Nr.S34.SS.IaI,rs. BezugSvreiS i ÄetteffälirL t/— Ml. monafL 1,— ist frei ins van», voraus zahlbar. Post» dezug: MonaUich t*— Mi.-rv. Ks- UellungsgedUhr. Unier Kreuzband für Deuilchlano und Oeiterreub- Ungar» SLö Mi. für da» llbng» Ausland 10 20 MI» bei täglich«nmaL ftnfteaung &26 Ml. Pokbeltellungeu nehmen au Dänemarl. Holland buremdurg. Schweden u. die Schweiz. Eingetragen m die Poü-Zeitungs-Preislifte. Der.Borworis' mit der Sonnlag» beilage»Lall u. geit� erscheint Wochen» täglich zweimal. Sonntag»»inniol Abend-Ausgabe. Telegramm»? drest,: JlojialOematcat L erlin-. Serlinev Volksbleltt. (iZpfennig) AuzeigenvretSt Sit achtgelnaltene Nonpareillezell» tostet ich» Ml»aieine«nzeigen-, da» iengedrullte Wort 60 Ptg. izulästig » iettgedrulkte Worte). lebe» weiter» Wort«o Pfg. Stellengesuch« und Schiafstellenanzetgen das erst» Wort •0 Pfg. sede» weiter» Wort 90 Pfg. Wort« über lb Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag SO»/» Familien- Anzeigen, politische und gewerlschafiliche Vereins» Anzeigen ISO Ml die Kelle. Anzeigen für dl» »Schste Nummer müssen bis i llhr nachmittag» nn Hauptgeschäft. Berlin SW 68. Lindenftrast» s. abgegeben «erde». Seöffnei von 9 Uhr früh 61* t Uhr abend», Tentrawrgan cler fo2ia1ÄemoKratif n e n Division eine gute Truppe gesunden hat. Nach den vorliegenden Nachrichten herrscht in Rifla beim siegreichen Vorrücken der russischen Westarmee vollständige Panik. Die lettischen Soldaten warfen ihre Waffen weg und plünderten schwedische und dänische Warenniederlagcn. Das Straßen- bild ist vollständig bolschewistisch. Weiber durchziehen mit Waffen die Straßen. Tie Regierung U l m a n i S hat fluchtartig die Stadt verlassen und befindet sich in Wende«. Estnische Soldaten weigern sich, für die eng- lische Politik sich weiter zu opfern. Die Eng. ländrr selbst fühlen sich in Riga nicht mehr sicher und haben Angehörige der Baltischen LandeSwrhr, die Waffen tragen, zu ihrer Bewachung herangezogen. Rußland in Geburtswehen— und niemand weiß, welche den Weltlaus bestimmenden Entscheidungen in diesem rätsel- haften Lande heraureiscn! öestialitäten deutscher Lanöskoechte in Schaulen. Vor einiger Zeit brachten wir eine Nachricht, nach der Litauer ein deutsches Krankenhaus in Schaulen erobert hätten. Von litauischer Seite wird uns nun Material zur Verfügung gestellt, nach dem es sich nicht um die Besetzung eines Krankenhauses durch Litauer, sondern um den Sturm auf ein litauisches Gymnasium durch Landsknechte deutscher Nationalität handelt. Diese Feststellung beruht auf Heber- ietzungen aus den Zeitungen„Lietuva" und„Sozialdemo- kratas" vom 4. und 6. Oktober, auf dem Bericht des Vor- sitzenden der Stadtverwaltung Schaulen, auf das Protokoll der Sckule selbst und dem Bericht eines Augenzeugen. Am 28. September fanden in Schaulen Umzüge wegen der UnabchängigkeitSerklärung Litauens statt. An verschiede- nen Orten der Stadt wurden Ansprachen gehalten, u. a. von I dem sozialdemokratischen Redner Genossen BieliniS. Die deutsche Soldateska nahm dabei eine feindliche Haltung an, j Landesfahnen wurden von den Häusern und Geschäften her- ! abgerissen und unter Beschimpfungen wurde von den Lands- i knechten erklärt:„Hier i st nicht Litauen, sondern R u ß l a n d!" Es ist dabei bezeichnend, daß sich die Sol- daten der ehemaligen Reichswehr nicht mehr als das fühlen, was sie auch nicht mehr sind, als Deutsche, sondern als Sach- Walter reaktionärer russischer Interessen. Am 29. September wurde das Gymnasium von Schaulen besetzt. Als am nächsten Morgen die Schüler zum Unterricht zusammenkamen, wurde unter den Knaben und Mädchen ein Blutbad angerichtet. Ein deutscher Rittmeister und ein Leutnant mit bewaffneten Soldaten und Gendarmen drangen in die