Ur.486.36.Ia�rg. BezvgspreiS, Biert«liSi>rI. 9/— Mi» monafl. 8,—®t frei ins Saus, voraus zahlbar. Pvft» bezuz: ManaUlch Ml.«rv. Au. stellungszebühr. Un»r«rrujdand fbr D-utfchlanb und Oesterreich. Ungarn k,2ö Ml. für das übrige Ausland 10-25 Ml. bei läglich einmal, gufteüung 8,25 Ml. Pastbesiellungen nehmen an Danemari, Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schwei». Eingerrage» in die Poft-zettungs-Preislist». Der„Vorwärts' mii der Sonntag» beilage„Boll u. Aeit* erscheint wachen» täglich zweimal, lsatmiags einmal, Morgen Ausgabe» Telegramm�ldreffe! »Zozialdsmotrnt Vse-Un». ** G Verlinev VolksblAtk. ( ISPksnnig) AnzeigenpretS:. vre achigeitmUene Jionoacetüejcile loftel IchOMl,.»leine Anzeigen-, dos iengedruckie Watt 60 Plg,(zulässig » fettgedrultie Wone). ledes weitere Wort tO Vfg. Siellengesuche und Schlasstellenonzeigen das erste Wort VI Psg. ledes weitere Werl SO Vfg. Worte Uber lb Buchstaben zählen für zwei Worte Teuerungszuschlag 50°/» Familien- Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen ILO Ml. die steile. Anzeigen fiir die Nächste Nummer müssen bis 5 Ufte nachmittags tm Hauptgeschäft, Berlin CSB 68. Cinbenftraste S, abgegeben wndat Oöeöffnet von 9 Uhr früh bis 6 Uhr abends, Zentralorgan der rozialdcmokratifchcn parte» Deutfcb lande. Neöaktion and Expedition: EW. öS, Lindenstr. 2. Zhernsprecher: Atnt Mortqpla». Rr. ISI SO— 07. vorwärts-verlag G.m.b. h., EW. öS, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Moritsplatz, Nr.»17 Sit— 21. Massenstreik in Amerika. Der Newyorker Korrespondert deS„Rieuive Courant" berichtet, duß die Äonscrenz der Bergarbeiter mit iiberwältigeuder Mehrheit eiueu Beschluß für die Ber» staatlich un g der Bergwerke angcuommeu hat. Die Konferenz verlangte weiter, daß die Bergarbeiter in der V c r w o l tu n g der Bergwerke vertreten sein müssen. Sie unterstützte weiter den Antrag auf Verstaatlichung der Eisellbahneu. Ter Korrespondent teilt weiter mit, daß der große Streik der Metallarbeiter am heutigen Montag etwa 60 0 0 00 M ann umfassen wird. Außerdem gibt es noch wichtige Gruppen unabhängiger Arbeiter, die sich jetzt den großen Ber- Länden a�u g c s ch t o s s c n haben. Alles weist darauf hin, daß der Streik bis zum Ende durchgeführt werden wird uud daß eine vollständige Lahmleguug der Stahl- industrie nicht ausbleiben kann. Die Hauptpunkte des Kon- fliktes sind in folgenden Wünschen der Streikenden zu scben: Abschluß eines Kollcktivabkommens, das den achtstündi» gen Arbeitstag und die scchstägigc Arbeits» Woche vorsieht, Abschaffung des durchgehenden 2 4. S t u u- dentagcs, feste Löhne, die höher fein müssen als die jetzige». Der Hauptpunkt des Koufliktcs ist jedoch, daß fort- au eine Neuregelung in der S t a b l i n d u ft r i e eingeführt werden soll, die darauf hinausläust, daß die orgaujsserten Arbeiter nicht mehr, wie dies bisher der Fall war, mit nicht- organisierten Arbeitern zusammenarbeiteu brauche». Der Präsideut der Steel-Korporation hat sich besonders gegen dieses Verlange» ausgesprochen und erklärt, daß die Erfüllung dieser Forderung einen sehr»»günstige« Einfluß aus die Stahlindustrie haben müßte. Tie gesamte Industrie wird lahmgelegt. Laut„Telegraaf" melden die„Times" aus New Jork, daß'ich 100 000 Arbeiter den heute in den Ausstand getretenen Metallarbeitern anschließen werden, wodurch Wie Kriege gemacht werüen. Aus Wien wird gemeldet: Aus den Enthüllungen über die kritiscbcn Tage, welche dem Weltkriege vorangegangen sind, verdient besondere Beachtung ein Schriststülk, wonach Graf Bcrchtold behauptet hatte, daß in der Nähe von Temes-Zubin bereits Zusammenstöße mit den Serben, hervorgerufen durch deren Schießereien, stattgcfnadc« hätten. Diese Behauptung war ersnndcu, und in einer Eingabe an den damaligen Kaiser Franz Joseph rektifizierte Gras Berchtold seine Behauptung und erklärte, daß diese Gerüchte keinerlei Bestätigung erhalten haben. Graf Berchtold arbeitete also mit bewußt erlogenen Mitteln a..s die sofortige Krieaserklärnng an Serbien hin. Nunmehr ist dieses verbrecherische Manöver des Grasen Bcrchtold dokumentarisch festgelegt. Dieses berbreeberische Mittel, den Krieg zu entzünden. ist übrigens auch in Deutschland und Frankreich angewandt ivorden. Zu gleicher Zeit wurden in Deutschland und Frankreich Bombenwürfe auf Nürnberger und Nancy er Gebiet gemeldet— beiderseits wurden die Mel» düngen—-u spät— als Schwindel dementiert. Die üeutscben Sckulüüokumente. Bon zuständiger Seite wird den P. P. R. mitgeteilt: In der Besprechung der Wiener Bcröffentlichungen über die Vorgeschichte des Weltkrieges wird ganz vereinzelt wieder der Vorwurf erhoben, daß die Veräffentltchung der deut» schen Dokumente, obwohl sie von Herrn Kautskv längst druck» fertig gemacht worden sei, von der deutschen Regierung absichtlich verzögert werde. Diese Ansicht ist völlig unzutreffend. Tie Ver» öffentlichung der deutschen Dokumente wird mit aller möglichen Bescbleunigung betrieben. Mit der zur endgültigen Drucklegung erforderliche« Fertig» machung des Materials sind von der Reichsregierung die Herren Professor Mendels fohn-Bartholdy, Graf Max Moni- gelas und Professor Schücking beauftragt. Die Bearbeitung erfolgt unter voller Benutzung de? von Herrn.,Es zeugt von einer mangelhaften Kenntnis der Dinge und mangelndem Urteilsvermögen seitens derjenigen, welche einen Kampf gegen Religion wollen." Gesetzt den Fall, die Sozialdemokratie verpflichtete zur Religionslosigkeit, so wäre diese Verpflichtung ein Ein- grisfl in die Gewissensfreiheit, die doch gerade vom Sozialismus gefordert wird. Die weltliche Schule ist bekanntlich auch eine berechtigte pädagogische Forderung großer Lehrerorganisationcn, die wohl nicht aus Haß gegen die Religion, sondern aus Interesse an der Religion gehandelt haben. Dazu kommt, daß in fast allen westlichen Kulturstaaten(Amerika, Frankreich, Holland usw.) zum Teil seit mehr als 100 Jahren die weltliche Schule eingeführt ist. Man kann nun keines- Wegs behaupten, daß die Religionsgemeinschaften in diesen Ländern einen Niedergang erlebt hätten. Das Gegenteil ist eher der Fall(Amerika). Daß auch von kirchlicher Seite von bedeutenden Theologen die weltliche Schule gefordert wird, sei nur beiläufig erwähnt. > Die Frage der weltlichen Schule beurteilt die Sozial- demokratic in erster Linie nicht vom pädagogischen, sondern vom allgemein- menschliäfen und vom wissenschaftlich-sozialistischen Standpunkt aus. Unter der Voraussetzung, daß die Religion Privatsache ist(Erfurter Programm), mutz die Schule nur als eine rein weltliche Veranstaltung des Staates angesehen werden. Das bedeutet aber weder eine Ab- schaffung der Religion, noch die Proklamicrung der Gleichgültigkeit gegenüber der Religion. Bekannte Führer der Sozialdemokratie haben im Gegenteil die Religion als einen bedeutenden Kulturfaktor mit mehrtausendjährigcr geschicht- sicher Entwieklung bezeicknet, an dem man nicht achtlos oder gar mit wohlfeilem Spott vorübergehen kann. Ist die Rell- gion Privatsache, das ist eine selbsteigene Angelegenheil des einzelnen Menschen, dann hat der Staat nicht das Recht, stch in diese Privatangelegenheiten einzumischen. Jeder Staatsbürger hat Glaubens- und Gewissens- sreiheit. Damit sällr für den Staat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht fort, seinen Angehörigen in den öffentlichen«schulen durch seine bestellten Organe eine bestimmte Glaube nsrichtung zu vermitteln. Daß nach Artikel 149 der Verfassung der Religio ns- Unterricht ordentliches Lehrfach der Volksschulen ist. bedauern die Freunde der weltlichen Schule und die Sozia- listen außerordentlich; durch dießMehrhcitsverhältnissc der Nationalversammlung konnte diese Bestimmung Annahme finden. Um so mehr müssen die Freunde der weltlichen Schule bestrebt sein, diese Schul- art auf.verfasungemäßigem"Wege zu ver- wirklichen, indem sie ihre Kinder vom Reli- gionsunterricht befreien lassen. Es bleibt überdies jedem, der sein Kind in die weltliche Schule schickt, unbenommen, ihm aus seinen Antrag vou seilen der Religions- gemeinschasl durch Geistliche und Lehrer bekenntnismäßigen Religionsunterricht erteilen zu lassen.(Siehe Konfirmanden- Unterricht.) Dadurch daß der Unterricht in der Religion aus der weltlichen Schule entfernt wird, ist noch nicht gefordert, daß der Stoff des bisherigen Religionsunterrichts völlig aus der weltlichen Schule verschwinden soll. Das wäre eine un- verantwortliche Forderung. Die politische Geschichte ällerer und neuerer Zeit zum Beispiel ist um so verständlicher. je mehr man auch die Religions g e s ch i ch t e desselben Zeit- alters mit berücksichtigt.(Einfluß des Christentums und des JSlmnS.) Daß die Religionen der Kulturvölker ihrer Kunst TZ kcnm fctn Zweifel Sormt SefkLen, Fö|' He Zersplitte- rurtg der Arbeiterbewegung und das Treiben der Ueberradikalen in Braunschweig an dem dortigen Mißerfolg die Schuld trägt. Die Unabhängigen haben ge- glaubt, ihre eigene'Sache fördern qu können, indem sie die Sozialdemokratie gewaltsam an die Wand drückten, sie sehen sich heute schwer getäuscht. Sie haben die Massen, von denen sie so gerne reden, nicht hinter sich: teils haben sie sie in politische Passivität gedrückt, teils sie direkt den reaktionären Parteien zugetrieben. Was soll angesichts solcher Tatsachen das Geschwätz von der„fonnalen Demokratie" usw. Keine Regierung Und keine Partei, die regieren will, darf die Stimmung des Pol- kes übersehen, sonst gebt sie sicher dem Verhängnis entgegen. Das Volk will aber nicht mit Gewalt regiert werden, es hat ein starke? Mißtrauen gegen seden, der sich nicht die Krast zutraut, es mit Mitteln der Ueberzeuyung zwingen zu kön- nen. Schwer, unendlich schwer sind die Fehler, die in Braunschlveig begangen worden sind— leider nicht nur in Braunschweig, und so ist die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen, daß anderwärts ähnliche Erscheinungen eintreten könnten. Es ist fürwabr eine seltsame Tragikomödie. Wir haben für das gleiche Wahlrecht in allen Vertretungskörpern ge- kämpft, haben es erobert, und nun, da wir es besitzen, sollen wir verlernt haben, es zu brauchen? Auf diese Weise könnten allerdings die Errungenschaften der Revolution bald wertlos werden, aber nicht weil sie von Hause aus wertlos waren. sondern weil sie in überrevolutionärer Absicht sabotiert werden. .Helfen kann nur die Einigung und der grundsätzliche Verzicht auf alle antidemokratischen Gewaltmethoden. Die Unabhängigen müssen begreifen lernen, daß ihre Methoden die Arbeiterklasse direkt in den politischenBankerott hineintreiben. Von dem Grade ihrer Lernfähigkeit wird es abhängen, ob Braunschweig eine vereinzelte Scharte bleibt, die wieder ausgewetzt werden kann oder ob das Schlvert des allgemeinen Wahlrechts in der Hand der Arbeiterklasse stirmpf und unbrauchbar werden soll. Möge die Lehre, die Schande von Braunschweig genügen, um die Arbeiterklasse in allen ihren Teilen zur Besinnung zu bringen! tzerfurth berichtigt. Unter Berufung auf Z 11 des Preßgesetzes sendet uns der Kommunist Herftirth eine Berichtigung, die zwar den prcßgesetzlichen Anforderungen nicht entspricht, die wir aber aus Billigkeitsgründen nichtsdestoweniger zum Abdruck bringen wollen. Sie lautet: 1. Es ist unwahr, daß— wie de?„Vorwärts" in einer Julinummer behauptete— ich der„ehemalige alldeutsche Ge- schäftsführer des Kalisyndikates" sei. Ich bin niemals Ange- stellter, geschweig« denn erst Geschäftsführer, des Kalisyndikats gewesen. 2. Es ist unwahr, daß ich mich während der Dauer meiner infolge eines lügnerischen SpitzelberichtS verhängten Schutzhaft „an die demokratisch« Fraktion wandte". Auch habe ich mit dem Kriegsgerichtsrat Sohl stets nur in d e m Rahmen, der für alle Schutzhaftgefangenen zwingend gegeben war, verhandelt. 3. Ebenso unwahr ist die Behauptung, ich hätte erklärt, „daß ich gegen jeden Streik sei, und Noske sich mit dem Streik« verbot im Recht befände",— ferner, daß ich schon immer gegen die Streiks gewesen wäre". 4. Eine völlige Erfindung ist«S schließlich, daß sich durch meine.großsprecherischen Phrasen' im Januar und März ein Teil der Arbeiterschaft in den Straßenkampf treiben ließ. Ich habe im Januar überhaupt noch nicht persönlich aktiv im politischen Kampfe gestanden, war also den Ereigniffen durch- aus fern; im März dagegen bemühte ich mich in einem der obigen Behauptung direkt entgegengesetzten Sinne, wie es u. a. zur Genüge aus den Protokollen über die Vollversammlungen des Groß-Berliner Arbeiterrotes in jenen Tagen hervorgeht. 6. Danach kennzeichnen sich die Auslassungen, ich siabe in hündischer Weise, unter Verleugnung meiner lleberzeugung, um Gnade gewinselt, als wahrheitswidrig. HanS Bruno Herfurtb. Zu Punkt 1 bemerken wir, daß es uns interessieren würde, wenn Kerfurth mit positiven Angaben über icine frühere Tätigkeit aufwarten wollte. Von einer früheren Tätigkeit Herfurths in der Arbeiterbewegung ist jedenfalls nichts wahrzunehmen gewesen. Zu Punkt 2. 