Nr.493.36.I»chrs. Bezugspreis t tüertellShrl. Ml» numafHr— Wl frei ins Hau», voran, zahlbar. Post» bezug: Monatlich V- Ml.«rv. Zu- ftellungsgedühr. Unier Kreuzband für Deutschtand und Oesterreich-Ungar» SLö Ml. für da» lidrtg, Ausland I0.2ÖML, bei tSglich einmal. Zustellung ?Lt> Ml. Postbestellungen nehmen a» Dänemark Holland, Luxembudg, Schweden u. die Schweiz. Singetrage» in die Poft-geitungs-Preislist». Der„BorwSrts' mit der Sonntag«- deilage»Boll u. geil' erscheint wochea- täglich zweimal. Sonntag, einmal. Telegramm-Adreff»: .Sozlaldemolrat Berlin*. AbendAnsgabe. Vevlinev VolksblAtt. ( ISPfennSg) LluzeigenpreiS: See achtgeivalt.ne RonpareDez»!!« tastet lLO Md.»leine«n,«igen*. da» fettgedruSte Wort« Pfg. lzuläfstg » fettgedruilte Worte), lebe» weitere Wort«st Ptg. Etellengeluch« und Echlafstellenanzeigen dar erst» Wort Ist Pfg. lebe« weiterr Wart Ist Pfg. Worte Ober Id Buchstabe» zählen für zwei Worte, Zeuerungszufchlag äst»/» Familten- glnzeigen.»oliiilch« und gewerkschaftlich» Verein»- Anzeige» ILN Mb die Aeile Suzeige» für In« nächste Nummer müssen bi» 5 Atze nachmittag» un Hauptgeschäft. Berlin TW 68. Lindenstraß» 3, abgegeben »erde» Seöffnel oon» Uhr früh bi» I Uhr abend« Zcntvtiorg&n der fozlaldemokrati fchen Partei Deutfchlanda. Keöaktion und Expedition: EW. 6$, Lindenstr. Z. Retnfüredjer: Aurt Morittpla«, Rr. tätS«— tSTv?. Freitag, den A3. September ISIS. vorwärts-verlag S.m.b. h., EW. öS» Lindenstr. Z. Fcrusprrchrr: Amt Mortifpla». Nr. lI7SS~M. Rumänien ar In der Antwort Rumäniens, die C l e r k. am Sonnabend in Paris dem Rate der Fünf überreichen lpird, wird Rumänien sich bereiterklären, die rumänischen Truppen aus Budapest gänzlich zurückzuziehen und mit den Verbündeten an der Wiederherstellung der alten Ordnung in Ungarn mitzuwirken, sowie dem Ausschuß für die Wiederherstellung die Liste der seit dem letzten Feldzug beschlagnahmten Materialien vorzu- legen. B r a t i a u u spricht jedoch die Hoffnung aus, daß die Mächte den Rumänen die Gebiete zurückgeben werden, die sie besetzt hatten. Rumänien bitte um die Aufhebung der Blockade, die Frankreich im Gegensatz zu England nnd Amerika nicht auf Äricgsmaterial beschränkt, sondern auf Güter von Privatleuten ausdehnt.. Ferner erklärt Bratianu in einer Note an Frankreich, daß er die Bezahlung des Äricgömatcrials verweigern würde, welches die sran- zösischen Firmen im Werte von 50 Millionen Frank geliefert haben, wenn die Schiffe, die nach Rumänien in See gehen sollen, keine Ladung einnehmen dürfen. Schwere Nieüerlage öer Holjchewiften. Nach einem Telegramm auS Warschau ist die große Schlacht bei K r a k l z w§ k i an der D ü n a nach zehntägigem Verlauf mit einem vollständigen Sieg der polnischen Truppen rnt- schieden worden. Bedeutsame bolschewistische Streitkräfte wurden umringt und aufgerieben. Dir Polen machten über 1500 Gefangeue; außerdem wurde viel Kriegsmaterial erbeute». DaS ganze Südufer der Düua zwischen Dünaburg und D i S n e ist in polnische« Besitz._ Verkehrsaufnahme in Wien. Nach Abschluß der Berhaudlungen der österreichischeu Regierung«. Vertreter gab Staatssekretär Zrrdtk die telcphonische Weisung an das StaatSamt für Handel und Ardeiten nach Wien, zu verfügen, daß Montag früh der Straßenbahnverkehr wieder- aufgenommen wird. Dir österreichischen Vertreter fahre» Freitag abend nach Berlin weiter. Die Welle ües Antisemitismus. Am Donnerstag erschien der Vertreter der Ver- einigten Staaten Mr. Halsten beim Staatskanzler Nenner und richtete an ihn die Anfrage, ob die Gerüchte, daß Judenverfolgungen bevorstünden, begründet seien. Halsten erklärte, er würde es bedauern, wenn solche Ereig- nisse einträten, weil sie die öffentliche Meinung der Vereinigten Staaten gegen Deutschö st erreich beinstussen müßten. Slaatskanzler Renner gab Halsten alle beruhigenden Aufklärungen und versicherte, es seien alle Vorkehrungen gc- troffen, um Gewalttätigkeiten hintantzuhalten. Anlaß hatte zu dem Gerücht ein vom Deutschen Volksrat in Wien veranstaltetcr Umzug gegeben, der zu Demonstrationen vor dem Gebäude des„Abend" geführt batte, weil dieser sich gegen den Umzug erklärt hatte. Der Antisemitismus, der bisher hauptsächlich in Deutschland seilte unsaubersten Blüten gezeitigt hat, wird nachgerade durch eine Art von Massensuggestion zu einer i-n t e r- n a t i o n a l e n E r s w e i n u n g, an deren Bekämpfung mit internationalen Mitteln herangetreten werden muß. Ein Hilfswerk für Deutschlanü. Haag, 25. September. Die Leitung des N i e d e r l ö n- dischen Roten Kreuzes vepschickt ein R u n d f ch r e i- den. in dem auf die traurigen'Lebensmittelver. bältnisse in Deutschland und auf die erschreckende Zunahme der Sterblichkeit hingewiesen und die nieder- ländische Bevölkerung in warmen, herzlichen Worten anfge- fordert wird zu einem Hilfswerk, mit dem bereits begonnen wurde, durch Gaben an Lebensmitteln beizusteuern. In dem Aufruf wird darauf verwiesen, daß die erste, schon nach Deutschland geschickte Sendung jetzt unter Aufsicht des Delegierten des Niederländischen Roten Kreuzes für Deutschland, Dr. von Brucken-Fock, auf verschiedere Orte Teutschlands verteilt werde. Das Niederländische Rote Kreuz hat nunmehr die Ab- ficht, das Hilfswerk im Einvernehmen mit» den deutschen Be- Hörden zu zentralisieren und die aufzukaufenden Lebensmittel nach zwei noch näher zu bestimmenden Orten, vermutlich in Thüringen und im H a r z, zu schicken. Tort würden die unterernährten Kinder von den deutschen Behörden in besonders großen Einrichtungen untergebracht cherden, und die Verteilung der aus Holland kommenden Lebensmittel an Ort und Stelle unter niederländischer Kontrolle vor sich gehen. Dem Rundschreiben ist eine Empfehlung eines Aus» schusses, der sich zu diesem Zweck gebildet hat, beigefügt, in l öie Entente. » dem alle Holländer aufgefordert werden, den„sympathischen Plan" zu unterstützen. Dem Ausschuß gehören der Kriegs- minister Jonkheer Alting von Geusen, der Oberhofmarschall der Königin Graf van Bylant, der Staatsminister Cort Van der Linden, der Vorsitzende der Zweiten Kammer Fock, der Oberkommandierende der Land- und Seestreitkräfte General- leutnant Pop und andere amtliche Persönlichkeiten sowie her- vorragende Mitglieder der holländischen Gesellschaft an. Der Konflikt in Kurlanü. Im Korpstagesbefehl des 6. Reservekorps ist folgender Schriftwechsel veröffentlicht worden: Zwischen dem Führer des 6. Reservekorps Generalmajor Graf von der Goltz und dem Chef der Ententemission in Riga hat fol- gender Schriftwechsel stattyeftinden: „An den Kommandierenden General de? 6. Reservekorps. In Ihrem Schreiben liv Nr. 584 vom 4. 9. ist bedauerlicherweise bemerkt, daß Ihre Regierung die Gefahr ungesetzlicher Handlungen deutscher Soldaten in Kurland voraussieht. In Anbetracht der Zeit, die verstrichen ist, seitdem Paris den Befehl gab, die deutschen Truppen auS Kurland herauszuziehen, und der SiedlungSprapaganda, die während dieser Zeit unter den deutschen Truppen getrieben worden ist, ist es unwahrscheinlich, daß irgend jemand anders für den augenblicklichen Stand der Dinge verantwortlich gemacht werden kann, als die deutsche Führung. Zur Vermeidung irgendwelcher Irrtümer wollen Sie mir bftte sobald wie möglich eine Liste derjenigen Leute einliefern, die sich selbst außerhalb deS Gesetzes gestellt habe». gez.: Alfred Durt, Brigadegeneral, Chef der alliierten Militärmission." Darauf erfolgte die Antwort: „An den Chef der alliierten Militärmisiion, Riga. Zu Ihrem Schreiben vom 10. 9. B. M. R. G. 34, überreicht am 15. 