Ur. SSI.»«.Jalsrg. Bezugspreis» BttrteltS�rLS�— SRI« monaü. 8�— Sil frei in* Hau», dotqus johlbat. Post. bezug: Monatlich K— Ml. erll. Zu- stellungogedühr. Unter Krenzband für Deutichianb und Oesterreich»Ungarn 6,25 Ml. für da, üdrtg,»u bland l 0 25-2KL. bei täglich eunnal. Zustellung S 25 Ml. Postbeftellungen nehmen an Dänemark Holland, Luxemburg. Schweden u. die Echmet». 2 ingerrag eu in die Post-Z-ttungo-Preiziist». Der»vorwärts mit der Sonnlag» beiiage»Voll u. gett' erscheint wochen- täglich zweimal, Sonntag» einmal. reiegramm-Ädrels«: „Soslaldemottol Betila". Abend-Ausgabe. Berliner Volksblnkl. ( ISPfennia} Anzeigenpreis: St» achtgcipaltcne Nonpareillezeiie kostet lchilW„Ki-ine«nzoigeu». da» fettgedruckte Dort A Pfg-(Zulässtg » iettgedruckte Worte). Irds» weitere Wort tll Pjg. Erellengetuche und Schlafstcllenanzcigen das erste Wort ») Pfg. fedeo-velter» Wort SO Pfg. Worte Ober 1» Buchstaden zählen fitr zwei Worte. Teuerung�, Uschlag 50%. Familien• Anzeigen, politische und gewrrlichaftliche Vereins- Slnzclgen WO Ml. die Reiie. Anzeigen für die «iächste Nummer müssen dt» ü Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin KW 68, Lindenstraße!l abgegeben werden. Eeoffnet von 0 Uhr srit!) bi« d Uhr abends. �entralorgan äer fozialäemokrati fcken Partei veutfcklanäs. Neüaktion unü Expedition: SM. 6$, Llnüenstr. Z. kherusprecher: Amt Mortüplatz. Str. ISl SO— tZIVT. Mobilmachung für öm Winter. Die vielfach erwarteten Schwierigkeiten des kommenden Winters zu mildern oder gänzlich zu vermeiden, ist eine Auf. gäbe, an der sowohl Regierung wie auch die Bevölkerung selbst mitzuarbeiten alle Ursache haben. Gegen Ernährungs- schwierigkriten, Kohlenmangel und andere Ucbelstände must Vorkehrung getroffen werden. Ten Umfang unserer Ernte können wir heute einiger- mästen überblicken. Wenn es sich beim Getreide auch um keine sogenannte„Rekordernte" handelt, so ist man sich in Sachvcrständigcukreisen doch darüber einig, dast sie zur Er- nährung des Volkes mit Brot ausreicht, selbst bei der vorge- sehenen niedrigen Ausmahlung des Getreides, die ein Mehr von etwa 800 IM Tonnen beansprucht. Voraussetzung ist na- türlich hier, und noch mehr bei der Kartoffelernte, dast alle Mengen rechtzeitig abtransportiert werden könne«. Und hier kommen wir auf die Frage, die als der sprin- gende Punkt für unsere Ernährung, ja für unsere ganze Existenz bezeichnet werden must. Alles hängt heute von den Transportmöglichkeiten ab. Wenn das Getreide den Mühlen» die Kartosfcln den Kommunen, das Mehl de» Bäckern und Nahrungsmittelfabriken, die Fette den Margarinefabriken und allen Betrieben die so bitter notwen- digen Kohlen zugeführt werden, so wird der kommende Winter hinsichtlich der Ernährung keineswegs schlimmer, viel- leicht besser ausfallen, als die letzten Äriegswinter. Ernte und Vorräte gestatten diese Erwartung. Leider sehen aber die Transportverhältnisie, fast lönnte man sagen, trostlos ans. Die Zahl der in den Rc- parat urWerk statten befindlichen Lokomotiven und Wagen ist gröster alz je und die Reparaturen selbst umfangreicher und schwieriger als üblich. Unbedingt müsien diese Schwierigkeiten überwunden, dje Zahl des die Werk- stätten gebrauchsfähig verlassenden rollenden Materials must gröster werden, als rS in den letzten Wochen der Fall war. Wird das Transportwesen in die Lage versetzt, seine Auf- gaben zu erfüllen, so dürfen wir damit rechnen, auch über diesen Winter hinwegzukommen. Anlieferung durch die Landwirte, Bewegung der Vorräte in die Bedarfsgebiete, Arbeitsmöglich- kcit der Nahrungsmittclsabriken, das sind die zu lösenden Aufgaben. tzanöelskrieg gegen Sowjetrußlanü. Wir haben wiederholt auf die Unsinnigkeit des Versah» rens hingewiesen, ständige Mitteilungen über den unmittel» bar bevorstehenden Sturz der b o l s ch e w i st i s ch e n R e» g i e r u n g in Rustland zu verbreiten, Mitteilungen, die kurze Zeit danach prompt dementiert werden mustten. So trug die in den letzten Tagen verbreitete Meldung, nach der Lenin von T r o tz k i verhaftet und dann wieder befreit worden sei, die Unwahrheit schon in sich. Dennoch ist nicht zu verkennen, dast die Lage der Bolschcwisten» immer schwieriger wird. Tic Entente verschärft jetzt auch noch den Wirtschafts» krieg gegen Räterustland. Hierüber liegt folgende Mitteilung vor, die uns aus Wien zugeht: Eine dem Wiener S t a a t S a m t für AeußereS zur Kenntnis gebracht« Note der Alliierten fordert die Regierungen von Schweden, Norwegen, Dänemark, Holland, Finnland, Spanien, Schweiz, Mexiko, Kolumbien, Venezuela, Chile und Argentinien auf, unverzüglich strengste Maßregeln zu ergreifen, nm ihre Staatsangehörigen zu verhindern, irgendwelche H a n- delsbezichungcn mit dem bolschewistischen Nuß- l a n d aufzunehmen. Ohne in den oben gerügten Fehler zu verfallen, jede un- günstige Mitteilung über Rustland als Vorbotin eines Re- gicrungssturzcs anzusehen, ist doch nicht zu verkennen, dast der von der Entente gegen Rustland verschärfte Handelsboykott die Lage der russischen Regierung wesentlich zu er- schweren geeignet� ist. Wenn man die Verschärfung der militärischen Lage berücksichtigt, die sich aus der Not» wendigkeit der Führung eines Dreifrontenkrieges gegen die Armeen von Koltschak, Denikin und Juvenitsch ergibt, berücksichtigt, so befindet sich Rustland zurzeit in einer schweren Krrse, die eine Folge der inneren Unmöglichkeit des b o lsch,e w i st i s ch en Systems ist. Ter heutige Leitartikel bringt über Verlauf wie Wesen des russischen Kampfes bedeutsame Darlegungen, die im Rah- mcn der obigen Meldung besonders aktuell werden. Uebertriebene Krisengerüchte. Zu den Meldimgen der bürgerlichen Presse über eine Kabinettskrise in Wien meldet uns ein eigener Draht- b e r i ch t unseres Wiener Berichterstatters, dost diese Meldungen weitaus übertrieben sind. Richtig ist nur soviel, daß der Staatssekretär für Finanzen, Dr. Schiimpeter, zurücktreten wird, weil der von ihm ausgearbeitete F i n a n z p l a n die Zustimmung der So- zialdemok ratischen Partei nicht gefunden hat. Es schwebe« allerdings Erörterungen zwischen den Sozial- demokraten und den C h r i st l i ch s o z i a l e n, die beide die Regierungskoalition bilden, über eine U m g e» staltung und Neuorganisation verschiedener Ressorts, und in diesem Zusammenhang ist auch die Frage auf- getaucht, dast Genosse Dr. O t t o Bauer die Leitung der Sozialisierungskommission an den Unter- staatZsekretär im HandelSamt, Genossen Dr. Ellen- bogen, abgeben könnte. Jedoch handelt es sich dabei vor- läufig nur um Erwögungen. ffrirdewSznstlmd mit Italien. Tie Prehinformation meldet aus Rom: Mit der Ratifizierung des Friedensvertrages ist ein Dekret des Königs erschienen, daS vom 14. Oktober ab die Wiederherstellung des F ri et» e n S z u st a n d c? mit Deutschland ausspricht, Vir gehen nicht nach Washington. Wie der„Vorwärts" in seiner Morgenausgabe vom Frei- tag mitteilen konnte, haben die deutschen und