Ztr. 469. S6.Iahrg. Abend-Ausgabe. t frei bu Hau» mtoos �chldar.®»f� begug; M-uatlich V- Mi.«Jß. 8» ftrllungagedllhr. Uuttrfttaqbonb fttt 9eut(d)laab uut vrftrrrrtch-llugar» SS M. fltr da« Ukn«,»u.laud ISL» M, d«i Kg lich eiumal. gubrürma K S Mi. Pofibeftellilngrn nehme» an Dänemari, Hslland. kuxemhurg, Schweden u. die Schwei». ElNgerrageu in dt« Paft-geweage�reielrft». Der.Borwirt»' mit der Sonntag» deiloge.Boll a. gsit- erfchetut Woche» täglich zwetmai. Sonntag» einmal. Delegramw�ldreft«: .Sozialdemokrat Bar«»«». V � �-rW» Verlinev VolKsblatt. ( 15 Pfennig} *Oijet||eB»nm# i Ott«htgefpalten« Ztonpareille�N, MW usoaa. �»lei»»«»zeigen-, da» fettgedruckt» Sort SO Pig.(»u lässig » fettgedruckte Sorte), fede»«eitere Wart« Bf». Stellengesuch» und Schlafftellenangeigea da» erst««ort III Pfg. fede» weiter« Wort»> Big. wort, sider ld Buchstaben zählen für zwei Wort». Teuerung»zusch!ag SCif Familie»»«lnzetgen. politisch» und gewerkschaftlich«»«rein--«lnzeige» ISO Mi. die geil». Anzeige» für die Nächste Nummer müssen bi, 8»ha nachmittag» tan Hauptgeschäft. Berlin SS Mb Linden strasi»«, abgegeben »edssnet oo» 9 Uhr früh bi» » Uhr abend». �entvalorgan der fozialdcmokratird�en Partei Deutfchlanda. Reöaktioo und Expeült Fernsprecher: Amt Morl >n: SV). SS, Linüenstr. Z. platz, Str. 151 90— 15197. Sonnabend, den IB. September 1919. vorwärts-verlag S.m.d. H., SV. 66, tinüenstr.2. Fernsprecher: Amt Marttzplatz. Str. 117 68— 64. Zentrum und Gberfthlesien. kommissariat als Einrichtung abfinden könne, allerdings unter Voraussetzung, daß es sich strikte beschränkt aus die Der Parteitag der oberschlesischen Zentrumspartei, der in Kandrzin stattfand, hat sich ausführlich mit der ober- schlesischen Angelegenheit befaßt. Das Hauptreferat hatte Pfarrer ll l i tz k a. Mitglied der deutschen Nationalvcrsamm- lung. Er forderte eine weitgehende tatsächliche Selb- ständigkeit, weil man Sicherungen haben wolle, gerechte und verständnisvolle Behandlung der polnisch und mährisch sprechenden Volksteile durch katholische, mit der Sprache und den Gefühlen des polnischen Volkes vertraute Beamte. Die Sicherheit gewährleistet der geforderte Bundesstaat Ober- s ch l e s i e n. Folgende Entschließung wurde einstimmig angenommen: Angesichts der im Friedensvertrag vorgesehenen A b- st i m m u n g, durch welche die oberschlestsche Bevölkerung ihr politisches Schicksal selbst entscheiden soll, empfehlen wir unseren Parteifreunden, offen dafür einzutreten, daß Ober- schlesien nicht von Deutschland getrennt werde, dabei aber nach wie vor diejenige Selbständigkeit zu fordern und zu erstreben, welche die vollkommenste Ge-, währ dafür bietet, daß die Bedürfnisse und gerechten Wünsche der oberschlesischen Bevölkerung, insbesondere in allen Fragen der Kirche und der S ch u l e, der Muttersprache und der Besetzung der B e a m t e n st e l l e n in geeigneten Vertretern aus allen Schichten der Bevölkerung erfüllt werden. Zur Frage des oberschlesischen Staatskommissar i- a t s wurde festgestellt, daß man sich mit dem Staats- »MU. Ei'-■ m der Schlichtung von wirtschaftlichen und sozialen Kämpfen und die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung un Lande._ Die wiener Kohlennot. Der Oberbürgermeister von Wien erklärte, daß, falls die Nirch. barstaatrn keine Kohlen nach Wie« sende«, eine Kataftraphr im Winter«avermeidlich wäre. Di« Lersorgnng Wiens mit Holz würde die Wälder und somit die Gesundheit der Bevölkerung außerordentlich schädigen. Die ungarische Gegenrevolution. Bern, IS. September. sEigeuen DrahtberScht de»„Bor- wärts".) Die Budapester„ReS Publica" empfängt wichtige Reuig- ketten über die ungarische Gegenrevolution, die immer gewaltsamere Formen annimmt. Tausende sozialistischer Grnoffcn wurden eingekerkert. Sie werde« ohne Nahrung in kleinen Zellen zurückgehalten, und man läßt sie vor Humger sterbe«. Die»nga. rischr Kommuni st enrevolntio« war nicht eine derartige Orgie von Blut und Grausamkeiten, al» sie ihre eigene Berteidi. gung betrieb. Sie hat niemals in einem halben Jahr s« viele Opfer grguält und in wenige« Tagen so viel B erbreche« gehäuft wie die Gegenrepolutio» der Entente. Italienische Sozialisten habe« eine« lebhafte« Pro- test gegen die Gewalttaten erlalse«, die von de» �vefreier« de» Proletariats" gegen dieses verübt werde». Enttäuschung der Tschechoslowaken. DaS tschechoslowakische Pressebureau meldet: Die Pariser Meldung über die Enlscheidung über die Teschener Frage rief allgemeine Enttäuschung und Bewegung hervor. Die tschechische Prefle betont die Notwendigkeit. Ruhe und Ernst zu bewahren. Die Regierung möge auch weiterhin in Paris an der Erhaltung de« Teschener Gebiete» arbeiten. Der tschechoslowakische Nationalrat bereitet ein Manifest an das BoU vor._ Ein Protest Montenegros. Die montenegrinische Regirrung richtete au die Friedens. k o« f e r« n, und a« die Regierungen der Großmächte einen Protest wegen der Nichtheranziehung Montenegro« zur Unterzeichnung des österreichischen Frieden«. »ertrage«, obgleich sich M» n t r u r g r» von Anfang an frei- willig«»f Seite der Alliierte» gestellt»nd«rhr als 4« Proz. seiner Soldaten, über ei» Drittel seiner Bevöllrrnng und schließlich seine «ie angetastete Freiheit verloren habe. Montenegro bittet die Regierungen der Großmächte, einzuschreiten, damit der Berlehung der Ehre Montenegros unter Wahrung seiner gesamten er- »orbencn Rechte Einhalt getan wird. -Ein Mißverständnis�. Wilson hielt In Montan eine Red«, in der er eS als ein Miß- Verständnis bezeichnet, daß man den Vertrag mit Deutsch. la n d lediglich als einen solchen betrachte. Dieser Vertrag umfaßt tatsächlich alle Angelegenheiten der W e l t p o l i t'' Regierung und Ententrnote. Di« Regierung wird ihre Stellungnahme zu der neuen Ententenote vor dem Ausschuß der Nationalversammlung, der am kommenden Dienstag in Berlin zusammentritt, darlegen. Zur ftrbeiterausweisung aus üem Elsaß. Lörrach, 13. September. sEigeuer Drahtbericht des „Vorwärts".) Zur Besprechung der Frage der Ausweisung deutscher Arbeiter aus Elf saß-Lothriugeu und der Einberufung elsaß- lothringischer Rekruten hat Generalkommissar M i l l e r a n d Vertreter der sozialdemo kratischeu Gewerkschaften, de» landwirtschaft l i ch e» Gewerbes sowie der Industrie auf Sonnabend nach Straßburg eingeladen. Die Ausweisung deutscher Arbeiter wird vorläufig wahrscheinlich aufgehoben werden. Der EiübernfnngStermia für die Rekruten dürfte der» schoben»erden._ Streik üer pariser Arbeiter. (Eigener Drahtbericht des„Lorwärt§'.) Kopenhagen, 13. September. I« de» Städten der Nm- gcbnng von Paris droht eine Arbeitseinstellung der städtischen Arbeiter. Die W a s s e r w« r k s a r b eit er im Seine» Departement habe« de» Streik erklärt«nd«an fürchtet, daß die Arbeiter auf den andere« städtischen Werken sich anschließen werden. I» Marseille besteht ein ernster SrewanuSstreit. Sämtliche großen Dampfer liegen still. Der Streit hat einen um so ernsteren Charakter, als die vom Staat angeheuerten Seeleut« sich geweigert haben, an Stelle der Streitenden Dienst zu tun, und dir Schiffe»rrlaffen haben._ weitere Pfälzer Kuoügebungen. Außer den Kundgebungen oer Mafienversammlungen in Neu- stadt a.H., Frankenthal und Landau gegen die Ab» sonderungSbestrebungen von kleinen Minderheiten tu der Pfalz ist noch die nachfolgende Entschließung einer Volks- Versammlung in Grünftadt i. d. Pfalz dem Reichspräsidenten zugegangen: Die am Dienstag» den V. September, im Luitpoldsaale zu Grünstadt versammelten mebr al« 1000 Männer und Frauen be- künden einmütig, daß sie auch