$*♦514. W.Iahrg. vezugSprei», «I-rteySUrl. Mr. monutL(r-SR. frei tn» Haus, voraus zahlbar. Post» b«zuz! Monatlich ch— Ml, rrv. Zu- ilellungsgebllhr. Unter 5tr«uzband wr Deutschlanb und Oesterreich-Ungar» 3,23 Ml. für da» Übrig, Ausland >0 23 Mk. bei taglich einmal. Zustellung 3,2Z Ml. Postbestellungen nehmen an DSnemarh Holland, sturem bürg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen w die Poft-Zettungs-Pretsliste, Der»Borwäris' mit»er Sonntags» beilage.Volk u. Bett* erscheint wachen» täglich zweimal. Sonntag» einmal. Telegramm-Tdreff,: «Sojiuldemottal Bcrtlu". Morgen Ausgabe. OG Berittier VolKsblstt. ( 15 Pfennig) ««zetgnchret»: SU«3>tg»lvaltene Ronpareillezell, lostet IL» Ml. �«leine Anzeigen". da» lettgedruckt- Wort«0 Pfg. lzuläsng » lettgedruckte Worte), lebe, weiter, Wort«0 Pfg, Stellengeluche und Schlasstellenanzetgen das erste Wort MI Pfg. lede» weiter, Wort Z0 Pig. Wort« übet 15 Puchstaden zählen fiir zwei Worte, Teuerungszuschlag 50»/» Familien- Anzeigen, volitlsch, und gewerkschaftliche verein»- Anzeigen IL» Ml, die Zeile, Anzeigen ftlr di, Nächste Nummer müssen bis 9 Zlh» nachmittag« im Kauulgelchäft. Berlw SW 88. AndenftraKe 3, abgegeben «erden. Geöffnet von s Uhr früh di» s Uhr abend«. Zentralorgan der rozialdetnokratircben partei Deutfcblandd. Neüaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Ar.»a» SO— 13137. Mittwoch, den 8. Oktober 1919. vorwärts-verlag S.m.b. tz., SW. b8, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 117 33—31. .l „Das Wort hat der Herr Reichskanzler!" Zum ersten- mal seit dem 9. November, an dem Scheidemann von einem Fenster des Hauses aus die Republik ausrief, haben wir gestern den gewohnten Aufruf des Präsidenten im alten Reichs- tagssitzungsfaal vernommen. Eine lange Reihe von Gestal- ten taucht in unserer Erinnerung auf: Hohenlohe, Bülow. Bethniann, Michaelis, Hertling. und der letzte Kaiserkanzler, Prinz Max von Baden. Jetzt erhebt sich von dem Eckplatz des Regierungstisches eine uns vertrautere Gestalt, der zweite Vorsitzende der Generalkommission der Gewerkschaften, Ge- nosse Gustav Bauer, schreitet gegen alle kanzlerische Ge- wohnheit zur Tribüne, von der auch die anderen Abgeordne- ten sprechen— er ist ja auch einer— und spricht./ Bauer, der gestern das Programm der Regierung ent- wickelte, hat in keiner Weise die Allüren der Staatsmänner des alten Regimes angenommen. Er ist der Gewerkschaftler geblieben ohne Geste und Pose. Mann der Arbeiter und der Arbeft. So wie er jetzt spricht, hätte er ungefähr auch auf einem Gelverkschaftskongreß sprechen können, wo man es vor- dem verstanden hat, daß man aus Begeisterung für eine große Sache auch— sachlich sein kann. Skber es geht von dieser Art Arbeit eine starke Herzenswärme aus, die die Ar- beiter stets noch verstanden haben. Mögen sie sie auch jetzt verstehen. Die Rede bringt«ine Menge bemerkenswerter Einzel- heften. Daß die N e u w a h l e n spätestens im nächsten Früh- jähr, auf Me Fälle softrüh wie möglich kommen sollen. Daß die Absicht besteht, die Wahlen zu den Betriebsräten schon zu Anfang deS nächsten Lahres votmehmen zu lassen, und daß bis dahin auch die Wirtschastsrate in Funktion gestellt sein sollen. Daß eine Vorlag« zur Neuregelung des Schlich- t u n g s w e s e n 8 zu erivarten ist, die den Streik als berech- tigtes letztes Kampfmittel der Arbeiter anerkennt, aber das Verfahren zur Vermeidung wirtschaftSzerrüttender Macht- kämpfe auf eine neue Grundlage stellt. Die Koblenversor- gung, die wie die übrige Industrie eine erfreuliche Steigerung des Arbeitswillens zeigt, soll weiter gefördert werden, der AusWucherung der Erzeuger wie der Verbraucher durch groß- kapitalistische Riesengewinne soll dabei ein Riegel vorgeschoben werden. In deutlichen Umrissen zeigt sich das Bild eines neuen Deutschlands, das zu Frieden und Arbeit willig ist, und das die Kraft hat, sich aus tiefem Sturz wieder empor� zurafsen. Die Rede des Reichskanzlers erhebt sich am Schluß zu weiten politischen Gesichtspunkten und zu kraftvoller Höhe, indem sie sich gegen das brunnenver�iftende Treiben des Chauvinismus, die monarchistischen Treibereien in der Armee wendet und den festen Willen der Regierung bekundet, sol- chen volksverderblichen Machenschaften die Stirn zu bieten. Nach dem Reichskanzler /sprach der Demokrat Petersen, der für den Wiedereintritt der Demokraten in die Regierung die Begründung gab, dann Scheidemann für die sozialdemokratische Frattion. Graf Posadowsily für die Deutschnationalen und schließlich der Zentrunismann Ivos. Graf Posadowsky also als einziger Oppositions- redner, viel umkämpft, auf schwierigem.Standpunkt. Der alte Herr hatte es nicht eben leicht, und da er nicht zu den Unentwegten der äußersten Rechten gehört, sondern seit seiner Ministerzeit in dem Verdacht steht, nachdenklichen Erwägun- gen nicht unzugänglich zu sein, ift er auch nicht einmal des aufrichtigen Beifalls seiner Parteigänger sicher. Die würden lieber.�eydebrand- oder Westarp-Töne hören, wenn nicht gar schon Oldenburgsche Ursprünglichkeiten. Der Graf spöttelt als alter Routinier über di« neuen Männer, er ist ein Skep- tiker und traut der Geschichte niemals ganz, ob sie so geht oder so. Aber er schlägt seine Ironie nieder, indem er zuaesteht: käme das alt« Regime wieder an die Reihe, so würde es vieles vom neuen übernehmen müssen. Auf den , Ränken der Unentwegten verdunkeln sich da dje Mienen. Dorr weiß man, daß zwar nicht daS Vaterland, aber doch die Varteisupvtz nur noch gerettet werden kann durch einstimmige Demagogie, und ihr Mann ist der alte Graf nicht! Scheidemann, der nach Posadowsky sprach, jetzt wieder als Wortführer der Fraktion, gab dem Tag die Prä- gung durch seinen Ruf:„Der Feind steht rechts!" Wie ernst dieser Ruf gemeint ist. zeigte er durch seinen„ein- dringlichsten Appell" an die äußerste Linke, die Methoden der Selbstzerfleischung aufzugeben und wieder die einheit- liche Front herzustellen, ohne die ein voller Sieg der Ar- beiterklasse niemals möglich sein wird. Scheidemann ge- wiß ein viel zu erfahrener Politiker, um von diesem Appell eine unmittelbare Wirkung zu erwarten— man wird ja hören, was.�aase heute zu antworten haben wird—, aber es bleibt verdienstlich, das Z i e l klar herausgestellt zu haben, t das die sozialdemokratische Partei nie aufgegeben hat und im Interesse der Arbeiterklasse niemals aufgeben kann. Wir können uns zu diesem Ziel heute um so deutlicher bekennen, als ja kein Zweifel mehr daran bestehen kann, daß die Einigung, so früh oder so spät sie kommen möge, nur auf dem Boden sozialdemokratischer Grundsätze erfolgen kann. Mehr und niehr stellt sich heraus» daß diejenigen falsch urteilten, die in der demokratischen Republik, wie sie aus der Novemberumwälzung hervorging, nur eine vorübergehende Erscheinung sahen, die von der nächsten Revolutionswelle wieder hinweggespült werden würde. Die demokra- tische Republik festigt sich, uttd auch den llnab- hängigen wird nichts anderes übrig bleiben, als sich auf dem Boden dieses„Gegenwartsstaats" einzurichten. Sie werden einsehen müssen, daß das Deutsche Reich nur noch von Volksmehrheiten oder von Parlamentsmehrheiten re- gieick werden kann, und daß das kein Unglück ist, sondern cberk nur die Verwirklichung eines wesentlichen Punktes des sozialdemokratischen Programms. Scheidemann sprach leidenschaftlicher als sonst, ganz er- füllt von dem Wunsch, durch die Macht seiner guten Gründe zu wirken, wenn auch nicht im Hause selbst, dann doch auf alle noch denkfähigen Köpfe draußen, und soviel er auch den Unabhängigen vorzuwerfen hatte, so vermied er doch un- nötige Schärfen und persönliche Angriffe, wie sie von feiten der Unabhängigen gerade gegen ihn besonders beliebt sind. Er sprach wie ein Mann, der in seiner Hosfmmg auf die Ar- beiterklasse feststeht und der an den Sieg der Vernunft glaubt. Tie Novemberumwälzung hat ihre Aufgabe erfüllt, in- dem sie Deutschland von Grund auf demokratisierte und in Reich, Einselstaat und Gemeinden die Möglichkeit regierender, unmittelbare Macht ausübender sozialistischer Mehrheiten schuf. Etwas anderes von ihr oder ihrer Fortsetzung zu er- warten, führt in die Irre. Auch sie konnte nicht etwas Fer- tiges herstellen, keinen weiterer Vervollkommnung unfähigen Jdealstaat, sondern nur etwas Werdendes. Daß die Rechte dieses Werden mit allen Mitteln der Verzweiflung zu unter- binden versucht, das entspringt ihrer Natur. Daß sich ein Teil der Linken init groteskem Eifer in derselben Kunst übt, ent- springt nicht ihrer Natur, sondern nur einem Mißverstehen des geschichtlichen Augenblicks. Darum hat Scheidemann recht, wenn er sagt, der Feind steht rechts, und die ganze Partei ist mit ihm einig in dein Wunsche, daß er fortab nur rechts zu finden sein möge. Wir unterscheiden zwischen Gegnern, die nicht anders sein können als sie sind, und solchen, die nur zu Verstand kommen müsset, um es nicht mehr zu sein. Scheidemanns Rede wird keine unmittelbare Wirkung haben, aber sie bleibt als gute Tat. Das Moskauer Attentat. (Drahtbericht unseres Kopenhagcner Korrespondenten,) Da« offizielle Organ der russischen Bolschewisten„Jsvestja" vom 35. September berichtet folgendes über die Moskauer Verschwörung gegen die Sowjetregierung: Während Dem. kiusche Horden im Begriff sind, in das Herz Sowjetrußlands einzudringen, haben Spione der Entente einep Aiifruhr in Moskau vorbereitet. Das„nationale Zentrum" hatte die Absicht, gelegentlich einer Meuterei der Garnison CraSnaja Gorka die Macht an sich zu reihen. Mitglieder des BnudcS in Moskau und' Petersburg wurden verhaftet, unter ihnr« Generäle, Offiziere, Lehrer nnd Bolschewisten deS rechten Flügels. Die Organisation war im Besitze von Waffen. Bon der außerordentlichen Kommission wurden 67 Personen hingerichtet, darunter mehrere bekannte Gelehrte. lieber die Einzelheiten des BombenattentateS gegen die bolschewistische Zentralregierung wird des fernere« aus Moskau mitgeteilt: Am 25. September abend? warf ein u�u- bekannter Konterrevolutionär zwei Bomben in das VerfammlungShauS der Kommunisten, wo gerade in Anwesen- heit der angesehensten Kommunifteuführer eine Sitzung statt- fand. Die Exvlosion verursachte große Zerstörungen. G e- tötet wurden: Kropotoff, ein Mitglied des Moskauer Sow- jetS; ZargoskijS, der Sekretär des Moskauer Komitees, und vier andere. Verwundet ist B« ch a r i n, der Verfaffer der bekannten bolschewistischen Programmschrift und Befürworter des Terrors. Der Kommissar M e n s ch o f f schreibt anläßlich des Attentates:„Die Revolution ist wieder in Gefahr, aber wir muffe» alle Kräfte einsetzen." Die Ratifikation ües Irieüens. Bl a i l a n d, 7. Oktober.„Eorricre dclla Sera" berichtet aus Rom, daß der König die Dekrete, die sowohl den Friedetzsver- trag von Versailles wie den von St. Germain ratisizieren, unter. zeichnet hat. Jedes der beiden Dekrete bestehr aus zwei Ar- tikeln: in dem ersten Artikel werde die Königliche Regierung er. mächtigt, die Verträge voll und ganz in Anwendung zu bringen, der zweite Artikel verfüge die Nebcrwcisung der Telrcte an das Parlament, damit sie zum Gesetz erhöbe« werden. „Temps" schreibt, ,ö sei wahrscheinlich, daß die englische Regirrung baldigst den Mächten die Ratifizierung des Friedens- Vertrages von Versailles durch das Britische Reich notifizieren werbe. Alle Dominions hätten bereits ratifiziert und auch die Ratifizierung von Indien sei sichergestellt, da sie bort der Weneh- migung eines Parlaments nicht untcrfsehe. Nnter diesen Umständen bliebe nur noch übrig, den Vertöag dem König zur Unterschrift, vorzulegen, was jedenfalls vor Ende dieser Woche geschehen werde. Nach dem gleichen Blatt erwartet man in Kreisen der Friedenskonferenz in Paris die Ratifizierung des Bersailler Fric- densvertrages durch Japan gegen den 15, Oktober. Die Auslieferung kommt! Tie Pariser Presse veröffentlicht eine Depesche auS Washington, die meldet, England, Frankreich und Belgien hätten nunmehr der „Frjed«nS"konferenz die Liste der Deutschen übermittelt, die wegen Beruhen? gegen das Völkerrecht oder das Kriegsreckt ausgeliefert werden sollen, Exkaiser Wilhelm stehe nicht auf der Liste. Das Krrogsgericht in Lille hat gegen einen Grafen Bismarck und sieben andere Deutsche Anklage wegen Erschießung von 11 Per- sonen und Niederbrennung ihrer Häuser erhoben. Diese Schand- taten, sollen noch durch Bestialitälen verschärft worden sein. SelagerungszustanS in Nordamerika. Ans Newyork meldet„Hollaudsch Nieuwsbnrcau: Ueber die Hauptstädte der amerikanischen Stahlindustrie wird der Belagerungszustand verhängt werden. „NienwS Rotterdamschc Eonrant" meldet aus Washington: Agenten der Regierung, die nnter den streikenden Stahl- arbeitern tätig sind, erkärcn, sie hätten unzweideutige Beweise dafür gefunden, daß der Streik von der russischen Sowjetrcgirrung gestützt werde. Mehretzr russische Agitatoren, dir für eine» allgemeinen Streik zur Erzwingung der Anerkennung der Moskauer Regierung«k»d der Rufhebung der Blockade Propaganda machten, wurden v r r- haftet. Die Aerzte erklären, daß W i s o n s Krankheit das Gehirn nicht erfaßt habe._ Die Reaktion la Sudqpest. Die Bubapester Staatsanwaltschaft hat gegen den gewesenen Staatspräsidenten Graf Michael K a r o l h i das Strafverfahren wegen Diebstahl, Veruntreuung und treuloser Gebarung eingeleitet! Die Untersuchung ist bereits so loeit fortgeschritten, daß demnächst der Haftbefehl gegen den Grafen erlassen wird I Gleichzeitig werden die AnSliefeningS- Verhandlungen mit der tschecho-slowakischen Republik eingeleitet werden. Kgrolhi hatte sich vor dem Edelmut der Friedxich-Bande nach Prag geflüchte». Aufstand in Portugal. In Lissabon ist ein Eisenbahner st reit ausgebrochen und hat sich über ganz Portugal ausgedehnt. Truppen halten die strale- zischen Punkte der Stadt init Wtaschi„enge wehren besetzt. Infolge der Verhaftung von 68 gewerkschaftlich Organisierten versuchten Gewerkschaftler da? Gefängnis von Limoveiro zu stürmen. Truppen zerstreuten die Mamfestmrten. In der Nähe von Aveiro haben die Revolutionäre einen Zug zum En t- glei se n gebracht. Durch die Umsicht heS Lokomotivführers wurde größeres Unglück verhütet. In Lissabon kam es zu weiteren Kund- gebungen, wobei die Polizei zahlreiche Verhaftungen vor nahm. Rückkehr vom Saltikum. Der Aufruf der Regierung an die Truppen im Baltikum hat sein« Wirkung nicht verfehlt. Es rollen dauernd Trans- Porte zurück. Ein Teil der Truppen ist jedoch durch die Ver- worrenheit der Ziele, die er bisher verfolgt bat, noch schwankend in seinem Entschluß. Nachhaltigen Eindruck haben die von General von der Goltz besonders betonk�Repressalien. die von der Entente ergriffen werden würden, gemacht. Es ist zu erwarten, daß es dem Einfluß der Führer gelingt, die Masse der Truppen von der Not- wendigkeit ihrer Rückkehr und der Unmöglichkett ihres weiteren Ver- bleibenS im Baltikum zu überzeugen. die deuschnationalen gegen ffergt. Der Landesverband Berlin der Deutsch- nationalen Bolkspartei hielt am Montag iin Lehrer- vcreinshans einen Parteitag ab. Als politisches Resultat kann festgestellt Iverden, dag widerspruchslos eine scharfe Opposition gegen das von Herrn H e r g t in der Preußischen LaudeSversanimlnng aufgestellte Arbeitsprogramm zum Ausdruck(am. Der Abgeordnete der Nationalversammlung Laverrenz bezeichnete als das Ziel der Partei: eingestellt sein auf die höchste Opposition. Das Ordnungsprogramm des Abgeordneten Hcrgt habe leider eine gennsse Besorgnis und Unruhe ins Land getragen. Unter lebhafter Zu- stimmung forderte Laverrenz die Parteileitung auf, in bezug auf derartige Kundgebungen doch die größte B o r s i cht walten zu lassen. Ebenso erhob in der allgemeinen Aussprache Stadtrat Berndt schtvere Bedenken gegen die anscheinend grundsätzliche Wendung der deutsch- nationalen Politik. Das Programm von Hergt habe starke Beunruhigung und V e r w i r r u ri g im Lande erregt, und ein erheblicher Schaden sei nicht zu leugnen. In Ge- mäßheit dieser Ausführungen nahm der Parteitag ein- st i m ni i g eine Entschließung an, wonach Parteileitung und Fraktion sich jederzeit bewußt zu bleiben haben, daß mir i» tlompfstellmig und Oppofitisn den vaterländischen Zielen zum Tieg« verholseu werden kann, und daß nichts ße- schehe» darf, ivaS als eine Verwischung und Abschwächung dicseS cntschicdencii Standpunkts gedeutet werden könne." Damit ist Hergt in seiner Partei unten durch gefallen, sein Arbeitsprogramm stellt sich als ein Bluff heraus. Wir, die wie nie daran geglaubt habcu, daß die Dcutschnationalen im Ernst sich auf den Bodeir der Republik stellen»vürden, be- grüßen es, daß auf diese Weise K l a r h e�t geschaffen ist. Wo sie selbst regleren! Wir haben oft an dieser Stelle gezeigt, wie die Unab- hängigen in den Kleinstaaten, wo sie selbst das Heft in Hän- den haben, genau dieselben Konzessionen an die Tatsachen macheil müssen, die sie uns Mehrheitssozialisten als finsteren Verrat vorwerfen. Die„Freiheit" versucht demgegenüber nachzliweisen, daß allein die„grundsatzlose Politik der Schein- sozialisten in Weimar und Berlin" Schuld daran sei, daß die llnabbängigen in Reuß und anderswo keine radikale Politik treiben können. Diesem Rechtfertigungsversuch stellen wir nun folgenden Aufruf entgegen, der wörtlich einem Flug- .blatt entnommen ist, das die Unabhängigen in„ihrem" Staate Rcnß verbreiten. Er lautet: „Es wäre ein beschämendes Zeugnis für die Arbeiter, wenn sie alle den niedrigen Betlenmdungen unserer Vertreter in der Acgierung Gehör schenket würden. Unsere Genossen haben überall geleistet» was in ihren Kräften stand. Wenn nicht mehr erreicht werten konnte, so lag das an den tausenderlei Widerständen, die sich der Tätigkeit unserer Genossen in den Weg stellte» und die nicht von heute aus morgen übermunden w e rid e n können.