Nr.489.36.Ia!zrg. Bezugspreis t BterteliSiitL SIL. monofl. I,— SRI Frei ms Kau», voraus zahlbar. Poft» bezug Monallich X— Ml. rrN. Zu- ktellungsgebUhr. UnlerRrruzd-nd w: Deutfchlaud unv Oeftsrreub-Ungaru ML. für Oes übrtgi Ausland 10 23 Ml., brt lögllch rmmoL Stiftcaunc 2.25 Ml. Vostd?ft»lluniin> asbmrn an Dänsmarl. Kalland Lurembur?, Echrvsdsn u. dir Schweiz. Elngrrrassu m die Posl-zelNmAs-Pre'.slifte. Der„VarnjZrts" mtt der Eonnlaz» betlag?«Soll u. Seif* erscheint wachen- täglich zweimal. Sonntag» einmal. Abend-Ausgabe. Telegramm-Adreste: «Sojialoemotro» verlin-. Devlinev Volksblskt. �15 Pfennig) ««zeigenpreis: m»«chtgeUxMen» AanpareMe-eile Mel 1J0°XL �Uclnc«nzeigen-. da»(tttgcbatitU Wort 80 Pfg.(zulässig A ieäigedruiti, Borie). sedes welter« SD«ri 88 vlg. Stellengesuche und Schtaglellen anzeige« da» erste Wort 80 Pfg.(edes weiter, Wort ZV Psg. 88» ri. Üb« ld Buchstaben zählen für zwei«ort». Teuerungszuschlag SO»/» Familie«. Anzeigen. vvUtliche und gemerlfchaftliche Pereins- Anzeigen ifiO Ml. die Zeile. Anzeigen für die nächst. Rummer müssen bis 8 Ah« »nchmitiag» im Kauotgeschäft. Berlin EAi 88i Lwdenstraße 8. abgegeben »eäffnet van 9 Uhr früh bis 8 Uhr abends. �entratorgan der fozialdcmokratifchen Parte» Deutfcblanda. Ueüaktion und Expedition: EW. öS, Lindenstr. Z. »eruivreilicr: Ämt Blorittpla«. Nr. I.»t SV—»3» t»?. Mittwoch, den Ä4. September IVIS. Vonvärts-Verlag G.w.b. h., EW. 68, Linden str. 5. yerufvrechrr. Antt Marittplatz, Nr.»17 SN— 51. Das Friedensangebot Rußlands. (Trehtberichr uuseres Kopenhagen er Korrespondenten.) Äus Helsin gso rs wird gemeldet: Tie finnische Ncaie- runp wird das sfriedensangebot der Bolsche- misten den Reichstagsfraktionen voricgen, den Reichstag jedoch nicht ein berufen. Der Kongrest der finnischen, estnischen, lettischen und litanischcn Sozialisten in Riga beschlost, die Regierung aufzufordern, ans einen Frieden mit den Bolsche- w i stc n energisch hinzuarbeiten. Ter Äongrcst richtete allster- dem eine Aufforderung an die Arbeiterparteien der Entente, ihren Einflust geltend zu machen, damit die Alliierten deu Fricdensunterhandlnngcn keine Hindcrnisfe in den Weg legen.___ Der amenkanilche Stahlstreik. Am Tonnlug wurden allenthalben in den Stahlwcrlen Bcr- sammlungen abgehalten, wovon emige durch die Stadt- Polizei gesprengt wurden. Es besteht ein ziemlich starker Gegen- sah zwischen den ausländischen und amerikanischen Ar- beitrrn, da die letztere» wenig zum Streik geneigt find. Der Stahl- trust engagierte 10 000 Wächter für den Sicherheitsdienst. Manche kleineren Stahlwerke arbeiten, auch mindestens die Hälfte der Trnftwerke, wenngleich viele mit so knapper Mannschaft, baß dir völlige Stillegung der Netriebe zu erwarten ist. llnlcr den größeren geschlossenen Trnstwerken sind 10 Drahtfabrikrn, .'!0 Hochöfen. Ungünstig für dir Trustwcrkc ist, daß die Streik- l u st d« Dampfiniischinisten und Transportarbeiter groß ist. 35 OVO Arbeiter der Bcthlrhemwerkr streiken nicht, stellen aber Forderungen. Di« Zahl der Streikenden in der Stahlindustrie betrug am Montagniittag 284 000, wovon 60 OVO in Chikago und 30 000 in C l e v e l a n d. Ein Massenstreik in Englanö. Kopenhagen, 21. September.'Eigener Drahtbericht des „Vorwärts".) Wie aus London gemeldet wird, haben gleich- zeitig mit dem Ausbruch des amerikanischen Stahl- st r e i k S 50 000 Former in Gr»ßbritann«e« die Arbeit niedergelegt. Sie Kohlennot in Wien. Die Kohlenzufnhre» nach Wien find immer noch f» unzureichend, daß frühestens am kommenden�S» n« t a g mit der Wiederaufnahme des Straßenbahnverkehrs gerechnet werden kann. Die Entscheidung über die künftige Kohlenvcrsorgung Wiens wird heute in Prag bei der Konferenz mit der tschechischen Regierung sollen. md Schuhpreise ein? Höhe erreicht haben, daß sich kein Arberter mehr ein Paar Stiefel kaufen kann, daß der Zentner Wolle im Großhandel eilva 1200 M. kostet, daß der Wert der deutschen Mark im Ausland einen unerhörten Tiefstand erreicht hat. Das sind die Erfahrungen, von denen ich eingangs sprach. Vor 9 Wochen hätte, keine Zoitung der handelspolitischen Richtung des„Berliner Tageblatts" geschrieben, daß unser Handel noch ein stark kontrollierter Handel sein müsse, daß das deutsche Wirtschaftsleben im allgemeinen noch nicht reis sei zur völligen Befreiung aus der Zlvangswirtschasp. Nur die„Frankfurter Zeitung" hat damals auf die schweren Bedenken hingewiesen, die dem freien Devisenhandei entgegenstehen. nicht das„Berliner Tageblatt". Dieses schrieb noch am 9. Juli, es sei im Interesse des soliden Außenhandels dringend geboten, mit der Aushebung der D e v i s e n o rd- n u n g unverzüglich vorzugehen, oder doch, ivcpn das erst nach dem Friedensschluß möglich sei, die beabsichtigte Auf- Hebung mitzuteilen, damit sich der Handel darauf einrichten könne. Lediglich bezüglich gewisser Luxusartikel-könne ja die Einsuhr von besonderer Erlaubnis abhängig gemacht werden, lind am 12. JnU schrieb das„Berliner Tageblatt", die Aufhebung der Devisenordnung an eine strengere Kontrolle der Ein- und Ausfuhr zu knüpfen— wie ich es wollte—, sei der kriegswirtschaftliche Bureaukratismus in verstärkter Form. Weiter wurde betont, daß die Rücksichten. die man während des Krieges dauernd auf d'e Valuta nehmen zu müssen glaubte, heut? ziemlich binfälliff erschienen. Die„hinfälligen" Rücksichten auf die deutsche Valuta haben es seitdem bewirkt, daß hundert holländische Gulden am 18. September 1919 e i n t a u s e n d z w e i u n d- fünfzig Mark und 63 Pfennige kosteten, gegen- über 558,66 am 8. Juli 1919. Am 16. Juli schrieb die gleiche Zeitung bezüglich der Freigabe der Lederwirtfchaft, daß schon auf die Nachricht von f>cr 8fwtg«0c die Schleichhandels» preise dedeutend sinken würden; die Aufhebung der Block»d« inerde sie weiter drücken. Wenn die Regierung kauf- männischen Blick besitze, hätte sie die Freigabe der W i r t s ch a f t in dem Moment proklamieren müssen. Ivo die Blockade fiel. So könnten die Beispiele bis ins un gemessene vermehrt werden, doch die gebrachten zeigen, was auf die Argumente der Leute des freien Spiels der Kräfte zu geben gewesen ist. Es muß für unsere Genossen in der Regierung bitter sein, aus dem Mun�e solcher Leute nun hören zu müssen, daß sie eine Politik der verfehlten Experi- mente getrieben haben. Freillch sind sie mitsamt den bürger- lickien Mitgliedern des Kabinetts der Meinung gewesen, daß sie vor W e l t in a r k t v e r h ä l t n i s s e n mit sinkenden Preisen stünden. Meine dagegen erhobene Stimme ist ungehört verhallt, namentlich den lauten Rufen der Männer vom Schlage des„Berliner Tageblatts", dem Gothein und Dernbnrg gegenüber. Diese sind es