Nr.SS7.S6.I-lM. vezngSpretS i 81crtfIläl)tL 9,— Mk» monatl. Mi. frei w. Hau», voraus zahlbar. Post- bezug: MonatUch MI.«xll. go- stellungsgedühr. Unler ikreuzband für Deutflblaad und Oesterreich» Uuzara B2ö ML, fstr da» llbrig, Ausland 10 23 ML, beiiiiglich etmnaL SullcQuitfl 8,25 ML Postdeftellungen nehmen an DänemarL Holland, euxemburst, Schweden u. die Schwei». Eingelraaen in dir Post-Zeitungs-Preislist«. Der.Vorwärts� mit der Sonntag«- deilage»Boll o. geif erscheint wochentaglich zweimal. Sonntags einmal. Morgen Ausgabe. Zelegramut-Adreffe: .Sozialdemokrat verliu» f> Sevlinev VolKsblstt. (IsPfennüa) Anzeigenpreis: St« achtgeipalten« Nonpareillezetl« kostet ISO ML.Nieine Anzeigen-, da» fettgedruckte Wort 00 Psg. Izuläfsig 8 fettgedruckte Motte), fedes weitere Wott«0 Pfg. Stellengefuche und SchiaMellenanzeigen das erste Wo« GO Pfg. fedes weitere Wott SO Pfg. wort» über 15 Buchstaben zählen für zwei Motte. Teuerungszuschlag 30°/«. Familien- Anzeigen, politische und gewerlfchaftliche Vereins- Anzeigen ISO ML die geile. Anzeigen für dt« nächste Nummer müssen bis 0 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 63, Lindenstratze 3, abgegeben werden. Seöffnet von S Uhr früh bi» d Uhr abend». ZentrzXorgan der rozialdemokratifcbcn Partei Deutfcblands. Neöaktion und Expedition: SW. öS, Lindenstr. Z. «kerniprecher: Amt Moritzpla«. Nr. ISl g«— Aufruf. Deutsche örüder und Schwestern aus den bedrohten Grenzmarken! Der furchtbare Friedensvertrag von Ver- sailles ist Euch bekannt. Unerträgliches legt er uns auf. Das Unerträglichste von allem aber ist, daß weite G e- biete deutschen Bodens, Millionen deutscher Volks- genossen ohne Befiagung vom gemeinsamen Vatcrlande los- gerissen werden. Hierin müssen wir uns ergeben. Eine andere Folge der Friedensbedingung aber gibt es, die noch aufzuheben in unserer Macht steht. Ueber Ober- s ch l e s i e n, über o st- und we st preußische Kreise, über Nordschleswig und die vereinigten Kreise E u P e n und M a l m e d y soll die Bevölkerung mittels Abstimmung entscheiden, ob sie beim Deutschen Reiche bleiben oder mit einem fremden Staate vereinigt werden will. Freilich sind die Vorschriften über die Art der Abstim- mung mit Vorbedacht für uns so ungünstig wie möglich von denen ersonnen, die den Frieden diktiert Haben. Dennoch unterliegt es keinem Zweifel, daß die gesamten Abstimiunngs- gebiete dem deutschen Vaterlande erhalten bleiben müssen, wenn jeder von Euch Abstimmungsberechtigten am Tage der Abstimmung seine Pflicht tut. Dies gilt nicht nur für die jetzigen Bewohner dieser Länder- teile; es gilt nicht minder für alle diejenigen, die zwar in einem der, Abstimmungsgebiete geboren sind, aber jetzt an einem anderen Orte wohnen und das 20. Lebensjahr vollendet haben. Gerade die Zahl der letzteren ist überaus groß. Von ihnen vor allem hängt es dacher jetzt ab, der Heimat, die sie geboren und meist auch ihre Jugend gehütet hat, sich d a n k b a r zu erweisen. Euch allen rufen wir heute zu: Erhaltet sie deutsch I Ganz Deutsch- land erwartet, daß Ihr alle am Tage der Abstimmung an Eurem Geburtsorte seid und dort Seite an Seite mit der ansässigen Bevölkerung von Eurem Deutschtum Zeugnis ablegt. Ihr Ansässigen aber gedenkt aller Mühen Eurer Väter und Vorväter im Dienste deutscher Wohlfahrt und Sitte; ge- denkt des Schweißes, mit dem sie den Boden, der Euch er- nährt, erst urbar geniacht haben. Ihr alle, die Ansässigen wie die Fortgezogencn, Männer wie Frauen, steht— bedenkt es wohl!— vor einer folgenschweren Entscheidung. Bleibt Euer Heimatboden dank Eurer Treue deutsch, so bleibt auch unseren Kindern der Segen deutscher Art erhalten, Wird er aber fremdländisch, so sind unsere Kinder in Gefahr, in fremdem Volkstum unterzugehen. Bleibt das Land deutsch, so kann es seine Kräfte leihen zum Wiederaufbau des ganzen deutschen Vaterlandes und der Ruhm seiner Wiedererstarkung wird vielfach Euer Ruhm. Fällt es aber dem Fremdling anheim, so wird Eure Tüchtigkeit nur fremder Wirtschaft zur Stärkung gereichen. - Rettet Euer Land dem Deutschtum durch Eure Stand- hastigkeit— mit Versprechungen und Lockungen sucht man Euch zu umgarnen,— so wird Euer Vorbild Millionen Deutsche, die in den abzutretenden Gebieten wohnen und denen das Recht der Volksabstimmung versagt ist, in ihrem Nationalempfinden festigen. Fortan werden auch sie um so zäher an ihrem Deutschtum festhalten. Rettet Ihr durch Erfüllung Eurer Pflicht als Deutsche dem Vaterlande, was ihm heute noch erhalten werden kann, so wird dies den Schwachmütigen, die am heutigen Deutsch- tum verzweifeln, eine Mahnung zur Ein- und Umkehr sein. Selbst weit hinaus ins Ausland werdet Ihr dadurch die Ehre des deutschen NameuS tragen. Mitbürger, Mitbürgerinnen! In Eure Hand ist es ge- geben, eine Tat zu vollbringen, die einst die Geschichte an die Seite stellen wird den großen Taten unserer Vergangen- heit. Ungezählte Eurer Brüder und Söhne haben Blut und Leben dahingegcben, um die Heimat unversehrt zu erhalten. Denkt an das viel schwerere Opfer, das sie vrachten und dankt es ihnen durch die Erfüllung Eurer vaterländischen Pflicht in der großen Stunde der Entscheidung. Steht fest zu Eurem Lande! Seid treu Eurem Volke l � Haltet unversehrt unsere geliebte Heimat! Berlin, den 14. Oktober 1919. Der Reichskanzler. Bauer. Die Reichsregierung: Die preußische Staatsregiernng Schiffer. Hirsch. Dr. B e l l. F i s ch b e ck. Dr. David. Braun. E r z b e r g e r. H a e n i s ch. Gicsberts. Dr. S ü d e k u m. Dr. Koch. Heine. � Dr. Mayer. Dr. Amzehnhof. _ Müller. O e s e r. N o s k e. Stegerwald. Schlicke. Schmidt. Die Kämpfe im Haltikum. Die tendenziöse, alarmierende und dennnziatonsche Meldung der»Freiheit" über die Einnahme Rigas stimmt nicht. Die Nordwestarmee leitete einen allgemeinen Angriff in der Richtung auf Pleökau und Gatschina ein. Die Bahn- stationen Weymaro, MokoSkowsitschi und Mogilno wurden genommen. PleSkau selbst wird bombardiert. Der Fall der Stadt steht bevor. Die Engländer beschlagnahmten drei deutsche Fahrzeuge im Finnischen Meerbusen, die nach Reval überführt wurden. � Urteil im zweiten Münchener Geiselmord- Prozeß.- Der Angeklagte Aammcrstättcr wurde zum Tode ver- urteilt, die Angeklagten Greiner, Debus und Strelenko zu je 15 Jahre» Zuchthaus. Unter einem gewaltigen mÄitärischen Aufgebot wurde Diens- tagnaehmittag um'A'i Uhr im Justizpalast das Urteil verkündet. Das ganze Gebäude nxrr streng abgesperrt. Die vier Angeklagten wurden, von einer halben Kompagnie Soldaten bewacht, vorgeführt. Der Mutter und Schwester des Angeklagten Greiner war der In- tritt zum Zuhörerraum gestattet worden, der ebenfalls s a st aus- schließlich' von Militär besetzt war. Der Vorsitzende, Landes- gerichtsrat Aull, verkündete, daß das Gericht die Verhandlung noch einmal aufnehmen müsse, da in bezug aus Greiner und Strelenko, die von der Staatsanwaltschaft eines vollendeten Mordes beschuldigt seien, das Gericht allenfalls nur Beihilfe annehmek tonne. Kammerftättcr erklärt darauf, daß er sich nicht des Mordes schuldig gemacht habe, während Greiner verlangt, freigesprochen zu werben. Der Staatsanwalt und der Verteidiger verzichteten auf weitere Erklärungen, worauf das Gericht, ohne sich zurückzuziehen, das Urteil verlündete. Kamwerstätter werden die bürgerlichen Ehrenrechte dauernd, den Angeklagten DcbuS, G reiner unid Strelenko auf die Daner von 10 Jahren aberkannt. Ferner wird auch gegen die drei Angeklagten auf Zulässigkett der Polizeiaufsicht erkannt. In diesem Augenblick«rloidet Greiner wie am Vortage, einen Wutansall. Er wirft sich auf den Boden, schlägt nach den Schutz- leutcn und Soldaten mit Händen und Füßen und kann nur mit Mühe überwältigt werden. In der Urteilsbegründung wird u. a. ausgeführt» daß Kammerslätter überführt evschoin«, am 30. April früh den schriftlichen Befehl Eglhofers zur Erschießung der beiden Weißgardisten von der Ordonnanz des Kriegsini niste- riums entgegengenommen und dem Kommandanten Sei dl übcr- bracht zu haben. Er habe den Befehl Seidlö angenommen, die Er- schießung durchzuführen und sei mit diesem Befebl ins Gymnasium zurückgekehrt, wo er ihn in Gcineinschaft mit Schicllhoser ausge- führt habe. Er erscheine auch überführt, die Geiseln mit auf den Hof gebracht und hier an der Erschießung teilgenommen zu haben. Beweis dafür die einzelnen Zeugenaussagen. Grein er, Debus und Strelenko seien überführt, während der Geis elersch ießungen auf dem Hof mit anwesend gewesen zu sein, und auch durch verschiedene Handlungen, teilweise durch Zurufe ihre Z u st i in- mung zu den Erschießungen gegeben zu haben.< Beihilfe.) Stre- lenko sei der deutschen Sprache vollkommen mächtig, hübe also auch gewußt, um was es sich handle. Dies habe das Gericht dazu sichren müssen, die höchste zulässige Strafe gegen die Angeklagten aus- zuwerfen. Nach der Verkündung des Urteils schreit Greiner laut auf: „Das ist also Eure Gerechtigkeit! Es gibt keine Gerechtigkeit mehr auf der Welt! Meine arme Mutter und mein armes Martl!" In diesem Augenblick bricht auch die Mutter Greiners im Zuhörer- räum in Schluchzen aus und inuß hinausgeführt werden. Greiner läßt sich noch verschiedene E ciunerun sgegen stände von den Beaniten geben. K n in m e rstä tte r ruft:„Ich ha!l»e nicht gemordet, ich bin unschuldig verurteil t." Auf Veranlassung des Vor- sitzenden muß dann der Sitzungssaal geräumt werden und unter starker Bedeckung werden die Angeklagten in das llntersuchunqs- gesängnis zurückgeführt. Im Publikum wurden währrnd der Abführung laute Verwiurschungsrufe gegen Levicn laut. vorwärts-verlag G. m. b. t>V EW. 6$, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritzplah, Nr. 117 53—51. das Kapital und die Arbeiter. Bon Ed. Bernstein. Es gibt kaum ctivas Schädlicheres als Halbwahrheiten. Sie führen fast mit Notwendigkeit zu falschen Schluß- folgerungen und auf Grund ihrer zu verfehlten Maßnahmen. Leute glauben eine große marxistische Wahrheit aus- zusprechen, wenn sie das Kapital als den„Todfeind der Arbeiterklasse" hinstellen. Es ist aber Marx niemals ein- gefallen, einen solchen Satz niederzuschreiben. Er hat die gegen- sätzlichen Interessen von Kapitalisten und Arbeiter, die aus- beuterischen Tendenzen des Kapitals mit großer Schärfe ge- kennzeichnet, aber vergebens ivird man in seinen Schriften nach einem derartigen Ausspruch suchen. Und nicht etwa, daß Marx nur es nicht der Mühe für wert gehalten hätte, in dieser Weise den gekennzeichneten Gegensatz zusammenzu- fassen. Sondern weil eine solche Bemerkung im Widerspruch stünde mit den grundlegenden Gedanken seiner Lehren von der geschichtlichen Rolle des Kapitals. Auf fast allen Gebieten der Geisteswissenschaften niacht man die gleiche Erfahrung. Was im großen Publikum ihren bahnbrechenden Vertretern als deren epochemachende Leistung nachgesagt wird, sind gewöhnlich Feststellungen, die jene schon als Ergebnisse von Forschungen ihrer Vorgänger vorfanden, nicht aber die von ihnen gefundenen und die betreffenden Feststellungen oft wesentlich modifizierenden neuen Wahr- heften. In Bezug auf Marx und dessen Mehrwertlehre hat Friedrich Engels dies im Vorwort zu Band II des„Kapital" gekennzeichnet.„Die Existenz des Produkten-Wertteils, den wir jetzt Mehrwert nennen," schreibt er da,„war festgestellt lange vor Marx; ebenso war mit größerer oder geringerer Klarheit ausgesprochen, woraus er besteht, nämlich aus dem Produkt der Arbeit, fürst Ivelche der Aneigncr kein Anquivalcnt sentsprechendcn Gegenwert) bezahlt hat." Soweit seien die Vorgänger gekommen. Bis dann Marx auftrat, und zwar, schreibt Engels,„in direktem Gegensatz zu seinen Vorgängern". Wo nämlich diese schon die wissenschaftliche Lösung ge- fanden zu haben glaubten, erkannte Marx, daß hier ein erst noch zu lösendes wissenschaftliches Problem vorlag. Der Lösung dieses Problems und der Entivicklung ihrer Konsequenzen ividmetc er die Arbeit eines ganzen Lebens-, und von den Ergebnissen dieser Arbeit weiß das große Publikum so gut>vie gar nichts. Soweit es überhaupt von Karl Marx etwas gehört hat, glaubt es schon viel zu wissen, wenn es sagt:„Aha, der Mann, der den Mehrwert entdeckt hat." Genau, wie es beim Namen Kant sagt:„Aha, der Mann, der die Geschichte mit dem Ding an sich entdeckt hat." Welche Geschichte aber tatsächlich schon vor mehr als zlveitausend Jahren entdeckt ivorden ist. Beim großen Publikum mag es nun hingehen. Man kann so wenig von sedem verlangen, daß er den Marx studiert hat, wie man von jedem verlangen kann, daß er sich durch Kants Kritik der reinen Vernunft hindurchgearbeitet hat. Anders steht es mit denjenigen Leuten, die sich als Marxisten ausgeben, vor Arbeitern mit Marxschen Schlagivorten um sich werfen, abevvon dem. was Marx wirklich für die sozialeEr- kenntnis geleistet hat, ihnen auch nicht mehr sagen, als daß der Arbeiter vom Kapital ausgebeutet wird, und daran Nutz- anwendungen knüpfen, welche den Glauben erwecken, daß die Erledigung des Kapitals nur vom Willen und der Macht ab- hängen und in jedem Zeitpunkt von Borteil für die Arbeiter- klaffe iväre. Entiveder sind sie über das Wesen der Marx- scheu Lehre selbst im ilnklaren und maßen sich dann eine Rolle als Belehrer des Volkes an, die ihnen nicht zukommt oder aber sie kennen diese Lehre genauer, und dann erzählen sie dem Arbeiter wider besseres Wissen Verderb- l i ch e Unwahrheiten. Auch von ihnen gilt das Wort LissagarayS, daß sie handeln wie der Geograph, der dem See- fahrer falsche Karten auf den Weg gibt. Das Bedeutsame der Lehre von Marx ist, daß dieser nicht nur schärfer, als irgendeiner seiner Vorgänger, die Eni- stehung, die Art und die Wirkungen der Mchrwertaneignung durch das Kapital bloßgelegt, sondern daß er zugleich gezeigt hat, welche großen Aufgaben das Kapital für die gesellschaft- liche Entivicklung im allgemeinen und für die Entwicklung der Arbeiterklasse im besonderen erfüllt. Es ist keine Uebertreibung. zu sagen, daß Marx zwar die ausbeuterischen Tendenzen des Kapitals, wo sie sich nur zeigten schonungslos gebrandmarkt hat, daß er aber. gerade es ist, der dargelegt hat, wie sehr der Fortschritt der Arbeiterklasse, die Schaffung tzer Vor- bedingung ihrer Befreiung, doch wieder an die Entwicklung des Kapitals gebunden ist. Zwei Sätze aus seinem Werk„Das Kapital" mögen das beleuchten. Im ersten Band lesen>vft im Kapitel über den Arbeits- tag:„Das Kapital hat die Mehrarbeit nicht erfunden. Ueberall, wo ein Teil der Gesellschaft das Monopol der ProduktionS- niittcl besitzt, muß der Arbeiter, frei oder unfrei, der zu seiner Selbsterhaltung notwendigen Arbeitszeit überschüssige Ar- bcitszeit zusetzen, um die Lebensmittel sür den Eigner der Produktionsmittel zu gewinnen."