3 und 5: Tiefe Anschuldigungen gegen Herfnrtb sind nicht von uns. sondern von seinen kommunistischen Mitge- fongenen in einem linksradikalen Organ öffentlich erhoben worden. Herfurth möge sich darüber mst seinen eigenen Gesinnungsgenossen ausein- andersetzcn, die ihn öffentlich feigen Verhaltens beschuldigen. Fm übrigen sind uns eine Anzahl Jammer- und Bettelbriefe bekannt, die Herfurth aus der Hast an Mehrheitssoziali st en, bürgerliche Demo- traten usw. gerichtet hat, in denen er diese anfleht, sich für ihn bei Noske zu verwenden, daß er aus der Haft ent- lassen würde. Zu Punkt 4:.Hierüber sind diejenigen, die Herfurtbs Tätigkeit in den kritischen Märztagen beobachtet haben, erheblicki anderer Meinung als er selber. Daß.Herfurth in seinen Brandreden deutliche Wendungen vermieden bat. dte ibn rn Gefahr gerichtlicher Verfolgnnaen gebracht hätten, wollen wir gern glauben. Diese Taktik stände durchaus im Einklang mit seinem blitzartigen Ver- schtpinden än jenem Tage, als Truppen in der Tagung des Arbeiterrates erschienen. die„tteue woffe� der Spartakisten. Die„Rote Fahne" triumphiert. Ihr HigriwÄ hängt voller Geigen. Zwar hat ein anderes Kommumstenorgan neulitb mit Trauer konstatiert, daß„die Straße verloren ist", d. h. daß keine Mögliclsteit mehr zu blutigen Putschen be- steht; aber dafür hat die„Rote Fahne" setzt die neue unfehl- bare Waffe gefunden. Bei näherem Hinsehen entdeckt man freilich, daß das Patent ziemlich alten Datums ist, die angeblich neue Waffe ist ein alter Ladenhüter der onar- ck> i st i i ch- s y n d i k a l i st i s ch e n Bewegung: ihr N�nne lautet Sabotage. Dabei handelt es sich um jenen Zweig der Sabotage, der von den Engländern das ca'ccmnv- System getauft worden ist, d. h. das absichtlich langsame und schlechte Arbeiten. Hören wir die„Rote Fahne" selber: Nicht Steigerung der Produktion, sondern Sabotage der Produktion heißt von nun an die Parole. Der Apparat der ka- pitabistifchen Produktion gerät in Unordnung, wenn dte Arbeits- lerstung auf«in Minimum �beschränkt wird... Di« neue Waffe in Anwendung zu bringen, bedarf es keiner weitscknehtigen Or- ganisation. schon das vorläufig nur lose und weitmaschig ge- spönnen« Netz der Betrieisorganisation genügt vollkommen, eine wirksame Sabotage der Produktion herbeizuführen. Di« kleinere Gruppe, die sich vlötzliich herausstellt aus dem vereinbarten Tempo der Arbeitsleistung hemmt den Betrieb, erzeugt Unruhe und Unordnung, zwingt dte Produktion auf den Weg, der in die Unrentabilität mündet. Die Unrentabitt- tat des kapitalistischen Betriebs ist die Hoffnung des Sozicekis-- mus.... Wir haben die neue Waffe grfundon, wir wollrn sie anwenden." Der langen Rede kurzer Sinn ist der: Um ihre Herr- schaff zu errichten zu erzwingen, wollen die Kommunisten auch noch die kümmerlich stehengebliebenen Reste des Wirt> schastsapparates vollends in Trümmer schlagen. Man sieht. wie das Gehirn dieser Leute von dem bloßen Machtgebanken umnebelt ist. Denn wie sie im Besitz der Macht alsdann selber wirtschaften wollen, das macht ihnen nicht die mindeste Sorge. Der Dümmste müßte sich sagen, daß der Sozialis- mus. der mit einem zugrundesaboti ertön Wirtschoffs- apparat anfangen muß, vom ersten Tage an banke- rott wäre. Sabotieren ist leicht, aber der aus den Fugen ,i»d P oe si e vielfach ein bestftnmkeS Gepräge gegeben haben, bedingt ebenfalls, an der geschichtlichen Entwicklung der Religionen der wichtigsten Kulturvölker nicht achtlos vorüberzugehen. Also in einem er Iv eiterten Geschichts- Unterricht könnte gerade der wertvolle Teil des Stoffes verarbeitet werden, der bisher in dem üblichen Re- ligionsunterricht nur eine nebengeordnete Rolle spielte. Allerdings muß ein derartiger Unterricht völlig objektiv sein; er darf keiner der Konfessionen oder Religionen den Vorzug geben. ES ist mehr eine r e l i g i o n L w i ss en- schaftliche Betrachtung hinsichtlich der Entstehung, Entwicklung, Wandlung oder Auflösung der Religion und deren Wirkung auf den Gang der geschichtlichen Ereignisse. Auch aus Gründen der Staatsnotwendigkeit ist die weit- liche Schule zu fordern; denn über der Trennung nach Kon- fessioncn und Religionen steht die Einheit des Staates. Dieser hat die Pflicht, für die wissenschaftliche, technische und sittliche Bildung der Kinder zu sorgen, nicht aber für die dogmatisch-religiöse. I st denn ohne Religion eine Sittlichkeit möglich? so fragen entrüstet unsere Gegner. Die Antwort ist ein glattes: Ja. Selbst in theologischen Kreisen ist diese Ansicht vertreten. Wäre nur durch religiöse Erziehung das Wachstum der edelsten, sittlichen und geistigen Fähigkeiten gewährleistet, dann könnten fügend- liche Persönlichkeiten, die religionslos waren, nie- malS rechtschaffene und sittliche Menschen geworden sein. wollte man einwenden, daß in diesem Falle eine„edle Ge- sinnung", die man auch religiös nennen könnte, mitgewirkt habe, dann wäre der Begriff Religion allerdings sehr dehn- bar. Die Pädagogik als solche kennt überhaupt keine Religion, die den Anspruch auf Allgemeingültigkeit für die Schule erheben könnte. Nicht nur durch ein bestimmtes Unter- richtsfach, sondern durch daS gesamte Schulleben ist die Erziehung zur Sittlichkeit zu fördern. Anstatt wie bisher im Relionsuntcrricht in einer fremden und seltsamen Weltanschauung müssen die Kinder zu einem qründ- lichen Verständnis der Dinge der Gegen- wart, zur Kenntnis ihrer Bedeutung und ihres ge- schichtlichen Werdeganges herangebildet werden. Der neue Menschentyp muß in gleicher Weise eingestellt sein auf volkswirtschaftliches und staatsbürgerliches Denken und auf soziales und demokratisches Fühlen. Darum, Eltern, schafft Euren Kindern die weltliche Schule! Karl Bose. •• Mittwoch abend Partei- und Mitgliederversammlungen für die weltliche Schule. Die Lokale waren im Sonntag-„Borw8rts" veröffentlicht und stehen an de« Anschlagsäulen. Die Wahlen in Sraunschweig. Die Gemeinbewahlen, die am letzten Sonntag in Braun- schweig stattfanden, haben, wie schon gemeldet, zu einem überraschend große» Sieg der bürgerlichen Parteien geführt. Er erklärt sich daraus, daß die sozialistischen Par- teien von dem allgemeinen Rückgang der Wahlbeteiligung viel stärker betroffen werden als die bürgerlichen. Allge- meine Wahlmüdigkeit und Z u g n a ch r e ch t s ist das Kenn- zeichen der Braunschweiger Wahlen. Vor solchen Erscheinungen den Kopf in den Stand zu stecken, wäre verhängnisvoll. Braunschweig ist eine alte Hoch- bürg der Sozialdemokratie, sein Vorbild hat uns off in der lleberzeugung bestärkt, daß die Arbeiterklaffe mst der Waffe des allgemeinen Wahlrechts in der Hand unüberwindlich ist. Und jetzt müssen die Wahlen dort, Wahlen die nach demo- kratischem Stimmrecht vorgenommen werden, gegen uns ausschlagen? Soll d a s der Fortschritt sein, den uns die Re- volution bringt, daß wir auf dem Boden der Demokratie zu siegen verlernen und den Triumph den bürgerlichen Gegnern überlassen muffen? Solö! von Armin T. Wegner. Wer schuf dich? Wer hat dich auf unsere Erde getan, grau- sameS Metall? Durch die Flucht der Jahrhunderte tobst du. Na- tionen, Staaten, Königspaläste, papierverklebte Hütten, in Gräbern und Särgen gehütet. Völker stürzten sich in den Tod um deinet- wille«, starben Sklaven an die Bank der Galeeren geschmiedet, Jünglinge bluteten, Greise zerbrachen und entleibten sich. AuS tausend Kehlen flammt zu jeder Stunde der Schrei: Um deinetwillen rasen Maschinen und Eisenbahnen, Fabriken türmen sich, Städte um deinetwillen; Kaufhäuser. Banken um deinetwillen; Millionen Verlasien ihre Heimat; Berge werden abgetragen, Flüsse getrocknet rnn deinetwillen. Meere durchwühlt und ausgesogen: Amerika, Asien, Aftika, die glückumschatteten Völker des Süden«, die traurigen Augen indianischer Gesichter, Jndier, Buren, Irländer, Chinesen, Armenier, Hereros nieder- gemetzelt um deinetwillen; in die Gefangenschaft, in die Wüste ge- trieben um deinetwillen; gepeitscht, in Ketten geworfen, erdrosielt um deinetwillen. Schweißtriefend« Rücken ächzen in den Berg- werken, vor den Dampfkesseln, an den Kränen um deinetwillen; Kinder, schwangere Mütter an den Webstühlen um deinetwillen: Unschuldige verkaufen ihren Leib um deinetwillen. Sie bauen Schlachtschiffe und Kanonen um deinetwillen, bewerfen sich mit Minen und Granaten und brennendem Benzin. Sieben Millionen Menschen starben in diesem Kriege und dreißig in jenem. Feuers« brünste, Zerstörungen, Hungersnöte um deinetwillen; Zuchthäuser, Gesängnisie, Hinrichtungen um deinetwillen; Steuern, Abgaben um deinetwillen; Ehebruch um deinetwillen; Bosheit um deinetwillen; Lüge um deinetwillen; Betrat um deinetwillen; Verbrechen um deinetwillen; Gemeinheit, Niedertracht um deinetwillen; Wahnsinn mn deinetwillen, Mord, Diebstahl, Vergewaltigung— und alles um deinetwillen. Wehe, mich fchauberil Dich zu berühren, galliger Tropfen in meiner Hand, kalt vom Schweiße der Arbeit; aus deinen Poren dringt da? Blut der Millionen, die getötet haben. Fluch dir in den goldenen Banken, den Börsen, den Spielsölen, den geschwollenen Kassen der Bürger, in den abgewürgten Händen der Armut und de« Hungers! Als der erste Mensch dich im Sande de» Ufer» sah, warum warf er dich nicht von sich? Schrie mit geblähtem Haar und schleuderte dich zurück in den Abgrund? Fluch dir— daß die Welt eine Wüste geworden ist! Konzert-Umschao. Auch der zweite Abend der Reger. Woche zwingt uns nur den Rieienreipekt vor einem übergroßen Könner ab. dem man aber im Streichguartett, im Trio nur fchritlwerse. in Bruchstücken den Drang und Zwang zu dieser Feinform mufikalischer Bautechnik glaubt. Es ist Struktur da. wir sehen granitene Blöcke und mit eisernem Hammer beschlagene Tore, hundert Fenster zeichnet ein harter Um- riß, aber zu wenig Licht, zu wenig Unbändigkeit der Phantasie und des Herzensfeuers leuchtet heraus. Wir staunen, stehen mit ent« blößtem Haupt voller Bewunderung und— frieren. DaS Kling ler- Quartett ließ es bei der Interpretation des ffs»äur-Quartet!S oft an der durchgearbeiteten Klarheit in dem an Beethovens Geist mahnenden Larghelto an Tonfülle fehlen; erst die Fuge und dann das Trio waren festvollendete Siücke. Eine innere Beziehung zu Reger Hot Frida Quast-Hodopp, die eigentlich die höchsten Ehren des Abends verdiente. Zwar faßte sie das Andante aus op. 82 recht derb an; aber waS dann folgte, die kleinen Tagebucheinfälle, war musterhaft durch« dacht und meisterhast gespielt. Der Lyriker Reger gewinnt am schnellsten Beifall; bei aller aparten und oft genug unnötig ver- llausulierten harmonischen Grundlage baut sich aus weichen und innigen Worten doch sehr oft eine im alten Sinne melodische Phrase auf, die dos Bravourös« übersteigt oder ans Herz packt. Selbst der große Poet Reger entgeht zwar nicht immer dem Fehler, einem ein« zigen Worte zuliebe die Stimmungslinie grell zu verschieben. Aber was Elena Gerhardt mit ganzer Seele, wenn auch nicht mit abschließender harmonischer Einfühlung, wa« später Herta D e h m« low und Elisabeth Ohlhoff leider unzureichend an Regerschen Liedern hergaben, da» warb um mehr als Respekt, das warb um Liebe. Kann man den Willen zur Liebe zwingen�? Run, wir werden weiter um diesen ganzen Reger uns mühen, damit er uns aus einem Lehrmeister ein Offenbarer werde. Den brachte uns der ausgezeichnete Organist der Kaner» Wilhelm-GedächtniSkirche Fritz Heitmann schon in Atemnähe. Man fühlt hier im Tboral-Vorspiel, an der Orgelphautasie. in der Variationenreihe und Fuge des Op. 127, da ist RegerS vornehmste Domäne. Hier schaltet er in wirklicher Freiheit, hier scheint da» Riesen« können als Selbstzweck abgelöst von einer inbrünstigen Versenkimg in daS Wesen des Instruments, vom Geist und der Andacht Johann Sebastian». Der K i e ß l i ch iche Chor sang die schwere Motette Op. lll)(Nr. 3) sehr sicher und schön. Die Choralkantate.o Haupt voll Blut und Wunden" wäre dank der Ungeschicktbeil der Altistin und des Sologeigers fast aus den Fugen gegangen. DaS war keine Fest« anfführung, sondern eine Probe. Heitmann rettete die Situation. Für die Masse ist jedenfalls Reger heute noch stimmung verscheuchend. Sehnsucht nach Altem, längst Geliebtem wird laut und macht dem Neuen gegenüber rebellisch. Mit welch anderer Andacht sitzt die Menschheit da, verhaltenen Atems, wenn Wagner gespielt wird! Noch dazu, wenn der rührige Scheinpflug oder der solide und warmblütige Hagel den Stab führt. Ueber diese beiden Dirigenten und ihre populären Konzerte wird noch einmal besonders zu reden fein. Hagel führte sich mit einem feinen Programm ein und er« wie? sich sofort als Musiker, der bei aller Routine in jedem Augen- blick ein denkender und nachspürender Mensch bleibt. Im Stillen hat sich ein«.Kunst gemeinde' gebildet, die gleichfalls die populäre Musik pflegen will. Sie wiederholt künst- lerisch die üblen Elite« Konzerte aller Schule und engagiert sich Stare aus Opernhäusern und anderen LuxuS-Jnstiiuten. Da sie aber— nach dem ersten Abend zu urteilen— ein Sonntagpublikum heranzieht, da» sonst abseits, vor den Türen der Konzertiäle, steht, weil eS am Wochentag nicht Zeit und Ruh« zur Musik hat— so sei der„Kunsigemeinde" diesem Publikum zuliebe ihr Starfhstem und ihr konservative» Daeapo-Programm verziehen. Di« Menschenmenge, die dem junge» Dirigenten Hoger zum zweiten Male wie einem Erkorenen zujubelte, soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß er von MahlerS persönlichstem Bekenntnis, dem.Lied von der Erde", erst einen zarten GeisteShauch verspürt hat. DaS war nicht letzte Lebens« und WeU«Allgewandt« hell, nicht Trunkenheit im Geiühl der Nichtigkeit alles SeinS, das war nicht der Abgefang eines wundervolle» Natur- Poeten I An Einzelheiten, die mehr als korrekt und geschickt dirigiert waren, erkannte man wiederum Dirigierbegabung und leidenschaftliche Hin- gäbe an ein Werl. DaS heißt doppelte Verantwortung tragen. Unger lerne an den Fehlern dieses Abends, denen ffgar die matten Philharmoniker nicht auswichen, und bescheide sich zunächst mit Werken, die seiner jungen Musikalität besser zu Gesicht stehen. Frau Karth zur Rieden mußte dem Riesenapparat gegenüber ver- sagen. Henke rettete sich klug, aber ohne rechte Wärme durch den Strudel. Bon Solisten nenne ich besonders die intelligente und(neben Frau Fischer- Maretzki) berufenste Reger« Jnterpretin Erler- Schnaub t, die jugendliche, schönstimmige und geschmackvolle Sopranistin Thea Bieber und Maria H o r f, die, nicht immer griffsicher genug, aber gewandt und musikalisch, versuchte, einigen leichtgewogenen Klaviersächelchen von Lothar WindSberger zu einem Erfolg zu verhelfen.__ K. Singer. klotizea. — Ein Bund entschiedener Schulreformer unter den akademisch gebildeten Lehrern und Lehrerinnen ist auf Grund vereinbarter Mindestforderungen in Berlin begründet worden. Zu Vorsitzenden wurden gewählt Professor Paul Oesrreich, Berlin- schöneberg, und Dr. Hildegard Wegscheider. Am 4. und 5. Oktober findet im Herrenhause eine Tagung statt, die sich mit dem Thema befaßt:.Neue Ziele und Wege der Erziehung und des Unterrichts." Karten(a 1 M.j zu den Konferenzen durch den Schatzmeister Dr. Fritz Karsen, Berlin-Tempelhof, Berliner Str. bk(Telephon: Süd- ring 3411).. — Theater. Die Staatsoper wird Felix v. Weingart« nerZ Oper.GenefiuS", deren Uraufführung hier 18S2 stattfand, in neuer, schon andernorts bewährten Bearbeiiung aufführen. — Gustav Cohn, der bekannte Nationalökonom an der Universität Göttingen, ist im Alter von fast 7g Jahren verstorben. Er war Anhänger der histvrisch-ethischen Schule und gehörte zu den Begründern des Vereins für Sozialpolitik, der 1872 ins Leben trat. Unter seinen zahlreichen Werken ist besonder? ein Handbuch der Nationalökonomie und Finanzwisseuschaft zu erwähnen, außerdem hat er sich vor allem mit der englischen Eisenbahn-Polittt und -Gesetzgebung besaßt. Sein« außerordentliche Vielseitigkeit— er brachte auch dem Börsen- und Verkehrswesen große» Interesse ent- gegen— hielt ihn nicht davon ab, in den allgemeinen Fehler der bürgerlichen Nationalökonomie zu verfallen, deren Aufgabe in der Verteidigung der herrschenden Gesellschaftsordnung gipfelt. — Bierbaums.Prinz Kuckuck" ist nun auch der zappelnden Leinewand übergeben. Man hat aus der Handlung einen spannenden Film gemacht(MarmorhauS. Kurfürstendamm). sich die besten Schauspieler, die herrlichsten Landschaits« und Städte« bilder, die bewegtesten Bilder und Szenen beschafft und so kann der Erfolg nicht fehlen. Von dem stark erotischen Grundcharaller des Roman» wird auch genug mtt herübergenonunen, ohne e» doch zum Hauptmhall zu machen.