|tr.529.5«,|ot(Tg. v«z»ssp«t», Wertellührt. Mi» mmatL frei tiu öau«. oormu»ahldir«Postbezug: Monatlich V- Mt. erst. Zu- ftellungsgebjjhr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn SL5 Ml. für da» übrig« Susland !0 25 MI» bei tdgitch einmal, flullellung S,25 Ml. Postdellelliingen nehmen an Dänemarl. Holland üuremburg. Schweden n. die Schwei» Eingetragen w die Bost-?eitung»-Prei»list«. Der.Vorwäri?" ani»er kanmag» deilage»Doli n. geit' erscheint wachen- iäglich zweimal.. Sonntag» einmal Teiegramm-Adreft»> »Sozioldetnotral Bettln". Morgen Ausgabe. Berliner Dollisblntt. (�15 Pfennig� ««zeigemtrel» t SM«chtgelpaUene«onpareUlejeil» tostet ldv M»„meine Anzeigen". da» feitgedrurlte Wort w Pfg. fzuläffig » fettgedruckte Worte), fedes weiter« Wori«0 Pfg. Stellengesuche and Tchlafftellenanzetgen da» erste Wart ») Pfg. jede« weitere Wori 30 Psz. Sorte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszusäilaz so«/» Faniilien- Anzeigen, vollttsche und gewerkschaftliche Verein»» Anzeigen 1L0 Ml. die Keile. Anzeigen für»„ nächste Nummer uiusseu bis 6 Ahe nachmittag» im Hauptgeschäft. Berlin SW S8, LindenstraZe 3. abgegeben werSeu. Geöffnet von S Uhr früh bi» l> Uhr abend». Zentralorgan der fozialdemokrati fchen Partei Deutfcblands. Neüaktion unö Expedition: SW. 6S, Linöenstr. z. Serniurerficr;'A»tt Moritipla«, Nr. t.»l Sv— l.>I U7. Donnerstag, den IC. Oktober 1N19. vorwärts-verlag G.m.b. h., SW. 6$, Linöenftr. Z. Kerttsprechur: Amt Morittplast, Nr. 117»Z— 51. Oer frieden in Kraft Heute werden«ach den Rachrkchtr« au» Pari» die e« g l i- schen, französischen und italienische» Ratifizie- r u n g c n de» Friedensvertrages beim Generalsekretariat der Frie- denskonferenz deponiert werden. Da nach den Bestimmungen de» Friedensvertrages dieser in Kraft tritt, solmld drei der alliiert«» Grosimächte ihn vollzogen haben, ist der Friedensvertrag, vorausgesetzt natürlich die Richtigkeit der Pariser Meldungen, von heute ab wirksam. Damit wird die Frage der Lbftickmung in den verschiedenen deutschen Grenzgebieten akut, von diesem Tage an gilt z. B. für Schleswig der Zeitraum von IU Tagen, innerhalb dessen di« deutschen Bc- Hörden der ersten und zwcttey Abstimmnngszone ihre Geschäfte an die Abstimmungskommissson Übergeben müssen. Für uns ist dieser Tag insofern von höchster Wichtigkeit, als mit ihm die Schranken fallen, die»nö bisher noch de» Berkehr mit der gesamten Welt behindert haben. Dabei darf freilich nicht außer acht gelassen werden, daß die Hemmungen des Friedensvertrages unS nicht gestatten, unser früheres BerhältuiS zu de« übrige« Län- der» der Welt wiederherzustellen. Mit dem Inkrafttreten des Frieden? darf man wohl auch auf eine friedlichere Haltung der Entente gegenüber Deutschland rechnen. ES müßte wie eine Satire auf de« Frie- den wirken, wenn nach seinem Inkrafttreten die völlige Blockade der deutschen Lstsccknften und die Unterbindung selbst auch de» Fischcreiverkehrs in Kraft bliebe. Auch in den baltischen An. gelegenheiten ist zu hoffen, daß von nun ab in de« Berhand- lnngcn nicht mehr der Ton des SiegerS gegenüber dem Besiegten angeschlagen wird, sonder» daß ma« die im internationalen Bor- kehr«blichen Formen der Höflichkeit anch unS gegenüber er- ncut einführt. B e r f« i l l e», 1». Oktober. Durch ein Dekret de« PrSsi- dcnten der Republik ist die allgemeine Mobilmachung der französischen Armee mit dem heutigen Tage a u f g e- hoben worden. ftn die Elektrizitätearbeiter! Genossen, man versucht, Euch gegen Euren Willen in den Streik zu hetzen. Ohne daß man Euch befragt, ist beschlossen worden, heute die Elektrizitätswerke stillzulegen. Gestern abend 6 Uhr fand in den„Zentral-Festsälen" eine Ber- sammlung der stiidtifchcn Arbeiter statt. Tic dort erschienenen Ge- nosscn glaubten, daß dabei über den Streik gesprochen werden solle. Plötzlich tauchte der Arbciterrat Böse von den städtischen Elektrizitätswerke» in der Versammlung auf und proklamierte: „Wir stehen i«t S t r e i t." Danach kam noch der Obmann der Arbeiterräte, Sylt, und machte die gleiche Mitteilung, hinzufügend, das? das Strcikburcau bereits eingerichtet sei. E i n Straßenbahner sagt«, er werde den Entschluß bekanntmachen und dafür sorgen, daß am Tonnerstag die städtischen Straßenbahner fthr den Fall, daß die Elektrizitätswerke durch die städtische Nothilfe �veitcrgeMrt werden, die Arbeit niederlegen. Genosse«! Arbeiter! Laßt Euch nicht gefallen, daß man, ohne Euch zu fragen und über Euren Kopf hinweg, de« Streik prokla- miert. Henke früh hat jeder Arbeiter an seine Ar- beitSstelle zu gehen n«d seine Arbeit z« Perrich- ten wie an anderen Tagen. Wenn gestreikt werde« soll, so habt Ihr selbst in geheimer Abstimmung innerhalb des Be- tricbes darüber zu entscheiden. Verlangt unter alle« Umständen geheime Ab- stimm un g. Laßt Ench nicht von politischen Draht- ziehern mißbrauchen! / Petersburg in Gefahr. „Timeö" meldet anS Reval, daß die Borhut des Generals Judenitsch an der Bahn nach Petersburg rasch vordinge. Wo- lossowa, 4 0 Kilometer von Petersburg, wurde am Sonntag genommen. Dabei fielen mehr als tausend Gefangene den Freiwilligen in die Hände. Bei der Einnahme von Gomon- towa, an der Straße von Jamburg nach Petersburg, wurden 60V Gefangene gemacht und Geschütze erbeutet. Es geht das Gerücht, daß die S o w j e t- M i n i st e r i e u in Petersburg am Donnerstag geschlossen waren und baß alle Ar- b e i t st i l l lag. Englische Hengste. .Morningpost" meldet, daß die Reite des russischen Geschäfts- trägerS in England Maklakow zu Denikin bezwecke, ihn vorder Gefahr zu warnen, mit den russi'ch-deutichen Truppen im Balti- kum zusammenzuwirken. Mit anderen Worten: Denekin soll scharf gemacht werden gegen jede mögliche Sympathie für Deutschland. Denikin auf öem Vormarsch auf Nloekau. Denikin» Heer macht in seinem Vormarsch gegen Moskau sehr befriedigende Fortschritte und ist jetzt 220 Kilometer von Moskau entfernt, �ter Kampf wütet in der Gegend von Orel, einem der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte aus dem Wege nach Moskau. In dieiem Kampf bat Denikin bereits 8Z00 Gefangene gemachr und seine Truppen stehen in einer Entfernung von höchstens ß Meilen von der Stadt. An der Don-Front machten die Freiwilligen löstv Gefan- gerte und eroberten die Stadt T f ck e r n i g o w. Die Donkosaken rücken auf dem linken. Don-Ufcr weiter vor. Ein Bataillon des 132 Roten Regiments wurde kriegsgefangen gemacht. In der Rich- tatig auf Orct unternahmen die Roien Truppen mit 18 Regimentern einen heftigen Angriff auf die Freiwilligen, sie wuiden aber ab- gewiesen und es gelang den Freiwilligen, 3500 Bolschewisten gelangen zu nehmen und 4 Geschüye und 30 Maschinengewehre zu erbeuten.__ Englische Gergarbeiteraktion für Rußland. Der Se!reiär deS englischen BergarbeilcrverbandeS, Hodge, erklärie, daß es innerkalb dreier Monate zu einer neuen Aktion der Bergarbeiter kommen werde. Die Bergarbeiter werden eine iehr bestimmte Politik lühre», und es ist ein Antrag �angenommen worden, der verlangt, daß England einen sofortigen Frieden mit der wirtlichen Regierung Rußlands schließen soll. Zinnlanö lehnt öen frieden ab. AnS Heksingfor» wird mitgeteilt, daß dort leine Neigung besteht,«ruf das Friedensangebot der russischen Sowjetregierung ein- zugehen. Die finnische Negierung hat beschlossen, dem Deichsrat vorzuschlagen, das Friedensangebot abzulehnen. Um öle Absetzung öes Sultans. Bern, 15. Oktober. Der Korrespondent des„Corriere Kella Sera" in Konstantinopel berichtet, daß die Führer der kleinasia- tischen nationalistischen Bewegung die eventuelle Absetzung des Sultans oder die Einsetzung eines neuen Kalifen erörterten, um die Anerkennung und Unterstützung der nationalistischen Bewe- gung durch eine gesetzmäßige Regierung zu erlangen. Mustafa Kemel Pascha will sein Heer unter eine reguläre Regierung ge- stellt sehen. Die Massen gehen zum Teil eigene Wege, um uner- füllbare Wünsche zu befriedigen, waS bereits zu b o! s ch e w i st i- schen Regungen geführt haben soll. Die Führer geben die Hoffnung nichi auf, den Sultan zu gewinnen, weil auch die Ber- bände ten lin Konstantinopel einer Verständigung mit Kemel Pascha nicht abgeneigt sind. Die Gftseesperre. Nach Mitteilung der interalliierten Marinekommission er- streckt sich die Sperre für deutsche Schiffe in der Ostsee auch auf die deutschen Territorialgewässer. Derartig schroffe Repressalien— man denke nur an die za-blreichen Fischer- boote— sind nur geeignet, im ganzen deutschen Volke, vor allem aber bei der betroffenen, an den Verhältnissen im Baltikum völlig unbeteiligten Küstenbevölkerung, berechtigte Erbitterung hervor- zuritten. .Delegraaf" meldet aus London, daß der britische To r p e d o boolSzer störer Westrott während der letzlen zwei Tage s vch s deutsche Handelsschiffe nach Reval eingebracht hat. tzenke, öer tzanölanger EHauvins. .Figaro" und„Petit Parisien" veröffentlichen die Rede deS unabhängigen Sozialisten Henke, der im Reichstag erklärt habe, Deutschland habe jetzt eine Million Soldaten unter den Waffen, ohne indes die Antwort de» ReichSwehrminisierS Noske anzufügen._ Rücktransport aus Frankreich. Marschall Foch hat, wie die P. P. N. erfahren, der Deutschen Waffenstillstandükvmmission in Düsseldorf am 13. d. M. mitteilen lassen, daß die in Lyon, Brest und Nantc» internierten deutschen Zivilpersonen in vier Zügen über Straßburg und Mainz nach Frank- surt a. M. zurückgeführt werden sollen. Es kommen im ganzen 700 bis 750 Personen in Frage, davon 25 Proz. Frauen und Kinder. Der erste Transport wird am 20. Oktober von Lyon aus abgehen, der zweite und dritte am 25. und 26. Oktober von Brest und der vierte am 2. November von Nantes. Die deutsche Regie- rung wurde gebeten, die erforderlichen Transportmittel zur Ber- füguirg zu stellen. Mätzchen unö Selanglosiskeiten! Für jeden demokratisch gesinnten Sozialisten ist es eine Freude zu sehen, wie die Unabhängigen jetzt gegen den Belagerungszustand demonstrieren. Denn daß der Belagerungszustand etwas Nndemokratischcs ist und bleibt, selbst wenn er zum Schutz demokratischer Einrichtungen ein- geführt und von der Mehrheit der Bolksvertreiung gebilligt ist, daß dieser schmerzende Fremdkörper aus der freiheitlichen Verfassung des Reiches entfernt werden muß, sobald das irgend angängig ist— darüber besteht ja gar kein.Streit. Ter Protest der Unabhängigen gegen den Belage- rungszustand bedeutet also eine Wicberannähe- rung an dieDemokratie. Traurig bleibt nur, daß die Unabhängigen den Wert demokratischer Grundsätze erst er- kannt haben, nachdem sie selber durch ihre Einschränkung zu Schaden gekommen sind, und leider fehlt noch immer, was die Hauptsache ist. nämlich die bündige Erklärung, daß bei dem Verzicht auf den Belagerungszustand Gegenseitig- k e i t verbürgt wird. Von der Kirche hat man einmal gesagt, sie verlange jede Freiheit für sich, gönne aber gar leine den anderen. Soll das etwa auch für bestimmte sozialistische Richtungen gelten? Fast will es so scheinen! Durch die Presse ging am Mittwoch eine Notiz, in der festgestellt wird, tote die U n- abhängigen dort, Ivo sie die Macht besaßen, den B e- lagerungszustand eiugeführt und geHand- habt haben. Die„Freiheit nennt das»Mätzchen" und „einige belanglose Falle". Diese Leichtfertigkeit in der Be- nrteilung'des Belagerungszustandes, wo er sich nicht gegen die Unabhängigen, sondern gegen ihre Gegner richtet, ist geradezu erschreckend. In Braunschweig wird über die ganze Presse die un- abhängige Vorzensur verhängt.»Mätzchen" sagt die „Freiheit", aber nicht gegen die unabhängigen Zensoren, sondern gegen diejenigen, die diese Aufhebung der Meinungs- sreiheit kritisieren! In München wird angedroht:„Wer Handlungen gegen die Regierungsgewalt vornimmt oder wer zu solchen auf- fordert(!), wird gemäß den Bestimmungen über den BelagcrimgSziisland erschösse n."„Ein belangloser Einzel- fall", sagt die„Freiheit", und wendet sich achselzuckend ab, um gegen die„Schande der Regierung" weiterzutoben. Rein, so geht's wirklich nicht! Das unabhängige Blatt meint, der Belagerungszustand, den die Regierung verhängt habe, sei schlimmer als der feiner- zeit von den Unabhängigen verhängte, denn er dauere schon sieben Monate. Das wäre famos, ivenn man nicht ioüßte, warum der von Unabhängigen und Kommunisien verhängte Belagerungszustand so kurz gedauert hat! Freiwillig haben sie ihn doch nie und nirgends abgeschafft. Aus Rußland liegt schon seit zwei Fahren der BelagernngS- zustand, und was für einer! Hätten wir russisch- bolsche- wistische Zustände, dann dürfte die„Freiheit" nicht so tapfer auf die Regierung schimpfen, wie sie es jetzt— Gott sei Dank!— täglich zweimal tut. Bon Protsftversammluugen gegen den Belagerungszustand, wie sie in Berlin am Dienstag abend unbehindert stattfanden, konnte schon gar nicht die Rede sein. Herrschten bei uns die Kommunisten, so müßte die„Freiheit" gegen ihre Uebcrzeugung kommunistisch sein, oder sie wäre längst vom Erdboden verschwunden. Es fällt uns natürlich nicht im Entsernteften eiii, den Belagerungszustand zu loben, den wir vielmehr beseitigt sehet! möchten, so schnell das irgend möglich ist. Aber nichts- destoweniger muß festgestellt werden, daß der BelagerungS- zustand, den wir jetzt haben, selbst für die Unabhängigen ein Schutz ist gegen den Belagerungszustand, den die Koinmn- nisten Verhängen würden, wenn sie an die Macht kämen. Am 11. September schrieb die„Freiheit" sehr vergnügt: Der Belagerungszustand während des Krieges hatte jede öffentliche Agiiation und jede legale OrgamsattonStätigkeit unmöglich gemacht, unsere Presse war durch die Zensur vollständig geknebelt.... Das ist mm seil dem 9, November gründlich anders geworden; die politische Organisalion zählt dreiviertel Millionen Mitglieder, die Partei verfügt über eine bedeutende Presse, und was daS Wicknigste ist— Presse sowohl als Organisation befinden sich in etfreulicher Auswätisentwickiung. Was unter dem Belagerungszustand i la Ludendorsf unmöglich war und unter dem Bclagerungszusiand ä 1a Lenin ebenso unmöglich gewesen wäre, da» ist unter dem gegenwärtigen Belggerungszustand trotz allem möglich geivesen. Gau- so schlimm ist es also bei uns doch nicht, wie es die „Jvrcirieit* ihren inländischen und ausländischen Lesern sonst ständig darstellt. Das ändert nichts an der Tatsache, daß jeder Vc- lagerungszustand. inoge er milder oder strenger gehandhabt iverdcn, ein Nebel und eine Schande ist. Wir sind weit da- von entfernt, die Klagen der Unabhängigest über den Be- lagerungszustand als„Mätzchen" und„Belanglosigkeiten" ab- zutun. Nein, wir empfinden es als eine brennende S ch in a ch, dost in der deutschen Republik verschiedene N i ch t u n g e il der Arbeiterbewegung gegcnein- ander mit dein Belagerungszustand operieren. Und wir fordern die Unabhäiiaigcn auf, uns bei unserem Bestreben, diese Schmach Zu beseitigen, behilflich zu sein. lss besteht in der sozialdemokratischen Partei eine starke Strömung, die ans die sofortige Aushebung des Belagcrnngs- zustandes hinwirkt. Ihr wird aber immer wieder erwidert: „Heben wir heute unseren Belagerungszustand, der noch lange nicht der schlimmste ist, auf, so führen morgen die anderen einen viel ärgeren ein. Wir ivären dann wiederum zu Gegen- mastrcgeln genötigt, und das Ergebnis wäre dann auf alle Iällc nicht dauernde Aufhebung oder allmählicher Abbau des Belagerungszustandes, fondern seine Berschärfung." Darum ist es uns geradezu ein Schlag auf den Kovi, wenn die„Freiheit" die Ausschreitungen, die von ihren An- hängern gegen die staatsbürgerlichen Rechte begangen worden sind, als„belanglose Einzelfälle" abtut. Wer erinnert sich bei diesem Wort nicht an die K r i c g s m i n i st e r des alten Regimes, die der sozialdemokratischen Kritik immer wieder das Papageienwort„belanglose Einzelfälle" entgegensetzten, um dann die Herrlichkeit des Ganzen zu preisen!? Nein, solange man sich drüben so aufs hohe Roß setzt, solange nicht auch'drüben der Wille zur Einkehr waltet, den man hüben voraussetzen darf, solange gibt es keine Ver- brüderung, nicht einmal in der Frage, in der sie am notwendigsten und bei anderem Verhalten der Gegen- feite am leichtesten wäre: in der Frage des Belagcrnngs- zustandes. Trotzdem ein Vorschlag zur Güte: Wie wäre eS, wen» S. P. D., 11. S. P. D. und K. P. D. sich auf folgende Erklärung einigen möchten:„Die drei unterzeichneten Parteien erklären, daß sie sich in Zukunft an der Bildung keiner Regierung beteiligen werden, die die staatsbürgerlichen Rechte, Preßfrcihcit, Vereins- und Versammlungsfreiheit, einschränkt. Sie verpflichten sich, jede Negierung. die von den Mitteln des Belagerungszustandes Gebrauch macht, mit allen Mitteln zu bekämpfen. Sie verzichten auf jede Ge- waltanwendung und erkennen da? Recht des ganzen Volkes, durch freie Wahlen und freie Volksabstimmung sein eigenes Schicksal zu entscheiden, nn�ingefchränkt an." Wird so die endgültige Ausschaltung jedes Be- lagerungszustandeS verbürgt, so übernehmen wir jede Garantie dafür, daß es in drei Tagen in Deutschland keinen Belage- rungSzustand mehr gibt. U. A. w. g.