Aula, wo Schüler und Lehrer über ihr Schicksal Be- ratung abhielten, stießen sie mit Fäusten, Bajonetten und Säbeln, ohne Unterschied des Alters und des Geschlechtes, schlugen sie bis aufs Blut und würgten sie. Aus dem Gym- nasium vertrieben, wurde die Schlächterei auf der Straße fortgesetzt, wo sogar die Passanten davon betroffen wurden. Die Erfolge dieser Heldentaten gegen Kinder, Frauen und Wehrlose waren 40 Schwerverwundete neben vielen Leichtverwundeten. Schon einige Wochen vor diesen Ereig- nissen war im jüdischen Gymnasium ein ähnliches Vor- kommnis zu verzeichnen: Während der Schulstunden wur- den die Schüler davongesagt. Bücher und Lehrmittel sowie ein Lehrer durch das F e n st e r geworfen. Am bestialii'chsten zeigte sich der führende Rittmeister Pl aten, der sich durch gefangene B o! sch ew i st e n, die den Befehl zum Angriff ans. die lettischen Schüler der- weigerten, nicht beschämen ließ. Trotzdem die Schüler zu fliehen versuchten, wurde mit den Säbeln weiter auf sie eingeschlagen und ohnmächtige Frauen wurden in grausam st er Weise durchs Fenster hinauSge» warfen, während Schülerinnen, die in Krämpfe verfielen, mit Füßen getreten wurden. Wer die am Boden Liegenden forttragen wollte, wurde ebenfalls geschlagen und auf der Straße durch deutsche berittene Gendarmen zusammenge- ritten. Daß gestohlen und das Inventar zertrümmert wurde, sei nebenbei bemerkt. Treffender als durch diese Schilderungen kann die Qualität der Soldateska, die zum Schutze der deutschen Kul- tur zu kämpfen vorgab, nicht gekennzeichnet werden. Es ist nötig, daß die deutsche Regierung Hand in Hand mit der litauischen Regierung sowohl alle Vorkehrungen gegen die Wiederholung solcher Banditenstreiche alz auch die Bestra- fung aller erlangbaren Schuldigen betreibt. Zu diesen ge- hören vor den andern der Rittmeister Platen und sein Leutnant und als Verantwortlicher für das Ganze der Chef der deutschen Truppen in Schaulen von D i e b i t s ch. Cnöe des heizerftreits.) Der Sympathiestreik der Heizer und Maschinisten ist de- endet. In allen Betrieben, wo die„Technische Nothilfe" nicht mehr beschäftigt ist und aus den Betrieben zurückgezogen wurde, nehmen die Maschinisten und Heizer die Arbeit um- gehend wieder auf. Nach dem gestern gefaßten Beschluß woll» ten die Heizer und Maschinisten auch in den Elektrizitäts» werken sofort die Arbeit aufnehmen, wenn die Zusicherung NoSkes, daß die„Technische Nothilfe" sofort znrückgezogen wird, befolgt wird. Dies ist bis jetzt nicht geschehen. Die „Technische Nothilsc" leistet nach wie vor Streikarbcit in den Elektrizitätswerken. Alle Betriebe, die von diesen Werken mit Strom gespeist werden, erhalten Streikstrom, und ist diese Arbeit Strcikarbeit. Es schweben Verhandlungen, daß die„Technische Not- vr-ls sofort zurückgezogen wird, damit die Heizer und Maich'mste« überall die Arbeit wieder aufnehmen können. Die Gewerkschastskommission Groß-Berlins. Die Fünfzehner-Kommission. Blumcnthal. Lufsorderung, sondern fuhren werter. ES entstanden am Hallesche« Tor und Potsdamer Platz längere Störungen und einige Fahrer lenkten tatsächlich«ach de« Bahnhöfen um. Ausstand der öerliner Straßenbahner! Eine Korrespondenz meldet: Infolge des Erlasses des Oberbefehlshabers Nosle, der Auf» rrizung zum Streik in Wort und Schrift verbietet, hat der Arbeiter- ansschuß der Straßenbahner den Beschluß gefaßt, den Straßenbahn. verkehr lahmzulegen. Ei» offizieller Beschluß ist der Direktion zwar noch' nicht zugegangeu, doch hat man der Leitung ein« dahingehende Mitteilung gemacht. Gegen Mittag tauchte« an allen Stelle» der Stadt Leute auf, welche den Fahre,« zuriefen, sie möchte« sofort auf die Bahnhöfe fahren, da der Arbeiter-nöfchuß den Pcrkehr lahmzulegen gedenke. Da