(Bd. 1, Kap. 8, zweiter Abschnitt.) In der Tnt finden wir die Mehrarbeit, d. h. die Aus- beutung, auf allen Stufen der geschichtlichen Entlvicklung, den Zustand des sogenannten Urkonimunismus äusAenommen, der aber nirgends vor der wachsenden Dichtigkeit der Be- völkerung Stich hält. Nun tritt der Drang nach Auspressung von Mehrarbeit nicht überall gleich heftig und gehässig aus. Er ist verhältnismätztg mild, wo lediglich für den Gebrauch produziert wird, während er, Ivo für den Tausch produziert wird, die Tendenz hat, in Heißhunger auszuarten. Aber auch in dieser letzteren Hinsicht ist das Kapital, soviel Scheußlich- leiten es namentlich in den Zeiten verübt hat, wo ihm keine Arbeiterbewegung und keine Arbeitcrschutzgesetze hemmend cnt- gegenstanden, nicht schlimmer aufgetreten als zum Beispiel die Sklavenhalter im Altertum denjenigen Sklaven gegenüber, die für sie Tauschwerte produzierten. Feudalherren dem ihnen hörigen Landvolk gegenüber usw. Marx zeigt das in schlagen- den Beispielen. Aber er zeigt noch mehr. Während den Arbeitssklaven der antiken Welt kein Hoffnungsstrahl leuchtete, der Leibeigene der Feudalzeit keine Milderung des Loses seiner Klasse vor sich sah, lesen wir im dritten Band des„Kapital": „Mebrarbeit überhaupt, als Arbeit über das Maß der ge- gebeven Bedürfnisse sie war. muß immer bleiben... Es ist eiiie l eine, also nicht die einzige) der zivilisatorischen Wirkungen des Kapitals, daß es diese Mehrarbeit er» zwingt in einer Weise und unter Bedingungen, die der Eni- Wicklung der Produktionskräfte, der gesellschafllichen Verhältnisse und der Schävfung der Elemente für eine höhere Neubildung vorteilhaster sind, als unter den sru Heren formen der Sklaverei, Leibeigenschaft-usw.... Denn die Mehrarbeit kann, je nach der Entwicklung der Pro- duktivkraft der Arbeit, groß sein bei kleinem Gesamt- arbeiistag und relativ llein bei großem Gesamtarbeitstag. � (3. Band, 2. Teil, 48. Kapitel." In diesen Sätzen ist klar angezeigt, wie widersinnig es ist und aller wissenschaftlichen Erkenntnis unserer großen sozialistischen Vorkämpfer WS Gesicht schlägt, wenn man vom Kapital als einer Sache spricht, deren Entwicklung für die Arbeiterklasse bedeutungslos sei. und daß es daher für diese gleichgültig sein könne, wie ihr Verhalten in Forderungen und Aktion auf jenes zurückwirke. Tatsächlich gibt eS da immer eine Grenze, jenseits deren alles, was das Kapital trifft, mich die Arbeiterklasse nicht unberührt läßt. WaS der Entwicklung des Kapitals ernsthaft Abbruch tut, fällt auch auf die Ar- bcitcrklaffe schädigend zurück, hält auch ihren Fortschritt auf. Darüber soll man sich gar keinem Zweifel hingeben. Nun ist freilich diese Gefahr oft übertrieben worden. In den Abschnitten über die Fabrikgesetzgebung gibt Marx eine große Anzahl Beispiele dafür, daß Maßnahmen, die vor ihrer Einführung von Fabrikanten als tödlich für ihre Industrie be- zeichnet wurden, dieser nicht nur nicht geschadet, sondern sich bald als ihr sehr vorteilhaft erwiesen haben, indem sie Ver- besscrungen nötig machten, die ihrem Fortschritt außerordcnt- lich zugute kamen. Nichts kann unsereins ferner liegen, als sich zum Anwalt deS interessierten Vorurteils oder Schlendrians von Kapitalisten zu machen. Dem Geschrei gegenüber, daß diese oder jene Arbeiterforderung. diese oder jene Sozial- reform, diese oder jene Finanzmatznahme die Volkswirtschaft lebensunfähig machen werde, werden wir stets unsere kritische Ader behalten. Aber daß eine Gefahr übertrieben werden kann, bedeutet noch nicht, daß sie überhaupt nicht besteht. Es gibt da immer Grenzen, jenseits deren sie real zu werden beginnt, manch- mal sehr real wird. Als der Krieg die meisten von uns nötigte, ihre Ernährung einzuschränken, da fand gar mancher, daß er in Friedeuszeiten eigentlich zuviel gegessen habe und bei der verringerten Kost ganz gut oder sogar besser als vorher bestehe, und in einer Reihe von Fällen traf das anch zu. Nicht aber überall. Bei vielen zeigte sich aber nach einiger Zeit, daß ihr Organismus an Widerstandskraft erheblich ein- gebüßt hatte und die geringste Störung, die sie sonst leicht Konzert-Umsthau. Arthur N i lisch steht feit 25 Jahren an der Spitze der Phil- Hm uro iriler. Er hat den Nuhm ks Instituts, das Hans v. Bülow zu höchsten Ehren führte, noch erhöht, hat durch seine ohnegleichen dastehend«, überlegene und elegante, dabei vornehmst kultivierte Art des Divigierens in allen Ländern für deutsche Kunst gewirkt. Ein universeller künstlerisiber Geist, jede Geste, jede Fiiigerbewc- gung bedeutsam, im Naehzeichnen großer Linien und im Kolorieren kleiner Bildgruppen unerreicht, ein Temperament und eine Seele, — das alles verdichtet in der souveränen Ruhe oder Bciocglichkeit zweier Haudgclente: das Ideal eines Dirigenten. Er ist heute als .Künstler so jung wie vor ei stein Vierteljahrhundert, begeistert beute sein Publikum und— WaS mehr sagen will— seine Musiker genau so, wie der Jüngling von dazumal. Welche Wohltat für Ohr und Auge war wieder die schmelzend hingelegte Guryanthcn-Ouvertüre, wie gewissenhaft und einfühlsam die Begleitung des Schumannschcn �-moll-KonzertS, das Professor Fricdbeng mit geschmeidigen Fingern und poesievoll, aber ohne rhythmische und dynamische Festigkeit spielt«. Eine Novität von Hermann U n g e r,„JahreS» zeilen" betitelt, enttäuschte, llnger scheint ein musikalischer Im- pressionist zu fein. Die vier Sätze haben eigentümliche Farbflecken, aber weder Grundfarbe, noch Grundritz. Sie gehen einer vro» grammatischen Veräußerlichung d.s DhemaS klug aus dem Wege, bemühen sehr freie Harmonien, lassen die Instrumente in neu» artigen Klängen aufblühen, ermüden aber, weil ihnen jede tiefere Inspiration, jeder gedankliche Kern fehlt. Wie anders wirkt doch die in futuristischem Sinn rückständige und tatsächlich hart die Grenze des Programmatischen streifende Domestica von Strauß! Keine Sinfonie, aber ein mit lhenta- ti scher Erfindung vollgepferchtes, minreißendes und klingendes Dem Dirigenten Fiedler gelang es, dieses Werk in seiner natürlichen Lebendigkeit und in allen Abstufungen des Ge- mütS klarzulegen. Er ist kein großzügiger, vielmehr ein gemäßig. ter, im kleinen nachzeichnender, fast zu diskreter und gemütlicher Dirigent. Seinen Ruf als Brahms-Dirigent schien er mir jüngst kaum zu rechtferligen. Welch ungloich höhere musikalische Potenz ist doch Edwin Fischer, der unter Fiedlers Führung BrahmS erstes Kladicr-Konzert spielte. In Wirklichkeit führte der Pianist. und manchem Anstoß seiner llngebärdigkeit hätte der Dirigent getrost folgen dürfen. Fischer hat den Pandersprnng. aber er hat auch oie Sammetpsote, die ihn vielleicht zum bmifensten Verkünder BrahmSscher Klaviermusik macht. Sehr selbständig, sehr sicher und schwungvoll, bei aller crngriffsmäßigen Bravour aber musikalisch in Gliederung und Aufbau. Die Selbständigkeit geht der frischen Begabung Käthe H�inemanns noch ab. Gerade wenn ein so gewandter Mann wie Hagel am Pulte steht, darf sie rücksichtsloser daraus losgehen. Sie packt nock» nicht, sie streichelt noch zu sehr; da» Birtuosrnhafte. das ihre saubere Technik einmal erlauben «vird, muß über die Dürftigkeit eines Grieg-Konzeri» hinweg. Helsen; ihr weiche» Aufspüren dustiger Klänge gibt ihr die Rich- tung auf Chopin.. Vergleiche sind mißlich und verletzen. Dennoch: im geichmack- vernichtenden Kunstbctriede Berlin? drängen sie sich auf. Elena Gerhardt, für sieb betrachtet, ist eine Sängerin großen Stils. Ihr gleichmäßiges Wols-Programm läßt hoffen, daß sie ihr schönes Matmnal urst größerer Jubnmst wieder eiwnal an andere» Geüberstanden hatten, wurde ihnen jetzt verderblich. So kann es auch auf anderen Gebieten gehen. Die Widerstandsfähig- keit einer Volkswirtschaft hat ihre Grenzen, über die man nicht ungestraft sich hinwegsetzt. Und lasse man sich nicht durch das Schlagwort Soziali- sierung in trügerische Sicherheit wiegen. Die Sozialisierung ist kein Akanum, das einem geschwächten Körper sofort die Gesundheit widergibt, und sie ist auch nicht überall anwend- bar. Die zu Beginn der Revolution vom Rat der Volksbeauftragten eingesetzte Sozialisierungskom Mission, die in ihrer Mehrheit aus Sachverständigen der Voltswirtschaft bestand, welche entweder Mitglieder der Unabhängigen Sozial- demokratie sind oder ihr näher stehen als die Mehr- heitssozialisten, hat das in ihrem Bericht rückhalts- los anerkannt. Wo aber nicht sozialisiert werden kann, ist das Kapital noch unentbehrlich. Was soll man daher dazu sagen, wenn jetzt Redner und Blätter der Unabhängigen Sozialdemokratie— nicht in konkreten Fällen, wo sich natürlich darüber reden ließe— ins Blaue hinein darüber deklamieren, daß die Regierung der Republik überhaupt„das Kapital schützt?" Wären die Unabhängigen am Ruder, so müßten sie eS in dem Maße wie es heute geschieht, grundsätzlich auch tun. Und sie ivürdcn es zu tun suchen, denn die Sachkundigen unter ihren Führern wiffen sehr gut, daß das Kapital dpfern beim heutigen Stand der deutschen Volkswirtschaft und der Weltlage Deutschlands nichts anderes hieße als über die deutsche Arbeiterschaft in größtem Maße Not und Elend heraufbeschwören und ihre Entwicklung auf lange hinaus schwor beeinträchtigen._ M alle �rbeiterräte! In seiner Gesamtsitzung vom 13. Oktober d. I. hat der Zentralrat die Veröffentlichung der nachstehenden B e- kanntmachung beschlossen:. Durch die weitgehenden Meinungsverschiedenheiten, die in der deutschen Arbeiterschaft über den Rätegedanken be- stehen, ist es weder möglich-gew�s� eine straffe, organische Z u s a m m e n f a s s u n g der in der Revolution entstandenen Arbeiterräte, noch eine gewiffe E i n i g u ng über ihre künfti- gen Aufgaben zu erzielen. Die hieraus sich ergebenden Sckiwievigkeiten stehen auch der Durchführung ordnungsge- mäßer Wahlen auf Grund der vom Zentralrat erlassenen Wahlordnung entgegen. Es kommt hinzu, daß es unmöglich war, hinreichende Geldmittel für die Durchführung der Wahlen zu beschaffen. Für die nach der gesetzlichen Regelung der Rätefrage erforderlichen Wahlen müssen bedeutende Geld- mittel zur Verfügung gestellt werden. Da die gesetzliche Regelung mit der größten Beschleunigung erlodigt werden soll, so konnte sich der Zentvalrat den Gründen der Regierung, für die vom Zentralrat jetzt vorgesehenen Wahlen keine Gelder zu bewilligen, um so weniger verschließen, als damit gerechnet werden muß, daß die auf Grund der Rä tage setze vorgesehenen Wahlen bereits in der ersten Häufte des kommenden Jahres stattfinden werden. In dieser Situation wäre die Zu- stimmung der Nationalversammlung für die Bewilligung der für die Wahl nötigen Gelder Mieifellos nicht zu erreichen. Infolgedessen ersucht der Zentralrat, von der allgemeinen Neuwahl von Arbeiterräten bis zur reichsgesetzlichen Regelung der Arbeiterratsfrage Abstand zu nehmen. Der eine Teil der in der Verfassung vorgesehenen veichs- gesetzlichen Regelung, der Gesetzentwurf über die Betriebs- räte, liegt der Nationalversammlung bereits vor; der zweite Teil, ein Gesetzentwurf über die Wirtschaftsräte, soll bald- möglichst ebenfalls dem Parlament unterbreitet werden. Nach Verabschiedung dieser beiden Gesetzentwürfe durch die Ratio- nalversammlimg müssen dann die Wahlen nach den Vor- schriften der gesetzlichen Bestimmungen vorgenommen werden. Damit aber bis dahin keine Lücke entsteht, sollen die aus der Revolution hervorgegangenen, jetzt noch bestehenden A r. sängen ausleben läßt; auch solche guten Stimmungen können ver- steinern/ Sigrid Hossmann-Oulgin neben ihr: ein Riese neben einem Mittelmaß. Diese Frau ist unvergleichlich; sie hat die tragendste, umfassendste, vielleicht schönste Stimme unter den deutschen Sängerinnen der Gegenwart. Man muß eS erleben, wie sie den„einen Ton" des berühmten ComelmS-Liedeö abivan- belt, färbt, härtet, verklingen und auffteigen läßt, man muß hören, mit ivieviel Seele sie Mahlersche Gesänge erfüllt, wie Leid und Stolz, Nacht und Frühling in dem Pathos ihres Organs Ausdruck findet.— und man weiß: hier ist Höhenkunst, die alle Jahrzehnte einmal von einem Reproduzierenden in die Welt hineingelwren wird. Vom Feiertag zurück zum Alltag: Hans Solty fühlt sich prädisponiert zum Äszt-Spieler, erweist Begabung für das Ver- träumt-Ntystische, aber noch nicht für das Espriwolle des großen Klavier-Titanen. Daß er sich aber die Mühe gibt, überhaupt wieder nachdrücklich auf das Schaffen dieses vielgelasterten Meisters hinzuweisen, sei ihm dankbar angemerkt. Der wollgerüstete Cellist Hopf und der stinftihlige Pianist K a mienski vermitteln die Bekanntschaft mit einer Sonate von Emil Berte. Der«rjte Satz klingt unter so tüchtigen Fingern gut, begründet aber seine Red- seligkest nicht durch Gehalt; ein Adagio gibt dem Streicher nicht, was deS Cellos würdig wäre, ist knapp in Erfindung; ein letzter Variationensatz leiht, sich einen schön eil Anklang an Beethoven, lädt breit aus und konstruiert mit technischer Gewandtheit allerlei Abwandlungen, die(bei einiger Kürzung) dem talentvollen Satz ein gutes Relief sichern. Zuletzt ein Wort der Aufmunterung den vier Damen des So rb e y- Quartetts, die iin Klang gut übereinstimmen und Volkslieder mit Oieschmack zum Vortrag bringen. Im a capello-Gefang fehlt noch die letzte Reinheit und erreichbare Delikatesse der Rüancen.