Nr.833.36.Iahrg. «ezvgSpret»» St-rt-IISHrl. Mi. aumatL Mt frei tu« Hau», oarau»«ahldar. Poft» dezug: Monatlich Ml. qO. gu- ftellungsgedtUzr. Unter Rreuibanl» für Deutfchlaud uu» Oefterretch- Uugarv «LS Ml. für da» lldng, tbulank 10 25 Ml. bei täglich einmal. ftufteQuBg 8,25 Mi. Posidestellungeu nehme» em Dänemarl. Holland. Luxemburg, Schweben tt. die Schwei». Eingetragen in die Poli-ZeiNlngo-Prri-iiki. Der„Sonsäcts* mit der Sonntag» beilage.Boll n. Zeit' erscheint wocher»- täglich zweimal. Sonntag» einmal. Telegramm-? breffe! jSojIolbrmotcal Bern»". Morgen Ausg ade. Derlinev Volksblstt. IS Pfennig) «uzeigenpret» t »w achlgei palten»«onpareMezelle lostet ILO Ml,»kleine Anzeigen-, da» srttgebruckte Wort SO Psg.(zulässig I kttgebruckte Worte), sede» weitere Wort«> Lsg, Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen ba» erste Won »0 Psg. sebe» wettere Wo« So Psg. Worte über lb Buchslaben zählen für zwei Wone. Teuerungezuschlag SO«/«. Familien- Anzeigen, politische unb gewerlschastliche Verein»»Anzeigen ILO Ml die Feile. Anzeigen für die Nächste Nummer Milsien bt» S Ahr nachmittag« im Hauptgeschäft. Berlin EW KS. Linden straße 3. abgegeben «erden,(beöffnet von 9 Uhr srilh bi» 6 Uhr abend». Zentralorgan der lozialdemokratl fchen parte» Oeutfchlands. Neöaktion und Expedition: Ew. öS, Linöenstr.?. Fernsprecher: Amt MäriNPlaN. Nr. IS»S7. Sonnabend, den 18. Oktober IvIV. vorwärts-verlag G.m.b. h., Ew. bS, Änöenftr. 3. Fernsprecher: Amt tvtoriiiplai;, Nr.»17 5Z— S1. Endlich Verhandlungen! Der Kampf, der nun bereits vier Wochen in der Ber- lincr Metallindustrie mit steigender Leidenschaft geführt wird, hat die Gemüter weit über die Grenzen der Reichshaupt- stadt hinaus erregt. Der Streik gewann in den letzten Tagen noch mehr an Bedeutung, weil er durch die Stillegung der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke zu einer Gefahr für Leben und Gesundheit der Groß-Berliner Bevölkerung zu werden drohte. In diesem Stadium des Kampfes mutzten naturgemätz die für das Wohl der Gesamtheit verantwort- lichen Stellen Matznahmen ergreifen, wodurch die weitere Funktion der lebenswichtigen Betriebe gewährleistet wurde. . In den Perhandlungen der Nationalversammlung am gestrigen Freitag spielte diese Frage eine bedeutende Rolle. lieber den Gang der Debatte, insoweit der Streik in Betracht kommt, informiert nachstehender Parlamcntsbericht: Relchswehriiiinister Nvske: Frau Zietz hat behauptet, es sei auf Harmlose Ausflügler geschossen worden. Diese Harmlosen Ausflügler waren Scharen von Demonstranten, die die Straßen in Unruhe versetzten und den behördlichen Anordnungen uichi Folge leisteten. Darauf sind sie auseinandergetrieben worden. Das wird in Zukunft weiter gc- schehen, solange ich für Ruhe und Ordnung �u sorgen Habe.(Öeb* hafte Zustimmung. Unruhe b. d. Unabh.) Frau Zictzt hat ferner behauptet, ich hätte eine hannlose Jugendschrift verboten. Diese Zeitschrift trug auf dem Titelblatt in großen Lettern die Aufschvist: „Der Staat als Mörder!" �• Das nennt Frau Zietz harmlose Jugenderziehung. Tie Zahl der Schutzhäftlingc in Berlin, die ich seinerzeit angegeben habe, war durchaus zutreffend. Die Hungerstreiks in den Gefängnissen haben aufgehört. Es ist leider Tatsache, daß m Berliner Krankenhäusern Operationen nicht ausgeführt werden können, weil die Partei- freunde der Frau Zieh die Kraftwerke lahmlegen(Hört, hörtl), selbst auf die Gefahr hin...(Lebhafte Unruhe. Zuruf des Abg. Geyer: Aufs neue gelogen!— Di« nächsten Worte des Redners gehen in der allgemeinen Unruhe verloren.) Es sind vier Elektri- zitätswerke stillgelegt, auch das große Kraftwerk bei Bitterfeld ist lahmgelegt worden. Hunderttausende von Familien in Berlin wer- den in allerschwerfte Bedrängnis geraten, falls es mir nicht gelingt, das Werk wieder in Gang zu setzen. Ich habe Anordnung ge- troffen, daß die Nothilfe sofort eingreift. Die erforderlichen militärischen Sichrrheitsmatz- nahmen zur Durchführung dieser Maßregel werde» getroffen wer- den. Zu diesem Zweck habe ich über Bitterfeld de» Belagerungszustand verhängt. Ferner habe ich verfügt: Wer jetzt durch Wort. Schrift oder Tat den Versuch macht, lebenswichtige Betriebe stillzulegen, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Jeder einzelne, der jetzt noch den Versuch macht, auf eine Lahmlegung dieser Be- triebe hinzuwirke», wird sofort hinter Schloß und Riegel gebracht. (Lebhafter Beifall. Unruhe b. d. Unabh.) Das glaube ich dem Schutz der Bevölkerung schuldig zu sein.(Stürmischer Beifall.) Abg. Frau Zieh(U. Soz.): Wenn der Berliner Metallarbeiter- streik noch nicht beendet ist. so tragen die Regierung und die Ber- liner �Polizeibehörde die Schuld daran.(Lebhafter Widerspruch.) Der Streik ist entstanden, weil eine Herabsetzung der Löhne beab- sichtigt war.(Erneuter Widerspruch.) Früher ist Minister NoSke für das Äoalitionsrecht der Arbeiter eingetreten; und kürzlich hat er zu Offizieren geäutzert, er bedauere, daß er 20 Jahre Sozial- demokrat gewesen sei.(?) Die Rede Noskes bringt uns wieder einige Tausende neuer Mitglieder.(Gelächter.) Wenn man Streikenden beispringen will, so droht Noske mit dem Gefängnis, vielleicht läßt er die Leute an die Wand stellen l(Zuruf: Münche- ncr Geiselmord!) Denken Sie doch daran, was dort vorhergegangen ist; wenn man sogar Sanitäter niedergeschossen hat. so ist es be- greiflich, daß die Leute erbittert waren.(Lebhafte Unruhe.) Wenn die Arbeiterschaft geschlossen zusammenhält— und das wird sie tun— dann wird sie die Zügel in die Hand bekommen.(Zuruf: Tann lassen Sie all» verhungern!) Dann wird die Diktatur des Proletariats kommen. Reichswehrntin ister Noske: Mich treffen die Anklagen der Vorrednerin ganz und gar nicht. Jeder Versuch, der von Ihrer(nach links) Seite darauf gerichtet ist, uns eines Tages einen Umsturz in Ihrem Sinne zu bereiten, wird unseren entschlossensten Widerstand finden. Jeder, der von Ihnen daran teilnimmt, muß überzeugt davon sein, daß er Kopf und Kragen dabei riskiert. Ich hoffe, daß Herr Geyer- Vater dann etwas mehr Mut beweist als Herr Geyer-Soh» in Dresden. Und auch Herr Henke, der sich hier jetzt so sehr ent- rüstet, hat in der Gefahr noch immer das Loch gefunden, durch das er seine Haut in Sicherheit bringen konnte. Tie Regierung beab- sichtigt nicht, das Koalitionsrecht. anzutasten. Wenn in Neukölln die Gasanstalt stillgelegt wurde, so leiden darunter auch Zehntauscndc von Arbeiterfamilien, die im Dunkeln und im Kalten sitzen müssen. Ich weiß, daß Hundert- tausende von Arbeitern in Berlüi, Spandau und an anderen Orten »ach der Befreiung von dem geradezu Niederträchtigen Terrorismus die neue verhanölungsbasis. Wie zu erwarten war, haben sowohl der Verband der Berliner Metallindustriellcn,*als auch der Deutsche Metall arbeiterverbaud den Vorschlag des Reichsarbeitsministers a u genommen und sich auf den Boden des von ihm ge machten Borschlages gestellt. Der Borschlag lautet: l. Tic Verhandlungen über die Einordnung in die 5 Lohnklasscn finden in Gruppen in Gegenwart des Schiedsrichters statt. Findet eine Einigung statt, so ist diese Einigung bindend für beide Parteien. Findet keine Einigung statt, so entscheidet das Schiedsgericht c n d- gültig. 2. DaS Schiedsgericht besteht aus vier Unparteiischen, drei Arbeitgebern und drei Arbeitnehmern alS Bctfitzer. S. Tie Unparteiischen sind mit beiderseitigem Ein- Verständnis vom RcichSarbeitSministcr zu ernennen. 4. Ter Schiedsspruch vom i!>. August ISIst bleibt bestehen. In der 3. Lohnklassc»Verden die Zuschläge, wie bereits zugesagt, von 3 ans Pf. erhöht. Die Antworten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer liefen im Arbeitsministerium am Freitag in der Zeit von 5—6 Uhr nachmittags ein. Arbeitnehmer und Arbeitgeber traten darauf- hin in Sitzungen zusammen, um zu den am Sonnabend statt- findenden Verhandlungen Stellung zu nehmen. Um 11 Uhr vormittags werden im ReichsarbeitSmioisterium, wiederum unter dem Borsitz des G e h e i m r a t s S i tz l e r, die neuen Besprechungen beginnen. Zunächst wird man sich über die Wahl der Unparteiischen einigen, um das Schiedsgericht auf- stelle« zu können. Der Schiedsrichter wird vom Reichsarbeits- minister, bezw. dessen Stellvertreter im Einvernehmen mit den Parteien ernannt werden. »» * Die Streikleitung verhanüelt mit Noske. Freitagabend 8 Uhr fand eine einstündige Besprechung statt zwischen dem Reichswehrminister einerseits und Per- tretern der Fünfzehnerkommission und der Gewerkschasts- kommission andererseits wegen des Erlasses vom 17. Okto- ber. Nach längerer Aussprache, an der sich alle Delegierten der beiden Körperschaften beteiligten, wurde vom Reichs- wehrminister folgende Erklärung abgegeben: Sobald dir Maschinisten und.Heizer die Arbeit in den lebensnotwendigen Betrieben aufnehmen, fällt meine Verfügung vom heutigen Tage fort. Zur gleichen Zeit wird die Nothilfe zurückgezogen. Diese Erklärung entspricht den widerholt ansgesprockfc- neu Versicherungen des Reichswehrministers, daß die Tech- nische Nothilfe nicht benutzt wind, um in wirtschaftliche Kon- flikte einzugreifen, sondern daß sie nur bestimmt ist, bei Lahmlegung lebenswichtiger Betriebe die Interessen der Allgenieinheit zu schützen. schreien, dein sie ausgesetzt sind.(Sehr richtig!) Ich wiederhol«, was ich hier schon einmal gesagt habe: Das Maß von Nichtswürdigkeit, Schamlosigkeit und Terrorismus, das von den Anhängern der Frau Zietz seit den Scptembertagen hier in Berlin und an anderen Orten, hauptsächlich in den Staats- betrieben, gegen Andersdenkende geübt worden ist, übertrifft tausendfach alles das an Niedertracht, was jemals unter dem alten Regime von uns in diesem Hause bekämpft worden ist. Eine nochmalige Lahmlegung des Berliner Verkehrs erscheint mir unerträglich. Die Betriebe müssen in Gang gehalten und gesichert lverden. Der von mir ins Leben gerufene und unter meiner Kon- krolle arbeitende Apparat der Nothilfe bat erfreulicherweise einen solchen Unisang angenommen, daß die Berliner Bevölkerung nicht befürchten muß, schwere wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden zu erleiden. Ich bin nicht zwanzig, sondern dreißig Jahre hindurch Sozialdemokrat und bin es noch jetzt. Präsident Fehrenbach: Das Wort hat der Abg. Geher-Sohn. Abg. Dr. Geyer(U. Soz.): Ich werde Doktor Gcncr Sachsen genannt.(Große Heiterkeit.) Herr Noske macht alle Anstrengun- gen, damit es uns an Kopf und Kragen geht. Mit der Reichswehr will er die klassenbewußte Arbeiterschaft niederkämpfe». Darum bat er sich a» die Entente gewandt, die Reichswehr langsamer ab- bauen zu dürfen. Er ruft also d'c Hilfe der Entente gegen die deutsche Arbeiterschaft an., Gelächter.) Er ist der Ehef einer Stteikbrecherorganisation. Wenn der Bürserkrieg kommt, so ist er entstanden durch die schamlosen Provokationen Noskes.(Ordnungsruf.) Reichswehrminister Noske: Tic Männer der Nothilfe stehen hoch erhaben über dem Ver- dacht, Streikbrecher zu sein. Sie stehen im Dienste der Allgemeinheit und schützen das Leben von Hunderttausend««. Das wird von der großen Mehrheit der Berliner Bevölkerung durcl aus anertaniu. (Zustünmung.) Herr Geycr-Sohn(Allgemeine Zururc: Doktor! — Große Heiterkeit) hat eine neue Revolution angekündigt. Es wäre eine verbrecherische Leichtfertigkeit der Regiernng, wenn sie da nicht Maßnahmen treffen würde. Dieser Herr Geyer ist der Mann, der einige Monate lang-Leipzig unter Schrecken gehalten bat.(Hört, hört!) Das ist der Mann der RH) OOO-Mnrk- Erpressung beim Leipziger Oberbürgermeister, wofür er nur wegen seiner Immunität als Abgeordneter bisher nickt zur Verantwortung gezogen werden konnte.(Stürmisches Hört, hört!) Als die Ver- bältnisse in Leipzig unhaltbar geworden waren, als ich dem General Maerker Befehl gab, Leipzig zu besetzen, da war aber kein Geyer mehr in Leipzig.(Hört, hört! und gtotze Heiterkeit.) Abg. Gcyer-Leipzig(U. Soz., mit Heiterkeit empfangen): Ich wurde es verschmähen, mich wie Herr Noske(oder wie Lenin I Ree.) ständig von bewaffneten Leuten bewachen zu lassen.(Lachen.) Als die Atacrker-Gardc in Leipzig einrückte, waren wir in Berlin zur Sondersitzung in der Natlonalversammlung.(Der Präsident fragt den Redner, ob der Ausdruck„Mördcrgarde" gefallen sei. Als der Redner da- verneint, ruft Frau Zietz:»Das ist aber dasselbe!"— Ordnungsruf.) Wären wir in Leipzig gewesen, dann wären wir nicht geflohen, selbst wenn Dinge vorgekotmnen wären wie in der Mördcrzcntralc in Berlin, der Liebknecht und Rosa Luxem- bürg zum Opfer gefallen sind. Abg. Ärüger-Potsüam(Soz.): Die Entrilstnng lveiter Kreise der Berliner Arbeiterschaft wendet sich nicht gegen den Reichswehrminister, sondern gegen ver- schiodene andere Leute, d i e seine Gegner sind. Ich stelle mit Gc- nugtuung fest, daß die Regierung sich in den Metallarbeitrrstreit nicht eingemischt hat, da dieser ein wirtschaftlicher Kamps ist. Man suchte die Ar- beiter der Elektrizitätswerke durch Schwindclnachrichten in den Streik zu hetzen, indem man in Berlin behauptete, in Bitter- selb werde gestreikt, und in Bitter selb sagte, in Berlin lvüvde gestreikt.(Hörtl hört!) Dazu kamen falsche Nachrichten über einen angeblichen Streik bei den Straßenbahnen. Die große Masse der Berliner Arbeiter ist mit den Maßnahmen des Neichs- lvchrministers einverstanden.(Beifall.) Die technische Nothilfe leistet keine Strcikbrecherarbeit. (Zustimmung). Ihre Arbeit dient dem Interesse der Allgemeinheit gegenüber den eigensüchtigen Interessen einer kleinen Minder- hcit.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frau Zietz(ll. Soz.) wirst dem Vorredner Lügen vor (Das kann sie! Red.) und wird zur Ordnung gerufen. Abg. Laukant sll. Soz.): Der Wehrminister Noski(stürmische Heiterkeit) hat der Berliner Arbeiterschaft einen Schlag ins Gesicht versetzt. Die Straßcnbahv, gewiß, das ist ein schwerer Ein- griff in das Leben.(Neues Gelächter.) Aber die wichtigsten Zweige werden zuerst herausgezogen. Abg. Krüger-Potsdani(Soz.): Ick Hain: nicht ein Wort gegen die streikenden Metallarbeiter gesagt, sgndern ihnen die Sympathie ausgedrückt. Auch die Unabhängigen müssen sich an Ordnung gc- wohnen, sonst geht nichts.(Beifall.) Abg. Holtmann(Dem.): Die Regierung muß die bernünftigeu Arbeiter schützen. Damit schließt die allgemeine Aussprache. Unsere Stellung zu Wirtschnftskämpfen in der gegen- wältigen Zeit ist bekannt; wir haben sie mit Nachdruck be- tont, noch ehe dieser Kampf ausbrach. Insoweit der Streit geführt wurde in der ehrlichen Ueberzeugung, durch ihn die Metallarbeiter vor Lohnherabsetzungeu zu bewahren, kann sich niemand, dem das Koalitionsrecht der Arbeiterklasse nicht nur ein leerer Begriff ist, gegen ihn ivcnden. Somit herrscht Klarheit. In schärfstem Gegensatz zu den Unabhängigen und Kommunisten stehen»vir dagegegen in der Frage, ob die A ufr echterhaltunglebenswichtigerBe triebe und die niit derselben verbundenen Notslandsarbeiten linier den Begriff des Streikbruchs fallen. In dem jahrzehntelangen Kampfe, den die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft um Verbesserung ihrer Lebens- bedingnngen führt, finden»vir kein Beispiel, wonach durch ein Ucbergrcifen auf lebensnotwendige Betriebe das Wohl der Gesamtheit in Mitleidenschaft gezogen wäre. In ihrem mühevollen Kampfe um eine höhere Kultur hätte es die klaffen- bewußte Arbeiterschaft wohl auch weit von sich gewiesen, etwa das Lcbensrecht der Volksgcsamtheit antasten zu Ivollen. Die Wirkungen des Krieges nicht nur, sondern auch die von