— Nr. 4S6 ♦ 36. Jahrgang Heilage öes vorwärts Vienstag, 23. September 1616 das Recht auf Wohnung. Es erscheinen heute mehr Bücher, Zeitschriften und Auf- sätze über das Bauwesen, als Häuser entstehen. Die Zahl der Bäulustigen ist groß, die der Wahnungsbedürstigen ungc- beuer: Kriegsteilnehmer, Kriegsbeschädigte, Rückwanderer aus dem Auslande und den geraubten Gebieten warten auf Airsiedlung. Man bat ihnen große Hoffnungen gemacht durch organisatorische Maßnahmen, Ausstellungen und Heberteuerungszuschüsse, nun fühlen sie sich betrogen und er- höhen die allgemeine Mißstimmung. Zur Abhilfe des Wohnungsmangels,, der bei der zuneh- inenden Knappheit an Baustoffen doppelt spürbar ist, bleiben zwei Möglichkeiten: Einschränkung des Bedarfes an neuen Wohnungen und Bau von Häusern aus Ma- terialien, die nicht auf Kohlen angewiesen sind. Für die Ein- schränkung der Nachfrage kommt bessere Ausnutzung der Nor- bandcnen Wohnungen in Betracht. Es lassen sich insbeson- dere olle nur zeitweilig als Sommer- oder Stadtwohnungen benutzten Räumlichkeiten einem dauernden Gebrauch zu- führen, zunächst in der Nähe der Großstädte: aber auch die llebersiedlung in Sommerfrischen und Bade- orte kann in Frage kommen, besonders wenn sie durch Aus- kunstsstellen, Propaganda, materielle Förderung(z. B. billi- gere Frachten, Erleichterung der Möbeltransporte) unter- stützt wird. Nur Behelfscharakter hat die Belegung von Kasernen, Schulen, Schlössern und Barackenlagern. Eine weitere, jetzt häufig angewendete Maßnahme, ist das Zusammenziehen von Verwandten, Einzel- Personen und Familien. Jedenfalls ist es im allgemeinen angenehmer, mit Nahestehenden als mit Wildfremden zu- lammen zu leben und man wird dann manche Unbequemlich- keit aber in Kauf nehmen. Immerhin sind unsere Etagen- Wohnungen in ibrer Mehrzahl nicht sehr dafür geeignet. Weit mehr sind dies die Villen, bei denen eine Trennung nach Stockwerken möglich ist. Aber auch bei großstädtischen Mietwohnungen läßt sich vielfach mit. einigen baulichen Aen- derungen gemeinsame Benutzung oder Teilung ermöglichen. Hierzu sind eingehende Erhebungen durch die Gemeinden erforderlich. Es kann deshalb nicht Aufgabe der Kommunal beamten sein, diese Arbeiten für alle Wohnungen ihres Be- reiches zu leisten, sondern sie sollen nur Unterlagen schaffen für Verordnungen, nach denen die-Hausbesitzer selbst zur Abänderung der Wohnungen Pläne durch Privatarchi- tekten anfertigen lassen und der Behörde einreichen. Die Not zwingt jetzt schon an vielen'Stellen zu Ein- griffen, wie sie zunächst aus Rußland und Ungarn als Aus- wüchse des Bolschewismus gemeldet waren: Belegung von Sommerwohnungen, zwangsweise Einquar- tierung in große Wohnungen, Hinaussetzen von Junggesellen. --" Auf diese Weise sind bisher den St a dst v e r w a I t u w g en. zwar weitgehende Rechte überantwortet.' aber nicht e n t- s-prcchende V s r p flicht un g e n auferlegt. Jeder, der in einer Stadt arbeitet, gearbeitet hat, oder arbeiten will. muß gegen Entrichtung der angemessenen Miete Anspruch auf ein Mindestmaß an Wohnung haben. Die Zahl der Zimmer wird sich nach Zahl, Alter und Geschlecht der Bewohner zu richten haben: ferner müssen Zuschläge er- folgen fiir Kopfarbeiter. Aerzte, Rechtsanwälte usw. Auch das Einkommen des Mieters kann bei Festsetzung der Miet- zablung berücksichtigt werden. Wer eine größere Zimmer- zahl im eigenen Hause oder in einer Mietwohnung— zur Verfügung hat, als ihm zusteht, sollte einer Steuer unterworfen worden, die für jedes weitere Zimmer pro- gxessw stiege. Es ist nicht einzusehen, warum dieser Lurus nicht besteuert werden soll, da jeder andere jetzt hoch belastet wird. Aus den Erträgen dieser Steuer könnten dann Miet- e r m ä ß i g u n g e n für Familien mit großer Kinderzahl und geringem Einkommen ermöglicht werden. Eine solche Abgabe würde auch viele treffen, die es verstehen, die direkten Steuern zu umgehen. Wir lernen ja in diesen Tagen schnell umdenken. Daß die Wohnung nicht mehr ein Feld des Individualismus blei- ben kann angesichts der allgemeinen Not, ist vielen schon ein vertrauter Gedanke. Ein Beispiel: In den. Zeitungen war von einem Morde im Berliner Westen zu lesen. Der Ermor- detc war Alleinbcwohner von zehn Zimmern, während sein Sohn zwar in Berlin, aber getrennt von ihm lebte. Bei dieser Notiz war mir, trotz des abscheulichen Verbrechens, besonders auffällig die Tatsache, daß hier ein Einzelner soviel Räume zur Verfügung hatte, wie sie in dicht bevölkerten Vierteln von vierzig und mehr Menschen bewohnt- werden müssen, Die Stadt bat die Umbaukosten zu tragen und entschä- digt auch den Eigentümer, wenn durch Einbau einer Küche anstatt eines Zimmers der Ertrag sinken würde. Eine Er- höhung der Zimmerzahl durch Einbau von Wänden kommt leider nur in seltenen Fällen in Frage, weil die oft weit über Bedarf großen Räume wegen mangelnder Belichtungs- und Lüftungsmöglichkeit nicht geteilt werden können. Es hau- delt sich ja dann immer um tiefe Stuben mit schmaler Fen- sterwand. Nur bei Eckhäusern läßt sich eine Erhöhung der Zimmerzabl erreichen. Tatsächlich ist für eine kopfreichc Fa- milie die Größe der Stuben nickst so wichtig, wie ihre Zahl und die vermehrte Wandflächc zum Aufstellen der MöM. Die Zeit ist auch nickst danach, große Gesellschaften und Bälle in den Wohnungen abzuhalten. Die Zahl der durch die angegebenen Maßnahmen in Villen und Miethäusern verfügbar werdenden Wohnungen verringert die Nachfrage keinesfalls derart, daß Neubauten überflüssig werden. Es gilt ja, die Ansiedlung auf dem Lande und in Eigenhäusern mit beschränkter Selbstversorgung im Weichbild der Städte zu ermöglichen, auch die Umgestaltung unserer Industrie zu erleichtern. Um so mehr muß darauf gedrungen werden, daß den Städten ein g es etz- l icher Zwang zum Wohnungsbau auferlegt wird. Sie können diese Aufgabe auch an Genossenschaften übertra- gen, die von ihnen unterstützt und beauffichtigt werden. Trotz der Ueberteuerungszuschüssc wird ja dos Bauen aus privater Initiative auf lange Zeit unwirtschaftlich bleiben, so daß dem Privatunternehmer das Feld nickt überlassen werden kann: ist dock vor dem Kriege das Bauen vielfach nur dadurch ein träglich gewesen, daß durch den Bauschwindel ein Teil der Kosten unbezahlt blieb. Da das Errichten von Etagenhäusern infolge des Koh lenmangels— von sozialen Gesichtspunkten ganz abgesehen — auf Jahre ausgeschaltet wird, so bleibt für die städtische Bautätigkeit nur der Flachbau. Dieser muß mit allen Mitteln betrieben werden, und zivar— da für dies Jahr nicht mebr viel zu hoffen ist— zum nächsten Frühjahr obne jeden Zeitverlust einsetzend. Dabei müssen wir uns nach der Decke strecken, also mit den vorhandenen Materialien und dort bauen, wo sie vorbanden oder auf- dem Wasserwege billig beranzuschaffen sind. In selteneren Fällen werden das ge- brannte Ziegel sein, Idnst.KieS und Sand zum Beton, in den meisten Fällen der Lehm in der Anwendung zu Lehmstampf- bau, zu lufttrockenen oder mft Holz gebrannten Lehmsteinen. Ein geeigneter Weg scheint mir die Zusammenstellung von kleinen Grnppen oder größeren Kolonnen der erforder- lichen Arbeiter, die unter geeigneter Führung genoffenschaft- lich arbeiten, wie die russische Artfel, möglichst unter Mft- arbeit der Siedler. Die einzelnen Arbeiten müssen so inein- andergreifen, daß auf das schnellste und billigste gebaut wird. Was an Fenstern. Türen, Treppen usw. erforderlich ist, muß in Mengen nach Normen gearbeitet und an geeigneten Plätzen auf Lager gehalten werden. In dieser Art wollen die zunächst in Sachsen gegründeten„Baugemeinschasten" wirken. Natürlich wird möglichst nach Typen gebaut wer- den, dock darf kein Schema Platz greifen, sondern man muß sich geschickt den örtlichen Materialien anpassen, wie wir es bei den Behelfsbauten im Felde dauernd getan haben. Wo ein wirklich gutes, neues Patent geschützt wurde, kann ein solches Verfahren zwangsweise allen Baulustigen gegen erne von der Gemeinde gezahlte Ablösungssumme oder eine staat- lich festgesetzte niedrige Lizenz freigegeben werden. Wir brauchen also keinen kapitalisftschen Betrieb mit hohen Spesen, fondern Selbsthilfe, Genossenschaft, Unter- stütz» ng durch die Allgemeinheit. Nur wenn letztere versagt, müßten kapitalistische Unternehmungen eingreifen. Für die Bauausführung würde eine Zentralisierung nur teuer fem und schwerfällig arbeiten, ohne die örtlichen Verhältnisse aus- nutzen zu können. Es ist merkwürdig, daß unsere großen Bausirmen sich durchweg auf ein System festgelegt haben, statt eine derartig elastische Bauweise anzuwenden. Schuld ist daran wohl das Reich, das seine Uckberteuerungszufchüsse anfangs nur auf massive Bauten geben wvllte, statt jede Art der Wohnungsherstellung zu unterstützen, die auf wenigstens zehn Jahre Dauer versprach. Auch die burcauratischc Bewirtschaftung der Baustoffe hat viel geschadet. Man mußte sofort auf Verwendung aller Materialien hinwirken, also den Zement solchen Be- zirken zuführen, in denen Ziegel und Lehm fehlen, vorher aber den für Fundamente und Verputz der Lehmbauten not- wendigen Zement bereitstellen, weil auf diese Weise mit demselben Quantum- mehr Bauten ermöglicht werden, als bei vollständigen Betonbauten. Ueberhaupt wird man wäh- rend der ganzen Dauer der Kohlenknappbeit solche Massiv- bauarten fördern müssen, die weniger Kohle brauchen, also Betonbau vor Ziegelbau. Aber die Bauenden müssen auch ganz wesentlich ihre Wünsche den Zeiwerhältnissen anpassen. Wer heutzutage Gelegenheit hat, eine große Zahl von Bauwünschen kleiner Gewerbetreibender, mittlerer Beamter, gelernter Arbeiter usw. zu hören, der findet fast durchweg Ansprüche an Zahl, Größe und Ausstattung der Räume, als seien wir noch ein wohlhabendes Volk, als wäre nicht alles Bauen um das Vier- bis Fünffache verteuert. In den Baulustigen ist vielfach die Vorstellung erweckt worden, daß infolge genialer Ersindun- gen das Bauen noch immer zu niedrigen Preisen möglich fei, während es in Wirklichkeit darauf ankam, besonders unsinnig gesteigerte und seltene Baustoffe zu ersetzen und vor allem überhaupt eine Bautätigkeit zu ennöglichen. Es gilt also auf Niele Bequemlichkeiten zu verzichten, auch dann ergibt sich noch ein großer hygienischer, sozialer und moralischer Fortschritt gegen die überfüllten Mietkaserncn der Großstadt. Je mehr wir auf alle Arten Wohngelegenheiten schaffen und besonders die Städte entlasten, desto schneller wird die Knappheit an den früher üblichen Baustoffen und mft ihr der Schleichhandel mit der unsinnigen Uebcrteuerung weichen. Darum: Laßt uns nun endlich Taten sehen? Daneben aber Aufklärung durch Rede und Schläft! Die Wobnungs- ftage ist eine der Schicksalsfragen unseres Volkes! Dr. ing. Kurt Ebrewbe�g. in Groß'Serlin. Auf Veranlassung des WohmingSverfmtdeS sind allen Stavl- und Äandkreffen und Landgemeinden Grotz-SerlinS die für jsia Aufteilung großer Wohnungen und die Zwangs- ernqnartiern ng erforderlichen Ermächtigungen erteilt morden. Die Groß-Berliner Gemeinden werden, devor sie davon Gebrauch machen,-die Inhaber großer Wohnungen zur freiwilligen Hergabe von Räumen aufrufen und zugleich bekanntgeben, unter welchen Voraussetzungen fitr die FyeimsVtgen eine spätere Befreiung von der ZwangSoinquartierung in Aussicht gestellt wird. Ferner ist eine einheitliche Verordnung zu erwarten, durch welche die Weiter Vermietung der frei- werdenden Mi ei räume in Groß- Berlin von der Genehmigung der Gemeinden abhängig gemacht wird. Es wird eine Bertcilungsstellc beim WohnungS- verband errichtet werden, die die von auswärts Zuziehenden und Flüchtlinge, die die Notwendigkeit ihreS Zuzugs nach Groß-Berlin ausreichend begründen können, einer-bestimmten Gemeinde des 73] Erleuchtung. Roman von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdorf. Während sie das sagt, blickt sie mich mit ihren blauen Augen an. Und dann fährt sie sogleich noch bestimmter fort: „Besonders die armen Leute brauchen eine Religion. Denn sonst würden sie ganz eingehen. Religion ist vielleicht Wahn- sinn, aber, was würde denn bleiben, wenn man den Armen die Religion wegnähme?" Diese meine sanfte und alltägliche Eheftau. die ich da- heim gelassen habe, findet kein anderes Wort als nur dieses: „Der Mensch muß etwas für seine Phantasie haben!" Sie hängt an diesem Gedanken, sie nimmt die Partei der armen Leute. Vielleicht spricht sie auch für sich selber, oder vielleicht tue ich ihr auch nur leid. Wohl behaupte ich, daß die armen Leute niemals etwas Wirkliches für ihre Einbildung haben werden, sondern nur eine Täuschung: wohl behaupte ich, daß man die Lüge ab- schaffen muß und daß man ja gar nicht mehr weiß, wo man hinsteuert— sie verrennt sich hartnäckig in ihre Gedanken und weist alles zurück. Inas ich behaupte. Da kann ich nicht weiter, und ich werde stille. Aber ich senke die Augen keineswegs vor dem mächtigen Antlitz der wirklichen Dinge. Mein Blick ist ohne Erbarmen. Er entdeckt. überall nur den falschen Gott und die falschen Priester. Wir verfallen wieder in Schweigen, wir gehen talwärts. Ja. ich habe die Gewißheit, daß ein Gesetz des Bösen in all' den Trugträumen verborgen wird, die man über uns aufschichtet. Ich bin nichts, ich bin kein Deut mehr als ich vorher gewesen bin. Aber ich weise doch auf das Bedürfnis nach Wahrhaftigkeit hin, das in allen Menschen wohnt. Ich präge es mir immer wieder ein, daß eS keine übernatürliche Macht gibt. Nichts ist vom Himmel gefallen. Alles beruht in uns. alles liegt in der Herrschaft unserer Hände nur. Allein solcher Glaube beseelt mich. Meine Augen umspannen die Pracht deS leeren Himmels und die volle Erdenwüstenei und das ParadieS des Möglichen. Wir gelangen zur Kirche. Marie spricht, als wenn wir nicht eben all' diese Dinge besprochen hätten:„Sieh, wie die arme Kirche beschädigt worden fft. Ein ganzes Stück vom Glockenturm ist fortzerigen worden, eine Megerbombe hat das getan. Der gute Pfarrer ist ganz krank davon geworden. Wie er wieder aufgestanden ist, hat er nur Geld gesammelt, um seinen lieben Glockenturm wieder aufzubauen, und er hat es natürlich gefunden." Die Leute gehen um den Bau herum und prüfen die gähnende Zersprcngung im Mauerwerk. Ich denke an all' diese Leute, die da vorübergehen, und' ich denke auch an die übrigen, die auch vorübergehen, und die meine Augen nicht mehr sehen werden. Und ich muß auch an die neuen Beschädigungen denken, die noch diesem Glocken- türme aufgehoben sind. In mir aber hallt die schönste aller Stimmen wider, und ich möchte mich ihrer bedienen und die Menschen anflehen:„Baut die Kirchen nicht wieder auf! Ihr, die Ihr nach uns kommen werdet, und nach der rcint- genden Sintflut, die. bald vorübergerauscht sein muß. Ihr werdet vielleicht imstande sein, die Ordnung der Dinge klarer zu sehen, als wir alle bisher. Darum baut die Kirchen nicht wieder auf. Die Gotteshäuser enthalten nicht, was man glaubt. Sic sind jahrhundertelang nur die Gefängnisse für die Menschenerlöser gewesen und die mächttge Stütze der Lüge! Wenn Ihr noch glauben wollt, so tragt Euer Gotteshaus in Euch selber! Tragt Ihr aber von neuem die Steine herbei, auf denen sich boshafte und beschränkte Ueberlieferung aufbauen soll, so bedeutet eine derartige Tat nur das Ende des Weltalls. Ich flehe zu Euch, Ihr Menschen, im Namen der Gerechtigkeit, im Namen des Lichtes und im Namen der Barm- Herzigkeit, baut die Kirchen nicht wieder aus!