schon vor einige« Tagen Straßenbahner mystifiziert worden waren, f, lehrte« sich die meisten Straßcubahnführer nicht au diese Renners �ntrlttsreüe. Am Schluß der Freitagssttznng der Wiener Nationalversammlung. in der die neue Koalitionsregierung ihr Pro- gramm vortrug(siehe Morgcnblatt), hielt Staatskanzler Renner seine Antrittsrede, worin er als Pflicht der Regie- rung betonte, dem im Gesetz ausgesprochenen Volkswillen Achtung und Geltung jedermann gegenüber zu verschaffen. Die Regierung trete ihr Amt auf Grund der zwischen den beiden großen Parteien geschlossenen Verein- barungen an. Es handele sich um ein Kompromiß. um Staat und Volk auS der furchtbarsten Krise herauszuführen. Vier Jahre Krieg seien für das Land genug gewesen. Das fünfte Jahr des HarrenS auf den Friedensschluß habe seine Kraft vollends aufgezehrt. Auge- sicbts der dem Volke drohenden Gefahr des Erfrierens und Verhungerns hätten sonst entgegengesetzte Parteien die hohe Selbstüberwindung aufgebracht, die Gegensätze zurückzustellen und auf eine bestimmt abgemessene Zeit auf Grund be- stimmtcr Bedingungen eine vorübergehende Arbeitsgemein- schaft zu bilden, um daS Gemeinwesen aus der Existenzkrise herauszuführen. Renner schloß mit den Worten:„In dieser Arbeits- gemeinschast liegt keine Aufopferung und kein Verrat von Prinzipien, sondern die stolze Tat der Selbstüberwindung. Im Mittelpunkt deS Arbeitsprogramms steht der finanzielle und damit der wirtschaftliche Wiederaufbau des Landes. Trotz unserer erhöhten Bedrängnis dürfen wir nicht verzweifeln, denn an sich gesehen ist unsere Lage nicht hoffnungs- los. Das herrliche Stück Erde, das wir bewohnen, das tätige, begabte und lebenskräftige Volk, das wir vertreten, und unsere bevorzugte Lage im Verkehrsystem Mittel- und Südeuropaö sind die Bürgen unseser Wiedererhebung. Ein Schlußwort zur „Entjchieöenen Schulreform". Von Konrad Haenisch. Die taktische Lage(oder ist es eine strategische?), in der ich mich im Augenblick befinde, entbehrt nicht der Tragi- �komik: von der Presse der Rechten her geht seit Wochen ein j wahres Trommelfeuer von Angriffen auf mich nieder ob ! des„einseitig brutalen" Parteiregiments, das ich Angeblich � führe, ob meiner kaltherzigen Verletzung aller heiligsten Ge- � fühle der rechtsstehenden Volkskreise in der Frage der : Kaiferbilder, bei der Sichtung des Lesebuchstoffes, bei der Reinigung der Geschichtsbücher, bei meinem Vorgehen gegen den deutschnationalen Schülerbund, bei der Auswahl meiner Mitarbeiter usw., usw. Und was darüber sei' Wochen in der„Kreuzzeitung", der„Post", der„Deut)chc Tageszeitung", dem„Reichsboten" und der„Täglichen Rundschau" zu lesen war, das fand sein Echo neuerdings im Haushaltausschuß der Preußischen Landesversammlung und auch schon in ihrem Plenum— ich erinnere nur an die Rede des deutschnationalen Abgeordneten Gräf am vorigen Mitt» woch. Zu gleicher Zeit aber werde ich nun auch von der an- deren Seite, von der Seite der„entschiedenen Schul- reformer" her aufs Schärfste angegriffen. Ich werde da abgeschildert als ein Weichling, als ein Mann des schwäch- lichen Kompromisses, der sich vom schlauen Zentrum um- garnen und von der rücksichtslosen Rechten Schritt um Schritt zurückdrängen läßt. Sollte diese Gleichzeitigkeit und die annähernd gleiche Heftigkeit der Angriffe von rechts und links nicht doch viel- leicht ein Beweis dafür sein, daß— nach dem Gesetz vom Parallelogramm der Kräfte— die von mir eingeschlagene Politik die zurzeit einzig mögliche und daher im we- sentlichen(über Einzelheiten lasse ich gern mit mir reden) a u ch d i e r i ch t i g e ist? Eines gebe ich dem Genossen Paul Destreich auf seinen Artikel in Nr. 531 des„Vorwärts" ohne weiteres zu: Ich gehöre in der Tat