9.: Ein Eingehen auf Ihre Gedanken in den beiden ersten Ab- sätzen Ihres Schreibens lehne ich ab. Im letzten Absatz Ihres Schreibens wagen Sie es, mich zu ersuchen, Ihnen einzelne meiner Landsleute als Schuldige an- zugeben. Ich sehe in dieser Zumutung«ine schwere Beleidi- gu n g meiner Person und des deutschen NationalgesüKS. Ich möchte Jbnen daher raten, derartig niedrige Ansinnen in Zukunft weder mir, noch meinen Untergebenen zu stellen. Ich würde gezwungen fern, jeden Verkehr mit Ihnen abzubrechen und jeden Engländer ans dem noch von deutschen Truppen besetzten Gebiet auszuweisen, da die Sicherheit alliierter Missionen, die den deutschen Nationalstolz absichtlich und schroff verletzen, tmSge- schlössen ist. Ich werde Ihr Schreiben meiner Regierung vor- legen und bin überzeugt, daß diese Ihrer Regierung durch den berufenen Vertreter des Deutschen Reiches, den Mmistet des Auswärtigen, die würdige Antwort geben wird auf dieses schimpfliche Ansinnen, das eine alliierte Kommission einem deutschen General im Auslände stellen zu dürfen glaubt. gez. Graf von der Goltz." Mit dem Frieden sollte die Zeit gekommen sein, wo die Politiker reden und die Soldaten schweigen. Uns dünkt der Brief des englischen Generals in der Sache ebenso un- politisch, wie der Brief des deutschen Generals im Ton. Die Forderung des englischen Generals ist beleidigend für deutsche Gefühle, aber der deutsche General ist in einer üblen Lage, wenn er sich aufs hohe Pferd setzt, solange er nickt imstande ist, den Befehlen seiner Regierung Danackacktung zu sckaffen. Graf v. d. Goltz hätte sich in dieser Angelegenheit mit der Regierung ins Benehmen setzen müssen. Tie Regierung konnte ihn dann anweisen, der englischen Forderung nicht nackizu- kommen, mußte aber zugleich Garantien dafür bieten, daß ihr Befehl an die deutschen Truppen, Kurland zu räumen, unver- züplich befolgt würde. Wegen Soldaten, die den ilmen erteilten Befehl nicht befolgen, wird sich Teutschland nicht in neue internationale Konflikte stürzen. Militärische Eigenmächtig- keiten kann es und wird es nicht dulden, weder von Generälen, noch von ihren Untergebenen., Großherzogtum oüer Republik! Am Sonntag findet in Luxemburg die Volksab- st i m m u n g über die neue Verfassung statt. Die Luxemburger werden über zwei Fragen abstimmen: ob sie die heutige D y n a st i e behalten wollen oder eine R e p u- b l i k vorziehen. Die zweite Frage betrift das Wirt- s ch a f t l i ch e P r o l e m, n ä m l i ch, ob Luxemburg ein '''h tichcftlichcs Bündnis mit Frankreich oder mit Belgien schließen oder künftig selbständig bleiben Will. Was kann und soll die Internationale! II. Existieren in der politischen Arbeiterbewegung ähnliche, allen gemeinsame, in näherer Zukunft erreichbare Ziele? Zuvörderst einmal dia� Aufstellung und Fortbildung der u n- verrückbaren sozialistischen Grundprin- z i p i e n. Hter läge allein eine Aufgabe von gewaltigster Bedeutung, die auch vor keinem anderen Forum gelöst werben kann. Diese Grundprinzipien sind heute derartig ins Schwanken geraten, daß der Sozialismus mit ihrer Nor- mierung beinahe von vorn beginnen muß. Die syn- dikalistischen Strömungen haben die Frage des Parlamen- tarismus oder der direkten Aktion von neuem aufs Tapet ge- braelst. Schroff stehen sich überall die Vertreter der demokra- tischen und der antidemokratischen Anschairirngen, einer alle anderen Klassen ausschließenden Räteregierung und eines organisch entwickelten, den Parlamentarismus ergänzenden gesetzlichen Rätesystems goaenüber. Hier wäre eine eingehende Diskussion und ein unzweideutiges Votum der Internationale von entschiedener Wichftgkeit. Alle Richtungen sollten als Grundlage dieser Diskussion in ausführlichen schriftlichen Darlegungen vorher ihre Aus- fassungen entwickeln, so daß ein einwandfreies Material vorhanden wäre, auf dessen Basis sich die Debatte entsailen könnte. Gewiß wird man nicht annehmen dürfen, daß mit solch einer internationalen Entscheidung diese die Köpfe und Herzen so leidenschostlich entslamnienden Probleme nun endgültig eine Lösung fänden. JÄ>e derartige Urteilsnormierung hat schließlich nur den Sinn, den tatsächlichen Stand einer Frage in einem gegebenen Zeitpunkt festzustellen: die Ge- schichte geht darüber hinaus ihren Weg und läßt neue Lösungen und Problemiiellungen austauchen. Für eine b e st i m m t e Epoche jedoch kann das Volum der Internationale die Klärung außerordentlich' fördern. schon dadurch, daß sie die Parteien einander gegenüberstellt und sie zur gegenseftigen Aussprache zwingt. In den gleichen Ausgabenkreis wäre ein Urteil ü der die russischen B o I s ch e w i st e n gefallen. Die Bolsche- misten selbst unterwerfen sich ihm freilich nicht, da sie der Internationale nickt mehr angehören. Dennach hätte ein sol- ches Urteil unendlich viel Gutes bewirken können. Vor aller Welt hätte es den Sozialismus von seder Gemeinschaft mit seinem Zerrbild gelöst nnd den Bolschewismus dahin ae- wiesen, wohin er gehört: zu seinen zaristisch reaktionären Brüdern im Geiste. Damit konnte man den russischen Gc« nassen einen wahrhasten und long? von ihnen geforderten Dienst�erweisen; die ganze sozialistische Welt hätte sie in ihren Schutz genommen und ihren gewissenlosen Verfolgern die ihnen gebührende Verachtung ausgesprochen. Hier war es direkte Pflicht der Internationale ein- zugreisen, da die Bolschewisten einmal den Namen des So- zialismus usurpieren und schänden. Aber dieser Pflicht ba: sie sich nicht nur entzogen; sie gefällt sich geradezu in schonen- dem Entgegenkommen gegen den Bolschewismus. In dem ewig wiederholten Protest gegen die Enteutcintervention liegt ja schon sein Einreihung in die sozialistischen Parteien und gegenüber den leidenschaftlichen Anklagen der russischen Genossen wollte sie ihre strenge„Objektivität" beweisen und versteifte sich deshalb auf die Notwendigkeit der Ernennung einer U-n tersnchnngskom Mission, deren Feststel- lungen den gleichen Wert hätten wie etwa die Reisen der �llionarchen, die sich über das Leben ihrer Landeskinder unterrichten wollen. Zweifelt doch wohl niemand nach allen bisherigen Heldentaten der bolschewistischen Führer daran. daß sie vor keinem Mittel des Betrugs und der Fälschung zurückschcueu würden, um diese Untersuchungskommission irrezuführen und zu verdächtigen. Hier versagte die Internationale, weil sie eben vor klaren Entscheidungen überhaupt zurückweicht und ihre Aufgabe im Gegenteil darin zu sehen scheint, glcicksviel durch welche Mittel ihre Mitglieder nur z n s a m m en z u h a I t e n. Und damit begab sie sich leider zugleich einer weiteren Ein- flnßmöglichkeit. Sie hätte mit einem scharfen Tren- n ii n g s st r i ch nicht nur den Sozialismus vom Bolscbe- wismus, sondern auch all die schwankenden G c st a l- t e n aus ihren eigenen Reihen abschütteln können, die lwlt- los zwischen den Parteien der Sozialdemokratie und dem sogenannten Konimiinisiiius sin Wahrheit: Bolschewismus� umberpendeln und so die politische Kraft des Sozialismu? in allen Ländern untergraben. Besser, daß die in Wahrheit schon bolschewistisch Verseuchten zur Tritten Internationale gehen und sich so auch in den Parteien von den anderen sondern, als daß das Gift sich überall bineinfrißt, alles ver- uneinigt ud scdc AktionSfäbigkcit lähmt. Neben diesen speziell sozialistischen Aufgaben bliebe dann die Aufstellung allgemeiner Gerechtigkeits- f o r d er u n g e n alS Richtmaß besonders der außenpoliti- scheu Völkerbeziehungen gewiß immer wertvoll und not- , Denn keine VeidÄKends Gruppe o5er Parkei außer der Sozialdemokratie vertritt im politischen Leben diese Fordenmgen prinzipiell, und besitzt die Internationale auch nicht die Macht ihnen gegenüber den widerstrebenden Ge- walten privater und nationaler Eigeninteresten