gewesen, die die Politik durchzusetzen versuchten, die fetzt vom„Ber- liner Tageblatt" als eine solche verfehlter Experi- mente bezeichnet wird. Am 12. Juli meinte das„Berliner Tageblatt", die Plan- Wirtschaft, wie ich sie gewollt habe, wäre nichts anderes ge- Wesen, als die Fort'etzung der kriegswirtschaftlichen Praxis, also eine ängstliche Rationierung der Ein- fuhr und eine gerade solche Behandlung der Valuta. Mir kling!» heute wie ein Lob, wenn ich das lese. Hätte man ängstlich die Einfuhr rationiert und ebenso die Valuta behandelt, dann hätte das Sinken der Valuta nicht eintreten können, wie es bei dieser Politik der verfehlten Experimente nun leider der Fall ist. Sollten wir uns nicht nunmehr grundsätzlich die Ohren verschließen vor der Volks- wirtschaftlichen Weisheit, wie sie z. B. der ReichSschatzminister a. D. Tothein verkündet. Noch jetzt verkündet. Am Tage nach dem Erscheinen des wenigstens einige Volks- wirtschaftliche Einsicht verratenden Artikels des„Berliner Tageblatts" in Nr. 437. in Nr. 438, nimmt dieser Herr zu dem Sturz der deutschen Valuta Stellung. Und er beginnt mit dein Satze, daß das weitere starke Sinken der deutschen Valuta aus einen noch nicht dagewesenen Tiefstand „ä u ß e r st p e i n I i ch b c r ll h r e". Freilich, muß daS pcin- iich wirken, nachdem man das Gegenteil als das Ergebnis der vorgeschlagenen, nun wirklich befolgten und naturnot- wendigerweisr fehlgeschlagenen Politik behauptet hatte. Aus diesem Artikel spricht eine volkswirtschaftlich« Naivität, wie man es von einem„Reichsschabminister a. D." eigentlich nicht erwarten sollte. In anderem Zusammenhange werden wir noch eimnä! darauf zurückkommen. Tragisch ist es nur für das Volk, daß ein solcher Mann einen solchen Einfluß ans das Wirtschaftsleben ausüben konnte. Was soll denn nun werden? Soll nicht die Lehre aus diesem verfehlten Experiment gezogen werden? Sollen und wollen wir nicht zu einer wirklich planvollen, nicht schwan- kenden Wirtschaftsführung kommen?— Es würde verhängnisvoll sein, wenn das haltlose Schwanken der Handelspresse. wie es sich aus dem Nebeneinander der Ausfassungen in den beiden Artikeln des„Berliner Tageblatts" in Nr. 437 und 438 ergibt, die Regierung hinderte, sichere Wege zu gehen. Rudolf Wissel!. Ne öes Valutasturzes. (Drahtbericht unsere» Börner Korrespondenten.) Die niedrige deutühe Valuta hat die Entlasiung von Schweizer Arbeitern am deutschen Grenzgebiet zur Folge. Von den Lonzaloerken in Walds Hut wurden achtzig Schweizer Arbeiter wegen Lohnzahlung in Schweizer Währung entlassen. In Kleiillouffenberg, Säckingcn. Grenzach und andere» Orten steieu ähnliche»rbeiterenttasiurigei» bevor. Die deutschen Arbeiter haben sich mit ihren Schweizer Kollegen svlidarisch erklärt Da» grohe Meiueaiachen. Die Preußische StaatSregierrmg hat den Nrbeitersckretar Gustav Krüger in Magdeburg zum Polizeipräsidenten in Ragdebu rg ernannt. wer hat geraubt? Wir erhalten folgende. Zuschrift: Unter der Ueberschrift „Rechlssoztalistischer Zcriungsraub",.die in sensationeller Auf- machnng die ganze Vorderseite bedeckt, bringt die„Freiheit" in ihrer Abendausgabe vmn Montag eine von Unwahrheiten strotzende Nach- richt über die Wiederinbesitznahme des„Volks freund" durch die Mehrheitssozialisten, worrn u. a. gesagt ist, wir(die Mehrheit»- sozialisten) hätten den Verständigungsversuch der Unabhängigen zunichte gemacht und zum Schluß alle Verhandlungen a b g c- lehnt. Demgegenüber sei folgendes festgestellt: Schon im Jahre 1317 sind im ordentlichen Gericht?- verfahren von allen Instanzen bis zum Oberlandesgericht die(alte) fszialdemskratische Partei und die FirmcntrLsvr H. Ricke. Fr. Ohlendorf und Otto Vraun als die rschimätzigen Besitzer des „Volksfrennd" anerkannt worden. Beim Ausbruch der Revolu- t i o n wurde uns der„Bolksfrcund" von den Unabhängigen- und Spartakisten gewaltsam entrissen. Als im April die Spar- tatisienherrschaft durch den Einzug der Regicrungstruppen ge- brachen war, hätten wir ohne weiteres die Möglichkeit gelsabt, den„BolkSsreund" in unsere Hände zu bringen. Wir haben den Weg der Gewalt jedoch verschmäht, den Unabhängigen vielmehr Verhandlungen z» einer gütlichen Verständl- gung angeboren. Diese Unterhandlungen haben mit Unterbrechungen rund o Monate gedauert. Der Abbruch gestaltete sich folgendermaßen: Am 3l>. August hatte der als Verhandlungsletter hinzugezogene 2. Vorsitzende der Generalkommission, Genosse Graßmann, eine unverbindliche Aussprache mit den Parteien. Am k>. September fand eine ordentliche Sitzung statt. Am 13. September sollte die letzte Sitzung sein. Tie Unabhängigen lehnten das jedoch a b und setzten eine Verschiebung auf den 19. September durch. Am 17. September ging hier ein Brief Graßmanns ein, worin er mitteilte, daß er vorläufig verhindert sei und daß es auch ungewiß wäre, wann er noch Braunschweig kommen könne. Wir schlugen den Unabhängigen vor, auf jeden Fall am 13. September die Verhandlungen fortzusetzen, wenn nötig, könne später immer noch eine Sitzung unter GraßmannS Leitung abgehalten werden. Nach anfänglichem Widerstreben sagten die Unabhängigen zu. Am Morgen des 13. September teilten sie jedoch mit. daß sie ohne Graßmann nicht verhandeln könnten. Tat- sächlich sind sie zu den Verhandlungen denn auch nicht erschienen. wahrend unsere Genossen zur Stelle waren. Das gerade Gegenteil von dem, waS die„Freiheit" behauptet, ist also wahr: die Verhandinngen sind nicht van uns, sondern von den Unabhängigen abgebrochen. Dennoch hätten wir vielleicht noch von einem einseitigen Vorgehen abgesehen« wenn nicht ein anderer Umstand hinzugekommen wäre. Am Abend de» 13. September ist nämlich durch zahlreiche Zeugen einwandfrei fest- gestellt worden, daß am gleichen Tage im Lause des Nachmittags und Abends unter Leitung de» unabhängigen Ge- schäftSführers mehrere mit zwei Pferden bespannte Fuhren Papier, Maschinen und sonstige EinrichtimgSgegenstände heimlich an? der Drixfcm fori nach einem Borort geschafft worden sind. Die Zustände ivoren schon vorher unerträglich geworden und dürfte» außerhalb BrauuschiveigS kaum verstanden werden. Die Unabhängigen gefielen sich in der Rolle mittelalterlicher Ziaubr ittcr. sie wirtschafteten mit unicrem Gelde und unsere» Einrichtungen, ohne für Miete und Abnutzung der Maschinen usw. auch nur einen Pfennig zu zahlen, überließen eS andererseits aber großmütig uns, für Hqpothekvnzinsen, Stenern und dcrgl. aufzu- kommen. UnS auch ihren letzten Streich ruhig gefallen zu lassen, wäre der reine Selbstmord gewesen. Man hätte die Verhandlungen so lange hingezögert, bis das Gebäude vollständig a u s g e- räumt war und es im? dann vielleicht