Nr.48Ä.36.Iahrg. Bezugspreis i äiierfefläljrL i*— Ml. monatL I frei ins Haus, voraus zahldar. Post» bezug: Monallich 1�- Ml.«rki. ftu- ftellungsgedlliir. Unter flttujbanö für Deutschland und Oesterreich» Ungar» 6,25 Ml. für das tidrtg, Susland tO 25 Ml. dei täglich einmal, guftellung 6.25 Mi. Postdeltellungen nehmen an Dänemark, Holland. imremdurg, Schweden u. die Schwei». Eingetragen m die Poft-Aeinrngs-Preislist». Der.Vorwärts' mit der Sonntag» beiiags»Voll u. geif erscheint wachen» täglich zweimal. Sonntag, einmal. Abend-Ausgabe. Telegramm-Sdrest«: jSozialdemofcat ScrOn". f. Veelinev Volksblstt. (Ts Pfennig� Anzeigenpreis: vte achtgelpaliene SlonparelllezeN» lostet Ich« M!.Nioine Anzeigen-. da» lettgedruckte Wort 60 Psg. szuiässtg 1 lettgedruilte Worte), lede» weiter» Wort 40 Lsg. Stellengesuch» und Schlafstellenauzeigen da? erste Wort •0 Psg. lede, weitere Won 30 Psg. Warte Uder>5 Buchstaden zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50"/» Familien» Anzeigen, politisch» und gewerkschaftliche Verein,» Anzeigen lA> Mi. die geile Anzeigen sür die nächst» Nummer müssen bis S ltior nachmittags im Hanptgeschäst. Berlin 63B 68, Lindenstraß» 3, abgegeben «erden.«eSsfnet oon 9 Uhr früh di, b Uhr abend». Zentralorgan der rozialdcmokratirchcti Partei Deutfcblands. Redöftion und«Expedition: SW. 68, üindenflc. Z. ilerniv recher: Amt Mortttplatz. Rr. tS>Sv—>SRS7. Sonnabend, den 20. September 1019. vonvarts-verlag G.m.b.H., SM. 68, �indenstr.Z. Fernsprecher: Amt Mdrinplatz» Nr. ill? SS— Si.. �lt-Gefterreichs Kriegsfthulö. Wien, 20. September. Die heutige„Arbeiterzeitung- der» Ssientlicht da« Protokoll deS Ministerrates vom 7. Juli 1814, auS welchem � hervorgeht, daß die Habsburgifch« Negierung den Krieg beschlossen hatte. Graf B e r ch t o l d erNärte, daß der Moment gekommen sei, Serbien durch eine Kraftaußerung für immer unschädlich zu machen. Ein solcher entscheidender Schlag könne nicht ohne diplomatische Beratungen geführt werden und deshalb habe er mit Berlin Füh» lung genommen. Die Besprechungen in Berlin hätten zu einem sehr befriedigenden Resultat geführt. Sowohl Kaiser Wilhelm als Bcthmann Hollwcg haben für den Fall einer kriege» rischen Berwicklung mit Serbien die unbedingte Unterstützung Deutschlands mit allem Nachdruck zugesichert. Bezüglich Italiens und Rumäniens fei es besser, zu handeln und etwaige Kompensa» tionsansprüche abzuwarten. Er sei sich Nor darüber» daß ein Krieg mit Serbien den Krieg mit Rußland zur Folge haben müßte. Wir müßten aber unseren Gegnern zuvorkommen. Der damalige ungarische Ministerpräsident Graf TiSza äußerte verschiedene Bedenken, während Graf Bcrchtold auf dem Kriege unbedingt bcharrte. Der österreichische Ministerpräsident Graf Stürgkh trat unbedingt für den Krieg ein und meinte, rS sei jetzt eine psychologische Situation geschaffen, welche seiner Ansicht nach unbedingt zum Krieg mit Serbien hindränge. Graf Stürgkh verlangte, man möge prinzipiell beschließen, daß eS zum Kriege konimcn soll und wird. Der damalige gemeinsame Finanzminister B i l i n s k i trat ebenfalls für de» Krieg ei« und meinte, daß dieser das einzige Mittel sei, eine endgültige Eni- scheidung darüber herbeizuführen, ob die großscrbische Idee eine Zukunft habe oder nicht. Graf TiSza zögerte noch immer, während der KriegSminister Krobatiu für den sofortigen Krieg eintrat und verlangte, daß die Mobilisierung sofort und möglichst heimlich durchgeführt werde. Gras Stürgkh verlangte, daß Serbien zwar verkleinert, aber mit Rücksicht auf Rußland nicht ganz vernichtet - werden dürfe. Die Dynastie Karageorgewitsch müsse entfernt und die serbische Krone einem europäischen Fürsteu gegeben werden. Weiter müsse ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis des verNeinerte« Königreiches Serbien zur Monarchie in militärischer Hinsicht her» beigrführt werden. Graf TiSza warnte vor einem Weltkriege, wäh» rend Graf Berchtold erklärte, mau müsse rasch handeln und u u» annehmbare Forderungen an Serbien stellen» die von diesem abgelehnt werden müßten, damit ein« radikale Lösung im Wege des militärischen Eingreifen» notwendig sei. Die Enthüllung der„Arbeiterezitung- ist nur das Vor- spiel einer großen Wiener amtlichen Publikation, die in den allernächsten Tagen erfolgen wird und außer dem oben inz Auszug wiodergegebenen noch andere sehr bemerkenswerte Dokumente enthält. Aus diesen dokumentarischen Veröffent» lichungen scheint mit unwiderleglicher Klarheit hervorzugehen, daß der eigentliche Kriegstreiber des Jahres 1914 der dama» lige k. u. k. Minister des Aeußern, Graf Berchtold, gewesen ist, und daß die deutschen Machthaber wirklich nur aus blinder„Bündnistreue" in das furchtbare Verhängnis hineintappten. Berchtolds Erklärung, in Berlin sei man zu unbedingter Unterstützung Oesterreichs bereit, ist zu dem Zweck abgegeben worden, das Kabinett für seine Kriegsabsichten zu gewinnen. Daß in Wien beschlossen war, den Krieg mit Serbien unter allen Umständen zu erzwingen, wußte man in Berlin nicht. Man ließ sich einfach von dem viel energischeren und geschickteren Berchtold zu seinen Zwecken benutzen. Im wei teren Verlauf der katastrophalen Entwicklung schien es Augen blicke zu geben, in denen man sich in Berlin dessen bewußt wurde, wohin man geführt werden sollte, aber da war es schon zu spät. Wir kommen auf die österreichischen Veröffentlichungen noch ausführlich zurück. der Irieöensvertrag mit öulgarien. Die Urbergabe der Friedensbedingungen on die bulgarisch« Delegation erfolgte am Freitagnachmittag im Ministerium des Acußcren. Die bulgarischen Delegierten haben 20 Tage Zeit, um ihre Bemerkungen vorzubringen. Die Südgrenzr Bulgariens ist in dem bulgarischen Frie- deuSvcrtrage auf die Rhodopelinie festgesetzt, jedoch erhält Bulgarien die Garantie, daß es unter dem Schutze des Völkerbundes einen wirtschaftlichen Susweg zum Segäi» fchen Meer erhält. Die Grenze mit Rumäuien bleibt die» selbe wie im B u k a r e st e r Frieden; dagegen wird die Ost» grenze Serbiens, an der BorkriegSzeit gemessen, zu» gunstc» Serbiens geändert, und zwar im Strumitzagebirt» wo der Bogen des Flusses an Serbien fällt. Was die finanziellen Bedingungen anlangt, so erlassen die Verbündeten Bulgarien die Schulden, welche Bulgarien gegen. über Deutschland einging und auf die dieses durch den Bertrag von Versailles zugunsten der Alliierten Verzicht leistet«. Die Balkan st aaten werden in der WiedergutmachungS» t o m m i f s i o n, welche in Sofia tätig sein wird, nicht v e r» treten sein. Durch den Friedensvertrag werden ungefähr 2 Millionen Menschen unter nichtbulgarische Herrschaft kommen. Dazu schreibt„Daily Chronicle": Diese Verletzung des souveränen Prinzips sei sehr ernst. Auf diesem Weg« könne man auf dem Balkan keinen Frieden erreichen und es sei um so weniger eine Entschuldigung dafür vorhanden, da Griechenland und Serbien ohnehin ihre Kriegsziele er» reicht hätten. verschärfte Zollkontrolle in 5rankreich. B e r n, 28. September.(Eigener Drahtbcricht deS„Vorwärts".) Anderfranzöfifch-schweizerischenGrenzeübt Frankreich eine verschärfte Zollkontrolle auS. Das Grenz- wachtpcrsonal ist versechsfacht worden, um daS Eindringen deutscher Waren, insbesondere deutscher Maschinen, über die Schweiz zu verhindern. 