* Aber ich spreche mein Wort nicht laut aus. Ich beuge das Haupt nur und setze schwerfällig meinen Weg fort. Ich erblicke Frau Marcassin. die soeben au? der Kirche kommt. Ihre Augen blinzeln, sie ist müde, sie ist wahrhaft Witwe geworden. Ich begrüße sie, ich rede sie an, ich rede zu ihr ein wenig und bescheiden von ihrem gefallenen Gatten, denn ich habe ja unter seinem Befehl gestanden und ihn sterben sehen. Während sie mir zuhört, ist sie zerstreut und trüb- selig. Ihre Gedanken weilen anderweftig. Endlich meint sie: „Ich habe für ihn eine Messe lesen lassen, denn daS gehört sich ja so." Dann verfällt sie wieder in ihre Schweigsamkeit, die be- sagen will:„Was soll man da weiter sagen, da man ja doch wefter nichts tun karzn?" Ich begreife vor dieser Lehre das Verbrechen, das Marcassin begange» hat, als er sich aus reiner Ruhmeslust dem Tode aussetzte. 19. Kapitel: Gespenster. Maria und ich gehen aus. Wir haben kein bestimmtes Ziel. Wir schreiten eintönig vor uns hin. Es ist ein Herbsttag. Grau gezackte Wolken und Wind wehen. Tote Blätter liegen auf der Erde. Andere Blätter schwirren durch die Lust. Aber wir sind erst im August. Trotzdem ist der Tag schon sehr herbstlich. Die Jahreszeiten lassen sich eben nicht so eng- gebunden aufreihen wie die Menschenmassen. Dann gelangen wir an den Wasserfall und an die Mühle. Seit unserer Verlobung sind wir kaum mehr dorthin ge- kommen. Maria trägt einen dicken grauen Mantel und einen schwarzseidenen Hut, der vorne mit etwas Farbigem bestickt fft. Ihre Haltung ist müde, und ihre Augen sind gerötet. Da sie so vor mir hingeht, achte ich auf das Gekräusel ihrer schönen Haare. Dann wacht etwas in uns auf. Und wir suchen nach den Zeichen, die wir einstmals hier in die Bäume und Steine eingegraben haben. Wir tun es mit einer wilden Freude. Wir suchen die Zeichen wie zersprengte Stücke eines Schatzes auf dem seltsamen Antlitz der alten Pappel, die neben dem Gesträhle des Wasserfalles steht und auf dem Birkenholz, das wie Kirchenkerzen den veilchenfarbenen Busch unirahmt, und aus der alten Tanne, die uns so oft mit ihren dunklen Flügeln überdacht hat. Viele Inschriften sind verschwunden. Andere sind verwischt, weil die Zeit alle Dinge verwischt. Wieder andere sind von einer Menge neuer In- schriften verdrängt. Und nun sind die Zeichen häßlich und kaum lesbar. Fast alles ist vergangen, genau so wie Menschen und Dinge vergehen. Maria ist müde. Sic muß sich häufig niedersetzen. Artig und eingehüllt in ihren weiten Mantel sitzt sie da. Sie ist anzusehen wie das erstarrte Bildnis der Natur, des Raumes und des Windes. Wir reden nicht miteinander. Langsam steigen wir zu« Flußufer hinab, und wir gelangen zu der Bank, die sich an die Steinmauer lehnt. Der Weg scheint verändert. Wir finden die Bank eher, als wir gemeint hatten, es ist. als wenn wir im Dunkel tasteten, und doch ist es die gleiche Bank. Und doch ist es der gleiche Rosenstock, der einstmals über die Banklehne hinüberfiel. Aber jetzt ist er vertrocknet, und er bildet nur eine Dornenkrone. Sortj. folgt.) VerHtkdSgebictS zumeist, welche dcmn verpflichtet ist. für ihre Nirterbrmgung wie für Ortsangesessene nach Kräften besorgt zu sein. Nur die mit der Zuw eisung-karte versehenen Zu- ziehenden werden künftig von den Wohnungsämtern berücksichtigt werderi. Daneben wird aber mir allen Kräften daran gearbeitet. neue Wohnungen zu erbauen. Infolge des Zusammenbruchs der Bauftoffwi rtschast werden von den vom Wohnungsverband sub- ventwnierten bSOO neuen Tauerwohnungen kaum mehr als l(XX> bis zum Eintritt des Winters bezugsfertig werden. Der Woh- nungsvcrband und eine Reihe von Gemeinden find daher zum Bau von Holzhäusern und Baracken in grossem Umfange über- gegangen. Die militärischen Barackenlager in Adlershof. Hasel- Horst und Niederschönhausen sind vom Wohnungsverband angekauft worden und werden in aller Eile zu Wohnungen umgebaut. Sroß-Ierlw Stimmungsbilö aus der U. S. p. V. Der.Zentral-Arbeiterrat' der».E.G. Hennigsdorf scheint einen soeben erst aus Oesterreich zugereisten Presse-Zentralrat zu haben, denn er„beantragt" auf Grund des§ IS deö PrcssgcsetzrS folgende Berichtigung des in Nr. 47g unter obigem Titel erschiene- nen Artikels. Im deutschen Prctzgesch ist das der§ 11. Also: „ES ist unwahr, dah die Arbeiterausschüsse der A.E.G.-Werte. in Hennigsdorf durch Anstoh des Direktors Krecke in ihren Rech- ten erheblich beschnitten worden find. Vielmehr ist der Angriff der Gesamtdirektion auf unsere revolutionären Errungenschaften in einmütigem Zusammenarbeiten sämtlicher Hand- und Kops- arbeitersührer aller Parteirichtungen, verstärkt durch eine Ge- samtaktion der Belegschaft, siegreich abgeschlagen toorden." Dazu ist festzustellen: In den HenrngSdorfer Betrieben be- standen auf Grund der Verordnung vom 23. Dezember 1818 Ar- bciterguSschüsse. Diese überschritten infolge der Fabrikengröhe die Zahl 10 teilweise nicht unerheblich, gestützt auf tz 4 der Bestim- munaen des preussischen Ministers für Handel und Gewerbe vom 31. Dezember 19>7. Die Ausschüsse waren in ihrer Tätigkeit als solche nicht behindert, geschützt durch tz 14 der Verordnung vom 23. Dezember 1S18. Unter anderem hafte eine entsprechende Zahl der AuSschussnntglikder ständig mit Arbeitnehmerangelegenheiten zu tun, verursacht durch die Grösse der Betriebe, ebenso durch die Um- stellung einiger Betriebe von der Kriegs- in die Friedenswirtschaft, ferner durch ihre schnelle Ausdehnung und dem au? allen diesen Ursachen hervorgerufenen Kommen und Gehen gewisser Arbeiter- kategorien. Auf Anstoh des Herrn Direktors Krecke, der als erster diese Tätigkeit der Ausschüsse beschränken wollte, er- wuchs ein Gesamtvorschlag der Direktion an die Arbeiter, der darin gipfelte, für die AuSfchusstätigkeit nur 3 bezahlte Ausschuh- irotiglieder anzuerkennen. Anstatt dah nun von Arbeiterseite in der Abwehr auf daS Gesetz Bezug genommen wurde, macht« man Gegenvorschläge, die ein Drittel des Ausschusses als bezahlte AuSschussmitgliedcr verlangten. Auf Grund dieses Gegenvorschlages kam eS zu einem Kompromiss, bei dein die Direktion ein Mittel zwischen dem DirektionSvorschlug, gleich 3, und dem Arbeitervor- schlag, gleich ib. zubilligte. DaS wurde von der Arbeiterschaft an- genommen, obwohl der Obmann sämtlicher Angestelltenausschüsse der A.E.G.-Fabriken Hennigsdorf in einer allgemeinen Betriebs- Versammlung darauf hinwies, dah AuSschuhmitglieder in ihrer Tätigkeit als solche überhaupt nicht behindert werden dürfen, was auch von den Angestelltenausschüssen in der Praxis durchgeführt wird. Wir sind demnach der Auffassung, und' viele Aussprüche de? SchlichtungsauSschusseS bestätigen dies, dah die Arbeiter durch die VerbandlungSweife ihrer Führer nicht nur von ihren g e s e tz- m ä h i ge n, sondern auch von ihren darüber hinaus erworbenen revolutionären Rechten eingebüßt habefl. »- LinkSradikale Geisteswaffen. Zu einer Versammlung in Seegefeld, in der der Span- douer. Bürgermeister Gen. Stahl sprach, hatten die Unabhängigen und Kommunisten einen Stohtrupp von 150 bis 200 Personen ab- geordnet. Schon als Stahl einleitend auf die Schwierigkeiten hin- wie«, in denen sich unsere RcgierungSmitglieder durch den Wirt- schaftlichen Zusammenbruch befinden, setzten die Unabhängigen und Konwru nisten mit einem wüsten Lärm ein; sie schrien und tobten und man beschimpfte den Redner mit Ausdrücken, wie sie nur von bcm allerniedrigsten Gesindel im Munde geführt werden; so hörte man„Strolch, Lump, Schuft, Verbrecher, gemeiner Hund" uflv., man drohte, Stahl um die Ecke zu bringen, ihn kalt zu machen usw. Trotz dieses wissenschaftlichen Kampfes konnte Genosse Stahl seine l�b stündige Rede zu Ende führen. In der Aussprach« entlud sich der Hah der kommunistischen und unabhängigen Redner und Zwischenrufer in einer blutrünftigen Hetze gegen alles, was nicht kommunistisch„denkt". Alle diejenigen, die den Kommunismus nicht anerkennen können und ihn bekämpfen, denen muh(wörtlich)„der HalS abgeschnitten werden",„die müssen all« aufgehängt werden". Sie bedauerten, Stahl nicht da- mal? um die Ecke gebracht zu haben, als er sich während der Revolutionstage«rnmal unter den Schutz der Kommunisten stellt« und sich nach Hause begleiten lieh.(Dabei hat sich Genosie Stahl niemals von Kommunisten nach Hause begleiten lassen.) Der Mord an den Münchener Geiseln wurde von ihnen verherrlicht, dt« Mörder als Märtyrer für die revolutionäre Idee des Kommunismus gefeiert und diejenigen, die aus Ungarn während de? Zusammenbruch« der Räteregierung die vielen Millionen beiseite schaffen wollten, waren ihre Freunde: denn„sie hätten es selbst so gemacht". Sie bedauerten, dah das Wirtschaftsleben in Teutschland noch nicht völlig zusammengebrochen ist, um aus den Trümmern eine Blutherrschaft von Wahnwitz und rücksichtslosem Terror aufrichten zu können. Dah die Versammlung trotzdem zu Ende geftihrit werden konnte, ist der Zurückhaltung unserer Genossen in Seegefeld zu danken, dl« die Unabhängigen und Kommunisten ruhig toben liehen. Wir aber ruftn denen zu: Nur so weiter, um so schneller behrt die Besinnung wieder in die kriegsverwüsteten Geisterl Folgender unerhörte Vorfall wird uns von einem einwand- freien Zeugen berichtet: Ich war in einer Versammlung d«r sozialistischen Jugend. Der Referent schimpfte in der üblichen Weife auf die alten Führer der Sozialdemokratie. Da wurde der Zwischenruf„Bebel" gemocht. Hinter mir rief ein junger Mann:„DaS war der gleiche Schweinehund; ich bin froh, daß ich früher mit dieser ganze« Bande nichts zu tun hatte". illnd diese? Bürfchchen wurde nicht hinausgeworfen. Arbeiterratskosten. D«r Berliner Magistrat überreicht jetzt der Stadtverordneten- Versammlung eine Rechnung über die Aufwendungen der Stadt für den BollzugSrat der Groh-Berliner Arbeiter- und Soldatenräte. Im Dezember ISIS lehnt« er die Kostenübernahme ab, zumal da auch die Vorortgemeinden und die Kreise Teltow und Nieder- barnim beteiligt schienen. Er bewilligt« aber Vorschüsse, nacheinander 60 000 M.. 20 000 M.. und auf Wunsch der Staatsbehörden nochmals 30 000 M.. im ganzen 110 000 M. Mit den Vorortgemeinden und den Landkreisen war keine Einigung zu erzielen. Schliehlich verfügte da» Finanzministerium. daß die Kosteu durch den Oberpräsidenten festzusetzen und gemäss dem Anteil der einzelnen Behörden und Betriebe an der Geiamt« zahl der Gross-Berliner ArbeiterrSte umzulegen sind. Berlin be- antragt« danach bei der Aufsichtsbebörde die weitere Finanzierung de« BollzugSrat? durw die Staatsregierung, die Erstatiung der vorgeschossenen 110000 M. und die Einziehung der Anteile von den Beteiligten für die Staatskasse. Einstweilen wurden jedoch nur die letzten 90 000 311 zurückerstattet. Ueb«r die Umlegung der übrigen 90000 M. auf die Beteiligten ist noch nicht eutschreden worden. Gleichzeitig macht der Magistrat den Stadtverordneten eine Vorlage wegen der von der Stadt zu tragenden Entschädigung für die Arbeiterräte ihrer eigenen Betriebe und Verwaltungen. Er beantragt für die Zeit vom November 1918 bis März 1919 nach- trägliche Zahlung von je 200 M. pro Person und von April 1919 ab monatlich bO M. pro Person. Erforderlich sind bei 54 Arbeiter- raten 10 800 M. für die Zeit bis KSrz 1919 und 32 400 M. für April 1919 bis März 1920. Ausserdem werden Lohn und Gehalt den Arbeiterräten unverkürzt gezahlt. Den Arbeiterräten der Stadt hat der Magistrat unentgeltlich Bureauräme im Mietswert von 2000 M. und eine Bureaueinrichtung im AnschaffungS wert von 10800 M. zur Verfügung gestellt. Das Elend der RuhestandSbeamte«». Im großen Sitzungssaal« deS ehemaligen preußischen Herren Hauses tagte gestern eine stark besuchte Versammlung deS Zentral Verbandes pensionierter deutscher Reichs-, Staats-, Gemeinde- beamtet und Lehrer. Verbands syndikus G ö r l i ch schilderte die traurige Lage der Pensionäre und deren Wünsche für eine zeit» gemäße Besserung. Die Lage der Altpensionäre hat sich durch den 9. November in nichts gebessert. Die aktiven Beamten zeigen kein Verständnis für die Notlag« ihrer verabschiedeten AmtSvorgönger. Die Altpensionäre verlangen ein« gesetzliche Erhöhung der Pensionen. Finanzminister Dr. Südckum will aber nicht von dem Nachweit der Bedürftigkeit abgehen. Den aktiven Beamten wird die Zulage ohne jeden Vorbehalt gewährt. Jetzt will man bei der neuen Zu- läge den Altpensionären ihr« neue Zuwendung auf 50 Proz. kürzen. In einer Entschließung wird das schmerzliche Bedauern darüber ausgedrückt, daß zur Abhilf« der grausigen Lage der Ruhestandsbeamten und Beamtenhinterbliebenen Regierung und ge- setzgebende Körperschaften immer noch keine durchgreifenden ZKah- regeln getroffen haben. In Anbetrocht dessen, daß jetzt die Wirt- schastliche Not und das Elend der pensionierten Beamten und deren Hinterbliebenen aufs höchst« gestiegen sind, bittet die Bar- sammlung: 1. den im Ruhestand befindlichen Beamten und Lehrern, sowie den Beamtenwitwen die neuerdings den aktiven Beamten zu. gestandenen B« scha ff u n g s b e i hi