Nr.SS8.g«.I-Isrz. BczngSvret« t einttliStjtL»/— Ml. monotl t.— SB. fret nu öou*. voraus zahlbar. Pak» bezuz- Monallich tr- Ml.«0. ßu» ftelluugozedUha UntftScfujbanli für Deuttchiail» und Ceftertexd)' Ungarn Ml. für da» übrtgi Susland tO 2, MC. bfi lägllch tmmaL ßufitUung 8Lä ML PoftbefteUungni lubmrn an DanemarL Solland ttucfmtmrg, Sdiveben a. dt» Schwerz. Singerragen in dl» PolI-ß»lN»ng»-Pre>»>>ft«. Der.Porwün»" m«»er Hanniag» deilage»Voll u. ßc'f»rfchrtni wachen» lagUa) iweimal Sonnlag»«mmaL Abend Ausgabe. Xelegramm-Sörrff»: �ojialbemotcal BrcU«". Verlinev Volksble»tt. Zcntralorgan der fozialdemokratifcben Parte» Deutschlands. ISPfennsiT) elxzeigenvre»»: ®tt achrgelpalren» zlonparelllezekl« kalter tL0 ML»Kleine Anzeigen". da» lettgedruckte Won W Pig. izulällig » tettgebnxtle Wone>. lebe» weiter» Wort»0 Pig. Stellengesuche und Schlasitellenanzetgen da« erste Wort A» Psg. lebe» wettere Won 80 Pfg. Wort» über ld Buchstaben zählen siir zwei Won». Teuerungszuschlag 30%. Famtllen* Snzetgen politisch» und gewerkschaftlich» verein«» Anzeigen 1,80 ML d>» ßcilt Anzeigen für dt» nächst» Nummer müssen dt,» Ith» nachmlilag» im dauptgeschäft. Berlin SW 88 Ltndenltratz» 8. abgegeben werben. Seöffnei oon 9 Uhr srllh vi« 8 Uhr abend». Reüattion unü Expedition: SW. 08, Linöenstr. Z. ßerniiirectier; Omt Morinvlntz, Str. 151 90— 151»7. Mittwoch, den 15. Oktober 1919. VorroärtS'verlag G.m.b. ß., EW. 68, Einöenstr. 3. Kernivrecher: Amt Wtoridplan» Nr. 117 55— 54. Koalition in Oeutsthöfterreich. Offener örief an�esn Lonauet.I Entschließung öes wiener Proletariats. i''S i Pftiönpr WprtAtprfTfltlP.rÄ\ Schr verehrter Genosse L o n g u e t! Vor einigen Wochen las ich in der.Liumanitä" einen Aufsatz Ihres von uns allen bewunderten Freundes Henri Barbusse, in dem er sich ai» der Schöpfer der Gruppe„Erteuchlung" mit jener von der Realtion neugegründeten Konkurrenggruppe auseinander« fetzle, die sich den Namen„Vernunft" angemaßt hat. Auf die Ver- nunft, sagte Barbusse, dürften sich nur diejenigen berufen, die gegenüber allen Vorurteilen der kapiialistischen Gesellschaft ihr Denken und Handeln nach dem Grundsatz von DeScarleS, dem Gründer der Vernunftsphilosophie, richten:„N'admcttre pour vrai, que ce qui api arait necessairement etre tet."(lllut d a S darf als wahr anerkannt werden, was gebieterisch aiS solches er- scheiiil.f Freilich läßt sich in der Leidenschaft des politischen Kampfes und in der Haft des journalistischen Lebens dieser erhobene theo- relische Grundsatz praktisch kaum in aller seiner Strenge anwen- den, und namentlich in den Jahren des Krieges waren wir, ob Franzose» oder Deutsche, bei der täglichen Verletzung dieser einzig richtigen Denkmelhode Sünder allzumal. Wäre eS aber nicht an der Zeit, verehrter Genosse, nachdem bald ein volles Jahr seit dem letzten Schuh an der Westfront ver- strichen ist, unS zu bemühen, namentlich bei der Behandlung aller Fragen, d.e das deulsch-französische Verhältnis berühren, die Me- t h o d e von D e S c a c t e S anzusvenden? Können die fran» zösischen Sozialisten met gutem Gewissen behaupten, daß sie sich Deutschland und seinem Volke gegenüber von allen Vorurteilen freigemacht haben, die sie sich in den Jahren des Kampfes meist unbewußt zu eigen machten? Werden sie behaupten wollen, daß sie— von den Verhältnissen während de? Krieges ganz und gor abgesehen— die Verhältnisse in Teutschland sie i t der R«- Solution auch nur annähernd so genau kennen, wie eS für eine gerechte Beurteilung zu wünschen wäre? Ich habe in Luzern ganz und gar nicht diesen Eindruck ge- Wonnen, und eS fällt mir dabei ein« kleine Episode auS den De- batten in der politischen Kommission der Konferenz ein. Sie sprachen mit jener Schärfe, die bei Ihnen, wie ich e? gleich betonen möchte, immer frei von jeder Gehässigkeit bleibt, von der Koalition mit den Bürgerlichen, die wir deutschen Mehrheitssozia- listen eingegangen sind. Ich warf ein. daß wir dies nur g e» zwungen getan hätten, und meinte damit den Zwang der Ver- Hältnisse, d. h. die leider nicht zustandegeiommene rein sozialistische Mehrheit und den unversöhnlichen Willen zum Bruderkampf, der die Unabhängigen beseelte, seit dem Tage, an dem sie unter dem Druck der Kommunisten auS der gemeinsamen Regierung der Volksbeauftragten ausgeschieden waren. Sie aber antworteten: „Welchen Zwang meinen Sie? Zwang kann nicht aus jenen lasten, die die Maschinengewehre besitzen." —„Am S. Januar waren wir vollständig waffenlos", erwiderte ich. „Mag fein", war Ihre Antwort,„jetzt aber besitzen Sie die Maschinengewehre." ES war damals weder die Zeit noch die Möglichkeit vorhanden, diese Tatsachen zu erläutern, obwohl sie für die Beurteilung unse- rer deutschen Verhältnisse von wesentlicher Bedeutung sind: denn ebensowenig wie man bei einer Schilderung des europäischen Krieges die Tatsache, die zugleich«in Unrecht und eine Dummheit war, des deutschen Einmärsche« in Belgien außer acht lassen dürfte, ebensowenig dürfte man auch bei einer Geschichte des deut- schen Bürgerkrieges die Tatsache, das Unrecht und die Dummheit ignorieren, die die Berliner Unabhängigen am b. Ja- nuar dieses JabreS im Verein mit den Spartakisten begingen, als sie sich mit widerrechtlich angeeigneten und verteilten Waffen gegen «ine truppen- und waffenlose sozialistische Regierung erhoben, die sich am nöcksten Morgen in ihrer letzten Zuflucht, der Reichskanzlei, zuerst nur slundenkang hinter der lebendigen Mauer zehntausender von mehrhrüssozialisiischen Arbeitern halten konnte. Von alledem, wie überhaupt von dem Verlauf der gan- zen deutschen Revolution schienen Sie nicht viel zu wissen, und wie sollten Sie eigentlich mehr davon wissen, als da«, was der aus besonderen Gründen gegen die deutschen Mehr. hci.-ssozialisten haßerfüllte Berner Korvespondent der„Humanite* berichtet«. �Deutschland ist nun einmal das meistgebaßte Volk der Welt und>ie Mehrdeitssozialdemokratie die meistgehahte Partei Deutsch- landS. Ich sage die« obne sträfliche Ueberhebung, obwohl der f?aß gewisser Leute uns ehrt. Aber der Haß oder, wenn Sie wollen, daS Mihtrallen anderer, namentlich der französischen MehrbeitS- sozialisten, bedauern wir dagegen um so mehr, alS. wir wissen. daß e» auf Mißverständnissen und Unkenntnis, und nicht auf schlechter Gesinnung beruht. Mir wissen im Gegenteil, daß bezüg- lich der Anständigkeit und der nationalen Vorurteilslosigkeit Ihre Richtung, Genosse Longuei, allen andere» vorangeht: Sie habe« (Drahibericht unseres Wiener Berichterstatters.) Nach der Rede Dr. Otto Bauers im Kreis- arbeiterrat. über die wir in unserer Morgenausgabe berichteten, entspann sich eine lebhaste Debatte, die mit der Annahme folgender Entschließung endigte: Ter KreiSarbeitcrrat erklärt, das) im gegebenen historischen Moment in Teutschistcrreich weder die Herrschnft der A r b e i t e r- kiasse allein noch die Herrschaft der Bourgeoisie allein möglich ist. Die Zirbritcrklasse könnte nicht Herr wer- den der Widerstünde der Bevölkerung außerhalb der I n d u st r i e- bezirke. Die Herrschaft der Bourgeoisie würde den Wider- stand brS Proletariats hervorrufen. Jede Allrinherr- fchaft einer Klasse mühte in kürzester Zeit zum gewaltsamen Bürgerkrieg führen, auS dem schliehllch die Konter- rrvokutioa hervorgehen würde. Es besteht daher leider die traurlg« Notwendigkeit, vorläukig das System der Koali- t i o n beizubehalten. Der Krcisarbci.'errat erklärt eS aber als selbstverständliche PorauSseyung einer möglichen Koalilion, das) der Kampf des Proletariats um feine Befreiung nicht erschwert und der Arbeiterklasse keine EntwicklungömSglichkeit unterbunden wird. Ter SreiSarbeiterrat wird jcdcuzeit darüber wachen, daß diese Betiugungcu strtS eingehalten werde». Dcutschösterrelch, das um seiner wirtschaftlichen Lage � willen, selbst von den trostlosen deutschen Verhältnissen aus gesehen, unser Mitleid verdient, ist um seine innerpolitischen Zustände, besonders innerhalb der Arbeiterklasse, zu benei» den. DaS klare und nüchterne Bewußtsein der deutschöste> ! reichischen Sozialisten hat dem schwergeprüften Donaulande � die bitteren Kelchneigen des Bolschewismus ebenso erspart wie die deutschen Notwendigkeiten, mit Hilfe kostspieliger ! Truppen das Schicksal Teutschlands vor den Ertremen eines �Ludendorffs oder eines kommunistischen Dalldorfs i zu bewahren. eS unS bewiesen, als sich Ihr Blatt„Le Populaire" am Abend deS S. Mai als erstes und einzige?