Geltung zu leihen, so bringt sie sie doch langsam dem Gewissen der Volker als p o l i t i s ch- s i t t l i ch e Ziele zum B e w u ß t s e i n. Dahin gehören die Grundsätze eines wirklichen Selbstbestimmungsrechts der Nationen, kultu- reller Autonomie ftir alle versprengten fremden Volksteilc, gerechter Verteilung des Kolonialbesitzes nach der Produk- tionsfäbigkeit der Länder und dergleichen. Aber wir niiissen uns wie gesagt darüber klar sein, daß mit alledem keine Taten vollbracht, sondern nur ein gewisser geistiger Einfluß geübt, den Genossen eine ungefähre Richtschnur fiir die' Orientierung ihres politischen Handelns"gegeben werden kann. Den großen Aufgaben gegenüber, die sich die Jnter- nationale von jeher stellte, mag es nüchtern und allzu kritisch klingen: aber es dürfte dennoch richtig sein, wenn wir heute eingestehen: unbestreitbare reale Bedeutung bat sie gegenwärtig nur in einem einzigen Punkt: sie ist der Boden, auf dem sich die entfremdeten Geister wieder zusammenfinden, sich von neuem mensch- lich nähertreten, wo Mißverständnisse geklärt, falsche Urteile rektifiziert werden können, und sie kann vor allem die Zun- tralstelle bilden, durch die dauernd von Volk zu Volk, von Partei zu Partei absolut wahrheitsgetreue In- f o r m a t i o n e n gegeben werden können. E i n Beschluß wurde jetzt in Bern gefaßt, der, wenn er im rechten Sinn zur Ausführung gelangt, unmittelbar Gutes zu wirken ver- mag: der wenigst beachtete von allen: der der Einrich- tung eines ständigen internationalen P r e s sie d i e n st e s. Nock immer machen wir'>'ns in der Oeffentlichkeit nicht klar, was durch die Lügenhaftigkeit der Presse in der Welt gesündigt wird. Furchtbare Beispiele dieser Preßvergiftung hat uns der Krieg geliefert: aber bis, heute haben wir dar- aus nicht allzu viel gelernt, und nach wie vor glauben selbst die sozialistischen Parteien der Arbekterschast einen Dienst zu erweisen, wenn sie um angeblicher Partei- oder Volks- interessen willen die klarsten Tatsachen vcrsichiveigen, um- Modeln, oder, wenn es ihnen zweckmäßig scheint, auch in ihr Gegenteil Verkehren. Das ist von Sozialisten freilich doppelt und dreifach verwerflich: doch auch ihnen ist eben die Grundvoraussetzung politischer Moral und damit poli- tistchen Fortschritts noch längst nickst ins Blut gedrungen: die Pflicht u n u m st ö ß li K e r Wahrhaftigkeit. Hätten sie sämtliche Genossen anerkannt, vieles wäre im Kriege nicht geschehen, der furchtbare Ausgang fiir Deutschland und die ganze europäische Welt vielleicht abge- wandt worden. Man hätte bei uns bei Zeiten begriffen, wie es im Elsaß stand, daß in dem Entgegenkommen an die Sehnsucht der dortigen Bevölkerung nach dem Wiederau- schluß an Frankreich eine Möglichkeit zu rechtzeitigem Kriegsabschluß lag, und die deutsche Sozialdemokratie bättc den? Rat gefolgt, den ihr Branting bereits im ersten Kriegs- fahr gab: auf solch ein Entgegenkommen hinzuwirken. Und nach der großen russischen sozialistischen Revolution, nach den deutschen Siegen in Rußland? Wie durste es möglich sein, die Totsachen so zu verdrehen, daß man Erklärungen einer interessierten Oberschicht für die Selbständigkeit der rnsfischen Rand stauten zu Volksvoten umbog und die Oeffentlichkeit so an den Absplitteruugswillen der Rand- staateuvölker glauben ließ? Wie anders als durch" lügen- hafte Berichterstattung blieb hier die skandalöse Ver- bindung der deutschen Ober st en Hesreslei- tung mit d e n russischen B o l s ch e w i st e n f ü h- r e r n verborgen, die in Rußland so namenloses Unglück vorbereitete? Ja, um ein Beispiel aus der letzten Zeit zu nennen: Wäre nicht längst eine ganz andere Verständigimg zwischen den französischen und deutschen Sozialisten erfolgt, eine Reibe schwerer Mißverständnisse vermieden worden(wie die falsche Beurteilung der Ziele des zum 20. und 21. Juli von der englischen, französischen und italienischen Partei ange- kündigten Generalstreiks), wenn eine allseitig kon- tro liierte Quelle existiertei die den wirklichen Sach- verhalt mitteilte und feststellte? Aber freilich: eine allseitig und einwandfrei kontrollierte Quelle. Ter bloße Beschluß, wie er in Luzeru gefaßt ist: ein Pressebureau zu errichten, dem die Parteien jedes Landes in bestimmten Intervallen eiw Com- mnniqne über alle für den Sozialismus wichtigen Ereignisse übersenden, genügt noch nicht zur Feststellung der Wahrheit. Auch innerhalb der einzelnen Parteien grassiert ja die Lüge, und die Mehrzahl der Genossen läßt sich so sehr vom Parteiinteresse bestimmen, daß nur durch gegen- seitige Kontrolle die Wahrhaftigkeit garantiert werden könnte. Ein System zu entdecken, durch das jede M e i- nungsfälschiing unmöglich gemacht würde, dürfte nicht schwer sein: es wäre schon gegeben, wenn man jede bedeutendere Richtung mit zur Berichterstattung her- anzieht.» Es wäre viel gewonnen, wenn einmal diese Forderung mit strenger Konsequenz erfüllt wird: aus- dem kleinen An- fang könnte sich manches Große entwickeln. Wally Zepler. die Steuerberatung. Wie zu erwarten war, hat sich in der Frage, die die letzte Sitzung der 16. Kommission anschnitt, ein Ausweg gefunden. Die sozialdemokratische Fraktion hatte bekanntlich beantragt, die. Beratung der Umsatzsteuer bis zur Erledigung der direkten Steuern auszusetzen, während die Vertreter der Regierung auf die Dringlichkeit hinwiesen, das Gesetz bis zuni 1. Januar fertigzustellen. Die sozialdemokratische Fraktion hat sich jetzt damit einverstanden erklärt, die Beratung fortzusetzen, aber dabei die Festsetzung der Steuersätze vorläufig aus- zuschalten. Damit wird der Vorwurf, eine dringende Geststz- gebungsarbeit verzögert zu haben, von der sozialdemokratischen Fraktion abgewälzt, andererseits aber behält sie ein Druckmittel für die Erledigung der Besitzsteuern in der � Hand. Gestalten sich die zur Zufriedenheit, so wird bis dahin auch die Beratung der Umsatzstmer so weit gefördert sein, daß durch die Festlegung der Steuersätze der Schlußstein gesetzt werden kann. Papiermangel i» Polen. Die polnische Papierfabrik in Mvszkow bei Czenftochau ist wegen Kohlen« an- gels stillgelegt worden. Es wird damit gerechnet, daß die Zeitungen -ch Polen ans diesem Grunde ihr Erscheinen einistellen müssen. Nonarchksten und Solsthewiften tzanö in AuS dem Nuhrgebiet wird uns geschrieben: Daß zwischen den beiden Extremen Monarchisten— Bolsche- wisten eine gewisse Eintracht besteht, geht in lehrhafter Weise aus einer Veröffentlichung unseres Bochumer Parteiblattes her- vor. Nicht wenige Betriebsleiter machen den gewerkschaftlichen Vertrauensleuten erhebliche Schwierigkeiten bei der Kontrolle der Mitglieder unter den Belegschaften. Das geschieht auch auf der Zeche„Engelsburg", die zum Bochumer Gußstahlwerk gehört. Dort ! hat der B c t r i e b s s ü h r e r einen Anschlag der gewerkschait- lichen Vertrauensleute, der d-ie Kontrolle der gewerkschaftlichen .Mitgliedsbücher der Belegschaftsangehörigen bezweckte,„höchst- eigenhändig" abgerissen...... Wie erstaunt war nun die Beleg- schaft, als vor einigen Tagen folgender.revolutionärer" Anschlag aushing: An hie revolutionären Bergarbeiter! In der heute stattgefundenen Versammlung der revolutionären Bergarbeiter wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Ten einzelnen örtlichen Betriebsräten oder söge- nannten Vertrauens mann c r n sprechen wir für die Zu- kunft das Recht ab, sich im sozialistischen Sinne für die revolu- tionäre Bcrgarbeiterfchaft z u belätigen. Tie dnrcb falsche irritierende Machinationen herbeigeführten Beschlüsse bezüglieb Ausschluß derienigen Mitglieder, welche in der freien Vereinigung organisiert sind, zwingen uns zur Annahme dieses Punktes. Gleichzeitig bemerken wir, daß oben angeführte Beschlüsse der ganzen Revolution Hohn sprechen und sich dadurch die Reaktion gestärkt fühlen muß.. Ferner«erklärest wir, daß es die revolutionäre Bergarbeiter- schast aufs schärfste verurteilt, wenn in Belrgschaftsvcrsanimlungen i» derartig aufreizender Weise über die Beamten hergezogen wird.