itr.516. S«.A-Hr«. Bezugspreis» vlerttlISHrl.«/-- Ml« monatl. frei in« Hau», voraus zahlbar, Post» bezug: Monatlich ts— MI.« jH ßu* ftellungsgebühr. Unter itreuzdanb für DeutichUmb und Oesterreich. Ungarn 6,25 Ml, für da» übrig» Ausland 10,25 Ml, bei täglich einmal gustellung 8.25 Ml Postbestellungen nehme» an Dänemarl Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schwei». Singetrage» in die Post-Ze>tu»g».Pret»Iist«. Der.Vorwärts� mit der Sonntag» beilage»Boll u. geit� erscheint wachen» täglich zweimal Sonntag» einmal Telegramm-Adresse: »Sozialdeuiolrak Bettln". Morgen Ausgabe. Vevlinev VolKsblAkk. ( 15 Pfennig� Anzeigenpreis: Di» achmespaUene Nonpareillezeil» lostet USOMl.«leine Anzeigen". da» fettgedruckte Wort 60 Pfg.(zulässig » fettgedruckte Wortel, led-s weiter» Wort»6 Pfg, Stellengesuche und Schlafstellenanzetgen das erste Wort tll Pfg. fede» wettere Wort Zll Psg. Warte Uber 15 Buchstaben zählen für zwei Warle, Teuerungszuschlag öM/» Familien- Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Berlins- Anzeigen 12» Ml die geile, Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 6 Ahr nachmittag» im Hauvtgeschäft, Berlin SW 68, Lindenstraße S, abgegeben »erden. Geöffnet von 6 Uhr früh bis d Uhr abend». Zentralorgan der fozialdemokrati fchen parte» Deutfcblands. Neöaktion und Expedition: SW. öS, Lindenstr. Z. Kernsprecher: Amt Moristplatz, Nr. tälSV— tölv?. Donnerstag, den 9. Oktober 1919. Vonvärts-Verlag G.m.d. h., SW. SS, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Moristplat!, Nr. 117 53—34. Di« ungeheure Aufregung, die die Nachricht N£>N dem Attentat auf Haase gestern in der Nationalversammlung hervorrief, legte sich erst, als bekannt wurde, daß die Verletzisngen Haases unbedenklich seien und daß dem wahnwitzigen Anschlag kein politisches Motiv zugrunde lag. Tie menschliche Teilnahme für das Opfer des Ueberfalls wurde dadurch nicht vermindert, zumal Haase auch bei seinen Gegnern Achtung und Sympathie genießt, aber die Entpoliti- sierung dieses Zwischenfalls bedeutet zugleich seine Entgiftung und darum eine Erleichterung für alle, die das Volksleben auf die Bahn einer gewaltlosen inneren Entwicklung gelenkt zu sehen lvünschen. Schon um 2 Uhr nachmittags wurde bekannt, daß der Attentäter erklärt hatte, nicht aus politischen, sondern aus persönlichen Rachegründen gehandelt zu haben, und daß seine Schüsse nicht dem Abgeordneten, sondern dein R ech t sa n w a lt �aase gegolten hätten. Um so größeres Erstaunen mußte es daher erregen, daß die„Freiheit" in einer zweiten Ausgabe ihres Abendblattes mit der größten Bestimmtheit und ohne jeden Vorbehalt erklärte, es handle sich um ein politisches Attentat, um ein konterrevolutio- näres Komplott gegen das Leben des unabhängigen Partei- führers. Derartige Behauptungen in die Welt hinauszuschleu- dern, wo jeder Beweis für sie fehlt, der Beweis ihres Gegen- teils dagegen erbracht scheint, ist eine ungeheure Gewissen- losigkeit, die auch mit der begreiflichen Erregung des Augenblicks nicht entschuldigt werden kann. In Kreisen der Unabhängigen war zunächst die Ver- mutung aufgetaucht, das Attentat stehe in einer gewissen Be- ziehung zu der Rede, die Haase gestern zu halten gedachte und die über das Treiben der russischen Gegenrevolution in Berlin Enthüllungen bringen sollte. Haase wollte, wie sie erzählten, dokumentarisch beweisen, daß in Berlin eine Vertretung einer gegenrevolutionären russischen Regierung bestehe, die mit Koltschak und Denikin im Verkehr stehe. Sie vermuteten, daß das Attentat von einer Seite angestiftet sei, die diese Enthüllungen verhindern wolle. Gegen diese Annahme spricht schon der Umstand, daß man Enthüllungen eines Abgeordneten durch ein Attentat nicht verhindern kann, da sich dann doch selbstverständlich so- fort ein anderer findet/ der das Material veröffentlicht. Gegen sie spricht aber auch das gesamte bisherige E r g e b- nis der Beweisaufnahme, nach der festzustehen scheint, daß es sich vielleicht um nichts anderes als um ein Attentat eines Verrückten auf eine ihm mißliebige Persönlich- keit handelt. Die erregte Zeit hat in allen halb oder ganz Geistesgestörten gewalttätige Instinkte ausgelöst, und die Rechtsanwälte werden mit Drohbriefen aus den Reihen frü- herer Klienten oder gegenwärtiger Prozeßgegner viel Häuft- ger heimgesucht als in normalen Zeitläuften. Es wäre be- greiflich, wenn einem dieser Leute der Revolver noch loser in der Tasche gesteckt haben sollte als den andern. Nach den bisherigen Ergebnissen der Beweisaufnahme bleibt höchstens eine lebte und entfernte Möglick)keit offen, daß der Lederarbeiter Johann Voß aus Wien von irgend- einer dritten Seite zu seinem Vorhaben angereizt oder in ihm bestärkt sein könnte. Auck, dieser Möglichkeit, für die bisher jeder Anhaltspunkt feblt, muß bis auf den letzten Grund nachgegangen werden. Allerdings würden die Svuren dann kaum nach der Richtung der Gegenrevolution führen, denn ein Mensch, der in einem unsinnigen Flugblatt auf die Hohenzollern. die„Scheidemänner" und den„Schweigegeld- nehmer Haase" zugleich schimpft, ist für die Gegenrevolution schwerlich ein brauchbares Werkzeug. Wenn in dem kranken Hirn dieses unglücklichen Lottericspielers überhaupt etwas von Politik dämmerte, so schimmert das höchstens einiger- maßen kommunistisch, womit natürlich nicht behauptet sein soll, das Attentat sei etwa aus ähnlichen Beweggründen ent- standen wie der Anschlag Lindners auf Genossen Auer. Das Dernehmungsprotokoll, das wir weiter unten ver- öffentlichen, bietet das typische Bild eines geistesgestörten Querulanten. Danach scheint an der ganzen Affäre nichts mehr aufzuklären. Wenn aber Wünsche nach weiterer Be- Weiserhebung ausgesprochen werden, muß ihnen nachgegangen werden, damit an der ganzen Sache auch nicht der leiseste Rest von Zweifel übrig bleibt. Daß die persönlichen Vorwürfe, die der nach seiner eigenen Aussage„den Unabhängigen am nächsten stehende" geisteskranke Täter gegen sein Opfer erhebt, keinerlei Beach- rung verdienen, braucht nicht erst hesonders hervorgehoben zu werden. » Anläßlich des Attentat« haben der Reichspräsident und der Reichskanzler telegraphisch Frau Haase ihr besonderes Be- dauern ausgesprochen. r j? Die Schüsse. Abg. Haase befand sich in Begleitung seiner Frau, als die schüsse auf ihn bor dem Reichstag abgegeben wurden. Eine Auto- sroschke brachte ihn nach dem Hedwigsirankenhause. Die ärztliche Untersuchung des Abgeordneten Haase ergab am echten Bein einen Durchschuß des Unterschenkels sowie einen Steck- schuß im Oberschenkel; eine Schramme am Ellbogen ist augenschein- lich durch Sturz verursacht. Der Zustand des Verwundeten läßt seine Wiederherstellung in etwa acht Tagen erwarten. , Der Täter. Voß macht einen geistig außerordentlich minderwertigen Eindruck. Der kleine Mann mit blatternarbigem Ge- sicht war auch nach der Tat auf dem Polizeipräsidium in heiterster Stimmung, lächelte lind zeigte absolut keine Einsicht und kein Gefühl für die Bedeutung seiner Tat. Wenn er nichl geisteskrank ist, so ist er jedenfalls geistig stark minderwertig, an der Grenze der Idiotie stehend. Alle Schüsse sind aus einer Parabellumpistole abge- geben worden, die Voß von einem Soldaten für 30 M. gekauft haben will. Den Schutzleuten sagte er lächelnd, daß er zuvor noch nie geschossen hätte und aus der Pistole nur einen Probcschuß ab- gegeben habe. Haase hätte er schon früher verfolgt, hätte ihn auch schmr einmal zu Gesicht bekomme», damals aber keine Waffe bei sich gehabt. Politisch ist Voß n i ch t o rgw nisier t, er be- hauptet aber, gewerkschaftlich organisiert zu sein. Vor genau einem Jahre wandte sich Johann Voß wie seine Ehe- frau in verschiedenen Briefen und Eingaben an das Preußische Finanzministerium mit der Behauptung, daß bei der Ziehung der Preußischen Klasienlotterie Unregelmäßigkeiten vor« kämen. Den Eingaben und Briefen, die voller Beleidigungen waren, waren Flugblätter beigefügt. Die Staatsanwaltschaft leitete auf Antrag des damaligen preußischen Finnnzminister H e r g t vom 21, Oktober 1918, erneuert vom jetzigen FinanzministerS Dr. S ü d e- k u m vom 19. Juli 1919, das Verfahren gegen die Eheleute Voß wegen Beleidigung und Erpressung ein. Infolge der Amnestie wurde das Strafverfahren wegen Beleidigung fallen gelassen, wogegen das Verfahren wegen Erpressung fortgeführt wird. Ein Exemplar der oben erwähnten Flugblätter eigener Erzeugung wurde auf der Polizei bei ihm gefunden. Es hat folgenden Wort- laut, der für den„politischen" Charakter des Voß bezeichnend genug ist. Offener Brief an das deutsche Volk. Extraausgabe S Pf. Extraausgabe 5 Pf. Tie Schuld der Hohenzollern am Weltkrieg. Kauft keine Klasscnlotterie-Lose, die Königl. ZiehungS- kommiffion schwindelt,� kauft auch keine Lose von irgend welchen anderen Wohltätigkeits- oder Gcmeinnützigkeits- Lotterien, auch diese Ziehuugskommissionen s ch lv i n d e l n. Auskunft darüber erteilt Johann Voß, Berlin O. 112, Frankfurter Allee 74. Welchem Zweck dient der Schwindel? Und wer sind die Auftraggeber dieses Schwindels. Die, Hohenzollern sind eS, wie ich gerichtlich nachweisen kann; und die Lotterie» des ganzen deutschen Reiches, obenan die„Königl. Preußische Klassenlotterie", haben den einzigen und alleinigen Zweck der 5iorruption, der Besteckiung im allergrößten Umfang. Der Bestechung, um die Kriegs- und Machtpolitik der Hohen- zollcrn zu fördern. Solange die Preußische Klasscnlotterie be- steht, war und ist sie Fundament und festeste Stühe der Hohen- zollcrnschen Machtpolitik, und die ietzige scheinbare Einigkeit ist bloß eine Einigkeit der gekauften und bestochenen deutschen Presse, also ein scheußlicher Wechselbalg, dessen Vater der Lottcrieschwindel und dessen Mutter die Pressekorruption sind, während die militärische Pressezensur als richtiger Dr. Eisenbart Geburtshilfe bei dieser Mißgeburt leistet, und dem als Krönung der ganzen Komödie der hohe Bundesrat Gevatter steht. Ja, deutscher Michel, diesen Wechselbalg hat man dir unter- geschoben, jpährend man deinem legitimen Kind, der dcut- schen Einigkeit, wie sie Robert Blum und Franz Messen- hauser(der Kommandant der Wiener Nationalgarde 1848. Red.) meinten, schon Anno 43 mit vereinten hohenzollern-habsburgischen Kräften den Garaus machte. Bestechung ist also das Band, deutsche Einigkeit geheißen. Bestochen waren vor dem Krieg die großen deutschen Tageszeitungen, welche den Krieg publizistisch vorbereiten helfen. Bestochen wurde seitdem die ganze deutsche Presse, soweit sie im Fahrwasser dieser Kriegs- Politik segelt. Bestochen ist auch die ganze belletristische Literatur. Ferner die gesamten Volksvertreter in Reich, Landgemeinden, so- weit sie die Kriegs- und Du r chh a l t e p o l i t i k(Ahg! Red,) in offener oder versteckter Form befürworten, auch Gewerkschafts. führer und Beamte, kurz und gut, alle Leute von auch nur einigem politischen oder wirtschaftlichen Einfluß, soweit sie nicht ohnehin mit der Wahrung der Interessen der Kriegsindustrie unh Kriegsgewinnler betraut sind. Ja diese Korruption hat ihren Ansteckungsstoff bis in die Reihen der bisher heftigsten hicgierungSgcgnrr zugetragen. Das kleinste Gedicht, der kleinste Aufsatz mit dem Hinweis aus die Not des Vaterlandes waren und sind geeignet, diese Kriegspolitik zu stützen. Deutsches Volk, wenn du unter diesem Gesichtspunkte alles, was vor dem Krieg, am Anfang desselben und während des Krieges gedruckt erschienen ist, nachprüfen-würdest, müßtest du zu der Erkenntnis kommen, daß von einem Verteidigungskrieg keine Rede sein kann. Tann müßtest du aber auch zur Erkenntnis kommen, daß du mit allen denen abrechnen mußt, die dir so bei- spicflose, alles Menschliche übersteigend« Maß übersteigende Leiden auserlegt haben. „Die bestochenen Scheide männer samt dem Schweigegcldnehmer Haase regieren uns und posieren die roten Revolutionsmänner, wobei die Schcidemänner heimlich die Plätze für die kommenden Hohcnzollcrngcschlcchtcr freihalten." Johann Boß, Schriftsteller. Wie man sieht, enthält dieses Flugblatt in all seiner Wirrnis auch mehrere von dem Agrtationsschlageru 1 in! J radikal er Redner. Die Vernehmung des Täters. In Gegenwart des Staatsanwalts Froböse und des Kriminal- kommissars Weitzel ist das nachfolgende Protokoll aufgenommen worden: Sistiert erscheint der Lederarbeiter(Portefeuiller) Johann Boß, 7. Juni 1868 in Wiener Neustadt geboren, Annenstr. 