__ Cm unerlaubte? Grenzubertritt. Die eigenmächtige Ausreise von Angerburger Jägern nach Kurland hat in der Presse berechtigtes Aufsehen errqst, ist jedoch vielfach irreführend dargestellt worden. Wir erlalten dazu von einein Augenzeugen folgenden Bericht ans S o k a i t e n an der Mcmel: Am Montagmorgen, früh gegen 4 Nhr, gelangte ein Trupp, bestehend aus etwa 160 Many von den 9. und 10. Jägern, mit Bagage usw. unter Führung mehrerer Offiziere auf der gegenüberliegenden Memelseite an und ließ sich mit der Fähre nach dem diesseitigen Ufer übersetzen. Der Stromübergang nahm mehrere Stunden in Anspruch. Angeblich sollten die Jäger den Erenzschutz verstärken. Wie sich jedoch später herausstellte, hatte sich der TrNpp von Angcrburg eigenmächtig ent- fernt, um entgegen den erlassenen Befehlen, nach fernt, um entgegen den erlassetzen Befehlen nach Hauptstraßen und mit Benutzung von Waldwegen bis hierher ge- langt. Sein Ausrücken war bereits telegraphisch gemeldet. Dem- zufolge waren die Grenzwache» verstärkt. Da aber der Uebergang bei Trappöncn zu erwarten tvar, hatte man hier den Gengschutz aufgeboten. Als eine Patrouillenmeldung den Sachverhalt klarstellte, begab sich der Führer des Wischwiker Grenzschutzes, Leul- nant Knoblauch, sofort mit einigen Leuten nach Sokaiten, während die übrigen Mannschaften mit Maschinengewehren die Zugangs- Wege sperren sollten. Als Leutnanr von Knoblauch an der Fähr- stelle Sokaiten eintraf, war der Uebergang jedoch bereits eine vollendete Tatsache; die Jäger hatten sich bereits zpm Weitermarsch fertig gemacht. Die Maschinengewehre waren in- zwischen unbemerkt von den Jägern am Waldrande aufgestellt. Leutnant von Knoblauch erklärte nun den Jägern, daß er auf Grund der ergangenen Befehle ihren Abzug nötigenfalls mit Wafsengewalt verhindern müsse, bei gewaltsam versuchtem Weiter- marsch würden sie von den Maschinengewehre» ins Feuer genom- rstng de? Befehls vermieden worden find. Die Veröffentlichung des Kommandanturbefehls ist auch nicht auf Betreiben der hiesigen Angestellten erfolgt. Ter Zivilangestelltenausschuß. Otto Blobcl. Walter Jänkcke. Bant Schlverdtner. G. Pech. L. Schwarz." ü Unsere Kritik an dem fraglichen Kommandanturbefehl wird durch diese Zuschrift nicht berührt. Der Setciebsrat als Polpp. Da? beabsichtigte, im Betriebsratgesctz zum Ausdruck kommende Streben der Arbeiter auf ein Mitwirkungö- und Mitb«stim- mnngsrccht in der Fabrikleitung vergleicht die„Post" vom 25. September mit einem Polypen, jenem eklen Gezücht, das sein Opfer in men werden. Unter diesen Umständen sahen sich die Jäger vcran-' erstickender Umklammerung tötet. Angeregt wird sie zu diesem laßt, von einem Weiterzug A b st a n d z u n eh m o n. Dem Leiter j Erguß durch die Perössenjljchung dcS Prof. Schlesinger im des Grenzschutzkommandos standen aber viel zu wenig Leute zur!..Berliner Tageblatt" über seine eigenen vorzüglichen Erfahrungen Verfügung, als daß er an eine Entwaffnung der Jäger hätte! mit einem von ihm freiwillig gebildeten Arbciterbeirat in den denken können, zumal diese Miene machten, sich zu wi dtr- f Spandauer Reichsbetrieben. Zum ersten Male hat hier ein be- setzen. Auf sein Ersuchen wurde ihm eine Dragonerabteilnng! kriebserfahrener Direktor seine ans ernsthafte und praktisch; Ver. zur Perstärkung gesandt. Diese traf etwa um 10 Uhr abends ein. � suche gestützten /Ergebnisse mit Betr cbsräten veröffentlicht, die Sie nahm dann die Jäger im Empfang. Eine Entwaffnung den Herren von der„Post" gerade in diesem Augenblick höchst un- vermochte auch sie nicht durchzuführen. Bei den Jägern hatte erwünscht kamen. Die Arbeiter aber werden sich, von den Span- sich nun ein Rittmeister in Zivil befunden, der früher Schwadrons- i dauer Erfolgen ermutigt, von ihrem Streben nach aktiver Mit. chef gewesen war und seine Schwadron aufgesucht hatte, um sich Wirkung und Mitbestimmung in der Jndustriewirtschafi nichts ab- von ihr zu verabschieden. Da er Gutsbesitzer im Kreise Pr.-Eylau � moxin lassen, auch wenn dadurch manchem Polypen- und Schma- ist. also nickt anzunehmen war. daß er sein Gut einfach im Stich! ootzersölnchen das Leben unbequem gemacht werden, sollte. lassen würde, da ferner seine Papiere in Ordnung waren, so konnte nichts gegen seine Bitte eingewendet werden, ibn nach der gegenüberliegenden— südlichen— Memelseite frei zu lassen, um bei Rittmeister von Sperber-Lenken Nachtcherberge zu suchen. Die Dragoner brachten die Jäger auf der Landstraße nach Schrettlang- kcn, wo übernachtet werden sollte. Dort drehten nun in früher Morgenstunde die Jäger den Spieß um und brachten«S durch ein Maschinengewehr dahin, daß man sie ungehindert abziehen lassen mußte. Sie rückten nun wieder naÄ Sokaiten und von hier au? über Schäferei RamScdcn nach der Grenze bei Längs- zargcn hin. Tie Grenzwachen wurden durch die Dragoner be- nachrichtigt, konnten aber nur noch einen Teil der Jäger und die Bagage am Ileberschreiten der Grenze verhindern." Aus dem. Bericht geht hervor, daß den Grenzschutz an dem lieber tri!t der Jäger kein Verschulden trifft. bestimme'./ Vom Zivilan�estelllenausschuß dar Kommandantur des Truppenübungsplatzes Neuhammer erhalten wir zu dem unter obigem Titel vor einigen Monaten veröffentlichten Artikel-ine Zuschrift, aus der wir die einschlägigen Sätze wiedergeben: „ES wird zugegeben, daß das sittliche Verhalten einzelner weiblicher Angestellten nicht ganz einwandfrei geiocsen ist, namcnt- lich während des«ufeitthaltes des Einsenders ans dem Platze. Vom Angestelltenaussckuß ist in Versammlungen des öfteren las Verhalten einzelner Damen gerügt worden, fand aber bei dem meisten gar keine Beachtung. Ein Teil der weiblichen Zivilange. stellte.» wandte sich daher selbst an die Kornnkand-miur mit der Bitte, energische Maßregeln zu ergreifen. Daraufhin wurde der Kommandant» rbefehl im Einvernehmen mit dem Angestellten- aussckuß erlassen und den ans dem Platze befindlichen Dienststellen zur Bekanntgabe an die weiblichen Angestellten übergeben. Während des Krieges sind bis zu Inindert weibliche Angestellte auf dem Platze beschäftigt worden, welche zum größten Teil noch im jugendlichen Alier standen. Einzelne dieser Mädchen konnten auf die Denier den si? umgebendem Versuchungen und Fallstricken nicht den nötigen Widerstand enchegenbringen. DieS ist darauf zurückzuführen. daß diese jngcndlicb-n weiblichen Angestellteli auf dem Platze wohnen mußten und so dem Einfluß der Eltern ganz und gar entzogen waren. Daher ist es nicht nur das Rocht, sondern auch die Pflicht der Kommandantur, mit allen ihr zur Verfügung siebenden Mitteln auf da-s sittliche Verhallen der weiblichen An- gestellten einzuwirken. Es wird noch besonders betont, daß nnr einige weibliche An- gestellte sich trotz aller Hinweise nicht einwandfrei geführt haben. Dies« sind jedoch zur Entlassung gekommen, so daß sich zurzeit auf dem Platze nur noch wirklich einwandfreie weibliche Angestellte befinden. Eine Vergewälttgung der Recht« der weiblichen Angestellten kommt also nicht in Frage, zumal auch Härten in der Turchsüh- Besonders heiter wirkt noch in dem„Post"-Aaikel die Frag« nach dem Namen des technischen Leiter? der Spandauer Werke, der nach dem eigenen Urteil der„Post"„e.ne der tüchtigsten und tatkräftigsten Persönlichkeiten auf-organisa- torischem Gebiete und eine volkswirtschaftlich-technisch und organi- satorisch ungewöhnlich durckgc bildete Kraft" ist. Her Schlesinger, der in der Zeitspanne April-August die technische Oberleitung in Spandau allein führte,>vir»,sich über dieses ungewollte Lob nnr freuen können. Die„Post" aber hätte sich ihre Blamage erspart, wenn sie den „Vorwärts"(12. Augirst) aufmerksame gelesen hätte. Wir glauben nicht, daß durch derartige Vergleiche, wie sie die„Post" beliebt, das Verhältnis von Arbeiter zu Arbeitgeber ver- bessert und die Stimmung zu gemeinsamem Ausbau de? deulstben Wirtschaftslebens gesteigert werden wird. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß der von der Rechtspresse so heftig angegnsfen« Prof. Schlesinger im Gegensatz zu den gehässigen Behauptungen rein ehrenamtlich in Spandan tätig war und die ihm von der Behörde nachträglich zugesandten 10 000 M. dieser zurückgesandt hat. Die �ussthuM/eratungen. Die Betriebsräte. Ter Ausichuß nahm die§§ Ö und 9 a(Errichtung von Gesamtbetrieb-? räten für mehrere ivirt'chofllich zu- sammcnhängen;e Belriebe) nach den Antikigen der MehrheilSpaileien an. Im§ 12 wurde bestimmt, daß die Wahl der Arbeiter- und Angestelltenbetriebsräie durch d>e Arbeiter und Angestellien erfolgt in unmittelbarer geheimer Wohl nach den Gnindjätze» der Ver» Häliniswahl auf die Daner von zwei Jahren. Wiederwahl ist zu« lässig. Hccresgutvcrkäufe. Im NeichshaushaltSaussckiuß bestritten di« Regiernngsvcrtreter, daß Hecresgur verickioben. billig vei kaust und dem Schiebertum.nicht energisch genug enigegengeireten würde. Die Verkäuie würden durch Ansschreivungen.der Oesfenrlichkeit bekannt- gegeben. Bolksschnllchrrrbezahlnnit. Ein gemeinsamer Antrag samilickwr preußischen Fraktionen will die Slaatsregienmg ersuchen,«ine Gesetzesvorlage einzubringen, die 1. eine gleichmäßige Siegelung deS Grundgehalts und der Altersmlagen m allen Schutverbänden Preußens unter Aufhebung der Ortszulagen vvrsiehl. 2. die Gleich-> stellung der Besoldung der Volksschullehrkräfte mit der der Sekretäre der allgemeinen Slaatsveiwattiing bringt. 3. die Lchrerinn cii bei Ucbernahme gleicher Pflichten in der Besoldung mit den Lehrern gleichstellt. Mit dieser Vorlage find Vorschläge zur gesetzlichen Regelung der enistehenden Kosten zu verknüpien. Die Bcrmiirderung der TruppennliungspILtze, gegen die sich Minister Noske im Ausschuß gewendet hatte, sollte nicht die Zahl, wie sie unter der Monarchie bestand, velringei». sondern die be- reilS entsprechend der viel geringeren Heercsstärle stall berabge- setzte Zahl der Truppenübungsplätze noch weiter einschränken. Nur darum hat rS sich gehandelt. Tiselegs�öen. Von Robert Grötzsch. Der Krieg zwischen den Krebsen und Mäusen. Der erste große Krieg zwischen den Krebsen und Mäusen fand bekanntlich im Jahre 12 350 vor Christo statt. In jener Zeit waren KrebS und Frosch noch Freunde, loeshalb sich die Frösche den Krebsen anschlössen, zumal da die Unken mit den Mäusen eine ur- alte. Rechnung zu begleichen hatten. Man kämpfte damals noch in breiten, festgefügten SHlachireihsii; die Krebse standen als Ge- panzerte in der ersten Linie, die Frösche in der zweiten. So rückte das verbündete Heer gegen die Verschanzungen der Mäuse an. Aber je näher die Verbündeten dem Feinde kamen, um so tiefer sank den Fröschen das Herz. Ihr Schritt verlang'amte sich, der Abstand zwischen ihnen uni> den Krebsen wurde im nur größer und größer, bis die Frösche schließlich stehen blieben und lautlos Reiß- ans nahmen. So kam es, daß die Krebse fürchterliche Prügel erhielten. Noch am selben Abend gab es zwischen Krebsen und Fröschen eine lebhafte Auseinandersetzung. Tie Frösche bereuten ihre Fahnenflucht ausS tiefste und versprachen den empörten Kreb'en, sich an einem Revänchefeldzug ernsthaft und tapser zu beteiiigen. Die Krebse jedoch trauten ihren Freunden nicht mehr so ohne lrvitercS; sie beschlossen, die feigen Lurche diesmal besser zu be- auflichtigen. Als die Schlacht. reiben abermals formiert waren, sahen die Frösche ein seltsames Bild: die Gepanzerten marschierten zwar wieder in der ersten Reihe, aber ein Teil hatte den Kopf nach vorn, der andere den Kopf nach hinten gerichtet, um die Frösche im Auge zu beHallen und ihnen Mut zuzusprechen. Die Mäuse aber, als sie den Anmarsch gewcihrun. entsetzten sich ob der seltsamen Tiere, die ohne klopf heiangekrochen kamen, und ergriffen die Flucht. So erreich»« das verbündete Heer müheloß die befohlene Linie und behauptete siegreich daö Feld, lieber raniend Gefangene wurden eingebracht. Bon diesen erfuhren die Sieger näheres über den Schrecken der Mäuse. Da erst ertannten und staunten die Gepanzerten ihre Kriegs- list und kamen überein. daß die eine Hälfte der Krebse bei allen sich bietenden Gelegenheiten dem Rückwärtsgehen zu huldigen habe, um für den Ernstfall in die'cr Kunst geübt zu sein. Dies war ein Beschluß von ungeheurer Tragweite; er trennte die Krebse in zwei Lager, die einander schon»och kurzer Zeit nicht mehr verstanden. Denn die vorwärlSstrebenden Krebse schauten die Welt ganz anders als die Rückwärtser. Die letzleren sahen immer das Gestrige und Vergangene, die ersteren dagegen daS Neue uyd Kommende. ES gab ewig Meinungsverschiedenheiten, Krach, Körperverletzungen, so daß schließlich nur noch die reinliche Scher- dung übrig blieb. Die vorwärtsgehenden Krebse zogen von bannen, der Sonne entgegen, und sind bis. heute von den Naturforschern noch nichi wieder entdeckt worden. Man nimmt darum an, daß sie sich im Laufe der Zeiten zu besseren Säugetieren entwickelt haben. « Der Wettstreit zwischen den Fröschen und den Flöhen. Die Flöhe und die Frösche waren in einen hitzigen Streit ver- wickelt. Es ging um einige Naiigiragen. Da aber die Släike der Flöhe mehr in der Leichtigkeit ihrer Sprünge und die der Frösche in der Wucht des Ansturmes bestand, war an einen ernicheidenden Kampf nicht zu denken. Schließlich kam dem König der Flöhe, der wirklich nicht aus den Kopf gefallen war, eine glänzende Idee: er schlug vor, den Streit durch ein Wetlspringen auszutragen. Tie Frösche stimmten arglos zu und berieten, wie hoch die Frösche springen müßte», wenn sie fetoinnen wollten. „Gebt euch keine Mühe," erklärte da der Flohkönig den Fröschen, „wir springen bis in den Himmel und darüber hiiiauS, so daß wir vor Ablauf einiger Jabre überhaupt nicht wieder zurückkommen." Da lauschten die Frösche gewallig.„Gut." antworteten sie, '.wenn ihr bis in den Himmel springt, solll ihr gewonnen haben." Dann bildeten sie einen ÄreiS, die Flöhe nahmen darin Ausstellung. der Flohlönig zählte„c'iis— zwei— drei"— und bei„drei" sprangen alle Flöhe in die Luit, daß es den Fröschen wirbelig vor den Augen wurde. Darum sahen sie auch nicht, daß die Flöge in der Luft einige Salromoriale schlugen, im Rücken der Frösche landeten und rasch verdufteten. Seit dieien Tagen glotzen die Frösche zum Himmel, um die Rückkehr der Flöhe zu kontrollieren. Dreis aber verstecken sich seit- dem gern in den Kleidern der Menschen uns fühlen sich begreif- lichorweise peinlich berührt, wem» sie zu Tage gezogen werdet». Alfred Bock, der vortreffliche hessisch« Erzähket. beging am 14. Oktober in seiner Vaterstadt Gießen den 60. Geburtstag. Er gehört zu den künstlerischen Gestaltern des Tatsächlichen, zu den d chterischen Zeugen der Natur, zu jenen Dichtern, die naiveren Znstäirden als denen der komplizierten modernen Kultur zuneigen, die die Einfalt, Wahrheit und Notwendigkeit der Natur aufsuchen. Zustände, wo der Mensch doch mit allen seinen Kräften zugleich als barnionische Einbeir wirkt, wo mithin das Ganze seiner Natur sich in der Wirklichkeit vollständig ausdrückt. Diese Natur findet er in seiner oberhessischen Heimai. Er geht hinaus a-ff die Dörfer und in die Städtchen, die rtnqS um sein« Vatersta., sich lagern, und beobachtet niit den zielgeschärsten Augen des gereiften Seelen- suchers die Menschen, die er auf seinem Wege trifft: die in ihren jugendlichen Gesellen tragisch verliebte bejahrte„Pflaster- meisterin", die den Aermsten jämmerlich zugrunde richtet; den wackeren kernigen„Filur schütz", der mit seinem Sohne um ein Mädchen heiß sich härmt; den unerfahrenen kräh»' m kl igen Krämer und Schmetterlingssammler sind den. niodcrner Warcnhausmann; da? im engen Neste verkümmernde musikalische Genre und den seit- sam gewundene Wege wandelnden Agenten mit einer frommen und einer verbrecherischen Stimme»n Herzen; die reiche Bauern tochler, die zur Ehe mit einem ihr an Vermögen ebenbürtigen Rohling gezwungen wird; die armen Unterdörfler, die von ihrem gewalt- tätigen Ortsvorsteher zur Auswanderung getrieben und als„P a- riser" heimgekehrt, ihren Heimatort gründüch instand' tzan; die ,.O be rw a ld ne r", die bei der Gründung einer Spar- und Darlehnskasse sich von einem abgefeimten Spitzbuben schmählich übers Ohr hauen lassen: die Sektierer, die sich um einen klugen und guten Laienpredigch: scharen, während der Ortspsarrer eine „leere Kirche" anstcckrt, kurz,„die Kinder des Volkes", wie einer seiner unterhallsamsten Romane sich belitelt. Diesen kleinen Leuten hat«r ties in die Herzen geschaut. Er hat sie in ernsten und heiteren Stunden belauscht und ihnen noch. gesuhlt und von ihren schmalen Lippen, aus ihren stählernen Augen aelesen, was sie hartnäckig verschweigen. Der innerlich miterlebt« Gebalt der von ihm dargestellten Menschen macht den literarilchien Wert seiner Bücher anS. Indem er immer nur da? Ebarak- teri s tische und LebenSwarme suchst, fand er zugleich in sich di« Kraft, dem eine ihm nur eigene Formonstrenge abzugewinnen. Sem Stil hat ganz die Kargheit seiner Heimaterde. Die Knapp- hell, die Kurzsätzicckeit seiner Ausdrncköwekfe steht einzig in unserer Literatur da. Dazu gesellt sich srischchlülige Anschnulichkeit, zugespitzte Bündigkeit der Komposition. Klarheit imd Präzision der Darstellung. Tie sparsame Anwendung dialektischer Ausdrücke zeugt ebenso von gutem Geschmack, wie die häufig« Einstreuung dem Volksmunde abgelmillbter. merkwürdig bildhaft geprägter, den Wesenskcrn jenes Menschenschlages erllhiillendcr Rodesigurxn zur saftvollen Belebung der von ihm geschaffenen farbigen Sitten- und Charakterbilder wesentlich und erfreulich beiträgt. Paul 25 i t t k o. Drutkchier Arbelter-Tängervund. Der vierte Vortrap über OTufif. pekchicinc von Dr. Glitt nrsnn im Kltiidwortt>-Zlhari»cnta saal am III. Oktober iuber Bcetboprn) beginnt ausmwmStveist um<* Nor vornnrtags. Einzelne Gallkarten sind do.t noch erhältlich. Mofi Sängers Nokoko-Abend fgelante. komUH- und Schäsergedtchte. gesprochen im Kollüni der Zeil) wird am IS. Ottober,< /,"tu, in der Berliner Scjeifion wiederholt. Ter E'pernntoderband(Lroh-Bertin verantaitel sdr akademiich mid Iremdiprachiich gründlich Gebild-ic einmalige" Jl.n der«tadtbahnhöje Eharlotlenburg und Savigiiyplatz). lieb ig. Hörergebähr be- Nr. 52* ♦ 36. �ahrgaag 1. Seilage öes Vorwärts Donnerstag, 16. Oktober!