österreichischen Gewerkschaften den Beschluß gefaßt, an der am 29. Oktober in Washington stattfindenden Konferenz nicht teilzunehmen. Es sind nun Vermittlung sver- suche gemacht worden, um den deutschen und österreichischen Gewerkschaftsvertretern dennoch eine Teilnahme zu ermög- lichen. Hierüber wird folgende Mitteilung verbreitet: Am Donnerstag kam es im Haag zu einer langen Be- sprechung zwischen einem Mitglied der deutschen Regierung und den Sekretären des Internationalen GeWerk- schaftsbundes, F i m m e n und O u d e'tz e e st. Diese er- klärten, daß falls Deutschland und Oesterreich an der Konserenz teilnehmen sollten, die Arbeitervertreter auf der Konferenz sor- dern würden, daß die Frage der Zulassung der deutschen und der österreichischen Delegierten als vollberechtigte Mitglieder an die Spitze gestellt werde. Sollte diese Forderung nicht er- füllt werden, würden sich die Arbeitervertreter aller dem Jnter- nationalen Verbände angeschlossenen Länder sofort von der Konferenz zurückziehen und einen Internationalen Ge- Werkschaftsbund einberufen, der neben und im Ge g e n s a tz zur Internationalen Konferenz tagen würde. Der Vertreter der deutschen Regierung erklärte angesichts dieser Mitteilung, daß er der deutschen Regierung nachdrücklich raten werde, sich für die Teilnahm« an der Washingtoner Konferenz zu cnt- scheiden. Es handelt sich bei diesen Besprechungen, wie wir authen- tisch hinzufügen körnten, lediglich uin gutgemeinte Vermitt- lungsversuche holländischer Genossen, die den Vertretern der deutschen Gewerkschaften in letzter Stunde die Möglichkeit einer Teilnahme an der Konferenz schaffen wollen. Diese Vermittlungsversuche müssen jedoch durch die Stellungnahme zu dem in unserer Freitagsausgabe mitgeteilten Schreiben der Friedenskonferenz als überholt angesehen werden. Es wird durch die Haager Besprechungen nichts daran geändert, dast an die deutschen und österreichischen Gewerk- schasten keine Einladung ergangen ist. Selbst für den Fall, daß die Zulassung von der Washingtoner Konferenz als- bald nach ihrer Eröffnung genehmigt werden sollte, müßten die Deutschen und Oesterreicher nach wie vor a l s Bittende vor der Tür der Beratenden stehen, bis die Entscheidung über Zulassung oder Abweisung gefallen ist. Das ist eine Rolle, die man den Vertretern der größten Ge- Werkschaftsbewegung der arbeitenden Welt nicht zumuten dürfte und die diese zu spielen auch nicht ge- sonnen sind. Es bleibt daher dabei: die Vertreter der deutschen und österreichischen Gewerkschaften gehen nicht nach Washington! Die Machthakt der kapitalistischen Entente haben ihr Ziel erreicht._ französisches Hewaltregiment in Metz. (Meldung unseres badischen Korrespondenten.). Die sozialistisch«„ValkStribüne", das Parteiorgan der Sozial» demokratie in Metz, ist am Donnerstag durch Verfügung Mille- r a n H s beschlagnahmt und verboten worden. Der Redakteur Gaston Pierra ist nach Luxemburg geflüchtet. Ebenso wurde daS Metzer„Freie Journal", das bürgerliche Organ der elsaß-loihrin- gischen'Unzufriedenen, beschlagnahmt und dauernd verbot en, pi« Druckerei melitärischbesetzt und der Chefredakteur v e r- Kästet. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., SV. öS» Linöenftr.Z. Fernsprecher: Amt Morihplatz, Nr. 117 öS— öt. Zwischen zwei Diktaturen. „Unsere fliegende Abteilung unter Führung des Obersten Mamontow, der durch seine schneidige Arbeit rm Rüden der bolschewistischen Truppen während der letzten zwei Monate bekannt geworden ist, drang vor einigen Tagen in die Stadt Jelez, Gouv. Orel, ein und, nachdemeralledortvor- handenen Kommissare und Mitglieder ver- schiedener bolschewistischer Institutionen aufgehängt hatte, verschwand er in unbekannter Rich- tung." So lautet kurz und bündig ein amtlicher Bericht der De- nikin-Front vom 29. September. Wir haben schon beinahe ganz verlernt, beim Lesen der- artiger Nachrichten zu empfinden, was sie bedeuten. Viel- leicht genügt diese Andeutung, um wenigstens für den Augen- blick das menschliche Gefühl, den Protest gegen die entsetzliche, tierische Menschenschinderei wachzurufen und die Erkenntnis dessen beizubringen, was in Rußland vorgeht. Der Verfasser dieser Zeilen hat es nicht nötig, sich gegen etwaige Verdächtigungen zu wehren. In der Zeit, als die V o I s ch e w i k i sogar von bürgerlichen'Publizisten bewun- dert wurden, nahm ich, von Ansang an getreu den Erfahrun- gen der russischen politischen Entwicklung während der letzten lö Jahre, eine unversöhnlich feindselige Stellung gegsn daS bolschewistische Verbrechen ein. Tie Demagogie der bolsche- wistischen Führet, die sich nur mit ihrer Verachtung der Massenbewegung der Arbeiter messen kann, hat auf der Grundlage des gänzlich zern'itteten Staatswesen? und der völligen politischen Apathie der Arbeiterklasse es vermocht, den Rest einer Staatsordnung und einer geregelten Wirtschaft zu vernichten. Diesen chaotischen Zustand aus- nutzend, mit Hilfe einer Prätoriancrarmee, die gut bezahlt wird und einen Freibrief zum Plündern hat, können die Herren der Situation den Anstürmen trotzen, nicht weil sie irgendeinen politischen Halt im Volke haben, sondern weil die Gegenseite, sofern es sich um demokratische Elemente bandelt, sich dagegen sträubt, mit denselben Mitteln zu kämp- fen, die sie anwenden, und weil das Volk die Wiederkehr der alten Reaktionäre befürchtet. Hätte sich ein Verband zur Bekämpfung der Sozialdemo- kratie zum Ziel gesetzt, an einem großzügig angelegten Bei- spiel zu zeigen, wie der Sozialismus— nach seinen Be- griffen— aussehen müsse, so könnte das Schauspiel nicht um ein Jota anders sein, als das Experiment der Bolschewisten. Es ist daher nur zu begreiflich, dast die Reaktionäre aller Schattierungen das russische Beispiel als den Bankrott des Sozialismus darzustellen suchen, während eS in Wirklichkeit nur der Inbegriff, nur die Quintessenz der vom tatarisch- zaristischen Herrschaftsprinzip übernommenen Tendenzen ist. Der Sozialismus hat mit der Anbetung der reinen Gewalt, die nach der bolschewistischen Lehre das Mittel oller Mittel de? proletarischen Kampfes repräsentiert, nichts gemein. Vor allem aber hat der Sozialismus nichts gemein mit den schauderhaften Methoden des terroristi- s ch e n Systems. Wenn man sagt„System", so stellt man sich gewöhnlich ein Verfahren vor, das ans der Grundlage irgendwelcher Regeln betrieben wird. Das bolschewistische System des Terrors kennzeichnet sich durch seine absolute Systemlosigkeit, dadurch, daß eine Willkür ohne Grenzen, ein Grauen ohne Ende zum Prinzip erhoben wurden. So wie dre Arbeiterklasse dezimiert, werden die Sozialiften aller Schattierungen buch st üblich ausge- rottet. Erst dieser Tage ist die Nachricht au? Moskau zu uns gelangt, daß eine große Anzahl von Sozialdemokraten, darunter der auch in Deutschland bekannte, hoH??rdiente R o- s a n o w, dessen menschliche Eigenschaften, großer Edelmut und Güte allen, die ihn kannten, stets in wehmütiger