400000 StreikenÜe in Italien. Nach Aussage N i t t i S beträgt die Zahl der in Italien streiken» den Arbeit er verschiedener Berufe gegenwärtig etwa 488 888 Mann. Im Genuesrr Kohlenträger st retf ist eine Einigung immer noch nicht zustande gekommen. Die Streiken- den wollen sich bei üstündiger Arbeitszeit mit einem Arbeitslohn von 45 Lire nicht zufrieden gebe«. Trotz der Bereitwilligkeit der Regierung, die von den Post» und Telegraphenangestellten geforderten Reformen durch. zuführen, wurde eine Demonstration beschlossen. Sie besteht in einer einstündigen Unterbrechung der Arbeit, die Freitag von 6 bis 7 Uhr stattfand. Solsthewiftennieüerlage in Sibirien. Nach einer in den englischen Blättern veröffentlichen Reuter meldnng auS Peking hat die bolschewistische'Armee eine ernste Niederlage erlitten. Ein großer Teil der in Sibirien anwesenden roten Truppen war gegen di« Armee D e n i k i n verwendet worden, andere werden mit der Einbringung der Ernte in den eroberten Distrikten Sibiriens beschäftigt. K o l t» schal, der davon erfahren hatte, ordnete den Bormarsch an, der nur auf schwachen Wider st and stieß. Acht rote Regimenter wurden vernichtet._ Keine vertrauenskunügebung für Reinharü. Durch W. T. B. ist am Mittwoch ein Bericht verbreitet worden, wonach eine Versammlung der Vertrauensleute der Brigade Reinhard einstimmig ein Vertrauensvotum für Oberst Rein.hard angenommen habe, dessen Wort laut wir in der Donnerstag-Morgenausgabe(Nr. 477) wieder gaben. Die reaktionäre Presse glaubte konstatieren zu können, daß mit diesem Vertrauensvotum der ssiall Reinhard endgültig erledigt sei. Auch wir waren einigermaßen überrascht, weil wir aus genauen Informationen wußten, daß die Stimmung in der Brigade Reinhard eine durchaus andere ist, als in dieser Kundgebung zutage tritt. Dies Vertrauensvotum wäre allerdings eine nicht üble Ehrenrettung für Reinhard,— wenn es existierte. Aber es existiert nicht. Weder hat eine Versammlung der Vertrauensleute stattgefunden, noch ist den Vertrauensleuten der Wortlaut dieser oder einer anderen Kundgebung vorgelegt worden, noch haben sie diese oder eine andere Ltundgebung angenommen oder beschlossen. Wahr ist allein, daß am Dienstagnachmittag Ist Ver- trauensleute der Brigade Reinhard— also nur ein kleiner Bruchteil der Gesamtheit der Vertrauensleute— zum Reichswehrministcr berufen waren und dort erst mit Herrn Major von Gilsa, dann mit dem Reichswehrminister selber in Anwesenheit des Erstgenannten eine Unterredung ge> habt haben. Falls die angebliche Vertrauenskundgebung als Extrakt dieser Unterredung veröffentlicht worden sein sollte, so ver» wahren sich die an der Unterredung beteiligt gewesenen Vertrauensleute ganz entschieden hiergegen. Dieser Auszug ist ganz einseitig und ohne Kenntnis der Vertrauensleute hergestellt worden, er hat ihnen weder zur Kenntnisnahme noch zur Unterschrist vorgelegen, vor allem aber gibt er von dem Inhalt der Unterredung ein f o t e n- denziös gefärbtes und zurechtgemachtes Bild, daß die keineswegs unerheblichen und lebhaft vorge- brachten Beschwerden über Oberst Reinhard darin so gut wie gar nicht zum Ausdruck kommen. Außer der Vernehmung der 19 Vertrauensleute im Reichs- wehrministerum hat sonst keine Beratung der Vertrauens- leute stattgefunden, die sich auf den Fall Reinhard bezog. Wir stellen danach fest, daß das angebliche Vertrauens- Votum füx Oberst Reinhard picht' existiert.. das wissen von der Verfassung. In den nächsten Tagen erscheint im Verlag der Buchhandlung Vorwärts eine Schrift von Friedrich Stampfer:»Verfassung, Arbeiterklasse und Sozialismus. Eine kritische Untersuchung der NeichSverfassung vom 11. August 1818." Die Schrift untersucht, welche Macht- mittel die neue Verfassung der Arbeiterklasse für ihren Aufstieg zum Sozialismus an die Hand gibt. Wir geben nachfolgend die Schlußbetrachtungen wieder. Es gehörf zu den dunkelsten Kapiteln der Revolution, daß ein Teil der Arbeiterklasse genötigt war, gegen einen an- deren Teil der Arbeiterklasse den Belagerungszustand in Be- wegung zu setzen, um gegen ihn die Rechte zu schützen, die die Verfassllng der Gesamtheit des arbeitenden Volkes verleiht. Jener irregeführte Teil der Arbeiterklasse muß einsehen lernen, daß ihm die Verfassung alle rechtlichen Wege offen läßt, seine Auffassung zur Geltung zu bringen, daß aber mit Gewalt keinDurchkommen ist. Würden die Unabhängigen und die Kommunisten heute erklären, daß sie zwar mit der Ver- fassung nicht einverstanden seien, aber versuchen wollten, die Verfassung auf gesetzlichem Wege, durch die Volksvertretung oder die direkte Volksabstimmung, zu ändern, so würde iin selben Augenblick jede Einschränkung der freiheitlichen Grund« rechte aufgehoben werden müssen— es sei denn, daß ni o n- archistische Putschbestrebungen die Amvendung des Artikels 48 gegen die andere Seite, und zwar in seiner vollen Schärfe, notwendig machten. Mögen die von der Sozialdemokratie abgefallenen Truppen durch ihr Verhalten den Beweis erbringen, daß die Anwendung des Artikels 48 nicht mehr notwendig ist, dann wird das Rechtsgefühl deS Volkes auf ihre Seite treten, wenn sie die volle Wiederherstellung der freiheitlichen Grundrechte verlangen. In einem solchen Kamps für die FreiheitenderVerfassung würden sie unwidersteb- lich sein, im Kampfe gegen sie, den sie heute leider noch führen, werden sie keine Lorbeeren ernten. Wir sind damit am Schluß unserer Betrachtungen cmgr- langt. Es war nicht ihr Zweck, die neue Verfassung der Deut- scheu Republik herauszustreichen oder denen, die sie gemacht haben, ein Loblied zu singen. Sondern wir wollten nüchtern und sachlich die Frage untersuchen, ob diese Verfassung wirk- lich, wie die Unabhängigen und die Kommunisten behaupten. ein Hindernis für den Aufstieg der Arbeiterklasse zum Sozia- lismus ist, das nur mit Gewalt aus dem Wege geräumt wer- den kann. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, daß eine solche Behauptung nur von Leuten aufgestellt werden kann. die sich noch nicht die Mühe genommen haben, die Bestimmun- gen der Verfassung kennenzulernen. Vereint wird die Masse des arbeitenden Volkes mit den Machtmitteln dieser Verfassung alles erreichen können. Gespalten und zersplittert kann sie nichts erreichen. Daran ist dann nicht die Verfassung schuld, sondern eben die Spaltung und die Zersplitterung. Gespalten und zersplittert wird die Arbeiterklasse ohnmächtig sein unter jeder Verfassung. Es gilt also, die Arbeiterklasse auf dem Boden der Verfassung zu einigen. Auf dem Boden der Verfassung— das heißt nicht, daß die Arbeiter jede ihrer Bestimmungen als Heiligtum verehren und als ewig unabänderlich hinnehmen sollen, sondern es heißt, daß sie Aenderungen nur mit den Machtmitteln anstreben, die ihnen diese Verfassung selbst bietet. Diese Machtmittel sind groß, unendlich viel größer als jene Mittel der Scheinmacht, die ihnen von verblendeten Gewaltaposteln empfohlen werden. Die Verfassung verwirklicht den V o l k? st a a t, den daS Programm der Sozialdemokratie fordert, für den zwei Ar- beitergenerationen gekämpft haben, in dem die führenden Geister des Sozialismus stets daS Mittel erblickten, den Emanzipationskampf des Proletariats bis zu dem Punkt zu bringen, von dem aus er mit friedlichen Mitteln bis zum Endsieg weitergeführt werden kann. Würde dieses Werk. statt fortgebildet, von sinnloser Gewalt wieder zerstört' wer- den, so wäre das nicht der Sieg der Arbciterbelvegung, son- dern ibr geistiger, moralischer und materieller Zusammen- bruch für Jahrzehntel Berge von Leichen, im Brufcerkampf Gefallener, Schutt- und Trümmerliausen einer vernichteten Kultur