*?* deutsche Nationalversammlung. gg. Sitzung. Mittwoch, den IS. Oktober 1919. 1 Uhr. Am RegierungStisch: Müller, Erzberger. Der öeutsch-xolmsche vertrag. Enthastung und Amncstir. / Minister des Auswärtigen Müller: Wenn wir bereits vor Inkrafttreten des Friedensvertrages .uü den Polen zu diesem Abkommen gelangt sind, so geschieht das, weil wir ein besonderes Interesse daran haben, dag die Abwick- lung der Verhältnisse in den östlichen Gebieten möglichst rasch er- folgt. So schmerzlich der Verlust reindeutscher Mitbürger ist, die an die Polen abgetreten werden müssen, so haben wir doch ein Interesse daran, dag möglichst korrekte Verbältnisse mit un- seren polnischen Nachbarn eintreten. Die Verhandlungen ,sind durch den Putsch in Lberschlesien etwas verzögert worden. De: Kricgsgcfangenenaustausch mit Polen ist noch nicht vollzogen. Auch aus diesem Grunde, war dieses Abkommen nötig. Zur Ueber- wachung deS Vertrages ist eine besondere Kommission vorgesehen. Der Vertrag wird in allen drei Lesungen angenommen. Ohne Aussprache angenommen wird auch der Haushaltsplan iur den Reichspräsidenten. • vie Postverwaltung. Abg. Beuermann(D. Vp.): Die Mißstände im Telegraphen- und Telepbonverkehr werden verschwinden, wenn das Publikum mehr Selbstzucht übt. In Berlin sind im September an einem Tage Zlil 000 Telegramme aufgegeben worden. Da ist sicher viel UeberflüssigeS dabei gewesen. Die Entfernung der Bezeichnung Kaiserlich bei Aufschristen an Postgebäuden und der kaiserlichen Embleme bedeuten manchmal einen BandaliS muS, der nicht gebilligt werden kann. Abg. Zubeil(II Soz.): Es herrscht immer noch Ueberfluh an Au fsichiSki ästen und Mangel an wirklich arbeitendem Personal. Das war bei der Post vor dem Krieg so und ist jetzt nicht anders geworden. Die Entlohnung der Aushelfer ist noch immer unge- iiügend. Da darf man sich nicht wundern, wenn Unredlichkeiten vorkommen. Die Beamtin muß das Recht erhalten, zu heiraten, ohne aus dem Dienst ausscheiden zu müssen. Es herrscht noch immer ein ganz infame? Svstem der Trlcphonfpitzclci. Von ihm wurde insbesondere früher Abg. Haase, jetzt Abg. Cohn betroffen. Die mititärislben Stellen scheinen großes Interesse für die beiden Herren zu haben. Aber es ist ein Skandal, daß die Reichspost- Verwaltung ihre Beamtinnen zu so niedrigen Spitzeldiensten zur Verfügung stellt. Abg. Strinkopf(Soz.): Die Beamten haben das Vertrauen zum Minister, daß er die jetzt geltende PerscNalordnung durch eine solche ersetzen wird, die den berechtigten Ansprüchen der Beamten nachkommt. Wir wer- den alles aufbieten, damit die mittleren und unteren Beamten restlos zufrieden gestellt werden. Mit der Ueberführung der ge- prüften unteren Beamten in den mittleren Dienst sollte sich der Minister eingehenki�beschäftigen. Der Wert der Prüfungen ist sehr fraglich. Die Anstellung der Beamten darf nicht von der Gunst der Zeit abhängig gemacht werden. Mit der Bezeichnung Unter-, Mittel- oder Oberbeamten muß aufgeräumt werden. Es sollte künftighin nurmehr Beamte geben. Die Behandlung der Unterbeamten durch die höheren Beamten läßt noch viel zu wünschen übrig. Der Aufstieg der Be- amten von einer Klasse zur anderen muß grundsätzlich möglich sein. Die Klagen über unberechtigte Entlassungen wollen nicht verstummen. Die ledigen Beamten sollten den verheirateten Kin- dertosen gleichgestellt werden. Für das Streikrecht und die ge- hei..'.en Personalakten ist die Verfassung matzgebend. Der Beamte hat�cin Recht, in die Personalakten über seine ganze Dienstzeit hin Einsicht zu nehmen. Wir begrüßen eS/daß noch vor Jnkraft- treten des Betriebsrätegesetzes Beamtenräte eingeführt werden. ES darr nicht vorkommen, daß Beamten ihre politische Tätigkeit durch Versetzung erschwert wird. Die Befriedigung der Wünsche der Postangestellten wird sicherlich dazu beitragen, den Postbetrieb wieder so zu gestalten, w-e er einmal war: gut, schnell und ver- läßlich. lLebhafter Beifall.) Abg. Koch-Münster lZ.): Jede» Spielen mit dem Streikgedan- ken in der Beamtenschaft ist streng zu verwerfen. Hände weg vom Streik! Die Beamtenschaft muß zurück zu der alten Pflichter- füllung, Treue und Dienstfreudigkeit. Reichspostwinister GicSbertS: TS ist mir nich: möglich all? Einzclfragen heute zu behandeln. Alle hier vorgebrachten Anträge werden aber geprüft und dann in entfpreckendon Reiormen vorbereitet werden. Das gilt besonders von der Pcrsonalreform, iür die alS Grundgedanke maßgebend sein wird, den Aufstieg den Beamten zu erleichtern. Ob weibliche Beamten im Dienst gelassen werden sollen, wenn sie heiraten, darüber muß von der Rcichsregierung entschieden werden. Dem Mißbrauch der Portofreiheit wird am besten dadurch begegnet, daß die ganze Gebührcnfreiheit beseitigt wird. Hierzu sind bereits Schritte eingeleitet worden. Die Ein- richtung der Beamtengus'chüsse, wie sie jetzt besteht, gefällt mir auch nicht. ES ist aber bedenklich, jetzt eine Aenderung vorzunehmen. Wir müssen erst das BetriebSrätegefetz erwarten. Es sprechen noch die Abgg. R e m m e r S(Dem.) und Mumm (Dnat. Pp.l Nach einer kurzen Erwiderung des Reichspostministers G i e s b e r t S über Beamtenausschüsse und Portofreiheit �schließt die Besprechung. Die Entschließung Allekotte über A bände- rung der Betriebsordnung wegen der Verwendung von Postwagen als Schutzwagen wird angenommen; ebenso der ganze Haushaltsplan der Reichspostverwaltung. Präsident Fchrenbach teilt mit. daß der AeltestenauSschuß ge- tagt und beschlossen hat. eine längere Pause erst nach Erledigung des GeiamtetatS„nd wenn möglich der Reichsabgabeordnung ein- treten zu lassen: das wird nicht vor dem 39. Bktober der Fall sein. Der Präsident ermahnte deshalb zu weiser Selbstbeschränkung im Reden. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 llhr. Mündlicher Bericht deS Untersuchungsausschusses über die den Unterausschüssen zu gewährenden Rechte. Zweite Beratung des Etats des Reichs- Ministeriums des Innern, in Verbindung damit Interpellation über Sie Schundliieratur. Schluß: 6 Uhr._ preußische tanöesversammlung. 65. Sitzung. Mittwoch, den 15. Oktober. Am Regierungstisch: Hirsch, Dr. Südekum, Braun, Dr. Am Zehnhoff. Nachtragsetat für Volkswohlfahrt. Abg. Gräf Anklam(Dnat. Bp.): Di« Notwendigkeit der parla- mentarischen Unterstaatssekrctäre,„den Golk gewollten Ausdruck d«S bei einer parlamentarischen Regierung unbedingt nötigen Miß- trauens"(Große Heiterkeit) sehen wir nicht ein. Die Ministerien dürfen nichi zu einer Vcrsorgungsanstalt für Parteifreunde werden. Die von uns gestrichenen Beigeordneten der Landrats- ämter dürfen nicht durch ein Hintertürchen wiese: hereinkommen, dadurch, daß man die Kreise zwingt, sie zu bezahlen.(Beifall rechts.) Abg. Richtcr-Neumünster(Soz.): Die Unterstaatssekretär« sind nicht ein Ausdruck de» parla- mentarischen Mißtrauens, sondern dienen der Erleichterung der Arbeit der Ministerien und der besseren Fühlungnahme der Mi- nister mit dem Parlament. Gerade die Deutschnationalen haben das allermindeste Recht zur Bemängelung sozialdemokratischer Hilfsarbeiter. Unter dem alten System besah die konservative Partei ein Monopol auf die Posten in den Ministerien, das heute die Sozialdemokraten besitzen. Früher hat die Rechte an hohen Gehältern für die höchsten Stellen nicht gespart.(Widerspruch rechts.) Wenn sie gespart hat, dann geschah es nur, um Minder- bemittelten diese Posten zu versperren.(Lebhafter Wider- spruch rechts.— Lebhafte Zustimmung links.) Abg. Dr. Schlohmann(Dem.): Die Hilfsarbeiter in den Mi- nisterien müssen sich selbstverständlich erst einarbeiten. Daran sind allein Herr Gräf und seine Freunde schuld, denn früher haben sie ja niemand in die Verwaltung hineingelassen, der nicht bedin- gungslos ihrer Partei angehörte.(Lebhafter Beifall links.— Lärm rechts.) Heute wird nur nach der Tüchtigkeit gefragt, nicht nach der politischen Richtung; aber für die Tüchtigkeit hat die Rechte ja wohl kein Verständnis.(Lebhafter Beifall links.— Lärm rechts.) Abg. Dr. Rosenfcld(U. Soz.): Die parlamentarischen Unter- staatssekretäre sind durchaus nottvendig, um die Verbindung mit der Regierung nicht nur mit den Mehrheitsparteien, sondern mit allen Parteien herzustellen.(Ja darf denn ein echter Sozialist mit so einem Blutbund vom Ministertisch reden? Red.) Abg. Dr. Leidig(T. Vp.): Wenn Sie(zur Linken) Auf- paffer und Spione haben wollen, dann müssen Sie sich ge- eignetere Leute aussuchen, als die jetzigen Beiräte. Abg. Graf(Dnatl. Vp.): Die Ministerialdirektoren waren be- kanntlich früher(Zwischenruf: Sozialdemokraten!— Heiterkeit) keine Konservativen, sondern Liberale. Danach werden die Vorlagen in zweiter Beratung a n g e- nommen. Es folgt die dritte Beratung. Abg. Dr. Rosenseld(U. Soz.): Einer Regierrmg de» Belage- rungszustandes bewilligen wir nicht einen Pfennig.(Erst ist e? notwendig, dann lehnen sie es ab! Red.) Ministerpräsident Hirsch hat mich lvegen meiner Beziehungen zu SpiclklubS persönlich-an- gegriffen. Ich habe Spielkarten viel weniger angerührt als der Ministerpräsident!(Heiterteit.) Ministerpräsident Hirsch: Alle Sünden, die Dr. Rosenfcld der Regierung vorwirft, sind von ihm und seinen Freunden zehnfach und hundertfach stärker begangen worden und werden täglich begangen.(Widerspruch bei den U. Soz.) Wissen SU denn nicht, mit welchen Mitteln brutaler Gewalt Sie vorgegangen sind, wo Sie zur Macht gelangt waren? (Sehr richtig!) Die preußische Regierung hal keinen Einfluß auf Sie Berhängung der Tchuyhaft. Trotzdem habe ich häufig aus Vor- stcllungcii von Unabhängigen hin die Aufhebung der Schutzhaft veranlaßt. Ich bcbaure das Verbot der„Freiheit" lebhaft. Jeder Tag, den dieses Blatt länger erscheint, Hilst dazu, daß sich immer größere Massen von Arbeitern vor ihm ekeln. (Unruhe.) Die Ausführungen der„Freiheit" nach dem Attentat auf Haase waren das ekelhafteste und erbärmlichste, was sich je- mals irgendein Blatt geleistet hat.(Lebhafter Beifall.)(Der Mi- nister verliest Stellen aus Hctzartikeln der„Freiheit".) Vielleicht können Sie(zu den Unabhängigen) auf Ihre Freunde einwirken, damit Ihre Blätter sich eines einigermaßen anständigen Tones befleißigen. Gewiß ging die frühere Regierung rück- slchtsvollcr gegen die Opposition vor. Aber die frühere Oppo- s i t i o n kämpfte auch nicht mit Mafchlnrngcwchrcn gegen die Re» gierung. Ich bin sehr gern bereit, im Staatsministerium die Aufhebung deS Belagerungszustandes zu empfehlen, kann das aber nur unter der Voraussetzung der Gewähr tun, daß auch Sie sich auf den Boden der Verfassung stellen, daß auch Sie die Gesetze respellieren, und daß Sie nicht einen Zustand anstreben, in dem Sic die Macht haben und dann den Belagerungszustand gegen irns verhängen. Wenn wir den Belagerungszustand nicht verhängt hätten, dann wären wir jetzt nicht imstande, ruhig und sachlich hier die Geschäfte zu führen, zu deren Erledigung wir verpflichtet sind.(Lebhafter Beifall.) Finanzmitiister Dr. Südekum: In der„Post" und der„Täglichen Rundschau" erschien ein an mich gerichteter Brief des Herausgebers der..Reichshauptstädtischen Korrespondenz", Günther Horn, der darin u. a. ausführte, daß er auch nach meinen Darlegungen in der Landesversammlüng an der Richtigkeit seiner Berichterstattung über die Bamberger Finanzministcrkonfercnz nicht zweifelte, da sie sich auf Mitteilungen mir nahestehender Persönlichkeiten stützte. Im weiteren Verlauf der Sache verlangie der genannlc Herr, sehr auf dem hohen Rotz sitzend, daß ich alles. waS« r in seiner durch die„Post" und die „Tägliche Rundschau" gebrachten Notiz gesagt hat, als richtig, alles, was i ch selbst in der Landesversammlüng darüber gesagt habe, als jfalsch erklären solle.(Lebhaftes Hört, hört!) Im weite- . rcn Verlauf der Dinge hat der genannte Herr die Erklärung zu Protokoll geben müssen, daß seine Notiz in keinem Worte richtig gewesen ist und daß er das Ansinnen au den Finanz- minister auf Widerruf seiner Erklärungen in der Landesvcrsamm- lung mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücknimmt. Günther Horn hat das Versprechen abgegeben, die zu Protokoll gegebene Erklärung in d-.'r„Post" und in der„Täglichen Rundschau" zu veröffentlichen. Diese Blätter haben aber die Aufnahme mit nichtigen Ausflüchten abgelehnt. Damit ist die Angelegenheit für den Finanzminister erledigt. Abg. Dr. Noscnseld(U. Soz.): Wir lehnen es ab, ein für allemal zu erklären, daß eine Gewaltanwendung für uns nie mehr in Frage komi�j.(Lebhafte? Hört, hörtl) Abg. Richter-Neumünster(Soz.): Die Unabhängigen verwirren die Köpfe der Arbeiter, und wenn die Verwirrung da ist, dann waschen sie ihre Hände in Unschuld. Den größten Zu- lauf erhalten Sie(zu den Unabhängigen) aus radaulustigen Kreisen, 1; von Ihnen dann wieder zu den Kommunisten abge- schwenkt sind. Wenn die Unabhängigen die geistige Vergiftung der Arbeiter einstellen, stnd wir für Aufhebung des Belag e r u n g? z u stand eS. Abg. Dr.' Roscnfeld(U. Soz.): Der Einigung ziehen wir den frisch-fröhlichen Kampf vor. Abz. Heilmann tSoz.): Die Landesversammlung wirb in der nächsten Zeit Gelegenheit haben, sich mit dem Schicksal deS ersten SozialisierungsgesetzeS zu befassen, das einer Kommission anvertraut war, deren Vorsitzender der Abg. Dr. Rosenfeld war(Leb- Haftes Hört, hörtl) und das infolgedessen erst nach so langer Zeit erledigt werden konnte.(Lebhaftes Hört, hört!— Große Unruhe bei den U. Soz.) Die Verhandlungen in dch: Landesversammlüng werden ergeben, wen die Verantwortlichkeit an diesem Verrat des Sozialismus zufällt. Wir sind jeden Tag zur Einigung arrf dem Boden der Demokratie bereit.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Sobald di« Unabhängigen auf die Betätigung des Sozialismus verzichten, für den Karl Kaulsky das Wort„t a r- tarifchcr Sozial i.Smus" geprägt hat. kann an die sozial- demokratische Einigung gedacht werden.(Lebhafter Beifall bei den Mehrheitssozialisten.)*, Abg. Dr. Rosenfcld(11.®afr): Für die Einigung de» Proletariats sind wir auck,. daS ist aber noch lange nicht dih Einigung der fozialdemokraliichen Varieien. Abg. Riedel(Dem.) teilt im Rahmen einer persönlichen Be« merkung mit daß seinem Partciireunde Hofmann von»nab- hänglgen ü,■ l eiden in Lichtenberg neun Wunden beigebracht worden seien. Abg. Rosenfcld bezeichnet den Abg. Heilmann al» Lügner und erhält einen Ordnungsruf. Die Variagen wurden darauf gegen die Unabhängigen in dritter Leiung angenommen. Die Verschiebung von Getreide ins �usianS. Es folgt der Anirgg Dr. Fried berg und Genossen auf Ein- leitung geeigneter Maßnahmen zur Verhinderung der Ver- schie'bung von Getreide und anderen Leben»« »nitteln nach dem Auslande. Abg. Kuhle(Dem.): Den Schmuggel betreiben mit einzelnen Besitzern gewerbsmäßige Banden niederträchtiger Schieber■ aus einer moralischen Pöbelgeiell'chaft, die sich noch mit frecher Dreistigkeit auispielt, während die Massen darben. Das Loch im Westen wird schließlich un'ere Wirtschaft töten. Schärfste Ueber« wachung des EisenbabndiensteS und rücksichtsloses Zu» greifen tut not.