— Worin bestcben tie Vorwürfe, die gegen unsere Genossen erhoben werden? Es geht über unsere Kraft, alles das zu widerlegen, was seit Monaten zusammengelogen worden ist. Alte verdienstvolle Ge- nassen, die seit 40 Jahren nur von der Sorge um die Partei des Proletariats beherrscht werden, sie werden in der gemeinsten Weise heruntergerissen. Es geschieht das alles nur zu dem . Zwecke, das Vertraue« der Arbeiter zu ihre» Genossen zu unter- graben. Wer glaubt, berechtigten Grund zur Kritik an der Tätigkeit unserer Genossen in den Vertretungskörperselmften zu haben, dem ist in den Mitgliederversammlungen jederzeit Ge- legenheit gegeben, sich offen und rücksichtslos auszusprechen. Das ist der Weg, auf dem alle Beschwerden vorzutragen sind. Die Unzufriedenheit der Arbeiter mit den bestehenden Zuständen ist durchaus berechtigt, die Arbeiter aber müssen endlich wieder erkennen, das? die Schuld an diesen Zuständen nicht bei unseren Genossen in der Regierung zu suche» ist. All das Die MNarze Not. AuS Wien wird geschrieben: In diese» Tagen� ist in Wien die schwarze Not, die durch den ganzen strahlenden Sommer wie ein Gespenst am Himmel stand, zur Wirklichkeit geworden. Immer bedenklicher lauteten in de» Zeitungen die Berichte über die Kohlen- zuichübe, immer dringlicher wurden die Hilferufe der Stadt- koiitlnisijiouen, die den Vorrat au schwarzem Diamant auf ein Minimum schwinde» sahen, bis eines Morgens in der Riesenstadt mit ihren zwei Millionen Einwohnern die Pulsadern stillstanden und keine Elektrische mehr fahren konnte. Die 800 000 Menschen, die in Wien täglich die Bahn benutzten, die meisten, um aus den Austcnbezirken zu ihrer Arbensstätle im Herzen der«tadr zu gelangen, müssen de» oft mehrstündigen Weg zu Fuß zurücklegen. Zu allem Hebel setzte mit dem Tag der Einstellung der elekrischen Betriebe nach einer vielwöchetstlichcn Schönlveller-Periode ei» Wecterstuiz mit kälte. Sturm und Regen ein, so daß e- wirklich schien, al« hätten alle gütigen Engel die einst so fröhliche Stadt verlassen und als könne kein Leidenökelch für sie bitter genug sein. So müßten die Schulkinder, die Lehrer, die Arbeiter,'die Beamten mit fliegen- den Mänteln und durchnäßten Füßen erst die endlosen Strecken durchlaufen und dann stundenlang in den feuchten Kleidern aus- harren. Wien hat sich stets durch seine Schönheit, seinen Reiz, aber selten dmch seine Organisationsgabe ausgezeichnet, und ast Organi- sation fehlt es auch jetzt überall. Ost wurden i» diesen"Tagen Bergleiche mit Berlin laut, das in einer ähnlichen Siluation einen ganzen Wagendienst in- Leben rief. Hier iällt eine Beförderung mit Automobilen oder Fiaker für die Masse des Volkes, aus die eS doch ankommt, ganz weg; öeim wer vermag für eine Fahrt in die Siadt dem Kutscher die„Kleinigkelt" von Lvv Kronen in die Hand zu drücken? Wer sich aus der Straße mit einem Fiaker- kutscher zu handeln erdreistet, wird ausgelacht und beschimpft, und so sst trotz aller Wetterunbill das Laufen doch noch daö beste Be- sördeningsmittel. Wen» aber der armen, leidenden Stadt nicht bald Hilfe ge- spendet werden kann, wird die schwarze Sorge immer größere Schrecken nach sich ziehe». Schon spricht man von der bitteren Not- wendigleit, in den Haushaltungen und Industrien das Elektrische ausschalten und das zum Kochen unentbehrliche und im Verbrauch schon so knapp zugemessene Gas ganz absperren zu müssen. TaS würde auf die Levölkerutix, die dann ganz ohne Licht wäre und sich nicht einmal die kleinsten Mahlzeiten bereiten könnte, wie ein Todesstoß wirken. Die warme Sonne hatte trotz all ihrer Feuergarben niemanden über deu Ernst der Lage hinwegtäuschen lömien. Seit Wochen konnte schon den HanShaltungen kein Küchcnbrand mehr ausgegeben werden, und die Frage, wie man sich im Winter vor der Külte schützen wird, läßt keinen Wiener zur Ruhe kommen. Die ver- »rögendeu Kreise haben sich, so gut es ging, bei großen Firmen mit Holz eingedeckt: aber auch hier reicht in den meisten Fällen der Vorrat an Holz, daS kiloweise mit 70 Pf. fürs Kilo verkauft ivird, nur, um der ärgsten Not zu begegne». DaS Volk aber hat sich in seiner Angst und Sorge sein Heizmaterial seit Monaten aus dem herrlichen nahen Wiener Wald geholt, der von der Regierung zum »Eigentum aller", erklärt worden war. Der Wald wandert förmlich auf Elend, in dem wir uns befinden, ist durch den Krieg verschuldet. Nicht das Geschrei aller jener Leute, die jetzt wieder aus der Vergessenheit auftauchen, sich als Führer der Kommunisten gebärden und in ihrer Tollwut so weit gehen, den Llrbeitern das Abonnement kapitalistischer Zeitungen zu empfehlen, dürfte veranlassen, auch nur um Haares- breite von dem Wege a b z u w e i ch e n/ der allein die Arbeiter zu Erfolgen führen wird." Wem klingt diese Sprache einer unabhängigen Regierung nicht bekanstt'? Sachlich ist jede? Wort richtig, aber jeder Satz trifft mit der gleichen Schärfe auch d i e Hetze der Unabhängigen selber, die sie nämlich dort entfalten, wo nicht sie, sondern die Mehr- h e it s s o z i a l i st e n in der Regierung sitzen. Freilich, wenn wir uns in dieser Tonart beschweren, dann ertönt von der unabhängigen Seite nur höhnisches Gelächter! Ter „Freiheit" gegenüber aber stellen wik fest, daß ihre renßi- scheu Genossen— weit vernünftiger als sie selber— die Schuld an den Unvollkoinmenhetten ihrer Regierung nickt auf die 1° 1"t Mehrheitssozialisten, sondern auf das durch den Krieg verursachte Elen d schieben. Sehr ver- ständig, nur sollten bis llnabbängigen diesen Grund auch bei anderen Leuten als sich selbst gelten lassen. Die Untersuchung öer Kriegssihulüfragen. Im parlamentarischen'Untersuchungsausschuß der'Nationalversammlung über die Kriegsschuldfragen wurde mitgeteilt, daß eigene Räumlichkeiten für-seine Arbeiten am Pariser Platz gemietet sind und demnächst bezogen werden. Ter Eni- Wurf des Abg. Tr. Quarck über die Arbeiten der Unterausschüsse wurde namentlich deswegen angesochteit? iveil er von der Voraus- setzung ausgeht, daß die Verfassung zwar eine Anwendung der Be- stimmungen der« t r a f p r�z etzordnung auf die Beweiscr- bebungen vorschreibt, aber dckmit die zu vernehmenden AuskunstS- persoben nicht zu Zeugen und Sachverständigen im Sinne eines Disziplinarverfahrens macht. Auch der Stoatsgerichishos kennt nur ein disziplinarisches Verfahren, die Untcrsuchungzaus- schüsse aber seien lediglich Organe zur Feststellung politischer, wirtschaftlicher usw. Tatsachen obne jede S t r a f a b s i ch t. und die Vorschrift der Verfassung, die Bestimmungen der St.P.O...sinn- gemäß" anzuwenden, bedeute lediglich einen technischen Arbeits- behels für die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse. TaS Ergebnis der langen Beratung ist, daß besondere Bestimmungen über die Beweiserhebung in der Geschäftsordnung vermieden und die sinngemäße Anwendung der Strafprozeßordnung der Praxis überlassen werden soll. Dagegen wurde beschlossen, daß die Arbeiten jedes Untersuchungsausschusses dreifach sind. 1. Urkunden- und Gutachtenbeschafsung, 2. Beweisaufnahme in öffentlicher Verhandlung mit stenographischer Niederschrift, 3. Br- ratung der Erhebungsergebnisse uni> Berichterstattung an den Hauptausschuß. Tie Erledigung der Arbeiten unter l. un 3. er- folgt in nicht öffentlicher Sitzung. Auch in öffcntlichcr Verhand- lung kann sich der Ausschuß jederzeit zu nichtöffentlicher Be- ratung zurückziehen. Die llrkundenbcschaffung wird sich auf in- und auländisches Material erstrecken, eventuell mit öffentlicher Aufforderung an den Besitzer solchen Materials, es beim Aels- schuß einzureichen. Die Auskunflsz>ersonen Iverden unter kürzer Angabe des Gegenstandes, über den sie vernommen werde» sollen, aus eirven bestimmten Tag geladen, unter Voibehalt der Anlven- dung der gesetzlichen Zwangsvorschriften. Dia Zeugnis ver- weigern ngsgründe sind nicht fixiert. Als feststehend nimmt der Ausschuß an und stellt den entsprechenden Antrag, daß di? polj- tischen Zentralinstanzen für alle gewesene» und„seienden" Be- amten die Entbindung vom Amtsgeheimnis generell aussprechen. Nepresidien gegen Sie Pfälzer. Aus der Pfalz wird der„Franlf. Ztg." berichtet: DaS fran- zösische Oberkommaado behauptet in einem Erlaß an die pfälzische Regierung, daß Militärpatrouillen am Rbein wiederholt daS Opfer nächtlicher Angriffe geworden seien. Die Tatsache, daß die deuischen Behörden die Schuldigen niemals entdeckien, lasse auf eine Mit- schuld der Bevölkerung schließen. In Zukunft sollen deshalb die Gemeinden, in denen solche Angriffe erfolgen, dafür b e- straft werden. Karren, Handwagen, in Bündeln und Säcken in Tausende von Kücken und Kellern. Er wird an Ort und Stelle mit ganz unzulänglichen Werkzeugen von jedem, der sich als„Berechligter" ausweisen kann. zerhackt/ zerfetzt, zersägt: ganze Waldteile sind schon ausgerodet worden. Jetzt wird von den Bürgerlichen, de» Intellektuellen und Aerzten eiu wahrer Feldzug gegen diese Verwüstung und gänzliche Bloßlegung des Waldes geführt, und auch die Regierung such: dem Treiben Einhalt zu gebieten. Vielleicht wird man den Wiener Wald noch vor dem Absterben bewahren kmmen Aber wenn nicht bald genügende Mengen Kohlen in die Stadl bineinkonimen und das Volk von der furchtbaren, der schwarcsn Not beireil wird, dann wird kein Mahnruf helfen, und d«r Wiener Wald wird dem hungernden und frierenden Wie» rasch zum Opfer fallen. H. Sch. Foyer Und Oltimp. AuS den Kreisen der„oberen" Besucher der Staatsoper ist Beschwerde darüber erhoben worden, daß dem 3. und 4. Rang der Zutritt zum Foyer nicht gestattet ist. Es wurde daraus verwiesen, daß in einer Republik derartige Klassenscheidung schleckt angebracht ist. Wir haben der Intendantur der Oper diesen Sack- verhalt unterbreitet und angefragt, ob es denn nicht möglich sei, allen Besuchern das Foyer zu eröffnen.'Torauf ist uns geantwortet worden: „Mit Rücksicht auf die bestehenden im Interesse der Sicherheit der Theaterbesucher getroffenen polizeilichen Vorschriften ist eS leider nicht möglich, der Anregung Folge zu geben. Der Wandelsaal des Opernhauses faßt höchstens lt00 Personen. Dabei wird schon auf drei Personen nur 1 Quadratmeter Raum gerechnet und da bei ausvcrkauficm Hause 1058 Personen in Betracht kommen, so würde für rund 550 Personen der erforderliche Raum im Saal fehlen. Ter 3. und 4. Rang des Opernhauses hat aber 570 Plätze. Es geht also schon hieraus hervor, daß es nicht möglich ist, diesen 570 Personen Zutritt zu dem ohnedies meist schon bis ans den letzten Platz über- füllten Wandelsaal zu gestatten. Iin Falle einer etwaigen Panik würde sonst eine rechtzeitige Entleerung des HauscS völlig ausge- schlössen sein, so daß ein Unglück von unübersehbarer Größe unver- weidlich wäre. Gerade die großen Theaterbrände haben Veranlassung dazu gegeben, für die Theaterbesucher ausreickendc Aus- gangsmöglichkeiten zu schaffen, was sich nur erreichen läßt, wenn die einzelnen Ränge besondere in sick abgeschlossene Trcppenaulaoen haben Sckon aus diesem Grunde ist«S polizeilich verboten, die Be- suck>er aus allen Rängen sich in dem Wandelsaal ansammeln lassen, da dadurch eine gesicherte Entleerung des Hauses im Fall? der Not völlig vereitelt werden würde." Uebrigens ist dieses Verbot nicht eine boshafte Erfindung der neuen Regierung, sondern eine seit langem bestehende Sicherheiis- maßnähme. Solange Nicht ein Weg zur praktischen Abhilft gezeigt werden kann, wird es also in der Oper, die ja'vn vornherech als Rang- und Klassenthcater gebaut ist, bei dieser Einrichtung bleiben müssen. Da dem 3. und 4. Rang auch die> Benutzung des Telephons in der Vorhalle dcs Hauses untersagt und auch hier aus Gründen übermäßiger Inanspruchnahme eine Aenderung nickt möglich ist. soll ein»euer Fernsprecher für den 3. und 4. Rang eingerichtet werden. Hermann Thimig sang am Scpiniagade'nd im Bechirewisaal Li ei er zur Laute. Ex tat es gut und vergnüglich, mit der- Ein Fwangs-�anörat. Nachdem die Franzosen den Landrat des Kreises Saarlouis im Saargebiet abgeschoben halten, zwangen sie jetzt den Kreistag, den Adjutanten des Militärverwalters, einen Leutnant Fa vrier, zum Landrat zu wählen. Es ist von hier aus nicht zu erkennen, ob der Kreistag nicht unter einem Hoch auf das befreiende Frankreich das Lokal hätte verlassen und auf seine„Rechte" pfeifen lönnen. Wegen nachlässiger Ehrenbezeugung gegenüber französi- schen Offizieren verurteilt laut Bekanntmachung in den Saarlouiser Blättern das Militäipolizeigericht Saarlouis zwei Einwohner vov Schwalbach zu je 8 Tagen Gefängnis. Warum gehen die Menschen dort nicht ohne Hut? Sturz üsr Kölner Zentrumsherrschnft. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Stadtverord- netenwahlen in Köln wird das neue Kollegium bestehen aus: 49 Zentrumslcnten, 43 Sozialdemokraten. 8 Un- abhängigen, 7 Demokraten, 5 Deutfchenvolksparteilern und 2 Deutschnationalen. Die Wahl ist von einer großen Bedeutung, weil sie einen Rückschluß auf die Wandlung in der politischen Stimmung seit den Nationalwahlen darstellt. Und das Ergebnis ist? Eine Schwächuttg der bürgerlichen Parteien z ii g ii n st e n des Sozialismus. Zwar haben bei der schwachen Wahlbeteiligung alle Parteien, die Unabhängigen ausgenommen, Stimmenverluste erlitten, aber die Verluste der Bürgerlichen sind stärker als die unscrigen. Zum ersten Male sind im einst so schwarzen Köln mehr sozialistische Stimme als Zentrums st immen abgegeben worden. Die Sozialdemokratie, die unter dem Treiklassenwahlrecht nicht einen Sitz erringen konnte— drei Sitze waren ihr burgfriedlich überlassen worden—. ist eine starke Partei im Kölner Rathause geworden, mit der Zentrumsmehrheit in Köln, diesem Hanptsitze des deutschen Zentrums, ist es vorbei. Tie Unabhängigen haben ihre Stimmenzahl von 4000 auf beinahe 14(XX) steigern können. Diese Steigerung ist 1 schon deshalb sehr mäßig, weil die Unabhängigkeitspartei bei den Januarwahlen in Köln weder über eine Presse noch über eine Organisation verfügte. Jetzt haben sie b c i stärkster Anspannung kaum d e n f e ch st e n T e i l der niehrheitssozialistischen Stimmen erlangen können. Gerade in vielen Arbeiterbezirken haben sie schlecht ab- geschnitten. Eine schwere Niederlage haben die Demokraten, die V o l k s p a r t e i l e r und die D e n t s ch n a t i o n a l e n er- litten. Die sonderbündlerischen Freunde der„Rheinischen Republik" wagten in der Wahlbewegung kaum hervorzutreten. Die erdrückende Mehrheit der Kölner Bevölkerung will von keinerlei Loslösung etwas wissen. Befreiungskampf gegen �azarettkranke. Eine Wolffsche Meldung aus Kowno berichtet: Am LS. Sep- tember wurde in dem Müdchengymnasium in ö(hauten ein Lazarett für die deuischen Truppen eingerichtet. Am folgenden Tage drangen gegen 9 Uhr morgens elwa fünfhundert Litauer, darunter viele Schüler, in das Gymnasium, in dem sich acht deutsche Soldaten als Wache befanden, gewaltsam ein und konnten nur unier großen Schwierigkeiten zur Räumung des G-- bäudes veraulaßt werden. Hierbei wurde ein deutscher Soldat va,, einem Schüler durch einen Messerstich verletzt. Von den litauischen Angreisern wurde niemand verwundet. -Levien verhoflet! Die Wiener Blätter verzeichnen ein Gerücht, wonach der bayerische Spariakistensiihrer Dr. Max Levieu in Wien verhastet worden sein soll. dem. das Bauerntneipenhafte vermeidenden Gesichtsspiel. Daß der Saal größer war, als die Gitarre verlragen konnte, ist vielleicht nicht seine Schuld. Die Backfische Berlins, die den Saat beherrsch- ten, gerieten dermaßen in Begeisterung, daß sie im Herauspressen von Zugaben sogar de» mühsam erlernten Takt verloren. Beson- dors schön gelangen ihm das kurländische„JagdabeMener"(„Lauf, Jäger, lauf, lauf, lauf, lauf, lauf.. der„Abte und die Gräfin" und das gut ins Sächsische übersetzte„Mir is so driewe. Noch in der Garderobe summten sie alle. a.Z. Das Land ohne Genvhmittel. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika ist, wie bereits ausgeführt wurde, am 1. Juli d. I. das A l k o h o l v e r b o t in Kraft getreten. Dazu bemerkt die„llmschau": Damit verschwindet die hock entwickelte amerika- nische Brauindustrie und der amerikanische Weinbau. Entschädi- gung vird nicht geleistet, da nach amerikanischer Anffassuug ein Individuum oder ein Unternehmen, das sich mit der Herstellung oder dem Verkauf berauschender Getränke befaßt— Getränke, die die Gesundbeit, die Moral und die Sicherheit der Allgemeinheit gefährden— keinen Anspruch auf Entschädigung soieens des Staa- ies bat, denn oberstes Gesetz ist die Wohlfahrt des Volkes iUrteil des Obersten Gerichtshofs vom Jahre 1887). Die Brauereien und Weinberabesitzer haken sich daher bereits anderen Erwerbsquellen zugewandt, so der/ Herstellung von alkoholfreien Ge tränten, von Speiseeis, Essig, Gemüse- und Obstkonserven, Hefe, Sirup, Malz- zucker usw. Nachdem das Alkoholverbot in der ganzen Union Tatsache ge- worden ist, beginnt der Kampf gegen Tabak und Kaffee. Einige Staaten haben den Verkauf von Zigaretten und Zigarettentabak bereits derbsten. Man könnte meinen, sagt die„Münchener ine- dizin. Wochenschr.", daß Amerika den Krieg verloren und min un- gezählte Milliarden an Kriegsschccken zu bezahlen habe. In Deutschland dagegen verbsttten wir uns an den für Tabak, Kaiser, Tee, Schokolade und andere Genußmittel an das Ausland bezahlten Summen., Vortrug über Paleftrinn. Im Opernbause wird Donnerstag, nach. miUtag« 3 Uhr. Dr. Paul Bulching aus München einen einführenden Vor- Nag über PsitziuiS„Palestrina" hellen. Eintrittslarten an der Opern- haus lasse. Oskar Fried wird am 20. Ottober in der Philharmonie die seit heben Jahren nicht mehr gehörte I Zl.« i n t o n i e von Gustav Mahlcr diriglercn. Ein Gottsried-Keller Slbend mit Gesang und Rezitation findet im Lessuig-Museum am 9. Oktober, Tl, Uhr, stalw Margarete Wemberg und P. Ä. Morbach sprechen über den Dichter. Der Berliner Tonkünstler-Berein(E. V.l veranstaltet diese» Winter Konzerte und Vorträge von Manja Barkan. Gebein, rat Max Friedländcr, Max Jasse. Emmi Leisner, Lula Mysz- Gmeincr. Mafalda Salvatini, Heinrich SchlucnuS, dem JonaS- Stockhaujen- Trio, dem PremySla- Quartett». a.