Politischer Leidenschast durchsehten Kämpfe unserer Zeit scheinen in dieser Beziehung eine völlige Umwertung aller bisherigen Begriffe herbeigeführt zu haben. Daß die Streikleitung in ihreni Bericht vom Donnerstag Atenschen, die Notstandsarbeiten verrichten, als Streikbrecher bezeichnete, läßt bedauerlicher- weise die erforderliche Nückiechtnahme auf Leben und Gesundheit der Mitmenschen vermissen. Eine solche Auffassung über den Streikbruch müßte den Adel der Gesinnung, der das kämpfende Proletariat bisher auszeichnete, geradezu herabwürdigen. Wir betonen daher noch einmal, daß Menschen, deren Tätigkeit bei Wirtschastskämpsen lediglich darin besteht, Lebcnsrecht und Wohl des Volksganzen sicherzustellen, nicht als Streikbrecher zu betrachten sind. Das, was sie tun, entspricht lediglich einer sittlichen Pflicht. *■* * Schutzerlaß für lebenswichtige Setriebe. Das Oberkommando Noskc hat an die Bevölkerung von Groß-Berlin folgende Verordnung gerichtet: Für einen großen Teil Berlins bestehen ernste Gefahren infolge Lahm- legung lebenswichtiger Betriebe. Bereits sind Ärnnkenhäuser zum Teil nicht mehr in der Lage, Operationen durch- zuführen, die zur Erhaltung des Lebens vou Pa- ticntcn notwendig wären. Weitere Einstellung der Arbeit in lebenswichtigen Betrieben würde unabsehbare Nach- teile für die Berliner Bevölkerung mit sich bringen.— In wirtschaftliche Kämpfe einzugreifen, liegt mir fern; doch kann ich nicht dulden, daß Hundcrttanscnde vvn Berliner Ar- bcitcrn gegen ihren Willen zum Feiern ohne Eni- schädigung gezwungen werden, daß Leben und Gesundheit der großstädtischen Bevölkerung aufs Spiel geseht wird.— Aus Grund des Belagerungsznstandsgesetzes verbiete ich daher jedwede weitere Betätigung durch Wort, Schrift oder andere Maßnahmen, die darauf gerichtet sind, lebenswichtige Betriebe zur Stillegung zu bringen, insbesondere: Zer- störunge» oder Schädigungen von Bctriebsanlagen und Lei- tungen.— Zuwiderhandelnde sehen sich einer Bestrafung bis zu 1 Jahr Gefängnis und sofortiger Verhaftung ans, soweit nicht nach den allgemeinen Strafgesehcn eine höhere Strafe verwirkt wird.— Als lebenswichtige Betriebe im Sinne dieser Vervrd- nung sind anzusehen: alle Anlagen zur Erzeugung und Liefe- rnng von Gas, Wasser und Elektrizität, sowie die öffentlichen Verkehrsmittel. Ter Oberbefehlshaber. gez. Nooke. « Die Stillegung öer Lichtwerke. Die Lage in den Berliner Elektrizitätswerken hatte sich im Laufe des Freitagnachmittags durch die Arbeitsniederlegung im Kraftwerk Nummelsburg noch verschärft. Bekanntlich wurde schon einige Wochen vor Beginn des MetallarbaiterstveikS von dem Arlbeiterrat Sylt, der unter de.» ElektriKitätsarbietern großen Anhang besitzt, dafür Propaganda gemacht, einen Zusammenschluß der Berliner und der Vitt er selb er ElektrizitätSarbeiter her- zustellen. In diesem Fall würde es möglich sein, führte Sylt da- mals in einer Versammlung aus, die gesamte Berliner Industrie lahmzulegen. Dieses Projekt hat in dem Streik der Heizer und Maschinisten seine volle Verwirklichung gestunden. Die Arbeiter des Nummelsburger Werkes traten am Freitagnachmittag in den Streik, zu einer Zeit, als bereits die Fünfzehnerkommission des Metallarbeitervcrbandes den Entschluß gefaßt hatte, sich auf den Boden der vom Reichsarbeitsminister vorgeschlagenen E i n i- gungsbasis zu stellen. Das Rummelsburger Kraft- werk, das sehr umfangreich ist, und das nicht nur den O st e n Berlins, sondern auch die gesamte Industrie in Ober- und Niederschöneweide bis nach Köpenick mit Strom versorgt, konnte infolgedessen am Freitag nicht mehr in Gang ge- bracht werden. Tagegen war es der Direktion der st ä d ti s ch e n Werke, wenn auch unter erheblichen Schwierigkeiten möglich, die anderen Werke, namentlich den Betrieb in Moabit, der für die gesamte Stadt von großer Bedeuturig ist, durchzuhalten.. Die Tech- nische Zlothilfe hatte gegen Mittag mehrere Abteilungen Maschi- nisten und Elektrotechniker dorthin entsandt, und so gelang es, bei der Ablösung der Bormittagsschicht um 3 Uhr ohne Stockung weiter- zuarbeiten. Dagegen trat eine allerdings nur kurze Störung in dem Kraftwerk M a r i a n n e n st r a tz c ein. Das Werk, das sonst an die Bitterfelder Krastzentrale angeschlossen ist, mußte mit eigenen Maschinen weiterarbeiten, und so war es unvermeidlich, daß der Straßembahnverkehr im Südosten und auch im Südwesten bis zum Halleschen Tor und zur Iorckstraße etwa 80 Minuten lang stockte. Durch Umschaltung von anderen Werken aus gelang es allerdings in sehr kurzer Zeit, den Betrieb wieder voll aufzu- nehmen. Auch in L i ch t c n b e r g hat die Nothilfe in überraschend kurzer Zeit den Betrieb des Elektrizitätswerkes wieder aufzunehmen ver- macht. Um 12'A Uhr kamen die Mannschäften in Antos heran und um 3 Uhr konnte bereits wieder Licht und Kraft geliefert werden. Neukölln hat der Magistrat das Eingreifen der Tech- nischen Nothilsä abgelehnt, weil er glaubte mit den Arbeitern zu einer Einigung zu kommen. Diese ist denn auch tatsächlich erfolgt, wie noch näher im gewerkschaftliche.ii Teil berichtet wird. Auch die Arbeiter haben nach der Einigung sofort die Arbeit aufgenoinmen, so daß sowohl im Gas- wie im Elektrizitätswerk geatboitet wird. Da die Vorräte aber ziemlich verbraucht waren, so war es trotzdem noch nicht möglich, gestern abend Neukölln mit Licht zu versorgen. Die Stadt blieb deshalb in Dunkel gehüllt. Die Direktion des Gaswerks glaubt heute mittag wieder Gas liefern zu können. Infolge des knappen Stromes war der Telephon- verkehr nur f ü c d i e n st l i ch c Gespräche freigegeben. Auch die für gestern anberaumte Stadtverordneten- Versammlung mußte infolge des Licht mangels ausfallen. Fn später Abendstunde konnte dann vom Berliner Werk aus Neukölln wieder mit elektrischem Licht versorgt werden. » ttothilfe keine Streikarbeit. Im Anschluß an die Erklärung der Fürffzehnerkommission anläßlich des Eintretens der Maschinisten nnd Heizer in den Streik, daß Wer die Fortführung der Notstandsarbciten(Gas, Wasser) Einmütigkeit herrscht, sei auf einen Vorfall, welcher sich bei den Schwartzkopff-Werken' Wildau ereignete, hingewiesen. Am 2. Okiober traten bei den Schwartzkopff-Werken die Heizer und Maschinisten in den Ausstand. Nun wird die Kolonie Wildau, die von vgo Familien(zirka■4000 Seelen) der im Werk Beschäftigten bewohnt wird, von den Anlagen des Werkes mit Wasser und Licht versorgt. Angeblich im Auftrag der Fünstzehnerkommission forderte das Mitglied derselben, F r ö h I k e, die rücksichtslose Durch- füh r u ng des Streibbeschluffes. Alle Ei ii Wendungen, etwaige Fcuersgefahren bei voll- ständigem Wassermangel zu berücksichtigen, an das Fehlen jeden Lichtes bei Eintritt der Dunkelheit in den Arbeitcrwohnun- gen zu denken, wurde kalt zurückgewiesen. Bei dem Hinweis �auf kranke Leute, schwangere Frauen, welche durch das Stocken jeder 5ianalisation in schwerste Mitleidenschast gezogen werden, leistete sich dieses Mitglied der Fünfzehnerkommission eine ekelhafte Redswendnng, welche nicht einmal andeutungsweise wieder- gegeben werden kann. Nur eine rasch in� Aktion tretende, aus Mitgliedern d es Werkes sich bildende Nothilfe konnte die Kolonie vor einer Licht- und Wasserkataftrophe bewahren. Nachträglich wurde dann von der Fünfzebnerkommission er- klärt, daß ide Ausübung dieser Tätigkeit keine Streik- arbeit i st. Beschämend hierbei ist nun die Tatsache, daß durch derartiges Auftreten sogenannter Arbeiterführer eine in bezug auf eiserne Disziplin und Selbstbeherrschung im Kamps Weltruf genießende organisierle Arbeiterschaft schmätig kompromittiert wird. Der Streikleitung empfehlen wir, derartige Kollegen scharf unter die Lupe zu nehmen, denn es ist wirklich nötig, daß durch ein solches Austreten, wie es Fröhlle zur Schau trug, das'Ansehen der Streikleitung herabgemindert wird. Ms öen berliner Kunftfalons. Max Slevogts große? Radierwerk, das gegenwärtig bei Cassirer auSgestelll ist, verdankt einem geistreichen Einfall seine Enlstehung. Aus der Handschrift der Mozartichen Originalpartitur der.Zauberflöte" hat der Künstler einzelne Stücke— Text nnd Noten— herausgeschnitten und diese autographiichen. d. h. falsimi- lierten Bruchstücke in Zeichnunpe» verwebt, die die betreffende Stelle in irgend einer Weise illustrieren, symbolisieren und para- phrasieren. So entstanden 47 spielerische Phantastebilder. deren jedes im einzelnen die technische Meisterschaft Slevogts, die Schärfe und Alkuratesse seiner Naturbeobachtung und die elegante Treff- sicherheit seiner Griffelsuhrung bewundern läßt, als Ganzes aber doch keine einheitliche und leine migetuibie Wirkung erzielt. Was einem Menzel hänng gelang, naturalistische Jmpressioneil zu geistreich phaniuslischen Schnörkeln zusammen- zuschließen, das gelingt Slevogt nicht oder doch nur tn ganz wenige» der ausgestellten Blätter. Es bleibt zu viel Erdenschwere zurück, die Erinnerung an das Modell schwindet nicht. Die Idee jede» Bildes ist geistreich, nicht nur im erzählenden Inhalt, sondern , auch in der gestaltenden Linie, alle sind unierballend und graziös. Aber das Letzte und Höchste fehlt: die geschloster.e Bildwirkung des einzelnen Blattes. Die Partiturausschniite wirken fast überall wie ausgeklebte Eiiketten, sie sind fast nirgends den Zeichnungen organisch eingeordnet. Und auch die Zeichnungen selbst, mit wenigen Aus- nahmen, fallen auseinander. Jede gibt eine Reihe feiner, flott hingesetzter Naturstudien, die unter sich wohl einen erzählenden, literarischen, verstandesmnßigen, aber keinen künstlerischen Zu- sammenhang haben. Der Mangel an kultiviertem Stilgesühl, der nicht nur für Slevogt, sondern sür die meisten großen Jmpressio- nisten unserer Zeit charakteristisch ist, machte eS dem Künstler unmöglich, eine Aufgabe wie die vorliegende restlos zu lösen. Ein tieferes Kunstgefnhl aber bleibt nnbefriedigt oder schöpft doch nur jene Befriedigung ans ihnen, welche amüsante und geschmack- Volle Skizzen zu gewähren vermögen. In Marsen Spuren wandelt Felix M e s e ck. von dem interessante Gemälde und Graphiken in der Galerie Möller(Pols- damer Straße 1Z4o) zu sehen sind. Seine Gemälde zeigen in gelb- grauen, vegetationslosen Ebenen, ans denen nur hie und da ein paar kahle Baumstämme emporragen, langgestreckte menschliche Ge- stalten. Die vornehm gedämpfte Farbe, die ein wenig an Chavanne erinnert, ist wie von einem weißlichen Flaum überzogen. Es ge- schieht nichts auf diesen Bildern, das rein Stoffliche sowobl an der Landschaft wie an den Figuren ist ohne jeden sirmlichen oder lite- rarischen Reiz. Und doch werden wir beim ersten Blick gefesielr. Ein geheimnisvoller Zauber zwingt uns in seinen Bann. Unser Gesiihl beginnt im Rhythmus dieser zurückhalteuden und doch aus- dnickslieicii Linien und Farben zu schwingen, die wie die gedämpften Töne einer ergreifenden Musik auf uns wirken. Wir sind uns der Mittel nicht bewußt, mit denen der Künstler diese Wirkung erzielt. und erst nach längerer Betrachtung sagt nnS der Verstand, daß hier etwas Aehnliches angestrebt und erreicht ist. was des großen MarseS' Ziel und Streben mar: die sinnlichen Erscheinungen der Natur im freien Schaffen der Phantasie zu selbständigen, geschlossenen Kunst- werken abzurunden und abzulöne». Mo die Kunst Slevogts aus- hört, säugt die Mesecks erst an. Der sinnliche Eindruck. den zu gestalten das Ideal des Impressionisten ist, gilt dem Stilkünstler nur als das Rohmaterial, aus dem er etwas völlig Neues schafft. Dieses Neue, das in sich gefestigte und in sich geschlossene Kunstwerk, hat olle Erinnerungen an die Studie und die Stizze abgestreist, es unterliegt nicht mebr dem ihm wesensfremden nnd wandelbaren Gesetz der äußeren Natur- Wahrheit, sondern nur noch dem eigenen strengen und unveränder- lichen Gesetz des inneren Rhythmus, aus dem heraus es konzipiert und geschaffen wurde. Gewiß sind die ausgestellten Arbeiten nicht durchweg Kunstwerke und auch unter den graphischen Zyklen„Pro- melheus",«Hymne an die Nacht" und«Penthesilea", die der junge Künstler im Laufe des letzten Jahres geschaffen hat, findet sich manches Unausgeglichene. Aber auch diese kleinen Blätter zeigen das Streben nach rein künstlerischer, ntoimnieittaler Wirkung, ein Streben, das in den besten unter ihnen, in der.Totenklage" und der.Verklärung", wo ein starker Gesühlsinhalt in wenigen kraft- vollen Linien zusamiiiengefaßt ist, restlos zum Ziel gelangt. Aus einer dem Gros der Zeitgenossen völlig fremden Welt scheint Johannes Molzahn herzukommen, von dem der .Sturm"(Potsdamer Str. 134») eine reichhaltige Kollektion zeigt. Mit auffallend reifen und selbstsichernn Werken, die stahl- Harle Formen in kalten grün-blau-grauen Farben gaben, trat dieser junge Künstler vor Jahr und Tag zum ersten Male an die Oeffenl- lichkeit. Er schien früh seine eigene Note gefnnden zu haben, und es drohte die Gefahr, daß er in Manier verfallen könnte. Darüber beruhigt uns die neue Ausstellung. Molzahn erscheint in völlig verändertem Charakter. Hatten seine früheren Arbeiten ettvas von verhaltener Energie, etwas kraftvoll Sprödes' und keusch Askctiiches. so schwelgt er jetzt in einem Gefühlsüber- schwang, für dessen Ausdruck ihm daS Gegenständliche nicht mehr ausreicht. Er«st ein Prophet des abiolitteii Expressionismus geworden..Pole",'.Stcrnbewegung",.Mysterium— Mensch", .Geschlechter",.Energien" nennt er die Gemälde, die in einer außer- ordentlich komplizierten Farben» und Linienrhythmik den neuen Stürmen Ausdruck geben sollen, die seine Seele erschüttern. Ich sage.sollen", denn ich muß qestehen, daß es mir nicht gelungen ist, mich in die neue Ausdrucksweise Molzahns vollkommen hinein- zusühlen. Ick habe hier den fatalen Eindruck teilweise von ettvas krampfhast Ueberheiztein, teilweise von einer gewissen Trockenheit und Müdigkeit. Möglich, daß es an mir liegt: heute kann ich nur sagen: die früheren Arbeiten dieses zweifellos hochbegabten und nach den höchsten Zielen strebenden Künstlers gelten mir mehr. Dr. John Schikowski. Das größte Fernrohr der Welt. Bisher genoß die Jerkcßstcrn- i varte bei Chicago den Rubm, daß größte Fernrohr der Welt zu de- sitzen. Diesen Ruhm wird sie aber bald an die neue Sternwarte der kanadischen Regierung in Vicwria, Britisch-Columbia, abtreten müssen. Das große Spiegelteleskop dieser Sternwarte mißt 72 Zoll im Durchmesser,'wäbrend das Fernrohr auf der Uerkeßsternwarte nur 40 Zoll mißt. Im Gegensatz zu anderen Rieseninstrumenten, die von Milliardären geschenkt und nach ihnen benannt wurden, ist dieses neue Teleskop von der kanadischen Regierung erbaut worden. Die Wahl eines passenden Platzes für das Observatorium bot viele Schwierigkeiten. Endlich entschloß man sico wegen seiner, Höhenlage und seiner reinen und tlaren Luft sür Victoria. Die Lage der neuen Sternwarte ist idyllisch. Sie liegt auf der Höbe eines Hügels, 732 Fuß über dem Meere und etwa acht englische Meilen von der Schlickes �lbschieösworte. Der Berbandsvorsitzende des Deutschen Metallarbeiterve r- bandes, Reichsarbeitsminister Alexander Schlicke, hat bei seiner Abreise nach Berlin an den Verbandstag folgenden Brief gerichtet: Kolleginnen und Kollegen! Stach 2Sjähriger Tätigkeit scheide ich aus meiner Stellung als Verbandsvorsitzender. Ich tue dies mit gemischten Gefühlen, aber in Erfüllung meiner Pflicht. Daß mir der Abschied nicht leicht wird, brauche ich nicht zu erklären. Ich ivar dazu entschlossen, ehe die Meh'rheitsverhältnissc der heurigen Generalversammlung fest- standen. Die Entwicklung, die unser Verband genommen hat, machte es mir unmöglich, auch nur einen Teil der Verantwortung zu tragen, die das Amt des ersten Vorsitzenden verlangt. Ich sch.'ide in der Ucberzeugnng, daß die jüngste Entwicklung des Ver- bandes