«r.473.36.|nl(t9. BezvgSpretS, Vierteil Shrl. tr- Ml. monotL s.— Sit frei tn« Haus, voraus zahlbar. Poft- bezug i Monatlich Ml. ecfL 3u- ltellungsgebühr. Unier Kreuzband Hh Deutschland und Oesterreich» Unzaru «Li Ml. für da» llbrtg« tlusiaub lstLä Ml. bei tag itch einmal, stultellunh 8 Li Ml. Postdestellunhen nehmen an Dänemark. Holland inixerndurg, Schweden u. dt» Schwel». Etngeiraae» in die Vost-Zeinrngs-Drelsliste. Der.vorwärts' ml» der Sonntag» deilage»Boll u. Fe et' erscheint Wochen- täglich zweimal. Sonntag, etninol. Abend-Ausgabe. Telegramm-Adresse: Jgojialtemotcal Berlin-. Nevlinev Volksblstt. ( 15 Pfennig} Anzeigenpreis: Dt« achtgelvaltene Ronpareillezeil« lostet IM m.filslce Anzeigen-. da» tettgedruckte Wort SllPfg. lzuläfstg d fettgedruckte Bort»), fedes weiter» Wort 4d Big. Stellengeluche und Schlasstellenanzelgen da« erst« Wort tll Mg. lede» weitere Dort S» Pfg. Worte Uder Ist Buchstaden zählen filr zwei Worte. Teuerungszuschlag ZG»/». Familien. Anzeigen, oolitisch» und gewerrschaftliche Berein»< Anzeige» 1,50 Ml die Rette. Anzeigen filr dt« nächst« Nummer mlisseu bis 5 Ahn nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SB SS. Lindenstrafe« 3, abgegeben werden, lbiiiffnet von S Uhr friih dl» b Uhr abend» Zcntraiorqan der rozialdcmokratifcbcn Partei Deutfcblands. Neüaktion und Expedition: EW. öS, Linöenstr. Z. »ernivrecher: Amt Morrtivlat,, Str. RZil SV— tSt S7. Montag, den 13. September 1�9. vorwärts-verlag S.m.b. h., EW. SS, Linöenstr. Z. Fernsprertier: Amt Moritzplatz. Nr. 117 33—54. Rücktritt öes serbischen Kabinetts. Belgrad, 15. September. Havas. Ter Rücktritt des Kabinetts wird bestätigt. In einem amtlichen Schreiben, das vom 12. September datiert ist, wird ausgesührt, daß der Rücktritt begründet liege in den diplomatischen Schwierig- leiten, die dazu sührten, dah Südslavien sich weigerte, den Friedensvertrag mit Oesterreich zu unterzeichnen. tzoover über üie europäische Lage. Der Chef der amerikanischen Nahrungsmittelverwaltung H o o v e r ist am Sonnabend in New N» o r k eingetroffen. Er er- klärte, daß Europa endlich zur Wiederaufnahme der Arbeit bereit sei, um zu normalen BerhälMissen zurückzukehren. Eine allgemeine Wiederherstellung der Ruhe sei aber nicht möglich, solange der F r ie d e nicht überall bestehe und anerkannt sei. Die Berzögerung beim Abschluß des Friedens werde schwierige Folgen haben. De? Völkerbund würde erst durch den Frieden selbst zu einer konstruktiven Einheit gemacht. die rustisthe Hegenrevolution. Die„H« m a n i t e" erfährt, daß sich Großfür st Michael Romanonew, der Bruder des verstorbenen Zaren, aus Perm, wo er gefangen gehalten wurde, geflüchtet hat. Er befindet sich gegenwärtig im Hauptquartier Koltschaks und schickt sich an, die Rolle eiweS Thronprätendenten zu spielen. Streikaufschub öer holländischen Sinnenschiffer. Au» Utrecht wird gemeldet: Die gestern hier abgehaltene Versammlung der B i n n e n s ch i s f e r. die 35 Abteilungen mil 2500 Arbeitern umfabt, beschloß, den Streik um eine Woche hinauszuschieben._ Amerika und die Türkei. Der Londoner Korrespondent de?«Echo de Paris" will aus ermächtigter Quelle vernommen haben. daß Wilson der britischen Regierung mitteilen ließ. die Vereinigten Staaten dächten nicht im cnt- ferntesten daran, ein Mandat über die europäische oder asiatische Türkei anzunehmen. Ministerprästüent Friedrich über die Situation. Mnisterpräsident Friedrich erklärte neuerdings, er werde die Macht, die ihm die Revolution(soll wohl heißen: Gegenrevolution!) in die Hand gegeben, höchstens der En- t e n t e übergeben. Er werde aber nicht mit Leuten verhandeln, die gestern noch Bolschewisten waren und, wenn sich öer .Wind drehe, morgen wieder Kommunisten würden. Von Judenverfolgungen könne keine Rede sein, es gäbe nur eine Kommunistenverfolgung. Gefterreichisthe Krieyerfürforge. Wer für den deutschösterreichischen Staat,, die vormalige öfter- reichisch-ungarische Monarchie öder deren Verbündete militärische Dienste nicht berufsmäßig geleistet hat, oder ohne solche Dienstleistung unverschuldet in militärische Handlungen verwickelt worden ist und hierdurch in seiner Gesundheit geschädigt wurde, hat Anspruch auf Vergütung aus Staatsmitteln. Am 25. April hat die Zkattonalversammlung das neue Jnvalidengefetz genehmigt. Trotz des Milliardendefizits wird O e st e r r e i ch als erster Staat unter allen kriegführenden Staaten ein I n v a li d e n- gesetz besitzen, das für 100 000 Kriegsbeschädigte und 80 000 Kinder derselben, für 125 000 Kriegerwitwen und 223 000 Kriegs- Waisen aufkommt und wofür der Staat jährlich 346 Millionen zu: Verfügung stellt. DaS Gesetz bietet den Kriegsbeschädigten nicht bl-�s Renten, die nach der Beschäftigung vor dem Kriege abge- stuft sind und auf dem flachen Lande mindestens 1200 Kronen, in Großstädten in den höchsten Stufen bis 3330 Kronen, bei Fest- angestellten 4320 Kronen jährlich betragen, es ist weiter für Herl- behandlung der Invaliden, für Körperersatzstücke und ortho- pädische Behelfe, für berufliche Ausbildung, sowie für ärztliche Hilfe im Falle der Erkrankung gesorgt, wobei die Invaliden, falls sie sich in Spilalpflege befinden, ein Krankengeld von 2 Kronen täglich erhallen. Zur Invalidenrente gesellen sich noch Zuschüsse für die Kinder der Invaliden bis zum 18. Lebensjahre und Personen. die derart iriegsbcsck'ädigt sind, daß sie ständig die Hilfe einer anderen Person bedürfen, erkalten einen Rentenzuschuß, der je nach der Größe des Ortes 800 Kronen bis 1600 Kronen jährlich be- trägt. Für die Hinterbliebenen, die Wittwen und die Kinder, aber auch die Eltern bzw. Geschwister des Invaliden sind Renten vorgesehen. DaS Gesetz'st zum Selbstkostenpreis vom Deutschösterreichischen Soldatenrat, Regens- bürg(B a h e r n), zu beziehen. ZchlichtungsauSfchuß für PerkehrSanstalten. Im RcichSarbeitS- mu'.isteriuin wird eine Novelle ausgearbeilet. wonach bis zur Ein- sctzung des nach der Verordnung vom 23. Dezember 1918 für die Verkebrsanstallen des Reichs und der Bundesstaaten voigesehenen besonderen SchlichlungSauSschuffes daS R.'ichsarbeitsminlsterium einen Schlichtung Saufchuß für die Erledigung der Arbeitsstreitig- teilen bei den PerkehrSanstalten bestimmen kann. Die Selbständigkeit der Dominions. .Times" meldet aus Kapstadt, daß General Smuts im süd- afrikanischen Parlament einige wichtige Erklärungen über die durch die Kriegsereignisse und die Beschlüsse der Konferenz von VeisailleS herbeigeführten Veränderungen in den Beziehungen Großbritanniens zu seine» D»mini«ns abgab. Smuls tagte, bis zum Jahre 1918 hät'en die britischen Minister alle die Dominions betreffenden Angelegenheilen behandelt und alle darauf bezüglichen Dokumente unter, eichnet Hierin fei in Paris insofern erne Äenderuirg eingetreten, als die Vertreter der Dominions zum ersten Male im Namen des Königs den Friedensvertrag unter- zeichnet hätten. Diese Aenderung bedeute, daß die Vertreter der Dominions in Zukunft in deren Nomen auftreten würden. Was den Völkerbund betreffe, so sei eS nicht richtig, zu sagen, daß das britische Reich ihm als Ganze? ang-böre. ES bilde eine Gruppe, in der Südafrika genau dieselbe» Rechte habe wie England. Der Delegierte Südasrilas für den Völterbund werde alsbald ernannl werden._ Deutsches Gold für London und Kanada. „Dailb Mail" berichtet, baß 450 000 Pfund Gold aus Deutsch- land für die englische Bank über Amsterdam eingetroffen sind. Ein Teil des Goldes würde sofort nach Kanada weiter- gesandt zur