Nr.ol)4. 36.Iahrg. Bezugspreis» viertrllShrl. 8r- Ml. monafl.«L frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug- Monatlich ch— Mi. erU. Zu- ftellungsgebtihr. Unier Kreuzband fstr Deutschland und Oesterreich> Ungar» S.£> Mi, fstr das übrige Ausland 10 23 Ml., bei täglich einmal, gustellung i;V> Ml. Poftbestellungen nehmen an Dänemari. Holland. euxemdurg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-geitungs-Pretsliste. Der»Vorwärts" mit der Sonntag» beilage»Voll u. geii" erscheim wachen- täglich zweimal. Sonntags einmal, Abend-Ausgabe. Telegramm-Vdrefse! �Sozialdemotrai Betn**, Vevlinev Volksblskt. ( 15 Pfennig� Anzeigenpreis: Di» achtgelpaltene Ronpareillezelle lostet lL0 Mb»Silelns«nz-ig-a". das tetigedruckt« Wort«0 Pfg.(zulässig 1 fetigedruitle Worte), ledes weitere Wort«st Pfg. Stellengesuche und Schlafsiellenanzrigen das erste Wort >0 Pfg. fedes weiter» Wort»0 Pfg. Lort» stber ld Buchstaben zählen fstr zwei Wort». Teuerungszuschlag SOV» Familien- Anzeigen, ooliiisch, und gewertschastliche Vereins- Anzeigen IJSO ML die ftelle. Anzeigen Für die nächste Nummer mstsien bis» Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin S««S, Lindenstratz» 8. abgegeben veoffnet von S Uhr früh bis t Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokrati fchen parte! Deutfchlanda. Neöaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Moristplatz. Nr. 151 SO—»SIS?. Donnerstag, den 2. Oktober 1919« vorwärts-verlag G.m.b. h., SV. öS, Lindenftr. 3. Fernsprecher: Amt Moritzplasi, Rr. ll7ka— Renner über Oesterreichs wirtsthast. Staatskanzlcr Dr. Renner erklärte am Mittwoch einer Abordnung zu den Gerüchten von einem Staatsdanke» r o t t, daß es unverantwortlich wäre zu leugnen, daß die österreichische Staats- und Volkswirtschaft in zahlreichen Punkten morsch sei und daher ein Staatsbankerott nur durch sehr energisch eingreifende Maßregeln verhindert werden könne. Gs müßte eine große Vermögensab- gäbe gemacht werden. Bezüglich der Sozialisierunß erklärte Dr. Renner, daß das Eigentum der Bauern nlcht sozialisiert werde. Daran dächten nur die B o l s ch e w i st e n, aber nicht die Sozialisten. Tagegen sei selbstverständlich, daß der Großgrundbesitz der Allgemeinheit zugeführt werde. Der Staatskanzler gab die Versicherung, daß bei der Vermögensabgabe die Kriegsanleihen auf keinen Fall schlechter behandelt werden sollen, als die übrige« Vermögen. Auch der Staatssekretär für die Finanzen erklärte der Abordnung, daß jede Bankerottpolitik streng ver- mieden werden wird und daß die Ansprüche der durch die Geldentwertung getroffenen Staatsgläubigcr unverkürzt be» friedigt werden müsien. Bezüglich des Finanzplanes erklärt man heute, daß die Vermögensabgabe bei einem Ver- mögen von 3st 000 Kronen beginnen wird und in ansteigender Skala 65 Proz. erreichen wird. Weiter ist eine innere Anleihe geplant, deren Zeichner gewisse Vergünstigungen bei der Entrichtung der Vermögensabgabe erhalten sollen. Auch jene, welche Valuten im Auslande haben, und sie der Regierung zur Verfügung stellen, sollen gewisse Nach> lässc und Entlastungen bei der Vermögensabgabe erhalten. Gewerkschastsberatung in llonöon. Wie das Preßbureau Radio meldet, wurde Mttwoch- nachmittag in London eine nicht öffentliche Versammlung abgehalten, die von dem nationalen Transportar- bciterverband einberufen war und an der Vertreter der �neisten Gewcrkschaftsorganisationen. die am Streik beteiligt sind, teilnahmen. Die Führer der Eisen- bahner Thomas und B r o m l e y gaben eine Erklärung über ihre Sache ab und verließen darauf die Versammlung. Die Versammlung beschloß, eine aus Arthur Henderson und zehn anderen Arbeiterführern bestehende Abordnung zum Premierminister zu entsenden. Lloyd George erklärte sich bereit, die Abordnung zu empfangen. Die Transportarbeiterkonferenz tritt Donners- tagabend wieder zusammen, um den Bericht der Abordnung über das Ergebnis ihres Besuches beim Premierminister ent- gegenzunehmen. Die Transportarbeiter haben über die Ver- Handlungen der Konferenz eine Erklärung veröffentlicht, die besagt: Nach Anhörung der Erklärung der Vertreter der Eisenbahner wurde einstimmig die Ansicht ausgesprochen, daß es sich um einen rein gewerkschaftlichen Streik für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen handelt. » Der Vollzugsausschuß deS TranSportar- beiterverbandes veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt, es sei unmöglich, seine Mitglieder auf unbeschränkte Zeit davon zurückzuhalten, die Eisenbahner und das Gewerkschaftsprinzip durch eine energische � Aktion zu unterstützen._ Die öeutsch-polnischen Verhandlungen. Ueber den Stand der deutsch- polnischen Verhandlungen wird folgendes amtlich mitgeteilt: Am 1. Oktober 1S19 abends fanden Verhandlungen über das gegenseitige Abkommen über die Entlassung festgehaltener Per- fönen, namentlich auch der Kriegsgefangenen, und die Ge- Währung einer weitgehenden Straffreiheit für die mit«ili. tärilcher, politischer und nationaler Tätigkeit zusammenhängende» strafbaren Handlungen, sowie über die damit verbundenen Fragen statt- Das Abkommen wird gleichzeitig in Berlin und in Warschau im Laufe des 3. Oktober veröffentlicht«erden und bedarf der Ratifikation durch dir deutsche Nationalversammlung, der unverzüglich eine entsprechende Borlage zugehen