unseren Mitgliedern nicht zum Vorteil gereicht. Nachdem aber das Wort die Macht über die Tat errungen hat, muß ich als auftechter'Man», der zu sein ich mich stets bemüht habe, mich von Euch trennen. Ich bin Werzerigt, daß die Arbeiter- bewegung wie jede Volksbewegung etwaige Fehler aus sich h-raus berichtigt. Sie hat das bisher getan mit großen Opfern. Diese zu vermeiden, war mein aufrichtiges Bestreben. Wir bedürfen zum Aufbau unserer Wirtschaft jeder Kraft. Diese geht von der Arbeiterschaft aus u n d m u ß von ihr ausgehen. Darum ist die Einigkeit, die Entschlossenheit der Arbeiter erste» Gebot. Sie zu erreichen, war mir stets vornehmste Aufgabe, ihr cittgögcnzuwirken. schien mir stets als das größte Verbrechen an beb Arbeiterschaft. Das ist es heute mehr denn je. Der Deutsche Metallarbeiterverbaiid ist mein Lebensinhalt. Die Ver- einigung der Metallarbeilcr, geistiger wie Handarbeiter, ist mein Ideal seit einem Mensche nalt er. Den Gedanken in die Massen gesschleudert, ihn konsequent verfolgt und gepflegt zu haben, ist und bleibt meine Genugtuung. Kolleginnen und Kollegen! Ihr steht vor schweren Aufgaben. Nur Eure Einig- k e i t kann sie lösen. Wollt Ihr Euch Enttäuschungen ersparen, so stellt Euch auf den Boden der Wirklichkeit. Laßt Euch nicht blenden durch Worte, scheidet nicht aus die Stimme der Er- fahrungen, die in der Verbandslcitung verkörpert ist. Erschwert dieser nicht ihre Ausgabe. Beurteilt sie wie Euch selbst. D i e Gewerkschaftsbeweg u.n g ist ihren Weg zwang- läuftggegangen, sie wird ihn weiterzwangläufig gehen. Sie zieht die führenden Geister in ihren Bann. An der Praxis zerschellt jede fternde Theorie. Als Gegner von Entschlüssen, denen die Macht zur Durchsetzung fehlt, habe ich stets vor ihnen ge- ivarnt. Das ist der Gegensatz in unseren Anschauungen. Ihn zu überbrücken, fühle ich mich zu schwach, besonders wo der Wille dazu zu fehlen scheint. Darum trete ich in die Reihe der Mitglieder zurück, getragen von der Ueberzeugung, dadurch die der Metall- arbeiterschaft so notwendige Einigkeit erhalten zu kömien. Alexander Schlicke. die(Quelle üer verleumöung. Der Reichskanzler hat am 16. Oktober an den Abgeordneten Löbe- Breslau ein Schreiben gerichtet, in dein er sich erneut mit der Verleumdung beschäftigt, die der Studienreferendar Kromphardt in einer Magdeburger Ver- sammlung ücher die Stellung des Kanzlers zur Heim- kehr der Kriegsgefangenen ausgestreut haben soll. Reichskommissar Stücklen hat bereits öffentlich fest- gestellt, daß der Kanzler natürlich niemals eine solche oder eine ähnliche Aeußerung getan hat, sondern alles tue und unterstütze, was auf deutscher Seite zur Rückkehr der Kriegsgefangenen geschehen kann. Die Ermittlungen haben nunmehr ergeben, daß der Studienreferendar Kromphardt die verleumderische Aeußerung gar nicht getan hat. Dagegen ist unter anderen Briefen von Kriegsgefange- neu auch ein Brief vorgelesen worden, in dem ein G e f a n< g e n e r schreibt, er habe gelesen, daß der Regie- Stadt entfernt. Das Gebäude selbst ist rund und vollkommen aus Stahl erbaut. Da- Rohr des Teleskops ist 40 Fuß lang und weit genug, um ein gewöhnliches Automobil durchzulassen. Sieben Jahre hat es gedauert, bis die Arbeiten mi diesem Riesenfernrvhr boendigt rvaren. Bruno Franks„Trösterin" erlebte im Münchener Schauspiel- ljanS ihre llrauffübnmg nnd wurde von wohlgesonnenem Freundes- kreise init vielem Beifall aufgenommen. Elie Heims, die Dar- stellerin, von der Wärme, Herzliidkeit und Menschlimkeit auSstrahlie, war das einzig bluilebendige in dieser Novelle in Dialogen. Alles übrige ist Garienlaude, die noch unerträglicher wäre, wenn Bruno Frank nicht ein so woblgepflsgicr Stil eigen wäre. Wenngleich dieser dramatisierten DreieckSgeschichle mit feststehenden Typen, die man fertig beziehen kann, in Einzelheiten-neue Wendungen ab- gewoniieii find, so bleibt ihre Banalität doch nicht zu überbieten. Was soll uns solche Lebensbctrachiung aus der Alkovenperspektive, selbst wenn das Seelenobjelliv eingeschaltet ist? Was liegt an den paar Tränen, die weichherzigen Frauen dabei über die Wangen laufen? Dies alles sind Dinge von ehedem. UnS geht eS um Heuliges, Morgiges, Zulünstiges. L. 24. Toller gegen de» Kurfiirstendamm. Die Weigerung der.Tribüne", Tollers Revolniionsdrania.Wandlung" vor streikenden Arbeiter» (nach ihrer Aussassung: einseitige Zusammensetzung) zu spielen bat den Dichter selbst aus den Plan geführt. Er hat aus Eichstädt, wo er die Konsequenzen seines Idealismus trägt, an die.Freiheit" telegraphiert:»Erhebe schärfsten Prolest gegen das Verhalten der Geldmänner der.Tribüne" gegenüber den Streikenden. Mein Slück gehört nicht dem Kursürstendamm, sondern den Arbeitern. Weitere Schritte unternommen." Der Stxindberg-Streit. Der zehnte Senat des Kammergerichls bat die gegen den Verlag Oesterheld ergangene einstweilige Ver- süg'ung, die dem Verlag bei Strafe verbot, die von ihm ge- plante neue Strindberg-Uebersetzung von Heinrich Gvebel heraub- zugeben und zu vertreiben, nach längerer Verhandlung aufge--' hob«». Derselbe Senat hatte sich vor einiger Zeit bereits a� den Standpunkt gestellt, daß die Werke Strindbergs, die bis zu. 31. Dezember 1008 erschienen sind, ins Deutsche übertragen wer- den können, ohne daß die Strindbergschen Erben bzw. der Ueber- setzer Schering urheberrechtliche Ansprüche geltend machen können. Der Jngcnieurtag. Am 27. und 28. Ottober veranstaltet der Verein Deutscher Ingenieure seine diesjährige Hauptversammlung in der Aula der Technischen Hochschule in Charlottenburg. Tort werden u- a. sprechen Staatssekretär a. D. Dr. August Müller. Berlin:„Durch loelche Mittel muß die deutsche Industrie der Ver- änderniig ihrer Produktionsbedingungcn Rechnung tragen?"— Geh. Rat Prof. Tr., Dr. ing. Walter Reichel-Berlin:„Borläufige Grenzen im Elektromaschinenbau."— Prof. Dr. ing. Adolph Nägel-Dresden:„Zur Reform der technischen Hochschule."— Reg.- Banmeister Otto Buschbaum-Gleiwitz:„Borschläge zur Reform des deutschen Verkehrswesens." Theater. Für da» Große Schausplclhaus ist als Vorlragsmeister nebe» Berthold Held OSlar Hojmcisler vom Stuttgarter Landestheater ver- pflichtet worden. Musik. Bei dem ersten SoimtagmittagS-Konzert im Schiller- Theater flehen Beetdoocn-O.ilarleit Op l« in F-dur und Mozarts Quartelt in G-rnolI aus dem Programm. Blech spielt den Ztlavterpart.— In dem 3. Somitagskonzert des Blüthner-OrchefterS am IS. wntt als Solist Julius vom Scheidt mit(tu a. Prolog aus.Bajazzo").
Nr. 533 ♦ 35. Jahrgang Heilage ües vorwärts aiiCTIggHHMHWMMMMWWaMMHMl SonnabenS, 18. Oktober 1H19 Deutsche Nationalversammlung. Ivl. Sitzung, Freitag, den 17. Oktober, 1 Uhr. Am Regierungstisch: Koch. Anfragen. Abg. Mumm(Dnat.) beschwert sich über Verwendung' von Reichsgeldern zur Propaganda im Regierungssinne. Regierungsrat Brecht erklärt, daß keine demokratische Regierung aus Bekamp- sung volksfeindlicher Agitationen verzichten könne; ein großer Teil dieser Propaganda werde nicht mit Reichsgcldern bezahlt. Anfragen der Abgg. R i e d m ü l I e r(Soz.) und Frau Pfülf (Soz.) erhalten Antworten, wonach die Regierung ihr möglichstes tut. den vor dem Kriege in der Schweiz wohnhaft gewesenen Reichs- deutschen die Einreiseerlaubnis zu erwirken und die privaten Vor- schulen nach einer angemepenen Uebergangsfrist verschwinden werden. Usber die Teilnahme am Religionsunterricht entscheidet der Bestimmungsberechtigte. Eine Form schreibt'die Reichsversassung dafür nicht vor, das Reich wird sich mit den Landesregierungen darüber ins Einvernehmen setzen. Die Reichsregierung wind die bayerische Regierung aufmerksam machen, daß das neue Schulgesetz des bayerischen Landtages vom 14. August d. I. in dem Punkte, der das Ausscheiden der Lehrerinnen oiit ihrer Verehelichung aus dem Schuldienst vorsieht, der Reichsversassung widerspricht. Hausholt öes Innern. (Fortsetzung der zweiten Lesung.) Abg. Frau Zieh(II. Soz.): Wenn wir Vereinheitlichung vom Kindergarten bis zur Universität erreichen, so ist damit erst die Form gegeben, die mit sozialistischem Geist ausgefüllt werden muß. Die Schule der Zukunft mutz die weltliche Arbeitsschule sein. Das neue Schulkompromitz schafft aber eine schlechte morsche Grund- läge. Den Jugendwohlfahrtsräle» bringen wir das größte Miß- trauen entgegen. Von einer Regierung, die auf Jugendliche schießen läßt, erwarten wir nichts. Die Kindererwerbsarbcit sollte restlos beseitigt werden. Die Erziehung zum Sozialismus wird am besten helfen, die Scliundliterawr zu bekämpfen. Doch die Regierung verhindert diese Erziehung, denn sie verbietet die Jugend- schriften unserer Partei und der Kommunisten, selbst solche, in denen nicht ein Wort der Aufreizung cnthaltien ist. Auch unser Organ in Oberschlesien ist verboten worden. Der Homoscxualismus ist in der ljnksradikalen Jugendbewegung u n- möglich, darum bedeutet der Vorwurf des Abg. Braun eine un- glaubliche Denunziation. Jede Zensur, auch die am Kino, öffnet der Willkür Tür und Tor. Man mutz den Film bot der Produktion fasten. Wenn der Reichswehrminister behauptet, daß in Berlin bloß 22 Schutzhäftlinge seien, so ist das eine Unwahrheit. Jetzt ist es schlimmer als unter dem fluchwürdigen Sozialistengesetz. Die Polizeitruppen beunruhigen die Bevölkerung und stehen mit dem Friedensvertrag in Widerspruch. Die Arbeiterschaft mutz die Augen offen halten, um geeignetenfalls die halbe Revolution zur ganzen zu machen. Abg. Mumm(Dnat.): Die Regierung erklärt, es müsse eine Erklärung abgegeben werden, wenn ein Kind am Religionsunter-. richt teilnehmen soll, das heißt, die Teilnahme am Religionsuntcr- rieht zur Ausnahme und die Nichtteilnahme zur Regel machen. Reichsminister des Innern Koch: Die zweckmäßigste Form dieser Erklärungen soll erst im Ein» vernehmen mit den Landesregierungen festgestellt werden. Ter Wiederaufbau in Ostpreußen wird etwa zwei Milliarden kosten. Die Pflege der Kriegergräber obliegt denjenigen Staaten, auf deren Territorium die Gräber liegen. Gegen Arbciterräte bin ich nur, soweit sie sich politische Rechte anmaßen. Eine Vcrfiigung, wonach kein unabhängiger Sozialift im Reichsdienst beschäftigt wer- don dürfe, besteht nicht. (.Hiernach ergreift das Wort Reichswehrmini st er Noske. Die Bemerkungen der Abg. Zieh geben ihn, Veranlassung, auf den Berliner Streit in der Metallindustrie und den Elektrizitätswerken einzugehen. Es entwickelt sich daraus eine heftige Debatte Mischen Sozialdemokraten und Unabhängigen, die wir an die Spitze der heutigen Nummer setzen. Stach Beendigung dieser Debatte geht die Beratung des Haus- Halts des Reichsmimsteriums des Innern weiter.) Abg. Frau Zieh fordert die baldige Vorlegung cineS Reichs- schulgesetzeS. Untcrstaatssekretär Schulz teilt mit, daß ein umfassendes Wohlfahrtsgesetz in Vorbereitung ist. Die Abgg. Drinks(Soz.) und Kuhnert(U. Soz.) fordern Kom* munalisierung des Hcilwcscns. Der Antrag aus Kommunalisierung des Heilwesens wird ab- gelehnt, nachdem die Unabhängigen gegen Ueberweisung an einen Ausschutz Widerspruch erhoben hatten. Ein deutschnationaler An- trag, die Regierung zu ersuchen, bis zur dritten Lesung eine Nach- Weisung der im Neichsarchiv, Zentralnachweisamt und Landesvermessung beschäftigten Beamten und ihrer Gehälter vorzulegen, wird angenommen. Ebenso der ganze Haushalt des Rcichsministeriums des Innern. Sonnabend, 1 Uhr: Reichsarbeilsministerium. Schluß 6% Uhr. * Erwiderung Srauns an§rau Zieh. Abg. Genosse Adolf Braun schreibt uns: Frau Zietz hat in der heutigen Sitzung der Nationalversamm- lung behauptet, daß ich in msiner gestrigen Rede zum Etat des Reichsministeriums des Innern die kommunistische Jugendbewe- gung, von der sie selbst sagt, daß sie sie nicht kenne, unerhört de- nunziert habe. Sie hat es weiter tief bedauerlich erklärt, der Rechtssozial-ist Dr. Braun habe behauptet, daß auch in der kommu- nisti scheu Jugendbewegung Homosexuelle sich betätigen und Leute der Homosexualität huldigen. Sie meinte, gegen mein« Behaup- tungen protestieren zu müssen. Frau Zietz scheint meine Worte nicht richtig erfaßt zu haben. Da sich auch eine bürgerliche Abgeordnete ini Gegensatz zu vielen zustimmenden Aeußernngen zu meinen Ausführungen über die Wandervogelbewegung sehr abfällig geäußert hat, möchte ich das, was Anlaß zu diesen abfälligen Urteilen gegeben hat, hier nach dem unkorrigierten Stenogramm wörtlich mitteilen: Auch die Wandervogelbewegung ist in ein sehr bedenkliches Fahrwasser geraten, und in der kommunistischen Jugendbewe- grnig, in der sehr viele, wenn auch eigenartige ideelle Triebe vor- Händen sein sollen, soll sich auch der Homoscxualismus in sehr eigenartiger Weise breit machen, nicht als ein wirklicher Homo- sexuailismuS, sondern als eine stark« Männerliebc, als eine gar einseitige Predigt eines ungesunden sexuellen Lebens und sexu- eller Abweichungen, die uns außerordentlich gefährlich erscheint. Wer diese Bemerkungen liest, muß über das Urteil von Frau Zietz höchst erstaunt sein. Es sind ganz sympathische Worte über die kommunistische Jugendbewegung von mir gebraucht worden. Man kann eine Warnung, aber keine Denunziation aus den Worten herauslesen. Die zitierten Sätze sind im Anschluß an eine Kritik der Auffassung des Herrn Dr. Hans Blüher gefallen, der eine Geschichte der Wände rvogelbewegung geschrieben hat. Festgestellt muß werden, daß Dr. Hans Blüher diese Bewegung auf die boma- sexuelle Erotik zurückführt. Diese Richtung ist von den gesunden Elementen der Wandervogelbewegung bekämpft worden. Leider gibt eS in ihr auch sehr unreife Leute, die den Ideen des Herrn Dr. Hans Bküher unterliegen. Von außerordentlich gewissenhaften und sachkundigen Freunden der Jugend bin ich zu meinen Bemerkungen veranlaßt worden. Sie sind erwachsen aus meiner tiefen und bei jeder Gelegenheit betätigten Liebe für die Jugend.ohne Unterschied ihrer Gedanken- richt ung. Frau Zietz hatte vergessen, daß Bolageririigsziistand und Schutz- hast beim Etat des Reichskanzlers behandelt wurden und daß des- halb für mich kein Anlaß vorlag, das von unserer Partei in einer früheren Debatte. Klargestellte noch einmal darzulegen. Trotzdem hat sie auch dies zum Anlaß ihrer Polemik genommen. Adolf Bräun(Franken). GrofrBerlw Unsinnige Gerüchte. Von gewissenlosen Personen werden wieder die wildesten Ge« rüchte über Schießereien an den verschiedensten Stellen Berlins wie auch Neuköllns ins Leben gerufen. Wie Ivir uns bei den amtlichen Stellen informiert haben, ist an keiner dieser Stellen von solchen Schießereien etwas bekannt. In Neukölln ist weder beim Magistrat wie auch im Polizei- Präsidium etwas davon bekannt. Es ist bedauerlich, daß es wieder Hetzer gibt, lvelchc durch die Erregung solcher Gerüchte wieder eine erregte Stimmung herbeiführen wollen. An die vernünftigen Einwohner aber richten wir die Mahnung. solchen wilden Gerüchten keinen Glauben beizumessen und sie nicht etwa noch weitcrzuverbreiten. Ein schweres Explosionsunglück ereignete sich gestern um die siebente Abendstunde in S t e g l itz Ein Militärauto der technischen Abteilung war auf dem Wege von Charlottenburg nach Lankwitz. ES war mir 7 Mann und einem Maschinengewehr besetzt. Vor dem Hause Schildhorusir. Iva er« tönte plötzlich eine starle Explosion, wobei von den 7 Mann 4 Mann getötet, einer schwer und einer leichi verletzt wurden. Man nimmt an. daß die Explosion einer Handgranate zu dem furchtbaren Unglück geführt hat._ Zwangsmnsiregeln gegen Geschlechtskrankheiten. In der Jahrespersammluug der Deutschen Gesellschaft zur Be- kämpfung der Geschlechtskrankheiten, die gestern in Berlin stattfand. beklagte der