Bezahlung der Nahrungsmittel, die Kanada nach Deutschland geliefert hat. Eine andere deutsche Goldsendung ist gleichfalls in Lonöon eingetroffen, und auch südafrikanisches Gold im Werte von l�h Millionen Pfund wurde vorgestern in P I y m o u t h gelandet._ Eine englische Anregung. AuS England eihalten wir folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung: Um die Verständigung zwischen Deutschen und Engländern zu erleichtern, werden deutsche Staatsongehörige, die bereit sind, mil Engländern in Briefwechsel zu treten, gebeten, an unten- siebende Adresse ihren Namen und Wohnsix anzugeben. Der Unter- zeichnete wird sich bemühen, die Möglichkeil eines schriftlichen Meinungsaustausches zwischen beiden Nationen zu vermitteln. William Varley 55 Chestnut Grobe New Earswiek, Jork, England. Staatsanwalts antrag imGeiselmordprozeß. Der Staatsanwalt wird in seinem Plaidoster gegen die Geiselmörder folgenden Antrag stellen: Gegen Fritz S e i d l und S ch i ck l h o f c r zweimalige T o- deSftrnfe, Verlust her bürgerlichen Ehrenrechte; einmalige TadeSstrafe gegen Joseph Seidl und H e s s e l m a n u, Lermer, Puerzer, Fehmer, Hannes und Rieth- meyer; 15 Jahre Zuchthaus gegen den Schreiber G f e l l: 15 Jahre Zuchthaus gegen Kick, Boekel, Huber und Schmittele; Freispruch mangels Beweises gegen den Studenten Petermaper. Das Urteil dürfte aller Boraussicht nach am Mittwoch gefällt werden. �_ Und wieder: Die Kaiserbilder. Den Herren GNmnasiasten fehlt etwas, wenn sie nicht Hurra schreien können. Und da es in einem republikanischen Staate nun einmal nicht üblich ist, den Präsidenten in das Morgen- gebet mit einzuschließen oder ihn zu Beginn und Schluß der Schulferien sowie bei sonstigen schönen Anlässen anzuhochen, so kriselt eS in den Schulen, soöald die Ausübung des gewohnten Byzantinismus unmöglich gemacht wird. Auf Grund deS bekannten Erlasses. deS Kultusministers wurden auch Bilder Friedrichs II., den die Hohenzollernlegende als„Den Großen" bezeichnet, des Freiherrn v. Stein, Bismarcks, Moltkes usw. entfernt. Das war ein Irrtum. Es sollten näm- lich nur Bildnisse des letzten deutschen Kaisers und des Krön- Prinzen entfernt werden, nicht auch solche von Persönlichkeiten, deren Wert und Bedeutung unabhängig von ihrer Beziehung zu der jeweiligen StaatSautorität geschichtlich feststeht. Auf diese Tatsache wird nun nochmals hingewiesen, und es ist zu hoffen, daß die Herren Schüler sich nunmehr endlich be- ruhigen werden. Man sollte meinen, daß sie auf Grund ihrer, dem Proletarierkinde gegenüber angeblich besseren Ein- ficht die Aufgaben der Zeit besser erfaßt hätten; aber man soll sich nur von einer Ueborschätzung dieser kommenden Geisteshelden hüten, die sich, 18jährig, monokeltragend und farbengeschmückt, jahrzehntelang als Führer der Nation gefühlt haben. Das sind Gefühle, die sich nicht so leicht von heute aus morgen abge- wohnen lassen. Im übrigen ist das Kultusministerium fest entschlossen, jedem Versuch, die Schule zu reaktionär-nionar- chistischen Treibereien zu gebrauchen, entschiedenen Widerstand entgegenzusetzen. Zum Fall Reinhard. Der Fall des Fuhrers der Reichswehrbrigode Berlin, des Obersten Reinhard, droht sich zu einem politischen Konslikt von ernster Bedeutung auszuwachsen. Wie liegt dieer es herrscht nun einmal jetzt noch auf keinem Gebiete völlige Ordnung. Das deutsche Heer der Zukunft ist nach dem Machtwort der Entente ein Söldnerheer, das wir hinnehmen müssen mit all seinen Mängeln und Schwächen. Deshalb ärgere man sich doch auch nicht über solche Kleinigkeiten wie Tressen. Wir werden den Soldaten, die sich aus 12 Jahre verpflichten sollen, vielleicht noch ganz andere kleine Konzessionen machen müssen.(Sehr richtig!) Dank der Politik der Unab- hängigen war bis zu der Zeit, da ich mein Amt antrat, über- häupt keine Schutzmacht für die Regierung vor- Händen. Die Massen der organisierten Arbeiter stellten sich mir nicht zum HereSdienst, obwohl ich sie so dringend gebraucht hätte. So mußte ich nehmen, was ich bekam, llnd ich respektiere noch heute die Leute, die damals sich in Gefahr begaben. Der„Vorwärts" maöbe sich ein spezielles Vergnügen dar- mi§, alle Kleinigkeiten, die ihm von unkontrollierbaren Leuten zugetragen werden, zu registrieren; eine ganze Reihe dieser Nach- richten seien falsch Kuttner, der seiterzcit unter ihm das Gc- biet dWer Tag für Tag Dreck an die Einrichtungen werfe, mit denen wir notgedrungen jetzt arbeiten müßten, treibe Sabotage an sich selbst. Es sei einfach lächerlich, daß eine Truppe niit selbstgew ählten Führern im ern st haften Kampfe etwas leisten könne. Eine solche Formation spränge dann wie GlaS auseinander. ES gehörten Leute an ihre Spitze mit großer Energie. Die Zahl der Offiziere, die in letzter Zeit in diesen beklagenswerten Kämpfen gefallen sei, sei ganz be- trächtlich. Er bedauere ganz außerordentlich wenn dann ein Teil der Parteipresse in dieser Hinsicht Dinge berichte, die mit der Wirklichkeit nichts gemein hätten. Jetzt stelle sich allerdings ein Teil Offizier« der Regierung zur Verfügung, die angeben, uns in ihre» Anschauungen sehr nahe zu stehen. Er spreche ganz offen auS, wenn er vor die Frage gestellt werde, einen Mann als Offizier anzunehmen und zu befördern, weil er angeblich ein Sozialdemokrat sei oder«inen Mann, der auS seiner gegenteiligen veberzeugung kein Hehl mache, sich aber der Regierung ehrlich und vorbehaltlos zur Verfügung stelle, so wähle er den letzteren, weil er und die Regierung bester dabei fahre. Wer sich in solcher Stellung mit den heutigen Verhält- -uissen nicht abfinden und sich nicht darein fügen könne, der müsse selbstverständlich seiner Wege gehen. Darum brauche man über solche Vorgänge nicht allemal großes Geschrei zu erheben und Dinge an die Wand zu malen, denen wir jederzeit ge- wachsen feien. Die Parteigenossen sollten sich deshalb hüten, auf jeden Spektakel hereinzufallen. Der Oberst Reinhard sei«in solches Zugmittel gewesen, mit dem man in den letzten Tagen operiert habe. Auf den Zuruf: „S ch e i d e m a n n" bemerkt Redner, daß er sich gestern mit Scheidemann auseinandergesetzt und ihm erklärt habe, daß man sich zur Beurteilung der Sachlage schon im Lande an Ort und Stelle befinden müsse. Der Mann, auf dessen Mitteilungen sich Scheidemann verlassen habe, sei ein wegen seiner unqualifizierten Eigenschaften bestrafter und degradierter früherer Offizier. Scheid«mann sei auf ihn hereingefallen, wie er sich habe davon überzeugen müssen. Er'(Redner) werde morgen den dienstlichen Bericht Reinhards vorfinden und darnach das Weitere veranlassen, wenn sich herausstelle, daß das Verfahren Reinhards mit der Aufiassung der Regierung unvereinbar sei. Er richte nur die Mahnung an die Parteigenossen, ein klein wenig Vertrauen in unsere Politik zu haben und nicht gleich wegen jeder Kleinigkeit zu Heulmeiern. Man könne nicht von jedem Manne, der jetzt für die Regierung tätig sei, fordern, daß er seine Lebensüberzeugung«im Handumdrehen wechsele. Man müsse ihm auch Zeit gebeu. sicki in die neuen Verhältnisse hineinzufinden. Wenn morgen ernstlich die Konterrevolution siegen würde, so sei die Schuld zum größten Te'l auf das Konto der deutschen Arbeiterschaft zu setzen. Er richte darum die Aufforderung an die Genossen, daß sie ein wenig mehr Vertrauen in die eigen« Kraft betätigten, dann werden sie die Konterrevolution nich-i zu fürchten brauchen. Mit Gefühlsduselei und Sentimentalität könne man heute keine Politik'treiben. Mut, Tapferkeit und Selbstvertrauen gehören da- weiß, die großen Kathedralen und die Werke unvergänglicher Mal- kunst sind entstanden, ehe es Hochschulen und Akademien gast als Enthusiasmus und Lehre, Können und Wissen aus der Werkstatt, aus der Bauhütte weitergegeben, vererbt wurden, als die� Kunst nicht abgespalten schien, in einen alle paar Jahre wechselnden Kanon von Lehrplänen eingeschaltet, sondern hohes handwerkliches Können, Tradition, Ehrgefühl, Liebe zum Werk. So soll die Schule innerlich umgestaltet werden, indem sie den Schüler zum„Lehr- ling" macht, der nicht in einem Stundenplan von allem etwas er- fährt, sondern der am Bau, am Werk mitschaffcnd zum Meister heranreifen soll.' 