____ Dr. Kurt Singer. | Das Dienstjahr für LeibeSIibungen. Der bekannte Chirurge Professor August Bier macht in der Münchencr Medizinischen Wochenschrift einen bedeutsamen Vorschlag, den er mich in einer Eingabe an da? preußische Kultusministerium näher begründet hat: er verlangt nämlich ein Pflichtjahr der Leibesübungen für alle jungen Männer, nachdem die frühere Körperschulung durch den Militävdienst fortgefallen ist. Mag nun auch dioser Plan in manchem zu weit gehen, so sind doch die einzelnen Vorschläge für die Volksgesundheit von weittragender Bedeutung. Bier fordert. daß die Leibesübungen, wenigstens während des größten Teils de» Jahres, nackt vorgenommen werden sollen; nur ein kleiner Lenden- schürz und niedrige Sportschuhe dürfen getrogen werden. Luft, Wind, Senne und gelegentlich auch Regen Härten nämlich den Körper wie kein cm der« s Mittel ab. und befzuduZ die Sonne ist von segensreicher Wirkung für den Körper, wie die Heilung der sogen,.chirurgischen Tuberkulose" durch Sonnenbestrahlung beweist. Sodann mühte daZ Pflichtjahr dazu benutzt werden, den Uebungö- Pflichtigen die Pflege der Reinlichkeit in Fleisch und Blut über- gehen zu lassen. Dem Dienstjahr für Leibesübungen muß eine methodische Ausbildung der Tchulkinder in körperlichen Leistungen vorausgehen..Da» Interesse für Leibesübungen", sagt Bier, „muß geweckt werden durch regelmäßig wiederkehrende Weit- kämpfe. Di« Sieger sollen geehrt werden wie einst m Griechen- land Wer auf dein Gebiet der Leibesübungen Hervorragende» leistet, verdient Ehre und Ruhni. Denn selbst bei der unuwgäng- lich nötigen Körperverantogung bedarf eS zur Erzieluna der Höchstleistung immer erae» großen Maßes von Fleiß und Energie, oljo beiterräte aufrechterhalten werden. Der Zentral- rat hat darüber mit der Reichsregierung verhandelt, und diese hat in einem an die Regierungen der deutschen Län- der gerichteten Rundschreiben diesen empfohlen, auf Verständigung und freundschastlicheZ Zu- sammenarbeiten mit den noch bestehenden Arbeiter- räten bedacht zu sein. Der Zentralrat schließt sich dieser Aus- fassung an. Er ersucht alle noch bestehenden Arbeiterräte auf ihrem Posten zu verharren, bis die Arbeiterratsfrage ihre reichsgesetzliche Regelung gefunden hat, und er envartet. daß die Behörden im Interesse der ruhigen Weitorentivicklung den Arbeiterräten in diesem Uebergangsstadium keinerlei Schwierigkeiten machen werden. Wenn der Zentralrat in dieser Weise den durch die Ver- fassung gesäjafsenen Zustand respektiert, so wird er natürlich nicht aushören, mit den durch die demokratischen Einrich- timgen geschaffenen Mitteln dafür zu wirken, daß der in der Versassimg vorgesehene R e i ch s w i r t s ch a f t s r a t sich zu der vom zweiten Rätekongreß gewollten Kammer der A r b e it erweitert. Hierbei wird ihm der natürlufre Gang der wirtschaftlichen und poliiischen Entwicklung zur Seile stehen. gez. Cohen. » Die Geschäftsräume des Aentralrats der deui'�" Arbeiterräte befinden sich nicht mehr im Herrenhaus, sondern von heute ab In den Zelten 23, Berlin NW. 40. Tele- Phon: Hansa, 1424/25._ Korruption bei der Eisenbahn. Es darf nicht verkannt werden, daß die Korruption weile Kreise deS deutschen Volkes erfaßt hat. Das ist nicht, wie oft von reaktionärer Seite behauptet wird, eine Folge der Revolution, sondern diese Erscheinung hat in dem moralischen und physischen Niedergang des deutschen Volkes durch die Zermürbung des vier- jährigen Krieges ihre Ursache. Zu dem Kapilel Korruption wird uns folgender Fall mitgeteilt: > In einem Eisenbahnabteil I. Klasse der Strecke Leipzig- Berlin befanden sich am legten Sonnlog abend eine Anzahl Personen, die, als der Zugführer konirollierle, nicht die vor- geschriebene Fahrkarle hatten. Einem Teil der Personen nabm der Zugführer die Karten ab, so daß diese glaubten, sie müßten da« fehlende Fahrgeld zur Fahrt I. Klasse nachzahlen. Nach einiger Zeit jedoch nahm der Beamte die Herren bei Seite und stellte ihnen anheim, ihm je 10 M. zu geben, dann sei die Sache erledigt. In anderen Abteilen hatte der gewissenhafte Be- amte mehr Glück gehabt. Zufällig befand sich im gleichen Abteil ein höherer Beamter der preußischen Eisenbahnverwaltung, dem die Herren ihr Erlebnis erzählten, und dieser stellte den Namen deS Zugführers fest. Die Sache wird wahrscheinlich für den Zugführer, der unsag- bar gewissenlos gehandelt hat, ein böses Nachspiel haben. ES wird aber auch wirklich Zeit, daß dieser Korruption energisch entgegen- getreten wird. Es ist Sache der Beamten selbst, den alten Ruf der Gewissenhaftigkeit, der sie Jahrzehnte hindurch auszeichnete, sich zu wahren und damit reaktionären Beschimpfungen durch die Tat energisch die Spitze zu bieten. » Zu dem Kapitel Korruption dürste ferner folgender Vorfall von Interesse sein. Der Abg. Janssen veröffentlicht aufsehenerregende Berichte über riesige Schiebungen im Eisenbahndit�ktionSbezirk Elberfeld. Die Werte, die bei diesen Schiebungen in Betracht kommen, wurden alleiiz für den Bahnhof Düsseldorf-ReiSholz auf monatlich 60 Millionen Mark geschätzt. Die Schmiergelder, die an höhere Beamte ge- zahlt wurden, würden aus monatlich 6 Millionen Marl berechnet. Sogar den Mitgliedern des von der Eisenbahndirektkon Elberield eingesetzten Untersuchungsausschusses wurden Schmiergelder in Höhe von 2 Millionen Mark angeboten. Unter den Schiebern gibt es be- stimmte Sätze für die BeslechungSgelder. Ein Lokomotivführer er- hielt 4— d»00 M., ein Eisenbahnassistent 20 000 M. für einen ver- schobenen Eisenbahnwagen. Aehnliche Zustände hätten sich auf fast allen Bahnhöfen im Grenzbezirk herausgestellt. hoher sittlicher Eigenschaften. Heutzutage liegen die Verhältnisse so. daß man in weiten Kreisen unsere hervorragendsten Renn- Pferde besser kennt als unsere erfolgreichsten Läuser, Springer, Werfer, Schwimmer, Ruderer, Ballspieler. Der Berufsathlet soll, aus naheliegenden Gründen, wie im alten Griechenland, vom Mit- bewerb am Sie�e ausgeschlossen sein." Zur Durchsührung dieses Plans ist die©choffung eines hochstehenden LehrerstandeS notwendig, und die» kann nur geschehen durch die Errichtung einer Hochschule für Leibesübungen. In andern Ländern, besonders in Schweden, England und Amerika, haben die Leibesübungen vor allem an den Universitäten ihre Pslegestätte. Von den Universitäten ans soll auch bei un» Lust und Liebe zu Leibesübungen sich in» ganze Volk verbreiten. In Gießen sind die Eröffnung eines Instituts für Körperkultur, Vorlesungen über Leibesübungen und praktische Veranstaltungen in Aussicht genommen: in Frankfurt a. M. und München wird ähnliches vor- beoeitet; in Leipzig, Königsberg und Aachen werden Turnen und Sport bereits praktisch und wissenschaftlich eifrig betrieben, und auch in Bertin weiden Vorlesungen auf diesem Gebiet gehalten. Um aber das bisher noch sehr geringe Interesse der Studenten zn beben, müßten die Leibesübungen als besonderes Fach und als klinische» Fach den Lehrplan der Universitäten ausgenommen werden. Zum hundertste» Male:„Das Gesetz". Paul Baders soziales Drama erlebte am Montag die bunderlste Berliner Ausführung. Ueber 100 000 Berliner Arbeiler, darunter viele, die bisher das Sozialistengesetz nur dem Namen nach kannten, haben die Segnung des Stücke« erfahren: find gerührt und ergriffen worden von den großen Gedanken und Gefühlen der Treue und Hingabe an die gemeinsame Sache, haben die schlichten Menschen der Bewegung in ihrem Kampie bis zu Ende ausharren sehen und die Kraft, die die Ueberzeugung verleiht, in sich aufgenommen. Der gute Geist, den das Schandgesetz hat züchten helfen, bewährt sich noch beule fort- zeugend in dieser Abrechnung, die aus dem Empfinden der Masse selbst geboren ist und nun so stark zur Masse spricht. E? lebe die Tendenz, die, im'Fleisch und Blut verkörpert, das albern und leer gewordene Volksstück mit neuem Leben erfüllt! Die Siiffübrung wird getragen von der sympathischen, gefestigten Männlichkeit de? älteren Arbeiter« än? echtem Schrot und Korn, wie ihn Walter Grävenitz gestaltet, dem kraftvollen Draufgängeruim de« Franz Baumann, den Artur Schweriensti aus einem Guß bin- stellt. Aber auch die anderen sind alle wacker am Werk und schaffen gute Typen. Die Darstellung hat unter der hundertsten Wiedet- holung keineswegs gelitten und zündet wie die erste— trotz Kälte. — r. Die Studeittrnvertretung der Berliner Universität legt schärfsten Protest ein gegen die Erhöhung der Auditorien«, Praktikanten- und JnstitutSgebühren um 100 Proz. Der neu« Wegeuer-Fili». Da» Manuskript deS Films„Der Äa- leerensirlfling", dessen Premiere am Freitag, den 17. d. MIS., im. Usa- Tbeater, Kursürsiendamm, stattfindet, stammt von Paul Weaener selbst, der Woliv« von Ballae dazu verwandle. Der Film erscheint in zwei Teilen, die seder tn sich abgeschlossene Handlungen darstellen. Wegen« hat bislang durch seine vbantastlschen Märchenfilm« da« iirelgendsi- Gebiet de« Film« fruchtbar ausgeslallel. Der Erforscher der Kelteusprache Kuno Meyer, der an der Berlin« Onioerjuät lehrte, ist.«1 Jahre alt. gestorben. ttc. 527•> 36. Jahrgang Seilage öes vorwärts Mittwoch,?S, Gkiober 101» Deutsche Nationalversammlung. ZS. S i tz>i ii g, Dienstag, 14. Oktober, 1 Uhr. ■Jim Regierungstisch: Schmidt, Dr. Bell, Auf eine Anfrage des' Abg. Vesper(Soz.) zu einer Erklärung des Rcichsschatzamtes, wonach in Osnabrück der Arbeiter- und Soldat-nrar uiiberechtigterweisc Gelder erhob. n haben soll, erklär: ein Regierungsvertretcr. oatz es sich tat sächlich darum handle. da der Arbeiter- und Soldatenrat die Rcichsbankstelle veranlaßt I)abe. zwei ungedcctte Schecks zu honorieren. Auf eine Anfrage des Abg. Landsberg(Soz.), wann die Ein- bringung der angekündigten Vorlage zu erwarten sei, wonach von Mililärpersonen begangene Straftaten vor den bürgerlichen Richter kommen sollen, wird mitgeteilt, daß ein entsprechender Entwurf der lllegierung vorliege und nächstens vcr Nationalvcrsainnilung zugehen werde.— Auf eine Anfrage des Abg. Wurm sU. Soz.) nach dem Schicksal des von der Sazialisierungskommissicn beschlosie- neu Entwurfs eines Rahmengesetze über die Kommunalisierung von Wirtick-aftsbetrieben wird mitgeteilt, daß der ausgearbeiteic Entwurf sich nicht als geeignet erwiesen habe, der Rationalver- sammlung vorgclegt-zu werden(Hört. hort!>bei den llnabh. Soz.): der neue Entwurf habe bei der Schwierigkeit der Materie noch nicht fertiggestellt werden können. Darauf wird die Aussprache über die sozialdemokratische Interpellation betr. den Leöerwucher sowie die Anträge auf Abbau der Zwangswirtschaft fortgesetzt. Abg. Tavidsohn(Soz.): Die Rechte hat es in Weimar durchgesetzt, daß thren unauf- börlichcn Anstürmen nachgegeben und die Zwangswirtschaft für Leder aufgehoben worden ist. Es ist von berufener Seite' vorher gesagt worden: Tie Zmangswirtschafr fällt nicht wegen, der Unzu- fricdenhctt der Bevölkerung, sondern weil Kapitalisten sie unier- wühlen. Tie Großindustriellen haben sich gefreut, aber die mitt- leren und kleineren Betriebe haben jetzt schwer zu leiden. Den Schuhmachern fehlt es an Reparaturleder. Auf der anderen Seite herrscht dagegen unglaublicher LuxuS. Der Vorstand des Städte- tages hat vor dem Abbau der Zwangswirtschaft im gegenwärtigen Augenblick gewarnt. Eine ganze Anzahl von Organisationen hat die Wiesereinsührnng der Zwangswirtschaft gefordert. Der Abg. Herrmann lm gestern erklärt, derartige Debatten gehörten nicht' hierher, sondern in den Reichswirtschaftsrat. Ich bin damit ein- verstanden, daß- solche Dinge dort vorbereitet werden, aber das Parlament kann sich bei so überaus wichtigen Fragen nickt aus- schalten lassen. Hinterher den Strick für die Gauner fordern, nach- dem man ihnen all« Türen geöffnet hat, ist ein billiges Vergnügen. So einfach wie die Rechte sich den Abbau der Zwangswirtschaft denkt, ist er schon deswegen nickt, weil das Spekulantcntum sich nicht um die Interessen des Volkes, sondern nur um den eigenen Nutzen kümmert. Man müßte zu einem Berbrauchersozialismus» gelangen, denn die Verbraucher sind zuletzt immer die Leid- tragenden. Daß der Reichswirtschaftsminister nicht wieder zur Zwangswirtschaft zurück will, kann ich ihm nachfühlen. Ich bin im Gegensatz zur Rechten der Anficht» daß oie Aufhebung zu früh er- folgt ist. Solange wir eine Zwangslage haben, brauchen wir auck eine Zwangswirtschaft. Fehler sind dazu da, daß man aus ihnen lernt.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Diez(Zentr.): Eine Freigabe der vom Staat bewirk- schafteten Güter ist notwendig im Interesse der auf die Vorhände- nen Vorräte angewiesenen Bevölkerung. Dabei sind aber strengste Maßnahmen gegen Wucherer vorzusehen. Reichswirtschastsmi'nister Schmidt: Wer heute noch nicht überzeugt ist, daß es notwendig war, während der Kriegszeit und auch setzt noch bei dem ungünstigen Stande unserer Valuta die' Zwangswirtschaft aufrechtzuerhalten, dem ist nicht zu helfen Bei Aufhebung der Zwangswirtschaft würde das Bror 6 M., das Pfund Fleisch ll) bis IL M., das Liter Milck 3 M. kosten. Wir würden dann in allen Wirtschaftszweigen dieselben üblen Erscheinungen erhalten, wie sie gegenwärtig aus dem Gebiete der Ledcrwirtschaft herrschen. Ich hoffe, daß die Land- Wirte sich ihrer Pflicht als Deutsche und Landwirte bewußt bleiben und alles, Iva? sie nur hergeben können, abliefern, um unser Volk zu ernähren. I» der Lederindustrie ist zurzeit das wichtigste die Hebung unserer Produktion— selbst auf Kosten der Verbraucher. Augenblicklich besteht gar keine Möglichkeit zu einer Aenderung. Wir müssen Leder ausführen, um Felle hereinzubekommen. Auch der Textilindustrie mutz Arbeit durch Rohstoffeinfuhr besorgt wer- den. Nicht gedankenlos Zwangswirtschaft, nicht gedankenlos Freihandel, sondern von Fall zu Fall entsche den. was notwendig und nützlich ist, das ist mein Programm.(Beifall.) Abg. Dr. Böhme(Dem.): Von einem Ablieferungsstreik der Landwirte ist keine Rede. Wenigstens hätten wir für das setzige Jahr des Uebergangs die Befreiung der kleinen Betriebe von der Zwailstswirtschaft gewünscht. Fünf Sechstel des deutschen Volks begreifen nicht, daß die Strcikhetzer nicht ganz anders angefaßl werden. Der lliedner tritt für Kultivierung der Moore ein. Abg. Dr. Scmiiilcr iDmrt. Vp.): Die deutsche Landwirtschaft muß wieder bochkomlnen Tie deutsche Landwirtschaft will schon. aber Sie(nach links) wollen nicht arbeiten. Die lliegierung muß für Einfuhr von Kunstdünger sorgen. Abg. Wurm(II. Soz.): Die Produktion wird sich erst heben. wenn sie von der Gesamtheit übernommen und wenn der Produk- tionszwang eingeführt wird. Ohne eine Steigerung der Pro- duktion müssen wir verhungern. Der ausgehungerte städtische Arbeiter kann nicht mehr so schaffen wie bisher. Zu planmäßiger Bewirtschaftung in Deutschland ist der einzige Weg die Soziali- siernng. Wo der Grundbesitz die Macht hat. den Interessen der Verbraucher entgegenzutreten, mackt er davon rücksichtslos Ge- ' brauch. West» das Geld im Kasten klingt, dann liefert er wohl. � aber ein Appell an die Mcnsckenliebck nützt bei ihm nichts. Nur die i Sozialisierung der Landwirtschaft kann Deutschland retten. Abg. Dusche(T. Vp.): Eine Zwangswirtschaft und Soziali- ficrung der Landwirtschaft würde ziiiii Ruin Teutschlands führen. Nach weiieren Ausführungen der Abgg. Gebhard(Bavr. Bbd.l und Schneider(Zcntr.) wird der Antrag Arnstadt lDnat. Vp.) nach Zurückziehung des demokratischen Antrags in der Form ange- nommen, daß die Zwangswirtschaft für Brotgetreide, Milch, Fett und Fleisch erst dann ausgehoben werden soll, wenn die Versorgung des Volks damit gesichert ist. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr(deutsch-polnischer Vertrag, Etat für de» Reichspräsidenten, Postverwaltung). Schluß 7 Uhr._ Groß�erün Leo �lrons' öeftattung. Unser Genosse Arons, den der Tod unS emnssen hat, wurde gestern bestattet. Im Berliner Krematorium wurde fein Leib dem verzehrenden Feuer übergeben. Vor dem blnmengesckmücklen Sarg vcrsaminelle sich inil den nächsten Ängehörigeii des Toten die Schar seiner Frennde aus der sozialdeniokralisckcn Parlei, de» GeWerk- schaften und gemeinnützige» Vereinen, Mitglieder der beiden sozial- deinokraiischen Siadtverordnetenfraklionen und des Magistrats von Berlin, Berireier von Staatsbehörden und Männer der Wissenschaft. Die Bestattungsfeier,»nit der wir Abschied von Leo AronS nahmen, ließ noch einmal sein Lebenswerk an unserem Auge vorüberziehen. Minister Genosse Heine zeichnete in der Gedächtnisrede das lichte Bild des Verstorbenen, dessen Geist stets gerichtet war auf den Willen zur klaren Erkenntnis der Tatsachen, um sie zu meistern. Di« Menge Sachlichkeit, die Arons von seiner wissenschaftlichen Forschung mitbrachte, zeigte sick auck in seiner Arbeit ani dem Gebiet der Politik. Dieser schlichte, persönlich anspruchslose Mensch war geleitet von unerschütterlichem Pflichtgefühl, erfüllt von hohem Idealismus, durchglüht von heißer Liebe zur Menschheit, an deren Zukunft er glaubte. Wir erweisen ihm, schloß Heine, hier nicht die letzte Ehre. Nein, immer wollen wir ehrend leiner ge- denken. Immer soll er mit seinen großen Gedanken, yiit seiner reinen Seele uns ein Führer sein. Für die Redaklion der„Sozialistischen Monatshefte", denen Arons ein Förderer gewesen ist. sagte Genossin Zepler ihm ein Lebewohl. Als Vertreter der Gewerkichaften widmete Stadtial Genosse S a> s e n b a ch dein Verstorbenen, ihrem treuen Freunde, Worte des Dankes. Im Namen des Bezirksverbandes Groß-Berlin der sozialdemokratischen Partei überbrachte Genosse Ono F r a n k einen letzten Gruß dem selbstlosen Berater und Helfer der Berliner Arbeitcrichaft. dem stets opferbereiten Parteigenossen Leo Arons, in dessen Geist wir sür seine Ideale weiterkämpfen werden. Neues vom Kino. In den„Richard-Oswald-Lickitipielen" in der Kamstraße stellt sich vor geladenem Publikiim lwaimn werden immer doppelt soviel Leute eingeladen als Plätze da sind?) Daguy ServacS vom Lcssinglbeaier als neuester Filmstern vor. Dieser erste„Daguy-Servacs-Exklnsivfilm", betiteli„Der Karneval der Toten", ist recht sauber inszeniert und phoiographiert. Dagny ServacS gibt mit Talent und geschmackvoller Znrückhaltuiig die ickwierige Rolle einer Frau, deren Weg durch ein verworrenes Schicksal vom Glück ins Irrenhaus führt. Alles übrige ist braver Durchschnitt. Man merli dem Textbuch die literarische Vaterschaft nicht an. Ferner sind zwei neue Kinotheater zu vermelden, deren Ent- siehe» vermnllick einein dringenden Bedürinis abhilft. Das frühere Natiouallheaier in der Eöpenicker Straße ist gleichfalls zum„Richard- Oswalh-Lichupieltheater" eingerichtet worden und erzjffiiele mit dem hier schon besprochenen phaniastischen Film„Die Arche". Das be- kauuie ehemalige Reflauranl in der Kvniggrätzcr Straße„Hofjäger" ist, geschmackvoll umgebaul, zur„Schauburg" geworden und führt ciiicn neuen Eichberg-Film„Der Jeltalore" vor. iL P. Eine Räubexbandc suchte vor ackt Tagen eine Schankwirtin in der Pappelalles 56 schwer heim Bei ihr kehrte nachmittags um 3 Uhr ein Axbeiiter Franz Mecklenburg ein und machte eine Zech, ohne bezahlen zu können. Trotzdem kam er um 6 Uhr abends mit einem Kraftwagen vargcsahren und'brachte noch' vier Mann mit. Mit diesen zechle er von neuem uno fing dann mit den anderen Gästen Streit und Schlägerei an.' Die Gegner waren jedoch ihm und seinen Zechgenossen überlegen. Das vcranlaßte Nkecklenburg, mit seinen Freunden wegzufahren, um Hilfe zu toten. Um 16 Uhr abends friihren drei Kraftdroschken und eine Pferdedroschke vvr. Ihnen entstieg sitzt siegesbewußt Mecklenburg mit einer Kolonne von über 20 Mann, die zum Teil M at r o s e n- -uniform trugen. Die Wirtin wollte schnell schließen und den Rollvorhang herunterlassen. Mecklenburg und seine Kolonne schlugen jedoch die Tür scheide ein und drangen.mir geladenen Pistolen in der Hand in den Schankraum vor, Hier raubte die Bande die Kassette mit 76 bis 86'M., für 466 M. Zigaretten und mehrere Flaschen Schnaps. Dann schlugen sie die iw rige n Flaschen und die Gläser in Scherben, drangen in die Küche ein, zertrümmerten hier Tische und Stühle und alles Geschirr und fuhren mit ihrer Beule davon. Die Kriminalpolizei ermittelte die Bande in einer Wirtschaft am Alexanderplatz und nahm sie'fest mit noch acht imteren Verbrechern, die ebenfalls schon gesucht wurden. In dem Lokal fanden die Beamten nachträglich allsrlei Einbrecherwexkzeuge, die die Verbrecher bei ihrem Eindringen eiligst beiseite geworfen hatten.. Die. Verhafteten wurden alle, nach Moabit gebracht.>. Eine gefährliche Ecke. Tägliche Zusammenstöße zwischen Stvaßenbahn Und Fuhrwerken, die bei-der nächsten Einwohner- schaft fcho»'kü>r kein Aufsehen mehr erregen, ereignen sich an dem .Kreuzungspuntt Brunnen st ratze Ecke V o l t ast r a h e. Tort befindet sich bekanntlich das gewaltige A.E.G.-Weri. Taufende dort beschäftigter Personen passieren täglich diese Ecke; Elektrische sausen vorbei und da eine Haltestelle dort nicht besteht und zu allem Ueberfluß die Arbeiten für die Schnellbahn Gesundbrunnen einen Ueberblick über den K'reuznngsdamiii versperren, so. sind Unfälle an der Tagesordnung. Petitionen waren bisher erfolglos. Wäre es nicht endlich an der Zeit, iin öffentlichen Interesse.hier eine N o t h a l t c st e l l e zu errichten. Wieviel Straßenbahnwageu sollen erst noch zerbeult werden,.wieviel Unglück soll erst noch ge- schehen? Die.Öffentlichkeit muß nachdrücklich verlangen, daß. sofort Abhilfe geschaffen wird. Die Berliner Sparkasse während des Streiks der BureauhilsS- kräftr. Der Kassenbetrieb der Sparkasse wird in beschränktem Um- fang atfvechterhalten werden. Geöffnet sind die Hauptkasse A am MiihlendaliiiN und sänitlicksi Nebenstellen bei den Kaufleuicn. E? wird gebeten, nur die d-urcktms notwendigen Spargeschäfte während des Streiks zur Abwicklung zu bringen. Auf offener Straße verhaftet wurde vorgestern, ein Spezialist auf dem Gebiete des Betruges, der seit längerer Zeit gcfu-cht wurde. Ein 21 Jahre alter Uhrmacher Friedrich B ä r w a I d e.ging von Haus zu' Haus und bot-sich zu m A u s b e f s c r n der Uhren an. Weil er ein lahmcs Bein hat, so glaubt» man ihm, daß er Kriegsbeschädigter sei, und gab ihm verrraucnsfelig die Uhren mit.' Seine Wohn-uilgsangabe erwies sich jedoch hinterher als falsch. Bärwalde erbeutete Hunderte von Uhren, bis er vorgestern abend einem Betrogenen ftv der Karlftraße in die Hände lief. Der Mann erkaniite ihn wieder und ließ ihn auf der Stelle festiiÄhm�i. „Hübsches, junges Mädchen gesucht." Unter dieser Ueberschrift wurde von einem Neuköllner Photographen vor acht Tagen durch eine Anzeige ein junges, hübsches MKdchen von etwa 18 bis 22 Jahren Hefucht. Es meldete sich darauf u. a. auch-die 17- Jcihre alte Arbeiler-i» Anna Hesse aus der Leinestraße 56 zu Neukölln. Ter Pbotograph verwies sie an ejncn Maler N e u h a u s in der Uhlandftraße 19 zu Charlotte nburg.. Dorthin hat sich dann auch das junge Mädchen gewandt, ohne bisher zurückzukehren oder etwas von sich hören zu lassen. Nachforschungeii ergäben, daß ein Btal'er solchen Namens dort gar nicht toohnt.- Der Photograph weigert sich, nähere Auskunft zu orl teilen. 02] Erleuchtung. Roman von Henri Bärbus s e. Verdeutscht von Max Hochdorf. Wir stehen an einem großen Vorabend der Welt. Er- fahren müssen wir, ob wir morgen aufwachen werden. Wir babcn nur eine Zuflucht: Wir wissen, ja, wir wissen nur, aus welchem Stoffe die Nacht geschaffen ist, aber werden wir ini Stande sein, den Menschen unseren leuchtenden Glauben mit- zuteilen? Da doch die Verkündcr überall in die Minderheit bineingedrückt werden! Da doch die Herrschenden, aus denen alle Weihe liegt, das einzige Ideal, das gar kein Ideal ist, mit ihrem Hasse und ihren entwürdigenden Schmähungen verfolgen. Fch fürchte mich nicht mehr wie viele Feiglinge unv wie ich selber auch einst, daß'ich verfenit und zerfleischt werden töjinte. Soweit es mich angeht, sind Achtung und Tankbar- keit mir gleichgültig. Aber ich möchte, daß. die Menschen mich nicht verfluchen, wenn ich vor sie trete. Warum? Wahrlich, u'cht um meinetwillen! Nur darum, weil ich sicher lveitz, daß ich recht habe. Ich bin sicher, daß ich ani Born der Wahrbeit die Grundsätze alles dessen gesunden habe, was ewig herrschen muß. Ich verkünde das Reich her Weltenrepublik, das unbe- dingt kommen muß. Die vorübergehenden Rückschläge, die Finsternis und das Entsetzen, sie werden nicht mehr hindern. daß sich die Wahrheit des Jnternationalisnins verbreite, auch nicht niehr die tragische Schwierigkeit, die Welt an allen Endeir zum Aufruhr zu entzünden. Mögen auch die mächtigen Mächte der Finsternis hartnäckig an ihreni Platze bleiben,' mögen auch die Herolde, deren Stimme so hell rst, nur Rufer in det Wüste bleiben, Ihr Völker, die Ihr die unermüdlich hin- geschleuderten Opfer der bisherigen Menschgeschichte seid, ich rufe dach auf Euren Gerechtigkeitssinn, ich rufe doch, aus Euren Zorn. Ich sehe die Flur, die kommen muß und weg- spülen über die Richtstätte, die sich nach bloßxm Gezanke mit Blutstrom durchtränkt. Ich sehe die Flut, die wegspülen muß über die Räuber und Plünderer, über di«� Trümmer und Riffe, über die Paläste und Denkmäler, die ans Sand nur gebaut sind. Tic Wahrheit ist nur ausständig, weil der Irrtum voni Wirrwarr durchwühlt ist. Die Revolution, das ist die Rettung aus dem Wirrwarr! 23. Kapitel: Aug' in Auge. Ich erblicke voni Fenster— ich flüchte mich oft zu den Fenstern— die Straße. Tann gehe ich in das Zimmer Märiens, von dem ans man das Land überblickt. So eng ist dieses Zimmer, daß ich das winzige Betr streifen muß, das so wohlgeglättet dasteht. Ein Bett ist eine Sache, die niemals so kalt und so seelenlos wie eine andere Sache scheint. Und es lebt, selbst wenn der Besitzer noch abwesend ist. Marie arbeitet unten im Hause. Ich höre das Rücken der Möbel. Ich höre da? Fegen des Besens und das Auf- klopfen der Schaufel, da sie den Staubkübel entleert. Die menschliche Gesellschaft ist schlecht geordnet, denn sie zwingt fast alle Frauen, Dienstboten zu sein. Maria, die mir doch ebenbürtig ist, mutz ihr Leben mit RcinignngSarbeiten hin- bringen. Sie muß sicki bücken in den Staub und in den fchivelenden Rauch. Sie-nrnß all den große», künstlichen Finsteruisseu im Hause nachgehen. Einstmals habe ich das natürlich gefunden, jetzt glaube ich. daß es widernatürlich ist. Ich höre kein Geräusch mehr. Maria hat ihre Arbeit vollendet. Sie kommt hinaus und gesellt sich zu mir. Seitdem wir so klar gesehen haben, daß wir uns nicht mehr lieben, suchen und verciingen wir uns, so oft wir nur können. Wir setzen uns zueinander und betrachten das Ende des Tages. Wo die Talbuchtung anhebt, sieht man die letzten Häuser der Stadt. Es sind niedrige Häuser, die im Hage eingebaut sind, es sind Höfe und Gärleii. in denen Hüttlein stehen'Der Herbst macht die Gärten ganz durchsichtig, und sie verschwinden zwischen den Bäumen und Hecken. Doch hie und da flammt noch prächtig blühendes Laubwerk auf. Unser Blick wird nicht von der Gesamtheit des umspannenden Bildes angezogen. Wir ziehen eS' Vor. ein jedes der Hänslein be- sonders auszulesen und es mit Andacht zu betrachten. Diese Häuser, die am Ausgange der Stadt liege», sind weder geräumig noch reich. Aber man sieht, wie dieses Häus- lein vom Herdrauche gekrönt wird, und man denkt an das tote Holz, das am Herde flackert, und inaii denkt an den ruhenden Arbeiter, dessen fleißige Hände von der Rast belohiit lvcrdcn. Und jenes Haus chort, so unbeweglich stehen die Mauern, aber ein lautes Kinderleben lebt darin. Die Kinder lachen und spielen, und der Wind scheint wieder zu, spielen mit dein Lachen und Kindergcspiele. Die Kinderschritte trippeln über den sandbestreuten Estrich. Unsere Augen folgen dem Briefträger. Seine Arbeit ist auch beendet, und er kehrt heim. Heidenmäßig hat er seinen langen Weg über- wunden. Während des ganzen Tages hat er den Wartenden Briefe überbracht, jetzt bringt er sich den Scinigen heim, die auch nach ihm ausspähen. Die Familie weiß, was der Later bedeutet. Er stößt das. Kitter aus, er.'tritt in den Garten- weg, endlich sind seine Hände leer. Längs der alten, grauen Mauer zieht der alte Eudo seines Weges. Er ist der unheilbare Witwer. Er ist das ewige Orakel des Unglücks, und langsam schleicht er dahin. Er nimmt mehr Platz ein als er in Wirklichkeit sollte. Eine Frauengeftalt kreuzt seinen Weg. und obwohl sie es sehr eilig hat. sieht man doch das Blühen ihrer Schönheit, das sich im Dämmerlichte offenbart. Es ist Mina, die zu einem Stelldichein forteilt. Sie faltet und preßt ihr kleines Tüchlein über der Brpsttsschlein. Man spürt, piie-sich' deL' Raum unter ihren Schriften'zärtlich vermindert, während sie ein wenig vornübergebeugt, lächelnd und mit reifen Lippen einhergeht, sieht man dje Kraft ihres Herzens. Der Nebel senkt sich langsam und langsam. Man kann'nur noch die hellen Tinge deutlich crkenuep. Mau sieht' nur noch die'.neuen Teile der Häuser und des Mauerwerkes und die Hauptstraße, die mit der anderen Straße durch, kleine Psädlein verbunden ist. Man sieht nur noch die großen, weißen Wegsteine, die sanft wie Länimer in der Landschaft stehen. Man sieht nur noch die Tränke, die sich unerwartet klar Von dem dunklen Erd- boden abzeichnet. Dann sieht man nur»och die Dinge, die ganz hell sind: Die Flecken der Hände und der Gesichter, di» im Abendlichtc länger sichtbar bleiben, als man vermuten könnte. Und dann ist alles das vorübergehuscht und erloschen. Wir wenden uns ivieder dem Innern des Zimmers zu, wir setzen uns nieder. Andacht bemächtigt sich unserer. Ich sitze auf dem Bettraude. Maria sitzt vor dem offenen Fenster, und der schillernde Himmel sieht über uns. Maria hat die gleichen Gedanken wie ich. Sie wendet mir ihr Haupt zu und fragt: „Und wir'/" Worts, folgt.) Neukölln. Die Errichtung städtischer Apotheke« bezweckt ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion der Neuköllner Ztadtver- ordnetenversammlung. Der Magistrat wird darin ersucht, unver- züglich Schritte zu tun, die geeignet sind, dir Errichtung� städtischer Apotheken in Neukölln zu ermöglichen. Das Polizeipräsidium in Berlin als Genehmigungsbehörde für neue Apotheken soll durch den Magistrat ersucht werden, bis zur gesetzlichen Regelung der Apothekenfrage und Kommunalisierung der Apotheken keine neuen Apothekenkonzessionen an Private zu verleihen. Ein anderer Antrag unserer Vertreter will, daß in Zukunft die Erhebung der Kirchensteuer nicht mehr von der Gemein de. vorgenommen werden soll. Steglitz. Gemcindevertrctersitzung. Die U ehernahme des Wachzuges der Einwohnerwehr auf die Ge- m e i n d e beschäftigte Freitag eine außerordentliche Gemeindever- tretersitzung zum zweitenmal infolge der sozialdemokratischen Ob- struktion in der vorigen Sitzung. Die Sozialdemokraten halten die Einwohnerwehr in Steglitz an und für sich für �überflüssig und bekämpfen sie auch deshalb, weil sich dort Tendenzen breumachen, . die dem ursprünglichen Zweck widersprechen. Schon wiederholt mußte die sozialdemokratische Fraktion gegen Mißstände in der Wehr öffentlich vorgehen, deren Vorhandensein nicht widerlegt wer- den konnte. Auch gestern gab der Dezernent, Schöffe G ä d t k e, unumwunden zu, daß die in voriger Sitzung durch Genossen Z z i l l a t vorgebrachten Beschwerden Punkt für Punkt richtig seien, nur glaubte der Schöffe„andere Schlßfolgcrungen daraus ziehen zu müssen" als Genosse Szillat. Gcnosic L e i m b a ch griff unter Hinweis auf die Aussührnngen des Schöffen die Leitung der Wehr an, die in der Ortspresse den sozialdemokratischen Gemeindever- ordneten absichtliche Täuschung, unberechtigte Angriffe und An- würfe vorwerfe, ohne die Tatsachen widerlegen zu können. Leim- bach gab zum Schluß eine Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion ab, wonach gegen die Erklärung von der Leitung der Wehr protestiert und das Unterfangen jener Herren als Anmaßung zu- rückgewiesen wird.. In der weiteren Aussprache glaubte der Bürger block eine günstige Gelegenheit zu finden, sich an der sozialdemokratischen Fraktion zu reiben, was ihm recht übel bekam. Auch der Versuch, seinerseits eine Mohrenwäsche an der Ein- wohnerwehr