wird, um den zahlreichen betroffenen Deutsche» die Wohltaten deS Abkommens möglichst bald zu verschaffen. Gleichzeitig werden auch die Ko m- m i s s a r e benannt werden, die den B o l l z u g deS Abkommens auf der Gegenseite feststellen sollen. Der Leiter der polnischen Delegation, UnterstaatSsekretär W r»> b l e w S k i, hat sich am L. Oktober früh auf kurze Zeit»ach Warschau begeben, um zu den in den lehtrn Tagen abgehaltenen Borbesprechungen die nähere» Weisungen seiner Regierung ein, zuholcn. Nach seiner in wenigen Tage» zu erwartenden Rück-- kehr werden die Verhandlungen in vollem Umfange wieder auf- g-e n o m m e n werden. Vertrauensvotum für die französische Kammer. A«S Paris wird gemeldet: Die Kammer hat mit LS2 gegen 188 Stimmen ein Vertrauensvotum für dir Regierung bei der Beratung über den Antrag Lefdvre bezüglich Abrüstung Deutschlands angenommen. Zulage für öle oberschleflschen Eisenbahner. Nach einer telegraphischen Mitteilung des GrwerkschaftS- b n n d e S deutscher Eisenbahnbeamten wird die Beschaffungszulage für die oberschlefischen Eisenbahner in den nächsten Tagen ausgezahlt. Damit ist die BorauSsetznng für de» seinerzeit geplanten Eisenbahnerpreik in Oberschlrfie» hinfällig ge- worden. Der Schmuggel im besetzten Gebiet. Minister Erzberger hat ebenso wie der Abgeordnet« G o t h e i n über das„Loch im Westen" in der Nationalverfamm lung bewegliche Klage geführt, durch welches deutsches Kapi t a l unangefochten ins Ausland geht und englische und ameri konische Waren ohne Kontrolle hereinkommen. Eine? dieser Löcher, durch das wöchentlich Dutzende von Millionen deutschen Geldes nach Belgien wandern, ist, wie uns von gut informierter Seite mitgeteilt wird, da? unter belgischer Besatzung stehende Aachen. Aachen hat sich im Laufe der Zeit der belgischen Besatzung zu einem Haupt st apelplatz für englische, belgische und amerikanische Waren herausgebildet. Aachen versorgt heute das nördliche Rheinland, Hannover, Westfalen und selbstverständlich auch das Hinterland mit Waren aller Art. In Aachen hat sich eine Kapitalschmuggelzentrale aufgetan, die in höchster Blüte steht und zu verhältnismäßig niedrigen Preisen die St euerflüchtigen sicher nach Brüssel bringt. Bon der belgischen Hauptstadt nach Aachen kommen pro Tag drei bis vier belgische Autvmobilkolonuen, welch« den Besatzungstruppen Heeres- bedarf und Verpflegung liefern. Diese Kolonnen übernehmen bereitwilligst auch Privat- auftrage in größerem Umfang. So importiert beispielsweise eine Gelsenkirchener Tabaksfirma allein zwei Millio nen Zigaretten pro Woche, die auf L a st k r a f t w a g e n nach Aachen gebracht werden. Es sind die bekannten englischen Ziga retten, die in Brüssel mit 15 Centime? gehandelt werden, in Aachen bereits 22 Pf. kosten und im Hinterland mit 28 bis 30 Pf. weiter verkauft werden. In Aachen bedarf es keiner Formalität, um die belgischen Posten an der Grenze zu passieren. Die Militär- kraftfahrer befördern in ihren geschlossenen Wagen gegen einen Betrag von 1000 bis ISvv M. jeden, der das Geld hierfür übrig hat, unangefochten über die Grenze. Ferner besteht ein Privatschmuggelverkehr zwischen dem deutschen Ort Forst, der kurz vor Aachen liegt und der belgischen Ortschaft Baals, das bereits wenige Kilometer hinter der Grenze auf belgischem Boden liegt. Zwischen diesen beiden Orten verkehren nachts Fuhrwerke und— gegen Erlegung einer Summe, die nicht allzu hoch ist— gelangt man durch die Sperr- kette hindurch. Da der Verkehr Nacht für Nacht ein sehr reger ist, so läßt sich denken, welche Summen hier unausgesetzt inS Ausland gehen. Der Warenschmuggel wird von Aachen über D ü s s e l- darf in das Hinterland geleitet. Es ist kaum glaublich, welche Mengen an Lebensmitteln, Textilwaren usw. in Aachen aufgespeichert liegen. Der Nachschub erfolgt aus Brüssel, wo große Gesellschaften die Waren aus Amsterdam heranschafzen und weiterleiten. Vor allen Dingen müßte eine weit schärfere Kontrolle' der Eisenbahnstationen an der Besetzungsgrenze stattfinden. Nach wie vor gehen Waggons über Waggons nach allen großen Städten des Reiches. Wenn auch der Eisenbahnüberwachungs- dienst in den letzten Wochen erheblich schärfer geworden ist, so ist eS noch immer ein leichtes, gegen eine gute Provision ein oder mehrere Eisenbahnwagen nach jeder beliebigen deutschen Statiön zu bringen. Die Kontrolle der falsch deklarierten Güter ist so gering, daß unter zehn Fällen kaum ein. oder zweimal der Schwindel entdeckt wird. Eine schärfere Ueberwachung wäre besonders im Eisenbahndirektionsbezirk Frank- furt a. M. nötig, von wo jetzt besonders viel amerikanischer Tabak. Kaffee und Textilwaren eingeführt werden. Strekt ln Kiel. Ein allgemeiner Busstand der Handels« ist Mittwoch ausgebrochen. Der gesamte schärfste betroffen. Auch die Arbeit in der Lebensmittel- b r a a ch e ruht. Die P o st sah sich gezwungen, ihre Paketbestellungen einzustellen. und Transportarbeiter er kehr wird aufs Ueberrumpelung. Die Fünfzehner-Kommifsion des Metallarbcitcrpecbande!