würden den Weg dieses Zusammenbruches bezeichnen. Ein unsühnbares Verbrechen an der Arbeiterklasse be- gehen diejenigen, die sie für Tatsachen blindmachen wollen, um sie in eine Stimmung wilder Verzweiflung hineinzu- treiben. Gewiß, das Volk hat im Kriege Grauenhaftes ge- litten und leidet noch heute furchtbar unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse. Aber darf ihm das ein Grund sein, gegen sich selber zu wüten? Ein Volk, das gegen die Demokratie die Faust erhebt, schlägt auk sich selber los, es handelt wie ein Wahnsinniger, nicht wie ein politisch reifes Volk. Wenn die Arbeiterklasse sich nicht selbst aufgeben will. dann muß sie sich wieder einigen aus dem Boden der Verfassung. Einigung auf dem Boden der Verfassung heißt: Fort mit dem Belagerungszustand! Schulung der Arbeiter� flösse im Gebrauch aller verfassungsmäßigen Machtmittel Fortführung ihre? Klasierckampfes? GememsameZ Be- 'wubcn, bei allen parlamentarischen Wahlen sozialistische , Mehrbeiten zu erzielen und als Reichspräsidenten nur einen . zuverlässigen Vertrauensmann der Arbeiterklasse zuzulassen! Vereinbarungen über Gesetzentwürfe, die der Volksabstim- ' mung zu unterbreiten sind, und gemeinsame Propaganda -für sie! Vermeidung aller Richtungskämpfe bei der Wahl '-von Betriebsräten, Auswahl der tüchtigsten, kenntnisreichsten Mmeraden zur Wahrung der gemeinsamen Interessen? . Planmäßige Sozialisicrung nach den Grundsätzen des wissen- schaftlichen Sozialismus durch Fortentwicklung aller vor- handenen zum Aufbau brauchbaren Elemente! Für diese Einigung der Arbeiterklasse zu kämpfen und sie zu erreichen— mögen die Schwierigkeiten auch noch so groß sein und mögen Bruchteile der Bewegung immer noch im Wahn der Sclbstzersplitterung verharren—, .das ist jetzt die Aufgabe der Sozialdemokratie. Die Arbeiter- /lasse muß aber den Boden kennen, auf den sie sich stellen . und vereinigen soll, und darum ist es jetzt das erske, die - Grundtatsachen der Verfassung in alle Köpfe einzudämmern. Fragt die Kaineraden in der Werkstatt, fragt die-Wortfüh- s rer der U. S. P. D. und der K. P. D., was sie von dem "Inhalt der Verfassung wissen, das Ergebnis wird verblüf- send sein! Sollte man eines Tages sagen dürfen, die Ar- . heiter hätten die Verfassung der Deutschen Republik umge- "stürzt, weil sie nicht wußten, was darinnen stand? Bis jetzt waren wir stets der Meinung, daß klares Wissen der Arbeiterklasse den Sieg bringen wird, nicht äber die Unwissenheit. Das Wissen, das die Arbeiter jetzt am allernotwendigsten brauchen, ist das Wissen von der Berfa s s u n g. Nur dieses Wissen macht sie zu bewußten Trägern der Volksgetvalt, es gibt ihnen Kraft und Selbst- bewußt'ein im Kampf gegen ihre Klassengegner und bietet die tatsächliche Unterlage für ihre inneren Auseinander- setzungen. Tie Kenntnis des tatsächlichen Inhalts der Ver- fassung in den Massen zu verbreiten, ist also unsere nächste Aufgabe, man könnte fast sagen, daraus ergibt sich die Lö- sung oller weiteren von selbst. Denn wenn die Arbeiter die V er fassung kennen, werden sie nicht gegen sie kämpfen, sondern sie werden von den Rechten, die sie ihnen bietet, Gebrauch machen, um ihre letzten Ziele zu erreichen. Arbeiterbewe- gung und Sozialdemokratie werden dann -wieder eins sein!_ Die Kohlentransportschwierigkeit in Gberfchlesien. Tie Pressestelle des Z e n t r a l r a t s für die Provinz Schlesien teilt mit: Der ani I. September zu Breslau gemeinsam mit dem Vorstand des Zentralrates tagende provinziale Volks aus- - ich u ß für die Provinz Schlesien richtet an die zuständigen Reichs- und Staatsbehörden, insbesondere an den Reichskommissar und an den Oberpräsidenten die dringende Bitte, niit allen Mitteln für eine sofortige Be- -Hebung der zurzeit bestehenden Tr ä n s p o rt ki? i se in b e rsch le s i en einzutreten. Zu diesem Zwecke schlage der -Vorstand des Zentralrats und des provinzialen Vollzugsaus- schusses die sofortige Gestellung eines mit besonderen und /Außerordentlichen Vollmachten seitens der hierfür in Frage kom, Menden Reichs- und Staatsbehörden ausgerüsteten Sonder- ka m m issars vor, der für den beschleunigten Abtransport �5 der in Oberschlesien geforderten Kohle zu sorgen hat.- Ucberelfer der rheinischen Vesatzungöbehörden. Wie uns ouS Köln mitgeteilt wird, wacht die Entente mit Argusaugen darüber, . daß die rheinische Bevölkerung m:t nicht allzuviel sozialistischem stüst infiziert wird. Vom„Vorwärts" hat man bereits hinterein- ander die Nummern 4öT, 459 460, 161 und 464 beschlagnahmt. Iür den„Vorwärts" wird das natürlich ein Ansporn sein, mit - vercoppeltem Eifer seine Pflicht zu tun. tzeöa! Tie deutschnationale Geisteswaffe. Folgeudes Schreiben liegt uns im Original vor: Berlin-Friedenau, Datum des Poststempels. Sehr, geehrter Herr! DaZ Verteidigungsmittel„Heda" ähnelt dem Gummi- knüppel der englischen Schutzleute, ist aber in seiner Wirkung viel wirkungsvoller. Ein gewöhnlicher Schlag genüg:, den Angreifer unschädlich zu machen..Leda" ist von außerordentlicher Elastizität und er- staunlicher Durchschlagskraft. Das Instrument gleicht einer starken Hundepeitsche und kann unauffällig auch auf Spaziergängen und Reisen mitgenommen werden. Es ist in. zwei Ausführungen, einer stärkeren, in seiner Wirkung überaus furchtbaren, und in einer schwächeren zu haben. Der Preis beträgt für die erstere 25 M., für die andere 20 M. das Stück.„Heda" wird nur an Herren und Damen abgegeben, dir sich als Mitglied eines nationalen. Vereins mtsweiscn kön. nen, denn'es soll' vermieden werden, daß„Heda" in Hönde gelangt, die damit Mißbrauch treiben könnten. Besichtigung Potsdamer Str. 1, Sof 4 Treppen. Hochachtungsvoll Kunze, Generalsekretär der D. N. V. P. Für Herrn Kunze scheint die stärkere,„in ihrer Wir- kung überaus furchtbare" Ausführunci daS besser geeignete In ftrnment zu sein. Für seine übrige Ge- folgschaft dürste die schwächer? Ausführung genügen. * In der Republik Braunschweig erläßt ein Landbund eine Aufforderung an die Landwirte, sich gegebenenfalls militä- rische Hilfe zu requirieren. Wörtlich heißt es dann:„Noch besser wäre es, wenn die Landwirte sich zusammenschließen und mit� den im Harze sehr gu: wachsenden Eichelheistern(Knüppeln) versehen, die kommunistischen und spartakistischen Ideen aus- treiben". tzetze gegen üie Truppenvereiüigung. Von der Wühlarbeit der Teutschnationale«. Hundertmal haben reaktionäre Blätter dem„Vorwärts" vor- geworfen, er untergrabe die Reichswehr, weil er für die An- srkennung republikanischer Gesinnung bei Führern und Mann- schaften eintritt. Wer in Wahrheit die Reichswehr zu zerwühlen sucht, und mit welchen Mitteln doS versucht wird, das zeigt eine Hetzschrift, die von deutschnationaler Seite jetzt mit allen Mitteln in die Truppen hineingebracht wird, und die geradezu darauf ausgeht, den Reichswehrangehörigen ihre Tätigkeit zu ver- ekeln, sie mit Sorge und Mißtrauen zu erfüllen und vor allen Dingen von der Leistung des Treueids auf die Verfassung abzuhalten. Die Hetzschrift führt den Titel„Einst und Jetzt" und arbeitet mit dem bekannten Mittel der Gegenüberstellung. Auf den beiden inneren Seiten find unter Einst und Jetzt zwei Bilder gegenübergestellt:. Links sieht man unter„Einst" das bekannte Hohenzollernbild „Vier Generationen"(Wilhelm I., Friedrich III., Wilhelm II. und den Exkronprinzen als Säugling auf den Knien seines Urgroß- Vaters), rechts unter„Jetzt" das bekannte Badebild von Ebert und Noske. Diese