l fe n gleich diesen zu ge- loähren und 2. gesetzlich festzulegen, dah auch den Gemeinde- beamten im Ruhestand und deren Hinterbliebenen die gleiche Für» sorge wie den Reichs- und Staatsbeamten zuteil wird. Ferner soll den nachgeheirateten Frauen dieselbe Beihilfe wie den anderen Be- amtenwitwen gewährt werden._ Zulagen z« Renten anS der Jnvalideuverfichernng. Die Reichsregierung hat angeordnet, dah für die Zeit vom 1. Oktober 1919 bis zunächst zum 31. Dezember 1920 eine monat- liche, im Borau» zahlbare Zulage zu der Rente gewährt wird, die auf Grund der reichsgesetzlichen Jnvalidenverfichernng al» Invaliden«, Alters-, Witwen- oder Witwerrente bezogen wird. Die Zulage be- trägt einschliesslich der bereit« früher gewährten Zulage von 8 M. monatlich 20 M. für Empfänger einer Invaliden« oder Altersrente nnd monatlich 10 M. für. Empfänger einer Witwen- oder Witwerrente._ Die Nationalverfannnlnag in Berlin. Nächste Sitzung am DienSlag. den 30. September, nachmittags 3 Uhr. Auf der Tages- ordnung stehen kleine Anfragen und die erste Berbtung de« Gesetz- entwurf« über die durch innere Unruhen verursachten Schäden. Die Räume des ReichStagSgebäudeS find nunmehr wieder her- gerichtet, sodass in dieser Hinsicht für die Förderung der Arbeit de« Parlaments gesorgt ist. Schwierigkeiten bereitet nur noib die Wohnungsfrage für die Abgeordneten. Da« Bureau der National- Versammlung ersucht die Bewohner Gross-BerlinS, die geneigt find. Abgeordnete bei sich aufzunehmen, Angebote möblierter Zimmer mit Preisangabe umgehend an da» Bureau der Nationalversammlung. Berlin 7. einzusenden. Die erste Stadträtm Groß- Berlins. Die Köpenicker Stadt- berordnetenvers ammlung hat die Stadtverordnete Frau Emilie E h m(Unabh.) zum unbesoldeten Magistratsmitglied gewählt. Zulassung der Presse zu geheimen Stadtvervrdnetenberntungen. Da» Lichtenberger Stadt Parlament hatte vor«imger Zeit mit grosser Mehrheit beschlossen, die Pressevertreter zu den geheimen Beratungen zuzulassen. Der Magistrat hat nunmehr für die nächst- Stadtverordnetenfitzung folgenden Antrag gestellt: Der Geschäfts- ordnung der Stadtverordnetenversammlung ist folgend: Bestimmung hinzuzufügen:„Zu den geheimen Sitzungen sind die Pressevertreter zuzulassen, jedoch kann die Stadtverordnetenversammlung in ein- zelnen Fällen beschliehen, unter Ausschlutz der Pressevertreter zu verhandeln. Dieser Beschluß ist in geheimer Sitzung zu fassen." DarkehnSschwindler verhaftet. Während des Kriege? untersagte ein Erlaß de? Oberkommandierenden in den Marken allen Geldverleihern ihren Geschäftsbetrieb. Denen, die sich dennoch zu betätigen versuchten, sah die Kriminalpolizei so scharf auf die Finger, daß sie doch nicht aufkommen konnten. Nach Beendigung deS Krieges aber machten sich auch die DarlehnSschwiiidler sofort wieder breit. Einer der ersten, di« sich mit großem Eifer wieder auf den Schwindel legten, war der ehemalige Kellner Sander, Friedenau, Stierstr. 16. Er war so vorsichtig, keinerlei Geschäft?- Wiche r zu führen und alle Schriftstücke, die zur Aufklärung seines Treibens dienen konnten, zu vernichten. Seine Agenten im Reiche waren ebenso vorsichtig. Jetzt aber gelang es, bei dem Schwindler einen gefüllten Papierkorb zu erwischen und an der.Hand der Fetzen Sander in 800 Fällen bisher zu überführen. Alle Betröge- uen werden ersucht, sich an BezirkSobeavachtmeister Dussa im Berliner Polizeipräsidium zu wenden.— Die Erwin-Bern- hard- Stiftung in der Potsdamer Str. 116» gibt über die Eigenschaften der Geldvermittler und-Verleiher unentgeltlich und portofrei zum Nutzen der Allgemeinheit Auskunft. Zu dem große« Brand in AdlerShof teilen un« di« Herren Schott und Wegen« mit, dah sie zwei Versammlungen von Arbeit«- losen, ehemaligen Angestellten und Arbeitern des Hauptgasschutz. lagerS, veranstaltet haben. Diese beiden Versammlungen waren weder geheim noch kommunistisch. Sie waren polizeilich angemeldet, befahten sich lediglich mit pekuniären Forderungen und faßten nur den Beschlutz, eine Kommission zu wählen, die mit den Behörden über dies« pekuniären Ansprüche verhandeln soll.— Die Ermittlungen und Vernehmungen zur Aufklärung des Brande« dauern fort. Kein Butterdiebstahl auf dem Bahnhof RummelSbiir«. Am Montag, den 15. d. M., wurde von einem Butterdiebftahl auf dem Verschiebebahnhof RummelSburg im Werte von 200 000 M. b«. richtet. Die Eisenbahndirektion Berlin erklärt diese Meldung als völlig unzutreffend. Ein Interessenveretn«bemalige»«itgehSriger de« früheren Generalgouvernements Warschan Hot sich in Berlin gegründet zur Wahrung ihrer Interessen bei de» Erlangung von Ensschädigung tür ihr beim Zuiammenbruch der deutschen Herrschast in Polen in Verlust ge- ratene? Privateigentum. GeschästSstell« verlin 0 112. Eimon-Dach- Straße S. Schöneberg. Di« Stadtverordnetenversammlung saht« gestern nach«mderthalbstündiger geheimer Sitzung den Beschluß, di« Wahlen eineS StadtsyndikuS, zweier besoldeter Stadträte und von dreizehn unbesoldeten Stadträten noch zu vertagen. Zum brandenburyischen Provinziallandtag wurden gewählt al» Abgeordnete Dr. Schneider(Neue Fraktion), Jatzow(Neue Frak- tion), Molkenbuhr(Sezialdcniokrat). Oberbürgermeister Dominikus (Demokrat), Mendt(Unabhängiger) und als Ersatzmänner Dr. Kaufbold, Dr. Teufer, Ed. Bernstein, Stadtrat Katz, Wilberg. Di« aus Deutschnatronalen usw. sich zusammensetzende Neue Fraktion beteiligte sich nicht an der Wahl, weil sie angeblich nicht die Mög- lichkeit der Einreichung einer eigenen Liste gehabt hatte.— Ein Antrag aller Fraktionen ersuchte den Magistrat, die Neuregelung der Lehrerbesoldung nicht bi» zur Schärft: ng«ine» Leine r- besotdungSgesetze» 5» vertage� sondern sie gtechzemg mit t« StU* I regelnng der Beamtenbesokdung Sorzumchmen. Zusammen mit 'diesem Antrag wurde ein sozialdemokoatischcr Dringlichkeitsantrag verhandelt, der bezüglich der WirtschaftSbeihilfe für Hilfskräfte, der Befo ld u n g S 0 rd n u ng für Beamte und des Tarifvertrages für Arbeiter den Magistrat um Beschleunigung und durchgreifende Aenderung und bei andauernder Verzögerung durch die Groh-Berliner Gemeinde« um selbständiges Vorgehen im Einvernehmen mit Chorlottentevg und Wilmersdorf ersuchte. In der Begründung rügt« Mohs(Soz.) scharf die Verzögerung, über die von Lehrern, Beamten und Arbeitern bitter geklagt wird. Beide Anträge wurden mit großer Mehrheit ange- nommen.— Beschlossen wurde, den Kriegsbeschädigten unentgeltliche Benutzung der VolkSbadearrstalt zu gewähren, dem Zoologischen Garten Beihilfe zu geben und auf oem Rudolf-WUde- Platz einen Sonnabend-Abendmarkt einzurichten.— Der Landarb« i t e rt a r i f de? Kreises DeltMv wurde für da? Schöneberger Rieselgut Deutfch-Wusterhausen angenommen.— Bei einer Vorlage wegen Bewilligung von 150 000 M. für heimkehrende Kriegsgefangene brachte Freier(Soz.) die Frag« der Wohnungsbeschaffung zur Sprache. Stadtrat Etcheihardt sagte zu, daß man nach Möglichkeit für UnterkunflSräume sorgen werde. Der Betrag wurde bewilligt.— Die Unabhängigen haben erneut die Gewährung von Anwesenheitsgeldern an unbesoldete Magi- stratSmttglieder, Stadtverordnete und Bürgerdeputierte beantragt. Es wird beschlossen, den Magistrat um eine entsprechende Vorlage nach dem Muster Neukölln? und Lichtenbergs zu ersuchen. Mariendvrf. Gemeindevertreftrstfenng. Bürgermeister Solle gibt zunächst den Bericht über die Einführnug der neugewählten Gemeindeschöffen und die Verteilung der Dezernat« an dieselben. Gegen den vorgeschlagenen stellvertretenden Gemeindevorsteher S e ubach wird von sozialdemokratischer Seite Protest eingelegt; als die stärkste Fraktion in der Vertreteung wird von unserem Ver- treter verlangt, dah die sozialdemokratische Fraktion die Stelle zu beanspruchen hat. Von feiten der U. S. P. D. wird dieses Verlan- gen unterstützt. In der nächsten Sitzung soll die Sache geregelt werden.— Bei der Bekanntgabe der Bedingungen für die Verg«. bung von Schulräumen an Bereine werden verschiedene Wünsche von sämtlichen Frattionen geäußert. Der Vorschlag des Gemeindevorstandes, Schulaulen zu politischen Versammlungen nicht mehr zur Verftiguug zu stellen, findet nivaends Gegenliebe. Es wird beschlossen. Schulräume stehen zu Sitzungen und Versammlungen sämtlichen politischen Parteien und gemeinnützigen Vereinen zur unentgeltlichen Verfügung, lieber die Bedingungen soll eine fünf- gliedrige Kommission entscheiden. Der Antrag auf Errichtung einer Gemeindesparkasse ist vom RegierungSpräsi- denken abgelchnt mit der Begründung, dah nach Errichtung der Nebenstelle der Kreissparkasse Teltow ein Bedürfnis nicht mehr vor- liegt.— Ein Antrag der St.-MatthioS-Kirchengemeinde auf Vergrößerung ihres Friedhofs wird abgelehnt.— Der Gemeinde- kirchenrat hat im September 1916 der Gemeinde sein an der Lichtenrader Chaussee belegene» Pfarrland zum Kauf angeboten. Die Gemeindevertretung war mit dem Erwerb de« Geländes ein- verstanden, sofern der Kaufpreis die Summe von 7 200 M. für den Morgen nicht übersteigen würde. Die seinerzeit gepflogenen Ver° kaufsverhandlungen find jetzt wieder afgenommen; der Gemeinde- kirchenrat lehnte aber bei den jetzt herrschenden chaotischen Zu- ständen den Berkanf ab.— Dem Antrag der Elektrizitätswerl- auf Erböhung des Strompreises für die Pumpstafion. Einstellung eine» Gärtnergehilfen, sowie der Besoldungsordnung der Hilfs- lehrkräfte und Nachbewilligung von Mitteln dazu, wurde zuge- stimmt.— Ein Antrag des Mieterbundes, durch ein Gesuch an den Regierungspräsidenten auf öffentliche Perhandlung der Sitzungen des MieteinigimgSamtes hinzuwirken, wurde angenommen.— Da- nach wurde die Sitzung vertagt. Groft-Berliuer Lebensmittel. Berlin. Vi» Freitag w, 141.. ISS., IM., 23». und 245. Brot. kommliftonSbezirt 125©ramm Käte.— DaS Mittelftück der Speisesatt- karten ist bi» tum 28. für den Käseiezug aufzubewahren und nicht fortzuwerfen. Pankow. Anmeldnng für die nennt Flesschkundenderzcichnisse vom 22. bi« 24. September. Auch diejenigen, die bei ihrem Fleischer weiter Kundebleiben wollen, müssen d i e Neuanmelbung bewirken. Rowawes. Morgen Mittwoch 250 Gramm amerik. Schweinefleisch- Produkte(R 14).______ Groß-Serllner Parteinachrichten. Graphisches««werde. Heute Dienstag 5 Uhr tm Schulthetßansschank, Neue Sakobstr. 24/25: Konserenz sämtlicher Obleute, Vertrauensleute und Arbeiterräte(S. P. D). Wichtige Tagesordnung. Jeder Betrieb und jede Abteilung mutz vertreten sein. Zutritt nur gegen Bor- zeigung de« Mitgliedsbuche«(S. P. D.). 18. Abt. Der Frauenakicnd morgen Mittwoch flndet nicht statt. »0. Abt. Heute Tresspunkt 5'/, Uhr, bei Lade. Löweftr. 1. Teil. nehmerkarten a 1 M. zum Vortragszyklus d«S Ken. Schlegel über„Bei- träge zum Ausbau unseres Wirtschaftsleben»' am 2., 2., 18. und 23. Ottober find noch zu haben bei Guzy, Weidenweg 7. ZK. Abt. Die Versammlung morgen Mittwoch bei Köhler, Tiekstr. 24, findet wegen der allgemeinen Mitgliederversammlungen nicht statt. Z7. Abt. Der Zahlabend am Mittwoch findet nicht statt. Ltchterfeldr. Der Frauen-Leseabend am, Mittwoch, den 24. September, s ä l I t au«. Lichtenberg. Morgen abend 7 Uhr: Mitglleberversammlimg in der Aula des LyzeumS, RathauSftr. 8. Tagesordnung:»Eltern, schasst Suren Kindern weltliche Schulenl" Reserent: fflenoffe' Lehrer Kreinert. Wir ersuchen Misere Genoffen, namentlich die Genossinnen. vollzählig zu erscheinen.— Freitag abend 7 Uhr: Aula, Markt. strasse 10/11: Ausserordenlltche Funktionärversamm- lung. Tagesordnung: Ausbau»mserer Organisation. Referent: Gen. H»rlitz. öilüungsveranftaltungen. lvezirksbildnngStNtSschuh Grost Berlin. Sonntag, 28. Sept.. 3 Uhr, w» Kleinen Schauspielhaus. Faianenstr. 1, Ecke Hardenbergstr.:»Rarta Magdalen«", Schauspiel in 3«tten von Friedrich Hebel. Karlen zu M. 1.50 und 15 Psg. Garderoben- gebühr in sämtlichen.Vorwärts'. Expeditionen von Berlin, sowie in T h ar« I 0 t t e n b u r g: Jut. Striemer, Tauroggener Str. 11, Gustav Scharnberg, Sefenheimer Str. 1; Steglitz: Hau« Kegel, Schlldhornstr. 11; Friedenau: Petermann, Rhetnstr. 27; Schöneberg, Bämnler, Beiziger Str. 27; Ltchtenbera: Eeikel, Varlcnberastr. 1; N eu- löfln: Heinrich, Neckarftr. 2; Wilmersdorf: Schubert, Ubland- ftraße 98/99; in der Vorwärts« Buchhandlung, Lindenftr. 3, sowie bei Harsch, Engeluser 15. Dienstag, 30. Sept.. 8 Uhr, h» der Aula be« Könlgftädtssche« Real- ........*""TfiwhfniM: Lud» Fr. Dtederich ____ �_ Lindenitr. 8, bei Wöllstein, Lietzmännstr. 6, bei tzorfch, Engeluser 15, und im S. P. D.» Bezirksverband, Bellevuestr. 7. Icmpelbof. Der zweite Vortrag im Kursu« über da» Erfurter Pro- Sramm findet hellte abend 7'/, Uhr pünktlich im Shmnafium Kaiserin- ugnsta-Str. IS— 21 statt. � Zus aller Welt. Ei« englischer Dampfer gestrandet. SuS London wird gemeldet: Die„Evening News" erfahren au« K i r k w a 1 l. daß in der �rvergangenen Nacht»in D a m p f e r der White Star Line während eine« Sturme« nördlich von RenaldShah gestrandet ist. 2000 Soldaten au» Nordruss» l a n d befanden sich an Bord de« Schiffe«. WetteranSftchten für da» mittlere Slnrddentschland bi« Mittwoch mittn«. Zeitweise aufklarend, jedoch kühl nnd vorwiegend trüb« mit öfter«iederholtrn, im östlichen Küstengebiete vieljach starken, in de»«Herr» Gegenden meist geringeu Regens illm. Opernhans. Die lustigen Weiber von W indsor. Anfang Vi : Uhr. Schauspielhaus. Peer Gynt. Anfang 6'/a Uhr. üirektion Max Ueinhardc. UeutBohe« Theater. v uhr: Clavigo. Mittwoch, 7 Uhr: Der Kaaf- mann von Venedig. Kammeraplele. TuJle BiietiselPaniloFa. Mittwoch, 7 Uhr: Unterwegs. Theater I. d. KönlggratzerStrafie J ,8 Uhr. Kameraden. Mittw.; Kabale und Liebe. Donnerstag: Kameraden. Komadienhans 3'<8: Liselott von der Pfalz» Berliner Theater VjB: Die Dame Im Frack. Centrai-Theator {jt!r■. ÖIe SeMvod Ällen. Dentschea Opernhana 7 Uhr: Tiefland. Frledr.-VVHhelinat.Th. Tt/e Uhr-WüM ElijeiL Kleinen Theater. s uhr: SiLuma SuininaruiiL KL Sohanaplelhaas. Zum 1. Maiel 7 Uhr: KraCtle Komtaehe Oper �ulleheszanber. Iinstaplelhana t«/. uhr: So ein Mädel. Kctropot-Theater. 7 uhr zo: Die Faschingslee. Nenea Operetten haue. 7>/Ju.: Die Dame»omZirtus. Sehlller-Theat. Charl. ff; Flachsmanii als Erzieher Thalia-Theater 7«/,U.: Th, am äiölleiidorfplata TV. Uhr: Die Puppe. Theater dem Westens 7v.u.: Die FrafllniHerniellii Theater„Die Trihliir Chariottenb., BeilinerStr.37/38 8 Ü.:„Retter",„Entscheidung" Theater d. Prlcdrlchatadt TV» u.: Vier Einakter. Wallner-Theater uhf Eine Ballnacht. Residenz- Theater. Untergrundb. Klosterstraße, Stadtbahn Jannowitzbrücke. N".r 24 I.Male Das lere Lelea. Komödie von Sudermann. Mlttwochnachm. 