zu den Leuten, denen Gewalto nwen- dung in geistigen Dingen aufs äußerste verhaßt ist, die viel lieber zu überzeugen suchen, als daß sie zwingen. Trotz mancher bitteren Enttäuschungen habe ich während meiner nun fast einjährigen Amtszeit doch auch schon aller- lei Erfahrungen zu buchen, die für meine Art des Vor- gehens sprechen. Wo immer ich bisher bei schweren Schul- konflikten persönlich eingreifen konnte, wie im Sommer in Westfalen und neuerdings in Pommern, da ist es mir noch jedesmal gelungen, schließlich einen für alle Beteiligten leid- lich befriedigenden Ausgleich zu finden. Besonders bezeich- nend war dafür die glücklich gelungene Beilegung der Pom- merschen Schulstreikbewegung. Glaubt man wirklich, ich hätte richtiger gehandelt, wenn ich, ohne auch nur den Ver- such einer ehrlichen Verständigung zu machen, ein paar Dutzend Schüler kurzerhand von der Schule verwiesen und dadurch Märtyrer des— falsch verstandenen— natio- nalen Gedankens geschaffen hätte? Schon meine eigenen, gleichfalls in Pommern spielenden Jugenderfahrungen(ich selbst hatte vor einem Menschenalter wegen„sozialistischer Umtriebe" das Greifswalder Gymnasium verlassen müssen) waren wirklich nicht dazu angetan, nun meinerseits mich als Kultusminister den gleichen falschen Weg beschreiten zu lassen. Märtyrer zu schaffen ist immer verhängnisvoll und genau wie ich Anfangs dieses Jahres dem jungen Wil- Helm Liebknecht, Karl Liebknechts Svhn, das ihm we- gen seiner Beteiligung am Spartakistenaufstand vom Ja- nuar drohende Schicksal der Schulverweisung durch Person- liches Eingreifen erspart und dem jungen Manne. die a- folgreiche Ablegung des Abiturientenexamens ermöglicht habe, so habe ich umgekehrt jetzt auch den deutschnationalen Schülern gegenüber gehandelt. Auch diese jungen Leute haben schließlich doch zum größten Teil aus— wenn auch noch so verkehrt verstandenen— ideellen Beweggründen heraus gehandelt und sind obendrein zumeist zweifellos durch Erwachsene in den groben Unfug der Streikbewegung hineingehetzt worden. Da war es wirklich schon gescheiter, den jugendlichen Sturm und Drang sich ein paar Tage lang ruhig austoben zuckassen und dann den jungen Leuten, mit einem Appell einerseits an ihren Verstand, andererseits an ihr nationales Pflichtgefühl vernünftig zuzureden. WaS dann ja auch geholfen hatl Die meisten Menschen wollen eben nicht glauben, daß man auch in der Politik und in der Verwaltung mit ein wenig menschlicher Güte und mit ein bißchen seelischem Verständnis schließlich am weite- sten kommt.... Daß. wo solche Mittel gar nicht zum Ziele führen wollen, auch einmal fest zugegriffen werden mutz. weiß ich natürlich so gut wie jeder andere und habe nach dieser Erkenntnis auch bereits in mehr als einem Falle gehandelt. Das wird gerade auch bei wider Ermatten doch etwa noch ausbrechenden S ch ü l e r st r e i k s mit ollem Nachdruck geschehen. Widerwärtig aber bleibt mir I solche NotwendlgkeU auf alle Fälle.-— Km esnzewen möchte ich zu den zahlreichen Beschwer- den dcS Genossen Paut Oestresch m aller Kurze nur noch daS Folgende bemerke: Ersten«: Zeigt er mir einen gangbaren Weg. die für entschiedene Schulreformen nun einmal erforderlichen M i l- lionen locker zu machen, so kann er meines aufrich- tigen Danke« gewiß sein. Er möge mir glauben, daß nie- mand in Deutschland lebt, der die groteske Situation, in der heute der Kultusminister des größten Gliedstaates steht, furchtbarer empfindet als ich. Da hat man jahrzehntelang in Wort und Schrift unermüdlich ein umfassendes sozia- listischeS Kulturprogramm verfochten. Reichste Mittel zu seiner Durchführung standen zu Gebote. Aber die Hünde waren einem gebunden, jede Möglichkeit war einem.