'Diese Fragen sind noch nicht bis zum letzten formuliert, aber sie sind unterwegs. Es handelt sich dabei nicht darum, daß die Hand- werkliche Richtung gewählt werbe, um die„industrielle" zu ver- lassen. Beide befruchten und ergänzen sich, haben aber einen ver- schiedenen sachlichen und seelischen Rhythmus. Tie Industrie wird, wo eS sich um rein technische Formung handelt, immer darauf sehen sollen, daß diese klar, damit anständig und überzeugend sei— dann ist sie auch schön, immer relativ zu dem Formgefühl, das sie trug, und zu dem Stand der technischen Entwicklung. Wo cS sich um die.Kunstindustrie" im«ngeren Sinne handelt, ist sie Hand- werklicher Herkunft und in dem Maße wertvoller, als sie sich diese? Zusammenhanges bewußt bleibt. Diesen zu erhalten ist heute not- wendiger als je; denn Rohstofinot und Arbeitslohn sollen der Er- zieher werden zur höchsten Belastung des Materials mit voll- kommener durchgebildeter Arbeit. Die schlechte Valuta, mit ihrer Tendenz zur Ausfuhrerleichterung, ist hier eine Feindin der Ent- wichung zur höchsten Qualität— denn beute wird alles gekaust. Mancherlei neue Probleme aus der Fragenreihe: Oeffentlich- keit und Kunst schwingt nach. Der wichtigsten eines ist die Gestaltung deS Baubeamtentums; die städtische, staatliche Regelung des Bauwesens.>An verschiedenen Stellen wird der Versuch ge- macht, daZ Bauwesen der behördlichen Körperschaften zu entbureau- kratisieren und den freien Architekten nicht nur mehr Mitarbeit sondern mehr Mitverantwortung für das gesamte Bauwesen zu geben. Heute haben wir hier, von geringen Ausnahmen, das Re- gimcnt des ZufaflS oder des Subalternen. Wird hier ein Weg gefunden, dann leistet die Künstlerschaft die große Aufgabe der Selbstzucht und Selbsterziehung. Die Stuttgarter Werkbundtagung hat hier ein wichtiges Kapitel angefangen— an den Architekten liegt es, die Klärung zu finden, die das Bauen wieder zu einer Sache künstlerischer Verantwortung macht. �eoniü �tnürejew. Der russische Dichter Leonid Andrejew ist nach schwe- dischen Meldungen in einem finnischen Badeorte an einem Herzschlage gestorben. In den Jahren vor und nach der ersten russischen Revoluno« war der Name Andrejews einer der populärsten der russischen Lite- zu. um gemeinsam unser Land und Volk wieder in die Htöhe zu bringen.(Stürmischer Beifall.) Genosse Kuttner, der augenblicklich verreist ist, wird aller Voraussicht nach zu den Angriffen Noskes gegen ihn noch Stellung nehmen. Schon nach dem vorliegenden Bericht besteht kein Zweifel darüber, daß Noske über die Be- weggründe zur Haltung des„Vorwärts" durchaus falsch in- formiert war. Das ist bereits in dem heutigen Leitartikel dargelegt. Im übrigen wird die Haltung Kuttners nicht nur voy der Redaktion des„Vorwärts", sondern auch von weitesten Volkskreisen in einer Weise geteilt, die die gegen ihn persönlich gerichteten Angriffe zum mindesten als sebr ein- seitig erscheinen läßt. Red. d.„Vorwärts". Unabhängige Argumente. Wie die Hamburger„Kommunistische Arbeiter-Zeitung" be- richtet, wurde in einer Versammlung der Unabhängigen in B a r m b e ck der Kommunist P r u m m. weil er Zwischenrufe ge- macht hatte, aus dem Saal getrieben, von etwa 100 VerfammlungS- teilnehmern verfolgt, die Kleider wurden ihm vom Körper gerisien, er wurde mit Fußtritten traktiert. Schließlich mußte er die Polizei um Schutz ersuchen, die ihn durch einige Beamte nach Hause begleiten ließ. Das Kommunistenblatt bemerkr dazu, daß eS an seinem Kommunisten Prumm die Spuren der Prügel noch deutlich wahrgenommen habe. Immer schneidig. Bei seinem Rücktritt als bayerischer KriegSminister richtete der Genosse Schneppenhorst eine Kundgebung an die b a y e r i s ch e Armee, in der er die Heeresangehörigen als Kameraden und mit „Ihr" anredete. Das hat den hochwohlgeborenen Freiherrn v. G e b s a t t e I, Generalmajor z. D., so schwer geärgert, daß er an den Genossen Schneppenhorst einen offenen Brief richtete, in dem er diesen als„Emporkömmling der Revolution" bezeichnete Wir können verstehen, daß es für einen Generalmajor der wilhelminischen Epoche hart ist, wenn ein Revolutionär Kriegs- minister wird, der nicht als Freiherr auf die Welt gekommen ist. Dagegen hatten wir immer gedacht, daß gerade diese Kreise besonderen Wert auf die vertrauliche Anrede.Ihr" legten, die sie in ihren Kundgebungen in nicht immer passender Weise anwandten. Oder sollte das nur den„KerlS", den.Gemeinen" gegenüber zu- lässig sein? Gerade Herr v. Gebsattel dürste der Ungeeignetste sein, um von Anmaßung zu sprechen; denn nicht nur den preußi« scheu Leutnant, auch den bayerischen Generalmajor macht unS so leicht in der Welt keiner nach. Frivole Wissenschaft. G. E. Graf stellt im.Sozialist" treffend fest, daß die Kohlenförderung unter der Vorkriegsleistung zurück« bleiben muß. weil während des Krieges in allen Ländern damit Raubbau betrieben worden ist. Die Ingangsetzung alter und Niederbringung neuer Schächte werde, wie jeder Keuner bergbau- licher Verhältnisse weiß, oft viele Monate, selbst mehrere Jahre in Anspruch nehmen.— Zwei Seiten daraus schreibt er:.Vor ollem jedoch, wir hätten Kohlen, genügend Kohlen, wenn mit der Goziali- sierung ernst gemacht worden wäre." Denjenigen, die'S bisher nicht ahnten, i'ei'S also gesagt: Das Wunderwörtchen.Soziali- sierung" schafft's? Es ist der Schlüssel zur Ueberwinduag von Schwierigkeiten, die die Sozialisateure selbst zugeben, es ist die Eselsbrücke für alle Wissenschaftler, die zwischen wirtschaftlichem Schaffen und Straßenichlagwort vermitteln wollen. Auch wenn man ielbst tnnerlich nicht recht daran glaubt und seine Wissenschast« liche Ueberzeugung damit besudelt..... Achtung, Schlcswiger! In wenigen Wochen findet j» Nord- und Mittelschleswig die V o l k.s a b st i m m u n g über die künftige Nationalität dieser Landesteile statt. An ihr teilzunehmen ist Pflicht aller stimmberechtigten Deutschen. Alle über 20 Jahre alten Männer und Frauen werden dringend gebeten, ihre Adresse mit Wohnort, Geburtsort und Geburtstag dem deutschen Aus schütz für Schleswig- Hol st ein, dessen Berliner Be- schäftSstelle Burgstraße 30 sich befindet, anzugeben. Für Stiimn- berechtigte wird zur Wahl freie Reise, Unterkunst und Verpflegung zugesichert. DaS ErbschaftSstenergesetz ist nunmehr im ReichSgesetzblatt ver- öffentlicht und rückwirkend vom 1. September IStg ab in Kraft getreten. ratur. Auch in Deutschland gewann er mit seinen Novellen einen großen Leserkreis; besonders die Arbeiterpresse bereitete ibm den Boden. Im„Vorwärts" sind damals mehrere seiner besten Er-' Zählungen erschienen, darunter:„das rote Lachen" und„die Geschichte der sieben Gehängten". Andrejew wurde zusammen mit Gorki genannt, und sie beide galten als die Hauptrepräsentanten der russischen Literatur. Im Grunde hängen aber die beiden