21 als Mieter wohnhaft, und erklärt: Seit 1911 bin ich in Berlin, mit einer sechsmonatlichen Unter- brechung 1913, ansässig. Während des Krieges habe ich Frankfurter Allee 74 gewohnt. Seit dem 14. August bin ich arbeitslo? Im Sommer des vergangenen Jahres habe ich bei den Zichun- gen der Preußischen Klasscnlotterie mehrfach die Beobachtung ge- macht, daß durch betrügerische Handlungen der Beamten bestimmten Personen die Hauptgewinne nz die Hand gespielt werden. Es ge- schal) das in der Weise, daß beim Aufruf von größeren Gewinnen andere Nummern als die ursprünglich gezogenen herauöge- nommen und ausgerufen wurden. Ich habe damals sofort, als ich meine Beobachtungen gemacht hatte, den Antrag auf Sistierung der Ziehung gestellt. Meine Beschwerden Ivurden zur Kenntnis genommen, führten aber zu keinem Erfolge, selbst dann nicht, als ich mich an den Präsidenten F e r n o w wandte. Aus diesem Grunde habe ich mich mit einer Reihe von Ein- gaben und Privatbriefen an die Direktion der Klasseülotteri« und an das Finanzministerium gewandt. In den Briefen habe ich auch zum Ausdruck gebracht, wenn man bestimmte Personen absichtlich gewinnen lasse, dann solle man sie das nächste Mal nicht gewinnen lassen. Wegen dieser Briefe ist Anklage wegen Erpressung gegen mich erhoben worden; Termin steht am 22. Ol- tobcr an. In der Angelegenheit habe ich auch ein Flugblatt verfaßt, das mir heute abgenommen worden ist. Ein Teil der Flugblätter, die ich auf eigene Kosten druckon ließ, liegt noch in meiner Wohnung. Da ich aus anderem Wege nicht zu meinem Ziele der Auf- klärung des Betruges bei der Klassenlotterie kommen konnte, habe ich schon im Mai 1918 mich an den Abgeordneten Haase gewandt, mit der Bitte, die Angelegenheit im Parlament zur Sprache zu bringen. Die ersten Verhandlungen mit Haase führte meine Frau Marie Poß. Ich wandte mich an Haase deshalb, weil ich der Partei der Unabhängigen Sozialdemokratie politisch am nächsten stehe, lvenn ich ihr auch als eingeschriebenes Mitglied nicht angehöre. Bon vornherein hatte ich den Eindruck, daß Haase aus der Sache ein Privatgeschäft machen wolle. Ich habe ihm auch das brieflich zu ver- stehen gegeben. Später habe ich mich auch wiederholt an Haase persönlich gewan-dt, um seine Hilfe zu erlangen; ich bin miß- verstanden Wochen. Ich habe bis zum 23. Juli d. I. mit Haase nur brieflich oder durch mein« Frau verkehrt. Ich hatte den Ein- druck, daß er mir auszuweichen suchte. Bis dahin kannte ich ihn nur aus einer Wählervcrsainmlung April 1918, i� der er den Kandidaten Dr. Breitscheid empfahl. Am 28. Juni d. I. habe ich Haast, der sich m Begleitung eine» anderen Herrn befand, in der Gegend des Lützöwplatzes angesprochen und ihn gebeten, sich meiner Sache anzunehmen. Haast anrworiete mir ausweichend und erklärte, er habe keine Zeit. Meine Be- weise, die ich ihm anbot, erklärte er füp nicht ausreichend, ohne sie näher zu prüfen. Ich hatte die Ucbcrzeugnng, daß Haase ebenfalls bestochen sei, und daß er als sogenannter Bolkstribun die Interessen der Be« völkerung verrate. Dafür, daß Haast bestochen ist, habe ich Beweise von einem Sekretär des Finanzministeriums, dessen Namen ich nennen kann. Seit dem Juni habe ich noch verschiedene Male mit Haase zu sprechen versucht, er ist mir aber immer ausgewichen. Ich war deshalb auf ihn sehr stark erbittert, da ich ihn für einen Bolls- Verräter bielt. Ich habe auch meiner Frau gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß ich mich noch einmal an ihm vergreifen würde. Vor etwa einer Woche setzte ich mich wegen der gegen mich er- hobencn Auflage mit dem Rechtsanwalt Liebknecht in Verbindung und erfuhr von ihm, daß ich wegen der gegen mich angezogenen Strafparagraphen nicht vor ein mit Laienrichtern besetzte? Gericht kommen würde, sondern mich vor Berufs richtern zu verant- Worten haben würde. Ich bin der Ueberzeugung, daß man mich vor Berufsrichtcrn hinter verschlossenen Türen unge- hört verurteilen wollte und beabsichtigte, mich wenigstens fiir die Dauer der nahen Ziehung unschädlich zu machen. Um die Oeffentlichkeit auf mich-aufmerksam zu machen und außerdem um Hasse einen Denkzettel zu geben, beschloß ich, ihm durch Pistole iischiisse eine Bcrlchung zuzufügen. Zu diesem Zwecke lauerte ich ihm g e st e r n bor dem ReichStagsgebäude auf, konnte ihn jedoch nicht mehr erreichen, da er schon zu weit entfernt war. Heute nnttag hatte ich mich wieder am Reichstagsgebäude einge- sunden und gab auf Haase, als er ungefähr 5 Schritte von mir entfernt war, einen Schuß ab. Da ich glaubte, ihn nicht getroffen zu haben, lief ich ihm nach und feuerte einige Schüsse auf ihn ab. Ich hatte nicht die Absicht, Haase zu töten und war froh, als ich hörte, daß ich ihn nicht erschossen hait«. Die Art der Verletzung habe ich erst später erfahren. Ich rechnete damit, von den Sichcrheitsbeamten sofort er- schössen zu werden oder von der Menge erschlagen zu werden. Das war mir aber gleichgültig, denn ich wollte dieses Elend nicht mehr mitmachen, zumal ich auch von meinen gewerkschaftlichen Verbandskollegen mich verlassen und verfolgt fühlte. Ich bin der Ueberzeugung, daß ich Haase, der ein Verräter der Arbeiter ist, politisch unmöglich gemacht habe. Tie Pistole habe ich im Frühjahr in der Schönhauser Straße gekauft. V. g. u., gez. Johann Voß, Geschlossen gez. Froböß. gez. Weikel. So sieht das„Werkzcu,q der Reaktion" aus, das— nach der„Freiheit"— der Arbeiterklasse Haase rauben sollte.. Noske gegen rechts Z Dem Genossen Noske ist an dieser Stelle oft gesagt worden, er sehe nur die Gefahr von links und unterschätze die Gefahr von rechts. Das wird in Zukunft kaum noch gelten, denn auch Genosse Noske ist sehend geworden. Ihm die Augen geöffnet zu haben, ist das Äerdienst der deutsch- nationalen Partei. In den Truppen in Kurland ist der Geist der Gehorsamsverweigerung wach geworden, er ist ge> weckt worden durch die deutschnationale Propaganda, wie Noske erkannt und gestern in der Nationalversammlung durch ein erdrückendes Beiveismaterial aus der alldeutschen Presse nachgewiesen hat. Die Deutschnationalen, die fühlten, daß sich die Schlinge immer enger zuzog, versuchten sich zn' retten, indem sie durch Zurufe zu verstehen gaben, sie hätten auf Organe vom Schlage der„Deutscheu Zeitung" keinen Einfluß. Feig, wie in entscheidenden Situationen immer, ließen sie ihre eigene Presse im Stich. Aber eS half ihnen nichts. Genosse Noske kam noch auf die schon bekannte Flugschrift„Einst und jetzt" zu sprechen, die sich mit wüster Verhetzung gegen die Republik direkt an die Angehörigen der Reichswehr wendet und diese zur Verweigerung des Gehorsams, zur Verweigerung des Eides auf die Verfassung auffordert. Noske konnte als Ergebnis des eingeleiteten Strafverfahrens mitteilen, daß dieses verbrecherische, gcgenrevolutionäre Machwerk in der Druckerei der„Deutschen Tageszeitung", dem Blatte des Grafen Reventlow und des Bundes der Land- Wirte, gedruckt und vom Vorstand der deutsch- nationalen Partei tri Auftrag gegeben worden i st. Da wurde es auf einmal totenstill aus den Bänken der Rechten, während das übrige Haus in laute Entrüstungsrufe ausbrach. Gründlicher ist' die Heuchelei noch niemals entlarvt worden. Aeußcrlich mimen die Herren loyales Verhalten, noch am Dienstag wies Graf Posadowsky die Behauptungen Scheidcmanns über die geistige Aehnlichkeit zwischen Monar- chismus und Spartakismus zurück, und nun wurde der Be- weis geführt, daß die Monarchisten mit den Spar- t a k i st e n wetteifern, um die Disziplin im Heere zu untergraben. Wir nehmen gern an, daß P o s a d o>v s k y seine Er- klärung vom Montag in gutem Glauben abgegeben hat, fragen ihn aber öffentlich, ob er glaubt, noch weiter einer Partei angehören zu können, die ihren Wortführer in solcher Weise durch ihre Taten Lügen straft. Als Noske am Mittwoch sagte, die Negierung könne nicht dulden, daß in den Wunden unseres Volkes mit schmutzigen Fingern herumgewühlt werde, wurde ihm von den Deutsch- nationalen zugerufen:„Wir haben keine schmutzigen Finger!" Nun, die Herren haben nicht nur schmutzige Finger, sie sind schmutzig Jon oben bis unten. Menschen, die auf politische Reinlichkeit halten, müssen ihre Gesellschaft schenken. Noskes Rede war eine kräftige Unterstreichung des Wortes von Scheidemann:„Der Feind steht rechts!" Um so kräftiger, als sie mit der Erklärung schloß, die Negierung werde es nicht bei Worten bewenden lassen, sondern auch ihre Taten da- nach einrichten. Das halten wir fest. Volts befragung in Eupen unü Malmeöp. Der deuisäbe Vertreter in Versailles hat den alliierten und asioziierten Mächten eine Note überreicht, in der darauf hin- gewiesen wird, daß die Bestimmungen deS Artikels 34 Abs. 2 des Friedensvertrages über die Volksbefragung in Eupen und M a l m e d y bei ihrer außerordentlichen Kürze eine Reihe wichtiger Fragen enlweder überhaupt nicht lösen oder doch gänzlich im Un- klaren lassen. Eine vollkommene Klarheit über die Fragen be- treffend die Volksabsiimmung sei aber um so notwendiger, als die Bevölkerung die Ungewißheit über die Einzelheiten des AbsiimniungS- Verfahrens drückend empfinde, und als die belgischen Behörden in vollem Widerspruch zu den feieriichen Zusicherungen der alliier- ten und assoziierten Mächte in der AbstinimungSsrage mehr und mehr eine Hallung einnähmen, bei der nicht mehr die geringste Garantie für eine stete und unbeeinflußte Stimmabgabe bestehe. Die deutsche Regierung macht darauf aufmerksam, daß es im Gegensatz zu den für alle anderen Abstimmungsgebiete getroffenen Bestimmungen für Eupen und Malmcdy an einer genauen Fest- l e g u n g deS Kreises der Stimmberechtigten fehlt. Ferner enthält Artikel 34, Absatz 2 keine Bestimmungen über die Orte, an denen die A b st i m m u n g S l i st e« auszulegen sind. Nur eine gemeindcweise Abstimmung könne dem Völker- b u n d die erforderlichen klaren Unterlagen für die ihm obliegende Entscheidung, ob die Gebiete ganz oder teilweise bei Deutschland verbleiben sollen, liefen. Unklarheit besteht über die den Bewohnern bei der Abstimmung vorzulegenden Fragen. Die zum Gegenstand der Abstimmung zu machende Frage müßte einfach lauten„Vereinigung mit Deutsch- land oder mit Belgien". Eine derartige Formulierung der Ab- stimmungSsrage ist-die einzige, die der natürlichen Auf- f a s su n g einer Volksbefragung entspricht und mit den praktischen Bedürfnissen in Einklang zu bringen ist. Die Formulierung der Frage„Für Deutschland oder für Belgien" ist auch im Interesse der Freiheit der Abstimmung un- umgänglich notwendig. Es wird in der Note darauf hingewiesen, daß die alliierten und assoziierten Mächte' die Bedeutung von Ga- rantien für eine freie und unbeeinflußte Stimmabgabe wiederholt anerkannt haben, und daß in dem Notenwechsel, der über die Abstimmungsfrage stattgefunden hat, von feiten der Entente in Aussicht gestellt worden ist, daß die Abstimmung unter Leitung des Völkerbundes erfolgen soll. Demgemäß wird deutscher- seitS vorgeschlagen, daß eine vom Völkerbund zu ernennende Kommission, der weder Belgier noch Deutsche angehören dürfen, eingesetzt wird mit dem Rechi, olle Maßnahmen zu treffen, die sie zur Sicherung einer freien und unbeeinflußten Stimmabgabe für erforderlich hält. Um frei zu sein, muß die Abstimmung vor allem geheim sein. DaS bisherige Verhalten der belgischen Behörden entspricht den von den alliierten und asioziierten Möchten gegebenen feier- lichen Versicherungen nicht. Neben BeeinflussungS mittel wurden andere angewandt, die geradezu erpresserischen Charakter tragen. Insbesondere wurden die heimkehrenden deutschen Soldaten gezwungen, Erklärungen abzugeben, daß sie mit einer Annexion einverstanden seien. Ftouer wurde gedroht, daß, wer für Deutschland stimme, ausgewiesen würde. Die Note spricht die Erwartung aus, daß diesen Treibereien als- bald Einhalt getan werde. Das beste Mittel, die Wiederholung derartiger bedauerlicher Er- eignisse zu verhindern, steht die deutsche Regierung darin, daß un- verzüglich über die noch zweifelhaften Fragen der Volksabstimmung Klarheit geschaffen wird. Sie ersucht daher die alliierten und asioziierten Mächte, eine baldige Erklärung über diese Punkte zugehen zu lassen. Kriegserklärung öer Ukraine. Die ukrainische Regierung hat an D e n i k i n den Krieg erklärt. Tenikin, der mit seiner Armee im Südwesten auf ukrainischem Gebiet gegen Räterußland operiert, ist damit zweifellos in eine prekäre Lage geraten und befindet sich ähn- lich wie Koltschak, dessen Niederlage dadurch herbeigeführt wurde, zwischen zwei feindlichen Fronten. Der ukrainische Pressedienst meldet folgendes: „Nächdem alle Bemühungen der ukrainischen Regierung, den Kampf mit Dcnikin zu vermeiden, gescheitert sind, hat das ukrai- nische Direktorium Denilin den' Krieg erklärt. Bei Chrystyniwka sbei Umanj) und Ölwiopolen und Bekannten unseren jcrzttchtten Dank. lOSd (korg Star.ga und Frau. Dr. med. Lommer laro-DQdßlutiulersuebiiiig lehandl.»chnell v»ieher ohn. lerufsstörung. Teilzahlung. Äenslr.iMäSwrÄ jprechz. 