>e- nommen, selbst Hand ans Werk zu legen. Und nun plötzlich ist man selbst an die entscheidende Stell« gesetzt, theoretisch wär« man in der Lage, in kühnem VorwcirtSstürmen sein Kulturprogramm restlat durchzusühren. Da aber liegt nun der ganze Staat in Trümmern, alle Kassen sind leer und daS Gespenst de» allgemeinen Bankrotts erhebt drohend sein Haupt. Wieder alio sind einem— nur von der anderen Seite her— die.Hände gebunden und anstatt die völlige Unentgeltlichkeit alles UnterriclstS und aller Lernmittel ein- zuführen, ist man gezwungen, an den höheren Schulen das Schulgeld, an den Universitäten die Kolleggelder— beträchtlich zu erhöben. Paul Oestreich mag mir glauben, daß e» unter solchen Umständen wirklich kein Vergnügen ist, preuhischer KultuSministsr zu sein.... Zweiten?: Die Aukführungkbestimmungen zu dem Er- laß über die Befreiung vom ReligionSunter- r i ch t, die, während ich kurze Zeit von Berlin abwesend war, vom Ministerium heraukgegebrn wurden, sind in der Tat unhaltbar und inzwischen auch von mir bereit? außer Kraft gesetzt worden. Drittens: Die Verfügung über die Anbahnung der kollegialen Schulleitung durch die Erweiterung des Konferenzrechtes bedeutet die Grenze desien. was auf diesem Gebiete auf dem Verordnungswege geän- dert werden konnte. Weitergehende Reformen sind nur auf dem Wege der Gesetzgebung durch Abänderung deS SchulunterhaltungSgesetzeS möglich. Da aber der Weg der Gesetzgebung lang und dornig ist, so glaubte ich im Jnter- esse der Schul« sowohl wie der Lehrerschaft zu handeln, wenn ich daS Mögliche ohne Zögern schon jetzt tat. Viertens: Die Verfügung über die Neuordnung der Elternbeiräte liegt feit mehr als einer Woche fix und fertig vor. Sie ist nur deshalb noch nicht veröffentlicht worden, weil vorher noch der aus Tackjvsrständigen aller Richtungen zufammengefedte ErziehungSbeirat gehört wer- den sollte. DaS wird in den allernächsten Tagen geschehen. Fünftens: Tie Schulgemeindebewegung ist keineswegs so völlig im Tande verlaufen, wie Genosse Oestreich meint. Ich habe mir auf Grund der amtlichen Berichte in den letzten Tagen eine Zusammenstellung dar- über machen lasten, in wieviel höheren Schulen Preußen? seit dem Januar dieses Jahres Schulgemeinden oder ähnliche Einrichtungen eingeführt worden sind und fand durch da» Ergebnis meine � allerdings keineSweoS hochgespannten— Erwartungen in erfreulicher Weise übertroffen. Da« Ergebnis der Erhebung wird demnächst veröffentlicht und auf Grund der bisherigen Erfahrungen sollen neue Richt- lmien aufgestellt werden. Endlich sechstenS: Die Einholung der Zustimmung der vorgesetzten Behörde bei Uebernahme kommunaler Aemter durch Lehrerl Die Bestimmung selbst war im Interesse eine» geordneten SchulbetriebeS unbedingt ge- boten. ES ist aber ausdrücklich angeordnet worden, daß die Genehmiaung nur dann versagt werden darf, wenn LebenSinteresten der Schule gefährdet find. Um aber jedem etwa dennoch denkbaren Mißbrauch durch u-ntergeordnete Organe von vornherein einen Riegel vorzuschieben, habe Schilükrauts verwanölungen. gm Theater der Frtedrichstadt will Rudolf Schlld- lraut zeigen, daß er noch immer der unruhigste, aber auch der be- weglichste unter den berühmten Schauspiel: rn ist. Er tan nach Berlin zurück und stellt» sich nicht etwa in die vornehm« Phalanx der Reinhardtleute. Wein, er übersiedelt« in»in Theater, da» sonst einer etwas groben Muse dient. Oben der.MauSchenpalast" und unten di« Bühne, auf dt« e» vom Foxtrott hnmndertvampelte, während der alt«, groß« RomSdiantenvagabund ein Ktück Schein- leben zur Wirklichkeit heran so« schwor. T«S echter« Leben herrschte von oben her. Auf de« Bühne Schmink«, allzu«»«! Perücke, die nicht einmal festy-schmirckt worden war. Alle» war von vornherein auf Bombenderbheit