in der größten Not de« Baterlandes treu zu Bayern und Deutschland stehen und verurteilen aufs schäfte die Treibereien der Landesverräter Haas und Genosien. Seamtenzulagen-- Seamtenrecht. Der StaatShauShaltsauSschuß der Preußischen Landesversammlung setzte die Beratung über die ein- malig« Beihilf«, die den Staatsbeamten, Lehrer» usw. gewährt werden soll, fort. Beschlossen wurde, die StaatSregierung zu ersuchen, den Beamten ein« einmalige BeschaffungS- beih'lfe in Höhe von 600 M. für Ledige, 1000 M. für kinderlos Verheiratete und für jedes Kind 200 M. zu gewähren. Gleichzeitig wird die Staatsregierung ersucht, eben- so eine Vorlag« für die S t a a t s a r b e i t e r einzubringen, die den augenblicklichen Teuerungsverhältnissen Rechnung iragen muß. DeS weiteren beschäftigt« sich der Ausschuß mit der Rechts- lag« der Beamten. Beschlossen wird, die Staatsregierung zu ersuchen, in die Verfassungsurkunde Bestimmungen auf- zunehmen, durch welche die Rechte der Beamten auf Gehalt, Ruhe- geholt und Hinterbliebenenversorgung gewährleistet werden. Mit möglichster Beschleunigung soll der Landesversammlung der Eni- wurf eines Beamtengesetze» vorgelegt werden, daS die Be- amten gegen die Entziehung von Amt und Gin- kommen schützt, die Anstellung der Staatsbeamten auf Lebens- zeit sowie ihren Anspruch auf Ruhegehalt und Hinterbliebenen- Versorgung sichert. Bei jeder Behörde oder Dienststelle, die wenigstens zehn Beamte umfaßt, soll ein BeamtenauSschuh und für jede Provinzialbehörde eine Beamtenkammer vor- geschrieben werden. Ferner soll daS Gesetz bestimmen, daß die B e- nrlaubung von Beamten mit der Maßgabe geregelt wird, daß für die Tauer desselben vornehmlich die Zahl der Lebensjahre maßgebend ist. Den Beamten soll der Eintritt in eine öffentliche Körperschaft gestattet werden, ohne daß er eine« Urlaubes bedarf und Stellvertretungskosten zu tragen hat. Ferner soll da» Gesetz den Beamten da» freie KoalitionS. und Bersamm- l u n g S r« ch t, die Preßfieiheit und Freiheit der poli- tischen Betätigung gewährleisten. Weiter fordert der An- trag eine zeitgemäße Aenderung der bestehenden Gesetze betreffend das Disziplinarvergehen der Beamten. Es soll eine Berufung?- i n st a n z eingeführt und das Wiederaufnahmeverfahren vorgesehen werden. Ferner soll den während deS Krieges be- sonders angestrengten Beamten, Angestellten und Ar- beitern in diesem Jahre ein längerer Urlaub gewährt wer- den. Ferner sollen alle Kriegsbeschädigten, die früher im Dienste de» Staates, der Gemeinden und anderer Selbstverwaltungsorgane gestanden haben, wieder eingestellt werden, soweit eS die dienstlichen Verhältnisse zulassen.— Zum Schluß wird die Reuordnung der Rechtsverhältnisse der Beamte» der SelbstverwaltungS- körperschaften und der Lehrer nach den vorstehenden Grundsätze« gefordert. das Zusatzprotokoll. Du mußt«S dreimal sagen. Zum ersten erklärt die deutsche Verfassung in ihrem Artikel 178, daß die Bestim- mungen des Vertrages von Versailles durch die Verfassung nicht berührt würden. Zum zweiten versicherte die deutsche Regierung in ihrer Note vom 4. September unter Hinweis auf Artikel 178, die Bestimmungen der Verfassung über die Beteiligung Oesterreichs an den Beratungen des Reichsrats sollten so lange außer Kraft bleiben, als nicht der Völker- b u n d seine Zustimmung zum Anschluß erteilt hat. Und jetzt wird zuni dritten also noch ein Zusatzprotokoll zum Friedens- vertrag unterzeichnet und ratifiziert werden, das dasselbe sagt, was im Artikel 178 der Verfassung und in der deutschen Note vom 4. September schon gesagt ist. Man wird nicht nur in Deutschland fragen, ob eS notwendig war, zur Erreichung dieses diplomatischen Nutzeffekts den großen Apparat eines Ultimatums in Bewegung zu setzen und mit einem weiteren VorrückenderEntente- truppen auf deutschem Boden zu drohen. Glaubten die Alliierten noch über den Artikel 178 hinaus weitere Ga- rantien gegen einen eigenmächtigen Zusammenschluß der beiden rein deutschen Staaten Europas notwendig zu haben, so waren diese auf dem Wege einer weniger unsreundlichen Aussprache ohne weiteres zu erreichen. Man stünde vor einem Rätsel, wenn nicht die Pariser Nationalistenpresse unS klar gezeigt hätte, welche Absicht mit jenem Vorstoß verbunden toar. Ihre Haltung ließ uns erkennen, dlfj die weitere Besetzung deutschen Bodens durch Ententetruppen als Mittel nur vorgeschoben, aber als eigcntÜcher Zweck gedacht war. Die Fanatiker der Zertrümmerungstheorie, die jetzt in Paris gegenüber Deutschland so eifrig verfochten wird, wie dieselbe Theorie seinerzeit in Berlin gegenüber Nußland verfochten wurde, wollten nicht locker lassen. Sw suchten einen künst- lichen Konflikt, um für weitere militärische Maßnahmen gegen das wehrlose Teutschland einen Vorwand zu gewinnen. Darum erhoben sie die Forderung, Deutschland müsse zu einer Aenderung der soeben erst vollendeten und vom Reichs- Präsidenten beschworenen Verfassung gezwungen werden. Im Grund« ihres Herzens hegten sie die Hoffnung, daß Deutsch- land auf eine solche demütigende Forderung nicht eingehen und daß dann für die Ausführung ihrer Pläne billige Ge- legcnheit gegeben sein werde. Die e r st e N o t e der Entente, die uns Deutschen ganz überraschend über den Kopf kam, schien denn auch die großen Erwartungen der Zertrümme- rungsspekulanten zu rechtfertigen, ihr unversöhnlich schroffer befehlshaberischer Ton war ja geradezu darauf angelegt, hier- zulande alle Empfindlichkeü zu reizen und das Spiel zum beabsichtigten Erfolg zu führen. In der deutschen Antwort wurden nun die sachlichen Be- denken wegen der Unvereinbarkeit des Artikels 61 Abs. 2 mit dem Friedensvertrag in ruhiger Weise zerstreut, dann aber Obwohl die Angelegenheit mit der bevorstehenden Erklärung dem Wunsche der alliierten und assoziierten Regierungen ent- sprechend erledigt wird, sieht sich die Deutsche Regierung doch noch zu folgenden grundsätzlichen Bemerkungen veranlaßt: Di« Deutsche Regierung hal nach ihrer Ansicht keinen Anlaß dazu gegevcn, daS Verlangen nach Aufklärung vermeintlicher Widersprüche der deutschen Verfassung mit dem Friedensvertrag in einer derarr schroffen Form zu stellen, wie die» in der Note der alliierten und assoziierten Regierungen geschehen ist. Wenn diese Regierungen für den Fall einer Ablehnung ihrer Forderung mit einer AuSdeh- nmig der Besetzung drahe« und sich hierfür auf den Artikel 429 des Friedensvertrages berufen, so muß darauf hingnviesen werden, daß der Friedensvertrag— ganz abgesehen davon, daß die alliierten und assoziierte« Regierungen ihn bisher nicht ratifiziert haben und daher ihre An- spräche vom Rechtsstandpunkte aus überhaupe nicht darauf gründen können— für ein« solche Maßnahme keine Stütze bieten. Der Artikel 429 steht zwar unter gewissen Um- ständen eine lnngeer Dauer, aber keine örtliche Ausdehnung der Be« setzung vor. Die Deutsche Regierung kann daher in der Androhung einer derartigem Maßnahme nur eine« tief bedauerlichen Ge- w a l t a k t sehen. Die Antwortnote der Entente geht auf diesen Schluß der deutschen Erklärung nicht ein, woraus zu schließen ist, daß sie ihm nichts Durchschlagendes entgegenzusetzen hat. Darin liegt ftir das deutsche Volk immer eine gewisse Be- ruhignng. Denn wenn eS in das Belieben des anderen Der- tragSteils gestellt wäre, unter irgendeinem Vonrnnd in deutsches Gebiet militärisch weiter einzudringen, so wäre damit der Zustand der Rechtlosigkeit für das deutsche Volk auf die Spitze getrieben. Deutschland wäre vollkommen der Willkür seiner Nachbarn ausgesetzt. Wenn die Entente diesen