Nr.330.36»Iahrg. BezilgSvreiS i Vierteljährl. 9.— Ml> monatL 1�- SB. frei ins Sau», voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich ch— Ml. etfL Zn- stellunzsgedjihr Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungar» SIö Ml. Mr da» iibrtg, Auslaut 10 25 Ml» bei täglich einmal. Zustellung SL5 Ml. Poftbestellungen nehmen an Dänemarl. Holland. iniremtmrg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen w die Post-Zeitungs-Preisliste. Der„Vorwäns� mit der Sonntag» beilage»Voll u. geit' erscheint Wochen» iäglich zweimal. Sonnlag» euunal. Telegramm-Adreffe: �Zozialdemolral Serlla». Abend-Ausgabe. Oerlinev Oolksblstt. Q¥pffennfgJ Anzeigenpreis l Sit achtgelpalten« Nonpareillezeil» lostet ILO Ml»«leine Anzeigen-, da» tengedruckte Wort SO Pfg. tiuläfstg Z fettgedruckte Worte», fede» weiter» Wort tO Pfg. Stellengesuche und Echlafslellenanzeigen das erste Wort »0 Pfg. fede» weitere Wort l>0 Pfg. Wort» über ld Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Es wurde seinerzeit Turati sogar verübelt, als er nach den Togen von Caporetto in der Kamnler von der Pflicht der Landesverteidigung sprach. Jetzt ist der Krieg vorüber und es gilt für die Partei. aus der heutigen Lage die praktischen und taktischen Folgen zu ziehen, die sich aus der Ablehnung jeder Verantwortung für das Vergangene und für seine tiefgreifenden Nachwir- kungen ergeben können. Die Haltung der Partei in dieser Zeit der Gärung und Neugestaltung wird natürlich wesentlich durch internationale Ereignisse, vor allem durch dierussi- sche Revolution beeinflußt. Und die Einschätzung des kulturellen Wertes und der Lebensfähigkeit des russischen Kommunismus ist begreiflicherweise nicht die gleiche in allen Teilen der Partei, wobei das italienische Proletariat, wie wohl das Proletariat aller Länder, dem tragischen Verhängnis unterliegt, in einer so ungeheuer wichtigen Entscheidung auf Nachrichten angewiesen zu sein, die durch Absicht oder Un- verstand systematisch gefälscht wurden. Auf dem Parteitage zu Bologna traten drei verschie- dene Strömungen zutage, drei verschiedene Bewertungen der durch den Krieg geschaffenen Lage und der sich aus ihr im Interesse des Proletariats ergebenden Haltung der Partei. Ter Sieg in der Richtung' geblieben, die bisher den Partei- Vorstand und den„Avanti" in Händen hatte, den sogenannten M a x i m a l i st e n, die cm die Möglichkeit glauben, eine kommunistische Republik der Arbeiterräte durch bewaffneten Aufstand in Italien zu verwirklichen. Der einstige reformistische Flügel, als dessen Führer Turati gilt und dem fast die ganze sozialistische Parla- mentSfraktion angehört, steht auf dem Standpunkt, daß die durch den Krieg geschaffene Lage für die Partei keine ent- scheidende, mit der Vergangenheit brechende Aenderung der Taktik einschließt. Die bürgerliche Gesellschaft ist durch den Krieg in ihren Fugen erschüttert. Daraus folgt aber— für die Reformisten— noch nicht, daß das Proletariat reif ist, das Bürgertum abzulösen und die Leitung der Gesellschaft in die eigenen Hände zu nehmen. Es liegt vielmehr im Jnter- esse des Proletariats, daß die durch den Krieg geschaffene wirtschaftliche Krise dem heutigen Regime, das sie veranlaßt hat, auch zurLa st falle und daß nicht eine sozialistische Gesellschaft das Erbe der K r i e g s n o t antrete. Die Taktik der Partei müsse darauf gerichtet sein, der Bourgeo sie in dieser Zeit der Zerrüttung möglichst viel Zugeständnisse abzuringen. Die systematische Schulung zum bewaffneten Aufstand lehnen die Reformisten ab. Eine revolutionäre Lage, sogen sie, zeitigt die Gewalt, aber die Gewalt schafft nicht die revolutionäre Lage. Durch den Druck der Verhältnisse haben die Reformisten auf dem Parteitag keine eigene Tagesordnung vertreten, son- dern haben ihre Stimmen mit denen der sogenannten maximali st ischen Einheitsfraktion verschmolzen. Diese Richtung, deren Führer Constantino L a z z a r i und der Abgeordnete M a f f i sind, will die Ziele des Maximalis- mus, aber nicht den Wey des schon jetzt vorzubereitenden be- waffneten Aufstandes. Sie fordert weiter Duldsamkeit für alle Richtungen innerhalb der Partei. Die Eroberung der politischen Macht im Sinne deS kommunistischen Manifestes ist dahin zu verstehen, daß„diese Eroberung die Verdrängung der bürgerlichen Institutionen durch Arbeiterräte anstrebt, in deren Hände die politische Macht übergeht". Ob- Wohl die Tagesordnung der Einheitsfraktion die früheren Reformisten mit einem Teil der früheren Jntransigenten ver- einigte, blieb sie doch stark in der Minderheit: für lle stimmten 339 Delegierte mit 14 880 Stimmen, während für die maxi- malistische Tagesordnung Serrati 1012 Delegierte mit 48 411 Stimmen ihr Votum abgaben. Eine zwar sehr lärmende, aber der Zahl nach winzige Minderheit— 67 Delegierte mit 3417 Stimmen, unter der Fübrung des Genossen B o r d i g a— sprach sich für den bewaffneten Aufstand aus, für die Bezeichnung der Partei als«kommunistische italienische Partei", für den Aus- schluß aller Mitglieder, die den bewalfneten Aufstand ab- lehnen, und für die W a h le n t h a lt ung bei den bevor- stehenden Parlamentswahlen. Die Tagesordnung der Maximal! st en. die von allen Mitgliedern des bisherigen Parteivorstandes, mit Emkgung in Sicht? Roch darf man hoffen, daß die im Arbeitsministerium zurzeit stattfindenden Verhandlungen ein Ergebnis zeitigen, wonach eine erhebliche Verschärfung des Kampfes in der Metallindustrie und ein Urbergreisen desselben auf das Groß- Berliner Verkehrs- und das übrige Wirtschaftsleben unter- banden wird. Soloohl die Unternehmer wie auch die Arbeitervcrtrcter dürfen bei gewissenhafter Würdigung der Streitfragen nicht aus dem Auge verlieren, daß ein einseitiges Verharren auf einem einmal eingenommenen Standpunkt den Konflikt immer mehr verschärft. Die Unternehmer sollten durch weitgehendstes Entgegenkommen beweisen, daß ihre wieder- holt abgegebene Erklärung, sie dächten nicht an einen Abbau der Löhne, auch wirklich ernst gemeint ist. Und die Pflicht der Arbeitervertreter wiederum ist es, der Unter- stcllung, als handele es sich bei diesem Kampfe um politische Ziele gewissenloser Trahtzichcr, durch ernste und objektive Beurteilung der Verhältnisse zu begegnen. Tie auf Tonnerstag vormittag im Arbeitsmini- sterium anberaumte Sitzung zwischen dem Verband der Berliner Mctallindustricllen und den streikenden Metall- arbcitern mußte verschoben werden. Sie wird im Laufe des Nachmittags stattsindcn. Die Möglichkeit einer Einigung ist sehr wohl gegeben, da beide Parteien sich bereit erklärt haben, auf Grund des Schiedsvorschlagcs des Ministers weiter zu verhandeln. Es ist daher kaum anzunehmen, daß es vor der Einigung durch die Verhandlungen zu einer größeren Ausdehnung des Streiks kommt. Ausnahm« LazzariS, vertreten wurde, sei im Hinblick auf ihre große Bedeutung im Wortlaut wiedergegeben: „Der in Bologna vereinigte Parteitag der sozialistischen Partei Italiens erl/nnt an, daß das Programm von Genua durch die Ereignisse und die internationale Lage, die die auf den Krieg folgende Weltkrise geschaffen hat, überholt worden ist. Er erklärt, daß die russische Revolution— diese» beglückend sie Ereignis in der Geschichte des Proletariats— in allen Ländern kapitalistischer Zivilisation die Notwendigkeit gezeitigt hat, ihre Verbreitung zu erleichtern: in Erwägung, daß bis jetzt keine herrschende Klasse auf ihre Herrfchaft verzichtet hat, ohne durch die Gewalt dazu gezwungen zu sein, und daß die ausbeutende Klasse von der Gewalt Gebrauch macht, um ihre Vorrechte zu verteidigen und die Befreiungsversuche der be- drückten Klasse zu ersticken; daher spricht der Kongreß die Ueber- zeugung aus, daß das Proletariat von der Gewalt Gebrauch machen muh, um die Gewalt der Bourgeoisie zurückzuweisen, um die Macht zu erobern und die revolutionären Errungenschaften zu festigen. Er betont die Notwendigkeit, daS Augenmerk auf die gsi- stige und technische Vorbereitung zu richten. In bezua auf die gegenwartige politische Lage und den bevorstehen- den Wahlkampf, beschließt der Kongreß die energischste B