Erinne- rung bleiben werden, erschossen wurden.... Man fragt sich unwillkürlich, ob nicht die Spitzel, politische Gendarmen und Henker deS zarischen Regimes, die die Reihen der„außer- ordentlichen Kommissionen" füllen und mit so großem Eifer die„Gegenrevolution" bekämpfen, die systematische Massa- kriernng der Sozialisten sich zum Ziel setzen, um für ihre künftigen Herren won der anrückenden Gegenrevolution Vor- arbeiten zu leisten und sich als gehorsame Diener einzuführen. Nun wird die Lage der Moskauer Regierung von Tag zu Tag schwieriger. Sie ist schon abgeschnitten von fast allen Rohstoffe und Lebensmittel liefernden Gebieten, und es ist kaum damit zu rechnen, daß Moskau noch lange ge- halten werden kann. Daß damit noch kein Ende des Boll wismus eintreten wird, steht außer Zweifel. Andererseits isr klar, daß die vordringenden Generäle— Denikin im Süden. Judenitsch im Nordwesten und Koltschak im Osten— sich keinen Tag balten könnten, wenn sie nicht die Hilfe der Entente hätten, die ihnen in mannigfachster Form— Waffen, Munition, Kleidung usw., usw., nicht zuletzt Tanks, Flammenwerfer u. dgl.— zuteil wird. Die Regierungen der siegreichen Entente erweisen sich hier als bessere Dialektiker im Vergleich zu ihren Sozialistsn. Sie versichern diesen schmunzelnd, daß sie auf jede Intervention in Rußland ver> zichten wollen und ziehen die wenigen Soldaten aus Rußland zurück, die ohnehin keine Bedeutung im Kampfe gegen die Bolschswiki hatten. Das ist dieselbe kindische Politik der So- zialisten, die zur Bekämpfung des„Noskismus" die Einmischung der imperialistischen Regierungen der Enfente in die innerdeutschen Verhältnisse verlangt und fördert. Das nur nebenbei. � Die Bevölkerung der befreiten Gebiete atmet auf. Ihr scheint zunächst jede Ordnung erwünschter zu sein, als daS ChaoS des Bolschewismus, als dieser entsetzliche Alp. M i t den Generalen kommt der ganze Apparat der Ver« waltungs- und Negierungsorganisatwn mit. Es müßten Engel sein, wenn man annehmen wollte, daß diese Leute mit verzeihender Hand über das Gewesen: hinweggehen würden. Aber es sind keine Engel, es sind alles gut bekannte Gesichter darunter. Und sie entfalten eine sehr rührige Tätigkeit. Die eingangs gebrachte Meldung über die Heldentaten eines Obersten Mamontow kann als Illustration dienen. In den eingenonmienen Städten und Ortschaften etablieren sich sogleich die auS der Z a r: n z e i t rühmlichst bekannten Jnsti- tntionen des politischen Bersolgungsdienstcs, bereichert durch die militärischen Hilfsmittel und Erfahrungen aus der Zeit des Bürgerkrieges. Zwar kann hier und dort ein gewerkschaft- sicher Arbeiterverein in den Zeitungen andeuten, daß er noch existiert, aber wie die Bolschewiki nicht viel Federlesens nüt ..Gegenrevolutionärcn" machen, so kümmern sich auch die wirk- lichen Gegcnrevolutionäre recht wenig darum, wer Bolschewist oder Nichtbolschewist ist, sondern machen mit allen„Berdäch- tigen" kurzen Prozeß. Die vordringenden Generale sind nicht so dumm, run offen in alle Welt hinauszurufen, was sie wollen und was sie tun. Sie sind sich über die Verhältnisse in Europa im klaren und wissen, daß, wenn sie auf die Unterstützung den tvesteuropäischen Regierungen angewiesen sind. daS Konzept nicht verdorben werden darf. Mag sein, daß Kolischak, Denikrn oder andere Führer von den besten und ehrlichsten Absichten beseelt sind. Es liegen sogar Programmerklärungen, Kund- geomgZN und Aeußerungen dieser Männer und ihrer Regie- rungen vor, die an sich liberal klingen. Die Hauptsache ist aber die, daß ausschlaggebend für die Gestaltung der neuen Zustande nicht der Wille einzelner, sondern die Praris der Or- gane der Getvalt und d?r Pcrsonenkreis.sind, aus dem sich die Bollstrecker der neuen Ordnung rekrutieren. Nicht umsonst wird gemeldet, daß die Bauernschaft mit Widerwillen und großer Angst die Widerkehr der Herren sieht, deren Namen alS Repräsentanten von GutSbesttzerfamilien zu ihr Bände sprechm. So sind die tendenziösen ukrainischen Meldungen, die von Bauernaufständen gegen Dcnikin angeblich zugunsten einer selbständigen Ukraine berichten, aufzufassen als Zeichen sich möglicherweise ausbreitender Bauernbewegung gegen die Aisderkehr der Reaktion. Nichts wäre leichter, alS den Bolschewismus auS Ruß- land in kurzer Zeit-zu vertreiben und das Land zur Gesun- dnng zu bringen. Dazu wäre Vorbedingung, daß. die Bauern- schaft die unumstößliche Gewißheit hätte, daS Land werde ihr nickt genommen, der Großgrundbesitz sei für immer erledigt. Diese Gewißheit kann die Bauernschaft von feiten der De- nikin-Kolischak nickt haben, nicht weil diese Männer persönlich etwa nicht die notwendige Einsicht hätten, sondern weil die im QZange befindliche Bewegimg, an deren Spitze sie stehen, von ganz entgegengesetzten Zielen getragen wird. So ist das Land und daS Volk zwischen zwei Feuern, und wo das eine ausgeht, setzt daS andere die entsetzliche Vernich- wngsarbeit fort. A. Grigorjanz. .yerlngSankauf ln Norweii«n. Aus Grund der Abmachungen zwischen der deutschen und norwegischen Regierung über den wei- ieren Verkauf von Nockvegischen Heringen hat die deutsche Regierung im ganzen 7700«) Tonnen norwegische: sowie 100 000 Tonnen englischer Heringe gekauft. Für die Vorschuß- kaufSsumme. die im ganzen 3ZZ4 Millionen Kronen beträgt, erhält die deutsch« Regierung unter gewissen Bedingungen Kre- i> i t. ______ 1> I W,.l!"iiLJJ!!JU-iJl 1......---—— g Shakespeares Die Aufführung desDeutschenTheaterS bestätigt nur, das, die bisherige Zu rückHaltung der Kührat diesem romaunschen Sch-auspiel gegenüber wohlbegrüiwet war. Der stille poetische Reiz, der die Gestalt der ruchlos verlästerten und am Ende triumphieren. den Jmogen umspielt, kann für den Vallast der mit breit« Faöu- lierlust auSycsponuemen Abenteuer nicht genügend entschädigen;- ixjcniflficnÄ im Mhe-attt nichts wo bzt Zuschauer vom gleichgültig Ttofflichen nicht kasch zum Wesentlichen forteilen kann, sondern geduldig alle Zickzackwege mitzumachen gezwungen ist- �. Die Fabel ist eine Art Ritterroman und mengt, zwischen Bri- bannten und Italien sich hin- und herbewegertd, historisch ganz ver- schieden« Epochen durcheinander. Motive, die in anderen Dramen Shakespeares zu glänzender Entfaltung kommen, tauchen hier in dem Gedräng« der Bilder flüchtig vorübergleitend und verschwin- dend, mts. Dieser teuflische Welsch«, der ohne jedeZ erklärende Motiv aus puver Bosheit den GKvuben dcS jungen PosthumuS an Jmogcn zerstören möchte und mit dem Gatten eine Wette eingeht. er werde die gerühmte Tugend feiner Frau zu Fall bringen, ruft unwillkürlich die Erinnerung an Jags, des arglosen Mohren schür- kischen Fähnrich, wach. Aber wie überzeugend reiht das Othello- drama in motivierender Verkettung Zug cm Zug. wie faßt sich da da« Ganze zu dem Bilide einer aus Schicksalstiefen erwachsenden Notwendigkeit zusammen. WaS dort erschüttert, huscht hier ,n dem Lärm fvvieler anderer Begebenheiten fast ohne Nachhall