(von der„Humanitä" natürlich ab- gesehen) gegen die FriedenSbedingungen unter' der Ueberschrift wandte:„Ein Friede der Unterdrückung und der Ungerechtigkeit"; und alS Sie sich später in Luzern unserer armen Gefangenen.mit dem warmen Herzen des Mannes annahmen, der für die Schwachen und die Unrecht Erduldenden stets einzutreten bereit ist. Aus diesem edlen SolidarilätSgefühl gegenüber dem Schwäche- ren heraus ist wohl auch ihre Stellungnahme zu den B o l s ch e- Wiste» erwachsen. Sie sehen in der Sslvjetreglerung die ver- zweifelt gegen die Uebemnacht der kapitalistischen Ententehcere ringende Arbeiterregierung— aber Sie sehen auch nur das. Was das Regime TrotzkvS und LeninS für Rußland bedeutet— und ich spreche hier nicht vom wirtschaftlichen EhavS— welches Maß an politischen Sünden(gelinde ausgedrückt) die Bolschewisten begangen � haben, das sehen Sie nicht, wollen Sie nicht sehen, obwohl eS Ihnen in Luzern die Menschewiki und Sozialrevolutionäre, die Tseretelli. AKelrod, Stchepak, Sukhomlin, wiederholt vor Augen sühnen. Erinnern Sei sich, Genosse Longuet, an die- Nachtsitzung, in der Stfchoupak. in einer furchtbaren Erregung, die unmöglich gespielt war, trampelnd, mit der Faust auf den Tisch schlagend, Ihnen zurief:»Unsere Sozialisten werden in Rußland verbannt, eingekerkert, ermordet, zu Tausenden und aber Tausenden, und ob- wohl der Bolschewismus für Sie, Longuet. nur theoretische Bedeutung hat, wollen Si« uns daran hindern, die Wahrheit zu verkünden!" Desgleichen sehen Sie in Bela Khun und Szamuellh nur die Opfer der reaktionären Bourgeoisie, und übersehen die Henker, die in ihnen steckten. Und auch in den deutschen Spartakisten, von denen Sie im.Populaire" täglich erklären, Sie betrachten si- als Ihr« Freunde, wollen Sie nur die Schwächeren erblicken und schenken ihnen instinktiv— und übrigens ganz logisch— Ihre wertvolle Sympathie. Wo steht e» aber geschrieben, daß der Schwächere immer im Recht ist? Vom demokratischen Standpunkt aus ist er jedenfalls im Unrecht, wenn er danach strebt, mit Hilfe der Gewalt den freien Willen der Menschheit zu knechten und dadurch selbst der Stärkere zu werden. Sind Sie dabei sicher, daß die Parteien, denen Sie Ihre Sym- pathie in so uneingeschränkter'Weise zuteil werden lassen, ihrer würdig sind? Ach nein! Der Glorienschein, der Liebknecht. Rosa Luxemburg. EiSner paßt nicht zu den Eichhorn, Seidl, Lindner. Die Grenze zwischen Idealismus und Demagogie— und es gibt Zeiten im Lden der Nationen, wo das rücksichtslose Schmeicheln der In- stinkt« der Massen kein politische«, sondern ein Verbrechen schlecht- hin bedeutet— ist bei den deutschen Radikalen sehr schwer zu ziehen. Aber, obwohl ein Gegner der Gewaltpolitik, werfen Die, wie eS scheint, allzu leicht und grundsätzlich da» Mäntelchen der idealisti- schen Motive auf all« von Proletariern begangenen Gewalttaten. Sie wollen die Gewalt nur auf unserer Seite, bot NoSke sehen, und vergessen dabei, daß niemand sich mehr als wir, als NoSke selbst, nach dem Tage sehnt, an dem wir die Reichswehr weder nach innen noch nach außen, weder gegen spartakistisch-unab« hängige,»och gegen imperialistische polnische Gewalttätigkeiten nötig haben. Mit Ihrer gewohnten Offenheit erklären Sie im»Populaire", daß Sie den Sieg der»zweiten Revolution" in Deutsch- land wollen und deshalb für unsere vollständige Ent- waffnung eintreten. Es klingt wie eine Ironie, ist aber eine Tatsache, daß der einzige positive Erfolg Ihrer Partei in der Pariser FriedenSdcCatte eine— Verschärfung de? Vertrages von Versailles war. An sich läßt unS deutschen Sozialdemokraten der einstimmig von der Kammer angenommene Entwa ffnungSantray Lefevres ziemlich kühl. Bedenklich erscheint unS viel eher der Geist, der aus ihm spricht. ES ist bei Ihren Freunden der Geist der Unkenntnis der deutschen Verhältnisse; es ist bei den Reaktionären der G e i st d?S H a s s« S. der unter dem Vorwand der Wackisamkeit nach neuen Demütigungen Deutschlands sucht. Der Geist des neuen Deutschlands dagegen geht au» der deutschen Antwort zu dem FricdenSentwurf eindeutig hervor, in der nicht nur allen militärischen Bedingungen grundsätzlich zuge- stimmt wurde, sondern sogar auf Veranlassung der sozialdemokrati- schen Mitglieder der Regierung und der Delegation weitergegangen wurde, als von unS verlangt war. Da heißt e» nämlich: »Unter Voraussetzung einer finanziellen Regelung erklärt sich Deutschland bereit, nicht nur die im Artikel 18S verlangten KriegSschifse zur Verfügung zu stellen, sondern außerdem noch seine Linienschiffe." Ist das der Geist einer Regierung und eines Volkes, die nach Gewaltpolitik, nach Revanche streben? Ist dieses Angebot, die letzten Lieste feiner Kriegsmarine dem Gegner gegen Handelsschiffs auS- zuhändigen, nicht der beultichste Beweis de» in Deutschland Herr- scherrden neuen Geistes, von dem die Sozialisten aller Länder nur wünschen könnten, daß er auch in den siegreichen Staaten den crlten Geist de» Militarismus und des Imperialismus ablöst? Aber Sie haben nun einmal in Frankreich für die bevorstehen- den Wahlen die Parole der Diktatur de» Proletariat» ausgegeben und fühlen sich gezwungen, konsequent auch in der De- urleilung der deutschen Verhältnisse zu handeln. Diese Parole ist zugkräftig. Si« wirkt besonders auf bisher unorganisiert«, ihrer Klasseninteresssn bisher nicht bewußte Massen, auf die Jndiffe- renten und die Gelben von gestern. In Ländern dagegen, in denen die Arbeiterklasse in planmäßiger, wenn auch nicht immer blenden- der Arbeit sozialistisch erzogen wurde, braucht man das Schlagwort de» RätcsystemZ nicht. D'e dänisch« Partei, die über 110 000 Organisierte in einem Drei-Millionen-Land zählt, hat soeben ihren Parteitag äbgrba.ten, der beinahe einstimmig beschloß, an den Grundsätzen der Demokratie festzuhalten. Unter den 37 Millionen Franzosen zählt die sozialistische Partei 133 0011 ein- geschriebene Mitglieder und da mag die Sowjet-Parole bei den Wahlen Wunder wirken.. Aber selbst wenn ein ungeheures Erstarken Ihnen gestatten würde, demnächst die Macht an sich zu reißen— glauben Si« etlna. daß Sie ohne Maschinengewehre aus- kommen würden? Nicht allein in der stark bonapartistischon Cha- rente, in der royalistischen Vendee. im nationalistischen Lothringen. sondern auch in den Arbeiterbezirken, wo allerhand überradikale und anarchistische Bewegungen entstehen und versuchen würden, ohne Rücksicht auf die Vernunft und auf die wirtschaftliche Lage Ihres Landes, ihren Willen der Mehrheit Ihrer Partei mit Gewalt auf- zuzwingen. Ach, Ihr»NoSke" würde dann nichts zu lachen haben! Aber so weit sind wir noch nicht. Und dennoch liegt in Ihrer Haltung gegenüber der deutschen MehrheitL-Sozialdemokratie eine ungeheure Gefahr. Ihre Partei ist die einzige in Frank- reich, die für die Wiedcrttrsöhnung der Völker wirken kann und will. Aber Ihre rücksichtslose Parteinahpre für die deutschen Un- abhängigen und Kommunisten gegen die Mehrheitssozialdemokratie droht die Mißverständnisse und Vorurteile, ja den Haß der Fran- zosen gegen die Deutschen zu vertiefen und sogar in jene Arbeiter- massen hineinzutragen, die bisher glücklicherweise dagegen gefeit waren. Ein« Hetze, die sich gegen die stärkste regierende Partei der Deutschen Republik wendet, kann auf die Tauer nur verhetzend gegen das ganze deutsche Volk wirken. Indem Sie täglich NoSke und Scheide mann beschimpfen, beschimpfen Sie die 1Ä anderen mehrheitZsozialistisöben Abgeordneten, welch« von IL Millionen mehrheitSsozialisti schen Wählern m die Nationalversammlung«nt- sandt wurden. Oder erwarten Sie etwa, daß unsere Massen, die die Loge Deutschlands kennen, sich von ihren Führern desolidari- fieren, nur weil Sozialisten des Auslandes, die sich nicht einmal die Mühe gaben, die hiesigen Verhälinisse unparteiisch zu studiere», und die niemals an verantwortlicher Stelle praktische Arbeit für ihr Volk und ihren Staat zu leisten hatten» au» eigenen innerpolitischen GrülÄxn danach trachten? Wenn das der ZaJeck ihrer jüngsten Taktik sein sollte, die auf ein Schüren des deutschen Bürgerkrieges hinausläuft, so täuschen Sie sich gewaltig über die Zweckmäßigkeit Ihres Bemühens. Und soll das zur Versöhnung führen? Und all das nur, weil Sie auf die bolschewisrische„Wahrheit" eingeschworen sind, von der Sie doch nicht behaupten werden, daß sie„gebieterisch als solche erscheint". Ueberhaupt, die regelmäßige Lektüre des „Populaire" zeigt mir, daß Sie in bezug auf die deutschen Ver- Hältnisse den rationalistischen Grundsatz von Descartes recht eigen- tümlich anwendend„Nur daS als Wahrheit annehmen, was in der „Freiheit" erscheint." Deshalb beschwor ich beim Abschied von