e- tonung der kommunistischen Grundsätze und die Zerrüttung der Organe der bürgerlichen Herr. s ch a f t der Wahlagitation zugrunde zu legen. Im Einklang mit den dargelegten Erwägungen beschließt der Parteitag, daS Parteiprogramm umzugestalten und ihm die folgende Formulierung zu geben: In Erwägung, daß in der heutigen Gesollschastsordnung die Menschen in zwei Klassen geschieden sind: die der ausgeben- teten Arbeiter und die der Kapitalisten, die den sozialen Reich- tum inne haben und monopolisieren; daß die Lohnarbeiter beiderlei Geschlechts in allen Berufen und Lagen durch ihre wirtschaftliche Abhängigkeit daS Proletariat bilden, das in einem Zustande des Elendos, der Minderwertigkeit und der Bedrückung gehalten wird; in Erwägung, daß die heutigen wirtschaftlich-sozialen Ein- richtungen, die daS verhaßte politstche System verteidigt, die Herrschaft der Monopolisatoren des sozialen und natür- lichen Reichtums über die Arbeiterklasse darstellen; daß die Arbeiter ihre Befreiung nur durch die S o z i a l i- sierung der Arbeitsmittel fBergwerke, Fabriken, Be- förderungsmittel usw) und durch die gesellschaftliche Verwaltung der Produktion erlangen können; in Erwägung, daß die kapitalistische Gesellschaft und der aus ihr folgende Imperialismus blutige Kriege entfesselt hat und in Zukunft in immer größerem Umfange entfesseln wird; daß allein der Sozialismus zum bürgerlichen und Wirt- schaftlichen Frieden führen wird; daß die in allen Kulturländern zutage tretende Zerrüttung offenkundig den Bankerott anzeigt, der Sieger und Besiegte bedroht; daß die klar zutage liegende Unfähigkeit der bür. gerlichen Klasse, den von ihr heraufbeschworenen Schaden zu heilen, das Einsetzen einer revolutionären Periode tiefgehen- der Umgestaltung der Etesollschaft anzeigt, die zum gewaltsamen Umsturz der kapitalistischen Herrschaft und zur Eroberung der politischen und wirtschaftlichen Mecht durch das Proletariat führt; daß die Werkzeuge der Bedrückung und Ausbeutung der bürgerlichen Herrschaft(Staat, Gemeinde und öffentliche Der- waltungen) in keiner Weise in Organe proletari- scher Befreiung umgestaltet werden können; daß diesen Werkzeugen neue proletarische Werkzeuge ent- gegengestellt werden müssen(Arbeiterräte, Landaöbeiterräte, Wirtschaftsräte usw.), die zuerst in büMerlichem Regime funktionieren, als Organe des gewaltsamen Befreiungskampfes, um dann die Träger der sozialen und wirtschaftlichen Umgestaltung und der neuen kommunistischem Ordnung zu werden; daß die gewaltsame Eroberung der politi- scheu Macht durch die Arbeiter den Ucbergang dieser Macht von der bürgerlichen auf die proletarische Klasse bezeichnen muß und den Eintritt in das Uebergangsregime der Diktatur des gesamten Proletariats;, daß in diesem Regime der Diktatur die geschichtliche Periode dsr sozialen Umgestaltung durch den Kommunismus beschleunigt � werden soll, worauf mit dem Verschwinden der Klassen auch jede Klassenherrschaft verschwindet und die freie Entwicklung jede? einzelnen die Bedingung der freien Entwicklung aller wird, beschließt der Parteitaig: 1. Die Organisation der sozialistischen Partei Italiens den oben dargelegten Grundsätzen anzupassen; 2. der dritten Internationale beizutreten, als dem Organ des WcltproletariatS, das diese Grundsäfte vertritt und verteidigt; 3. bei den aus dem Boden des Klassenkampfes stehenden Gewerkschaften dahin zu wirken, daß sie ihre Tätigkeit auf den vollkommenen Sieg der dargelegten Grundsätze richten." Beinahe drei Viertel der auf dem Parteitag ver« tretenen Genossen haben für diese Tagesordnung gestimmt, wozu sie durch ihr Mandat verpflichtet wareN.� Die Frage der Duldung der Nicht-Maximalisten ist nicht in der Refo- lution berührt. Nicola B o m b a c c i hat die Auffassung seiner Richtung über diese Frage in die folgenden unzwei- deutigen Worte gefaßt, die unter seinen Anhängern auf keinen Widerspruch stießen:„Wir wissen, daß in unfern Reihen Menschen sind, die nicht denken, wie wir; ihnen sagen wir: geht weg, denn später werdet ihr mit Fuß- tritten weggejag t". Eine Würdigung der Bedeutung, die der Sieg der Maxi- malisten auf die Geschicke des Landes haben dürfte, verbietet � sich heute durch die Verhältnisse. Für das innere Parteilebcn zeitigt er eine merkwürdige Situation. Die der wegjagenden Fußtritte gewärtigen Parteigenossen bilden die große Mehr- heit der sozialistischen Parlamentsfraktion. In knapp fünf Wochen finden die Parlamentswahlen statt. In 16 Tagen läuft die Frist für die Einrcichung der Kandidaten- listen ab. Wird man es, aus Zeitmangel, bei den bisherigen Vertretern lassen, obwohl sie in den Augen der obsiegenden Mehrheit veraltet und verzopft sind? Diese und alle innerpolitischen Fragen schrumpfen aber bis zur Belanglosigkeit ein gegenüber dem einen Problem, ob nämlich die Kongreßmehrheit die Macht und Ge- sittung der Massen richtig eingeschätzt hat. Von den sittlichen Werten der Massen, dem Grade ihres so- zialen Gefühls, von ihren technischen Fähigkeiten und ihrer Einsicht in die ehernen Notwendigkeiten der Produktion, mit einem Worte: von dem heute schon erreichten Grade sozia- l i st i s ch e r Erziehung des italienischen Proletariats hängt es ab, ob in Bologna eine frohe Botschaft verkündigt wurde, eine schwerwiegende Drohung geschleudert oder in frevelhaftem Leichtsinn Hoffnungen und Begierden geweckt wurden, die der blutigen Tragödie des Krieges ein blutiges Possenspiel folgen lassen... » Erklärung. Mit dem heutigen Tage nehme ich meine Tätigkeit als Be- richterftatter des„Vorwärts" aus Italien wieder auf. Indem ich die? tue, trete ich in die Reihen der MchrheitSpartei. Wenn ich mich unterfange, aus der Ferne eine derartige Ent- scheidung zu treffen, nachdem ich fünf Jahre lang nichts über meine Heimat erfahren habe, daS nicht durch Haß oder Interessen verzerrt und entstellt gewesen wäre, so bin ich mir wohl bewußt, nicht auf Grund genauer Sachkenntnis zu handeln und nicht das Fazit programmatischer Erwägungen zu ziehen. Meiner Eni- scheidung liegt jedes Aburteilen fern. Ich will mit ihr nicht ein- mal sagen, daß ich mich, wenn ich den Krieg in Deutschland hätte durchleben dürfen, zur Mehrheitspartei geschart hätte. Das weiß ich nicht. Der Krieg hat gezeigt, wie unendlich wenig wir von uns selber wissen. Das ein« aber weiß ich, weil ich e» als unmittelbar trieS- hafte Gewißheit in schweren Jahren erlebt habe, daß das Gefühl der Zugebörigkeit zum eigenen Lande und zum ei- genen Volke zu mir gehört als ein untrennbarer Teil meiner Persönlichkeit. Daß das Vaterland in Not jedes Gefühl inter- nationaler Gemeinschaft in schemenhafte Ferne rückte, wie idj Karl Kautskps 65. Geburtstag. Zu Karl Kautsky, der heute in voller geistiger frische seinen 65. Geburtstag begeht, blickt das ganzb sozialistische Proletariat, ohne Unterschied der Parteirichtung, auf. Hat doch jeder, der heute über theoretisches sozialistisches Wissen verfügt, in der einen oder anderen Form von Kautsky und durch Kautsky gelernt. Viele Tausende verdanken seinen popularisierenden Schriften den Schlüssel des Verständnisses zu den klassischen Gedankengängen Karl Marxens, weitere Tausende haben an der Hand seiner Schriften ihr marxisti- sches Wissen weiter geschult und weiter ausgebaut. 