(Lebhafter Beifall.) Ein Regierun gSvertreier: Die Zollkontrolle an der Westgreu,� leider durch die E nt e n t e b e f e tz u n g ge« binde r t. Unser Kölner Kommsssar ist sogar ausgewiesen worden. (Hört! hört!) Der Staatskommissar für da» Ernährung»« Wesen führt aus, daß der Schutz der Ostgrenze gegen den Schmuggel lehr gut arbeitet. Dank einer' Verständigung, die im Westen mit den Engländern zustande gekommen ist, haben sich die Verhältnisse im Westen etwas gebessert. Wir � werden aber dennoch vermutlich Zuchthausstrafen für die Schieber und Wucherer seslkeyen müssen.(Lebhafter Beifall.) Zur Be« kämp'ung des SchieberwesenS tut uns die Hilfe der ganzen Bevölkerung bitler not. Die Zwangswiriichait können wir noch nicht ausheben, weil wir uns noch im Blockadekrieg be« finden.(Lebhafter Beiiall.) DaS Haus vertagt sich auf Donnerstag 12 Uhr. Auf der Tagesordnung steht der LandwirtschaftShaushalt. Schluß 5'/, Uhr._ parteinachnchten. Die sozialistische Arbeiter- und Bauernpartei in der Türkei macht gute Forlschrilte und gibt in Konstantinopel eine TageS- zeltung„Llurtuluseir"(Die Befreiungl heraus. Ein deuiiches Sonderheit gleichen Namens ist soeben erschienen. Es unterlichtet über die Türkei und ist in der ,VorwärlS"-Buchhandlung für 59 Pf. zu haben.__ SszmSes. Württcmiergifche Jugendfürsorgereform. Der württemlbergische Landtag hat am 4. Oktober d. I. fast einstimmig die grundlegenden Gesetze für den weiteren Ausbau der öffentlichen Jugendfürsorge des Landtags, das Jugendamtgesetz und das B-e r u f s v o r- mundschaftsgesetz, die sehr eingehend in einem SondcrauS- fchuß und im Plenum beraten waren, angenommen. Durch die de- schlossene E r r i ch! u n g v o n Jugendämtern für die größeven Städte(mit der Möglichkeit auch für Städte zwischen 29 999 und 59 999 Einwohnern solche zu errichten) und Amtsbezirke, gegebenen- falls für mehrere kleinere Oberämter ein gemeinsames, wird die Zersplitterung der Jugendfürsorge der auf dem Deutschen Jugendsürsorgetag in Berlin 1913 von den Sachverständigen er- holbenen Forderung entsprechend beseitigt. Den Jugendämtenl wird eine weitgehende polizeiliche Schutzaufsicht über alle ge- fährdeten Rtinderjährigbn ülbertragen, sie sind Gemeindewaisenrat für die ihrer Zuständigkeit unterliegenden Kinder und übernehmen fast die gesckmte Armenkinderpflege der biskrcrigen Ortsarmenverbände. Durch die Berufsvormunds chast über alle unehelichen und di« getrennt von den Eltern auf öffentliche Kosten � unterg.brachten ehelichen Minderjährigen ist eine restlose Erfassung dieser Kindergruppen mit allen durch das Familienrecht gegebenen Möglichkeiten gewährleistet._ WetterauSflchten für daS mittlere Norddeutschland di® Freitag mittag, g ilwclie heiter, jedoch kühl und veränderlich mit ge' ringen Niederschlägen und mäßigen, bis nach Nordwest drehenden Winden- Das rein natürliche Mineralwasier„Staat!. Zachingen� ist wieöer, mit alten guten verfchlüsien versehen, sofort lieferbar. 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Stg. 3 U.: Priiusssin vura NU, Frletlr.-tVUhrlniait.Tli. i1'» uhr firßlcliea. Kleiner« Theatcp. 7v« uhn Eeiden. Kl. �ehauHpielhnnM. V Er kann nietit belehlen. KocuiNrhe Oper tv, u. liebeszauber. Ltg. Z>/«: �ch«a. tvaihmaiicl UuNtapioIIzan» ".uhr So ein Mädel. Kofropol-Thcatep. 7 Uhr: Syblll mit Massary und Thielscher Stg. 3 Uhr: Chark-ys Tarne mit Thielscher. Sleue. OoereuenhaaM. "/, u.: Die ßaaief kh Zirkus. SchlII<*r.Theat. Chart. uÄlisniannalsErzielier Thnlla-Thoater 7V, U. Th.n.m hiullcnilorrplatK Pi, Uhr: tiraiiiitadtluft. Abends gc-chlossen. Äe": Der ViElgElielite. Theater de. tVeaten'. 7v.u.: Die Frau im Hermelin Stg. 3'� U.: Die lustige Witwe. Theater„Die Tribüne»* vi, uhr: Je Waniüung." Theater d. Prledrlchstadi 'Vi u.: Vier Einakter. Ab Freitag: Rud. Schildkraut in Dr. Stieglitz. Wnllner-Th eater uhr Eine Ballnacht. Stg. SV. Uhr: Die Oeisha. Residenz- Theater. Untergrundb. Klosterstraüe. Stadtbahn Jannowitzbtücke. X'"'.m'265.Male Von Hermann Sudermann. Rerle: Alfred Rottcr. bltvu»r»5,u.1,3«» bürg, Harry Cledf!-.-. Rosa Valettl, Emma Dcbecr, OttruU, Brenkendorf, kU Sonnabend 4 Unr, k.'ihol'r,: Händel unti Bretel. Sonntag 4 Uhr, k'cl.ic Pr. Z. 380, Male: Der gute Ruf. Trlanon-Tticrter. Bahnnot Friedrich.-, ucUj. Untergrundbahn Priedntnstr. Täglich V,8 Uhr: JRaskcrade. Komödie von Ludwig Fuida. Regie: Alfred Vinter. Ilansi AmstRd;. uujjeu Burg, Käthe Donreh, Paul Dikl, JuL Falker.: ein, Hu�o i-Tiak, Paula Lcrcrmann. Sonnabend 4 Uhr, kleine Pr.: AscheiibpOdei. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr.; Rose-Theater. 71/, Uhr; Das Gesetz. Waihnlla-Theater. Ühr: Eine Frau wie Da. Casiao- Theater Lotbringmiraßc. Tägl.'i.S U.; Großstadt-Pflanzen Volkctück in 3 Akten. Vorher; Scltwari'kaldbfible. OpercttenaKt m.ViktorLitzck. Dazu erstkiass. Spezialiiäten. 1\ Sonntag'/i4: Mftdcbcucb.re.' «..«HMiiEg-Theuter Direktion: Victor Harnowsky, 7'/,: Christa die Tante. Freitag 7: Peer Oynt. Sbd. 7'/,: Christa die Tante. Sonnt 7>/,: Christa die Tante OontaPheH Kllnstlcr- Thenter./ Allabendlich 7'/,: De,: Blaufuchs. Leopoldme Konsiainln. Annaliese Haibe, KurtOötz, Theodor Loci», Erich Walier. Volksbühne a.'�fown 7Va Uhr: Paul Lange und Tora Parsberg. £�iin fo-u� Dirctsenftraße 2. 149b*| ÄPOLLO , T5EEATEK 1 FriECnchitraCe 218 ] Dir.: James Klein I 7'/, aliabendl. 71 !• SonntJ'/, u. I |01e Weil lim Mre JWS' Cr.Vai ietd-Ausstatf- Echatt In S Bildern. In Szene ges.von Dir James Kicii!. Unter anderem: iHcdenschnn im Jahre 2 10 Ikarier zu Pferde /Akrobatische Spltie,• Die LichUee in der Silbcrgrotte/Tänzel Eflcktea.d.JahreZDOO Senta SSneland Lude Blattner !l. Lamherts»Pau'sen Alex Stamer usw. fonnt. 3'/,(.Erwachs. 1 Kind ireil C'srcasBmi Jeden Dienstag u. Freilag » Uhr nur Boxkämpfe!! Die übrigen Tage 7'/, Uhr: „Aphrodite" Tragisontisch. Pantomime in 3 Akt. v. Paula Busch, insz. v. Hofbalicttmeistct Georges illanvalet Vn- Oer gr.Ziriais-lVn.* RßfslisiiaJl.-Tiiessri T1/» Uhr und Eomuag nachm. 3 Uhr: 8lßll!!i.8zM!'! nachm. haldePr. Reichshallen-E.i üönhoft-Brcttl. I Tbeat.amKottbuserTor. pli. Moritzplatz 14ti Ii. Jedoo Abend T1� Ühr Elite- Sänger a Dar. vor zft gliche Üktober-Propr.t ■tg.nÄcböi.8tJbn ejmiri. Preise (Voll. Abd-Prog.) 1 Kind frei. Btätfrgan-Konzert Beginn 7 Uhr. Vorverkant 11-1 l/a a. ühr. liiirai». Licht— Bauch eestatt. WinlehGatlen Wegen de, umfangreichen ßklclier-Spielplans — Anfang 7.«5— umirali>'luoo Pi Der goldene See! 1 3 ÜR AUFFÜHRUNGEN 1 Wsliiisiiiii Drama in 5 Akten. Hauptdarst. u; Regie: COHRÄO VELDT AuSerdem: Das esrlsa Riisül Satyrspiel in i Akten ! CAROLA TÖELLEI WERNER KRAUSS Re�ic: Jusei Cocncn r. ,•-..... S jV.. Ani Frieäriciisiiaiii 22-32: Am Könlgslor g Lichtspiel- Palast Schweizer Garten Das grSSte nitd schönste Lichtbild-Theater der Königstadt. Letztes Auftreten! 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B.: L und 2. schreibt Herr Lehrer ZIefske aus Iachzenbrlick bei Jossen am 2L Dezeindee 1318;.Nachdetit ich in einem Gedirgs-Sanaiorinm für Lungeniranke 5 Monate ohne Gnolfl behandelt worden bin, bade ich in Ihrer Heil. anstail wieder Heilung gesunden und wurde vom Kreta- nrzt, der mich eorhet iüc dienstunfähig erklärt hatte, nach arnatier Untersuchung wieder für dienstfähig desunben. Seit dem 16. Oktober 1318 erteile ich 4(Etuttden ununterbrochen Unterricht Dies schreibe ich Ihnen ohne jegliche Beeinflussung Ihrerseits. Auch meiner grau, die bei Ihnen behandelt wurde, geht es au' Sie"- tudctkuL Haisdrüsenpeeeliertiita).-— D. VSIkor, Berlin. Utrechter Str. 25,-cheeibt:„Nachdem ich mehrere Wochen in einer ärztlichen'Klinik ohne Gnolg behandelt worden war und mir schließlich der rechte Ann abgenommen werden sollte, habe ich mich in letster Nol an Ihre Anstalt gewandt und bin mit 45 Behandlungen von meiner Vluloergiftung und Vereilernng des rächten Arena, und der Hand geheilt worden."— 4. Frau Maaistratsasfistent tv-cerconu aus iloitbus, Lanstitee Str. 14, schreibt;„Ich bin uon meinen Ulagcn- geschwüren mit 30 Behandiunaen völlig in Ihrer An- stall geheilt worden, nachdem ich 12 Jahre lang ander- wettig ohne Erfolg dehandell worden war. Ich fühle mich so wohl und gestiud wie ich mich noch nie gesuhlt habe."— WlM'"o, Neukölln, Weser- schreibt:„Meine Frau und ich sind in Ihrer Anstalt geheilt und gebessert worden-,»le Muttee von dironischem Magenleiben. die Schwester von Kopfschmerzen und SchwerhSrlgtelL meine Frau von! Yrrz» und lfkogenleldea und ich von nUxen, einer i neroöfer Abipananng.-—«. Frau Restanr. Hering. � Berlin. Schönhauser Allee 87, schreibt:.Ich bin vor mehreren Jahren bei Ihnen von Oerzleiden»od .«ezetchnet(litt an I err Berlmeistee 5. Herr Feuerwerksleutnant Alafchlanfei, Neukölln. Weser- Straße 81 fseZt Kvnigsdeeg i. Pr.) schreibt:.Meine Mutter, meine Schwester, meine Frau und ich sind IN Y»rz- nnd «r tUbipaimutip.-— 6. Frau iRcftaurT Hering Schönhauser Allee 87, schreibt:»Ich diu noi n Iahren bei Ihnen von Herzleiden nnd Basedowscher Krnnfhei! geheilt worden. Aus Dani- dartelt habe ich Ihnen viele Patienten mit gleichem Leiden empfohlen. Sollte sich irgend ein Leiden bei mir bemeri- bar inachen, sa werde ich mich sofort wirder an Sie wendench— 7. Herr TD. Y-eso, Tempelhos Kaiserin- Anausta-Straße 67: Bon 5 Monate alter, stark rilernder, vretiee Operntions-Banch. nnd varmslsi-l geheilt (vorher zweimal operteel).— 8. s-err w. herrmann. Rahnsdoes, Dorsste. S: Von taberttilöjer Ernst- nnd «Ippensellverelterong geheilt— 3. Herr A. Stfidn, Gharlottenburg, Spandauer Berg 21: Von Braitchial- cstfima geheilt(anhalL Hellung 9 Monate später de- [ stäligt).— 10. Frau TN. Botmenottn, Verlin-Trepkow. Graetzltr. 6; Von lNUten- n. SlaieuUidca geheilt— lietrennie Bciiandluuvsrüume lür Denien vnii Herren: apreeü- u. Bchandlungszcit: 9—1. 4— J'/j.— Sonn- und Fäcrent; 9— iL Aocztllche Anslaltaleikung: hellanstall»k.esther Professor p. Aiistelsk� graduier« und approbiert Im Ausland lkvi-Iiii Si4». Iii, Brlickcunti-aBe XO h um UivUniiol«lauuowltas brücke. * s' s. Curt CorrintJi UlUUUUlUiUllUlllliUlllUllliiiiluiiiHiliUüilltlinUläiilit Ekstatiaclie Visionen Acht-Ulir-AhendbJatt, BtrJmt»JEiii So- Heilder s«in SeLcr,«in Prophet,«in Freier, ein Befreiender, Wir brauchen nur willigen Geiste« zu»ein, um wieder etnraa) _ endlich!— eines messixnischen Heile teilhaftig zu werden/* Kartowert Z Mark (htti J0*l9 Buehbändler-AufseJJaf} Georg Müller Verlag München, Glilzderfiltr. 26 Vtrlangm Sil hoitinfrn tuutri Kataloqi Wir suchen zum sofortigen Antritt«inen rednerisch und organisatorisch deiähigten Verbandssekretär. Länger« Täligkeit w der Angestelltendewegung erwünscht, aber nicht Bedingung. Iuschristen an den verband der Angestellten der vlnse»-, Kleiber. Konsektioa und oerwandlor Artttei(, Uhr. a.UerldsjmKm.h.S.. >' e»ln4i>I«r sin. 4?»— 452. l OGGOOGG G< Nr. 529 ♦ ZH. Jahrgang 2. Heilage öes vorwärts Vonnerstag, 1H. GkLoderl�ly GWßSerM Hefah'�en öes Lureauavgestelltenftceiks. Trotz ves BureauhilfSkräfiesireits sind zahlreiche BureauS des Mogistrals in vollem Beuiebe geblieben. Unter allen Umständen wird weiter für Schutz der«rbeits- willigen gesorgt sein. Die Streikleitung scheint eS übrigens zulassen zu wollen, daß die Streikposten Einwohner, die in Ge'chäiten auf das Rat» hau« oder in die Dienstgebäude gehen wollen, hteran zum Teil gewaltsam gehindert werden. Auch ist in einzelnen Dienst- stellen dereiiS mit Sabotage an den unersetzlichen und wichtigen bureaumäßigen Eintichumgen gedroht, die z. V. die Erwerbs- lo'entürsorge vollständig stillegen würde. Ängesichts der ohnehin siotkendeu Ka rtoifel-, fleisch- und Kohlender sorgunz bedeutet ein solch es ungeheuerliches Verhalten und vor allem die Wahl gerade deS jetzigen Augenblicks eine schwere Bedrohung der gesamten Berliner Bevölkerung. Die L.ikgabe, in den nächsten Tagen die neuen Brotkarten zu der- teilen, wird nur mit Mühe zu erfüllen sein. Weiteres Nackgeben gegenüber den Forderungen der Hiliskräfte wäre angesichts der daraus folgenden weiteren Erhöhung des Gemeinde» einkommensteuerzuichlages kaum noch zu verantworten. Tie neue Brotverssrgunst. Ter teöenSmiitelausschuß Grob-Betltn beschästigte sich in fe'ner gestrigen Sitzung mit der Brot« und Meblversorgung im kommenden Wnt'chastsiahr. Tie Pvition der Brotkarte blcidt mit Gramm iiiivcräüdcrt; doS jetzige Medl gestaltet es aber, einen Teil der Gebäckmenae, nämlich 850 Gramm in Klein- gebäck abzugeben. boS aui die sieben über je SV Gramm lautenden Abschnitte der Karte entnommen werden darf. Mehr Kleingebäck herzustellen verbieiet zurzeit die geringe Weizenmehl- zuieiliing von leitender vietchSgeireidestelle. Selbst bei Herstellung von nur sieben Stücken Kleingebäck wird dieses vorläufig noch einen Zusatz von Noggenmehl erhalten müssen. Außer dem Kleingebäck wird ein Grobbrot im Gewicht von 2000 Gramm aus reinem Noggenmehl hergestellt werden, defieu Preis 1.60 M. betiägt. Der Pieis des Kleingebäcks wurde auf 5 Pfennig, der KleiiibaudelspreiS des Weizen-.Kuchenmehls* auf 46 Pr. pro Pfund festgesetzt. Die Preissteigerung deS BroteS hält sitz eiwa im Nahmen der Steigerung der Mehlpreise durch die Reichtgetreideitelle(40 Proz. zu 34 Proz.). Außer der Steige- rung der Meblpreise waren die starken Erhöhungen der Löhne, Gehälter und Sackunkosten bei allen mit der Brolherstellung und Brotveneilung belaßten Instanzen zu berücksichtigen, so hoben allein Kiie Kosten der Lagerung des Mehls sich mehr als ver- dretsacht._ Erhöhung der Briketts reise. Nachdem die Erzeugerpreise für Niederlausitzer Briketts mit Austiirnnung des Reiche>v.rlickatlSmn>is!er>ums wiedeium erböhl sind, Hai der Kohleiivelband Gioß-Berlin>m Ausmaß dieser Er- böäung die Preise für Briketts ab IS. Oklober um 30 Pig. pro Zeuluer erböht und zwar für die Stadtkreise Berlin, Ebarlotien- barg. Neulölln, Schöuedetg. Lichienberg, Wilmersdorf sowie die folgenden Ode der Landlreise Teliow und Siiederbornim: L Im Gebiet des K:c>scS Nieder baru im: Buchhoiz, Friedrichs- felde, Hemersdori, Hvheiisckönbau en, Niederichönhauien, Oberschöne- weide. Pan'ow, Rein'ck-ndorf, Rosenthal, Stralau, Tegel. Wctßcnsee, Wittenau, Gii'.Sbezirt Schönbolz. >4. Im Gebiet des Kreises Teltow: Grunewald, Schmargen- bor', Daalem(Gut), Friedenau, Steglitz, littlilctieide, Zeblendori, Laukwiiz, Tempelhoi. Martendorf, Maticn'elde, Ntederschönewetde, Johannistdaj, Britz. Trepiow, Grunewald-Forst iGut). Der Preis für Briketis für Kücken- und Otenbrand beträgt demiiach ad 13. bei«elbstabhoiung ab Lager S 3S M. je Zentner, bei Lieferung irei Haus SOp M., für öufelilicfciungen an das Kleingewerbe sowie für ZeniralheizungS- und WatmivasserbereitungS- anlogen jn Fuhren nicht unter 30 Zenmern bei Selbstabhoiung ab Lager S.3ü M. je Zentner, bei Lieferung stet HauS S,SS M. je Zemner. Für baS Gebiet der Landkreise Niederbarnim und Teltow mit Ausnahme der oben aufgeführten Orte sind die Brikertpreife für Küchen- und Ofenbrand und für Lieferungen an das Kleingewerbe sowie für ZentralheizungS- tznd WarmwasierbercitungSanlagen in Fuhren nicht unter 30 Zentnern ab Lager auf S,lv M. je Zentner, frei Keller auf ößO M. je Zetflncr festgesetzt Gcffert die Baustoffbewirtschaftung! Gestern f an den im WohlfrchrtStniniftierium Verhcrndlungcn statt zwischen dem ReichSiammissar für das WohnttNigSwejen. UnicrstaatSsekreiär Scheidt, und dem BaustoffanSschuß des WöhnurrgSbervandeS Groß-Berlin unter Führung des Stadtbaurais a. D. B e u st e r, um die Schwierigkeiten zu beheben, die sich in der Organisation der staatlichen Baustoffstelle in diesem Jahre tzezeigi haben. Dem Vernehmen nach soll in Aussicht ae. nommen sein, nunmehr zur Beseitigung der Behördenzersplstre- j rung d'.e gesamte staatliche Tätigkeit, aus dem Gebiet des Bau- i stoffwesens für Grotz-Berlia und der Provinz Brandenburg ein- heitlich unter einein besonderen sachverständigen Kommissar beim Oberpräsidium zusammenzufassen, bei dem dem WobnungSberband eine weitgehende Mitrnirknng eingeräumt werden soll. ES wird ferner erwogen, daß für die WohnungSbauten vom WohnungS- verband und den HauptfiedtuitgS-gesellichaften der Provinz eine Einkaufszentrale errichtet wird, der das entsprechende Gesamt- fohlen