Vorsitzende, Gcheimrat Proiessor Dr. B l a sch ko, daß trotz aller Aufchlärungarbeit der Gesellschaft die Geschlechtskrank- heiten im Lause des Krieges noch zugenommen haben. Er erwähnte, daß bei der Temobilinachung Z e hntausende von g c- schlechtskranken Soldaten eigenmächtig die La- zarettc verließen, sich unbehelligt unter die Bevölkerung mischten und ihre Krankheiten übertrugen. Der Generalsekretär Professor P i n k u s berichtete über die Ausklärungs-arbcit, in deren Dienst viele Aerztc in Vereinen und Gewerkschaften, auch für Jugendliche, ihre durch Lichtbilder und Films unterstützten Vor- träge gehalten haben. Ein wirksames Ansklärungsmitisl sind.die Wanderausstellungen, die in den verschiedene» Städten sich starken Besuches erfreuten. Zur Einführung in die Sexualpädagogik wurden Kurse für Lehrer und Studenten veranstaltet. Die Be- ratungSstellen für Geschlechtskranke finden regen Zuspruch, der stetig wächst. Den Hanptvortrag der Jahresversammlung hielt Sanitätsrat Block- Hannover über Vorschläge, die eine Sachver- ständigen komnnssion der Gesellschaft für ein Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten macht. Die Forderungen sind hauptfäch- lich folgende: Behandlungspflicht für jeden Gr- schlechtskranken, Behandlungszwang ber Gefahr der Weiterverb reit nng, Untcrsuchungszwang für dringend Verdächtige. Dafür soll das Recht aus freie Behandlung gewährt werden. Ferner wird gefördert: Anzeigepflicht der Aerzte bei Unterbrechung der Rur oder bei Gefahr oder bei Verdacht der Weiter- llerb reitung, Verpflichtung der Aerzte zur Er- forschung der Ansteckungsgesahr, Bestrafung des Geschlechtsverkehrs Kranker auch ohne Nachweis der Ansteckung anderer, Verbot der Fern beHand- lung von Geschlechtskranken, und der Ankündi- gung von Mitteln zur Behandlung. Ter Referent glaubt, daß besondere Regelung der Prostitution entbehrt werden kann, wenn ein diese Forderungen enthalterrdes Gesetz zustande- kommt. Zum Schluß zeigte Dr. R ö s ch m a n n einen den Zielen der Gesellschaft entsprechenden Lehrfilm, der sich pon dem jetzt so- genannten Aufklärungsschnndfilmeu sehr unterschied.. Lebensmittelkarten aufheben! Es ist möglich, daß wegen des Streiks der Bureauhilsskräite eine Verteilung der Versorgungökarten für die nächste Periode nicht rechtzeitig erfolgen kann. Die Bevölkerung wird ersucht, die Miltelstücke der Versorgungskarten, insbesondere Fett-, Fleisch- und Karioffelkarten der laufenden Periode aufzubewahren, da die Absicht besteht, auf diese Abschnitte i m N o t f a l l e die Nahrungsmittel zu verteilen. Tic Sparkasse der Stadt Berlin hält fortab wieder außer der Haupikasse A, am Mühlendamm 1, die Sparkassen B— L für den Sparverkehr, in vollem Uinsaiig geöffnet. Daneben sind alle Neben-- stellen bei den KanfXeuten während der üblichen Geschäftszeit gc- öffnet: Letztere, sind bis auf weiteres zur Annahme von Ein- xahlungen in jeder Höhe, zur Leistung von Rückzahlungen bis 300 Mark in jedem einzelnen Falle berechtigt. Empfohlen wird auch fiir Einzahlungen die Benutzung des Postscheckkontos 34. Auf der Zählkarte ist die Sparbuchnummer genau anzugeben. Zuschreibung im Sparbuch erfolgt später. Da sich genügend Kräfte zur Verfügung stellen, wird auch die Erösftmng der Zweigkassen in einigen Tagen erfolgen können. Mit der Ausbildung des neuen Personals zur Besetzung dieser Spar- stellen ist bereits begonnen worden. Erwcrbslosrnuntcrstüiiung. Die Auszahlung der Erwerbs- losenunierstützung ist vom 18. d. M. ab in sämtlichen Zahlstellen wieder aufgenommen worden. vös Erleuchtung. Ron, an von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdorf. (Schluß.) Mir ist all' meine Kraft wiedergekommen. Ich bin nicht mehr verwundet. Ich bin nicht mehr krank. Ich trage sie in meinen Armen. Es ist eine schwere Last, in seinen Armen ein Wesen zu tragen, das uns ebenbürtig ist. So stark man auch sein mag, man reicht kaum dazu aus. Und»vährend ich sie nun derart betrachte und ihr alles dies sage, tue und sage ich alles dies nur, weil ich wieder stark bin, und weil ich nicht mehr schwach bin. Ich sage zu Marien:„Du bist alles für mich, denn D u bist D u, und ich liebe Dich ganz und gar." Und wir denken zusammen, als wenn sie mein leben- diges Wort höre, diesen Gedanken:„Du bist ein lebendes Geschöpf, Du bist eine menschliche Seele. Du bist die Un- . endlichkeit. die ein Mensch sein kann, Du bist alles, was mich mit Dir verbündet. Was Du eben gelitten, und die Klage, die Du eben über die zertrüinmerte Jugend und des Ver- geistern der Liebkosungen hingeschüttet hast, all' diese Dinge verbünden mich Dir tief. Was ich bin, das bist Du, was Du bist, das bin ich. und darum darf ich Dir endlich bekennen und sagen: Ich liebe Dich!" Ich liebe Dich. Du bist meiner Wahrheit Wesen. Tu bist meines Wesens Wahrheit, Du bist wirklich die Ergänzung meines Lebens. Es ist mir, als wenn ich vor Dir löge, wenn ich ficht aufHörle, vor Dir zu sprechen und zu beichten. Das denke ich, und ich setze meinen Gedanken nur fort, indem ich jetzt laut fortfahre:'.Ich würde mein Leben für Dich hingeben. Ich verzeihe Dir im Voraus alles, was Du jemals tun könntest, um glücklich zu sein." �Sie schließt mich sanft in ihre Arme. Ich fühle ihre rinnenden Tränen, ich spüre ihre Worte, die gleich den mcinigen summen. • Nun ist mir, als habe sich die Wahrheit endgültig und fest gestaltet in unserem Zimmer niedergelassen. Nun offenbart sie sich und bindet zwischen uns das stärkste Band, das zwei Menschenlebewesen zusammenbinden kann. Nun sind wir ver- sichert in unserer großen Zuneigung, die wir nicht gekannt haben und die all' unsere Rettung doch ist. Ich ende und sage: Einstmals habe ich Dich um meinet willen geliebt, heute liebe ich Dich um Deinet- willen!" Da wir geradeaus blicken, liegt das letzte Ereignis bor uns, daß noch kommen muß: Wir sehen den Tod. Nur ein Weseudes deutet wahrhastig�auf alleu Inhalt unseres Lebens hin: das ist der Tod. Bei diesem furchtbaren Lichte können alle ihr Herz prüfen, die dem Tode bestimmt sind. Jetzt weiß ich wohl, daß für mich der Tod Mariens meinem eigenen Tode gleich sein wird. Und ich lveiß gleicherweise, daß nur mein Bild in ihrem Inneren noch lebt. Wir fürch- tcn uns nicht mehr vor der übermächtigen Aufrichtigkeit, die bis in diese Dinge vordringt. Wir sprechen von ihnen im Anblick dieses Bettes, dessen Bestimmung es ist, den unvermeidlichen Tod zu erwarten und keine Wieder- erweckung und Auferstehung mehr zu gestatten. Wir sagen uns:„Ein Tag wird kommen, da lverde ich ein Werk be- ginnen, das ich nicht mehr beenden werde.-- Es wird ein Spazierweg sein, oder ein Brief oder ein noch nicht aus- gesprochener Satz oder ein Traum--" Ich beuge mich über ihre blauen Augen. Das nachtdunkle Fenster steht offen, und ich sehe wieder in der Ferne die Nacht, in der im fast gestorben wäre. Ich blicke lang, lang in diese hellen Augen meiner Gattin, und ich sehe, daß ich in das einzige Grab hinuntcrtauche, das mir bestimmt gewesen wäre. In die fast unglaubliche Schönheit dieser Augen zu blicken, das ist kein Trug mehr und auch kein Trostes-Almosen. Was lebt an diesem Abend noch in uns auf? WaS be- deutet dieses Flügelrauscheu? Wird es immer heller vor unseren Augen je dunkler siä) die Nacht hcrniedersenkt? Ich stehe vor Marien. Schon scheknt sie völlig ver- wandelt. So sehr ist das Herz Meister über mich, daß ich zittere und schwanke, derweil ich zu ihr spreche:„Siehst Du, die Wahrheit ist schöner als der Traum." Nur die schlichte Wahrheit ist uns zu Hilfe gekonimeu. Nur die Wahrheit hat uns das Leben gegeben. Die Zärtlichkeit ist die höchste der menschlichen Empfindungen, denn sie ist gesellt mit Hochachtung, mit Hellsichtigkeit und beseelendem Lichte.' Begreifet, ebenbürtig der Wahrheit werden, darauf kommt alles an. Und lieben, das ist nichts anderes als er- kenneu und begreifen. DaS Leben begreifen und es in einem Wesen bis zum Grunde lieben, das ist die Aufgabe eines Menschenwesens, das ist das Meistenverk eines Menschenlebens. Nur einem Wesen allein kann soviel Hingabc gehören. Und plötzlich spricht Maria also:„Du hast gut getan, alles das zu sagen! Ja, es ist immer leicht, eine Weile zu lügen. Auch wir hätten lügen können, aber das Aufwachen aus unserer Lüge wäre desto schlimmer gewesen. Nun sind wir belohnt dafür, baß wir gesprochen haben. Das ist viel- leicht die einzige Belohnung, die wir erwarten konnten." Das sagt sie tief ergriffen, und ihr Wort greift auch bis zum Grunde meines Herzens. Jetzt steht sie mir bei mit ihrer Hilfe, und wir erreichen, eng verschwistert, diese Ueber- Welten, die der Mensch nur streifen darf, wenn die Macht seines Rechtes übernächtig wird. Unerwartet, fast tragisch, geschieht es, daß Maria so vollkommen mit meinem Worte zusammenklingt.>sie sagt;„Weil ich nur im Vergangeneu und in der Reue leben mußte, war ich wie zu Stein erstarrt. Du hast mir das Leben zurückgegeben. Du— hast mich wieder zum Weibe gewaiidelt!" Und weiter:„Ich hatte mich der Kirche zugewendet. An Gott glaubt man nur, wenn man ihn braucht. Wenn dir alles mangelt, dann lernst du bald, an Gott zu glauben. Aber jetzt ivill ich das nicht mehr tun." So spricht Maria.-- Nur die Götzendiener und die Schwachen brauchen den göttlichen Trug lote einen Heiltrank. Die anderen Menden wollen»ur sehen und verkünden. Maria lächelt. Sie ist schwebend wie ein Engel. Sie schwebt in der Lauterkeit des Abends zwischen dem Licht in der Höhe und der Finsternis in der Tiefe. So nahe bin ich ihr, daß ich nur niederzuknien brauche, um ihr noch näher zu kommen. Ich küsse ihr tränenfeuchtes Antlitz und ihren zarten Mund, ich nehme ihre Hand, über die ich meine Hände falte.--- Ja, es gibt eine Göttlichkeit, wer Herr werden will feines unermeßlichen inneren Lebens, wer den Teil nicht lassen will, der ihm vom Leben der Gesamtheit zukommt, der wende sich niemals von dieser Gottheit ab! Der Name aber ist: die Wahrheit! �. Septem b c r 1918.
Einführung dänischer Milch für Groh-Berlin. Die städtischen Körperschaften haben in gemeinsamen Be- sprechungen mit den Fettstellen darüber beraten, wie dem Uebel der Atiichknappheit zu steuern und die Milcheinfuhr, wenigstens für Kinder und Kranke sicherzustellen sei. Das Ergebnis war, daß man die heimische Landwirtschaft noch Möglichkeit ausschalten und dafür Auslands milch beziehen will, die allerdings nur um das Bierfache teurer ist als die einheimische Milch Gegenwärtig erhält Berlin täglich 20(XX) Liter dänische Milch, die frei Warne- münde 2,40 M. kostet. Davon zahlt das Reich pro Liter 1,70 M., während die Kommune 71 Ps.' zu tragen hat. In der Erkenntnis, daß die einheimische Milchproduttion nicht ausreicht, um die Milch- Versorgung Groß-Berlins ficherzu stellen, hat man sich min ent- schloffen, die Einfuhr dänischer Milch gewaltsam zu steigern. Eine Kommisston von Reichs- und Kommunaldertretcrn hat sich nach Dänemark begeben und dort Lieferungsverträge für das kommende lsahr abgeschlossen. Vom 1. Januar soll Berlin täglich tK) 000 Liter dänische Milch erkalten, die nicht weniger als 107 000 M. kosten. Das Reich zahlt hiervon täglich 85 500 M., die Stadt Berlin 17 500 M. Im Monat stellen sich die Ausgaben für Aus- landsmilch also aus 3,2 Millionen Mark, somit jährlich auf 38,3 Millionen Mark. Mehr Rücksicht auf die Rentenempfänger. Wer verdient wohl mehr Mitgefühl als unsere Invaliden, diese in schwerem Lebenskampf entkräfteten oder durch Unglücksfälle früh- zeitig für ihren Beruft urltauglich gewordenen Mitbrüder? Wer aber einmal am 1. eines Monats Zeuge geworden ist von der Art, wie man ihnen allmonatlich die paar Pfennige auszahlt, der kann nur von tiefster Empörung erfüllt sein. Stundenlang stehen, hocken und liegen sie dort in Wind und Wetter auf dem Hofe, bis sie endlich abgefertigt werden. Womit will die Postverwaltung diese uner- hörten Zustände entschuldigen? Personalmangel kann doch wohl in dieser Zeit der Arbeitslosigkeit nicht der Grund sein, und an Zeit dürfte«s auch nicht fehlen, die nötigen Vorbereitungen zu treffen, da ja immer vier lange Wochen von einem Ansturm bis zum andern vergehen. Im Interesse unserer Invaliden ist auf daS entschiedenste zu fordern, daß hier bald energisch Abhilfe geschaffen wird. Noch ein anderer Uebelstand muß gerügt werden. Unsere alten Rentenempfänger sind meist schwerhörig, sehen schlecht und sind im Schreiben äußerst unbeholfen. Häufig kommen sie mit falsch ausgestellten Scheinen und sind unfähig, sich selbst zu helfen. Einfache Menschenpflicht wäre es, daß auf dem Postamt«in eigens zu diesem Zwecke anwesender Beamter diesen Hilflosen die nötige Unter- slützung gewährt, nicht durch kurze barsche Erklärungen, sondern durch die etwa notlvendig erscheinende Aenderung, soweit das ohne .Urkundenfälschung" geschehen kann. Dasselbe aber möchte ich auch für die Polizeireviere empfehlen. Vor allem sollte man diese alten Leute nicht durch einen schroffen Ton vor den Kopf stoßen. Immer noch—„nicht amtlich"! In Nr. 521 berichteten wir über Erfahrungen, die ein Berliner Lungenkranker machen mußte, als er imi August für die damals durch amtliche Nachricht aus dem Rathaus angekündigte Verteilung von 100 000 Kilogramm Nährmitteln für arme Kranke sich melden wollte und den Armenarzt mn das hierzu erforder- liche Krankheitsaltest bat. Der Arzt erklarte, er wisse von der Sache nichts, die von den Zeitungen gebrachte Nachricht sei(nahm er in seiner Unwissenheit an) nicht amtlich und daher für ihn nicht maß- gebend. Ms nun im Oktober eine wiederum amtliche Mitteilung erschien, daß abermals Lebensmittel, und zwar diesmal 12 000 Kilo- gramm Speck und Schmalz an arme Kranke und auch an schwerbeschädigte Kriegsteilnehmer verteilt werden sollen, machte unser Gewährsmann einen neuen Versuch, den Armenarzt unter Hinweis auf die neue Zeitungsmeldung um das beizubringende KrankhättSattest zu bitten. Aergerlich antwortete. der Arzt, er wolle nicht fortwährend mit der Zeitung belästigt weichen, ihm sei von der Sache nichts bekannt, die Nachricht sei wieder nicht amtlich, sonst müßte er vom Armenamt schon Mitteilung erhalten haben. Erst als der Kranke darüber klagte, daß er bei der ersten Verteilung infolge der damaligen Verweigerung des Attestes leer ausgegangen sei, lreß der Arzt sich dazu herbei, ihm ein Attest auszustellen, doch nur unter der nochmaligen Versicherung, amtlich wisse er nichts von der Sache. Zwar weiß so ziemlich jedes neugeborene Kind, daß den Zeitungen die LebenSmittclnachrichten von amtlicher Stelle zu- gehen. Warum aber wird nicht, bevor man die Verteilung für arm« Kranke durch die den Zeitungen übersandte amtliche Nach- richt ankündigt, den Armenärzten davon Kenntnis ge- geben? Es tut not, daß endlich Ordnung in diese Wirtschast hineinkommt! Als übrigens unser Gewährsmann das glücklich er- langte Attest zur Zentralstelle für Krankenernährung trug, gäb man ihm auch dort den Bescheid, er solle warten, bis— die amtliche Bekanntmachung herauskommt. Der alte BureaakratismnS. Ein Leier schreibt uns: Auf Grund einer Bekanntmachung deS Pankower Gemeinde- Vorstandes, daß Kriegsbeschädigte bei Belieferung mit Kohlen auf Antrag bevorzugt werden, schickte ich meine Frau zur Krieg»- beschädigtenfürsorgeftelle, um auch iür mich, der ich alS lungen- leidend vom Militär entlassen bin, die Vergünstigung zu erWirten. Aber mein Militürpaß Und die Bescheinigung vom BezirtSkommando, daß ich eine Heilstätte aufsuchen soll, genügte den Herrschaften nicht. Slat! dessen stellte man fest, ob ich Eltern habe, wann diese ge- boren, welchen Mädchennamen meine Mutter trug, wo wohnhaft, Beruf. Ferner welche Stellungen ich vor dem Kriege hatte; bei welckier Firma zurzeit beschäftigt, genaue Adresse derselben. Welcher Krankenkasse ich angehöre, wieviel Jnvalidenmarken ich geklebt habe und ob ich in der Reichsverficherung bin, und wieviel Gehalt ich beziehe. Es folgten noch einige ander« Fragen. Jedenfalls kann ich wirtlich versichern, daß nicht eine Sache unberührt blieb. Ich habe nun gefragt, ob alle diele Fragen nötig find, um einem kranken Menschen, der sich als solcher ausweist, mit Kohlen zu veriorgen? Die Frage, die der Einsender aufwirft, ist durchaus berechtigt. Nur dürfte diese Frage nicht nur die Pankower Verwaltung, sondern auch noch andere, und zwar staatliche wie kommunal« etwas angehen. Wäre es nicht endlich angebracht, auch diesen ZopfauSder alten wilhelminischen Zeit endlich abzuschneiden?