— Wir wollen mit allen Beamten in gegenseitigem Per- ständnis als Proletarier so zusammei�rbciten, wie es für die Verwirtlichung der sozialistischen Gesellschaftsordnung dringend nötig ist. Den auf verschiedenen Schachtanlagcn angesebtcn Streiks werden ssch die revolutionären Bergarbeiter nicht anschließen. Gesehen: I. A.: Möller, Inspektor. Paul Schumacher. Tiesein Anschlag erging es nicht etwa so, wie dem mit den Namen der Unorganisierten. O nein! Ihn ließ, wie die Unter- schrift des Inspektors Möller zeigt, die Verwaltung gern zu. Di»ser Betriebsleiter ist einer von denen, die den politischen Umschwung in Deutschland nur für eine„vorübergehende Erscheinung" halten; er ist Wilhelm iner. Diesem Manne sind die„revolutionären Kommunisten" lvor Jahresfrist noch meist Gelbe!) viel lieber als die organisierten Gewerkschaftler. Man braucht aber nur den Aufruf zu lesen, der gegen die Betriebsräte hetzt, dafür aber mit Reckt kritisierte höhere Beamte heldenhaft in Schutz nimmt, um den Grund der ko-m m uni stisch-monarchi stischen Freundschaft zu verstehen. Die Untersuchung im§all vieweg. Von Mannschaften der 3. Flakabkilung in Potsdam sind uns Mitteilungen über den Gang der Untersuchung im Fälle Vieweg gemacht worden, die gebieterisch eine öffentliche Beleuch- tung der Angelegenheit verlangen. Es wird dort eine Beeinflussung getrieben, die einfach skandalös ist. Trotz alles Ge- schreis der reaktionären Presse stehen nämlich die Mann- sch asten geschlossen auf feiten des Leutnants Vieweg, den sie als humanen Vorgefetzten schätzen gelernt haben, und zahlreiche Leute haben sich bereits eütvten, seine Angaben über das Treiben im Offizierskorps eidlich zu erhärten. Dem mußte mit allen Mitteln entgegengearbeitet werden. Nach der Mißhandlung Viewegs traten die Lfsiziere der Flakabteilung zusammen und wählten Vertrauensoffiziere für einen Sondersall, und zwar bezeich uenderw eise diejenigen drei Offiziere, wo das.Komplott zu Viewegs Körperverleyung geschmiedet und ausge- führt hatten. Dieser merkwürdige Gerichtshof in eigener Sache erklärte, daß Leutnant Vieweg gewisser Delikte„überführt" worden sei und glaubt die angeblich durch Leutnant Vieweg verletzte Würde des Offizierskorps durch eine Flut schmutziger Schimpf- worte wahren zu sollen. Wir zitierten nur eine Stelle, wo es heißt:„View-eg wurde in den Dreck der Straße, wo er hin- gehört, im großen- Bogen geworfen." Wie wir übrigens erfahren, ist wegen der Mißhandlung wie wegen dieses Schrift- stücks vom Rechtsbeiftand Viewegs Strafantvag gestellt. Das zitierte Protokoll wurde von Hauptmann Neubarth am folgenden Morgen der versammelten Mannschaft vorgelesen mit der Aufforderung, Stellung gegen Vieweg zu nehmen. Die Mannschaft aber ging darauf nicht ein, sondern stellte aus eigener Initiative Vieweg ein Bertrancnsvotum aus, und zwar kein„Reinhardsches", sondern ein schriftliches mit den Unterschriften der Mannschaften. Diesen etwas un> erwarteten Ausgang der Sache suchten nun die Offiziere dadurch zu durchkreuzen, daß sie die Unterzeichnung der Bcrtrauenskund- gebung durch einen Wachtmeister verbieten ließen. Es waren aber schon 27 Unterschriften geleistet, die im Original vorliegen. Nach diesem Mißerfolg erging der dienstliche Befehl, daß nie- mand von den Mannschaften mit Bieweg sprechen dürfe. Offenbar wollte man£3 ihm auf diese Weise unmöglich machen, Zeugenaus- sagen für den kommenden Prozeß zu sammeln und die Per- leumdungen, die von den Offizieren systematisch über ihn aus- gestreut wurden, zu wider legem Iii widerlichster Weise wurde ge- schnüffelt, ob Vieweg etwa Schulden hcrCe, um ihm auf diese Weise etwas anhängen zu können. Dabei befinden sich unter den Osfi- zieren der Gegenseite ein paar notorische Schulden- macher, denen niemand etwas sagt! Hauptmann Neubarth und Leutnant de Thier h, der.Hauptbelastete, führen fort- während Reden vor den Mannschaften, durch die diese gegen Vieweg eingenommen worden sollen. So sagt zu. B. Hauptmann Neu- barth voc der Mannschaft:„Vieweg, das Schwein, der Schuft, hat alles erfunden und erlogen."— Viewegs Zimmer in der Kaserne ist ohne richterlichen Befehl verriegelt . Die Krone aber setzt dem Ganzen die Alt der Untersuchung auf. Der vernehmende Kriegsgerichtsrat hat einen Zeugen Schröder, der bekundete, daß der Angriff auf Vieweg nicht von Leutnant de Thiery spontan ausgeführt wurde, sondern von meh- reren Offizieren vorher verabredet wurden war, mit den Worten zurückgewiesen:„Das will.ich nicht wissen, geb-en Sie Antwort auf das, was Sie g e f r a g t weriden." Schröder ergriff hierauf die Mütze um fortzugehen und sagte:„Ich bin zwar zum erstenmal vor Gericht, aber ich meine, daß ich aussagen muß, was zur Sache gehört, undnicht, waSHerrHauptmanngernehöre n." Darauf der Krieg Sgcrichtsrat:„Bleiben Sie, werden Sie nicht frech, sonst werden Sie bestraft." Was bei dieser Untersuchung herauSkonunt, kann man sich denken. Wie uns der Rechtsbeistand Viewegs mitteilt, wird erbet auch durch einen BelerdigungSprozeß gegen zwer reaktionäre Blätter Gelegenheit gegeben werden, die Sache vor einem Zivil Gericht zu beleuchten. > �eimkrkegerpoli'tik unö Kriegsgefangsne. Die üble Kaste des Heimkriegertums in T-sutscki- land ist auch nacki der Revolution n-idit ausgestorben. Das bewies unter anderem die Verbrennung der f r a n z ö s i- s ch e n Fahnen vor dem Zeughause durch einen„heldenmütigen" Leutnant, es bewies ferner die Bejubelung der F l o t t e n v e r s e n k Ii n g von Scapa Flow, die wir seinerzeit, hiermit ziemlich alleinstehend, aufs schärfste per- urteilt hatten. Jetzt wird uns ein neuer Beweis fiir die schädlichen Folgen jeglicher Art von Chauvinismus erbracht. Dieses Mal handelt es sich um die Verbrennung der Z e p p e l i ii s ch i f f e, über die man bei uns kaum etwas las. während die französisch eFtegiening sie zum Anlaß nahm, das Los unserer Kriegsgefangenen noch mehr zu er- schweren. Hierüber belehrt uns folgender Auszug eines uns zugegangenen Kriegsaesangen�nbriefes: „Die letzten Zkachrichten köuitten direkt ovtimiftisch stimmen. aber schon kommt die Nachricht, daß törichte Leute lü Zeppeline verbraunt haben: nun darf man sich nicht wundern, wenn die Entente zur Verhütung weiterer schlechter Erfahrungen die Gefangenen als Pfand bis auf weiteres behielte. D l o Toren sollten glatt erschossen werden, solche Kindereien haben keinen Zweck, damit wird nichts erreicht. diese Leute bilden sich womöglich ein, eine große patriotische T a t begangen zu haben. Uoberhaupt scheint jetzt die Biertischpolitik mit monarchischem Anhauch starke Blüten bei uns zu treiben. Daß dem Deutschen so sehr jedes politische Gefühl abgeht, ist so zu bedauern, es ihm einzuimpfen, ist die wichtigste Aufgabe der Erziehung. Dieser Idiot, der eine Heldentat zu verrichten glaubte! Ich wunderte mich nicht, wenn die Franzosen uns als Geiseln zurück- behielten. Man könnte es» ihnen nickst verdenken. Hoffen wir, daß mich dieser Kelch an uns vorübergehen möchte!" Wenn unsere Nationalisten nur eine Spur von dem Mit- gefühl für unsere Gefangenen übrig hätten, wie sie es in ihrer Presse täglich spaltenlang versichern, so müßte sie beim Lesen dieses Briefes ein Gefühl tiefer Beschämung überkommen. Es ist die alte Erfahrung, die schon in der Kriegs- und Friedenspolitik der