rasch por- bei. Die Szene, in welcher der Bösewicht im Schlafgemach der Imogen versteckt, ihr den Schmuck vom Arm« stiehlt, der zum De, weise, daß er sie besessen, dienen soll, und daS Muttermal an ihrer Brust erspäht, streift in der Ver-iniMNg von Donsation und psychologischer Brimitivität an KinomäßigeS. Der edle Gatt« läßt sich von der Lügenerzählung des Welschen so umgarnen, daß er mit dem Mord der Angeschuldigten nicht einmal bis zu feiner Heim- kehr warten will, sondern«inen Diener zu diesem Zweck voraus- schickt. Gewarnt, flieht sie als Knabe verkleidet, tu den Wald, wo sie die erst geraubten, ihr unbekannten Brüder trifft, und dann an dem Leichnam eines enthaupteten Fremden, dem sie für ihren erschlagenen Mann hält, jnmmert. So geht'S im atemlosen Tempo weiter, bis nach allerhand Briten- und Römerkämpfen JmogenS Unschuld von dem Verleumder selbst bestätigt wird und sie den Gatten reuig und gebesiert zurückerhält. Der Wtrrwar in dem Glücke wurde durch die Inszenierung Ludwig BergerS, die dem ganzen Trubel der Aktionen sich vor einer einzigen, ein Steingewölbe darstellenden Hintergrunds- dekoration abspielen läßt, nur noch erhöht. Nicht einmal der lütterstbied zwischen den auf englischem und auf italienischem Boden spielenden Bühnenbildern war szenisch irgendwie markiert. Was die'e dekorative Vereinfachung künstlerisch bezweckte, blieb völlig unklar, zumal die so etwa gewonnene Zettersparnis bei der Schnelligkeit, mit der sich auf der Drehbühne Verwandlungen er. zielen lassen, kaum WS Gewicht fallt und Gtveichungem sehr ang«. Sie �Rote Jahne" nieüergeholt. Die„Einigkeit" bei den Ganzradikalen wird Immer er- baulicher. Der Spaltbazillus, mit dem sie einst die Sozial- demokratie zersetzt haben, wütet jetzt in ihrem eigenen Leibe. Die Kommunisten haben erst die S. P. D., dann die U. S. P. gespalten; nun, da ihnen kein weiteres Objekt bleibt, spalten sie sich selber. Das Erfurter kommunistische Blatt„Der Kommunist" veröffentlicht folgende Kriegserklärung der Zentralleitung der K. P. D gegen die Berliner„Rote Fahne": Die Astot« Fahne" von Berlin, auf deren Herausgab« die entrale der K. P. D. keinen Einstuft hat, hat in den letzten urnmerm wiederholt Artikel veröffentlicht, die völlig dem Geiste des Kommunismus widersprechen und syndikalistisch waren. Als solche Artikel sprechen wir an denjenigen, der die S a b o- tage als individuellen Einzelakt als die neu« Waffe des Proletariats erklärt. In ihrer Nummer 65— 56 veröffentlicht nunmehr die.Rote Fahne" einen Artikel, an dessen Schluß es heißt, daß daS Pro- letariat erkennen müsse, daß e» sich auf anderem Boden als dem der Partei zu formieren habe. Dieser Boden sei die revo- lutioniire BettirbSorganisation. Damit ist im syndikalistischen Sinne Wesen und Zweck der politischen Partei überhaupt undderkommunistischenim besonderen verneint. Die Zentrale der K. P. D. erklärt, daß sie den oder die Ver- fasser dieses Artikel« und die für dessen Aufnahme verankwort- lichen alS der K. P. D. nicht mehr zugehörig betrachtet. DieZentralederK. P. D. DaS Berliner Partciblatt der Kommunisten wird also von deren Leitung als nicht mehr znr Partei ge» hörig betrachtet. Eine neue Gruppe mit dem Decknamen „Revolutionäre Betriebsorganisation" tut sich auf, fest über» zeugt, mit ihrem syndikalistischen Programm im Besitz de? alleinseligmachenden GlonbenS zur Erlösung des Proletariats zu sein. Dafür werden sie von der K. P. D., die sich ihrer- seits für die alleinseligmachende Kirche hält, exkommuniziert lmd mit dem großen Kirchenbann belegt. Spaltung überall! Spaltung im„Noten Dollzugsrat", Spaltung innerhalb der K. P. D., Spaltung innerhalb der U. S. PI Wo noch eine größere Anzahl Radikaler unter einen Hut vereinigt ist, da tritt prompt die Spaltung ein. Ein« deutliche VerfallSer- scheinung. -»« • Di« neue syndikalistische Gruppe, die.Revolutionäre Beirieb«- orgcmisation" erscheint übvigenS mit einem Flugblatt auf dem Felde, daS natürlich auch nicht» als Zersetzungsarbeit ist, nämlich«S geht auf die Zersetzung der Gewerkschafte« auS. Mit großtuerischem Achselzucken wird hier über die.Erringung geringer wirtschaftlicher Vorteile" durch die Gewerkschaften gehöhnt. Wer wird sich auch mit solchen Kleinigkeiten, wie Lohnerhöhungen usw. abgehen I Wenn die Arbeiter die Gewerkschaften ganz und gar kaputt machen nnd dann tn die.Revolutionäre Betriebs- organtsation" eintreten, dann werden ihnen die gebratenen Tauben von selber in den Mund fliegen. Und wer«S nicht glaubt, dem wird durch das Flugblatt bescheinigt, daß er ein.kontcrrevolutio- närcr Verräter und Schuft"«st. Also: immer feste druff und alles entzweigeschlagen, wa-S die Arbeiterschaft bisher emporgebracht hat, dann wird'S schon werden! Groner nennt walöersee„Ehrabscr.neiüer". General GrSner richtet den folgenden offenen Brief an den Generalmajor Graf Waldersee, zurzeit Infanterie führe: bei der R e i chSw ehrb r i g ad« LS: .Sie veröffentlichen in der Wochenzeitung»Deutsche Auf» gaben" einen Artikel über die Novembervorgänge 1918, der voll tatsächlicher Unricktigkeiten und Entstellungen ist und die Tendenz verfolgt, mich als.Werkzeug und Helfer revo- lutionärer Auftraggeber' hinzustellen. Ich erkläre diese Tarstellung als eine verleumderische Ehrabschnerdung. Berlin, den 8. Okiober 1919. gez. General Grüner." Graf Waldersee ist übrigens unsere» Wissen» derselbe, der vor kurzem vom Nationalverband Deutscher Offiziere, der extrem- monarchistischen Organisation zum Vor» bracht gewesen wären. Helene Thimig al» Jmogen schien mir in den BerkleidungSszenen, die sich hier und da mit denen ihrer prächiigen Rosalinde in.Biel Lärm um Nicht»" berühren, am glücklichsten. Der ReinheriS- und UnschuldSion ihrer Klagen und Beteuerungen hielt sich im übrigen>on einem Beiklang de» Sin- genden nicht frei, der auf die Dauer notwendig ermüden mußte. Eindrucksvoll, ein vereinfachendes Nachbild seines urwüchsigen Fago, gab Wegen«? den bösen Intriganten. Die Liebe nnd Bewunderung des durch Verleumdung noch nicht betörten Gatten kam in der Darstellung HartatannS zu sympathisch warmem Ausdruck. Winter st ein war«in würdig sagenhafter BelariuZ, D e c a r l t, in der ersten Halste de» Stücke», ein Lrmbelin von plastisch markanter Thrcmnenart. Wassmann ließ in der Figur veö ftrohköpfigen Prinzen Elsten seinem lustig parodierenden Humor die Zügel schießen. Der Beifall blieb am Schluß nicht un- bestritten._ dt. „Die Fra« ohne Schatten", die neue Märchenoper von Richard Strauß, zu der sein Libreitolieferaitt HofmannSthal den Text geschrieben hat, erzielt« bei der Uraufführung in der Wiener StaatSoper den üblichen sensationellen Erfolg. ES war ein Ereignis wie vor dem Kriege: die international« kapita- listische.große" Welt gab sich ein Sielldichem. Die verzückten Re- pocter orakeln von dem.gebe imni So ollen Jluidum" dieser Premierensippschaft, die 500 bis 1000 Kronen für den Platz zahlte, und zählen die Orchesterselifcin leiten