Machtstandpunkt, der mit Reckst überhaupt nichts mehr zu tun hat, nicht aufrechterhalten will, so verstärkt das die Hoffnung, daß es mit der Zeit möglich sein wird, auf dem Wege gegenseitigen Ueberein- kommens aus den gegenwärtigen Zuständen heraus über- Haupt zu wirklichen iuteruatisnalen Rechts- zuständen zu gelange». Einen positiven Wert enthalt die Antwortnote der En- tente— trotz der gesuchten Unliebenswürdigkeit ihrer 7orm — auch dadurch, daß noch einmal auf die künftige Möglich- keit einer Vertretung Oesterreichs im deutschen Reichsrat hingewiesen wird und doß an sie nur die schon bekannte Vor- aussetzung geknüpft wird, daß erst der Völkerbunds- rat seine Zustimmung dazu gegeben haben müsse. Auch diese Regelung entspricht nicht den Wünschen jener französi- sehen Gewaltpolitiker, die für alle Zeit den Zusammenschluß der beiden deutschen Staaten verhindern wollen. Verzichten wir also nochmals ausdrücklich auf die nie gehegte Absicht, den Zusammenschluß unter Bruch geschlossener Verträge zu vollziehen, so brauchen wir keineswegs auf die Absicht zu ver- zichten, die Welt durch unermüdliche Wiederholung unserer guten Gründe dem Anschlußgedanken günstig zu stimmen. Daß eine gewisse Sorte von Pariser'Politikern mit diesem Ausgang der Sache nicht zufrieden sein kann, leuchtet ohne weiteres ein. Aber wir möchten fragen, wie lange das französische Volk eS diesen Politikern gestatten will, ihre un- heilvolle Rolle weiter fortzuspielen. Wir möchten fragen:„Ist nun Frieden oder nicht?" Ruhig urteilende Franzosen, gleichviel welcher Partei, werden sich doch sagen müssen, daß es nicht zum Vor- teil ihres Landes sein könnte, wenn sich im deutschen Volk der Glaube befestigte, Frankreich bleibe auch im Frieden der unversöhnliche Erbfeind und Deutschland müsie ständig gegen französische Anschläge auf seinen staatlichen Bestand Schutz bei der nichtfranzöfischen Welt suchen. Man braucht noch lange kein Anhänger einer einseitig verrannten, die Spitze gegen England richtenden„Äontinentalpolitik" sein, um einzusehen, daß für beide Nachbarstaaten, Frankreich und Deutschlmch, ein Verhältnis wünschenswert ist, in dem sie eines dauernden Schiedsrichters in ewigen Streitigkeiten entraten können. Es liegt auch nicht im Interesse Frankreichs, Deutschland immer wieder den Ausspruch des klugen Pertinax im„Echo de Paris" ins Gedächtnis zu hämmern, der Frieden von Ver- sailles habe die Einigkeit der Alliierten für min- destens dreißig Jahre zur Voraussetzung�. Das neue Deutsch- land will keine Politik des Ausspielens der Gegensätze treiben, weil die alte Diplomatie sie zum Unheil der Welt betrieben hat, es hat die ehrliche Absicht, zu allen seinen einstigen (sfegnern in ein gleich gutes Verhältnis zu gelangen und Schutz für seine berechtigten Lebensinteressen nicht bei ein- zelnen Mächten zu suchen, sondern beim erwachenden Rechts- bewußtsein der ganzen Welt. So liegt es im Interesse ganz Europas, daß das Rechtsbewußtsein des französischen Volkes nicht hinter dem anderer Völker zurückbleibt, daß es nicht länger durch die Intrigen unbelehrbarer Gewaltpolitiker ins Irre geführt wird. Hier eröffnet sich für den f r am z ö s i- schen Sozialismus eine große Ausgabe, die von ihrer Lösung noch recht fern ist, die er aber lösen muß im Interesse seines eigenen Vaterlandes, das zu mißachten wir ihm niemals geraten haben, wie in: Interesse der gesamten Menschheit. Nochmals: Mer kommanöiert im Generalkommando Lüttwitz! Zu dieser Notiz teilt das Reichswchrgruppenkommando I mit, daß sowohl die erste Haussuchung wie der zweite Besuch der Zentralstelle für Einigung durch Agenten nicht auf Befehl deS RcichswehrgruppenkommandoS I erfolgt ist. Das Reichs- Wehrgruppenkommando hatte zwar Anordnung zur Neber- w a ch u n g der Zentralstelle gegeben, nicht aber zum Ein- dringen in ihre Räume. Eine Uebcrwachung war wegen des begründeten Verdachts des Vertriebes kommunisti- scher Zeitschriften von dort aus geboten, ein Verdacht, der im übrigen weitere Anhaltspunkte gefunden hat. Wegen der Haussuchung sind die verantwortlichen Persönlichkeiten zur Rechenschaft gezogen. So weit das Reichswehrgruvpenkommando. Wir milsien hierzu bemerken, daß die gegen bte Einigungszentrale erhobene An- schuldigung auf Bertrieb kommunistischer Schriften nur von einer politisch durch und durch unerfahrenen Persönlichkeit ausgehen kann. Die Zentralstelle wird von der großen Masse der K. P. D. wegen des„EinigungSrummelS- scharf bekämpft, und ihre allbekannten Zwecke und Ziele laufen wirklich nicht darauf hinaus, für die K. P. D. Propaganda zu machen. Bei der.Haussuchungbehauptete der unbeauflragte BeichSwehrlunktionär, der Sekretär der Zentralstelle habe kommunistische Schriften in einer vor kurzem abgehaltenen öffentlichen Versammlung, in der Eduard Bernstein referiert«, verkauft. Es braucht kaum hervorgehoben zu werden, daß da« unwahr ist. Wahrscheinlich handelte es fich um einen jener kommunistischen Schriftenkolporienre, die jetzt fast bei keiner öffentlichen Versammlung sehlen. Der ganze Fall legt die Frage nahe, ob denn die Organe, die hier Anordnungen auf.Heber- wachung- erlassen, auch nur die bescheiden st e politische Vorbildung haben, die zur Ausübung solcher Kompetenzen gehört. « Zu der Haussuchung beim Genossen Schlesinger in der Pariser Straße stellt das Oberkommando Noske in einer Erklärung an uns ausdrücklich fest, daß weiter eS selber, noch eine der ihm unterstellenden Stellen Anordnung z« einer Haussuchung in der Wohnung Schlesingers gegeben hat.— Wir nehmen das mit Vergnügen zur Kenntnis, möchten aber gerne wissen, auf we» denn eigentlich die Haussuchung, die zwei» fellos vorgenommen wurde, z u r ückz u führen ist. Habe» hier auch wieder.llnbeauftragte" gehandelt? Remharüs veröienste. Die scharfen Angriffe d-'Z Genossen Scheide mann gegen den Obersten Reinhard haben nochmals die Diskussion über die RiÄ«, die Reinhard in den kritischen Januartagen gespielt hat, in den Vordergrund gerückt. Die rechtsstehende Presse jammert über groben Undank und kann nicht genng Reinhards Verdienste um die Rettung des Vaterlandes hervorheben, und selbst das demokratische„B. T.", das im übrigen Scheidemanns Standpunkt energisch unterstützt, glaubt zugestehen zu müssen, daß Reinhard wohl im Januar Gutes geleistet habe, was ihm aber keinen Frei- brief für ewige Zeiten ausstelle. Wir müssen diese ganze Geschichtslegcnde zerstören. Hier ist schon einmal darauf hingewiesen worden, in welcher höhni» schen und herausfordernden Weife Reinhard im kritisch. sten Moment jede Hilfeleistung für die Regierung ablehnte. Auch in den späteren Tagen, als er merkte, daß Spartakus nicht siegen würde und nunmehr wieder der Regierung einiges Interesse zuwandte, hat er durchaus nicht die entscheidenden Leistungen vollbracht, die ihm seine Anhänger nachrühmen. Gerade an den Erfolgen de» 11. Januar, die er in feinem bekannten ! Schreiben an den.Vorwärts" so herauSstreichl, halte er kernen Anteil. Er lvar es vielmehr, der durch seine Großmannssucht die damalige Aktion zur Wiederherstellung der Ruhe ernstlich gefährdete. Oberst Reinhard hatte sich, nachdem er bereits im Dezember mehrere vergebliche Versuche gemacht hatte, Stadtkommandant zu werden, zum.Kommandanten von Berlin- herauftituliert. Kategorisch verlangte er alle Machtvollkommenheiten und weigerte sich, mit seiner Truppe irgend etwas zu unternehmen, sofern er nicht als Oberbefehls- haber anerkannt werde. Als er fein Ziel nicht erreichte, schmällte er und überließ es den anderen Truppen, am 11. Januar das zu vollbringen, dessen