wenig zusammen. Gorki ist aus der Tiefe des VolkeS aufgestiegen, hat mit urwüchsiger Kräft zunächst Typen der russischen Barfüßler ge- zeichnet, instinktiv die Sehnsucht der Masse gestaltet und ist dann als Sozialist der Fortsetzer der russischen Bewegungsliteratur ge- worden, die die Kunst als Teil des Befreiungskampfes erfaßte. Andrejew ist viel komplizierter: er ist bürgerlicher Herkunft, oeka- denten und pessimistischen Strömungen zugänglich,«in feiner Hin- Horcher und eindringlicher Psychologe, der Impressionist, der die Dinge und Menschen bespiegelt, ohne sie beeinflussen und umge- stalten zu wollen. Müdigkeit und Skeptizismus, wie sie aus langem qualenvollen Druck entstehen, haben ihn gezeichnet. Aber er ist dadurch auch befähigt geworden, mit ungemein verfeinerten Nerven Stimmungen und Reflexe aufzunehmen, die für das Leben russischer Intellektueller bezeichnend waren. Seine bohrende Psy- chologie. seine Fragen, die vor keinem Ideal halt machten, seine Sucht, die Kehrseite aller Medaillen zu sehen, machen ihn zu einem wichtigen Entschleierer, wenn seine ganze Art schließlich auch nur ein Ende und keinen neuen Aufstieg bedeutet. Andrejew? Grundstim- mung ist fatalistisch-pessimistisch, er steht das Gebundene und Nutz- tige alle? Menschlichen. In den Dramen kommt der passive reflektierende Charakter AndrcjetvZ am meisten zum Ausdruck und hemmt dadurch seine Wirkung. Wrder„Sawa" noch„Zu den Sternen", das immerhin einen freudigen Aufschwung atmet, noch„Da» Leben de« Men- schen", daS eine pessimistische Absage darstellt, sind buhnenbc- berrschend geworden. In den Novellen„Das rote Lachen",„Die sieben Gehängten", der packenden Schilderung der Todesangst und ihrer Ueberwindung, und«inigen anderen wird vaS beste von An- rdejetv lebendig bleiben. Seit der bolschewistischen Revolution, die er bekämpfte, war der Dichter nach Finnland geflüchtet. Sein letztes Werk, das rn Deutschland bekannt wurde, war das Tagebuch eines Kleinbürgers während des Krieges(„unter dem Joche des Krieges"), das keine Bereicherung seines Schaffens be- deutete.__ K. H. D. Notizen. — Heinrich V og e l e r ü he r den Kommunismus. Der Worpsweder Maler Heinrich Vogeler, der sich bekanntlich den Kommunisten angeschlossen bat und«ine kommunistische Kolonie bei Worpswede begründete, veröffentlicht jetzt eine Abhandlung über seine philosophischen Ideen, die unter dem Titel„DaS neue Leben im Verlag von Paul Steogemann, Hannover, herauskommt — Friedrich M o e st liest am Sonnabend, abends"fai Ahr, Fasanenstr. 88, Novellen von Anton Tschechow. > Verkbunö-Nachklange. Von Dr. Theodor Heuß. Vier Tage lang ist jetzt der Deutsche Werkbund in Stuttgart beisammen gewesen, um in mannigfacher Aussprache die neueü Tatbestände deS wirtschaftlichen Seins zu überprüfen und die Augen für das Werdende wie für das Notwendige zu öffnen. Mancher mag sich der heftigen Auseinandersetzung erinnern, die knapp vordem Ausbruch deS Weltkriegs in Köln gepflogen waren und in dem Gegensatz MuthesiuS— van der Velde eine sehr scharfe Pointierung besaßen: geht der künstlerische Weg zur Typenbildung, bleibt er bei der ungebundenen Freiheit der erfinderischen Individualität? Diese Problemstellung ist heute als Gegensatz überwunden. Kaum ihr Nachhall war zu spuren. Denn für das gewerbliche Schaffen ist heute der Weg zur Norm und zur Type zwangsläufig geworden, weil in ihr sich die innere wirtschaftliche Ersparnis ausdrückt, zu der uns die Armut nötigt. Darüber spricht man nicht mehr; freilich vermeidet man es auch, Ergebnisse des technischen und ökonomischen Nationalismus als Forderung der Kunst anzu- sprechen. Gewiß, sie haben ihren ästhetischen Wert in sich, in ihrer Gebundenheit die einer unruhigen und wahllosen Formenanarchie entgegenwirkt, und man bestätigt sich die Schönheitswcrte des Typus etwa aus den geschichtlichen Beispielen alter Fridericiani- scher Siedlungen— aber ohne Pathos. Stärker meldet sich nun, indem hier für die großgewerbliche Herstellung, für die Massenproduktion ein« Entwicklung sachlich ge- sichert scheint, die Frag'e der individuellen, der schöpferischen Be- tätigung, und eS ist charakteristisch, daß sie sich nicht so sehr mit dem Begriff der„5htnst" verbindet, der„künstlerischen Freiheit". sondern mit dem deS Handwerks. Zweierlei Bewegungen begegnen sich: die jungen Künstler leben von dem Gedanken der Einheit der Künste, die im Bauen ihre Heimat, ihren Halt besitzt, und sie wollen ihr Schaffen darum aus.der Vereinzelung gelöst wissen. zum Zusammenklang gebracht, irgendwie Diener de? Größeren. DaS läßt sie erkennen, daß nicht irgendwie formale Schulung und Geschicklichkeit, fondern da» schlechte Können, die innere Verbun- denheit mit der Arbeit der Weg zur Erneuerung ist Und umge- kehrt meldet sich im Handwerk, das trotz allem, was man sagt und trotz vieler vernichteter Einzelexistenzen las Berufsstand den Krieg gekräftigt durchgemacht hat, Selbstbewußtsein— zugleich das Gefühl, dafsdre für tue nächsten Jahrzehnte gewachsene Bedeutung des neuen Marktes ihm ökonomisch eine nicht ungünstige Zeit vor- bereitet. Notwendig ist, daß zu diesem Gefühl noch ein bewußterer Stolz für die eigentliche Berufung zum verantwortlichen Schaffen hinzutrete.. DaS Herausarbeiten des handwerklichen Gedankens war in dem Referat von Stadtbaurat P o e l z i g- Dresden die theoretisch wichtige Leistung— ihre praktische Konsequenz liegt, innerhalb dieses Gedankenkreises, nickt in irgendeinem wirtschaftspolitischen Programm, sondern im Neuaufbau des Erziehungswesens. Hier erscheint daS Kernproblem der„Kunstpolitik" dieser Zeit Man Ein neuer Sünöenbock Luöenöorffs. Herr Ludendorff braucht viele Sündenböcke, um auf sie da? ganze Matz seines weltgeschichtlichen Irrtums zu der- teilen, datz ein militärischer Generalfieg Teutschlands bevorstünde, während tatsächlich das gerade Gegenteil der Fall war. Einer der Männer, auf den er seine Sünden abzu- laden sucht, ist der vorletzte Staatssekretär des Auswärtigen Amtes unter dem alten Regime, der Admiral v. H i n tz e. Diesen Nachfolger v. Kühlmanns hat die Oeffentlichkeit da- mals mit starkem Mitztrauen empfangen. Er galt als Area- tur Wilhelms und Werkzeug der Militärkamarilla. Mit Unrecht, v. Hintze war ein Mann, der in einer ziemlich langen diplomatischen Laufbahn nach seiner Marinezeit die Welt geseihen und Verständnis für die wirkliche Lage der Dinge gewonnen hatte. Er erkannte genau wie Kühlmann die Notwendigkeit, durch Verhandlungen zum Frieden zu kommen. Wenn er in dieser Richtung nicht viel getan bat, so deshalb, weil schon der Knüppel der Niederlage beim Hunde lag. Noch im Juli 1318 hatte L u d e n d o r f f der Reichs- leitung den überwältigenden großen Endsieg ver- sprachen. Erst am 13. August meldete er, datz es in Wahrheit faul stünde, gab aber noch der Hoffnung Aus- druck, durch kräftigen militärischen Widerstand die Feinde zu ermüden und friedensgeneigt zu machen. Ludendorff wirst nun Hintze vor, datz er den ganzen anderthalb- monatigen Zestraum bis Ende September verstreichen ließ, ohne etwas Entscheidendes für die Erreichung des Friedens durch neutrale Vermittlung zu tun. Ob das richtig ist, steht dahin. Es scheint— so schreibt die„Soz. Korr."