freiwillig abgetreten. Trotz alledem haben wir bei der Uebernahme den Unabhängigen erklärt, daß wir auf Grund unseres Vergleichsvorschlags— Unerkennung der S. P. D. als rechtmäßige Besitzer und Herstellung des Blatte» der II. S. P. D. in unserer Druckerei in Lohndruck— auch weiter. hin zu Verhandlungen bereit seien. Eine einigermaßen vollständige Darstellung des Streits um den Braunschweiger„Volksfreund" würde einen respektablen Band füllen. Diese kurzen Feststellungen dürften aber bereits genügen, harrzk Kahn:„Kracht Kleines Schauspiekhaus. Die im der Kriegs.zeit einsetzende und noch immer andauernde Theater-Hochkenjunswr trifft mit einei* Tiefstände dramatischer TasteSproduktz«» zusammen, der hinter dem ganz gewiß nicht hohen Turchfchnittsmveau der Hetzten Jahrzehnte noch erheblich zurückbleibt. Man war ja gewohnt, bescheidene Ansprüche zu stellen MV das, was sich„Komödie" nannte. Doch daß die Direktion des Kleinen Theaters zur Eröffnung ihrer neuen Filiale im Theatersaal der Charlotdcnbunger Musikakademie nichts andere» als diesen„Krach" gefunden, läßt eine Minderwertigkeit des An- geSols befürchten, die die Geduld aus immer härtere Proben stellen wird. Dies« angebliche Satire a.uf da? eitle, gesinnungslose, ge- spreizte Literatentum gewinnt dem doch so dankbaren, schon öfter, vor»Rem in SchnitztvrS prächtigem Einakter„Literatur" behau- deltai Gegenstände mir eine endlos ausgedehnte! Langeweile ab. Ein Ouäntchen eigener Beobachtung wird mit dem breiten Wasser- zu-atz erklügelter Verwicklungen und schre iender Unmöglichkeiten verdünnt, tu« als Groteske gelten wollen, ohne eine Spur van Laune. Die gemeinsame Verrücktheit der Personen löscht allen Unterschied der Physiognomien aus. Der Held, der durch ein« Zeitschrift vam funkelimgelneuestem Radikalismus, den„Krach", Mammon und Unsterblichkeit zu gewinnen hofft und auf der Suche von Berlhi nach München, km gelobten Genieland, abdampft, fällt aus seiner Schlafwagenkche ins Bett eines nntreiseudcn Millionärverlegers, der sich im Hemd von ihm das Gründungs- Projekt erNävcn läßt und den Vertrag gleich unterschreibt. In diesem T-rile geht es, freilich nicht im EilgugS-, sondern Schnecken- tempo toeiter. Sin RitlerDutSbesitzer, der ein kanservMiveS Blatt plant und nach den Ansichten d.'S Autor» wohl so etwa? wie einen realpolitischen Kops darstellen soll, setzt soundso viel tausend Mark daran, dem reingefallenen Vericgec den blöden Literaten abzu- kaufen. Zum Tank verführt der seine Frau. Schlußtableau— es ist der Juli 1St4—; Zujammentresfen des ehrenwerten Pärchens im Pertin er Kchieehaus des ersten Akts mit einem total verdrehte» K iwu m er nehmer. der, als die Abendblätter die der- hängniSvo»-»bordtat vo» Serwjewo mebden, d«S abenteuernde Dämchen siir eiro die» Eneignis erwartende Filmsensation enga- giert. Auf daß es hei alledem auch an Moral nicht fehle, hat einer aus dem Liieraienkreise. der bis dahin nur blasicrt-äjthetisierende Chnismen vom bekannten Schlage produzierte, eine cmpövte Schlußrede zu halten, in der er die gesamte Phrasen- und Streber- sippe als„Geschmeiß" bezeichnet. Was objektiv gewiß die Wahr- heit trifft, jedoch in dem Zusanmienbang des Stücks genau so schief und unwahr wie alles andere klingt. Das Spiel war mäßig. Auch so treffliche Darsteller wie L u p u Pick und Ballentin, das frühere Mitglied des Schau- spiel bau st», konnten aus den undankbaren Rollen nichts gestalten. In den üblichen Premierenbeifall tönten immerhin einige pro« testierende Zisch- und Pfoiflaute hinein. Conrad Schmidt. Dke Regierung unS Sie �ufklärungsfilme. Das Mitglied der preußischen LandeSversainmlnng Abgeord- neter Mentzel-lssiettm hatte die Staatsregierung befragt, was sie zu tun gedenke, um die weitere Vorführung der AufklärungS- filme von Dr. Magnus Hirschfeld zu verhindern. Namentlich habe, so heißt eS in dieser Anfrage, der jetzt von vielen Kinos vorgeführte, die Homosexualität verherrlichende Film„Ander? als die Andern"(§ 175) scineS offenbar unsittlichen Charakters wegen in weiten Kreisen der Bevölkerung einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Daraufhin hak unterm 3. September der Mi- nister des Innern folgende an den Präsidenten der Verfassung- gebenden preußischen Landeeversammlung gerichtete Antwort er- teilt: „Da seit Aufhebung der Zensur die Filmvorführungen keiner Vorprüfung und behördlichen Genehmigung bedürft», standen den Behörden keine Mittel zu Gebot, die Aufführung des Film» „Anders als die Andern"(Z 175) von Dr. Magnus Hirschseid — andere AufklärungSfilme dieses Verfassers sind mir nicht be- k«nnt— zu verhindern. Ein Einschreiten aus Grund der statt- gehabten Vorführung wäre nur nach Maßgabe der allgemeinen strafrechtlichen Vorschriften, insbesondere an der Hand des J 184 A. St. G.(Verbreitung unzüchtiger Schriften, Abbildungen und Darstellungen) möglich gewesen. Nach Ansicht der zuständigen Behörden war der Inhalt des Filmö nicht geeignet, um die An- wendbarkeit der in Rede stehenden strafrechtlichen Bestimmung zu begründen und die Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens zu rechtfertigen. Nach den polizeilichen Feststellungen ist iibri- genS von feiten des Publikums nur in vereinzelten Fällen Wider- spruch- gegen die Vorführung erhoben worden. Im allgemeinen ist noch zu bemerken, daß die gegenwärtige Rechtslage in der Tat Unzutröglickkeiten gezeitigt hat. Ich bin zurzeit mit der Prüfung der Frage befaßt, wie dem am zweckmäßigsten entgegenzutreten ist. ES wird meinerseits alles unternommen werden, dem un- sauberen Treiben gewisser Kinospekulanten wirksam entgegenzu- treten. Im Auftrage: Schlosser." Hugo Seeliger. Der Astronom See liger, der seit 1882 Direktor der Mün- chener Steruivarte ist. beging soeben seinen 70. Geburtstag. Seine fast 40jährig« Tätigkeit in München zeigt, was auch mit geringen Mitteln geschaffen werden kann, wenn man es nur recht anpackt. In einer Festnummer der astronomischen Zeitschrift„SiriuS" werden jetzt die Schüler die Lebensarbeit Seeligers darstellen. die Wahrheitsliebe der Gegenfeite ins rechte Licht zu rücken. Wenn uns überhaupt ein Vorwurf treffen kann, so doch nur der, daß wir in unserer Langmut und unserem VerständigungSwillen eher zu weit gegangen sind, nicht aber daS Gegenteil. Wilh. Rüter, Vorsitzender der Preßkommissiou. Speisekarten. Die reaktionäre Preste macht sich ein kindliche» vergnügen daraus, den Speisezettel abzudrucken, nach dem Ebert und NoSke anläßlich eines feierlichen Empfanges gespeist haben. Jeder normal Denkend�vird sich sagen, daß ein Menu von zwei Gängen für eine besonder? feierliche Gelegenheit nichi so hervorragend üppig ist; es ist sehr merkwürdig, daß sich dieselben Leute darüber entrüsten, die für die kulinarischen Schlemmereien eines Wil» Helm II. nur lakaieilbofte Bewunderung übrig gehabt haben. Wir können feststellen, daß Ebert und Noske bei einer besonderen Gelegenheit nicht besser gegessen haben, als etwa die höheren Offiziere bei d'en großen Stäben während de? Krieges und'der Zeit der bittersten lltot alle Tage zu Mittag aßen. Wir haben uns eine ganze Anzahl Menukarten aus Offizierkasinos(bei den großen Stäben speiste man nur nach gedruckten Menüs) aufge- hoben, und entnehmen unsenn Archiv als ein Beispiel für viele die Spreisenfolge eines Abendessens an einem ganz gewöhnlichen Tag« im Hauptguartier Ost. Sie lautet: Hcmptguartier Oft, den 4. 