseinbrecher in der vergangenen Nacht in dem Pelzwarengeschäft von Wilhelm Reinicke in der Neuen Friedrichstraße 9/10 für 80 000 Mark Seiden- mäntel und Jacken, sowie Seidenstoffe bei der Firma Hoch- stein u. Berger in der Kronenstraße 27 und für 36000 Mark Seidenkleider, Blusen usw. bei der Firma Iwan Fritzler in der Lindenstraße 62. Für die Wiederbeschaffung des gestohlenen Gutes find 10 Proz. des Wertes als Belohnung aus- gesetzt. Mitteilungen sind an Kriminalkommissar Hoppe im Ber- liner Polizeipräsidium zu richten. Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene Dentfchöstcrreichs. Fn nächster Zeit werden Eure Ansprüche durch«ine Kommission aus Oesterreich hier festgestellt. Alle diejenigen, welche bis jetzt ihr Recht noch nicht gefunden und Ansprüche zu stellen haben, werden gebeten, ihre Adresse einzureichen an Jakob Tannenbaum. 80, Britzer Str. 21, Vorfitzender der ösierrelchlkchen Sektion des Reichsbundcs der Kriegsbeschädigten und Kriegs- Hinterbliebenen. Tie Soziale Arbeitsgemeinschaft Berlin-Ost hält ihre diesjährig« Arbeilskonserenz vom 1s. bis 19. September in den Räumen des Ost- bahnbojes. Äüftriner Platz, ab. TaS Gejamtthema lautet: Der Neuaujbau des Volislebens. Als Redner baben u. a. zugesagt: Unterstaatsielretär a. D. Möllendorss, Pfarrer Lie Dr. F. Ritteimcner. Herr Max Giunwald, Herr von Bismarck-Jarchlin. Gertrud Prellwitz und Ferdinand Goebel. Die SEeilnabrne an den Vormittags, und NachmitlagSvcrsammlungcn ist nur möglich aus Grund von Teilnehmerkarten, die iür 5 M. bei der Geschäfts- stelle der Sozialen Arbettsgememschajt, Berlin ll 17, Fruchlstr. KZ(Post- scheckkonlo Berlin Nr. 34798) erhältlich find. Don dort aus sind auch Pro« gramme zu bezichen. Die Abendoersammlungen find öfjcntlich. Arbeiter- ffkadfahrerverein„Graß- Berlin«. Sonntag: Früh, 7 Uhr, neue Mühle, bei Riedel; 1 Uhr: Eich walde, Wichetts Gesellschafts- Haus. Statt Wariannenplatz. Tie Erschießung eines Gedärmen bei Lübben hat durch die Feststellung der Berliner Kriminalpolizei insoweit eine Aufllärung gefunden, als es dieser gelungen ist, die Person des flüchtigen Mör- Gewlnn-AiiszBE der 14 Prenss.-Sfldd.(240. Preuss.) Klassen-Lotterie 3 Klas.«e• r. ZictungEtag 11. September 19H (Ohne Gewähr J(Nachfirack verbotenj [1-c Je«* ffe-ort** K*ai*if r«1*d«wel gieleh hob* ttawlnn*«efaDe*. u« zwar J*»iaw tat dl« Im« gl«ieb«r Xuuaw In dn bald» abuncmzM I nd U In der Vormitiagsziehnog wurden Gewinne über HA Mark gezogen, 2 Gewinne zu 10000 M 161220 2 Gewinne zu 5000 M 10955 2 Gewinne ru 3000 M 183301, 6 Gewinne ru 1000 M 68525 119138 142929 8 Gewinne zu 500 M 74437 142352 145734 203050 23 Gewinne rn 400 M 5721 10741 30285 82932 127714 140751 142573 184105 175407 189634 212988 220807 221873 222840 60 Gewinne rn 300 M 045 2036 3281 11669 18858 42280 49564 84536 54780 54909 66379 70651 76504 87287 103416 113053 114064 144574 116307 138110 164036" 176388 177781 185033 185603 192361 196688 207143 213358 217626 In der yachmittagrriebnng wurden Gewinne Uber 144 Mark gezogen, 2 Gewinne zu 75000 M 113015 2 Gewinne ru 15000 M 121471 4 Gewinne ru 3000 M 111615 158184 2 Gewinno ru 1000 M 45215 20 Gewinne ru 500 M 9 4879 104718 115573 118441 121866 132154 166412 179437 191628 207472 20 Gewinne m 400 At 19738 19345 29864 59970 119084 1 7ni ao 122228 137999 195420 215381 84 Gewinne zu 300 UM 6206 8694 8995 10624 10806 12298 16671 18370 18837 13233 26707 33338 64777 60786 62334 62624 68041 7005» 76839 77298 89130 93306 95223 