kontingent zur selbständigen Verteilung au�ehättdigt wird. Damit würde ein aussichtsreicher Weg zur erfolgreicheren Bau- ftoffbewictschaftnng für das nächste Jahr in Groß-Bersin eröjfnee sein. Jedoch werden die Schwierigkeiten für diejenigen Bausteste, auf deren Bewirtschafturrg der slietchskomnrissar für daS Woh- nungswesen bedauerlichevveise keinen Einfluß Hai, wie Zement, Kalk. Holz und dergleichen, durch die vorstehen de Organisation noch nicht behoben. Bei der heutigen Planlosigteii in de: Bewirtschaftung dieser Baustoffe führen die Aufkäufe für den Wiederauf« bau Frankreichs zu einer so sprunghaften Verteuerung, daß ein völliger Zusammenbruch des Wohnungsbaues in Aussicht steht. Der WohnuiigSverband Groß-Berlin will daher Eingaben an den llleichikanzlet und das ReichSwirischafis Ministerium richten, um eine zweckmäßigere Bewirtschaftung dieser Baustoste zu erreichen. So finden beispielsweise heute mrter dem Einfluß der Aufkäufe für den Wiederaufbau Frankreichs außerordentliche Preistreibereien statt, so daß die Frage der öffentlichen Bewirtschaftung des HolzeS nöchsr rückt._ Aufruf an ö!e �ageaö. Die Zeit der Schulentlassung ist vorüber. Söhne und Töchter haben einen Berns ergriffen und sind somit in ten Kampf deS Lebens hinausgetreten. Um diesen Kampf um Fre-iheit und Wahrheit erfolgreich führen zu können, müssen sie noch vieles lernen. Sie müssen zu Sozialisten erzogen werden. Dazm will der Berein Arbritrrjugend Groß-Berlin behilflich sein, vor allem durch Vorträge und DiSkitsfionSabvnde. Auch die vierzehnrägig erscheinend« Zeitung„Arbeitcr-Jugend" bringt leichtverständliche Artikel über alle Wisieusgebiete und dieni ebenso der Erziehung zum SoziialiSnrus. Aber nicht nur die Er- ziehung zum SozialiSmiiZ hat sich der Verein Arbeiterjugend zur Aufgabe gemacht. Er will außerdem die Jugend auf wirilschaft- lichem Gebiete vor der Ausbeutung durch das Unternehmertum im Schutz nebmen und hat zu diesem Zweck, etn« Jugcndschtitzkommission eingericktet. deren Aufgabe darin besteht, den jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen ein mögitchst günstiges Arbeitsverhältnis zu schaffen und aus die Durchführung der bestehenden Jugendschutz- beftimmungem zu achten. Jugendfreunde! Ihr habt min ein Aeinos Bild von unserer Jugendbewegung erhalten. Eure Ausgabe muß es sein, eifrige Besucher unserer Jugeirdheime und Veranstaltungen zu werden. Diese Einrichtungen tollen den Zweck haben, die Jngtnd den Ge- fahren der Straße zu entziehen. Wir rufen Euch deshalb zu: Werdet Mitglied des BoeeinS Arbeiterjugetid Geoss-Borli» und helft!o mit am Aufbau Euter Zukunft! Anmokdungen wer» den bei allen Veranstalwngen und im Jugendfekreiariar, Bellcvne- straß« 7 III, entgegengenoinmen. welches auch Rot und AnStünfte in allen Jugendschutzangelegenheilten erteilt. Ucbergriffe von Streikenden in einer Brotkommission. Zu sehr wenig erfreulichen Aukieitien ist es am Miltwochinittag in der Brotkomniiifio» in der Fröbelstr. IS gekommen. Dort drangen etwa 20 Streifende in die Bureautäume ein und ver» iüchien die Arbeitswilligen dazu zu veraulasscn, die Arbeit uieder- zulegen. Es entspann sich, als die dort beschönigten Herren sich weigerten, eine sehr lebhafte Debaiie, in deren Verlauf e» scklüß- lieh zu T ätlitbkeiten kam. Die Streikenden verluckten den Bor- stehe: der Kommission Bartsch aus dem Bureau herauszudrängen. Der Hilfsarbeiter S a l o m o n wurde über den L a d e n i>> ck gezogen und mißhandelt. Schließlich gelang eS dem Vorsteher, Hilfe herbeizurufen, worauf die Streiienden das Weite suchten._ Erweiterte Rechte der Lehrer. Das Konsetenztecht der Lehrkörper will der Minister für Volksbildung erweitern. D'.e Regie- riingen sind otigewieseii.»nit--dent BezickSlehretrat oder den Orgaui- saiionen der Lehrerschaft der Schulen mit drei und mehr Lehrenden aufzustellen und dabei das Konferenzrecht für den Lehrkörper fest- legen. Die Konseienz soll innerhalb ihrer Zuständigkeit alle ge- eigneten Maßregeln und Einrichiungen zur Förderung des Uiner- richS beraten und beschtießen.©timmberechtigt sind olle end- güliig angestellten Lehrpersoneii sowie die übrigen voll- beschäktigien Lehrenden, soweit sie über fünf Monate an der Schule tätig sind. Gegen einen Konfetenzbefchliiß ist ein Bericht an" den vorgestyien Kreisschulinipektor zulässig. Die Konferenz soll insbesondere die Grundsätze für die Setteilung der Lehrstilnden und Klassen, sowie die Veriretung von Niilgliedern deS Lehrkörpers ausstellen, daS Verfahren für die Berseyung von Sckülern regeln, üker die Verwendung von Gelömiiiein usw. beschließen. Klassenbeiuche mackt der Schulleiter als Vorsitzetider der Konserenz. Zu metbodiscken Anweisungen den fest angestellten Lehr- Personen gegenüber ist er nur berechiigt. soweit sie im Sinne der Ron- ferenzbeschlüsse oder im besonderen Auftrage der vorgesetzten Be- Hörde enolgen. Der Schulleiter vermittelt den Verkehr zwischen Schulbebötde und Lehrkörper, regelt die Aufnahme, Umschulung und Entlassung der Schulkinder usw. Ein bemerkenswerter Fang ist der UeberwachungSabieilung de- Erserrbahndirektion Berlin gelungen. Am 30. b. iOL wurde von einer hiesigen Speiditionsfirma ein Wagen tili: Sammelgut, bestehend aus Likör und Drogen, nach Königsberg auf den Weg ge- bracht. Durch Unterschiebung eines gefälschten Frachtbriefes wurde der Wagen nach dem Ringbahnho: Frankfurter Allee übergeführt. Hier fiel der.Waqen den Abfertigungsbeamteu auf. Die cmgeb- lichrn Eigentümer der Sendung entluden den Wagen und ver- schwaitden mit der Sendung. Di« falsche Inhaltsangabe auf dem Frachtbriefe hatte jedoch zur Folge, baß bei der vorgeblichen Ver- sandtstation nachgeforscht wurde, wo jedoch von der Sendung nicht» bekannt war Die Ermittlungen der Üeberwachungsabteilung hatten folaeudes Ergebnis: Der Wagen sollte uutevwegS verschwinden, die Dieb« hauen auch die Waren bereits fortgeführt unid einJP.'- sitzer eines Restaurants in Schönebcrg, EbgrSstraße, Hatzte die Sen- duug zunächst in Empfang genommen und sie schon� am� nächsten Tage cinem Schön eberger Kaufmann zugeschoben Bei diesem wur- den 00 Kisten Likör beschlagnahmt, weitere 60 Kisten hatte� der Kaufmann als Faustpfand bei einem techöneberger Bankgeschäft hinterlegt; diese sind ebenfalls beschlagnahmt worden. Augenblick- lich wird nach dem übrigen Test der Ladung geforscht. Während ein Test der Hehler bereits bekannt und festgenommen ist, werden die Nachforschungen nach den eigentlichen Dieben, unter denen sich aller Voraussicht nach wieder ein ungetreuer Eisenbahnbedienstetcr befinden muß, fortgesetzt. Die ganze Sendung hatte ettva einen Wert von 200 000 Mark, von denen der größte Teil bereits wieder zurückgebracht ist. Gegen den imzulässsge» Etraßrnhandel. Jn einem Rimdcrlaß hat der Minister des Junein, wie die„P. P. N.* erfahren, die Regietungspiäsidenten und den Politeipräsidente» in Berlin erstickt, den unzulässigen S t r a ß e n h a n d e l zu unterdrücken. Bisher war das Vorgehe» gegen den wilden Handel bülfach dadurch erschwert, daß die p o l i z e i l i ch e n K r ä f! o nickt aus- reichten. Nachdem die Vetsiärlung der Sicherhestspolrzei durck- geführt ist, wird gegen den Mißstand energisch«in- und durchgegriffen werden. er-'u� l______________ i_. j------------------- Da wir diese Briefe wieder lesen, ist es. als wenn wir ein einstmals schon gelesenes Buch wieder aufblätterten. Aber alles das kann die emsigen und glühenden Stunden nicht wieder beleben, da sich unsere Feder und auch unsere Lippen ein wenig geregt hatten. Nor uns steht wieder verschleiert und undurchdringlich das Abenteuer, daS einstmals andere Menschen gelebt haben. Es sind die anderen Menschen, die wir selber einst gewesen sind. Bei einem ihrer Briefe, der von künftigen Liebkosungen spricht, stammelt Maria:„Die Frau, die diesen Brief geschrieben hat, hat den Mut gehabt, alles zu sagen!" Aber sie errötet uicht mehr, und sie ist nicht mehr verwirrt. Dann schüttelt sie das Haupt und fährt fort mit klagen- den Worten:„Wie tmr sie nach und nach und gegen unseren Willen in uns hineingraben, alle diese Dinge!-- Welche Kraft brauchen dje Menschen, um alles zu vergessen!—"— Plötzlich sieht sie vor sich einen Abgrund, der kein Ende nimmt, und sie gibt sich der Verzweiflung hin, sie läßt mich nicht wciterlcien und ruft:.Genug! Wir können das nicht wieder lesen! Wir dürfen Nichtwissen, was einstmals ge- schrieben war! Genug! Nimm mir nicht meine Träume!" Maria spricht wie die anne Wahnsinnige, der ich neulich auf der Straße begegnet bin, und sie l'ügt ganz leise hinzu: .Als ich heute dieses Briefkästlein aufgeschlossen habe, sind .lauter Todeswürmer herauSgeschlüpft". Nun lesen wir die Briese nicht mehr, nun betrachten wir sie nur noch, die Asche unseres Lebens. Alles, woran»vir uns noch erinnern, es ist fast ein Nichts geworden. Die Er- innerung ist mächtiger als wir, aber die Enimentng ist auch ein lebendiges Wesen und darum sterblich. Diese Briefe, diese unbegreiflichen Blumen, diese Papierfetzlein ul>d Bänd- lein der Erinnerung, was bedeuten sie denn? Was bleibt denn um diese flüchtigen Dinge noch übrig? Wir legen beide unsere Hände auf die Brieflade. So umrahmen wir alles. was unser Leben angeht, mit dem Hohlen unserer Hand. « Und wir lesen doch weiter. Aber etwas Seltsames wird größer und größer vor unseren Blicken. Wir nehmen wahr. und die Wahrnehmung zermalmt uns fast, und sie bringt uns säst zur Verzweiflung, daß alle diese Briefe von der Zukunft sprechen. Maria wollte mich zurücklialten:.Den Brief nicht jetztl Lies ihn später erst' Einen anderen jetzt!" Ein �ilmarbeitSnachweiS in Sicht. Der Magistrat Berlin schreibt unL: Die Deputation iür Arbeitsnachweis ist mir den Arbeltgebern der Filmin du st Tie und den F i l m d a r st e k.l e r n wegen Em- richtung eines städlischen Arbeilsnachweises in Ver- biiidung gelreicn. Der Zweck dieser Verhandlungen ist lediglich, die ArbeitSvermiltlung in geordnei« Bahnen zu leiten und einen Ersatz für die bisherige Filmbörse zu beschassen. Deswegen ist die von den Filmdarstellern geäußerte Befütcktung nickt zutreffend, daß die Absicht bestünde, AtbniSlos« anderer fite* russzweige der Ftlmindiistrre zuzusübrcn oder gar eine Kontrolle über die Emkümts der Filmdarstcller herbeizuführen. 031 Erleuchtung. Roman von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdors, Sie seufzt. Sie hat einen Gedanken. Sie möchte schweigen, aber irgend etwas drängt sie, daß sie redet. Dann spricht sie:„Wir lieben uns nicht mehr. Aber wir haben uns geliebt, und ich möckste unsere Liebe wiedersehen." Indem sie so spricht, wird sie so eingeschiick'tert durch die Größe der Dinge, die sie eben berührt. Sie steht auf. Sie öffnet bau Schrank, sie �kommt mit einem Käsilein zurück, dann setzt sie sich wieder und sagt:„Sieh, hier sind unsere Briese verwahrt. Unsere Briefe, unsere schönen Briefe. Ja. man kann wohl so sprechen, denn sie sind schöner als alle anderen Briefe.— Wir wissen sie auswendig. Möchtest Du nicht, daß wir sie noch einmal durchlesen? Du, liest sie! Es ist noch hell genug. Lass' uns zusehen, wie wir glücklich gewe en sind!" Sie i vergibt mir das Kästlein, in dem unsere VerlobungS- briefe aufbewahrt liegen. Dann sagt ste:„Die? hier ist der erste Brief, der von Dir kam. Ist es der elfte? Ja?-- NeinI-- Was sagst Du?" Ich nehme den Brief, ich überlese ihn murmelnd. dann lese ich ihn laut vor. Der Brief spricht von der Zukunft und er sagt:„Später, wie wir da glücklich sein werden!" Maria kommt näher, sie neigt sich zu mir, sie liest daS Datum und flüstert: 1302. Seit dreizehn Jahren ist dieser Brief ichon tot.— Das ist lange her.— Nein, das ist nicht lange her.— Wir wissen nicht, ob es lange her ist oder nicht.„Hier einen anderen Brief! Lies ihn l" Ich fahre fort, die Briefe aufzublättern. Wir entdecken bald, wie sehr wir uns getäuscht hatten, als wir sagten:«Wir wissen sie olle auswendig." Dieser Brief trägt gar kein Datum, nur den Namen eines Wochentags„Montag".. Und damals hatten w:r geglaubt, das könnte genügen. Jetzt liegt dieser nainen- lose Brie! ganz und gar verloren in dem Stoß der übrigen Briete und keinerlei Leben ist herauszulesen. Maria muß bekennen:„Wir wissen sie nicht mehr aus- wendig. Sich an sich selber erlunern-- wie kann man sich an alles das erinnern--- I" Aber ich las und las, und jeder Brief sagte: „Wie werden wir uns später lieben, wenn erst unser Leben ein gemeinsames sein wird l-- Wie wirst Du erst schön sein, wenn Du immer um mich sein wird! Später 'werden wir einmal diesen und jenen Liebesweg wieder wählen Später werden wir Wiedel diesen und jenen Plan verwirk- lichen.-- Später, ach später..." Wir wußten nichts anderes zu sagen als dieses nur! Einige Zeit vor der Hochzeit schrieben wir uns, daß uns unsere Tage geschmälert würden, da wir sie fern voneinander verbringen müßten und daß wir unglücklich wären. Maria sagt, und ein Entsetzen zerrt an ihr:„Das hat man wirklich geschrieben! Und was dann, und waS dann--? Dann sagte der Brief, von dem wir alle? erwarteten folgendes:„Bald werden wir unS nicht mehr verlassen. Endlich werden wir wirklich leben!" Und dann haben wir vom Paradies und von unserem künftigen Leben gesprochen. Maria:„Und dann? Und dann?" Ich antworte: „Dann kommt nichts weiter. Es ist unser letzter Brief." « Dann kommt nichts weiter. ES ist wie ein Theatcrblitz, der die ganze Wahrheit enthüllt. ES kommt nichts weiter zwischen dem erlräumten Paradies und dem verlorenen Paradies. Es kommt nichts weiter, denn man begehrt immer, was mau nicht hat. Erst hofft man, dann bereut man. Erst hofft man auf die Zukunft, dann wendet man sich zur Vergangenheit zurück. Und sanft, nein stürmisch, schickt man sich wieder cm, auf die Vergangenheit zu hoffen I Die beiden stärksten und danerhaftesten Gefühle, die Hoff- rning und die Reue, stützen sich nur auf das. was nicht ist. Wünschen, begehren, vitrlangen und nicht haben. Die Mensch- hcit ist genau dieselbe Sache wie die Armut. DaS Glück hat keine Zeit zu leben. Mau hat wirklich keine Zeit, um das auszukosten, was vorhanden ist. Das Glück ist das Ding, das niemals ist und doch eineS Tages nicht mehr ist! Hilflos iitzt Maria da. Ich sehe, lvie sie schwer atmet und zittert. Sie ist verwunder auf den Tod. Ich nehme ihre Hand. Ich spreche zu ihr wie einstmals, Ich sage zu ihr ein wenig schüchtern und laut:„Die törper- liche Lrebo ist eben nicht die gesamte Liebe!" Lkorts. folgt.) JTtlc Leute brauchen in Potsdam nicht zu frieren! Der Magi» streu Potsdam m«chl BeJaitni, daß sich alle irber 70 Jahre alten Leute außer den ihnen zustehenden Kohlen jeden Monat einen Zentner Briketts abholen dürfen. Zur Flugpostbefördcrung sind fortan autb Drucksachen zuge» lassen. Außer der postordnunIsmäßigen Trucksachengebnbr ist ein Flustzuschlaii zu eulricknen, und ,war btS 20 Gramm: tv Pf., über 20— S0 Gramm: 40 Pf., über ö0— 100 Gramm: 80 Pf. über 100 bis 200 Gramm: 1,20 M., über 250— 500 Gramm: 2 40 M., über 500 Gramm bis 1 Kilo: 4,80 M.— Der Postfrachlstückverkehr nach den Niederlanden wird von jetzt ab wiederaufgenommen. DaS Blütbnrr-Qrchcster veranstabet beuie, 8 Uhr, einen populZren Opern» Abend unter Leitung dcS Ztapcllnieiiters Karl G i e ß e I in der Brauerei Königstadt, hiermit beginnt eine Reihe von Konzerten, die den Winter über zunächst alle 14 Tage stattfinden. Beratungsstelle für Geschlechtskranke in Charlottenburg im Krankenhaus, Kirchstr. 19/20, Montags und Donnerstags S— S Uhr abends, Mittwochs und Sonnabends 12—1 unentgeltlich. Wilmersdorf. Der Errichtung einer städtischen T p e i s« a n- stall, Psalzburger Str. 39, wurde von der Stadtverordnetenver» sammlung zugestimmt.— Verschiedene Anträge des Arbeitslosen- rares wurden- dem Magistrat als Material überwiesen, nachdem Dr. Breit schei d fUS-P.) die wichtige Bemerkung gemacht hatte, daß die eine Forderung der Arbeitslosen, Referenten in die Stadt- oerordnentenverscunmlung senden zu können, auf Annahme nicht rechnen könne.