\ Ter Deutsche ztrbcitrr-Zängcrbuud. dessen Mitqlicderzahl während des Krieges von 108«« auf 15000 herabging, mustert bereits wieder über 80 000 Mitglieder. (fsperaitto-llntorrichtskiirse finden von Mitte Ottober ab täglich in Schuicn aller Stadtteile Groß-Berlins statt. Näheres durch die Geschäfts- stelle des Espcranio-Verbandcs, Steglitz, Zimmermannstr. 6. Für das Giitwcrfen von Kleinwohuungen hat die Humboldtt Hocb'chule einen Lehrstuhl errichtet. Architekt Dipb-Jrig. Gröbler(Halensee) ist als Dozent berufen. Nr. 514 ♦ 36. Jahrgang 1. Seilage öes Vorwärts. Mittwoch, S. Oktober 191» Deutsche Nationalversammlung. Dienstag, den 7. Oktober 1913, nachmittags 1 Uhr, Am Regierungstisch: Bauer, Müller, Erzberger. Schlicke, Dr. David, Kirch, Meier, Schiffer. Anfrage. Die Abgg. Laverrenz und Schiele sDnat. Vp.) fragen an: Unter den heimkehrenden Kriegsgefangenen wird eine von der ReichSzeniralstefle für Kriegs- und Zimlgefangene herausgegebene Schrift.Was ist in Deutschland geschehen"? verteilt. Der Inhalt stellt sich als eine Schilderung der Revolution in ausgesprochen sozialdemokratischem Sinne dai� die in weiten Kreisen, namentlich auch der andersdenkenden Kriegsgefangenen, der schärf st e n Ablehnung begegnet. Sind der Reichsregierung dieie Tanachen bekannt? Was gedenkt sie zu tun, um dieser auf Kosten aller Steuerzahler betriebenen einseitigen politischen Propaganda unter den Kriegsgefangenen alsbald Einhalt zu ge- bieten. lVergl. den„VorwättS'-Bericht von Montagabend über den deutschnationalen Gesinnungsterror nn Lager Wesel. Red.) Reichskommissar Lcviu: Der Regierung ist nicht bekannt, daß Kriegsgefangene an dieser Schrift Anstog genommen haben. sLebhafies Hört, hörtl rechts und Unruhe.) Die behördlichen Stellen haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die Heim- kehrenden darüber zu unterrichten, welche Veränderungen infolge des militärischen Zusammenbruchs in Deutschland stattgefunden haben. Diese Aufklärung kann sich selbstverständlich nur im republikanischem Sinne bewegen. Eine einseitige politische Propaganda, wie sie früher aus den Mitteln aller Steuerzahler betrieben wurde, wird nicht geübt. sZustimmung links. Unruhe und Gelächter rechts.) Die politische Ausspräche. (Zweite Beratung des Hmzshälts für das Reich-Ministerium, den ReichSlanzlet und die Reichskanzlei.) Abg. Bolz berichtet über die Ausschukverhandlungen. Darauf folgt die bereits im Abendblatt mitgeteilte Rede des Reichskanzlers Sauer, von der wir noch den Schlug nachtragen: Der vom ganzen Volke so lange ersehnte Rücktransport unserer Kriegsgefangenen hat endlich begonnen, außerordentlich schmerzlich ist aber, daß er erst so geringe Fortschritte gemacht hat. Wie furchtbar lang sind diese Monate noch den Kriegsgefangenen da draußen und ihren Angehörigen hier geworden. Seit einem Jähre ruhen die Waffen und noch sind viele Hundert- tau sende fern der Heimat. Ein unbeschreibliches, unaus- denkbares Leiden geht dort vor sich. Mit Bitterkeit denken wir an die Leichtigkeit, mit der man über diese- Leid bei unseren Gegnern zur Tagesordnung übergeht Wir wollen gern anerkennen, daß mancher auch unter den Führenden dort ein warmes Herz für die Kriegsgefangenen zeigt, aber eine große Bewegung der Menschlichkeit, die zu großen« Entschlüssen geführt hätte, haben wir v e r- geblich erwartet!(Lebhafte Zustimmung.) Der furchtbare Friedensvertrag legt uns unübersehbare schmerzliche Lasten auf. Am schmerzlichsten aber ist es, daß zahlreiche Volksgenosien von uns ge- rissen und daß andere gehindert werden, sich uns anzugliedern. Aber auch das müsien wir ertragen, denn wir wollen den Friedensvertrag loyal durchführen. �a? uns aber kein Friedensvertrag nehmen kann, ist das Gefühl der Vntivmilcn Zusamniengehörigkcit, und— was uns niemand ver- bieten kann, ist die Pflege dieses Gefühls. Unsere deutschen Stanimesgenosien, die künstig von uns getrennt sind und getrennt blechen, sollen wissen, daß wir aus den Gebieten, die uns der Friedensvertrag übrig läßt, für sie sorge n. Nicht politisch, aber menschlich sollen diese Beziehungen um so herzlicher sein. Auf allen Gebieten der Kultur, im Reiche der Wissenschaft, auf sozialem Gebiet, in den persönlichen Verhältnissen und im gesellschaftlichen Verkehr wollen wir diese unsere Gemeinsamkeit betätigen und da- Gefühl der Zusammengebörigkcit pflegen. Das ist eine kulturelle Ausgab? des Reichs.(Stürmischer Beifall.) Im Ausland hat man sich jahrzehntelang daran gewöhnt, in den Aeußrrunge» der Rechten die für die Reichspolittk maßgebende Stimme zu hören. daS macht ihre Auslassungen, so bedeutungslos sie für den Kurs der Republik auch sind, so überaus gefährlich. Fch beschränke mich auf eui paar Proben aus der deutschnationalen Presse der letzten Tage. Da heißt es bei der Beschreibung eines Ganges durch die Siegesallee und einer Begegnung mit englischen Soldaten:„Ein Arbeiter, einen Genossen treffend, sagte haßerfüllt:„Wie die hier so auftreten und sich breit machen!" E'n anderer, der gerade an mir vorüberging, brummte wütend in seinen Bart:„Verhauen müßte man die Brut!" ES wird der Tag kommen, wo alle Deine Genossen so denken wie Du:„Verhauen müßte man die Brut!, der Tag, an dem da- ganze deutsche Volk die Worte des Dichters befolgen wird: „Schlagt sie tot, das Weltgericht— fragt Euch nach den Gründen nicht." Und in einem Artikel: �.Was ist Frankreich?" „Frankreich ist ein hoffnungsloser Fall. Sein Körper trägt scherall die Spuren der Verwesung; er riecht. Es ist der selbst herbeigeführte Marasmus, der sich breit macht, und das Stammeln der SicaeSwahnsinnigen erinnert lebbaft an den Ton des Bor- dells. Frankreich weiß, daß eS ein Nichts ist ohne seine Raub- gesellen. Sein« ganze hundsgemeine Banditennatur, der ganze Zuhältergeist seiner Staatseinrichtung der Apachen kommt in der „Verwallung des besetzten Gebietes" zum Ausdruck. Es kommt ein Tag.. ( Hört, hört!) Ich sehe in diesem Zusammenhang ab von der Auf- forderung zu Gewalttätigkeiten, wenn nicht Totschlag, wie sie der erste Ariikel enthält. Die französische Mission hat ihn zum Gegenstand einer nur zu berechtigten Beschwerde gemacht. Ich sehe ab von dent hysterischen Stammeln, das sich in Schimpf- Worten nicht«enug tun kann und das beste Anzeichen für eine krank- bafte Schwäch« ist. Aber ich frage die Herren von der Rechten: Können und wollen Sie die Verantwortung für diesen ge- fäbrlichcn Wahnsinn übernehmen, ist das überhaupt noch Politik oder nur noch Irrenhaus,(Stürmische Zustimmung.) Eine angebliche Vaterlandsliebe, die sich so äußert, die dem Gegner solche Waffen in die Hand drückt, die darf man nicht frei herumlaufen lassen. Mögen Sie uns. wie ein anderes nationalistische? Blatt, Stätthalter der Entente und Landvogt der?llliterten Neimen, oder- wie daS ehrenwerte Mitglied dieses Hohen Hause? L. Verbrecher» oesindel.(Dröhnende Pfuirufe bei der Mehrheit.) Wir dulden sticht, d.-ß anonyme Schmierfinken das deutsche Volk in neue Fähr- l-ibkeiten bringen und seinen Leumund vor der ganzen Welt aufs neue untergraben. Wer sich zu diesen Artikelschreibern und vor sie stellt, der ist für uns ein Feind des deutschen Volkes! Ich möchte sehen, wer sich ern? schliefst von der ungeheuren Mehrheit der Deutschen, wenn die Reich-regierung gctreui ihrem außenpolitischen Programm den Ruf ergehen läßt: Für den friedliche» Auftau, für die Völkerverständigung, gegen die gewissenlvsen Brunnenvergifter des Chauvinismus!(Stürmischer langanhaltender Beifall und Zrschen rechts.) Abg. Petersen(Dem.): Wir stellen uns mit dem Reichskanzler auf den Standpunkt, daß jsde Politisierung der Armee zu verwerfen� ist und daß jeder, der dagegen verstößt, aus der Armee zu verschwinde« hat. Rechts und links sind die oppositionellen Kräfte rücksichtslos ungerecht und zersetzend in einer Weise am Werk, die wenig Ver- aniwortlichkeitsgefühl zeigt gegenüber der Not unseres Landes. Meine Partei hat die Revolution nicht gewollt und nicht gemacht, wir halten vielmehr die Revolution für ein großes Unglück, eine organische Entwicklung zu demokra- tischen Zuständen wäre uns lieber gewese n Die Revolution war nichts weiter als das letzte Glied einer Kette von Tatsachen, an deren Ansang preutzisch-konservativer Machthunger und politische Engherzigkeit stehen. Wir müssen moralische Eroberun- gen machen und fordern aus nationalen Gründen von der deutsch- nationalen Volkspartet, daß sie sich unzweideutig auf den Buden der neuen Verfassung stellt. Wir brauchen nicht zu verzweifeln. Das Gut? in der Welt wird sich durchsetzen. Arbeit ist heute Staats- Notwendigkeit. Wir erkennen das Streikrecht grundsätzlich an. Akkordarbeit ist unentbehrlich, die Erwerbslosenunterstützung muß abgebaut und Schutzmaßnahmen gegen jeden Terror getroffen wer- den. Die Zwangswirtschaft müssen wir so bald unld so weit wie möglich abbauen.(Beifall bei den Demokraten.) Abg. Scheidemann(Soz.): Ich kann die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, den Reichs- kanzler Bauer zu begrüßen, der die schwere Bürde des Amtes von meinen Schultern genommen hat. Uns beide trennen keine Mei- nungsverschiedenheiten. Von der Ueberzeugung durchdrungen, daß sofort gehandelt werden müßte, hat er die Bildung der neuen Re- gierung übernommen. Ob die erste Tat, die er im Auftrage der Nationalversammlung ausführte, richtig gewesen ist�darüber jetzt zu streiten, ist zwecklos. Die Unterzeichnung de- Friedensvertrages ist ein weltgeschichtliches Faktum, und gegen die Weltgeschichte pole- misiert man nicht. Es handelt sich fetzt nur darum, einen Weg zu finden, der uns wieder aufwärts führt. Ich freue mich, daß die demokratische Partei sich zur Anteil- nähme an den Regierung-geschäften zurückgefunden hat. Selbstverständlich wäre mir eine rein sozialistische Regierung lieber, aber eine solche Regierung ist erst dann möglich, wenn das Volk durch seinen Mehrheitswillcn die hierzu gehörige Vollmacht ausstellt. Ich begrüße den Wiedereintritt der Demokraten beson- der- deshalb, weil eine Regierung st a r k sein mutz, vor allem stark nach rechts. Unter den veränderten Verhältnissen muß jeder heute Rcpu- blikaner sein, wenn er nicht von der Vernunft ganz verlassen ist. Wer als Offizier freiwillig der Republik dient, soll provozierende Redensarten gegen die Republik unterlassen. Sonst zeigt er, daß sein Ehrbegriff in ein bedenkliches Schwanken geraten ist. Wir halten es für notwendig, daß die Offiziere darüber aufgeklärt werden, was jetzt ihre verfassungsmäßig« Pflicht ist. Wer nicht bereit ist. die Republik gegen alle Angriffe, auch von rechts, zu schützen, kann nicht Soldat und nicht Offizier sein. Ich wünsche, daß die Bemühungen des Ministers N o S k e nach dieser Richtung hin erfolgreich seien. Offiziere, die � monarchistische Propaganda treiben, müssen entlassen werden, denn diese Offiziere sind es, die die Reichswebr zermürben und den Geist der Truppe mehr zerstören als alle spartakistischen Umtriebe. Die am erftzjebig- sten sprudelnde Quelle des Mißtrauens des Auslandes ist�dte Reichswehr, sind Vorkommnisse, die maßlos aufgebauscht wor- den sind, denen man nicht mit der erforderlichen Schnelligkeit ent- gegengetreten ist. In einem Leitartikel de?„T e m p S" wird die Armee des republikanischen Reiches eine Gefahr genannt, Noske ein Imperialist, der Waffenstillstand sei zu milde gewesen» A" Beweismittel werden die verschiedenen Offiziersverbände herangezogen, und die Tatsache, daß„Die Reichswehr", die der Re- publikaner Colin Roß herausgab, ihr Erscheinen hat einstellen müssen, wäbrend reaktionäre Soldatcnblätter geduldet Wersen. Man sagte Noske. auch nach, er habe gesagt:„Alles, was ich verlange von Jhnen> ist, daß Sie mir keine Geschichten machen." So wird aus allen solchen Vorkommnissen im Auslande Honig ge- sogen, und wir, has ganze deutsche Volk, sind es schließlich, das die Folgen nachher auszubadeit hat. Deshalb muß man diesen Dingen die größte Aufmerksamkeit zuwenden, gerade weil wir die Reichswehr als wirkliche Schutz- truppe der jungen deutschen Republik gegen Bedrohungen von rechts ynd links �jaben wollen, weil wir unser Volk vor weiterem Schaden bewahren und unserem Parteigenossen Noskck seine Stellung festigen wollen. Die Verwendung eingefleischter Monarchisten m wichtigen Stellen)>er Armee und des Sicherheitsdienstes birgt aber noch eine andere Gefahr, denn Monarchismus und S p a r t a k i s- m u s brauchen einander(lebhafte Zustimmung), tudem der Spartakismus die Demokratie sabotiert, fördert er die Reaktion. (Lebhafte Zustimmung.) Und diese, indem sie herausfordernd auf- tritt, raubt dem Volke den Glauben an die Berechtigung der Demo- kratie und fördert den SpartakismuS. Ter Jpartakismus müßte den Monarchismus erfinden, wenn er nicht da wäre.(Sehr gut!) Umgekehrt ging« es dem Monarchismus mit dem Spartakismus ebenso. Die Monarchisten sind daran interessiert, überall spartakistische Putschversuche zu entdecken, und dadurch entsteht die Gefahr, daß die Regie rung durch falsche Orientierung sich zu einer falschen Führung ver- locken läßt. Wir haben kein dringenderes Interesse, als den Belagerungszustand sobald als möglich aufzuheben, da» Volk ohne Unterschied der Partei in chen Vollbesitz seiner demo- kratischen Freiheitsrechte zu setzen. Diejenigen aber,' die von dem Kampf gegen spartakistische Umsturzbestrebungen ihre politische Existenz hernehmen, haben Interessen, die den unseren direkt entgegengesetzt sind.(Sehr richtig! bei den Soz.) Wir müssen die Welt ohne reaktionäre Parteibrille betrachten, wir wünschen so klar wie möglich zu sehen, ob eine spartakistische Putsch- gefahr noch besteht oder nicht. Die Unabhängigen behaupten, sie bestände nicht. Ich wünschte von Herzen, ich könnte das auch mit derselben Bestimmtheit sagen, aber dann bitte ich Sie(zu den U. Soz.) dringend, dahin zu wirken, daß so unsinnige Streiks»� wie der am letzten Donnerstag hier in�Derlin propagierte, der- mieden werden, daß auf solche Sensation-stücke und Knalleffekte, die zur Fhrung eines Lohnkampfes vollkommen i n t b�h r l i ch sind, verzichtet wird. Ich bitte die Regierung, keincVAugen- blick zu vergessen, daß der Belagerungszustand gar nichts andere? ist, als ein uns aufgedrängter Notwchrzustand, daß wir die Ausnahme nicht zur Regel werden lassen und die Notwehr- grenze nicht überschreiten dürfen. Ich weiß, welche ungeheure Ver- antwortung auf der Regierung lastet, wie sorgfältig sie erwägen muß, ob der Zeitpunkt für die Aufhebung da ist. Gefährlich wäre ein Experitnent, ihn heute aufzubeben und ihn morgen wieder ein- zuführen. Auf der änderen Seite darf ein« Regierung, die unser Vertrauen besitzt, sich niemals auf den Standpunkt stellen, zu sagen: „Mit dem Belagerungszustand geht e- ganz gut, also warum seine Aufhebung vorzunehmen?" Das wäre der Standpunkt der alten Bureaukratie, der Polizei und des Militärs, und gegenüber allen Versuchen, so zu handeln, wird die Regierung ein offenes Auge haben müssen. Das Volk muß sehen, daß die Demokratie nicht bloß ein« neue Fassade für Klassen- und Kasten- Wirtschaft sei, sondern daß e? bitterer Ernst ist, das Volk mit den letzten Ideen der Demokratie zu durchdringen, vamit es sich frei macht zu einer neuen Form der menschlichen Gesellschaft. In diesem Sinne rufe ich der Regierung zu: Ter Feind steht rechts! (Unruhe rechts.) Ich wäre glücklich, wenn ich heut« schon sage« könnte: Er steht nur rechts. Die Herren von der äußersten Linke» sprechen ihren Anhängern täglich von der gegenrevolutionären Ge- fahr. Warum sagen sie ihnen nicht, daß zur Beschwörung dieser Gefahr es nur ein Mittel gibt: Einigung der Arbeiter- klaffe.(Lebhafte Zustimmung.) Jt« dem Augenblick, wo daS monarchistische Gespenst Fleisch und Blut gewinnt, wird dies« Einigkeit mit einem Schlage wiederhergestellt sein. Wird es dann aber nicht vielleicht zu spät sein? Ich wende mich an Sie(zu den U. Soz.) mit dem eindringlich- sten Appell. Sie glauben, daß Sie uns viele Fehler vorzuwerfen haben, wir glauben dasselbe von Ihnen, aber wir empfinden gleich- wohl den tiefsten Widerwillen gegen die Selbstzerfleifchung der Arbeiterklasse, die manche Leute mit geradezu sadistischem Vergnügen betreiben. (Sehr wahr! bei den Soz.) Glauben Sie, daß dies der Weg ist, auf dem die Arbeiterklasse vorwärts kommen kann? Alle JsSar- teien, zumal Parteien, die auf demselben Klassenbodey stehen, sollen sich doch gegenseitig nicht so behandeln, wie sich vielleicht zwei Ab- zahlungsgeschäfte behandeln, die sich gegenseitig Kon. k u r r e n z machen oder machen müssen, wenn sie das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb nicht daran hindert. Ich war nie ein Anhänger des Schlagwortes»Das Baterland über die Partei", denn ich war immer davon überzeugt: das Vaterland des Armen ist am besten aufgehoben bei der Partei der arme Leute, dem Sozialismus.(Sehr wahrl bei den Soz.) Ich bin überzeugter Anhänger des Grundsatzes: Die Sache der Arbeiterbewegung über die Sache der Fraktion.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Ihr agitatorisches Bedürfnis reizt Sie, uns Schein soz ia- listen zu nennen, aber ich bitte Sie, folgendes zu bedenken: Wie traurig müßte es um die Sache des Sozialismus bestellt sein, wenn in diesem Hause IM Scheinsozialisten säßen und nur einige zwanzig echte Sozialisten.