- hatte für den Donnerstagvormittag, 11 Uhr, dreißig Versamm- lungen angekündigt. Diese Ankündigung ist nichts tveiter als eine Aufforderung von allgemeinen Arbeitseinstellungen. Wieder einmal sollte über die nichtsahnende Arbeiterschaft Groß-Berlins aus dem Blauen heraus, ohne Fragen nach ihrer Zustimmung der Generalstreik verhängt werden. Beweis dafür ist nicht nur der Umstand, daß die Versammlungen in die Arbeitszeit verlegt worden sind, son dern auch das, was sich heute früh in den Betrieben ereignet hat. Ueberall zeigt sich das fieberhaste Bestreben, die Ar- heiter ans den Betrieben heraus und auf die Straße zu bringen. Zu diesem Zwecke wurde die lügenhaste Behauptung ver- breitet, die Vcrsanimlungen seien zwar verboten, aber nach träglich wieder gestattet worden. Tie„Freiheit" veröffent- lichte heute früh folgenden Aufruf: A» die Berliner Arbeiterschaft! Die Fünfzehnerkommission hat im Verein mit bei» Rcicho- arbeitSmimsterium bei den maßgebenden Stellen die notwen- d-i-gem Schritt« eingeleitet, das VersammlungSverbot aufzuheben. Tie 30 Bersammlungcn werden deöhalb zn der angegebenen Zeit stattfinden. Mitgliedsbuch einer Gewerkschaft oder Streikkarte legiti- micrt, ohne Legitimation kein Zutritt. Die Fünfzehnerkom Mission. Das Metallkartell. Und in seinem Leitartikel schreibt dasselbe Blatt: Der Versammlungen also werden stattfinden. Wi.r wissen zwar, daß die Rogierung alle militärischen Vorbereitungen zu ihrer gewaltsamen Unterdrückung getroffen hat und daß starke Einflüsse am Werke sind, die diese Gelegenheit zum Eingreifen nicht unbenutzt möchven vorübergehen lassen. Tie Beantwortung aber für alle daraus etwa entstehenden Folgen trägt die Regier-utig in volle in Umfang. Dagegen erhielt eine hiesige Lokalkorrespondenz folgende Mitteilung des Polizeipräsidenten Ge- nossenErnst: Die heutigen 30 Versammlungen, dir die Fünfzchnerkvin- Mission deS Mctallarbeiterverbandcs angesetzt hatte, sind nicht genehmigt worden und wir werden die Abhaltung der Bcr- sammlungcn verhindern. Die Fünfzrhnrrkommission hat den Berliner Zeitungen gestern mitgeteilt, daß der ReichSarbeil-?- minister dem Polizeipräsidenten in einem Gespräch mitgeteilt habe, daß nach seiner Ansicht kein Bedenken vorliege, die Zu» sammenkünft« stattfinden zu lassen. Diese Mitteilung entspricht keineswegs de» Tatsachen. Am hentigen DonnerStagvormittog erst hat der- ReichSarbeitS- minister beim Polizeipräsidenten Ernst angefragt, ob Bedenke» gegen die Abhaltung der Berfammlungen vorliege». Ter Polizeipräsident hat daraufhin erwidert, daß die Berfa vi», lungen nicht angemeldet worden sind und infolgedessen eine Genehmig»»g nicht mehr stattfinden könne. Die Korrespondenz sagt weiter: Am gestrigen Mi-ttwochnachmittag hat der Polizeipräsident an den Metallarberterverband ein Schveiben gerichtet, in dem er betonte, daß die Versammlungen nicht angemeldet und deshalb unzulässig seien. Auch Versammlungen unter freiem Himmel dürften nach den Bestimmungen dvs Belagerungszustandes nickt stattfinden und das Polizeipräsidium müßte gegebenenfalls hiergegen einschreiten. Polizeipräsident Ernst hat weiterhin auch telephonisch mit dem Metollarbciterverband über dies« Angelegenheit verhandelt. Auf den Brief des Präsidenten ist vom Metallarbeiter verband keine Antwort eingelaufen. Wen» der Metallarbeiterverband auf daS Schreiben des Präsidenten und auf den telephonischen Anruf hin gestern nachmittag gean!- wartet hätte, wenn die Erlaubnis für Mitgiiederversammlun- gen nochgesucht worden wäre, so hätte einer Genehmigung nich'.s im Wege gestanden. Wenn nun behauptet wird, daß die ange- setzten 30 öffentlichen Versammlungen lediglich als Gewerlschafis- Versammlungen anfAufassen sind, so ist daS eine Irreführung. Vielmehr muß das Vorgehen der Fünfzchner- kommission als ein Versuch aufgefaßt werden, die bestehenden Bestimmungen des Belage ru ng s z-u st a n de s zu durchbrechen. Es kann danach gar kein Zweifel daran bestehen, daß die Ludendorffe des Bürgerkriegs wieder einmal den Versuch gemacht haben, die Arbeiter unter falschen Vor- spiege lung en a u f d i e St r a ß e z u l o cke n. Es ist darum so ziemlich das stärkste Stück, weun die„Freiheit" behauptet. für die Folgen trage die Regierung die Verantwortung. Es war nicht die Regierung, die diesen Generalstreik- Versuch aus dem Hinterhalt, ohne Vorwissen und Zustimmung der Arbeitermassen arrangiert hat. und es war nicht die Re- glenmst, b?c die Ai-beiier durch bewußt unwahre Behouptuit- gsn auf die Straße lockte. Wir haben den Belagerungszustand— leider!— und alle Welt weiß, warum. In den wahnsinnigen Putschversuchen der .stonimuuisten und Llnksunabhängigen haben Hunderte undTauseude»hr Lebenverloren, an Sachschaden sind in Berlm allein 50— 60 Millionen zu ersetzen, die jetzt von den Steuerzahlern aufzubringen sind. Jede Regierung ist unter solchen Umständen verpflichtet, die notwendigen Vor- tehrungen zu treffen, um die Wiederholung solcher traurigen Vorkommnisse zu verhindern. Man kann mit diesen Maßnahmen nicht einverstanden sein und sie kritisieren, was ja in reichem Maße geschieht. Aber jedes Kind weiß, daß ein Versuch, sich gegen die Vorschriften der Regierung gewaltsam aufzulehnen, von dieser mit Gegenmaßnahmen beantwortet werden muß. Da treibt dann ein Keil den anderen, und für ims, was daraus wird, tragen diejenigen die volle Verantwortung, die es planmäßig darauf angelegt hatten, daß es so kommt. Das sind aber d i e kommunistischen und links unabhängigen Drahtzieher, denen ein Teil der Arbeiterschaft, der zu klarem Klassenbewußtsein noch nicht erwacht