9-1 u. 4-8, Sonnt. 9-12. Ir. StiülentkowskI, Spezialarzt Haut , Haar-, Geschlechts- Blutuntersuchung. Spezialarzt. Erfolgreiche Behandlung. Eönigstr. 34/36 Alexanderplatz,• 10—1, S— 8. Sonnt. 10— I. IM Her Beseitig» DÄsHaussalbe ied. Hautausschi., Flecht, Hautjuck.. bes. 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Streikende und aus- gesperrte Metallarbeiter aller Organisationen Groß- Berlins! Die Iber Kommission hat betchlotsen, daß all denen, die sich bereits 3 Wochen im Streik befinden, von den Samuilunaen erstmalig eine Extraunterststbung von b.— M. bewilligt werden soll. Und zwar fttr alle Organisierten und Unorganisierten. Kollegen und Kolleginnen I Bei den Organisierten ist ganz gleich, welcher Organisation fie angehören. Kur Durchsiihrung dieker Maßnahme hat die Iber Kommis- sion deschlosse», daß zum Montag, den 13. Oktober, die Obleute aller Betriebe drejenigcn Etreiklontrollkarten einzusammeln haben, bei denen die Vorausseßung des dreiwöchigen Streiks bereits besteht. Die Oblcnie haben sich niit diesen Konirollkarten am Montag, den 13. Okt., im Bureau des Metall- arbeiterverbandes, Linienfir. 33—35, Zimmer b, zur Empfang- nähme des Geldes einzufinden. Jede weitere Auskunft wird bis dahin im Bureau, Zimmer 9, nur an die einzelnen Obieuie oder Organifationsvertreler erteilt. mmrnriMm Sveitag, den 10.». Mts., z Uhr abend«, spricht im Hör- saal Georgenstraße 34/33 iocrr Geheimrat Schumacher über: „Goldgeld«. Papiergeld"'. Eintritt 3,00 M. Karten sind ooc dem Sörsaal zu haben. kqBWUK. Liekerung kompletter kömn-, SM-. SelM- unii Wotinziiiinifir ab Fabrikgebäurie m. eig. 1 Lastauto nach jedem Ort. MÖLLSÜ Berlin, Alexanderstr. 31. Tel. Kgst 1737. sind innen „Peitsche" gestempelt 57/0* ? Hautjucken ®(KrStze) wirksames Spezialmittel 1 Fers. 7.50 2 Fers. U M. Apotheker Lauensteins Vers. Sprembeg L. 44,* Bei und vielen anderen, auch schwereren, Hais- u.Lungenleiden sowie bei Grippe erziciten, wie zahlr. Mitteilungen von Aerzten,Apothek.u.Letdenden einwandfrei deweisen,unsere KotoIin-BMIIeu in Inhretonger praxi»— vorzüglich« Erfolge. 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P., Wilhelm Echüning, nach Ausbruch der Revolution unternahm, nachdem er sich während deS Krieges treu und tasifer vom Transportarbeiterverband, dessen Angestellter er war. immer wieder hatte rellamieren lassen. Die Binnenschiffer waren die Paria unter den Arbeitern und sind es im gewissen Sinne heute noch. Sie hatten vor der Revolution sehr niedrige Löhne, keine Sonntags- und Nachtiuhe, aber dafür unbe- schränkte Arbeitszeit. Wenn es je eine Arbeitcrschicht gab, die be- rechtigt war, die Revolution als Vorspann für eine umwälzende Lohnbewegung zu benutzen, dann waren es die Binnenschiffer. Der gegebene Augenblick war natürlich die erste Zeit nach dem S. November. Damals hat Schöning in dem Augenblick, der alles auf des Messers Schneide trieb, die Organisation der Binnenschiffer zer- trümmert. Damals hätten die Binnenschiffer Erfolge erringen können, hinter denen das weit zurückgeblieben wäre, um das sie beute noch mühselig kämpfen, um daö angeblich Schüning heute die Oderichiffahrt stillegen will und die traurige Versorgung Berlins mit Kohlen ganz in Frage stellt. Das Schüningsche Verbrechen an den Binnenschiffern zwang den Transportarbeiterverband zur Bescheidenheit� und er prägte es dem alten Verband noch ganz besonders ein, indem er ihn bei allen Tarifforderungen stets unterboten hat. Das tat der .revolutionäre" Binnenichiffervcrband, obwohl sein Gründer die Zersplitterung der Organisation u. a. mit der.Notwendigkeit" be- gründete, die Binnenschiffer von den Fesseln der Tarifpolilik zu be- freien. Noch heute beklagt sich Schüning auf der ersten Seite seiner Zeitung, dag sein Verband nicht an den Tarifabschlüsscn beteiligt wird, während er auf der dritten Seite die„tarifgebundenen" Organisationen schmäht, die keine Bewegungsfreiheit gegen die Unter- nebmer hätten. Auch den kürzlich zwischen den Organisationen der Arbeiter und der Unternehmer abgeschlossenen Tarifvertrag, der ab 1. Oktober Geltung hat, verdammte Schüning in Grund und Boden, und jetzt gibt er über den Kopf seiner Mitglieder die Parole aus Am 1. Oktober wird überall da die Arbeit niedergelegt, wo nicht nach dem neuen Tarif gelöhnt wird. Der„revolutionäre", von waschechten Unabhängigen und Kommunisten geleitete Binnenichifferverband läßt also streiken, um den Tarif der„bürgerlilben" Organisationen(d. s. die Organi- sationen der Transportarbeiter und Maschinisten und Heizer) zur Anerkennung zu bringen. S ch r u m m! Parallel dem Versuche, durch den Streik die Anerkennung als Tarifkontrahent zu gewinnen, läuft noch eine andere Aktion zum gleichen Zweck. In seiner Sünden Maienblüte nahm Schüning, um für alle Fälle gedeckt zu sein, eine Rückversicherung, indem er eine Privatschiffer-, also eine Unternehmer organisatiou gründete. Diese Organisation schickte Schüning jetzt inS Treffen. Der„Verband der Privatschiffer" bat den ReichSarbeitsmtnister gebeten,„die Verhandlungen über die Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Binnenschiffahrt im Reichsarbeitsministerium stattfinden zu lassen". Nachdem der Arbeilsminister Kenntnis bekommen hatte von dem bestehenden Tarif, für den die All« gemeinverbindlichkeit beantragt ist, wurde die schon anberaumte Sitzung wieder abgesagt. Schöning muß nun in der „Schlffspost" zugeben, daß die Privatichiffer„für sich V e r« g fi n stigungen" erzielen wollten. Und weil die alten Organi- sationen Schöning nicht geholfen haben, den Privatschiffern auf Kosten der Binuenschisfcr Vergünstigungen zuzuschanzen, deshalb sind ihre Führer„Verräter". Wer kein Brett vor dem Kopf hat. der sieht hier nur einen Arbeiterverräter, und das ist der U-Sozialist Schöning. Da liegt der Hase im Pfeffer. Wir sind ja gar nicht so schlimm, fleht Schöning die Unternehmer an, ein einziges Mal verhandelt mit uns und wenn wir den Tarif mit unterzeichnen dürfen, find wir sogar bereit, die Rechte der Arbeiter preiszugeben. Und diese Winselei umhüllt von radikalen Phrasen: Das ist die Gewerkschaftspolitik eines U.« Sozialisten. Wenn es Schöning gelingt, dem Streik eine größere Ausdehnung zu gebe», dann soll die Oeffentlichkeit wissen, daß es sich um einen Streik gegen den Transportarbeiter handelt, daß er ein ebenso großes Verbrechen ist, des Seemaiins-Bundes, mit dem Schöning Hand in Zum Schluß sei noch bemerkt, daß die großen Organisationen wie Transportgcnosscnschast mit öOOO, verband mit 1400 Mitgliedern und andere den Tarif anerkannt haben. Nur die Schüningorganisation Nr. den Mitgliedern der Schüningorganisation Nr. 1 den - Verband wie der Putsch Hand arbeilet. Privatschiffer- ein Jnmmgs- unterschriftlich 2 verweigert Tariflohn. GroßSerüu Nüssen in Serlin. Nicht mehr Gefangene in Marschkolonne und unter Bewachung nicht mehr mit Generalsstreifen an der Hose-- in aller Freiheit und tipp fopp ausgestattet sieht ffian sie auf den Straßen, an den Bahnhöfen. Die Uniforiri ist meist etwas deutsch-russisch gemischt, doch die Achselstücke und vor allem die breite Mütze sind un- zweifelhaft echt. Aber so ein Russe wüßte wohl kaum etwas zu antworten, wenn man ihn mit„Sdrastwuitje" begrüßen wollte. (Und das ist gut, denn mehr wüßte ich ihm auch nicht zu sagen.) Es sind ganz einwandfrei deutsche Köpfe, auf denen diese Mützen sitzen, keine Iwans uncHWassili und JefremS stecken darunter, sondern Leute von den Bischofftruppen in Kurland, die nach alter Lands« knechtart bei Fremden Dienst genommen haben,— bei Koltschak und Denikin. Die wollen, nach des Majors v. Bischoffs Worten, Rußland von der„Geißel der Menschheit" befreien, vom Bolschewismus. Aber zum Teufel, waS geht das Deutsche an? Sie sollten sich mit jenem Fritz-Reuter-Bauern fragen:„Wat schall ick dorbi dann?" Und das recht nachdrücklich. Dann werden sie etzkennen, daß eS ausschließlich Sache der Russen selbst ist, auf welche Fasson sie selig werden sollen. Wenn wir uns da einmischen, werden wir nur die Feindschaft eines Volksteils ernten; der Dank deS andern wird zweifelhaft bleiben. Und nach dieser Weltverwüstung brauchen wir erst recht Frieden und Freundschaft mit dem Osten. Statt Deutscher mit Rußkimützen wollen wir lieber sibirische Butter wieder- sehen--- was?_ Tie Kinoschande! Ter Groß-Berliner Ausschuß zur Bekämpfung der Schundliteratur hatte bor einiger Zeit eine K o m. Mission für das Kinowesen eingesetzt. In seiner gestrigen Sitzung wurde über die von ihr vorgeschlagenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinoschäden verhandelt. Prof. B r u n n e r vom Berliner Polizeipräsidium führte in seinem Referat aus: Wir müssen in einen entfchiedenen Kampf eintreten, nicht gegen das Kino überhaupt, aber gegen seine Aus- wüchse, die von ehrlichen Kinobesitzern selber bedauert werden. Der einzelne ist machtlos, denn er ist an das gebunden, was die Filmfabrikation bietet. Gegen sie mutz der Kampf sich richten, so weit sie nicht der Kultur, sondern durch Bevorzugung des Schmutzes ihrem kapitalistischen Interesse dient. Durch Filme dieser Art soll angeblich über das Laster„aufgeklärt" werden, in Wirklichkeit aber'wird erst dafür Stimmung gemacht. Dem Uebcl könnte, fuhr der Referent fort, abgeholfen werden durch Wiedereinführung der F i l m z e n s u r, die übrigens bei Auf- Hebung der Theater- und Pressezensur nur aus Versehen mit auf- gehoben worden ist. Kommt sie wieder, so wird sie ganz anders sein müssen als früher und nur unter starker Mitwirkung weiter Kreise der Bevölkerung ausgeführt werden dürfen. Vor allem aber sollte die Bevölkerung selber solche Filme ablehnen, organisieren müßte sich die öffentliche Meinung, um sich des Schmutzes zu erwehren. Der Ausschutz will unter Hinzuziehung geeigneter Vereinigungen eine Ueber» wachung der Kinos durchführen. In seinem Korreferat er- klärte Stadtverordneter Genosse Dittmer: So, wie bishev, kann und darf es mit dem Kino nicht weitergehen. Daß es so entarten konnte, ist zum Teil auch Schuld der Presse, die auf diesem Gebiet ihre Pflicht nicht getan hat. Eine planmäßige Kampagne gegen die Auswüchse des Kinos ist, rief Dittmer, auch im„Vorwärts" und in der„Freiheit" nicht zu finden.(Mit Bezug auf den„V o r w ä r t s" müssen wir diesen Vorwurf als unberechtigt zurückweisen. Red. d.