'Die wissenschaftliche Leistung Karl KautskyS für die Sozialdemokratie ist unbestritten. Seine politische Leistung wird bei den gerade jetzt besonders hoch gehenden Wogen des Meinungsstreites mehr kritisiert denn je. Denn Kautsky ist nicht nur stiller, in die Gelehrtenstube zurück- gezogener Wissenschaftler, sondern aktiver Politiker, stets bestrebt, seine theoretischen Erkenntnisse bei allen Tagesfragen in praktische Konsequenz umzusetzen. Daß er dabei manches Mal gefehlt hat, wer möchte es bezweifeln? Ist doch Politik eben nicht nur„angewandte Wissenschast", sondern noch etwas mehr, was sich wissenschaftlich weder wägen noch messen läßt. Dennoch stellt Kautsky kraft seines Wissens und seiner theoretischen Durchbildung eine unbestrittene poli» tische Autorität dar, und wir können mit einem ge- wissen Stolz konstatieren, daß sein wissenschaftliches Urteil heute unserer StaatSauffassung wesentlich Recht gibt. wenn auch politisches Temperament und Fragen der ver- gangenen Kriegspolitik Kautsky den Reihen der Unabhängigen zugeführt haben. In der Frage„Demokratie oder Rätediktatur?" hat Kautsky mit unerschütterlicher Konsequenz an dem Stand- Punkt der Demokratie festgehalten, während die meisten seiner engeren Parteigenossen immer mehr in die Gedanken- gänge des Bolschewismus hinllberglitten. Kautsky hat Stand gehalten, aber sein Einfluß in der U. S. P. D. ist in- folgedessen stark gesunken, so daß auf der letzten Partei- tagung der Unabhängigen direkt das Verlangen geäußert werden konnte, Kautsky von Partei wegen einen Maulkorb anzuhängen, weil seine Wissenschaft die Partei schädige. Auch zu dem pompösen Artikel, mit dem die„Freiheit" ihn heute eiert, dürfte Kautsky etwas wehmütig— frei nach Lessing— agen:„Wir wollen wenigör erhoben und fleißiger b e- o l g e t sein". Ueber den geistigen Kampf Kautskys gegen die bolsche- wiftische Theorie sindet Otto Bauer in dem soeben er- schienenen Wiener„Kampf" ein paar sehr treffende Worte. Nachdem er Kautskys Kampf gegen die revisionistische Strö- mung um die Jahrhundertwende geschildert hat, fährt Bauer fort: Mit gleicher Festigkeit»me damals die revisionistische be- kämpft Kautsky beut« die bolschewistische Modetheorie. Di« russische Oktoberrevolution gab zum erstenmal dem Pro- ledariat die Herrschaft über ein ganz«? große? Reich: si« bat da- her die leidenschaftliche Begeisterung der Proletarier aller Länder bervorgerufen. Die Perelendung und Ncvolutio-nierunq der Massen durch den Krieg trieb überall zur Nachahmung. So ent- stond auS der Stimmung der Massen die neue M o d e t h e o r i e. Sie betrachtet die Kampfmittel und Organisationsformen, die dem russischen Proletariat ganz besondere, örtlich und zeitlich be- dingte, in Rußland selbst teilweise schon überwundene, in keinem anderen Lande wiederkehrende Um- st ä n b e aufgedrängt haben, als die allein möglichen, allein ziel- führenden Kampfmittel und Organisationsformen, deren sich die proletarische Revolution in jedem Lande, zu jeder Zeit, unter allen Umständen Mdicnen müsse. Die russische Methode wird ihr zum Kanon aller proletarischen Revolution. Moskau ist ihr Mekka und Lenin ihr Prophet. Kautsky widersetzt sich dieser Kanonisierung. Und sofort erheben sich all« gegen ihn, die immer gern nach der letzten Mode frisiert sind. Wie vor anderthalb Jahren, al? er die Grenzen der Leistung?'ähigkcit der Gewerk- schalten feststellte, die Gewerkschaftsbureaukrvtie ihn der Feind- schaft gegen die Gewerkschaften zieh, so schilt ihn heut«, weil er den Wunderglauben an die Wunderkrast de?„Räteshstemö" nicht teilt, die neue Räteführerschaft einen kleinbürgerlichen Re- formisten. Und weil er den Weg nicht gehen will, der nach seiner, in ökonomischer und historischer Erkenntnis gegründeten Ucber- zeugung zur verhängnisvollen Niederlage der Arbeiterklasse führen muß, darf der jüngste Novemberkommunist den greisen Revolutionär einen„Sozialver- räter* schimpfen. Aber der Fünfundsechzigjährige ist so unbeugsam und so kampflustig wie in seinen jüngsten Tagen; eine prächtige Streitschrift nach der anderen schenkt uns seine unermüdliche Feder. Die letzten literarischen Erzeugnisse Kautskys, auf die Bauer hier anspielt, sind an dieser Stelle eingehend gewür- digt worden, namentlich die Schrift über„Terrorismus und Kommunismus". Von den dort niedergelegten Auffassun- gen trennt uns keine grundsätzliche Schranke. Würde die ganze unabhängige Partei sich entschließen, auf den Boden dieser Schriften ihres bedeutendsten Theoretikers zurückzukehren, so könnte die Einigung des Prole- t a r i a t s von heute auf morgen Tatfache werden. «.Wahrheit" unö Freiheit". In der gestrigen Sitzung der Preußischen LandeZversammlung hat der Abgeordnete Dr. KurtRosenfeld sich darüber beschwert, daß die berüchtigte Zeitung„Wahrheit* ihn bezichtigt hätte, gegen hohe? Honorar Satzungen für einen Spielklub entworfen zu haben, und hat ganz ungerechtfertigt den Ministerpräsidenten Ge- nassen Hirsch, der doch sicher mit diesem Antisemitenblatt nichts zu tun hat, mit der Sache in Verbindung gebracht. Aber das ParteiblattdeSDr-KurtRosenfeld. die„Freiheit*, beschuldigt wahrheitswidrig den Polizeipräsidenten von Charlotten- bürg, Genossen Richter, Mitglied eines Spielklubs. Soieler und Trinker zu sein. Darüber entrüstet sich Dr. Kurt Roscnfcld nicht! Für uns aber steht fest, daß die»Freiheit* auf dem Niveau der „Wahrheit" gelandet ist._ Kartoffelernte und Schweinehaltung. Von einem ländlichen Sachverständigen wird dem„Vorwärts" geschrieben: Die Kartoffelernte fällt wesentlich geringer aus, als man vor kurzem noch erwartet hatte. Dennoch besteht keine Gefahr, daß sie für die Ernährung der Bevölkerung nicht ausreichen könnte. Sehr viel schwieriger wird eS sein, zu verhindern, daß die Knappheit an Kartoffeln nicht einen Rückschlag in der Schweine- Haltung bringt, während doch im Gegenteil deren weiter« Förde- rung mit Rücksicht auf die Schonung der Rindviehbeständ« und die allmähliche Defreurng von den großen Ausgaben für Auslandsfleisch und-fett dringend erwünscht wäre. In den VorkriegSjahren hatte geringe Kartoffelernte jedesmal eine starke Einschränkung in der Schtreinebaltung zur Folge, die für die Bevölkerung dadurch zur Geltung kam, daß das Angebot an Schweinefleisch im Winter und Frühjahr de? schlechten ErntejahreZ selbst stark, im nächstfolgenden Herbst und Winter und noch weiter- hin aber knapp und teuer wurde, auch wenn die Ernte dann gut war. Das liegt daran, daß die Landwirte, besonders auch die kleinen und kleinsten, in deren Händen die Schweines u ch t zum größten Teil liegt, sich auZ Mangel an Kartoffeln und in der Be- fürchtung, daß die Ferkel billig würden, veranlaßt sahen, aueb die Sauen, die ja bei nächster besserer Ernte verhältnismäßig leicht wieder zu ersetzen waren, abzuschaffen. VolTSnnrtschaftl'ch machte sich damals so�ch zeitweiliger Ausfall einer erheblichen Anzahl Muttertiere sogleich stark bemerkbar: bei unserer jetzigen Lage wäre eS ä u ß e r st bedenklich, wenn et z u einer Einschränkung namentlich der Zuchtschwein« und damit zu einer Verringerung unserer ganzen Schweinebe st ände für längere Z e i t t S m e. Es erscheint daher dringlich notwendig, daß Maßnahmen getroffen werden, die da? verhindern, was um so leichter durchführbar sein müßte, als erstens die Zuchtschweine mit ihrem jungen Nachwuchs verhältnismäßig billig zu ernähren sind und zweiten? die Landwirtschaft im eigenen Interesse mit Rücksicht auf die sonst gefährdeten Nindviehbestände willig mithelfen wird. auch heute fühle und weiß, daß jede Kränkung, Bedrückung und Beeinträchtigung eines Volkes sein nationales Gefühl steigern muß bi» zum Fanatismus und daß sich eine wirklich in den Her- gen wurzelnde internationale Gemeinschaft nur auf dem Verstehen und Achten jeder Nationalität bilden kann, nie aber ausgehen kann vom N ich tver stehen und Nichtachten des eigenen Volkstums. Ich spreche niemand, am wenigsten meinen Freunden vom früheren linken Flügel der Partei, den guten Willen und die lau- tersten Absichten ab, aber vergessen kann ich es nicht, daß unseres Volkes Feinde die Worte und Taten der Unabhängigen gegen Deutschland gewendet haben in unseres Landes schwersten Stun- den. Ich achte den, der an daS Ideal des Internationalismus glaubt und es höher stellt als die Liebe zum eigenen Lande, aber ich fühle nicht mit ihm. Wer den Krieg in der Fremde durchlebt hat, wo Haß und Geifer und Lüge tagtäglich den Namen unsere? Volkes in den Kot zog, für d e n hat das Wort Vaterland und Heimat einen besonderen Klang'bekommen. Und wer als Sozialist emp- findet, daß ihm Heimatbodcn heiliger Boden ist, wer die Vater- landsliebe de? Ausländer? aus der eigenen Vaterlandsliebe her- aus zu achten und zu verstehen sucht, dessen Platz ist— soweit ich deutsche Verhältnisse auS der Ferne beurteilen kann— in den Reihen der Mehrheitspartei, in Erwartung jener Zeiten, wo eS in der deutschen Sozialdemokratie keiu Hüben und Drüben mehr gibt. Rom, 10. Okiober ISIS. Oda Olberg. Der Krkeg im DaltenlanÜ. Im Baltenland wird fest geschossen. Die Bolsche- wisten treten dabei in den Hintergrund der militärischen Absichten. Die antibolschewistischen Brüder haben sich in den Haaren. Die in die Verbände des Nordwestrussen B e r- mondt Amaloff übergetretenen ehemals reichsdeutjchen Truppen stehen nach Rigaer Meldungen bereits im ernstesten Kampfe mit den Letten. Die Deutschen sind dabei sehr beträchtliche Gegner, da sie über Artillerie verfügen. Sie schießen damit auf R i g a, daS in den Händen der ver- einigten Letten und Esten ist. Wir können unS bei der Beurteilung der Lage im Augenblick nur auf lettische Meldungen stützen, die natürlich sehr hoffnungsfreudig sind und mit größter Vorsicht aufge- nommen werden müssen. So wird behauptet, daß das lettische Oberkommando ein Friedensangebot Ber- mondt Amaloffs entschieden abgelehnt hat. Weiter wird festgestellt, daß die bei den Kämpfen bei Olei und Riga ge- machten Gefangenen aus BermondtS Truppen fast aus- nahmslos Reichsdeutsche gewesen seien, und zwar bayerische Trupven, die crst unlängst nach Kurland gebracht worden sind. Weiter sehen die Letten als bewiesen an, daß trotz!