— als ob eine Vermittlung Hollands nachgesucht worden ist, die aber nicht zum Ziele führte. Als in den letzten Septembertagen Ludendorff von der nahen Möglichkeit einer militärischen Katastrophe sprechen mutzte, regte Hintze den Rücktritt der Regie- rung H e r t l i n g an, damit die neue parlamentarische Re- gierung des Prinzen Max mit besserer Aussicht auf Er- folg nun nicht mehr Frieden anbieten, sondern um Frieden bitten könne. So geschah es, und der Friede ist so aus- gefallen, wie ein rücksichtsloser Sieger ihn eben einem völlig überwundenen Feinde diktiert, der nach gewaltigen Kriegsleistungen schließlich um Frieden bitten mutz. Die Auseinandersetzung zwischen Hintze und Ludendorff, die jetzt in den Zeitungen geführt wird, dreht sich nun dar- um, ob ein besserer Friede zu erreichen gewesen wäre, wenn Hintze schon von Mitte August an mit rück- stchtsloser Energie darauf hingearbeitet hätte. Der frühere konservative Parteiführer Westarp äußert sich dazu in langen Artikeln, in denen er zu folgendem Ergebnis ge- langt: Nicht an verblendeter Halsstarrigkeit der Obersten HeereS- le-itung und nicht an Versäumnissen deZ Auswärtigen Amtes im August und September chat eS gelegen, datz wir zu dem Waffenstillstand vom 11. November und dem Frieden von Ver- failleS gekommen find. Die Ursache war der Vcrnichtungswille der Feind«, den sie auf keine Verhandlung irgendwelcher Art und zu irgendwelcher Zeit, sondern nur dann aufgegeben haben würden, wenn wir uns nicht wehrlos gemacht, sondern ihm bis zuletzt kraftvollen Wider st and entgegengesetzt hätten. Die Schlußfolgerung ist sehr heiter. Wir sollten Wider- stand bis zum Aeutzersten leisten, nachdem L uden dorff den Krieg verloren gegeben hattel Dieser Widerstand hätte uns höchstens zu sofortiger völliger Vernichtung führen können, zu sonst, nichts. Zuzugeben ist auch, daß Hintze nicht? versäumt hat. Um eine kleine Chance für einen erträglichen Frieden zu haben, mutzte er, Ludendorffs Worten trauend, einen Zeit- Punkt abwarten, wo die deutschen Truppen wieder fest- standen. Dieser Zeitpunkt trat aber nicht ein, vielmehr wurde die Lage des HeereS immer katastrophaler. Danach bestand keinerlei Aussicht mehr auf einen auch nur hinkenden Ver- ständigungsfrieden. Die militärische Niederlage bedingte den Vernichtungsfrieden. Die verblendete Halsstarrigkeit der Ober- st e n Heeresleitung lag nicht am 13. August. AIS das deuffche Heer wich, kam jede Einsicht zu spät. Der Wahn- sinn liegt vielmehr darin, das Ludendorff noch im Juli den zerschmetternden Sieg durch Angriff in Aussicht gestellt hatte. Hätte er statt dessen schon im Winter 1916 an die Bemühungen um einen Verständigungsfrieden— auch einem opferreichen— rückhaltlos unterstützt, was je mutzte, wenn er die militärische Lage richtig beurteilte, dann wäre eine Möglichkeit des Friedensschlusses ohne Zusammenbruch eröffnet worden. Wer der Siegestaumel ritz ihn fort und be- herrschte ihn so lange, bis die Katastrophe da war und die Ausficht auf einen erträglichen Frieden in Nebelwolken ver- schwand. Der Streit Hintze-Lüdenborff und der Kommentar Westarps bestätigen lediglich diesen einfachen Sachverhalt. Di« Frankfurter Einfuhrmesse. Das niederländisch« Generalkonsulat und voraussichtlich auch die franzö- fische Wirtschafts stell« Mainz wird auf der Frankfurter Messe ein eigenes Auskunftsbureau einrichten. Anmeldungen zur Beschickung der Messe lausen beim Metzamt ununterbrochen in so großer Zahl«in. datz neue Unterkunftsmöglichkeiten für Aussteller nötig wurden. ES sind S Schulen in Aussicht genommen. Znöustrie und Handel. Börse. Auch im Heuligen Verkehr dauerte der Taumel in Kalo- nial papieren fort. Aber die starken andauernden Aufwärts- vewegungen scheinen ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Pomona notierten mit ZOfK) ungefähr wie am Sonnabendschlutz, Deutsche Kolonialantcile gingen von l3lK) auf 1340, Neu-Guninea von 280 auf 287, Otavi Anteile von 230iz auf 23ö Proz., Otavi Genüsse von ISO auf 165. Sloman Salpeter von 460 auf 480. Am V a. lutamarkt waren starke Schwankungen in Kanada zu verzeich. Zst!*. Baltimore unverändert 184. Steaua Romana anziehend auf 570, Deutsche Petroleum anfangs 10 Proz. höher, später 5 Proz. niedriger. Deutsche Erdöl leicht gebessert. rie � 1 � st lagen alle Schiffahrtsaktien auf die in Aussicht gestellte Regelung der Entschädigungen. Bevorzugt waren Hapag, die 4 Proz. gewannen. Sehr fest lagen auch alle Kali- Papiere unter Bevorzugung von Deutschen �ali-Aktien, die 14 Proz. anzogen. Am Montanmarktc oberschlesische Werte bevorzugt auf bessere Kohlenförderung in Oberschlesien. Ober- bedarf 7 Proz.. Caro 5 Proz., Laura 3 Proz. höher. Stark steigend namentlich im weiteren Verlaute BiSmarckhiitte, die 17 Proz. ge- wannen. Anllinpapiere gleichfalls steigend, namentlich Elbcrfelder und Höchster Farben, dagegen Badische Anilin nachgebend. Rüstungswerte 3 bis 4 Proz. höher" Kriegsanleihen und die älteren heimischen Anleihen unverändert. GroßSerlln Die Befreiung vom Religionsunterricht. Die in den Berliner Gemeinde schulen vorgckom- menen Versuche, bei Anträgen von Eltern auf Befreiung der Kinder vom Religionsunterricht die Antragsteller umzustimmen, werden in der nächsten Stadtberordnetensitzung noch- mals zur Sprache gebracht werden. Verhandelt wird über folgen- den vom Stadtverordneten Dr. W e y l(U. Soz.) und vom Stadt- verordneten Genossen Bruns(Soz.) unterzeichneten Antrag vom 4. September, der schon in der vorigen Sitzung auf der Tagesordnung stand:„Die Stadiverordnetenversammlung wolle beschlietzen, den Magistrat zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, datz die Schulkinder auf schriftlichen Antrag der Erzichungbercch- tigten ohne weiteres vom Religionsunterricht befreit werden, und datz durch die Lehrer keinerlei Beeinflussung der Eltern oder Kinder versucht wird." Inzwischen hat die Demokratische Fraktion gleichfalls einen Antrag eingebracht, der mit dem Zugeständnis, daß die Schule den Antragstellern auf Wunsch ihren Rat er- teilen darf, wohl eine Hintertür öffnen soll. Ein neuer Trick. Tic angehäuften Kapitalien der Versicherungsgesellschaften, die ja ohnehin eine schwindelhafte Höhe erreicht haben, sollen auf alle Fälle unangetastet bleiben, zum Schaden derjenigen, die glaubten, bei Einbruch, Feuer oder äbnlichem Anlah durch die Versicherung gedeckt zu sein. Doch der Versicherte denkt, die Gesellschaft lenkt. Ein Genosse schreibt uns darüber: Ich bin seit 15 Jahren bei der Hamburg-Bremer Feuerversiche-- rungSgesellschaft, Filiale Berlin, versichert. Anfänglich nur gegen Feuer, zuletzt gegen Einbruch und Diebstahl. Beide Policen laufen verschieden ob. Am 18. Juli wird die Einbruchspolice ge- kündigt mit dem Vermerk, datz zu einem neuen Abschluß rechtzeitig ein Vertreter geschickt wird. Nach langem Warten teilt mir die Ge- sellschaft mit, daß sie zu ihrem Bedauern nicht in der Lage sei, eine neue Versicherung abzuschließen. Gründe fehlen. Ich frage hiermit: Warum hat man mir nicht auch die Feuerversicherungspolice ge- kündigt? Weil man hier mit kleinerem Risiko rechnet. So lange hat die Gesellschaft die hohen Prämien ruhig eingesteckt, heute, wo wir einen eventuellen Schadenersatz nötiger brauchen als je, fetzt man uns rücksichtslos den Stuhl vor die Tür. Die Oeffentlichkeit wird sich diese Gesellschaften für sich und ihre Nachkommenschaft merken. Lasset die Kindlein zu mir kommen...! Man schreibt unS; Bisher hatte der kommunistische Terror sich nur gegen Erwachsene gerichtet. Der unter kommunistischer Leitung stehende Turnverein„Fichte" scheint den Kampf nun aber auch auf die Kinder Andersgesinnter übertragen zu wollen. Einige Turnerinnen dieses Vereins, die die kommunistischen Ideale wohl noch nicht ganz in sich aufgenommen haben, hatten bei dem zum Buchdruckerverband gehörenden Berein der Buch- druckmaschinenmeister wie in früheren Jahren, so auch in diesem Jahre Kinderspiele geleitet. Deshalb werden sie im „Mitt.