98035 101410 114174 148504 146935 150164 155783 161164 183364 172739 179968 18C971 183470 znoiyw jmjm saaws swaoi äuk» 213189* 1804 8 i stellen. Er war im Januar d. I. b«t KöMgSwusterhausen mrt semem Bruder und den Gebrüdern LewandowZki abgefaßt worden, als sie DrebeSbeute wegschaffen wollten. Auch hier befreiten sich die Verbrecher, die bis auf Drewnick all« festgenommen werden konnten, zunächst dadurch, daß sie die SicherheitSsoldateu niederschössen und entflohen., Wilmersdorf. Eine kleine HauSfiedlung bekommt nun auch unsere Stadt. Es hat sich aus Siedlungslustige.i eine gemeinnützige Aktiengesellschaft gegründet, welcher die Stadt ein Grundstück zu billigem Preise gibt; sie sichert sich in der Gesellschaft dauernd die Mehrheit. Die Vorlage wurde von der Stadtverordnetenversamm- lung angenommen; mit dem Bau wird noch in diesem Monat be- gönnen werden.— Die Bewilligung von Mitteln für die Ein- wohnerwehr führte zu heftigen Debatten. Auch unsere Fraktion sprach sich dagegen aus, weil nach der Schaffung der Reichswehr die Voraussetzung für eine Einwohnerwehr nicht mehr gegeben sei. Im übrigen soll die Polizei ausgebaut werden. Die Vorlage wurde gegen die Stimmen der beiden sozialdemokratischen Fraktionen angenommen. -s Stegkkb. vis morgen 250 g ausländisch« Hülsenfrüchf« WO Haferflocken, lose, 250 g Graupen(76), ESO g amcrik. Maismehl(77). Grsg-Serllner Partewachrichten. Sezirksbilüungsausschuß Groß-öerlin(S. p. v.). Sonntag, den 14. d. M., 10 Uhr, im Jugendheim, Lindenstr. S: Konferenz der Bildungsausfchüffe Groß-Berlin. Wir ersuchen die Bildungsausschüsse und die örtlichen Partei- vereine Vertreter zu entsenden. Die Mandate find vom BUdungS« ausschuß bezw. den Parteivereinen auszustellen. I.A.: Bennewitz. » Um den einzelnen BikdungSauSschtilsen und Parteileitung«« bei der Veranstaltung künstlerischer Abend« Richtlinien zu geben, veranstaltet der BezirksbildunaSausschuß einige Volks- k u n st a b e n d e als Musterbeispiele. Der erste Abend findet am Sonnabend, den 20. d., 8 Uhr, in der Aula Elisabethstr. 57/58 statt. Es ist ein Akk! wirkend«: Herr Dr. Alfred Entmann(Voriragi, FrihtWn Tilly Else Pieschel(Lieder zur Laute), Herr Emil Kühn«(Rezitation). Die �.-onpslla-Vereinigung des Berliner Volkschor«. Eintrittstarten 1 M. ab Montag im Sekretariat des VildungSau'schusseZ, Linden- straße ö, 2. Hof, IV r., und bei den BildungSauSschüssen refpeltiv« Parteifunktionären erhältlich._ Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehre« rinnen. Sitzung morgen Sonnabend 4 Uhr im Jugendheim, Linden- straße 3. Wichtige Tagesordnung ersordett Erscheinen aller Mitglieder. Nur diese und Parteigenossen, die vor Eröffnung der Versammlung ihren Beitritt erklären, haben Zutritt.' Jugenüveranftaltunsen. SharlottenSnrg. Heut« ll£ Uhr, Jugendheim, Rostnenstr. 4: vor« trag:.Einsegnung oder Jugendweihe?' Treptow. Bäumschulenweg. Heute abend ilß Uhr> Wichtige Mit« gliederversammlung. Wriszensee. Hinte abend Uhr: Vortrag: Di« Geschichte der Jngendbewegung. Warum sind Me! s„Sehlaje pa!ent"-Iikl VroiZulkivWassesslhost ffit MM- vvil Solz- ueomeitunfl c. 6, mö, ö. ♦ SMnlße si. Einladung- «ett ZS wahren so beliebt aml xesscbt? Wt»U ei»«ll.«faulrea«Ind. welche«Ich Im praktischen Gebranch groBartlg bewlhrt haben ond weil*ta der heutigen Wohnungsnot am billigsten und sichersten abhellen.