er fich jetzt zu Unrechl rühmt. Die Truppen, die in der Januarwoche neben der damals gebildeten.Schntztruppe" die Hauptarbeit leisteten, waven die von der Kommandantur ohne das Zutun des Herrn Reinhard herangezogenen Verbände au? der Garnison Potsdam und die ebenfalls der Kommandantur zugehörigen Regimenter der Bcr- lincr Garnison, insbesondere die Maikäfer, Franzer und das 3. Garderegimeirl Nicht der Oberst war eS. der diese Verbände in den bedrohlichen Tagen zu einem brauchbaren Truppenkörper vereinigte. Es waren die Leute der Kommandantur, die, ohne jemals nachträglich Reklame für ihre Personen gemacht zu haben, die große organisatorische Arbeit vollbrachten. Aber auch militärisch bat der Oberst nichts geleistet. Er nimmt für sich das Lob in Anspruch, das nur dem Major Stephans zukommt. So sehen Reinhards„Verdienste" aus, und waS die angebliche Dankespflicht anbelangt, so möchten wir daran erinnern, daß die Regimenter Liebe und Reichstag, die im Januar mehr getan haben als Oberst Reinhard, sehr bald aufgelöst wurden, sobald man sie auf Grund stark übertriebener Mitteilungen für.sparta- kistisch verseucht" hielt. Damals hat kein konservatives Blatt über Undank geklagt. „Deutsche Tageszeitung" unü Kriegsgefangene. Ein Kriegsgefangener schreibt unS: .Dieser Tage ist uns hier die„Deutsche Tageszeitung" vom vorigen Monat in die Finger geraten; diese hatte die große Dreistigkeit besessen zu schreiben, daß sämtliche amerikanische Gefangene Ueberläufer seien, wofür wir alle, ob Offiziere oder Mannschaften, den Gegenbeweis antreten können. Des- gleichen hielt es ein katholischer Pfarrer in München für gut, in empörender Weife uns Gepangene als Ueberläufer und Verräter zu beschuldigen; die Predigt erreichte den Zweck, indem zwei Bräute von gefangenen Kameraden sofort die Ver- lobung brieflich auflösten mit der Begründung, sie könnten un- möglich mit solch ehrlosen Männern ein Bündnis schließen, da es ja der Herr Pfarrer selbst von der Kanzel gepredigt habe. So geht es uns Gefangenen. Nicht nur, daß wir das schwere Los der Gefangenschaft ohne jedes Verschulden durchmachen müssen, ernten wir auch noch aus der Heimat, der wir tapfer ge- dient haben, diesen ekolhaften, aber von uns erwarteten Dank und sind gegen solche schweren Beleidigungen völlig machtlos." Bielleicht überkommt die„Deutsche Tageszeitung" nach der Lektüre dieses Briefes endlich ein Gefühl, das sie ganz verloren zu haben scheint und das doch unter anständigen Menschen nichts Seltenes fei� sollte: ein Gefühl der tiefen Beschämung nämlich. Sie, die, ihr Chefredakteur voran, jahrelang hindurch von der sicheren Redaktionsstube aus nicht genug Leute in den Tod schicken konnte, um für ihre nationalistischen Interessen zu verbluten, sie wagt es heute, unsere Gefangenen in derart gemeiner Weise zu beschimpfen. Diese aber werden nach ihrer Rückkehr erkennen, wo ihre wahren Feinde find. - r Die„Futterkrippe". Wenn der preußische Minister des Innern, Genosse Hein«, den reaktionären Verwaltungsapparat gründlich umbaut und die all- deutschen Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten und Landräte durch modern denkende Persönlichkeiten ersetzt, so ist das nach der Behauptung reaktionärer Blätter nur ein Kampf um die.Futter- krippe", und die Unabhängigen, die alle Tag« jammern, daß nicht genug geschehe, tuten in dasselbe Horn. Für die Reaktionäre ist der Preußische VerwaltungSapparvt natürlich niemals eine Futterkrippe gewesen. Nur die sachliche Tüchtigkeit half dem Beamten aufwärts,— so sagen sie. Zufällig fällt unS ein Bericht der»Schiochauer Kreiszeitung" vom 6. September über eine in Schlochau stattgehabte Versammlung in die Hände. Die Versammlung war vom Arbeiterrat einberufen, um sich mit Schiebungen auf dem LandratSamt zu be- fchäftigeu. Der Arbeiterrat berichtete, daß die Aufdeckung dieser Schiebungen nur mit größter' Mühe möglich war, da immer wieder durch da? Landratsamt Hindernisse in den Weg gelegt wurden. Der Landvat hätte schon vor Zeiten Abhilfe schaffen könne«. Aber trotz aller Warnungen, die ihm von Kreis- eingesessenen und von seinen eigenen Beamten zugegangen waren, hat der Landrat den Schiebern noch andere Aemter gegeben und noch größeres Vertrauen als früher geschenkt. Der Arbeiterrat mußte infolgedessen auf eigene Faust handeln, um die Schiebungen aufzudecken, was ihm schließlich gelang. Wie wir erfahren, ist der bisherige Landrat von Schlochau, Herr v. Mach, vom Ministerium de» Innern vorläufig feine» Posten» enthoben und bis zum Abschlüsse der Untersuchung beurlaubt worden. Grund genug für die all- deuffchen Blätter,«irnnal wieder über die Entfernung der„alten zuverlässigen Beamten" und die.Futterkrippe" zu zetern! Deutschnationale Zumutungen. Wa» fich die Deutschnationalen alle« erlauben, beweist da» Schreiben eines Geschäftsführers der Deutschnationalen Volk«» Partei, in welchem dieser«inen Gemeindevorsteher in einem Orte der Niederlansitz um vertrauliche Mitarbeit und Nennung der Namen deutschnational gesinnter Männer bat. Der Gemeindevorsteher soll also In seiner amtlichen Eigenschaft unter einer republikanischen Regierung einer monarchischen Partei Vorspanndienste leisten. Das ist immerhin allerhand und beweist, daß jene Herrschaften fich noch immer viel zu sicher fühlen. Keine Verschiebung von Flugzeugen. Die.Freiheit" berichtet in ihrer heutigen Ausgabe, daß vom Flugpark Adlershof drei Flugzeuge nach Kurland verschoben worden seien. Hierzu wird unS von zustandiger Stelle mitgeteilt, daß diese Meldung auf einer Irre- führuug beruht. Die Nachricht, daß am Sonnabend drei Flug» zeuge in AdlerShof startbereit seien, um nach Kurland gebracht zu wechen, entbehrt jeder Begründung. Ein derartiger Auftrag ist der zuständigen Stelle weder erteilt,«och vo« ihr ausgeführt worden. Wahlsieg i« Prenzlo«. Aus Prenzlau wird uns berichtet: Bei der Magistratewahl, die hier am v. d. MtZ stattfand, wurden gewählt: 4 Mehrheitssozialisten, 2 Unpolitische, 1 Demokrat, 1 Be- amter. Die Mehrheitssozialisten haben nunmehr im Stadtparla- ment. wo sie bisher mit IS gegen 18 Stimmen gegen die anderen Parteien stände», die absolst« Majorität. der Münchener Geiselmorö vor Gericht. München, den 13. September 1919. Ein längere Zeugenvernehmung gibt es dann noch in Bezug aus den Angeklagten Völkel, der aus der Untersuchungshart einen Brief an seine Braut, eines Fri. Wagensohn, hinauSschmug- geln wollte und tu welchem er diese ersuchte, einen Zeugen zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Der Zeuge sollte nichts davon sagen, daß er im Wiltelsbacher Palais gewesen sei. — Di« Braut enthält sich ihres Zeugnisses.— Vizewackitmelster Krüger- Berlin vom Freikorps Lützow und Unt«rwachtm:ister Heß- Berlin haben die Verhaftung des Völkel vorgenommen, da dessen Braut erzählt hatte, daß ihr Bräutigam bei den Geisel- crschicßungen beteiligt gewesen sei.— Es wird dann nock> da« Zeugnis dea�ausbesitzerin Wirsing verlesen, der Schickelhofer erzählt hat. wie alten Soldaten im Gymnasium hätten sich geweigert, die Geiseln zu erschießen, daraus habe er vier junge Soldaten herangenommen. Der Angeklagte Schicklhofer bestreitet, daß er die jungen Soldaten zur Erschießung befohlen habe, sie hätten sich freiwillig gemeldet.