-Blatl" des Vereins„Fichte" von dem Kommunisten Theodor Gabbeh, der selbst VerbandSmilglied ist, zurechtgewiesen. Gabbey behauptet, datz der Verband der deutschen Buch- drucker„ungefähr den reaktionär st en Standpunkt von sämtlichen deutschen Gewerkschaften einnimmt. Auch der Verein der Berliner Buchdruckmaschinenmeister mache in der Gesamt- organisation davon keine Ausnahme. ES sei„ein Zeichen von bedauerlicher G r u n d s a tz l o s i g k e i t, wenn Mit- glieder unseres Vereins diese Organisation unterstützen." Gabbey schließt:„So gut wie wir auf unserem Gebiet revolutionär sind— oder besser gesagt sein wollen—, müssen wir von den Organisationen, denen wir sreundschaftliche Unterstützung angcdeihen lassen, verlangen, datz sie auf ihrem Gebiet sür den revolutionären Sozialismus wirken. Lassen wir deshalb die Buchdruckerorganisation und ähnliche vor- sintflutliche Konventikel bei ihren Veranstaltungen bübslb unter sich." Kommentar ist wohl überflüssig. Die kommunistische Nächstenliebe handelt nach dem Spruch:„Lasset die Kindlcin zu mir kommen— wenn die Eltern»revolutionäre Sozialisten" find". Ein nie Bermihter. Die„Deutsche T age! zeist un g" reibt sich am„Vor- wärtS", weil wir über zahlreiche Fälle berichtet haben, in denen Behörden usw. sich noch als„kaiserlich" oder„königlich" bezeichnen. Bei dieser Gelegenheit höhnt das Agrarierblatt, daß die Berliner Stadtverordneten auf Stühlen sttzer, an deren Lehnen noch ein aus dem berlinischen Bär, dem brandenburgischen roten Adser, dem preußischen schwarzen Adler und der preußischen KönigSkrone zusammengesetztes Wappen prangt. Wir wissen nicht, ob das zu- trifft, und wahrscheinlich werden daS auch die meisten Stadtver- ordneten nicht sofort wissen, weil sie diesen Zierrat wohl niemals beachtet haben. Tie„Deutsche Tageszeitung" klagt dann, datz die Mehrheit der Berliner Stadtverordnetenversammlung auS ihrem Sitzungssaal die Büsten der drei Kaiser entfernt habe. Tatsächlich waren in dem Sitzungssaal stets nur die Büsten des ersten und des zweiten Kaisers aufgestellt, niemals die des dritten und letzten— und niemals hat man in den dreißig Jahren seiner Regierung sie vermißt. Selbst die monarchistische „Deutsche Tageszeitung" scheint in der verflossenen Kaiserzeit die Büste des regierenden Monarchen nicht in dem Saal ver- mißt zu haben, sonst könnt« ihr nicht der Irrtum unterlaufen, datz auch seine Büste dort aufgestellt gewesen und jetzt zusammen mit den anderen zum alten Gips geworfen worden sei. Wenn man schlechtes Mchl umtauscht. Man schreibt uns: ES ist recht bedauerlich, daß große Mengen zur Verteilung gelangenden Mehls dumpf und ungenießbar sind. Dies wird auch vom Berliner Magistrat anerkannt, indem er in seiner Abteilung Brotversorgung anstandslos das schlechte Mehl zurücknimmt und hierfür neue Mehlmarken ausgibt. Eine echt burcaukratffche Gedankenlosigkeit ist es jedoch, daß der Kauf» betrag für das Mehl nicht zurückerstattet wird. Um einwandfteie Ware zu erhalten, die der Magistrat zu liefern ver- pflichtet wäre, müssen die Käufer zweimal bezahlen und haben oben- drein noch viel Lauserei. Da das zurückgegeben:, zur menschlichen Nahrung ungeeignete Mehl aber immerhin sür einen billigeren Preis als Viehfutter verkäuflich und stark begehrt ist, macht der Magistrat damit ein gutes Geschäft aus Kosten der geschädigten Konsumenten. Wi: ist so etwas möglich?" Nach den Mitteilungen, die man uns gemacht hat, beruht diyeZ Verfahren nun allerdings nicht auf burcaukrati scher Gedankenlosigkeit, sondern auf wohlüberlegter, aber nicht billigenSwerter Abficht. Die Berliner Brotversorgungsstelle geht von der Srwä- gung aus, es sei nicht zu kontrollieren, ob das ihr zum Umtausch eingereichte Mehl wirklich aui ihren Beständen herrührt. Auch wenn sich da? nachweisen lasse, bestehe immer noch, die Schwierig- keit, zweifelsfrei festzustellen, ob nicht das Mehl erst bei dem Käufer infolge schlechter Behandlung verdorben ist. Nur den Bäckern wird gegebenenfalls der Kaufpreis für schlechtes Mehl zurückerstattet, weil durch Kontrolle ihrer Betriebe geprüft werden kann, ob st: selber die Schuld triftt oder nicht. Datz zurückgenommenes, schlech- tcS Mehl als Viehfutter verwendet, aber dem Käufer nichts von dem Kaufpreis zurückerstattet wird, ist Tatsache. Per- sichert wird, datz die Brotversorgungsstelle bei solcher Verwertung keineswegs ein gutes Geschäft macht, sondern noch zusetzt. DaS war: denn dock eine sonderbare Art der„Verwertung", die unS einstweilen noch nicht recht verständlich ist. Aber feist wenn tat«\ sächlich Zuschüsse geleistet werden müßten, so ist eS ein u n h a I t- bares Verfahren, den Käufer zweimal zahlen zu lassen._ Warum erhält Berlin keinen Einmachezucker? In Zuschriften an uns ist Verwunderung darüber geäußert worden, datz eS in Berlin diesmal keinen Einmachezuckcr gibt. Ein Brieffchreiber behauptet, daß der Magistrat„den Zucker verschiebt". Beweise bringt er nicht bei, aber er meint, es sei„anders gar� nicht möglich". Man habe doch in Mariendorf 4 Pfund, im Plansfelder Kreis sogar 5 Pfund, in Leipzig wenigstens 3 Pfund als Ein- machezucker verteilt. Hierzu erfahren wir von der Berliner Zucker- verforgungsstelle, daß die Iteichszuckerstelle ihr für dieses Jahr keinen Einmachczucker zugcwies c n hat. Infolge der nicht unbedeutenden Verluste durch Zuckerdiebstähle sei es ihr n'.cht möglich getvcsen, Ersparnisse zu machen und hicrvcm Einmache, zucker auszugeben. Auch seien seit November vorigen JähreS viele Personen nach Berlin zugezogen, die gleichfalls mit Zucker ver- sorgt werden mutzten. Soweit andere Orte und Kreise noch Ein- machezucker verteilt haben, könne er nur dadurch zusammengespart worden sein, daß diemonatlichzugcwiesenen Me n g e n eingeschränkt wurden. Berlin habe VA Pfund pro Kops und Monat ausgegeben, während in Landkreisen allmonatlich nur 1� Pfund ausgegeben wurden. Wenn 12.Monate hindurch je M Pfund erspart wird, so ermöglicht das schon die einmalige Verteilung von 3 Pfund Einmachezucker.— Wir können nicht wissen, ob diese Er- klärung für alle Orte zutrifft, die Einmachszucker verteilt haben. Wir vermuten aber, daß es doch auch Orte geben wird, die trotz Zuteilung von monatlich 1� Pfund noch Einmachezucker verteilen konnten._ Wir Kriegsbeschädigte behandelt werden. Ein Mitglied des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten berichtet uns auS den Spandauer Staatswerk st ätten ein sonderbares Vor- kommnis. Etwa 60 bis 70 Personen mit schwerer KriegSbeschädi- gung und über 20 Blinde stellten sich in der G e s ch ü tz g i e tz e- r e i ein und wollten Arbeit haben. Sie waren aus den verschie- denen Betrieben nach dort überwiesen worden und hatten An- Weisung, sich zu melden. Arbeit ist jetzt in der Geschützgietzerei noch nicht mal sür die bisher Beschäftigten vorhanden. Was haben im übrigen jene Bedauernswerten in dem schwersten Be- trieb zu suchen? Will man ihnen zumuten, Kanonen„aus- zuschlachten"? Die Hinbestellten mußten von 6?