vorrevolutionären Epoche gemacht und von den Sozialisten wieder und wieder gebra-ndmarkt wurde: Einzelne.Heißsporne glauben, Politik auf eiigeue Faust treiben zu können, und übersehen damit, welch unheilbaren Schaden sie fiir ihr ganzes Volk damit anrichten. Da kann man es einem verzweifelten Kriegs- gefangenen, der am Ends seiner Leidenszeit zu sein glaubt und.sein trauriges Los durch die Wahnsinnstat wildge- wordener Offiziere auf unbegrenzte Zeit verlängert sieht, wahrlich nicht verdenken, wenn er diese Verbrecher a m V o l kc am liebsten an die Wand gestellt sehen möchte! Der§all Reinhsrö. Die„Freiheit" glaubt unter einer Flut von fchniutzigen Pöbeleien uns daran erinnern zu müssen, daß wir gegebenen- falls die Aufklärung dss Falles Reinhard auf gerichtlichem Wege erzwingen wollten. Sie unterschlägt wie gewöhnlich ihren Lesern, was wir in Wirklichkeit geschrieben Habeft. Wir haben Oberst Reinhard mehrfach öffentlich aufgefordert, sich klar und deutlich darüber zu erklären, ob er selber eigentlich die ihm von Neuendorf zur Last gelegten Aeußerungen b e- streitet.. Bisher hat Oberst Reinhard eine solche Erklärung nämlich sorgfältig vermieden und andere. für sich reden lassen.- Sobald Oberst Reinhard selber erklärt, die ihm zur Last gelegten Aeußerungen nicht getan zu haben, sind wir nach wie vor bercit, eine solche Ableugnung in einer Weise zu kennzeichnen, die Herrn Reinhard zu einer Klage zwingt. Oberst Reinhard— und dos ist das Charakteristische dos Falles— leugnet aber gar nicht. Wie wir inzwischen erfahren haben, soll er in seiner Vernehmung ein ganz erheb- liches Geständnis abgelegt haben. Im übrigen spricht nicht nur sein Schweigen gegen ihn, sondern auch sein Reden— erinnert sei nur an das Fi sch arische Interview. Bei dieser Sachlage ist uns die Möglichkeit nicht gegeben, die Sache auf den Gerichtsweg zu bringen: es ist ja aber auch gar nichts mehr aufzuklären, denn welcher Beweise bedarf es noch gegen einen Angeschuldigten, der selber zugesteht? Der Seemansftreik gegen öie Gewerkschaften. Hamburg, 26. September.(Eigener Drahkbericht des„Vor- wärts".) Eine in Bremerhaven abgehaltene Versammlung der im Deutschen"Transportnrbeiterverband und im Zentralverband der Btaschinisten und Heizer organisierten Kapitäne, Steuerleute und Masch!- nisten der Ftscbdampfer erklärte: Wir erkennen unter keinen Umständen den vom Seenmansbund inszenierten Streck an, der nicht als Sympathiestreik für die'Bremer Hasen- arheiter, sonIdeTN als Propaganda mittel für die syndikalistische Arbeiterunion gedacht ist. In Anbe- tracht der großen'L eb« n s mi t t elsch w i« r i gstei t en ,�-in denen sich das deutsche Volk befindet, bedeutet die Fortsepmig des Streiks ein Verbrechen an der Menschheit. Aus diesem Grunde erklären die Versammelten, daß sie die Arbeit nicht niederlegen. Sie verpflichten sich, in Zukunft nur mit freigewcrkschaftlich vrgani- sicrtcn Seeleute» zu fahren. Die Versammlung beschließt, daß-die Kontrolle an Bord strikt durchgeführt wird. In einer im Hamburger Geloerkschaftshaus akgehaltenen Ver- sammluug der Hafenarbeiter wurde beschlossen, den setzt geltenden Tarifvertrag zimr P November zu kündigen und einen Einheitslohn von 23 Mk. zu verlangen. Ein Antrag, daß der Tarif nur für die im Transportarbeiterverband o r g a niF irrten Hafenarbeiter Gültigkeit haben soll, nicht aber für unorganisierte oder Unionsleute, wurde nach längerer Aussprache' abgelehnt. Die Versammlung beschäftigte sich dann auch mit dem Kopenhagcner Hafenstreik. Bon dort ist ein Scksiff angelangt, das man vorläufig zu entlöschen beschloß. Man hat bei unserem Parteiblatt„Social- demokraten" in Kopenhagen angefragt, ob der Streik von der Facki- organisation beschlossen ist. und je noch der Antwort wird man sich über die weitere Stellungnahme schlüssig machen. Der amerikaniftbe Stahlftreik. Noch einer Meldung aus New Jork haben zahlreiche Arbeiter im Distrikt P i t t s b u r g die Arbeit wieder aiftge- nvmmcn. An anderen Orten ist die Lage unverändert. Die Zusammen st öße in Buffalo, Cleveland und C h i k a g o dauern an.____ Württemberg? Iustlzminister gestorben. Iustizmnrkster Dr. v. Kiene, der Führer des Zentrums, ist gestern nach länge- rem Leiden gestorben. Industrie und Handel. Börse. Infolge i,tS jüdischen Feiertages war die Börse schwach besucht irnd das Geschäft hielt sich zunächst in engen Grenzen bei nicht ein- beitlicher Haltung- Sparer kam eine stürmische Bewegung in �SchifsahrtSaktien in Fluß, die anfangs leicht gebessert waren und dann zum Teil sprunghast in die Höhe gingen- Auge- regt wurde der Verkehr hier durch umfangreiche Kausaufträge für holländische Rechnung. Bevorzugt waren Hamburg-Südamerikaner, die 9 Proz. und Hansa, die 6 Proz. gewannen. Am Kolonial- markt war des Geschäft auch heute stiller, bei vorwiegend behaup- teten Kursen. Fester lagen Pomona und Sloman eralpeter. Etivas schwächer Southwest und Ldtaviwerte. Kriegsanleihe abbröckelnd mit 77. Die älteren heimischen Anleihen lustlos. Erdöl- Papiere schwankend, Steaua Romana 39 Proz. und Deutsche Petroleum 19 Proz. niedriger. Dagegen Erdöl bei sehr lebhaftem Geschäft weiter anziehend bis 379. Eanada stark schwankend nach 453 später 425 und schliesslich 449. Am Montan markt war die Haltung geteilt. Wesesttlich höher Phönix. Auch Gelsenkirchener, Rheinstahl und Lothringer Hütte gebessert. Schwächer Harpener, Bochumer, Bismarckhütte, Obcrbadarf und Rombacher. Heimische Banken nachgebend, zum Teil bis 2 Proz. Niedriger ferner Hirsch Kupfer. Siemens u. Hal-ke, Festen u Guilliaumc. Stärker rückläufig Berliner Anilin und Badische Anilin. Groß-Serlüi Warmwasserversorgung. Nach der zurzeit geltenden Verfügung ist in Häusern mit Warmwasserversorgung jede zweite Woche vom Freitag bis Sonntag warmes Wasser zu liefern. Weshalb wird die Verfügung nickst dahin abgeändert, jede Woche einen Tag lang Wasser zu gewähren? Dieses Verlangen bedeutet doch keinen Luxus, sondern ist eine hygienische Forderung, die sich aus dem begreiflichen Wunsch des einmaligen wöchentlichen Badens ergibt._ Prügelpraxis auf Rittergut Düppel. UnS wird geschrieben: Der Güterverwalter des Prinzen Leovold von Preußen auf Düppel, der durch seine Schweineichiebung bekannte Herr von Eber- stein, kann sich in die neuen Verbältnisse noch immer nichl hineinfinden. Am Montag vor den Schlichlungsausschuß geladen, erschien er ohne genügende Vollmacht— die Ladung hätte in— Flatow in Wesipreussen, dem Sitz der prinzlichen Zentralgüterverwaliung, erfol cn müssen!— und erreichte dadurch Vertagung der für die Tu! peler Arbeiter so dringenden Entichuldungssrage. Trotz die'es .Eriolaes" war aber der feudale Herr von Eberstein über die .Anmaßung" der heutigen Landarbeiter, ihn— den Herrn von Eberstein— vor den Schlichtungsaussch-uss zu zitieren, wo er „stundenlang warten müßte", so erbost, daß er, abends zu Hauie angelangt, noch aufs Feld stürmte, um den im Landarbeiterverband organisierten Verwalter. Genossen Buggisch, nach kurzem Wortwechsel unter nichtigem Vorwand mit seinem Krückstock zu bearbeiten, da Eberstein rn ihm das„Karnickel" ent- deckt zu haben glaubt. Genosse Buggisch mußte sofort ärztliche Hilfe rn Anspruch nehmen und bat die junkerliche Art, gewerkschafi- licke Angelegenheiten zum Austrag zu bringen, der Staatsanwalt- Ichast zur weiteren Verfolgung übergeben. Was aber gedcnkl Prinz Leopold von Preußen zu tun, der nach der Revolution wochenlang die rote Fahne auf seinem Schlosse in Klein-Glieiiicke zu seinem Schutze wehen ließ? Auflösung der Gutsbezirkc. Eine dringende Sitzung des Teltower Kreistages findet am nächsten Dienstag im Kreishaüse statt. Auf der Tagesordnung steht auf Artraa der sozialdemokratischen Fraktion des Kreistages: Be- fpreckuing über die Auflösung der Gutsbezirkc. Auf Antrag des LandwirtschaftsministeriumZ soll der Amtsbezirk Grunetvald-Forst eine Aenderung erfahren. Den Schluß der Tagesordnung bilden Wahlen, u. a. auch von Amtsvorstehern und deren Stellvertretern. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Pastouflagc bei. Wiedex ein Nebrrfall ans Sicherheitspolizisten. Nachdem erst vor einigen Tagen Beamte der Sicherheitspolizei aus der Strasse von jungen Burschen angefallen worden sind, wird jetzt wieder ern Fall gemeldet, in dem Polizeibeamte mit der Waffe bedroht worden sind.— In einem Tanzlokal in der Hasenheide hatten drei Unterwacht- Meister der Sicherheitspolizei der 2. Abteilung an einem Tanzvergnügen teilgenommen. Die Beamten wurden während des Tanzes mehrfach von jungen Burschen angerempelt und aufgefordert, das Lokal zu verlassen, da man mit„Noskegardisten" nichts zu tun haben wolle. Als die Polizisten sich schliesslich an einen Tisch in der Nähe des Ausgangs setzten, drangen etwa 6 bis 8 Männer auf sie ein und forderten sie mit vorgehaltenem Revolver und gezogenen Messern auf, schleunigst den Saal zu verlassen. Die Beamten mußten sich der Uebermacht fügen und verließen das Lokal. Auf der Straße trafen sie Soldaten einer Reicbswebrabteilung und ersuchten diese um Beistand, um die Angreifer festnehmen zu können. Als die be- wafinete Macht wieder in den Tanzsaal zurückkam, entstand ein furckit bares Durcheinander.»Die Angreifer, die vorher auf die drei Polizisten eingedrungen roaren, versuchten die anderen Anwesenderr zur Hilfe aufzurufen. Es kam zu einer Schlägerei, bei der die An- greiser schliesslich auf die Strasse gesetzt wurden. Da jedoch die Menge eine drohend« Haltung annahm, zogen sich die Soldaten und Polizisten schließlich zurück, ohne Verhaftungen vornehmen zu können. Eine Ente in Butter. Ein Riesenbutterdiebstahl sollte vor 14 Tagen auk dem Güterbahnhof Rumnielsburg verübt worden sein. Einer Diebesbande, hieß es, sei es gelungen, einen Waggon mit 299 Zentner Butler zu stehlen. Nalbforlchunaen ergaben, daß der Riesenbutterdiebstahl von dem Urheber der Meldung glatt er» funden worden ist. Es ist weder in Rummelsburg, noch sonst auf einem Bahnhof hier Butter gestohlen worden oder sonstwie ver- schwunden. Berlin, Westen. Wir geben hiermit bekannt, daß wir am 29. d. M. eine Spedition des..Vorwärts" in der Steglitzer Str. 37 Ecke Magdebiirger Str. 16 eröffnen, und bitten, alle ZeilungS« und Jnseratenbesiellungen dorthin gelangen zu lassen. Lichtenrade. Spediteurwcchsel. Da Herr Poller die Spedition am 1. Oktober d. I. aufgibt, bitten wir unsere geehrten Abonnenten, zur Vermeidung von Slörunaen in der Zlistellung unseres Blattes, ihre Adresse an Herrn Max Götzmann, Viktoriastr. 3 umgehend gc- langen zu lassen. Derselbe hat sich bereit erklärt, für prompte Zu- stelluna zu sorgen._ Tie Hauptexpedition. Sportnachrichten. Zrrbciter-Radfahrer-Berein„Gross-Berlin". Sonntag, lrüh 7 Mr. „Aller Finkenkrug". Nackmitlags 2 Uhr,„Mter Freund", Picheiswerder. Star!: Mariannenplatz. Nächste Verlammlung Mittwoch, 1. Oktober, bei Matschens. Foriteistr. g.— SIrbeiter-Radfahrer-Bund„Soitdaritäi�. Sonntag nach Wildau bei Königswusterhausen. Starts: K und 12 Uhr, Wilhelrisaue. Mittwoch, 1. Oktober, Generalversammlung. Gross-Berliner Lebensmittel« Hricdriclisfelde. Von heute bis Montag Anmeldung zur neuen Fleisch kundeulifte. Groß-Serlmer parteinachrichten. Eharlottcnbnrg. Gruppe VI. Sonnabend, abends 5 Uhr. im Restaurant Lußow-Garterr, Lützowstr.», Außerordentliche Gruppen- Versammlung._ ?ugenAveranstaltun?en. Neukölln. Der heutige Unterhaltungsabcnd findet nicht in der Münchener Sir. 52, sondern im Jugendheim, Nogalstc. 53, statt. vortrage, vereine unü Versammlungen. Rnsschuss für vertriebene� Reichsdeutsche. Mittwoch, 8 Uhr. in der Aula der Hohenzollernschule, S-böneberg, Marlin-Lulher-Straße 22/23, Veisammlung der reichsdcutichen Flüchtlinge aus britischem Gebiet. Zlrpritcr-Ttenngrapheubund Jntersystemal. Sitzung jeden Frei- tag von 7—3 im Patzenhoser. Fruchtstr. 71. Ansängerkursus nach Stolze- Schrey heute abend letzter Ännieldetag. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag 10% Uhr im Festsaal dcS Berliner Stadlbauses, Kiostersiraße, Ecke Strolauer Straße, Jugendweide. Festvortrag von Herrn Ernst Däumig.— Abends 6 Uhr im gleichen Saal: Voltsversamnilung. Vortrag des Herrn A. Hofsmann: Volksvergislung durch Kirche und schule. GAvechiWsbWMNg Oer Streik in üer kNetallinüuftrie. Versammlung der Angestelltenvertreter. Die der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände an- geschlossenen Angestellten-Obleute der Melallindustrie versammelten sich am Donnerstagabend im„Englischen Garten". Als Be- auftragter des Metallarbeiterverbandes gab Tost einen Bericht über die Lage. Gr schilderte eingehend die Porgeschichte des Aus- standeS und behauptete, daß lediglich das Bestreben der Unter- nehmer, den gefällten Schiedsspruch zu verdrehen und die Arbei- ter unsachgemäß zu klassifizieren, den Anlaß zum Streik gegeben habe. Die Versuche, dem Ausstand jetzt politische Motive unter- schieben zu wollen, seien durchsichtig genug. Die bisherige Taktik des Metallarbeiterverbandes habe sich als sehr geeignet er- Wielen. Ueber die weiter zu verfolgende Taktik könne man sich nicht auslassen, da die beabsichtigten Trümpfe nur mit Erfolg ausgespielt werden können, wenn sie dem Gegner vorher unbe- kannt seien. Man könne den Kampf nur durchführen, wenn die Kopf- und Handarbeiter in ganz Deutschland voll st e Solidarität bewahren. Die Leistung von Streikarbeit müßte von den Angestellten strikte verweigert wer» den. Man müsse sich darüber klar sein, daß, wenn in nächster Zeit eine Verschärfung des Streiks eintritt— und sie wird eintreten—, daß dann nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Angestellten der Äetriebe entlassen werden. Hierauf ergriff Fritz Schmidt vom Zentralverband der Angestellten das Wort, der hervorhob, daß die Arbeitgeber bei diesem Streik wieder die Absicht zeigen, Arbeiter und Angestellten gegeneinander auSzu- spielen. So wurden im Wernerwerk(Siemens) die Arbeiter ge- fragt, was sie tun würden, wenn die Angestellten die Kessel beheizten. Es sei notwendig, eine permanente Ange stell- tenkommission der Metallindustrie einzusetzen, die die Fühlung mit der Streikleitung aufrechterhalte. Sofern es den Arbeitgebern der Metallindustrie gelingen würde, das Lohn- Niveau der Arbeiter herabzusetzen, sei es unausbleiblich, daß die Angestellten ebenfalls sogleich an dje Reihe kommen und in ihren Gehalisbezügen zurückgeschraubt werden. Nach kurzer Debatte wurde eine Entfchlletzung angenommen, die besagt,(daß die versammelten Hauptvertrauensleutc der Me- tallinduftrie den streikenden Metallarbeitern.vollen Erfolg des Kampfes wünschen und sich bereit erklären, die Streikenden ge- gebenenfalls zu unterstützen. Sie fordern alle Kollegen und Kalle- ginnen auf, jede Streikarbeit in den Betrieben zu verweigern. Im Schlußwort gab Tost einen Ueberblick Wer die Streiklage. ES seien zur Stunde über ö9 999 Streikende und Ausgesperrte gemeldet. Arn Donnerstag seien 30 weitere Firmen in den Streik hineinbezogen worden. Die Heizer und Maschinisten der Siemens- werke hätten den Ausstand beschlossen. Es sei abzuwar- ten, ab die technische Abteilung der Reichswehr zu Streikbrecher- diensten herangezogen werde. Geschehe dies, so werde die Ar- beiterschaft den von diesen erzeugten Streikbrecherstrom nicht zur Arbeit verwenden, sondern aus den Betrieben gehen. Ins- besondere sei darauf hingewiesen, daß die technische