4, kleine Pr. Rotkäppchen. Sonnab. nachm. 4, kleine Pr.; Hansel und Oretel. Trianon-Theater. Bahnhot Friedrichstraße. Untergrundbahn Friedrlchstr. WiB.r 366. Male Der gute üuf Komödie von Sudermann. Mlttwochnachm. 4, kleine Pr.: Mchneewtttchen. Sonnabendnachm.4,klcinePr.: Aschenbrödel. Theater am KottluieerTor Tel.: Mbritzpl. 14814. T1/. Uhr una Sonntag | rt nachm.» Uhr, S© Elite-Sänger WM Seidel, Ruselli, I W? Schubert, Horst, —"• O. Schräder etc. Neues Programm! Großer LacherfoigT Sonnt nachm. ermaß. Preise. 1 Kind Ireil Bluthton-Koneert i Beg.7 U. Winter- Garten Täglich 7«/, Uhri Yarietd'Spielplan Rauchen gestattet 1 1 Adoiirals-Palast1 | in allen Gewichtsklassen| um die .Kelsterschaftcn von Deutschland. Anlang 8 Uhr. AdtDirsls-liao Uraufführung Wanda Barska mit Pole Nerrl. METROPOL tKSSSMÄ Max Manelll Paul Stelnitz Walter Stelner Prlts»erger Carl Bdier REIaa v. Postcma Jersey n. Jullelte Ethel Oard. KOnstl. Leitung. Flato» I AmFlDgef:HenscbeI Kapelle: sodl N cum an Volksbühne- Thea,er Th Uhr: a. Bülowpl. Jnngfernglft l.esslng-Theater Direktion; Victor Bamowsky. Dienstag 7: Peer Cynt. Mittwoch V/,: Der Schöpfer. Donnerstag TV,: Liebe. Deutarheei Künstler- Theater. TV,: Das Schloß am Wanncee. Mittwoch u. Donnerst. 71/,: Das S China am Wannsee. Luisen-Theater. TV,: Strandgut. abend l.«1 ü. lZNU Sonntg. 8; Ich lasse dich nicht. Sonntag abend 7'/; Charlctt.KIhger Gasino- Theater Lotbrlngerstraße. TägL'/.S U.; Großstadt-Pflanzen Volksstflck In 3 Akten. Vorher: Schwarzwaldbüble. Operettenakt m.ViktorLitzek. Dazu erstklass. Spezialitäten. Sonntag'/,4: Mädchenehre. APOLLO THEATEß Dir.: James Klein j Friedrtchstraße 218 1 TV. September TV« 1 | I SonnUVjU. I Heister Erich Rahn I deutsch. Pollzellehre 1 Uberwält. selbst den j besuRingkämpfer in j jiü-Jitsu-Kampf| 4 Urbanis die best. Akrobaten| der Welt ? Hennings? 3 Mackweys die Urkomischen Mestrum | die komische Type j ÄWers 1 Partner Luft-Akt James Bäsch Humorist 3 Cartellas 1 berühmte Jongleur- Familie Fürst Uhiversal-Akt 1 Sonntags SV», Jeder 1 | Erwachs. 1 Kind frei. I CircusSusch Tlgl. 7'/, Stg. 3", o. 7-/, V. 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Robert jetzt bereits In I " 6. AufU erschienene, mit 46 vortrefflichen, den Text erläuternden Abbildungen versehene Werk| ■ Je Mitdzrtlligeti liti Ke5eiili!elil!!e!»- Das Urteil aller Ist einzig günstig. Von der Wissenschaft Ist daa Buch rfickhaltloa an er- ■ kannt, leider war das Buch Inletzter Zelt verboten., Wer das Glück seiner Ehe festigen will, wer die Qualen, die die Gatten während der ganzen • Gescnlechtsperiode empfinden, vermeiden möchte, dem empfehlen wir die wissenschaftlichen Aufklärungen, wie solche in dem Buche „Die Offenbanngca Im Geschlöcbtllchea- enthalten sind, aufs a ngelegentste, es wird wie i eine Befreiung von Not und Pein empfunden ' werden. Dieser Vorzüge wegen ist dieses Buch beliebt, wie kein anderes in der Ehe. Prei* M. 3�0, Nachn. 35 Pf. teurer. 164/10* Lioser-Verlag. Berlin-Pankow IM I. Kleine, braune Brieftasche mit ca. 170 M„ Arbeiterratskarte, Funktionärkarte der U. S, P. D, Ausweis als Obmann des Angestelltenausschusses der ErwerbslosenfUrsorge. Auswels als Hrüfer der Erwerbslosen- fürsorg e. Mitgliedsbuch der U. S. P. D. und Mllltärent- lastnngsscheln, lautend auf den Namen Martin Kledrowskl, geb. 29. Oktober 1881, wohnhaft Berlin, Frankfurter Allee 339, ist gelegentlich einer Sitzung abhanden gekommen. wir bitten den Finder, die Legitimatlonspaplcre an untere Adresse, Brelteetr. 11, einsenden zu wollen, da für Verlierer von außerordentlicher Bedeutung. Auf Rückgabe des Geldes wird verzichtet§06D Zentraler AnssehnO der Hilfskräfte de« Magistrats Berlin. C'A-HERPICH SOHNE BERLIN W66,LetpKiger Str. 9-1 1 Uebergangs-ond Winter-Mäntel in neuen Formen u. modernen Farben von, M. 150.- Jackenkleider tn großer Auswahl u. bester Verarbeitung von A4. 175.- Pelzgeföfterte DamenMäntel mit Pehbauch-, Pehröcken-, Hamster- n.anderen Pelzfüttern flatma Gramm hZ Ik. Gold, Silber, Münzen Zahngebisse bin 750 Hark. Zfthne 2.10 bis 38 91k. kanft 1400* Frau Knntb, Zionskircbstrafie 54, v. ü. Von 8 bis 8 Uhr. (Anklamer Straße, Brnnnenstraße.) 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Urteil. gegni dm Pionier«mll! '' U. t In d« Un_____ JEL,-...................., panisch der L Eonbrn.- Pionier«Äomp. IL Armeeforps| wegen Ungehorsam« pp. hat«in aus Befehl oee Gerichtsherrn der Rommanbantur zu Berlin zusammengetretenes Kriegsgericht In ber Swnng vom 18. August 1919, an ber teilgenommen haben Ol, Richter: pp. für Recht erkannt: „Der Angeklagl« wirb unter Aufhebung ber, Urteile de« Aommanbanturgerichts Danzig vom, L8. ISIß unb be, Oberfrlegsgerlcht» des XVII. 1 teelotp« vom 8. 6. 191 J freigesprochen. Die preuß. RonUngentsoerwaltung>ft zur Gutschiiblgung be« Angeklagten nach ben Bestim- münzen be» Gesetze« über die Entschädigung dir Im Wleberaufnahmeverfahreit strtgefprochenen Personen verpflichtet.*' Gründet PP. E« mW) deich einh st 5«f<" kraft beschritten HÄ. � ftsmnuwtHmtuegcsUht Berlin, den 28. 8. 1919. «e Richtigkeit der«bschrlst begtandlgt Scheunemann, Arlegsgerlchtsrat. S08D In-«. Vsrk»lll?oWotorell leder Stromstärke nnd lederArt, sowie Um» u. Neuwickelungen n�t Wilhelm Neumann, G.m.b.H., Berlins. 14, Dreadener Str. 43. 12L* Telegr.i LHxenkebel. TeL: MorltzpL 13S3yö4. B| Erste und älteste Refl,> ■f® Spezial»ArztDh Anstalt Lßsor Dr. Skottl H_ W Dtr.) Lösor senior Harn. u. Biutuntcrsachnngtec. Elektr. u, mediz. Bäder. Rosenthaler Str. 69-70, + Die Stelle des MWMMWIWeM. Ist, da der bisherig« Inhaber in den Ruhestand tritt, zum 1. Januar 1920 neu zu besetzen. Die Anstellung erfolgt nach dem in der Städtcordnung für die besoldeten Mä- glstratsmltglleder vorgesehene Bestimmung auf 12 Jahre- Das ruhegehaltsberechtigte Gehalt Ist vorbehaltlich der Genehmigung durch den Bezirksausschuß auf 17 000 M., steigend alle 3 Jahre um 1 500 M. bis auf 21 500 M.. festgesetzt. Daneben wird bis auf weiteres eine Teuerungszulage von 3 030 M. und Kinderzulage von 400 M. für jedes Kind gewährt, Die Uebemahme besoldeter Nebenämter Ist nicht gestattet Bei Dienstunfähigkeit wird ein durch Ortsstatut geregeltes Ruhegehalt gezahlt.>29/10 Geeignete Bewerber werden ersucht, Ihre Bewerbungen unter Beifügung eines Lebenslaufes und der die Befähigung nachweisenden Zeugnisse an den Unterzeichneten— Kneiphöfisches Rathaus— bis zum 15. Oktober 1919 einzusenden. Königsberg: I. Pr., den 16. September 1919. Der Stadtverordneten-Vorsteher. Mertlas. Wickler(lieklerin) für Gleich- u DreHstrom(nur perfekte)»erlangt b. angemess. Lohn Elektromotoren- Vertriebs- Gesellschatt _ Fritz OroB O. m. b. H., Chansseestr. 27. 53/13 ImnttenBfWci. btiefen an H. Bllekildc, Nüstved, DänemarL Ich bin in Berlin 26. Ha 28. September im Hospiz Crntrum, Holzgarfenstr. § XnskonkonßvkKioi,! l'Qvdtlxo Xusclineltlerinnen Z»....... 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Schließlich aber täuschen sich die Kommunisten sehr, wenn sie meinen, daß es gegen die Taktik des absichtlichen Langsamarbeitens und Sabotierens keine Gegenmittel gibt: die bisherige Praxis lehrt, daß diese Methode viel leichter überwunden wird als der rsguläre Streik. Das einzige, was diese Scchotageheher erreichen können, ist das, daß sie die Wiedereinführung des Akkordlohn sy st ems mit Gewalt erzwingen, denn selbstverständlich läßt sich die Löhnung nach der Zeit nur dort aufrecht- erhalten, wo während der Arbeitszeit wirklich gear- b e i t e t, n i ch t wo die Arbeitsleistung absichtlich zurück- gehalten wird. Mit der„neuen Waffe" komnnmistischen Patents schneidet sich die Arbeiterschaft ins eigene Fleisch! verbot fchwarz�weiß-rotee Provokationen. Unliebsame Vorkommnisse der letzten Zeit haben, wie SS. T. B. meldet, dem Reicbswehrminister Veranlassung gegeben, den Truppenleilen das Boranlragen schwarz-weiß-roter Fahnen bei« Marsche durch ihre Garuffonr» usw. zu verbiete». Es ist erfreulich, daß durch diesen Erlaß des Reichswehr- Ministers derartigen Provokationen, die ein öffentliches Aergernis geworden waren, ein Ende bereitet wird. Ein reaktionärer Schulstreik. Aus Gotha wird gemeldet: Der Gothaer Bauernbund fordert in einem Aufrufe zum S ch u l st r e i k auf. Die Vertrauens- männer des Bundes haben einstimmig folgende Forderungen beschlossen: I.Zurücknahme des Religionserlasses. 2. Rück- tritt de« Minifterioldezernenten für Schulwesen. Jacobi Z. Wiedereinsetzung der Schulinspektoren. Solange diese Forderungen nickt restlos slfüllt sind, darf kein Gothaer Bauer seine Kinder zur Schule schicken. Gibt die Regierung auf diese Vrotestmaßnabme nicht nach, so wird die Baueinschaft jede Steuerzahlung an diese Regierung verweigern. De« weiteren wird die Bürgerschaft zum Anschluß an da» Vorgehen aufgefordert. Der Schulstreik, dem sich die große Mehrzahl der Gothaer Ortschaften angeschlossen hat, beginnt am Montag. preußischer tzaushaltsausschuß. .Der StaatShaushaltSauSschuß der Preußischen SZandeSversamm- lung begann am Montag die Beratung des Etats des Land- wirtschaftsmini st er i ums. Nach Bewilligung der Ein> nahmen äußerte sich der Berichterstatter eingehend über die AvangS� wcrtschast, die die individuelle Natur des Produzenten unterbinde Der Berichterstatter kritisierte ferner die Verordnung vom 2. Sep- tember. betreffend Sicherstellung der landwirtschaftlichen Arbeiten, wodurch Tarifverträge gefordert werden und. falls sie nicht zustande kommen, die öffentlich« Bewirtschaftung ein- rreten soll. Von sozialdemokratischer Seite wurde an der Zwangswirtschaft festgehalten. Ausführlich antwortet« der Landwirtschostsministcr Braun. Das Ministerium läßt sich die Ferderung de? Abschlusses von Tarifverträgen angelegen sein, und man kann heute schon sagen, daß 80 Proz. der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft untrr dem Kollektivarbeitsvertrag �beiten, ein« Leistung, die gegenüber den Verhältnissen im ge- werblichen Leben außerordentlich beachtenswert erscheint. Der Er- laß vom 2. September war dringend notwendig. Es handelte sich nicht darum, einen Arbeitszwang auszuüben, sondern die Ernte- ertragnisse vor dem Verderben zu bewahren»nd dadurch dl« Allgemeinheit vor Schaden zu behüten. DaS war der Sinn der Verordnung und das Ergebnis war durchaus erfreulicher Natur Vertreter der Deutschen Volkspartei plädiert« sur freie Wirtschaft. Der Staatskommissar für Volks- ernahrung warnt« dringend vor übereilten Schritten bei Aus bebuwg der Zwangswirtschaft. Wr hätten ja nur noch einen T e' l davon, Hafer. Obst. Gemüse, Eier. Hülsenfrüchte, Fisch« und dergleichen sind längst freigegeben, und es darf nicht vergessen wer- den, daß das, was früher die Blockode bewirkte, setzt durch die Valuta ebenso hervorgerufen wird, nämlich die Absperrung d o m A u S l a n d. Es bestebe die Gefahr, daß, wenn bei Brot- getreide. Fleisch und Kartoffeln die freie Wirtschaft eingeführt werde, gewisse Leute sich im vollsten Umfange eindecken, andere ober Mangel leiden müßten. Von demokratischer Seite wurde betont, die Landwirtschaftekammern müßten ganz ander« zusammengesetzt weiden So seien z. B. von 8« Mitgliedern einer LandwirtschaStkammer 7K Großgrundbesitzer. Die abgeänüerte verfaß ung. Freiherr von LerSner unterzeichnet« namenS der de utschen Regierung gestern nachmittag 4 Uhr im Trianon-Palast-Hotel in geschlossener Sitzung das mit den alliierten und assoziierten Regierungen vereinbarte P r o t o- koll betreffs Artikel 61 der R e i ch s v e r f a ss u n g. Auf feiten der Alliierten unterzeichneten für Frankreich Bot- schafter Jules Cambon. für England Sir Eyre Crowc, für Amerika Unterslaatssekretär Po», für Italien Minister Scia- loja, für Japan Botschafter Matsui. Cto hochverrotsprozeß gegen polnische Insurgenten. Angeklagt waren vor dem Reichsgericht der Schmied Pasch und der Zimmermann BtnppwSki aus Kwiltsch. Tic Angeklagten waren beschuldig»» die gewaltsame Lotreißung der polnischen Gebiete der Provinz Posen, die inzwischen durch die Be- stimmungcn des Friedensverträge« der polnüchen Republik«inver. Ie:bt find, gefördert zu haben. Mit Rücksicht hieraus erscheint e« wenig zeitgemäß und zweckentsprechend, Leute polniicher Ab- stammung und Gesinnung gerichtlich abzuurteilen, doch da einmal Anzeige gegen die beiden Angeklagten erstattet war, blieb dem Reichsgericht nichts anderes übrig, als den Prozeß durchzuführen. Di« A-""agt«n wurden beschuldigj. Ansang Januar IStS in Dörfern mit gemischter Bevölkerung die Waffen weg- genommen zu haben, damit sie beim Eindringen polnischer Truppen diesen keinen Widerstand leisten kannten. In den Soldatenräten hatten die Polen meist die Mehrheit, und wo es noch nicht der Fall war. verschafften sie sich diese. Es dauerte dann nicht lange und die ewzelnen Orte wurden von polnischen Truppen besetzt. Die Anklage ging davon aus, daß die beiden An- geklagten im Auftrage der polnischen HeereSmacht gehandelt und bewußt ein hochverräterisches Unternehmen gefördert habe». Sri ihrer Vernehmung bestritte» sie. schuldig zu sein. Beide haben als deutsche Soldaten den Krieg mitgemacht«nd VinkowZki war als Flieger tätig. Wenn sie den Einwohnern die Waffen weg- genommen haben, so sei dies nur geschehen, um bei etwaigen Zu- sammenstößen unnötige Schwierigkeiten zu vermeiden. Sie hätten nicht nur den deutschen, sondern auch den polnischen Einwohnern die Waffen weggenommen. Hierfür konnten sie einen Beweis nicht erbringen. Die Beweisaufnahme ließ das Verhalten der Anaeklag- ten nicht als so harmlos erscheinen, wie sie selbst e§ darstellten. Einige Zeugen belasteten die Angeklagten. Pasch batte dem Gendarm in Kwiltsch einfach sein Pferd weggenommen und war damit nach Grabitz geritten. Er und Binkowski waren in deutscher Uniform, trugen aber die Abzeichen de« polnischen HeereS. Sie haben in den beiden Dörfern Kwiltsch und Grabitz den deutschen Einwohnern 18 Gewehre weggenommen und durch ihre Aeußerungen zu er- kennen gegeben, daß sie lediglich in der Absicht handelten, dt« pol- niscke Wehrmacht zu unterstützen. Der Gerichtshof verurteilte Pasch zu 2 Jahren. Binkowski zu 1 Jahre Festungshaft. Auf die Strafe wurden jedem Angeklagten sechs Monate der UntersuchungZ- hast angerechnet. Als erwiesen wurde angesehen, daß die Ange- klaigten den deutschen Einwohnern die Waffen weaaenommen haben, um die polnischen Männer damit zu bewaffnen, welche die ge- Waltsame LoSreißung einzelner Gebiete vom Deutschen Reiche