� bis 11)4 Uhr auf dem Hofe warten. Manche fielen um, einige bekamen Krämpfe und tobten. Erst gegen IlVi- Uhr entließ man sie mil dem Bescheid, sie würden über den nächsten Lohnzcchlungstag noch Mitteilung erhalten. Leuten mit schwerer Kricgsbeschädigung darf nur mit Genehmigung der Fürsorgestelle gekündigt werden, wenn man ihnen Arbeit nachweist. Selbstverständlich muß aber die Arbeit angemessen ihrer Leistungsfähigkeit sein. Die„Auk- schlachtungSarbeiten" in der Geschützgietzerei gehören dazu gewiß nicht. Verschölle» ist in der Nacht vom Freitag, den 12. September. zum Sonnabend, den 13. September, der Leiter des Arbeiter- JugendbeimS Charlottenburg Genosse Paul Damm. Er war bekleidet mit dunkelgrünem Anzug, schwarzen Strümpfen, schwarzen Schnürschuhen, weitzem Leinenhemd, weißem Stehkragen und grauem Filzhut mit schwarzem Band. Besondere Kennzeichen: Rechtsseitiger Bauchschutz und ungefähr 25 Zentimeter lange Narbe im linken' Kniegelenk(kriegSbcsckmdigt). Er trug an der linken Hand einen goldenen Ring mit dunkelrotwn Stein und hatte eine s-hwarze Altenmappe bei sich. ES wird ein Unglücksfall vermutet. Mitteilungen an das nächste Polizeirevier oder an den Vater Her- mann Damm, Charlottenburg, Röntgenstr. 3. Radrennen im Olympiapark. MannichastSsahren über eine Stunde: 1. Sawall-Wcgener 1!>. 2. Stolz-Weblitz 18, 3. Schrage-Rudel 17, 4. Abra- bam-Kudela 11. S. Düwkll-Günther 9 Punkte.— Vorkiabcremicn, 2000 Meter: 1. Günther(140) 3 Min. 28 Sek.. 2. Dcgener(60), 3. OSk. Tietz (120), 4. Lehrend(130), 5. Techmcr(30 Meter Vorgabe); in einen Massensturz wurden u. a. verwickelt: Schräge, Ostermeycr, Schwab.— Berolina- Preis, Dauerrenncn in zwei Läusen über je 50 Kilometer, 1. Lauf: 1. Weiß 42 Min. 23 Sek.. 2. Wittia 3120, 3. Kuschkow 5200, 4. Nettclbeck (Motorpanne) 22 130. 5. Lcwanow(Rad- und Molorschaden) 37 200 Meter zurück. 2. Laus aus 30 Kilometer verkürzt: 1. Neltelbeck 24 Min. 14 Sek., 2. Weiß 1510, 3. Wittig 1840, 4. Kuschkow 3620 Meter zurück: Lcwanow ausgegeben. Gesamtergebnis: 1. Weiß 78,490 Kilometer, 2. Willig 75,040 Kilometer. 3. Kuichkow 71,780 Kilometer, 4. Neltelbeck 57,870 Kilometer 5. Lcwanow 17 200 Kilometer. Potsdam. Am Donnerstag, 18. September, 8 Uhr, veranstaltet die„Deutsche Gesellschaft sür Poltskunst" im großen Saate des Cafö Sanssouci einen VolkSkun stabend. Das glänzende Programm verspricht einen genußreichem Abend. Vorzugskarten zu 1,25 M. für Partei- und GewerUvastsmitglieder sind in der Buch- Handlung von Hörich, Waisen-(fSfc Chailottenstraße, erbälttich. An der Abendkasse beträgt der Eintrittspreis 2 M. Der Vorstand. Grost-Berliner Lebensmitte!« Treptow. Vom 15. bis 21. September 7 Psd. Kartossein, 250 Gramm Marmelade, 300 Gramm Graupcnmehl, 250 Gramm Maismehl, 250 Gr. Sago für Jugendliche, Nährhcse 1 Paket sür Perionen über 65 Jahre. Johannisthal. Ab 19. September aus Teltower Lebensmittelkarte 250 Gramm Suppen in Paketen, 250 Gramm Haserslocken in Pakelen, 250 Gramm Maisgricß, aus Allgemeine Lebensmittelkarte 2 Suppcnivürsel, 500 Gramm Supprnmehl, AuslandSniarmclade 2,50 M. je Psd. in der Gemcmde-VerlausSslcllc sreihändig. Frirdrtchsfelde. Da jetzt die Karlossclzufuhren reichlicher sind, ge- langen die sür die Woche vom 22. bis 27. September bestimmten lOPsund Kartoffeln schon in der Woche vom 15. bis 20. September mit zur Ausgabe. Groß-Serliner parteinachrichten. Achtung l Arbeiter, Angestellte! Mittwoch, den 17., abends 7 Uhr, finden in Berlin und Vororten 30 öffentliche Versammlungen statt. Tagesordnung in allen VlAcsammlungen: Das Bctriebsrätegesetz. Parteigenossen und Parteigenossinnen! Arbeiter und Ange» stellte, Männer und Frauen deS werktätigen Volkes I Es handelt sich um die Grundlage unseres jvirtschastlichen Ausbaues. Sorgt für Massenbesuch. Bezirksverband Groß-Berlin. _ S. P. D. *.—8. Abt. Für unser Dolkssest am 2t. September w der Dock- braucrei sind Eiulaßlarten bei de» AbteiluligSleitern und BczirkSsübrcrn sowie in den BezirkSIokalen zu haben. Der Festausschuß. S. und 4. Abt. Frauenabend Dienstag, 16. September, 8 Uhr Aula der Baugewerksschule, Kursürstenstr. 141. Frl. Dr. med. Bcneke: Soziale Erziehung der Frau. 4S. Abt. Der aus Mittwoch, 17. September, angesetzte Zahlabend bei Zacke, Schulstr. 59/60. findet Dienstag, 16. September, statt. Charlottcnburg. Dienstag, 16. September, 7l/a Uhr. im DolkSbauS, Rosinenstr. 3, Mitgliederversammlung. Gen. Ritter:„Die Eingemeindung in Groß-Berlin. Dahlvereinsangelegei, hellen. Verschiedenes. Tempelhof. Heute, VI, Uhr, im Gesangwai des Realgymnasium«, Kaiser, Wilbelm-Str. tg/21: Fraucn-Leseabend. Rcscrciit: Genosse Bartels vom Parteivorstand. Roienthal-Rordend. Dienstag, 8 Uhr, im Lokal von Frl. Bärth: Sitzung der Funltionäre._ vortrage, vereine und Versammlungen. Deutscher TranSPortarbeiter-Verband. Branche der Fenster, und Mcssmgputzer, Branchciivcrsaminlung am Mitttvocii, den 17. September, abends 5 Uhr. im Lokal von Heinrich. Eioße Fiauksurtcr Straße 30. Tages- ordnung- Bciicht der Tariskommisston. Buchdinderverbaud. Holzrahmenarbeitettnuen. DicnStag, den 16. September, nachmittags 4'/, Uhr, im Dresdener Garten, Dresdcver Straße 45, Branchenoersammlung aller Kompletliererinnen, Rückwand» macherinnen und Hilssarbeiterinnen der Holzrahmenbetriebe. Bericht über die Verhandlungen mit den Fabrikanten. Die Branchenleitung. Sewerkschaflsbewegung Aufgehende drackenfaat. Em Musterbeispiel dafür, welche Wirkungen die Auf- klärungsarbeit der U. S. P. D. und K. P. D. in manchen Kreisen der Arbeiterschaft ausübt, ist ein Flugblatt, das die „revolutionären Eisenbahner Deutschlands" in Eisenbahner- kreisen zur Verbreitung gebracht haben. Es heißt darin: Die Gewerkschaften haben ihre Rolle als Führer im revolutionären Kampfe ausgespielt! Die Gewerkschaften sinb das Werkzeug deZ Kqp i t a l i s m u S und kein Werkzeug des Pro- letariatS. Ihr braucht andere Organe für euren Klassenkampf. Diese Organe müßten die Ar'beiterräte sein. Aber Kol- legen, diesen Arbeiterräten droht eine neue Gefahr. Die Ge- werkschaften haben erkannt, daß richtige Arbeiterräte der B e- trügerei der Gewerkschaften ein Ende bereiten würden. Darum versuchen sie, die Arbeiterräte zu einem Teil der GewerkschaftSbureaukratie zu machen. Sie haben mit'der Eifenbchndirektion vereinbart, daß nur Angehörige der drei Per- bände als Arbeiterräte wählbar seien. Eisenbahner! Kollegen! Arbeiterräte, die nur aus gewerkschaftlich appro- bierten Bonzen bestehen, sind keine Arbeiterräte. Sie sind nur ein Abbild der Gewerkschaften, sind H i l f S- truppen des Kapitalismus. Wählt nur Kollegen, zu deren revolutionärem Wollen ihr Vertrauen haben könnt, auch wenn sie nicht Gewerkschaftler sind. Das also ist das Echo der wüsten Hetzereien, die seit Monaten unter Führung hervorragender U. S. P. D.