Abteilung nur bei politischen Streiks einschreiten dürfe. In Anbetracht der Kohlenkrffe könne leider die günstigste Angriffstaktik nicbi verfolgt werden. Die von Sckimidt vorgeschlagene ständige Arbeitskom- Mission wurde am Schluß der Versammlung gewählt. ** * Ueber die Streikbewegung meldet eine Korrespondenz folgende Einzelheiten: Bereits gestern sind Verschärfungen deS Konfliktes in den B o r f i g- W e r k e n eingetreten, die damit rechnen lassen, daß heute auch hier die Heizer die Arbeit niederlegen werden und infolgedessen die gesamte Arbeiterschaft arbeitslos wird. In S i e m e n s st a d t, wo die Heizer der Siemenswerke die Arbeit eingestellt haben, brauchten bisher noch nicht alle Arbeiter und Arbeiterinnen entlassen zu werden. Die Direktion hat viel- mehr verfügt, daß in denjenigen Abteilungen, die nicht direkt an das Zentraliverk angeschlossen sind und elektrischen Strom be, nötigen, weiter gearbeitet wird. Diejenigen Abteilungen freilich, die unmittelbar von dem Kraftwerk abhängig sind, wurden ge- schloffen und die Arbeiter entlassen. Ob es möglich sei, die elek- irische Zentrale der Siemenswerke wieder in Tätigkeit zu setzen, ist sehr fraglich. Die Straßenbahn in Siemensstadt selbst ruht. Auch die nach Spandau führende Linie ist lahmgelegt. Nach Siemensstadt verkehrt auSgenblicklich nur die Linie 164 der Großen Berliner Straßenbahn. Bei den Imperator-Werken ist im Laufe des heutigen Vormittags die Arbeit durch den Heizerstreik allgemein eingestellt worden. Wie wir hören, laufen heute bei einer ganzen Reihe kleiner und mittlerer Firmen die Ultimata der Heizer irnd Maschinisten ab, so daß heute Nachmittag wieder mit einer wesentlichen Erweiterung des allgemeinen Ausstandeö zu rechnen ist. Bei der A. E. G. ist die Lage folgende: In der Maschinenfabrik Brunnen st raße wird vollständig gestreikt. In der Isolier- abteilung sind 137 Arbeiter, im Lokomotivbau 499, in der Signal- und Schcinwerfer-Abteilung 199 Personen im Streik. Im Kabelwerk Oberspree und in der Fabrik in der Acker- st raße herrsckien Teilstreiks, während in der Turbinen- fabrik, Glühlampenwerk, Flugzeugwerke und dem Stahl- und Walzwerk zrir Stunde noch voll gearbeitet wird. Die Berliner HolzindnsttieNcn drohen mit der Aussperrung. In einem Ruirdschretben an seirie Mitglieder hat der Arbeit- geberschutzverband für das deutsche Holzgewerbe, Ortsgruppe Berlin., folgende Parole ausgegeben:' I Trete keiner in Werkjlaitverhandlungen mit seinen Gesellen und Arbeitern ein, sondern verweise diese an die Organisation. Kein Arbeitgeber darf auch nur einen Mann einstellen, ehe eine neue Parole von uns herausgegeben wird. Jede Forderung der Arbeiter, die nicht von uns mitgeteilt ist, ist strikte abzulehnen. Drohen die Gesellen mit Arbeitsniederlegung oder wollen sie sich eigenmächtig Ferien nehmen, so ist ihnen sofort zu erklären, daß sie dann 14 Tage ausgesperrt werden. Eine Kündigung gibt es nicht mehr, die Verordnung rst am 3. September aufgehoben, sie gilt nur nocki für zurückgekehrte Gefangene und zu 59 Proz. erwerbsunfähige Kriegsinvaliden. Daraus ist zu ersehen, daß es die Berliner Unternehmer unter allen Umständen auf eine Machtprobe wegen der Ferien- frage ankommen lassen wollen. Durch die zentralen Verem- barungen sind den Berliner Holzarbeitern schon für dieses Jahr Ferien zugestanden worden. Die Zeit bis zu einer anderweitigen örtlichen Regelung ist verstrichen! dies konnte bis zum 15. Sep- tember geschehen. Infolgedessen sind die Berliner Holzarbeiter in den einzelnen Beirieben vorstellig geworden, nachdem auf dem Wege der Verhandlungen zwischen den Organisationen nichts er- reicht werden konnte, um die vereinbarten Ferien zu erhalten. W:e aus dem Rundschreiben nun ersichtlich, fordert der Arbertgeberschutz- verband seine Mitglieder auf, mit der Drohung der Aussperrung diese Forderungen zu beantworten. In einem weiteren Zirkular, in dem der Schriftwechsel zwischen den beiderseitigen Organisationen veröffentlicht wird, wird die Be- hauprung aufgestellt, daß die Berliner Holzarbeiter ganz neue For- derungen aufgestellt hätten. Das betrifft namentlich die Mindest- und Durchschnittslöhne. In dieser Hinsicht wurde aber nur die For- derung erhoben, daß die Festsetzung dieser Löhne auf der Grundlage der tatsächlich bestehenden Löhne er- folgen soll. Also nur das, was heute schon bezahlt wird, soll zuge- standen werden. Weiter wird behauptet, daß eine Erhöhung der U ebersturrd enzu sch läge gefordert sei. Auch das entspricht n i ch t den Tatsack>en. Es wird nur verlangt, daß die Bestimmungen über die Ueberstunden für Berlin gestrichen werden, weil schon rn früheren Verträgen diese Frage für Berlin erledigt war. Diese Behauptungen werden natürlich nur aufgestellt, um eine Verwirrung in die Reihen der Berliner Holzarbeiter hinein- zutragen. Bezüglich der Feriensrage haben die Berliner Arbeitgeber in ihrer letzten Generalversammlung den Beschluß gefaßt, nur drei Tage Ferien noch einer halbjährigen Beschäftigung gewähren zu wollen. Es war dort die Neigung vorhanden, die durch dre zen- tralen Vereinbarungen zugestandenen Ferien ohne weiteres ge- währen zu wollen und die Durchführung den einzelnen Betrieben zu überlassen. Die Scharfmacher behielten aber dre Oberhand und so wurdjj: der oben genannte Antrag zum Beschluß erhoben. Trotz- dem behaupten die Arbeitgeber in ihrem Rundschreiben, daß sie alle? getan hätten, um zu einer befriedigenden Lösung der strittigen Punkte mit den Arbeitgebern zu gelangen. Die Schuld negi also durchaus an den Arbeitgebern, tmtn es in Berlin wegen der Ferien- frage zu einem größeren Kampfe kommen sollte. Erfolgreiche Lohnbewegung der TZpfer. Anfang September reichten die Töpfer Berlins den Unter« nehmern die Forderung ein: Erhöbung des Srundenlohns von 3,19 M. auf 3,59 M., Erhöbung der Teuerungsmlage bei Akkordarbeit für Oefen von 1ö9 auf 200 Proz., für Kochherde von 150 auf 230 Proz. Am Donnerstag berichtete Setzarte in der Versammlung der Töpfer, daß die Unternehmer bei den letzten Verhandlnirgen diese von den Verbandsvertcelern mir oller Entschiedenheit ver- tretenen Finderungeu vollständig bewilligt baben. �lieber einige Nebeniorderungen wird noch vertändelt, und ist mit Sick'.'r- beit zu erwarlen, daß auch diese bewilligt werden. Die erböhren Löhne treren am 1. Oktober in Kraft. Damit kann diese Lohn- bewegung als abgeschlossen betrachtet werden. Es kam zu einer sebr lebhaften Diskussion, die dadurch hervor- gerufen wurde, daß Pusemann beantragte, die bewilligten Zn- lagen abzulehnen und einen Stundenlohn von SMar! z u fordern. Diese Forderung entipreche dem beutigen Stands der Valuta. Man könne heute für 5 M. kaum soviel kaufen, wie vor dem Kriege für 1 M.— Andere Redner, namenilich Kemnitz, Wahle mid S e g a w e, wandten sich gegen Pusemami. Die von ihm empfohlene Taktik sei die der Kommunisten. Danach müsse alles, waS die GetverklchaftSleitui-g befürworte, abgelehnt werden, selbst wenn, wie in diesem Falle. alles bewilligt worden ist, was die Kollegen gefordert haben. Als die jetzt bewilligleu Forderungen aufgestellt wurden, habe die Valuta noch erwas tiefer gestanden wie heute. Damals habe Pusemann sich nickt auf die Arbeiter berufen. Auck er sei mit der Forderung einverstanden gewesen. Sern heutiger Antrag enlsprecke nicht einer ernsten Ueberzeugung, sondern nur■ dem Bestreben derjenigen Richtung, die die Gewerkschaften nicht zur Ruhe kommen lassen wolle. Wenn auch zugegeben werde, daß ein Stundenlohn von 6 M. unter den bculigen Ver- hälinissen nicht zu hoch sei, so wisse man doch, daß man mit einer derartigen Forderung nicht zu einem Tarifabschluß kommen lönne. Der Antrag Pösimann wurde fast einstimmig abge- l e h n t und eine Resolution angenommen, die sich mit den be- willigten Forderungen einverstanden erklärt und die Erwartung ausspricht, daß auch die Nebenforderungen bis zum 1. Oktober be- willigt werden, damit dem Gewerbe ernste Störungen erspart bleiben.