Darstellung ist jedoch noch das Harmloseste. Diel bös- artiger ist der folgende Text: Da wird den Soldaten gesagt, daß sich fiir die jetzige Regierung„das Leben schwerer ein- setze", daß unser Vaterland„in Wahrheit von Unabhängigen, Bolschewisten und Spartakisten be- herrscht" wird, daß die Regierung den Soldaten in den Arm fälle und dagegen ihre Mörder'hcimlich beschütze. - Besonderes Mißtrauen wird gesät mit der Behauptung, daß die Regierung„nichts für die Z u?u n ft S f i cheru n g der Soldaten tue" oder getan habe: Dieselbe Regierung, die Eure Auflösung dem Feinde, ver- sprechen hat und durchführen wird(und, Soldaten, bald durchführen wird!), läßt Euch mittellos auf dem Pflaster stehen. Sie, die mit Phrasen regiert, anstatt mit Taten, und allen streiken. den Arbeitern, die Ihr in Ruhe halten müßt, Staats- und Privatgelder nachwirft, handelt Euch gegenüber nach dem Grundsatz: Sehe jeder, wie er? treibe, sehe jeder, wo er bleibe, und wer geht, daß er nicht falle. Die erlogene Behauptung, daß die Regierung nichts für die Soldaten tue, die infolge des Friedensschlusses entlassen werden müssen, wird noch mehrfach wiederholt. Vor allen Dingen kommt es den Broschürenschreibern darauf an, die Soldaten damit gegen den zu leistenden Treueid aufzuhetzen. Da heißt es z. B.: Fühle» kann sich ein freier Mann nur. wenn er seine Zu- k u n f t gesichert Weiß; wenn er weiß, daß die. die ihm den Eid abnehmen wollen, ihn aucki wirklich nur zum Wohle des Volks- ganzen, nicht nur, wie es seit November der Fall ist. z u r Sicherung dauernder Lohnerhöhung streikender Radaubrüder verwenden will.- Merkwürdig, eben noch hieß es, daß die Soldaten die streiken- den Arbeiter in„Ruhe halten" müßten, jetzt sind sie plötzlich„zur Sicherung der streikenden Radaubrüder" dal Aber mit Wahrheit und Logik hat die Sudelschrift überhaupt nichts zu tun. Eine andere Stelle: �> Jetzt kommen die Nutznießer dieses grauenvollen Zerstörungswerks(gemeint tst die jetzige Regierung. Red. d. Vorw.l, versprechen dem Feinde Eure Auflösung und ver» langen, daß Ihr gegen diese Auflösung ohne Zukunfts» s icher ung nichts tut. Euch selber fesselt durch einen Eid! Und wißt Ihr überhaupt, was Ihr beschwören sollt? Nein, Ihr wißt es nicht. Niemand weiß es. Diese Behauptung wird daniit begründet, daß in Artikel 79 und 106 der Verfassung noch ein besonderes Reichswehrgesetz angekündigt wird. Weiter gehetzt wird mit der Bestimmung des Art. 133 der Reichsverfassung, nach dem das Reichswehrgesetz auch bestimmt, wie weit den Angehörigen der Wehrmacht zur Erfüllung ihrer Aufgaben und zur Erhaltung der Manneszucht einzelne Grundrechts einzuschränken sind. Gipfelpunkt aller verlogenen Hetze! Dieselben Leute, die auf der linken Spalte unter»Einst" die eiserne barbarisch« Disziplin von ehemals ver- herrlichen, lodern jetzt vor fittlicher Entrüstung über diese Ver- fassnngsbestimmung! Man höre: Und dieses Wehrgesetz bestimmt auch, wie weit man Euch Soldaten von den feierlich verkündeten Grundrechten, die jedem sonst im Volke zustehen sollen, entziehen will,— wenn Ihr nur erst einmal geschworen und Euch durch den Eid gebunden habt. Und das wagt nun Euch eine Regierung und die Weimarer Versammlung z u h i e t e n, die nur und ausschließlich und einzig und allein durch Euch und von Euch gelebt haben. Wagen von Euch zu verlangen, baß Ihr das, Soldaten, beschwören sollt. Und das. was noch gar nicht existiert, sollt Ihr, Soldaten, beschwören! tJm Original stärkstenZ hervorgehoben. Red. d. Vorw.) Wer Achtung vor Eiden hat.... kann der etwas beschwören, was er gar nicht kennt, von dem niemand weiß, was es bringt, und nur daS eine feststeht, daß es Euch und Euch ganz allein binden soll. Wofür doch? Und wer hat ein Interesse daran. Euch. Soldaten, die Ihr bisher treu im Dienst und zum Heile von Volk und Vaterland gedient habt, sv eilig und so blind, so ein- seitig zu binden? Diese Proben dürften wohl genügen, um jedermann zu zeigen, was hier vorgebt. Das Reichsministerium wird mit äußerster Energie gegen dies« Enterwühlunq der Truppe vorzugehen haben, die sich in Metbode und Ziel in nichts von der schlimmsten sparia- kistischen Wühlarbeit unterscheidet. weitere Verurteilung in München. Der Schauspieler Popp, der während der Münchener Räte- zeit eine leitende Stellung im Ministerium für.-soziale Fürsorge bekleidet- und mit einer Summe von 457 000 M„ die er im Auf- trage der R ä t e r e g i e r u n g zur Auszahlung von Löhnen in das oberbaherische Grubengebiet bringen sollte,.'flüchtete, wurde von dem Münchener/L a wd'g e r i ch t zu einer'. AesängniSstrafe- don 3 Jahren und 4 Monaten- verurteilt.•:.■■■—?-- Au? dem Reichswirtschaftsministeriium. Ter Reich swirtichafts- minister Schmidt ist auf feinen Wunsch von dem von ihm ver- walteten Amt eines preußischen'« t a at s ko m mifs a r S wegen Arbeitsüberbürdung entbunden worden. Zu seinem Nachfolger ist der Unterstaatssekretär im Reichswirtschaftsministerium PeterS bestellt worden. Die sachlich erwünschte Fühlung mit dem Reichs- wirtschqstsministerium bleibt somit er hakten, irgend eist System- Wechsel tritt nicht ein. Die Geißel öer Menschheit. I. Ter dicke Lagerhalter klopfte auf den Tisch:„Die Geißel der Menschheit ist der DarlehnSvorschutzschwindel!" Dann llemmte er . seine Pfeife in die linkest« Mundecke und kaute zwischen den Zäh- nen heraus, wer sei eS denn, der die letzten Hoffnungen der ärmsten unserer Mitbürger noch betröge, indem er ihnen eine Oase in der Wüste vorgaukele! Wer nehme denn dem um sein« Existenz Kämpfenden die letzten Sparpfennige aus der Tasche und lasse ihn dann im Straßengraben verenden?„Wenn der DarlehnSvorschuß- . schwindet nicht wäre, meine Herren," appellierte er,»wäre vieles . besser in der Welt." „Na ja, schön," brummte der Arzt dazwischen,„aber von einer . eigentlicheil Geißel können Sie doch nicht sprechen, während die Geschlechtskrankheiten, die Geschlechtskrankheiten, meine Herren! allerdings denn doch wohl mit diesem Namen behaftet zu werden verdienen! Millionen leiden unter diesem Uebel. Zu Hundert- taufenden senst der Tod die Geschlechtskranken, nachdem er sie nicht ''selten vorher gräßlich verstümmelt hat, hinweg. Wenn heute einer käme und uns ein absolut wirksames Mittel gegen die Geschlechts- krankheiten sagte, dann wären wir übermorgen erlöst. Die Ge- schlechtskrankheiten. meine Herren! sind die wahre Geißel der Menschheit!"..._ „Lieber Freund, die Geschlechtskrankheiten hin— die Ge- schlcd- iskrankheiien her: haben Sie Mut, einen schritt weiter zu - gehen: die Weiber überbaupt sind die Geißel der Menschheit!� „Ter männlichen natürlich nur," knaubelte der Arzt an semer Zigarre.--t». „Die weibliche." fuhr der Apotheker fort,»gehört ia über- Haupt nicht zu ihr. Gucken Sie in die Theater hinein, lesen Sie in den Romanen, sehen Sie dos Leben selbst an: Die� Weiber und nichts als die Weiber sind die Geißel der Menschheit!" »Und ich behaupte, daß eS die Schundlektüre ist," warf em Verleger moderner Schriften ein,»wodurch kommt denn unsere Ver- derbthett aus allen Gebieten, wodurch geschieht es denn, daß wir . aus ack? nur allzu niederer Kulturstufe noch stehen, die die Wurzel alles Unglücks ist! Durch di« Schundleklüre und nochmals durch die Schundlektüre!"». � Unsinn," wurde ein junger Man» heftig,»die materialistische Geschichtsauffassung lehrt, daß alles Geschehen nur in den ökono- wiTn Bedingungen verankert ist. unter denen-in Voll lebt. Un- i«re Gesellschaftsordnung also ist die sausende Geißel!" „Die Juden sind sie." braust» cm Teuwne auf.