>er Ententeforderung kein Rücktransport, sondern neuer Abtransport deutscher Truppen stattgefunden habe. Da? Eintreten Reichsdeutscher in russische Formatio- neu sei durch die deutsche Regierung nicht verhindert worden. Zwischen den„richtigen" Russen und den„deutschen" mache sich ein G e g e n s a tz bemerkbar, der sich durch das Gedenken an die alte Waffenbrüderschaft von Russen und Letten gegen Deutschland zugunsten der Letten bemerkbar machen müsse. Eine Meldung aus Kowno berichtet, daß die litauischen Truppen von der bolschewistischen und polnischen Front gegen die in Schaulen stehenden deutschen Truppen des Obersten Wirgolitsch abgezogen worden sind. Durch Vermittlung des Generals Eberhard, der sich bei den Litauern eines guten NufeS erfreut, wurden Verhandlungen eingeleitet, die augenblicklich noch im Gange sind. Tie Litauer fordern unbedingte Räumung des litauischen Gebietes._ HaaseS Befinden. Der Gesundheitszustand HaaseS. der am Mi tt- wach ein außerordentlich ernster war, hat sich ein wenig gebessert. DaS Fieber steht nicht mehr ganz so hoch w-i« am Tage zuvor. Der neue Kurs. Am Montag ist vom Kreistag in Kalau Ge- noss« Wendemuth zum Lcmidrat deS.Kreises Kalau-Senftenberg mit LS gegen 9 Stimmen gewählt worden. Die Teusrungszulage. Tstte Tragikomödie vcm Theodor Thomas. .In der nächsten Zeit soll'S auch wieder eine Zulage gaben, lange genug hat's gedauert.* Diese iuhaltschweren Worte sprach wähoend de« Kaffees so ganz nebenbei Toni Hartmann zu seinem EhegesponS, die gevade m» Brot schneiden beschäftigt war. Lina gab nur so obenhin«in paar Brummkaute von sich, d» wie Mmmmm klangen, säbelle aber ruhig an der Brotrinde weiter. WaS war da groß zu sagen. Gebrauchen konnte ste eS schon lange. Sie packte Toni daS Brvt ein; da auch er nicht« weiter sprach, vxrr die Teuerungszulage Mischen den beiden theoretisch erledigt. Er glaubte, seine Frau müsse eS gar nicht richtig verstanden haben. Sonst hätte sie doch wohl mehr dazu gesagt, wie nur Mmmmm... .Da» hat die nich kapiert. Für daS Geld laß ich mir einen tipp-toppen Wintermantel bauen. Aetsch, ätsch, lachte er sich heim- sich zu; gesagt Hub ich'« ihr, wenn e« sie nicht interessiert, i» es mir auch recht. Lina hatte die paar Wort« von Tont absr recht gM verstanden. Die Teuerungszulage ging ihr nicht mehr aus dem Sinn. Wenn sie nur gewußt hätte, was Eigentlich dabei herauSspringt. Gerade jetzt gab e» viel zu kaufen: Holz für den Winter, Wäsche für die Kinder und— ein paar Stiefel für Toni. Mit denen er jetzt auf republikanischem Boden walzt«, da» waren nur noch Irrgärten für die Fußzehen. Im ersten Stock wohnte eine gute Freundin. Die zog Lina in« Vertrauen, mit ihr beratschlagte sie, wieviel„eS* wohl ssim könnte. Die wußte eS auch nichts Sie hatte aber in der Zeitung von der Staatszulage für die Beamten gelesen, deshalb bemerkte sie:.So an die zwölfhundert Mark bei drei Kinder» werden wohl heraus- kommen.* Die gute Frau meinte nämlich, der preußische Landtag bewillige gleich für alle zweibeinigen Wesen eine Teuerungszulage. Frau Hartmann schwamm in Wonne. Sie bestellte Holz und Kartoffeln, suchte für die Kinder wollene Beinschläuche auS, kaufte Wäsche, drei Pfund amerikanisches Schmalz, für ihren Mann Stiefel, kurz, sie tat wie ein Kriegsgewinnler. Nur daß der bar- geldlos au« seinem Bankkonto bezahlt, während sie bargeldlos auf- schreiben ließ,» conto der Teuerungszulage. Toni Harkmann seinerseits gab sich nicht mit Klsinigksiten ich. Gr suchte sich Stoff für einen Wintermantel au», der mit Futter und Macherlohn 525 M. kosten sollte. Endlich wurde die Zulage bewilligt. Hartmann erhielt 600 Emmchen. Zwölf Fiinfzigmarkscheine legte ihm sein Meister hin. Nachdem sich Toni überzeugt hatte, daß kein falscher dabei war, ver- steckte er den Scyen heimlich in seinem Bücherschrank, damit ihm die Lina nicht druber komme, die gern die Taschen»reinigte*. Zu Hause sagte er aber kein Wart. Wohl war e««hm dabei nicht. Bei jedem Satz, wo so etwa» wie.teuer*,.Lage* oder auch rmr ein.zu" vorkam, zuckte er zusammen. Ihm schmeckte beinahe kein Essen mehr. Er magerte zusehends ab, fortwährend sah er ängstlich fei dl« Eck«, w der die»Zwölfe* versteckt waren. Lina schlich schon seit einigen Tagen wie jenes fabelhafte Wesen um ihn herum, das an Kopf und Brust wohl einem Frauenzimmer ähnelt, sonst aber Löwenkrallen hat. Auf einmal gab ste ihm folgende» Rätsel auf: .Hartmann, wo hast du die Teuerungszulage?" Wenn sie bö» war. sagt« sie nämlich kurz und knapp:.Hart- mann*, die Betonung auf.Hart*. Er zog sich ganz in sein wollene» Jägerhemd zurück und hauchte nur so hin: .WaS hast« gesagt, Linchen?" „Komm mir nicht mit dem Schmu»; ich pfeif auf dein.Lm- chen", wo die Teuerungszulage ist, will ich wissen.* _.Ach so, die Teu— Teuerungszulage? Hast du mich erschreckt. Weißt du da» nicht? Dafür wollt ich mir doch«inen Mantel machen lassen, ich brauch ihu doch so nötig." .Du garstiger Kerl, ich bong« Holz, Fett, Stiesel und Wäsche zusammen und du verplämperst da» Geld in LuxuSwaven! Jetzt ham mir tausend Mark Schulden. Zu was brauchst du«n Mantel?" Toni griff mit den Händen wie ein Ertrinkender um sich Lotse stöhnte er:»Tausend Mark Schulden, sagst du?" .Ja. Hier und hier— und da und die- und hier.. Si« schmiß ihm ein halbe» Dutzend.Nota?" auf den Tisch und feuert« seine neuen Stiefel auf den Küchenboden:»Die biste gar nicht wert," schimpfte sie. Hierauf setzte sich Lina an den Küchen tisch zag einen Flunsch und begann zu weinen, daß es Toni fast das Herz zerriß. Zwei Minuten führte er einen innerlichen Ringkampf mit den zwölf Fünfzigern, dem Wintermantel, der schluchzenden Lina und der trüben Aussicht, nächsten Winter wieder dt« Knochen zu«r- frieren. Endlich sagte er:»Lina, Mutter,'s war doch bloß ein Spaß, ich bring dir das Geld." Wie ein geschlagener Mann hotte er auS seinem Büchergestell zwischen den Blättern der Schrift:.Wie werde ich energisch?* das Dutzend grüne Scheine hervor. Er übergab sie seiner Frau mit einem Bück wie einer, dem eben fein liebstes Kind gestorben ist. Sie aber dreht« sich schnell um, griff nach dem Paket und schon getröstet, halb noch weinend, halb lachend, stieß sie einen Freuden- schrei aus.(Sie wußte noch nicht, daß es nur zwölf« waren.) Zärt- sich sagte sie: „Ich mein, es ist doch auch nicht schlimm wegen dem Mantel. Wir fafoen zehn Zentner Holz und weißte was?, wir gehen immer abends früh schlafen. WaS brauchst« dmm da einen Ueberzieher?