er- strebten. Da den Angeklagten«ine ehrlose Gesinnung nicht nach- zuweisen war, so wurde nur auf Festungshaft erkannt. polnischer Minderheitenschutz. Täglich melden sich auf der Geschäftsstelle des FürsorgevereinS für deutsche Rückwanderer in Berlin deulschstärnmige Arbeiter aus Lodz tind berichten, daß die Polen Juden und Deutsche in gleicher Weise verfolgen. Am Donnerstag, den 18. d. Mt«., soll e« in den Straßen von Lodz zu regelrechten Pogroms an beiden gekommen sein. Man riß Juden auS den Eisenbahnzügen heraus und schnitt ihnen die Bärte ob, wobei man zugleich Hautstücke mit abriß. Ein Augenzeuge sah, wie man die armen Opfer auch durch Messerstiche in den Kopf ermordete. Kein Deutscher findet mehr Arbeit in Lodz, 38 000 deutsche Arbeiter sind brotlos. Die Deutschen dürfen sich nicht mehr oufS Land wagen, um etwas einzukaufen; schon viele find von den polnischen Bauern totgeschlagen worden. Die Flucht deutschstämmiger Lodzer Arbeiter nach dem schon so überfüllten Berlin hat so zugenommen, doß wöchentlich 2 TranS portzüge von Posen über Bcntschen nach Berlin gehen, die fast nur von solchen Flüchtlingen angefüllt find. Die Heimkehr üer Gefangenen. Ueder Rücktransporte unserer Kriegs- und Zivilge- fangen en wird uns von zuständiger Stelle gemeldet: Es wird beabsichtigt, mit den Engländern über einen Gesamt tranSportdiSposit i o n S p I a n zu verhandeln, welcher den Transport aller Gefangenen aus England nach Deutschland umfaßt Die Belgier haben sich bereit gesunden, die Gefangenen zurück zugeben. Sie wollen 10 Transporte zu je 1000 Mann schicken, und zwar auf dem Schienenwege. Von einem Abtransport zu Fuß ist offiziell nichts bekannt. Die Amerikaner sind bereit, die in Amerika befindlichen Deutschen zurückzuschicken. ES sind eingetroffen: Am 17.: mit dem Dampfer„Praetoria" 441 Mann in Rotter dam; sie wurden nach Wesel überführt; aus Vitry 1303 Mann nach Durchgangslager Göttingen, aus Trouville 1022 Mann nach Durch, gangslager Meschede, aus Vitry 1077 Mann nach Durchgangslager Altengrabow. Am 18.: Ans Dailleul 841 Mann nach Durchgangslager Zittau, aus Vitry 1274 Mann nach Durck�angölager Tauberbischofsheim, au§ Miterau 1386 Plann nach Durchgangslager Münster. Ferner am 10.: 957 Mann nach Durchgangslager Münster aus Vitry 1182 Mann nach Durchgangslager Gießen. Am 21.: Aus Calais 1205 Mann nach Durchgangslager Ohr- druff, aus Bailleul 1201 Mann nach Durchgangslager Göttingen, ein amerikanischer Transport 1301 Mann nach Durchgangslager Münsingen, au« As für Dille 1224 Mann nach Durchgangslager Münsingen, auS Calais 800 Mann nach Durchgangslager Göttingen. Ferner find 30 Frauen und Kinder au» England in Rotterdam eingetroffen. Der Dampfer„Nuni* mit 106 Männern, 08 Frauen und 184 Kindern aus Süd- West liegt vor Rotterdam. In Athen sind etwa 40 deutsche Kriegsgefangene, die durch die holländischen Behörden abtiansport werden, lieber Eydtkuhnen kommen russische Rückwanderer in kleinen Abteilungen von 10 und 20 Mann andauernd an. Der Gesundheitszustand, die Stim- mung und die Haltung der Mannschaften ist im ailgemeinen vorzüglich, Anläßlich der Rücktransport« gehen viele Leute darauf aus, den Staat zu schädigen, indem st« sich fälschlich für Krieg». gefangene ausgeben. Das Publikum sollte die Behörden in dem Vorgehen gegen solche Schwindler unterstützen. Gegen ü!e baltischen Großagrarier. Wie auS Mitau gemeldet wird, faßte der R i g a s ch e Sozia« l i st e n t a g folgende Resolution: Die Demokratien Estland», Lettlands und Litauens müssen mit ollen Kräften für die L i g u i- dierung de« Groß-GrundbesitzeS eintreten, da dieser die Reaktion materiell stärkt. Die finnländischen Sozialdemokraten lehnten cS ab, dieser Resolution zuzustimmen. kleine politische Nachrichten. Alldeutsche» velitische» Wissen. Der Schriftleiter der»Deutschen Zeitung" sucht mit großem Auswand von Rabulistik seine Behaup- tung, daß Clemenceau Sozialist sei, un» gegenüber zu verteidigen. Dabei blamiert er sich au-S neue unsterblich, indem er die franzö- fischen Sozialradikalen, bekanntlich ein« bürgerlich« Partei unseren Dentschdemokraten vergleichbar, für Sozialisten ansieht. Mit solcher Weisheit ist allerdings nicht zu disputieren. Reichswehrmißbrauch für Privatinteressen. Zu unserer Notiz in der Morgenausgobe des.Vorwärts" vom 8. September 1010 er- sucht uns Generalmajor � o f f m a n n als Fübrer der zehnten Jnsanteriebrigade um die Richtigstellung, daß der Pächter van Glas- bevg weder Leutnant ist noch dem Grenzschutz angehört, also gar nicht in der Lage war, einen Befehl an Plann schaffen der Reichs- wehr zu geben.— Wir stellen demgegenüber folgendes fest: Der Gutspächter von GlaSberg ist ein Oberleutnant von Schräge. Am 28. Juli traten die Arbeiter auf GlaSberg wegen Lohnforderungen(der Tagelobn für Richtdeputanten betrug 4,10 M.) in Strejk. nahmen aber auf Verantasiung des ArbeiterrateS in Birn- bäum noch am selben Tage dte Arbeit wieder auf, um die Ernte nicht zu schädigen. Auf Anraten deS ArbeiterrateS suchten sie ihr Ziel nochmals durck Verhandlungen zit er- reichen. Um die Arbeiter einzuschüchtern und sich vor weiteren Lohnforderungen zu schützen, veranlaßt« der Gutspächter Ober» leutnant von Schräge die Verhaftung des Vertrauensmannes des LandarbefterverbandeS Valentin. Grerzek. Dieser wurde am 28. Juli abends aus Befehl de» Offiziers Graf Dohna in Beffche von Grenzschutzsoldatcn verhaftet und nach Meseritz transportiert. Wenn also auch.Herr von Schräg« den Befehl nicht selber gegeben. sondern nur veranlaßt hat, so liegt nichtsdestoweniger ein Miß- brauch der Reichswehr für Privatinteressen vor. Eine französische Zeitung. Unter dem Titel»Echo d n Rhein" erscheint in Mainz seit Sonntag eine französische TageS- zeitung als erste» derartiges Unternehmen im Rheinland. der Streik in der Metallinöustrie Selten wohl hat ein Streik so problemettsch begonnen, wie in der Metallindustrie. Allen Kämpfen lagen bisher festumschriebene Forderungen zugrunde. Dieser neueste Kampf wird geführt, weil angenommen wird, daß die Arbeitgeber ein« Verschlechterung der gegenwärtigen Löhne anstreben. Dieser Annahme steht die Versicherung der Arbeitgeber gegenüber, doß daran nicht gedacht werde, daß jede Verschlechterung der Lage der Arbeiter ausgeschlossen sei. WaS hätte näher gelegen, als zunächst einmal die Probe auf da» Erempel zu machen und abzuwarten, ob es dl« Unternehmer mit ihrer Becfichernng ernst meinen. Bei der ersten Benachteiligung der einzelnen Arbcilergruppen hätte die Organisationsleitung auf den Plan treten und gegen den Schiedsspruch de» SchlichtungSauS- schusseS ankämpfen können. Die bloßen Annahmen, um deretwillcn beute der Kampf geführt wird, genügen nicht, um die Beraniwortung jür da» Unheil zu übernehmen, das dem totlranken Wirtschaft»- leben erneut drobt. Aber gerade weil die Gründe für die Führung diese» Kampfes noch in der Luft liegen, wird mit einer gewissen Hartnäckigkeit der Annahme Ausdruck der- liehen, daß et sich hier nicht um einen wirtschaftlichen Kampf für die Besserstellung der dabei in Betracht kommenden Arbeiter, son- dern um einen Kampf mit politischen Zielen handelt. Wenn e« einer umsichtigen Organisationsleitung darum zu tun ist, einer solchen Annahme den Boden zu entziehen, dann muß sie zunächst versuchen, olle Mittel, die etwa vorhandene Differenzen zwischen Unternehmern und Arbeitern zu beheben geeignet sind, anzuwenden. Denn daS ist heute doch wohl eine unumstrittene Tatsache, daß durch einen solchen Kampf sowohl den direlt dabei beteiligten Arbeitern, wie auch der Allgemeinheit unermeßlicher Schaden zugefügt wird. Jeder Streik trägt in sich die VorauSsetzimgen für eine weitere Verschlechterung unserer Valuta, und diese Tatsache allein zwingt andere Arbeiter- und Beamtenkategorien zu erneuten Forderungen. Und wer nicht will, daß dieser wohnsinnige Kreislauf in den völligen Abgrund führt, der muß vor Ausbruch so folgenschwerer Konflikte mit der größten Umficht zu Werke gehen. Nicht darin li'-gt die Stärke der Gewerkschaftsbewegung, daß sie das Machtmittel de» Streiks unter allen Umständen anwendet, sondern daß sie ihn als ein Kampsmittel gebraucht, wenn jeder Versuch, die Lrbefterschast vor Benachteiligungen zu schützen, mißlungen ist. Zu dieser'Taktik ist jeder GewerlichaftSfübrer umsomeyr ge- nötigt, wenn von seinen und seiner Kollegen Entschlüssen gar da« Wohl der Gesamtheit abhängig ist. 0 Am Streik der Metallarbeiter sind bisher die Belegschaften von 18 Firmen beteiligt. ES werden bisher rund 6000 Streikende ge- zählt. Die Zahl der Ausgesperrten beträgt bis zur Stunde zirka 7000. Auf Anweisung des Verbandes der Berliner Metall- industriellen legen die einzelnen Firmen ihrer Arbeiterschaft Reverse vor, wonach die Arbeiter sich mit Aussetzen, bezw. der Niederlegung einverstanden erklären sollen. Wir warnen davor, hierzu die Zu« stimmnng zu geben. eJn Mitteilungen und Bckanntmachmigen an die Arbeiter und Arbeiterinnen versuchen die Firmen, vollzogene Aussperrungen als notwendige Folge der TeilstreilS hinzustellen, obwohl in den verschiedensten Fällen erwiesen ist. daß die Aus- gesperrten trotz deS Streiks hätten weiter beschäftigt werden können. Den Versuchen der Unternehmer, die Arbeiterschaft dnrch An- schläge und Bekanntmachungen falsch zu injornrieren, werden wir im Monatsbericht entgegentreten. Wir ersuchen die Streikleitungen, die über 50 Proz. Kriegs- beschädigten nicht an dem Streik teilnehmen zu lassen. Deutscher Metallarbeiterverband. Verwaltungsstelle Berlin. Oskar Rusch. 0 In der gestrigen Generalversammlung der Ms- lallarbeiter gab Rusch den Bericht der Fünfzehnerkom- Mission- wobei er erklärte, daß der unparteiische Vorsitzende des -SchlichtungSauSschusseS G ö be l nicht in der Lage gewesen sei. -etwas Positives zu schaffen. Nach 4 Verhandlungen und 10 Teil- sprüchen sind dte Verhandlungen von der Fünjzehnerkommissron abgebrochen worden Die Unternehmer setzten dem Verlangen der Kommission, all« Arbeiter, die schwere und gesundhettsschadliche Arbeit verrichten, in die 1. Lohnklasse auszuinehmen. schärfsten Widerstand entgegen und lehnten jedes Eingehen auf diese Forde- runa ab. Noch Abbruch der Verhandlungen beschloß dte Fünf- zehnenkomMjsion, den Kollegen in besonders lebenswichtigen und für die Produktion notwendigen Abteilungen in den von der Kom- Mission bestimmten Betrieben den Unternehmern mit einem 24stündigen Ultimatum dte Forderungen der Kommission zu unter- breiten und bei Ablehnung durch Urabstimmung mit drel Viertel Majorität in den Stveik zu treten. Die Unternehmer haben dte Forderungen abgelehnt und bisber werden seit 17. September 18 Betriebe durch zirka SOOO Arbeiter bestreikt. Die AuSsperrungS- maßnahmen haben zirka 7000 Arbeiter betroffen. Ein Teil der Unternehmer begründete seinen ablehnenden Standpunkt mit der Mitaltedschaft im Verband der Metallindustrieilen. der sie durch Konventionalstrate und eventuelle Rohstoffsperre dazu zwingt. Diese Unternehmer erklärten, am 1. Januar dem Verband der Mewllindustriellen den Rücken zu kehren. In smnen wvlteren Ausführungen ging Rusch auf die bereits in der OeffenUlchislt be- kannte Stellungnahme des ReichsarbeitSministerS Kollegen Schlick« und auf die Verordnung vom 8. September sin. Der Kollege Schlicke hätte mit dieser Verordnung den Unternehmern einen guten Dienst geleistet. Diese könnten nach der Verordnung die Belegschaft wechseln und dadurch die davon betroffenen Ar- beiter in niedrigere Lohnklassen bringen. Zum Schluß erklarte Rusch die Unterstützungssätze für Streikende für zu niedrig, eine Erhöhung derselben setze jedoch erst eine S t a t u t e n a n d e r u ng voraus. Daii« sonderte Rusch Vertrauen für die Fünfzehnerkom- "" Linter anderen Diskussionsrednern, die zum Teil für eine der- schärfte Taktik gegenüber den Unternehmern eintraten, sprach Richard Müller, wobei er mit erhabener Stimm« und besonderem Nachdruck erklärte, ein Oteneralstteil der Metallarbeiter könne Nie- malS in einer Generalversammlung beschlossen werden, sondern nur dnrch Nrabstimmnng in den Betrieben von den beteiligten Arbeltern. Nach einem Schlußwort von Rusch kam die von Richard Muller vor- oeleate Entschließung zur Abstimmung und Annahm«, nachdem der Antrag Knak. der eine schärfer« Taktik verlangte. d«r Fünfzehn«. kommission als Material überwiesen worden war. In der ange- nommenen Entschließung wird der Fünfzehnerkommtsston da? Oer- trauen ausgesprochen und von der Generaldersammlung«Nart, daß die Funktionäre die künstigen Anordnungen der Kommission zur AuSfühnma Bringen müssen, ohne bafe bestimmte Richtlinien mr dies« Anordnungen gegeben würden. 0 Es ist merkwürdig, wie Menschen schnell und grstndlkch ihre Anschaimngen j« nach ihren Bedürfnissen wechseln könne». De» selbe Rich. Müller, der gestern die Urabstimmung als notwendige Voraussetzung des Streikbeschlusses bezeich- nete, beschimpfte im März d. I. jeden MehrheitSsoziaUsten, der bei dem damaligen Streik dasselbe forderte, als Verräter, Gegen- revolutionär usw. Rich. Müller, Paul Neumann u. Comp, haben ich in diesem Punkt« schnell bekehrt, sie beten heute an, WaS sie vor einem halben Jahr verfluchten. Hoffentlich folgt in anderen Dingen die Einsicht ebenso»ach. GewerffcWsbewMtig verbanöstag öer Hausangestellten. Am Montag wurde die Diskussion über den Oe« schäflsbericht des Vorstandes zu Ende geführt. Aus fast allen Orten konnte über ein rapides Emporschnellen der Mit- gliederzahlen berichtet werden. Die Arbeilen der Ortsverwallungen haben fich infolgedessen so gehäuft, daß sie von den vorhandenen Kräften beim besten Willen nicht bewältigt werden konnten. Aus diesem Grunde wurden denn auch aus veriänedenen Orten, wo die Organisationsarbeiten ehrenamtlich ausgeführt werden, die Ein- richtung eines Bureaus mir einer Angestellten gefordert. Ver- treterinnen auS katholischen Gegenden teilten mit, daß überall, wo Mitgliedschaften des Zentralverbandes bestehen, der christliche Reichs- verband weiblicher Hausangestellten eine rege Agitation betreibt, um dem Zentralverband das Feld streitig zu machen. Trotzdem macht aber der Zentralverband, dank der unermüdlichen Arbeit seiner Vertreterinnen, auch in den katholischen Gegenden erfreuliche Fortschritte.— In Bremen ist eine Bflichtfortbildungsschule für Hausangestellte errichtet worden.