Ouzern den Genossen Amedee DunoiS, die Entsendung eines Berichterstatters der„Hu- manite" nach Berlin anzuregen. Die sozialistische Presse Frank- reichs kann doch unmöglich auf die Dauer auf Berichte der Korre- spondenten bürgerlicher Blätter angewiesen bleiben. �Ebensowenig aber können die deutschen unabhängigen Blätter, die doch nur für einen Bruchteil deS deutschen Volkes schreiben, als maßgebend gelten. Sonst treiben Sie in der Tat, anstatt zum gegenseitigen Verständnis der beiden Völker, die wir doch auf beiden Seiten erstreben, zu einem noch furchtbareren Mißverständnis als bisher. Sonst erreichen Sie nicht die Wiederherstellung und Festi- gung, sondern die endgültige Sprengung der Internationale. Sonst helfen Sie nicht der Deutschen Republik, sondern der deutschen Reaktion. Das deutsche Volk will in seiner übergroßen Mebrheit in einer demokratischen Republik gesunden und nicht in einem riesigen Tollhaus Münchener oder Budapester Art untergehen. Furcht- bare Zeiten der Not stehen ihm infolge deS Krieges und des Versailler Friedens bevor. Ueber diese Zeiten -S hinwegzusteuern ist die höchst undankbare Aufgabe der deutschen Mehrheilssozialdemokratie. Sie wissen, wie eng daS Schicksal Frankreichs mit dem Schicksal Deutschlands ver- knüpft ist. Wenn Sie infolge ungenügender Kenntnisse unserer Lage, unseres Geistes und unserer Ziele die Titanenarbeit der deutschen Mehrheitssozialisten systematisch erschweren, so machen Sie dasselbe, was vor einigen Tagen Nenaudel der Pariser Frie. donskonferenz vorwarf:„Ilne rnauvaise affaire et une mauvaise action." Ein schlechtes Geschäft und eine schlechte Tai. Victor Schiff. « NachschriftderRedaktion. Diese Zeilen waren bereits geschrieben, als der„Populaire" vom 6. Oktober mit einem Leitartikel von Dcrnisl-Renault„NoSke und die Internationale" hier eintraf. Da nimmt die Unkenntnis der deutschen Verhältnisse ge- radezu groteske Formen an. Aber auch die Anpöbelungen unserer Partei sind derart, daß man schwerlich alles auf das Konto der Un- wissenheit unserer französischen Genossen setzen kann und an ihrem guten Glauben zu zweifeln beginnt. Noch ist es Zeit, sich zu be- sinnen, in der Beschimpfung der deutschen Mchcheitssozialisten den Wettlauf und den Kampf der Meinungen mit der Feder und nicht mit den französischen Chauvinisten einzustellen. Mehr wollen wir für heute nicht sagen, um die Kluft zwischen den einzelnen Teilen des internationalen Proletariats nicht zu vertiefen, wie es offenbar das Bestochen RenaultS ist. Nur das eine wollen wir den ftanzö- fischen Sozialisten rechtzeitig zurufen: vor einer„Säuberung" der Internationale schrecken wir am allerwenigsten zurück und gehen Leber mit Bjorgbjevg zusammen als mit Bela Khun. wiüerftänöe gegen Washington. Ueber der Washingtoner Arbeiterkonferenz scheint ein Unstern zu stehen. Erschien ihre Arbeitsmöglichkeit durch die Nichtbeteiligung der deutschen u n d ö st e r- reichischen Gewerkschaften, denen es bekanntlich nicht zusagte, als Bittende vor den Türen der Tagenden zu stehen, von vornherein wesentlich herabgemindert, so ist die neue Mitteilung, die uns zugeht, ganz besonders geeignet. den Rest von Vertrauen in die positiven Leistungsmöglich- keiten der Konferenz noch mehr zu erschüttern. Die Nach- richt hat folgenden Wortlaut: Der Sonderberichterstatter vom„Echo de Paris" in Washington meldet vom 12. Oktober, daß die a m e r i k u- nischen Gewerkschaften gegen die Einberufung des Internationalen Kongresses für Arbeiterrecht in Washington seien. Die Bewegung sei so stark, daß sie allein schon die Ratifizierung des Friedensvertrages in G e- fahr bringen könne. Die mächtigsten amerikanischen Gewerk- schaften protestierten gegen den Aktionsplan, die amerikanischen Arbeiter auf die Stufe der Arbeiter anderer Länder zu bringen, weil dies notwendigerweise die durchweg höheren Arbeits- löhne in Amerika drücken müsse. Andere Kreise wieder kämpften gegen die Schaffung eines internationalen Arbeiter- rats, der dem Sowjetshstem gleichkäme. Der Handels- mini st e r habe angekündigt, daß, wenn das Statut des Völkerbundes mit allen notwendigen Ratifizierungen nicht vor dem 29. Oktober, dem Tag des Zusammentritts der Jnter- nationalen Arbeiterrechtskonserenz, sichergestellt sei, diese Kon- ferenz vertagt werden müsse, da sie dann nicht alle auf der Tagesordnung stehenden Fragen erörtern könne. Wenngleich die Gründe, welche dre amerikanischen G e w e r k s ch a f t e n zu ihrem Widerstande gegen eine Be- teiligung an der Konferenz bewogen haben, wesentlich anderer Natur sind, als die der deutschen und österreichischen Gewerkschaftsvertreter, so ist doch durch die amerikanische Abneigung das Zustandekommen der Konferenz bzw. die Möglichkeit harmonischer Arbeit außerordentlich gefährdet. Gräfe gegen Noske. Seit der Berliner Funktionärversammlung, in der Ge- nosse Noske nicht nur kräftige Worte gegen die Treibereien der Alldeutschen in der Reichswehr fand, sondern auch auf seine Taten zur Säuberung des Offizierkorps von putschistischen Elementen hinwies, speit die rechtsstehende Presse Gift und Galle gegen ihn. Die Angriffsartikel Luden- dorffs sind symptomatisch. In der„Deuftchen Tageszeitung" vom Dienstag Abend findet sich eine Schimpferei unter der zartsinnigen Ueberschrist„Noske redet Unsinn", die jedoch an Geschmacklosigkeit noch weit übertrumpft wird durch die Ueberschrist, die der bekannte Talmijunker von Gräfe-Goldebee in der„Deutschen Zeitung" für seine Attacke wählt:„Herr Noske in Nacktkultur". Dem Titel entspricht der Inhalt. Herr von Gräfe spricht Noske das Verdienst um die Gründung der Reichswehr ab. Noske habe es nur verstanden,„dem alten preußisch-deutschen Offizierkorps so lange mit allerlei Redensarten Honig um den Mund zu schmieren, wie er glaubte, diesen mili- tärischen Grundvfeiler der öffentlichen Ordnung und Sicher- heit nicht entbehren zu können. Noske habe dadurch viele von ihnen bei der Fahne gehalten, die Vorzügliches geleistet hätten, und„Herr Noske hat für seine Person den Ruhm der selbstlosen Männer des alten Ne» g i m e s quittier t". Nun, wo er glaube, daß er dieser Stütze nicht mehr bedürfe,„wenn er durch den Republikani- scheu Führerbund und ähnliche Mittel sich einen Ersatz für die alten Offiziere geschaffen haben würde", rühme er sich vor der Berliner Funktionärversammlung,„wie er tagtäglich reaktionäre Offiziere rausschmisse und wie er in Bälde ein bettelarmes Offizierkorps haben würde, das von der Sicher- heit der Regierung abhängig sei." Natürlich, das Verdienst um die Gründung der Reichs- wehr haben selbstlose Leute wie Ludendorff und Herr von Gräfe, die in vollendeter Selbstlosigkeit während der gefähr- lichen Tage nach Schweden ausgerissen waren oder sich in gänzlicher Zurückgezogenheit mucksmäuschenstill verhielten. Wenn Herr Gräfe außer sich und Ludendorff vielleicht noch jene Männer des alten Regimes als„selbstlos" bezeichnet, die der Reichswehr in der Hoffnung beitraten, dadurch d i e Maria Stuart" im Staatstheater. Lucie Höflich, vom Staatstheater umworben und von Mar Reinhardt freigelassen, damit vor den Gerichten in dieser ernst. haften Zeit kein Menschenfchacher verhandelt werde, wollte die Maria Stuart spielen. Zuletzt hatte man in der Rolle Maria Fem gesehen, die es wörtlich und verderblich nahm, daß sie nach des Dichters Willen„die Wollust und die Hoffahrt" in dem Herzen zu trac-en habe. Frau Höflich dachte mehr eine ganz gqnnde Schot tcnkönigin zu sein, ein W«ib von schwerer Linie und voller Stimmenkraft, das in sich eher Tugenden als Laster verbirgt und also wie ein wirklich geläuterter Engel das Schafott besteigen kann. Die Heroine, der von vornherein alles Unrecht verziehen wird, obwohl sie durch Mord und Eheschändung recht tapfer hindurch- gewatet ist, das muß eine andere Frau gewesen sein als die von Frau Höflich dargestellte. Kurz, sie gefiel sich in der saftig hin- schmelzenden Beredsamkeit, die mit Worten und Bewegungen fenti- mentalisch ausholt und eigentlich ins Krampfhafte auspuffen muß. wenn es gilt, der englischen Königin Elisabeth die brausende Ver- femung ins Gesicht zu schleudern. So nahm sie rührend Abschied vom Lehen, so spendete sie beinahe mit der Schönheit einer Bestalin den Segen, den ihr trauerndes Gesinde fordert. Das war das Beste ihrer Leistung. Aber man täusche sich nicht darüber, daß in diesem Trauer- spiele nicht ein Engel mit einer Hexe ringt. Rein, es kämpfen zwei ebenbürfige Teufelinnen gegeneinander. Agnes Straub, die Elisabeth, mischte solches Weibertum ungewöhnlich