vorzunehmen, gelang völlig daneben.' In namentlicher Abstimmung wurde jedoch die Vorlage vom Bürgerblock und den Demokraten gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion angenommen. Friebrichsfelde. Gemeindevertretung. Der an den jüdischen Sportverein Bar Kochba vermietet gewesene Plcstz wird als öfkent- licher Spielplatz hergerichtet. Gesanttkosten 60 000 M. Staats- zuschuß 3ö 000 M. An der Kinderbewahranswlt wird neben der Leiterin noch eine Kinderpflegerin angestellt. Gehalt je 3000 M.. für die Leiterin freie Wohnung, Beleuchtung und Heizung. Aus Ginziehung des Fremden- und Gastschulgeldes für Volksschüler wird verzichtet. Das Besoldungsdienstalter der Militäranwärter wurde auf das 30. Lebensjahr und das der Zivilanwärter auf den Beginn des W. Lebensjahres festgesetzt. Die 27 Hilfspolizeibeam- tcn müssen ab November durch Militäranwärter ersetzt werden, die zur Entlassung Kommenden werden nach Möglichkeit von der Gemeinde in anderer Weis« beschäftigt werden. Die zunehmende Unsicherheit zwingt zur Einstellung wirklicher Polizisten. Die den Beamten und Hilfsangestöllten gezahlte Entschuldungssumme wird auch den 27 Hilfspolizisten bewilligt. Um eine geordnete Jugend- pflege einzuführen, wird das Jugendpflegeamt gebildet(Säug- lingspslege, Krippe und Kinderhort, Bildungsbestrebungen, Leibes- Übungen und Berufsberatung). Dem Ziegenzuchtverein werden für Anschaffung von Zuchtböcken 1000 M. bewilligt, dem Ausschuß für Volksbildung und Volksunterhaltung die Mittel für Anschaf- fung eines Ernemann-Apparates für Kinovorführungen. Der Apparat soll auch den Schulen dienen. Der Kohlenberteilungsstelle werden zur Sicherstellung des Brennstoffbedarfs Betriebsmittel bis 700 000 M. zur Verfügung gestellt. Der§ 5 des Ortsstatuts, daß die Vertretung der Parteien im Mieteinigungsamt durch be- rufsmäßige Vertreter ausgeschlossen ist, wird aufgehoben, da der Ausschuß den gesetzlichen Bestimmungen zuwiderläuft. Oberschöncweide. AuS der Gemeindevertretung. Die letzte Sitzung beschloß eine Verkürzung der Pflichtstundenzahl der Volks- schullehrerinnen um 2, 4 rcsp. 6 Stunden in der Woche. Vertagt wurde die Bewilligung eines Beitrages für die Verwaltugsaka- demie der Kommunalbeamten. Genosse Ramsbrock(S. P. D.) gab fffl: unsere Fraktion die Erklärung ab, nur wenn auch ehrenamt- lich tätige Kommunalbeamte zu den Kursen zugelassen würden, dafür stimmen zu können. Die Vorlage, den Hilfsangestellten der Kommune einen Vorschuß zu gewähren, wurde nach langer De- batte auf Antrag unserer Fraktion vertagt, bis der Spruch des Groß-Berliner Schlichtungsausschusses in Sachen der Tarifforde- rungen der Hilfsangestellten der Gemeindeverwaltungen gefällt ist. Die U.S.P.-Fraktion nahm eine widersprechende Haltung ein. Ein Teil forderte eine einmalige Entschuldungssumme, der andere Teil beantragte einen zurückzuzahlenden Vorschuß. Durch die An- nähme unseres Vertagungsantrages kam dieser Widerspruch prak- li,ch nicht zur Abstimmung. Der Vorlage betr. Schaffung eines Wohnungsamtes, stimmte auch unsere Fraktion zu, nachdem noch Gen. Birnbaum eine Reihe von Wünschen vorgetragen hatte. Die Milchversorgung der Kommune bereitet außerordentliche Schwierigkeiten. Um eine regelrechte Milchversorgung zu sichern, leistet die Gemeinde für den Liter Milch einen Zuschuß von l,60 Mark. Das ergibt für das Jahr die Summe von 230 000 Mark. Ein Antrag auf Auflösung der Kricgsküche wurde abgelehnt; angenommen der Antrag, das Essen hinfort zum Selbst- kostenpreis abzugeben. Der Streik der Ladenbesitzer im Septem- ber kam durch eine Interpellation der Unabhängigen zur Sprache und wurden im Falle eines ernsthaften, längeren Streiks de�Le- bensmittelhändler vom Gemeindevorstand durchgreifende Maßnah- men zugesagt. Annahme fand ferner ein Antrag, dem zu einer mehrwöchigen Freiheitsstrafe verurteilten Arbeiterratsmitgliede die Tagegelder weiterzuzahlen und die Prozeßkosten zu erstatten. Da der spezielle Fall nicht ehrlosen Motiven zuzuschreiben, gab auch unsere Fraktion ihre Zustimmung unter dem Vorbehalt, in solchen Fällen von Fall zu Fall zu entscheiden. Lichtenberg. Die Volkshoch ichule wird am 17. Oktober, abends 7'/, Uhr, im Fesliaal des Cccilien-Lyzeums, Nathausflr. 8, mit einem Vortrag des Unterstaatssekretärs z. D. Dr. B a e g e über das Thema„Ausgaben und Ausbau der Volkshochschule" bei srciem Eintritt eröffnet werden. Die Vorlesungen in vier Schulaeböuden finden zunächst vom 20. Oktober bis 18. Dezember statt. Als Dozenten find vorgesehen: Dr. B a e g e, Schriststcller Ernst D ä u m i g. Redakteur Dr. Nestriepke, Prtvatdozent D r. Roscnbera. Realgymnasial- direktor Dr. Ludwig, Dr. Max D c r i(Humboldt-Hochschule), Leo K e st e:» b e r g, D r. Karl Schröder- Steglitz, D r. Iwan Bloch, Professor Dr. C b a j e s(Technische Hochschule Berlin). Felix Linke (Humboldt-Hochschule), Alfred K o s a ck(Seminar sür orientalische Sprachen), die Lichtenbcrgcr Oberlehrer Dr. K l e m t, Dr. Struth, Dr. P s I u g- beil, MeesterS.Eberbardt, D r. G e r i rk e, Dr. Hille. Die Vorlesungen sollen sich aus folgende Gebiete erstrecken:»Staat und Ge- sellschast",»Geschichte und Literatur',»Musik- und Kunstlebre',»Philosophie und Hygiene",„Naturwissenschasten und Technik'/»Sprachen". Hörerkarten werden von der städtischen Schulablcilung, Möllendorffstr. 14. ausgegeben zu 3 M. für ftdcn Lehrgang<4—5 Doppelstunden) und 6 M. sür jeden Sprachkursus(10 Dopvclstundeu). Unbemittelten und Erwerbslosen wird Ermöjzigung oder Erlaß der Hörergebühr aus Antrag gewährt. Vor- lesungsverzeichnisse sind unentgeltlich zu haben in der städtischen Schulabieilung, Buchbandluugen mit Platatausbang, VerkguiZstellen der Konsum- Genossenschaft, des Beamte»- Wirtschasts- Vereins und den »Vorwärts"- Ausgabestellen Alt-Boxhagen 56 und Wartcnbergstr. 1. sches Tor), der Kursus deS Genossen Grigorganz über die ruf- fifchc Revolution. Bei der ungeheuren Bedeutung, die die Ereignisse im Osten in weltpolitischer und weltwirtschaftlicher Beziebung habe,:. dürfte gerade dieses Thema besonderes Interesse finde,,. � Der Vortragende, der Rußland au« eigener Anschauung kennt, wird einen geschichtlichen Rückblick geben und die wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes, insbesondere die Agrarstage, die dort eine h-roorragende Rolle gespielt bat und»och spielt, beleuchten. Er wird den Verlaus der früheren und der gegenwäriigen Revolulion schildern und sich zuletzt mit dem BolschewiZmir auseinandersetzen. Hörerlarten sind im Sekretariat der Bezirks- organisalion, Belleallianceftr. 7, der.VorwärtS".Buchhandlung. Lindensir. 2, sowie am Vortragsabend in der Aula zu haben. Bilduiigsschnle Zldlcrsftof. Cöpenick, Grünau, Bohnsdorf. Niederschöneweidv, Johannisthal. Auf den am Donnerstag abend 7 Ubr in A d l e r s h o s, Radickeilr. 12(Schulauia), beginnenden Kursus über das Erfurter Programm sei nochmals hingewiesen. Bor- tragender: Dr. L o h m a n n. Karten sind„och am Saaleingang zu haben. Alle Parteigenossen und-genossinnen sind eingeladen. Eduard Bernstein spricht am Donnerstag— nicht am Mittwoch— im Gcneralveriammiimgsfaal der Börse über„Sozialismus und Börse". Steglitz. Karten zum Lichtbildervortrag über den Ur- s p r u i, g d e s M e n s ch e n in der Aula des LyzeumS RotbenburgNraße am 19. Oktober, 7 Uhr. bei den Beiirissühreri, und in durch Plakate ge- kennzeichneten Geschäiteu zu 40 Pscnnig erhältlich. Die Bezirkssührer werden gebeten, vermutlich nicht absetzbare Karten in der Mitglieder- verlammlung am 15. Oliober zurückzugeben, damit Bezirke, denen sie fehlen, eventuell noch welche erhalten können. Grost-Berliner Lebensmittel. Berlin. Die auf die Abschnitte i3a—g der Berliner Kartoffclkarte entfallenden 7 P s u n d K ar t o s s e in sind bereits von heute ab zu Entnehmen. Mariendorf. Auf die beiden Abschnitte K 20 bei den Mehlhändlern vom 16. bis einschl. t8. je 250 Gramm amerik. Weizenmehl. Abschnitt 16 verliert mit Abiaus deS 16. seine Gültigkeit. Hroß-Serliner parteinachrichten. Bezirksverband Grost-Bcrlin, Sekretariat für militärische Auf- klärung, Lindenstr. 3, 2. Hof, 4 Treppen, Zimmer 10. Die Juristische Sprechstunde fällt heute ans. 2. Abt.(Friedrich stadt.) Heute, 7 Uhr, Versammlung bei Rathmann, WUhelmstraße 118. Vortrag des Genossen Heller: Das Erfurter Pro- gramm. 6, Abt. Mitgliederversammlung heute, 7 Uhr, Realschule Belle- allianccstr. 80. 30. Abt. Frauenversammluug heute, 7'/, Uhr, bei Blessin, Stargarder Straße 3. Referent: Lehrer Kreutziger. Vorwänslefer willkommen. 31. Abt. Heute. 7'/, Uhr, Versammlung in der Aula Schönfließer Straße 7. Gen. H. Weber, Redakteur am»Vorwärts" über„Repub Ii k und Sozialdemokratie". Sozialdemokratische Beamte, Angestellte uud Hülfskräste der Gemeindebehörden Grost-BerlinS. Versammlung: Sonnabend 7 Uhr, Sopbicn-Oberrealichulc, Eingang Steinstraße. Tagesordnung: I.Genosse Riefstahl: Revolution und Bcamtenfchast. 2. Verschiedenes. Der Werbeausfchug. Eharlottcnburg. 8. Gruppe. Donnerstag, 7'/, Uhr, Gruppen- Fraucnabend bei Hiepler, Wallstr. 90. Gäste willkommen. Steglitz. Die für heute anberaumte Mitgliederversammlung findet besonderer Umstünde halber nicht statt. Neukölln. Heute abend beginnt der Frauenkursus des Genoffen Dr. EaZpariüber:»Die Frau im Staat. Im Recht und in der Wohlsahrts- pflege" im Rathaus, Zimmer 102, eine Treppe. Fortsetzung jede» Mittwoch von 6—8 Ubr abends. Niederschöneweide. Heute, 7V, Uhr, Wirtshaus Lorelei). Geiierckk- versämmlung. Tagesordnung: Vorstandsbericht, Kaffcnbericht, Bericht der Funktionäre. Bernau. Sonnabend, 7 Ubr, im Restaurant Belleoue, Heiterer Abend mit anschließendem Tanz. Karten zu 1,25 M. bei Temmler, Wallstraße und Rothwald, Kaiserslr. 82. Gäste willkommen. Silüungsveranftaltungen. Sozialistische Bildungsschule Groß< Berlin. Morgen 7 Ubr be- ginnt in der Aula des Luther-Lyzeums, Tcmpelhoser User 2(Nähe Halle' Jugenöveranstaltungen. Heute, abends 7 Ubr: entral-JugeuPcheii». Lindenstr. 3, 2. Hos l. III: Dizkussionsadend. irenzlauer Borstadt. Lokal Eichhorn, Dauziger Sir. 93: Mitglieder- Versammlung. Südosten.„Reichcnbcrger Hof", Reichenbergcr Str. 147: Volkslieder- und Rezitationsabcnd. Lichtenberg. Jugendheim, Parkaue 10, Ecke Mölleiidorsstraße: Schach. lehrabend. Tcmvclho'. Lokal.Sängerheim", Werder-, Ecke Kaiser-Wilhelm- Straße: Untcrbgltungsabend. Martendorf. Jugendheim, Hoch. Chauffecstr., Ecke Bergstraße: Dor- trag: Proletarische Dichter. Roscnthal. Jugendheim. Genien, beschule Roseuthal-Rordend, Kastanien- allee: Handarbeit- uud Spielabeud. »• Parteigenossen und Jugendfreunde k Das ungeheure Anwachsen unserer Organisation in den letzten Wochen ist ein guter Beweis dafür, daß wir aus dem richtigen Wege zur sozialistischen Jugenderziehung sind. Nicht mit reuolutionären Schlagwörtern und leeren Phrasen, fondern praktisch haben wir gezeigt, daß wir mit aller Energie die Jnleressen der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen vertreten. Die vor- nebmäe Ausgabe der Ellen, muß es daher sein, ihre schuleutlaffenen Söhne und Töchter der Bewegung zuzuführen. Beitrittserklärungen werden aus obigen Veranstaltungen des Beretns Arbeiterjugend Grost-Berlin sowie im Jugendsekrctaria», Belleouestr. 7 III, entgegengenommen. vortrage, Vereine unö Versammlungen. Zentralstelle für Einigung der Sozialdemokratie. Charlotten- bürg. Mitgliederversammlung heute 7 Uhr im Restaurant Kaiser-Friedrich« Straße 57. Freier Wanderbund. Sonntag: Finkenkrug—Krämer— Velten. Abfahrt: Lehrte�Babnhof 6,26 Uhr. Bernau— Liepnitzsee—Hellsee— Bernau. Absahrt: Steltiner Vorortbahnhos 6,40 Uhr. Kinderwandcrung: Grüne« Wald— Tcuselssee— Pechsee— Grunewald. Treffpunkt I: Schlesischer Bahnhos, 7 Uhr, Halteftelle der Linie 31. Treffpunkt II: 7.45 Uhr Bahnhof Grüne- wald, Restaurant„WaldhauS". Fahrgeld 60 Pf.— Reichsbund ber Kriegöbefchädigten, Bezirk Westen. Heute>/,8 Uhr, Dennewttzftr. 13, bei Züblke: Bezirksversammlung.— Sozialistische ArveitSgrmeiuschaft an der Handelshochschule Berlin. Vortrag de« Gen. Eduard Bernstein über»Sozialismus und Börse" morgen Donnerstag 7'/, Uhr im General- Versammlung sfaal der Börse, Burgstraße.. Gerichtszeitung. Scheidemann als Zeuge. In dem Prozeß gegen Haberlind und Ge- nassen, in welchem eS sich um die RadelSfühverschäft bei der„Vor- tvärts"-Besatzung handelt, beschloß das Schwurgericht des Land- frichtS I auf Antrag der Verteidigung, Scheidemann als eugen zu vernehmen, und zwar über die Behauptung der Angeklagten, daß ihnen in einem Schriftstück der Schutz des„Vor- wärts" anvertraut worden sei und man sie als bewaffnete Macht anerkannt habe. Außerdem soll auch der in dem Ledebour- und ähnlichen politischen Prozessen als Spitzel bezeichnete Zeuge Roland vernommen werden. Wetteranssichten für daS mittlere Norddeutfchland bis Donnerstag mittag. Ein wenig wärmer, zeitweise ausklagend, jedoch überwiegend bewölkt, im Welten und längs der Küste öfter wiederholte, im östliche,, Bwuenlande mehr vereinzelte, meist geringe Niederschläge. Nerven-Plage. Eine wissenschaftliche Plauderei. Die Nervenschwäche, auch Neurasthenie genannt, macht sich meist bemerkbar durch rasche Ermüdung, durch schnelle Erlahmung der Tatkraft und durch Mangel an jeglicher Energie. Man sühlt sich wie zerschlagen; morgens„ach dem Aufstehen ist man nicht ausgeruht, sondern ebenso müde wie abends zuvor. Gesellen sich dazu noch andere Störungen, wie stechende Schmerzen oder Kribbeln in den Gliedern, Herzllopsen, Schwindelansälle, Angst- gejühle usw., so ist der Zustand ernst. Aber die moderne Wissenschast kennt gute Vor- beugungs- und KrästiaungSmiltel. nicht nur Wasserluren oder Leibesübungen, diese strengen gerade nervenschwache Personen über die Gebühr an, nein, einfache Regeln zur Lebensführung sind es, vor allem die rechte Ernährung. Es gibt ein Präparat, dessen Hauplwirkung»Anregung" ist, ohne nachfolgende Erschlaffung, wie solche bei Reiz- mittel,,, gleich Alkohol, Kaffee usw., unausbleibOch ist. Kola Dultz erfrischt den Geist, verleiht„euc Spannkrast. die über rasche Ermüdung Hinwegbiist; die Energie steigert sich, das Blut kommt in Wallung, die Herztäti!� leit wird gehoben, und durch die schnellere Bkutzirkulation wird der ganz« Körper frischer und widerstandssähiger. Die Verdauung wird besser, der Magen nimmt die in der Nahrung überreichlich eiilhaitcnen Phosphor- und Lczithin-Vcrbindungen sowie die sogenannten»Blutnähr- salze", die sich in Milch und Eiern in genügender Menge vorfinde, i, auf und verarbeitet sie zu„Ncrornnahrung" viel besser, wirksamer und zweckmäßiger als irgend ein Chemiker im Laboraiorium es tun kann.