ist, leider immer noch zum schweren Schaden der gesamten Arbeiterklasse folgt. Diese Drahtzieher versuchen es jetzt so darzustellen, als ob der Rummel, den sie heute provoziert haben— hoffentlich wird es nichts Schlimmeres—, die Auswirkung des L o h n- k a m p f e s sei, der zurzeit in der Metallindustrie geführt wird. Wir wollen in diesem Zusammenhang nichts über den Lohn kämpf sagen, aber unsere alten Getverkschaftsgenossen wissen, wie in früheren Zeiten Lohnkämpfe erfolgreich geführt worden sind und werden sich durch die neuesten Methoden sehr eigentümlich berührt finden. Sic werden sich sagen, daß die beutige Führung entweder nicht weiß, wie man Lohnkämpfe erfolgreich leitet oder daß es ihr gar nicht daraus ankommt, Erfolge im Lohn kämpf zu erzielen, sondern mir darauf, die Arbeiterschaft in Abenteuer ohne Sinn und Verstand hinein- zutreiben, Ein solches Abenteuer ohnv a l t i g e n Staatsstreich an sich zu reisten bestrebt sind. Alle Kreise sind sich jetzt bewnstt, dast die inneren Unruhen eine K a t a st r o p h e für die Polnische Republik werden. Lohnbewegungen. Unabhängig von dem landwirtschaftlichen Streik, der für den 1. Oktober erklärt wurde, unabhängig von dem Ultimatum des Warschauer Arbeiterrates, welcher einen Generalstreik ankündigt, falls der Krieg im Osten nicht sofort beendet wird, haben auch die Warschauer städtischen Arbeiter, sowie die A n- ge st eilten der Strastenbahn und die Angestellte n der Gas- und Elektrizitätsunternehmungen neue Forderungen gestellt und mit sofortigem Streik gedroht. Tie Kommunisten warten nur eine entsprechende Gelegenheit ab, um im ganzen Staate die Revolution zu entfachen. Wir siitd alle dazu nötig, und es wäre ein Vert-rechen, wenn einer nur fehlte." Ter Aufruf regt die Gründung einer gemeinsamen Zeitschrift an, die in allen großen Städten Europas erscheinen soll, Wilhelm Wundts Völkerpftichologie vollendet. Ter Schlußband des großen zehnbändigen Werke?„Völkerpsychologie" des greisen Wilhelm Wundt ist abgeschloffen. Er heißt„Kultur und Geschichte". Er läuft aus in Betrachtungen über den geschichtlichen Weg, der einen Ausblick in die deutsche Zukunft, deutschen Geistes, der in der Reformation feinen ersten, in dem deutschen Idealismus seinen zweiten Aufstieg erlebt hat und in dem deutschen Staat seinen dritten erleben werde. � Bach-Mozart-Abend. Geza v. K r e s z und Nora v. K r e s z- T r e w e t t gaben in der Sing-Akademie einen über- aus reizvollen Bach-Mozarb-Ubeick. Das.Konzert T-dur für Kkr- vier, Zlölc und Bioli-ne vom Altmeister Bach, in tlarror Wiedergabe vorgetragen von den beiden Korrzertgeveon, Herrn Harzer llHöt«) und einem Kammeronchester unter der sicheven Leitung des seinen Musiker? L e o n i d Kreutzer, eröffnete den Mcnd, Sehr großartig wirkte die d?m Klavier allein zugeteilte Kadenz im ersten Satz, in der Frau v. Koesz ihren musikalischen und Pia- nistisckcn Vorzug recht zeigen konnte. Es folgte Partita h-moll für«olovioline als zweitoS Wer?, eine vortvesfliche Leistiung de? Geigers, der über ein evstrunlichcs Gedächtnis veafüg-t. Tann kam im zwenen Teil Mozart: das entzückende A-dn'r-Wavterkcmzert, in dem sich alle Grazien ein Stelldichein gegeben haben. Kcrntn es mehr Schönheit geben? Es wird alles zu Gold, was Mozart an- rührt. Die Klavierspielerin spielt mit liebenswürdigem Tempe- rament das sonnige Weck. Etwas mozartfremd war die Kadenz, die Mar glänzend, aber nicht stilrein wiM. Zum Schluh das frohe D-dur-Konzert für V-ilKine, von dem Geiger milt welchem, schönem Ton und reiner Empfindung gespielt. eck. Berliner Kunsthochschule. Zwer alte Lehrer, die Maler Prof. Gustav G u t h k n e ch t und Albertus W i r t h, sind aus dem Lehr- körpcr der Akademischen Hochschule für die bildenden Künste aus, geschieden. Guthknecht leitete die Kostümklassc der Hochschule, die als solche eingeht. Wirth war der Lehrer für Farbe ntechnik. Diesen Unterricht hat der Maler Prof. Heinrich Härder übernommen. Theater. In der Volksbühne wird am Sonnabend, 4. Oktober, Strmdbergs,£ u 1 b e c" mit Friedrich KaMer in der Titelrolle wieder aufgenommen,— Im Deutschen Theater wird die Erstaufführung von Shakespeares.Eymbelin« voraussichtlich Ende der nächsten Woche slattsinden, TKustk. ErössnungS-Konzert des Blütbner-OrchesterS am kommenden Sonnlag. Dirigent: Paul Scheinpflug. Solist: Konzermeiner R, Lambwon, Schumann: Ouvertüre z, Op,.Genoveva'. Mendelssohn- Bartholdi: Biolin-Konzert E-moll mit Orchester. Beetboven: Sinfonie kkr, 5. Wagner: Waldmebcn auZ.Siegsried�. Wagner: Meiste: singer-Borspiel,— Gustav Makler? IX Sinfonie wird nach einer Pause von sieben Jahren zum ersten Male wieder unter Leitung von Oskar Fried am 20. Oktober in der Philharmonie zur Aufführung kommen. Nunit und Dkode. Ueber dies Tdema spricht Peter Jessen am s, Oktober, abends S Uhr, im Hörsaal des Kunstgewerbemuseums, Prinz- Albrecht-Str. 7», Hof. vertehrseknsthräntung in Gefterreich. Wegen der Kohlennot wird vom nächsten Sonntag ab der Personenzugverkehr auf den Staatsbahnlinien an den Sonntagen bis auf weiteres eingestellt. Ueber den G ü t e r z u g v e r k e h r an den Sonntagen wird erst entschieden werden. Auf der S ü d b a h n bleibt jedoch der Sonntagsverkehr uneingeschränkt aufrecht. Ausländischer Besuch. Die belgffchen Blätter melden, daß der