12. 1317. Adendcsseu. Tomatensuppe 1316er Zeltinger Schloßberg 1309er Cateau Perenne Hechtschnitte in Weißwein Lendenbraien mit Rosenkohl und Kartoffeln Schulz Grünlack Lanille-Auflauf Obst Kaffee. Zu Mittag hatte es bereit» ein ganz ähnliches Menu gegeben. Di« Mannschaften wurden um dieselbe Zeit mit Dörrgemüs« und Marmelade gefüttert. Wenn die reaktionären Herrschaften aber außerdem noch wissen wollen, wie der verflossene Wilhelm speiste, so wollen wir daS Menu eine? Jagdbanketts auf der Wartburg zu Ehren Wilhelms II. abdrucken, das der höheren Ehre des hoben Genießers halber sogar in mittelhochdeutsch abge- faßt ist: Banckett im Palas uf Wartpure an den Sunabend viKillia Quasi- modo/ so der 20 te des Abrellen n. domini. II v CCCSOV Aiu Suppen, so unser gnädigster H E R R E der Landgrave nach einein Jagen spijet. Farellen/ Trutta FluviatileS/ variolae/ so auch den Kranke» nutzen. Caro Bovina vel Buhula/ ein unentbehrlich SpiS/ deren man sich niemals überdrüssig essen kann. Am gantz iunderbareS Gericht auS Hispania. Haielhühner gebraten. Am delicateS Wurzelgemüs au» Britanien. Opvliger I ein holländisch Spis. Scharff Küh- und annoch Kcäuter-Käs/ gewürzet mit Rosmarin Salbei und Kümmel. Darnach Garten-Erdbeeren völlig reif/ durch Kunst und Fleiß zu itziger fruer zeit/ schon erzielet worden. Manigfalhg Confect und Marzipan. Ende des Bancket. Die Karde ist in höchster Luxusausführung gedvuckt, und am Fuße haben sich sowohl der Künstler, der den Schriftsatz entworfen hat, wie auch der Hofküchenmeister, von dem das Menu herrührt, verewigt. Für solche kindischen Liebhabereien wurden unter Wilhelm große Summen ausgegeben, aber der„Deutschen Tag«»- zeitung" und Konsorten, denen jetzt zwei Gänge für den. Reichs- Präsidenten zuviel sind, haben sich nie darüber entrüstet. Seeligers Forschungsgebiete lagen stets abseits von den sonst allgemein gepflegten� Gebieten. Fast immer ist es ihm auch ge- lunyen, die in Augrifs genommenen Probleme zu einer endgültigen Lösung zu bringen. Ter im Juni vorigen Fahre» aufgeleuchrete Stern brachte wieder eine Bestängung von Seeligers Theorie, daß es sich dabei nicht, wie vielfach behauptet, um den Zusammenprall zweier Sonnen handle, sondern höchstwahrscheinlich um das Ein- dringen eines erkalteten Welttörpers in eine kosmische Staub- masse. Ob daS Gesetz der Schwerkraft auch im fernen Weltraum gül- iig ist, war eine weitere Frage, die er sich stMe und die er in der Behandlung des vierfachen Sternshsiems im Krebs zu bcant- Worten suchte. Sein Lieblingsproblem blieb freilich die Vertei- lung der Fixsterne im Räume, um zu ergründen, zu welcher höheren Ordnung die Milliarden Sonnen unserer Umgebung ver. bunden find. Seine tiefgründigen Forschungen auf diesem Gebiet haben begonnen, den Schleier zu lüften. Seeligers Wart vom „M a r s r u m m e I", geprägt auf der Naturforfcherversammlung in Wien, hat jetzt angesichts der Bekanntgabe phantastischer Pla- netentelegramme wieder eine erhöhte Bedeutung erlangt. Notizen. — Ein neues Verfahren der Schabblattkunst. Im Schaufenster der Vorwärts-Buchhandlung, Lindenstr. 2. hän- gen seit einiger Zeit käufliche Zeichnungen, Pastelle und Aqua- rclle des jungen Künstlers Hans Goetsch auS. Neuerdings lockt eine Schwarzweiß-Landschaft an, die das Ergebnis einer neuen graphischen Technik ist. Bei diesem Versahren wird das seit Jahren von Illustratoren benutzte Rastcrpapier mit schwach verdünnier Ausziehtusche gleichmäßig cingefärbt. Mit Radier- nadeln und Schabmessern werden die Lichter herausgekratzt(wie beim Holzschnitt). Dem Holzschnitt gegenüber hat die Technik Goetsch» aber einen viel größeren Strichreichtum voraus. Man kann die ganze Art Mehr eine malerische als zeichnerische nennen. Der Federzeichnung gegenüber hat die Technik eine viel größere Fernwirkung. Dies erhöht den Wert der Schabblätter als Wand- schmuck. Strichätzungen, die nach den Originalen angefertigt sind, haben nichts von deren Eigentümlichkeiten eingebüßt; die feinen Zlbstufimgen innerhalb der weißen Strichelungen fallen allerdings weg. — D i ch t e r a b e n d. Zu Alfred Lichten st eins fünftem Todestage veranstaltet Rest Langer mit Kurt Lubosch einen Abend am 26. September im Harmoniumsaal. Der Dichter fiel im ersten Kriegsjahre. — Graphik von Marcus Behmer zeigt jetzt da? Ka- binett Neumanu, Kurfstrsteudamm 232. Die Arbeiten stammen au» den Jahren 1833— 1919. — Das C Hb r t n e r Naturschutzland. Die Dürer-Ge- sellschcrst Grotz-Berlin veranstaltet am Sonntag, 2. September, eine F ü h r u n a durch das staatliche Naturschutzgebiet am Plage-S« und Plage-Fenn bei Chorin sowie Besichtigung des Kloster» unter Leitung R. SchmidS-Eberswakde. Auskunft schriftlich durch die Geschäftsstelle, Berlin W. 57, AlvenSiebenstr. 17. Ms dem„befreUen' Elsaß. lDrahlberichtunsereSElsasserKorr«spondenten.) Die elsässischcn sozialistischru Zeitungen„Der Republikanerin Mülhausen, die„Freie Presse" i» Straßburg und die„Bolls» tribune" in Metz, sind neuerdings unter strenge Borzeusur gestellt worden. Ihre Ausgabe darf nur nach Einholung behördlicher Genehmigung erfolgen. Ein Aufruf des Metallarbeiter» Verbandes zum Solidaritätsstreik für die Berg. » r b e i t e r wurde untersagt. /tas dem Rheinland. Man schreibt uns: Blättern wir heute die deutsche Presse durch, so müssen wir den trüben Nachrichten aus dem Rheinland zunächst etwas steptisch gegenüberstehen; denn es ist der Verdacht nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, dass die Kreise, die ein Interesse daran haben, daß der Verständigungswille tn Europa keine allzu großen Fortschritts macht, noch einem neuen Stoff Aus- schau halten, der die nationalen Leidenschaften immer wieder auffrischt. Vieles unter den Nachrichten, die aus dem besetzten Gebiet kommen, ist ja recht bitter. Da meldet die„Kölnische Zeitung", daß die britische Behörde die„Jugend", den.Simplicisstmui", den .Kladderadatsch", den„Phosphor",„Die Hilfe",«The World" und noch so manch anderes Blatt nickt einführen läßt. Stach dem WTB hat General F a h o l l e die Einführung der„Frankfurter Zeitung" in die französische Zone vom 12. bis 30. September verboten. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" vom 14. Sepieniber meldet aus Ludwigshafen, daß man den sozialistischen Abgeordneten Prosit nicht über die LoslösungSbestrebungen habe sprechen lassen. Der„Tag" weiß zu berichten, daß die Miliiärver» waltung der Stadt Z w e i b r ii ck e n der Stadt«ine Strafe von LffOOO M. auferlegte, weil sich die Person, welche die Kranznieder. legung am Bismarckdenkmal am 1. September veranlaßt«, nicht freiwillig meldete. Ein anderes unangenehmes Thema lautet:„Die französischen Offiziere im deutschen Gebiet". Und hier hakt die rechtsstehende Presse schon reckt kräftig ein. Trotzdem von amtlicher Seite darauf hingewiesen wurde, daß die Reichsbehörden daran stich. in jeder Hinsicht Abhilfe zu schassen und diese peinliche WohnungS- frage im besetzten Gebiet zu lösen, muß die Presse der Rechten doch verkünden, die Regierung, lässig und schwach wie immer, vergesse die Deutschen im Rheinland und unterstütze so indirekt die Los- lösungSbestrebungen. Widerlich ist es für die Wissenden, immer wieder mit ansehen zu müssen, wie gerade die Kreise, die ehedem für die besetzten Ge» biete die„Herren" stellten, jetzt über Unterdrückung und über den Uebermut der Sieger so beweglich klagen. Jeder Deutsche, der wahrend des Kriegs Gelegenheit hatte, in fremden Ländern, die wir besetzt hielten und mit.denen wir keineswegs mehr Krieg führten, zu leben, weih doch, daß der d e u t s ch e S i e ge r sich nicht weniger übermütig benahm als jetzt die Entente im Rhein- land. Die freie Presse. Gab es bei uns eine Prcßfveiheit? Die Einguartierung. Gab es da bei uns zuviel Noblesse? Gab eS bei uns Versammlungsfreiheit?„Lomme les princesl", so seufzten die Besiegten, wenn ste in ihren Häusern, in ihrem Wohlstand die Herren, die Sieger, sich gütlich tun sahen. Wir baben das„gute" Beispiel gegeben. Und allen denen, die sich in diesen Dingen nicht ganz srei von Schuld wissen, bleckt nichts, als resigniert zu wieder- holen:»Comm« les princesl". Die andern aber, die ihr Gewissen rein wissen, sollen die Regierung unterstützen in ihrem Bemühen, auf dem Wege der Versöhnlichkeit und der V e r- st ä n d i g u n g für die Bevölkerung der BesatzungSgebiete ertrag- liche Verhältnisse zu schaffen, damit all da« Schlimme als heilende Medizin, nicht aber als tötendes Gift wirkt. Die Wunde im Westen Deutschlands ist offen, und sie wird noch lange bluten. Aber bei allen Alarm Nachrichten aus dem Rheinland mögen die Leser zunächst etwas vorsichtig sein und nicht gleich richten und verdammen. Wenn schon aber verurteilenS- werte Dinge wirklich festgestellt werden, dann immer wieder an den alten Spruch denken:. Nur wer selbst rein ist, kann Teufel aus- treiben." Kein Kenflitt wegen der Umsatzsteuer. Die Alarmnachricht eines hiesigen MtitagSblatteS über einen Konflikt, der im Ausschuß der Nationalversammlung zur Vorbe- reitunz der Umsatzsteuer auS.gckrochen fein soll, ist, wie wir er- fahren, unbegründet. ES handelt sich lediglich mn eine sachliche Auseinandersetzung wegen deS zweckmäßigen Vorgehens. Die sozialdemokratische Fraktion will dre Umsatzsteuer erst beraten, wenn der Umfang und voraussichtliche Ertrag der übrigen Steuern feststeht. Fraktiviisbcsprechung. Donnerstag, den A. September, nach- mittags 3 Uhr, findet eine wichtig« Fraktionsbesprechung der sozialdemokratischen Mitglieder der Deutschen National» Versammlung im RcichStagsgebäude Zimmer 2S statt. Alle in Berlin wohnenden und von auswärts anwesenden Angehörigen der Fraktionen werden dringend ersucht zu erscheinen, da eS sich mn eine wichtige Entscheidung handelt. Der Fraktionsvorstand. Industrie und Handel. Börse. Die Streikmeldungea aus den Seestädten übten auf den heuti» gen Verkehr fast gar keine Wirkung aus. Di« Börse war vielmehr recht zuversichtlich gestimmt, wozu auch Meldungen beitrugen, daß die Mewllarbeiterbewcgung heute weniger pessimistisch zu be- uneilen sei. Das Geschäft war zum Teil recht lebhaft. Bevor» zugt tvaren wieder Kolonialpapiere und Petroleum- werte. Pomona notierten anfangs bis auf 3500, waren später mit 3300 immer noch 150 über gestern. Fester lagen auch Deutsche Kolonialantcile mit 1420, Southwest mit 230, Neuguinea mit 357, Otavi-Anteile mit 257 und Otavi-Genutzscheine mit 181. Sloman Salpeter waren mit 435 und Kaoko mit 81 etwas schwächer. Von Petreleumwerten heute auch Erdöl lebhaft gehalten. Das Papier setzt? die gestrige Steigerung heute um 8 Proz. fort. Auch Deutsch« Petroleum und Sieaua Romcma höher. Canada und Baltimore wenig verändert. Eine starke AufwörtSbewcgnng setzte in den Aktien der Orient- bahnen«in auf die Meldung von Verhandlungen über den Ver» kauf des österreichifchen Besitzes dieser Aktien an eine neuzu- bildende Orienigruppe. Das Papier gewann im Verlauf« 23 Proz. Schwächer lagen Türkische Tabak, die 7 Proz. einbüßten, auch Prinz Henrh stark rückläufig. Montanpapier« zeigten ge- teilte Tendenz. Gebessert waren Gelsenkirche ner, Bismarckhütt!. Oberkoks und Rombacher, dagegen Karo-Hegenscheidt, Kattowitzer, Harpener, Phönix und Luxemvurgcr schwächer. Am R ü st u n g S- markt Köln-Rottweiler fest, dagegen Sirsch-Kupfcr, Deutsche Waffen und Rheinmetall schwächer. Elektrische Werte etwas anziehend. Schiffahrtspapier« fest, besonders Hamburg- Südamerika. Kriegsanleihe leicht erholt mit 771/». Von älteren hsi mischen Anleihen die dreiprozentige» Wert« steigend. SroßSerlw Eine Cöpenickiade in Lehnin. Am 12. d. Mts. erließ in einem Lehniner Blatt ein Graf von Wernau eine Bekannlmachuna, worin milgeleilt wurde, daß die Gemeinde in den nächsten Tagen mit Einquartierung szirka 850 Mann nebst Regiments- und Baloillonsstab) belegt werde. In der Uniform eines Jägcroberleutnanls, angetan mit dem Pour le Merite und dem E. K. 1;- suchte der Herr Äraf unier Führung eines Gemeindeschöffen die passendsten Quartiere ans. Inzwischen hatte der Herr Graf selbst Onanier bezogen, pumpte überall auf Regimciilsunlosten, ließ sich täglich frisieren, feierte seinen Ge- burtslag bei Sekt und Tanz und verbesserte nebenbei auch seine irdiswen Güter durch Einkauf von Schmucksachen und Ausleihung von besserer Herrenwäsche. Für die gekauften Waren stellte er stets Schecks auf sein Konto bei einer Allensteiner Bank aus. Auch in den Nachbarorten machte er Quartier, und ließ er sich nach dort mittels Rei'efilbrwerks fahren, natürlich auf Unkosten der in Aus- ficht gestellten NegimentSkaffe. Daß er hierbei nebenbei auch