— Eine große Lebensmitteldebatte ent- stand durch die Tatsache, daß der sozialdemokratische Stadtrat, Ge- nosie Beyer, der seit langer Zeit vom Lebensmittelverband Groß- Berlin den Auftrag hat, gegen die Schieber und gewerbsmäßigen Schleichhändler vorzugehen, neuerdings auch ermächtigt worden ist, Schiebern die Waren abzunehmen, auch wenn sich das Schieber- lager in einer Privatwohnung befinden sollte. Die„Wilmersdorfer Zeitung" hat sich zum Sprachrohr der in Wilmersdorf autzerordent- lich stark vertretenen Schieberbanden gemacht und den energisch vorgehenden Stadtrot Beyer in beispiellos gehässiger Weise ange- griffen. Und nun stellte die Fraktion an den Magistrat die An- frage, was er gegen die Beunruhigung der Bürgerschaft zu tun ge- denke, und die sozialdemokratische Fraktion stellte die Gegenfrage, ob der Magistrat gewillt sei, den amtlichen Lebensmittelrevisor gegen Verleumdungen zu schützen. Oberbürgermeister Habermann gab eine sehr salomonische Erklärung ab, daß er weder gegen noch für den Stadtrat Beyer in seiner Eigenschaft als Lebensmittel- revisor Stellung nehmen könne. Mariendorf. Einen Kautenabend veranstaltet die Gemeinde am Freitag 8 Uhr in der Aula des Khmnaiiums, Kaiserstraße. Ein» trittskarten in den Gcmeiiidcläden, Konsumverkaufsstelle, tzannusi, Süd- ende, Steglitzer Str. 15a, bis Donnerstag; am Freitag an der Wendkasse. Billetts 1 M._ Grost-Berliner Lebensmittel. Berlin. Bis Montag für 44—54.. 178.. 222., 223. und 228.. bis Dienstag für 58—62., 64.. 65. und 76. Brotkommisston 125 Gramm Käse. 2 Päckchen Säßstoff II-Packnng(48), 1— 47 dürfen im Oktober nicht mehr «ingelöst werden." Aus die'/.-Liier-Krankenkarte heute Donnerstag keine Milch. Ab Freitag wieder voll- Belieserung. Magermilch ab Donnerstag nur aus die Magcrmilchknrten I an die Kinder im 7. und 8. Lckbensjabre >/, Liter pro Woche. Ab Freitag je eine Büchse Kondensmilch L> I und C II für 4 Tage. Ausgabe bis aus weiteres alle 4 Tage. Wilmersdorf. Donnerstag 8 Uhr Ixtrazahlabend in den bekannten Lokalen. Die Abteilungen 1 und 2 tagen von jetzt ab regelmäßig in den Florasälen, Halensee, Iohann-Georg-Str, 19, die Abteilung 11 im Reftau- lanl Tübmgcrbos, Kaiservlatz>9.— Freilag 71/, Ubr öffentliche Veisannn- rung in der Cecilien-Schule, NitolSburger Platz. Thema:„Abbau der Vor- schulen und bürgerliche Parteien". Reserenlen: Genosse Dr. Kaisen und Genossin Stadtv. Kramm._ Hilüungsveranstaltungen. Sozialistische Bildnngsichule Grost-Berltu. Für die Orte Nnikäll». Briu. Treptow-Baumichulenweg beginnt am Sonntag, vormittags 9 Uhr. in der Oberrealichule, Emier Str. 133— 137, Neukölln, ein Vortrogskurws über das Erfurter Programm. Vortragender: Genosse Wermuth. Teilnehmerkarten find am VortragStage in der Aula zu haben. Neintckrndorf-Lst.-West. Segel, Borsigwalde. Der w klusficht genommene VortragSlursuS kann dringender Umstände halber am morgigen Freitag noch nicht beginnen. Der Tag des Beginns wird stach rechtzeitig bekannt gegeben. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Bund der technischen Slngestellteu und Beamtem, Nord-West L Heute 7'/, Ubr in der Patzenboser Brauerei. Turmstr. 25/26, MonatS-Ber» sammlung. Tagesordnung: Neuwahl des Vorstandes. Referat über Be- triebsräte. VerichiedeneS.— Sourtftenverein»Die Naiurfrcund«-'. Heute 8 Ubr Mllallederverfammlung Ohmstr. 2. Sonntag: Werder, Kloster Lehnin, Beelitz. Absahrt: Potsd. Fernbbs. 6.30.— Mietervercin des Grost-Berliner Westens. Ocffeniliche Mieterversammlung am Frei» tag, �l|, Uhr, in der Viktoria-Luisen-Schule, Gastewer Str., Ecke UHIandstr. Sportnachrichten. Groß-Serliner parteinachrichten. 10., 20., 21. und 22. Abteilung. Heute 7 Uhr Versammlung bei Heinrich, Große Franksurter Str. 30. Vortrag des Genossen Schlegel. Friedrichsfelde. Donnerstag 7fi, Uhr bei Haberland, Wilhelm- tiratze 38, Versammlung. Referent: Genosse Dr. Nägier. Die Meisterschaft von Treptow für Flieger. Der kommende Sonntag wird den Berliner Radsportfreunden die letzten Treptower Rennen dieser Saison bringen. Die Hauptnummer des Tages, das große Handicap, ein Dauerrcnncn über 60 Kilometer mit 5 Fahrern, dürste ein interessantes Bild geben. Doch nicht nur das Dauerrennen, sondern auch die Flieger- rennen versprechen guten Sport, gilt es doch die Meister' chasl zu gewinnen. Der Sieger des vorigen Lahres in der Meisterichast ist Abraham; derselbe wird als Verteidiger am Ablaus erscheinen. Die gesamte Treptower Renn- mannschast hat zu der Mcisterschast gemeldet und werden mehrere Vor- und Zwischenläufe nötig sein. Ein langes Prämiensabren über 20 Runden wird ebenfalls eine starte Beietzung haben. Ein Borgabesahren, ein kurzes Prämienfahren über 9 Runden für die UnPlazierten des Tages und ein Juniorenrennen vervollständigen da» Programm. Für das Junioren- rennen hat der Wellmeister Walter Rütl einen Ehrenpreis gestiftet. Gerichtszeitung. Die Revision im Prozeß wegen Ermordung des Oberstleutnants Klüber in Halle ist vom Reichsgericht verworfen worden. In daS Getriebe der Schieberwelt führt eine Verhandlung hin- em, die gestern unker dem Rubrum Ackermann und Ge- nassen vor der Strafkammer des Landgerichts I unter dem Vor. sitz'des Landgerichtsdirckiors Rohrmann ihren Anfang nahm. Unter der Anklage des schweren Diobstahls und schwerer Hehlerei standen 19 Angeklagte, von denen zwei erkrankr sind und einer sich im Jrrenhause befindet. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Gerlach, die Verteidigung führen 15 Anwälte. Es handelt sich um umfangoeiche Zucker- und Mehlschiebungen, die eine schwere volkSwirtschasiliche Gefahr und eine erhebliche Gefahr für die Ernährung der Berliner Bevölkerung in sich bargen. Bei den Zuckerschiebungen handelt es sich um mehrere hunderr Sack Zucker, die bei der Berliner Marmeladen fabrik in Weißensee teils durch Einbruch, teils durch die Untreue zweier Angestellten entwendet und auf dem Wege des Schleichhandels verschärft worden sind. Biel umfangreicher und gefährlicher waren die M e h l s ch i e b u n g« n, hie von Mehkkutfchern, Vpeicherarbetztern und Lagerverwaltern aus- geführt worden sind. Viele Mehlkutscher, die mit dem Umladen von Mehl beschäftigt waren, haben ganz systematisch aus den Mehlsäcken kleine Quantitäten von 5 bis 10 Pfund gestohlen. Das entwendete Mehl wurde in extra dazu bereit gehaltenen Säcken gesammelt, bis diese Säcke ein Gewicht von annähernd einem Doppelzentner erreichten. Dieses Mehl ist dann an Mehlschieber verkauft und von diesen dann an Bäcker, Konditoren, Lebensmittelabteilungen von Warenhäusern und Nährmittelfabriken mit erheblichem Preisauf- schlag weiterverkauft worden. Di« angeklagten Abnehmer dei ge- stohlenen Mehls haben sich wegen schwerer Hehlerei zu verand- Worten. Für die Verhandlung sind vier Tage angesetzt; wir werden das Urteil mitteilen. Sriefkasten üer Neöaktkon. Feder für den Briefkosten bestimmten Anfraq« Wae man einen Buchstaben und eine Nummer bei. Brieflich« Auskunst wird nicht erteilt. Eilige An» frage» trage man in der Juristischen Sorechstunde. Lindenstr. g,>. So! var- terre links, vor. Schriftstück» und Verträge find mitzubringen. F. S. 18. Wenden Sie sich an den Vorstand des Vereins Berliner Hebammen, S 61, Beramannstr. 68.— R. 3. Ihre Auffassung ist zu- treffend, Sie müssen aber mit G. einen besonderen Vertrag Ichließen, worin dieser Jbnen die Rechte ans dem mit Jh:em Ehemann- geschlossenen Vcr- trage überträgt.— H. W. 18. 1. Nein, sofern tatsächlich ein Ansvruch vorliegt und die Räume in üblicher Weife verfchiossen waren. 2. Evtl. wäre Klage beim'Amtsgericht, in dessen Bezirk das Schubgeschäst domiziliert, zu erbeben. — B. 14. Wenden Sie sich an die Sti'Iungsdeputation, Abt.'Altersbeime. Berlin. SIralauer Str. 56.— Otto 100. Bibiiotbel Heimann, Adalbert- straß«, und Städt. Bibliothek, Zimmcrftr. 90. 2. Darüber müßten Sie fich bei der Fraktion im Reichstag erkundigen. 3. Tragen Sie Ihren Äunfch Ihrem Abteilungsleiter, dem Genossen Krefsin, Emdener Straße 11, vor. — 8. Z. Wiederholen Sie Ihre Anfrage und geben Sie an, um weichen Gegenstand es fich bandelt.— H. P. BnrgSdorfstr. 9. Klage beim Amtsgericht.— 2 11. Für die aenannte Zell sind Sie noch verpflichtet, Kirchensteuern zu zahlen.— P. 42. 1. u. 2. Ja.— W. M. HO. Ja. — B. W. 1887. In Jbrer Unterstützungsfache muffen Sie sich an den Magiftratskommisfar für Milftärangelegenheiten in Berlin, Kiofterstraße, Stadthaus, wenden.— K. O. 16. U. E. kann eine Ausweisung auS Berlin nicht erfolgen.— Max 7a. Ja.— Hilda 198. Es ist zweck- mäßig, von der Tatfache dem VormundfchaftSgerichl Mitteilung zu machen. — SO. Schönlnnke. Fragen Sie bei dem zuständigen Bersicherungs« amte der dortigen Krankenkasse an. U. E. ist das Gesetz bereits in Kraft getreten.— 73. Sch. Nein.— W. K. 73. Ersatzpflichtig wäre d e Berfon, von der Ihre Frau den 50.Morlschein erhallen bat. Ob diese Feil- ftellimg möglich ist. erscheint uns fraglich, und daher bat in solchen Fällen der Betreffende selb» den Schaden zu vagen.— 100. Z. Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Halste oeS KrankenkassenbeitrageS bei der Lohnzahlung in 'Abzug zu bringen. Ist ein bestimmter Wochnrlphn vereinbart so ist der Ches zum Abzug der Feiertage in der Koche nicht berechtigt.— D. P. 21. Eine Aenderung der Eidesformel ist bisher nicht erfolgt. Diese wird erst bei der bevorstehenden Reform der Strafprozeßordnung eintreren.— G. 90. Bei einem steuerpflichtigen Einkommen von mehr als 1 00 M. jährlich.— P. A. 78. Die fragliche Verordnung trifft u. E. auf Ihren Fall nicht zu. Reichen Sie Be'chwerde beim Reichswirtf»cftsminiftcrium ein.— Ki 60. Die testamentarische Bestimmung des verstorbenen Mannes bleibt auch nach der Wiederoerheiratung und für den Fall des Todes der Frau maßgebend.— B. M. 7. Ja, durch den Landrat. demnächst de- ginnt die Amtstätigkeit.— 101. Kiel. An die Marinediviflon in Kiel. Abrechnungskommando, eventuell an das Reichsmarineamt.— O. G. 9S. Die erfolgte Veranlagung ist mangebend. Weisen Sie in einem Schreiben an die Steuerbedörde daraus bin.— B. W. Nein. PI. 105. Nein.— B. G. 96a. Wenden Sie sich an das Städtische Friednch-Wilhclms-Hospital, Fröbelslraßc 17.— R. S. 9. Die Zentral- stelle für Auswanderer, Berlin, Am Karlsbad 10. gibt gewiß gern Auskunft. — T. 87. 1. Nein. 2, u. 3. Ja. sosorn es sich um einen Meister bandelt, der bereits vor 1899 selbständig gewesen ist. 4 Im Minimum 3 Jahre. kann aber durch freie Vereinbarung aus höchstens 4 Jahre ausgedehnt werden. 5. Nein.— D. 12. Trotz der bereits geleisteten Steuerzahlung kann die Behörde eine Nachocranlagung vornehmen. Wird die Beibringung deS verlangten Lohuauszuges verweigert, so kann die Steuerbehörde nach eigenem Ermessen die Steuer festsetzen. Maßzehend für die Veranlagung ist nicht das Einkommen von 1914, sondern das tatsächliche jür die Monate Februar und März.— Str. 326. Bei Ihnen liegt eine Verpflichtung zur Vermögensabgabe nicht vor.— W. O. 767. 1. Nein. 2. Ja. �cnttalvci'dllnck der HngeUeilten. Bezirk Gr-tz-Derlk». Montag, den 13. Oktober a j 1019, enlschties an den V Folgen eines Leidens unser | braver Kollege Pani Deper Lortzingstr. 24. Ehre seinem Andenken I Die Trauerieier findet I Freitag, den 17. d. Mts., I iiachmlltags 3 Uhr, in der Kapelle des Krematoriums, Serichtstr. 37/33, statt. Um rege Beteiligung er- sucht DieOrtsverwaltung, Spezialarz ~| Dr. med. Koeven. Erprobte und schmerzlose Behandlung* jFplstlrlEtistr.Sl.Kfopuk ISenlistr.SfiSUÄ Spr. 10-1 u. 4-7, Sonnt. lO-i; | separate, Damcnzimmcr£ Dr. med. I.ommcr Hufu- end EMunicrsnelüing l'.ehandl. schnellu sicher ohn Berufsstßrung. Teilzahlung. Srflnnenstr.lßSl�rÄ Sprechz. 9-1 u. 4-8. Sonnt. 9-12. Spezialarzt. Erfolgreiche Behandlung. Köniffstr. 34/36 Alexanderplaiz,• 10—-1, S—S, Sonnt* 10—'1. Stahiorahtmatratzen' lür jede Bettstelle nach Maß, an Jedermann. Katalog frei. Eisenmöbelfabrik Suhl i.Th. Charlottenburg. Beratungsstelle für Geschlechtölranke. 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Juli 1910 über den Bcrkehr mit Ellßsloff und Uber Beschränkung de« gewerblichen Verbrauchs von flucker wird bekannt gegeben, daß der Abschnitt 48 der Liitzstofiiartc Ii im Ottober 1919 eingelöst werden kann. Aus dielen Abschnitt smd zwei Päckchen Sübstoff H-Packung zum Preise von je 50 Ps. zu verausgaben und zu entnehmen. Die Abschnitte 1—47 dürfen im Ottober 1919 nicht Mehr eingelöst werden. Berlin, den 13. Ovober 1919. Magistrat. Zulkcrvcrsorgungsstcllc. I.»Rr. S071/Zu- 19. Vr. Reimann. Ml «. 6. m. d. II. 01e Einlösung der Bon« und der Gutscheine aus dem vergangenen Geschäftsjahr der W.-V. S. erfolgt vom 13. bis 30. Oktober 1919 in unserem Bureau Nonnendamm-Allee 93 in der Zeit von 9— t L'hr. Die gelben Mitgliedsbücher der W.-V. S. müssen mit abgegeben werden. 13!, 2 Bonn n. Gntncbeino worden nach dem 30. Oktober 1010 nicht mehr angenommen and verlieren ihre Gültigkeit. Die Rückzahlung der Rückvergütung erfolgt nach der Generalversammlung. Der Termin für diese wsid noch näher bekanntgegeben. Oer Vorntund. R ZiebuDg sebon 21. u. 22. n. 24. b. 26. Oktober 1919. - 1"" ch. Liffl i : 4v=rr-" z•••••••••• t»«••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••******************************************* i&Ä 3667 Gewinne— Mark wert IOOOOO Hauptgew. 50000 I nto H S Porto u. Liste LUaC HI. 0 50 Pfg. extra. 1069uGewmne=MarKwert 220000 Haupts�w. 60000 I flCO'i 1 Porto u. Liste j LUoC Iii. 0 so pfg. extra. 10 Lose gemischt einschl. Porto u. Listen nur 30 Mk. fl.C.Hahn'sWwe., I""? Prinzenstr.79. j + Spezialkuren# für Jtccoenleldcnöc und Sloffwechselirohthellen wie Gicht, Nhenmati»n>n». Neurosthsni«, Znckerhorn- rühr. Aderverialtnng. Hautausschlage. Flethlea..>d- marrhaiven, Srampsavern. Herztehicr, Magen- und Varmbeschiverdeu iowie dhntiche Zustande durch die wirf» samste» Methode» in 84L sRani" Dr. Bergmann' Z*™. Heilanstalt Ambulolonum für neuzeittge HeUmethoden Berlin, Potsdamer Str. 48(1 Min. t>. Sodibatznh. BMowstr.) 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Der weitere Verlauf der Angelegenheit erwies, daß es sich bei der Kundgebung um einen planmäßigen Vorstoß gegen die Eisen- bahnverwaltung,?-m eine Machtprcbc handelt. Nur so ist es der- stündlich,'daß am 14. C k tober der Rücktritt weiterer Be- amten und de: Ausschluß des Allgemeinen Eisenbahnarbeiter- Verbandes von der Mitarbeit verlangt wurde. Damit beschreitet die Arbeiterschaft einen Weg, der notwendigerweise zu einer schn» ren Schädigung der Allgemeinheit führt. Das Vorgehen ist um fo unverantwortlicher, als die gefcßliche Regelung der Arbeiter- Vertretungen in den Betrieben unmittelbar bevorsteht. Ver Schwösspruch!m AettunZsgervsrde., In der gestrigen Versammlung der Angestellten der Groß- Berliner ZeitnngSbclricbc berichtete Tauberl übe: die VerHand- lungen vor dem SchlichtungsauSschuß. Dieser hat folgenden Schiedsspruch gefällt: Ter Tarif gilt für/ oll« kaufmännischen Angestellten im Croß-Berlincr Zcitungsgewerbe, deren Jahvesgehalt MOO) M. nicht i berste igt und läuft rückwirkend vom l. Juli lglg bis öl. März lväß. Die Gehälter betragen in Gruppe'� für männ- licl« und Neiblicle Angestellte 210 SK.r steigend bis auf 48l> M. für männlich« und LLö M. für weibliche Angestellte im 9. Berufsjahr: in Gruppe L für männliche Angestellte ö7b M., steigend bis aus bTS M., für weibliche von Z2ö M. bis auf 4M M. im 7. Berufs- scrr, in Griippc C ÖOO M., steigend bis auf 7lX> M. im 5. Berussjahr für männliche und weibliche Angestellte. Bei Krankheit wird das Gehalt 0 Wochen, nach zehnjähriger Tätigkeit ei» Vierteljahr gezahlt. Urlaub wird im 1. Jahre 6 Tage, steigend bis 21 Tagen nach ILjährigcr Tätigkeit gewährt. An Wirtschaftsbeihil- fen werden 4tXZ bis 700 M. gezahlt. Verheiratete und Unter- stützungsvcrfflichtete erhaltetk L0 Proz. Zuschlag; für jedes Kind werden b Proz. gezahlt. Von allen Diskussionsrednern wurde der Tcküedssprvch, der nicht im mindesten die Forderungen der Ange- stellten erfüllt, als eine Provokation bezeichnet. Räch lebhafter Debatte wurde beschlossen, am l7. tklvber in allen Betrieben ein« g e b e i m e?l b st i m m u n g über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches zu veranstalten. Die Iranzosenherrsckaft. (Eigener Drahtbericht aus Basel.) Das französiiche Verbot über die Meyer„Vottslliblliiet ist wieder ausgehoben. Als neuer Redakteur hat der blsberige Berg- arbsiterietrclär Charles Offerle die Leitung des Blattes über- nonimcn. Die Wirkung der französiichcn Zensur merkt man an zahlreichen Zeniurlücken>it der„Volkslribtine". Die Bevölkerung von Flörsheim bat unter der franzö- sifchen Besetzung schwer zu leiden. In de? letzten Zeit mehren sich in erschreckender Weise die Angriffe der Soldaten auf friedliche Bürger. Einen Gastwirt hat man in seiner Be- Häufung blutig geschlagen. Verschiedene andere Leute hat mau aus der Straße schwer mißhandelt, so daß sie blutüber- strömt liegen blieben. Am Sonnabend abend wurde ein älterer Mann durch einen Mesierstich am Kovfe erheblich verletzt. Der Einfluß der Offiziere ist nicht groß. Beschwerden haben nicht den gerinzsten Wert._ Me Sozialisten im Gderelsaß. Wie aus Lörrach gedrahtet wird, hat die obereljäsjische Sozia« listenlonferenz in Mülhausen ein Aktionsprogramm genehmigt, das folgende Folderungcii aufstellt: Seibstverioallung Elsaß-LothrlngenS. Gleichstellung der deutschen Spraye als Amtssprache mit der froniüsiicheu. Verstaatlichung der Eisenbahnen und Bergwerke. Die sozialistische Kondidotenlisle für die sieben Kammermandaie de? ipderclsaß enthält unter anderen die Namen Jean Martin und Grumbach. Die Sozialisten rechnen auf drei Mandate. Dis Räumung Budapests bevorstshenA. Nach ein.Vn Funkspruch HprSca beabsichtigt der Oberste Rat eine Note an die Regierung des- Minislerpiäsidenteiz Friedrich in Budapest zu senden, die sich mit der Bildung einer ungarischen Miliz zur Aufrechterhattung der Ordnung nach dem Abzüge der Rumäuen befassen wird. Die Rumänen würden die Stadt ver- lassen, sobald diese Miliz zusammengestellt ist. Beginn öes Protektorats über Sprien. Versailles, 14. Okbober. General Gouraud, der nach Syrien geht, erklärte einem Vertreter der Azence Havaz, feine Mission sei vor allen Dingen militärisch, sie beruhe in der Haupt- fache darin, den durch de» französiich-engiifchen Vertrag betreffend Syrien vorgesehenen Rückauader e n a l i> cb e n T r u v v e u vorzubereiien. um st: durch die gle'ch groß: Anzahl der franzö- suchen'Truppen zu ersetzen. Er sei der Ansicht, daß das fr an- zö fische Protektorat in Symen in milder Form zur Aus- filhrung gelangen unh daß man cine Politik der OÄerechtigkeit treiben müsse. Er wolle alle Religionsbekenntnisse achten und in Syrien der Mann keiner Partei und keiner Konfession sein. Er volle dort lediglich' Frankreich gerecht dertvetem Bmerikaniscke Angriffe auf Japan» Laut Pressebureau Radio hat Senator Morris im Senat eine lang« Rede gehalten, in der er di� Schantung-Klausel heftig an- griff und ertlärte. man könne mii Bezug aus die Japan in Schan- tung verliehenen Vorrechte kein Vertrauen auf Japan setzen. Zum BefLnarbel!e?ftrei'k in New IJork. Die„Times" melden über die Lage im New Aorker Hasen, dich die lange Dauer des Streiks seh? ernste Folgen hat. ES streiken nicht»ur die 6 0 0 0 9 Hafenarbeiter, sondern durch ihren St.eik wird auch 130 000 anderen Arbeitern dir Arbeit unmöglich gemacht Im Hafen liege» 8ä mit Lebensmitteln be« l a d e n e Schiffe. In der Stadt herrscht bereits Zuckermangcl, und dadurch, das) auch die Bemannung per kleinen Schiffe, die dir Ki' tenschijfahrt besorgen, streiken, wird dir Milchziisuhr stillgelegt. Die Arbeiter weigern sich, die ans Enzland nild Frankreich ein- treffenden Schisse zu löschen. Tie Arbeit wird jetzt von Soldaten ausgeführt._ kleine polftlsche Nachrichten. 