— Eine weitere Zeu- gin, Frau B o g n e r, die ein Liebesverhältnis mit dem Ange- klagten Hann« hatte, sagt aus, daß sie am Abend de? Mordtages mit ihm ei« Tanzlokal besucht habe. Dort habe ihr Hanne erzählt, daß er am verflossenen Nach- mittag Geiseln mit erschossen habe. T�bei habe er sich gefreut und gelacht. Geld habe er„massig gehabt. Vors.:„Hatte er das Geld schon vorher gehabt?" Zeugin:„Ich habe geglaubt, daß er Geld für die Erschießung der Geiseln bekommen hat." Vors.:„Haben Sie ihn nicht gefragt, warum er mitge» schoflen hat." Zeugin:„Ja. Ich habe gesagt, wie kann man nur so etwa? machen. Darauf bat er gesagt:„Ich hatte den Be- fehl dazu." Vors.:„Sagen Sie auch nicht gegen ihn aus. weil das Verhältnis jetzt gelöst ist?" Zeugin:„Nein, ich habe mit ihm gebrochen, weil er ein anderes Verhältnis hatte. Er hat auch zwei Kinder."— Der Zeuge Pauli konnte nicht erscheinen. Es wird deshalb seine Vorvernebmuna derlesen. Er gibt an. daß er den Angeklagten H u b e r Mitte Mai getroffen habe. Dieser habe ihm erzählt, daß er im Luitpold-Gymnasium gewesen sei und auch mitgeschossenhab«. Bei dem Kampf in Giesing habe er ein Maschinengewehr bedient. Angeklagter Huber:„Ja, ich habe ihm darüber erzählt. Aber ich habe nicht gesagt, daß ich mitgeschossen habe."— Der Zeuge Lehr, er, der Ordonnanz im Luitpold-Gvmnasium war, sagt aus, daß in der Nacht zum 39. der Aktionsausschuß dort gewesen sei. Er habe die Herren gesehen, wisse aber nicht, wer sie gewesen seien. Man habe ihm bestimmt versichert, daß Levien dabei gewesen set. Die Herren vom Aktionsausschuß seien häufig inS Kommandantenzimmer gekommen. Vors.:„Wen hat man denn in das Zimmer hineingebracht?" Zeuge:„Zwei Weißgardisten." Vors.:„Haben Sie etivaS beobachtet?" Zeuge:„Ich habe gehört, wie einer vom AktionSauZschuß sagte, man solle die beiden Soldaten nicht so schlagen. Ein anderer Herr vom Aktionsausschuß hat daraus ge- Antwortet:„Das tut gar nichts." Vors.:„Und Ihre Beobachtungen beim Geiselerschießen?' Zeuge:„Es waren etwa ö bis 699 Soldaten bei der Hinrichtung. Solange ich da war, hat Haußmann kommandiert." Vors.:„Sie;ollen da- heim, am Abend des 39., sehr aufgeregt gewesen sein und gesagt haben, Sic hätten während des Krieges viel gesehen, aber so etwas nicht. Sie sollen gesägt haben: „Die Roten haben sich aufgeführt wie die Hyänen." Zeuge: Den Ausdruck habe ich nicht gebraucht. Vors.: Di« Gräfin, so erzählten Sie weiter, sei unzüchtig angepackt woroen. Sie habe sich gewehrt, sei aber doch an die Wand gestellt worden.— Zeuge: Ich habe nichts davon gesehen. Als nächste Zeugin wird Fräulein Hilde Kramer, die vom Pressefifch weg als Zeugin geladen wunde, vernommen. Vors.: Sie waren für die Räterepublik tätig und sollen Haftbefehle geschrieben haben.— Zeugin: Ja, auf Veranlassung des Stadt- kommandanten Mehrer. Als Grund für die Verhaftung wurde die Auffindung bela st enden Materials angegeben. ES waren 13 Stempel der Stadtkommandantur, des Güterbahnhofes, der Ar- beiterwehr, das Faksimile Eglhofers und der Stempel des alten VollzugSrates. Dann hat man 3999 Flugblätter der Demokrati- schen Partei und einige Judenhetzblätter und Mitgliedskarten der K. P. D. gefunden.— Vor f.: Waren Sie bei der Vernehmung der Geiseln dabei?— Zeugin: Nein.— Vors.: Waren Sie auch im Luitpold-Gymnasium?— Zeugin: Ich kann nur fest- stellen, daß ich nie i n meinem Leben dort war. Dia Zeugin wird dann entlassen. Dann wird die Wirtin Schickl- hoferS vernommen. Sie bekundet, Schicklhofer habe oft mit seiner Frau Streit gehabt.— Vors.: Hat seine Frau auch Hiebe bekommen? Zeugin: Ja, ja.— Vors.: Was hat Ihnen denn Schicklhofer am 1. Mai erzählt?— Zeugin: Er hat den Hauszins gebracht, und da habe ich ihn nach dem Geiselmord gefragt. Er hat gesagt, sie sind erschossen worden, weil sie unsere Leute auch erschießen. Er habe vom Oberkommando den Beseht erhalten, vier Mann zur Geifelerschietzung zu stellen. Dann hat er mir von Thurn und TariS erzählt. Der habe gesagt, als man ihn an die Wand stellte: „Hier ist meine Brust, schießt gut." Ich habe dann nichts mehr über den Mord hören wollen, denn mir hat gegraut.— Der Zeuge Raffreiter erzählt: Ich habe gekört, wie Pürzer(dieser An- geklagte ist bisher noch nicht belastet worden) von dem Geiselmord erzählt hat. Er hat sich ganz höhnisch ausgedrückt; wie ein Lust- mörder hat er sich benommen und gesagt: „Wie wir die»iedergcpfeffert haben, da? ist eine Freude gewesen." Angeklagter Pürzer: Ich habe bei dieser Unterhaltung nur. zuge» hört. Der,' wo das gesagt hat, ist ein kommunistischer Offizier ge- Wesen.— Rechtsanwalt Liebknecht verlangt die Ladung Mün- chencr Zeugen, die über die Bluttaten von RegierungStruppen, über die Ermordung Landauers aussagen sollen. Die Verlesung der Zeugen, die Dr. Liebknecht vernommen sehen will, dauert etwa eine Stunde. Die Anträge des Rechtsanwalt» Liebknecht werden schließlich nach kurzer Beratung des Gerichts samt und sonders abgelehnt. � Industrie und Kandel. Börse. Die politischen und wirtschaftlichen Meldungen blieben auch int heutigen Verkehr völlig unbeachtet. Der Trubel tn Kolonial- papieren setzte sich in unverminderter Weise fort. Zum Teil wurden neue starke SufwärtSbewegungen erzielt. DaS galt, in erste� Linie bei Pomona, die gestern 2899 geschlossen hatten und heute um 999 Proz. höher mit 3299 eröffneten, später dann 300 Proz. wieder hergaben. Deutsche Kolonialanteilc sttegen zunächst um 89 Proz. bis auf 1189 und gingen dann weiter hinauf bis auf 1299. South- West 292 nach 197, Kaoko 74 nach 79. Neu-Guinea 281 nach 287. Otavi-Anteile 234 nach 237, Otavi�Äenußscheine 199 nach 199. Am RüstungSmarkt Hirsch-Kupfer, Köln-Rottweiler Deutsche Waffen bis 7 Proz. gebessert, von E l e k t r i t ä t s papieren Berg- mann k und Scbuck«rt 4 Proz. Hoger, dagegen Elektr. Licht- und Kraft 3 Proz. schwächer. Kanada anfangs lö Proz. höher, später 9 Proz. niedriger. Baltimore wenig verändert, Stcaua Romana S Proz. und Deutsche Petroleum 3 Proz. niedriger. Dagegen Deutsche Erdöl ö Proz. hoher. Orientbahnen v Proz. nachgebend, Prinz Henry S Proz. anziehend. Türkische Tabak, und Kredit- Aktien wenig verändert. Russische Banken ansang» fest, spater nachgebend. Kriegsanleihe 79�, die älteren heimischen Aw, leihe» ruhig und wenig verändert. HroßSerlm Parteifunktionäre, Setriebsvertrauensleute, /trbeiterräte öer S. p. v. Montag, den 15. September, nachmittags 5 Nhr: Allgemeine t?-unktionär-Vcrsammlung in den„Zeutral-Festsälen", Alte Jakobstraße 32. Tagesordnung:„Tie Kohlenfrage". Referenten: Steiger Georg Werner- Essen. Stadtv. Adolf Ritter- Berlin. Mitgliedsbuch und Ausweit sind vorzuzeigen. Soweit die Funllionäre noch nicht im Besitz der neuen gri'men AuSweiskurten sind, gelten für diese Versammlung noch die alten roten Ausweise. Der Umtausch der Ausweis karten muß jedoch schnellstens bei den Abteilungsleitern bzto OrtsvereinSvorsländen erfolgen. _ Der Bezirksvorstand. HezirkshilSungsausschuß Groß-Serlin(6. p. V.). Sonntag, den d. M., 10 Uhr, im Jugendheim, Lindenstr. 