— Illustrierte Preisliste gratis und franko. R. JAEKEL s Patent Hobel Fabrik, zur Generalversammlung Bei- Wir laden unsere DeNossen zum vlenakaa, de« 16. Sep- M hmlliags 2 Ahr, im Eixungssaaie de» Herren- Tagesordnung wird dort bekanntgegeben." Irills. Quittung ist als Legitimation mitzubringen. Arbeitern des Aorps-Nachrichten-Park» ist nach G-legenheii der Versammlung ihren Beitritt zu den alten lember, nachiuitlags 2 Ahr, Hauses ein.—*■----- gegeben, vor Bedingungen zu betätigen. Der Vorstasd. A. Ritzer. R-inhold._ WsstTta 8866b Treireligiöse gemeinde «BS Am Sonntag, den 14. Sept. nachm. 3 Uhr, Im Festsaal{ des Bert. Stadthauses, Klosterstr� Ecke Stralaucr Str. i{ Geßentlicbe Versammlung. Thema: Warum und wie trennen wir Staat H. Kirche. I Rcierent: Adolf Holfmann. Nach dam Vortrag Diskussion. Eintrittspreis 10 PI.{ 53/5 Der Elnberuler: A. Barndt.| Bund der Frontkameraden Ortsgruppe Bcrli«. viraah»U. den 10. Seplambtt, t Ah« ohanha, in Öcn.(Secmania- Sdlaa", Shauhaapraha t Mitglieder oVersammlung. Auch Nichtmitglieder haben Antritt. Zeder Deutsche der gewillt ist, am Aufbetu des Daierionde» mitzuarbeiten, ist willlommen. �I�evciceoe�� KMkilndok fiällunx 17. Einschnitt Febr. 18, nicht verstockt, gute Spessart-Qualität, Haupts, aus Erd- und Mittelstämmen erzeugt, 26 65 70 80 mm starte 200 200 100 100 cbm- etwas Zwischenmasse vorhanden pro cbm M. 260,~ Desgl. sofort lieferbar: 200 cbm 25—140 mm starte alles ab Station in Hessen. Vertreter kommt iieser Tage n. Bertin. Qefl. 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AmPlüBebtlenschcl Kapelle: Mucdi Meumann. Maa Marzelli Rain«». Posuna Faul fiorRdlnl Manul TlachUr Frlt* Berlar K/trl fitdhr Am HlUdel; iiujsaw e Künstl. Leilg.: Ileittzius\ Kapelle: Ebener bOI.»Uj»'i,"e, V-JC-'. PtMiS-, ibtlfl.«. WM 1. 0. SWMll Sft. «m Dleaetaz, 16.«eptsmbet,»/.» Uhrt Zum 2��» Male: Ksmersösn ttzmödik in 4 Aken von Rnztist Strlndberg. - Hauptdarsteller:- Maria Dtsfa,«Iftrb Abel, Julius Brandt, Frleba Vltchard, tBrete Diercke, Heinz©tieba, Äutt Ratsch, 186« I. Wache 1 3. Wocke! Voctaraeleverl Inger II DleleMeTste bchauspiei von R. Wlene mit Schonel�era f$aizptstr.yo/Sl 1 KriKTnnng hente 6 Uhr! ü�yscH Drama in 5 Akten nach Strlndberg mit Asta Nielsen und Alfred Abel. Regie: Ernst l.ublicch. Vorverkauf von 11—2 Uhr«n der Kasse. UPI,— UJ Jl!», a •Tfl ypotJdflmerJ,J[r72| l.focJtbahn BuLov-rid Heute Untufführnns; Heute FernAndra. Gebannt und erlöst.6 Akte. Fern Undrs DeisünlEcii anwesentl. R, ßifebraen MäanL Hauptrolle; Paul Bildt Wochentags»�7. 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Bew.ebuitgelchrelben mit Ledenelauf ttnd lu-zer Dar» lemtnz der disberigrn Tätigleit in der Ardkiterdrmegnng sind die spülcfkenr, SievslW. des IS. SÄN 1819 an UN» einzureichen, 34/18 Verband der Gemeinde- und StaaiSarbeitcr Ort-Z�nrwalwno Grotz-Verlin 80 16, Sngelnker 14. Sozialdemotrntifcher Verein Köln. Wir suchen zum möglichst baldigen Antritt einen Parteisekretär mit agitatorischer und erganisct»rischer VesZHIgnng, der auch die©rfnimm» für die Vertvaüttna eines großen Sleretns <21«X, üTtgiieder) bejikt. Rur erste Kräfte wollen sich melden, Äehalt ttaöi den Vedfngungen de» Vereine„Arbeitcrpreise" mit entsprechenden Teuerungeznlagen. Veweidungen werden erdeten bis zum 17, September an das©ozialdem.tcatische Vartetsclretaciat w ftäln, Ceoetin. jreaste 1*7/99._ 28.H 'MMMM m ßeWWe» gesucht. Der Verlag„BülfstolH«" in Selsensirchen smehrfieite- sozialistisches Degan) sticht»»m 1. Oftoder einen Lokal- � reitaftenr mit guten Irnimunalpolitifchen Kenntnissen. 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