'Hivrickstnng KammerfiStterö. TaS Todesurteil gegen den tSmie märdrr Kammerftätter wurde nachmittags um 2 ist Uhj im Gefängnis Stachelheim durch Erschicken vollstreckt, Der � Streik der- Bis zur Stunde ist im Streik der städtischen Bureau- Hilfskräfte keine Einigung erzielt worden. Der Magistrar glaubt, über die durch den Schiedsspruch bewilligten Er- höhungen der Gehaltssätze nicht hinausgehen zu können. Auch in rechtlicher Beziehung ist der Magistrat der Auffassung, daß der Schiedsspruch nach den geltenden Bestimmungen über, das Mitbestimmungsrecht der Bureauhilfskräfte für beide ]£ e i I e bindend ist. Die Grundlage für das Mitbestimmungsrecht der Du- reauhilfskräste des Berliner Magistrats,, insbesondere für das Mitbestimmungsrecht in Gehaltsfragcnst gibt der Spruch des Schlichtungsausschusses Groß-Berlin vom 30. April Illlst ab, der damals während der Lohnbewegung der Hilfskräfte im April d. I. gefällt wurde. Dieser Schiedsspruch sieht einen gemeindlichen Schlichtungsausschuß vor, bc> stehend aus drei vom Magistrat und drei von den Hilfskräften gewählten Mitgliedern sowie einem unparteiischen Vorsitzen- den. Dieser Schlichtungsausschntz entscheidet über die Streit- fragk endgültig. Eine besondere Unterwerfung unter den Schiedsspruch oder eine besondere Annahme des Schieds- sprnchs kam daher nicht in Frage. Wenn die Streikleitung diesen Schiedsspruch vom 30. April l9l9 als ein Provisorium ansteht, f? st-m iio nach Ansicht des Magistrats die Tatsachen glatt auf den Kopf. Er ist und bleibt die Grundlage für die gesamte Ordnung der Beziehungen des arbeitgebenden Magistrats zu den Hilfs- krästen qsts Arbeitnehmern. Vcrschleppnnfl der Verhandlungen. Die Verhandlungen des Magistrats mit den Streiken- den haben zu keinem Ergebnis geführt. Wie uns die Streik- lcitnng niitteilt, habe gestern mittag ganze Verhandlung darin bestanden, daß nach langem Warten der Magistrats-� Vertreter, Herr Stadtrat Seckt, die Erklärung abgab, daß sie nicht gekommen seien, um mit den Streikenden zu ver- bapdeln, sondern um deren Wünsche anzuhören. Die Verhandlungskommission gab dem Magistrat zu verstehen, daß ihr daran gelegen sei, unter allen Umständen l>eilte (Mittwoch) noch eine Einigung zu erzielen. Der Magistrat hat dann folgendes zur'Kenntnis der Streikenden gegeben: Er würde seinerseits die vorgebrachten Wünsche Donnerstag- vormittag der g r o ß e n D e v n t a t i o n zur Kenntnis brin- gen. Damit war die eigentliche Verhandlung abgeschlossen. Die Zentralstreikleitung faßte darauf folgenden Be- schlich: Sie siebt in dem Nuranhören, nicht in dem Darauf- eingeben der Magistratsvertreter eine Verschleppung?- taktik, die sich die Zentralstreikleitnng unter keinen Um- ständen gefallen lassen könne. Di? Zentralstreikleitnng hat darauf beschlossen, den Streik in einen verschärften Znstand eintreten zu lassen unter Benutzung der Angebote, die uns im Laufe des heutigen Tagt's seitens der verschiede- neu Deputationen gemacht worden sind. * Eine Abordnung der Arbeiterschaft der GaZ- und Elektrizitätswerke gab den Streikenden folgende schriftlicke Erklärung ab: Die Vertreter der Angestclltenaukschüsse der OtziS- und Elektrizitätswerke Berlins sprechen den Hilfskräften der Stadt Berlin zu ihrem jetzigen wirtschaftlick'en Kampfe ihr« Sympathie aus. Sie erklären'sich mit den Hilfskräften voll und ganz solidarisch und werden im geeigneten Moment auch ihrerseits alles tun, um die Durchsetzung der berechtigten Forderungen der Hilfskräfte mit allen Mitteln zu unterstützen. Für die Gaswerke: Eulenburg. Knopp. Laurenz. Für die Elektrizitätswerke: Hendrich. « Die Forderungen der Hilfskrt�te. Die Hilfskräfte hatten einmalige EntschuEdungscheihikfen von 10Q0 M. für Verheiratete, 600 M. für Ledige und 200 M. für jedes Kind gefordert. Diese einmalige Beihilfe hätte einen Betrag von 12 Millionen Mark erfordert. Der Anspruch auf einmalige Bei- Hilfe ist vom gemeindlichen SchlichtungsauSschuß abgelehnt. Als laufende Vergütung hatten die Hilfskräfte anfänglich eine solche von 700 M. monatlich für einfache, ungelernte— weibliche und männliche— Bureauhilfskräfte gefordert, für gualifi- zierte Hilfskräfte 775 M., 825 M.. SOO M. Nachdem diese Sätze bei den Verhandlungen als völlig utopisch bezeichnet waren, er- mäßigten die Hilfekräfte die Sätze auf 575 M. für einfache unge- lernte— männliche und weibliche— Hilfskräfte und für quoli- fizierte auf 675, 725, 775 M.; sie gingen bei dem Gehalt der ein- fachen Hilfskräfte(mit 7stündiger Arbeitszeit) vom Einkommen eines Schwerarbeiters(mit 8stündig-er Arbeitszeit) aus. Ter Schiedsspruch. Wie bereit? mitgeteilt, sieht der Schiedsfprnch für olle über 13 Jahre alten Bureauhilfskräfte eine Gehaltserhöhung von mo» TaZ B?sinben Haasts verschlechtert. Ter Zustand des Abgeordneten Haas« hat sich leider erheblich verschlimmert. Der Patient hat hohes Fieber und ist bewußtlos. Di: Aerzte haben beschlossen, angesichts seines Schwächezustandcs von der als not» wendig erkannten neuen Operation vorläufig Abstand z u nehmen. Unter den. unabhängigen Abgeordneten herrscht größte Besorgnis über das Befinden ihres Führers. Beilegung deS Frankfurter Zwischenfalls. Wie die ,P, P. N." hören, finden über die Augelegeiibcil bei der Frankfurter Eisenbahndirektion Besprechungen in Berlin statt. ES kann angenommen werden, daß der Zwischenfall dadurch bei- gelegt werden wird. Neue Polizeipräsidenten. Di« Preußisch« SiaaiSreglerung er- nannte das Mitglied der Nationalversammlung, Bezirksleiter deS deutschen Bauarbeiterverbandes Josef Ln bring in Königs- b e r g i. Pr.. zum P o z i l c i p r ä s i d e n t e n für Königsberg. Zum Polizeipräsidenten in Breslau wurde der Gcwcrkfchafts- iekretär F. Voigt, Mitglied der Natioüalversa.nmlung, und zum Polizeipräsidenten in Aachen der Landrat Freiherr v. K o r f f ernannt. Unabhängiger Triumph. Mit ernem FreudenauSbruch berich- tvke die„Freiheit" bon dem Erfolg der unabhängigen Protestvcr- sammlunyen, die vorgestern sta:tg?funden haben. Zuverlässig« Schätzungen von Augenzeugen, dst uns jetzt vorliegen, bezisfern die.Gesamtteilnehmerzahl der Versammlungen auf rund 82 000 Personen, worunter sich auch ein« gehörige Portion Mitläufer und Neugierige befunden haben mag, Gemessen an der wcngiiever.zalsi der U.S.P., und an dem letzten Wahleogcünis ist dieser„Erfolg" erstaunlich gering. Er kennzeichnet die„Passivität der Massen", von der übrigens auf den Versammlungen auch die Rede geloescn ist und die sich aus der Radau taktik der Unabhangi- gem nur zu leicki erklärt. Ein Proteststreik in Ludwigsh�ftn, Als Protest gegen den Terrorismus der fran-äsifchsn Soldalen kand am DienStaa in Sureauhilfskrafie. natlich 100 M., für Jugendliche 25 M. bor. Danach ergibt sich für die Besoldung— die Zahlen bedeuten Anfangsgehalt, nach 1 Jahr und nach 2 Jahren— folgendes Bild: Männliche Hilfskräfte(ledige) 435, 455, 475 M.; Ver- heiratete 485, 310, 535 M. Qualifizierte Hilfskräfte (Registratoren) ledige 465, 485, 505 M.; Verheiratete 515, 535, 560 Mark. Expedienten und HilfSbuchhalter der Stadt- Hauptkasse: Ledige 465, 500, 520 M.; Verheiratete 515, 550, 575 M. Weibliche Hilfskräfte: Ledige 380, 305, 420 M.; Ver- heiratete 420, 445, 475 M. Qualifizierte Hilfskraft-: Ledige 435, 435, 475 M.i Verheiratete 485, 510, 523 M. Jugendliche unier 13 Jahren 250 M. •« .« Der Bund der technischen Angestellten und Beamten hat seine Mitglieder beim Magistrat Berlin und bei den Vorortgemeinden aufgefordert, in dem Streik der Bureauhilfskräfte die v o l i i o m- inemste Neutralität zu wahren, also die Streikarbeit in jeder Forni abzulehnen. Er wird all.« Maßregelungen, die sich aus der Ablehnung von Ctreikarbeit ergeben sollten, mit der ganzen Kraft seiner Organisation enl� genzutreten. Die Frage, ob bestimmte Betriebe unbedingt im Interesse der Bevölkerung aufrecht erhalten werden können, kann nur durch Verhandlungen zwischen dem Magistrat und den zuständigen gewerkschaftlichen Körperschaften geregelt werden. • Wir erhalten folgende Zuschrift: Das Mitglied des Ausschusses der Studentenschaft au der Handelshochschule Berlin Günther ist ohne Befragen der übri- gen Ausschußmitglieder an den Magistrat und die Studenten der Berliner Hochschulen herangetreten, um diese als Arbeits- willige heranzuziehen. Streikbrecher-Meldunge» werden im Ausschußburcau der Handelshochschule entgegengenommen. Die Soziale Arbeitsgemeinschaft lehnt als solche eine Stellung- nähme zum Streik ab. Sie legt jedoch gegen dieses Vorgehen schärf st e Verwahrung ein und ihre Mitglieder lehnen es ab, sich für ehrlose Streikbrecherdienste i>crzugeben. Soziale Arbeitsgemeinschaft an der Handelshochschule Berlin. »« Tarkfverhanölungen öer GemsinSearbeitee. In einer stark besuchten Versammlung der gelernten und un- gelernten Arbeiter sowie Handwerker der st ü d t i s ch e n B e- triebe Groß-BerlinS gab F a b i g den Bericht über die Verhandlungen mit den städtischen Behörden. Der Lohntarif stellt sich für ungelernte Arbeiter auf 2,60 /M. die Stund« im 1. Jahre. Hann 2,70 M., für gelernte Arbeite-r 2,70 und 2,80 M., für gelernte Arbeiter mit besonderer Verantwortung 2,80 und 2,90 M., fiir Handwerker 2,90 und 3 M., für weibliche Ungelernte 1,70 und ILO Mark, für ungelernte 1,80 und 1,90 M., für solche mit besonderer Verantwortung 1,90 und 2 M. Der Lohntarif soll bis zum 1. April 1920 dauern. Es wäre mehr herausgeschlagen worden, wenn man mit den Staats- und Gemeindearbeitern gemeinsam vorgegangen wäre) leider war daS nicht möglich, da der Staats- und Gemeinde arbeiterverband selbständig vorgegangen wäre. Zu verurteilen ist, daß der soziale Tarif nicht gleich mitbcraten wurde. Es entspan» sich eine ausgedehnte Diskussion, in welcher ein Kollege der Heizer und Maschinisten erklärte, du» die-dapitalisten llZlcetzt slnd, den Streik der Metallarbeiter abzuwürgen, worauf die Heizer und Ma- �sdwvistcu das Ultimatum gestellt haben. Da Verhandtimgne nicht zustande kamen, ist beschlossen worden, in den Streik zu tre- t en. Es werden also nur die Krankenhäuser mit Gas, Wässer und Elektriz-ilät versehen werden. Leider ist der Kollege Orthmann vom Transportarbeitervcrband uns sozusagen in den Rücken gefallen. Er habe erklärt, innerhalb 2 Stunden ruht der ganze Straßenbahn- verkehr, während dieser um 7 Uhr abends noch in Betrieb war. Ab Donnerstag früh soll Gas, Wasser und Elfktrtzität gesperrt bleiben; außer den notwendigen Notstandsarbeiten soll nur noch die„Freiheit" mit Strom versehen w e r d e.n. Kollege Sylt von der Arbeitsgemeinschaft erklärt, daß der Streik in ihren Händen ruhe, um den Forderungen der Arbeiter Geltung zu verschaffen. Die städtischen Hilfsarbeiter wallen mm die For- devunz stellen, so bezahlt zu werden, wre die ungelernten Arbeiter. Bei den Verhandlungen mit dem Magistrat wurde ein Schlich- bungsausschuß aus den beiden sozialistischen Parteien gebildet, welcher den Hilfsarbeitern 100 M. pro Monat weniger bewilligen will, als den ungelernten Arbeitern. Die Hilfsarbeiter haben den Schisds spruchabgelehnt. Heute abend ist m 65 Vorortgerncinden die Parole ausgegeben worden, morgen früh in de» Streik zu treten. Es geht jetzt nicht in ehr»in die Forderungen der Hilfstraft« oder Metall arbeitet, sondern u m Erhöhung der Löhne sämtlicher Arbeiter in Groß-Berlin. Vor der Drohung mit der Technischen Nothilfe schrecken wir nicht Kurück. Nach weiterer � unwesentlicher Debatte wurde der Antrag mit großer Majorität angenommen, daß man sich mit dem Lohn- tarif einverstanden erklärt, jedoch über den Ntau' el- tarif sofort in Verhandlung zu tr.'�a wünscht. Ein weiterer Antrag verlangt vom Magistrat eine Kleide rzulage von 500 Mark. Ludwigshafen ein eintägiger Generalstreik statt, an dem sich die Arbeiter und die Bürgerschaft beteiligten. Der französische Offizier, der in Saarbrücken während der Streik unruhen erschossen wurde, ist durch ein französisches Jnsanteriege schoß getötet worden, wie entstellenden Pressemeldun- gen gegenüber festgestellt werden muß. „Freiheitliche" Verleumdung. In einer Notiz im gestrigen Abendblatt der„F r e i h e i t" wird die Behauptung aufgestellt, daß der Polizeipräsident von Charlottenburg, Genosse 3! i ch t e r, ein Freund des Weines und Spieles sei und einen« Spielklub, der den Namen»Sporting Club" trägt, angehört habe. Daß Genosse Richter Abstinent ist, weiß man am Schiffbauerdamm natürlich nicht. Er hat zudem erklärt, daß-c von der Existenz deS„Sporling Clubs" zum erstenmal durch die be'agte Notiz der„Freiheit Kenntnis erhalten bat.» Jedes Wort der Entrüstung über diese unsaubere Verleumdung ist überflüssig, da wir cZ für ausgcschlosseu halten, daß sich die„Freiheit" dadurch von ihrer Lügentaktil ab- bringen lassen jtiird.> „Bon der Marne zur Marne". Unter diesem Titel erscheint so- eben im Verlag für Soüallvisseuschast eine miliiärknii'che Schiist deS Leutnant» d. L. M ü l I e r- Brandenburg, die Material zur Be- iideiliing des deutschen ZiisammenbrnchS liefern will. Ter Ver- fassetz bezeichnet es als seine Absicht, den nichlS weniger als objek- tiven Talftelliingen der bisher wen demichen Mililärlueratur ent« gegenzulreten, mit denen die miliiänichen Größen sich reinzuwaichen und iöre Schuld auf die einfachen Kämpfer der Front abzuwälzen iuchen. In diesem Sinne beze chnct sich die Schrift als Antwort an General Ludendorff und Oberst Bauer. Auf rhren Jnoalt kommen wir noch zurück. Anatole France wird von einem der Seine-.Kreise für die Wahl zum Deputierten von der sozialistischen Partei vorgeschlagen. Ob er die Wahl annimmt, steht noch nicht fest. Aufbau und Werden. Heui« abend, 7 Uhr, spricht in der Aula der Gemenideichule Siephanstraße 27 Genosse S a t e r n u S üb« Praktischen Soz>aliö-«»rZ. V / die Magnaten pomm?rns. Behandlung der Berliner Streikfrage übMg?grrnlicke eben erst angerufen und sich lediglich nach dem Grund des Verbots erkundigt babe. Eugen Ernst selbst habe keine Veranlassung, das Verbot aufzuhoben. Die Folge davon war: Zehn Verletzte und ein Zsoter.(Stürmische Pfui- und Roste-Rufe.) UnS schiebt man die Schuld an den Vorgängen in die©dnilje; ich frage: Wer trägt die Verantwortung?