schlagfertig, klug und'einem angeborenen Triebe folgend, zusammen. Hätte sie nicht an einigen Stellen Französisches allzu slowakisch ausgesprochen, sie würde eine ganz vollendete Elistbeth gewesen sein: zur rechten Zeit Sie scharfe Keiferjn, dann wieder die Klytemnästra, die eine morde- rifche Zärtlichkeit vergeudet, damit ihr KönigSwabnsinn erfüllt toird. Ja, sogar das Laszive fehlte dieser Elisabeth nicht. Diese Elisabeth konnte greisenhaft kauern und auch kosend umschlingen, ihre Stimme entfaltet� Mannheit, Sängerinnensüßigksit und Pöbelgekrächze zugleich. Sie blieb immer mannigfach gestaltete? Weib. Ihre Kunst war das Bedeutendste dieses Abends, der Fritz K o r t n e r, den neuen Mortimer, einführen sollt«. Vom jungen Theater der„Tribüne" kommt Herr Kortner. Man mußte ihm sehr viel Verstand usid die Fähigkeit zugestehen, selbst aus einem dürren, unfruchtbaren Wort ein Scheinleben herauszuholen. ZllS Mortimer war er zu klug, zu altklug, nicht blühend genug, kein blindlings Hingegebener, sondern beinahe mephistophelisch angebaucht. Sein« Jugend hat sich in einer blu- migen Suada hinzuschenken. Sie darf nicht tifteln. Warum hat Dr. Bruck, der Spielleiter, nicht verlangt, daß sein Mortimer die Staatsmannsmanieren lasse und ganz lechzend verlorene Jugend bleibe? Kortner ist sicher ein sehr gelehriger Künstler, der noch vielerlei Freude bereiten wird. Warum hat Dr. Bruck gestattet, daß sich Herr Clewing, Graf Leicesier, mit gehobenem Tanz- bein zu seiner Königin heranschwingt? Die Aufführung brachte schöne Bilder, und nur einige Eni- gleisungen verrieten, daß man am Staatstheater noch in die Kühn- heit und Freiheit hinein-t ästet. Martens karge Gefängniskahüheit war leicht zu erstellen. Der Thronsaal Elisabeths stand in einem zu kalkigen Lichte, so daß die Züge der Britenkönigin von einem clownesken, erstarrenden Grau übertüncht wurden. Auch sonst müßte der Spielleiter manches umgestalten. Das Uebermaß d«r Pappe und des tauben Holzes und im Hintergrund die sehr alter- tümliche Prospekienleinewand, das alles ergibt niemals den be- rückenden Garten, der Maria Stuarts lyrische Reimerednerei recht- fertigen und beflügeln sollte. Max Hochdorf. Die Kartenlegerin. Aberglaube und allerlei angepaßter Spuk und Trug sind wieder einmal obenauf. In Unheilszeiten ist das eine natürliche Erscheinung. Sorge und Verzweiflung werden skrupellos ausgebeutet und geben sich meist ibren Ausbeutern willig hin. Wie soll man die Opfer warnen? Vielleicht kann folgendes Ge- schichtchen der Wiener„Arbeiterzeitung" da und dort Selbstschutz erwirken. Das Blatt erzählt: Es klopkt jemand. Die abgehärmte Frau, die gerade beim Küchentisch steht und ihre letzten Kronen- scheine ausbreitet, um zu wissen, was für große Sprünge sie sich morgen auf dem Markte erlauben darf, ramscht die zerknüllten Papierchen rasch zusammen und öffnet die Tür. Draußen steht eine fremde Frau, die ibren Kopf durch die Türspalte hercinsteckr und höchst vertraulich flüstert:„Kartenaufsck'lagen angenehm?" Dabei läßt sie ein Spiel stark abgegriffener Mariagekarten ver- führerisch unter ihrem Mantel hervorlugen. Tie Frau in der Küche will schon ablehnen, aber während des Mundaufmachens unterliegt sie doch der Versuchung und läßt die Kartenkünstlerin eintreten, Die Kostenfrage wird mit einem„Räch Belieben I" von der Prophetin abgetan und bald sitzen beide Frauen beim Kiüchen- tisch, auf dem die Karten kunstgerecht aufgelegt werden. Nach einem flüchtigen Rundblick durcki die Küche und einer fachgemäßen Plauderei während des Mischens hat die Karten- legerin bald heraus, was hier zu prophezeien am dankbarsten ist. Nach allerhand Weissagungen, wie sie im täglichen Leben leicht zu- treffen, beginnt sie, der Frau einen Glücksfall anzukündigen, durch den sie iii den Besitz ungeahnter Reichtümer käme. Die zweifelnde Miene der Frau veranlaßt die Kartenlegerin, sich zu ereifern und ■immer überzeugender zu werden. Da der Gegenstand ihrer Bf- glückungsver suche jedoch kühl bleibt, streift sie ihre Karten zu- sammen und erklärt, fertig zu sein. Nun soll die Beweissagte zahlen, wozu sie aber keine Lust bat. Da kommt ihr ein Gedanke. Sie nimmt der Kartenlegerin die Karten aus der Hand und sagt:„Erlauben Sic, daß ich mich revanchiere." Bevor die Kartenlegerin noch ihre erste Verblüffung überwunden hat, legt ihr die Frau die Karten so auf, wie sie es eben gesehen hat, und fängt zu weissagen an: „Sie sind momentan vom Unglück heimgesucht, haben nur ein halbes Hemd und zerrissene Strümpfe an. Seit langer Zeit haben Sie nicht ordentlich gegessen und Ihren ZinS bringen Sie nur schwer zusammen. Sie stehen in einer größeren Gesellschaft, in der Sie sich schlecht und recht unterhalten und die Sie mit einem halben Kilogramm Erdäpfel in der Tasche verlassen. Sic haben Beziehungen zu einem großen Herrn, von dem Sie wöchentlich ein Viertel Mebl, ein Viertel Haferflocken und zwölf Tekagaramm Fett beziehen. Dieser große Herr wird nächstens gut aufgelegt sein und Ihnen in diesem Zustand ein Ei für. nicht ganz vier Kronen zukommen lassen. Gin seltene» Ereignis steht Ihnen bevor: Si« politische Macht wieder an sich zu reißen, so begrüßen wir allerdings, daß niit solcher„Selbstlosigkeit" kurzer Pro- zeß gemacht worden ist, leider noch lange nicht gründlich ge- nug. Ten wirklich selbstlosen Männern hat jedenfalls kein Mensch ein Haar gekrümmt und ihr Verdienst ist am allerwenigsten von Noske bestritten worden. Was schließlich Noskes Stellung zum Republikanischen Führerbund anlangt, so wünschten wir nur, sie wäre so, wie Herr v. Gräfe sie wider besseres Wissen hinstellt. Aber Herrn Gräfes Deduktionen schürfen noch tiefer. Noske kann gar nicht die Reichswehr organisiert haben, denn — e r i st j a Z i v i l i st. Wie kann ein Zivilist ein Heer auf- stellen?! Herr von Gräfe meint, Noske müßten doch„im Un- terbewußtsein die Erinnyen peinigen", die ihm zuraunen. daß zum Schöpfer einer gänzlich neuen militärischen Organi-, sation unter so schwierigen Verhältnissen doch etwas anderes gehört, als seine eigene ganz bescheidene zivile Ver- g a n g e n h e i t, ja, daß der laienhafte, wenn auch noch so ge- schickte Kritiker nicht ohne praktische Ausbildung und Erfahrung das Gottcsgnadentum eines geborenen Rcorganisators ohne wei- teres besitzt, und daß schließlich eine großsprecherische Begabung noch nicht die Fähigkeit zu kenntnisreicher Tat ersetzt. Was soll man zu diesen Orgien militärfrommer Bor- niertheit sagen? Vielleicht, daß Herr von Gräfe einmal fran- zösische oder englische Geschichte studieren und sich von den militärisch-organisatorischen Leistungen der Zivilisten G a m- betta, Carnot oder C r o m w e l l überzeugen möge. Aber lassen wir ihm seinen Glauben an die alleinselig- machende Generalsuniform! Wichtiger als die Kennzeich- nung seiner Unwissenheit ist die Kenzeichnung seiner Ge- s i n n u n g und Absichten. Die Alldeutschen stehen gegen- über der Reichswehr genau wie hie Unabhängigen und Kam- munisten: Seitdem sie die Hoffnung verloren haben, sich ihrer zu bemächtigen, um sie zu politischen Putschen zu mißbrauchen, suchen sie die Reichswehr zu untergraben und zu zertrümmern. Auf dieses Spiel kann gar nicht deutlich genug hingewiesen werden. Ein vergeßlicher Tobsüchtiger. In der„Deutschen Zeitung" schreit sich Herr A u g u st Abel? mit Revanchephrasen heiser, er stößt schreckliche Drohungen gegen Frankreich aus und benimmt sich in einer Weise tobsüchtig, die geradezu gemeingefährlich ge- nannt werden muß. Er verkündet Frankreich ein„Ende mit Schrecken" und höhnt über die französische Besorgnis vor der deutschen Revanche, die er selber zum unermeßlichen Schaden Deutschlands noch nach Leibeskräften aufpeitscht. Unter seinen Drohungen fällt uns aber folgende besonders ins Auge: Möge Frankreich aber nicht vergessen, daß eS feine Verbrechen, die es tagtäglich in den besetzten Gebieten begeht, zu sühnen hat! Das wird eine Abrechnung für sich dar- stellen. Gerade Herr August Mel sollte der letzte sein, der daS Thema„Siegerisches Verhalten in besetzten Gebieten" öffent- lich anschneidet. Seine Tobsucht scheint hier durch starke Vergeßlichkeit begünstigt zu werden. Oder hat Herr Abel wirklich beim Schreiben der obenstehenden Zeilen nicht daran gedacht, daß sie zur Behandlung eines ihn h ö ch st persönlich betreffenden Themas aus der Zeit der belgischen Besetzung geradezu herausfordern?! Skandinavie« zur Blockierung NußlaudS. Der schwedische Minister des Aeußörn H e l l n e r erklärt, daß die schwedische Regie- rung endgültigen Bescheid