noch kleine Privaipumps anlegte, hielt mau bei einem so vornehmen Grasen und Osftzier nicht weiter für verwunderlich. Such inter- eifierte er fich noch für gut geeignete, diebessichere Räume zur Unierbringung der NegimentSkaffe. Tie Truppe blieb aber von Tag zu Tag immer noch au«, und als man dem Herrn Grafen wegen des langen Ausbleiben« der ersehnten Sinquartierung— er hatte sa täglich Plotzmnfik, Konzerte und dergleichen in Aussicht gestellt— auf den Leib rückte, entschloß er sich, der Truppe, die aus Werder nicht einmal herauskommen wollte, persönlich entgegenzufahren. Er lieh fich zu diesem Zwecke «in Motorrad, fuhr nach Werder zu und kam nicht wieder. Der Gendarmeriewachtmeister brachte bald in Erfahrung, daß der Herr Graf fich in Werder aufhalte und am Sonnabendnachmiitag wurde er der Saitet und nach Potsdam gebracht. Dort wurde er wegen ähnlicher Schwindeleien schon gesucht. Es handelt sich um einen wegen Unterschlagung fahnenflüchtig gewordenen Offizier. Damit die regelmäßige Zustellung des„Vor»£ wärts" im nächsten Monat keine unlieb»«o same Unterbrechung erleidet, ersuchen wir£ uns ere Postabonnenten, das Abonnement für den Monat Oktober zum Preise von Z,— M?. exkl. Zu- stellungsgebühr, bei dem zuständigen Postamt schon jetzt zu bestellen.'4 WC Z '4 älpf£ H Vorwärts- Verlag G m S.td., Berlin n Zur Wohnungsvermittelung. Vom Schöneberyer Wohnungsamt wird irnS geschrieben: ES häufen sich die Klagen der Wohnungsuchendcn darüber, daß von Portiers, Hausverwaltern und selbst Hauseigentümern für die Ver- mittlung von Wohnungen Provisionen verlangt werden. ES wird darauf aufmerksam gemacht, daß ein derartiger Anspruch rechtlich keineswegs begründet ist. Sämtliche verfügbaren Wohnungen sind nach der Verordnung des Polizeipräsidenten in Berlin vom 13. August 1913 binnen 24 Stunden dem Wohnungsamt anzumel- den. Seiten? des städtischen Wohnungsnachweises wird sodann die Wohnung den dort vorgemerkten Wohnungsuchcnden angegeben und diesen anheimgestellt. mit dem Vermieter einen Vertrag abzu- schließen, der seinerseits wieder der Genehmigung des WoynungS- amteS bedarf. Falls zwischen den Reflektanten und dem Eigentümer ein Mietvertrag nicht zustande kommt, so kann da« Wohnungsamt die Wohnung beschlagnahmen und beim MicteinigungSamt den Ab- schluß eines Mietvertrages mit einem der Mietbcwerber beantragen. Da« Schöneberger Wohnungsamt bittet, ihm Fälle, in denen von Portiers, Verwaltern oder Hauseigentümern Unzulässigerwerse«ine Provision verlangt wird, sofort anzuzeigen, damit dieSseit« gegen solchen Wucher«ingeschritten werden kann. Ueberfall auf Sicherheitsmannschaften. Von der Sicherheitspolizei des Berliner Polizeipräsidiums werden wir um Aufnahme nachstehender Zuschrift gebeten: .Die„Freiheit" bringt in ihrer Morgenausgabe vom 23. 3. an- gebliche Uebergriffe der Sicherheitspolizei. Das Falsche der ganzen Vorgänge geht daraus am besten hervor, daß es Wachen der Sicher» heitSpolizei noch gar nicht gibt. Folgendes ist Tatsache: Am 17. d. M. wurden in Neukölln am Hermannplatz zwei Beamte der Sicherheitspolizei Hamburg über- fallen. Am 18. 3. wurden mehrere Beamte der Berliner Sicher- heitSwehr, die gar nicht im Dienst waren, und Angehörige der Reichswehr in derselben Gegend verfolgt mit dem Ruf„Bluthund", „NoSkehund" und dergleichen in den Kreisen der Anhänger der „Freiheit" üblichen Ausdrücken. Es sammelten sich schließlich 150 bis 200 Personen und belästigten die Beamten, deren Takt es zu verdanken war, daß sich keine größere Schlägerei entwickelte." Die veSerfilllung der Lnngenheilstütten wird in vielen Zu» schristen an uns beklagt. Welchen Erfolg soll der Heilstätten- aufenthalt bringen. Ivenn bis zur Aufnahme der Kranken ein halbe? Jahr hingeht? Einer, der im März bei der LandeSversichcrungSanswIt Berlin seine Aufnahme beantragte, er- hielt Anfang Mm den Bescheid, daß sie voraussichtlich in einigen Wochen erfolgen werde. Die„Voraussicht" erwies sich als falsch und dem Wartenden mußte Milte Juni auf mündliche Anfrage er- klärt werden, daß es nun noch 8— 10 Wochen dauern werde. Nach- dem er Anfang September schriftlich nochmals gemahnt hat, wartet er seitdem aus neuen Bescheid. Er befürchtet HinauSschiebung der Aufnahme bis zu dein Tage, wo von allen Leiden ihn der Tod kuriert haben wird. Kein M»rd. Rasch aufgeklärt wurde das Mordgerücht, daS gestern abend in der Kaiser-Wilhelm-Stcaße verbreitet war. Die Händlerin Witwe Beschnitt aus der Kaiscr-Wilhelm-Straße 54, die durch einen Sturz aus dem Fenster ihren Tod fand, ist keinem Ver» brechen zum Opfer gefallen. Das Gerücht verbreitete sich, weil vor dem Sturz Lärm aus der Wohnung gehört wurde. Die Erwitte- lungen ergaben jedoch, daß Frau Beschnitt an Verfolgungswahn litt und in einem Anfall« sellst den Tod gesucht hat. Ihr Sohn war zur Zeit des Unglücks gar nicht zu Hause, während Hausge- noffen vermuteten, daß er sich erst nachher entfernt habe. Zwei große Juwclendiebstähle am Kurfürstendamm beschäftigen die Kriminalpolizei. Es handelt fich in beiden Fällen um Woh- nungSeinbrüche. Der Ingenieur Schapiro. der im zweiten Stock des Hauses Nr. 181 wohnt, besuchte mit seiner Frau daS Theater. Unierdessen öffneten Einbrecher mit Nachschlüsseln die Haus- und die Wohnungstür, ebenso die Behälter in den Wohnräumen, und stahlen für 150 000 M. Juwelen, Silbcrsachen und Pelze.— In dem Hause Kurfürstendamm Nr. 65 wurde im Erdgeschoß die Bau- meisterswitwe Voadt schwer bestohlcn. Während sie in den Hinter- zimmern schlief, stahlen Einbrecher für 60 000 M. Vrillantringe, Armbänder, Silberzeug und Perserteppiche und Brücken. Unter dem Verdacht der Mittäterschaft oder Mitwisserschaft ist ihr 24 Jahre alte« Dienstmädchen verhaftet worden, das sich schon durch einen auffallend regen Telephonverkehr verdächtig gemacht hatte. Rückkehr Internierter. Die in Amerika gefangenen bzw. inter- nterten Angehörigen der Marine werden in allernächster Zeit in die Heimat zurückkehren. Am 25. September soll der amerikanische Truppeniransporter„Pocahontas" von New Dork nach Rotterdam in See gehen mit den Besatzungen der Hilfskreuzer Prinz Eitel Friedrich, Kronprinz Wilhelm, Eormoran sowie des Kreuzers Geher und des Unterseeboots U 53 an Bord. Außerdem gehört zu dem Transport ein« kleiners Gruppe der Besatzung des Kreuzers Karls- ruhe, die als Prifenkommando an Bord eines gekaperten Dampfers gewesen ist, und da« Prisenkommando des Dampfers Appam. Bequeme MüllablabrplStze. Ohne Rücksicht auf di« Volks- gefundheit benutzen verschiedene Fuhrherren alle möglichen Plätze, so auch die KarlSborster Rennbahn, als Müllabladeplatz.