— Dies ist der richtige und natürliche Weg der Nervenernährung, nämlich Schonung und Erhaltung der vorbandenen Kräfte und die Anregung zur natürlichen Ergänzung der verbrauchten Kräfte diiett ans der täglichen Nahrung. Viele Acrzte verwenden Kola Dultz nicht nur für ihre Patienten, sondern auch sür sich selbst. Berühmte Pro- iesforen in aller Welt haben dieses Präparat in Kranten- Häusern eingcsührt und große wissenschaftliche AbHand- lungcn darüber geschrieben. Ei» Student schreibt darüber folgendes: »Das übliche Pathos widersteht mir. Ich erzähle Ihnen bloß Tatsachen. Infolge geistiger Ueberanstrcngung und nicht genügender Nahrung waren ineine Kräfte derart gesunken, daß man, wie ich erst neulich erfuhr, in meinen Bekanntenkreisen überzeugt war, es ginge mit mir zu Ende. Ich litt so sehr an Kopsschmerzen, da« ich manchmal beim Gehen nur zaqhaft auszutreten ivagte. Ich halte schon mehrere neroenstälkende Krästigungsmiltek gebraucht, ohne merklichen Erjolg. Da fielen mir Mit- teilungcn über ibr Kola Duitz in die Hände. Ich ließ mir das Buch darüber, offen gesagt, mit sehr wenig Per- trauen, kommen. Trotzdem beschloß ich einen größeren Versuch zu machen. Das war vor zwei Monaten. Ich wandte regelmäßig ihr Kola Dultz an. ohne meine Lebensweise zu ändern. Nach wenigen Tagen schon stellte sich der Erfolg ein. Der stechende Kopsschmerz verschwand spurlos, ungewohnte Lebenslust und Schaffensfreude und ein frohes Gefühl von Kraft und Stärke erfüllten mich. Meine Freunde und Bekannten wundern lich über mein jetziges«ussehei!, und ich bin gewissermaßen zur wau- dclndcn Reklame sür Ihr Kola Dultz geworden. Aus dem Gesagten werden Sie, ohne daß ich es ausdrücklich erkläre, entnehmen, daß ihnen mein heißer Dank gebührt." Diele wahrheitsgetreuen Borte eines gebildete» Mannes sollten jeden denkenden Menschen veranlassen. ein so gutes Präparat kenn,» zu lernen, zunial dies nichts lostet.— Eine Postkarte an die Adresse Max Dultz. Berlin 80 33, Nr. 321 genügt, und jeder erhält von dort ganz umsonst das in vorstehendem Schreiben er- wähnte intereffantc und belehrende Buch portosrei zu- gesandt. Es ist aber sehr ratsam bald zu schreiben, ehe die neue Auflage vergriffen ist. Hödel auf Kredit! Wohn-, Schlaf-, Speisezimmer moderne Kflchcn- sowie Elnzel-Mibel in kulantesten Bedingung. liefert Grebler O. m. b. H, Weinbergsweg 4. SM SM nit Bühne„och an einigen Sonnabenden und Eonntaaen hei, desgleichen wochentags für Versammlungen. 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Wer das Glück seiner Ehe festigen will, wer die Qualen, die die Gatten während der ganzen Geschlechtsperiode empfinden, vermeiden möchte, dem empfehlen wir die wissenschaftlichen Aufklärungen, wie solche in dem Buche 1„Die Otlcnbarungcn im Oeschlccfiillcüen" enthalten sind, aufs angelegentste, es wird wie eine Befreiung von Not und Pein empfunden w erden. Dieser Vorzüge wegen ist dieses Buch beliebt, wie kein anderes in der Ehe. Preis M. 5,50, Nachn. 61 Pf. teurer. 164/10' Linser-Verlag, Berlin-Pankow 1001. Alte Qcbisse tOnfM- ZLhn« bis«. 13.- ~ Ättii auch Abfiille, Brennstiste, Kon takte, Tiegel, Gold- u. Stibersach. kauft z. eig. dring. Bedarf, auch bei Einsendung, z. bekannt reell. hohen Preisen stet,' «Hern. Labor, ff. leichter Btr. L Fischer, Bellealliancrpt.Oa ARGENTINIEN. Dr. C. Indaledo dotnei, Rechtsanwalt, promoviert in Würzburg und Buenos- Aires.* Robert Pineas, Ingenieur U.Patentanwalt Bueaos-Atres. Reconqulsta 37. Tcl.-Adr. Pineas, Buenos- Aires, A. B. C. Code. 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Mal: DerVlelgelieble Theater dea Westen» 7>/, u.: DieFr&aimBermeiiD Theater„Die Tribüne" ?'/. uhr:„Die Wacdlung." Theater d. Prledrlchstadt 7'/, u.; Vier Einakter. Wallner-Theater uh? Eine Balinacht Residenz- Theater. Untergrundb. Kloslerstraße, Stadtbahn JannowitzbrUcke. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: Botkltppchcn. Tiglich Heute 8 U jhr. pprhcn. ■264.Male Das lere Leiieo. Komödie von Sudermann. Regle: Allred Roller. Erleb Kaiser-Titz, Olga Limburg, Harry Lledtke, Rosa Valettl, Emma Dcbncr, Ounold, Brenkendorf, Mamelok. Donnerstag 4 U, kleine Pr.: Schneewittchen. Freitag 4 Uhr, kleine Preise: Kotk&ppchvn. Sonnabend 4 Uhr, kleine Pr.: Hhnsel und diretel. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr.: Z. 380. Male: Der gute Kuf. Trianon-Theater. Bahnnof Friedrichxtraße. Untergrundbahn Friedrichs tr. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: Schneewittchen. Täglich V,8Uhr: Maskerade. Komödie von Ludwig Fulda. Regie: Alfred Rotter. Hansi Arnstldt, Eugen Burg, Käthe Dorsch, Paul Blldt, Jui. Falkenstein, Hugo Flink, Pnula Leiermann. Donnerstag 4 U., kleine Pr.: Rotkäppchen. Freitag 4 Uhr, kleine Preise: Schneewittchen. Sonnabend 4 Uhr, kleine Pr.: Aschenbrödel. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr.: Z. 41 7.Male: Der LebensschQler Walhalla-Theater. IS Uhr; Das Gesetz. Casino- Theater Lpthrlngcrstrade. TägL>/.8U..- Oroßstadt-Pflanzen Volksstück In 3 Akten. Vorher: Schwarz» aldbüble. Operettcnakt m.ViktorLitzek. Dazu erstklass. Spezialitäten. Sonntag Vgl: Mädchenehrt ▼hest.amKottbuserTor. ,' eleph. horltapUts 14814. ' Jeden Abend?>l, Uhr Elite- Sänger Das vuizUgllcha Oktobar-Progr.I Stg.naohtn.aUhr: •imlu. Preise (Voll. Abd.-Prog.) 1 Kind frei. BIMbgan-Kenaert Beginn 7 Chr. Vorverkauf U-l1/,«.4-#Dhr. »Mn I.lfittm.toBfilligaüth Volksbühne a�ofd�i. Ti, uhr: Maß f ür Maß. I.esslng-Theater Direktion: Victor Barnowsky. 71;,: Christa die Tante. Donn.?>/,: Christa die Tante. Freitag 7: Peer Cynt. Dentaehes KUnatler- Theater. Allabendlich T1/,: Der Blauluchs. Leopoldine Konstantin, Annaliese Halbe, Kurt Götz, Theodor Loos, Erich Walter. Rose-Theater. Letzte Aufführung! TVsU.: Kleine Sklavin. Winter- Galten Wegen des umfangreichen Oktober-Spielplans — Anfang: 7.15— Rauchen gestattet! ÄPÖLLO TREATER Friedrichstraße 218| Dir.': James Klein 7V,»Habendi. 7V, Sonnte1; u. I Die Weltl im Jahre (2000! j Or.Varielä-Ausstatt.-e schau in 5 Bildern.[ | In Szeneges.vonDir.| Jnmes Klein. Unter anderem: Modenschau im Jahre 2000 I 10 Ikarier zu Pferde I Akrobatische Spiele/ 1 Die Lichtfee in der f J Sllbergrotte/Tänze/ I | Efiekte a.d. Jahre 2000 1 Senta Söneiand Lucie Blattner 1 H.Lamberts-Paulsen I I Alex Stamer usw. I | Sonnt J'/j{.Erwachs. 1 1 Kind frei! tap-Mr Unter den Linden 22-23. Direktion: M. Soli man. 2 Urauiiührungen einer Verlölirten und Verlassenen Iclr klage an Filmroman in S Akten. fn der Hauptrolle: LDoetioe Kilimtierg. Ferner ein Lustspiel in 3 Akten Unikum mit Fred Kronström in der Hauptrolle. Kasseneröitnung 4 Uhr Sonntags 3 Ohr. Anfang 4,30. DekMsß.-Iimtei' T1/, Uhr und Sonntag nachm. 3 Uhr: Stettin. SüDger nachm. Halde Pr. Reichohallen-S.: DBnhoff-Bretll. CircusJ}usch Jeden Dienstag u. Freitag 8 Uhr nur Boxkämpfe:1 Die übrigen Tage 7'/, Uhr: „Aphrodite" Tragikomisch. Pantomime in 3 Akt. v. Paula Busch, insz. v. Hofballettmeister Georges Blanvalet �orheMUjnZirku�Progr� jKABARETfl |OCHWEHSrM,5>l Merry Ronald Fred Marion Elenita [ Schlüter-Qrüaltz 1 Mary Walter 4 Varadls Irma Traun Negrel u. Pola Max Marzelll Paul Stclnltz Conf.: Sleglr. Flatow I Am FlUgel: Henschel I iirais-nsl. Ballett auf dem BlSC Die lustige Puppe in neuer Prachtausstattung. dmtrals.KIno DerBoldeneSeel mit Resel Orla Direktion Carl Meinhard/ Rudolf Bernauer. Theater i. ö. Köaigsrätzer Str. Vom 15. bis 19. Oktober: Fünf Aufführungen von Ein Traumfpiel Phcntastisches Drama In einem Vorspiel und 3 Akten<14 Bildern) von August Slrlubberg. Musik von E. R. nun Uezulcet. Regle: Rudolf Bernauer. Hauptbar st ekler: Irene Driesch. Lubmig Hartau, Alfred Abel, Ferd. von Alten, Gustav Boh, Ernst Dernburg,'Frieda Richard, Sust. Hildedrant, Jenny Marba,.FcL Rosscrt. MirtwocK, clen 22. Oktober: Erstaufführung: Schloß Vetterstein Schauspiel in 3 Akten von Zrunk weheOiub. Regie: Carl Meinhard. Hauptdarsteller: Herta von Hagen, Maria Orska, Ludwig Hartau, Johannes Rtemann, Hugo Bauer, Ernst Behmcr, Alexander Ekect, Werner Hollmann, X. A. Römer, Heinz Slieda. I88K IrHfArtR 4M woitwoonmArzl Freitag, den 17. Oktober 1919, abends y Ühr Zum ersten Male: JDer> -Zfcr-maa ßfa/Tcr- . t*"2-/, Uhr starb nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem üeiden unser innig geliebter Sohn, Bruder,. Großsohir und Neffe, der Maschine»- daner der Maschinenfabrlk Schwarglopff-Wildau. Fritz Karte!« im blühenden Alter von 190, Jahren. I.oOb In lieseni Schmerz zeigen dieles.tiefbetrübt an Wildelin Varrels u. Frau, Helene, ge>. Sellin,. ' nebst Kuider».. 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Der Ausschuß der I!ationalversammlung zur Vorbereitung dcS Gesetzes über den Stcwtsgcnchtshof beginnt am Freitag mit der Beratung der verschiedenen vorliegenden Entwürfe. Der Untersuchungsausschuß der National- Versammlung hat seine Geschäftsordnung endgültig ange- nommen und wird in der nächsten Woche mit dm Vernehmungen beginnen. Im ersten Unterausschuß wird am Montag Karl K a u t s k y. der die Vorgeschichte des Krieges eingehend studiert hat, einen Vortrag halten über die beizuziehcndcn Atten und über die zu vernehmenden Personen. Hiernach eilten die in unserem gestrigen Abendblatt wiedergegebencn Meldungen zum Teil den Tatsachen voraus. » Gegen eine Verminderung der Truppenübungsplätze äußerte sich Minister Roste im Neichshaushallsnusichuß. Die Gründe des Ministers führl der Bericht leider nicht an. Es wird nötig sein, sie nachzu« tragen. Schatzminister Mayer teilte mit, daß Heine in Heeres- und Marinebetriebcn nur noch OOv Arbeiter beschäftigt sind, gegen- über 2-tli OOO im Kriege. Die Betriebsräte. Im Nnkschuß wurde ein sozialdemokratischer Antrag abgelehnt, der das Wahlberechtigungsaltcr auf 18 Jahre, die Wählbarkeil auf 20 Jahre herabsetzen und die Dauer der Be- triebszugehörigkeit als Voraussetzung der Wählbarkeit von sechs auf drei Monate vermindern wollte. Die Aüskunitspflicht der Banken wurde im Ausschuß für die Reichsabgabenordnilng mir Vertretern der Banken, Sparkassen und sonstigen Kreditinstituten besprochen. Eine Beschränkung der Auskunftspflicht auf Sparvermögen von mehr als 5000 M. wurde abgelehnt, da sie zu Sleuerhinlerziehnngen führen müßte. Begreiflicherweise wandten sich die Vertreter der Kredit- institute gegen die Einreichung von Kundenlisten. Diese Bestimmung tollte nach ihrer Meinung ganz beseitigt, die ÄuSkunftspflicht auf Stichproben beschränkt werden. Umsatzsteuer uud Genosstnschasten. Bei den AuSschußberahmgen über das Nmsatzsteuergesetz gelangte ein Antrag de-Z Gen. Krätzig zur Annahme, wonach Gesrllschaslen m. b. H. und Zentral- genossenschaften, die der' g e m e i n s ch a s r l i ch e n V e r- Wertung oder Beschaffung von Waren ausschließlich von bezw. für Genossen dienen, steuerfrei bleiben. Von der Be- steuerung ausgenominen werden auch Beherbergung. Beköstigung uud die üblichen Raluralletstungen an Angestellte und Arbeiter. Massenkunögebungen der U.S. p. d. Das dreitägige Verbot der„Freiheit" halte den Bezirks- verband Berlin-Brandcnburg der U. S. P. D. dazu veranlaßt, in dreißig großen Sälen und Schulen Groß-Berlins P r o t e st ku n d- gedungen zu veranstalten, die sich mit der Pressefreiheit und Belagerungszustand beschäftigten. Tie Versamm- lungen wiesen fast ohne Ausnahme einen sehr starken Besuch auf. Auf der Rednerliste standen u. a. der Berliner Stadtverordneten- Vorsteher Dr. Wehl, Dr. O. Cohn, A d o l f H o f f in a n n, Wurm, Luise Z i e tz und andete. In den Union-Festsälen sprach der Parteisekretär Weise. Er polemisierte sehr heftig gegen die S. P. D., die sich zwar offiziell mit der Regierung nicht identifiziere, sie aber ständig deike. Tie Putsche im Osten seien von einer gewissen Clique inszeniert worden, um die Lebensnotwendigkeit des Grenzschutzes narbzu- weisen. Es sei der Regierung bekannt, daß in ganz Deutschland ein riesiges Werbenetz für die Soldateska des Generals v. d. Goltz bestehe, dessen ungeachtet dulde sie es aber, daß noch immer Tau- sende von Freiwilligen mit falschen Pässen über Schlesien und Oderberg zu jener wild gewordenen Sol- dateska stoßen. Die Verfolgung radikal gesinnter Arbeiter in Berlin sei heute schlimmer, als früher unter dem Sozialistengesetz. Heute arbeite man ohne einen Schein des Rechtes mit schamlosen Mitteln. Durch Spitzelzentralen schnüffele man überall umher und glaube durch so lächerliche Maßnahmen, wie Versammlungs- Verbote den revolutionären Geist in der Ark�iterschast ersticken zu können. Die Schutzhaft sei eine Schmach für die sozialistische Re- publik. An all diesen Zuständen sei jedoch nnr die Passivität der Massen schuld. Die Versammlungen sind ohne Störungen verlaufen._ Not-schwarze Koalition in Wien. Unser Wiener Berichterstatter übermittelt uns drahtlich eine Rede Dr. Ott» Bauers, von dem es allgemein bekannt ist, daß er sachlich aus dem Standpunkt derjenigen unserer Unabhängigen, mit denen man debattieren kann uud die wissen, was sie wollen, steht. Es ist sehr interessant, zu sehen, wie Dr. Bauer trotz seiner streng marxistischen Anschauungen(oder vielleicht gerade ihrct- wegen) dazu kommt, die Koalition mit der sonst am schärfsten be- kämpften bürgerlichen Partei zu empfrhlen. Im Kreisarbeiterrai sprach heute Genosse Dr. Otto Bauer, der frühere Staatssekretär des Aeußevcn und derzeitiger Vor- sitzende der Sozialtsierungslommission, über die Verhandlungen wegen der Erneuerung der Koalition. Er führte aus, daß die sozialdemokratische Partei vor der Frage stand, ob sie von neuem eine Koalition eingehen solle, da die bestehende Koalition nur bis zur Ratifizierung des Friedensvertrages abgeschlossen toar. Gewiß entspreche eS einer weitverbreiteten Stimmung nicht nur in der Arbeiterschaft, daß eine Koalition mit den Christlich- Sozialen sehr unangenehm ist. Das fühlen auch die sozialdemokratischen Abgeordneten und ganz besonders die Mit- glieder der Regierung. Wenn wir aber eine Kcabition nicht schließen, so gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder wir über- nehmen allein die Regieruirg oder wir gehen in die Opposition. Wenn wir die Regierung allein übernehmen— so stehen wir so- fort tn offenem Konflikt mit den Ländern(gemeint sind die frühe- ren Provinzen, die aber heute nahe daran sind, sich von Wien un- abhängig zu erklären. Red.). Die Länder würden sich gegen eine rein sozialistische Regierung auflehnen. Die Folge wäre in kür- zester Zelt der Bürgerkrieg. Wenn wir nicht in die Regierung gehen, so müssen wir den bürgerlichen Parteien die Regie- rung überlassen; das bedeutet aber wieder den Bürgerkrieg, denn Wien und das niedcrösterreichische Industriegebiet würden sich eine bürgerliche Regierung nicht gefallen lassen. Dieser Konflikt würde schon bei der ersten Frage, nämlich bei der Neucinrichhrng der Wehrmacht zum Ausdruck kommen. Die Ehrrstlich-Sozialen würden aus der Wehrmacht eine Weiße Garde macben wollen, eine ausgesprochene Klassen- und Partciarmee. Die Volkswehr und die Wiener Arbeiter würden sofort Widerstand leisten. Ebensowenig wie eine sozialdemokratische Regierung über die Länder herrschen köunle, ebensowenig könnte ein« bürgerliche Regierung über Wien herrschen. Auf jeden Fall käme cd zum Bürgerkrieg. Wir können keine drei Monate von der eigenen Ernte leben, wir sind vom AuS- laude vollkommen abhängig. Die Kredite vom Ausland, die wir brauchen, um nur das nackte Leben zu fristen, würden wir aber bei einem Bürgerkrieg mck>t bekommen. Tie Folgen wären der Zusammenbruch und die Hungersnot, und zwar eine