8 Konferenz der BildungSausschüffc(Srosi Berlin. Wir ersuchen die BildungSauSsckiisse und die örtlichen Partei vereine Vertreter zu entsenden. Die Mandate sind vom BildungS ausschutz bezw. den Parteivcreinen auszustellen. _ I. A.: Bennewitz. Exmission der Kriegsgesellschaften? Zur Frage der Umquartierung der KriegSgesell schatten wird au« dem WohlfahrtSministerium mitgeteilt: Die in Berliner Blätter» gegen die letzte Veröffentlichung de« Wohl fabrtSministeriumS geäußerte Ansicht, die dem Magistrat Berlin erteilte Ermächtigung erstrecke sich npr auf diejenigen Räume, die die RriegSgesellschaiien freiwillig räumen wollen, ist unzu« treffend. Die Ermächtigung erstreckt sich vielmehr auf alle von KriegSgesellschasten benutzten Räume. Einer Kündigung dieser Räume durch die KriegSgesellschaiten, wie in der Preffe angenommen wud, bedarf e ö znr Beschlagnahme überhaupt nicht. Weiler wird in einem anderen Berliner Blatt ausgeführt, daß der Magistrat aus Grund der erteilten Ermächtigungen zwar da» Reckt habe, die Kriegsgesellschaften zu exmittieren, diesen aber andere Räume zuweisen müsse LetzlereS könne nicht der Magistrat, sondern nur das WoblsahrtSministeiium tun. Auch dieser Einwand ist unzutreffend. Weder dem Wohlfahrtsministcrium, noch irgend «tnem anderen Ministerium, wohl aber dem Magistrat Berlin steht aus Grund der ihm erteilten Ermächitgung ein Beichlagnabmerecht auf alle Arten von Räumen zu. Auf Grund dieses Rechtes wird der Magistrat, falls die ihm anempfohlenen gütlichen Verhandlungen nicht zum Fiele sühren, die Unterbringung der Kriegsgesellschaften stetS errelchen können._ Die Schließung der SpielklubS. Der Erlaß ist auf Vorstellungen deS Kohlenverbandes Groß Berlin und des LandeSpolizeiamteS zurückzuführen. Die Kohlenstelle war in der Lage, nachzuweisen, daß die Spielklub« einen geradezu unveramworilichen Mißbrauch mit der elrk- irischen u n d Gasbelenchtung getrieben haben. SpielklubS, die in Acht- bis Zehiizinirnerwohnungen tagten, hatten den dreißig- bis tünfundvierzigfachen Verbrauch einer Privalwobnung mit der gleichen Zimmerzahl. Geldstrafen wurden von den Klubs ohne irgend welche Beanstandung bezahlt. Wenn der Kohlenverbnnd dann mit dem Abschneiden von Gas und Elektrizität drohte, verschwand der Inhaber der Wohnung, in dem sich der Klub befand, und an seine Stelle trat ein Strohmann Die Klubs trieben die Lebensmittelpreise noch höher E» ist festgestellt worden, daß in einzelnen Klubs täglich bis zu 200 Perionen zu den verschiedensten Tageszeiten in einer dem normalen Staatsbürger märchenhaft erscheinenden Art und Weise verpflegt worden sind. Die Zahl der SpielklubS in Berlin beträgt ISO bis 160. Der Spielerabteilung des Polizeipräsidiums sowie der neuen Sicher heiispolizei war es im verflossenen Monat möglich, nicht weniger aiS 40 Klubs auszuheben und die Spielletler wegen Duldung von Glücksspielen hinter Schloß und Riegel zu bringen. ES wurde schätzungsweise eine halbe Million an Spielgeldern beschlagnahmt. Es ist jetzt ein beliebte» Mittel, .Pensionen' aufzumachen. Die Pensionäre und ihre Gäste treffen sich allabendlich im Gesellschaftszimmer, wo dann gespielt wird. Weiterhin erstehen.kaufmännische Bureau«', die von zahlreichen Personen besucht werden, ohne daß es der Umgebung sonderlich auffällt. Nach den neuen Verfügungen werden jetzt nicht nur die Spielleiter und Unternehmer, sondern auch die Spielenden selbst polizeilich sestgeslellt und haben auf jeden Fall Geld- und ent- ehrende Freiheilsstrafen zu elwarten. Schon Wieder ein Mord. Ein geheimnisvoller Mord wurde heute morgen im äußersten Norden der Stadt auf einem Laubengel ff» de an der Schön. h a u f e r Allee und der I b f e n st r a ß e entdeckt. In einem Gange dieser Kolonie fand ein Wächter früh gegen 4 Uhr ,inen jungen Mann tot liegen. Er hatte eine Schußverletzung am Kopf und, wie sich welter ergab, auch in der Brust. Ä« Revierpo.izci selbst Hand an sich gelegt hat, sondern das Opfer e'neS Verbrechen» geworden ist. Der Tote wurde festgestellt als ein 32 Jahr« alter, aus Pernau in Livland gebürtiger Apotheker OttoTampu der in der bleuen Friedrich-Straße 80 ein möbliertes Zimmer be- wohnte. Der Befund an Ort und Stell« deutet darauf hin. daß Tampu nicht in der Laubenkolonie, sondern anderswo ermordet worden ist und daß die Mörder seine Leiche irgendwie nach der entlohnen Gegend geschafft haben, um sie voriäufig mif dem Laubengelände zu verbergen. Eine Militär- Patrouille hat in früher Morgenstunde in der Gegend einen Kraft- wagen gesehen, der mit 6 Personen besetzt war. Ob ein Raub- mord oder ein Verbrechen aus anderen Beweggründen vorliegt, bedarf noch der Feststellung.~, Weiter wird mitgeteilt: Der Apotheker Otto Tampu wohnte seit April d. I. in der Neuen Friedrich-Straße. Im Laufe der Zeit erhielt«r wiederholt Besuch von Leuten, mit denen er in irgend- einer Geschäftsverbindung zu stehen schien. In seinem Zimmer fand man noch allerlei Drogen und Apothekerwaren, die vielleicht «us Heeresgütern herrühren. ES scheint, daß Tampu damit ge- handelt»at. Festgestellt ist daS aber noch nicht. In der vergange- nen Nacht ist der Mann nicht mehr zu Hauff gewesen.— Nach dem vorlaufigen Befund der Leiche sind beide Schüsse wahr- schein Ii ch aus ziemlicher Nähe abgegeben worden. Genauer rann da» jedoch erst die Obduktion feststellen. Berdächtig erscheint da» Auto, das vor fünf Uhr früh in der Gegend gesehen wurde, l-s ist ein rotbrauner Wagen, in dem mehrer« Personen. vielleicht sechs, saßen. Verschiedentlich versuchte et, von Pankow kommend, an der Bornholmer Straße auf da» Laubengelände hin- aufzufahren, nahm aber davon Abstand, weil die Wächter gerade dort waren.«Pater fuhr e, an der Schul- in der Jbsenstraße ent- lang in der Richtung nach dem.Blitzwea" ,u. Bald darauf wurde dort die Leiche gefunden. Es erscheint aulgeschlosten, daß Tampu an dieser Aelle umgeffracht worden ist. Möglich ist et, daß«r i n h° A dem Auto erschossen worden ist. Sein Jackett ist hinten zerrisse, t. Das deutet darauf hin, daß die Leiche mit Gewalt auS dem Wagen gezogen und nach dem Blitzweg geschafft worden ist. Zur Ermittlung des verdächtigen Kraftwagens wurde sofort ein Heer von Kriminalbeamten aufgeboten, das auch Spürhunde zu Hilfe nahm. Man fand bei der Leiche noch etwas Kleingeld, darunter auch russisches, einen goldenen Ring bat der Tote nach auf den Fingern. Auf die Ergreifung der Täter.ist eine Be- lohnung von 3000 M. ausgesetzt worden. Kanonendonner über Berlin. Starker Kanonendonner, der eut« in Berlin vom frühen Morgen ad deutlich hörbar war, gab nlaß zu allerlei Gerüchten. Er rührte her von einem UebungS- schießen der Reichswehrbrigade 15, daS bei Döberitz stattfand. Nicht öffnen, bevor der Zug hält! Tot gequetscht wurde der 44 Jahre alte Kaufmann Theodor Stengel au» der Heinrich-Seydel- Straße 10 zu Steglitz. Er kam abends kurz vor 10 Uhr mit dem Stralsunder Zuge auf dem Stettincr Bahnhof an. Noch bevor der Zug hielt, öffnete er die Tür des Abteils. Dabei fiel er so unglück- lich hinaus, daß«r zwischen Trittbrett und Bahnsteig. schwelle geriet. Er erlitt so schwere Ouetschungen, daß er schon auf der Hilfswache in der Eichendorffftratze starb. Fe»rr in der Lonbenkolunie alarmierte gestern die Berliner Feuerwehr. In einer Kolonie des ausgedehnten LaubengeländeS zwischen N o r d r i n g und Weißensee hatte eine Laube Feuer gefangen. Es breitete sich sehr rasch aus, so daß«Noa 40 Lauben niederbrannten. Die%• mobilen und dämmte schließlich den Lauben und ihrer Einrichtung auch viel Kleinvieh verbrannt. Kasernenbrand. Großfeuer kam am Sonnabend, nacht» gegen 1 Uhr, in der Kaserne deS 2. Garde-Regiment» z. F. in der Friedrichstraße 107 vermutlich infolge vorsätzlicher Brand st iftung zum Ausbruch. In den letzten Tagen hat es in dieser Kaserne mehrere Male an verschiedenen Stellen gebrannt, u. a. in Mannschaftsstuben, auf dem Hofe und in Vor- ratSräumen. In der letzten Nacht ist nun der Dach stuhl des rechten, langgestreckten Seitenflügel« an der Ziegelstraße zum großen Teil niedergebrannt. Während der Löscharbeiten explo- dierten mehrere Male Munitionsvorräte, die in einer Kammer lagerten. Von den Kammervorräten, Akten, die man dort in großen Mengen aufbewahrte, konnte nur wjnig gerettet werden Bezirksbildungsausschuß Grvß-Bcrlin. Die Delegierten zu der Konferenz der BildungSauSfchüffe machen wir darauf ausmerk sam, daß sie Karten zu dem am 20. September stattfendendtn VolkSlieder-Abcnd auf der Konferenz entgegennehmen können. Urbeiter-Samaritrr.Buiid tKolonne Groß. Berlin). Vortrag und UebungSbunde baben: Montag. 