* Er blickte sie trüb an. Hätte Lina genau hingesehen, hätte sie merken können, daß an seiner Wimper eine Trän« hing. Sie tat es nicht, so brauchte sie sich auch nicht den Kopf zu zerbrechen, weinte er über ihre Worte, über die Schulden, über den verlorenen Mantel, über die Teuerungszulage oder über fein ganzes Elend... Strindberg« Traumspiel kam gestern neu«instudiert im Theater in der Königgrätzer Straße zur Darstellung. Liegt diese« Werk weher Not nicht irgendwie vor unserer Zeit? Sein Ton bricht hervor aus Menfchcnleid, das wir ewig nennen. An ihrem Glück-vsrlangen vergehen die Menschen, so»der so. Nicht gewinnen oder nicht Batten können ig da» immer verhängte La«. Immer blutet als Erabgefang das klagend« Wort:„ES ist schade um die Menschen*. Aber all die Szenen d«S Lebens, d.e der Dichtertraum Strindberg« vorüberdämmern läßt, können sie heute uns genügen als Bilder, unser trübcS Missen vom Glück zu erweisen? All die schweren Fragen, die der Dichter auftvirft, knüpfen an Dinge an, die heute so klein scheinen. Wir sind nicht mehr die kleinen Men- schen der Jahrhundertwende. Masscnmordwagen sind zerquct- sehend, zerschneidend über die Menschheit hingeroll!. Wie wahr Strindbergs Schmerz wühlt, für dies Erleben gibt er keine Sym- bole. Sein Tlklumfpict liegt vor unserer Zeit. Auch an der Auf- führung wird daS fühlbar. Die Regie tauchte das Ganze allzu nachgiebig in den Ton gedämpfter, wehender, weher Klage. Die Hebungen waren zu wenig betont. Wir fordern aber harte, scharfe, schneidende Laute. Em Dornengepeitschter, wie der Advokat, muß Cchicksalswuchten bezeugen. Alfred Abel blieb aber in wei- tem Abstand von dem stark klopfenden Menschenherzen Irene TrieschS, der zum Erdenstaub niedergeschwebten, in Erdennot rin- genden Tochter JndraS. Der Offizier Ludwig HartauS war von feinredenden Schwingungen belebt. k. ä. 2009 neue Briefmarken. Das Jahr 1919 wird in der Geschichte der Briefmarken wohl auf lang« hin ein« einzigartige Stellung ein- nehmen, denn noch niemals vorher sind so viele neu« Briefmarken ausgegeben worden. Die Gesamtziffer der verschiedenen neuen Briefmarken, di- seit dem Dezember 1918 tu Nmlauk gekommen sind, beläuft sich aus etwa 2000. Der höchst« Rekord, der bisher in der Ausgabe von Brieftnarken gehalten wurde, fiel in da« Jahr 1914, wo in der ganzen Welt 1236 neue Briefmarken in die Er- scheinung traten. Etwa 1500 der neuen Marken entfallen auf die Schöpfungen der neuen europäisckxn Staaten. Polen hat jeit dem Waffenstillstand mehr alß 400 verschiedene Briefmarken ausgegeben; an zweiter Stelle steht die Ukraine mit etwa 175 neuen Marken. Dt« Tschechoslowakei und Jugoslawien machen sich mir 150 neuen Briefmarken, die jeder Staat pesämsfen hat, den dritten Platz streitig. Dann kommt das heißumstrittene F i u m e mit 75 neuen Marken. Di« übrigen Staaten haben durchschnittlich zwischen 30 und 50 neue Briefmarken in den Verkehr gebracht. Am be- scheidenften war die transkaukasische Republik Georgien, die sich hiSher mit vier Werten begnügt hat. Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen hat eine einheitliche Iriefmarkcnausgabe vorgenommen. DaS Neueste vom Briefmartenmarkt sind eine Serie von KriegSmarken, die Monaco ausgegeben hat. Italien bringt eine neue 15-Eentesimi-Marke in den Verkehr. Die Familienbriefe Karl Liebknecht» au» dem Felde und au» dem Zuchthaus gelangen in Kürze zur Veröffentlichung. Im Ver- lag« von Karl Reißner in Dresden wird von Harry Schumann eine Biographie Karl Liebknechts erscheinen, die Familie Liebknechts hat dem Verfasser außer zahlreichem, bisher unbekanntem Material auch feinen Briefwechsel zur Veröffentlichung überlassen. Eine Kunstaasstellung«m Dheater versucht da» Bremer Schau. spiethau» einzubürgern. E» hat mit etwa 60 Eemälden eine Ausstellung von Werken lebender Maler eröffnet, um den beule schwer ringenden Malern zu Helsen and dem großen Publikum Werte der jungen bildend ea Ruait»irwch nah«»u bringen. die MSglichkeit gegeben, die MßstSni« in der sozialen Lage deS Personals zu beseitigen. Es wird erwartet, dah die vom Gemeinde» orbeiterverband eingereich. m Anträge zum Gesetzentwurs in vollem Umfange berücksichtigt werden. ES wirb erwartet, daß sich das ge- samte in den Kranken-, Pflege- und Badeanstalten des Reiches be- schäftigte Personal dieser Erklärung anschließt und gegen jede Ver- jchlechterung der Arbeitszeit ankämpfen wird. Tarifabschluh der Fenster- und Messinqpuher. Nach ihrem am 80. September abgelaufenen Tarif hatten die Fenster- und Messingputzer einen Wochenlohn von öl) M. und für Aushilfsarbeiten einen Tagelohn von 15 M. Für den Abschluß des neuen Tarifs wurde«in.Wochenlohn von IW M. gefordert. Die Verhandlungen mit dem Ärbeitgeberverband führten nicht zur Ver- siundigung. Deshalb wurde der Schlichtungsausschuß Groß-Berlin angerufen, der am letzten Montag einem Schiedsspruch fällte, welcher folgende Bedingungen festsetzt: Der Mindestlohn beträgt nach ein- jähriger Beschäftigung für Putzer 110 M., für Putzerinnen 80 M. wöchentlich, für Aushilfsarbeiter 21 M. täglich. Der Lohn der An- fänger unterliegt der freien Vereinbarung, nach einer Beschäftigung von einem Vierteljahr erhalten sie 6ö M., nach einem halben Jahr 7ö M., nach drei Viertelsahren 85 M. lleberstunden dürfen nur in dringenden Fällen gemacht werden und sind dann mit einem Zuschlag von 25 Proz., Nachtarbeit mit 50 Proz. zu bezahlen. Für Etagenarbeit wird ein Zuschlag von 10 Proz., für gefährliche Arbeit sphotographische Ateliers, Bahnhöfe, Fassaden) ein Zuschlag von 25 Proz. gewährt. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt slZiü Std. Frauen dürfen als Anfängerinnen nicht eingestellt werden. Aus- gelernte Putzerinnen dürfen nur beschäftigt werden, wenn sie bei Abschluß des Tarifs als solche in Arbeit stehen. Neueinstellungen von Putzerinmen dürfen nicht stattfinden. Urlaub wird gewährt nach einer Beschäftigungsdauer von einem halben Jahr 3 Tage, nach 1 Jahr 0 Tage, nach 2 Jahren 8 Tage und dann jedes Jahr einen Sog mehr. In der am Mittwoch abgehaltenen sehr stark besuchten Ver- sammlung der Fenster- und Messingputzer empsahl Lambrecht namens der Lohnkommission und der Vertrauensmänner die An- nähme des neuen Tarifs, da derselbe immerhin einen Erfolg be- deute, wenn auch nicht alle berechtigten Wünsche der Kollegen er- füllt werden konnten. Nach einer längeren Diskussion beschloß die Versammlung ein- stimmig die Annahm« deS Tarifs. Da derselbe vom S. Oktober an läuft, muß von diesem Tage ab die Lohnerhöhung natürlich nach» gezahlt werden._ Den Zusamnienschlust im graphischen Gewerbe behandelte eine Veriammlung, die zu Dienstag vom«Noten Voll- zugsral" einberufen war. Der Referent Wegemann äußerte sich dahin, daß die ganze Popierindustrie zuiammenzu'ossen sei. Man wolle dabei nichl die Gewerlschaflen zertrümmern, sondern sie aus- bauen und der Neuzeil anpassen. Er wolle keine Partcipolitii be- bandeln, konnte aber nichl umbin, die radikale Parteipolilik ganz besonders herauszustreichen. Die Wege der radikalen Richtung wären die richtigen, das sehen auch jetzt schon viele Rechts- sozialistcn ein. Wir haben vor, die Arbeiter in Industrie- verbänden zu veieiiiigen; sollte sich die Reakrion von rechts er- heben oder, was aller Wahricheinlichkeit nach bald eintreten wird, der Zusammenbruch der jetzigen Regrerungs- Wirtschaft eintreten, dann muß das geeiniate Proletariat den Ausbau deS zusammengebrochenen Deutschen Reiches über- nehmen. Nur durch den engen Zusammenschluß können wir aus dem Zerfall hcrauskoninien. In der Dislu'sion kam zum Ausdruck, daß das graphische Gewerbe in drei Unterausschüsse einzuteiten wäre, und zwar: 1. Buch- und Zeilunqsbetriebe, 2. Papierwaren und«fabrlkalion und 3. Pappenfabrikalion. Es kam weiter zum Ausdruck, daß durch den engen Zusammenschluß in Jndusirie- verbände das reine unverfälschte Räteshstem verwirklicht werden könnte, um dann späterhin den zu bildenden Sowjets die pvliiische Macht z u übertragen. Man gibt sich der Hoffnung hin, daß durch zähe Arbeil auch die Buch- drncker für die Idee gewonnen werden. Die Gewerkichafien wolle man nicht bekämpfen, sondern sich derselben zur Ver- wirklickung des BetriebsrätesystemS bedienen. Eine im Sinne der Ausführungen lautende Entschließung fand Annahme. Die„Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände" schreibt unS: Die kürzlich durch die Presse veröffentlichte Notiz, wonach der Regierungsbaumeister M i l a tz, Direktor des Z« p p e l i n b a l l e n- ba u es in Berlin, 60 Proz. seiner