_ Zuzngssperren. Vom Magistratsassessor B r u m b y- Neukölln Unrd unS ge- schrieben: Zuzugsbeschränkungen widersprechen nicht nur dem in der neuen Verfassung verankerten Grundrecht der Freizügigkeit, son- dein stören auch unser Wirtschaftsleben. Der preußische Minister für BolkSwohl fahrt hat deshalb in einem den Magistraten jetzt zugegangenen Rundcrlatz vom 18. v. M. die Ermächtigung zu Anordnuirgen zurückgezogen, die enttveder den Zuzug ausdrücklich sperrten oder aber— und das war der schlimmere Fall—, ohne sich als Zuzugssperve kenntlich zu machen, doch als solche gehandhabt wurden. Voran gehört zu diesen nunmehr außer Kraft gesetzten Anordnungen die Bestimmung, daß Mietverträge, um rechtswirksam zu sein, der vorherigen Zustimmung deS EinigungS- amtcS(oder Wohnungsamtes) bedürfen Es war schon lange kein Geheimnis mehr, daß nicht lediglich die Wohnungsbedürsttglest und die Angemessenheit des Mietzinses nachgeprüft wurden, daß viel- mehr Ortsfremden(selbst Angehörigen von Nachbargemeinden) fast ausschließlich die Zustimmung versagt wurde, selbst wenn sie euer Wohnung dringlichst bedurften. Man urteilte so mit der Geste: einer Mutter, die einen Bettler nicht abspeist, weil sie ihre eigenen j Kinder nicht satt kriegt. Praktisch war in solchen Gemeinden der Zuzug gesperrt, und daS Unheilvolle war dies, daß häufig Orts- fremd«, durch den Mangel einer ausdrücklichen Zuzugssperre ge- täuscht, Mietabreden trafen und sich, weil sie loegen ihrer unver- kennbaren Wohnungsbcbnrftigkeit auf die Zustimmung des Eini- gungpamtes(Wohnungsamtes) rechneten, schon auf den Zuzug ein- richteten. Dieser Mißstand wird nun aufhören; eine andere Frage ist aber, ob Zuzugssperren damit unmöglich gemacht sind. Die Ge- meinden können nach der Wohiiungsmangclverordnung frei werden- den Wohnraum in Beschlag nehmen und Wohnungfuchende ein- weisen, derart, daß im Falle einer nicht genügend begründeten Weigerung des Hauswirts das Einigungsamt den Vertrag zwangS- weise festsetzt. Nimmt die Gemeinde daraufhin durch eine öffent- liche Bekanntmachung allen fteiwerdenden Wohnraum zugunsten der Bewerber in Beschlag, die im Wohnungsnachweis vorgemerkt wer- den, so braucht sie nur bei den Vormerkungen den Ortsfremden die Ortsan gehörigen schlechthin vorzuziehen, also Ortssvemde auf die Bewerberliste hintanzusetzen, und die Zuzugssperre wäre erreicht. In der Tat hat nun der Minister den Wohnungsverband Grvtz-Bcrlin unter dem 27. v. M. zu bestimmen ermächtigt, daß aller freitverdender Wohnraum(zwar nicht zeitlich uneingeschräntt, aber) eine Woche lang nach der binnen 24 Stunden zwangspflich- ttgen Anzeige des Freiwerdens zur Verfügung der Gemeinde steht und diese ihre Bewerber aus der Liste des Wohnungsnachweises ein- weisen kann. Der Wobnnngsverbanb hat diese Bestimmung unterm 6. d. M. getroffen. Aber der Minister hat gleichzeitig Vorsorge getroffen, daß die Handhabe der Bewerberliste nicht auf eine Zuzugssperre hinausläuft. Er hat nämlich bestimmt, daß Personen, die von Orten außerhalb des Berbandsgebiets Groß-Berliu zuzieben, vom Wohnungsverband �(Klopstockstr. 24) eiinen Dringlichkeitsschein beantragen können, daß dieser für«ine bestimmte Gemeinde nach einem bestimmten Verteilungsschlüssel auszustellen ist, und daß der Inhaber eines solchen Scheines nicht nur einen papierenen Anspruch aus Berücksichttgnng in dieser Gemeinde hat, sondern daß sich der Wohnungsverband die Be- wevbevliste der betreffenden Gemeinde jederzeit vorlegen lassen und die Stelle bestimmen kann, cm der der Wohnungsuchende zu berück- sichtigen ist. Ja, der Wohrnwigsverband kann weiter jeden unter Mißachtung dieser Bestimmung von der Gemeinde vermittelten Vertrag für nichtig erklären. Solveit der Zuzug von außerhalb des Gebiets des Woh- nungsverbandeS in Frage steht, kann daher gesagt werden, daß eine den Zuzug sperrende Handhabe des WohnungsnachlvefleS vom Wohnnngsvcrband gehindert werden kann. Dagegen kann der Vor- band nicht eingreifen, soweit es sich um den Zuzug innerhalb deS Wohnnngsverbandes, d. h. von einer Groß-Berliner Einzel- gemeinde in die andere handelt. Hier hat es der einzelne Woh- nungsnachwciS in der Hand, die Wohnnngsuchenden der Nachbar- gemeinden erst nach vollständiger Befriedigung des WohnungS- bedürsnisses innerhalb der eigenen Gemeinde zu berücksichtigen. Berschiebung von Lokomotiven nach Polen hat der frühere Lazarettinspekwr-Stellvertreter Alfred Rahn aus Stetttn versucht. Bei seiner Vernehmung gab er an, die Sache in die Wege geleitet zu haben, um die Beamten, die etwa auf seinen Plan eingehen würden, zu verraten und sich so eine Belobnnng zu verdienen. Diese Ausrede ließ er jedoch bald fallen, als ihm nachgewiesen wurde, daß er die Verschiebung bis ins kleinste vorbereitet und sogar einen zweiten Mann aus Stettin ge- Wonnen hatte, der die Verbindung der Weichen mit den Block- stattonen lösen sollte. Rabn wurde bereits in Küstrin verhastet, als er dort vom Stationsgebäude aus die Abfahrt der beiden Loko- motiven beobachtet hatte und sich nun beftiedigt über das Ergebnis seiner Feststellungen mit einem Eisenbahnbeamten, der ebenfalls zum Schein aus fein Vorhaben eingegangen war, entfernen wollte. Die übrigen Mitglieder der Gesellschaft wurden dann von Beamten deS Landespvlizeiamtes, die sich zum Teil in den Bvemserbäu Scheu versteckt gehalten hatten, in Neppen bei Uebergabe der beidSn Loko« motiven plötzlich überrascht und festgenommen. Die beiden Lokomotiven waren ganz neu aufgearbeitet und in bester Verfassung. Ihnen sollten, wie weiter festgestellt werden konnte, zunächst weitere 17 Lokomotiven und dann ein ganzer v-Zug folgen. 1000 Mark Belohnung sind auf die Ergreifung des 24 Jahre alten PostauShelferS Ludwig R ühl und die Wiederbeschaffung des unterschlagenen Geldes ausgesetzt. Nach den bisherigen Feststcllun- gen halt sich Rühl noch in Berlin verborgen, wahrscheinlich in der Gegend der Swinemünder Straße. Seine Frau hat er mit drei Kindern in traurigen Verhältnissen zu- rückgelassen. Mitteilungen über ihn werden ttn Zimmer 39 des Polizeipräsidiums entgegengenommen oder telephonisch Anruf Südring Nr. 4083., Linie 23 Ntederschönhauien— Schöneberg wird vom 2l. Oktober ab wieder nach ihrem früheren Endpunkt m der Wotenstrabe zmückverlegt. Charlottenburg. Stadtverordneten-Bersammlung. In der Mittwochsitzung wurden 780 M. zur Herausgabe eines Verzeich- nisseS empfehlenswerter Jugenfchriften für die Ober- und Mittel» stufen der Gemeinde- und höheren Schulen bewilligt. Der Kanali- sationSverwaltung wurde eine Nachforderung von 34 000 M. bs- willigt. Für die Erweiterungsbauten auf dem Gelände des Wald- Hauses Eharlottenburg wurde eine Nachbewilligung in Höhe von 720 000 M. gefordert. Die Vorlag« wurde einem logliedrigen Ausschuß überwiesen. Für unbesoldete Magistratsmidglieder wurde eine monatliche Entschädigung von 125 M. beschlossen. Die Magistratsmitglieder können die für städtische Zwecke aufgewandten Fahrkosten berechnen. Lebhaft wurde bedauert, daß der Erlaß des preußischen Ministerium» vom 16. September d. I. über die Be- schasfung von Wohnungen den Gemeinden nur antzerordent- lich geringe Rechte gibt. Stadtsyndlkns Sembritzki brachte zum Ausdruck, daß diese Kritik gegen die Verordnung ncht gang berechtigt ist. In Charlottenburg ist die Trennung sehr dieler größerer Wohnungen mit verhältnismäßig geringen Kosten mög- lich In Charlottenburg war am 1. Ohtober niemand mehr obdach- loS. Für die Aufführung der KleinwohnungSbanten in der Niebuhrstraße ist einer Nachbewilligung von 1 Mill. Mark znge st i m int worden. Durch Ablauf der alten Tarifverträge mit dem 31. August werden die Lohnerhöhungen für das gesamte Personal des DeutschenOpernhauses für 1910— 1920 voraussichtlich eine Mehrausgabe von 639 750 M. erfordern. Ans diesem Grunde ist es notwendig, dt« Eintrittspreise vom 1. Ok- tober ab wesentlich zu erhöh«. n. Die vorgelegte lieber. sich zu Erhöhung der Eintrittspreise wurde durch unseren Redner Gen. Dr. Borchardt kritisiert. Dem Opernhaus muß unbedingt der Charakter einer Voltsoper erhalten werden, deshalb müssen wir versuchen, tie unteren Plätze von der geplanten Preiserhöhung auszunehmen. Die Beratung hierüber wird einem lögliedrigen Ausschuß überwiesen. Die Vorlage über Unterstützung deS Säuglingsheims in Char. lottenburg-Westemd wird angenommen. Es sollen schnellstens Ver- Handlungen wegen Uebernahme des Heims durch die Stadt ein- geleitet werden. Eine an den Magistrat gerichtete Anfrage, ob Vorsorge getrof- fen ist, für den Winter Wärmehallen bereitzustellen, wird dahin- gehend beantwortet, daß der Magistrat eifrig bemüht ist, in aus- reichendem Maße geeignet« Räume freizuhalten. Die Verhandlun- gen sind noch nicht abgeschlossen, lassen aber ein befriedigendes Er. gebnis erwarten. Weiter wurde angefragt, aus welchem Grunde der Einheitsttsch für Aerzte, Schwestern und Personal m den Krankenanstalten noch nicht vollständig eingeführt ist. Gen. Stadtrat Dr. Sußmann er- klärte dazu, daß aus den Kreisen des Personals und der Wärter nach der Neuregelung der Verpflegung keine Beschwerden gekom- men sind, wohl«cher haben die Aerzte mit Recht da,!über Beschwerde geführt da ß die Ernährung füe fb« nicht als ausreichend zu bezeichnen ist. Auf Anfrage erklärte der Magistrat, daß er wegen Ansfübrwng von Siedlungsbauten aus dem Gelände an den Wasserwerken mft einer Baugenossenschaft in Vorverhamdlungen getreten ist. Um bei günstigem Abschluß der Verhandlungen alle bestehenden Hinder- nisse zur eventuellen Ausführung der Bauten beseitigt zu haben. war es nötig, die bestehenden Pachtverträge zu söscn. Es wird versprochen, den Pächtern gegenüber die größte Nücksichl walten zu lassen. Hrrmsdorf. Aus der Gemeindevertretersitzung. Entsprechend dem Steigen der Arbeits- und Materialkosten wurde der Gaspreis auf 50 Pf., der Wasserpreis auf 43 Pf. ftir den Kubikmeter erhöht. Für die durch einen Ausschuß aus Mitgliedern aller Parteien be- gründete Voltshochschule wurde ein jährlicher Zuschuß von 100 M beantragt; er wurde auf Antrag unseres Genossen Knnth aus 1000 Mark erhöht unter gleicbzeitigcr Annahme der Bedingung, daß der Hörerpreis auf 3 Mk. für jede Vortragsreihe herabgesetzt und Do- zenten ohne Ansehen der Parteirichtung zugezogen werden müßten. Die Unabhängigen, loelche es vorgezogen hätten, inzwischen eine Volkshochschule ans eigene Faust einzurichten, zeigten sich auf die Vorstellungen der Gemeindevertretung zu einer Vereinigung an. qesicbts des ihnen gezeigten Entgegenkommens bereit, wenn nicht ihr Wortführer Bahls diese schließlich noch durch den Antrag, nicht 3 Mk. für jede Vortragsreihe, sondern 30 Pf. für jeden Vortrags- abend zu erheben, wie«8 schien, mit Absicht, zu Fall« gebracht hätte. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Zum Ankauf von Lebens- Mitteln, besonders Fettwaren, für die Gemeinde, wurden einstimmig 500 000 Mk. bewilligt. Zu einem scharfen Znsammenstoß mit dein Gemeindevorsteher kam es bei dem Antrag unseres Genossen Knnth. den Empfang der heimkehrenden Gefangenen nicht dem Vater- ländischen Frauenverein, wie von bürgerlicher Seite beantragt, zu übertragen, sondern einen Ausschuß zu diesem Zwecke zu berufen. Als im Lause der Erörterung der Gemeindevorsteher gefragt wurde, ob er denn nicht auf die republikanische Verfassung vereidigt sei, erlaubte er sich die Aeußerung:.Lich bin nicht vereidigt und lebe doch!" Unser Genosse Neunzig kennzeichnete dieses Verhalten mit gebührendem Nachdruck und wies daraus hin. daß der Herr früher eine derarttge Bemerkung niemals gemacht haben würde. Schließ- lich wurden 200 Mk. zum Empfang durch den Frauen ver ein und gleichzeitig 500 Mk. zum Empfang durch die Gemeinde ausgeworfen. Groh-Berliner Lebensmittel. Berlin. Bis Dienstag in der 52., 64—57., 63., 66., 70., 169., 179. und 214. Brotkommission und bis Mittwoch in der 68., 69., 71., 80. bis 82. Brotkommisfion vro Kops 125 Gramm Käse. Schöncberg. Bi« 21. Oktober Voranmeldung für 250 Gramm auSl. Weizenmehl(IL 20). Nächste Woche ohne Voranmeldung 250 Gramm Teiowaren(91),>/, Pfd. auSI. Weizenmehl(J191, 200 Gramm Reis(44). Kochfertige Suppen, Maismehl und Maisflocken markensrei. Groß-Serliner parteinachrichten. Sozialdemokratische Gemeindebeamte und Angestellte. Heute abend 7 Uhr öffentliche Versammlmig in der Sophien-Oberreallchule, Ein- gang Steinstraiie. Tagesordnung: Revolution und Beamlen'chaft. Ref.: R i e f st a b l. ES wird gebeten, recht viele Kollegen mitzubttnaen Charlottrnburg. Jeden Sonnabend findet im Sekretariat Rostnen- stiasie 4(VoltShauS). vorn I, von 5—6 die juristische Sprechstund« statt. Lichtenberg. Dienstag 7 Uhr w der Aula an der Parkaue. grofie öffentliche Volksversammlung. Tagesordnung:.Di« Sozialdemokratie im neuen Deutschland". Reserent: Gen. Rudolf Wiffell. Massenbesuch wird erwartet. Borsigwalde-Wittenan. Dienstag VI, Uhr in Wittenau bei Schulze, Oranienburger Str. 88/89, öffentliche Volksversammlung. Hilüungsveranftaltungen. Bezirksbildungsausschns«. Morgen 3 Uhr im Kleinen Schauspiel- Haus, Fasanenstr. 1: Letzte Auffübrung von.Maria Magdalena". Karten zu 1,50 M. find w den.SiorwärtS". Speditionen erhälUich. Jugenüveranftaltungen. verein Arbeiterjugend Grost-Berltn. Heute, 7 Uhr, im Jugend- heim. Lmdenstr. 3. 2. Hof l. III Konferenz der ÄbteilungSspediteure Srotz- Berlin». Ohne AuSweiS kein Zutritt! Sonntag, vormittags 9 Uhr, im Sophien-Gymnallum, Wttmneisterftr. 15: Generalveriammlung. Tagesordnung: Die gegnerischen Jugendbewegungen. Bericht dcS Vorstände». Verschiedenes, Antrage. Die Mandate find non dm Abtciluiigsvvrsitzmden auszustellen. Wedding. Sonntag. 5 Uhr, Vortrag In der Treptower Sternwarte: .Da» Seiner Ober! ,nd" mit Lichtbildern. Einlaßkarten k 40 Pf. find zu haben bei Schmiedille, Prinz-Engm-Str. 15. Treffpunkt nachm. 3 Uhr bei Sachse, Lindower Str. 26. Nach dem Vortrag Besuch des Zentrat-Jugmd- Heims. Lmdenstr. 3. Nieder- Schöneweide. Lokal Hilscher, Fenftr. 26, Sonntag, 7 Uhr: UnterhalsirngSabend mit befonder-m Programm. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Jungsozialistischc Vereinigung(S. P. D.): Sonntag, Besuch deS Botanischen Gartens in Dahlem. Trcffpniilt:>/,2 Uhr Potsdamer Platz, Normaluhr. Gäste willkommen.— ReichSbund der Srirgsbeschödigten, Bezirk 1, Zentrum. BezirkSvcrfammlung: Montag, 3 Uhr abd. im Elifabethgarten, Elisadethstr. 90. Ausnahme neuer Mitglieder. Bezert 3 (Süd-Ost). Montag, 71/, Uhr. Skalitzer Str. 126, außerordentlich wichtige BezirtSversammlung. Kamerad P s ä n d t n e r spricht über das neu« Manu- schaftSversorgungsgesctz.— Eine öffentliche Kriegsgefangenen- Ber sammluiig veranstaltet der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Ortsgruppe Neulöll». Settion der KttegSgesangenen, am Soimtagvormrttag 10 Uhr in der Kindt- Brauerei, Hermannstr. 214—219 mit dem Thema:.Warum und wo organisieren fich die heimkehrenden Krlegsgesangenm?" Rcsrrenä: Kamerad P f ä n d t n e r.— Bund ehem. Kriegsgefangener. Mitglieder- Versammlung, Montag. 7'/, Uhr. Rcslauranl Schmidt. Michaetttrchstraße 26. Ausnahme neuer Mitglieder.— Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr, Klosterkirche, Vortrag deS Herrn Alsred Dietrich:.Die Technik als Kultur- macht".— Harmonium: Lied ohne Worte(Tschaikowskyl.— Montag. 7 Uhr, Schulaula Pallasstr. 15. Vortrag de» Herrn Adolf Hofimann:.Kirche und Schule im neuen VerfassungSenlwuij.— Säfte willkommen. Sportnachrichten. Das Herbftsportfeft am Donntag im Stadion wird den Abfchlufi der diesjährigen Saison bringen. Insgesamt nehmen etwa 350 Sports- leute lest. Start und Ziel vom Waldlaut und 50>KlIomeler-Gehen, sowie zum VeretiismannschastSradsahren um den Sladionpotat werden mter- essante sportliche Bilder bringen. Außerdem finden einige Radrennen statt. Beginn der Wetttämpse 3 Uhr nachm. Eintritt 6, 4 und 2 K.(im Vorverkaus 5, S und 1,50 M.). Sportpart Treptow. DaS große Handicap wird von AppelhanS. Przyrembl, Wiewerall. Roienlächer und Sawall bestritten. DaS Haupl- ftieaerrennen ist die Meisterschaft von Treptow über 1000 Meter. In einem Pramiensabren über 20 Runden starte» gegen 30 Fahrer. Ein Junioren- rennen geht um den PreiS des WettmeisterS Wtt. Beginn der Rennen 3 Uhr. Gerichtszettung. Ter Mord an dem Wächter Schulz hett vor Gericht feine Sühne gefunden. Der Haupttäter R o n i ck e wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus. Langer zu 14 und Müller zu 11 Jahren Zucht- haus verurteilt. ftue aller Welt. Der Pazifit-Atlanttk-Flug. Bei dem großen Flug von der amerikanischen Ostküste nach der Westküste sind bereits 2 Flieger totgestürzt. Nur einem Flieger ist es gelungen, den ganzen Flug von dem New Uorker Flugplatz bis an die Westküste zu vollenden.