auf, mit denen Strauß operiert. Die ganze Herrlichkeit dürfte wieder ein dekadente» Spiel sein, ausgeputzt mit allem Sinnenreiz einer unerhört sarbiaen Musik, lliickard Strauß mag sich al» virtuoser Zaubermeister der frohen Welt, die den Krieg im Märchenglück vergessen will, wieder -wahrt hüben. Ob er unZ andern etwas zu sagen hat, mag bei einer Berliner Aufführung nachgeprüft werden. Die Münchener Kammcrsviele brachten«ine Neuinszenierung von H. L. Wagner» Trauerspiel.Die Kindsmörder! n". Man spürte dem Werk bei frischet und lebendiger Darstellung modernen SiilS nicht an, daß es nahezu anderthalb Jahrhundert alt ist. ES ist ein Vorläufer deS sozialen Dramas des Naturalis» muS und wirft, vor Schiller» Kabale und Liebe, den Gegensatz der Klassen und sich daraus entwickelnde Konflikte auf. Die Handlung spricht sich fast unzweideutig schon im Titel aus. Da» in keuscher Verliebtheit von einem Offizier betörte und fast mit Gewalt ge- nommene Evchen Humbrecht, Tochter eines durch Ehrlichkeit und biedermännische Vorurteile harien VaterS, iöiet, als e» sich betrogen glaubt, nach der Geburt sein Kind Sic ist«ine ältere Schwester der Rose Bernd und wird ihr Schicksal teilen, wenn sich nicht die Hoffnung auf Gnade erfüllt, die der Dichter am Schlüsse erweckt. Der Abend in den Kammerspielen bedeutet mehr al» die Dar- bietung einer literarischen Selten best; die Darstellung, unter Max Kalbecks Regie, vermochte menschlich zu ergreifen und Schicksat fühlbar zu machen. C M. Ein« plattdeutsche Uraufführung. Man kennt'die runden. prallen Waterlantnienscken, die Wilhelm Söbarrelmann, der seinfinnige Brem« Dichter, in seinen vielgelesepep.Geschichten sitzenden gewählt wurde, was ihn scheinbar nicht hindert, i» der Reichswehr weiterzudtenen und der Republik den Treueid»» leiste«. Wenn danach der Gegner de» General Grüner auch al» Mensch und Offizier in unseren Lugen erledigt ist, so müssen wir e» doch gleichzeitig als nicht minder seltsam bezeichnen, wenn der General Gröner auf eine Behauptung mit dem Wort.Verleumderische Ehrabschneidung reagiert, die im Grunde nicht» Ehren kränkende» für einen vernünftig« Mensch« hat. Die Donner Dornten sinü üa! Geschmückt mit einem schönen studentischen Zirkel findet sich in der.Kreuz, ettung' sosgendeS Inserat: Da» Korp» Borussia wird in Bonn mit Anfang de» Wintersemesters wieder ausgenommen. Wir richten an all« A. H. A. H. und sonstige Freunde die dringende Bitte, da» Wachsen, Blühen und Gedeihen des Korps in dieser schweren Zeit nach Kräfttn zu unterstützen. Freiherr von Reischach, von Thermo, Berlin, Zelten 18. Gras Hohentbal, Potsdam, Neue Königstr. 13». Daß die feudalen Herren der Borussia die Zeit als schwer empfinden, glauben wir ihnen gern. Denn unter der Republik wird sie nicht mehr ungestraft Eisenbahntransporte gefährden, Fenster- scheiben demolieren und„Budenzauber" auf der Wohnung von Duellgegnern veranstalten dllrsen. Und ach, e» fehlt der Monarch, der früher prompt begnadigte, wenn die Freisprechung eines an- geklagten Bonner Borussen mit keinem Mittel mehr durchzudrücken war.— Also, hübsch artig, mein« Herren, in der neuen Rcpubtih sonst--- 1_ Der Dan? öer Kirche. Wie da» Pfaffentum einem Krieger dankt, der für das Vaterland sein Leben hingeben mußte, da» wird drastisch durch folgenden Fall beleuchtet, den uns die Ortsgruppe Luckau de» ReichZbunde» der Kriegsbeschädigten mitteilt: Ein KriegSteilnchmer, der burch eine schwere Schußverletzuf-v in russische Gefangenschaft geraten war, wurde, da«r sich in Fein- deShand noch schwere, unheilbare Krankheiten zugezogen hatte, nach der Heimat ausgetauscht und siecht« an dem hartnäckigen Malaria- fieber, zu welchem sich noch Lungenschwindsucht gesellt hatte, dahin, Nachdem er im hiesigen Kreiskrankenhause Aufnahme gefunden hatte, stellten sich des öfteren Anfäll« bei ihm ein, die ihm fast die Sinn« raubten. Kurz vor solch einem Anfall kam die Schwester zu ihm, um mit ihm zu beton. Ter arme kranke, mit dem Tod« ringende Kamerad hatte wohl fn dem Augenblick auch andere Sor« gen und auch große Schmerzen, so daß er eine abwehrende A« u h e r u n g tat. Man kann cS solch einem Leidenden in diesem Augenblick nicht übelnehmen; denn wir Kriegsteilnehmer, die wir! vor dem Feind« standen, können wohl alle bestätigen, daß die Herren Seelsorger draußen im Felde ihrer hohen Aufgabe nichtgewach- s e n ivaren. Die Herren Seelsorger waren im Felde höchst selten zu finden und dann auch nur weit hinten Inder Etappe. Ten Charakter eines Geistlichen batten diese auch zum größten Teil ver- loren. ES bar unter den Kriegsteilnehmern im Felde oft große Erbitterung hervorgerufen, trenn dies« Herren den schneidigen Vorgesetzten herauskehrten, wenn solch ein.Kerl", denn so hießen wir ja draußen, nicht vorschriftsmäßig grüßte. Mancher tapfere Soldat wurde auf Veranlassung eine» Herrn Seel- sorger» an einen Baum oder ein Wagenrad gebun- den. Die» mag wohl der Grund sein, der un» Kriegsteilnehmer von der Kirche etwas entftemdet bat. Unter diesem Eindruck stand auch der betreffende Kamerad. Kurze Zeit darauf wurde er dann von seinen Qualen erlöst. Tie Hinterbliebene Witwe begab sich in ihrem Schmerze zu einem Geistlichen, mn ihn zur.Teilnahme an der Beerdigung zu bitten. Trostworte bekam sie nicht zu hören. Im Gegenteil, man ließ st« lange dar der Tür warten, weil drinnen eine Konferenz abgehalten wurde, ob man die Leichenrede am Grabe halten könne. Noch langem Wortwechsel wurde sie zugesagt, aber ausdrücklich nur der Frau züliebe. Al» die Ortsgruppe de» Neichsbunde» für den Käme- raden, der sein Leben dem Vaterland opferte, daS Ehrengeleit be» au» der Pickbalge" mit all ihren Schrullen und köstlichen Ver- schrobenbeilen gezeichnet hat. Er bat mit ihnen ein heiteres Sviel .Die Hochzeit in der Pickbalge" geformt, da« ireunditchen Erfolg halte, wenn es auch an einer recht bühnenmäßigen Hund- lung gebrach. Mit Recht bat er dem Stück jetzt eine pinttdeuiiche Fassung gegeben, die seinem Wesen auch weit besser enispricht, und die gerade auch da? nieverdeutsche Behagliche viel saftiger-um Ausdruck kommen läßt. In dieser neuen Fassung erlebte dos Stück durck die Niederdeutsche Bühne Hamburg seine Erst- aufsübrung am Thaliatheater. Die lebendig« Darstellung sicherte dem humorvollen, heimatlichen Stück einen herrlichen Erfolg. Eine kleine Sternkunde läßt soeben Robert Henseliny bei der Fvanckhschen Verlagsbuchhandlung in Stuttgart erscheinen. Henseling, der Verfasser des bekannten und vielbegehrtrn„Stern- büchleins", kommt mit der Herausgabe dieser kleinen Sternkunde dem seit Jahren immer wiederkehrenden Ruf nach einer kleinen. grundlegenden Einführung In die HmmelZkunde nach. E§ gibt berett» viele Bucher, die eine solche Einführung bieten wollen. Aber man beklagt: entweder fordern sie vom Leser mehr Kraft und Zeit zu Jusainmenhängender, systematischer Arbeit, als die große Mebr- eit der Stern fxeunde aufwenden kann, oder sie sind zu dürftig und