-Leute gegen die Leitungen der deutschen Gewerkschaften be- trieben werden. Die durch die Revolutionswelle hochgespülten bisher indifferentn Arbeiter betätigen sich jetzt als die größten Schreier nicht nur gegen die Führer, sondern gegen die Gewerkschaften überhaupt. Früher zu einem Teile gelbe Verräter an den organisierten Arbeitern, schil- lern sie heute blutrot. Aber sie schillern auch nur so. Noch heute sind sie nur Schreier, Feinde der gewerkschaftlichen Organisation und berauschen sich und andere mit radikalen Phrasen, die sie aufgeschnappt haben und unverdaut wieder von sich geben. Was allen klassenbewußten Arbeitern selbstverständlich erscheint: daß nur solche Berufskollegen als ihre Vertreter im wirtschaftlichen Kampfe gelten können, die der frei- gewerkschaftlichen Organisation angehö- r e n, ist diesen„Revolutionären" überflüssiger Ballast. Wer das Maul am weitesten aufreißt, ist ihr Mann! M diese Schreihälse werden in absehbarer Zeft wieder verschwinden, wenn sie einsehen gelernt haben, daß in den Arbeiterorganisationen für solche Hanswurstiaden kein Raum ist. Zurzeit aber gilt es, solchen politischen Brunnen- vergiftern entgegenzutreten, denn sie sind Feinde jeder ge- sunden Entwicklung. Die Arbeiterbewegung, die von ihren Angehörigen klaren Kopf und offenen Blick für die Möglich- leiten des wirtschaftlichen und politischen Kampfes fordert, ist kein Tummelplatz für selbstsüchtige Streber, politische Ignoranten und wortreiche Phraseure. Ablehnung der Forderungen der Postangestellte«. In einer gut besuchten Versammlung der Postboten, Postillione, AuSbelker, Amhelferinnen und Reinemacbefiauen der O. P D. im GewerlschastShous berichtete Jenß über den Abschluß der Tarifverhandlungen. Ueber die Forderungen der Post- boten zu verhandeln, wurde grundsätzlich abgelehnt, da eine Regelung durch Reichsgesetz vorgenommen werden soll. Ebenfalls abgelehnt wurde der Abschluß eines Tarifes für die Po st Hilfskräfte, da man nicht wisse, wie lange dieselben noch beschäftigt werden können. Postrat Wendt erklärte bei den Ver- Handlungen, daß er nur die Aufgäbe habe, den Stand- Punkt des Reichspostministeriums klar zu legen und keinerlei Zugeständnisse machen könne. An eine Lohnaufbesserung könne zurzeit überhaupt nicht gedacht werden. Erholungsurlaub, Kündi- gungen usw. sollen durch Reichsgesetz für alle Staatsbetriebe ge- regelt werde». Die Vertrauensleute haben gegen die Ablehnung des Tarifvertrages bereits Stellung genommen und energisch da- gegen protestiert.— Der Redner gebt dann auf die N e u e i n- st ellungen Auswärtiger und die beabsichtigten und teil- weise schon vorgenommenen Massenentlassungen ein. Charakteristisch sei es, daß man vom DemobilmachungSamt erschienene Kontrolleure auf einzelnen Postämter die Türe gewiesen habe. ES ist von der O. P. D. zugesagt worden, bei Kündigungen sich streng an die Verfügungen des DemobilmachungSkommissarS zu halten. Ueber die Einstellung von Postillionen, Anwärtern und Flüchtlingen konnte keine Einigung erzielt werden. Eine Resolution, die die Gründe des ReichspofiministeriumS, die zur Ablehnung eines Tarifvertragabschlusses führten, nicht als stichhaltig anerkennt und gegen die Verschleppungstaktik der O. P. D. protestiert, wird angenommen. Die Versammlung erklärt, an den Forderungen unbedingt festzuhalten und nur mit Rücksicht aus die wirtschaftlichen Verhältnisse von weiteren Schritten abzusehen. Die Angelegenheit wird nunmehr dem SchlichtungSausschuß des Re'chSarbeitSamteS überwiesen. Ebenfalls stimmte dte Ver- sammlung einem Antrag« Neukölln zu, der verlangt, daß der zu fällende Schiedsspruch nur für Organisierte in Kraft treten solle. Zur Annahme gelangte ferner eine Reso- lution. die gegen die bereit« erfolgten und noch geplanten Massen- entlasiungen und gegen die Einstellung von Auswärtigen, Flücht« lingen und Kindern(KriegSieminaristen usw.) protestiert. An den Postminister wurde ein Telegramm abgesandt, in welchem die schnelle Zahlung der Wirtschaftsbeihilfe verlangt wird. Zu der am 20. Okiober ISIS stattfindenden ReichSkon- f e r e n z der Postangestellten wurden fünf Kollegen als Delegierte gewählt. Klage« aus dem Statistischen ReichSamt. Für die Beamten und Angestellten des Statistischen Reichs- amts hat, wie uns aus deren Kreisen geschrieben wird, die neue Zeit nicht viel Ersprießliches gebracht; das wenige, was sie bis jetzt erreicht, haben sie der Amtsleitung abringen müssen. In der Beamtenschaft hat die Ueberzeugung Platz gegriffen, daß von diesem Präsidenten, einem Geheimrat reaktionärsten Schlages, für die Beamten und Angestellten nichts zu erhoffen ist. Welches Interesse er den Beamten und Angestellten entgegenbringt, dafür nur einige Belege: AIS die weiblichen Angestellten einmal— es war noch in der KriegSzeit— wegen ihrer kärglichen Entlohnung vorstellig wu,den und darum baten, ihnen eine bessere Besoldung zu erwirken, wurde ihnen vom Herrn Präsidenten erwidert, sie könnten nach Dienst'chlutz als„Kinderfräulein" sich einen Nebenerwerb schaffen. Die Beamtengruppe der SekretariatSafsistsnten kämpft seit Jahren um Titeländerung und Gehaltsaufbesserung. Obgleich der Präsident einer Abordnung des BeamtenausschupeS gegenüber zu- gegeben hatte, daß die Spannung zwischen den Gehältern der Selre- tariatSafsistenten und denen der exped. Sekretäre dieser Behlkde zu groß und ungerechtfertigt sei, vertrat er wider Erwarten in seinem Begleitbericht zu dieser Eingabe an das Reichswirtschafts- Ministerium die Ansicht, daß die Regelung dieser Angelegenheit zu vertagen sei. Einen eigentümlichen Schluß auf die Objektivität läßt folgen- der Beleg zu. Der Beamtenausschuß hatte einstimmig den Be- schluß gefaßt, den Präsidenten zu bitten, eS möchte für die'oberen Beamten schon aus dienstlichen Gründen zum mindesten eine An- wesenheitszeit festgelegt werden. Obgleich ihm einige besonders markante Fälle, die Anlaß dazu gaben— insbesondere war eS hier wieder die amiliche Tätig leir des wiederholt erwähnten Personal- referenten Geheimrat Jürgens, dessen Dienstauffassung alles an- dere als vorbildlich für die Beamten sein kann— vorgetragen wurden, wies er dennoch den Antrag zurück. Ueberhaupt verdient besondere Erwähnung die Stellungnahme de? Präsidenten dem Beamtenausschuß des Statistischen Reichs- amts gegenüber. In den Novemberjagen ordnete er(wenn auch unter dem Druck der Verhältnisse) die Bildung des Beamtenaus- schusses an und nahm die Meldung nach Konstituierung desselben entgegen, erkannte ihn also damit an. Als jedoch der Beamten- auSfchuß, der alles andere als himmelstürmend vorging, mit der Bitte um Abstellung von Unzuträglichkeiten für die Beamten und Angestellten an ihn herantrat, wies er wiederholt die Anträge zu- rück und erklärte,»eine Befugnis könne er für den Beamtenrat mangels einer matzgeblichen Festsetzung über die Zuständigkeil nicht anerkennen". Aehnliche Erfahrungen hat auch der Ange- stelltenauSfchuß, so erst letzthin in der Frage der GehaltSregelung. machen müssen. Die Unzufriedenheit innerhalb der Beamten- und Angestellten- kreise des Statistischen Reichsamts hat infolge dieser Widerstände, für die auch die Ratgeber des Präsidenten, die beiden gleichfalls reaktionären Direktoren, in hohem Maße mit verantwortlich sind, einen so gefährlichen Grad erreicht, daß die Beamten und Ange- stellten glauben, nunmehr auch die Oefsentlichkeit dafür inter- efsieren und ihr diese Zustände unterbreiten zu müssen. MHU du liiiil Bezirk Grofi-Berlin. Klassen-Versammlung aller kaufmännischen Angestellten Donnerstag;, 18. September, abends 7 Uhr, im Lehrervereinshaus, Alexanderplatz. „Zentralverlland oder viirtsehaftslriedlieh?" Referent: Kollege Georg Ucko. Kolleginnen! Kollegen! Gestaltet die Versammlung zu einer machtvollen Kundgebung Eures Klassenbewußtseins!_ 72/13' Pfandscheine. höchstbeleiliend, auch Ankauf Mickeleltl«, Memeler Str. 47. n„ Teila. wöchentl. 1 M. Plomben 1,50. Goldin- /anno 1 krönen 18M. Zahnriehen m. Einjpr. höchst feUIIIIU y.w an Echmerzlind.Umarb.schlechts.Gebisse.Rep Zahnarzt Wolf sof. Potsdamer Str. 55. Hochb. Sprechz.,-7.' ■ I.Zfehnng 24. n. 25.Sept.» Lotterie z. G. d. Charl.?äuglings- Klinik. 100 000 Lose und IIIS Gewinne u. I Prtmie im Gesamtwert von Mark 25 000 HOchstgew. i glückl.FaMe - 15000 p 10000 | 5000 Lose IM. KS ä III I nco sort, aus vetsch. 11) LUot. jaus ein 1(150 schl.Postgeb.u.Liste'«M. Paul Steinberg& Co. Berlin C 54, Rosentbaler Str. 40/41. 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