(Sehr gut!) Wer sollte bei einem solchen Er- gebnis der Wahlen wie im Januar an einen Sieg des Sozialismus glauben? Mutzte die Arbeiter nicht angesichts solchen Ergebnisses nicht helle Verzweiflung packen? Wie lange müßten da die Ar- bester noch auf Besserung ihrer Lage warten? Solange die Ar- bester nicht einsehen, daß ihnen nur die Einigkeit helfen kann, kann es nicht besser, sondern nur noch schlechter werden. Statt die Arbester zu zersplittern, sollten Sie alle Kräfte daran setzen, daß bei den nächsten Wahlen, die nach der Darlegung des Reichskanzlers innerhalb weniger Monate stattfinden werden, hier ein� sozialistische Mehrheit einzieht, die Sie allein nicht erreichen können. Wer sich diesem gemeinsamen Vorgehen Wider- setzt, der prellt die Arbeiter um ihren Siegl(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Sie(zu den(11. Soz.) werfen uns vor, daß wir eilte gemein- same Regierung mit den bürgerlichen Parteien bilden, nachdem S i e uns dazu gezwungen haben. In Sachsen hatten unsere Partei- genossen gar keine Lust, mit den Demokraten eine Mehrheit zu bilden, sie bemühten sich, mit den Unabhängigen zusammen- zukommen. Als aber die sächsischen Unabhängigen sich in ernste Verhandlungen einlassen wollten, wurde von den ganz Unabhän- gigen«ine Reich-konferenz einberufen, und da erklärte H a a s e, von einer gemeinsamen Regierungsbildung mit den Rechtssozialisten könne keine Rede sein; bei Verhanidlungen müsse man die Bedingungen so stellen, daß wir auf sie n i ch t e i u- gehen können(Hört, Hort! b. d. Soz.) und so die Verhandlungen zum Scheitern bringen. Leidebour sagt von dieser Polittk mit Recht, sie sei weiter nichts als eine Komödie, und mit Recht wurde von unserer sächsischen sozialistischen Parieipress« gesagt, das sei genau die Methode des österreichischen Ultiutatums an Serbien, man schlage Bedingungen vor, von denen man weiß, daß d»r andere sie nicht erfüllen kann, und dann hat man den Kriegszustand, den man will.(Große Unruhe b. d. U. Soz., Zuruf Haases.) Herr Haase, ich habe nur zitiert, was in Ihrer eigenen Presse stand. „Bedntgungen, die die anderen gar nicht erfüllen können." Wenn sich alle Schuld auf Erden rächt, so muß sich auch die Schuld rächen, die die Unabhängigen durch ihre Arbeiterpoliti! auf sich ge- laden haben. Ich habe die Fehler im Interesse der Sache aufgedeckt, um zu zeigen, daß der Weg, den Sie nicht verlassen wollen, unfehl- bar zum Ruin der Arbeiterbewegung führt. Die Sozialisierung läßt sich nicht überS Knie brechen. Davon sii�> auch diejenigen Unabhängigen überzeugt, die sich mit diesen Problemen ernsthaft be- schäftigt haben. Die anderen aber wollen dem Arbeiter die Mei- nung beibringen, daß es ihm um so besser gehe, je wemger und je schlechter gearbeitet wird. Solch � gemeingefährlicher Irrsinn muß bekämpft werden. Wir können unserem Volk nicht eine vierzig- jährig« Wüstenwanderung zumuten, um ins gelobte Land zu kam- men. Wüste liegt genug hinter uns. Das Volk will sofort in eine günstigere Lage kommen. Wir haben aber den Mut, dem Volk zu sagen, daß es Mtzu noch viel lernen mutz. Wir erblicken in dem Gesetz üb« die B e t r i e b-S r ät e den Anfang einer Umbildung des Unternehmertums aus einem aus- beutenden zu einer führenden Schicht. Auf dtesem Gebiete können wir keinen Schritt zurückweichen. . Wir sind durch den Friedensvertrag der Lohnarbeiter der gan« ze» Welt geworden. Daher müssen wir die Arbeiterinter« essen gegen die Interessen des internationalen Kapitals ver- treten. Ich hoffe, daß htzt hierzu auf der Konferenz in Washington Geteaenheit haben werden. Man wird dem deut- scheu Arbeiter nicht Wen Zutritt verm ehren dürfen. Wo aber die Ueberheblichkeit des Wegers waltet, ist nicht der geeignete Boden für di« Beratung über internationale Arbeit. Dort würden wir nichts zu tun Halen.(Sehr wahrl) Auch auf dem Gebiete der internationalen Fragen haben wir leider noch die Reste des alten Militarismus. Die äußerste Linie befriedigt ihr Agitation sbedürfnis� indem sie e» so darstellt, als hätte der Militarismus uns noch mst Haut und Haaren. Damit liefert man nur unseren Gegnern billige Vorwände, unW noch mehr zu knebeln.(Sehr wahrl b. d. Mehrheit.) Es ist unverant» wörtlich, wenn die Soldaten in Kurland aufgemuntert werden, den Befehlen der Regierung Widerstand zu leisten.(Sehr wahrl links.) Ader ebenso unverantwortlich ist es, wenn Leute in Luzern bebdupten. wir hätten noch 1200 000 Soldaten, wenn sie di« lächerliche Vorstellung erwecken, als könne es von uns aus wieder losgehen. Dadurch schafft man nur eine Panikstimmung in Frankreich und leitet den dortigen Gewaltpolitikern und Militaristen Wasser auf die Mühle.(Sehr wahrl b. d. Soz.) Durch di« Widerspenstigkeit der deutschen Sol- baten in Kurland ist eine neu« international« Krists geschaffen worden. Durch die Art. wie di« Unabhängigen dielen Zwi- schenfall behandeln, wird sie verschärft. Gegen die ungeheuer- liche Unterstellung, als ob die Regierung mst den Gehorsamsver. weigerern unter einer Decke stecke und ein Spiel mit verteilten Rollen treibe, muß nicht nur mst Worten, sondern auch durch T a t e n der Gegenbeweis geführt werden. Namens meiner Par- tei richte ich nochmal» an die Soldaten im Baltikum die Auffor» d e r u n g, sich ihrer Pflicht als Soldaten und Volksgenossen be- wüßt zu werden. Sie haben nicht das Recht, in Verfolgung persön- lichcr Ziele das ganze Volk in neue Gefahr zu bringen. Bleibt daS vernünftige Zureden ohne Erfolg, dann Hai die Regierung unsere volle Unterstützung, wenn sie zu den entschiedensten Maß- regeln greift.(Sehr gut! bei den Soz.) Im übrigen sähe es in der Welt viel freundlicher aus, wen« der Militarismus nirgends übermütiger wäre als bei «rtä.(Sehr gilt? Bct bot Mehrheit.) Die französischen Militaristen treiben noch immer auf eigene Faust eine Politik, die auf die Zer- reißung Deutschlands ausgeht. Wir danken unseren Geziossen im besetzten Gebiet, daß sie gegen alle Verlockungen taub und gegen alle Drohungen fest geblieben sind. lLebh. Beifall.) Auch durrb die militärische Absperrung getrennt, bleiben wir doch ein Volk und weder List noch Gewalt werden uns trennen.(Lcbh. Beifall.) In den Abstimmungsgebieten wird es sich in kürzer Frist entscheiden, ob große Teile unseres Volkes bei uns bleiben oder von uns gehen. Wir hoffen, daß jeder Deutsche dort seine Pflicht tut und freuen uns sagen zu können, daß die deutschen Arbeiter bei ihrer internationalen Gesinnung fest zu ihrem Volke stehen, während vatcrlandSlofe Kapitalisten über die Grenze flüchten mit dem Rufe: Rette sich, wer kann. Wenn wir oon den Volksgenossen sprechen, die Siegermacht von uns getrennt hat oder zu trennen versucht, können wir auch Deutfchösterrcich nicht vergessen.(Lebh. Beifall.) Es trägt das härteste Los von allen, lveil die Feinde nicht vergessen können, daß es trotz fünfzigjähriger politischer Trennung Fleisch von unserem Fleisch und Blut von unserem Blute ist. Der Uebermut der Sieger hat von uns eine neue Erklärung gefordert, daß wir dem Willen der Deutschösderreicher, sich mit uns zu vereinigen, kein Gehör schenken werden. Wir konnten die Erklärung zum zweiten Absatz des Artikels öl wiederholen, nicht weil sie der Ueberzeugung entsprach, sondern unter hartem Zwang. Aber wir haben das Vertrauen in die Zukunft, daß sie es als unmöglich erlveisen wird, zwei reindeutsche Staatswesen, die innerlich zueinander streben, dauernd getrennt zu halten. Wir werden nie auf- hören, den anderen Völkern zu sagen, daß man uns vergewaltigt hat und da« TclbstbestimmungSrecht auch für Teutschösterreich zu fordern.(Lebhafter einmütiger Beifall.) An eine gewaltsame Aenderung der Friedensbcdingungen bat in Deutschland kein vernünftiger Mensch gedacht. Unser nach- stes Ziel ist die U m g e st a l t u n g deS Völlerbundes zum Wohle aller Völker, zur Erfüllung ihrer gerechten Am'prüche. Wir glau- den an den internationalen Aufstieg der Arbeiterklasse, freilich nicht wie phantastische Schwärmer, sondern wie Männer, die schon manche bittere Enttäuschung erlebt haben. Aber doch sehen wir im blutigen Weltgeschehen die klare Linie, die auswärts führt. Diese Linie werden wir nicht verlassen, fie weist auch unserem Volke den Weg. Jedes Volk, dem bisher das gleiche Schicksal widerfuhr wie jetzt Deutschland, hat aus dem Wege des Verlustes wiederzngewin- neu versucht, was es verloren hatte: es hat Waffen geschmiedet und Bündnisse gesucht. Nienials davon sprechen, immer daran denken, / war nach 1571 die Parole F r a n k re i chs. Wir wollen weder davon sprechen, noch daran denken!(Sehr gut! b. d. Soz.), denn der Krieg ist so grauenhaft geworden, daß er kein berechtigtes Mittel der Politik mehr sein kann. Er kann auch dem Sieger nicht -'rsetzen, was er nimmt. Deshalb haben wir vom ersten Tage der Unterzeichnung an nicht an einen gewaltsamen Umsturz des Friedensvertrages gedacht, sondern einen neuen Weg eingeschlagen, den vor uns kein Volk der Welt gegangen ist. Das legt auch den anderen Völkern die Pflicht auf, neue Wege zu be- schreiten, wenn dieser Friede ein wirklicher Friede werden soll, der keine neuen Kriege bringt. Dann darf dieser Friede nicht bleiben, wie er setzt ist. dann mutz ein neuer Geist der Gerechtigkeit dieses Werk der Gewalt revidieren.(Lebh. Beifall b. d. Soz.) Mit Genugtuung haben wir von den Entschließungen der Jnternano- nalen Sozialistenkonferenz in Luzern Kenntnis genommen. Sie bat sich einstimmig dafür entschieden, daß die Arbeiterbewegung in allen Ländern aus die Revision des Versailler Friedens hin- arbeiten muß. Nur wenn der Kriegs- und SiegeSgeist allerwärtS einer edleren Gesinnung weicht, kann ein Friede entstehen, der diesen Namen verdient, was bei diesem Frieden noch nicht der Fall ist.(Sehr wahr!) Ihn zu schassen, ist das gemeinsame Interesse " der europäischen Menschheit, der Besiegten wie der Sieger.(Sehr wahr!) Wenn man diesen Glauben an die Verständigung eine Utopie nennt, so sagen wir: kein Sieger ist für Jahrzehnte gegen die Wandlung des Schicksals gefeit. Das beweist besonders die deutsch-französische Geschichte, wo sich die blutigen Schnitt- punkte kreuzen. Die Idee des ewig unzerstörbaren Sieg- f r i e d e n S ist doch die allergrößte Utopie. Denn daß ein Volt für alle Zeit die Uebermacht über alle anderen Völker behält, ist viel unwahrscheinlicher, als der Gedanke eines friedlichen und vcrnünf- tigen Zusammenlebens. Wenn Frankreich den Ruhm behält, als letztes die blutige Wahlstatt behauptet zu haben, und wir den Ruhm, als erste ein neues Ncoeneinanderleben der Völker auf friedlichem Wege erkämpft zu haben, dann sind wir quitt?(Sebr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir also den Gedanken der Gcwalt für alle Zeit ausgeben, so dürfen wir den Gedanken an unser Recht niemals fallen lassen, in unserem eigenen Interesse und im Interesse aller Völker. Wenn das deutsche Volk sich zur S k l a v e: e i» erniedrigte, risse es alle Völker Europas mit sich herunter. Erst wenn alle Völker das Recht erkennen, wen» alle Völker haben, worauf keines verzichten kann, dann ist der wirkliche Friede da, der Friede des gleichen Rechts für alle!(Stürm. Beifall b. d. Soz.)~V Abg. Graf PosadvwSky(Dnat. Vp.): Wir sind keine solchen Don Quichoteö, daß wir angesichts unserer schmählichen Wahr- losigkeit und der Stimmung im Volke jetzt gewaltsam die Monarchie wieder aufrichten wolltcn�; 7'/3 Uhr Volksbühne Theater Schanspielhans. Coriolan. _ Anlang 7 Uhr._ Oirektlon Max Reinhardt. Ucatschen Thcnter. 7 uhn Und das Licht scheinet i.d.Finsterois Donnerstag 7 Uhr: Hamlet. ILaniin erspi el e. 7 Vi uv. Cespenstersonste. Dtg.T'/a: D. Büchse d.Pandor«. Theater i. d. PnlggrützerStraße 7 Uhr Kabale und Liebe.. Donneista?: Kameraden. Freitag; Kabale und Liebe! Komödienhans 1/28; Liselott von derlPla&z.| Berliner Theater 7ü\0: Bummels Studenten. Central�Tlicater i11! uitr: öie FascMiigsJee. Uwatncües Opemlians To.:PDStillßnv.LoBiBfflEaa f.den-Theater 7 Uhr:„ü. Ä. W. g." Friedr.-WII8telin«t.Th. 3l/t Uhr; Aschenbrödel. vh uhn Gretchen. ltle!ne.s Theater. 7% uhr: Seiden. Kl. Sctian.pielhaab. Wi uhr. Krach. H-OTuisehe Oper Tv. u Liebeszanher. LaHtsplellma» Tv.uhr: So ein Mädel. Metropoi-Theater. 7 Uhr: Spül. Sleucs Woarettenl-nas. 7u.io:BieBainesoni Zirkus. SchlUcr-Theat. Charl. �uhriVielläFffl um nichts Thalin-Theater t»/, u.Jnngler Sonnenschein Th. am\ nllendorfplata 3>/« Uhr: Maria Stuart. 7v. uhr Die Pappe. Theater des Westens T/t u.: Die FranimBerinelin Tbeater„Die Tribüne" 7v. uhr: Je WamHung." Theater d. PHedrichstadt T/t u.: Vier Einakter. Wallner-Theater uhfjtinejallnacht. Residenz- Theater. Untergrundb. Klosterstralie, Stadtbahn jannowitzbrücke. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: Itotkäppchen. Ä!1"um' 257. Male a. Bülowpl. 7ViU.:" i.essiii g- Titeater Direktion: Victor Barnowsky. 7'/.: Christa die Tante. Donn. T/t: Christ« die Tante. Freitag T/t: Liebe. Dentsehes Künstler- Theater. 7'/.: Das SchloB am Wannsee. Donnerst. 7i/2: Der Blaufuchs. Freit. 7'/.:Schl»fi am Wannsee. Walhalla-Theater. TV, Uhr; Das Gesetz. APOLLO THEATER Friedrichstraße 218| Dir.: James Klein 7Vs ailabendl.>7'.. SonntJ'/j u. I {Die Weltj lim Jahre; 'l\ j Große Varletj6-ä Ausstattungsschau i.5Bilderr | In Szene gesetzt| von Dir. James Klein. Unter anderem s Modenschau i 1 1. Jahre 2900 1 MO Ikarier zu; j Pferde/ Akro- 1 batische Spiele j Tänze /Effekte! | a d. Jahre 2000■ Senta Sönelaoii Lucio Biattner jiHämberts-Fauisenl AlexStamer usw. 1 Sonnt ZV,(.Erwachs, f Kind frei! re Komödie von Sudermann. Regie: Alfred Rotier. Olga Limburg, Harry Liedtke, Rosa Valetti, Emma Debner. Donnerstag 4 U„ kleine Pr.: Schneewittchen. Freitag 4 Uhr, kleine Preise: Rotkttppchen. Sonnabend 4 Uhr, kleine Pr.: Hänael nnd Ciretel. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr.: ♦Sespenntcp. Trlanon-Thoater. Bahnhof FrledrichstraBe. Untergrundbahn Friedrlchstr. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: Schneewittchen. Täglich VsBUhr: ZKasKersde. Komödie von Ludwig Fulda. Regie: Allred Rotter. Hansl Arnstadt, Eugen Barg, Käthe Dorsch,.Harietta Olly, Paul Bildt, Jul. Falkenstein, Hugo Flink, Paula Levcrmenn. Donnerstag 4 U, kleine Pr.: Kotküppchen. Freitag 4 Uhr, kleine Preise: Schneewittchen. Sonnabend 4 Uhr, kleine Pr.: Asche nbriidei. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr.: Johannisfeucr. Rose-Theater. TV, Uhr: Kleine Sklavin. Casino- Theater lothringerstraße. TägL>/,8U.: Großstadt-Pflanzen Volksstück in 3 Akten. Vorher: Schwiriwaldbüble. Operettenakt m.ViktorLitzek. Dazu erstklass. Spezialitäten. Sonntag V�: Alädchenelire. Theater am KottbuscrTor Tel.: Montzpl 14814. TV, Uhr und Sonntag nachm. 3 Uhr: Elite-Sänger Seidel, Ruselli, Schubert. Horst, O. Schräder etc. Das vorzügl. Oktober-Progr.l utObter Lacneriolgl Somu nachm. ermäü. Preise (voMsuAbd.-Progr.)l Kind frei; Blüthgen-Kor zert I rter.7 U. Reiel!slial!.-T!ieater T/t llhr und Sonntag nachm. 3 Uhr: Stetiin. Säuger nachm. balbcTtr. Retch»hall«n>S.: Dßnhotf-Brettl. CtrcasUfasch Y Jeden Dienstag u. Freitag 8 Uhr nur Boxkärapieü Die übrigen Tage 7V, Uhr: „Aphrodite" Tragikomisch.Pantomlme in 3 Akt. v. Paula Busch, Jisz. v. Hofbaltettmeister Georges Blanvalet Vorher d. gr.Zirkus-Progr, Winter- Gaiien Wegen des umfangreichen Oktober-Spielplans — Anfang; 7.15— Rauchen gestattet! RIESEN- ERFOLG nach dem Roman von Otto 5ul. Bierbaum Regie: Paul Leni Ballett Charell Vorverkanl 11—1 Uhr Potsdamer Str. 38 Turmstr. 12 Asta INielsen in ihrem großen Film | Nach dem Geseiz B T Li | KABARETT j (GEHREN STR. 53 t Merry Ronald Fred Marion Elznlta I Scblfiter-arünUz| Mary Walter 4 Varaciis Irma Traun Negrel u. Pols Max Marzelll Paul Stelnitz Conf.: Slcgfr. Flatow I Am Flügel: lienschel I LI LM LS-pag» v Kantstraße 163 Voranzeige. Freitag, den lO.Oktober Regie: Richard Oswald. Wet'tt'Pestaufant I, Ranges rFünf*LIßr''CJCe£ Täglich nachm. u. abends: Tanz- Vorführungen. RIEHT 'StrausbergerPlatz Inge Lars, Watter Behrend Arthur Zahle 2 Stfihwas u. Hund FUi Mlzzl Rieder Tata- Toto-Duett iaGreder u.PaulRiickmann in ihrem Sketch „So eine Gemelndeit." Hugo Haneid Tonkünstler.Konzcrt Anfang 7, Sonntags 4V, Uhr. PreuB, Brunnen jtc. 76.* Die Eröffnung der SchawaBurs am Potsdamer Platz Ecke Prinz-Albrecht-StraBe früher HQf|äg;er Sonnabend, den Ii. Oktober, abends ö'/s Uhr Der JETTATORE (Die geheimnisvolle Macht) Hauptdarsteller: Bruno DecarH, Lee Parry, Violetta Napierska Spielleitung; Richard Eichberg. - 4- Persönlich: Raul HkjllMM in dem Sketsch Sein heißer Tag! Filmschwank In 2 Bildern. Mitwirkende: Paul Heldemann, Elsa Bode, Walter Pommes, Stavy Qreder, Lllli Lohrer, Erna Alberti, Felix Sommer, Fritz Llon, Eltriede Seiith. ';•> kfa''Mi#';'Äfe Ab Freitag, 10. Oktober s jOelog- Film- Operette imiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiinnii'iii Musik von Carlo Emarloh mit Lotte Werkmeister Melita Klefer Julius Lieban Wochentag».. SV» b1/, Dltr Bonntags..... 4, 6, 8 Diu Vorverkauf Uglloh 12-1 Uhr Freikarten aufgehoben I Säle für Versammlungen I Vereine, Gesellschaften in jeder Größe frei. Kulante Bedingungen. Kelier'a Kontert- und Festsäle, Koppenstr. 29 Berliner Vereins- u. Konzertsäle, Kommandantenstr. 58/39 Central-Festsäle, Alte Jakobstr. 32 Oranienfestsäle(früher Oraumann), Naunynstr. 27 Fernruf:(Zentrale) Moritzplatz 10155 Vsltsverbanö ösr Hücherfreunöe Serlw* öreslau ♦ Cssen ♦ ftonBfutt a. M.* Hamburg Hannover ♦ Köln ♦ Königsberg ♦ Leipzig ♦ München ♦ Stuttgart Ol« Nternrlsch mettoone Werb-fchr-ft. mit ffleleitmotten oon Minister Yaenlsch nnd 6-fnnnten Führern Im vnlfsblldungs» und Gewerkjchnftswes«», mil BelkrSzen von Mnz:)alb?, Hermann Sndermnnn, ?Medrlch stanh>«r. Sklo.?iafs. Sr. Albert SoergsL Dr. M. mehrere Wochen in einer ärztlichen� Unit ohne Erfolg ' der rechte Arm abgenommen werden sollte, habe ich mich in letzter Not an Ihre Anstalt gewandt und bin mtt 45 Behandlungen von meiner IZtetvecglftung unb Vereiterung de» rechten Arme» und der Hand gehellt worden.-— 4. Frau Ma�istratsasfistent� Yerrnta»« au» Jkottbtt», Lausitzer Str. diu von meinen Rlagea- geschworen mit 30 Bedaitdlungen völlig in Ihrer An- statt geheilt worden, nachdem ich 12 Iah wettig ohne Erfolg behandeil worden war. �o wohlünd gesund,»Je Ii änderte mich noch nie gefühlt habe.-— Neutölln, Weser» .Meine ind in die Mutter Herr Feuerwertsleuttiant Vlaschlanta,» Straße 81(jetzt Königsberg i. Pr.) schreibt Mutter, meine Schwester, meine Frau unb Ich Ihrer Anstatt geheilt unb gebessert worden; die von chronischem Magenleiden, bie Schwester von Hopf. schmerzen und Schwerhörlgteit. meine Frau von Herz- nnd Magenleidet» und ich von allgemeiner nervöser lldspannung.