15. September, VI, Uhr, Bezirk Tempel- hos, Berliner Str. S2; Bezirk Süden, Abt. I, Melchiorstr. 15. sDaselbü Ausgabe von Veibonbtmalcriat usw.) Bezirk Osten, IV. Abt. Lichtenberg Schariiweberstr. 60. Restaurant.— Freitag. 13. September: Bezirk Norden, II. Abt.. Usedomstr. SS, Restaurant: Bezirk Süden, V.Abt. Neulöll», Wetchselstr. 8, Restaurant._ Groft-Berliner Lebensmittel. Schöneberg. BIS 16. September Voranmeldung für 800 Gramm Nährmiltcl, 3 Päckchen Milchsüßipcise, V. Pfd. amcrttan. Weizenmehl(A>6 Einsuhrzusahkarte). In der nächsten Woche ohne Voranmeldung Psd. ausländ. Hülsenfrüchte: serncr 250 Gramm Kunsthonig, 300 Gramm Röhr- mittel, 250 Gramm Nährmittel(Jugenvlichenlarte), 70 Gramm Margarine (Einluhrzusatzkarte). Kochscrlige Suppen jreihändig. Britz. Vom 15. bi» 2l. September in der Aemeindeverkaussstelle: 300 Gramm Haserflocken,'/, Psd. Marmelade, abzulrennen ist der Bestell- abschnitt 62: aui dem EinpsangSablchnitt derselben Nummer gelangt eben- falls'/« P!d. Marmelade zur Ausgabe.% Psd. Karlosselstärkemehl.— Für Kriegsbeschädigte 1 Psd. Haferflocken. Für werdende Müitcr und sür Kinder: ff, Psd. Hajerstocken je Person und Kind. Freibändig: Heringe '~" M' i'■ Der Verkauf beginnt mit den Schlußnummern und AuSIandSmarmeiade. am Montag. Sonnabend jeder Woche sür Kinder aus Vollmilchkarl«, sowie für Schwangere und Personen über 70 gabre gegen Barlegung der HauS- hallungStist«. 14. bis 80. September. Dienstag: 250 Gramm Hülsen- srüchte(74), 260 Gramm Maismehl(77); Donnerstag: 300 Gramm Nähr- inttlel<73): Freitag:>25 Gramm Graupen(.VI), 250 Gramm Auslands« Marmelade(84). 1. bi» 7. und 8. bis 14. September je ff, Pid. Auslands- n- W ramm Suppen. 10 Pjd. Kartoffeln nach der alten Reibenjolge. Tegel. Vom 15. bi» 21. September 250 Gramm Graupen, 300 Dr. Teigwaren.____ Fugenüveranftaltungen. Jugendheim, Berlin, Lindenstr. 8. Geöffnet von 5 Uhr an. 7 Uhr: UnterhaliungSabend. Tcmhelhof. Sonnlag: Wanderung Möllner See. Treffpunkt ff,7 Uhr, Mariendorjer Bahnhoj._ Gewerkschoflsbei Zur Lage in üer Metallindustrie. Die KrisiS in der Metallindustrie besteht noch wie vor weiter. Die für heute vormittag angesetzten Verhandlungen vor dem auS irnf ständigen Vertretern bestehenden SchlichtungSau Sschuß konnten nicht stattfinden, nachdem dir Ärbeitnehmervertreter eine VerHand- lung abgelehnt hatten. Wie berichtet wird, hat der ReichSarbcitS- minister bei der Dringlichkeit der Loge bereits mit beiden Parteien Fühlung genommen, um einen Ausgleich zu schafffn. Am heutigen «onnabenp hatten bereits die meisten Groß- und Mittelbetriebe ihre Funkttonäre zum Verband entsandt, um Direktiven zu emp- angen. Einer der VerbandSleiter hat bereits mit dem Reichs- arbeitSministerium Fühlung genommen. Wie wir hören, dürft« ein« Entscheidung über den drohenden Streik kaum vor Montag allen. Wahrscheinlich wird der ReichSarbeitSminister zunächst eine Konferenz anberaumen, um beide Parteien an den VerhandlungS- tisch zu bringen und in prinzipiellen Fragen den Boden für ein« Verständigung vorbereiten. Der Metallarbeiterverband wendet sich mit aller Schärf« dagegen, daß ein Abbau der Löhne seitens der Unternehmer versucht wird. Er begründet seinen Standpunkt damit, daß die Lebenshaltung im wesentlichen keine Verbilligung er- ahren habe. Weiterhin sei der Augenblick einer Lohnffnkung des- falb gänzlich ungeeignet, weil die bevorstehenden Steuerabgoben es der Arbeiterschaft unmöglich machen., einer Verbienstschmälerung zu- zustimmen._ drohenöer Streik in öen Nüüersüorfer Zement- werken! Die Arbeiterschaft der drei RüderSdorfer Zementwerke, der- treten durch den Verband der� Fabrikarbeiter, Zahlstelle Groß- Berlin, stellten im Mai d. I. Forderungen auf Lohnerhöhungen und Abschluß eine» Tarifvertrages. Di« Arbeitgeber erklärten, sie erkennen die Berechtigung der Forderungen durchaus an, seien aber nicht in der Lage, die dadurch bedingten Mehrkosten tragen zu können,«S sei denn, daß daS AeichswirtschaftSministerium be- reit sei, die Preise für Zement zu erhöhe». Daraufhin fanden Verhandlungen im Ministerium statt, welch» sich in der Hauptfach« mit der Möglichkeit und Zweckmäßig- keit einer Preiserhöhung für Zement beschäftigten. Der Vertreter der Regierung erkannte ebenfalls die Derech- tigung der Forderungen der Arbeiterschaft an, konnte aber eine Erhöhung der Preise nicht in Aussicht stellen, und gab der Ansicht Ausdruck, daß die Arbeitgeber auch ohne Preiserhöhung die ge- orderte Lohnerhöhung tragen könnten. Dff Vertreter der Firme« gaben nunmehr die Erklärung ab, daß sie dann gezwungen feien, ihre Betriebe still» zulegen! Darauf stellte der Vertreter des Verbandes der Fabrikarbeiter an den Regierungsvertreter die Frage, was die Regierung ange- sichts der Erklärung der Arbeitgeber zu tun gedenke, um zu ver- hindern, daß zirka 1000 Zementarbeiter brotlos gemacht werden und eine empfindliche Schädigung des Baugewerbes eintritt. Der Regierungsvertreter hielt diese Frage für so wichtig, daß er versprach, dem Minister sofort Vortrag zu halten. Jetzt merkten wohl die Arbeitgeber, daß sie mit ihrer Drohung ins„Fettnäpfchen" getreten hatten, und waren im wetteren Ver- lauf der Verhandlungen zur Schließung eines KompromiffeS auf folgender Grundloge bereit:„Sie werden die Bemühungen um Erhöhung der Zementpreise fortsetzen, und in der Hoffnung auf schließlichen Erfolg den Arbeitern einen Vorschuß auf die dann eintretende Lohnerhöhung zahlen!" Damit war die Arbeiterschaft zunächst einverstanden. Als- �dann fanden erneut Verhandlungen stalt, in welchen eine gittvisse 'Regelung der Löhne vorgenommen wurde; die Arbeiter erklärten sich vorläufig damit einverstanden, obwohl ihre Wünsche� dadurch keineswegs befriedigt wurden. Lediglich mit Rücksicht auf die ge- samt« wirtschaftliche und politische Lage nahmen die Arbeiter von weiteren Maßnahmen Abstand. Inzwischen sind nun ab 1. August die Preise für Zement um 800 Mark erhöht worden, und die Arbeiter traten erneut an die Firmen heran, um die Lohnbewegung endgültig zum Abschluß zu bringen. Jetzt erklärten jedoch die Arbeitgeber, daß sie keine»- wegs über die damals festgesetzten Sätze hinaus gehen könnten. Nach stundenlangem Verhandeln wurden die Verhandlungen ab- gebrochen und seitens der Arbeitnehmervertreter beschlossen, die Angelegenheit dem SchlichtungsauSschliß von Groß-Berlin zur Entscheidung vorzulegen. Die Arbeiter haben zum SchlichtungSouSschuß daS Vertrauen� daß derselbe ein besseres Verständnis für ihre wirtschaftliche Lage haben wird. Vor allen Dingen liegt es aber auch im Interesse des Baugewerbes, daß e» nicht zu einem Lohnkampf in den Ze- mentwerken kommt._ Tarifvertrag für die Schuhindustrie. Nach langen Verhandlungen ist ein neuer Tarif für die Ar- heiter und Arbeiterinnen der mechanischen Schuhindustrie zustande gekommen. Das Endergebnis der Verhandlungen, die am Donners« tag vor dem SchlichtungZausschuß zum Abschluß kamen, trug VollmerhauS am Freitag eine stark besuchten Versammlung dre Schuhfabrikarbciter und-arboiterinnen vor. Seinen AuSfüh- rungen ist zu entnehmen, daß es gelungen ist, die Forderungen, derentwegen die vorige Versammlung die Angelegenheit dem SchlichtungSauSschuß überwies, fast völlig bewilligt zu erhalten. Diese Forderungen bezogen sich hauptsächlich auf die Löhne der ju- gendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, sowie auf die Höhe und die BcrechnungSgrundlage der Akkordlöhne. Die jetzt festgesetzten Gtun- denlöhne der jugendlichen Arbeiter bewegen sich ff nach dem Lebensalter von 0,85—2,00 M., bei dem jugendlichen Arbeiter- innen von 0,72—1,60 M. Bei den Facharbeitern betragen die Stundenlöhne in den verschiedenen Gruppen 2,25—3,00 M.