„., .Nein, aber die Unruhstifter, du Revoluzzer m i«t>0> Pttts! .'Wollen Si- de« Spielteufel übersehen?" »Und nicht die Kriegshetzer vergessen?" »Waö die Examinantenprüfungen schon für Leid auf die Erde gebracht haben, wollen Sie ganz übersehen?" Als ein Stuhl zersplittert, zwei Bierglaser umgepflogen waren und einer Blutungen am Kopfe hatte, sagte einer, die blöde Strei- ierei sei die Geißel der Menschheit.« Worauf an diesem Abend zum ersten Male eine gewisse Stille eintrat. Hans Bauer. vas haus in der Sonne. Es gibt ein kleines freundliche? Buch, das von dem Haus in der Sonne handelt. Ein froher schwedischer Maler hat es uns ge- schenkt. Aber das Hau? meine ich nicht, sondern ich denke an das Haus in der Sonne, das wir alle uns schaffen können, wenn wir den Willen dazu haben. Schön wäre es, wenn ein jeder, der sich ein Haus in der Sonne ersehnt, wirklich ein kleines Eigen im Grünen hätte, von Sonne, Luft und Licht umflossen. Aber noch find wir nicht so weit. Nicht nur, daß eS so viele Eigenheime nicht gibt, es sind auch so viele Menschen noch nicht fähig, Sonne in ein Eigenhäuschen, ja nicht einmal in eine ganz kleine Wohnung zu bringen. Kann doch ein Haus mitten in hüler Sonn« liegen— aber wenn Mann, Frau und Kinder nicht froh darin leben, dann ist es ein kaltes und armes Haus. Dagegen war ich in ganz engen Küchenwohnungen in Großstädten, in denen die Sonne den ganzen Tag lachte, und wenn eS nur in den blank geputzten Augen der jungen Frau oder des ManneS, vielleicht aber auch im Wasserhahn war. Sonne läßt sich nicht taufen, sie ist nicht zu bestechen und läßt sich nicht betrügen, lind doch ist sie Lebensquell und Leben?» erhalter und wir sollten unseren Kindern von ihr sagen und singen und sie einander bringen; ganz besonders aber auch unseren Alten. Wenn ich von etwas Schönem träume, so ist eS von dem Hause in der Sonne. Aber es ist nicht ein HauS! Viele, viele Häuser sind eS. Und da wohnen lauter Menschen, die froh in der Sonne arbeiten und leben. Ihr Lachen ist hell und warm und voll Sonne I Ja, so mutz es werden und sein! L. M. Die Hauptversammlung Ses Deutschen Moniftenbunö es Die in Hannover abgehaltene Tagung des Monistenbundes war von mehr als 100 Vertretern der Ortsgruppen und Mit- glieder besucht. Als Vertreter der BundeSleiwiiq führte die Verhandlungen Dr. Aigner-München. Aus seinem Vortrag ist hervor- zuHeben: Die Revolution hat erheblich zugunsten des Bundes ge- wirkt. Die Zahl der Kirchenaustritt? hat in vielen Gegenden Deutschlands, besonders im Rheinlande, außerordentlich zugenommen. Weitere Ernte wird alsbald möglich sein. Eine Reihe von ansehnlichen Stiftungen haben die materiell« Lage des Bundes sehr gut gestaltet. Die Erziehung unseres Volles zu einer rein erfahrungswissenschaftlich gegründeten Weltanschauung ist heute nötiger als je. Naturwissenschaftlich begründete Lebens- und Bürgerkunde ist auf politischem Gebiete und eine ersah rungSwissen- schaftliche Sittenlehre auf dem Gebiete der moralischen Unier- Weisung unseres Volkes die Forderung der Zeit. Das in der Nationalversammlung geschlossene Kompromiß läßt leider den Ge- danken vermissen, daß die öffentliche Schule sich aufbauen müsse auf einem Fundament rein wissenschaftlicher Erkenntnis. Es gilt. di« Initiative und freie Entscheidung der Eltern gegen die Macht des Klerikalismus wachzurufen, dazu ist ein« Kartellierung aller freigeistigen Organisationen dringend notwendig. Zum Vorsitzenden wurde Pros. Heinrich Schmidt-Jena ge- Wählt. Außer den Beschlüssen rein geistiger Natur weurden auch solche von hervorragender praktischer Bedeutung gefaßt, welche die Eroberung der Presse und der Zeitschristenliteratur für die monistische Weltanschauung in Zukunft schneller als bisher herbeiführen soll. DaS Weimarer Kartell für GeisteSfteiheit ist beauftragt, diese Aufgaben in Verbindung mit den freigeistigen Organisationen durchzuführen. Der Austritt aus der Kirche und die Nichtzuge- Hörigkeit zur Kirche wurde auf der Tagung zu einer Selbstverständ» lichkeit erklärt, zumal da jetzt alle äußeren Hemmungen für di« fteie Bewegung der eigenen GewissenSüberzeugung in Wort und Tat aus dem Wege geräumt find. Notizen. — Neu e Filme. Die R i cha rd- Osw al d-L i ch t. spiele(früher Prinzeßtheater) in der Kantstraße sind in neuer, sehr geschmackvoller Einrichtung als eigenes Theater des bekannten Regisseur? Oswald wieder eröffnet worden. Zur Aufführung ge- langte der Film„Die Arche". An dem Film ist erfreulich, daß er nichts aufklären will, im Gegenteil sich vom Alltag weg dem phantastischen Motiv einer neuen Sintflut zuwendet. Die Durch- führung leidet unter �iner überflüssig breiten Anlage und der zu reichlichen Anwendung von Großaufnahmen. — Söball und Rauch, dies erste Berliner Unternehmen Reinhardts im jkabarettstil. wird in neuer Gestalt wieder auf- leben. Im Tunnelrestourant im Zirkus Söbumann sollen unter Leitung von Rudolf Kurtz politisch-literarisch« Kabarettvorstellungen DSränfhillct toetben« hoffentlich wird cruch ein pofctiich»fanirifcheZ Marionettentheater, wie es die 11 Scharsrichter pflegten, dabei sein. — Die Volksbühne hat Rolf LaucknerS Drama»Predigt in.Litauen" zur Aufführung erworben. — DaS Eden-Theater in der Alten Jakobstraße er- öffnest seine Spielzeit am Freitag, den 26. September, mit der Revue:»U. A. w. g." mit der Musik von Viktor Holländer. — DerEisenackerAerztetag. Aus der Tagesordnung des diesjährigen Deutschen AerztetageS stehen folgend« Referate: Unsere Stellung zu den Krankenkassen(Hartmann!, zur Soziali» sierung des Heilwesens fMugdan), die. sozialhygienischen Aufgaben / k;« der StK tKvautwig), die Bekämpfung der Kurpfuscherei(Herzau). die' otbrning des medizinischen llnterichts(Schwalbe), da» Abkow mit de« UnfallverficherungSverband(HeniuS). Neu- Abkommen Znöustrie und Handel. Börse. Tie Börse zeigte zu Begirin auf den meisten Gebieten eine unsichere. Haltung und vielfach waren nach den letzttägigen Aus. wariZöewegungen Abfchwächungen zu bemerken, die vorwiegend aus Wochenschlußrealisationen zurückzuführen waren. Das Geschäfl war ruhiger, namentlich am K o l o n i a l m a r k t, wo die Werte vorwiegend nachgaben. Pomona gingen von 3200 auf 2950 zurück. Deutsche Kolonial an eihe anfangs etwas gefestigt, mit 1400, später schwächer mit 1330. Neuguinea mit 350 wenig verändert. Sloman Salpcrer mit 310 behaupret. Otavianteile etwas nachgebend mit 258, auch Otavi Genutzscheine mit 178 etwas schwächer. Fester da- gegen Southwest mit 217 und Kaoko mit 83. Im weiteren Per- laufe trat für Petroleumwerte größeres Jntereffe hervor. Sleaua Romana, die mit 585 niedriger eröffnet hatten, gingen bis auf 600 Proz. herauf. Aehnlich war die Entwicklung in Deutschem Petroleum. Dieses Pahier anfangs 5 Proz. niedriger, später um 10 Proz. gebessert. Deutsche Erdöl wenig verändert. Am Valutenmartt setzte sich die rückläufige Bewegung in Kanadaattien fort. Das Papier ging bis 523 zurück. Fest dagegen Türkische Tabak, die 9 Proz. gewannen. Am Montanmarkt verstimmte eine Meldung über eine trostlose Geschäftslage der Luremdurger Gesellschaft. Das Papier bühte darauf 4% Proz. ein. Auch Oberbedarf. Karo-Hegenscheid und Pbönir stärker rückläufig. Dagegen Bismarckhütte,.Harpener und Hohenlohe fester. Am Rü flu nasmarkt Hirsch-Kupfer 8 Proz. anziebend. Auch Deuiicb« Waffen und Rhcinmetall befestigt. Tagegen