-—«. grau Restaur. Hering. Berlin, Schönhauser Allee 87, schreibt:»Ich bin vor mehreren Iahren bei Ihnen von Herzleiden und ~'"" eilt worden. Au» Daflf- enten mit gleichem Leiden sich irgend ein Leiden bei mir bemerk- bar machen, so werde Ich mich sofort wieder an Sie wenden.-— 7. Herr m. Heese. Tempelhof Kaiserin- Augusta-Sttaße 87: Bon 5 Monate alter, stark eiternder, breiter Opc.ullons-Uattch- und Carinii ffcl geheilt (vorher zweimal operiert).— 8. Herr W. herrmann, Ralinsdors, Dorfstr. 9: Bon tuberkulöser Brust- uud Ziippeufellv-relleruug geheitt.— 9. Herr iL Schön, Eharlottenburg. Spandauer Berg 21: Don Bronchial- asthma gebellt(anhalL Heilung 9 Monate später de- (tätigt).— 10. Frau M. Bornemann, Berlte-Trevtow, Draetzstr. 8: Don liieren- u. Blasenletde» getzeilL— tietrennte Behandlungsräume fUr Damen und Herren! Sprech- u. Behandlungszelt: 9—1, 4— 71/».— Sonn- und Feiertag: 9—1. Aerzlllch« ttaftalfsleifong: gellanstaltebesttzer Professor P. Mistelsky. graduiert und approbiert im Ausland Berlin 80. 10, Bi-ttchenstraSe 10 b am Buhnhot Jannowitzbrücke, MlimM. NWrei« Heiifin(5JJ.) Heute Mittwoch, den 8. Oktober, abends 8 Uhr: Bezirk: eute Mittwoch, den 8. Oktober, avendS 8 Uh Bezirks- Versamittlungen 1 viowe, 0t! w»achstehenden Lokalen l Schinkestr. 22. Sclxnlilt. Bürtnerstr. lt. «uiler, Hobrcchtsirahe, Ecke Pfiügerfir. u. 6 Beck, äicutccjtc. 46. Thiel, Wesersir., Ecke Frtedelstr. I-acke, Friedelstr. 7. Branck, Pftügcstr. 19. u. 10 Aldrlng, Paunierstr. 54. und 13 Marlenfeld, Kaiser• FrledriU. Etrahe 22«. SehweighSfer, Weichselstr. 39. Schittlcr. Weichselstr., Ecke Donaustr. Podblelski, Weichselstr. 2. Groli, Münchener Str. 63. Prüfcrt, Fnldastr. 45. Ewald, Weserstr. 172. Schwengel, Elbrstr. 8. Gruner!, Donaustr. 69. Schwach, Boddtustr. 68. Mühlenhaupt, Karzer Str. 32. Weber, Wildenbinchftr. 81. Jung, Roscgqerst.asje, Ecke Kaiser- Friedrich-Strajic. Mtzsche, Berthelodorfer Straße, Eck» Donaustraße. u. 27 Schneider, Rosenstr. 7, Kellert, Hertzbergftr. 15/18. u. 30 Wölk. Kirchs, ofstr. 41. Münow, Kaiser-Arieorich-Str. 122, Ecke Saalesir. Amelunxen, Schwarzastr. 1. Marten, Böhmische Str. 43/44, König, Kannerste. 14. Kukutsch, Saaiestr. 5. 238/15 Nack, Ringbahnstr. 34. 37 Berthold, Kranoldstr. 1. 38 Seidel, Neinholdstr. 14. 89 Nchrlng. Elasowstraße, Eck« Bendastr 40 Krüger, Emser Str. 88 87. 41 u. 42. Panke, Hermannstr. 1. 43 Müller, Thüringer Str., Ecke Wipper- straße. 44 Leverenz, Rogatstr. V. 45 Müller, Emser Str. 27. 48 Adam, Bodesir. 32. 47 Gohlke, Hermannstr. 199. 48 Kottke, Warthestr. 14. 49 Kutzkl, Leinestr. 1. 50 Kittler, Leykestr. 3. 51 Sauer, Thomaostr. 31. 32 Klostermann, Thomasstr. 40. 53 u. 54 G rieger, Lcssingstr. 9. 55 Bethge, Steinniehstr. 7. 56 u. 57 Lerape, Lesfingstr. 16, Ecke Prinz- Handjerp-Straxe. 58 Wlnchnewskl, ZietHenstr. 34. 59 Grawunder, Hersurthstr. 1, Ecke Her- mannstraße. 60 vansacker, ZietHenstr. 35. 61 Jden, Boddinstr. 58, 62 Wall, Ailerstr. 7. 83 Ahlscblägcr, Steinmetzstr. 53, 64 Hentscbel, Hersurthstr. 27. 63 Kunert, Hersurthstr. 21 22. 66, 67 u. 68 Jak, cd, Wanzlickstr. 1, 89, 70, 73, 74 u. 75 Schmidt, Münchener Straße 23. 71 u. 72 Breitkreutz, Reulerstr. 11. „Aufbau und Werden" Gesellschaft für praktische Volksaufklärung SM" Versamm7ungen:"Wff Donnerstag, den S. Oktober, abends T'/s Uhr, in der Aula der Gemeindeschule, Stephanstr. 37, zu Moabit: S. Zyklusvortrag des Redakteurs Artnr Saternus über: „Die Weltproduktionskrise ————— Eintritt frei!,- yy Freitag, den 10. Oktober, abends 7'/, Uhr, in der Aula des Sophienlyzeums, Weinmeisterstrahe 10—17: ». Zyklusvortrag des Frhrn. Eugen von Reibnitz über: „Die praktische Notaktion" —————————— Eintritt frei.' Die Arbeiterschaft und deren VertranenSlent e sind zu zahlreichem Besuch der Vorträge eingeladen. --> KMIsmyellvikkll& Ralske. Donnerstag, den 9. Oktober, vorm. 10 Uhr[100b Betriebsversammlung im Skadtlheaicr THoablt(Kenne). Olc Streikleitung. Ich zahle für 70/15 . IfeQebtsse mit gewöhnl. Plat.-Zähnen pro Zahn bisSM., jedoch Diclit unter 3,10 M. pro Zafio! Für PIat.-Stift- u. Plaltenzähne bis M. 40,—(nach Gewicht) Fiatin 58, SO M. pro Gramm. ÄBfeaBl: Botel Criiiiep fiaiini, Krfu�t�äe/ss Täsl, 10—6 Uhr, Zimmer 1 part. r. 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Loehalax, Stadtrat. (Tgb 5ir. 1230 Wahl l3.> � Künstliche Zähne mit echtem Parakautschuk, Moldtronen und Brücken PräzisionSarb., Rep. u. Umarb. sos. Ueber 3l> I. sachlälig, Keine Luxuspreise. ZahnPraxtS tstrüger, Priiizenslr.«Sa an der Tresdener Str. Fernspr.: MoritzpL 1l253. 3oä8b' Platins tZramm bis 60 Mark Gold, Silber, alte Gebisse bis 750 Mark, Platlnzäbne vnn 2,90 bis 38 Mark x kauft Frau Knuth, Zionsktrchstraße 54, vorn II (Ecke AnkLmer Straße, nahe BrunnenstraBe).(* Ziehung 16. u. 17. Okf. 1919. AT(ipnbei,ger Geld-Lotterie 4856 Celdgew. bar o. Abzug. 925 600 Hauptgewinn Ist. 50 600 Empf. u. vers. aueb u. Nachn. LoseäH.3.3flÄÄ J. Stürmer« Mannheim, O. 7. II. a (bisher SiraSburg 1. Eis.)* Rentenhaus Nahe Schlachthof und Frankfurter Allee, bei kleiner Anzahlung für 160.000,— 51. zu verkamen. Mietsertrag, noch sehr steigerungsfähig, 12500 M. Isr, Schmidt Söline, Leipziger Str. 112, Ecke Mauerstraße. I Ztr. 12600/3 5066 10371/2) Junge Efielsuty erhalt. 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In den„Verein für U n h ö f l i ch k e it". Das wird der größte Vereinsschlager werden, den eS je gegeben hat. Er verlangt kein Bcitrittsgeld, keinen Jahres- beitrag, man muß sich nur aus innerlichem Gefühl heraus zu ihm bekennen. Vereinsab zeichen: Ein ordentlicher,' derber Knoten.— im Taschentuch meinetwegen. Also auch sehr billig. Die Statuten des Vereins für UnHöflichkeit enthalten nur zwei Paragraphen: 61: Sei immer, aber auch immer unhöflich. §2: Schimpfe immer, aber auch, immer über die Unhö�lilhkeit der andern. Wer das nicht.tut,' müßte allerdings aus dem Verein ausgestoßen werden. Keine Angst, es bleibt jeder drin. Eine solche Mitgliederzahl, wie sie unserem neuen Verein in Aus- ficht steht, ist bisher noch nicht dagewesen. Wollen Sie die Mitglieder— oder wenigstens alle, die in den Verein hinein dürfen— sehen? Achten Sie auf die Hochbahnzüge— zum Platzen voll mit vielen Mitgliedern, lind die Straßenbahn! 'Die Große Berliner hat bekanntlich 3136�/, Wagen im Verkehr. Jeder enthält regulär 80 Plätze. Das bringt uns be- stimmt auch eine neue ungeheure Mitgliedersteigerung. Das ist aber noch nicht alles. Die gute Stadtbahn befördert von früh bis spät fast nur unsere Vereinsmitglieder. Die Warenhäuser, die anderen Verkaufslädcn, die Brotkommissionen, die Postämter— alles, alles voll vop unseren Vereinsgetreuen. Und wenn Sie irgendwo nicht sicher sind," ob Sie einen Bereinsbruder vor sich haben, so machen Sie doch �ne kleine Probe. Stoßen Sie ihn im Vorbeigehen ganz leicht an. wie aus Versehen, brummein Sie„Paddong"(dazu einen Finger an die Hut- krempc— ist aber nicht unbedingt notwendig) und warten Sie ab. Sagt der andere dann grollend:„Na— oller Stiesel" oder„oller Flegel!" dann können Sie beruhigt sein. Auch er gehört in unseren Verein. Heute findet die juristische Sprechstunde von 2 bis 4 Uhr statt. Aus der Werkstatt. Kennst Du Dich in der Organiiationsfrage auS? Natürlich: Die BelriebSorZanisation macht die Streiks und die Gewerkschaft bezahlt sie. Drum wird sie beibehaltert und darf nicht erschüttert werden. Nu versteh ich'S l < parteigeno/sen unü IugenüfteuoSe. ■ Mehr denn je ist es erforderlich, daß Eure schulentlasienen Söhne und Töchter sich einer Organisation anschließen, welche die Interessen der arbenenden Jngend auch wirllich vertritt. Dies ist einzig und allein der verein Arbeiterjugend Sroß-SerUn der es sich außerdem zur Aufgabe gemacht hat, die Jugend im Sinne des Sozialismus zu erziehen, um so auch in der Zukunft Kämpfer für die Arbeiterklasse und geschulte Bau- meister für den sozialisten Staat zu haben. Bartoigenosscn! Macht Eure Söhne und Töchter aus die Ver» anfraltungen des Vereins auimerkiam und haltet sie zum Besuch derselben an,— Beilrütserklärungen werden auf allen Veran- staltungen und im Jugendsekretariat: Bellevueftr. 7, entgegengenommen. Die Berliner Schwimmhallen. Uns wird geschrieben: '«Die Berliner Schwimmhallen sind schon lange Zeit geschlossen. Der Grund soll Kohlenmangel sein. Nur Neukölln war in der Lage, sein Stadibad in Bettieb zu behalten, weil dort die Abwässer der Pmnpstationmaschinenanlag« benutzt werden. Charlottenburg hat den Betrieb in der Krumm-n Straße ersreulichertveise wieder aufgenommen. In Berlin hat man es nicht zuwege bringen können. wenigstens zwei Bäder— Gerichtstraße und Schilling-brücke— fjir die Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Der Magistrat beab- sichtigt jetzt auch noch die Br-ruseräume zu- schließen. Da die Ber- uner Arbeiter meist keine Babeeinrich-tung besitzen, bedeutet hieö eine schwere Gefährdung ihrer Gesundheit. Der Berliner Schwimmsport wurde durch den Krieg schwer geschwächt. Ter Sommer brachte einen großen Aufschwung. Sollen diose Erfolge wieder verloren gehen? Es ist. für die Arbeit der Schwimmvereine zu bedenken, daß''jährlich über 5000 Personen in Deutschland ertrinken. Die Vereine arbeiten für das Allgemoinwohl, im Interesse der schwer daniederliegenden Volksgesundheit. Täglich erstehen in Berlin neue KinoS, die der Jugend..Aufklärung" bieten. � Tatsache ist es, daß die Schwimmvereine der Jugend mehr bieten al» die Rummel, Kinos und VergnügungSetablissements. Die Kohlen, die für diese benötigt werden, würden nutzbringender angewendet werden, wenn die Schwimmhallen geöffnet werden. Der 2. Vorsitzende des Reichs- verbandes deutscher Lichtspieltheater schreibt in Nr. 405 des«Berliner TagebkattS" vom 4. Oktober über die Ungerechtigkeiten(!!) gegen die KinoS. Er begründet(!l) die? folgendermaßen: DaS Publikum besucht die KinoS gerade im Winter, um sich dort zu zer- streuen und in der Häuslichkeit Gas und Licht zu sparen(??). Dieser Herr versteht es ausgezeichnet, die Interessen der Kinobesitzer zu vertreten. Die beiden sozialdemokratischen Fraktionen der Berliner Stadt- verordnetenversamlnlunlg haben dieser folgenden Autrag unter- breitet:„Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, dahin zu wirken, daß eine sofortige Oeffnung der städtischen Volks badeanstalten und Schwimmhallen ermöglicht wird." Hoffentlich sind sick alle Stadtverordneten in dieser Frage einig und sorgen energisch dafür, daß wenigstens die Schwimmhallen in der Gerichtstraße und Schil- lingSbrücke geöffnet werden. Somit würde dann in'Nord, Süd, Ost und West Groß-BertinS je ein Schwimmbad geöffnet sein. Hat der Magistrat das Volkswohl im Auge, so öffne. A die Badeanstalten. Die Kosten machen sich durch gesunde, kräftige Menschen wilder reichlich bezahlt._ „Hohe Entlohnung" von Staatsarbeiter«. Uns wird geschrieben: Noch immer erhält ein großer Teil der beim Landwirtschaftsministerium beschäftigten Arbeiter 1,50 M. Stundenlohn. Sogar Handwerker erhalten diesen Lohn, die in ihrem Beruf zwar beschädigt werden, aber nicht etatSmätzig an« gestellt sind, da keine Etatsstellen vorhanden sind. Bei diesen Ein- kommensverhäktnissen ist eS Familienvätern mit mehreren Kindern nicht möglich, die ihnen zustehenden rationierten Lebensmittel be- schaffen zu können, noch viel weniger können sie aber an die Be- schaffung von Kleidung denken. Jetzt soll'nun endlich den Arbeitern eine Beschaftungszulage gewährt werden, die für Verheiratete 600 M. beträgt. Da in den Betrieben sedoch ein großer Teil Ar- heiter erst im Sommer eingestellt ist, so werden diese wieder leer ausgehen. Dabei handelt es sich meistens, um Kriegsteilnehmer und -beschädigte, die erst später aus den Lazaretten entlassen worden sind. ES wäre dringend erwünscht, daß die Regierung auch diesen Notleidenden schleunigst die Bezüge ausbessern würde. ES mutet einen doch komisch an. daß die StcratSarbeiter immer noch niedriger« Löhne bekommen als Gemeindsarbeiter. Hier muß unbedingt, ein Ausgleich geschaffen weiden» da die Arbeitsleistung dieselbe ist wie die der Gemeindearbeit«. Brot und Margarine werden teurer. In der letzten Versammlung der Bäckermeister ist mitgeteilt worden, daß eine Erhöhung des BrotvreiseS infolge der zu er- wartenden Steigerung der Löhne der Bäckergesellen von 100 auf 135 M. pro Woche nichl zu vermeiden sei. AuS städtischen Kreisen erfahren wir hierzu, daß die Groß-Berliner Brotgemeinschast irgend welche Beichlüsse bezüglich der neuen Festsetzung des BrotpreiseS noch nicht gefaßt hat. Es wird keineswegs verkannt, daß die Teuerung der notwendiasten Lebensmittel nur im äußersten Notfall eintreten dürfe. Beim Brot dürften die Verhältnisse aber so liegen. daß eine Erhöhung deS Preises nicht zu umgehen ist. Man rechnet bereits mit einer Erhöbung auf 1,80 M., daS würde allerdings eine Steigerung um äS1� Proz. bedeuten.' Ebenso ist eine Verteuerung der Margarsire bereits eingetreten Auch hier sind die Produktionskosten sehr gestiegen, so daß d�r Preis für den Doppelzentner jetzt auf 885 M. anstatt bisher 600 M. fest- gesetzt worpen ist.__ i ■ Tic Bataillonskassenräuber, welche am 28. September die Kasse des Eisenbahnregiments 4 ausplünderten, sind nunmehr verhaftet worden. Der Zuchthäusler W i t t u h n, ein gewisser T e ß in e r waren die Anstifter zu dem Raube. Sie hatten die Aufmerksam- keit der beiden Unteroffiziere Rei minger und Burggrewe mif die Kasse gelenkt und so den Plan zur Ausführung gebracht. Wittuhn und der Schlächter Pracht verkseideten sich als Offiziere. während der Arbeiter Rein icke als Zahlmeister austrat. Außer- dem ist noch ein Arbeiter Kuhnhoff an dem Rcnibe beteiligt. Bei der Teilung der Beute gerieten die Komplizen in Stroit. und kocknten infolge eines Verrats sämtlich verhaftet werden. Bon der Strahcnbah« überfahren und sofort getötet wurde vor'dem Hause Neandsrstr. 5 die 8jährige Rosa SchmietroSkp aus der Schmidtstr. 15. Die Leiche'wurde von der Feuerwehr geborgen ijnd von der Polizei beschlagnahmt. Die Arbeitsgemeinschaft der Händler und Schausteller hat in einer Versammlung in den> Alhambra-Festsälen folgende Vorschläge für die Regelung des Straßenhandels beschlossen, die dem Polizei- Präsidium übermittelt wurden: Straßenhandel darf jedermann be- treiben, der ordnungmäßig einen Gewerbeschein eingelöst hat, keine Arbeitslose nunierstutzung bezieht und daS 18. Lebensjahr vollendet hat Der Straßenhandel ist mit denjenigen Waren zulässig, be- züglich deren der Handel im Umherziehen und der Meß- und Markt- Verkehr gestattet ist� Straßenhandel kann auf denjenigen Plätzen und Straßen verboten werden» bei denen dadurch der Passanten, oder Fuhrwerksverkehr erheblich behindert wird... Vor iedem dieser Verbote wird die Arbeitsgemeinschaft der Händler und Schau stellcr, Sitz Berlin, gutachtlich gehört. Tie Vaupolizei ist jetzt dem Minillenmn für Volkswohlsahrt, Berlin W 66, Leipziger Str. 3, unterstellt worden. Mariendovs-Südende. Gemeindevertrcterfitznng. Bor Eintritt in die Tagesordnung wurde einem DringlichkeitKantrag des Ge nassen Gerlach zugestimmt, worin derselbe Beschwerde, erhebe gegen die immer noch nicht erfolgte Bestätigung der Schuldcpuiation.— Abgelehnt wurde ein Antrag, die freie Hochschul gemeinde für Pro- letarier mit 500 M. zu unterstützen. Von unseren Genossen wurde diese Unterstützung k*kämpst mit dem Hinweis,' daß diese Einrich- tunq die Wissenschaft im Sinne der unabhängigen P a r- � t e t beeinflussen will, für einseitige Bildung rmd Wissenschaft aber' Gerne indem Ntel nicht in Betracht kommen könnten.— Die Volkshochschule Tempelhof- Mariendorf, welche in unparteiischer Weise die Bildung allen Bevölkerungsschichten zugängig machen will. wurde mit. 800 M. Unterstützung bedacht.— Von den Ausführungs- arbeiten zur Anlegung eines Volksparkes soll aus finanziellen Gründen vorläufig?ll'stand genommen werden.— Aus den Protcir unserer Genossen wurde in der vorigen Sitzung die Vertretung des Gemeindevorstehers nicht gutgeheißen..Die darauf vorgenommci" Wahl des stellvertretenden Gemeindevorstehers ergab die Wahl des Genossen Waldheim.— Dem Antrage der SchuDdiener, Boten. Menhester und Rathau Sdiener, sie in ihren Bezügen mit ihren Berliner Kollsgen gleichzustellen, wurde stattgegeben.—, Bon der Regierung in Potsdam wurde der Gemeinde verboten, an du' Volksschullehrer die nichtpensionKfähige, aus Gemeindemitteln be- willigte Zulage, weiter zur Auszahlung zu bringen. Nach den Verhandlungen, welche in dieser Angelegenheit geiübrt worden sind, ist ein' Ausweg geschaffen, daß die BolkSschullehttr in ihren Einkünften nicht geschmälert werden. Zur Heimkehr- der Kriegsgefangenen wurde eist Ausschutz bestimmt, welcher rn würdiger Weife für die Interessen der Heimkehrenden zu sorgen — Angenommen wurde ein Antrag der Unabhängigen und unserer Fraktion gegen die Stimmen der Bürgerlichen:„Die Gemeinde-� Vertretung beauftragt den Gemeindevorstand, bei der Regierung gegen den, weiteren Abbau der Zwangswirtschaft energisch zu pro- testieren."-— Ein Antrag der Kriegsbeschädigten auf besondere Fürsorge, welcher am 21. April gestellt war, konnte erst jetzt seine Erledigung ftnden.