Hungersnot, wie sie in Europa seit Jahrhunderten kein Land erlebt hat, wie sie höchstens bis vor kurzem in Indien noch bestand. Unter diesen Umständen blieb uns nichts andere» übrig als die Koalition. Wir müssen über die nächsten Monate hinwegkommen und müssen der Welt klar machen, daß wir nicht leben könnet'., ohne den Anschluß au Deutschland. Wir müssen unö bewußt sein, daß die Entschei- duug in den großen Fragen der Well nicht bei uns gefällt wird, sondern in Westeuropa. Wenn Europa frei wird, dann worden auch wir frei. Wenn aber in Europa die Bourgeoisie an der Macht bleiben sollte, dann Haben wir noch immer Zeit, in die Opposition überzugehen. Es wurde in den Verhandlungen über alle wichtigen sachlichen Fragen gesprochen, die P e r s o n e n f r a g e n sollen erst nachher verhandelt: werden. Nur eine Personensrage ist heute schon ent- schieden: ich persönlich habe nicht den Wunsch, in die neue Regie- rung einzutreten. Der Grund liegt nicht etwa in Meinungsver- schiedeuhciten mit unseren anderen Vertretern in der Regierung, er liegt ausschließlich in meiner Person. Als ich in die Regierung eintrat, war mein Programm der Anschluß an Deutschland. Dagegen wurde sofort eine heftige Preßkampagne eingeleitet, und man hat, um den Anschluß zu kompromittieren, gegen mich alle» mögliche vorgebracht, was bei uns und im Ausland, namentlich in Frankreich, geglaubt wird. Man sagte, ich sei für den Staats- bankerott, und man sagt auch, ich sei ein Bolschewik. Was nutzt es, daß miene Schriften beweisen, daß ich nicht für den Staaisbankerott und daß ich kein Bolschewik bin— man glaubt es nicht, namentlich in Frankreich. Wenn ich in der Regierung bliebe, so würde man, wenn wir Kredite im Ausland verlangen, sofort unseren Unter- Händlern vorhalten: Wie können wir Euch Kredite geben, wenn einer der Minister für den Staatsbankerott ist, und man würde meineu angeblichen Bolschewismus gegen uns ausnutzen. Aus diesen Gründen habe ich mich entschlossen, aus der Re- gierung auszutreten, und auch deshalb, weit ich glaube, der Partei a u ß erhalb der Regieruug, namentlich aber in der wichtigen Frage der F i n a n z re f o r m, die jetzt zur Entscheidung kommt, im Parlament besser dienen zu können. Zrieüensratifikation üurch poincare. Das Pariser Amtsblatt meldet, daß Präsident P o i n- cars das Aktenstück der Ratifikation des Frie- densvertrages mit Deutschland und die anderen in Versailles am 28. Jnni 1919 unterzeichneten Schriftstücke unterfertigt hat. Das Sekretariat der Friedenskonferenz hat das vom König der Belgier ratifizierte Exemplar des Friedenspertrages erhalten. Dos mit der Nnteikschrist von König Georg versehene Vertragsexemplar ist den: Sekretariat noch nicht eiuigehändigt._ Diktatur Denikin in Kiew. Denikin hat in Kiew die allrussische H e r r s ch a s t wieder aufgerichtet. Nationalisien werden eingekerkert, Zeitungen unterdrückt und der Gebrauch der ulrainischen Sprache verboten. Die Franzosen schieben Sie Arbeitslosen ab. In S t r a ß b u r g hat die französische Behörde damit be- gönnen, die Arbeitslosen nach Verdun und ReimS abzuschieben. Es wird beabsichtigt, Zwangsanshebungen zu veranstalien, wenn sich nicht genügende Arbeitskräfte hierzu melden._ Ein �mutiger" Sozialift. (Eigener Drahtbericht aus Basel.) Der flüchtige und von den Franzosen schließlich verhaftete Redokieur der.Metzer Volkstribüne" erließ nach seiner Verhaftung folgende Erklärung: An den Vorstand des sozialistischen Verbandes ködöratioa de la rnoselle, Metz. Ich überreiche Ihnen hiermit meine Demission als Parteimitglied und Chef» r e d a l t-e u r der.V o l k s i r i b L n e". Es ist mir nickit möglich, länger einem Verbände anzugehören, dessen revolutionäre Aktion den Interessen der Feinde Frankreichs dient. Ich bedaure bis jetzt unbewußt durch meine Feder in der„Volistribllne" und durch mein Wort in den Arbeiterversonimlungen der Agent dieser unruhestiftenden Elemente gewesen zu sein. Gaston Pierra. Pierra ist nach seiner Verbaitung nach dem innere» Frankreich verbracht worden. Die französische Presse behauptet, daß die„Volk- tribüne" und da».Freie Journal" deutsche Machwerke seien. Der französische Sozialdeniolrat Pierra ist ein sauberer Held. Sobald Clemenceau ihn packen läßt, hat er die Hosen voll. Praktiken der„Freiheit". Die.Freiheit" verbreitet in groß aulgemachter feller Ueberschrisl die Nachricht von der Eroberung Rigas durch die Deutschen. Sie druckt darunter den Bericht dcS„Daily Chronicle" ab, niuß aber zugeben, daß es sich bierbei allem Anicheine nach um eine verirühte Alarmnachricht handle.— Solche Methode stellt die schlimmsten Praktiken der Sensationspresse in den Schatten und erinnert zugleich an die offen zugegebenen DenuuziationSabsichlen HenleS. Das Borgehen der.Freiheit" ist umso bedauerlicher, als auch sie weiß, daß bei den Truppen, die etwa gegen Riga geführt worden, sich kein Mann befindet, über den die deutsche Regierung BefehlSgeioalt ausübt oder auch nur ausüben könnte. preußische Lanöesversammlung. 84. S i tz u n g, D i e n s t a g, de n 14. Oktober, 12 Uhr. Am RegierungStisch: Oeser. Die Eisenbahnen. Abg. Ebersbach(Dnai): Veredelnd hat die Revolution auf die Arbester nicht gewirkt. Das beweisen die Massendiebstähle i-n den Eisenbahnwerkstätten. Der Eisenibahner-Zentralrat, der im Gegen- sah zu den Gewerkschaften stehlt hat eS in der Zeit der schwersten Krise fertiggebracht. Feste in Mveifqlhaftec Darneitgesellschaft zu feiein; kein Wunder, daß seine Rechnungslegung so außerordent- llch angreifbar ist. Abg. Bellert(U. Soz.): Züge, die nurßloS überfüllt sind, haben doch noch Platz zu sinem Salomvagen für einen Minister. lHört, hört! links.« Die Akkordarbeit lehnen wir ab. Der Eiseittbahner muß das Streikrecht erhalten. Nachdem die demokratische Partei das Gegendeil erklärt hat, fragen wir, wie kann ein Arbeiter nur Deutschdemokrat sein? lSehr richtig! links. Unruhe uud Lachen bei den Demokraten.) Der Abg. Ommert hat Paul Hoffmcmn an- gegriffen, weil er der Regierung angehörre, die den linksrheinischen Eisenbahnern«inen Teil der Löhne nicht gezahlt hat. Hoffmann gehörte dieser Regierung nicht an.(Lebhafter Widerspruch.) Er war doch nur Beirat im Eisenbahnntinisterium.(Zuruf: Na also! — Stürmische Heiterkeit.) Abg. Langer-Ober hausen(D. Vp.): Die Schuld an dem Rück- gang der Leistungen in den Werkstätten liegt auch an der Er- schöpfung der Eisenbahner infolge Leibensmittelknappheit und an der Schwächung ihrer Leistungsfähigkeit durch den Revolutions- taumel und die Spartakusagitation. Die Gleichmacherei in der Entlohnung hat ebenfalls sehr ungünstig gewirkt, namentlich bei kinderreichen Familien. Damit schließt die Aussprache. Der Eisenbahnhaushalt wtrd airge nommen; ebenso der Ausschüßantrag auf Mabnung an die Eisenbahn«: zu treuer Pflichterfüllung und Beseitigung der „wilden" Eisenbahnerräte. Dagegen stimmen die Unabhängigen. (Lebbaste Aharufe.) Der Antrag Gräf-Frankfurt(Soz.) über den Abschluß von Tarifverträgen gelangt einstimmig zur Annahme. Der Antrag der drei Mehrheitsparteien zur Umgestaltung der EisenbahnverwaK« tung und Einführung des Akkord- und Prämiensystems wird gegen die Unabhängigen angenommen. Den Antrag Adolf H o f f m a n n (Unabh.) über Beschaffungsbeihilfen für die noch nicht sechs Moiiate beschäftigten Eisenbahnarbeiter verweist das Haus an den Ausschuß. Es folgt die Mette Beratung des Gesetzentwurfs über die Errich- tung einer Provinz Gberschlesien. Abg. Bayer(Z.) empfiehlt die Ausscheidung des Regierung?- bezirks Oppeln aus der Provinz Schlesien und seine Ausgestaltung zu einer eigenen Provinz. Abg. Dr. Hoffmann-Kattowitz(Dnai.): Die Feindschaft gegen Preußen ist den Oberschlesiern in letzter Zeit künstlich eingeimpft «vorden. Aus vaterländischen Gründen stimmen wir für'die Neu- bildung; die Abstimmung wird für Denffchland günstig ausfallen. Abg. Lichtcnstein(U. Soz.): Die Beschwerden der Qbrrschlesier sind vielfach begründet; der oberschlesische Arbeiter, auch der unab- hängige, ist in seinen Gefühlen aber durchaus deutsch. Höchstens die verfehlte Politik der Regierung bat ihn'den Polen rn die Arme getrieben. Wir wollen keine Absplitterung Oberschlesiens. Der Ausruhr in Oberschlesien ist von den Polen angezettelt worden. H ö r s i n g hat aus parteitaktischen Gründen die Unabhängigen uud die Spartakisten mit den Polen«villkürlich in denselben Topf ge- worfen. Die Streiks sind im wesentlichen durch den Raubbau in den Gruben verschuldet worden, der dem Arbeiter trotz allen Fleißes «die Möglichkeit andauernder Arbeit genommen hat. H ö r s i n g ist der Gefangene des reaktionären Militärs. Ohne Scham ver- teilen die ans öffentlichen Mitteln bezahlten Offiziere, die bei jüdi- schen Familien gastfreundlich aufgenommen wurden, antisemitische Flugblätter. Eine Gesundung der zerfahrenen Verhältnisse kann nur erreicht werden durch Verständigung mit der Arbeiterschaft. Die provinzielle Autonomie ist der Anfang der LoSlösung. Man liefert dadurch Oberschlesien der Zentrumsparte! aus, sie jetzt dort nach dem Grundsatze kämpft: die Partei über das Vaterland!(Un- ruhe beim Zentrum.) Um diesen Bundesgenossen sind die Rechts- fozialisten nicht zu beneiden.(Beifall bei den Unabhängigen.) Abg. Tcholich(Soz.): Die Unruhen sind im wesentlichen durch die Linksradi lalen mitvcrursacht worden.(Lebhafte Zustimmung.) Mit der Annahme des Gesetze? wird Oberschlesien nicht dem Zentrum ausgeliefert. Wenn das beabsichtigt gewesen ist, so haben wir das durch neue Bestimmungen verhindert. Abg. Franz(Soz.): Die Polen haben Grenzspldaten hinter- rücks niedergeschossen. Dagegen mußte doch etwas geschehen. Hörsing hat sich die größte Mühe gegeben, die Wünsche der Arbeiter- schaft zu erfüllen. Ter Streik«var auf politische Hetze zurückzu- führen; man wollte dadurch Mitgliederfang für die kommunistische Partei betreiben. DaS Gesetz wird in zweiter und dritter Beratung angenommen. Mittwoch 12 Uhr: Besprechung der Verschiebung von Getreide und anderen Lebensmitteln nach dem Auslände, blerne Vorlagen. «Schluß Uhr._ StaStoerorönetenverfammlung. Außerordentliche Sitzung. Die Versammlung ehrt das Andenken des inzwischen verstorbe- neu Stadtverordneten Dr. Leo Aronb durch Erheben von den Sitzen. Dr. Wey!(ll. Soz.) gibt sine längere Erklärung ab betr. die Vorgänge in der letzten Sitzung, bei denen es gelegentlich der Be- ratung der Vorlage über die Arbeiterräte zu den bekannten An- griffen gegen den Stadtrat B e r n d t kam. An Hand der in Be- tracht kommenden Berichte der„Deutscheu Tageszeitung" und „Deutschen Zeitung" über den Deutschnationalen Parteitag kommt er dann zu dem Schlüsse, daß sich Stadtrat Berndt als Mitglied des Borstandes auf den Boden des Antrags gestellt habe, der sich gegen den zersetzenden Einfluß des Juidcmums aussprach. Stadtrat Berndt kann daher nicht mehr geltend machen, daß er ein Vertreter der lebe ralen Weltansckaunng ist, pnd dieser Ruf ging ihm bei seiner Wahl voraus. Man wird es also begreifen, daß er solcher Persönlichkeit nicht blindes Pertrauen schenke. Irrtümlich ist allerdings von mir gesagt worden, daß Stadtrat Berndt den Antrag selbst eiugetbracht oder dazu gesprochen hat. Der springende Punkt ist aber, daß er sich auf den Boden des betreffenden Antrag! gestellt hat. Unter lebhafter Zustimmung der Linken und lautem Wider- spruch der Rechten erklärt Dr. Wehl zum Schluß, was Stadtrat Berndt gesagt habe, könnte den Eindruck erwecken, als ob er mit allen diesen Dingen nichts zu tun habe. Im übrigen überlasse er die Sache dem Urteil dieses Hanfes und der Leffeutlichkeit.(Unruhe und Beifall.) Stadtrat Berndt: Die Ausführungen des Vorredners gehen in der Hauptsache vorbei.(Widerspruch und Zustimmung.) In der vorigen Sitzung hat er ausgeführt, daß ick« den Antrag begründet habe, und das habe ich als Lüge bezeichnet. Unter gebildeten Leuten ist eS bisher immer selbstverständlich gewesen, daß man Behauptungen bedingungslos zurücknimmt und sich entschuldigt, wenn sie sich als unrichtig erwiesen haben.(Zuruf: Immer ncch der alte Preußengeist!) Dr. Weyl ist diesen Weg nicht gegangen, er sucht vielmehr eine gewisse Konstruktion, um meine Tätigkeit im Vor- stand und den Antrag z u sa in rn e r> zub ringen. Aber auch hier geht er fehl.(Ziuifclienrufc und Beifall.) Ich habe mit dem Aittrag nicht da? geringste zu tun gehabt. Wenn Dr. Weyl de? Gegenteil behauptet, so sagt er bewußt Hie Unwahrheit. Mich mit dem An- trag in Beziehung zu bringen, ist ein Berstost gegen die Ehrlichkeit» uud ich überlasse das ruhig dem Urteil aller gerecht und billig Denkenden. Herrn Dr. Wehl spreche ich auch das Recht ab, als Zensor über mein Verhalten aufzutreten, das außerhalb meiner die n sil ichen• Tä tigkeit liegt.(Oho!) Meine politische Tätigkeit geht ihn nichts an und sein Vorgehen ist eine Nichtach tu«ig der Verfassung, die nicht nur seinen Freunde», sondern jedem Staatsbürger das Recht der freien Meinungsäußerung gewährt. Nach weiterem Hin und Her wird zur Tagesordnung über- gegangen, das ist die Vorlage betreffend Annahme des Schieds- sprucheS des gemeindlichen Zentralausschusses in Sachen des ArbeitertarifS. Die Durchführung dieses Schiedsspruches erfordert jährlich etwa 38 Millionen. Die Vorlage wird ohne Debatte angenommen, ebenso die Vor- lagen betreffend Unterstützung der unverheirateten weiblichen Erwerbslosen; Entwurf zur Errichtung einer Siedlungsanlage in Buch; Borentwurf zu eurer Siedlungsanlage in der Jungfernheidc. Tic Wohnungsfrage. Ein demokratischer Antrag fordert: 1. Anordnungen zu treffen, daß bei der sogenannten Z w a n g S e i n q u a r�t i e r u n g den betreffenden Wohnungsinhabern Name, Berus. Stand und Anzahl der Zuziehenden vor dem Zuzugs rechtzeitig bekanntgegeben werden, damit ihnen einzuräumende Einwendungen noch geprüft werden können. 2. Die Beauftragten des Wohnungsamts anzuweisen, mit aller Zuvorkommenheit gegenüber den Woh- nungsinhabern die Zuteilung der Wohnungsuthenden vorzuneh- men und die Wünsche der Verfügungsberechtigten möglichst zu be- rücksichtigen. 3. Bei der Zwangseinquartierung gebührende Rück- ficht auf den für Berlin notwendigen Fremdenverkehr zu nehmen und eine Belegung der Hotels nur im äußersten Notfall zu veranlassen. 