Gebr. Böhler und Rottweiler schwächer. Elektrische Werte gut gehalten. Anilinpapiere Zum Teil anziebend. Kriegsanleihe weiter rückläufig bis 77�4, dagegen die älteren heimischen An- leihen durchweg gebessert, zum Teil bis% Prozent. GroßGerüu Tagung des Reichsstädtebundes. Im Marmorfaal de? Zoologischen Gartens tagte heute die Mitgliederversammlung des Reichs- Städtebundes. Etwa 600 bis 700 Vertreter hatten sich zusammengefunden, um zu den wichtigen bevorstehenden Fragen Stellung zu nehmen. Die Tagesordnung umfaßte die Kommunalisierung, Steuerreform, Einheitsschulen, Er- stattung der kriegswirtschaftlichen Ausgaben, Verwaltungsreform und Kommunalgesetzentwürfe, Städte-, Landgemeinde-, Kreis- und Provinzialordnung sowie die Eingemeindung der Gutsbezirke. Der erste Vorsitzende, Erster Bürgermeister in Eilenburg, Dr. Bei tan, eröfsiicre die Sitzung und begrüßte dann die anwesenden Vertreter des Ministeriums des Innern, des Kultusministeriums. Er teilte mit, daß der Finanzunnister keinen Vertreter hätte entsenden können, was die Versammlung mit stürmischen„Unerhört"-Rufen -fuittterte. Für den Minister des Innern begrüßte Regierungsrat Dr. W u l l: die Erschieneueu. Bei den kommenden gesetzgeberischen Aufgaben, bei der Neuordnung der Provinzial-, Kreis- und Städte- ordnung stehe das Selbitoerwaltungsrecht im Vordergrund des Jirtercsses. Ter Krieg habe das Selbstverwaltungswesen der Kom- munen m ungeahnter Werfe gefördert. Um so harter müßten, es jetzt hie Kommunen empfinden, wenn die Reichsfinanzeform die materielle Selbstverwaltung des einzelnen stark beschneiden wird. Deshalb möge man nicht an eine mangelnde Sorge des Ministe- riumS für die Städte glauben, sondern sich vor Augen halten, daß vor dem Wohl des Staatsganzen die Einzelinteressen zurücktreten müßten.— Hierauf spraöb Bürgermeister Konz er im Namen � des deutschen und preußischen Städtetages. Er gab die Erklärung ab, daß beide Verbände Schulter an Schulter mit dem Reichsstädte- bustd für den Ausbau der Selbstverwaltung kämpfen wollen. Hierauf erfolgte dann der Bericht über den.zweiten Punkt der Tagesordnung, der den Jahresbericht, Feststellung des Häushai- lungöplanS, Kassenberecht u'w. entLAt.'"" Ueber die Frage der Kommunalisierung sprach Stzn- dikus Dr. H a s f k e- Berlin. Er streifte zunächst daS Problem einer V e r st a d t l i ch u ug d e r K: n o s und wünschte dann die Kom- nr u n a l i s i e r u n g a u.f A b d e ck e r c ien, Stellenver- m ittl un«San stalten. Privat sparkassen und Apo- 'hsken ausgedehnt zu sehen. Die Abdeckereien hätten während -'es Krieges dazu genährt, den verbotenen Sandel mit Fleisch zu treibem Sie seien gesundheilsschädlich und ermöglichten keine Kon- trolle über die Fleischverteilung. Die Stellenvermittlungen seien insofern reif zur Sozialisierung, weil häufig mit der Stellender- miitlung auch eine Privatausnutzung der Stellensuchenden ver- bürden sei. Die Privatsparkassen seien schon längst zur Soziali- sierung reif, da sie die Gefahr der Bewucherung des Geldsuchenden in sich bergen. Weiter begründete der Redner die Sozialisierung der Apotheken, aus denen die Gemeinden Summen Herauswirt- schatten könnten, di? bald im Etat erscheinen würden. Dagegen wandte er sich sehr energisch gegen d,e Kommunalisie- ru na des Lebensmittelhandels. Man habe bisher mit d-r Verstaatlichung des Lebensmittelhandel, wenig oder gar keine Erfolge gehabt.(Zurufe aus der Versammlung:.Im Gegenteil Aerger und Schaden!") Man kann doch unmöglich alle Bäcker und Scblachter zu hoch bezahlten städrischen Angestellten nur um der Komwunalisierung willen machen. Die Lebensmittel bedürfen einer l'o gründlichen und intensiven Pflege, daß nur der Privathaiidel imstande sei, die Waren frisch zu erhalten. Es sei nun einmal eine unbestreitbare Tatsache, daß man mit städtischen Beamten nickt so arbeiten könnte, wie eS die Lebensmittelgeschäfte mit ihren Angestellten vermögen. Nicht einmal die Milchversor- gung fei für kleinere und mittlere Städte zu emp- t e 6 1 e n. Berlin habe ja nun mit der Kommunal'sicrung begonnen, weil hier die Kontrolle durch die einzelnen Organe zu schwierig kein wurden. Man müsse aber die Erfahrungen Berlins in dieser Be- zichung abwarten. Der Redner warnte überhaupt vor jeder Kom- munal' lienln«. wenn die Gemeinden nicht imstande feien, mit der Verstodtsichung des Lebensmittelhandels zugleich auch die Erzen- lü'vg der von ihr kommunalisierten Waren in eigene Regie zu nehmen. Tie Berliner Ofenheizung gefährdet. Ter Koblenbestand in den Berliner � Gaswerken reicht nur noch für drei Tage. Da die gegenwärtige Zufuhr nur etwa die Hälfte des Tagcsbdarfs beträgt, geht die Gasversorgung Berlins einer schweren Krists entgegen, wenn nicht in letzter Minute noch eine Besserung der Zufuhren erfolgt. Ter umständliche Stadtrat. Die Neuköllner Lebensmittekaffäre will nicht zur Ruhe kom- wen. Jetzt ist ein städtisches Lastauto mit Lebensmitteln bei Rahnsdorf beschlagnahmt worden. Der„Äoperncker Volksbote" schreibt darüber:.• ..In Hessenwinkel wurden wiederholt Lastautos mit der Auf- 'chrift Magistrat Neukölln, Lebensmittelabteilung, bemerkt. Das war auffallend. Was hatten diese Lastautos in Hessenwinkel zu suchen? Oder— suchten sie eigentlich nichts, sondern brachten sie etwas, viel begehrte Dinge„armer" Hessenwinkler Herrschaf- tmi? Jetzt ist es nun gelungen, diese für die Allgemeinheit inter- essonte Frage aufzuklären. Das wunderbare Auto aus Neukölln erschien wiederum in Hessenwinkel und eS gelang festzustellen, daß cS mit Lebensmitteln schwer beladen war, und die ganze Herr- lichkeit i» der Villa de» Herrn Stadtrat M i e r S verschwand. Herr Mier ist Dezernent der LebenSmUtelabteilung Neukölln. Die Lebensmittel wurden beschlagnahmt, unter anderem auch acht Zentner Mehl, ein Zentner Zucker, 50 Kilogramm Oel und' 25 Pfund Marmelade. Herr Mier meint nun, diese Sachen seien nur irrtümlich bei ihm abgeladen worden, sie seien eigent- lich für das Krankenhaus Buckow bestimmt gewesen." Die Angelegenheit soll von den Behörden streng untersucht werden. Auffallend ist, daß ein Lastauto, das Lebensmittel für das nahe bei Neukölln gelegene Buckow geladen hat, mit diesen Waren erst den weiten Umweg über Hessenwinkel macht. Von Einbrechern angeschossen und schwerverletzt wurden in der vergangenen Nacht aus dem Grundstück Möckernstr. III der Haus- Verwalter Schöbe! und sein 22 Fahre alter Sohn. Gegen 1k4 Uhr hörte ein Mann, der in einem Filmlaboratorium auf oem Grundstück noch lätig war, vom Hinterlande her verdächtiges Geräusch. besonders fiel ihm ein starkes Keuchen wie von jemanden auf, der sich schwer angestrengt hatte. Seine Beobachtungen ergaben, daß mehrere Männer vom Hinterlande her über eine Mauer nach dem Grundstück gekommen waren, um hier einzudringen. Die Ver- brecher hatten aber wabrgenommen, daß sie bemerkt worden waren. Als jetzt auch der Hausverwalter und sein Sohn dazu kamen, griffen die Einbrecher zu ihren Feuerwaffen und schössen auf ihre Verfolger. Schobel und sein Sohn wurden getrosfen und so schwer verletzt, daß sie nach dem Krankenhaus rächt werden mutzten. Die Verbrecher entkamen, wahrscheinlich über die Dächer hinweg. Bon einem Sicherheitssoldaten erschossen. In der vergange- neu Nacht wurde auf der Unfallstation am Zoologischen Garten ein junger Mann eingeliefert, der am Wittenbergpletz in der Nähe des Kaufhaus des Westens von einem Sicherheitssoldaten erschossen worden war. Der