über die in der Ententenote enthaltenen Forderungen einer Blockierung Rußlands erst nach Zusammenbe- rufung einer Konferenz, an der auch Vertreter Dänemarks und Norwegens teilnehmen sollen, geben werde. Die schwedischen Blät. ter I aelsen im übrigen darauf hin, daß durch die Note kaum eine Veränderung ter Lage geschaffen werde, da schon jetzt die schwedisch- russichen Handelsbezrehungen fast völlig ruhen. werden einen vollbeladenen Kohlenwagen durch Ihr« Gasse fahren seben. Mit Gewißheit haben Sie in den nächsten Wochen eine Schachtel Zündhölzer zu erwarten, und wenn Sie sich ein bißchen umtun würden, könnten Sie jeden Morgen eine Milchziege meckern hören. Außerdem ist Ihnen ein großes Glück beschieden, denn Sie werden in absehbarer Zeit wieder zehn Dekagramm Fleisch be- kommen." Weiter kam die Frau nicht. Die Kartenlegerin hatte sich all- mählich blau gelacht über die Prophezeiungen ihrer plötzlichen Kollegin und verabschiedete sich mit der Versicherung, daß sie sich für ihre Mühe reichlich belohnt fühle. Ter neue Rektor der Berliner Nniversität. Mittwoch mittag fand die Rekwratsübergabe in der neuen Aula der Berliner Uni- versität statt. Der neue Rekwr, Professor Eduard Meyer, dessen Arbeitsfeld die Geschichte des Altertums ist, führte sich mit einer Rede ein. Er verglick darin den deutschen Zusammenbruch mit dem MhenS nach dem Peloponnefischen Krieg, erwartet den Wiederaufstieg von der Beseitigung der schematisierenden Bureau- kratie und der.Freimachung der befähigten Persönlichkeiten. Er stellte Wilhelm I. als letzten wahren König hin, rühmte den echt deutschen Idealismus der deutschen Sozialdemokratie, der sie zwingt, immer nur deutsch und national zu lein. Umstürzend« Reformen für die Umversitäi lehnt der neue Rektor ab. Eine Hochschule für alle ist keine Hochschule mehr. Die Ausbildung führender Persön- lichkeiten ist die Hauptaufgabe der Universität. Man sieht, wie Herr Meyer aufs schönste Alte» und Neues mengt und aus dem Einerseits— andererseits, dem angestammten Laster der Universitätsweisheit, nicht herauskommt. Tie Weimarer Freie Volksbühne. In Weimar wurde auf An- regung de? Intendanten Ernst Hardt ein« Freie Volksbühne begründet. In Weimar haben sich ihr bereits 2209, in Apolda 1299 Mitglieder angeschlossen. Die Satzungen sind nach dem Vorbild der Berliner„Neuen Freien Volksbühne" entworfen und den Weimarer Verhältnissen angepaßt. Erhebende und befrei« rase Kunstwerke aller Gattungen, insbesondere Theatervorstellungen, mindestens sechs im Nationalthealer, Dichtungen und Musikwerke, noch Möglichkeit auch Werke der Bildhauerei und Malerei soll,? den Mitgliedern vongeführt werden. Jeder Darbietung geht in der Regel ein einführender Vortrag voraus.— Nach der Zusammensetzung des Ausschusses zu urteilen, ist die neue Volksbühne kaum von der Arbeiterschaft getragen. Ter badische Tbeaterkrieg ist vorläufig eingestellt. Di« Mann- heimer Bübncnmitglieder haben den Vorschlag des Landesverbandes der badischen Rebakteure angenommen und wollen den Streit mit Dr. Stahl einem paritätischen SchlichtungSausschuß unterbreiten. In der Volksbühne wird Sonntag abend nicht, wie angekündigt, Georg Kaisers„Gas", sondern B. Björnsons Schauspiel„Paul Lange und Tora Parsberg" gespielt. Richard- Strauss-ZykluS. Die Leitung der Staatsoper bat mit Richard Strautz ein Abkommen getroffen, wonach er im Oktober und No« vcmber 6 Auffübrungen eigener Werke und 4 Sinioniekonzertc der Kapelle der Staatsoper dirigieren wird, von denen daS erste am 28. d. MtS.(nicht wie ursprünglich beabsichtigt, am 17.), die weiteren am 14. und 27. No- vember sowie am 10. Dezember statlsinden. Die Erstauffübrung der.Frau ohne Schalten" unter musikalischer Leitung deS Generalmusikdirektors Leo Blech ist auf Ansang Januar festgesetzt. die Kämpfer gegen üen Selagerungszustanö l Erleichterung der Auslandsreisen. Vom Schutzbund beut- � icher Auswanderer wird uns geschrieben: Die Bestimmungen über Mit großer Entrüstung haben die Unabhängigen gestern in � Verbringung von Geld und Zahlungsmitteln in das Ausland haben Versamlungen gegen die Behinderung der Pressefreiheit! neuerdings eine wesentliche Erleichterung erfahren. Danach ist die ________ genommen. Natürlich war es allen Versammlungsteil-! Einwilligung einer Reichsbankstelle oder einer sonstigen Behörde nehmern klar, daß nur die verruchten M e h r h e i t s s o z i a l i st e n Ukunft n.cht mehr erforderlich, sondern es besteht lediglich die ...._.... � �—...: vsnrimrTtf t'uftj önTvTlTrtrtchimrffpr mtr hitrrf» v%nrr auf den Gedanken eines Zeitungsverbots und ähnliche Maßnahmen kommen konnten. Doch es verlohnt sich, einmal festzustellen, wie die Unabhängigen selber, wo sie die Macht in Händen hatten, Belagerungszustand und Zensur handhabtem Aus der Fülle des Dkaterials nur ein paar Proben: Am 17. Februar 1819 sind in Düsseldorf die bürgerlichen Blätter von den Unabhängigen be fetzt worden. Blätter wurden am Erscheinen verhindert. Am 21. Februar stürmten Unabhängige in Augsburg die VerlggSgebäude der„Neuen Angsburger Zeitung" und der ..Augsburger Postzeitung" sowie die der„Augsburger Neuesten Nachrichten". Am 22. Februar wurde tn München der Belagerungszustand erklärt. Die Bekanntmachung war�unterzeichnct vom Polizeipräsi- denlen und vom Stadtkommandanten, die beide der unabhängigen Partei angehörtem An diesem Tage wurde folgende Bekannt- machung angeschlagen: Wer Handlungen gegen die Regierungsgewalt vornimmt oder wer zu solchen auffordert, wird gemäß den Bestimmungen Uber den Belagerungszustand erschossen. Alle Münchener Zeitungen wurden besetzt und durften nicht erscheinen. Am 23. Februar beschloß der Münchener Zentralrat, das Er- scheinen sämtlicher Münchener Zeitungen auf 19 Tage zu verbieten. In der Sitzimg vom 15. Februar beschloß der Arbeiter- und Svldatenrat von B r a u n s ch w e i g, daß alle Zeitungen eine Notiz an bevorzugter Stelle aufzunehmen hätten, wonach alle amtlichen und nichtamtlichen Meldungen des MTB. der Borzensur unterliegen sollten. Zeitungen, die unzcnsierte Wolff- Meldungen brächten, hättest mit einem Verbot zu rechnen. Die hierher gehörenden Berliner Vorgänge vom Januar 1918 aufzuzählen, durfte sich erübrigem Wären diese Tatsachen iu den Versammlungen am DienStag vorgetragen worden, so wäre wahrscheinlich die Hochstimmung der flammenden Entrüstung bei manchem Versammlungsteilnehmer erheblich zusammengesunken. Die unabhängigen Führer freilich haben in diesem Falle eine AuSrede, mit der schon vor 158 Jahren preußische Junker sehr gut gefahren sein sollen: „Ja, Bauer, das ist ganz waS anderes." Vorschrift, dqß Zahlungsmittel nur durch Vermittlung von Banken nach dem Ausland übersandt werden dürfen, wobei der Austrag- geber eine für das Besitzsteueramt bestimmte Erklärung nach vor- geschriebenem Muster abzugeben hat. Endlich ist nunmehr auch ohne Vermittlung einer Bank gestattet, innerhalb eines Kalender- tage? Zahlungsmittel im Betrage von höchstens 1888 Mark, jedoch innerhalb eines Kalendermonats nicht über den Gesamtbotrag Die| twn 30 800 Mark hinaus, in das Ausland mitzunehmen oder ver- ' senden zu lassen. stow Inöustrie und hanöel. Börse. An der Börse machte die Aufwärtsbewegung weitere tschritte. Allerdings war das Geschäft, namentlich am K o l o- n i a l m a r k t, weniger lebhaft als in den letzten Tagen. Stürmisch befragt waren jedoch wieder Petroleumwerte, und zwar snegen Steaua Romana aus 742, Deutsche Petroleum auf 383 und Deutsche Erdöl auf 438, Canada waren wenig verändert. Fest waren dagegen Montanaktien, in erster Linie Bockuimer, Deutsch-Luxemburger, Harpener und Phönix. Elektro- und Farbwerte schlössen sich der Aufwärtsbewegung au. Bankaktien blieben vernachlässigt. Heimische Aktien waren im allgemeinen wenig verändert, die Kurse gut behauptet. GroßGerlln Gedanken eines Arbeiters. UnS wird geschrieben: Täglich wird man älter und deshalb tut es not, sich mit der Frage zu beschäftigen:„Wovon werde ich leben, wenn ich alt bin und nicht mehr arbeiten kann?" Dieses bittere Gefühl wird man nicht loS, und je älter man wird, desto mehr Sorge befällt einem. So wie es jetzt mit der Invaliden- und Alters- Versicherung eingerichtet ist,'kann es unter keinen Umständen bleiben. Wie Hohn klingt es, wenn man hört: Die Beamten er- halten eine Wirtschaftsbeihilf« von 1888 M. und die Invaliden- Versicherten bekommen auch 12 M. pro Monat mehr. Wöchentlich bezahlt man Verband, Krankenkassen- und Jnvalidengeld. Ich würde mir gerne 1 bis 2 M. mehr in der Woche vom Lohn ab- ziehen lassen für die Jnvalidenkasse, wenn ich dadurch die Gewiß- heit hätte: so, wenn du nun 95 Jahre alt bist und nicht mehr ar- betten kannst, dann brauchst du doch nicht zu verhungern. Dem Arbeiter, der treu und redlich sein Leben lang für sich und seine Familie gearbeitet hat, müssen dieselben Vergünstigungen zustehen, wenn er alt ist, wie dem Beamten. Wenn die Regierung mit einem Gesetz, das der Not des alten Arbeiters ein Ende macht, heraus- käme, so würde sie sich den großen Dank der Massen erwerben. Auch die Arbeitslust und-freudigkeit würden dadurch gehoben werden. Tausende, die jetzt wöchentlich bei den verschiedenen Versicherung»- gesellichaften ihre Beitrage bezahlen, kehrten diesen Gesellschaften den Rücken. Deshalb nochmals: Heraus mit dem Gesetz, daß den Arbeiter im Alter vor dem'Verhungern schützti Lichtenberg. Der städtische Ausschuß für Volksunter. K a It un g bat zum Montag das Blütbncr-Orchester zu einem Konzert im Cecilien-Ltzzcum, Raibausstr. 