flach. Verlag und Verfasser haben sich bemüht, mit dem vorliegenden Büchlein etwa» dem Bedürfnis Entsprechende? zu schassen. DaS Buch kostet gebunden 8,80 M., ist aber auch geheftet zu beziehen. Die Hundertjahrfeier des steifen KragenS. In diesem Jcshr kann die Hunderljahrseier der Erfindung eines unserer gebrauch- lichsten Kleidungsstücke, deS steifen HerrenkragenS, begangen werden. ES war im Jahre 1819, al» eine Amerikanerin, die Frau eine» Grobschmiedc» in Troy im D kante New Fork, auf diesen Einfall kam. Sie macht« sich daran, statt des mit dem Hemd zu- sammenhchigenden Kragen»«in besondere? Anhängsel zu schaffen, da» ihr Mann leicht an- und ablegen konnte; so braucht« sie nur diescS und nicht jedesmal da» ganze Hemd zu waschen. Em ge- wisser Ebenezer Brown bracht« die Erfindung auf den Markt. Die ersten Kragen waren Stehkragen und wurden mit kleinen Band- chen am Hemd befestigt. Der Kragen wurde tu den Kreisen der Kleinbürger und Arbeiter mit großer Begeisterung aufgenommen. wahrend die Vornehmen uns Reichen anfangs nichts davon wissen wollten. Ein russtlckeS Konzert ssnpet beute im.Rhelnaold* Beklcvuesir. 20, al» ein« WobliätisiteitSvtranstalliing der diesigen russischen Ko'onI« statt. Neben Frau lpotozkaja und Herren Laubenlbal vom Deuilchen Operndau», W. SchumSki und de« beiden EpiwakowSti» wirst eine Reihe erster Künstler mit. Tbeater. Im Tchlller-Theater stndet Montag, abends Tss, Hbf, die Erstausttbrung van Anzengruber« volksstück Der Metneid- bau er statt— Im L e s s i n g< T h« a t e r wird al» nächste Reuaus» sübrung StrindbergS Kraulein Julie zusammen mit Artur Schuitzlcr» Grünem Kakadu vorbereitet. An diesem Abend wird Tille Durieux ihre Tätigkeit beginnen. Ueber Mathias Grunewald, de« großen deutschen Maler, spricht Paul Schiibring am Dienttag,»>/, Uhr, im Schillerjaal, EharlottenVurg. •f ftcütc, machte ier Geistliche wiederum die Fröhten Schwierigkeiieu und mutzte erst den GemeindekirckMrat befragen, ehe er diese Ehrung des Toten zugestand. Am meisten aber wurden die Leidtragenden durch die Rede des Geistlichen am offenen Grabe verletzt, die keinen Trost bedeutete. sondern der Witwe nahelegte, daß sie nur durch flettzigeS Beten ihren Gatten auS der svigen Verdammnis retten könnte. TieS ist der Tank der Kirch« an dem im Dienste des Vater- landeS gestorbenen Krieger._ Vor üer französischen Antwort. Die sranzösische Antwortnote auf die deutsche Note betreffend die Räumung des Baltikums dürfte noch im Laufe deS heutigen Sonnabend der deutschen Regierung übermittelt werden. Außer den von uns be- reits am Freitagabend mitgeteilten Grundzügen, welche auf neue Drohungen Deutschland gegenüber hinaus- laufen, wird sie die Mitteilung der Entsendung einer inter- aU Herten Kommission enthalten, um an Ort und Stelle die Ausführung der Maßnahmen zu überwachen. crstellern mit erheblichen Preissteigerungen für Kohle, Rohstoffe (Papierholz, Zellstoff, Holzstoff) und Arbeitslöhnen begründet wor- den sind, sind nach langwierigen, unter Leitung deS Reichswirt. schaftsministeriumS vor sich gegangenen Verhandlungen von den Vertretern der Verlegerverbände zugestanden worden. Auf der Spur einer MSrdervande. Wegen Mittätersthast an einem Raubmorde wurde gestern von der.Kriminalpolizei ein Arbeiter Kurt Loppe aus der Schumannstraße 15 verhaftet. Am 20. v. M. abents zwischen 10 und 11 Uhr kam eine vierköpfige Bande bei der Schafe re-i Neuvorloerk an der Stratze Alt-Lands- berg— Buchholz mit einem Einspänner vorgesabren und überfiel den 75 Jahre alten Schäfer Ferdinand Dchloricke und seine eben- fall» betagte Ehefrau. Die Bande schätz wiederholt auf das betagte Ehepaar. Der Mann wurde tödlich getroffen und starb aus der Stell«, die Frau wurde schwer vorletzt, kam aber mit dem Leben davon. Die Räuber erbeuteten 2070 M. Der Regierungspräsident von Potsdam setzte auf die Ergreifung der Täter eine Belobnung von 1000 M. aus. Man nahm von vornherein«n, daß die Rauber auS Berlin gekommen seien. Die Kriminalpolizei spürte ihnen nach und nabm gestern Loppe unter dem dringendem Verdacht der Mittäterschaft fest. Loppe hat kurz vor dem sch-iveren Ueberfall, unier den Leuten, die ton Arbeitsnachweis in der Gormannstratze aufsuchen, geäutzert, er wisse'ii der Nähe von Strautzberg eine Schaferei, in der..eitvaS zu machen" fei. Sie sei nur von zwei allen Leuten bewohnt. Diese Schäferei kann nur die des crmar- dcten Schlör'icke sein. Di« Ermittelungen ergaben weiter, daß Lopve dort in der Gegend wiederholt auch alZ Hamsterer gesehen worden ist. In seiner Begleitung befand sich nicht nur dort, son- dern auch in Berlin wiederholt ein sehr große' Mann mit schwär- zem Anzug. Auf diesen patzt auch die Beschreibung eines der vier Mörder und Räuber. Er wird ebenso wie die. beiden anderen noch unbekannten Mittäter jetzt eifrig gesucht. Der auffallend große Mann trug im Sommer gelbe Gamaschen und helle Mütze. Jetzt zuletzt trug er einen dunklen Anzug. Poppe leugnet, an dem Ueber- fall beteiligt gewesen zu sein und will auch den großen Mann nicht kennen. Die schwerverletzte Frau Schlöricke glaubt in ihm einen der Mittäter wiederzuerkennen. Sie hat ihn aber nur beim Licht von Taschenlampen aeschen, die die Verbrecher bei sich trugen. E» kommt jetzt vor allem darauf an, noch nähere» übe: den grotzen Mann zu erfahren. Mitteilungen nimmt Kriminalkommissar Krenkell im Zirnnrer 62 deS Polizeipräsidiums entgegen. Einbrecher in der schweizerischen Gesandtschaft. Von Mit» br«Hern heimgesucht wurden in der vergangenen Nacht die Bureau- räume der schweizerischen Ges«nd!schaft in der Fritdrich-Wilhelm. stratze 11. Tie Verbrecher stahlen zwei Schreibmaschinen, Brief. niarken, photographische Apparate, Herren- und TamenklerdungS- stücke und Lebensmittel. Ten Tod im Wasser fand gestern eine Frau, deren Persönlich- ke.it noch nicht feststeht. Sie sprang an der Wassertorbrücke in den Luisenstättischen Kanal, wurde zwar bald gelandet, war aber doch bereits tot. Nach gewissen Anhaltspunkten scheint«s sich um eine 29 Jabre alte Jngeborg Osten von der Schutz zu handeln. Die Leiche wurde von der Revterpolizet nach dem Schau haus: gebracht. zjie NettungSgesellschast der Wassersportvrreine von Berlin und Umgegend, die seit Jahren in höchst anerkennenswerter, ge- meinniitziger Weise den RettungSbekrieb auf den märkischen Ge- wässern ausübt, wird vom Sonntag, den 12. Oktober, ab außer Be- trieb gesetzt. Vor dem Befahren besonders des Müggelsee» bei stürmischem Wetter sei daher ganz besonders gewarntl Jm KinderbnnS findet wieder unentiteltlltder Unterricht in Säugking»- Pflege mit pralii'chen Uedungen kwmnl wöchentlich flott. Metdunacn ichrrstlich oder mündltch von 10—1 Uhr im«urcau 0«S KinderhouseZ, Blumenstr. 04. »luS Gesangeuschast znrflckkeflrende Eeminnriften können Auskunft über Unterbringung tu Svndrrtebrgöngen(tolle In Berlin und Um- gcbung bebelmatet) durch de» Leiter der ReichSeuStuuilSstelle Adolf Koch, Berlin 3, Brondenburgstr. 