„Vorw.".) Ditt- mer forderte ein Schutzgesetz und eine Ueberwachungsinstanz; nötig sei auch die Einrichtung von Musterkinos durch die Gemeinden. Unsere Arbeit, schloß er. wird schwer sein; denn wir haben mit dem Widerstand des Millionenkapitals der Filmindustrie zu rechnen. In der Diskussion kamen auch Vertreter der Film- industrie zu Worte. Sie klagten über„Kinohetze" und erzählten von dem Plan einer„Selbstzensur". Wie zu erwarten war, wiesen sie auf die Schädigungen hin, die für die Industrie von Maßnahmen gegen das Kino zu befürchten seien. Dabei handelt es sich um Maßnahmen nicht gegen, sondern für das Kino, um Maßnahmen zmn Schutz des Kinos vor Mißbrauch durch profitsüchtige und gewissenlose Filmfabrikanten. Starken Eindruck machten die Mitteilungen einer Vertreterin der Zentrale füfl Jugendfürsorge, die an erschütternden Beispielen aus der Jugend� gerichtshilfe den verderblichen Einfluß auf die Her» anwachfenden nachwies. Prof. B r u n n e r rief im Schlußwort den Filminteresscnten zu: Sie klagen über Gefährdung Ihrer Millionen, aber mit Ihren Millionen gefährden und schädigen Sie das Volk! Ich halte Sie für die Ungeeignetsten, in dieser tief« ernsten Frage zu entscheiden! Versorgung der deutscheu Bevölkerung mit ausländischeut Petroleum. Die Bemühungen der Regierung, durch Verträge mit auslän- dischen Lieferanten die notwendigen Petrolcummengen für den kommenden Winter zu sichern, sind zu erfolgreiihem Abschluß ge« langt. In den Vereinigten Staaten werden bereits die ersten mft Lenchtmaterial für Deutschland bestimmten Dampfer verladen, sd daß bereits Ende Oktober mit einer Besserung der deutschen Petroleumversorgung gerechnet werden kann. Die Verteilung des Petroleums wird vorläufig nach wie vor den Kommunalverßändett überlassen, weil nur dann die Gewähr dafür besteht, daß das Petroleum nicht im freien Handel verschwindet, sondern in Hände der Bevölkerungskreise gelangt, die auf Petroleum als Be« leuchtungsmittel angewiesen sind. Luftfahrt nach Stockholm. Mittwoch früh S'/z Uhr stieg in Staaken da? Zeppelin-Luft- schiff„Bodensee" aus. Es landete um 1 Uhr mittags glatt in Stockholm, wechselte die Passagiere, trat um 2 Uhr den Rückffug an und wurde um 10 Uhr abends in Staaken zurückerwartet. Hoffentlich ist cS gut heimgekehrt."- l. Millionenschiebungen bei der staatlichen Verteilungsstelle. Große Schiebungen sind von verschiedenen Behörden bei der staatlichen Metallverteilungsstelle in Berlin entdeckt worden. Dem ReichSkommisfar für Metallverwertung fielen im Sommer dieses Jahres Unstimmigkeiten in den Büchern und Listen der VerteilungS« stelle auf, und er übergab die Angelegenheit sofort der Kriminalpolizei. bliese entdeckte Fälschungen, die in die Millionen gehen, so daß be« reitS mehrere Beteiligte verhaftet werden konnten. Industrie« und Hüttenwerke reichten Kontingentscheine ein, die über ihren Bedarf hinausgingen. Die Firmen wußten durch Schmier» gelder Angestellte, die jetzt nicht Mehr bei der Metall« stelle sind, zu bewegen, die Prüfung zu unterlassen. Die Firmen wurden infolgedessen auf die gefälschten Scheine bin überbeliefert. Sie verschoben das Metall, das sie auf diese Weise zu billigen Preisen erhielten, durch Schleichhandel sofort zu weit höheren Preisen, oder ließen es lagern, um höhere Preise abzuwarten. Die Untersuchungen erstrecken iich auf eine Reihe von Industrie« und Hüttenwerken. Verhaftet-kkmrdcn bisher Dr. Grün und Braun vom Grünschen Hüttenwerk in Oberschönewerde, der Inhaber eines Ham« burger Hüttenwerkes, Herbert Gotlbold, und dessen Berliner Agent Salomon. Wie hoch die unredlichen Gewinne sind, läßt sich bis jetzt im einzelnen noch gar nicht übersehen. Die Ermittelungen werden noch fortgesetzt, und weitere Berhaftungen stehen bevor. Zu dem Mordversuch in der Seestraßc ist zu berichten, �aß Frav Gruber am Dienstag abend ihren Verletzungen erlegen ist. Die beiden ziingen Männer, die am Freitag, den 3. Oktober um 7 Uhr abends aus der Gruberschen Wohnung herauskamen, haben sich in« zwischen gemeldet. Sie kommen für die Tat nicht in Frage. Die weiteren Ermittelungen haben ergeben, daß die Tat vermutlich schon am Freitag, den 3. Oktober d. I., gegen 10'Uhr abends be- gangen wurde, denn um diese Zeit wurde auffallender Lärm in der 87] Erleuchtung. Roman von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdorf. Im Saale befinden sich auch einige Soldaten vom Reservclazarctt in Niviers. Die sehen sich alles an, aber sie reden kein Wort. Einige zucken die Schultern, und nur einer brummelt vor dem deutschen Gespenst: „Schwein, verfluchtes!" Für Propagandazwccke hat man einen Frauenbrief an die Wand gehängt, der in der Tasche eines getöteten Feindes gefunden worden ist. Da- neben liest man die Ueberschung des deutschen Wort« lautes, und unterstrichen ist die Stelle, da die Frau schreibt:„Wann wird dieser verfluchte Krieg zu Ende sein?" Sie beklagt sich über die wachsende Mühe, die ihr das Durchbringen ihres Söhnleins Johannes bereitet. An den Schluß des Briefes hat sie etwas hingezeichnet: Das Bild soll andeuten, wie die Liebe dieser Kricgerfrau zu ihrem Manne täglich größer wird. Wie die wirkliche Natur der Erscheinungen schlicht und ohne weiteres zugänglich ist! Niemand, der Vernunft besitzt. kann darüber streiten: Dieser Mensch, dessen geheimes Leben hier dem Winde ausgeliefert wird, hat diese Kleidcrsctzen mit seinem Schweiße und seinem Blute durchtränkt. Aber er ist nicht verantwortlich, daß er eine Flinte in die Hand g» nommen hat, um sie auf einen Feind zu richten. Vor diesen Lebensüberrestcn erkenne ich die eintönige unversöhnliche und eigensinnige Wahrheit, daß die Menge, die zum Angriffe los- geht, ebenso unschuldig ist, ivie die Menge, die sich zur Ab- wehr rüstet. An ein rot überspanntes Tischchen ist ein Zettelchen ge- klebt:„Was unsere braven Soldaten am 9. Mai geleistet haben." Und ans dem Tischchen liegt ein verbogenes franzö- sisches Seitengewehr. Ein Seitengewehr, der Mcnschenfleischb ohrer, und er ist verbogen worden! Eine junge Dame aus dem Schlosse ruft:„Wie das schön ist I" Eine andere Stimme:„Die Leut' sind es nicht, mein Junge, die imstande sind, ein Seitengewehr zu verbiegen!" Rampaille sagt:„Das ist doch klar, daß wir die ersten Soldaten auf der Welt sind 1" Ein Senator blinzelt lustig mit den Augen; und er sagt zu allen, die ihn hören wollen:„Wir haben der Welt ein schönes Beispiel gegeben.„Die Menge gerät förmlich in Hitze, da sie sich dieses Seitengewehr betrachtet. Die junge Dame, die schön und blühend ist, kann sich gar nicht von deni Anblick losreißen. Endlich legt sie den Finger auf die Waffe, und alles in ihr gerät in Schwingung. Sie kann den Genutz, den sie empfindet, gar nicht unterdrücken, und sie meint:„Ja, ichl bin Chauvinistin! Ich mach' gar keinen Hehl daraus? Ich sage lieber zuviel als zu wenig I Ich bin Chauvinistin und Patriotin I" Alles nickt ihr zu. Niemandem kommen ihre Worte über- trieben vor, denn sie rührt an die Weihe der Dinge. Und um mich wird es plötzlich Nacht, und ich sehe in der Dunkelheit wieder den Sturm der Sterbenden, der zur Erde verrast. Ich sehe ein Ungeheuer, halb ist es Mensch, halb ist es Geier, und es röchelt, und es reckt dieser jungen Dame seinen entsetzlichen halb abgeschälten Schädel entgegen, und es sagt:„Du kennst mich nicht, Du weißt nicht, wer ich bin, und Du ähnelst mir doch!" Das Lachen der jungen Dame, das eben so heiter war, erinnert mich wieder an den Zusammenhang aller Dinge. Aber die Lachende geht mit einem flotten Offizier von bannen. Alle, die an dem verbogenen Seitengewehre Vorbeigehen, reden die gleiche Sprache! Ihre Augen sind gleicherweise mit Stolz"erfüllt. Es spricht einer aus ihnisff, und er spricht für alle:„Sie sind nicht stärker als wir! Nein, wir sind die Stärkeren!" Und ein anderer spricht:„Unsere Verbündeten sind ja ganz nett, aber sie können zufrieden sein, daß wir da sind, wo es nun ernst wird." „Oh jemine!" „Jawohl, wir Franzosen sind doch die rechten Leut'I Die ganze Welt bewundert uns! Jawohl, und doch schimpfen wir immer einer über den änderest!" Sieht man dieses Begeisterungsfieber, dieses Bild des Rausches und diese Leute, die sich auf die geringste Gelegen- heit stürzen, um nur die tierische Kraft ihres Landes und die Härte ihrer Fäuste zu preisen, dann hört man wieder die Worte all der Festredner und Parteimänner. „In unseren Herzen verwahren wir nur die Liebe zur ganzen Menschheit, und wir verwerfen jegliche Barbarei!" So heißt es wohl bei ihnen, aber man fragt sich:„Gibt es denn auf Erden eine Oeffentlichkeit, die so gefestigt wäre, daß sie den Sieg ertrüge, ohne in Würdelosigkeit zu ver" fallen?" Ich halte mich abseits. Ich falle häßlich auf Ivie eist schlechter Prophet. Ich trage meine Erkenntnis zur Schau und sie drückt mich nieder wie eine höllische Last. Nur die Niederlage wird imstande sein, die Millionen von Augen zu erschließen. Jemand beginnt mit Abscheu:„Der deutsche Mlitaris- mus—--" Das ist der letzte Beweisgrund, der gesunden werden kann, das ist die endgültige Formel, die festgelegt werden kann! Ja. der deutsche Militarismus ist schändlich und er muß verschwinden. Alle Welt ist sich darin einig. Ver- schwinden muß das Häuflein der Junker, das um den Kronprinzen und um den Kaiser versammelt ist. Ver- schwinden muß der ganze Hofstaat der Geschäftsleute und der Männer, die sich die geistige Führung anmaßen. Ver- schwinden muß der Pan-Germanisnius, der' ganz Europa in schwarz-weiß-rot umfärben will. Verschwinden muß endlich die beinahe viehische Knechtscrgebenhcit des deutschen Volkes. Deutsch- land ist die Feste des Militarismus, die noch am trotzigsten Widerstand leistet. Ja, alle Welt ist sich darüber klar. Aber die Männer, die über die Gedanken herrschen, treiben einen Mißbrauch nnt der Tatsache dieser Uebcrein- stimmung. Sie wissen wohl: Wenn der einfache Mensch vom deutschen Militarismus redet, dann hat er alles gesagt; aber nun verbeißen sie sich in dicst-S Wort. Sie vor- schnielzcn die beiden Worte. Sie verwechseln ab- sichtlich den Militarismus mit Deutschland. Ist Deutschiland erst geschlagen, dann wird alles geklärt sein. Aber so bindet man die Lüge an die Wahrheit. So hindert man uns an der klaren Einsicht, daß der M i l i t a r i s m n s in Wirklichkeit überall gebietet. Ueberall ist er mehr oder weniger heuchlerisch. Ueberall lebt er mehr ober ivcniger bewußt in den Köpfen. Aber er ist überall bereit, alles an sich zu raffen, was nur in: Bereich seiner Kräfte liegt. Man zwingt die öffentliche Meinung, daß sie weiter spricht.„Es ist ein Ver- brechen, an etwas Anderes zu denken als an die Vernichtung des deutschen Feindes!" Aber der Gerechte mutz antworten: f „Es ist ein Verbrechen, nur daran zu denken I Denn der' Feind, das ist der Militarismus, das ist nicht Deutschland!" Ich weiß wohl, ich lasse mich nicht mehr durch die Worte verwirren, die man heuchlerisch und geheiiunisvoll wie eine» Wall aufrichtet! (Forts, folgt.) Wohnung der Frau Gruder gehört. Wahrscheinlich hat der Täter Blutflecke an seiner Unierkleidung erhalten. Ob er das zur Tat benutzte messerartige Instrument fortgeworfen bat, konnte bisher nicht festswstellt werden. Vielleicht ist irgend jemand das Fehlen eines grötzeren Messers aufgefallen bei einem Manne, der entweder in der Nacht zum Sonnabend oder Sonntag mit blutiger Kleidung nach Hause kam. Unaufgeklärt ist auch noch der Verbleib de» etwa Meter langen, etwa Vj Meter hohen braunen Rohrplattenkoffers, der bestimmt noch am Freitag abend in der Wohnung war, sowie der fehlenden Kleider, besonders eines rohseidenen Kleides. Es ist als sicher an- zunehmen, daß diese Sachen seit Freitag bezw. Sonnabend letzter Woche irgendwo untergestellt, verkauft oder verpfändet worden find. Unter Hinweis auf die Belohnung von 10M M. werden alle Personen, die glauben, Angabe» machen zu können, ersucht, sich umgehend bei den Kriminalkommissaren Boese und Tsgtmeyer im Zimmer 62 des Polizeipräsidiums zu melden. Unerlaubtes Tragen von Uniform. Der R e i ch S w e hrmi ni sie r hat folgenden Erlaß heraus- gegeben: Es ist zur Sprache gebracht worden, daß vielfach Offiziere, die nicht mehr im Heeresdienst verwendet werden und nicht die Erlaubnis zum Tragen der Uniform haben, die Uniform zu unerlaubten Anlässen tragen und zudem noch in un- borschriftSmäbiger Form. Hierdurch sind mancherlei Unzuträglich- leiten hervorgerufen worden. Ich ersuche die zuständigen Stellen, hiermit ihr Augenmerk zu richten und durch geeignete Matznahmen darauf hinzuwirken, datz nur vorschriftsmätzige Umformen und nur in den erlaubten Grenzen getragen werden. Vollversammlung der Ardeiterräte, der kommunalen Arherterräte, Betricbsver trauenSleute und der Funktionäre der S. P. D. und D. P. D. Freitag, den 10. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im großen Saale deS LehrervereinShaufes, Alcxanderstr. 41, Vollversammlung. Tagesordnung: 1.„Die praktische Ansgestaltung de? RätegedankcnS". Referenten: K a l i S k i und Dr. S i n S h e i m r r. 2. DlSkufsio». In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist vollzähliges Erscheinen dringend erforderlich. Der Bollzugsrat der Arbeiterräte Groß-BcrlinS. Brokat. Fischer. Der Vorstand der BczirkSorganisation Groß-Berlin. Achtung! Gemeinöevertreter vonetme Sitzung. Gegen die Stiminen der Unabhängigen wurden eine Reihe von Anstellungen beschlossen. Volksabstimmung über die Zugehörigkeit Friedenaus. Welch ebhaften Anteil die Einwohnerschaft Friedenaus an dem künfti- gen Schicksal der Gemeinde im einheitlichen Grotz-Berlin nimmt, bewies die überaus zahlreiche Beteiligung an der Montagabend vom Gemeindevorstand verairftalteten öffentlichen Versammlung, -die sich mit der Volksabstimmung über den Anschluß Friedenaus an«ine Nachbargemeinde beschäftigte. Die Aula des Nealgym- nasiums in der Homuthstratze war schon vor Boginn der Verfamm- lung überfüllt. Bürgermeister W« l g e r erläuterte einloitend die von der Gemeinde veranstaltete Volksabstimniung, für die die Stimmzettel mit der Auffchrift Wilmersdorf, Schöneberg oder Steglitz bis heute beim Hauspförtner oder dem Gemeindevorstand abzugeben sind, und gab dann einen geschichtlichen Rückblick über die Entwicklung Friedenaus. Als Vertreter der bürgerlichen Rechtsparteien sprach darauf Gcmeindeverordneter Dr. Anders für den Anschluß an Wilmersdorf, während der Redner der demo- kratischen Fraktion, Gemeindeverordneter L e o n h a r d t, sich für da? Zusammengehen mit Schöneberg erklärte. An der weiteren sehr ausgedehnten Aussprache beteiligten sich sowohl Vertreter Friedenaus, als auch Redner aus Schöneberg und Wilmersdorf, u. a. Stadtrat Dr. Rabnow(Schöneberg) und Stadtverordneter Dr. Heinitz(Wilmersdorf). Eine Entschließung wurde nicht gefaßt. Reinickendorf. Morgen, abends Uhr, veranstaltet der Arbeiterrat in Hartmanns Brauerei, Scharnweberstratze, eine öffentliche Volksversammlung. 1. Vortrag über Kleinhandel und Volksernährung. 2. Wohnungsproblem. PetSdam. Die FcststclluiigSkomwifsion für Ernähnrngsmittel, die auf Grund des Erlasses des vreutziichen Staatskommissars für Volksernährung gebildet worden ist und aus Vertretern de» Arbeiter- ratS und des GewerkstbaitSkartellS zusammengesetzt wurde, hat vor einigen Tagen ihre Tätigkeit im Kreise Ost-Priegnitz und Reu- Ruppin begonnen. Die Bauern und Landwirte nahmen, ol» sie hörten, daß ihre Milch-, Butter- und Getreidevorräte geprüft werden sollten, ein« derart drohende Haltung gegen die Kommissionsmitglieder ein, datz diese gezwungen wurden, ihre Tätigkeit bis auf ein Mitglied einzustellen. Es ist festgestellt worden, datz enorme Vorräte auf Bauern- rmd Rittergütern lagern, die bis jetzt aber noch nicht erfaßt worden sind. Die Kommission, die morgen in Potsdam ein- trifft, wird sofort beim Ernährungsminister vorstellig werden. Der Schleichhandel soll auf dem Lande jeder Beschreibung spotten._ Grost-Bcrliner Lebensmittel. Berlin. 260 g ausländisches Meiömehl(S5), 300 g inländische chülsen- Ger» milchbelieferung vom' S. bis auf weiteres mit je>/, Liter Magermilch beliefert. Groß-Serliner parteinachrichten. IS.. 20., 21. und 22. Abteilung. Heute Versammlung bei Hein- rich, Große Frankfurter Str. 30. Vortrag d«S Genossen Schlegel. Dreptow-Bnumichulenweg. Heute �l|, Uhr Mitgliederversammlung im Lokal der Rennbahn. Vortrag des Genossen Wtssell über Planwirtschaft. Gäste können eingeführt werden. Borsigwalde. Gcute Frauenabend im Lokal von JasckilnSki, Neue Ernst« strave 6. Bortrag der Genossin Todenhagcn über:„Die Frau w der neuen Verfassimg". Karlshors». Heute 8 Uhr Mitgliederversammlung und Zahlabend. Nordtcit bei Poser, Dönhoff-, Ecke Hentigstraße, Südteil bei Belau, Prinz- Adalbert-Straße.'_ Hjlöungsveranftaltungen. Adlershof. Die Sozialistische Bildungsschule Groß- Berlin»er- anstallet sür AdlcrSboi und die benachbarten Orte einen Vortrags- kurfus zu acht Abenden über:»Einführung in den wiffenschastlichen Sozialismus". Beginn: Donnerstag, den 16. Oktober, 7 Uhr abends. Lokal: Zeichensaal der 2. Gemewdcschule, Radickesir. 12. Hörerkaricn zu 4,— M. sind schon jetzt beim Genossen Artur Blumenthal, Krön- prinzenstr. 37 1 r. zu haben. Volkshochschule Ncinickendori. Für den westlichen Ortsteil in der Aula der V. Gemeindeschulc, Auguste-Vmoria-Allee. heute ss,8 Uhr, Leo Kistenberg über:„Beethoven", mit Erläuterungen am Flügel. Karten zu 1,— M. am ilulaeingang.__ Jugenüveranftaltungen. Friedrichshagen. Heute abend, 7V, Uhr, Mtglle dersammlung i» Jugendheim, Scharaweb erstratze. Wichtig« Tagesordnung. Briefkasten See Reöaktion. Jeder für den Briefkosten bestimmten Anfrage füg» man«in,» Buchstaben und eine Nummer bei. Briesliche Auskunft wird nicht erteilt. Eilige An» fragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. Z, 1. Hof var- / teere Uni«, vor. Echriftsttick« und Verträge sind mitzubringen. {>00. Schneider. Die HauSbaltungSaegenstände verblotten sämstich Ebcmann. Der übrige Nachlaß(z. V. bares Geld, Kleidungsstücke, Leibwäsche, Schmuckgegenstände) gehört dem Mann zur Hälste.— M. B. 20. Die Frage der Erbschastssteuer ist beim Erbansall, also in der Ver- angenheit bereits ersolgt. Das neue Erbschaslssteuergesetz kommt sür diesen all nicht zur Anwendung.— M. B. 0. I. und 2. Ja.— U. P. Legen Sic gegen die zweite Veranlagung Berufung ein und beziehen Sie sich aus die erste rechlskraiiig gelvordetic Veranlagung.— V. 21. 1. Zum Südneversabrcn brauchen Sic keinen Anwali. Zuständig ist da» Amtsgericht Cbarloltenburg. 2. Die Frau kann die Klage auch jetzt noch er- heben. Sie könnte nur klagen auf Wiederherstellung der edeilchen Gemenischast. Wird die Frau verurteilt und verstreicht ein Jahr von der RechtSlra« deS aus Wiederherstellung lautenden UrteitS, und die Frau kehrt nicht zurück, so bekommen Sie dadurch einen Scheidungsgrund. 4. Richtet sich nach dem Streitwert, den erst das Gericht aus Grund deS Einkommens und der Vermögcnsverhältnissc sestietzt.— Ad. 18. Die Nachfrage bedeutet keine Kmisutlaüon, so datz wir die Forderung für ungcrechtsertigl hatten. TS. 2. Wenden Sie sich an den LandwirischaitSmmi ter Braun,\V 9. Leivziger Platz 6—10.— F. T. 7. 1. Wenden Sie sich an die Reichs- zentrale für Kriegs- und ZivUgesangenc, Leipziger Platz 13. 2. Nein.— TSahlrecht. 1. Die Höhe des Slrasmatzes unterliegl der Entscheidung des Richters. 2. Aus Antrag.— O. H. 0. Nein.— M. Z. Ja. Wetterauösichten für das mittlere Rorddeutschtand bis Tieiistaq.mittag. Küh! und veränderlich, überwiegend bewölkt. Im Küstengebiete ziemlich zahlreiche, im Binnenlande mehr vereinzelt«, im allgemeinen geringe Regensälle bei mäßigen westlichen vis nordwestlichen Winden. dem Layen Sie Ihr Kinö nicht zur Schule gehen, bevor Sie sich die Gewißheit verschafft haben, datz eS wirklich gut sehen kann. An manchem schlechten Zeugnis sind oft die schlech« ten Lugen schuld. Die meiste Arbeit in der Schule wird mit Hilfe der Augen verrichtet. Ein Kind, das nicht so gut sehen kann wie andere. ist im Nachteil und mutz stch mehr«nstoengen, um folgen zu können. Trotzdem tritt rascher die Er- müdung ein, oft sogar mit Kopsschmerzen»er- bunden, die Aufmerksamkeit läßt nach, und das Kind bleibt zurück. Kommen Sie mit Ihrem Kinde zu uns. Wir prüfen kostenlos feine Sehkraft und verordnen mit Sorgfalt die paffenden Gläser, falls solche nötig und nützliili für Ihr Kind sind. Wollen Sie lieber ein paar Mark sparen, oder wollen Sie lieber Ihrem Kinde unnötige Anstren- gunaen und Zurücksetzungen ersparen? Auch Sie werden gerne dort kaufen, wo Sie große Auswahl und billige Preise finden.— Aber selbst wenn wir nicht die Billigsten wären, so dürfen Sie nie vergeffen, Sie erhalten unsere große Geranlie, und Meie ist wichtig beim Einkauf von Brillen für Kinder, weil diese öfter etwa« zerbrechen.». In der Garantiezeit erhalten Sie außer für Gläser- bruch uiw. alle Reparaturen umsonst. Die Garantie währt für alle Fassungen von M. 12.60 an drei Jahre. ODUl(«r RuHnke f Spittetmarkt, v, E-le Wallstratz« «exanderplatz. neben Afchir 21 Gesch&fte: CilT Belle.«liianee- Straße 4, an, am Halleschen Tor inger jg Nottbiis» Damm 10, CJ nahe Warenhaus Ianbarf Srantenftr. 4t,»ab« Oranionvlatz W Leipziger Str. 11», » Ecke Mauerstratze «.». WfhW'.T Tri.drtchktr. lSZK. Eck. Leipziger SchSahaofrr Wer«1. stratze Hochbahn-Station Not Fri-drichstr. 10«, Ecke Ziegel. stratze Hochbahn-Station Nordring WSlf Friedrichftr. 150, flira. Ecke Dorotheenstratze 0, Fraatfurter Allee 14 Ch arlottenhnrg: Taue atz irastraße 15, Ecke Marburger Straß«. Ioachimsthater Strahe t, am Bahnhof Zoo. Schönebery: Hauptstr. 21.«. staiier-WUhelmpl. Friedenau: Siheiai'rr. 18, Ecke ttirchftr. geaenilber der Xailer-Etche �Vilmersdorf: Berliner Str. 132/33, an der Uhlandstr. Zneöenszuftanö zwischen Frankreich unü Deutschlanü. Die französische Kammer hat sich mit einem Gesetzentwurf betreffend die Festsetzung des Datums betreffend die B e e n d i- gung der Feindseligkeiten beschäftigt. Man glaubt, daß schon in der kommenden Woche das Aufhören des Kriegszu- standeS zwischen Deutschland und Frankreich erklärt werde. Clemenceau hat etlichen Deputierten gegenüber sich geäußert, daß er unter allen Umständen auf die Kammer- Neuwahlen dringen müsse. Er werde deswegen die Ver- trauensfrage stellen. Sobald die Wahlen vollzogen seien, werde er zurücktreten. Vor den Wahlen werde er keine Debatte über die Politik der Regierung mehr annehmen, denn die künftige Politik sei Sache der auf Grund der Neuwahlen zu bildenden neuen Re- gierung.',, Streikverbot in Amerika! Washington, 8. Oktober. sMeldung des Hollandsch Nieuws- bureaus.) Die industrielle Arbeitslonferenz in Washington arbeitet ohne segliche« Programm. Der Zweck der Konferenz ist die Ver- wirklichung der Wilsonschen Ideale, die auf die Einiührung von Schiedsgerichten und eine engere Verbindung zwischen Kapital und Arbeit hinzielen. Der Streik soll verboten und Zwangsvermiltlung ebenfalls ausgeschlossen sein. Die beiden interessierten Parteien betrachten die Konferenz und alles was sie tut, mit großem Miß« trauen. Der Arbeiter George. General A l l e n b y, der englische Oberbefehlshaber in Pa- tästina, wurde wegen feiner Verdienste ini Osten zum Ehrenbürger der Stadt London ernannt. Bei einem Festessen hat Lloyd George ihn wegen seiner Verdienste sehr gelobt. Lloyd George behandelte weiter den Eisenbahnerstreik. Er sagte, daß der Kampf an der inneren Front nunmehr erledigt ser. Alle Klassen und Stände des Volkes müßten jetzt arbeiten. Jeder- mann in England gehöre zum arbeitenden Volke. Auch er selbst sei Arbeiter, okmiohl er den Achtstundentag für sich noch nicht erzielt hätte. Der Streik habe bewiesen, daß England tat« sächlich ein demokratisches Land und die öffentliche Mei. n u n g dort ausschlaggebend sei. Großbritannien habe der Freiheit cinerr großen Dienst erwiesen, indem das Volk den Versuch, die Gemeinschaft zu zwingen, verhindert habe. Lloyd George dankte allen, die sich.zur Verteidigung deS Landes freiwillig gestellt hatten. Im Februar habe