— Beschlossen wurde, die Forderung«, auf Kohsenanfubr und Brennholzlieferung so zu erfüllen, daß die An- fuhr auf Antrag erfolgt, wenn das Gesamteinkommen der Famüic 6000 M. nicht übersteigt. Für die Bewilligung kommen auch Hrnter- 86) Erleuchtung. Roman von Henri Barbusse, Verdeutscht von Max Hochdorf. Nachdiesem Gesetz haben dieKönige mit denLändern gespielt und mit dem Menschenblut, dessen Eigentümer sie sind. Nur nach diesem Gesetz sind alle Länder ausgepreßt und ausgeräubert worden. Diesem Gesetz nur ist es zu danken, wenn das Stück- lein sittlichen Fortschritts, menschlichen Glücks und menschlicher Eintracht, das nicht leeres Schemen blieb, so verzweifelt mühselig, so trübselig nngeschmeidig, so entsetzlich krampfhaft, so barbarisch und gewalttätig zusammengefügt wurde. Diese düstere Vergangenheit, überlastet von Schuld, überlastet von Sünde und Siechtum, jede alte Nation mußte sie auf sich laden. Das soll man erkennen, damit man die Vergangen- heit haßt. Diese Vergangenheit allein ist allen Ncktionen gemeinsam. wie ihnen Elend. Schande und Schmerz ge- meinsam sind. Glücklich die jungen Völker» denn sie werden nicht von Gewissensbissen gepeinigt!' Und dann das, was doch eine Wohltat der Vergangen- heit ist! Das Feuer der französischen Revolution und die un- ermeßlichen.Gnadengaben, die von den Seefahrern aus neuen welche zur alten Welt heimgebracht wurden und die wunder- bare Ausnahme- der wissenschaftlichen Entdeckungen� die durch ein zweites Wunder nicht' im Keim erstickt werden konnten, sind sie nicht auch allen Völkern gemeinsam? Sie gehören allen Völkern nicht weniger als die unverlöschliche Schönheit des Parthenons und die Blitze Shakespeares uni� die Ge- witterstürme Beethovens. Sie gehören ihnen allen, wie Liebe und Lebensfreude Gemeingut aller Menschen sind! Die Weltenfrage, in die unser heutiges Leben, gleich dem einstigen Leben, verweht, verwickelt und verwirkt ist, kann nur mit einem Weltenmittel gelöst werden. Jeder Nation werde zurückerstattet, was ihr irr Wirklichkeit gebührt. Schält man die Nationen aus dem Jddal des Machtdünkels heraus, das nur ein Raub an dem großen Menschenideal bedeutet, entführt man dies falsche Ideal endgültig aus all' dem krampfhaften Mühen und Ringen, dann wird man erst dem wahren Ideal seine göttliche Einheit wiedergeben. Man schreie nicht: Das Einzige, was ich beachten muß, ist mein persönlicher Vorteil! Bewahren wir die Liebe zum Vater- lande in unserem Herzen, aber entthronen wir die Idee des Vaterlandes l » Ich stehe auf dem Hügel von Chätargniers. Ich stehe in der Schönheit dieser Orte, die ich liebe und im Herzen der vier Wege, die sich hier schneiden. Und ich überblicke all' die neuen Dinge. Es geschieht nicht, weil neue und wichtige Er- eignisse eingetreten sind. Ich habe nur die Augen rechtzeitig geöffnet. Ich bin belohnt dafür, ich, der niedrige Mensch, daß ich allein unter den Tausenden dem Irrtum bis zum letzten nach- gespürt habe, und bis in seine äußersten Wohnungen. Jetzt enthülle ich endlich den schlichten Kern jeder Wahrheit und die kantige Klarheit der großen Horizonte. So ungeheuer ist die Offenbarung, daß ich mich zerquetscht und bedroht fühle von der'Schweigsamkeit der Menschen, die dort unter den Dächern zusammengesperrt wurden. Spreche ich sie nur schüchtern auS, diese meine Wahrheit, und nur im Geheimen zu mir selber, so ist es nur darum, weil Jeder von uns ein irdisches Leben hat führen müssen, daS noch irdischer war als sein vermeintliches Alltagsdasein. Auch mich hat meine Er- ziehung überlastet, ebenso wie die anderen Menschen, mit Jahrhunderten voller Finsternis, voller Demütigung und Ge- fängnisenge., Wohl, nur behutsam baut sich die Wahrheit vor mir auf. Aber sie ist doch die Wahrheit. Und es kommen doch sthon Augenblicke, da wirft mich ihr ewiger Sinn in ihren gött- lichen Wirbel hinein. Aus dieser regellosen Welt unter- drückt die Schwäche der Wenigen die Stärke der Vielen. Der Glaube an den Gott deS Krieges und der Unterwerfung reicht nicht mehr aus, damit die Ungleichheit zwischen den Regierenden und den Regierten ihre Weihe behalte. Auf dieser Well regiert allein noch die Ueberlieferung'und die Lehre, daß blindlings angebetet werden muß. was einstmals war und was darum auch heute nur sein darf. Ein Gott. der- keinen Kopf trägt, regiert heute. Das Menschenschicksal wird ewig durch die beiden Gestaltungen der Ueberlieferungcn eingedämmt und eingepreßt, als da sind: der Raum und die Zeit: Ueber die Zeit hinaus herrscht, was von den Erblassern hinterlassen wird. Ueber den Raum hinaus herrschen die be- engenden Grenzen. So wird Jegliches im' Besonderen zer- malmt und zernichtet. Das allein ist die Wahrheit, ich weiß es ganz genau, denn die berührt mich ja körperlich. Aber ich weiß nicht, was unL noch begegnen wird. Mich all' das vergossene Blut, werden all' die vergoldeten Worte, die den Leibern und den Seelen ein Scheinideal aufdrängen sollen, noch lange stark genug sein, um die Menschheit rn das Erdevrcich des Sinnlosen ewig einzusperren? Die Ge- schichte ist ein Buch der'Irrtümer. Ich habe nicht nur gesehen. wie Segen ans alles hinuntergeregnet ist, das dem Uebel diente. Ich habe nicht nur gesehen, wie Fluch hinunterficl auf alles, waS dem Uebel hätte steuern können. Ich habe auch gesehen, wie auf der Erde die Kämpfer' für das wahre Sittengesetz, gehetzt und ange- spuckt wurden. Das war so angefangen von dem knirpsigcn Termite, der wie eine Ratte in den Schlachtenwirbel hineingeschluckt wurde, bis zu Jesu Christo, dem Herrn und Heiland----- Dann machen wir uns auf den Heimweg. Nun geschieht. eS zum ersten Male seit meiner Rückkehr, daß ich mich fester auf Marie stütze. Und sie stützt sich auch fester auf mich. 21. Kapitel: Nein! MS unser Kriegsmuseum eingeweiht wurde, geriet Crillon' auf den Gipfel der Freude. Das Einweihungsfest war das wichtigste Ereignis in all diesen Tagen. Im Saal I war eine Ausstellung von Bildern und- Zeichnungen zu sehen. die von Dilettanten aus der hohen Gesellschaft herstammten. Der Stadtrat hatte ein Holzhaus bauen lassen und alles feierlich geflaggt. Auf den Bildern waren Kriegsgegcnständr zu sehen. Vieles hatte man von Paris hergeschickt. Crillon ist sonntäglich und festlich angezogen. Er kaust den Katalog, der zugunsten dqr Verwundeten verkauft wird. Er ist voller Bewunderung über die Liste all der aus- stellenden Persönlichkeiten. Er spricht von Titeln, von Wappen und Kronen. Er erkundigt sich nach den Einzelheiten des Adelskalenders. Da fragt er vor einer Bilderreihe:«Sag', wer hat in Frankreich mehr. Talent, eine Prinzessin � oder eine Herzogin?" All diese Dinge erregen ihn höchlichst. Er schnüffelt ständig am unteren Rande der BUder herum. Er.möchte die Unterschriften ent- ziffern. Nach diesem Raum, in dem all' die glänzenden Namen anzutreffen sind, folgt ein Saal, der förmlich überlaufen wird, denn dorten stehen Kriegsbeutestücke herum,.'als da sind: Pickelhauben, Tornister mit gelbem Fellüberzug und Granatenstücke. Aus Stücken buntester Herkunst hat man eine ganze deutsche Jnsanteristenunisorm zusammengestellt. Eorts. kolgtJ MteSene In Frage, fttt andere'AÜfSbedürMge sollen auf Armenpflege kosten übernommen werden.— Zugestimmt wurde den Bedingungen über die Vergebung von Schulräumen.' Hanptibedin» gungen sind: alle Schulräume sind allen politischen und gemein- nüsiigen Vereinen unentgeltlich und— soweit möglich— geheizt zur Verfügung zu stellen. Die Entscheidung trifft die Gemeinde- Vertretung.— Ter Hauswirtschaft Kunterrichi in den Volksschulen soll vom 1. Oktober als Pflicktunterricht eingeführt werden.— Ein weiterer Beschluß der Schuldeputation verlangt ab 1. Oktober die Einführung deN wahlfreien Werk, und StenvgraphiounterrichtS an den Genie indeschu?en. Die Gemeindevertretung stimmt dem zu. - Für den Ausbau des Blümelschen Lokals zu einem Kindergarten werden 20009 M. bewilligt. Groft-Berliner Lebensmittel. tf'l Berlin. Käse in den vrotkommissionSbezirken S, 7. IS, 17, 21, und 22. Lichtenberg. Tie KartenanSgabeftrllen für Lebensmittelkarten und Kohlenkarten in der Scharnweberstr. Ig werden vom 13. Oktober ab s ü r das Publikum nur noch wochentä glich von 8—1 Uhr ge- öffnet sein._ Groß-Serliner parteinachrichten. BezirkSverbaub.«ekretariat für militärische Slngelegenhette», Lindenstr. 3 ll. Hos IV, Zimmer 10. Di« juristisch« Sprechstunde findet heute nachmittag von 6—7 Uhr statt.' S. Abt. Heute Zahlabond sür die Bezirke: 17— lg und 30—32, Wilhelmstr. 6 bei Pönicke; 20—26, Charlottenstr. 7/8 bei Schirm: 27—20. Narkgrasenstraße 17.Pfefferberg': 216, 217, 220, Hollmannftraxe 16 bei skeffenich. LI.«. 22., Ä3.— 25., 26.-32. Abt. Sonntag, den 12. Oktober, nachmittags 5 llbr, in Haverlands Festjälen. Herbstsest, auSgcsübrt von den Mitgliedern de? Vercws Arbeiterjugend, anschließend Tanz. Einlaßkarten 75 Pfennig bei den ilbteilungSjührern. Bereinigung der sozialdemokratische» Beamten«nb Auge- kellten der Verwaltungsbehörden.' Die sozialdemokratischen Beamten und Angestellten der Verwaltungsbehörden haben sich zu einer Vereinigung zusanimengeschlossen mit dem Ziele, unter den oben bezeichneten Beamten und Angestelltenkategorien mit größter Energie die Werbe- und Auf- klärungsarbeit auszunehmen, aus Grund deS von der Zentralarbeits- gemeinschast sür Beamten herausgegebenen Aktionsprogramms. Sämtliche bei den oben genannten Verwaltungsbehörden tätigen Parteigenossen werden ausgesordert, unverzüglich ihre Adresse an daS Sekretariat. Bellevue- 'frage 7, einzusenden, um in kürzester Zeit daS politische Vertrauens- mäniiersystem auch bei den Behörden vollständig auszubauen. Tanbstummcn-Sektion. Heute 8 Uhr: Zahlabend bei Schwinge, Alexandrinenstr. 56. WerbeauSschnb htt Kffsendahner. Heut«, abends VI, Uhr, in LindterS Konzerthaus in P a n k o w. Versammlung aller Eisenbahner, die 'aus de« Boden der S. P. D. stehen. RednerknrsuS. Morgen abend, pünktlich 7 Uhr. in der Aula des Sophien-RealgymnastumS. Steinftr. 31— 34, Bortrag de? Genossen H e 1 1- r über das Erfurter Programm. Sämtliche Betrieb?- vertrauensleutc der Eisenbahn, Post imd Polizei, auch andere mteresfiertc Genossen herzlichst willkommen. Einlaß nur gegen Vorzeigung deS Mit- gliedsbuches. Nichtmitgliedcr dürfen eingeführt werden. Ebarlottenburq. Heute. 7'/, Uhr in den bekannten Lokale» i Grupvcn- Versammlungen. Tagesordnung: Eltern, schasst w eltliih e Schulen. Gruppe 4 Lokal Schweikert, EraSmnSstr. 2, Gruppe 2 Lokal Hemleln, Fricdrich-Karl-Platz 6. Gruppe 9 Lokal Scelig, Grünstr. 9. In der 3. und 7. Gruppe wird die Gruppenversammlung in den nächsten Tagen stattfinden, in der 8. Gruppe am 22. Oktober. Friedenau. Heute Zahlabend in dem bekannten BezirkSlokal. Grunewald. Generalversammlung den 10. Oktober, 8 Ubr, bei Walter, HubertuSbaderstr. 3. Kaffenbericht, Bericht der Revisoren, Neuwahl deS Vorstandes, Verschiedenes. Zahlabend beginnt 6 Uhr.. Mariendorf- Südende. Heute Zahlabend in folgenden Bezirks- lokalen 1. S ü d e n d e bei Dabl, Lichterselder Str. 21; 3. Bezirk: Koch, Chausieeftr. 19, Ecke Strctitzstraße: 4. Bezirk: Hilgerts Chanffeestr. 280: 5. Bezirk: Hoch, Chauffeestr. 44, Ecke Bergstraße; 6. Bezirk: Fried cnstr. 6, Ecke Marienfelder Straße.— 2. Bezirk am Donnerstag bei M e r k e r t, Kursürsteiistraße 24, Ecke Schützenstratze.— Die Jp g e n d« f ektion hat ihre Zusammenkunft sür diese Woche Donnerstag, VI, Uhr. dei Hoch, Chauffeestr. 44. Lichtenberg. Heute VI, Uhr Zahlabcnd in folgenden Lokalen: 1. Viertel bei Hampsch, Mainzer Str. 20; Schwarzer, Gabriel-Max- Str.17; Krüger, Kroffcner Straße, Ecke Gabriel-Max-Straße: Schulz, Gärtner- straß».10. 2. Viertel bei Stöber, Jungstr. 29; Schulz. Finowitr. 10: Thet- meicr, Kronprlnzenstr. 13: Brunn, Gürtelstraße, Ecke Oderltraße. 6. Viertel bei Neander, Alt-Boxhagen, Ecke Holteistraßc: Müller, Holteistraße, Ecke Wühlischstraße: Richier, Alt-Boxhagcn, Ecke Lcnbachstraße. 4. Viertel bei Friedrich, Göthestr. 17; Schilling, Kantstr. 19: Neumann, Leopoldstraße, Ecke Emanuclstraße. 5. Viertel bei Kucke. Jrenestr. 14; Jorich, Siegfried. straße 2: Zandereit, Bürgerheimstr. 92: Lenz, Magdalenenstr. 10. 6. Viertel bei KurkowSki, Pfarrsir. 74; Krüger, Rormannenstr. 33: Horftmann, Möllen- dorffstr. 77; Hellriegel, Landsberger Chaussee. Oberschöneweide. Zahlabend im 1. Bez. bei Gades, Watt- Ecke Helmholtzstraße, im 2. Bez. bei Neumann, Siemens- Ecke Deulstraße; der 3. u. 4. Bez. tagen bei Drake, Wilhelmrnenhos- Ecke Klarastraße. WeidmannSknft. Heute Zahlabend. VI, Uhr, bei Wennrich, am Bahnhof. � Fredersdorf. Donnerstag. VI, Uhr, bei GronoStah. Freitag, 7ll, Uhr, bei GronoStah. Oeffentliche Versammlung. Tages- ordnung: 1. Die Sozialdemokratie im neuen Deutschland. Referent Gen. Rudolf W i s s e l l. 2. Freie Aussprache. Friedrtchsfelde. Die sür heute anberaumt« Mitgllederversammlung fällt aus. Weißensee. Lothringer Str. bei Wletstruck, Albertir�enstraß«. Rokenthal-Nordend. Heute, Vf, Uhr, bei Frl. Barth Zahlabend.— Für Nordend bei Müller, Blankenjelder Straße 19. Neinickendorf-Ost. Donnerstag, 7 Uhr, im Schützenhaus, Residenz- straße 1— 2. Oeffentliche Volksversammlung Genosse Rektor B r o h s e< Neukölln, spricht über:.Die wellliche schule'. Eggersdorf. Heute, obendS 8 Uhr, bei Catholz, Zahlabend. Gäste willkommen."_ vortrage, vereine und Versammlungen. Freier Wanderbnnd. 12. Oktober: Treffahrt nach dem TenselSsee i Potsdam. 1. Neubabelsberg— Drewitz— Rehbrücke— Teuselssee. Abfahrt !0 Uhr Potsdamer Fcrllbahnhos. 2. Wildpark— TenselSsee. Potsdam um- bei steigen. Abfahrt 5.30 Uhr Schlcsischer Bahnhos. 3. Neubaöelsberg— PotS- damS Umgebimg(Sanssouci)— TcuselSscc. Mfahrt 6.40 Uhr Bahnhof Fried richftraße.—.Berufsgruppe Chemie" d.„Bundes tcchn. Angest. und Beamter', Freitag, den 10. Oktober, abends 7 Uhr. im Patzcnboser Bierpalast, Friedrichstr. 134: Vortrag über„BerufsauSschüffe" und Wahl eines solchen. Chromotechniker und Chemiker willkommen. flus aller Welt. Handgranaten auf die Eiseitvahn! Auf Grube„Clara' bei Weltzow wart ein vor wenigen Tagen vom Militär entlasiener junger Mann anscheinend aus verschmähter Liebe auf ein Mähchep, das mit vielen anderen Personen an einem Eisenbahnwagen, aus dem Kartoffeln verteilt wurden, stand, einige Handgranaten. 6 Personen, darunter der Täler, wurden getötet, IS schwer und 6 leichter verletzt._ öriefkasten der Redaktion. Jeder für den Brieflasten deüimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und«ine Nummer bei. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Eilige An- fragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. S, l. Hof vor- terre links, vor. Schriftstücks und Verträge find mitzubringen. Heute findet die juristische Sprechstunde von 2 bis 4 Uhr statt. G. E. 207. Wenden Sic fich an Herrn Prof. Dr. Echlefiüger, Tech- nische Hochschule, Charlottenburg.— F. M. 1. A. Panschow, Char- lottenburg, Scharrenstr. 37.— 91. M. 1000. 1. Nein. 2. und 3. Ja. F. G. 18. Wenden Sie sich an Herrn Witmer, Berlin W, Wormser Straße 6. sil Allen ehemaligen Schüte- i rinnen der.3. und 9. Wahl- !> iortbildungsschuIe.sürMäd- .'Z che» wird hierdurch mit- 'r qeteUl. daß dl- Lehrerin für i? Steno giaphie und Schreib- ja Maschine. sj' Fräulein I Martha Voigt "3 an: Sonnabend, 4. Oktober, M plözlich ihrem tangenLeiden 2 ericgen ist. Sie hat fast lZ 23 Jahre treu und fleißig j an unseren Schulen gewirtt , und fich durch ihr liebevolle« j Wesen bei allen Echüle- ? rinnen»nd Mitarbeitern Z ein dauerndes Andenken ! aefichert.' SOOD !" Die Beerdigung findet am 1 Mittwoch, den 8. Oktober, I nachm.'2'/i Uhr, in Stahns- I darf statt. j Abfahrt 1.37 Bahnhof I Eharlottenbprg. ]?. u. 9. Wahlfortblldungs- schuw für Mädchen. Zurück: Frauenarzt Dr. 0. Schlesingei W. Meinekestr. 15. 3—5 Ol Or. Grütering Spezialarzt. Invalidenstraße 35 Ccke Chausseesfraße am Stettiner Bahnhof.* ic)-f.'Vi—'/VT, Sonn«. 11—12. Spezialarzt Dr. med. Koeben. Erprobte und schmerzlose Behandlung* In Dr. Homer er& Co. konz. Labor, f. Blutunters. iFriedFiebsWlÄi* pöBigstr.MiSI.äSs; Spr. 10-1 u. 5-8, Sonnt, 10-1„ separates Damenzimmer Ich bin zurück. DkiMWockenfiili, n Oranienburger Tor. Spr. 10—1, 5-8. Sonnt. 19—1. Erfolgreiche Behandlung. HarnBeiden. ARQENTiniEIf. Dr. C. Indalecio Oomez, Rechtsanwalt, promoviert in Würzburg und Buenos- Aires.* Robert Pincus, Ingenieur U.Patentanwalt Baenos-Alrea. • Recontjuista 37. Tel.-Adr. Pincus, Buenos- Aires, A. B. C. Code. 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Bei der Stellungnahme zu der Frage„Gewerkschaften oder B e t r i e b S o r g a n i s a t i o n" ist es in der gestrigen Voll- Versammlung der Groß-Berliner Arbeiterräte zwischen der II. S. P. und der K. P. D. zu einem ernsten Konflikt gekommen. Als u. a. der Unabhängige Eckert im Sinne der U. S. P-.Resolution sprach und dabei erwähnte, daß bei den Hansa-Llohd-Werken seitens dbr Beriechter des BetriebSorganisationsgedankenZ gegen die gewerk- schaftlich organisierten Arbeitskollegen Terror geübt werde, erhob sich großer Lärm auf der Tribüne. H e i n e n iK. P. D.) vom Vdll- zugsrat übte eine„vernichtende" Kritik an den Gewerkschaften. Dem Redner trat D ä u m i g entschieden entgegen. Er bezeichnete die Parole der Kommunisten„Heraus aus den Gewerkschaften" als völlig verfehlt und betonte, daß man durch eine rein mechanische Gbgenorganisation niemals die Gewerkschafren aus der Welt schaffen könne. Der Ruf der K. P. D. zur Gründung von Betriebsorgani- sationen werde immer nur von einem Teile der Arbeiterschaft be- folgt werden, während die große Masse bei den Gelverkschafren ver- bleiben würde, zumal diese in ihren UnterstützungSeinrichtungen ein wirksames Lockmittel besäßen. Der einzige Weg, vorwärts zu kommen, sei die Umgestaltung der Gewerkschaften im revolutionären Sinne, insbesondere -durch zweckentsprechende Besetzung der Führerstcllungeu. Diese Umgestaltung werde zweifellos eher erreichbar sein, bevor die von der K. P. T. erstreble Betriebsorganisation in Wirksamkeit treten könne. Däumig trat schließlich dafür ein, daß dies» nicht völlig geklärte Frage die> revolutionäre Einheitsfront auf keinen. Fall stören dürfe und befürwortete deshalb warm den Vermitt- lungsvorschlag der U. S. P. Der K o m m u n i st Günther be- kämpfte die Gewerkschaften in schärfster Weise. Wolle die revolu- tionäre Arbeiterschaft sich ein gutes Kampfirrittel schaffen, danm müsse sie die Gewerkschaften zertrümmern und auf deren Trümmern ein neues Gebäude errichten. Nur die in stetem Kampf gegen den Kapitalismus entstandenen Betriebsorgan i- sationen seien die gegebene Phalanx gegen Kapitalismus und Reaktion. Günther lehnte auch ein Räteshstcm, das sich auf die Gewerkschaften stützen müsse, rundweg ab. Nachdem ein Antrag aus Schluß der Debatte durch die Mehrheit angenommen worden war, kam es zur Abstimmung über die Anträge, wobei derjenige der K. P. T. ans Aufhebung aller Beschlüsse, die die Zugehörigkeit der Arbeiter zu einer gewerkschaftlichen Organisation fordern, gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt, d'.e Entschließung der U. S. P., die die Umgestaltung der Gewerkschaften zu revolutio- nären Kampforganisationen propagiert, aber festlegt, daß die Frage „Gewerkschaft oder Betriebsorganisation" keinen Anlaß zu Diffe- renzen innerhalb der Arbeiterschaft eines Betriebes bilden darf, gegen die Stimmen der Kommunisten angenom- m e n. Tie Abstimmung rief bei den Kommunisten st ü r m i s ch e n Widerspruch und Unruhe hervor. Obwohl Rich. Müller dar- auf hinwies, daß der Antrag seiner Partei auch den Bedenken der Kommunisten Rechnung trage, da ausdrücklich festgelegt sei, daß unlautere Mittel bei der Bekämpfung der Betriebsorganisation nicht angewendet werden dürfen, erklärten die Kommunisten Gün. ther, Heinen und Levallier unter dem stürmischen Beifall ihrer Parteifreunde, daß für die kommunistische Fraktion diese Abstimmung tiefeinschnridenbe Bedeutung haben werde und daß eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr möglich erscheine. Ein großer Teil der Kommunisten verließ darauf die Versamm- lung. Rasch sK. P. D.) hatte mit seiner dringenden Aufforderung an seine Parteigenossen, bis zum Schluß der Versammlung auszu- harren, nur teilweisen Erfolg. Er erklärte dann zwar, daß die K. P D.