7 I, erhallen. Sprechzeit Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 10— Ust, Uhr. Grost Berliner Lebensmittel. Degrl. 13.— 10. Okt. i5C0 Gramm Küchenmehl und 2 Stück KnvrtS Supvenwürssl('S), 2?>0 Gramm Erbse» und 100 Gramm Ret«(S7). SSO Gramm Marmelade<8K). Für Kinder 250 Gramm Kunstbonia und 250 Gramm Rcrst-nmchl(S). Für Jugendltche 250 Gramm Kunsthonig(48). Für ältere Leute 1 Paket Morgentrank(töt. Rctntckendorf. 250 Gramm Graupen(91) für Jugendliche, 200 Gramm Sago(41), Abschnitte bis Rontag abgeben. Groß-Ssrttner Parteiaachrichten. LI.— 32. Adt. Sonntag. 5. Uhr. in Haverland» FestsSIen, Neue grledrichstr. 35, Herbststicr. Da« Programm wird auSgesührt von Mit- plicdeni de» Vereins Arbeiterjugend Grog-Bertw. Eintritt 75 Pfennig einschließlich Tanz._ Si!üungsveransta!tlmgen. Lichtbildervortrag»Pom Flugzeug zum Molor'.ulttchijf' am Sonn- tag, 7 Ubr, im Jugcndbetni, Ltnseujtr. 8. Karten a bO Pf. in der Buch- Handlung Vorwärts, Llnoeustr. 2. HeVAMOsbovBung Zum MetaUaMiterstreik. Im Laufe des heutigen Tages wird es sich entscheiden, ob entsprechend dem Verniittlungsvorschlage deS Reichs- arbeitSministerZ Schlicke der Metallarbeiterstreik durch Vergleichsoerhandlungen beigelegt werben wird oder ob bei Ablehnung des Vorschlages durch die Unternehmer eine weitere Ausdehnung des Streits Platz greift. Die General- Versammlung des Verbandes der Berliner Metallindustriellcn, die über den Dergleichsvorschlag entscheiden soll, hat heute vormittag begonnen. Wenn die Unternehmer gut beraten sind, so nehmen sie den Vermittlungsvorschlag an. Sollten sie die letzte Möglichkeit eines für beide Teile ehrenvollen Friedensschlusses unbenutzt vorübergehen lassen, so würden sie vor aller Welt augenfällig dokiunentieren, daß die Be- Häuptlingen der Arbeilvrschaft, die Unternehmer sahen ihre Zeit für gekommen, den ihnen verhaßten Organisationen der Arbe tcr beizutoiutnen, des realen Untergrundes nicht enr- behren. In diesem Falle wären wir über den Ausgang nicht einen Augenblick im Zweifel, denn die Zeiten der Organisationsverfolgung durch ein übermütiges Unler- nehmertum sind wohl ein für allemal vorüber. Der Ausgang der zurzeit tSgenden Versammlung der Metallindustr»- ellen wird darüber zu entscheiden haben, ab wir in diesem wichitgcn Industriezweige zu ruhigerer Beurteilung der wirt- schaftlichen Gegensätze kommen oder nicht. Im Interesse unserer aus tausend Wunden blutenden Volkswirtschaft hassen wir, daß diese.Erkenntnis die Versammlung der Metall- induskr.ollen bei ihrem Handeln leitet. Llngestelltcn-Kundgeltung zum Betriebsrätegcsefl. Auf Veranlassung der„ArbeitZgemeinschaft freier Angestellten« verbände" tagte am gestrigen Freitagabend in den Kammersälen eine von den Handwerks- und Jndustrteangestellten außerordentlich stark besuchte Massenversammlung, die sich mit der NegierungS- vorläge über Betriebsräte befaßte. Der Referent, Ingenieur A u f- Häuser übt« an der Vorlage scharfe Kritik und erblickte in den auf Veranlassung des Abgeordneten Schneider im Ausschuß der Nationalversaininlung beschlossenen Abänderungen eine weitere Verschlechterung deS Gesetzentwurfs. In der Diskussion vertrat der Abgeordnete Giebel den Standpunkt der fozialdeino. kralischen Partei und betonte, daß dieselbe im Kampf mit den bür- gerlichen Parteien innerhalb des Ausschusses völlig allein stehe. Nach weiterer Diskussion gelangte die vom Referenten eingebrachte Entschließung einstimmig zur Annahme, in der es heißt: „Die am 10. Oktober tagende öffentliche Angestelltenver- sammlung erblickt in dem Gesetzentwurf über Betriebsräte keine Erfüllung der Versprechungen, die den Angestellten im Frühjahr 1919 von der Regierung hinsichtlich einer Regelung deS Mitbestimmungsrechtes gemacht worden sind. Die Parteien der Na- lionalberfammlung werden dringend aufgefordert, dem Gesetz- entwurf in der vorliegenden Form die Zustiinmung zu versagen und dafür einzutreten, daß da? Mitbestimmungsrecht bei Einstellungen vor Abschluß der Dienstderträge getpäWeistet wird und bei Kündigungen auch die Fälle der fristlosen Entlassung oder der Stillegung erfaßt werden. Dem Widerspruch deS AelriebSratS bei Kündigungen ist ein« rechtlich aufschiebende Wirkung zu verleihen. Hinsichtlich de» Wirtschaft» lichen Mitbestimmungsrechts fordern die Versammelten eine Lö> snng deS Paragraphen 84, Absatz 11, nach dem dem Betriebsrat die Kontrolle der GeschäftSleitnirg zustehen muß. Alle Bcstre- bungen, die darauf hinauslaufen, Kopf- und Handarbeiter im BetriebSrategesetz künstlich von einander zu trennen, sind mit aller Entschiedenheit zu bekämpfen. Die Versammlung sieht in dem Gesetzentwurf der Arbeitsgemeinschaft freier Angestellten- verbände die gegebene Grundlage, um endlich die DetriebSdemo- Iralie zu verwirklichen und damit eine Stsigerung der Produk» tion zu. sic�rn." In einer weiteren Entschließung erklären die Versammelten ihre Solidariiät mit der im Lohnkampf stehenden M e t a'l l a t- beiterschaft und fordern die Angestellten Groß-BerlinS auf, die Streikenden durch Teilnahme an einer von der A. f. A. einge- leiteten Sammlung tatkräftig zu unterstützen. Zulässigkcit der Akkordarbeit. Die Frage der Akkordarbeit bildete den baupisächlichsten Streit- Punkt einer Arbeittstreitiglett, über die kürzlich zwischen der Firma Büssing. Btaunschweig, und ihrer Arbeitersckiast vor einem besonderen SchlichtungSauS schuß im ReichsarboitS- Ministerium verhandelt wurde. Der SchlichtungkauSschuß gelangte nach eingehender Prüfung der Verhältms!« zum Ergebnis, daß eine zeitgemäße Form der Stücklohnarbeit nicht nur wirlschastlich berechtigt, sondern anch nicht unsozial ist. Die ge- eignetst- Form der Stücklohnarbeit(Einzelstücklobn. Gruppen- oder ißensenshftcm. bezw. Verbindung dieser Arien) soll in Anlehnung an die bisher bestandenen Formen zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeiterousschuß festgestellt werden. Der Schiedsspruch ist von der Arbeiterschaft angenommen worden. Zum Schiedsspruch deS gemeindlichen ZentralanSschusses. Vom Vorstand der Gemeinde- und StaatSgrbeiier erhalten wir zu der unter obiger Etichmarks verössetrchichtcn Notiz in Nr. SIS folgende Zuschrift: Der Antrag des TrcmSportarbcitervcrbandeS, den vorübergehend beschäftigten Arbeitern einen um 50 Pf. höheren Stunden» lohn zu bezahlen, war nur für die Arbeiter d«s Osthafen» unid der Fettstelle kden Speicherarbaitern) gestellt worden. Bei einer Be- sprechung der Orgamsationsvertreier mit dem gemeindlichen Zcn- tralaulschuß wuode aber von einem Vertreter des Gemeinde- arbettervcrbtMdeS darauf aufmerksam gemacht, daß diese ForÄe- rirng für alle Arbeiter Gültigkeit erlangen müsse, die in städtischen Betrieben eingestellt werden. Hierfür kämen dann 12 000— 18 009 Arbeiter allein für Berlin in Frage. Die Vertreter der aroderen Orzanisationen(Maschinisten und TrauSportarbeite-r) haben nicht erkennen lassen, ob sie ihren Antrag auch in der von dem Vertreter des Gemeiutdearbeiierverbandes