8, verpflichtet, bei dem Werke von Beethoven, Schubert. Rosfini, Wagner und TtchmkowSky zur Aufführung gelangen sollen. Beginn des Konzerts 8 llbr. Karlen zu 2 M. sind im Vorverkauf zu baben: Städtische Schulableilung, Mällenborfistr. 14; Expedition des „Vorwärts", Alt-Boxhogen 56 und Wartenbcrgjtr. 1. Im Klassen-Kraukenhaus. Das LandkrankenhauS in Britz gehört zu den Heil- anstalten, die ihre Pfleglinge nach der Zahlungsfähigkeit in Klassen sondern. Aus der Station 12 dieser Anstalt wird unZ eine Bevorzugung der mehr zahlenden Kranken gemeldet, von der wir nicht wissen, ob sie einer Vorschrift entspricht oder einen Mißbrauch darstellt. Das aber wissen wir, daß sie— so oder so— ein Un- fug ist, wie überhaupt die Klassenscheidung der Krankenhaus« Insassen. In Station 12, die für Kranke mit ansteckenden Krank- Veiten bestimmt ist, lagen in den letzten Wochen nebeneinander Pfleglinge der dritten Klasse und Pfleglinge der zweiten Klasse. Während Pfleglinge der zweiten Klasse täglich Besucher empfangen können, wirb das Pfleglingen der dritten Klasse in der Regel nur an zwei Tcwen jeder Woche erlaubt. Auch in anderen Anstalten, die Klassen laben, wird unseres Wissens sin derartiger Unter- schied in der Besucherzulassung gemacht, so daß wir diesen Brauch für„offiziell" haften müssen. Dagegen möchten wir da� bezweifeln bei dem aus der Station 12 gemeldeten Verfahren, Besuchern der Pfleglinge zweiter Klasse trotzder AnsteckungS- � g c f a h r den Zutritt zu dem Raum selber zu gestatton� Während das zugelassen wurde, mußten gleichzeitig Besucher der Pfleglinge dritter Klasse vorschriftsmäßig außerhalb des Raumes bleiben und dursten durch das Fenster sich mit ihren Kranken unter- balten. Uns wird gesagt, daß alle Kranken dieses Raumes an Ruhr litten. Die Ruhr wird doch wohl nicht weniger ansteckend sein, wenn sie einen Menschen befällt, für den ein höheres Pflegegeld bezahlt werden kann. Schieber überall. Ein Leser unseres Blattes schreibt unS: Als ich beule früh meine Arbeitsstelle aufsuchte, passierte ich die Gilschiner Straße. Ich war nicht wenig eistaunr, als plötzlich ein Fuhrwerk pon irgendeiner militärischen Äommandostelle auftauchte und auf einen nebenfahrenden vierkädrigen Lumpenhandwogen einige schwere Elsenstücke warf. Nachdem dieses geschehen war, blieben je ein Begleiier der beiden Wagen zurück und begaben sich in einem dem- nächst gelegenen Restaurant, um über den Erlös zu verhandeln. Groh-Berliner Lebensmittel. Reinickendorf, fl, Vsund Marmelade nicht auf 71. sondern auf 2t8. Aksänltte bis Freitag abgeben. Für Jugendliche'I, Pfund syrup(56) ab Freitag._ Groß-öerliner parteknachrichten. Pankow. Donnerstag 7 Uhr Generalversammlung in der Aula der 5. Grmcindeichule, Wollanlstraße. Wichtige Tagesordnung. Marieiifelde. Frauenversammlung Domiersiaq Tj, Uhr bei Pötzsch, Berliner. Ecke Dorsstraße. Reserentin: Gen. Todcnhagen. Armen- und Jugendpflege._ Iugenöveranstaltungen. Südost. Dir Rczitationsabend findet heute ausnahmsweise bei Schöne- manu, Skalitzer Str. 7, statt._ Vorträge, Vereine und Versammlungen. Lichtcrfclde. Donnerstag, den 16. Oktober, abends T/, Uhr in der Aula Ringstr. 2/3 öffentliche Bersammliinz. Tagesordnung:.Am zum Kamps gegen die Feinde der Republik." Aussprache. Reserentin: Genossin Luise iL id r ö d e r. Mitglied der Naiionalvcriammlung. Deutscher Monisieubuud. Freitag 7fl, Uhr im Lhzeum-Klub, Lützowplatz 8, Otto Jensen:.Karl Kautsly als Natur- wissenschastler"._ Hilöungsveranftaltungen. Sozialistische Arbeitsgemeinschaft an der Handelshochschule Berlin. Donnerstag'/,8 Uhr: Eduard Bernstein über„Sozialismus und Vörie", Mittwoch, den 22. Oktober,'/.8 Uhr: Rudolf Wisiell über.Deutsche Gcmeinwnlschasl' im Generaloeftammlungssaal der Börse, HewerkschofisbooMilg Der Streik der öureauhilfskräste. Nicht allein das Groß-Berltner Wirtschaftsleben, sondern auch die Atmungsorgane der Millionenstadt Berlin und �>er angrenzen- den Orte befinden sich momentan in einem Fieberzustand. Die zur ordnungsmäßigen Abwicklung der kommunalen Geschäfte sowie der für die Lebensmittelversorgung singerichteten Geschäftsstellen haben infolg« de? plötzlich eingetretenon Hilfsarbeiterstreiks zu- nächst in Berlin und Neukölln ein« empfindliche Störung erfahren. Wer die VerwaltungSyrganisation einer Millionenstadt kennt, weiß, daß durch daS Versagen wichtiger Verwaltungssunktionen und Ab' Wicklungsstellen für daS Publikum der feingegliedert« VerwaltungS' Mechanismus empfindlich gestört wird. Und nicht allein das; auch der Bevölkerung erwächst z. B. durch den Umstand, daß sie infolge Versagens der LebenSmittelverteilungsorganisation nicht zu ihren notwendigen Lebensmitteln kommt, beträchtlicher gesundheitlicher Schaden. Beamte und Arbeiter solcher Betriebe und VerwalhingZzweige, die der Aufrechterhaltung der LebenSmtttelorganisation dienen und denen gewissermaßen die Wahrnehmung der Allgemeininteressen anvertraut ist, haben daher die dringende Pflicht, boi allen Maß- nahmen, die die Besserstellung ihrer sozialen Lage angehen, doppelte Ruhe und Ueberlegung walten zu lassen. Daß die BureauhilfSkräfie Ursache haben unzufrieden zu sein mit ihren relativ niedrigen Gehältern, wer wollte daS bestreiten? Heute müßte daS Einkommen jedes Arbeiters und Angestellten verdoppelt werden, wenn er die ungeheuren Preise der notwendig- ften Lebensmittel und Bedarfsartikel erschwingen will. Es fragt sich nur, ob das nicht auf das gleiche hinausliefe, ob bei der all- gemeinen Warenknappheit bei verdoppelter Nachfrage nicht ein ebenso schnelle» Emporgehen der Preise jede noch so starke Gehalt?- und Lohnerhöhung wettmachen würde. Die Ursache unserer sozialen Not— daS muß bei jeder Gelegenheit immer wieder betont wer- den— liegt an der bisher nie gekannten Knappheit an Waren und Rohstoffen. Erst wenn diese behoben ist, können wir wieder auf Besserung hoffen. Der Konflikt mit den Hilfsarbeitern besteht'nzin darin, daß die letzteren mit dem gefällten Schiedsspruch nicht einverstanden sind. In Neukölln haben die Hilfsarbeiter sich überhauvt nicht über ihre weiteren Forderungen geäußert, sondern einfach, ohne dem Magistrat hiervon Mitteilung zu machen, die Arbeit nieder- gelegt. Eine solche Praxis in der Durchsetzung von GehaftSsorde- rungen muß Befremden erregen. Durch ein wildeS DaraufloS- sttviken macht man von vornherein jede Verständigung unmöglich, um so mehr, als in diesem Falle die Streitsrage mit Berlin ge- meinsam geregelt werden sollte. Und auch zum Streik der städti- scheu Bureauhilsskräfte Berlius muß- gesagt werden, daß unZ ihr Schritt etwas voreilig Und verfrüht erscheint. So sehr ihre über den Schiedsspruch hinausgehenden Forderungen berechtigt sein mögen, berührt es doch etwas sehr eigentümlich, wenn Streikmaß- nahmen mit minutiösem Ablaufen des Ultimatums ergriffen wer- den, namentlich einem Kontrahenten gegenüber,«der ja nichts anderes ist als der Repräsentant und Wahrnehmer des Allgemein. wohlS. Hier scheint die revolutionäre Stimmung, von der immer noch weite Kreise ergriffen sind, geradezu den letzten Rest von Verantwortlichkeitsbewußtsein erlöscht zu haben. « Zum Streik selbst wird gemeldet: In dem Streik der Hilfskräfte des Magistrais ist seil gestern keine wesentliche Veränderung zu verzeichnen. Von den heutigen Verhandftmgem zwischen der Streikleitung und dem Magistrat Berlin wird«S im wesentlichen abhängen, ob der Ausstand auf Berlin und Neukölln beschränkt bleibt, oder ob auch gndere Ge- meinden, vor allen Dingen Lichtenberg, sich der Bewegung anschließen. Wie weiter berichtet wird, erschien am heutigen