Arzt der Rettungsstelle konnte nur den auf dem Transport zur Unfallstation erfolgten Tod feststellen. Es handelt sich bei dem Toten um den Bizefelowebel Theodor Dache, der in der Ortrudstraße 6 in Friedenau wohnte. Ueber den Vorfall selbst werden verschiedene Auffassungen verbreitet. Der große Einbruch in die KreiS-Kommunal-Kasse, über den wir vor kurzem aus Grimmen berichteten, ist jetzt von der Berliner Kriminalpolizei aufgeklärt worden. Zwei der Täter, ein.Schlosser Karl Schulze und ein Dreher Friedrich Meininger, sitzen bereits hinter Schloß und Riegel, ebenso ein Hehler, ein hiesiger HauS- Besitzer. Die Beute von 400 000 Mk. ist zum allergrößten Teil wieder herbeigeschafft. Es feblen nur noch die Hypothekenbriefe. Die Verhafteten, deren Spießgesellen noch- gesucht werden, be» haupten, daß sie sie als für sie wertlos verbrannt hätten. Die MilitärvrrsorgungSgcbühren werden vom Monat Oktober ab den Empfängern auf Wunsch ins HauS gebracht. Zu diesem Zwecke sind entsprechende Anträge an die zuständige Bestellpostan- stalt, bei der die Bezüge bisher abgeholt wurden, zu richten. Vor- drucke zum Antrag gibt die Postanstalt ab, die auch Näheres über das Verfahren und die Zeit der Bestellung mitteilt. Bautechnische Borträge und Hebungen. Der Verein deutscher Ingenieure veranstaltet in seinem Hause, Sommerssr. 4a, in den Monaten Oktober 1919 bis Januar 1920 eine Reihe von Vorträgen, in denen den Angelfcirigen der Bauberufe und sonstigen Interessen- ten Gelegenheit gegeben wird, sich ohne Störung ihrer Berufstätig- leit über den Stand der Bautechnik und die damit zusammen- hängenden Fragen zu unterrichten. Das Programm umfaßt über 150 Einzelvorträgc, für die angesehene Fachleute gewonnen sind. Den Vorträgen, die durch Lichtbilder, Modelle, Zeichnungen und sonstiges Anschauungsmaterial ergänzt werden, schließen sich AuS- sprachen an. Es sei besonders auf die Vortragsreihen über„Neu- zeitliche Holzbauweisen",„Naturbauweisen" und„Wirtschafilicben Baubetrieb" hingewiesen, die in dieser Zusammenstellung und Voll- ständigkeit zum ersten Male in Berlin geboten Werdens ihre zeit- liehe Geschlossenheit soll auch auswärtigen Teilnehmern den Besuch erleichtern. Die Vorträge werden mit einer Versammlung aller Teilnehmer am Freitag, den 3. Oktober, abends 7 Uhr, im Jngenieurhause, Sommerstr, 4a, eröffnet. Es spricht Prof. Dr.-Jng, Gary über den „Gegenwärtigen Stand der Versorgung mit Baustoffen"! außerdem werden Mitteilungen, geschäftlicher Art(Ergänzung und Aenderung des Programms) gemacht. Der Eintritt ist jedermann gestattet. Die ersten Vortragsfolgen beginnen am 6.. 7. und 18, Oktober. Näbere Auskünft erteilt die Geschäftsstelle des V, d. I., Sommer- strahe 4a, bei der auch Vortrags- und Zeitpläne zu haben sind. Die wäbrend des Krieges beschlagnahmte Post gelangt fetzt mach und nacb an die Empfänger. Manche dieser Sendungen hoben allerlei Schick'ale erlebt. Heute erhielten wir ein Schreiben von der Uiamhara-Post in Tonga(ehemaliges Deutich-Ostaf ri ka) vom 1. September 1915. Es hat den Stempel der deutschen Zensur in Deutsch-Ostasrika, ist dann nach Lissabon gelangt. Der weitere Aufenthalt ist nicht mehr festzustellen. Gleichzeitig gehen auch einige Zeitungen vom Oktober 1915 anS Ostasrika ein, die mit ihren Kriegsberichten heute einen seltsamen- Eindruck machen— wie aus einer fernen Welt— wie von Sternen, deren Licht uns erst erreicht, nachdem sie selber bereits erloschen. Bereinigung sozialistischer Lehrer und Lehrerinnen Grast- Berlins. Por:rag über Marxismus, Tr Rolendera, Dienstag 70, Uhr, Schule Augustilraße 67/68. Freie Aussprache. Eintritt 50 Pfennig. Seminaristen stet. Wimeesdarf. AuflZsnn« der Lazarettspende. Die Kommission zur Verwaltung und Verteilung des Restbetrags der Lazarettspende teilt mit. daß der zur Verfügung stehende Restbetrag der Wi J mersdorfer Lazarettspende von 17 478,56 M. nunmehr vollstäitdig zur Verteilung gelangt ist und im ganzen 366 Antragsteller mit Spenden bedacht werden konnten. Di« Abrechnung über die Ver- teilung des Restbetrags ist dem Staatskommissar für die Wohl- sahrtspslege im Bezirk Groß-Berlin, dem Polizeipräsidenten von Berlin, erteilt worden. Wettere Anträge sind infolgedessen zweck- los und können nicht mehr berücksichtigt werden. Groft-Berliner Lebensmittel. Tegel, vom 22. bis 28. September: Aus Abschnitt 67 und 68 der Groß- Berliner Lebensmittelkarte je 250 Gramm JnlandSittatmelade(0,65 M,j, auf Abschnitt 69 250 Gramm MaiSmebl(1,45 M), aus Abschnitt 81 200 Gramm Grouven(l8 Ps.i und 100 Gramm Maisgrieg(10 Pf,), aus 'Abschnitt LS 2 Päckchen Milchsützspeise(l,10 M.s, HermSdorf. Bom Mittwoch, den 24,, bis Sonnabend, de» 27. Sept., auf Abschnitt 68 der Groß-BeUiner Lebensmittelkarte 250 Gramm ausl Marmelade(1,30 M.), ans Abschnitt 66 250 Gramm ausländische Hüsten. stüchle(63 Pf,), ans Abschnitt 76 300 Gramm Graupen(27 Ps) rntd 200 Gramm Stärkemehl(32 Pf.), ans Abschnitt 82 8 Päckchen Milchsüß- speisen, Hennigsdorf. In allen Geschäften ab Montag: auf B, S: 100 Gr, Margarn e, aus B. S 6: 400 Gramm Kunstbonig; am Dienstag aus B. S 7, nur im Konsum: 500 Gramm Haserslocten, aus Nährmntelkarte für Kinder, die am Montag zur Ausgabe gelangen: 1500 Granim Grieß bei Figges,> Friedrichsfelde. Dienstag: 250 Gramm Hülsenfrüchte ans Ab- schnitt 75 der Groß- Berliner Lebensmittelkarte(Pfund 1,25 M,), Kraft. brühwüifel a 5 Ps, ans Hanshalikarte. Donnerstag: Bruch- Zwieback, solange der Vorrat reicht, ans SauShaltkarte(Pid, 0,65 M.), 300 Gramm Graupe(27 Pf,) auf Abschnitt 81 der Groß-Berlwer Lebens» mlttelkarte. Naggiwürze, Flasche 1,50 M. Britz. In der Vertäussstelle der Gemeinde vom 22. bis 28. Sep- tember: Auf Groß-Berliner Lebensmittelkarten, Abschnitt 83 und 89 je 150 Gramm Nudeln. Abschnitt 90 250 Gramm Maismehl: auf Karten iür Kriegsbeichädiate, Abschnitt 1 1 Pfund Nildetn; aus Karten für werdend« Mütter und Kinder,'Abschnitt 4 st, Psluid Nudeln, Freihändig werden abgegeben: Heringe. AnSlandSmarmetade. deutscher Tee. Amerikanisches Mehl ist noch nicht eingegangen Ausgabe erfolgt alsbald nach Anlieferung, Adlershof. Bom 22. bis 28, September: in der Baracke Radickc- straße: aus Abschnitt 39 der Kartoffelkarte>0 Pfd. Kartaffeln a Pfd. 16 Pf., aus Abschnitt 69 der Gemeinde-Lebensmittelkarte 250 Gramm Marmelade (Pfd. 1,30 M), Qbne Marken: Prima Fettheringe(Stück 0,75 M.). Eier (Stück 1.15 M.), Radickeilr. 10 und Kronprinzen-, Ecke Selchoivstraße: aus Abschnitt 87 der Kre>S-LebensmttteIkarte: 150 Gramm Nudeln(Pfund 0,66 R,). Abschnitt 88: 150 Gramm Graupen<0.44 M.). Abschnttt 70 der Gemetndc-Lebensmilletkarte: 1 Päckchen Milchsüßspeise»u 0,55 M,— Die AuSgabe von Marmelade, Eier, Heringe und Zwieback gegen Marken erfolg t auch in der Ausgabestelle Kronprinzen-, Ecke Selchowstraß«. Radickeftrage, für Monat September auf Milchkarten A I(Kinder im 1. LebenSsabre): 750 Gramm Bruchzwieback für 1,95 M,, aus Milchkarten All(an Kinder im 2. LebenSsabre): 500 Gramm Sruchzwieback für 1,30 N, auf Milchtarten für werdende Mütter: 1',00 Gramm Haferflocken für 1,80 M.. auf die Ab- flbnitte 34—39 der Stammkarte für stillende Mütter: 1000 Gramm Haser- flocken für 1,80 M, Für Pferdebefitzer nnd Kleintterbalter: Prima auSl. Kleie, je Zentner 60 M. im Zimmer 90 des LebensmttlelawteS, Dahlem. In nächster Woche, Mittwoch bis Freitag, 500 Gramm Graupenmedl aus Abschnitt 84(Pid, 0,60 M,), 1.Päckchen Milchsüßipeise auf Abschnitt 86(0,55 M). 