Angestellten zum 31. Oktober ge- kürdigt habe, weil die Angestellten um Anerkennung des für die Berliner Metallindustrie abgeschlossenen Tarifvertrages baten, ent- spricht nicht den Tatsachen. Nach der uns gegebenen Darstellung mußten wir allerdings zu d« m der oben erwähnte« Notiz zu« Ausdruck gebrachten Auffassung gelangen. Zwecks Klärung der Sachlage hatte sich der uns angeschlossen« Bund der technischen An- gestellten und Beamten mit der Direktion des Zeppelinhallenbaues in Verbindung gesetzt. In einer gemeinschaftlichen Sitzung der Di- rektion und des Angestelltenausschusses wurde in Gegenwart eines Vertreters des Bundes festgestellt, daß die Kündigungen aus Ar- beitsmongel erfolgt find. Die Firma hat in der Hoffnung, nach Ratifizierung des Friedersvertrages Aufträge aus Amerika zu er- halten, größere Projekte ausführen lassen, für die sich bisher jedoch kein« Abnehmer fanden. Nachdem durch den Friedensvertrag die Möglichkeit, für den Luftschiffhallenbau Aufträge zu erhalten, noch geringer geworden ist, kann die Notwendigkeit einer Verringerung des Personals nicht von der Hand gewiesen werden. Im übrigen hat sich der Herr Direktor Milatz bereit erklärt, in neuen VerHand- lungen über die Kündigungen den Angestellten enizcgenzukommen und in eine Nachprüfung der bereits erfolgten Kündigungen einzu- treten._ Bnnd der technischen Angestellten«nd Beamten. Orisverwaliung Berlin Norden IV: 17. Oltober in.LamvertS ffeitsälen', Schönhauser Allee 129; Mitaliedervcrsammlung und Zodlabend siir Einzelmitglieder.— Ortsgruppe Süd» st. Freitag, den 17. Oklober, abends Uhr, im großen Saal des„Reichenberger Sdoies", Ncichenberger Strafte 145: Oefscntliche Milgliederveriammlung. Tagesordnung in der Veriammlung. Deutscher Werkmeisterverband. Freitag, den 17. Oktober, abends 6 Uhr: Versammlung aller Angestellten der Wagen- und Karosseriefobrilen im Restaurant.Belnedere', sslannowitzbrllcke 2. Tagesordnung: Bericht über den Stand der Tarijverhandlung. SchwarUkoPfarbeiter B. M. R. G.-Wtldau. Sonnabend. 18. d. M., mitlaos 12 Uhr: Kasino. Auszahlung der Streikunterstützuilg(Nr. 1—1200) der Streilkarte. Knorr-Brrmse. Die Auszahlung der Streikunterstützung findet nicht am Freitag, sondern Sonnabend statt. Kruvpe Ii 9 Uhr, 2: 10 Uhr. 3: 11 Uhr, 4: 12 Uhr, 5: t Uhr im Cass Bellcvue. Zei-tralmband der Angestellten. Bez. Osten. Heute(Donnerstag) abends 7>/, Uhr bei Heinrich. Kr. Franksurter Straße 30: Mitglieder- Versammlung. Velkswirtschastlicher Vortrag des Kollegen Rudolf B i e n I o w s k i. Scrantm. für den ecbcttion. Teil: Allred Scholz, Neukölln: fllr Anzeigen: Theodo« »locke. Berlin Verlag: Vorwärts-Verlog<8. m. b. Berlin. Druck: Vorwärts. Buchdruckerei und Berlaosanstalt Vaul Linaer u. Co. in Berlin Sindenstr. Z. Morgen Freitag, den 17. Oktober, vormittsgs 9Vj Uhr, im„Deutschen Hof", Luckauer Str. 15: �ertrauenssnannes*. VersarcsmSiang. IIa Büclidrucksr und dar Heizgrstrelk. Pünktliches Erscheinen erwünscht Der Gauvorstand. Verband der Tapezierer Freitag, de« 17. Oktober, abends pünktl. 7 Uhr, in den Tentral-Zeftsalen, Alte Jakodstr.Zll(Epiegelsaal) Mitglieder> Versammlung. Tageoordnung: Das Endergebnis der Tarifoerhandlung. Diskussion. Es ist Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen, tn dieser beschlnhlassenden Verscwnnluug zu erschrinen. 178,7 Sie Ot(«oertoaIh»na. Stoffe siir Herren-ÄazOge, damen-Kostünie. Meter 30,—, 40,— ,60,— ,80,— M. 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Kolonialwerte allerdings wiesen geringulgige KurSabschwächungen auf. Sehr fest waren wieder auSltindiichc Papiere wie Schantung, Dt. Uebersee und Türkische Tabak-Aktien. Elektrizitätspapiere waren im allge- meinen gut gehalten. Farbwerte schlössen sich der Aufwärts- bewegung an, Rüstungspapiere zeigten uneinheitliche Ten- denz. Banken waren vernachlässigt, heimische Anleihen gut be- hauptet. GroßSerlw Die elektrische Bersorgun� BerliuS. Die Nachricht, daß Berlin bereits heute nachmittag mit völ- ligem Aussetzen der elektrischen Kraft für die Straßenbahnen, Hoch- bahnen und der Beleuchtung bedroht sei, entspricht nicht voll den Tatsachen. Im Elektrizitätswerk Danziger Straße arbei. tcn die Heizer und Maschinisten noch und die BcrtraucnZmSnner verhandeln mit der Direktion. Auch im Elektrizitätswerk Dan- 5 i g e r Uf e r ist kein Streik ausgebrochen, noch unmittelbar bevor- stehend; auch hier wird verhandelt. Das Elektrizitätswerk Moa- b i t und B. E. W. soll davon bedroht sein, daß der Strom für Be» leuchtung und Straßenbahn abgeschnitten wird. Die städtischen Gebäude polizeilich bewacht. Zur Vermeidung von Zwischenfällen werden das Rathaus, das Stadthaus, die S p a r t a s s e und andere Gebäude, in denen städtische Bureaus untergebracht sind, von Mannschaften der Sicherheitswehr bewacht. Es sind zahlreiche Streikposten aufgestellt. Streik der städtischen Arbeiter in Neukölln. Die städtischen Arbeiter haben gestern den Bcrtretern der sind- tischen Körperschaftcn erklärt, daß sie aus Anlaß des Hilfsanze. stclltcnstrcikS ebenfalls in einen Streik eintreten würden. Besondere Forderungen für sich haben die Arbeiter nicht gestellt. Der Streik ist denn auch gestern 12 Uhr mittags in Kraft getreten. Infolge- dessen war NeukSlln denn gestern abend bereits ohne Licht. Ver- Handlungen, dir heute vormittag stattgefunden haben, führten zu dem Resultat, daß die Arbeiter bis heute abend weiter die Not- standSarbeite,, ausführen würden. Inzwischen werden weitere Ber- Handlungen stattfinden. Bon den Vertretern der städtische« Körper. schaftcn wurde erklärt, daß sie in Gemeinschaft mit Berlin die weiteren Verhandlungen führen möchten. Mit ZK Geldbriefcn durchgebrannt ist gestern der A iShelfer Ludwig R Ii b l vom Posta nil\V 6(5 in der Mauelsir. 69, der am Wick n zei llier b wohnte Die Briese enlbielicn nach der Werl- angabe zu ammen lOOOOM. Rndl ist 1,74 Meter groß und schlank, bat blondes Haar und einen kleinen Schnurrball und trug seld« graue Kleidung. Der„tätowierte" Offizier. Von einem Hoieldieb bestohlen wurde in der vergangenen Nacht ein Geschäftsmann aus Mül- lierrn a. d. Ruhr, der in der Chausseestraße abgestieaen war. Er büßte 1566 M. bares Gel», Kleidungsstücke imd Werliachen für S666 M ein. Der flüchiige Dieb ist ein Mann min 25 Jahren, der als Offirier austrat. Er trug Neichzweiiruntform mit Artillerie- mutze und Fliegerabzeichen. Als besonderes Kennzeichen wird eine Tälowierung am Arm angegeben. Auffallend an dem Oifiiier ist außerdem, daß et die Berliner Mundart spricht. Der Dieb ist 1.76 Meter groß, hat blondes Haar und einen kurzgefchnitlenen Schnurrbarl. Er ist wahrscheinlich ein vcrlleidcter.Spezialist*. Einbruch beim Rechtsanwalt Dr. Alsberg. Die Einbrüche bei RechtSanwälicn haben sich last zu einer.Spezialität' ausgebildet. In der vergangenen Nacht wurde das Bureau der Anwälte Dr. Alsberg. Dr. Katzen st ein und P e s ch k e in der Mark- grafeiistr. 8 Keiingesuchl. Die Einbrecher erbeuteten mehrere Perierteppiche und auch noch eine Schreibmaschine. Marke Remington Nr. 9. im-ganzen für 36 666 8?!. Auf die Wieder- beschaffiing des gestohlenen Gutes ist eine Belohnung von 4606 M. ausgefetzr. Beim Spielen tödlich verunglückt ist gestern da? fünf Jabre alte Töchierdien Gerda des Postoushcl'erZ Hüffe au« der Tilsiter Erraße 25. Die Kleine tummelte sich vor der elterlichen Wohnung au' der Straße und kam so unglücklich zu Fall, daß sie unter die Räder eines Postwagens geriet.' Sie wurde über fahren und auf der Stelle getötet. Volkshochschule deS Norden?. Echönhauser Allee 142. I» nächster Woch, beginnen die neuen PortragSturie und Ucbungen, u. a. Montag 7 Ubr: Friedrich Hebbel sObcrledrer Schlemmer); SUdr: Sozialismus im Eemeiudekben(Dr. Kafiiier); DteriSlaa 8 Uhr! Rassael und Michelangelo (mit Lilttbiidern, Dr. Kurth); Freitag 7 Üb': Die bürgerliche" Revolution 1643(Sic. Wendland). Verzeichnisse und Höreilalten zu 3, 4 und v M. durch die GejchäftSnelle, Wethfemanestr. S(Humboldt 2827), und an der Abendkasse. Rachtverbiudnng Berlin-Wie». Die Züge 464/46? zwischen Passau und Wien werden M t t t w» ch« und Freitag» wieder eingelegt und bierdurch die Nachtverbindung Berlin— Wien über Leipzig— Regen-burg wiederhergestellt, und zwar Berlin ab g.S0 Ubr abends Dienstag« und Donnerstags, erstmals den 1«. Ottobcr mit vi? 26 und Sien ab 12 66 Uhr mittags Mittwochs und Freitag mit Dz 21 an Berlin 8.17 Uhr oorm. Dsilmerseorf. Wer dazn beitragen will, daß uns in unserer Stadt ein VoltShaus erwachse, der wende sich an die GeschäslSstelle de« Deutschen VolkshauSbundeS. Berlin-WilmcrSdcrs, Hildegard- slrage 28, der dazu die nötigen Unterlagen bietet. Groh-Berliner Lebensmittel. Mariendorf-Südende. 