die Regierung bereits voraus- gesehen, daß Schwierigkeiten kommen würden, und habe die jetzige Organisation bereits begomren. Es sei keineswegs eine KriegZorganisation, die nur vorübergehend zur Niederkämpfung dieser Streiks geschaffen sei, fondern es handle sich um eine bleibende Einrichtung. Das. Land wünsche Herr im eigenen Hause zu bleiben und werde nicht gestatten, daß die Arbeiter oder irgend jemand die Macht dem Parlament oder dem Volke selbst ans den-Händen nimmt. Ter Gewerkschaftsführer Thomas lobte in einer Red- Lloyd George, der die Verständigung angestrebt und erzielt habe, und er betonte, daß der Streik keineswegs eine revolutionäre Aktion gewesen sei. Warten wir ab, was die englischen Arbeiter jetzt Lloyd George wegen seiner Lobrede auf die... Zeitfreiwilligen der Technischen Nothilfe heißen werden. . Nach„Hollandsch Nteuwsbüro" glaubt man, daß der Eisen- bahnerstrcik England über 40 Vkillionen Pfund gekostet hat. Die Tisenbahnarbeiter selbst haben etwa 1% Millionen Pfund durch Lohneinbußen und Unterstützung der Streikenden verloren. Gntenteblockaüe gegen Rumänien. In Paris verlautet, daß die Entente die Blockade gegen Rumänien bereits begonnen habe, da die rumänische Re- gierung nicht innerhalb der ihr gestellten achttägigen Frist die Zu- rückziehung der rumänischen Truppen auf die alte DemarkationS« Knie an der Maros angeordnet habe. Zunächst soll der Hafen von K o n st a n z a blockiert werden. Ueberzeugung eingetreten. Er weigerte sich, den Fahneneid zu leisten und floh schließlich in einem Flugzeug nach Dänemark. Ab- gesehen von seinen speziolwissenschaftlickwn Arbeiten auf dem Gc- biete-der Nerven-, Sinnes- und HerzphysiotegP, ist er besonder? bekannt geworden durch sein Buch„Die-Biologie de» Krieges", worin er den Krieg vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus bekämpfte. Das gefilmte Herz. Kürzlich wurde in der Presse von einem Versuch in einem New Dorker Laboratorium berichtet, in dem die linematogravhische Aufnahme der Herztätigkeit gelungen sein soll. Derartige Experimente sind in Deutschland schon längst zu Lehr- rilms verarbeitet und bei Mustervorführungen der Kulturabteilung der Ufa gezeigt worden. Im pharmakologischen Institut der Uni. versität Berlin wird mit diesen von dem Leiter des Instituts, Prof. Heffter, selbst aufgenommenen Films im Kolleg schon seit längerer Zert gelehrt. Nicht nur die Normal-Hcrzaktion der vivisezierten Frösche wurde wo notwendig mit gleichzeitiger Zeitmessung deutlich verfilmt, sondern vor allem die Einwirkung verschiedener Gifte, wie Chloroform, Strophantin, kenntlich gemacht. Wohl am interessantesten ist der Film„Muscarin-Atropin-Frosch", in dem man zunächst das normal schlagende Herz, dann unter der lähmenden Wirkung deS Muöcarins ein allmähliches Nachlassen der Herzaktion bis zur völli- gen Erschlaffung und bis zum Stillstand beobachten kann, worauf nach Zusatz von Atropin die Herzmuskeltätigkeit derart wieder an- geregt wird, daß das Herz nicht nur wieder heftig zu slblagcn be- ginnt, sondern sich unter Hervorquellen der Augen des Tieres in krampfhaften Zuckungen bis hoch zum Hals hinauf bäumt und schiebt; dann erst tritt allmählicher Uebergang in die Normal. aktion ein. Der Löwe von Waterloo al» Wetterfahne. In den belgischen Zeitungen beschäftigt man sich gegenwärtig mit dem Plan, den zum Gedächtnis an den Sieg über Napoleon auf dem Schlachtselde von Waterloo errichteten Bronzelöwen umzudrehen. Jetzt sieht der Löwe nach Westen und droht Frankreich, was man heute, wo Belgien so eng mit Frankreich verbunden ist, als peinlich emp- findet. Für Belgien ist nicht mehr Frankreich der„Feind Europas", sondern Deutschlands Der belgische Sozial! stenführec JuleS Destree hat die Diskussion über den Löwen zum Anlaß einiger ironischer Bemerkungen benutzt, in denen er darauf hinweist, daß England 1815 mit Preußen gegen Frankreich, ISIS aber mit Frankreich gegen Preußen verbündet war. Waterloo lehrt tzns, daß die schönen Worte, mit denen man jetzt so srciaebiq ist, und mit denen man die unlösbare Waffenbrüderschaft� verherrlicht, nichts anderes als eben nur Worte sind. So schlagt die Brüsseler Zeitung„Standard" vor, man solle den Löwen von Waterloo zum Sinnbild menschlicher Veränderlichkeit machen. Man solle ihn drehbar aufstellen, so daß er bald nach Westen, bald nach Osten gedreht werden kann, kurz gesagt, der Bronzelöwe soll als Wetterfahne dienen. Theater. Im Kleinen SchailspielhanS wird dke Urauffstzrung von Wilhelm Speyers Luilspiel„Er kann nicht befehlen" Sonnabend, den 11., abends, stattfinden. Mnfik. Am Sonntag, den IS. d. M., vormittags II1/, Uhr: Außer» ordentliches NiltaaSlonjert des Orchesters der Staattoder unter Leitung von Dr. Karl Muck. Die Räumung ües Galtikums. In der Frage der Räumung des Baltikum richtete G r a f v o n der Goltz am 24. Septembct ein Schreiben an General B u r t, den Chef der verbündeten Mlitärmission'in Riga, worin es heißt, daß die Sicherung an der Demarkationslinie nördlich Mitau den russischen Truppen übergeben wurde, um den Abtrans- Port der deutschen Verbände zu ermöglichen. Die lettischen Truppen würden aber an der gegenüberliegenden Demarka» tionslinie fortlausend verstärkt, so daß mit einem An- griff ans die deutschen Truppen gerechnet werden müsse. Gleich- zeitig werde der Transport starker estnischer Kräfte über Stock- manshof gemeldet. Hierdurch könne der deutsche Abtrans- Port erneut verzögert werden. Aehnliche Berhältnisse hätten die Englander bei Räumung von Archangelsk gezwungen, zu- nächst noch neue Freiwilligenverbände dorthin zu bringen, um die Loslösung der bedrohten Besatzung nur vorzubereiten. Sollte sich daher die Bedrohung der deutschen Truppen bei Mitau weiter ver- stärken, so konnte auch hier eine ähnliche Maßnahme wie in Archangelsk erforderlich werden. Gras Goltz bittet dahin zu wirken, daß die estnischen und lettländischcn Truppen hinter eine von ihm bezeichnete Linie zurückgezogen werden, damit er die Räumung ausführen kann. Da General Burt auf dieses Schreiben nicht sofort antwor- tete, wie es der Bedeutung der deutscherseits angeregten Frage entsprochen hätte, wies Graf von der Goch am 4. Oktober in einem zweiten Schreiben an Burt erneut darauf hin, daß immer mehr leitische Truppen bei Olai, Riga, cm der Demarkationslinie und über diese hinaus angesammelt würden, die Letten starke P- irouillenvorstöße machten und mit Artillerie lchössen. Er habe Ende September die Abtransportc wieder ausgenommen und betone nochmals, daß die Räumung auf die Dauer undurchführbar sei, wenn nicht die estnischen Truppen und die Masse der lettischen Truppen auS der bedrohlichen Nähe der Olaifront zurückgezogen würden. Graf von der Goltz fordert da- her, seinem Evsnchen vom 24. September Folge zu geben. Andernfalls sei eS aller Welt klar, daß dort an einer friedlichen Räumung Lettlands nichts gelegen sei. verschärfter Oelagerungszuftanö über westfälische Kreise. Auf Ersuchen der Zivilbehörden ist auf Befehl des Komman- deurs des Wehrkreiskommandos ö im Einverständnis mit dem Reichskommissar Severing über dte Landkreise Borken und Ahaus der verschärfte Belagerungszustand verhängt worden. Den?lnlaß zur Verbängung des Belagerungs- zustandes gab die durch die riesigen H a m st e r z ü g e in Frage gestellte Versorgung dieser Kreise und besonders ihres Lieserungs- bezirks, das Industriegebiet, mit Kartoffeln, ferner der die Volks- ernährung gefährdende Lebens m ittelschmuggel nach dem Ausland aus den Kreisen Bocken und Ahaus und der von den Hamsterern auf die Bevölkerung dieser Kreise ausgeübte Terror. Zum Schutze der Bevölkerung sind Truppen der Reichs- wehrbrigadcn 31 und 7 nach dort abgegangen. Auch aus Schl.eswig-Holstein werden Vieh- und Lebensmittelverschiebungen nach Dänemark gemeldet. Das Ge- sindel hat in Anbetracht der riesigen Gewinne keine Furcht vor Gefängnisstrafen. Man schieße diese Lumpen ü b e r d e n Haufen. Nur durch drakonische Maßnahmen vermag dieser Leöensgefährdung des Volkes Einhalt getan werden. Unruhen im Saargebiet. Ans Saarbrücken meldet WTB: General Andlauer erläßt durch Maueran�'chlag folgende Proklamation: Seit 4 Uhr nachmittags finden Unruhen in den Straßen Saarbrückens statt. Verschiedene Läden sind gc- plündert worden. Die Angestellten der Bahn streiken. Einige Metallarbeiter haben sich den Streikenden angeschlossen. Nach ein- gegangenen Nachrichten soll morgen daS ganze Saargebiet streiken. Zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung verhängt der Gene» ral, als oberster Verwalter des Saargebietes, z u n ä ch st den Bc- lagerungSzustand über das Saargebiet; niemand darf sich nach 9 Uhr abends auf der Straße aufhalten, es fei denn, daß er nach- weislich Dienst verrichtet. Zusammenstehen und Versammlungen werden nicht geduldet. Weitere Maßnahmen tverden in Kürze ge- troffen werden. Die Regierungsinethoden der Befreier wirken schnell. Drohenöe Kartoffelkataftrophe. Die durch die Kohlennot verursachte außerordentlich schtvierigo Verkehrslage Deutschlands droht sich zu einer Kar- toffelkatastrophe auszuwachsen. Bis jetzt sind von der Herbst- ernte der Kartoffeln bedeutend geringere Mengen zum Ver- fand gekommen als in anderen Jahren zu dieser Zeit. E s fehlt an Verkehrsmitteln, um die Kartoffeln rechtzeitig, nock bevor die Fröste einsetzen, nach den Städten zu bringen. In Frostzeiten sind die Kartoffeln auf dem Transport dem Verderben ausgesetzt. Wenn es nickst in aller- kürzester Zeit gelingt, mehr Transportraum für die Zufuhr von Kartoffeln nach den Städten bereitzustellen, ist die Kata- strophe da._ die Rusfthußberatungen. Kolonialetat und Inneres. Der HouShalauSickmß genehmigte den Kolonialetai. Vom t. Oktober ab wird der Kolonial- minister kein Gehalt mehr erhalten. Dem Ministerium wird in den nächsten Wochen ein Gesetzentwurf über koloniale Entschädi« gungen zugehen. Zum Erat des Ministeriums deS Innern wies Minister Koch darauf hin, daß bei den umfassenden Aufgaben seines Ministeriums die Personalbesetzung zu spärliw sei. Auf Antrag Pachnicke sDeni.s wurde ein Fonds für ku'turpolitisibe Aufgade» in, Betrage von 100 0(10 M. eingeletzt. Auch wurden für diese Zwecke zwei vortragende Räte und ein Hitssarbeiter bewilligt. Angenommen wurde ein Antrag, die Position für Bestrebungen zugunsten g e- sundheitlicher Hebung der Jugend auf 500 000 M. zu erhöben. RcichSnotopfer. Der Ausschuß nahm Bestimmungen an über zinslose Stundung der Abgabe, falls das steuerbare Vermögen nicht über 100 000 M. und das Jahreseinkommen nicht über 5000 M. betlägt. Außerdem kann die Abgabe ohne Rücksicht auf Vermögen und Ei»'o mineu ganz oder teiliveise zinslos gestundet werden, falls sich bei billiger Berücksichtigung der wirtschaftlichen VerhältnGe die Einzichung als besondere Härte erweisen würde. Heber Anträge auf zinslose Stundung wird im Beschwerdeverfahren entschieden werden. « Auf Grund des 8 2 des Gesetzes betreffend einen Anleihe- Kredit für das Rechnungsjahr 1910 sowie die Ausgabe von In- habcr-Papiercn mit Prämien vom 29. August 1919 ist der Reichs- minister der Finanzen ermächtigt, mit Zustimmung des Zehner» ausschusseS der Nationalversammlung die zur Bestreitung außer- ordentlicher Ausgaben bewilligten Kredite auch durch Ausgab» von Fnhabe»- Papieren mit Prämien flüssig zu machen. Ein von dem Herrn Reichsminister der Finanzen im Ausschuß heute vorgelegter Plan für eine Sparprömienanleihs» ist in der heutigen Sitzung des Zehnerausschusscs eingehend be- sprachen worden und hat gegen eine Stimme bei einer Stimm- enthalwng Annahme gesunden. „Geftnnungsschieber" tzarZen. Dr. Friedrich Thimm«, der Verfasser der hier be. sprochenen Broschüre„Maximilian Horden am Pranger", schreibt uns: Da der„Vorwärts" sich gelegentlich mit meiner Schrift befaßt hat, so bitte ich, in ihm mich kurz zu der Erwiderung Hördens im letzten Heft der„Zukunft" äußern zu dürfen, wenngleich hier weder meine Broschüre noch