150 Gramm Nudeln aus Absch, 87(Pid, 0,66 M,), 250 Gramm Maisgrietz aus Abschnitt 90(Psd. 2,90'31.), 7 Psd, Kartoffeln. In der Berkauisstellc Podbielstcallee 49 und Drogerie Bieruoth. Laden- dergstraße: Kondcnsmil u, nur an Krönte aus ärztliches Attest, a Dose 1,80 II?., Süßstoff, a 50 Pf, auf Abschnitt W der Rebenlaite A. tzau-hal- tungen bis 6 Perl. 3 Pcckch. Für heimtehrende Kriegsgesangene wird pro Woche aus besondere LebenSmittclzu'atzlarte verausgabt: 600 Gramm Brot, 50 Gramm Fett, 125 Gramm Auslandsspeck oder Konservenfleiich und 250 Gramm Hülser, srüchte. Montag, den 22. September, tommen im Gutsbause, Zimmer 6, von 8'/,— 12 Uhr vormittags, Restposten: Anzug-, Lopven- und Futterstoffe zum Preise von 12 M, pro Meter, leichtere Futterstoffe zun: Preise von 2,80 pro Meter sowie Unterröcke, Frauenhemdeu und schwarzer Zwirn zum Be:kaut, Rowawes. Vom 22. bis 23. September: 250 Gramm Marmelode (70 Ps.) auf Abschnitt 71 der Lebensmittelkarte, 300 6>ramm Graupen (27 Ps.) aus Abschnitt 81. 250 Gramm Ma.Zgrieß(1.45 M.) aus Abichnilt 90. 250 Gramm Pflaumenmus(2,50 M.) aus Abschnitt 34 der blauen Karte, 250 Gramm Haferflocken(62 Ps.) aus Adschn lt 43 der Jugeudlichen- karte. Die Karteninhaber müssen Montag und Dienstag die Karten- abstnitle 71, 81, 90, 34 blau, 43 Jugendl. abgeben Marieiidors- Südende. Aus die beiden Abschnitte Z 16 der neuen Einluhrzusatzkarle vom 20— 24. September 250 Gramm amerikanisches Werzi nmebl für 42 Ps, bei cincm Händler oder 94 proz. inländisches Weizenmehl in den beiden Gemeindeläden, Donnerstag: Verkam von Torsstreu, pro Zentner 7 M. Bezahlung von 11—1'/, Uhr im Zimmer 20/21 .es Rathauses. Ausgabe im Futter miltellager im Gymnasium von 1-2 Uhr._ Groß-Serttner parteinachrichten.• Bezirks l,ilduugSciuSschuff Gross- Berlin. Sonntag, den 28, Sep- tember. nachmittags 3 t.hr, im kleinen Schauspielhaus. Faiar.enslr, 1. Ecke Hardenbeignrage,„Maria M a g d a l e u a E chauipiet in 3 Alte» von Friedrich Hebbel. Karten zu 1,50 M, und 15 Pi, Garderobcngebübr sind zu haben in allen Voiwärts-Sveditionen von Berlin sowie in Cvarlolten- bürg, Friedenau. Stegli»: Lichte, berg, Settel, Wartenbergirr. 1; Neukölln, Heinrich, Neckar str. 2: Schörreberg. Bäumer, Belzizer Str. 97: Wilmers- dors, Schubert. Uhlandstr, 98/99; in der Buchhandlung Vorwärts, Linden» strage 3, und bei Horsch. Engeluser 15. GewekkschllflsbewMno Zum Konflikt in üer Metallinöuflrie. Die von der Geschäftsstelle d«S Verbandes Berliner Metallindustrieller herausgegebenen„M itteil ungen" für die Mitglieder wenden sich in einer längeren Abhandlung über den Stand der allgemeinen Verhandlungen zum Aufbau eines neuen Kollektivabkommens für gewerbliche Arbeiter entschieden gegen die Behauptung, daß die Unternehmer mit Hilfe der neuen Sätze und der Verordnung vom 3. September d. I. einen allgemeinen Abbau der Löhne beabsichtigen. Wir geben des allgemeinen Interesses wegen, das die AuS- lassungen dieser„Mitteilungen" hierüber enthalten, hier im wesent- lichen wieder: „Kommt nun durch den Schiedsspruch eine Arbeiterkategorie, beispielsweise Kernmacher in Metallgießereien, nicht in Klasse I, so ist damit keineswegs die Folge gegeben, daß nun diese Kate- gorie in ihren gegenwärtigen Verdiensten geschmälert würde. Es kann nicht scharf genug betont werden, daß nach dem Sinn des Schiedsspruches vom 21. August 1919 und den bei den gesamten Verhandlungen gegebenen Erklärungen jede Verschlechterung anS- geschlossen bleiben muh.(Im Original fett gedruckt. D. Rd.) Verdient zum Betspiel in einem Betrieb«in« Arbe.terkategorie zurzeit 4,— M. pro Stunde und ist sie in Klaffe II eingereiht (Akkordbasis 3,10 M.). so dürfen einmal die Atkordsätze in den Beirieben nicht verringert werden, da Verschlechterungen ausge- schloffen sind; es ist andererseits aber auch selbstverständlich, daß neu eintretende Arbeitnehmer in diesen Betrieben den gleichen Akkordsatz erhalten müssen und erhalten werden, wie die bereit? im Betriebe Beschäftigten. Erhält die gleiche Kategorie in dem Betriebe einen Stundenlohn von 3.80 M.. während nach der Klasseneinteilung nur ein Einstellungslohn von 2,80 M. mit der Möglichkeit von drei Zulagen bis 3.10 M. in Frage käme, so er- hält der neu eintretende Arbeitnehmer«inen Einstellungslohn von 2,80 M., muß aber nach dem Schiedsspruch vom 21. August nach sechs Tagen eine Zulage erhalten derart, daß er auf den gleichen Lohn kommt, dm ahm gleichartige und gleichwertig« Arbeiter im Betriebe erhalten. Nach sechs Tagen muß also der neu Ein- gestellte, falls er die gleiche Leistungsfähigkeit hat, wie die kw Betriebe Befindlichen, mindestens auf 3,60 M. und mit den weite- reu Zulagen auf 3,80 M. kommen. Die Verhältnisse liegen so klar, daß man sich wundern muß, wie die Behauptung, die Schiedssprüche brächten ein« Verschlechterung der bestehenden Ver- Hältnisse, mit solcher Emphase aufgestellt werden kann. Wir hoffen, hiermit nachgewiesen zu haben, daß die Behauptung durch- aus unrichtig ist und schärfste Zurückweisung verdient. Wir bitten unsere Mitglieder, auch in den Betrieben ihren Arbeitnehmern gegenüber auf die vorstehenden Ausführungen hinzuweisen und sie auf die hier geschilderten Verhältnisse, für deren Richtigkeit wir die volle Verantwortung übernehmen, eindringlichst ausmerk- sam zu machen."_ Uitternehmerpraktike«. Zu der in unserer Morgenausgabe vom Donnerstag veröffentlichten Zuschrift de? Deutschen Musit-rverbandes über das Vorgehen de? EafetierS Braun vom Kronenkaffee gegen sein Personal wird uns vom Obmann deS Betriebs- rates mitgeteilt, daß Herr Braun die Aeußerung, er müsse seinen Betrieb unrentabler gestalten, damit er weniger Miete zahlen brauche, nicht getan hat. Einen glänzenden Aufschwung(hat die Gewerkschaiisbewegung in Görlitz genommen. Arn 1. Januar d. I. waren im Gewerk- schaftskartell 3327 organisierte Arbeiter vereinigt und jetzt 13 310, also rund 10 000 Mitglieder mehr. In Görlitz-Stadt allein sind 11710 Mitglieder, davon 2676 weibliche zu verzeichnen. DaS sind Zahlen, auf die die Görlitzer Arbeiterschaft mit Stolz blicken kann. Deutscher MetallarVeiterberband. Sonntag, den 2t, September, vormittags 9 Uhr: Branckenversamm» fang der Schraubendreher, Automatencinrichter sowie aller in den Schraubenbetrieben beschästrgten Personen w der Aula des Sophien-Real- gymnaflums, Steinsir, 31/34, Tagesordnung: 1. Unsere Lohnbewegung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes, Vormittags tO Ubr: Branchen- versammfang aller Walzwerk-, Blei-, Draht-, Kabel- und P-rpierrohrarbeiler in den„Soi'hienlälen*, Sovhienstr. 17/18. Tagesordnung: t. Bericht von den Verhandlungen im Reichsarbeitsamt über unsere Eingruppierung. 2. Brancheivtngelegenheiten, Montag, den 22. September. abends 7 llbr: Branchenversammfang der Fabrikrohrleger nnd Helfer Grox-Berlins im GewerkschastsKaus. Engelufer 15(Saal 1). Tagesordnung: 1. Bericht über den Stand un'er-r Lohnbewegung. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten, 4. Verschiedene«, Berantw. fttr den redoktlan. Seil:«lsred Scholz, NeukSUn: tttr Anzei?en: Theobor »locke.«erNv Berlag: Vorwärlo-Verlag». m. b. L.. Berlin. Druck: Borwärt»- Buchdruckerei und Beriagsauitalt Paul Singer v. So. iu Berlin. Liudrnltr. 8. Kupferdrife Metalle Kabeln und Litzen ffir Aaslandsbedarf kauft Kabelvertrleb,] Joachlm-Frledrlch-Sl.34| Amt Ptalzbun» 4539. Stoffe rat Berrea-Mflge, ßamea-EostOme. ailctec 30,-, 40,-, 60,-, 80,- M. 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