angelegt. Die Pappkulissen wackelten mächtig, wenn die papierne Leidenschaft an ihnen rüttelte. In drei Akten will Schildkraut spielen. In d«i Akten will er ftdeZmal eine anders seiner Tugenden»ei«««. Erst die nesiae Sie- rckitlichkelt, die purzelnd breitspurige Altvaterlichleit, die ltebrosend« Menschelei deS kleinen Kräm-erS, der an fthmn Herrn Sohn Baterstolz avS?ost«t. Im zweiten Akt bis ins Affentheater hinauf- getrieben« Possenspieler«! und plötzlich Absturz in da» wimmernd« und zerschlagen« Menschentum. Der gut« Bater wird ein verkannter und verlassener König Lcar. übersetzt m den Dialekt de» Wiener Ghetto». Dritter Alt: kwurrcn, Verzweiflung, goldene» Herz, da» nicht totzuschlagen und zu enttäuschen ist. Beinah««ine Sirvardi- trän«. ElownZpantomim» dazu, wenn der Kaff««, der getrunken werden muh. zu heiß ist und der verbrühte TrmSer dem dummen August die Dnmassen nachschneidet, iknbkich eine Dominopartie und eine Bilanz im vielumblätterten Kontobuch, wob«! da» Beleck«, de» Daumen» und da» Aufstülpen de» Kneifer» auf den Wasenknubben allein schon eine Augenweide verschaffen. S» bleibt noch in allen drei Akten da» edlere Herrenfeldtum, mit dem Schildkrout bei sein« Rückkehr di« Berliner beglücken möchte. Er ist so vortrefflich, daß er in der Posse.Doktor Gti««. Ii tz", die von ihren Verfassern Armin Friedemann und Ludwig Nerz ol»«ine Familienkomödie ausgegeben wird. Befühl und Ktuaheit med vaterliebe beinabe tragisch aufspielt. Der kleine Mann ist sehr rundlich geworden. Da» Rollen seiner runden Daumen, dos Glimmern seiner spitzigen Aeuglein. da« Hocken seiner schweven Masse in einem Sorgenswhl, da» Ballen sein« Fäuste, alle» das wäre böse» Komödiantentum. vemi c» nicht bi» zur Bollendung ge» reift und verklärt wäre.-- Ich erinnere mich, wie ich einmal mit Tchildkvaut über Land ging. Wir wanderten im Lustgarten von Terordsren, den Leopold II. von Belgien angelegt Hot. Da faß an dem Soeufer«in idiotischer Bettler, halb zerfressene» Mönchtgesicht, halb indischer, auSgemergel- ter Fakir. Diel« Armut», und Vagabundenzüg« schienen unnohm» ahmlicher Belitz eine» sehr Armen und Entarteten. Ich:.Schild- traut, wenn Sie da» nachmachen könnten 1" Keine Sekunde, und neben mir stand der gleiche Bettler, der aussah, wie jener, der dort am Seeufer die Hond hinstreckte. Da» alle» kann Schildkraut. Da» Stück, da» er diesmal spielt, ist natürlich nur für ihn gedrechselt. Und Schildkraut, immer nur Schildkraut, obwohl da« Stück ihm meist rm Wege ist. Neben ihm verdienen Lotte Schönfeld, Poldi Augustin und Richard Georg mancherlei Lob. Max Hochdorf. ich astaeordnet, daß in jedem einzelnen Falle, in dem eine Versagung der Genehmigung in Frage kommt, meine eigene Entjcheidung einzuholen ist. Mit dieser Regelung hat sich die sozialdemokratische Fraktion der Preußischen Landesver- sammlung einverstanden erklärt, sie hat auch im Haupt- auSschuß keinen Widerspruch gefunden und ich glaube, auch Genosse Oestreich kann sich mit ihr abfinden. Wenn wir nach einem halben Jahr die Bilanz ziehen, so wird sich— davon bin ich überzeugt— ergeben, daß sich Schule und Lehrer bei ihr gleich Wohlbefinden. Schwinöet I tot es lebe Schwlnöel ll! In monarchistischen Staaten pflegt man die Ununter- brechlichkeit des monarchischen Regiments mit den Worten zu kennzeichnen:.Der König ist tot, eS lebe der König!'' Die Kontinuität de»„Freiheit"- Schwindels kann man dem- entsprechend durch die Worte ausdrücken:„Der Schwindel ist tot,— es lebe der Schwindel!" In seiner Zeugenaussage vom Freitag bat Genosie Scheidemann dem alten unabhängigen Schwindel ein Ende gemacht, daß die Januarunruhen von der damaligen Negierung„provoziert" worden seien.. Er hat ausgeführt, daß dies ja eine komplette