(Stürmische Rufe: Der ReichSarbeitSininister. unser Kollege!) Im weiteren Verlaufe seiner AuSsühamgen greift Redner Schlicke tzeftig an und wirft ihm vor, sich an der Hetze der bürgerlichen Presse gegen die Metall. arbeit er beteiligt zu haben. Das Verbot der.Freiheit" sei lediglich erfolgt, um die Metallarbeiterbewegung zu schädigen. Redner legt dann eine Resolution vor, in der den Streikenden die Sympathie ausgesprochen und das Versprechen gegeben wiird, alles zu tun, um die Bewegung zum Erfolge zu führen. Borsstzender Schlicke stellt zunächst fest daß er alles getan habe, um das Versammlungsverbot aufzuheben und wird am Mitt- woch früh, da der Saal jetzt geräuutt werden muß, weiter auf Ruschs Ausführungen antworten. 3. VerhaiidlungStag. Als ewster Redner ergriff Arbeitsminister Schlicke das Wort Er führt aus: Rusch ha' am Arbeitsminister sehr viel in bezug auf seine Stellung zu den Schiedssprüchen auszusetzen gehabt, Was der Minister aber getan bat, war leine Böswilligkeit, sondern der geboten« Weg. Ich bin sckwn lange Anhänger von Tarifen und stehe als solcher auf dem Standpunkt, daß>ie ge> Fo keinem Bezirke Deutschlands haben die Konservativen es verstanden, ihre Mach so aufrecht zu erhalten, ja noch zu ver- stärken, wie es in dem fast ausschließlich vom Fideikommiß-Groß- grundbcsstz beherrschen Vrrpomniern noch heute der Fall ist. G r e i f s w a l d ist die Hochburg der reaktionären Bestrebungen, Der Großgrundbesitz und Feudaladel hat hier seinen geistigen Mittelpunkt und findet weitreichendste Unterstützung aus den Kreisen rückständiger Universitätsprofessoren. Diese Kreise waren es, die in den letzten Tagen nach langer Minierarbeit einen kräf- tigen Vorstoß unternahmen, um den ihnen verhaßten Polizei- direkter Burmann, der gleichzeitig Siadtverordnetcn-Vorftehcr und Vorsitzender des Arbeitcrrats ist, zn stürzen. Dieser Versuch endete damit, daß die Mehrheit der Stadtverordneten der Polizcldirektion urrd den bei der Staatsanwaltschaft verdächtigten Mitgliedern des Arbeiterrats das volle Vertrauen aussprach Bei dieser Gelegenheit gab der Stadtverordnetenvorsteher sein Ma- terial über die Putschversuche von rechs und deren spartakistische Umtriebe der Öffentlichkeit preis. Zunächst wurde festgestellt, daß vor kurzem ein Gcrichtsbeamier angeblich im Austrage des Ge- neraUommandos versucht habe, Polizeibcamte zu gewinnen, um alle diejenigen zu ermitteln, die in der sozialistischen Bewegung eine Rolle spielten. Diese Personen sollten bei den zn erwartenden Unruhen als erste Rädelsführer festgenommen werdeH jedoch nicht durch Potizeibeamie, sondern durch das General. kommando. Diese? Vorgehen' eines rechtsstehenden Gerichtsbecrurten hängt zweifellos mit den Ausläufern, jener Bewegung zusammen, die seinerzeit das Generalkommando Stettin veranlaßt«, den oer« schärften Belagerungszustand über friedliche pommersche Dörfer und Städte zu verhängen. Im weiteren Perlauf der Enthüllungen wurde festgestellt, daß ein Oberst a. D. von Hackcwitz zur- zeit damit beschäftigt sei, einen OfsizierSbund zu gründen. In Verbindung hiermit gelangt« ein Brief zur Verlesung, der uro- zweideutig bewies, daß dieicr selbe Herr der Urheber dcZ kürzlich in Greisswald erfolgten überall peinliches Aufsehen erregenden Studenten. Putschversuch es gewesen ist. Bekanntlich war dieser Putschversuch gegen die„Roten" von�dem damaligen BataillonSkomiuandeur Major Herzberg ausgeführt worden, in der Weis«, daß eine? Nachts die von dem Sohn des genannten Obersten geheim organisierte Studentenschaft, soweit sie reaktionär« Ten- denzen verfolgt, um Mitternacht in die Kaserne gerufen, dort mit scharsei Munition. Handgranaten und Maschinengewehren ver- sehen worden war. Infolge dieser Affäre hat das gesamte UnterosfizierZorpZ einmütig gegen den Bataillonskommandeur Stellung genommen. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde noch daS Material veröffentlicht, das bewies, in welcher ziel- klaren Weise der bisherige Regierungspräsident von Vorpommern. der Potsdamer Herr von Gröning, bis zuletzt oersucht hatte, die führenden Männer der sozialistischen Bewegn-ng in Vorpommern bei allen Instanzen zu verdächtigen und ihren guten Ruf zu untergraben. gebenden Personal- irnd Geheimräten des Mini st«r i n m» des Das preußische Ministerium deZ Innern wird nicht versäumen, in die dunklen gegenrevolutionären Winkel Vorpommerns hinein- zuleuchten. Die vortragenden Räte des Ministeriums werden allerdings zumeist nicht über die notwendigen scharfen Gläser ver- fügen._ 1 4. Generalversammlung öes deutsihen Nletallarbeiterverbanöes. Stuttgart, 15. Oktober 1919. Nachdem am zweiten Sitzungstage in heftiger Debatte über die Gültigkeit der beanstandeten Mandate debattiert mortem war, wird schließlich die Debatte über den Bericht der Mandatprüfungskommission abgebrochen und zu der Vcrtrite»erden»tslea. (Sehr richtig!) Bei der Stellung der beiden Parteien im Berliner Streik ist es kein Wunder, daß man nicht zur Einigung gekommen ist; ich bin aber der Auffassung, daß man trotzdem die Verhandlungen hätte anbahnen sollen.(Zuruf: So fiehste aus!) Die Arbeiter sehen heute leider schon darin, daß man ihre Wünsche nicht voll erfüllt, eine Lohndrückerei. Dem Unter- nehmer ein Wtimawm zu stellen, halte ich für einen taktischen Fehler. Man ersuchte wich, einen unparteiischen Schiedsrichter aufzustellen. Da ich aber solche Leute nicht auf Vorrat habe, er- suchte ich die Berliner Kollegen, mir einen Vorschlag zu machen. Diese meinten, ich solle einen aus der Reihe unserer Kollegen nehmen. Dieser Borschlag war jedoch undurchführ- bar, da unser Verband Partei ist Ich ernannte daher einen In- genieur aus dem Reichsschatzmimsterinm, von dem ich überzeugt bin, daß er nicht voreingenommen ist. Leider kann aber nie- mand aus seiner Haut heraus. Im weiteren Verlaufe seiner Red« sagt Schlicke: Di« Berliner Kollegen suchen einen Prügel- zungen, das soll der Verbandsvo'. sitzend« sein. Man will mir vielleicht ein Mißtrauensvotum ausstellen, um mich so zu beseiti- gen. So leicht geht das aber nicht. Ich war bereit zu gehen, jetzt werde ich«S aber darauf ankam- m e n lassen. Um 10 Uhr 16 Min. wird die öffentliche Sitzung geschlossen und in geheimer Beratung über die Berliner Skreiklage gesprochen. Heute nachmittag macht der Kongreß einen Ausslug.* Oer Streik öer Maschinisten unK Heizer beschlosten. Die Hoffnung, daß durch die neuen, vom Neichsarbeits- minister Schlicke angeregten Verhandlungen sich noch eme Einigung über den Streik der Metallarbeiter erzielen lasse, scheint vergeblich zu sein. Zivcrr wird uns auf Anfrage im Ministerium erklärt, daß die Verhandlungen mit den Unternehmern für gestern(Mittwoch) zwar abgebrochen seien, aber heute varnnttag fortgesetzt würden, in- zwischen ist jedoch von der Streikleitung der angedrohte S t.r ei k der Maschinisten und Heizer perfekt ge- worden. Die Streikleitung gibt uns darüber folgenden Bericht: Die Fünfzehnerkommisston in Verbindung mit der Ge- werkschaftskommission nahm heute Stellung zum Ablauf des Ultimatums der Hetzer und Maschinisten. Im Lause der Beratung wünschte das Arbeitsministeriuni durch Herrn Dr. Busse, das Ultimatum bis nachmittags 3 Uhr zu verlängern. Dem wird nach lebhafter Diskussion statt- gegeben unter der Bedingung, daß die Unternehmer bis 3 Uhr sich bereit erklärt haben, auf der Grundlage des Vor- schlags des Reichsarbeitsministers zu verhandeln. Geschicht das nicht, so werden die Heizer und Maschmisten ihren Beschluß vom Sonntag zur Tat werden lassen. Um 3 Uhr trat der Ausschuß der Gewerkschaftskom- Mission in Verb'ndung mit. der Fünfzehnerkommisston zu erneuten Beratungen zusammen. Da keine Antwort der Unternehmer vorlag, wird nun der Streik der Heizer und Maschinisten perfekt. Die Streikleitung erwartet von sämtlichen Kollegen, daß ste den von den Funktionären der Maschnisten und Heizer am Sonntag, den 12. Oktober 1919. gefaßten Beschluß strikte durchführen. Es herrscht Einmütigkeit, daß die Notstandsarbeiten verrich- t e t werden, um es unmöglich zu machen, daß die„Tech- nische Nothilfe" eingreift, da diese? Kampf auch nicht gegen die Bevölkerung Berlins, sondern gegen den Verband Ber- liner Metallindustrieller gerichtet ist. Desgleichen werden die Arbeiten in den Gas- und Wasserwerken soetgefiihrt. Auch wird Sorge getragen, daß die LebenS- mittelverforgung nicht ins Stocken gerät. Keine Berkehrsstreiks. Zu einem �vmpathiestrci? in den VerbehrSbetvieben wird es voraussichtlich nicht kommen. Die Absicht einzelner Heißsporn«, durch Lahmlegung des öffentlichen Verkehrs die Forderungen der Metallarbeiter zu unterstützen, fand in den Betriebsversammlungen der Straßenbahner wie auch der Hochbahner nur sehr wenig An- klang. In einzelnen Versammlungen kam eS zu recht erregten Auseinandersetzungen zwischen den Streitlustigen und der Mehrheit der Anwesenden. » Im Laufe des gestrigen DageS sind bei 17 Firmen 1490 Ar- beiter neu in den Streik getreten. Die Zahl der Firmen, die die Forderungen anerkannt haben, hat sich auf lvl erhöht. * Die Streikleitung teilt mit, daß von den Sammlungen die streikenden Kollegen, die sich bereit? 3 Wochen im Strock befinden, ein« einmalig« Extrazuwendung von 6 Mark erhalten. Von diesem Zuschuß werden weitere 19 M. an diejenizen Kollegen gefehlt, die sich schon 4 Wochen im Streik befinden. Di« AuS- zahlung der letzteren Zuwendung wird ebenso vorgnommen wie die Auszahlung der ersten 6 M. Zuschuß. * Die Sozialistische Künstler-Genossenschaft wird in dieser Woche ein« Auktion von Kunstwerken vornehmen, deren gesamter Erlös für die kämpfenden Metallarbeiter Berwen- dung findet. Desgleichen wurde der Streikleitung von obiger Ge- nossenschaft folgende Resolution übersandt:.Die sozialistische Künstler-Genossenfchast spricht den streckenden Genossen der Metall- industrie ihre Solidarität und ihr Interesse an einem erfolgreichen Ausgang de? �Kampfes aus und hofft Mittel und Wege zu finden. ihren handarbeitenden Klassengsnossen auch materielle Hilfe zu- wenden zu können. Die proletarischen Künskler senden den Genossen des Metall- arbeiterproletiDriats ihre Grüße in dem Bewußtsein, daß die Zu- Mi Presche--»al« mtth, Mc tench Mr* m die Mauer gelegt ist, die Künstler arö Handarbeiter bisher trennte. Soziaiistische Künstler-�enc�-"'ck>ast c. G. m. b. H. Metallarbeiter für die Akkordarbeit. Eine Verianimlung der Belriebsiäte, Delegierten und Ber« trmienSleute der in Landbelrieben beickiäftigten Metallarbeiter Hamburgs erklärte sich, einer Meldung des.Verl Tagebl." zufolge. nach mehrstündiger Aussprache mit einem vom Schiedsgericht, he« treffend die Veränderung der Lohn« und Arbeilsbedinguugen. ge« tällten Teilschiedsspruch einverstanden, der u. a. folgende Bestmrmungen entdäll:.Der SchlichtungSausschuß ist der Ueber» zeugung, daß die Einführung der S t ü ck l o h n a r b« i t für den Wiederausbau der Industrie und des gesamten WirNchastslcbenS zur unabwendbaren Notwendigkeit geworden ist. Die Akkord- bafis für den gelernten Facharbeiter ist der zu garantierende Stundenlohn von 2,79 M. zuzückich 39 Pf. Die für die Aikc-rd« arbeir erforderlichen Sicherungen werden von den Verhandlungs« kommisfionen beraten. Bis zur Einführung des neuen Tarifs ist den Arbe'.tnehmern ein Ausschlag von 29 Pf. pro Stunde auf die jetzigen Löhne mit rückwirkender Krast ab 1. Oktober 1919 zu zahlen."_ Achtung, Zimmerer! Der Beschluß der Eeioerkichanstomnuision vom 8. d. M., die Streikenden>m Melallgewerbe durch wöchentliche Extrabeiträge lausend zu unterstützen, ist auch für uns maßgebend. Es ist Pflicht eines jeden Zimmerers, von seinem Vertrauensmann aus der Arbeilsslelle ober vam Bezilkskassierer Exlromarken wöchentlich zu nehmen. Die Gelder find iosort im Bureau abzulieiern. Käme« raden, durch den Srretk im Melallgewerbe sind von unserer Oroani- salion bis jetzt 295 Kaineraden betroffen. Wir appellieren an Euer SolidaritäiSgefütil im Interesse der Gesamlbewcgung. Ten streikenden Kameraden wird e« zur Pflicht gemacht, die Strelkuiiterslützung wöchentlich vom Bureau, und zwar Sonnabend vormittags bis 12 Uhr abzuholen. Zentralverband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin. Die Funktionäre aller Betriebe der reühsdcuffchen Elektro- industrie versammeln sich am kommenden Sonntag(19. und 29. Oktober) in Halle. Die Tagesordnung ist wie folgt festgesetzt: 1. Ge- fthästliches. 2. Errichtung der Arocitsgemcinschaft aller Kunktio- näre der Elcttreindustrie 3. Das Arbeitsprogramm und die Durch- führnng d-sr A r bei tZg e mei n sckvr ft. 4. Verschiedenes. Die Tagung soll sich höchstens über den Sonntag und Montag erstrecken. Tie Korrferenz beginnt Sonntag, den 19. Oktober, vormittags 9 Uhr, im Vocksgarten Punk:! ich Sonnabend nachmittag 3 Uhr treffen sich die Delegierten im GewerkschosishauS Harz 42— 44. Tie Betriebe, welche ihre Delegierten noch nicht bestimmt haben, sind gebeten, dies unverzüglich nachzuholen und ihre Adressen an den Verlag W. Schäfer, Berlin SO. 16, Rungestraße 15, einzusenden. Unsoziale Massnahmen der Oberpostdireltion Berlin. Zu der Notiz in der gestrigen Morgenausgabe schreibt uns die Oberpost- direktton Berlin, daß die umfangreichen Kündigungen von AuS- Hilfskrästen lediglich die Folge her Beendigung der Hauptzeit des Erholungsurlaubs sind, wodurch Kräfte entbehrlich werden. Die Oberpostdirektion hat sogleich in Erinnerung gebracht, daß hierbei die Bestimmungen in den Verordnungen Über die De. mobil machungsmaßregeln genau beachtet werden. In den geeigneten Fällen soll eine Verlängerung der Kün- digungssrist erfolgen. Neueinstellungen von Kräften bilden nicht den Grund zu Entlassungen länger beschäftigter Aushelfe- rinnen. Jedoch muß die Einstellung neuer Kräfte dauernd im Gange bleiben, um den laufenden Abgang und den Mehrbedarf infolge steten Hinz-utriits von Nenanfchlüssen zu decken Solchen auSbilsswoise im Fernsprechdienst beschäftigten Kräften, die nach Maßgabe ihrer gesundheitlichen und persönlichen Verhältnisse sowie mit Rücksicht aus die Schulkenntn:sse zur dauernden Annahme nicht geeignet sind, muß nahegelegt werden, sich um ein« andere Beschäftigung zu bemühen. Eine stark besuchte Betriebsversammlung des Böhmischen Brauhauses stimmt« dem von der VerrrauenSmännerversammlung angenommenen Angebot der Unternehmer aus Teuerungszulage gegen sieben Stimmen zu. Außerdem fand ein Antrag, wonach die Kollegen, deren Verbände nicht am Metallarbeiterstreik beteiligt sind, wöckereWüb drei Marlen a 1 M. zu zeichnen haben, ein- stimmi-ge Annahme._ Zum Metallarbeiterstreik. Vergmann-Werse, Nokcu'hal. Die Kolleginnen und Kollege» der K entroll lai ten von 393—1337 Irefsen fich Im Etieiilokal, oon 1591—2236 bei Feind. Noscntbnl, am Bahnhof, heut« Donnerstag, 11—12 Uhr, zur Untertchrist der Onivungeiu Doirntcr, Marienfelde. Kontrollkarten Nr. 1—352 beute Donners» tag, den lS.. nnleize chnen bei Brumm. Reichert- Ecke Geneststratze. Morgen Freitag, ken 17., mittags 12 Uhr: Betriebsveriammlimg im Speüefaal Funktionäre um 19 Übt in»SperlingSlust«. Die Slceitleiiung. Firma Albatros. Johannisihal. Freiing, stüh 19 Uhr, Versamm« Umg im.Lindenhot", Iohannisihnl. Der Obmann der Streitieilung. Tiianto-Wert. Freilag, den 17., nachmittags 2 Uhr: Lohn- zablung in der Fabrit. Sonnabend, den IL., vonnitlags 11 Uhr: Bei riebsversammlmig zwecks Unterschreibe» der Unterstützungsquittung im Streit. olal. Die Streitieilung.._ ®. P. T.-Holzarbeiter. Morgen Freitag, den 17. Ottober, abend« 7 Uhr, im Gewerffchas Shcmse, Engeluser 15: Veffammiung. Tagesordnung: 1. Die Wahlen der Betriebsräte und Aibciterräte. Reserent: Genosse W u t ch i ck. 2. Die Vorgänge im Holzarbeilerverbande..»iulritt haben nur VcrbandSmilgllcder gegen Vorzeigung des Parteibuches oder die durch Parieisuntlionäre legitimier! werden. Zeuiralverbaiid der Angestellten, Fachgrupve 3, Angestellte der Ledcrwirlichajl! M i t g l i e d e r o e r t a m m l u n g der sreigewertschasllich organisierten Angestellten Freilag. een 4.7. Oktober 1919, abends?>/, Uhr, im Bärsensaal der Mustleriestsäte. Kaiker-Vilhelin-Str. 31. Tagesordnung: Die GcwerlinaftSau'gabc in der Gegenwart. Fachgruppe 3>»(Heeresbetriebe). Morgen Freitag, den 17. Ottober, abendS 7 Uhr, in den Sophiensäicn, Sophienstr. 17/18: Volloersammlung der auf dem Boden der freien Gewerttchatten stehenden Angetlelllen- ausichüsse. Tagesordnung: I.Bericht, a) Eiillassung. b) BeschaftungS- bcihilie. c) Vertchiidcnes. II. Ergänzungswahlen. ÜI. Verschiedenes. Der Saaiumgang wird sär Zuhörer freigchal en. Berantw. für den eedaktion. Teil: illseed Scholz, NeutZlln: für Anzeigen: Theodor »locke. Berli» Ssrlag: Lorwäeks-Derlag