vorgeschlagenen Form erweitert wissen wollten. Hierfür war vielleicht die Erwägung maßgebend, daß«S doch ein sehr schwieriges Problem sei. erst den 12OO0 bis 13 000 städtischen Arbvitern vier Wochen lang— solange gelten dieselben als unständige, vorübergehend Beirtaftigte— 8,10 M. und danach nur 2.60 M. zu zahlen. Daß der Antrag, wie auch noch einige andere, dann abgelehnt worden ist, berechtigt noch nicht zu der ganz b« we i ö lo s gebliebenen Annahme, als ob nun die Vertreter de» Ec mein dea rbei te rv erba nd e s die Schuld an der Ablehnung dieser Anträge tragen. Daß die Beurteilung von Schiedssprüchen irgendwelcher Art dazu benutzt wertden soll, um die berühmten Grenzstreitigkeiten noch zu verschärfen, ist«in Ver- fahren, daS im Interesse der Arbeiterschaft besser unterblieb«. Diijjmifl bei den Gelben! Am Donnerstag, 9. Oktober, fand in der Börse eine Vetsamm« lung de« Gewerk'cktaftSkartellS des Bekleidungsgewerbe» statt. Al» Referenten waren Daum ig und Gottfurch angesetzt, d'« über daS BetrieÜsrätegesetz sprechen sollten. Die Rede DäumigS war nicht» weniger als ein Ringkampf de« bekannten Diktatttr-Däumtg mit einem Daumig, der die Gelben einfangen wollte. So erwähnte er in seiner Rede Wohl ein Rätegesetz, wie er es sich dachte, aber ohne klar auszudrücken, daß er ei» Anhänger der Diktatur de» Proletariats ist. Als der Genosse Israel in der Diskussion auf die geschickt, verschleierte politische Rede Däumig» eingehen wollte, wurde ihm vom Vorsitzeaden das Wort entzogen, der m seine» lanzenden Unkenntnis Tiiumig als Vater des Rätegedankens �eierie. Interessant war eS. zu beobackten, wie die Versammlung dazu benutzt wurde, Anknüpfungen zwischen männlichen und weiblichen Bemchem herznsiellen, eine Talsache, die auch vom Neferenlen Goltiurch gerügt wurde. Die Verhältnisse der Beamten und Angestellten der GutSver- waltungen sind besonders traurige. So harrt z. B., wie uns vom Arbeiterrat Schmargendorf berichtet wird, ein Antrag der Ange- stellten der Gutsventwliung D a y l e m auf Erhöhung des Grund- ge Halts seit langer Zeit seiner Erledigung. Das Grundgehalt be- trügt hier bei den Angestellten IIb bis 17o M. Die Ge Halter inkl. Teuerungszulage bewogen sich zwischen bis 450 SR. Die Gehaltserhöhung ist zugesagt mit Nachzahlung der Difftrenz ab l. Septem her. Gezechlt ist er bisher nichts. Die KalamitA ist groß. Am 18. September ist das Gehakt per Ultimo Septemlber ausge- zahlt, weis die Notlage der«betreffen: hau Angestellten dies erforderte. Die Entschuldungssumme, welche für Ledig« 600 M., für Verheiratete 1000 Ni. und pro Kind 200 M. betragen soll, ist nicht ausgezahlt. Fortgesetzt werden die Leute auf die Auszahlung der- tröstet, während den Staatsbeamten die EntschnldungSsurmne längst ausgezahlt wurde. Es ,st doch wohl auch jenen Leuten die Eni- schnldnngSsumme ohne Stichtag zu gewähren, und eS ist die höchste Zeit, daß die AufsschtSt>�h3rde die GukSverwaktungcn zur Er- füllung ihrer sozialen Pflichten anhält. Eine Versammlung der Mitglieder de? Deutschen Musiker- Verbandes, zu der auch die Internationale Kapellmeister-Vereini- gung eingeladen war. bezweckte die Bildung einer Unter- sektion für Kapellmeister, Ensembleleiter und Geschäftsannchmer, soweit sie nicht Arbeitgeber sind. Die Aussprache zeigte klar, daß nur bei einem Teil der Mitglieder der I. K.-V. das Verständnis dafür vorhanden ist, daß das einzig rich- tige Prinzip der Zusammenschluß aller Musiker in einer gemein- samen großen Organisation ist. Gegen die Stimmen des größten Teiles der anwesenden Mitglieder der I. K.-V. wurde eine Reso- lution angenommen, wonach eine Untersektian der genannten Be- rufsgruppe innerhalb des deutschen Musikerverbandes gebildet werden soll._ Deutscher Transportarbeiter-Verband. Die AuSzablung der Streikgeldunlerslützung der Sireckenden aus der. Berliner Meialiindustne erfolgt ab kommende Wache an den Tagen TicnS- tag. Donnerstag und Sonnabend in naibgenannicn Auszahlungsstellen Zatlstell» 1. Siemen Sstabt und Cbarloilenburg bei Mailand(Ncstaurnni Hcidclrug), Nonn end ainm. Zahlstelle 2. Charlotienburg und Moabit bei Fr. Pilz, Zteilaurani, Noitocker Sir. 27. Zablllelle 3. Norden und Vororte bei Riedel, Restaurant, Huisilenstr. 40. Zahlstelle 4. Norden und Vororte im Restauiant stasmunder Str. 3. Zahlstelle 5. Osten und Südosten im EewersschastShauZ, Sngeluker 14/tS. Saal 1. Zahlstelle 6. Ober- und Siiederschöneweide, Johannisthal, Baumschulentveg us». bei Sandsturm- mann, Oberschöneweide, Wilhelminenhoistr. 44«.. Zahlstelle 7. Grünau, Köpenick ulw. bei Stiebekohl, Köpenick, Schönerlindcr Str. 5. Zahlstelle 8. Neukölln, Tempelhos usw. bei Scheiter, Tempelhcks, ISottlieb-Dunlel-Slr. 58 Die Auszahlung ersolgt an den oben genannten Tagen in der Zeit von 8 Uhr srüh bis 3 Uhr nachmittags. Die zur Auszahlung erscheinenden Mitglieder haben Verbandsbuch resp. Mitgliedskarte und die SIrcikkonlroll« karte als Ausweis vorzulegen. Aus der Streikkonlrollkarte müsseu in der ersten Sireilwoche mindestens 7 Konlrollstempel und in den folgenden Wochen mindestens 6 Stempel enthalten sein. Ein jeder benutzt die Aus- zahlungsstelle, die seiner Wohnung am nächsten gelegen ist. _ Die Seklionslcitung. Deutscher Porticr-Berband. Am Dienstag den 14. Oktober,«bcnd» 7 Uhr. im Königsiadi-Kasino, tzolzmarklstr. 72: Wichtige Branchenverfamm« lung der Fahrslubisührer, Portiers und Heizer aus den Fabrik-, Geschästs- und Jndustriehäusern. Sämtliche technischen Bühnen- neln sich am Mo»< Deutscher Werkmeifterverdand. angestellten der Grotz-Berliner Theaierbetriebe oersamme tag, den 13. Okt., nachm. 8 Uhr, im Schultheiß, Neue Jaköbslr. 24/25. Pünktliches Erscheinen dringend notwendig. Tagesordnung: Taris- angclegenheit. Verantw. kür den redaktioa. Teil: Alsrrd Scholz, Neukölln; für Anzeigen: Theodor Slocke, Berlin Bcrlag: Vorwärls-Verlag D. m. b. H., Berlin. Drillt: Vorwärts» Buchdruckerei und Berlaasanstalt Paul Sinnet u. Co. in Berlin Llndenltr. 3. AiucnkaniRche Jonrnaie Kopieibücher Briefordner mit Hebel Geschäftsbücher Gelir.Seherk.Tm" t______ Amt Moritrplatz Nr. 3481, 3482, 3483.__j Cnerri.BaKteriol Laboratorium der. Simons Apothe ke(qatjr.-Kee) Spondaue v St�l? BerUit C1 ItBHBBHBBBaBa | Idealer Q ; FrancnBchatB! W { lmedizinlsch anertannti. n • Prospelt verschloll. u. fr_ Veronndhaus«® ! Berlin-Wllmeridorf B | Postfach 18 V. H IBBBBBBBBBBB Vollkommenster Tranensektz Großart, hyglen. Erflndg. Aerrtl. empf. Verlang. Sie sof. Gratisprospekt b von Laaerkane.r?!. Berlin wo. Möbel- Sostde Möbelstrma liefert Spdjiol-Sin- n. Zmelzlmmor- Cinciditnnsen sowie SlnjelmSbel gegen ludfsige ZIns- ' zen menat- Berlin O, 27 GrSbke Snlanz. oecgOtnng bei kleiner Anzahlung und geringen manan Nchen Satenjat)lungen. Off. Poftlagerkartc 6, keine knsstcrer. NechtSbeistand Dresdener Str. III Aufgang 2. Allerbllligste Prrzeßfllhr. Ali- mentrn-, Ehefcheiduiigs», Etraf- fachen-Deobacht. 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