4. Die Räume der in großer Zahl vorhandenen sogenapn- ten Hotels„Pensionen auf Stunden, Tage und Wochen" weit- gehendst zu beschlagnahmen und mit Wohnungsuchenden zu be- legen." Der Antrag wird nach Besprechung angenominen. Beschlossen wird ferner, gegen die Beschlagnahme der Gemcindeschulen durch das Wohnungsamt Einspruch zu er- hebe«. HewerkschaflsbewMng • /lusstanü der berliner städtischen Sureauhilfskräfte. Dem Vorbilde ihrer Neuköllner Kollegen sind nunmehr auch die Berliner städtischen Bureauhilsskräste gefolgt. Seit gestern mittag befinden sie sich unter Ablehnung des am Sonnabend gefällten Schiedsspruches, der eine Erhöhung der Gehälter um 100 Dt a r k vorsieht, im Streik. Die Streikenden haben als Grundlage ihrer Forderungen die Lohnsätze genommen, die in der vorigen Woche durch den Zentralausschuß den städtischen Arbeitern zuge- sprachen sind. Allem Anschein ngch wird daneben noch die Zahlung einer größeren einmaligen Teuerungszulage ver- langt. Der plötzlich aiisgebrochene Streik bringt natürlich in dem Räderwerk der städtischen Verwaltung recht erhebliche Störungen mit sich. Es ist jedoch zu hoffen, daß die Bewe- gung bald durch eine Verständigung beider Parteien bei- gelegt wird. In recht sonderbarer Weise gibt der Magistrat durch das städtische Nachrichtenamt vom Ausbrechen des Streiks Kennt- nis. Das Nachrichtenamt versendet folgende Meldung: Ein großer Teil der Berliner städtischen Bureauhilfskräfte hat es für angezeigt erachtet, heute mittag um 12 Uhr in den Streik zu treten und damit das unter einer längeren Kündi- gungsfrist stehende Dien st Verhältnis dem Magistrat gegenüber zu brechen, sowie gleichzeitig sich über den rechtsverbindlichen Schiedsspruch vom 11. Oktober, der die künf tige Vergütung der Hilfskräfte durch eine Zulage von 100 M. monatlich regelt, hinwegzusetzen. Der Magistrat ist nicht gesonnen, diesen zwiefachen Rechtsbruch hinzuneh men. Er erläßt an sämtliche Hilfskräfte die Aufforderung, d i e Arbeit bis spätestens Donnerstag, 8 Uhr früh, au f z u n e h m e n, andernfalls sie sich als entlassen zu betrachten haben. Der Magistrat ist gewillt, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln den Betrieb in den Bureaus, ins- besondere in den lebenZwichngcn Verwaltungsstellen, aufrecht zu erhalten und sich dabei auch nicht durch Androhung von Sabotage gegen cnntliches Material zurückschrecken zu lassen. Der Magistrat wird sich, wenn erforderlich, unverzüglich mit einem A u f r u f z u r Hilfe an die gesamte Bevölkerung wen- den. Für den Schutz der Arbeitswilligen wird Sorge getragen werden. Wir wissen nicht, ob totsächlich von den Streikenden mit Sabotage gegen amtliches Material gedroht worden ist, sollte das wirklich der Fall sein, so wäre das freilich aufs schärfste zu verurteilen. Andererseits soll man aber auch nicht gleich Beschuldigungen erheben, die man, wenn nicht ganz positive Unterlagen dafür vorhanden sind, nur als leeres Gerede be- zeichnen kann, das geeignet ist. die Gegensätze zu verschärfen. Am heutigen Mittovoch finden im Berliner Rathause Verhandlungen zwischen Vertretern aller Groß-Ber- liner Gemeinden und Vertretern der Steikleitung statt. Ob eine Verständigung zustande kommen wird, läßt sich nicht vor- hersagen. Erfolgt eine Einigung nicht, so ist vielleicht damit zu rechnen, daß der Streik weitere Ausdehnung gewinnt, da die gewerblichen Hilfskräfte sowohl der Stadt Berlin wie vervbiedener Vororte sich bereit erklärt haben, in einen Sym- pathieausstand zu treten. Der Kommunalbcamtenverband Groß-Berlin hält, wie uns mitgeteilt wird, den Schiedsspruch auch für unzureichend. Für ihn kommt eine Beteiligung an, Streik bei der gegebe- neu Sachlage nicht in Frage. Als gewerkschaftliche Organi- sation ist er aber nicht in der Lage, seinen Mitgliedern Ar- beitsleistung zuungiinsten der Hilfsarbeiter zu emvsehlen. Unbedingt auszunehmen davon sind diejenigen Arbeits- leistungen, die als Notstandsarbeiten in lebensnotwendigen Betrieben, z. B. Versorgung der Kranken und Säuglinge, an- zusehen sind.__ Der Metallarbeiterstreik. Im Laufe des gestrige� Tages sind die Arbeiter von dreizehn Firmen mit insgesamt etwa 1000 Beschäftigten in den Streik ge- treten. Bei fünf Firmen wurden die Forderungen der Arbeiter bewilligt, so daß nunmehr 01 Firmen der Vereinbarung beige- treten find. Von Stuttgart aus hat Reichsarbeitsmiuister S ch. ff ck e den Verband der Berliner Metallindustriellen um neue Verhandlungen ersucht, für die daS Arbeitsministcrium von Schlicke Anweisungen erhalten hat. « In der Abendausgabe des„Berliner Tageblatts" vom Montag. den 13. d. M.> ist über den Metallarbeitcrstrcik eine Mitteilung enthalten, m der es am Schluß heißt: „Ter Metallarbcitervcrband scheint besonders Wert auf die Verhandlungen nach Gruppen zu legen. Für ihn ist die Vcr- Handlung nach BerufZgruppen insofern einfach, als seine Organi- sation auf der Grundlage der Branchen� aufgebaut.ist. Für den Verband Berliner Metallindustrieller trifft dies aber nicht zu, da viele Firme» Arbeitnehmer beschäftigen, die einer großen Reihe verschiedener Branchen angehören. Schon au� diesem Grunde ist ein Viebenemanderverhandeln sämtlicher Gruppen bei den allgemein kommenden Tarifverhandlungen nicht an- gängig". Wenn dieses die Stellung des Verbandes der Metall- mdustriellcn sein sollte, dann ist dies ein sehr fadenscheiniger V o r w a n d, denn es ist im vorigen Winter bei Aufbau des im Juli gekündigten Tarifvertrags für die Metallindustrie auch branchen weise verhandelt worden, und haben sich keinerlei Schwierigkeiten daraus ergeben. Da viele Firmen Angehörige der verschiedensten Branchen beschäftigen, so ist eine Teilung durch eine Verteilung der Arbeitgeber auf die verschiedensten VerHand- lungskaminern durchaus möglich und kann kein Grund dafür sein, dem Vorschlage der Arbeitnehmer nicht zu entsprechen. Dem Bericht der Streikleitung entnehmen wir fol- gewde Meldungen: Die. Außen Monteure, die durch die Streik- leitung zurückberufen werden, haben dem unbedingt Folge zu leisten.— Bei der Firma Arndt, Fennstraße, sollen die Lehr- linge Arbeiten der Transportarbeiter verrichten. Die Lehrlinge, welche sich weigerten, das zu tun, wurden von Ingenieur B u tz geschlagen.— Von mehreren Stadtverwaltungen lagen An- träge auf Verrichtung von Notstandsarbeiten vor. Diese Anträge wurden der Streikleitung der Rohrleger überwiesen. Die verwundeten Versammlungsteilnebmer der 30 Donnerstagversammlungen werden durch die Fünfzehnerkommission stnter- stützt.— Es sind wieder in großer Menge Sympathicerklärunqen von allen Organisationen eingelaufen. Es ist unmöglich, dieselßcn im Wortlaut zu bringen. •k Tie Leiter de r Kontrollstellen werden ersucht, zu einer Besprechung am Donnerstag, den 16. d. M., nachmittags 4 Uhr, im Arbeitsnachweis, Linienstr. 83, zu erscheinen. * Tie Straßenbahner. Wie nnS in vorgerückter Stunde berichtet wird, erklärte die am 14. Oktober im Lokal Klostergarten in Plötzensee tagende Versamm lung der S. Inspektion der Großen Berliner Straßenbahn, daß sie den streikenden Metallarbeitern ihre vollste Sympathie entgegenbringt und daß sie im gegebenen Augenblick einer A u st forderung der Fünfzehner-Kommission und der Berliner Ge tverkschaflSkommission unverzüglich Folge leisten werde. Der Kampf um die Macht. Vom Stuttgarter VerbandStag der Metallarbeiter sendet uns unser Korrespondent über die Fortsetzung der Debatte wegen der Gültigkeit der angefochtenen Mandate folgenden Drahtbericht: Nicht minder erregt und heiß als um die Berliner Man- date war der Kampf uni die Dresdener Delegierten. Das Wahlkomitee hatte die zuerst gewählten zehn der Opposition gehörigen Mandate wegen unzulässiger Wahl- b e e i n f l u s s um g kassiert und dafür zehn andere Leute nach Stuttgart geschickt. Die Opposition blieb ihrer Tradition treu und unter Begehung eines„flagranten Rechtsbruches", lvie Gen. Haas erklärte, kassierte sie die 10 Mandates setzte die zurück- gewiesenen Delegierten der Opposition in ihre Rechte ein und verstärkte somit ihre Position um L0 Stimmen. Haas beantragte nunmehr, die Sitzung abzubrechen, uni seinen Freunden Gelegenheit zu geben, zur neuen Situation Stellung zu nehmen. Das gab der Mehrheit wieder einmal Gelegen- heit, in moralische Entrüstung auszubrechen. Sabotage, Ver- schleppungstaktik usw. warf sie Haas vor. Die Dißmänner haben absolut kein Recht mehr, solche Vorwürfe zu machen, denn der Frankfurter war es, der in eigeger Person die am Morgen erhobenen Bedenken gegen einen am Mittwoch ge- planten Zkachmittagsausflug zerstörte. Man wollte am Mit- woch den neuen Wein probieren. Ob man unter diesen Um- ständen„schon" am dritten Verhandlungstage zur Wahl des Bureaus kommt--?__ Neue Lohnvereinbarnng im Groß-Bcrlincr Bangewerbe. Nach mehrmaligen Verhandlungen zwischen dem Verband der Baugcschäfle von Groß-Berlin und den am Bertrage beteiligten Organisationen der baugewerblichen Arbeiter ist ein Nachtrag zu den geltenden Tarifverträgen dahin abgeschlossen worden, daß ollen ini Hochbau beschäftigten Gruppen der Arbeitnehmer, rückwirkend vom 1. Oktober ab. eine Lohnerhöhung von 40 Ps. für die Stunde gewährt wird. Nachdem die Verhandlungen für das Hochbangewerbe ihren Abschluß gefunden hatten, wurden die inzwischen abgebrochenen Verhandlungen für das Tiefbau- g e w e r b c fortgesetzt. Auch hier wurde rückwirkend von» 1. Ok- tober ab eine Lohnerhöhung von 40 Pf. für die Stunde bewilligt. Für die Tiefbauarbeiter erhöht sich der Lohn ab 1. Januar um weitere 5 Der Bauarbeitcr-Vcrband ersucht die Kollegen überall da, wo. die Lohnerhöhung bis Sonnabend, den 18. d. Mls., nicht gezahlt wird, der Organisatiousleitung sofort Mitteilung zu machen._ Unsoziale Maßnahme»» der Oberpostdirektion Berlin. Die Oberpostdircktiou Berlin erläßt in der TageSpresse einen Auirnf zur Meldung von Aiilvärleniinen als Post- und Telcgrapben- gehilstitncii. Dieser Ausruf muß in den Kreiselt der HilsSangestell- :en der Postverwaltnng um so verwunderlicher erscheinen, als gegen- wärlig nicht der geringste Bedarf an solchen AibeiiS- lräiten vorliegt. ES sind im Gegenrert seit Monaten Bestrebungen vorhanden, die gegenwärtig im Bezirk der Oberpostdirektion Berlin beschäftigten Aushilfskrätte erwerbslos zu mache». Diese Be- strebungen slbeine» jetzt in die Tal umgesetzt zu werden. Uns wird z. B. vom Fernsprechamt 6 gemeldet, daß dort Anfang dieses MonatS 7 0 weibliche Telephoni st innen und in diesen Tagen weitere SO gekündigt worden sind. Wäbrend man auf der einen Seite eine ganze Schar von Arbeitskräften zur Bewerbung mobilisiert, werden auf der anderen Seite zur gleichen Stunde Massenentlassnngen vorgenommen. Jahrelang eingearbeitete Kräfte werden jetzt sachlich ohne Notwendigkeit der Arbeitslosigkeit aus- geliefert. Ganz besonders zu leiden Kaben unter dieser Maßnahme die Angehörigen des arbeitenden Volkes, zu dem das Aus« Hilfspersonal gehört.» Der Herr RcichSpostminister hat in einer Verfügung vom 13. September 1019 ausdrücklich erklärt, daß Entlassungen nur in» soweit stattfinden, als sie mit Rücksicht auf die Verpflichtung zur Unterbrittgimg von Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen. Ver- sorgnngsberechtigtcn, Mililäranwärtcrn, Kriegsgefangenen und Be- aimen aus den besetzten Gebieten notwendig sind. Zu dieser Ver- sügung stehen die Maßnahmen einer untergeordneten Dienststelle in großem Widerspruch und ist zu erwarten, daß das Reichspost- Ministerium, die gegenwärtigen Massenentlasiirngen aufhebt. �lle Macht den /lrbeiterräten. Zu unserer am Freitag unter dieser Ueberschrifl veröffentlichten Notiz, die brandmarkte, daß auf Beranlasiung des Betriebsver- lrouenSmannes F e st in den Adlerwerken ein arbeitsloser Schlosser nicht eingestellt wurde, weil er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei ist, sendet uns Herr Fest eine„Richtigstellung". Die Zuschrift bestätigt fast in allen Einzel- heilen unsere Darstellung des Sachverhalis. Nurichlig ist nur, daß Herr Fest nicht Obmann des Arbeilerrats, sondern Obmann des BetriebsarbeiterausschusieS ist. Auch will Fest nicht aus eigener Machtvollkommenheit gehandelt haben, sondern eS sei der be- treffende Arbeitslose auf einen Beschluß seiner Kollegen hin nicht eingestellt worden. Zum Schluß der Berichtigung heißt eS dann: „Ich mußte denn so handeln, um keine Unruhe zu stiften, denn wir haben bis jetzt Ruhe und Ordnung im Betriebe gehabt und dürfen auch wegen eines Kollegen die Sicherheit des Betriebes nicht stören.(!) Ich als Obmann habe die mir übertragenen Pflichten zu er« füllen und bin dafür von den gesamten Kollegen des Betriebe». zirka ISO Mann, gewählt. Auch wird der Betrieb von Arbeiterräten der U. S. P. D. vertreien. Obwohl wir Unabhängige sind, so sind wir auch anständige Menschen. In einer Nachschrift bestätigt Herr F« st noch, daß er lS03/4 als Streikbrecher tätig war. Das habe er aber als junger Mensch getan. Heute, im reifen Alter von 3S Jahren, habe er einen festen Willen und Charakter bekommen und nehme er die Interessen seiner Kollegen wahr. Achtung, Bauarbeiter! Die ArbeitSvermittelung für die Gips- und Zementbranche findet abends von 4— S Uhr im Zimmer 58 statt. Mittwoch wird die Betonbranche und Donnerstag die Gipsbaubranche aufgerufen. Wer ohne Entschuldigung fehlt, gilt als gestrichen. Die Arbeits- vermiitelung für Maurer und Hilfsarbeiter findet von S— 6 Uhr im Zimmer 38 statt. Sonnabend wird keine Arbeit vermittelt. Vor- mittag findet also nur die Abstempelung von Kontrollkarten statt. Abmeldungen, Neuaufnahmen und Umschreibungen werden nur im Zimmer 46 entgegengenommen. Deutscher Bauarbeiterverband. Bezirksverein Berlin. Gewerkschaftsmitglieder! Karten zu ermäßigtem Preise können für die im„Deutschen Theater" am Sonntag, den 19. Oktober, nachmittags 2 Uhr, stattfindende Vorstellung„Der Weibsteufel" in unserem Bureau, Engeluser IS, 1 Treppe, Zimmer 15, von vormittags O1/» bis nachmittags 3'/, Uhr in Empfang genommen werden. Die Berliner Gewerkschaftskommission. Zum Mctallarbeiterstreik. Fr in Werner Akt.-Oies., Werk Lübowstr. Betriebsversammlung Mittiooch, den 15.. 9 Ubr. im Nationalbos. Biilowstr. 37. Ludwig Locwe. Huttenstraxc. Mittwoch, den 15. Oktober. 4Y, Uhr nachmittags. Wichtige Betriebsversammlimg im Klostergarten, PlStzensee. Die Streikleitung. Bergmann-Werke, Roscnthal. Auszahlung der Streikuntertiutzung für Wickele!, Oelschalierbau und Formgicßcrci Donnerstag, den 16. Oktober, oormittags von 10— 11 Uhr, im Streiklokal. Die Streikleitung. Firma Lorenz. Tempelbof. Die Auszahlung findet am Freitag in der Bockbrauerei statt. Nr. t— 300 und Abt. 14, 15, 24 von 9—10 Uhr. 301 bis 600 10—11 Uhr, 601 bis Schlug 11—12 Uhr. Anschliegend Betriebs- venammlung. Die Streikleitung. R. A. G. Lberschöneweidc. AuSzablung der rcstierenden Löhne am Donnerstag, 2 Uhr, im Fährschuppen. Quiitung unterschreiben von 139—559 im Streiliokal von 10—2 Uhr. Die Streikleitung. Maschinisten und Heizer der Schurnrytupifwerte B M. A. G.. Wildau. Heute Mittwoch, den 15. Oktober, mittags 12 Uhr, im Kasino: Versammlung._' Die Streikleitung. Zentralverband der Angestellten. Fachgruppen XIV'— XV. Donnerstag, den 16., abends 7 Uhr, HaverlandS Kettsäle. Nene Fricdriäi- strage 35: Gemeiniame Sitzung aller SektionSleitungsmilglieder beider Fachgruppe». Tagesordnung: Unsere nächsten Arbeiten. Verschiedenes. Sektion: R e ch t S a ir w a I t s a n g e st c l l t e. Mitgliederoer- fammlung am Donnerstag, den 16., abends 7>/, Uhr, im Ziosenthaler Hos, Roienthaler Str. 11/12. Derantw. für den redoktion. Teil: Altred Schot», Neukölln: für Anzeigen: Theido« klocke, Berlin. Bering: Vorwöris-Bcrlag©. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärt»- Buchdruckcrei und Bcrlogsanstalt Paul Einacr u. To. in Berlin. Lindenftr. 8. Hier»« 1 Beilage. .■"/„.-i/ -r-vai-/ �77--�'."� Effektvoll und stpornspapend