— Bei den Verhandlungen soll noch gefordert werden, daß bei Aibeiten außerhalv des Stadt« und RingbahnverkehrS das Fahrgeld vergütet wird. Bezüglich der A r b ei t e r r a t s f r a g e wurde beschlossen, vorläufig von einer Neuwahl des Arbeiterrats Abstand zu nehmen, bis eine Klärung zwischen den beiden Vollzugsräten geschaffen ist oder die Wahlen vom Zentralrat der Republik Deutschland ausgeschrieben sind. Das Arbeiterratsmitglied Lemmhöfer, der am 14. August sein Amt niedergelegt hat, wird somit nicht mehr als Arbeiterratsmitglied angesehen. Der Tarif für die Herrett-Mafj- und Uniformschneider. In einer überfüllten Versammlung der Herrenmaß- und Uni- formschneider im„Deutschen Hof" berichtet? Schuhmacher Wer die zentralen Verhandlungen in Cassel. Nachdem vom Hauptvor- stand die Tarife gekündigt waren, wurde zuerst versucht, in örtlichen Verbaridlungen die Einrichtung von Beiriebswerkstiitten mit Zeitlöhnen durchzusetzen. Die Berliner Arbeitgeber hätten zwar der Errichtung der Betriebswerkstätten zugestimmt, aber den Zeitlohn rundweg abgelehnt. Bei den"zentralen B erhand- lungen lehnten die Arbeitgeber die Zeitlöhne glatt ab. Ein Streik konnte um den Zeitlohn nicht geführt werden. Es wurde dann ein Garantielohn von 374h Proz. des festgesetzten Stundenlohnes festgesetzt. Der Stundenlohn fiir Berlin beträgt 2.75 M. und 2,80 Mt. Urlaub wird nach 9 Monaten Beschäftigungsdauer 3 Tage. nach 1 Jahr und mehr 6 Tage gewährt. Die ersten zwei Ueber- stunden sollen mit 334� Proz., die nächsten zw«: mit 66� Proz. und die Nachtarbeit mit 100 Proz. Ausschlag bezahlt werden. Bei der Verteilung der Arbett darf der Heimarbeiter vor dem Werkstätten- arbeiter nicht bevorzugt werden. Für Heimarbeit wurden 8 Proz. Zuschlag gewährt. Der Vertrag ist dreimonatlich kündbar. Im Ver- trag ist auch das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter festgelegt war- / bfn.— Die Vertrauensleute haben bereit» dem Vertrage zuge- stimmt und empfehlen die. Annahme desselben. Der Redner empfahl ebenfalls die Annahme. Nach einer ausgiebigen Diskussion stimmte die Versammlung dem Vertrage zu._ Generalstreik in Elsast-Lothringen. Lörrach» 26. September 1919. Eigener Draht- bericht des„Vorwärts�.) Der Lothringer Gewerk- schaftSkongreß. von 46 Vertretern aus 66 Sektionen be- schickt, beschloß einmütig, einen Solidaritätsstreik niit folgen- den Generalforderungen: Anerkennung der Organi- sation, Organ isationszivang für alle Ar- beiter, Sozialisierung der Bergwerke. Be- seitigung unfähiger Beamter, 56 P r o z. Lohnerhöhung mit Minimallohn, Anerkennung der Arbeiterausschüsse. Die Landeszentralo der Gewerk- schaften Elsaß-Lothringen ist heute zusammengetreten zur Be- schlußfassung über den Landesstreik der Eisenbahn- und Post- beamtenvereine. Der Generalstreik wurde prinzipiell be- schlössen. Deutscher MetallarVetter-VerVaud. Sonnabend, den 27. September, abend« 5 Uhr: Derlammlung aller im Karosserie- und Wagenbau belchäsiigtel: Kollegen, im Arbcitsna-i»?eis de« Metallarbeiter-Berbande«, Linienstr. 83/85. Tagesordnung: 1. Bericht über unsere Verhandlung mit den Unter» nehmern. 2. Disfusfion. Sonntag, den 28. September, vormittag« 10 Uhr: Branchenversammlung der E m a i l l i e r e r und verwandten Beruf eim .Dresdener Garten', Dresdener Str. iöa, Ecke der Prinzenftrahe. Tagesordnung: t. Bericht über die Lohnbewegung. 2. Diskussion und Stellungnahme dazu. 3. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Werkmetsier-Vcrband kür das Buchbindergewerbe. den 27., abends 7 Uhr: Mitgliederversammlung. Sonnabend, flus aller Welt. Banknotendiebstähle in München. In der Nacht zum Donnerstag wurde auf dem Münchener Paketpostamt 2 in der Bayerstrage ein Wertpaket, ent- halten hunderttausend Mark in Fünfzigmarkscheinen, von unbe- kannten Tätern gestohlen. Der Brief war adressiert an die ReichSbank Berlin und kam von der Reichsbankstelle Ulm. Eine weitere Wertsendung in Höhe don zwanzigtausend Mark, bestehend aus zehntausend Mark in Eintausendmarkscheinen und zehntausend Mark in Pfandbriefen der Bayerischen Hypo- t h e k e n- und Wechselbank zu je 2000 Mark, ist abhanden ge- kommen. Der Brief war von einem hiesigen Bankgeschäft an seine Filiale nach Weißenborn adressiert. Raubüberfall in Bremen. Wie die Abendblätter melden, wurde Donnerstag vormittag einem Kassierer der Generalkasse, der zweihunderttausend Mark zur ReichSbank bringen wollte, vor der Tür von zwe: Männern, die ihm Pfeffer ins Gesicht streuten, das Geld cm- rissen. Der eine Ctraßenräuber, der den Raub bei sich führte, wurde eingeholt und fe st genommen. Der Revolver, den er aus der Tasche zog, schlug man ihm aus der Hand. Der zweite Räuber ist auf einem Rad entkommen. V-rantw. für den redaltion. Teil: Alfred Scholz, NeulSlln: für Anzeigen: Theodor «locke, Berlin Verlag: Vorwärto-Berlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlaasanstalt Paul Singer u. So. in Berlin. Lindenstr. S. Amerikanische Journale Kopierbücher Briefordner mit nebel Geschäftsbücher Gebr.Seherk.Tlf" i Amt Moritzplatz Nr. 3481, 3482. 3483. JUu erschien In 45. ttnflagc: Die Geffilslshälte der Frauen Aerztliche Ratschläge und Beobachtungen aus dem * Leben von Frauenarzt Dr. med. gckcl, Berlin. Diese» Werk, dessen Inhaltsangabe sich für hier nicht eignet, wird von Dr. med. E u r l n g er in der„Augsburger PostzeiMng' u. a. wie folgt beurteilt:»Nirgends berühren sich die Extreme enger als in der heutigen Ehe. Auf der einen Seite ungezügelte «esühisbetonung und Leidenschaftlichteit bi» zur Raserei, auf der anderen Marmorkülte und Emrsindungslosigleit bis zun: Ekel und zur Berachwng. Diesem Kapitel ist das äußerft ver- tlenftooUe Buch gewidmet, ein au» dem praltischen Leben herausgewachsenes Dokument menschlichen Leibens, geschrieben mir dem Herzblut des humanen Arztes. Mit erschütternden Beispielen an» d. Praxis belegt Berf. feine Ausführungen usw. Bezug gegen Einsendung von dl. 2,— oder Nachnahme durch Al-bizln. Verlag Vr. Sf'~— Schweizer, 2161.306. Berlin JIJB St. 7a hup M echtem Frieta haatscM 5 Mark. 5 Jahre Garantie.— Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung v. Gebissen gratis. Goldkronen v.ZOM. Spezialität: Zähne ohne Gonmenplatke. Zahnpraxis Hatvani, Dauziger Strasse, Cd» Schönhauser Allee. 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Ge- öffnet von 9—5 Uhr. Schönhauser Vorstadt: Sari Mar«, Ereisenhagener Strasse 22. Geöffnet von 9—5 Uhr. Adlershot: F c y e r st e i n, Bismarckstr. 82. «U-Slie»Ickc, Falleubeeg: E a l z m a n», Fallenderg, Sartenstadtstr. 19. Banmfchnlenweg: Frau Nöpke,«iekholzstr. 17». Bernau, Röntgental, Zepernick, Schönbrück, Karow und Buch: Ketnrich Brofe, Bernau, Mühlenstr. 5. Biesdorf: W. Danneberg, Biktoriastr. 11. Bohnsdors: Horlemaun, Genossenschaftshau« ,Pa- rodies". Buchholz, Blankenburg: R, Friedrich, Berliner Str.«6. Eharlottrnbiirg: Gustav Schar II berg, Seseiihetmer Strasse 1. Geöffnet von 9—5 Uhr. Eharlottenburg Ii. F u I i u« Strieme r, Tauroggener Sirasse 41. Eaversdorf: Schönherr, Landsberger Str. 10. Eichwolde, Schmöckwitz: Ott» Krone, Eichwalde. Stuben» rauchikrasse 169. Erkner: Albert ss'rntcke, Friedrichstr. SL Fichtenau. K r o ss I e, Waldstr. 23. Friedenau. Petermaun, Rhetuftr. 27, Ecke Rönne. bergfirasse. Frederi-dort.Petershag-«: Uffenwaffer, Petershagen. 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