Schah von Persren im Laufe des Monats November B e l» g i e n einen Besuch abstatten wird. Herrn Obersohm, S Unwahrheiten. Zu unserem Bericht über die Kieler Versammlung des deutschnalionalen Abgeordneten Dr. Oberfohren in Nr. 487 bittet uns der Deckoffizrersbund festzu- stellen, daß entgegen dem Bericht kein Deckoffizier im Sinn« des Dr. Oberfohren gegen die Regierung gesprochen hat. Es ist an dem Abend nur ein Deckoffizier zu Wort gekommen, dieser hat ziemlich gegen Schluß der Versammlung geredet und kein Wort gegen Dr. Oberfohren gesprochen. Wir geben dieser Erklärung um so lieber Raum, als daraus hervorgeht, daß Herr Dr. Oberfohren bei seinen politischen Hetzereien auch nicht einen Versammlungsteilnehmer auf seiner Seite gehabt hat. Znöustrie unö ßanöel. Börse. An der Börse entwickelte sich ein verhältnismäßig lebhaftes Geschäft in Kolonialpapieren, dre zum Teil wesentlich an- ziehen konnten. Begehrt und höher waren ferner Schiffahrts- a k t i e n, einzelne Elektrizrtätspapiere, sowie chemische Werte. Montanpapiere setzten höher ein und konnten sich im späteren Verlaufe weiter befestigen, vor allem Dcutsch-Luxemburger, die nach dem ersten Kurse etwa 7 Proz. ge« Winnen konnten. Die auZgesprocheiren Balutapapiere waren indes trotz der weiteren Aufwärtsbetvegung der ausländischen De- Visen zientlich vernachlässigt. Heimische Rentenwerte konnten sich durchweg gut behaupten. Fremde Renten waren im allgemeinen füll. Am Eiuheitsmarkt macbte die feste Tendenz weitere Fortschritte. Grofcberlw Grohe Streife durch die Nachtlokale. Tie Polizei unternahm in der vergangenen Nacht ein« große Streife durch den Berliner Westen. Schöneberg und Charlottenburg. Unter der Leitung von zwei Kriminalkommissaren und mehreren Oberwachtme istern wurden 40 Krimina"Wachtmeister, 80 HilfS- beamte der Gewerkschaften und zwei Züge der Sicherheitspolizei mit Personen« und Lastkraftwagen aufgeboten. Der Zug begann um 1114 Uhr, zu der Zeit, in denen olle Wirtschaften rn Groß- Berlin schließen müssen. ES ergab sich, daß keins der in Betracht kommenden Lokale sich um die Polizeistunde auch nur im geringsten kümmerte. Ucberall stieß die Streife auf den slottesten Betrieb. Wirte und Gäste wurden ätgrführt und die Per- sönlichkeiten festgestellt und verhört. Neben Schiebern und Zuhältern mit ihren Damen sah man auch Angehörige der sogenannten besseren Kreise. Zu den Lokalen, die bereits geschlossen wurden oder gegen die das Verfahren schwebt, gehören der„Kakadu", der Esterhazi-Keller, die„Rote Mühle", die„Goldene Spinne", der „Schlemmerkeller", die»Monbifou-B«:", der.Malepartus", die „Motz-Diele". der.Atlantik", das„Blaue Schloß", die„Flanringo- Bar"', die ,Kolibri-Bar", die.Olhmpia-Bar" usw. Die Streifen werden fortgesetzt._ Gewerkschaftsmitglieder! Einlaßkarten zu sehr ermäßigten Preisen für die Borstellung am Sonntag, de» o. Oktober, nachmittags 2 Uhr, im Deutschen T h e a r e r, können täglich vormittags Sst, bis nachmittags SVj Uhr in unserem Bureau. Engelufer IS I. Zimmer IS, in Empfang genommen werden. Zur Susführung kommt:.Der Sohn." Soziales Drama von W. Hasenclever. Der Ausschutz der Berliner Gewerkschaftskommission. Ungesunde BauvereinSgrünbunge«. In neuerer Zeit ist die Beotachtung gemacht worden, datz Bauvereinigungen errichte! wur« den, bot deren Gründung anscheinend persönliche Interessen einzel- ner Personen im Vordergrunde stehen. In eiem Erlaß hat daS Ministerium für Volk»- Wohlfahrt deshalb darauf hingewiesen, daß die Errichtung solcher Vereinigungen nur dann. staatlich gesör- dert werden dürfe, wenn bei ihrer Gründung lediglich Ge- sichtspunkte des Allgemeininteresscs aus schlag- gebend sind. Merkwürdige Einsender. Die Redaktion stellt an den Em- sender ein« Rückfrage oder teilt ihm mit, datz sie sein Schreiben mit einer Befürwortung«r die zuständige Behörde geschickt hat. Der Brief der Redaktion kommt zurück:.Empfänger unter an- gegebener Adresse unbekannt, Aufruf bei den Briefträgern erfolg- los." Also wahrscheinlich einer, der unter falscher Adresse schreibt, um zwar seine Angaben durch Angabe von Rainen und Adresse glaubhast zu mächen, aber gleichzeitig ihrer Nackwrüfung und Verantwortung ausweichen will! Das beweist, daß eS dem Ein- sender nicht um Abhilfe, sondern darum zu tun ist. sich ge- druckt zu sehen, womit nicht selten irgendem Racheakt beab- sichtigt wirb. Daß dann die Zeitung ihren kostbaren Platz für eine Widerlegung hergeben muß, macht den gewissenlosen Einsender nicht bonge. Wenn'? nur gedruckt ist! Wer wollte es bei solchen Erfahrungen der Redaktion verdenken, wenn sie sich eine große Portion demokratischen Mißtrauens angewöhnt?? Talvarsansckicbungen. In den letzten Monaten hat der Schleich- und Schiebcrhandel mit Salvarsan zugenommen. Der Handel mit Salvarsan und auch mit Neo-Salvarsan ist nur solchen Firmen gestattet, die«ine besondere Erlaubnis dazu befitzen. ES steht fest, daß es sich um Heeresbeständ: handelt, vor deren Erwerb dringend gewarnt werden muß. Erhöhte Auslondsgebsshre» für Ferngespräche. Der Fern- spreckoerkehr mit Luxemburg ist in demselben Umfange wie vor dem Kriege unter Erhöhung der Gebühren um 100 v. H. wieder ausgenommen worden.