örkefkaften üer Reöaktkon. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und ein« Nummer bei. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Eilige An. fragen trage man in der Juristischen Evrechstunde. Lindenstr. 8, 1. Los parterre links, vor. Echriftstülke und B ertrüge find mitzubringen. Ztadthagcn 3. Herrn RcichLwehrminister NoZte, Berlin NW 10 Bendlerftrahe 14.— Hilf«. Wenden Sie sich an die Kriegs« hilsskosse der Stadt Berlin, Stralauer Stratze 43/44.— W. Ja. — Z. W. und Co. Antrag an das Auswärtige Amt.— W. 6. Nach vorausgegangener Aussind erung unter ftristietzung, Klage beim Amtsgericht.— P. H. 37. 1. Ja. 2. Rein.— C. M. 30. 1. bis 3. Klage beim Amtsgericht, Abzug von der Miete ist nicht statthast.— Else G. 32. Stein, sallS die Frau sich trennt und ihr ein SchcidungSarund nicht zur Seite siebt. Für das Kind bleibt er jedoch hastbar. Für das Kind etwa 7S M monatlich, sür die Frau etwa ISO M. monatlich, falls ihr em Anspruch zu- stehen würde.— P. H. 43. Ja.— SB. 1919. 1. Bestrasung erfolgt nur dann, wenn der schuldlos geschiedene Mann innerhalb drei Monaten, von der Rcchtslrast des Urteils ab gerechnet, Strafantrag stellt. 2. Ja. — E..Test. 5. Zu Protokoll beim Amtsgericht Charlottenburg.— E. B. 4«. Wenden Sie sich an die Pasch-Grevesche Krieger-Unterstützungs. gesellschaft, Am Feitungsgrabcn 1 oder an die KriegShilsstasse der Stadt Berlin, Stralauer Straße 44/45, Zimmer 123.— Z Ja. — SB. K. 38. In Ihrem Falle handelt es sich offenbar um ein Dienst« Verhältnis des Verstorbenen zu der Firura, sonst müßte der Nachweis ge« führt werden, daß der Verstorbene Kapital in das Mcschäst hereingebracht bat und als Kompagnon in das Handelsregister gerichtlich eingetragen ist. Daher scheinen uns vie Erben Geldansprüche nicht zu haben. Zur Feuer« bestattung ist die schristliche WillenSniederlegung erforderlich. Diese Willensniederlegung niuß behördlich beglaubigt sein.— E. T. 98. An die französische Militärmisfion, Berlin, Budapester Str.— H. T. 88. Wenden Sie sich unter Darlegung des Sachverhältnisses an das Kriegs« Ministerium.— S. N. 4. Wenn Sie der Firma gegenüber eine schrist« liche Verpflichtung eingegangen sind, können Sie nicht zurücktreten. Sie sind zur Zahlung des Honorars verpflichtet, unbeschadet dessen, ob Ihre Tochter diese Schule besucht oder nicht.— W. W.>900. Nein. '— Frida 479.' 4. Don dem zuständigen Amtsgericht. 2. Ja, 8. Richtet sich nach der Höbe der Versorgungsgebührnisse des Mannes und nach dem Lebensalter der Frau. 4. Bezirkskommando.— A. H. 404. Sic sind wegen begangener Fahrlässigkeit zum Ersatz des Schadens verpflichtet. Ohne weiteres ist der Arbeitgeber nicht berechtigt, einen Abzug vom Lohn zu machen, sondern er müßte aus Ersatz des Schadens zunächst Klage beim Gewerbegerickt erheben. Wir raten indes zur Einigung.— R. R. 77. 1. An Ihre zuständige Organisation. 2. Es ist das Mieteinigungsamt an- zurufen. 3. Einen bestimmten Prozentsatz sür Mictsteigerungcn gibt cS nicht. Aus Anrufen entscheidet das Mieteinigungsamt nach billigem Ermessen und mit Rücksicht aus die wirtschaftliche Lage der Parteien.— WS. Nein. F. A. 200. 1. u. 2. Ja. 3. Beschwerde bei dem Reichswirtschastsamt. — M. 400. Im Todesfälle erbt die Frau die Hälfte des vorhandenen Vermögen» und die Wirtichastsgegenständc im voraus. Die zweite Hälfte des Vermögen» sällt an die Hinterbliebenen Kinder.— M. 200. Sie sind zum Weiterverkauf nicht berechtigt. Sie müssen zunächst dem Käuser noch« mal» eine angemessene Frist stellen und ihm anzeigen, daß Sie nach Ab« laus dieser Frist vom Vertrüge zurücktreten und den Gegenstand verkaufen werden.— Tchwcidnist 1865. Wie lange jemand Sachen aufbewahren muß, darüber gibt es keine gesetzliche Bestimmung. Sie haben das Recht, Klage zu erheben und aus Grund de» Urteils in die Sachen die Zwangs« Vollstreckung vornehmen zu lassen.— N. 100. Da Sie die gesetzlichen Voraussetzungen einer Fristbestimmung gegenüber dem Hauswirt bereits ersüllt haben, bedarf es einer neuen Terminsestsetzung nicht mehr. Sie können die Reparatur aus Ihre Kosten vornehmen lassen und den Rechnungsbetrag aus die Miete mit in Anrechnung bringen.— Hdf. Nein. — H. 87. Solange Sie aus dem Heeresdienst nicht ordnungsgemäß ent- lassen worden sind, unterstehen Sie noch dem Bezirkskommando.— Wochenhilfe Nr. 91. VerficherungSamt der Stadt Charlottenburg, Rathaus.— F. I. 87. Ein RllckcrstattungSrecht aus bisher gezahlte Beiträge haben weibliche Personen, die sich verheiraten, seit Inkrafttreten der neuen Reichsverficherungsordnung nicht mehr.— Frida W. 3333. Fragen Sie bei Ihrer zuständigen Gewrrkschast an.— 81. Z. 30. 1. ES kann sofort gepfändet werden, sosern nicht der Betrag, zu dem Sie verurteilt werden, von Ihnen hinterlegt wird. 2. Unpsändbare Sachen find: die Kleidungsstücke, die Betten, die Wäsche, das Haus« und Küchengerät, soweit diese Gegenstände zur Erhaltung eines an« gemessenen Hausstandes unentbehrlich sind.— X. U. Z. 1. Nein. 2. Ja. — M. SB.. 15. Porto lag nicht bei. Minister Heine, Unter den Linden 72—73.— R. K. 204. Wenden Sic sich an die Redaktion des.Volks» bundeS zum Schutze der deutschen Kriegs- und Zivilgesangenen", Berlin, Lindenstr. 85.— H. F. 99. Fragen Sie beim Magistrat(Abt. Wahl- sortbildungSschulen) an, ob Sie an einem solchen Kursus noch teilnehmen können.— R. B. 46. Sattlervcrband, Berlin, Brückenstraße 10b. — I. 49. 1. Ja. 2. Nein. 3. Ja.— C. K. 112. Sie würden sich strafbar machen.— E. L. 35. Wenden Sie sich an die Krankenkasse, der Ihr Ehemann angehört.— Sch. 79. Nein.— F. L. 28. Wenden Sie sich unter Darstellung des Sachverhalts an das Reichswehrministerium. Leipziger Str. 5.— Neukölln 400. Der Vater des unehelichen Kindes ist zur Nachzahlung der schuldigen Unterhaltsrente verpflichtet.— A. F. 16. 1. Ja. 2. Der Demobilmachungsausschuß kann einen Beitrag zu den Um- zugskosten zahlen, muß es aber nicht.— St. 4. Sie baben keine Aussicht, eine Unterstützung zu erhalten.— Th.U.: Th am Xolletidorfplata .!>/, Uhr: Orottsladtluit. VI, Uhr: JDcrWcf!getTefb(e Theater des Westens vi, u.; Die Frau iraflermelin Stg. 3'/. U.: Die lustige Witwe. Theater„Die Tribüne" n, uhr:„Die Wandlung." Theater d. Friedrichstadl TVa Uhr: Dr. Stieglitz mit Rod.Schüdkrant Wallner-Theater uhr Eine Ballnacht. Stg. V/i Ubr: Die Qeisha mit Mia Werber. Residenz- Theater. Unfergrundb, KiosterstraBe, Stadibahn Jannowjtzbrücke. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: HAnacl ond Bretel. l'K?".r 267. Male Das lere Lebt Von Hermann Sudermann. Regie; Alfred Rotter. Erich Kaiser-Titz, Olga Limburg, Harry Liedtke, Rosa Vaictti, Emma Dcbner,(iunold, Brcnkcndorf, Mameiok. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr.: Z. 380. Male: Per gute Rai. Trianon-Theater. Bahnhof Frledrichstralie. Untergrundbahn Friedrichstr. Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: AschcnbrUdcl. Täglich yjS Uhr; Jliaskerade. Von Ludwig Fulda. Regie: Alfred Rotter. Hansi Arnstädt, Eugen Burg, KSlhe Dorsch, Paul Bildt, Jul. Falkenslein, Hugo Flink, Paula Levermann. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr.. Jobaniiisteocr. Rose-Theater. VI, Uhr: Das Gesetz. Walhalla-Theater. Vi, Uhr: Eine Frau wie ßn. Ballett auf dem ElSe Die lustige Puppe in neuer Prachtausstattung. Admlrals-Klno Die Arche. P.« ewige PSttel. i.essliig-Theater Direktion: Victor Barnowsky. T/,: Christa die Tante. Sonnt 7>/- Christa die Tante Montag 7>/,: Christa die Tante Deutsches Klinstler- Thenter. Allabendlich T/,: Der Blauluchs. Leopoldine Konstantin, Anna- I iiese Halbe, Kurt Götz. Theo- dnr Loos, Erich Walter. iPOLLOi THKATKK W | FriedrichstraBe 218 Dir.: James Klein 7>/z aliabendl.>7>/z Sonnt 3Vz u.» Uis Welt im Jahre 2000! Gr.Varietä-Ausstatt.- sebau in 5 Bildern. | in Szene ges. von Dir. James Klein. Unter anderem Modenschau im Jahre 2000 10 Ikarier zu Pferde / Akrobatische Spiele/ Die Lichtfee In der Silbergrolte /Tänze/ Effekte a.d.Jahre2000 Senta Söneland Lucle Blattner H. Lamberts-Paulsen I Alex Stamer usw.[ Sonnt 3>/z j.Erwachs. _ 1 Kind frei! CasnuT- Theater f.othringerstraße. Tägl.s/.8U.: Großstadt-Pflanzen Volksstück in 3 Akten. Vorher: Schwarzwaldhühle. Operettenakt m.ViktorLitzek. Dazu erstklass. Spezialitäten. Sonntag>/,4: Mädchenehre. CircusJtusci Jeden Dienstag u. Freitag 8 Uhr nur Boxkämpfe!! Die übrigen Tage 7'/, Uhr: „Aphrodite" Tragikomisch. Pantomime in 3 Akt. v. Paula Busch, insz. v. Hofballettmeister Georges Blanvalet Vorher d. gr.Zirkus-Progr. Stg.3"jU. I eig. Kind frei! Cr.Rinder-Vorstelliiiig mit Amateur-Relten. M. 100,— erhält derjenige, der dreimal stehend die Manege umreitet. Tbcator am Kottbuser Toi. Tei; Moritzplatz 14 814. Jed. Abend T1/« Dbi: S!ite< 9 ehem. MitgL der Stettiner Sänger. duunt nehm 3 Uhr «rrnäB I'relselvoll Abend- Frcgranmi 1 Kind trell• Rsucbt-n gestattet Jlütngen-Konzert. Beg. V.io Uhr. VotTorkl. 11— Iba u. 4— 6 Uhr. Rcieiistiaü.-Ttieater TV« Uhr und Sonntag f nachm. 3 Uhr: itetlln. Sänger nachm. halbe Pr. 7 U�kVi Reid/shallen-E.: l-Jk JiH- Dönhnff-BrctII. Winter- Garten Wegen des umfangreichen Oktober-Spielplans — Anfang 7.15— Rnuchen gestattet I I KABARETT{ IOEHRENSTK5>I Merry Ronald Fred Marion Hlcnlta | Schlüter-Grünltz| Mary Walter 4 Varadls Irma Traun Ncgrel u. Pola Max Marzeill Paul Stelnitz Conf.: Slegfr. Platow I Am Flügel: Henschel I 0 RIENT StrausbergerPlatz Lilly Dewitz Max Hillig: Zwei Qerndts Lea Florenz Mizzi Rieder Stary Maximow Mia Greder und Paul Röckmann in ihrem Sketch „So eine Cemeinheit." Hugo Haneid Qr. ToakGnstler.Konzert Anfang 7, Sonntags<>/, Uhr. liefert gegen bar und auf Teilzahlung Schau= Burg Am Potsdam. Platz Königgrätz.Str. 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r u n g nicht viel an der Rückkehr der G e f a n g e- n e n liege. Zunächst ließ sich nicht feststellen, wo der Ge- fangen? diese unsinnige Behauptung gelesen hatte. Alis Engkind zurückgekehrte Gefangene teilen nunmehr mit, daß es sich um eine Nachricht in der Londoner„Daily M a i 1" aus dem Dezember 1918 oder Januar 1919 handle, in der dem damaligen Staatssekretär Bauer diese Aeuße- rnny unterschoben wurde. Der deutsche Korrespondent der „Daily Mail" hat versichert, daß er eine solche Aeußerung nicht an seine Zeitung gesendet habe. Das englische imperialistische Blatt hat sie sich also aus den eigenen Fingern gesogen und deutsche imperialistische Zeitungen haben sie in den letzten Monaten ja oft wieder- holt, um politische Geschäfte zu machen. Die �lusschußberatungen. Die Betriebsräte. Der Ausschuß erledigte die Bestimmungen über die Wahl des Obmanns und seines Stellvertreters im wesont- liehen nacb der Regierungsvorlage, lieber die Bestimmungen, wann die Sitzungen der Betriebsräte stattfinden sollen und wie weit der Arbeitgeber an der Berufung zu den Sitzungen teilnehmen soll, wird erst am Dienstag abgestinimt werden. Der Staatsgerichtshof. Der VerfasiungsauSschuß begann die Beratungen über die Errichtung eines Staatsgerichtshofes auf Grund einer Vorlage der Abgg. Kahl und Graf zu Dohna(Dn.). Zunächst wurden die Bestimmungen über die Ministeranklage be- raten. Der Ausschuß faßte Beschlüsse, wonach der Staatsgerichts- Hof auch bei dem Vorliegen strafbarer Handlungen zuständig sein kann, wenn der Reichstag Anklage erhebt. Es wurde beschlossen, den Staatsgevichtshof aus 15 Mitgliedern zusammenzusetzen. Vorsitzender ist der Präsident des Reichsgerichts, die anderen 14 Mitglieder werden zur Hälfte vom Reichsrat und vom Reichstag gewählt. Mitglieder des Reichstags, deS Reichsrats und der Reichs- regierung sowie der Einzelrsgierungen dürfen nicht Mitglieder des Gerichtshofes sein. EnverbslosenkunSgebungen in Hamburg. (Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Der kommunistische Erwerbslosenrat hatte für Freitag in allen Stadtteilen Kundgebungen geplant. Da das Reichswehrkommando Straßendemonstrationen verboten hatte, fanden nur Versammlungen statt. Gefordert wurde: Entschuldungssumme, Erhöhung der Reichsunterstützung und ein Gesetz über die Arbeitsteilung. Trotz stürmischem Verlauf einiger Versammlungen ist die Ruhe nicht ge- slön worden. Neue Koalitionsregierung in Gesterreich. (Wiener Drahtbericht des„Vorwärt S".) Am Freitag ist zwischen den Chrtstlichsozialen (Zentrum) und Sozialdemokraten endlich eine vollständige Vereinbarung zustande gekommen, worauf in der heutigen Sitzung der Nationalversammlung der Rücktritt des Kabinetts bekanntgegeben und die neue Regierung gewählt wurde. Sie hat folgende Mitglieder: Dr. Karl Renner(Sozialdemokrat)— Staats- kcmzler und Staatssekretär für Aeußeres. Fink(Chvistlichfozial)— Vizekanzler. EI d e r s ch(Sozialdemokrat)— Inneres uwd Unterricht; Unterstaatsfekretäre Glöckel(Soz.) und Miklas (Christlichsozial). Dr. Ramek(Christlichsozial)— Justiz: Unterftaats- sekretär Dr. E i s l e r(Soz.). Dr. Deutsch(Soz.)