Verrücktheit seitens der Regierung gewesen wäre, die gar keinen zuverlässigen Schutz gegen einen Auf- stand besaß. Schcidemann hat daS Unsinnige der unabhängigen Behauptung so scharf gebrandmarkt, daß der unabhängige Verteidiger Dr. Weinberg plötzlich auf den Gedanken kam, ScheidemannS Aussage„andersrum" zu benutzen und den Freispruch seiner Klienten zu verlangen, weil ja von einer richtigen Regierung bei solcher Schutzlosigkeit gar keine Rede gewesen sein könne. Man mag von diesem Juristeutrick halten Iva» man will, jedenfalls ist die unab- hängige Legende von der Regierung, die den Aufstand„pro- voziert" habe, gründlich zerstört worden. Aber bei den Unabhängigen stirbt ein Schwindel nur, um einem neuen Platz zu machen. AuS Scheidemanns. Aussage konstruiert die„Freiheit" mit der ihr eigenen Fälschungs« und Verdrehungskunst folgendes neue Zugstück für unab- hängige Agitationsredner: Tcheidemann hat da« Geständnis abgelegt, daß er und feine Gesinnungtizenosien»n der Regierung da» Arbetierblut vergossen haben, um sich nicht lächerlich zu machen. DaS ist dieselbe Fälschungsmanier, wie im Falle Haase, nur noch um eine Grade übertrumpft. Was hat Echeidemann in Wahrheit ausgeführt? Echeidemann bat ausgesagt, daß die Regierung sehr gern» bereit gewesen wäre, die Räumung der besetzten ZeitungSgebäude auf friedlichem Wege durch Verhandlungen herbeizuführen. Die Gegenseite hat jedoch unmögliche Bedingungen gestellt und die Gebäude als Faustpiänder zur Durchsetzung politischer Forde- rungen behalten wollen. Hieraus, so führte Scheidemann aus, konnte sich die Regierung natürlich nicht einlassen, wenn sie sich nicht lächerlich machen wollte, sondern sie mußte nunmehr di« Räumung der Gebäude durch militärische Gewalt anordnen. Tatsächlich lagen also die Dinge so, daß die Besatzungen der Gebäude durch offene Verhöhnung der Re- aierungsgewalt und Verweigerung eines friedlichen Abzugs die Gewaltanwendung gegen sich provoziert haben. Mit dem Moment, wo die Regierung sich dein Terror der Gewalthaufen unterworfen hätte, wäre sie als abgedankt zu betrachten gewesen. Die bewaffneten Besatzungen waren c», die zuerst an die Gewalt appelliert hatten. sie waren eS, die welter kraft ihrer Waffengewalt von der Regierung Konzessionen ertrotzen wollten und die es damit auf die Entscheidung der Waffen ankommen ließen. Wenn sie nachträglich als die im Kampfe Unterlegenen über Gewaltanwendung gegen sich zetern, so ist das eine ebenso infam« wie verächtliche Heuchelet, nicht ein Haar besser, als wenn sich etwa Herr Ludendorff über die Gewalt- maßregeln der Entente beschwert.— Sommerspiele: ,3&(mctp' voa Tjchechow. Auch diese» Stück Ist, wie die meisten der russischen Dramen, die man auf deutschen Bühnen sah, ein Gemälde der Willenlostgte:t. Ein« Gesellschaft enger, verödeter Menschen, von denen die besten unter der Empfindung ihrer Verödung selber leiden, gruppiert sich um die Mittelfigur«ine» unter dem Drucke unentrinnbaver De- Pression melancholisch hindämmernden Psychopathen. Er klagt, daß er seinen Zustand mcht versteh«; und ebensowenig versteht ihn der Zuschauer, wenigstens nicht in dem dichterischen Sinne intimen Miterleben». Da» psychologische tritt hinter dem Pathologischen zurück. Sin jueiigH» Mädchen, da» in schwärmerischer Liebe den schwer- mütigen Helden„retten" möchte, vergleicht ihn mit Hamlet. Aber in diesem wird die kvankhafte Anlage durch seelische Faktoren au»- gelöst und so der Eindruck einer inneren, tür Verstand und Phantast« faßbar«! Motivierung erzeugt. Bei Iwanow fehlt jede» solche» psychisch erklärende» Moment. Pein Trübsinn ist ein bloßes tmiri- ge» Faium. wie di« Schwindsucht, di« seine Frau verzehrt. Er war ein fröhlicher und unternehmender Geselle, ein