— Die Gebühren im deutsch- niederländischen Fernsprechverkehr werden vom 1. Oktober ab in der Grenzzone um IS. in den übrigen Zonen um 8 0 Pf. erhöht. Nähere Auskunft bei den Fernsprechanstalten. Biophou.Thcatcr-Licht'Piclc. Potsdamer Str. 3S. Morgen, Freitag: .Aphrodite". GewerffchaflsbewWung Zum Metallarbeiterftreik. Von S.-P.-D.-Mitglrsder« der Ortsberwaltung des Metall- arbeiterverbandes erhalte» wer folgende Zuschrift: „De bürgerlich« Presse, insbesondere die„B. Z. am Mittag" vom 28. September glaubt einen Gegensatz zwischen den S. P. D. und U. S. P. D. in diesem Kampf feststellen zu können. Auch spricht die„B. Z." von einer Gegenversammlung der S.-P.-D.- Metallarbeiter am Denstag. den 30. d. M., im Lehr erb ereinshau?. Beides trifft wicht zu. Jan Gegenteil, die S.-P.-D�Ortsverwal- rungsmitgliÄer des Mctallarbeiterverbandes haben sich bereit er- klärt, an den Sitzungen lind Arbeiten der ISer-Koinmissio.» Wil- zunehmen, da sie in diesem wirtschaftlichen Kampf der Metall- arbeiter sich vollständig einig sind. Von einer Gcgenvecsammlung der S.-P.-D.-Metallarbeiter kann ebenfalls keine Rede sein, da diese Versammlung nicht infolge der Bewegung einberufen worden ist. Die gesanrle bürgerliche Presse kann ruhig ihre Bemühungen aufgeten, die Ilrbciterschaft gegenoitiander zu verhetzen, da in Wirt- tchastlrcher Beziehung die Arb-efterschast sich immer wieder zu- s-rmmenfrnden wird, um das Unternehmertum erfolgoeich be- kämpfen zu können." •* « Das Verbot der Mctallarbeiterversammlungeu. Gemäß der Entscheidung des Berliner Polizei-Präsidentcn waren Vorkehrungen getroffen worden, um die Abhaltung der 30 von der Streikleitung einberufenen Versammlungen zu verhin- der». Ter Andrang zu den Versammlungen war ein sehr starker, da durch die Veröffentlichung der Fünfzehnerkommission der An- schein erweckt worden war, daß der Abhaltung der Versammlungen nichts im Wege stehe. Die Berliner Sicherheitspolizei hatte an allen Stellen, wo die Zusammenkünfte stattfinden sollten, starke Absperrungen vorgenommen. Tie Stimmung unter den Ver- sammlungSbesuchern, die unverrichteter Dinge wieder umkehren mutzten, war im allgemeinen ruhig. Zwar machte sich die Er- regung über das Vebot des Polizei-Präsidenten in kräftigen Aus- drücken Luft, doch hielten sich die Versammlungsteilnehmer, ebenso wie die Sicherheitspolizisten geflissentlich zurück. Im Gewerkschaftshaus am Engelufer hotten sich be- reits kurz nach 10 Uhr etwa 200 Personen eingefunden. Um 1411 Uhr rückten drei Lastkraftwagen mit Sicherheitspolizisten heran und sperrten das Engelufer vom Mariannenplatz bis zum Ludwrgskirchplatz ab. Der diensthabende L-ffizter forderte die im Saal Versammelten auf, den Raum zu verlassen, da die Ver- sammlung verboten war. Die Anwesenden entfernten sich dar- auf ruhig. Bald hernach rückte auch ein Lastauto mit Polizisten unter den Zurufen wie:„Laubfrösche, Noskitos" usw. ab.— In den Germania-Sälen hatten sich in den Sälen und im Hof etwa 3000 Personen eingefunden. Bereits um%11 Uhr erschienen mehrere AutoS mit Mannschaften der Sicherheitspolizei, welche die Räumung der Germania-Säle vornähmen.— In den Pharuk- Sälen hatten sich etwa 8000 Personen eingesunden. Um 11 Uhr erschien eine Kompagnie Sicherheitssoldaten und sperrte die Müllerstraße in der Umgebung des Versammlungslokals durch Sperrketten ab. Hierauf wurde die Räumung des riesigen Lo- kals vorgenommen. Tie Besucher durften sich in der Richtung Seestraße entfernen, während die Passage nach dem Wedding verboten war. In den Musiker-Sälen in der Kaiser- Wilhelm-Straße waren etwa 1500 Personen anwesend. Auch dort erschien die Sicherheit?- Polizei, entfernte sich aber nach kurzer Zeit wieder, ohne die Ver- sammlung aufzulösen. Die Besucher klieben beisammen, ohne daß Ansprachen gehalten wurden.— Die Räumung der AnderaS- Festsäle, in denen 2000 Personen anwesend waren, ging glatt von statten.— In den CommeniuS-Sälcn wurde die Versammlung ebenfalls aufgelöst und der Versammlungsleiter verhaftet. Um zu verhindern, daß sich außerhalb der Versammlungs- lokale Züge bildeten, durchfuhren Lastautos mit Polizeitruppen die Straßen. Die wichtigen Verkehrszentren und die nach der Reichskanzlei führenden Straßen wurden durch Truppen b r Zusammenstöße in der Müfferstraße. Eine Korrespondenz berichtet: Wie 12 Uhr mittags gemeldet wird, ist e? in der•&: leider zu einem Zusamlnenstoß zwischen den Polizei truppen und der ausgevegten Menge gekommen. Nachdem die Versammlung in den Pharussälen aufgelöst und die Seestraße abgesperrt war, fiel vor den PharuSsälen plötzlich ein Schuß. Die Menge blieb jedoch vor- läufig noch völlig ruhig, da eS sich offenbar um die Ungeschicklichkeit eines Soldaten handelte. Gegen 4il2 Uhr kamen von der Seestraße her immer neue Menschenmengen heran und die Polizei versuchte nun. die Versamrnlungsbesitcher abzudrängen. De Utrcchter, Brüsseler, Amsterdamer und Ostender Straß« waren schwarz von Menschenmengen, die auf etwa 10 000 bis IS 000 Personen-u schätzen waren. Plötzlich wurden drei Personen verhaftet, angeblich die Versammlungsleiter aus den PharuSsälen. De Polizeibeamten erhielten den Befehl, die Festgenommenen nach dem Polizeirevier in der Genter Straße zu bringen. Durch die Massen hindurch wur- den die Verhafteten von den Polizeibeamten unter furchtbarem Gejohle und Geschrei der Menge abgeführt. Es ertönten Rufe wie „Lumpen, Mörder, NoSkegardisten" usw. De Situation wurde