-FraWio» erst offiziell zu der Abstimmung Stellung nehmen müsse, fügte aber hinzu, daß, wenn nicht der Beschluß rückgängig gemacht rcsp. dem Verlangen der K. P. D. entsprochen werde, die Trennung zwischen II. S. P. und K. P. D. nicht zu umgehen sein würde. I■ UebertrA üer Eisernen Division. Noch bevor die Befehle der Reichsregierung über die Räumung des� Baltikums an die dortigen Truppen gelangt sein konnten, haben die in 5lurland stehenden Freikorps einen Aufruf erlassen, in dem sie sagen, daß ihnen, obwokff sie als Soldaten an militärischen Gehorsam gewöhnt sind, ihr Ge- wissen doch höher stehen müsse. «Das Gewissen, das uns ermahnt, die Grenze unseres Vater- landes zu schützen vor dem Unsagbaren, das der Durchbruch bbl- schewistischer Horiden fiir unser Volk bringen würde, das Gennssen, das uns ausruft zur Befreiung der Menschheit von den unseligen Folgen des russischen Bolschewismus." „Wenn es daS Vaterland über sich bringen sollte, uns zu verlassen, wenn es die Staatsmänner anderer Nationen verant- � Worten sollten, uns preiszugeben,. dann gut, dann sind wir eben doch die letzten, die aus dem großen Krieg, der die Welt und ihre Moral zerrüttet hat, ihr Pflicht- und Ehrgefühl der Menschlichkeit gegenüber gerettet haben." Man hatte in Deutschland die Uebcrzeugung, daß das Bekanntwerden der Räumnngsbefehle der Reichsregierung und die im Weigerungsfalle angedrohten Zwangsmaßnahmen eine Sinnesänderung bei den Truppen herbeiführen würde. Das war ein Irrtum, wie der folgende am Sonntag im Mitau veröffentlichte Aufruf der Eisernen Didrfion beweist: Soldaten der Eisernen Division I. Die Entente bat der deutschen Regierung gedroht, die Blockade über Deutschland wieder zu verhängen, wen» Ihr Lett- lastd nicht räumt. Die Regierung ruft Euch zu:„Legt die Waffen nicderl", genau wie im November 1918. Wie Ihr damals be- trogen worden seid, sollt Ihr jetzt wieder betrogen werden, Ihr habt>m April vor mir gegen den Seimach, und Ver- nichiungssrieden'Eure Stimme erhoben. Jetzt aber erst seht Ihr, daß der Friede nicht nur wirtschaftliche und politische, sondern auch via körperliche Vernichtung deS deutschen Volkes bezweckt. Tausend Paragraphen hat dieser Friedensvertrag und keiner ist durchführbar! Keiner! Di« Entente wird, so wie fie sich heute auf den Paragraphen 292 beruft, morgen einen v anderen zum Vorwand nehmen, um das deutsche Volk zu, erdrosseln. Darum darf unS auch diese Drohung der Entente glicht schrecken. Unser Nachgeben würde der Heimat doch nichts helfen. In wenigen Tagen würde dasselbe Spiel beginnen. Alles, was die Entente sagt, ist Lüge. Nur da lügt sie nicht, wo sie offen ausspricht, daß sie die Ausrottung des deutschen Volkes, mit allen Mitteln, mit den unmoralischsten, anstrebt. Im April hat mir die amerikanische Militärkommissicm hier in Mitau nahegelegt, die Eiserne Division möge Riga nehmen. Damals war der Friede bereits festgelegt, wenn auch noch nicht ratifiziert. Ich frage die ganze Welt, soweit sie überhaupt noch «inen Funken von Moral in sich hat, der nicht von der Lüge er- stickt ist. ob da noch die Qmtente ein Recht hat, uns gegenüber den z 293 des Friedensvertrages anzuwenden. Trotzdem M sie es. So wollen wir ihii auch das förmliche Recht nehmen, gegen unsere Regierung und unsere Heimat um unsertwillen Gewalt anzuwenden. Wir wollen das von uns und nur von uns er- oberte Land unter russische Flagge stellen. Wir wollen den Russen helfen, ihre Heimat von der Geißel der Menschheit zu befreien. Ihr wißt, daß ich deutsch bin und deutsch bleibe bis zum letzten Blutstropfen, so werdet Ihr mir glauben, daß Ihr mir auch auf diesem Wege unbedenklich folgen könnt, daß ich auch hier für Deutschland arbeiten will, indem ich unseren Freunden helfe. An der Seite des Korps Graf Keller wollen wir unser Recht verteidigen, und wenn eS sein muß, noch einmal erkämpfen. Wird die Entente uns auch noch da hindern, so sucht sie nur einen Vorwaird, um das deutsche Volk zu treffen. Darum bkeult fest, Soldaten der Eisernen Division! Und wenn der Eng- länder Letten und Esten auf uns hetzt, dami wollen wir zeigen, daß wir unseren Namen mit Recht tragen./ Bischofs, Kommandeur der Eisernen Division. Es darf kein Zweifel bestehen, daß wir es hier nicht mit einer leeren Drohung zu tun haben. Mit dem U e b e r t r i t t in die russische Armee nuiß gerechnet werden. Danüt wird Deutschland der Entente gegenüber in die schwierigste Lage gedrängt. Verschärft wird diese Situation noch durch die gewissenlose Art der Bchandlun'g dieser Angelegenheit durch die albdeiltsche Presse. Die Enteute hatte von Deutschland in ihrem letzten merk- würdig unpolitischen Ultimatum verlangt, daß es die in rusfi- scheu Diensten stehenden Soldaten zurückbringt. Ein Ver- langen, für das wir keinerlei Machtmittel haben. Die Situation im Baltikum ist derart, daß nur aller- äußerste Vorsicht verhindern kann, daß Teutschlands/Lage noch �um vieles verschlimmert wird. Das Programm ües Reichswirtschafts- Ministeriums. Wie im Ausland, so werden ctufh im Inland die Ziele der deutschen Wirtschaftspolitik ebensosehr wie die tat- sächliche Wirtschaftslage Deutschlands verkannt. Um den irrigen Anschauungen eutgegoiMtreten, hat Unterstaatssekrstär Hirsch vom ReichSwintschaftsministerium vor Vertretern der Presse eine Rede gehalten, die in vielen Punkten eine Ergänzung der Aus- führungen Robert Schmidts vor dem Hamburger Großhandel bil- det. An anderer Stelle bringen wir einiges aus dem Bericht über die Wirtschaftslage. Wichtiger sind hier die grundsätzlichen Aus- führungen, die das Programm de? Reichswirtschaftsministeriums kennzeichnen. Hirsch stellte fest, daß man keinesfalls daran denke, die planlose Wirtschast wieder einzuführen. Aber auch das sogmannte Plan- Wirtschaftsprogramm wird abgelehnt und an seine Stelle als End- ziel die planmäßige Wirtschaft nach/ den Erforder- nissen der neuesten Wirtschaftsentwicklung gesetzt. Also ein Programm der praktischen Notwendigkeiten, das aber schon Ansätze zu organisatorischer Weiterbildung in sich trägt. Die Ver- schiebung der Machtverhältnisse zwischen Unternehmer und Ar bei- ter, die veränderte Lage des Arbeitsmarktes hat der heutigen Wirt- schaft Tendenzen aufgeprägt, die dem Sozialismus entgegengesetzt gerichtet sind: Stärkung der Klein- und Mittelbetriebe, Tezen- trolisation in Handel und Industrie. Die Zusammenfas- sung der Industrie kann deshalb nicht künstlich geschaffen werden, sie muß aus praktischen Notwendigkeiten heraus entstehen, so, wie auch jetzt schon Arbeitnehmer und Arbeiter zusammenkom- men, Arbeitsgemeinschaften sich bilden und erstarken ohne äußeres Zutun. Wendet sich so das Programm des Rsichswirffchafts- Ministeriums gegen die als„Gemeinwirtschaft" bekannten Forde- rungen Wissells, so macht es andererseits ganz wesentliche Zuge- ständnisse an dessen Grundanschauungen unter einem anderen! Namen, der lautet:„Verbrauckjersozialismu s". Da nämlich bei den heutigen, oft unter Mitwirkung der Arbeiter sestgesetz- ten Preiserhöhungen vielfach der letzte Verbraucher leidet, sind u. a. folgende Maßnähmen notivendig: Verschärfte Ueberwachung der Preisbildung, Kontrolle der Preispolitik der Wirt- schaftlichen Verbände(die Schmidt früher abgelehnt hat). Vor- s o r g e p o l i t i k für die minderbemittelten Volksschichten, ferner auch eine zentrale Regelung der Lohnentwicklung, zugleich mit der Preisregelung, Förderung des Genossen- Förderung des Genossenschaftswesens zur Erzielung einer gerechten Verteilung, gegebenenfalls Sozialisierung und Kam- munalisierung, wo die Verteilung versagt, schließlich auch Be- kämpfung des Schleichhandels unter Mithilfe der Ar- beiter, an der die Unabhängigen ihre Teilnahme abgelehnt haben. Die Sozialisierung kann bei der gegenwärtigen Wirt- schastSlage nur mit großer Vorsicht durchgeführt werden. Sie kommt in Frage, wo wichtige R o h st o f f e für die Allgemein- hsit nutzbar zu machssi find, wo ein privates Monopol den Uebergang in Staatshände erleichtert, wo sich Industrien dem notwendigen Umgruppieren nicht fügen wollen oder wo ein Reichs- Monopol für die Reichsfinanzen erwünscht«st. In den beiden letz- teren Fällen wird also das Interesse der Staatsautvrität oder der Staatzsinanzen in den Vordergrund glückt. Dir Sozialisierung ist so gedacht, daß der Besitz an Produktionsmitteln vom Reich wirtlichübernommen wird. Tie sozialisienten Betriebe sollen jedoch eine freie Form erhalten, in der die Betriebsdemokratie richtig ausgebildet ist. Die leitenden Beamten sollen durch ihr« Entlohnung am Betriebe interessiert werden. Hier wäre die Frage am Platze, ob man auch daran denkt, die bisher verstaatlichten oder„verreichlichten" B e- triebe in dieser Weise auszubauen. Ehe das erfolgt ist, wird man nicht sagen können, ob'die geplante Uebernahme der Produktionsmittel auf daS Reich trotz der Betriebsdemokratie und der Tantiemen an Beamte nicht auf eine Fiskalisierung hinausläuft, gegen die sich die Arbeiterschaft mit Recht sträubt. Sicher aber bedeutet die Festlegung dieser Richtlinien bereits einen wesentlichen Fortschritt in der Politik des ReichSwrrtschaftS- Ministeriums. Von einer„planlosen" Wirtschaft kann in Zukunft kaum mehr die Rede sein. Gemeinwirtschaftliche Praktiken schälen sich auch aus dieser Politik der Notwcndivkeiteu heraus. Wenn Unterstaatssekretär Hirsch eine genaue Kontingentierung der Ein- fuhr als erwünscht bezeichnete und von dtr Notwendigkeit einer Ein- fnhrpoliitik der Jndu st rie verbände als Wahrscheinlichkeit der Zuknnil sprach, so klingen uns diese Töne bekannt. Die praktischen Notwendigkeiten lassen die sachlichen Gegensätze zwischen Wissell und Schmidt verblassen. TaS fördert das Zusammenwirten aller Kräfte im Wiederaufbau, nachdem der tiefste Punkt der Pro- duttlsnsknft als überwunden gelten kann. kleine polltische Nachrichten. Die Räumung SchleSwig-Holsteins von deutschen Truppen und Behörden hat, wie uns aus Kopenhagen gedrahlel wird, gemäß des§ 109 des Versailler Vertrages in der ersten und zweiten Zone spätestens am LS. Oktober beendet zu sein Die Abstimmung der ersten Zone wird spätestens am IS. November erfolgen. Ein Protest gegen die Verschleppung Deutscher vom rechten Rheinufer in elende belgische Arreste und ihre Verurteilungen ist dem Vorsitzenden der Belgischen Waffensttllstandskommission über- geben worden. Der Ausschuß für das Betriebsrättgesev nahm auf Antrag Legien(Soz.) folgende Bestimmung an: Für die öffentlichen! Behörde» und die Betriebe des Reichs sowie für ösfeutlich-rechtliche Körperschfften kann durch Verordnung der Reichsregierung, für die sonstigen öffentlichen Betriebe durch Verordnung der Landesregie- rung bestimmt werden, daß geioisse Gruppen vo» Beamten alS Arbeiter oder Angestellte im Sinne dieses Gesetzes zu erachten sind. Zum Begriff„Airgestellte" lagen Anträge vom Abg. Schnei- der-Sachsen(Dem.) vor. Nach eingehender Aussprache bekanr Absatz 3 folgende Fassung:„Nicht als Angestellte im Sinne dieses Gesetzes gelten die Vorstände oder vertretungsberechtigten Mir- glieder von juristischen Personen und Personengesamtheiten_deS öffentlichen und privaten Rechts, serner die selbständigen Geschäfts- führer und selbständige Betriebsleiter, soweit sie zur Einstellung oder Entlassung aller iibrigeu i m Betrieb oder in Betriebsabteilungen, für die ein Abteilungsbetriebsrat besteht, beschäftigten Arbeitnehmer b e r e ch- t i g t sind oder soweit ihnen Prokura oder Generalvollmacht er- teilt ist." Im NeichshaushaltsauSschiiß wurde der Postetat erledigt, nachdem ein Regierungsvertreler nochmals Verbesserung der Mißstände im Fernsprechwesen zugesagt hatte. Ter AnSschnß für d«S Rcichsnotopfer nahm einen Antrag Blunck(Dem.).an. wonach zum gewerblichen Betriebsvermögen für die Slenerberechnung auch Warenvoiräle gerechnet werden. Nach A 21 werden S000 M. nicht angerechnet. Angenommen wurde etil iozialdemokratischer Antrag, wonach weitere S00l> M. steuerfrei bleiben, soweit das Vermögen von Ehegatten zusammenzurechnen ist. Ter Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten befaßte sich in einer gestrigen Sitzung, die unmittelbar nach dem Plenum statt- 'and, mit der Beantwortung der beiden kleinen Anfragen, die der Abgeordnete v. Graese(Dnatl. Vp.) über den Fall Mannheim und der Abgeordnete Rießcr(D. Vp.) über die Rede deS Abgeordneten Scheidemann in Kassel gestellt hat. Ick mssncnticre mir. In seiner letzten Rede hatte Clemenceau mit großartiger Schlenkergeste Schweden» Dank an die Alliierten für die Alandsinseln gefordert. Jetzt teilt er zur Beruhigung Finn- landS mit, baß die Entente noch gar nichts darüber beschlossen hat. Der deutschnationale Ausländer. Die„Deutsche Tageszeitung", die sonst immer über Einmischung„landfremder Elemente" in die Politik tobt, läßt sich von einem Ausländer einen wüsten Schimpf- artikel gegen Scheideinann schreiben. Der Artikel beweist, baß' dieser Ausländer allerdings keine Ahnung von den Dingen in Deutschland und von den Gesinnungen des deutsche Volles hat, sonst würde er wohl nicht so alberne Sätze schreiben wie die/ daß die Sozialisten sich furchtbar zu verantworten haben würden,_ wenn das deutsche Volk wieder einmal die Herrschaft über sich übernehmen würde. Am 19. Januar 1919 hat das deutsche Volk die Herrschaft über sich in größter Freiheit ausgeübt, nmd der aufgeregte Ausländer, der wenigstens durch seine Anfangsbuchstaben einen A)>elSnamen verraten muß, kann wohl nur cm Zustände denken, loa das deutsche Volk diese Herrschaft über sich wieder ver- Ii e r t. Im übrigen kann sich das deuffche Volk die anmaßenden Be- leidigungen eines Menschen mit Fug verbitten, der mit jedem Satz völlige Unkenntnis der deutschen Verhältnisse verrät. Verschiebung der französischen Kammerwahlcn. Laut einer Pariser Havasmeldung sollen die Kammer Wahlen, die ursprünglich auf den 9. November festgesetzl waren, auf den 16. November verschoben worden sein. Vor den Wahlen wird Clemeneeau eine Propagandareise durch einige Städte des Südwestens unter- nehmen._ tvirtsthäst. Zur Wirtschaftslage. In seiner großen Rede hat der Reichskanzler Bauer auch zu den wichtigsten Wirlschaftsfragen Stellung genommen. Er wies daraus hin, daß die Förderung und die durchschnittliche Arbeits- leistung in den Kohlenrevieren seit Juli im Anwachsen ist. Allerdings sei die Produktion längst nicht auf der Höhe, insbesondere noch nicht in der E x p o r t i n d u st r i e, deren Gedeihen allein uns genügend vollwertige Zahlungsmittel gibt und damit aus den Valutasorgen hilft. Der?lbtranF?vrt der Kohle allerdings liegt noch völlig ,m argen. Wirksam kann er nur gesteigert werden durch eine erhöhte Leistung der Eisenbahnwertstätten. Im Ruhrrevier können noch 38 000 neue Arbeiter eingestellt werden, wovon heute schon�20 000 ohne Schwierigkeiten zufriedenstellend untergebracht werden könnten. Für die übrigen muß nach einem großzügigen Programm erst Unter- kunft geschaffen werden, ohne daß man, wie einst beim Hindenburg» Programm, Schiebern und Wucherern Vorschub leistet und die Ar- beiter an Leib und Seele zermürbt. * Auch Unterstaatssekretär Hirsch beleuchtete in seiner Rede vor Vertretern der Presse die Wirtschaftslage. Danach istjür die Stein» kohlenreviere bereits ein Baracken bau organisiert worden. Im Braunkohlenbergbau, wo ohnehin schon Produktionserhöbungen auch in den Brikeitfabriken verzeichnet werden, sollen neue Felder erschlossen werden. Bemerkenswert ist die Feststellung des Unter- staatssekretärs, daß alle Arbciterschichten der wichtigsten Industrien ihr Arbeitsergebnis gesteigert haben, nur bei den Arbeitern der Elsenbahnbctriebswerkstättcn, die das Schicksal des deutschen Volkes in den nächsten Monaten in den Händen habe», ist das noch nicht der Fall.' Untcrstäatssekretär Hirsch trat in seiner Rede den irrtümlichen Ausstffsungen entaeaen, die das Ausland von unserer Wirtschast bat. Diese befindet sich tatsächlich im Zustande fortschreitender Besserung, während man im Ausland die Dinge zu schwarz sieht. Unbedingt erforderlich ist allerdings zu einer dauernden Gesundung der deutschen Wirtschaft, daß das Loch im We st e n geschlossen wird und daß uns die bisher noch fehlenden R o h st o f f k r e d i t e gewährt werden. Als Land der Veredelungsindustrie ist Deutsch- land nuf den Austausch von Ware gegen Arbeit, also Rohstoffe und Lebensmittel gegen Fcrtigfabrikate, im höchsten Grade angewiesen. X Tie Transportkrise. Die Verkebrslage im Rubrrevier erfuhr in der ver- gangenen Woche eine allgemeine weitere Verschlechterung. Die' Wa g e ng e st e l l u n g ging werktäglich auf 12 200 Wagen herab, während die Fe b l z i f fe r n auf-12 200 stiegen. Di« Kipper- leistung erfuhr einen Rückgang von 1SK00 auf 14 000 Tonnen, der Umschlag der Zfan.alzcchen von 23 400 auf 17 200 Tonnen täglich. Die Brennstoffdersorgung. Zur Linderung der Brennstoffnot, die durch die Kohlenkrise noch besonder? verschärft ist, hat das ReichSwirischansministerium in größiem Umfange die Beschaffung von Petroleum und Benzin nnternomnie.i. Schon im nächsten � Monat wird vier- bis fünfmal so viel Pctivleuin zur Verfügung stehen als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Bis Ende Januar sind Abschlüsse auf 140 000 Tonnen PZtroleum und Bezin getätigt, worunter sich auch Heizöl und Benzin für Molore befindet. Bon den beabsichtigten Einschränkungen des Autoverkehrs soll gleichwohl nickt abgesehen werden, solange nicht genügend Benzin für die Industrie vor- handeil ist. GeMrWWewMng Der Kampf in öer Metallindustrie nach den Mitteilungen der Streikleitung am gestrigen .'Nstag weitere Ausdehnung gewonnen. Es sind 17 Firmen t in den Lohnkampf getreten; die Fahl der Streikenden b Ausgesperrten hat sich um 2 8 50 erhöht. Eine aus itgliedern der Streikleitungen und der Fünfzehnerkommission sammengesetzte Kommiision hat den Auftrag erhalten, sich - egen der Truppenzusammenziehung— besondes in Siemens- adt und Obetschöneweide— an den Polizeipräsidenten und n das Oberkommando zu wenden. Der Bericht dieser Kom- nisfion soll in der am heutigen Mittwoch stattfindenden Generalversammlung des Metallarbeiterperbandes gegeben werden. Der Streikleitung sind von der Arbeitsgemeinschaft soziali- 'lischer Techniker und von den Angestellten des Rudolf-Virchow- rrankenhauses Kundgebungen zugegangen, in denen den strei- fanden Metallarbeitern die wärmste Sympathie für einen -Ilten Ausgang der Bewegung ausgesprochen wird. ie Ein Vergleichsvorschlag.