— Hilssarbeiter an Maschinen erhalten Stundenlöhne je nach dem Lebensalter von 0,95—2,20 M., HilfSarbeitcrinnen 0,80—1,75 M„ — Die Aftordlöhn» werden errechnet auf Grund de? Stunden- lohnes plus 20 Proz. für männliche. 10 Proz. für weibliche Kräfte. Di« durch den Tarif eingetretenen Lohnerhöhungen werden vom 1. August ab nachgezahlt. Wir haben jetzt— sagte VollmerhauS stabtff Der- Hältnisse im Zeitlohn und eine gesunde Basis für die Errechnung deS Akkordlohnes nickst ereicht. Ich bin kein grundsätzlicher Gegner der Akkordarbeit. Wenn sie auf einer gesunden Grundlage ruht, dann ist sie sür beide Teile günstig. Ein« gesunde Basis für die Akkordarbeit ist jetzt geschaffen. Wenn die Akkordarbeit jetzt wieder zur Mordarbeit wird, dann sind die Kollegen selbst schuld daran.— SBwbi der Tarif auch nicht in allen Punkten unser« Forderungen erfüllt, so haben wir doch so abgeschnitten, daß wir zufrieden sein können.— Der Referent empfahl die einstimmige Annahme de» Tarifs, die denn auch nach kurzer Aussprache erfolgt«. Zum Streik im chemischen Grofthandel k Der Zentralverband der Handlungsgehilfen ersucht uns um Aufnahme folgender Entgegnung: Im.Vorwärt«", Abendausgabe vom 10. September, ist«in« Einsendung der Leitung des TransportarbeiterverbandeZ enthalten, die uns zu einer Erwiderung zwingt. ES ist. richtig, daß Arbeiter und Angestellte in tiner Versamm- lung am 5. September beschlossen hatten, die Arbeit am Sonn- abend, den 6. September, aufzunehmen unter der Voraussetzung, daß die Arbeitgeber den Schiedsspruch für die Angestellten an«. kennen bzw. die Abmachungen mit dem TranSportarbeiffrverband respektieren. Bei der Hadega hat sich dann am Sonnabend, den 6. September, ergeben, daß diese Gesellschaft weder geneigt war, den Schiedsspruch für die Angestellten anzuerkennen, noch die Der- einbarungen bezüglich der Transportarbeiter einzuhalten, vielmehr wollte die Direktion im Gegensatz zur getroffenen Bereinbarung die Arbeiter nicht wieder einstellen, sondern nur gegen neuen Vertrag neu einstellen. Daraufhin haben Arbeiter und Angestellte gemeinsam die Fortsetzung deS Streik? beschlossen. Wenn von 'eiten de» Transportarbeiterverbandes gesagt wird, daß die Ange- .tellten im Falle von Schwierigkeiten bei der Wiedereinstellung sich an ihre Organisation wenden sollten, so ist dem entgegenzuhalten, daß der Streik seinerzeit genieinsam beschlossen wurde unter der ausdrücklichen gegenseitigen Versicherung, daß er nur gemeinsam abgebrochen und die Arbeit gemeinsam wieder aufgenommen wird. Die Arbeiter der Hadega waren im besondere« der Auffassung, daß ihnen das Betreten deS Betriebes ohne die Angestellten um deswillen nicht möglich sei. weil sie dann gezwungen gewesen wären. mit Streikbrechern zusammen zu arbeiten. Wenn der Transportarbeiterverband e» für richtig hält, den Angestellten im letzten Stadium des Kampfes noch einen Fußtritt im Streik dadurch zu verabreichen, daß er ihre mangelhafte Stand» hastigkeit im Streik kritisiert, so haben wir für diese Art um so weniger Verständnis, als dem Transportarbeiterverband ebenso wie uns bekannt sein mußt«, daß diese Streikbrecher Mitglieder jene« Gewerkschastsbunde» waren, mit deren Vertretern wir uns geweigert hatten, gemeinsam über die Beendigung de» Streiks zu ver, handeln. Die Angestellten werden gleich den beteiligten Arbeitern die notwendigen Folgerungen au? der Leitung des Transportarbeiter- verbände» ziehen. Sie können nur wiederholt mit Bedauern zum Ausdruck bringen, daß die Tatsache des Zusammenhang? der Be- wegung im Chemischen Großhandel zwischen Arbeitern und Ange- stellten von der Organisationsleitung des TranSportarbeiterver- bände» im entscheidende» Moment völlig au» den Augen ver- loren war. Wenn man den Angestellten Mangel an Erfahrung in Wirt- stbaftlichen Kämpfen vorwirft, so können wir zu unserer Freude konstatieren, daß es un» trotz dieses angeblichen Mangels bisher noch nicht passiert ist. eine Vereinbarung mit den Arbeitgebern zu trefffn, die letzten Ende» auf den Schutz der Streikbrecher hinaus- läuft, wie ihn in diesem Kampf der Transportarbeiterverband im Verein mit d«n Arbeitgeber« im chemischen Großhandel fertig- gebracht hat. Die Notiz de» TranSpvrtarbeiterverbande« war am ff gnver- ständlicher, als sie erfflgff zu einem Zeitpunkte, an dem die Ange. stellten sich nock» im Kampfe befanden. (Nachfckrfft der Redaktion.) Wir haben diese Erwiderung voll- inhaltlich gebracht, obwohl wir gewünscht hätten, daß die gegen die Leitung des Trantportarbeiterverbandes gerichteten scharfen An« risse vermieden worden wären. Hierzu lag um so weniger ein lnkaß vor, als die von der Leitung de» TransportarbeiterverbandeZ WtoffenHid�fe Erklärurig gegen die„Freiheit' Organisationsleitung � � frei war von solchen Angriffen gegen die OrganisationSleitung des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen. Differenzen werden doch wohl nicht da. durch beigelegt, daß man eine Organisation-r- noch dazu eine im Kampf erprobte Arbeiterorganisation— bezichtigt, gemeinsam mit den Arbeitgebern dem Schutze der Streikbrecher Vorschub geleistet zu haben._ Post- und Telegraphenbeamten- Aushelfer. Zur Berichtigung und Ergänzung des VerfammlungsberichteZ vom 2. September teilen wir folgendes mit: Die Nachzahlung der Gehälter für die in Frage kommenden Aushelfer, die am 28. August fristlos entlassen worden sind oder deren spätere Entlassungen ohne Mitwirkung des Beamten- und Arbeiterausschusses vorgenommen wurden, ist durch eine Verfügung der O. P. D. geregelt worden, bevor der SchlichtungS- anSfchutz zusammentrat. Weiter IBnnen wir mitteilen, daß die vom SchlichtungSaus- sckust beantragte Zeugenvernehmung in der Angelegenheit der 7 seinerzeit noch nicht eingestelten Aushelfer, durch eine inzwischen eingeteretene Einigung der S. P. D. mit unserer Organisation zur Zufriedenheit aller Teile geregelt worden ist. Die O. P. D- hat der Wieder einstellung zugestimmt. Als Beihilfe für den Ausfall des Verdienstes während der Zeit ihrer Arbeitslosigkeit ist ein Be- trag in der Höhe rineS Drifte!# des Einkommens, mindestens aber 250 M. bewill tigt worden. Zeutralverbaad der Handlungsgehilfen Sektion der Post- und Telegraphendeamten-AuShÄfer. SchwarSk-vklar better CdlUm! Hierdurch soeben wir alle abgegangenen und entlassenen Kolleginnen und Kollegen, welche am 18., LS. und 30. April d. I. beim HUISarbeiterstreit ausgesperrt waren, aus. die von der Firma durch Schiedsspruch anerkannten 50 Proz. Entschädigung schrsst- lich zu beantragen. -ft V-rantw. für den trtxrftlon. Teil: Alfred Scholz Neukölln! für Anzeigen: TH«»dor Glocke, Berlin. Verlag: Borwärto-Berlag Amt Moritzplafz Nr. 3481, 3482, 3483. i Teilz.wöchentl.llW. Plomben 140. öoldln- "• krooen I8M. Zahnziehen m. Elnspr.büchtt an»chmerzMnd.Umarb.schlechts.Oeblsse.Rep. Zahnarzt Well sof. Potsdamer Str-5S. Hochb.Sprechz.9-7.» .3 Möbel-Angebot. Solide Mödelfirma liefert Spejin!-(rla- u. Zwetzimmcr Murtchkunaen fotoie SlnzetmAbel gegen mckhlge Zins oeegiltung bei Neiner Anzahlung und aeeingen wonot Nlheu Nnlenznhlnngon. Off.W. 2S cm die Enicb. d.„Sotro.' afssecct.• SrSstl llchen kleine ki »Dorw/ e Nnlanz. Mi-\ geg. Sicherb. od. Bürgsch..loh. Kfnse 4 Co, Zmmo dl, Agent. uJlt>tnm.,SW 61,ffiilfch. 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