— Heerwesen; Unterstaatssekretär Dr. Weiß(Christlichsozial). Dr. R e i s ch(unpolitisch)— Finanzen, an Stelle Schumpeters. Die übrigen Staatssekretäre bleiben, darunter auch der Handelsminister Ingenieur Z e r d i k, der aber aus der christlichsozialen Partei austritt, weil er-- eine nichtkatholische Ehe geschlossen hat. Sein Unterstaatssekretär Genosse Dr. Ellenbogen bleibt im Amte und über- nimmt auch an Stelle Dr. Otto Bauers die Leitung des Sozialisierungsamtes. Als Staatssekretär ohne Porte- feuille tritt der christlicksioziale Tiroler Professor M a y r ein und wird mit der Vorbereitung der Verfassungs- und Ver- waltungsreform betraut. Zwischen den beiden Parteien ist eine schriftliche Vereinbarung geschlossen worden, die zunächst folgende allgemeine Grundsätze enthält: Zur Lösung der brrngsnden Aufgaben, insbesondere der staatssinanzicllen und der Verfassungssrage, ist die Koali- tion notwendig. Die beiden Parteien sind einig darüber, ihr Verhalten auch außerhalb der Regierung so zu regeln, daß das Zusammenarbeiten in der Regierung möglich bleibt. Für die allgemeine Politik der Regierung und für die Regierungshandlungen, die einvernehmlich be- schlössen worden sind, tragen beide Parteien solidarisch die Verantwortung. ES ist unzulässig, daß eine Partei die Verantwortung vor der Oeffentlichkeit abzuwälzen versucht; die Fraktionen übernehmen die Verantwortung für alle von ihren Mitgliedern ausgehenden parlamentarischen .'lktionen. Die beiden Parteien werden ihre Presse in' den Ländern und Gemeinden in dem Sinne zu beeinflussen be- müht sein, daß sie durch die Form ihrer politischen Kämpfe die Zusammonarbeit in der StaatSreglerung und in der Na- konalversammlung nicht gefährden. Im befonderen werden beide Parteien ihre Angehörigen in geeigneter Weise darauf aufmerksam machen, daß es nicht angeht, wirtschaftliche Not- stände, wie Ablehnung von Gehalts- und Lohnforderungen, die aus finanziellen Gründen nicht erfüllbar sind, parteipolitisch auszunutzen. Zur Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen den koalierten Parteien bestimmen beide eine gleit!)« Anzahl von Vertretern, die auf Verlangen einer der beiden Parteien oder der Regierung zu Besprechungen zusammentreten.— Dann folgen eingehende Bestimmungen über die einzelnen Angelegenheiten, vor allem über die Finanzreform und die einmalige Vermögensabgabe. Die Nationalversammlung hat �hnc Debatte die Rati- fizicrung deS StaatSvertraqes von St. Germain beschlossen. Eine von sämtlichen Parteien eingebrachte Resolution bittet dir Alliierten dringend, jetzt ohne jeden Verzug die Heim- beförderuug der Kriegsgefangenen durchzuführen. Eine neue Verzögerung ües Zrieöens. Trotz aller Vorbereitungen uvd aller Versprechungen und Berichte ist der Austausch der R a t i f i k a t i o n s- Urkunden der drei Mächte noch nicht erfolgt. Diese Verzögerung hat ohne Zweifel einen ernsten politischen Hintergrund. Die Vorgänge im Baltikum, die das Mißtrauen der Alliierten in hohem Maße erregt haben, bilden noch immer den Gegenstand ernster Erwägungen. Man will offen- bar das Inkrafttreten des Friedens so lange hinausschieben, bis die Entente völlig sicher ist, daß Deutschland in keiner Weise Vorteile auf russischem Gebiet erlangen kann. Der Austausch der Ratifikationsurkunden ist nun über- Haupt noch nicht abzusehen. Nach dem Pressebureau Radio ist dieser Akt auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben. Die drei Mächte, die den Vertrag ratifiziert haben, geben vor, nicht in der Lage zu sein,' die nötigen Vorbereitungen zu treffen, um die Bestimmungen des Vertrages innerhalb kurzer Zeit nach der tatsächlichen Rati- fikation durchzuführen. Kleine politische Nachrichten. Walder freund Goltz. Der General Graf Waldersee, der reaktionär-monarchislische Unverschämtheiten gegen den verabschiedete» Gcneralstabschrs Gröncr verbreitete, ist von Noske kurzerhand aus der R-ichSwchr hcrauSgeworfctt worden. Ihm folgt in großem Bogen der General v. d. Goltz, sobald es als wahr er- wiesen ist, daß er dem russischen Freischärler Bcrmondt ein Glück- wunschtclcgramm geschickt hat. Die Dokumente über die Kriegsschuld. Gegenüber der Behaup- lung der.Freiheil', daß von einer Sichtung oder einer Ergänzung der Dokumente über den Kriegsausbruch durch den Grafen Montge- las und den Prof. Dr. Schücking nicht die Rede sein könne, muß festgestellt werden, daß eine solche Sichtung und Ergänzung durch die genannten Herren tatsächlich siattgefuuden hat und zwar im Einverständnis mit KautLky selbst. DaS Befinden Haascs. Das Befinden des Abgeordneten Haase hatte sich nach einer vorübergehenden Besserung im Laufe des Donnerstag abend wieder etwas verschlechtert. Indessen lauten die am Freitag nachmittag eingetroffenen Berichte günstiger. Die Blut- Vergiftung kann jedocli noch nicht als überwunden gelten. Während zuerst mit einer Krankheilsdauer von nur wenigen Tagen gerechnet wurde, glaubt man jetzt, daß die Heilung jedenfalls noch mehrere Wochen dauern wird. Ein neuer GoldtranSport nach England. Nach belgischen Zeitungen ist ein neuer Transport deutschen GoldeS im Werte von 4V Millionen Mark nach Antwerpen abgegangen, von wo er nach England übergefühlt werden soll. Das Wedeln. Der ehemalige Hofschauspieler Ferdinand Bonn hat in dem verbotenen Kaiserfilm die Rolle Wilhelms II. gespielt, die diesen nicht gerade in günstigem Lichte zeigt. Ueber Ferdinand Bonn alS Charakter sind die Akren längst geschlossen, aber auffallen muß es, wenn gerade die„Deutsche Tages- zeitung" Bonn vorhält, wie er früher den Kaiser„angehün- delt" und„angewedelt" habe.— Als Bonn hündelte und wedelte, hatte die„Deutsche Tageszeitung" an diesem Gebaren nicht das Mindeste auszusetzen; sie fand das im Gegenteil sehr pa- triotisch und monarchisch Sie und ihre Leute machten es genau so. Wenn jetzt den Monarchisten die Erkenntnis kommt, daß sie früher allesamt den überspannten Wilhelm auf Hundeart ver- ehrt haben— wir wollen sie in dieser Erkenntnis nicht stören. Nur wedeln sie jetzt schon wieder nach Amerongen hin- über. Gegen Lebensmittelausfuhr. Die ReidhSeinfuhrsielle hat die Einfuhr von Lebensmitteln von Privaten und Gemeinden in das besetzte Gehiet verboten. Es soll verhindert werden, daß Lebensmittel unter Ausnutzung des Balutastandes über die Reichs- grenzen nach W e st e n abgeschoben werden. Die Demokraten feiern de» 9. November nicht. Die deutsch- demokratiscbe Fraktion der Nationalvhriammlung hat sich entgegen den Vorbereitungen unierer Parteigenossen sowie der U. S. P. ent- schlössen, den 9. November nicht zu seiern. Die demokratische Partei beabsichtig: vielmehr den Tag, an dem mit der Annahme der Weimarer Verfassung die Grundlagen für das demokra- tische Deutschland gelegt worden sind, künstig als Feiertag zu be- gehen._ 14. Generalversammlung öes Deutfthen Nletallarbeiterverbanöes. Stuttgart, 16. Oktober 1919. 4. Verhandlungstag. Der Verbandstag nahm heute den Schlußbericht der Mandatsprüfungskommission entgegen. Wie in Dresden, hatte der Vorstand auch a g d« b ur g zwei Man- date wegen unzulässiger Wahlbeeinflussung kassiert. Hier handelte es sich um Anhänger der Minderheit, an deren Stelle zwei Mitglieder der Opposition traten. Ein Antrag forderte, wie im Dresdner Fall, die Ungültigkeitserklärung dieser Mandate. Der Verbandstag ging aber über diesen Antrag zur TageSord- n u N g über und stellte sich somit in direkten Gegensatz zu den im Dresdner Fall gefaßten Beschluß. Dann schritt der Vcrbandstag endlich zur Konstituierung. Zu Vorsitzenden mit gleichen Rechten wurden gewählt: Reichel- Stuttgart(Vorstand), Brandes- Magdeburg und R. Müller- Berlin von der Opposition. Brandes übernimmt den Vorsitz. Nach der Wahl der Kommissionen, der Festsetzung cher Tagesordnung und der Erledi- gung der geschäftlichen Angelegenheiten erstattet R e i ch e I- Stutt- gart den Bericht des Borstandes. Er führt u. a. aus: Der Vorstand hat sich in seiner Tätigkeit streng an die Beschlüsse von Köln gehalten. Den Vorwurf, daß er nichts getan hat, um den Krieg zu verhindern, hat man in- zwischen fallen gelassen. Aber immer noch wirft man uns vor, wir hätten kriegverlängernd gewirkt. Wir umfaßten nur 16 Proz. der Metallarbeiter. Die Macht und der Einfluß einer Organi- sation aus die Oeffentlichkeit richtet sich aber nach ihrer Mit- gliederzahl und ihrer Aktionsfähigkeit. Die Ar- beiter selbst tragen ein groß Teil Schuld daran, daß wir nicht schon früher einen stärkeren Einfluß aus die öffentlichen Gewalten aus- üben konnten; sie hätten den Anschluß an die Organisation früher machen müssen. Der auch in die Gewerkschaften hinein- getragene B r u d e r z w i st hat ihre Aktivität sehr beeinträchtigt. Dauert die Spaltung länger an und wird die Kluft nocb tiefer, dann wird cS schlimm b e st e l l t sein um die Durch- führung des ivirt schaftlichen Sozialismus. Darum legen wir entschieden Verwahrung ein gegen die Absplitte- rungsbestrebungen, besonder? gegen die mehr syndikalistischen im Westen. Wir müssen die Einheit und Geschlossenheit unserer Orgcmifatton unter allen Umständen aufrechterhalten. Der Vorstand hat alles getan, um die Lohn- und Arbeitsbedingtingen zu heben. 1917 waren an 2048 Lohnbetvegungen 1 408 557 Personen und an 86 Abwehrbewegungen 35 000 Personen beteiligt. Am l. September zählten wir 1400000 Mitglieder, darunter 200 000 Frauen, wobei leider aber schon ein« rückläufige Bewegung fest. gestellt werden muß. Namens des Vorstandes weise ich mst aller Entschiedenheit den Vorwurf zurück, wir seien Stützen des Kapiia- lismus. Geschützt wird er nur dann, wenn, wie zurzeit, uner- füllbare Forderungen aufgestellt und die Grund» lagen unseres Wirtschaftslebens vernichtet werden. Mehr wie je müssen wir uns in dem Bestreben nach So- zialisierung vor Experimenten hüten. Wo sie uns den möglichst vollen Ertrag unserer Arbeit sichert, treten wir jederzeit für sie ein. Wir brauchen mehr Charakterbildung und müssen uns vor der Heranziehung einer Massenmcinung hüten. Dann werden wir unsere Aufgaben besser erfüllen können. Der Vorstand gibt gern zu, daß Versäumnisse vorgelommen sind, aber nicht böswillig geschah das, wir waren eben auch den Ver- Hältnissen unterworfen. Wollen wir unsere Zukunftsaufgabcn er- füllen, so müssen wir vor allem im persönlichen Geiste zusammen- arbeiten.(Rufe: Noske l) Die Welt braucht nicht Haß und Zwic- tracht, sondern Versöhnung. Es muß aufhören, daß Kollegen, die ihre getverkschaftliche Arbeit zur vollen Zufriedenheit geleistet haben, vo r die Tür gesetzt werden, nur weil sie politisch anderer Meinung sind.(Psui-Rufe.) Wir haben keinen Ueberfluß an eingearbeiteten Kräften, man hat in letzter Zeit Kollegen zu Geschäftsführern gcmackit, die erst wenige Wochen oder Monate der Organisation angehören.(Stürmisches Hört, hört!) Ohne eine Steigerung unserer Arbeitsleistung kommt unser wirtschaftliches Leben jetzt und in Zukunft nicht vor- wärts. Nicht für den Kapitalismus, sondern für die Arbeiter, für die Allgemeinheit müssen wir intensiv arbeiten. Wir müssen unsere Taktik der Uebergangszeit, in der wir setzt zwischen kapitalistischer und sozialistischer Wirtschaftsordnung leben, anpassen. Die Revolution an sich ist noch nicht beendet. Ihr« Entwicklung muß aber eine organische sein, und wir müssen den Blick auf das Ganze richten, dann wird unser Wirtschaftsleben auch aufblühen. Redner warnt dann vor der Annahme der vor- gelegten Mißtrauensanträge und der in einzelnen Zahlstellen ge- pflogenen Taktik, und schließt: Soll in Deutschland die sozialistische Gesellschaft erreicht werden, dann bedürfen wir der tatkräfti- gen Unterstütz nng der internattonailen Ülrbei- t e r s ch a f t. Im Lande selbst müssen wir alles tun, die wirt- schaftliche Lage unserer Arbeiterschaft zu verbessern, aber nach Mög- lichkeit alle Arbeitseinstellungen unterlassen. Tragen wir unsere Differenzen in sachlicher und entschiedener Weise aus, dann werden wir nicht nlir für unsere Kollegen, son- dern für das gesamte deutsche Volk und darüber hinaus für die ganze Internationale wirken!(Lebhafter Beifall.) Anschließend daran erstattet die in geheimer Sitzung ein- gesetzte Kommission für den Berliner Streik Bericht und legt folgende Resolution vor:/ Die 14. Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes spricht allen zurzeit im Kamvfe stehenden Kollegen ihre Sympathie aus und versichert, ihrerseits alles zu tun, um diese Kämpfe zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Die Ge- neralversammlung erblickt in den der Arbeiterschaft aufgezwun- genen Kämpfen den planmäßigen Versuch, die Arbeiterschaft zu willenlosen Ausbeutungsobjekten?» machen und die Organisation der Arbeiter zu zertrümmern. Diese Absichten zu verhindern, ist die Generalversammlung fest entschlossen.— Die Generalversammlung erhebt auch den schärfsten Protest gegen alle von Organen der Regierung oder sonstigen Behörden erlassenen Maßnahmen, die geeignet find, die gesetzlich gewähr- leisteten Rechte und Freiheiten des Volkes zu beschneiden und den Absichten der Unternehmer gegen die Arbeiter Vorschub zu leisten.— Insbesondere verurteilt die Generalversammlung das Verbot und die gewaltsame Sprengung von B e r- liner Gewerkschaftsversammlungen, sowie die Verhinderung der Herausgabe der Publikations- o r g a n e der Berliner Metallarbeiter.— Als nächste Maßnahme wird die Generalversammlung unter entsprechender Er- höhung der Beiträge die Streikunterstützung erneut fest- setzen. Des weiteren wird die Generalversammlung olles ver- suchen, der geschlossenen Front der Unternehmer die ge- schlössen« Front der Metallarbeiter gegenüberzu- stellen, und richtet deshalb an alle Metallarbeiter das Ersuchen, sich restlos dem Deutschen Metallarbeitervcrband anzuschließen. — Die Generalversammlung fordert alle im Kampfe stehenden Kollegen, auf, geschlossen auszuharren, bis alle reaktionären Pläne der Unternehmer abgeschlagen sind. Richard Müller, Heinrich Schliestedt, Friedrich Sickert, Johann Striefler, Karl Vorhölzer. Die Resolution wird unter lebhaftem Beifall der Mehrheit e i n st i m m i g angenommen. Die Haushaltungskommission schlägt vor, die Diäten auf 45 M. festzusetzen. Beschlossen wird nach längerer Debatte, 40 M. zu bewilligen. Der ausgefallene Arbeits- v e r d i e n st wird den Delegierten ersetzt. Hierauf tritt die Mittagspause ein.— In der Nach» mitdagssitzung werden die Korreferate der beiden Fraktionen zum Vorstandsbericht erstattet. Distman-Frankfurt a. M: Di« in Köln aufgestellten Richt- linien waren für den Verband kein Freibrief.(Sehr richtig!) Während des Krieges rückte der Vorstand vom proletarischen Klassenkampfe ab, kämpfte Schulter an Schulter mit Regierung und Bürgerlichen für Fortführung des Krieges unter dem Schutze des Burgfriedens. Die Streiks wurden verpönt umd höchstens d«, wo sie stärker aufloderten, stillschweigend geduldet. Krieg dem Kriege, für den Klassenkampf, gegen den Burgfrieden— da? war seit Köln Parole der Opposition. Weil der Weg seit dem 9. No- oember rückwärts ging, erlebten wir die bedauernswerten Zu- sarnmenstöße mit ihren schweren Opfern an Gut und Blut. Die verderbliche Kriegspolirik wurde in erster Linie getragen von der Generalkommission der Gewerkschaften und g c- deckt vom Verbandsvorstande. Ditzmann entwickelt dann in langen Ausführungen die Stellung der Opposition gegen die Kriegspolitik. Nicht nur die Bethmann Hollweg, Ludendorff und Tirpitz sind schuld an dem Elend des deutschen Volkes, sondern auch diejenigen, die die Politik dieser Verbrecher unterstützt haben. (Stürmischer Beifall bei der Mehrheit.) Der Verbandstag wird es ablebuen, die Politik der Generalkommission zu akzeptieren. Der größte Fehler des Proletariats war es, daß es n a ch d e m 9. N o- vember die Macht nicht fe st hielt, um unter der D i k- tatur des Proletariats zum Sozialismus zu komme». (LcbbafleS Sehr richtigst Es empört uns, wenn, man für die nach Soz:c!:s!eruiiq hungernden Massen kein anderes Rezept hat als den neuen Militarismus mit seinen No-kegarden. Ter KapitaliZ- mus'st Ii» seiner fruchtbarsten Blüte bestehen geblieben, das Pro- letariat aber soll durch die Einwohnerwehren brutal niederge- knüppelt werden, wenn es sich gegen sein? Feinde erheben sollte. (Sehr richtig!— Zuruf: Justav muß bleiben!) Es ist falsch, zu sagen: erst aufbauen und dann sozialisieren. Ich behaupte, die deutsche Wirtschaft ist jetzt reif für die Sozialisierung.(Zu- ruf: So?) Jawohl, das unterstreiche ich dreimal.(Zuruf: Kautsky!) Wir denke» in unserer großen Mehrheit nicht daran, uns dit Aufsnsslingeu KantSkys in allen Einzelheiten zu eigen zu machen. Jtaran andern auch Hilferding, Ströbel und Nestripte nichts.(Sehr richtig! bei der Opposition.) Wir wollen die Revo- lution bis zum Sozialismus durchführen.(Zuruf Reichel: Ein- verstanden!) Na, zum Donnerwetter, wenn Ihr einverstanden seid, dann gebt uns doch die Hand, um den revolutionären So- zialismus durchzuführen.(Stürmischer Beifall bei der Opposition.) Für das R ä t e sy st« m hat der Vorstand nur Hohn übrig gehabt. Redner tveist dann oui die Notwendigkeit einer Verständigung m i t Rußland' hin, gibt det Hoffnung Ausdruck, daß es der internationalen Arbeiterschaft gelingen möge, den Frieden von Versailles zu revidievc-n und schließt seine zweistündigen AuSfichrun-