1 Pfd. A-ps-l(14) 8-11 vormittag» bis Sonnabend in der Volksküche. Für Kriegsbeschädigte 566 Gramm Graupen- mehl(42) bi« 18. Oktober. Am Freitag für Viehhalter EinhettSsutter. Zentner 36 M. Bezahlung 11—2 im Rathaus, Zimmer 20/21, Ausgabe im Gymnasium 1—2 Uhr. Steglitz. IG.— 18 Oktober: Für werdende Mütter 1666 Gramm §afel flocken im Paket, 506 Gramm Zwieback. 1 Dose Malzextrakt(23). ür Kinder im 1. Jahr 756 Haferflocken(tSic), im 2. Jabr 566 Gramm Haferflocken(lSK). im 3. Jahr 566 Gramm Zwieback(lbKi). im 4. Jahr 606 Gramm Zwieback(IGpr), im 6. Jahr 500 Gramm Zwieback(ISK), im «. Jahr 500 Gramm Zwieback(14 ü). Für Jugendliche 266 Gramm ges. Nudeln(44). ttieinickendorf. 1 Psd. Aepfel(219). 76 Ps. Blittena«. Freitag und Sonnabend 256 Gramm Auslandsmebl (L 20), 256 Gramm Haferflocken(85). 206 Geamm AuSIandsmarmelade (86). Für Jugendliche 156 Gramm Graupen(45). Hennigsdorf. Wer Kartosselbczugichelne empsangen hat, bat seine Kartoffelkarten zur Vermeidung von B-strasung bis zum 26. Oktober im Rathaus, Zimmer 12, abzugeben. Siowaweö. SonderzüteiUmg von 166 Gramm Margarine. Groß-Derlmer partelnachrichten. Dtarienfcidc. Heute Uhr: Oesscntliche Frauenoersammlung bei S. Petsch. Genossin Todenhagen: Armenrecht und Jugendpflege. Ch»r!ot!cnb«rg, 1. und 2. Gruppe. Heute, 71/» Uhr: Fraurnabend bei Schillbach, Königin-Elifabeth-Stratze 6. Gen. Israel:„Der Werde- gang deS Sozialismus*. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Rrbeiter- Mabfaftrer. Verein„Groß> Berlin*. Sonntag früh 7 Ukr Grube bei Potsdam. Krügers Gasthof. Nachmittags 1 Uhr Birten- wcrder, Seepromenade. Start: Äarianncnplatz. Silöungsveranstaltungen. Marlendoif- Südende. Freitag 8 Uhr im Gymnasium: 2. Volks« kunstabend. Eintritt 1 M. Karlen an der Kasse. Eharlotienbnrg. Der Kursus über das Erfurter Programm beginnt am Freitag 7 Uhr tn der Königtn-Lmic- Schule, Danckelmaiinstr. 26— 28 Die Genossen, deren Gruppensübrer die Teiinehmcrkartcn noch nicht ab- gebolt haben, tonnen dieselben am Eingang der Aula noch in Empfang nehmen. Auch.Vorwärts'-Leser können daran teilnehmen. GewerkschaflsbeivEung Der Streik üer Hilfsarbeiter. Die zuständige Deputation Berlins war gegen Mittag zusammcngrttctcn, nm zu den im HilfSarbeiterstrcik unter- nommencn Maßnahmen Stellung zu nehmen. Beschlüsse der Deputation hierüber lagen bei Redaktionsschluß noch nicht vor. ■k Die Vertreter der Magistrate der Groß-Berliner Gemeinden hatten sich bereits am Dienstag bereit erklärt, die durch den Schiedsspruch vom 11. Oktober und den Streik geschaffene Sachlage mit den Vertretein der Hilfskräfte zu erörtern. Eine Sitzung in dieser Angelegenheit hat im Laufe des gestrigen Mittwochs stattgefunden. Die Forderungen der Hilfskräfte gingen auf eine Lohnrcgelung. die zur Grundlage nimmt die Bezahlung der einfachen Hilfskraft mit rein technischen Dienst- leistungen bei siebenstündiger Arbeitszeit auf 6190 M. und steigend nach einem Jahr auf 6740 M. Auf dieser Grundlage sollten sich die weiteren Lohnklassen aufbauen. Die Hilfskräfte forderten weiter Bezahlung der Streiktage und Ausschluß jeder Matzregelung ans Anlatz des Streiks. Die Vertreter der Magistrate erklärten, datz sie nicht in der Lage seien, in Verhandlungen über Vcrgütungssätze einzntreten, die über diejenigen hinausgingen, auf welche das von den HllfSkräften selbst gewählte Schiedsgericht erkannt hat. datz sie aber ihren Magistraten Bericht erstatten werden. » Die Stteiklage. Neber die gegenwärtige Sstualion verbreitet das Nachrichtenamt deS Magistrats folgende Mittellung: Am heut'gen Tage ist die Zahl der arbeitswilligen Bureau- Hilfskräfte erheblich gestiegen. Ganze BiireauS. die in Streik ge- treten waren, haben sich nenerdingS für Wiederaufnahme der Arbeit entschieden. Nur auS Furcht vor dem Terror der Streikenden hallen sich noch viele Arbeitswillige, wie auch aus vielen Zuichrtsten her- vorgeht, von der Wiederaufnahme der Aibeit zurück. Der Magistrat erläßt mit Rücksicht hierauf folgende Vslöffentlichung: Gegenüber Arbeitswilligen sind wiederholt von Stcriklnstigen Drohiiiigen ausgesprochen worden, wie die Streikenden würden nack, Beendigung des Streiks daiür sorgen, daß die Arbeits- willigen entlassen würden. Gegenüber dieier Art von Einwirkung auf die arbeitswilligen Bureauhilisiräite sii ausdrücklich gesagt, daß für Svutz der Arbeitswilligen geiorgt ist. Selbstvetständlich . bat auch kein Arbeitswilliger semals irgendeinen Nachteil weaen seiner ArbeitSwilliakeit, insbesondere seine Enilasiung nach Be- endiqnng des Streiks zu befürchten. Der Streik der Buneauhtlfskräste hat an den verschiedensten Stellmi der städtischen Verwaltung zu schwerer Gefähodung breiter Schichten der werktätigen und notleidenden Bevölkerung geführt. Mit allerschlimmsten Folgen muß unter Umständen bereits bei der Betriebskrankcnkasse gerechnet werden. Der ganz« Ab- fertigungSdienst von 46 Arbeitskräften ist im Ausstand. Wbzu- fertigen sind an den Schaltern täglich 566 bis 1666 Erschienene, von denen etwa 566 Krankengeld abhoben und di« andere Hälfte Wöch- nerinnenunterstützung, Stillgelder, Sterbegelder empfangen wollen oder Krankenhausaufnahmescheine holen müssen, den Bettmn achweiS befragen oder unverzüglich kleine Heilmittel berschvieben haben i ollen. Unmittelbare Bedrohung von Leben und Gesundheit des täglichen KrankheitSdurchschnittZ von etwa 36 66 Personen ist so- nach zu befürchöen. Der Notruf de? Vorstandes der Kass«, ihren Be- triSb als lebenswichtig anzuerkennen, ist von der Streikleitung schroff abgewiesen wvrden. Der Obmann deS Angestelltenausschusses hat sogar erklärt, als er auf die LobenSgefahr hingewiesen wurde, die die Krankengeld- empfänger betreffen würde, dann kommen sie eben in Lebensgefahr. Das Bureau der KmegShinteMiebenenfür- sorge beschäftigt 76 Hilfskräfte, bei dem 14 Arbeitswillige arbeiten. Ein Teil davon wurde von den Streikenden nicht durchgelassen. Gestrn nachmittag wurden 12 Arbeitswillige, die die Hinter- bliebenengesuche bearbeiten, von den Andringenden Streikposten mit Gewalt aus den Räumen entfernt. Dies« Stillegung des De- zernais muß selbstverständlich zu einer Stauung der zahlreichen dringenden Gesuche führen, zu denen die schrecklichen Menschen- Verluste dieses Krieges geführt haben. Auch die Abhilfe der Not unserer KriegShinterbßcbenen wird also nicht als lebenswichtige Arbeit von der Streikleitung angesehen. » Eine Stimme an? Beamtenkeeise«. AuS den Kreisen der Beamten wird uns geschrieben: Nachdem die Gemeindearbeiter ihren neuen Lohndarif durchgefetzt haben, dessen Sätze der Allgemeinheit, namentlich den.Bürgerlichen", so hoch erscheinen, obwcchl damit noch immer nicht der Betrag erreicht wird, der als Existenzminimum nach den Berechnnngen der Direk- toren der städtischen statistischen Armier von verlin und Schöne- berg Silberglcit und KuczmSki für jeden Einwohner unserer Groß- sterbt nötig ist, sangen nun auch die Bureauhilfskräfte an, angeblich unarrgemessene Forderungen zu stellen. Und auch die Beamten der Gemeindeverwaltungen Groß-BerltnS stehen seit längerer Zeit in Verlxmdlungen mit den Magistrats- und Gemeindevertretern, um endlich ein« der jetzigen Zeit einigermaßen Rechnung tragende Be- foldungSreform durchzusetzen. Aber schon erhebt eine schlecht orientierte Press« wieder ein große? Geschrei über die Degehrlichkett der Beamten. Man mag über die Art und Weise, wie die Kriegs- Hilfskräfte jetzt ihre Forderungen durchzudrücken versuchen, denken wie man will— vielleicht war das Eintreten in den Streik doch etwas übereilt. Haben