noch bedrohlicher, als an der Nazarethkirchstraße aus der Menge ein Pflasterstein gegen die Soldaten geschleudert wurde. Der Stein traf einen Soldaten und dieser wollte von seiner Waffe Gebrauch machen, wurde jedoch von seinen Kameraden daran gehindert. Kurz vor der Polizeiwache, etwa in der Höhe der Limburger Straße ver- suchte die Menge, die Verhafteten zu befreien. Nun machten die Soldaten von ihrer Schußwaffe Gebrauch und es wurden zunächst einige blinde Schüsse abgegeben. Ms die lRenge nicht zurückwich, wurden Handgranaten geworfen, wobei mehrere Personen verletzt sein sollen. * Von besonderer Seite wird uns noch berichtet: Wie wir in der heutigen Morgenausgabe bereits mitgeteilt hatten, hat der Polizeipräsident die von der Streikleitung ein- berufenen Versammlungen verboten, weil sie nicht angezeigt waren. Die„Freiheit" hatte dagegen die Mitteilung gebracht, es seien Schritte im Gange, um die Abhaltung der Versammlungen zu er- möglichen. Die Versammlungen finden statt. Der Besuch der Ver- sammlungen war denn auch, soweit wir eS beobachten konnten, sehr stark. Die Säle reichten bei weitem nicht auS, um die Erschienenen zu fassen. Tau sende standen vor den Versammlungslokalen auf der Straße. Vor den Andreassestsälen, wo eine der Versammlungsn abgehallen werden sollt«, erschienen zwei Lastautos mit Soldaten und Maschinengewehren besetzt. Ein Offizier verhandelte im Saal mit dem Einberufer der Versammlung. Dieser teilte darauf mit, der Ofsizier habe namens des Polizeipräsidenten die Mitteilung überbracht, daß die Versammlungen nicht stattfinden dürfen. Tie Leitung der Versammlung stehe zwar auf dem Standpunkt, daß die Versammlungen nicht anzeigepflichtig seien, er ersuche aber die Erschienenen, der Gewalt zu weichen und ruhig nach Hause zu gehen. Tiefer Aufforderung wurde dann auch Folge geleistet. Aehnlich spielten sich die Vorgänge auch in den anderen Versamm- lungen ab. TaS Stattfinden der Versammlungen wurde in der- selben Weise verhindert und wo Ansammlungen aus der Straße stattfanden, wurden sie von den Truppen zerstreut. De Truppen verhielten sich dem Publikum gegenüber sehr zurückhaltend, während die Versammlungsbesucher natürlich vielfach schimpften oder die Soldaten anulkten. * Große Versammlungen fanden auch im Schiller park, Treptower Park ilnd im Tiergarten unter freiem Himmel statt. Die Versamm- lungen wurde» jedoch überall aufgelöst, noch ehe sie begonnen hatten. Zum ersten Male trat heute auch die Polizeifliegerstaffel in Tätig- keft, welche die Bildung der Züge beobachtete und dementsprechend« Meldungen bei den Kasernen der Sicherheitspolizei abwarf. Korrektur einer raSikalen Inkonsequenz. In einer Mitgliederversammlung des Verbandes der Bäcker und Konditoren am IS. September wurde nach einem die Arbeits« gemeinschaft befürwortenden Referat von feiten der linksradikalen Elemente ein wüster Lärm veranstaltet und ohne Diskussion die Annahme einer Resolution durchgesetzt, die sich gegen die Arbeits gemeinschaft erklärt, weil sie das Unternehmertum stärke- „Nur die Führer erkennen wir an, die sich auf den Boden des RätesystemS stellen/ sagt die Resolution. Nachdem die Versammlung diese Resolution angenommen hatte, beschloß sie, eine Lohnerhöhung von 50 Proz. zu fordern und über diese Forde« rung mit der Arbeitgeberorganisation zu verhandeln. Es soll also dasselbe getan werden, was eine Aufgabe der soeben erst ver- dämmten Arbeitsgemeinschaft ist. Tie Verhandlungen müßten natürlich betrieben werden von denselben Führern, denen die Ber« sammlung soeben erst daS Vertrauen entzogen hatte, weil sie auf dem Boden der Arbeitsgemeinschaft und nicht auf dem Boden deS radikalen Rätesystems stehen. Wenn die Resolution vom 18. September für den Bäckerverband maßgebend fein soll, dann wird die gewerkschaftliche Täligleit, soweit sie sich auf Tarisverhandlungen, Lohnvereinbarungen usw. bezieht, unmöglich gemacht. Um die Situation zu klären und den Fehl« beschluß vom 18. September wieder gut zu machen, hatte die Ver« bandSleitung einer am Mittwoch abgehaltenen Funktionärversamm« lung Gelegenheit zu einer auSgiebigen Diskussion über die Arbeits« gemeinschaft gegeben. Das Ergebnis derselben war die Annahme der folgenden Resolution, die der am 9. Oktober stattfindenden Mit« gliederversammlung unterbreitet werden soll. Die heutige Versammlung erklärt, daß die strikte Durch« führung der Resolution vom 18. Sept. fast jede gewerkschaftliche Tätigkeit auf Schritt und Tritt behindert. Sie ist sich bewußt, daß bis zur Durchführung der sozialistischen Gesellschaft die Ar« beiterklasse die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage mit allen Mitteln betreiben muß. Zu diesen gehören auch Verhandlungen mir den Unternehmern, die unanstößig sind, solange durch An« Wendung deS letzten und schärfsten Kampfmittels, de« Streiks, die Bewegungsfreiheit und der Kampfcharatter der Gewerkschaften gewahrt bleiben. Die Versammlung kann deshalb die völlige Ablehnung jeder Mitarbeit in den Arbeitsgemeinschaften nicht gut« heißen und hebt daher die Resolution vom 18. September auf. Lohnbewegung der Steinarbeiter. Die den Unternehmern unterbreiteten Forderungen waren Gegenstand von Verhandlungen, die am 25. September zwischen den beiderseitigen Vertretern stattfanden. Ein Resultat hatten die Ver« Handlungen nicht, denn statt ber geforderten Erhöhung deS Shirt« denlohnes um 50 Pf. boten die Unternehmer nur 20 Pf., auch hielten sie an ihrem seit langer Zeit von den Arbeitern bekämpften Standpunkt fest, daß der Tarif nicht auf die im Gewerbe befchäf- tigten Hilfsarbeiter ausgedehnt werden soll.