Yen unter dem tosenden Beifall sei'ner Freunde mit dem Ruf: Keine ArbcitSgeineinschaftenI Vorwärts mit eiserner Entschlossen- heit auf dem Boden des revolutionären Klassenkampfes. Tie Verhandlungen wurden dann auf Freitag, Uhr, vertagt. Fünfter Vcrhandlungstag. In der heutigen Sitzung nimmt der Redner der Minderheit, Kummer- Leipzig, das Wort zu seinem Korreferat. Er führt u. a. aus: Tas Proletariat hat von der ständigen Debatte über die alten Unterlassungssünden und Fehler keinen Vorteil zu er- warten. Wir sollten uns vielmehr auf die Besprechung dessen bc- schränken, was seit Köln geschehen ist. Wenn man auch nicht mit allein einverstanden ist, was ider Vorstand tat, man mutz unter- stellen, datz er das Beste für die Mitglieder wollte. Eö ist nach meiner Ilnsicht nicht angängig, datz Schlicke eine Zwitter- stellung einnimmt. Ehe er in die Regierung eintrat, hätte er sich mit den Verbandsinstanzen auseinandersetzen sollen. Mit den Problemen, die uns belvegon, beschäftigt sich heute die ganze Welt; die Lrbeiterschast des Auslandes hütet sich aber, beim Suchen nach neuen Gedanken verschiedene Wege zu gehen. Diejenigen, die von ihr das erwarten, was man hierzulande„revolutionäre Bctäti- gung" nennt, werden manche Enttäuschung erleben. Die Arbeiterschaft in den demokratischen Ländern bedient sich zur Durch- setzung ihrer Forderungen nur demokratischer Mittel. WennDitzmann der Anficht ist, datz wir noch zwei oder drei Revo- lutionen haben müssen, dann sagen wir, jefct gilt es aufzubauen. (Sehr richtig! bei der Minderheit.) Dieser Aufbau kann Jahrzehnte dauern. Jedes Mittel, das die Kauwfkraft des revolutionären Proletariats lähmt, die Einigkeit schädigt, den Hunger ver- mehrt und die Not steigert, ist reaktionär.(Sehr gut!) Die Diktatur des Proletariats, die Dtzmann will, kann niemals die so- ziale Revolution durchführen.(Lebhafter Widerspruch der Oppo- sition.) Lest Eure eigenen Theoretiker! Bisher haben wir immer nur die Diktatur einer Litcratrn-Clique gehabt.(Sehr gut! bei der Minderheit.) Sie sollten die Flammen. zeichen von München und Budapest lesen. Tie Diktatur ist ein reaktionäres und kein revolutionäres Mittel. Kampf gegen den Kapitalismus, Aufbau des Sozialismus, das ist die vor- nehmste Aufgabe der wirtschaftlichen Organisation. Nicht von heute auf morgen werden wir sie erfüllen können. Mit aller Macht und Klugheit müsse« wir diesen langwierigen Prozetz fördern. Die Sozialisierung und mit ihr die sozialistische Gesellschaft mutz kommen, sie wird kommen, in demselben Matze wie die Arbeiter- schaft es will.(Lebhafter Beifall bei der Minderheit.) Mit einem warmen Appell zur Geschlossenheit und Einigkeit des Proletariats schlietzt der Redner. In der Diskussion erhielten abwechselnd die Redner der beiden Parteien das Wort. Der Kampf wird mit grotzer Leiden- schaft im Rahmen der Korreferate, geführt. Auch Karl Lcgien ergreift das Wort und führt u. a. öuS: Mit D i tz- mann stehe ich bereits seit einem Vierteljohrhundert im Kamps, weil er aus den Gewerkschafte» etwa? anderes machen will. Wären wir ihm gefolgt, dann hätten wir heute keine sieben Millionen Mitglieder. Die Gewerkschaften sollen alle Arbeiter ohne Partei- politischen und religiösen linterschied umfassen. Revolution- ch e n kann man auch mit indifferenten Arbeite'« fuhrdu, den S o- zialiSmus aber kann man nur erkämpfen mit einer Arbeiterschaft, die gesund i st an Körper und G e i st. Die so- genannte.Kviegspolitik" der Generalkommission ist nichts anderes als die Fortsetzung der jahrzehntelangen Politik der Gewerkschaften. (Sehr richtig!) Bon der Vorständekonferenz vom 2. August 1814 wird erzählt, sie habe nur den Zweck gehabt, den Kapitalismus zu stütze». Umgekehrt war es, der Rettung der Gowerkschaften, deren Auflösung imr bestimmt erwartete», galten ihre Beratungen, Haben Sie(nach der Opposition) alles vergessen, was die Gewerkschaften getan haben? Man spricht immer nur von der Kriegspolitit im Dienste der Regierung. Unsere Arbeit stand nur im Dienste des Proletariats. lZuruf: Hilssdienstgesetz!— Gelächter.) Hätten wir eine anldere Politik getrieben, dann ging es nus in Deutschland so, wie es unseren Genossen im besetzen Gebiet geht. Der Krieg konnte nicht verhindert werden; nachdem er aber da war, war eS unsere Aufgabe, sich hinter unser Land zu stellen. Ohne diese Politik hätten wir keine russische und keine deutsche Revolution und nicht die Hoffnung auf eine solche in den westliche.» Staaten. Die jetzt herrscheiche Strömung in den Gc- werkschaften wird vorübergehen. Wenn Sie lzur Opposition) keine Politik, sonldern gewerkschaftliche Arbeit leiste» wollen, dann müssen Sie ebenso arbeiten wie. der jetzige Vor- stand.(Sehr richtig!) Tun Sie etwas anderes, dann rui» nie.ren Sie Ihre Gewerkschaften und daran»erden Ihre eigenen Kollegen Sie hindern. Die Arbeitsgemeinschaften sind ebenfalls nur die Fortsetzung unserer bisherigen Politik. Heut« ist es leicht zu streiken; die Kasten sind ja alle sehr gefüllt. Wie lange haben wir aber vor 28 Fahren mit Frau und Kind hungern müssen, um einen Erfolg zu erringen.(Lebhaftes Sehr richtig! bei der Min- derheit.) Ich sage noch einmal, die Kriegspolitik war die Fort- setzung unserer alten GclverkschaftSpokitik, nichts anderes; sie lag nicht im Jntercffe des Kapitalismus oder der damaligen Regie. rung, sondern im Interesse des Proletariats. Daran halte» wir fest— auch in Zukunft.(Stürmischer Beifall bei der Minderheit.) Der Kommunist M u lle r- Bremen sagt: Die Debatte hat eine erschreckende Unwissenheit über das Wesen des So- zialiSmus offenbart.(Heiterkeit.) Tie Spallung der Arbeiterschaft war eine edensolahe geschichtliche Notwendigkeit wie der Ausbruch des Kriegs. D<75 m a u n erhielt grötzten Beifall dort, wo er am lni r g e r l i ch st e 11 sprach.(Lebhafte Heiterkeit und vielfaches: Sehr Richtig!) Wir wissen, datz Arbeit jetzt mehr wie je nötig ist, aber wir wissen auch, batz wir nickt mehr für den Kapitalisten ar- beiten wolle».«Vereinzeltes: Sehr richtig!) Gegen Schlutz der Debatte läuft folgende Resolution Titz- mann ein: „Die Gciieralvcrsaimiilung verwirft die Haltung und Politik, die von der Generalkommission der Gewerkschaften Teutschlands und von den leitenden Instanzen unseres Verbandes während der Jahre des Krieges und nach den Novembertagcn 1818 eingenom- inen wurde. Diese Kriegspolitik lietz den Klasseiikmnvfcharakter der Gewerkschaften verschwinden und fcnxd ihren Anschluh an der Seite der herrschenden Klasse der bürgerlichen Parteien und führte zum engsten Zusanimenarbeiten mit dem Augenblicke ni den söge- nannten Arbeitsgemeinschaften, in denen sich die Vertreter freier Gewerkschaften in bolder Eintracht mit de» Bereichern an der Arbeiterklaffc, den Kavttalistcn, zusarnincngefunden haben. Die verwerfliche Kriegspolitik der leitenden Gewerkschaftsinftanzen und-vorstäirdc fand ihre logische Fortsetzung nach den Tagen der Revolution. Anstatt den rcSiZlutiouären Kampf des Proletariats mit allem Nachdruck zu fördern, wurde die Haltung der gleichen Gelvcrkschaftsinstanzen vielfach zu einem Hemmnis de» prole- tarischen Befreiungskampfes inmitten der Revolution. Ter Wiederaufbau unserer Volkswirtschcht mutz ein sozialistischer sei»; davon ausgehend, sind Haltung und Politik des Verbandes konse- quent auf dem Boden des revolutionären Klassen- kampfes und des Rätespstenls einzustellen, um den Kampf des Proletariats zum schnellen und sicheren Siege des So- zialiSmus zu führen, mündend in der siegreichen Welt- rcvolntion des Proletariats. Innerhalb de» Metall- arbeiterverbaiides ist den Mitgliedern im weitgehendsten Sinne das Mit. und Selbstbestimmungsrecht zu gewährleisten, lieber rein örtliche Angelegenheiien entscheidet die Mitgliedschaft am Orte, desgleichen über die Verwendung der lokalen Gelder sowie Erhebung und Verwendung örtlicher Ertrabeilräge. Berwal- tungSstellen, deren Generalversammlungen sich nach einem Ver- tretersystem zusammenzusetzen haben. Letztere haben ihnen«ine Grundlage zu geben, die es den Mitgliedern vor dem Stattfinden einer jeden Generalversammlung— solche haben mindestens vierteljährlich stattzusinden— ermöglichen, ihre Vertreter zur jeweiligen Generaloersammliiiig zu bestiimnen. Die Angestellten der Organisationen haben sich gleich den Ortsverwaltungen einer jährlichen Neuwahl zu unterziehen; das gleiche gilt für die Angestellten in den einzelnen Bezirken durch die zuständigen BezirkSorganisatienen resp. Bezirkskonierenzen. Die OrtSver- waltungen bedürfen keiner Bestätigung dirrch den Vorstand.' Dazu erklärt HaaS-Köln: Diese Resolution siebt mir zu dik- taturmätzig auS. Das Statut soll ausgeschaltet werben; zu seiner Aenderung sind zioei Drittel Mehrheit nötig. Das will Titz- mann durch die Annahme dieser Resolution verhindern. Danach wird durch einen Schlutzantrag die Debatte geschlossen. In der NachmittagSsitzung erhielten die Referenten das Schlutz- wort. Kummer lehnt die Resolution Titzmaim entschieden ab. Demgegenüber erklärt.Disimann, datz er mit seinen Freunden jedes Koiiipromitz ablehnt, sondern unztvei deutig die Meinung des Kongresses zum Ausdruck bringen will. Reichel bedauert, datz in der Debatte weit mehr die Matznahmen der Regierung wie die des Vorstandes kritisiert worden sftid. In einer Nachtsitzung wird sich der Verbandslag mit der Frage der Arbeitsgemeinschaft beschäftigen. HewerkschaflsbeMglmg Enüe öes Streiks öer öureauhilfskräste. Am gestrigen Freitaginittag hat im Berliner Rathaus eine mehrstiindige Sitzung der grotzen Deputation stattgefunden, mn endgiiltig zu dem Streik der Bureauhilfskräste Stellung zu nehmen. Das Ergebnis war folgender Beschlutz: Dir«rohe Deputation fordert die BureauhilfSkräftc auf, sofort die Arbeit wieder aufzunehmen. Tie Schiedssprüche vom .10. April und 10. Oktober dieses Jahreö werden als zu Recht be. stehend anerkannt. Ter Magistrat wird ersucht, auf Grund dieser Schiedssprüche mit den BureauhllfSkräftcn sofort wegen Abschluß eines Tarifvertrages in Verhandlungen zu treten. Für die Entschließung stimmten die Vertreter sämtlicher Fraktionen mit Ausnahme der Unabhängigen, die sich der Stimme enthielten. Tiesem Beschlutz, der sofort der Zentralstreikleitung übennittelt wurde, war eine Anmerkung beigefügt, wonach nach einer Erklärung des Oberbürgermeisters Mermuth Maßregelungen aus Anlaß des Ausstandes nicht e r s 0 l g e n) 0 l l e n. In fünf großen Versammlungen, die nachmittags stattfanden, wurde den streikenden Berliner Hilfskräften der Beschluß der großen Deputation mitgeteilt. Nach stürmischer Aussprache wurde in allen Versammlungen eine Resolution angenommen, nach der die Versammelten zwar mit E n t r ü st u n g die Entscheidung der großen Te� Pntation zur Kenntnis nehnien, im Interesse der Ar- beitslosen rrnd der lebenswichtigen Betriebe und um eine GeiährdungdesWirtschaftslebens zu vernieidcn, sich aber zur Wiederaufnahme der Arbeit be- reiterklären. * Tie Einigung in Neukölln. Auch in Neukölln ist der Streik der Bureauhilfskräste und der damit verbundene Sympathiestreik der städtischen Arbeiter durch Einigungsverhandlungen beendet worden. Die städtischen Arbeiter haben ihre Tätigkeit bereits am F r e i t a g n a ch in i t ta g aufgenommen, die Bureauhilfskräste treten am Sonnabend morgen ihren Dienst an. Tie Einigung erfolgte auf der Grundlage, daß der Schieds- spruch als ein Provisorium angesehen wird, und daß die e�nd gültige Regelung der Gehaltssätze durch den S ch I i ch t u n g s a u s s ch u ß Groß- Berlin erfolgt. Die städtische Verwaltung Neukölln erklärte sich in den VerHand- lungen bereit, an S t r e i k t a g c n den Montag, Dienstag und Freitag zu bezahlen. Ucbcr die eventuelle Bezahlung für Mittwoch und Donnerstag soll gleichfalls der Schlich- tungsausschuß einen Schiedsspruch fällen. Lohnbewegung der Handelsarbeiter in der Papier- und Pappenbranchc. Eure«un 16. Lktolbcr tagende autzcrordentlich stark besuchte Versammlung der Handclsarbeiter aus den Papier- und Pappen- enaros>bctr.iebei, Berlins beschäftigte sich mit dem gegenwärtigen Stand der Verhanblniigen mit den Unternehmern. Sowohl die Vereinigung der Pappengrotzbändler wie auch die Arbeitgeberveobäiide des PapiergrotzhandelS haben mit unbegrirn- dcten Ausreden bisher jede Verhandlung abgelehnt. Ter Deutsche TrauSportarbeitcrverbaiid, dem die BcrufSangehörigen als Mit- gl,«der angehören, wurde von der Versammlung beauftragt, sofort alle Schritte einzuleiteii, damit endlich die Angelegenheit der Ar- beiter erledigt werde. Tie Arbeiter der Branche erwarten von den Arbeitgebcrverbänden bis zum 22. d. M. einen endgültigen Bescheid, ob sie zu gemeinschaftlichen Verhandlungen bereit sind. In einer Resolution erklären die HandelSaribeiter, datz sie jede Verantwortung für etwaige Störungen in den Betrieben ablehnen und die Untcrnehmerverbänd« allein die Konsequenzen aus ihrem eigentümlichen Verhalten zu tragen häbcn. A. tS. G-, Glühlampcnfabrik. Am Soiiuabcnd von 9—1 findet die Ausgabc der Quittungen und am Dienstag.die Auszablunn der Streit- unteritützung statt. Die Streikleitung. ttletudau Iiemcus-Zchuktcrt. AuSzahluiiz der Strcikuntcrliützlmg am Sonnabend, den 18. LItober, vormillagS oon 11 Uhr ab, in den bc- lanntcn Lokalen. Sitzung der BertraucnSleutc um st.S Uhr bei Lenz. Bergmann-Wert,!. Roseuthal. Heute Sonnabend 10 Uhr 1 Allge- meine Betriebsversammlung von 1— IZVI im Streillokal, von 1501 bis Schlul! bei Feind, Rosenllial Es werden alle Kolleginnen und Kollegen ersucht, zu erscheinen, da gleichzeitig die Auszahlung der Unterstützung eriotgt. Betried Zwictusch& Eo. Da? erste Slreikgekd mus, bis Sonn- abend, den 18. Oktober, nachm. 3 Uhr, bei Arnswalde, Charlottenburger User 0s, abgeholt werden. Deutscher Dronsportarbeitervcrband. Lederbranche!� Ledergroh- bandlungen, Schubsabriken und Schuh-EnqroSqeichäste! Am Sonntag, den 19. Oltöber, vormittags v'/, Uhr. im.Königstadt-Kafiiw", Holzmartslr. 72 kgrogcr Saal): Braiichenveriammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Tariskoiniilissio». 2. Bcichlujzfaiiuiig. Dentichcr Metallarbeiterverdaiid. Sonntag, den 19. Oktober. vormittags 9Y, Uhr: Branchenvcrsammlung der Kesselschmiede in Schulz' Prachtsälen, Königsgraben 2 kam Alexanderplatz). Tagesordnung: 1. Vor- lrag des Kbllcgcn Ulrich über:„Ztälcsystem und BctricbsorgaiiijatioiN. 2. Braiichenangclegenheitcn 3. Verschiedenes. Montag, de» 20. Oktober, nachmittags 4»/, Uhr: Branchen- Versammlung der Gürtler, Kroncnschlosser. Kronenllempner in den„Zentral- Festiäteir. Alle Iakobstr. 32. Tagesordnung: 1. Unsere Lohnbewegung. 2. Diskussion. 3. Branchcnangelcgenheitcii. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch oder SIrcitkarte legitimiert! Lerantw. für den redaktion. Teil: Alsred Schot,. Neukölln: für An, eigen: Theodoe