(öS wäre dringend zu wünschen, wenn die Polizei in solchen Fällen ein- schreiten würde, da nach gesetzlicher Vorschrift in einem gewisse« Umkreise Berlins kein Müll abgeladen werden darf. Diebstahl in der Nationalgalerir. Aus der Schmkekschsn Bau- akademie, in der ein TeÄ der Nationalgalerie untergebracht ist, sind gestern zwei wertvolle OcKfilder auf Holz von Lucas Cranach gestohlen worden. DaS eine stellt Martin Luther, das andere Philipp Melau chfhon dar. Beide sind ohne Rahmen und 3S mal 21 Fentimewr groß. DaS Oioldene Rad von Berlin. Auf der Olympia-Radrenu bahn wird am Sonntag das Goldene Rad von Berlin, ein Dauerrenne« über eine Stund«, ausgefahren. Es sind fünf der besten Dauer- sahrer engagiert worden, und zwar der Meisterschaftsfahrer von Deutschland Karl Saldvw, Friß Bauer. Franz Kruvkat. Rcttelbeck und Otto Pawke. Außerdem findet ein Fliegerfünfkampf statt, zu welchem der Weltmeister Arend, Stabe, Schräge sowie Ostermeier und Abraham zufammentrefsen. QVerfchSneweide. BolkSKorfitckhile. Parteiqenoffen, die sich an einer>'i oriwdcnden V o I l« h» ch s ch u l e betcilicen wollen, werden daraus dingewieien, daß die Anslepunq der EintrapungSliflen nur bis zum 2 7. d. M t s. uorqcscben Ist. Gewünschte Themen sind aus diesen zu ver- merl-n. Tie Lißen lieaen In den beiden goniilmverkaufsstellen, dem Ar- beitsnachweis der Metallarbeiter, dem Gemeindeamt sgstnmer 14), in der Drogerie von Preuß und im Zigarrengcjchäst von Bader aus. Groß-Berlkner Lebensmittel. Pankow. Von beute ab aus Abschnitt LI der allgemeinen Lebens» mitleltartc 0 Euppenwüriel(10 oder 15 PI). Wütenau. Von Freitag ab rnii Abichnitt 77 der Kroß-Berlimr Lebcnsmiiteltarte 250«ramm twaiSsabritale(1,45 M.). Abichmit 78 259 «ramm Marmelade 10,65 3».). Abschickt 119 der Einsuhr karte 250«ramm AuSIandSmedl(0,42 M,). Die Ware ist spätestens Sonnabend, den 4. Oktober abzuholen. Hroß-Serlkner partewachrichten. 4. Rh». Heute 8 Ubr: Zablabend In folgenden Lokalen: Bezirk 5t. 52, 54, 65 Haag, Kirchbachitr. 4; Bezirk 52. 6,'!, 64 Schmidt, RivenSIcSen- siraße 17; Bezirk 55—59 Paheuboier, Kiiriilrstenitr, 148: Bezirk 60, 61, 62 Zorn, Win'erscldtilr, 83; Bezirk 66—69 Nickcri, Steiumehitr. 36a. Knrl?!>or!t. Donneistag, 8 Uhr. im Restaurant.Bürgerbeim", TreSlow-Allce 83, Mitgliedei Versammlung. Vortrag der Vartcisekretärin Totcnhagen über:.Die Frau m der neuen Verfassung". OrtSangelkgcn- Heitin und Verschiedene«. HermSdork. Donnerstag Franenlefeabend bei Böttcher/ Waldleestraßc. Rofentlial-Rordend. Heute 8 Ubr im Lokal von Frl. Barlb. Mit- glkederversammiung. Genosse Dr. T i ch a u e r» Ebarlottenburg:„Reichs- versassung und Rrvolutson". Diskussion. Ketneindeangeleacti Helten. LSerbrallSschiist nie Post und Ztelegraphle. Sonntag, vormittags 9 Nlir, Bellevuestr. 7 II. Beginn des Nednerkmsus. Meldungen zu einem Einsühi ungStursuS in» wissenlchastlichen Sozialismus umgehend nach Bcllcrue- ilrasic 7 erbeten.— DonuerStaq, de» 25. d. MtS., abends 8 Uhr. Tempeiboser User 2, Schulaula, Versammlung sür alle Angestellten de'. Berwaltuna. TaaeSorduung:.Wir und das Betriebsrätegesey". Alles muh zur Stelle sein. Gäste willkommen. ?ugendveranftaltungen. Lichtenberg. Sonnabend 7 Uhr: Herbsiseicr im Tafä Bellevue, Hauplstr. 2. Mitwirkung des Bei lincr. Terzetts. Frl. Maria SchiPsmaimS. Einiahkarten a 75 Ps. sind zu haben bei Tälibert, Schainwcbelstr. 52 III Haudelmaiin. Weichielür. 9. Gartenbaus IV. Kmntber.«rüneberg-r Straße 16, I, gleemanu, GryptuuSstr. 13, Schulze, Simplonftr. 6, Beters, Türrschniidtirr. 30 IV, Malkwitz, Wagnerstr. 29, Schubert, Nttiergut- strahe 24 II._ Vorträge, Vereine und Versommlungen. Rrbeiter S amari er-Bund, Kolonne«rosi-Verlin. Bezirk Norden Abt. 2, Usedomslrasie 33 im Neslaurant, Freitag, TU Ubr, Prüfung bei Teilnebmcr. Die BezirlSversammiung findet der Prüfung wegen am 3. Oktober statt.__ HewerkschoflsbewMng Ver lebende Leichnam. Mit einer Gespreiztheit, die im richtigen Verhältnis zu feiner politischen Bedeutung steht, wendet sich Richard Müller in der„Freiheit" gegen den„Vorwärts". Angetan hat eS ihm unser Bericht über die Generalversammlung der Metallarbeiter, auf der Richard Müller die recht vernünftige Ausführung machte, daß ein Generalstreik der Metall- arbeiter niemals in einer Generalversammlilng beschlossen werden könne, sondern nur durch Urabstimmung in den Betrieben von den beteiligten Arbeitern. Im Anschluß daran hatten wir ausgedrückt, daß eS merkwürdig sei, wie schnell Müller sich den.veränderten Verhältnissen angepaßt habe, denn im Märzstreik dieses JahreS habe er noch verflucht, was er heute anbete. Die Beschuldigung, sich jetzt zu halbwegs vernünftigen Anschauungen bekehrt zu baben, darf Richard Müller natür- lich nicht aus sich sitzen lassen. Mit der gleichen Puthetik. mit der er einst gegen die Nationalversamiiiluiig donnerte „Nur über meine Leiche" usw.— donnert er jetzt gegen die „Vorwärls"-Rcdaktion. Aber wir wissen ja, damals wie heute nur Theaterdonner l Es lohnt Uch nicht, aus all die an den „Vorwärts" gerichteten Liebenswürdigkeiten auch nur mit einem Worte zu antworten, denn eigentlich hatte Richard Leichcn-Müllcr seit dem Zusammentritt der National- Versammlung gar keine Daseinsberechtigung. Er müßte längst Harakiri verübt haben. Aber auf eins müssen>vir, aus dein Geschreibsel doch ein- gehen. Richard Müller schimpft nicht nur auf den„Vor- wärts". er verdächtigt in der s ch o f e l st e n Weise auch seine Organisationsleitung: Er schreibt nämlich: Der„vorwSrts"-Redaklion muß bekannt sein, daß ein Streik der Berliner Metallarbeiter(von einem Generalstreik habe ich gar J Mitglieüerverfammlungen für öie weltliche Schule/»" nicht gesprochen) genau nach den Bestimmungen des Staiuts des Metallarbeiter- Verbandes geführt worden muh. wenn er vom Vorstand gebilligt und finanziert werden soll. Dazu gehört die im Statut vorgesehene Urabstimmung in den Betrieben. Würde die Berliner Organiiaüonsleitung a ich nur den kleinsten Vcrsiotz gegen drpie Bestimmung»ulasien, dann hirtte der Vor- stand die ernriigschtc Gelegenlieit, den Stre k zu sabotieren. Aber auä, die Drahtzieher der Rechtssozia litten warten nitr auf eine solche Gelegenheit, um die ihnen verhaßte Drgnnisationslcituug, wie auch de» Streik, unmöglich zu machen." Armer Richard! MuU du setzt schon Sündenböcke für deine und deiner Kumpanen glänzende Gewerkschaftsstrategie suchen? Tas wäre ein schlechtes Zeichen I fmein in den Zcntralverbcnd der Angestellten! it diesem Thema hatte der Zcntralverband der Angestellten eine öffentliche Versammlung im großen Saal der Börse einberufen. In der tiberfüllteu Versammlung fühlte Belbandsvorsitzender 5k a r I Giebel aus, dost die Parole: Hinaus aus den Hormonte- verbänden den