Mittwoch- morgen eine Deputation der gewerblichen Angestellten der Gas-, Wasser- und Elektrizitäiswerke und erklärte, daß die gewerblichen den ihren machen. Sie stellen sich dsr Streikleitung zur Ver- fügung und warteten darauf, in den Ausstand einbezogen zu wer- den, falls die heutigen Verhandlungen etwa scheitern sollten. An- gesichts der ungeheuren Verantwortung, welche sie durch eine Still- legung dieser für die Stadt lebenswichtigen Betriebe auf sich laden würde, hat die Streikleitung vorläufig eiste abwartende Haltung angenommen. ». Von der Zentralstreikleitung erhalten wir einen Bericht, dem wir folgendes entnehmen: Heute vormittag erschienen Deputationen der gewerblichen Hilfskräfte Neuköllns und mehrerer anderer Vorortgemeinden und erklärten, daß, falls bei den für heute mittag 12 Uhr angesetzten Verhandlungen der Magistrat nach wie vor es an dem notwendigen Verständnis für die wirtschaftliche Notlage der Hilfskräfte fehlen lassen sollte, die gewerblichen Hilfskräfte Neuköllns sofort geschlossen ihre Arbeit niederlegen werden. Außerdem ist eine Deputation der Städtischen Gas- und Elek- trizitätswerke erschienen, die den kommunalen kaufmännischen Hilst- kräften Grotz-Berlins ihre vollste Sympathie aussprach. Dieselbe erklärte, gegebenenfalls die streikenden Hilstkräfte zu unterstützen. Der Bericht vermerkt noch, daß verschiedene Militäranwärter den kaufmännischen Hilfskräften in den Rücken gefallen sind und dem Magistrat Streikbrecherdienste angeboten haben. Die Zentral- Streikleitung hat beschlossen, hinsichtlich der Militäranwärter nicht eher die Arbeit wieder aufzunehmen, bis sämtliche kommunalen Hilfskräfte restlos wieder diejenigen Arbeitsplätze eingenomm-n haben, die sie vor Streikantritt verlassen haben. Tie Stellung der Technischen Notljilfe. MTB meldet: In den gestrigen Abendblättern stand die Nachricht, daß man in Kreisen der Arbeitnehmer der Ansicht wäre, daß mit einem Eingreifen der Technischen Nothilfe nicht ge- rechnet werden kann, da die Regierung verfüg: habe, die Technische Nothilfe soll nur dort eingreifen, wo es sich um einen von den Gewerkschaften nicht gebilligten Streik handelt. Diese Nach- r i ch t ist falsch, denn für die Technische Nothilse handelt es sich nicht um gebilligte oder nicht gebilligte Streiks, sondern lediglich um das Eintreten bei Stillegung lebenswichtiger Betriebe. Sollte ein lebenswichtiger Betrieb stillgelegt werden und die Arbeiterschaft nicht selbst die notwendiHen Notstandsarbeiten übernehmen, so greift die Technische Nothilfe sofort ein. Tie Ortsgruppe Berlin der Technischen Nothilfe ist soweit organisiert. daß sie, wenn heute die lebenswichtigen Betriebe in Berlin still- gelegt werden, darin die Arbeit sofort aufnehmen kann. Verband der Gemeinde« und Staatsarbeiter. OrtSverwaltung Berlin. Die Urachstimmung über den Schiedsspruch des Zentvalaus- fchusses ergab nachstehendes Resultat: Abgegebene Stimmen 27 888, für Annahme des Schiedsspruches 24 833, für Arbeitsnieder- legung 2929, ungültig 146 Stimmen. Ter Schiedsspruch ist dem- nach angenommen. Nachdem der Magistrat und die Siadiverord- netenversammlimg ihrerseits ebenfalls zugestimmt haben, hat der Schiedsspruch Geltung erlangt. Die neuen Löhne gelten ab 1. Oktober er. Zum Streik der Hilfsarbeiter machen)vir darauf aufmerksam, daß unsere Mitglieder streng alle Arbeiten zu meiden haben, die von BureauhilsLarbeitern bisher ausgeführt wurden._ Die OrtSverwaltung. ver MetaUarbeiterstreik. Auf die Zuschrift des Verbandes Berliner Metallindm'irieller an den Rei-bSarbettSminister betreffend seinen Bermiulungsvor- schlag ist, wie wir einer Korrespondenz entnedmen, heule ein vom 13. Lk-ober datiertes Schreiben des Reichsarbeitsministers auS Stuttgart eingelaufen, in welchem der Minister zu dem Stand» punkt der Metallindustriellen Stellung nimmt. Danach ist zu boffen, daß es nach der Rückkehr Schlickes zu neuen Verhandlungen Rommen wird. Der Verband der Berliner Metallindustriellen trat heute mittag zu einer neuen Sitzung zusammen, um zu der neuen Lage Stellung zu nehmen. Dieselbe Korrespondenz berichtet noch folgendes: Ein interessantes Urteil über den M-lallarbeiterstreik fällte in einer der gestrigen dreißig Prolestversammtungen der U. S. P. D. die unabhängige Rednerin Frau Agnes. Sie erklärte, daß nach ihrer Kenntnis der voraufgegangenen Verhandlungen und nach dem Schiedsspruch vvm 21. August den Arbeitgebern nickt der Vorwurf gemacht werden könne, daß sie einen Abbau der Löhne versuchten. Der Streik sei nach ihrer Ansicht ebenso sinnlos, wie planlos. Bei gutem Willen aus der anderen Seite hätte sich der Ausstand ver- meiden lassen. Ob die Heizer und Maschinisten heute mittag wirklich in d-n Streik treten werden, ist zurzeit noch ungeklärt. Wie mitgeteilt wird, haben Verhandlungen zwi'chen der Zeniralleitung des Ver« bandeS der Heizer und Maschinisten und der Leitung der Berliner Ortsorganisation stattgefunden. Die Zentralleitung ist mit dem Vorgeben der Berliner OrtSverwaltung nicht einverstanden. In einer Unterredung, die ein Mitglied der Zentralleitung beule vor- mittag mit maßgebenden Arbeiterführern hatte, erklärte dieser, daß die Zenttallei'ung die Verantwortung für die aus dem Beschluß der Berliner OrtSverwaltung hervorgehenden Folgen ablebnt und diese lediglich auf die Führer der Ortsgruppe Berlin zurückfällt. ch Das Ultimatum der Heizer und Maschinisten verlängert. B. S. Die Ortsgruppe Berlin de? Verbandes der Heizer und Maschini stan hat das heute um 12 Uhr ablaufende Ultimatum bis um drei Uhr verlängert._ Achtung, Hochdruckmonteure und Helfer! Die in den Hochdruckbetrieben beschäftigten Hochdruckmonteure und Heller haben sofort in den einzelnen Werkstattversammlungen jedes Betriebes zur Streikbewegung im Rohrlegergewerbe Stellung zu nehmen. Die Abstimmungen sind in den einzelnen Betrieben geheim vorzunehmen, und ist znm Eintritt in den Streik eine Drei- viertelmasorilät erforderlich. Wir erwarten von allen Kollegen un- bedingte Solidarität. Die Streikleitung der Rohrleger und Helfer Groß-BerlinS. I. A.: Max Liefe. Tarifvertrag für Waldarbeiter. Zwischen der Forstverwaltunz des Preußischen Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten einerseits und dem Deutschen Landarbeiterverband sowie dem Zenlralverband der Forst-, Land- und WeinbergSarbeiter Deutschlands andererseits ist unter dem 28. September d. I. ein Tarifvertrag abgeschlossen, nach dem die Arbeits- und Lohnbedrngungen festgelegt sind, die sich die Forstverwaltung den Mitgliedern der vertragschließenden Verbände zu gewährleisten verpflichtet hat. DaS Ministerium bat in Aus- führung deS Vertrages die Regierungen angewiesen, umgehend mit jeeinem Vertreter der beiden Verbände für ihren Bezirk die Lohnllasscn. die Zuteilung der Obersörsrereieu oder von Teilen derselben zu den einzelnen Klassen und die Stundenlohne in Vertragsform zu ver- einbaren, anch alle etwa sonst auf das Arbeitsverhältnis bezüglichen Regelungen vorzunehmen. Die Löhne sollen sich den in der Land« Angestellten dieser Betriebe die Forderungen der Hilfskräfte zu j Wirtschaft der betreffenden Gegend üblichen anpassen, im allgemeinen etwa« höher al« die flir landwirtsSaftttche Arbeiter unter Be- rütkfichttgung de« wirklicden Werls der dielen �ufllehenden Deputate angeletzt werden. Die TeuerungsMlagen fallen nach Feststellung der Tarifoertragslohnsätze loit. Soweit Atioidorbeit geielilel wird, wird es mögilch sein, dag ein geübter und fleißiger Folstardeiter im Diirctn'ctiiiltl bei achlllüiidiger ArbeilSgeit etwa 25 bis 30 Pro� über den Äcbisli'.ndeiilagetabn erzielen kann, wobei seitens der Forst» Verwaltung jedoch ein bestimmter Tageeverdienit keinetlweg« gewäbr» leistet wird. Das Ministerium bälr für Jnlcresienlen Abdrucke des Tarisvertraaes, aus dem weitere Emzelyerten zu ersehen sind, in be- lchräiikter Anzahl zur Verfügung. Von denen, die ein Paradies auf Erden habe«. Draußen an den Seen der westlichen Vorort« wohnen die reichsten Leute Berlins. Ein ganz erheblicher Teil dieser Villen» und Varlenbcsitzer beschäftigt neben anterem Personal einen Gärt- ner. Der Slandekdünkel dieser Leu.