der„Vorwärls" namentlich angeführt werden. Denn diese Erwiderung ist so charakteristisch für die beispiellos« Gesinnungslosigkeit Haidens, daß sie nicht mit Stillschweigen hinge- nommen werden darf. Haiden druckt in seiner Erwiderung zunächst neun volle Druck- feiten aus einem Aufsatz der„Zukunft" vom 19. Mai 1914 zum Beweise ab, daß ev nicht immer als Militarist und Kriegs- treiber aufgetreten sei. Di« Widersprüche zwischen diesem Artikel und seinen sonstigen kriegshetzerischen Aufsätzen sucht er so zu er- klären, daß er nach vielfarbiger, vieltönender Dar- stellung gestrebt, dem Leser nicht mit Hammerswucht nur eine Meinung ins Hirn habe nageln, sondern das Spektrum alles Sehenswerten vors Auge bringen, das ganze Orchester des Meinen? habe hörbar machen wollen. Ja, Haiden deutet an, daß er das, was ihm nun zugeschrieben werde, nämlich die ganze Fülle seiner kriegshetzerischen Aeußerungen nicht als eigene Uebcrzeugung, sondern als ein„anderer Empfindungs- schicht entsprotztes Urteil" inS Licht habe rücken wollenll Also alles, tvas Horden vor dem Kriege geschrieben hat, mit Ausnahme jenes einen Artikels vom 16. Mai 1914, wäre gar nicht seine eigene Meinung, sondern nur ein fremder Empfindungs. schicht entsproßtes Urteil gewesen?!! Ist je eine ärgere Prosti- tuierung der eigenen Feder erhört worden? Kann man daS literarische Schiebertum des verächtlichen Schmocks, die Feil- heit der„Zukunft"-Feder, die nur schrieb, was den lüsternen Gau- men der Leser kitzelte, kann man die ganze Perversität dieses pro- fessionellen und widerlichen Renegaten drastischer an den Pran- g e r st e l l e n, als es Haiden in höchsteigener Person tut? Dabei besitzt Haiden die Frechheit, sein Renegatentum mit dem Glaubens- Wechsel eines Buddha und eines Christus, eines Paulus und Luther, eines Goethe und Bismarck, eines Wagner und Bebel zu vergleichen. Ja, ausgerechnet eines August Bebel, obwohl ihm dieses so oft seine ganze unsägliche Verachtung ins Gesicht geschleudert hat. Hat denn Horden gar kein Gefühl für die geradezu ungeheuerliche Blas- phemie, die darin liegt, daß er sich den literarischen Possenreißer, den hundertmal als Lügner uird Fälscher entlarvten und gebrand- markten Komödianten der Gesinnung, mit den höchsten und reinsten Geistern glcickizustcllen wagt? Und wenn Horden kein Gefühl dafür hat, so sollte er wenigsten begreifen, welch« riesenhafte Dummheit in einer solchen Gleichstellung liegt. Fast eine so große Dummheit wie jene, zu glauben, daß die freche litera- rische Fälschung, mit der er seine Kriegsaufsätze um frisierte, unbemerkt hon der vergeßlichen Mitwelt blei- bcn würde.' Einst schrieb Franz Mehring in seiner noch heute lesenS- werten Broschüre„Herrn Horden? Fabeln"(1899), die man der „Freiheit" als der einzigen Parteigängerin Hördens zur andächtigen Lektüre empfehlen möchte, über Horden:„Der Mann wirb über seinen ewigen Schwindeleien noch zum Idioten werden." Mir scheint nach Haidens Erwiderung in der neuesten „Zukunft"-Nummer, in der er sich selbst über alle Maßen prosti- tuiert, daß Mehrings Prophezeiung der Erfüllung sehr, s e h r n a h e gerückt ist. Unzurechnungsfähig? In der Morgenausgabe der„Freiheit" vom Mittwoch. den 8. Oktober, wird unter der Spitzmarke„Die gelbe P e st" den aufhorchenden Lesern der„Freiheit" von einem geheimnisvollen Plakat, das sich gegen den Streik der Metallarbeiter wenden soll und vom Bezirksvorstand der S. P. D. verfaßt sein soll, erzählt. Der Bezirksvorstand kennt ein solches Plakat, das sich mit dem Streik der Metallarbeiter beschäftigt, nicht. Es ist ja auch die Stellung des Bezirksvorstandes zuni Streik der Metall- arbeiter, soweit durch ihn wirtschaftliche Forderungen der Arbeiter durchgesetzt werden sollen, genügend bekannt. Es handelt sich hier also wieder einmal um einen a u f g e- legten Schwindel der.Freiheit". Sie sagt sich wohl, daß ihre Leser an das Lügen der verehrlichen Redaktion so gewöhnt sind, daß es auf einen faustdicken Schwindel mehr nicht ankoinmt. Wir wollen der„Freiheit"-Redaktion und ihren Lesern aber verraten, daß daö von ihr zitierte Plakat in der Tat erschienen ist. Es ist auch der ganzen Berliner Bevölkerung, die nicht an chronischem Hirnschwund leidet, tvohlbekannt, nur die„Freiheit"-Leute haben eS verschlafen. Der angeblich seines„geheimen Ursprungs" entkleidete Aufruf. dessen Vorhandensein der Bezirksvorstand so„ängstlich ver- schwiegen" hat, ist schon am 20. Juni in der Morgenausgabe des„Vorwärts" auf der ersten Seite im fetten Druck er- schienen und an demselben Tage auch durch mehrere Hundert- tausend Flugblätter und Tausende von Plakaten an den Anschlagsäulen der Berliner Bevölkerung mitgeteilt worden! Es war der Redaktion der„Freiheit" sehr leicht, sich durch Nachschlagen davon zu überzeugen. Erstaunt muß sich aber jeder Mensch fragen, w:e weit es die„Freiheit" noch in ihrem schamlosen Lügenfeldzug gegen die eigenen Klassen- genossen bringen will. Oder sollte die„Freiheit" vielleicht irgend einem Spaßvogel aufgesessen sein? Man würde das letztere gern zu ihrer Entschuldigung annehmen, wenn uns nicht die schmutzige Kampfesweise der„Freiheit" zu der gegenteiligen Auffassung zwingen würde. Wir wollen jedoch nicht zu hart ur- teilen in der Ueberzeugung, daß jedes Gericht der Agitationsweise der„Freiheit" den Schutz deS§ 51 des St.-G,-B. zubilligen wird. Traurig berührt nur die Tatsache, daß ein Blatt, das sich Arbeiterblatt nennt, auch jetzt wieder mit den schmutzigsten Kampfmitteln operiert, um die Sozialdemokratie zu verleumden und ihre eigenen Klassengcnossen zu bekämpfen. Und— so müssen wir auch mit der„Freiheit" fragen—' was sagen die Gewerkschaftsführer aus der U. S. P. zu solchen „Parteigenossen"? Wie lange wollen sie sich solche Unterstütznng gefallen lassen'< Sie müssen sich darauf gefaßt machen, daß sie für initschuldig erklärt werden, wenn sie solchem widerlichen Treiben nicht sehr bald Einhalt gebieten. GmeckschHsbewWlV Der Metallarbeiterstreik. Mitteilungen der Funfzehnerlommissicm zufolge haben bis jetzt 40 Firmen die ihnen unterbreiteten Vereinbarungen Unterschrift- lich anerkannt. EZ ist daher bei diesen Firmen die Arbeit wieder aufgenommen worden. Trotzdem ist-die Zahl der Streikenden und Ausgesperrten um weiter« 33 0 0 gestiegen. Die vom Metallkartell veranstaltete freiwillige Sammlung für die Streikenden und Ausgesperrten hat in den ersten drei Tagen 100 000 M.. ergeben. Die Fünfzehnerkommission hat beschlossen, für alle diejenigen Streikenden nno Ausgesperrten, die sich drei volle Wochen im Streik befinden mit Einschlug der Nichtorgani- stertcn, eine Unterstütznngszulage von o M. zu zahlen. Die Art der Zahlung wird durch Inserat bekannt gegeben, es wird gebeten, dasselbe strengstens zu beachten. Bei weiterem Einlauf von Geldern behält die Kommission sich vor, den Kreis der zu Unter- stützenden zu erweitern bzw. die Summe zu erhöhen. Alle organi- sierten Arbeiter Grotz-BerlinS werden gebeten, sich rege an den Sammlungen zu beteiligen, damit die Streikleitung in der Lage ist, allen an sie gestellten Ansprüchen gerecht werden zu können. Des weiteren wird mitgeteilt, dag trotz der Beschwerde der Fünfzehnerkommission beim Polizeipräsidenten und Oberkommando die Truppenzufammenziehungen um Berlin weiteren Fortgang nehmen. Außer Siemensstadt und Oberschöneweide würden Truppen jetzt in Lübars und Waidmannslust zusammengezogen. Der Bericht der Streikleitung enthält u. a. auch eine Bemer- kung gegen die Leitung der Sozialdemokratischen Par- tei Berlins. Es wird betont, daß sich dieselbe zu bemühen scheine, den Streik der Metallarbeiter zu untergraben. Als Be- weis für diese Verdächtigung dient ein Schreiben der Technischen Nothilfe vom 6. Oktober, worin diese mitteilt, daß sie auf Veran- lassung der Berliner Leitung der Sozialdemokratischen Partei 75 AufklärungSexemplare über Ziel und Zweck der Technischen Not- bilfe übersende, und daran die Bitte knüpft, dieselben für die Ar- beiter und Volksgenossen verwenden zu wollen. Die Streikleitung richtet an die sozialdemokratische Parteileitung Berlins die Frage, ob es zutrifft, daß die„wirtschaftliche Streikbrecherorganisation Technische Nothilfe" ihrerseits unterstützt wird. Daß aus der Tatsache des Ucbersendens von 75 Flugblättern die Streikleitung von einer Begünstigung des Strcikbruches sprechen kann, stellt ihrer ganzen Streikberichterstattung gerade kein rühmendes Zeugnis aus. Sie sollte sich doch wohl bei ihren Informationen an die Presse darauf beschränken, die Ocffentlich- keit über den Stand des Kampfes objektiv zu unterrichten. Durch diese mehr von Parreileidenschaft zeugende Information beweist sie, daß sie ihre eigentliche Mission nicht sonderlich versteht. Generalversammlung der Funktionäre. Den Funktionären wurde Mittwoch abend in einer außer- ordentlichen Generalversammlung Bericht übdr die Streiklage ge- geben. Denselben gab der Bevollmächtigte der Fünfzehner- kommission Rusch. Tic gesamte bürgerliche Presse versuche. den Streik, der nur wirtschaftliche Ziele verfolge, in einen politischen umzufälschen. In 30 Versammlungen sollte versucht werden, Stellung hiergegen zu. nehmen. Diese Versammlungen seien verboten worden, Arbeiterblut sei geflossen. Der Brief des Polizeipräsidenten über das Verbot der Versammlungen sei von Mitgliedern der Fünszehnerkvmnrission dem ReichSarbeitsmimster in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des Deutschen Metall- arbeiterverbandes vorgezeigt worden. Er wurde gebeten. Schritte zu unternehmen, daß das Verbot rückgängig gemacht würde. Der Reichsarbeitsminister habe geantwortet, daß die Vertreter der Fünfzehnerlommission es doch genau so weit zum Polizeipräsidium hätten als er. Dann sei er ersucht worden, daß er als Minister ein Machtwort in dieser Angelegenheit sprechen solle. Hier hätte er sich herausgeredet, daß er keine Exekutive über Preußen habe. Telephonisch chaoe er später dem Bureau des Metallarbeircrver- bandes mitgeteilt, daß er alle notwendigen Schritte unternehmen tveride. Diese Mitteilung habe die Fünfzehnerkommission veran- laßt, die Notiz in die„Freiheit" zu bringen, mit der Mitteilung, daß die Versammlungen statisinden würden. Die Versammlungen seien von dem Polizeipräsidenten aus parteivolitischen Gründen ver- boten worden.'Nun versuche die bürgerliche Presse die Einheits- front der Metaillarbeitcr ins Wanken zu bringen. Redner erwähnt hierauf auch die au anderer Stelle mitgeteilte Sache betreffs tcch- nischv Nothilse und frägt an, ob die Parteileitung der Sozialdemo- kratischen Partei tatsäcttich Veranlassung zu diesem Schreiben ge- geben habe. Trotz der Hetze der bürgerlichen Presse und alter„Ge- wcrkschaftler" liefen täglich Spinpathiekundgebungen ein. Am Miit- woch nachmittag sei ein langer Brief des Reichsarbeitsministers eingelaufen. ES hätte keine Möglichkeit bestanden, die Fünfzehner- komlnission zusanimenzuberusen, damit sie Stellung zu dem Briefe iiehmeu konnte. Der Reichsarbeitsminister macke in dem Briese Vermittlungsvorschkäg«, die Opfer von den Arbeitgebern und Ar- beitnehmern fordern. Der Minister weist in dem Briefe darauf hin, daß er die Vorschläge mache aus Interesse am Volk und seiner Wirtschaft. Beide Parteien sollten in den einzelnen Berufsgruppen zusammentreten, um diese in die im Schiedsspruch vom 21. August festgesetzten Lohnklassen einzuordnen. Die Zuschläge sollen auch für die 5. Lohnllasse je 10 Ps. betragen. Wenn keine Verständigung erzielt würde, so entscheidet ein im Einvernehmen beider Parteien vom Reichsarbeitsininisteruim ernannter Sachverständiger. Die Entscheidungen solken Gültigkeit ab 1. tvktoher haben. Der Fünf- zehnerkommission bleibt es überlassen, auf Grund des Vorschlags des RcichsarbeitSministers in Verhandlungen einzutreten.— Rusch betonte in seinem Schlußwort, daß die Fünfzehnerkominission den Mut habe, alle Verantwortung zu übernehmen. Die Kommission würde weiterhin bemüht sein, die Interessen der streikenden Mc- tallarbeiter weiterhin voll und ganz zu vertreten. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, die gegen den Lügensoldzug in der bürgerlichen Presse protestiert, erhofft, daß der Verbandstag sich einmütig auf den Boden der kämpfenden Ar- beiter stelle und der Fünfzehnerkommission das Vertrauen aus- spricht. Achtung! Ludw. Loewe u. Co., Hutteustraße. Die Streikenden, die die Nummern 1— 342 führen, werden ersucht, Donnerstag, den 9: Oktober, vormittags 0—12 Uhr, im Strciklokol zu erscheinen zioecüS Unterstützung. Die Vertrauensleute werden gehalten, die Ab- rechnung der Billetts sofort zu erledigen. Der Arbeiterrat. Der unabhängig-kommuniftische Gewerkschastskonflikt Der in der Vollversammlung der unabhängig-kommunistischen Arbciterräte zum Austrag gekommene Streit in der Gewerkschafts- frage dürfte sich zu einem verschärften Kampf zwischen der U. S. P. D. und K. P. D. zuspitzen. Daß der Streit über die Frage: Gewerkschaften oder Betriebsorganisatio- n e n überhaupt die Gemmer erregen konnte, hat nicht zuletzt seine Ursachen in der unverantwortlichen Hetze, die die Anhänger der U.S. P.D. seit Jahren in den Gewerkschaften betreiben. Wer ständig die Gewerkschaftsinstanzcn als„antirevolutionäre Gebilde", die alten erfahrenen Gewerkschaftsführer als„Handlanger des Kapitalismus" usw. bekämpft, Menschen, die ein LebensaUer für die kulturelle Hebung ihrer Klassen- und Berufsgenossen gewirkt, gleich Verrätern und Verbrechern aufs Pflaster wirft, darf sich nicht wundern, daß jene kommunistische Auffassung über Betriebs- organisation vorhanden ist. Eine solche auf Dezentralisation und Zersplitterung hinauslaufende Organisationsform wollen natür- lich die Unabhängigen auch nicht, denn damit— das wissen sie— würde das Proletariat zu dauernder Ohnmacht verurteilt werden. Aber daß jener geradezu verbrecherische Gedanke der organi- fatorischen Zersetzung entstehen konnte, fällt auf das Schuldkonto derer, die durch die Spaltung der Arbeiterklasse in zwei sich be- fehdende Gruppen den bis dahin vorbildlichen Geist der prolcta- rischen Geschlossenheit gelähmt haben. Noch heute tobt dieser Kampf in den gewerkschaftlichen Organisationen, ein Kampf, den die Anhänger der Unabhängigen mit den schamlosesten Mitteln und einem bisher unbekannten Gewissenszwang führen. Und wenn die„Freiheit" in ihrer Betrachtung über den Konflikt in der Voll- Versammlung der Arbeiterräte die Spaltung zwischen den U.-S.-P.-D.- und K.-P.-D.-Arbeiterräten als eine erneute Schwächung des„revolutionären Proletariats" bedauert— andererseits im Interesse der Klarheit begrüßt—, so müssen wir betonen, daß ihr und ihrer Gesinnungsfreunde Treiben in den Gewerkschaften auf nichts anderes als auf Schwächung des gesamten Proletariats hinausläuft. Jetzt rächt sich die von den Unabhängigen seit langem betriebene Kampfmethode. Der zwischen ihnen und den Kommunisten vollzogene Bruch sowie der an diesen sich anschließende verschärfte Kampf der feindlichen Brüder untereinander zeigt den Unabhängigen lediglich den Spiegel ihrer eigenen verwerflichen Tatei�. Seit langer Zeit Schleppenträger der Kommunisten, unfreiwillige Helfer für deren Elcndspolitik, werden die Unabhängigen jetzt die Prügel für ihre unwürdige Rolle cinzustecken haben. Ter Schiedsspruch der städtischen Arbeiter. Eine Versammlung der Vertrauensleute aller in den städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen nahm am Mittwochabend im Gewerkschaftshaus Stellung zum Schiedsspruch. P o l e n s k e erläuterte als Berichterstatter den Gang der Ver- Handlungen im Ausschuß und gab durch Anführung von Zahlen den Anwesenden Kenntnis über die Lohnerhöhungen, die bei Annahme des Schiedsspruches eintreten würden. Er meint am Schluß seiner Ausführungen, daß das Resultat nicht voll befriedigen könne, aber die erreichten Vorteile seien doch so groß, daß sowohl die Tarif- kommission als auch die Ortsverwaltung die Annahme des Schieds- spruches empfehlen, lieber Annahme oder Ablehnung des Schieds- spruches sollen die Arbeiter und Arbeiterinnen der städtischen Be- triebe selbst entscheiden, und zwar durch Urabstimmung. Es sollen daher am Donnerstag oder Freitag Betriebsversammlungen statt- finden, in denen die Pertrauenslente Bericht erstatten und dann soll die Abstimmung durch Stimmzettel stattfinden. Das Ab-- stimmungsresultat soll bis Sonnabendmittag eingereicht sein. Ab- stimmungsberechiigt sind nur Organisierte. Hierzu wurde bekannt gegeben, daß auch Mitglieder anderer Gewerkschaften, auch solche der Gewerkvereine, Stimnuccht haben. Zum Schluß seiner Aus- führungen erklärt Polenstc, bei der Abstimmung so zu verfahren, daß das Wort Stritik auf dem Stimmzettel gestrichen werde. In der Diskussion sprach ein Neuköllner Kollege gegen die An- nähme des Schiedsspruches. Ihm wurde von anderer Seite ent- gegnet, daß auch der Vertreter der Neuköllner, der bei den Ver- Handlungen zugegen war, den Schiedsspruch als annehmbar bezeichnet habe. Weiter wurde mitgeteilt, daß das Werk Gitschiner Straße nach Kenntnisnahme de? Schiedsspruches denselben ein- stimmig angenommen habe. Ein weiterer Redner, der sich selbst als langjähriges Mitglied der Organisation bezeichnete, sagte, daß der Schiedsspruch den größten Teil der Forderungen erfüllt und daher wohl sicher mit großer Majorität angenommen werden wird. Die starken Beifallsäußerungcn ließen darauf schließen, daß fast die gesamten Vertrauensleute die Vorteile, die der Schiedsspruch bringt, anerkannten und ihren Kollegen die Annahme empfehlen dürften. Zur Lohnbewegung der Weinkellerarbeiter. Die in den Weingroßhandlungen beschäftigten Arbeiter, Kut» scher und Arbeiterinnen, welche im Deutschen Transportarbeiter- verbände organisiert sind, stehen in einer Bewegung. Es besteht zwar ein Tarifvertrag, der die Lohn- und Arbeitsbedingungen und sonstigen Verhältnisse regelt, jedoch unterliegt das Lohnabkommen nach dem Vertrage einer gegenseitigen lltägigen Kündigungsfrist. Bisher betrug der Lohn für alle über 20 Jahre alten männlichen Arbeitnehmer je nach Dauer der Tätigkeit 85 bis 95 M., für Kut- scher 95 bis 105 M. und für die weiblichen 50 bis 00 M. pro Woche. Infolge der wesentlichen Verteuerung aller Lebensmittel und Bedarfsartikel ist mit diesen Sätzen ein Auskommen nicht mehr möglich. Gefordert werden, ein Einheitslohn von 125 M. für Männer und 90 M. für Frauen, außerdem eine einmalige Wirtschaftsbeihilfe. Von Seiten des Vereins der Weingroßhändler wurde dem Transportarbeiterverbande erneut mitgeteilt, daß die Arbeitgeber sich nach Lage der Verhältnisse außerstande sehen, auf den Vorschlag der verlangten Löhne einzugehen. In einer überaus stark besuchten Versammlung vom 7. 10. nahmen die Arbeiter zu der sehr eigentümlichen Auffassung ihrer Arbeitgeber Stellung und verurteilten scharf das Verhalten und die Art der Beurteilung der gegenwärtigen Verhältnisse. Die Berliner Weingrotzhändler, welche teilweise große Restaurants bzw. Weinstuben besitzen, wissen zur Genüge, daß die Preise für Lebensmittel immer weiter emporscbnellen; auch sind es gerade diese Kreise, die den Schleichhandel besonders begünstigen. Ent- behrungen, Not und Elend haben die Besucher solcher Lokale und nicht zuletzt die Inhaber selbst am eigenen Leibe nicht verspürt. Um so verwunderlicher mutz es erscheinen, wenn man für die eigenen Arbeiter und Arbeiterinnen, die meist in tiefen Kellern und oftmals in ungesunden Räumen ihre Tätigkeit ausüben, nichts übrig hat. Die Versammlung ließ auch keinen Zweifel dar- über, daß, nacbdem die Unternehmer das Ultimatum unbcant- wortet gelassen haben, es an der Zeit ist, geschlossen in den Kampf zu treten. Nur aus besonderen Gründen wurde hiervon zunächst noch abgesehen. Nach sehr eingehender, trotz der erregten Zeit recht sachlicher und leidenschaftsloser Aussprache beschloß die Versamm- jung, die in Frage kommenden Instanzen anzurufen und diese entscheiden zu lassen. Die Küfer, welche dem Werkmeister-Verbande angehören und durch eine Abordnung in der Versammlung vertreten waren, ließen erklären, daß sie den Arbeitern ihre volle Sympathie ent- gegenbrächten und im Falle eines allgemeinen Kampfes Streik- arbeit nicht verrichten würden. Betriebsräte im Siebenten Ausschuh der National- Versammlung. Die Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenberbände hat der Nationalversammlung im August einen Gesetzentwurf des Gesetzes über die Betriebsräte eingereicht und der Nationalversammlung in Berlin in den ersten Oklobertagcn die praktischen Erfahrungen eines Betriebsrates au? einem großen Wcrftbetriebe niedergelegt und als Drucksache eingesandt. Besonder? bemerkenswert an diesem Beispiel nus der Praxis ist, daß der fragliche Betriebsrat in allen Fragen des Lohn- und Arbeitsverhältnisses, d. h. Produktion und Betriebs- fübrung. erheblich weitergehende Rechte hat, als sie je in einem Entwurf vorgesehen waren. Gerade deshalb war es möglich, in dem dortigen Betriebe eine Produktioiissteigerung von durchschnitt- lich 80 Proz. der Friedensleistung zu erreichen. Die Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände hat für Freitag, den 10. d. M., abends 7 Uhr, nach den Kammersälen. Tel- tower Straße 1—4, eine össemliche Versammlung einberufen, in der das Thema„Betriebsräte" von Herrn Aufhäuser bebondelt werden wird. Es sind seitens der Asa alle maßgebenden Fraktionen der Nationalversammlung eingeladen., Kieinbau Diemens- Schnckcrr. Heute Donnerstag, nachmittags Uhr, im Stadlpark Jungjcrnheidc: Betriebsversammlung. Wichtige Information. Die Unterstreilleitulig. Zcntralverbaud der Angestellten. Fachgruppe IS. Elektro- Industrie. Die zu beute Donnerstag, den 9. Oktober, in den Musiker- säien, Kaiscr-Wilhelm-Straße anberaumte Versammlung aller Angestellten muß umständehalber auösallen. Erneute Einladung ergeht. Angestellte der nordöstlichen Textilindustrie. Am Freitag, den 10. Ollober, abends 7'/, Uhr. findet in Kellers Ne-ue Phil« b a rm o n i e. Eöpcnicker Str. 96/97, eine Versammlung aller Angestellten statt. Bericht über die am Moniag staltgesundenen Tarisvcrhandlungen. ES ist Pflicht aller Kollegen, für einen Masscnbeiuch dieser Versammlung zu sorgen. Der Zentralausschuß der freien Angestelllenverbänd« Groß- Berlin. Bund der technischen Angestellten und Beamten. OrtSverein Neukölln I u. II. Heule Donnerstag, den 9. Oktober, abends 7V, Uhr, im großen Saal der Berliner Kmdl-Brauerei, Hermannitraße: Oeffentliche Mitgliederversammlung. Referat: Kapitalismus und Sozialismus. Daimler, Biarienfeldc. Morgen Freitag, mittags 12 Uhr, bei Stritzke, Mariendori. Großbeercnstraße: Betriebsversammlung. Die Ver- trauen Smänner erscheinen um 9 Uhr. Dcrantw. für den redaktion. Teil: Alsred Scholz, Neukölln: sllr Anzeigen: Theodor Klockc, Berlin Verlag: Vorwiirts-Verlag E. m. b. H., Berlin. Druck: Vorworts- Buchdruckerei und Verlagsansialt Vau! Einaer u. To. in Berlin, Lindenktr. Z. Hierzu 2 Beilagen. A. WERTHEIM G M B H Jdekpzlcjer SiTP ße Rosenlhaler«iraße KonlcjAtraße Mo llzplalas »»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»>»»»»»»„»»»»»»»» [Frische B l u m e n\ j Arrangements, Sträuße and Kränze: • Pa'men in jeder Größe und Auswahl■ - Töpfe aller Art' Tafel-Dekorationen Dekorations- Blumen Stielrose mit Laub....... 28 Pf. Flieder, 2 teilig, mjt Laub.. I.45 Alpenveilchen mit Laub... 70 Pf. Primeln mit Laub........ 70 Pf. Herbstlaufcstiel....... 65, 95 Pf Ebereschenzweig......... I.35 Chrisantheme mitKnospc un� Laub....................... 85 Pf. Grober MandelblQtenzweig. 85 Pf- 2SyMii«ierHüle ralä BandgamUur... HO' OO 03C0 0500 Weißer Ssos&tf&ui, Mnfeloifonn............... �VaC|ll.erl£.ai>J>eH au» sdvwarzem �10550 Samt mU Cl\enillegarnlfur..................... ic-» Earlpige FIl�Hüte, rmocSeme Form Farßige HaarHüle, moderne Form Moderne Samtvogelpfrvan taste mit feinen f*rblgen Efleltlen.............................. 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