— Die am Mittwoch abgehaltene Mitgliederversammlung des Steinarbeiterverbandes lehnte da? Angebot der Unternehmer ab und beauftragte die Lohn« kommifsion, auf Grund der aufgestellten Forderungen die Berhand- l un gen unverzüglich fortzusetzen. Hierauf beschäftigte sich die Versammlung mit dem Antrage eines Mitgliedes, nicht mehr im„Vorwärts" zu inserieren. Nach- dem mehrere Redner für den Antrag gesprochen hatten, wurde Schluß der Diskussion beschlossen, also drei Mitgliedern der S. P. D., die gegen den Antrag sprechen wollten, das Wort abgeschnitten, und dann wurde der Antrag mit großer Mehrheit angenommen.— Ein Gegner des Antrages erklärte, die Mehrheit sei nur aus Furcht vor dem Terror in den Betrieben zustandegekommen. Die Arbeitsgemeinschaft ländlicher Arbeitgeber und Arbeit- «rhmer der Provinz Brandenburg hat einen Schweizertaris für die ganze Provinz abgeschlossen. Dieser Bertrag hat Gültigkeit vom 1. August 1919 bis zum 31. März 1920._ Tie Klagen der Totalisatorangestellten. Di« im„Vorwärts" besprochenen Klagen aus Angestellten- kreisen bei der Totalisatorverwaltung des Union-Klubs haben, wie uns von dort berichtet wird, zu einer Gesinnungsschnüftelei nie- drigster Art geführt. Wie in einer kürzlich stattgefundenen Ver- sammlung der Totalisatorbeamten bekannt wurde, war die An- Weisung an einen kleinen Kreis Vertrauter gegeben worden, den Mund zu und die Ohren auf zu halten, um festzustellen, wer wohl die unzufriedenen Elemente seien, um dann diese Kollegen aus- merzen zu können. In der Versammlung führten einige Sühneprinzen in tiefster Unterwürfigkeit den echt chinesischen Kotau aus. Ferner glänzte Herr P. mit dem krummen Rücken nach oben und dem Pferdefuß noch unten. Während im Auftrage des TotalisatorvorsteherS und stellvertretenden Generalsekretär? des Union-Klubs, Herrn Hirsch« seid, die Erklärung abgegeben wurde, daß er mit einem Angestellten- auSschutz unter keinen Umständen zusammenarbeiten würde, konnte ein Beamter die erfreuliche Auffassung des Landwirtschaftsministers in dieser Sache überbringen. Danach ist ein Angestelltenausschuß zu wählen. Auf eine Anregung oder Eingabe wird der Herr Mi» nister seine durchgreifenden Anweisungen geben. Maßregelungen wegen gewerkschaftlicher und politischer Tätigkeit wird der Minister mit der schärfsten Maßnahme dem Union-Klub beantworten. Entsprechend dieser Auffassung deS LandwirtschaftsministcrS können die Totalisawrbeamten den Kampf um die Festigung ihrer Existenz für und durch den Angestelltenausschutz führen. Von dem verkehrten und felbstherrischen System deS Union« Klubs sei noch festgestellt, daß der Herr Hirschfefd ein Gehalt von zirka 20 000 M. bezieht, Anspruch auf Ruhegehalt besitzt und an jedem Renntage im Tagelohn 400 M. verdient. Nach 80- und 35 jähriger aufreibender ehrlicher Arbeit steht der Totalisator- beamte nach wie vor als Tagelöhner in seinen Diensten. In ver- schwenderischer Fülle sind mehrere Hunderttausend-Mark-Rennen geschaffen worden, aber in prinzipieller Auffassung hat der Union- Klub jede Aufwendung für den alternden Totobeamten in pein- licher Sparsamkeit vermieden. Er hat sich so auch der gesetzlichen Fürsorge, der Versicherungspflicht betreffs Krankenkasse, Invalidität und Angestelltcnversicherung, entzogen. Deutsche Filmgewerkschaft. Versammlung der Fabrikation;-. Atelier- und Pbotographenqruppe Montag, den 6. Oktober, im„Rosentbalcr Hos", Rosentbalcr Str. 11/12, abends 7 Uhr. Tagesordnung: 1. Teuerung?- znlage. 2. Zusammenschluß sämtlicher Handarbeiter. vortrage, Vereine unü Versammlungen. Zentralstelle für Bereinigung der Sozialdemokratie. Bezirk Charloitenburg. Heute 71;, Mitgliederversammlung im Restaurant Kaiser- Friedrichstraße 57. Deutscher DranSPortarbeiter-Berband. Distrikt Tempelhol. Mariendorf, Marienfelde. Morgen Freitag, 7'/, Uhr, in, Schwarzen Adler, Mariendorf, Chausseestr. 43, Versammlung. Die BeznkSverwaltung. Arbeiterschachklub. Ab 5. Oktober bei Dadzeck, Ecke Neue Königstr. Zeden Sonntag freier Schachverkebr, Gästetournicr. Arbeiter-Zteuograplicnbund„ I n t e r s h st e m a l". Jeden Freitag Sitzung 7—9 im Patzcnhoser, Fruchtstr. 71. Gäste willkommen. öilüungsveranftaltungen. Zentralinstitut kür Erziehung»ud Unterricht(Potsdamer Str.120.) „Lehrgang sür Sprechen, Reden, Vortragen" ist aus die Nochmiltagsstundci! verlegt worden. Kursus zur Einsührung in die volkstümliche R e b e k u n st beginnt übermorgen, Sonnabend. Leiter Dr. Ad. Damaschke. Kos aller Welt. Grufter Diebstahl. Bei der in Schlesien weilbekannten Pelzwarenfirma Bürzhbny in Oppeln wurden durch Einbruch zur Aufbewahrung gegebene Pelze im Werte von nahezu'/z Million Mark gestohlen. Berantw. für den redaktion. Teil: Alsnd schdlz, Neukiilln: für Anzeigen: Theodor Elockc, Berlin Verlag: Borwürts-Perlag<5. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts. > Buckidriickcrei und Verlagzanüalt Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindenür. S. 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