« war seit jeher stark auSge» prägt und dieser trübte ihnen den Blick für die Wirklichkeit und lilß sie den Wog zur Organisation nicht finden. AlS die bittere Not sie dazu kWsna, mußten eS unbedingt.StandeS"°Organisa- tionen zahliing bet bestehenden. Da muß es um fo empörender wirken, daß diese.hohen" Herrschafren brüsk und brutal die Fortzahlung der alten Löhne verweigern. Ein eigenartiges Lucht wirft daS auch auf die Vertragstreue dieser Herrschaften, da ja die bestehenden Löhne nebst Teuerungs- zuschlagen ausdrücklich„auf der Bruadlage ständiger, während deZ ganzen Jahres andauernder Beschäftigung" vereinbart worden sind. Jed-t glaubt man aber di» Ungunst der Jahreszeit für sich auS- nutzen zu können, um an den sehnlichst herbeigewünschten„Abbau der Löhne" herangehen zu'können, oh-ne Rücksicht auf die Existenz- Möglichkeiten ihrer Beschäftigten In einem Werbeflugblatt mit beilegendem vertraulichen Rundschreiben des Berliner BürgerratZ, und diese schwerreichen Villenbesitzer wollen doch auch Bürger sein, heißt eS: daß der Bürgerrai auf wrrtschaftüchem Gebiet? erstrebt, Ausgleich zwischen Unternehmern und Arb'ttern, wirtschaf.iche . Gleichberechtigung, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit usw. Zwischen � Theorie und Praxis ist hier doch ein recht erheblicher Unterschied. i Tai kümmert die Herren anscheinend«cht wenig. Dem alten ! Herrenstandpunkt kann man immer noch nicht entsagen: Wem eS � nicht paßt, kann gehen, ist auch heu s he- den Herrschaften noch , Trumpf. Diese Art der Behandlung wird bei den Arbeitern den i geistigen gedanklichen UmwandlunzSprozetz beschleunigen und sie ihrem„StandeSbewußtsein recht schnell und gründlich entwöhnen". ArbdderschiHten entsprechen in keiner Weise den teuren Verhält» niste« der Jetztzeit Im Frühjahr wurde zwischen d:m Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeikt und dem.Gemeininützigen Berein in Wannse« ein« Vereinbarung getroffen über Ouhn- und Arbeitszeit dieser Berufskollegen. Eingangs derselben horßt eS: Die Regelung Lohn» und Arbeitsve rhältn iss e wird auf der Grundlage ständi. ger, während des ganzen Jahres andauernder Be- s ch ä f t i g u n g vereinbart. Der vereinbart« Wochenlobn beträgt für Arbeiterinnen 40 M., für Arbeiter 60 M. und für Gärtner 70 M. Hinzu kommen Tene- rungSzuschläge von 8 M. die Woche für Frauen und 10 M. für Arberter und Gärtner. Nach den geltenden Bestimmungen d«S Bertras» haben im Sep. tember«rn«u-t Verhandlung:n über Tcuerungszitlagen stattgefunden. Wir traten, so schreibt der Verbans der Gärtner, daher am 3. September an den„Gemeinnützigen Verein in Wannfte" heran, um lie'e Verhandlungen in die Wege», leiten. Am 23. September waren Verhandlungen angesetzt. Diese verliefen ergebnislos, weil die Vertreter der Gartenbesitzer erklärten, nicht verhandeln zu können, weil nicht alle Vertreter der Besitzer anwesend seien. Wir konnten uns des Gefühl» nicht»iw-hren, als wenn hier mit voller Absicht die Verhandlungen vereitelt werden sollten. Diese unsere Auffassung wurde zur Gewlscheii. al§ wir am v. Oftobvr folgendes Schreiben genannten Verein? erhielten:„Hierdurch gebe ich Ihnen zur Kenntnis, daß die einzeln::» Anlieger die TeuerungSzu'chläge nicht zahlen wollen, sondern ihre Gärten in diesem Falle lieber so liegen lassen werden." Wohigemerkt, es bandelt sich in diesem Falle nicht um erhöhte TeucrungSzuschläg«. die in Anbetracht der außerordrntlichen Teue- rung ohne weiteres gerechtfertigt wären, sondern nur um die Fort- mit dem Abschluß de» Tarif» auf Grund der angeführte» Lohnsätze einverstanden._ Kloth in der.Arbeitgeber-Zeitung". Zu der unter obiger Ueber schritt in der DienStagabendnummer des.Vorwärts" veröffentlichten Notiz erhalten wir folgende Be- richligung; 1. ES ist unwahr, daß ich die„Deutsche Arbeitgeber-Zeilung" als geeignete Abtagerungssiäue für einen von mir geschriebenen Sriikel halte, ionvern die„Deutsche Arllcilgeber-Zeitung" tann den- selben nur der Korrespondenz„Wirlschastliche Zeilfragen" ent» nommen haben. 2. ES ist daher unwahr, daß durch den Abdruck in der Arbeit- geber�eilung meine Wandlungsfähigkeit bewiesen wird. Wahr ist vielmehr, daß ocr Jnhatl deS Artikels meinen bisherigen Änschauungen entspricht. Emu Kloth. Da Klotb bereits in der konservativen Presse geichneben hatte und au? dem Ariikel in der Deutichm.Arbeitteber-Zelluni" nicht hervorging, daß eS sich um den Abdruck e>nes Kor reivondenzariikelS haiidelle, mußlen wir annehmen, daß eS sich>m vorliegenden Falle um eine Origlnalarbeit KlotbS bandelie. Gegen Kloth i>t übrigens. w:e wir bei dieser Gelegenheit mit- teilen möchten, vom Wahlvereln Neukölln bereits da« Ausschluß- Verfahren aus der Porlei eingeleitet worden. Tarifabfchluft der Hausdiener, Bäcker«sw.!« der Textil- und Bekleidungsbranche. Der TrcmSportarbeiterverband stand seit einiger Zeit in Ver- Handlung mit den Arbeitgebern der Textil» und BelleidungS-EngroS- geschäfte wegen tariflicher Regelung der Löhne der Hausdiener, Packer usw. Gefordert wurde anfangs ein Anfangslohn von l00 SB., steinend bis 120 M. wöchentlich. Ehe eine Verständigung erzielt werden konnte, war für die gleiche Ardeitergruppe der Einzel.! baiidelsgcschäfte ein Schiedsspruch gefällt und angenommen worden.' der«inen Anfangsiohn von 87 M. vorsieht, der nach einem halben Jahre auf 97 M. und nach einem weiteren halben Jahre auf 108 Mark steigt. Die Arbeitgeber erklärten nun, daß sie über den Tarif für den Einzelhandel nicht hinausgehen aber den Lohnsatz von 108 M. als Einheitslohn für olle erwachsenen Arbeiter gewähren: wollten, so daß die beiden niederen Lohnstufen des Einzelhandels: fortfallen. Für jugendliche und weibliche Arbeitskräfte sollen die � Vereinbarungen im Einzelhandel gelten. Die tägliche Arbeitszeit | soll 8 Stunden betragen. Wenn sie bei schlechtem GeselxiftZgang auf ; 6 Stunden oder noch weiter herabgesetzt werden muß, soll ein i Wochenlohn von 83 M. dezahlt werden. Am Dienstag nahm eine sehr stark besuchte Ver- Sammlung der Hausdiener. Packer usw. zu dem Angebot der Arbeitgeber Stellung. In der regen. Aussprach« kam allgemein zum Ausdruck, daß die bewilligten Lohnsätze niemanden zufriedenstellen und daß man ein weiteres Entgegenkommen erwartet hätte. Mit � Rücksicht darauf, daß ein Lohnkamvf in den En.grosgcschäften keine j Aussicht habe, nachdem der Tarif für die EinzelhandelSgcschäfte an- genommen ist, und da ein großer Teil der in den EngroSgesckäften : täligen Arbeiter noch wesentlich niedrigere Löhne als 108 M. er- ! hält» erklärte sich die Versammlung gegen eine starke Minderheit Forderungen der Arbeiter in den LikSrhandlungen! Nachdem die Arbeiier, Arbeiterinnen und Kutscher aus der Weinbranche die Lobnsätze des Tarifvertrages zum 1 Ollober 1910 gelllndigt. boben auch die Arbeitnehmer auS den Likörhandlun�en in einer siart beiuchien Beriammlung deichlosien, das Lohnabkommen, da? bi» zum 23 Oktober d. I. Gültigkeit bat. zu kündigen. Der Deutsche Transporiarbeiterveibond. der als Tarikkonirabenl in Frage kommt. Hai dem Verein der Liköifabrikanien und Branntweii:- Interessenten von Groß-Berlin dieselben Forderungen wie dem Verein Berliner Äeingrotzhändler unterbreilei und zwar isir Männer einen E>nbeu«lobn von 125 M. und für Frauen' einen solchen von 90 M vro Woche. Außerdem wird eine Wirlscha'tSbeihiife mit Rücksicht auf die Verdällnisse veilaugt. Den zum Teil im Kampf befindlichen Berufskollegen auS der Weinbranche wurde von den Versammelten volle Sympathie be- kündet und einem geschlossenen Vorgehen da« Wort geredet. HL Borsig. Tegel. Am DonnerSIag nachmittag 2llbr w SortmannZ Braue' ei, Nemutendoii'Lcsl Belriebsoer lammtun g. Vollzähliges Erscheinen dringend erfordeilich. Berti»! Avhalniche D aschincndan-Att.-Ees. Donnerstag, den 16. t. T ti-, rattmillags 8 Uhr Verlan» iuvg w der Kroucnbrauerei. M> Moabit 48. Mix tc Genest. Donnerstag 1 UbrVertrauenSmcnnerkonserei'Z beim Oiipieußc,'. FieUag, den 17., Unterschreiben der Quiumigeri in den be- tonnten Lotalcn. 8— t2 Uhr. ««'Ii, Berantw. illr i»ln redaklion. Zeil: enirtd Scholz, Relitbgn! iur Anz-i>i.'-u Theodor Elodc, Berlii' Bctlafi: LorwSrta-Lrrlao®. IN. d. 6.. Berlin. Stntf: Boewärts- B'ickdructer»! und Betlaasonita!! Paul Siiiacr u. Co. in Berlin Lindcnsir. S. i i> irryinli-s-W umtr iuziiiui iniiiurwiiiii,.......»>>> Künsttsibaus, üellcrue- tralie. Vei lfingert bin 2 6. Ohtaderl'�B Heute un) tätlich 8 Uhr abends: HARCELL SALZER i I,nstigc Abenele s: Das nvue Programm V K-rnten von 6 bis 2Mb Bote& B ck. tterthelm u IN). Künstierhaus tTa-fsknsse 1 1�6>. Ahendka'ise ab 7., ZliUMe BlMM» ESZM« werben in mtuK. Hartlüt-RexaroiurroeriNatt unter«raranür der goltbordeil pronwiell gelStet. Harillitflußmittei ihr all» Meialle und Weichlötpasie« u> aiiertanm vorzügiichen Qualuiilen.' Nsrtw klexer. kslick kroöiilitö. Prenzlauer Alle« 100. Tei-rbon! Königiradt 10 2. -7»,_ a Talli.»öehenu. I AU Plomben 1JW. 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