indessen die Kr«eg»hilf»kräfte nach Ansicht des Magistrats gesündigt, so hatte er gewiß noch lange kein Recht, mit der sofortigen Entlassung zu drehen, denn der' Staudpunkt; .Auge um Auge, Zahn um Zchn" ist nicht geeignet, die Gemüter zu-beschwichtigen. Kann man e? den KrtegShilfSkrästen wirklich so sehr verdenken, wenn sie wenigstens mit den städtischen Arbeitern gleichgestellt werden wollen? Wissen Magistrat und Gemeinbrver« waltungen nicht, daß auch die Beamten wenigstens die gleiche For- derung erhoben haben und darin mit sich ncht handeln lassen wollen?! Endlich sollte der Magistrat von seinem Standpunkt, ber jeder Lohn- oder Gohaitösordcruug immer die L-efseutlichkeit wissen zu lassen, daß sie nun wieder so und so viel Steuern mehr zu schlucken haben werde, abgehen. Wir haben noch genug Kapitalisten und Schieber rn unseren Mauern und noch genug andere Möglich- leiten, die Ausgaben für so berechtigte Forderungen auSzuglechen, als daß man immer gleich das große Publikum gegen diejenigen aufhetzt, die nun einmal leider aus dem Steuersäcke! der Allgemein- heit besoldet werden müssen._ Der Netallarbeiterftreik. Folgen des Heizerstreiks. .Berliner Tageblatt' und.Berliner VolkSzeikung' konnten heute ncht erscheinen, weil sich die Heizer, welche die Strom- erzeugungSanlage im Mosseschen Betriebe bedienen, dem S.reik an- geschlossen haben. Auch im Hause Scherl strsilen die Heiner. Der .Lvkolanzeiger" konnte deshalb nur in beschränktem Umfange er- scheinen. » Tie Lüge» der politischen Drahtzieher im Streik der Metallarbeiter. Aus Organifationskreisen geht unS folgender Dercht zu: Am Mittwochabend tagte in den Zentralfestsälen eine Berfamm- lung der zum SlaotZ- und Gemeindearbeilerverband in Opposition stehenden Verbinde, Metallarbeiterverband, Fleischerverband, Bättcherverband, Verband der Maschinisten und Heizer, Transport- arbeiterverband. Landarbeiterverband u. a. Varw'.g vom TranZ- Portarbeiterverband erstattete Bericht von den Lohntarifverhand- hingen mit den Magistraten Grotz-Berlins. Seinen Bericht mußte dersekbe aber wiederholt unterbrechen, da inzwischen verschiedene Vertreter der streikenden Rketallarbeiter, Heizer und Maschiniften, sowie 1er im Streik stehenden Hilfsarbeiter der Stadt Berlin er- schienen, um Propaganda für einen allgemeinen Streik zu machen. Als erster trat als Beauftragter der Fünfzehner- kommt ssion sowie der Berliner Gewerks ckp a f t s- k o m m i s s i o n»er Arbeitcrrat Böse von den Elektrizttäts- arbeitern auf und erklärte, daß soeben der allgemein« Streik be- schlössen sei. Seine Ausführungen unterstrich derselbe noch damit, daß er nicht Zeit habe, sein Auto st« he draußen und er habe den Auftrag, noch weiter zu fahren und an anderen Stellen die- selben Mitteilungen zit machen. Böse erklärte, um Stimmung zu machen, die Hochspannkabel und die Hauptkabel seien bereits hervuSzenommen, so daß der Süden und Westen mit Ausnahme der Straßenbeleuchtung ohne Licht seien. Auch die Straßenbahner hätten beschlossen, sich bis um drei Uhr dem allgemeinen Streik anzuschließen. Nur Ortmann, der Bevollmächtigte des Transport- arbeiterverbandes, fei den Elektrizität?« rbeitern und Metallarbeitern in den Rücken gefallen. Als ihm ein Redner«uf diesen faustdicken Schwinde! entgegen- trat, verschwand der würdig« Beaustragt« der Fünfzehner- und Ge- Werkschaftskommission schnell. Kurz darauf erschien der Obmann der Arbeiterräte Silk und teilte der schon erregt werdenden Ber- sammlnng mit, nachdem Varwig zum zweitenmal seinen Bericht unterbrechen mußte, daß der allgemeine Streik bereits beschlossen sei. Das Verkehrsgewerbe stehe in einer Stunde, also um 9 Uhr still. Em merkwürdiger Gegensatz zum ersten Redner Vöse. Die ElektrizitätSarbeiter hätten beschlossen, mit den städtischen HilfS» arbeitern so lanae zu streiken(also n:cht mebr der Metallarbeiter wegen), bis die Forderungen der städtislben Hilfsarbeiter bewilligt seien; bereits in 64 Na�dbargemeinden Berlins wollen die HilfS- arbeitet sich dem Streik anschließen. Auch ein Vertreter der streiken. den Hilfskräfte. PitrowZh oder ahnst ch. der sich als Mitasted der U.S. P. vorstellte, unterstrich die auf Stimmenfang berechneten An- gaben des Sill. Nachdem es also den Tradtziehern gelungen war. die Versammlung für ihre Lüaert zu begeistern, und Zustimmungen zum allgemeinen Streit abgegeben wurden, waren dieselben Vor- fammlungsteilnehmer beim Verlassen des Versammlungslokals eni- täuscht, als Berlin noch auf dem alten Fleck stand. Die Straßenbahnen fuhren noch, da? Licht brannte in allen Wohnungen und Häusern und die Druck neu der Zeitungen, denen nach Sills be- sondever Angabe mit Ausnahme der.Fr ei he i t' der Strom entzogen sei, arbeiteten in der alten Weise. Wären die Lügner anwesend pewei-n. so mären sie von marnchem Versammlnnaeteilnehmer auch ohne Elekirische ganz gehörig nach Haus« gebracht worden, denn die Ernüchterung der vorher berauschten Menge war zu plötzlich. Vom Zentralvarstand de» Verbandes der Maschini st en und Heizer wird unS mitgeteilt, daß die in unserer Mitwachabendnumnrer wiedergegeben« Meldung einer Korrc- spondenz, di« Zentrallerilunz sei mit den Maßnahmen der Berliner OrtSverwaltung nicht einverstanden, unzutreffend sei. Der nun zur Tatsache geworben« Streik sei von de.r Zentrallertung der Organi- sation gebilligt.. � � Im übrigen legt die OrganisatianSkeilung Wert auf die Fest- stellung, daß sie sich in ihr n Maßnahmen ldfciglich von den wirtschaftlichen Zielen des Streik» leiten lasse. Ter Achtstundentag der Krankenpfleger in Gefahr. Ein« mehrere tausend Personen zählende Versammlung des Pflegepersonal» der öffentlich«!» und privaten Krankenhäuser füllte den großen Saal de» LehrervcreinShauseS Der Gemeindeardeiler- verband hatte die Versammlung einberufen alS Protest gegen die auf Beseitigung des Achtstundentages gerichteten Bestrebungen osn Anstaltsleitern. Der Referent Paul Schulz führte auZ: Die Verordnung vom 23. Novrmber 1918 hat auch dem Kranksripflegepersonal den Achtstundentag gebracht. Das war für diese BerusSgruppe eine wahrhaft revolutionäre Errungenschaft. Ausgenommen vom Acht- stuttsentag sind allerdinge immer noch die Pfleger m Wvhliäti�keits- anstalten, die als Beamte angestellten und das als„Gesinde' geltende Personal. Es gibt aber fetzt noch unter die Verordnung fallende Anstalten vor den Toren Berlins, wo«in« erheblich längere Arbeitszeit herrscht. Kürzlich hat eine vom ReichSarbeltSmtn'sterlun, «inberusene, au? Pflegen, und Anstaltsleitern zusammengesetzte Konferenz stattgefunden, die sich zu einem die Arbeitszeit in den Kranken- und Pflegeanswlten regelnden Gesetzentwurf zu äußern hatte. In dieser Konferenz— an der auch der Referent teilnahm — haben sich die Anstaltsleiter unter Führung de» Geheimra'S Krone von der Preußischen Mrdizinalabteilun� gegen den Achtstundentag ausgesprochen. ES wurd. beantragt, ein« Kommission einzusetzen, die bei Beratung deS Gesetzentwurfs die 66 stündige Arbeitswoche zur Grundlage nel-men sollte. Demgegenüber halten die Pfleger an der Forderung fest: Gesetzliche Festlegung der 48 stüudigen Arb«it»iv»ck>e und einer ungeteilten 86 stündigcn Ruhezeit in jeder Woche. Dies« Forderung soll ohne Ausnahme Geltung erhalten, also auch für die gemeinnützigen Anstalten, für die Beamten und da?„Gesinde". In diesem Sinne hat der Verband dem Ministerium AbanderungZanträge zu dem GciichOntwurf eingereicht. Der Redner schloß mit der Versicherung, daß sich da» Pflege« personal seine Rechte nicht nehmen lassen wird. Marie Friedrich, Leiterin der Sektion der Krankenpfleger im Gemeindearbeiterverband, betonte, das Pflegepersonal werde e» sich unter keinen Umständen gefallen lassen, daß am Achtstundentag gerüttelt wird. Nachdem noch einige Redner in demselben Sinne gesprochen hotten, nahm die Versammlung einstimmig eine Resoluiton an, welche Protest erhebt gegen die von den Anstaltsleitern in der er- wähnten Konferenz erhobene Forderung aitt Beseitigung deZ Achtstundentags. Weiter heißt es in der Resolution, nur durch die ausnahmslose gesetzliche Festlegung des AchtstundeutaseS ist