Führern jener Vereine bereits auf die Nerven ge- fallen sei. Allein der Zusammenschluß der Bureauangestellten und Handlungsgehilfen habe eine gewaltige aufrüttelnde Wirkung. Die Angestelllenichat'l erkenne immer mehr und mehr, welche Organisation am rückhalts'.oiestcn ihre Interessen verirrte. Tie KriegSzeit habe den Angestellten gelehrt, daß es leine Harmonie zwischen Arbeitgeber Und Angestelltenschafr gebe. Der itopiarbeiter habe genau wie der Handarbeiter yur seine Arbeitstrast. Die Angestellten sind Lohn- orbeiter wie jeder andere Arbeiter. Statt gegen den gemeinsamen Feind zu kämpfen, ergehen sich die bürgerlichen Verbände in radikalen Phrasen und känipsen— besonders der Deutsch- natronalj HandlungSgehilsenverband— gegen die weiblichen Angestellten. Sie hoffen immer noch auf eine Verständigung zwischen Kapital und Arbeit. Das Unternehmertum habe jahrzehntelang Zeit gehabt zu einer Verständigung! jetzt verlange die Äugest. lltcnschast Gleichberechtigung. D'e Gründung des ZentralverbandeS der Angestellten müsie ein Signal für die Angestellten sein. Die tveileren Anssührlingen gestalten sich zu einer energischen Abrechnung mit der Taktik der gcgneri'chen Verbände. Eine bekannte Zigarettenfirma in Dresden habe den gegnerischen Verbänden in letzter. Zeit noch stlMO M. zur Verfügung gestellt. Die Angestellt-n müssen sich, um ihren Kamvf durchführen zu können, geschlossen in dem Zentralverband organisieren.(Stürmischer Beifall.) Trotz mehrmaliger Aufforderung meldeten sich keine der Gegner zur Diskussion. Eine Resolution, die sich mit den Aussührunoen Giebels ein- verstanden erklärt, wurde gegen eine Stimme angenommen. Tie Berianunelten erkennen darin an, daß eine starke geWerk- s ch a s t l i ch e Organis akion notwendig sei und e r- blicken diese in dem Zentralverbgnd der An« g e st e l l t e n. Die Harmonreverbände können sie als Gewerkschastcn nicht anerkennen und verpflichten sich, soweit sie diesen Verbänden noch angehören, ihnen den Rücken zu kehren. Erfolge der Bäcker in der Schweiz. (Eigener Trahibericht des„Vorwärt s'.) Beru, 24. September. Eine Vereinbarung zwischen Meistern und Arbeitern des Schweizer Bäckereigewerbes setzt für die Woche einen KOftündigen Arbeitstag unter Abschaffung von Nacht- und Sonntags- arbeit sowie Einführung eines arbeitsfreien Wochentages fest. Weitere Klagen auS dem Statistischen Reichsamt. Vom Verband der Bureauangesiellten wird uns geschrieben: Der Leiter des Statistischen Reichsamts am Lützowuser 6/8, Herr Präsident Dr. Delbrück, ist anscheinend wenig geneigt, sicv den Verhälinissen des neuen VolkSstaates in bezug auf die Regelung jener Berhätlnisie, tvelche seine Lohnangestellten betreffen, anzu- paffen. IeqliSem Forlschritt, und sei es der geringste, stemmt er sich gewattsam euigegen und berust sich immer wieder auf die ihm vorgeieyte Behörde, z. B. das ReichSwirlschastsaml. Deshalb darf man sich auch nicht wundern, wenn einige direkt unterstellte höhere Beamte, B. Dir. Zacher, Geheimrat Jürgens und Gcheimrat Grosse dem Präsidenten veriuchen nachzueifern und sich in ganz selbstversiänd- lichen, zeilgemätzenPerionalsragen genau so ablehnend verbaltell- Seit Jahren bemühen sich die Angestellien um die Umbildung der bisher gezahlten Tageslohnsätze in Monatsgehälter. Durch Eiiiliitt der neuen Bcrhältnisie wäre eS im Lause der letzten Monate für Prä- sident Dr. Delbrück eine Kleinigkeit gewesen, seiner vorgesetzten Be- bö-de entsprechende Vorschläge zu machen, wenn er das Wohlwollen besitzen würde, daS er immer vorschützt. Erst durch die Organi- tation gelang eine Regelung dieser»Angeleaenheit. Kraukbcitsiaae werden noch henie den Angestellten nach mehr als zehnjähriger Dienstzeit vom Einkommen gekürzt. Die Arbeitsräume bedürfen reilweise einer dringenden Reno- vierung bzw. Umgestaltung, weil sie zum Teil unhygienisch find. Die Sauberkeit in den Räumen läßt vieles zu wünschen übrig. Unier solchen Umständen ist es kein Wunder, wenn den Anaestellten gesundheitliche Gefahren drohen, noch zumal eine Desinsizierung von Räumen bisher nicht vorgenoinmen wurde, trotzdem dort Lungenkranke tätig waren, welche leider an ihrem Leiden zugrunde gingen. Es ist mehr als anssällig, daß Präsident Dr. Delbrück als Leiter des Amtes eS nicht für nolwendig hält, sich einmal durch Augenschein von der zum Teil vollkommen unzulänglichen Art un.v Ausstattung der Arbeitsräume zu überzeugen. Einen großen Teil an der Schuld der im Statisiitchen ReichSami bestehenden mißlichen Verhältnisse trug jahrelang Geheimrat Jürgens als Personalreierent. Es entzieht sich unserer Kenntnis. ob vorgenannter Herr auch heute noch indiretter Ratgeber für den Präsidenten ist. Die Angestellten vermuten dies allerdings stark. Den Angestellten ist damit nicht gedient/ wenn sie, wie es aerade setzl seit Monaten geschieht, immer nur schöne Reden und Vertröstungen hören, sondern sie erwarten nun endlich einmal, daß man sich ein wenig um die bedauerlichen Zustände kümmert und schnellstens Abhilfe schafft. Eine überfüllte Versammlung der Gemeindearbeitcr Lichtenbergs nahm nach einem Vortrag des Kollegen Prenztow über„Betrieb-- orgonisalion und Betriebsräte" folgende Entschließung an:„Dir Versammlung erkennt die EntWickelung der Gewerkichaitsti zur Be- triebSoraanisation im Interesse des Zusammenarbeitens der Be tricbsräte und Verbände als unbedinat notwendig an. Dock mus die Entwickelung dazu nicht durch Austritt aus deu Verbänden. sondern durch Anpassung der bestehenden Organisationen an die revolutionäre Entwickelung der Neuzeit gesörderi werden". Wegen dem Antrag deS Betriebsrates, betreffend Entschuldimg? ijimme, soll noch einmal mit dem Magistrat verhandelt werden. Teuttcher Troiisportarbeitcr-Berband. Hausdiener. Packer um aus den Vlichdruckcreicn imd ZcitungSbctrieben: Vertrauens männer i i tz u n g cm Freitag, den Lß. September, nachm. b Uhr, bc Wegencr, Sevdelstr. SO. Bsr anchenverlammlung Montag, dci Sb. September, nachm. 5 Uhr, Köntgstadt-Kcsino, Holzmarititr. 72. ✓ Die Branchenlcttung. Verantw. nie den redaktlon. Teil: Astred Tcholii, Neutölln: fllr Anzeigen: Tdeodo» Glocke, Berlin Verlag: VorWärts-Berlog<5. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei und VerlogsanklaU Paul Tinger vu Co. in Berlin. Lindenltr. Z. vsm llepn Mg-.«!«-iM."».!«.»! EleklromotorB dnS tti|. U Gleiciisirom;: Orehsirt Runzeln, schorl- gllge. gräden- siitze, Stirufgllen verichwiudcn kinzig nur«ach bwlogisch. Ber- tllhreg durch guftihrung licuer dem natiirUchen Hautsrtt nmig „Otano". Die welkende Haut und erichlafftenDcsiv 62, A-iteldeckstr. 14. Ecke Kleisistrahe. 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