• Von einem erfahrenen Gewerkschaftsführer wird unS folgendes geschrieben: Wer die Entwicklung der Differenz in der Metallindustrie von seinem Beginn an aufmerksam verfolgt hat, konnte beobachten, daff die streitenden Parteien im Laufe der Bewegung, anstatt sich näher zu kommen, immer weiter auseinander geraten sind, so daß eS fast unmöglich erscheint, in absehbarer Zeit zur Verständigung zu kommen. Darauf die? zurückzuführen ist und welcher der beiden streiten- den Teile an dieser bedauerlichen Erscheinung mehr Schuld hat, kann zunächst dahingestellt bleiben. Betrackffungen darüber anzustellen, ist im Augenblick nicht am Platze. Weit wichtiger ist die Erörterung der Frage, was kann geschehen, um möglichst bald diese, das geiamfa Erwerbsleben so schwer schädigende DiffereM aus der Welt zu schaffen. Wie stehen die Dinge? Die Arbeitgeber sind mit dem Vor- schlag de? Arbeitsministeriums, den Schiedsspruch vom 21. August für aufzunehmende Verhandlungen als Grundlage zu nehmen, ein- verstanden. Die Arbeitnehmer haben diesen Borschlag abgelehnt. Sie wollen ohne an etwas gebunden zu sein verbandein. Auch der Vorschlag des Arbeitsministeriums, sich über einen unparteiischen Vorsitzenden zu verständigen, ist von den Arbeit- nehmern abgelehnt worden, während die Arbeitgeber auf diö Ver- Handlungsart, wie sie von Arbeitnehmerseite vorgeschlagen wird, Nicht eingehen wollen. Unter diesen Umständen ist eS schwierig, zu einer Verständigung zu kommen; eS müßten, ehe die eigentlichen Verhandlungen be- ginnen können, eine Reihe von Vorfragen erledigt werden, die sicher geraume Zeit in Anspruch nehmen. Die bei den VerHand- lungen erforderliche Ruhe und Sachlichkeit wird indessen sicher auf beiden Seiten gestört durch die Nervosität, die bei beiden Teilen angesichts der großen Zahl von Streikenden vorhanden ist. Um dieses störende Element aus der Welt zu schaffen und Ver- Handlungen in aller Rube zu ermöglichen, empfiehlt es sich, daß die beiden Parteien dahin übereinkommen, daß auf der ganzen Linie zunächst einmal die Arbeit wieder aufgenommen wird. Die Arbeitsaufnahme wird zu einem bestimmten Termin vereinbart, und ebenso wird ein bestimmter Termin für den Beginn der Verhandlungen sestgesetzt. Dabei habest dann beide Parteien vollständig freie Hand. Die Arbeitnehmer können sich entscheiden, ob sie überhaupt einen Tarif- vertrag wollen und unter welchen Bedingungen, und die Arbeit- geber haben gleichfalls vollständig freies Entscheidungsrecht, ob und unter welchen Bedingungen sie sich mit den Arbeitern in ein Verlragsverhältnis einlassen wollen. Das Für und Wider in allen Fragen kann dann in oller Rube erörtert werden und es braucht bei keiner Partei eine nervöse Ueberhastung die ruhige Beratung stören, sa eS kann sogar in aller Ruhe die Vorfrage erledigt werden, ob die Parteien mit oder ohne einen unparteiischen Vorsitzenden verhandeln wollen. Dieser Vorschlag ist unseres ErachtenS sowohl für die Arbeit- geber als auch für die Arbeitnehmer annehmbar und bringt für keine der Parteien das Geiühl des Sieges oder der Niederlage. Vielleicht beachtet das Arbeitsministerium diesen Vorschlag und fordert die Parteien auf. sich hierzu zu äußern. Das müßte aber unseres ErachtenS möglichst bald geschehen, um die durch den ganzen Kampf verursachte Störung unseres Wirtschaftslebens möglichst bald zu beheben. �_ Schiedsspruch für die Handelsarbeiter im Einzelhandel. Nachdem die Verhandlungen über den Abschluß eines neuen LohntarifcS mir dem Arbeitgeberverbaud �im Einzelhandel zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt haben, hat nunmehr auf Antrag des Deutschen Transportarbeiter-Berbandes das Einigungsamt am 6. d. M. folgenden Schiedsspruch gefällt: Für jugendliche Arbeiter von 14—16 Jahren 35 M. pro Woche, von 16—18 Jahren 50 M. pro Woche, von 13— 20 Jahren 70 M. pro Woche; über 20 Jahre alte Arbeiter: Anfangslohn 87 M., nach Vj Jahr 97 M., nach einem Jahr 108 M. Für weibliche Jugend- liche 20 Proz. weniger als die jugendlichen Arbeiter; für weibliche über 20 Jahre 25 Proz. weniger als erwachsene männliche Arbeiter; für besonders schwere Arbeiten werden 10 Pcoz. Zuschlag gezahlt. Nach stundenlangen Verhandlungen kam der Schiedsspruch zu- stände. Die Arbeitgeber hatten durch Herrn Grünfeld und Herrn T>etz vorher jedes weitere Zugeständnis abgelehnt, sie erklärten, daß sie auf ihren Vorschlag, 100 M. pro Woche als Höckstlohn. be- stehen bleiben müsitn. Werner und Pollmeier vom Transport- arbelterverband traten diesen Ausführungen entgegen. Am Donnerstag abend sollen nun die Handelsarbeiter in einer Ver- sammlung in der Unionsbrauerei emscheiden, ob sie den SchiedS- spruch annehmen._ ' verschärfter Einftellungszwang für Schwer- beschädigte. Nach der Verordnung über die Beschäftigung Schwerbeschädigter vom 9. Januar 1919 waren alle öffentlichen und privaten Betriebe, Bureaus und Verwaltungen verpflichtet, auf je 100 Arbeitnehmer einen Schwerbeschädigen oder Schwerunfallverletzten zu beschäftigten. Nur für die Landwirtschaft galt die besondere Bestimmung, daß schon bei je 50 Arbeitnehmern ein Schwerbeschädigter oder Schwer- Unfallverletzter einzustellen sei. Die ungünstige Entwicklung des Wirtschaftslebens, die sich jetzt am Eingang des Winters besonder? fühlbar macht, hat die Reichsregierung gezwungen, den EinstellungS- zwhng für Schwerbeschädigte zu verschärfen. Nack einer Ver- ordnung vom 24. September 1919, die am 27. September im Reichsgesetzblatt Nr. 190 veröffentlicht worden ist, wird vorgeschrieben, daß alle öffentlichen und privaten Betriebe, Bureaus und Verwaltungen ver- pflichtet sind, auf 25 bis einschließlich 50 ins« gesamt vorhandene Beamte, Angestellte und Ar- beiter ohne Unterschied des Geschlechts min- bestens einen Schwerbeschädigten und auf je 50 weitere Arbeitnehmer mindestens«inen w eiteren Schwerbeschädigten zu beschäftigen. Die besondere Behandlung, die die Landwirtschaft bisher ersahren hatte, wird beseitigt. Auch für sie gelten also künftig die vorstehenden Ziffern. Die Reichsregierung hofft, mit dieser Bestimmung dem drin- gendsten augenblicklichen Bedürfnis Genüge zu tun. Im übrigen geht der Enrwurf zu dem Gesetz über die Beschäftigung Schwer- beschädigter in diesen Tagen dem Reichsrat zu. Es ist zu hoffen, daß ReichSrat und Nationalversammlung in der Läge sein werden, dieses Ge'etz mit der möglichsten Beschleunigung zu erledigen, damit an Stelle der vorläufigen Regelung eine endgültige Ge- staltung-tritt.-_ „Nach Halleschem Musterit. Vor einigen Tagen veröffentlichten wir unier obiger Uebcrschrift den wesentlichen Inhalt eines Auf« ruhrs, den eine Fünfzehnerkommission in der Elektroindustrie zur Einberufung einer Reichskonferenz nach Holle a. S. erließ. Wir knüpften daran die Vermutung, daß diese Tagung nicht die Aul- gäbe habe, durch einen organisierten Ausstand den Lebensnerv der Industrie zu treffen. Vom Arbeiterrat der Bergmann-Elektrizitäts- werke erhalten wir jetzt unter Beifügung deS Aufruss die Mitteilung. daß die Konferenz nur deshalb nach Halle einberufen sei, weil die Kommiisio» Halle für den zentralen Knotenpunkt Densich« landS befunden habe. Insoweit wir von dem übrigen Inhalt deS Aufrufs nichts veröffentlicht haben, wird in demselben hauptsächlich auf die Ueberlegenheit des organisierten Unternehmertums ver- wiesen. Ihm gelte es. durch die Zusammenschweißung der Betriebs- und Bureanarbeitnebmer etwas Gleiches entgegenzusetzen und mit den richtigen Leuten am richtigen Platze den Sozialismus auf der Grundlag« tzeS Räte- gedankens zu verwirklichen. Wir erwarten mit Spannung die Tagung und erwünkchen nichts lieber, als wenn wir durch einen eingehenden Bericht die Ueberzeugung erhalten, daß unsere Mutmaßungen irrige waren. Wer indesien den Sinn der Sprache erfaßt— und der Aufruf läßt an Deutlichkeit ja nichts zu wünschen übrig—. wird sich über den Zweck der Tagung nicht einest Augenblick im Zweifel sein. Erfolgreiche Tarifverhandlungen i« der Verliner Aspaltindustrie. Die Berliner Asphaltarbeiter hatten den Tarif, der bis zum 30. September d. Js. in Kraft war, gekündigt. Auf Grund des vom Verband angeregten Tarifvertrages fanden in den letzten Tagen mit den Unternehmern Verhandlungen statt. Trotz der vor« handenen Schwierigkeiten wurde dennoch eine Einigung, die einen günstigen Abschluß für die Arbeitnehmer darstellt, erzielt. Die Haupl'punkle sind kurz folgende: Der Stundenlohn beträgt in Lohn- klaffe 1 sHilfS- und Hofarbeiter) M. 2.35 lM. 2), für FunktiouS- arbeiter sSchmelzer, Darrer, Destillateurer, Pappenmacher, Reiber, Fuger, Stampfer, Streicher, Keilhalter) in Lohnklasse 2 M. 2,50 (Mi 2,25), für Spachrlcr, Vorarbeiter, sowie alle Personen, die eine verantwortliche Stellung innehaben, in Lobnklasse 3 M. 2,70 (M. 2,85). Für Frauen beträgt der Stundenlohn M. 1,80, für ugendliche Arbeiter unter 18 Jahren ist freie Vereinbarung unter Hinzuziehung deS ArbeiterauSschusses zuläsfig, indessen darf der Stundenlohn unter 1,75 M. nicht sieben. Dort, wo höhere Lohnsätze bereit» gezahlt werden, darf eine Kürzung nickt stallfinden. Bei Jnvalidenrentnern ist freie Vereinbarung des Lohnes nach Anhörung deS ArbeiterausschusicS zulässig. Für Kutscher ist der Wochenlohn auf 130 M. bei 12szündiger Arbeitszeit einschließlich der Pausen sestgesetzt. Uebersiunden sowie Sonntagsarbeit sind mit 2.50 M. extra pro Stunde zu bezahlen. Für Nachtarbeit werden 25 Proz., für Sonntagsarbeit 50 Proz. Zuschlag vom Lohn gezahlt. Bei auswärtigen Arbeiten werden 8 M. pro Tag einschließlich der Sonn- und Feiertage gezahlt. Die Fahrzeit gilt als Arbeitszeit. Fahrgeld wird für Arbeiten, die außerhalb Groß-Berlins liegen, für die 3. Wagen�lasse bewilligt und bis zu einer Stunde Laufzeit als Lohn angerechnet. Das Fahrgeld wird nach allen Orten außer- halb der Stadtkreise Berlin, Neukölln, Wilmersdorf, Schöneberg und Charlottenburg gezahlt._ Streikabfchlust in der.chromolithographischen Branche. Nach der letzten Versammlung der Streikenden sind die Ver- treter beider Parteien durch Vermittelung des Arbeitgebervorsitzenden der Reichsarbeitsgemeinschaft fürPapiervcrarbeitung nochmals zu Ver- Handlungen zusammengetreten. Das Ergebnis dxr Verhandlungen wurde einer am Dienstag nachmittag abgehaltenen, sehr stark be- suchten Versammlung der Streikenden vorgelegt. Die Wochenlöhne sind folgendermaßen festgesetzt: Männliche Arbeitskräfte in Lohngruppe A 97,50 M. Gruppe D 87,50 M. Grupde C 75 M. Diese Sätze steigen ab 1. Januar auf 100 M., 90 M., 77,50 M. Weibliche Arbeitskräfte erhalten in den- selben Gruppen 50 M.. 45 M. und 42.50 M. Am 1. Januar steigen die Löhne in den Gruppen A und B auf 52,50 M. und 47,50 M. Für jugendliche Arbeiterinnen von 14—18 Jahren sind Wochenlöhne von 22,50 M. bis 35 M. festgesetzt. Die Akkordsätze sollen so bemeffen werden, daß bei normaler Arbeitsleistung 15 Proz. mehr als im Wockenlohn verdient werden können. Die Lohnsätze bleiben zwar hinter denen zurück, die in dem von den Arbeitgebern abgelehnten Schiedsspruch vorgesehen waren, aber sie bedeuten eine bei den bisher am niedrigsten entlohnten Arbeits- kräften sehr erhebliche Verbesierung der alten Löhne. In der Ver- sammlung wurde betont, daß der Streik sowohl in moralischer als in materieller Hinsicht einen nicht zu unterschätzenden Erfolg gehöht habe. Die einmütige Arbeitsniederlegung und das ebenso einmütige Aushalten im Streik haben ihren Eindruck auf die Unter- nehmer nicht verfehlt. Die Versammlung beschloß mit großer Mehrheit die Annahme der Vereinbarung, den Abschluß eines bis zum 31. März 1920 laufenden Tarifvertrages und die Wiederauf- nähme der Arbeit bis kommenden Donnerstag. Zu den Forderuugen der städtischen Hilfsarbeiter und Hilf»- arbeiterinnen Neuköllns wird uns vom Magistrat folgendes mitge- teilt: Der Magistrat und die aus allen Fraktionen der Sladtver- ordnetenversammlung zusammengesetzte Personaldeputation haben sich grundsätzlich aus den Standpunkt gestellt, daß einmalige Eni- schuldungsiummen weder an Beamte noch an sonstige Angestellte der Stadtgemeinde gezahlt werden können. Mit der gleichen Eni« schiedenheit sind Magistrat und Personaldeputation aber dafür ein- getreten, daß eine Verbesserung der laufenden Dienstbezüge er- folgen muß, wenn das Ergebnis der in Berlin zwischen den Vertretern der Groß- Berliner Gemeinden stattfindenden Besprechungen diese Notwendigkeit ergeben sollte. ES ge- winnt den Anschein, als ob die Angestellten über die Sach- lag« und den Gang der Dinge nicht vollständig unterrichtet worden sind. Für den Fall, daß in Berlin die Bewilligung eines Vor- schusies erfolgt, wird automatisch auch in Neukölln eine gleichartige Regelung Platz greifen. Mit Rücksicht auf diese Sachlage darf von feiten der Angestellten erwarter werden, daß sie sich nicht zu Maß- nahmen hinreißen lassen, die eine schwere Schädigung der Allgemein- beit im Gefolge haben. Es muß im übrigen darauf hingewiesen werden, daß die Besoldung der Hilfskräfte durch Tarifvertrag seit dem 1. Mai d. I. neu geregelt ist. Durch die jetzigen erst am 15. September erhobenen neuen Forderungen auf Zahlung einer Wirtschaftsbeibilfe von 1000 M. für Verheiratete und 600 M. für Ledige wird von den Hilfsarbeitern für eine zurückliegende Zeit. für die ein neuer Tarifvertrag bereits bestand, eine erhebliche Auf- besserung der Besoldung angestrebt. Washington. Wie uns aus Bern gemeldet wird, hat da? International« Gewerkschaftsbureau in Amsterdam beschlossen, vor dem Zusammen- tritt der Washingtoner Konferenz dortselbst eine Sitzung der gewerk- schaftlichen Internationale einzuberufen. Für die Schweiz ist Konrad Jlg abgeordnet. Aus Kopenhagen wi�d uns gedrahtet: Die dänischen Vertreter für die Konferenz in Washington sind ernannt worden. Der Bor- sitzende des Internationalen GewerkschaftSbureauS in Amsterdam. O u d e g e e st, bat den vereinigten Gewerkschaften telegraphisch mit- geteilt, daß die Regierungen Deutschlands und Oesterreichs an der Arbeitkkonferenz in Washington mit den gleichen Rechten wi» di» übrigen Länder teilnehmen können. Ehemische Industrie"ud chemischer Großhandel. Am Donners- tag. den 9. d. MIs., abends 7'/, Uhr, Mitgliederveriammlung der Sektionen chemische Industrie und chemischer Großhandel im LchrerverelnShau« am Alexanderplatz. Tagesordnung: I. Bericht über die Bewegung in der Sektion. 2. Unser neues OrtSstatut. 3. Wahl der SektionSleilung. Freie Aussprache. Mitgliedsbuch dient als Ausweis. Gäste dürsen eingesührt werden. Deutscher Transportarbeiter- Verband. HandelSarbeiter im Einzelhandel. Donnerstag, den 9. Okiober, abends 7 Uhr, UnionSbrauerei, Hascnheide SS/3l. Branchenversammlung. 1. Berichterstattung über die Perhandlungen vor dem Berliner EinigungSamt. 2. Diskussion und Beschlußsassung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Hilüungsveranftaltungen. Fach, und Freihochschule sür Gisenbahner»u Berlin. Seginn des Wintersemesters 12. Ott. Gebühr pro Semester 15 M. Unterricht täglich 5—9 aus dem Anhalter und Potsdamer Bnbnhos sowie im ASka- niichcn Gymnasium und in der ForlbildungSschulc Warlburgstraße. Mcl- düngen läglich von 5—6 im Vorzimmer des Anhalter BahnhosS. �ugenöveranstaltungen.. BctriebsvertraucnSleute. Schülerrote. Funktionäre. Heute abend 7 Uhr, Jugendheim, Lindenslr. 3, Vortrag: ,DaS Taylorsystem". BetriebSangelegenheiten. Prenzlauer Borstadt. Heute abend, VI, Uhr, bei Eichhorn, Dan- ziger Str. 93, Vortragsabend: Die Geschichte der deutschen Arbeiter- bewegung. Lichtenberg. Heute abend, 7 Uhr, im Fugendhelm, Parkaue 10, Mitgliederversammlung. V-rantw. für Den«daktion. Teil: Alfred Scholz, Neufölln! für Anzeigen: rheod», Glocke, Berlin Verlag: Vorwärts-Perlag G. m. b. s., Berlin. Druck: Borwärt«- Buchdruckerei und Berlagsanstall Paul Einger u. Co. in Berlin. Lllldenftr. 8. Hierzu 2 Beilagen._