— Nach dem Schlußwort der Verbandsvorsitzenden Luise Köhler wurden einige Anträge, die sich auf geschärlliche Formalitäten beziehen, dem Zentralvorstand überwiesen und die Entlastung für die Geschäftsführung einstimmig beschlossen. Ueber das»eur Recht der Hausangepellten referierte Luise Köhler. Sie verwies darauf, daß nicht nur die Gestndeordnungen gefallen sind, sondern auch plle auf die »Dienstboten* bezüglichen Polizeiverordnunpen. Das letztere werde aber nicht überall beachtet. Manche Polizeibebörden arbeiten immer noch im alten Geist weiter. Es ist auch nicht leicht, die Hausfrauen an das neue Recht der Hausangestellten zu gewöhnen. Für die Hausangestellten gelten jetzt die auf den Dienstvertrag bezüglichen Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Das genügt den Hausangestellten nicht. Sie verlangen, mit den Arbeitern gleichbe- rechligt zu sein und wollen deshalb unter das Arbeiterrechr gestellt werden. Doch das Bürgerliche Gesetzbuch gibt den Hausangestellten manche Rechte, die sie früher nicht hatten. Sie sind der.Herrschaft* nicht mehr zum blinden Gehorsam verpflichtet, brauchen sich eine unwürdige Behandlung nicht mehr gefallen lassen. Eine Arbeitszeit Von 14 bis 16 Stunden darf ihnen nicht mehr zugemutet werden,, denn das würde gegen die guten Sitten verstoßen. Auch für die Hausangestellten ist das Ziel der Achtstundentag. Wir wünschen eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit. Nur unter dieser Voraussetzung können die Hausangestellten der Hausarbeit erhalten werden. Andernfalls ist zu erwarten, daß sie in die Fabriken gehen, wo sie den Achtstundentag haben.— In Bayern besteht eine Verordnung, die eS möglich machte, daß die Tarifverträge der Hausangestellten rechtsverbindlich erklärt wurden. Wir müssen ehren Druck auf die Regierung ausüben, daß für uns ein einheitliches Recht für ganz Deutschland geschaffen wird. Wir dürfen nicht wieder 46 verschiedene Verordnungen für HauSange- stellte bekommen.(Beifall.) Unter einem einheitlichen Recht wird es unS auch leichter sein,»mere Tarifverträge zu verbessern. Wir fordern für die Hausangestellten den gleichen Lohn, den die un- gelernten Arbeiterinnen haben' Der Tarifvertrag muß auch die Arbeitszeit sowie das Lehrlingswesen in der Hauswirtschaft regeln Die Verhandlungen werden am Dienstag fortgesetzt. 3. verbanöstag öer Sattler unö portefeuiller. Fünfter Berhandlungstag. Nürnberg, 19. September. Die'Streikunterstützung soll nach einem zur Annahm« gelangten Berliner Antrag in der ersten Beitragsklasse betragen nach 13 Wochen 2,10 M.. nach 26 Wochen 2,60 M., nach 52 bis 150 Wochen 8,25 M., nach 150 bis 260 Wochen 3,76 M. und nach 260 Wochen 4.25 M. Dazu kommen noch Äindepzuichläge. Die Arbeits l o f e n u n t e r st ü tz u n g wurde erhöht auf Sätze von 1,25 bis 2,23 M, nach der Mitgliedsdauer in der ersten Beitrags- klaffe.',.■ Zu einer längeren Debatte führte sin Berliner Antrag, der Mitgliedern, die wegen ihrer politischen Gesinnung in Haft ge- nommen � werden, die Maßregelunasunterstützung zu- billigen will. Von den Befürwortern des Antrags wurde auSge- führt, daß jetzt sehr häufig polirische Gründe zur Verhaftung von Leuten vorgespiegelt würden, die man in Wirklichkeit nur wegen ihrer den Unternehmern unbeguemen gewerkschaftlichen Tätigkeit beseitigen wolle. Demgegenüber wurde von Blum, Schulze ~' ihrer i» der eigentliche Grund fei, da könnten die Zahlstellen helfend eingreifen. Wen« sich aber die Gewerkschaft auf diesen Weg begebe, könne sie schließlich auch von reaktionär gesinnten Mitgliedern für solche Zwecke in Anspruch genommen werden. Der Antrag wurde schließ- lich abgelehnt.— Die erhöhten Beiträge und die erhöhte Streikunrerftützung sollen am 1. Januar 1920 in Kraft treten. Im Februar wird voraussichtlich der gemeinsame Berbandstag in Halle stattsinden, der die Verschmelzung mit den Tapezie- rern vollziehen soll. Höf berichtete über die Frankfurter Verhandlungen, die zum Abschluß des Reichstariss für die Portefeuille- und Reiseartikel- blanche geführt haben. Der Tarif befriedige zwar nicht alle Wünsche und bleibe in den Lohnsätzen vielfach hinter dem in den Großstädten schon Erreichten zurück, er habe aber endlich einen Ausgleich für die bisher zurückgebliebenen Gebiete geschaffen und z. B. in Schlesien eine Lohnsteigerung um 100 Proz. herbeigeführt. Bedauerlich sei, daß die Heimarbeitssrage offengeblieben und dem ReichsaibeitSministeriunr zur Schlichtimg übertragen worden fei. Angesichts der für die Allgemenheit erreimten Fortschritte sei aber die Annahme des Reichstarifs zu empfehlen. Die Vertreter von Berkm, LeftMg, Hambirvg und Ofsenbach stimmten aus de» schon vom Berichterstatter angeführten Gründen dem Tarif zu, betonren aber, daß die Heimarbeit endlich beseitigt werden müsse. Generalversammlung öer Porzellanarbeiter. In diesen Tagen hält der Verband der Porzellan- und ver- wandten Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands in Marttrcd- Witz seine odentliche Generalversauimlung ab. Die Hauptaufgabe des Verbandstages ist, das gesamte Beitrags- und UnterstützungS- Wesen des Verbände» einer grundlegenden Reformierung zu unter- ziehen. Daneben wird es der Beratungspunkt„Unsere Kollektivverträge* sein, der einer sehr gründlichen Er- örterung unterzogen werden wird. Hierzu liegen Anträge vor, die die Festsetzung von gleichen Löhnen für männliche und weib- liche Arbeiter und die Abschaffung der Akkordarbeit verlangen. Auch die V e r s ch m e l z u n g s f r a g e, die auf frühe- ren Generalversammlungen recht eingehend erörtert worden ist, soll auf Antrag einer Filiale auf die Tagesordnung gesetzt werden. Wie auch in anderen Organisationen ist die Zahl der weiblichen MitglieOer stark in die Höhe gegangen. Am 1. Juni 1919 zählte der Verband 17 860 männlichp und 13 342 weibliche Mitglieder. Bei der Wabl der Delegierten zum Berbandstag sind besondere Männcrwahlgruppen und FrauenwaHlgruppen gebildet worden. Wenn wir nicht irren, ist die? die einzige Organimtton, in der die Delegierten auch getrennt nach Geschlechtern gewäblt worden sind. Dadurch wurde erzielt, daß die weiblichen Mitglieder ihrer Stärke entsprechend auf dem Verbandstag verrreten sind. Den Männer- wahlgruppen standen 28 Delegierte zu, den FrauenwaHlgruppen 21; die Frauen haben aber ihre Rechte doch nicht ganz ausgenützt und nur 19 weibliche und 2 männliche Delegierte gewäblt. Ueber die Verhandlungen des Verbandstages werden wft nach Schluß zusammenfassend berichten. Tarifbewegung der Berufsgenofsenschaftsangestellten. Bis vor kurzem trugen sich die Angestellten der Berufsgenosseli- schatten mit der Hoffnung, ihre Anerkennung als Beamte im öffent- licki-rcchtlichen Sinne durchzusetzen und daduich ihre Existenz zu sichern. Die Angestellten, welcke io dachten, hielten es natiirtich nicht für notwendig und zweckmäßig, auf gewerkschastlichem Wege ibre Verhältnisse zu bessern und ihre Existenz auf eine sichere Grundlage zu stellen. Seil einiger Zeit ist aber in dieser Hinsicht ein Wandel eiiiaettelen. Die Berufsgenossenschaftsangestellien haben sich zum größten Teil dem Verband der Bureauangeiielllen angeschlossen, die Bcamtenboffnung ausgegeben und eine Bewegung zum Abschluß einest Reiwstarifvertrages eingeleitet. Nach Ueber- Windung mancher Widerstände sowohl in den eigenen Reiben der Angestellten wie bei den Arbeilgebern ist es dem Verband der Bureauangeslellien gelungen, durch Eingreisen des ReichSarbeits- Ministeriums die einzelnen Berufsgenossenschaften zum Zusammen- schluß in den Verband der Deutschen Berufsgenossenschasten zu ver- anlossen. Dadurch ist eine für den Abschluß eines Reichstarifvertrages zuständige Arbeirgcberorganisotion geschaffen. Der Verband der Bureauangestellten hat einen Rcichstarifvertragsentwurf eingereicht. über den in den nächsten Tagen verbandelr werden wird. Mit dieser Angelegenheit beichäftigte sicb am Freitag eine stark besuchte Versammlung der Berufsgenossenschaftsongestelllen. Ver- bandsvorsttzender Giebel hielt einen Vortrag über das Wesen des Tarifvertrages und Brenks berichtete über den Stand der Tarifbewegung. Nack einer regen Aussprache nahm die Veriamm- lung einstimmig eine Resolution an. die sich grundsätzlich auf den Boden de? Tarifvertrages stellt und der Erwartung Ausdruck gibt, daß die Verbandluuoen über den eingereichten Entwurf bis Ende dieses Monats zum Abschluß gekommen sein müssen, da sonst die Durchführung des Tarifs mit den letzten der Gewerkschaft zu Ge- böte stehenden Mitteln erzwungen'werde...... Achtung, Töpfer. Zum nächsten Donnerstag, den 26. September. abends 6 Uhr, im Gewerkschaftsbause. Engelufer 16, ist von. dem Zenttalvcrband der Töpfer eine allgemeine Mitgliederversammlung einberufen worden, in der die ttohnkommrssion Bericht erstatten soll. Nachdem was mau von der letzten Versammlung der Kollegen, die auf dem Boden der U. S. P. D. und K, P. D. stehen, gehört hat. gewinnt eS den Anschein, als ob diese Seile auch bei unserer Lohn- bewegung guertreiben will. Der Kollege Lemmhöfer. der in der Versammlung am 14. August sein Arbeiterratsami niederlegte und trotz mehrmaliger Aufforderung, das Amt zu behalten, dabei be« harrte, nicht weiter zu fungieren, erschien plötzlich in der gemein- samen Lohnkommissionsfitzung am 16. September, um als Arbeiterrar daran teil zu nehmen. Was man dahinter suchen soll, ist nicht recht klar. Jedenfalls muß damit gerechnet werden, daß von seilen der U. S. D.- und K. P. D.-Kollegen etwas gegen unsere Organisation und die nächste Versammlung unternommen werden soll. Es ist daher Pflicht aller Kollegen, auch der aus den Voiorlen, die auf dem Boden der S. P. D. stehen und derjenigen, die nicht wollen, daß unsere Organisation zerstört wird und uniere Gewerkschaftsveriammlungen weiter ein politischer Tummelplatz sein sollen, rn der Versammlung am 25. September zu erscheinen. Diele Versammlung hat sich auch klipp und klar zu entscheiden, ob Lemmhöfer noch als unser Arberlcr- rat zu geilen hat._ „Seine königliche Hoheit" als Arbeitgeber. Vom Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeiler wird uns geschrieben: Der Prinz Friedrich Leopold besitzt in Klein-Glienicke ein Jagd- schloß mir ausgedehnten Parkanlagen, die sich �brs Moorlake hin- ziehen, ferner noch mehrere größere Güter in Saarmund. Düppel und Ftatow. Die in oben bezeichneten Parkanlogen besibäfllglen Arbeiter und Frauen werden geradezu elend bezahlt. Die Arbeiter erhakten einen Stundenlohn von 1 M, das macht bei einer acht- slündigen Arbeitszeit einen Wochenlohn von 48 M. Krauen erhallen die Hälfte. Von dieien jammervollen Löhnen werden wöchentlich noch 2,50 M. für Kranken- und Invalidenversicherung in Abzug gebracht. Außerdem müssen die Leute das Handwerkszeug selbst stellen, wie Harke. Preis 4,50 M., Spaten 8—12 M., Axt 12 M und große Säge bis 20 M. Die Parkarbeiler sind zum größten Teile verheiratet und baben eine Familie zu ernähren. Wenn man bedenkt, daß eine dreiköpfige Familie wöchentlich für die rationierten Lebensmittel durchschnittlich 52 M. gebraucht, so kann man sich von dem Elend und Z>er bittersten Notlage dieser Arbettcr ein Bild machen. Genau so fürstlich werden die gelernten Gärtner entlohnt, deren Bezüge monatlich 180—200 M. betragen nebst freier Wohnung. Dabei besteht diese Wohnung für 8 Personen aus zwei öden, kahlen Räumen ohne die geringste Bequemlichkeit. Unsere Bemühungen, eine Besserstellung für die Arbeiter zu erreichen, sind vergeblich ge- weien. Am 5 Juli beantragten wir eine Gleichstellung mit den Arbeitern der ehemals königlichen Gärten von Potsdam, Neu- babelsberg usw. Volle sieben Wochen bat daraufhin»Seine könig- liche Hoheit* die Sprache verloren. Ende August lief dann endlich die Antwort ein und zwar hochtönend ablehnend:»Es liegt keinerlei Veranlassung vor. die Gärtner p. p. von Klein-Glienicke nock den Richtlinien zu beschäftigen, die für die Gestaltung des Dienst- vezhältniss'eS der bei den Reichs- und Staatsbehörden Groß-Berlins beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen festgelegt worden sind.* Punkt. Die Leute mögen weiter darben:»Was schiert mich Weib, was schiert mich Kind*. Die Arbeitcrscbaft bat dann versucht, eine Entschuldungssumme zu erwirken, um für den Winter Btennmoterial und Kleidungs« stücke, die von der Gemeinde ausgegeben werden, zu beschaffen. Schließlich sind 600 M. zugesichert worden. Zahlung ist bisher nicht erfolgt. Auf Vorstellungen lößt Kgl. Hoheit durch seine Beauftragten mitteilen, daß daS preußi'che Finanzministerium Schwielig- keilen mache. Das scheint uns zum mindestens sehr fraglich. Merkwürdig ist aber, daß zur Beschaffung von Kraftwagen das er- forderliche Geld vorbanden ist. Diele Luxusausgaben sind jeden- falls auch notwendiger und wichtiger wie eine menschliche Bezoblung seiner Arbeiter. Folgendes Beispiel isi besonders bezeichnend für die edle Denkart des bohen Herrn: Sammelt sich eine Arbeiterin iWilwe. die noch für ihren schwer kriegsverletzten Sohn mit,»sorgen hat) dürres von den Bäumen abgeiallenes Holz und will es mit heim nehmen. Slrai«: Sofortige Entlassung. So haben sich die zurückgebliebenen Hohenzollern den neuen Zeitverhältnissen angepaßt!_ Vom Gewerkschastsbund kau'mänuischer Angestellten erhalten wir folgende Zuschritt: In der Abendausgabe vom Freitag. den19. 9. 19 wird unter der Ueberschnst»Freigewerksckafllich oder wirlschafts- friedlich* behauptet:»Der Gewerkschastsbund kaufmännischer Au- gestelltenverbände bat den Bettuch gemacht, die Störung der Ver- saminlung planmäßig zu organisieren. Er bat seine Anbänger durch Rundschreiben aufgefordert, den Saal swon um 6 llbr zu besetzen, vor der Bübne Play zu nehmen, die Redner deS GewerkslbaftS- bundeS bei ihrem Erscheinen mit stürmischem Applaus zu empfangen und beifallklatschend durtzuhalten bis zum Schluß, ganz gleicb. was geiprockieu werde*. Dieie Behauptung ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß der Redner des Zeniralverbaudes der Handlungsgehilfen. der das betreffende Schristsinck verle'en hat, ausdrücklick als dessen Absender den Gewerkschastsbund der Angestellren S. Ringen und Heben in 4 Körpergewichtsklassen. Es gelangen zur Verleitung: Ebrenvreise. Borckämpfe zu dlettm Aetlslre-l am 25. d. Mts. Landsberger Allee 92. 6 Uhr abends, im.Klublokal„Altes StcuerbauS*,(Sebr. Gerbsch. Käste bcrzlichsl willkommen. Berantw. für Pen redaklion. Teil: Alsrcl) Scholz, Neukölln; für Anzeigen: Theodor Slocke. Berlin Berlag: Borwarts»V«rIag®. m. b. 8., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei und Vrrlagsanftelt Paul Sinaer u. Co. in Berlin. Lindenstr. Z. Hierzu l Beilage. Effektvoll und stpornspapend