Feuerkopf voll großer Pläne. So erschien er seiner steteren Frau. Wa» in den fünf Jahren feiner She ihn so von Grund au»«wandelt, jede gesunde LebenZreaimg. jede» teilnehmende Jntevesse m ihm gelähmt hat, da» für läßt sich nirgendwo«in Auffchluß finden. Daß seine Liebe für die erst mit solcher Leidenschast begehrte Frau allmählich abstirbt. stellt sich ihm selbst al»«ine bloße Folge jener Wandtung, nicht als ein Grund, aus dem sie fließen könnt«, dar. Der Lebensüberdruß hat ihn wie ein Fi, der geftißt. Di» Werve» streiken eben. M o i s s i in der Hauptrolle gab eine glänzend durchgeführte Studie, die aber unter diesen Umständen doch nur jene» peinigende Mitleid, da« di« Geschichte einer hoffnungZlosen Krankheit einflößt, erwecken konnte. Wach dem anfanglchen Scheine einer stutzerhaft kostümierten blasierten Gleichgültigkeit öffnet fich der Einblick w da» stille qualvoll« Leiden eine« Menschen, der seine Schwäche als Ehoraktersckmld empfindet und sich in«wiger Anklage selbst zer- ! fleischt. Heftig fähr! er, der im Grund so Weiche, bei jeder klemen Reizung auf; und di« Pein, daß er die Hingab« der Frau mcht erwidern kann, prägt sich in einer eisigen Kälte au». Alle di« Vor- würfe, di« ihm der Arzt der Frau—«in weltfremd ahnungsloser aufdringlicher Tadler— macht, erkennt er an, doch ohne, daß da» im mindesten in seinem Verhalten etwa» ändern lömite. Die innere Misere ergänzt fich durch di« der Umgebung. Willenlos sieht er zu, wie fich di« Tochter seine» Guisnachbaim in ihn verliebt, E» kommt ihm maßlos töricht vor. Und doch umarmt er sie in einer flüchtigen Aufwallung der Illusion. In diesem Augenblicke überrascht ihn seine Frau, und ihre grenzenlos« Hingab« schlägt nun in bitter« Eifersucht um. Sie nennt ihn einen skrupellosen Mttqtftjä�er, und seine Empörung treibt ihn zu der Erbärmlichkeit, daß er chr ins Gesicht schreit, nach de» Arzte» Diagnose werde sie in Kürze sterben müssen. Auch als die Arme wirklich stirbt, findet er nicht den Mut, ein Ende zu machen. Erst an dem Tag, für den seine Hochzeit mit dem jungen Mädchen angesetzt ist, greift«r zur Pistole. Maria Fein. Moissi» Partnerin, verlieh der kranken Frau finnige und rein« Beseeltheit. Unter den anderen Figuren de» stimmungsvollen, abgetönten Ensemble» traten Werner Krauß' verschnapster Gutsbesitze, und Kühne» stet» angetrunkene«, un- �anügreifllche* U. S. p. D.-ftrgumente. Aus Kassel wird gemeldet: Der mehrheitssozialistischo kommissarische Landrai in Schmalkalden ist bei der ersten Kreis- t a gs s i tz u n g von den Unabhängigen, die einen eigenen Landrats- landidaten ausgestellt hatten, tätlich angrzriffcn worden. Zwei Bataillone Reichswehr! ruppen sind in Schmalkalden eingerückt. ?öeenarmut unö Mammoniemus. In der„Deutschen Tageszeitung" behauptet Herr Dr. Roeficke, daß wir gor nicht so arm an Ideen seien, wie im allgemeinen von konservativer Seite behauptet wird. Will er damit vielleicht auf die Ideenarmut schonend hinweisen, mit der die reaktionäre Presse seit zehn Monaten nichts anderes tut, als der schönen alten Zeit nachjammern? Allerding« sind ihm di« Ideen, die er der Sozialdemokratie einräumt, höchst unerwünicht. Er macht nämlich die staunenswerte Enthüllung, die Sozialssten hingen dem MammoniSmu» an und bezeichnet alsbald diesen Mammonismus als die energische Heranziehung der Vermögen zur Besteuerung. Der MammoniSmu», den die Edlen, weiche stch nm die„D. T." gruppieren, vor der Revolution wie ein liebes Kind hegten und pflegten, war natürlich gottgewollt und voiks« erhaltend. Wur die Anziehung der Steuerschraube, die sich endlich einmal gegen sie selbst richtet, ist natürlich verderblich und bedeutet — früher hätte man gesagt Landesverrat, je»! nennt man'» BolschewiSmu«. Da» ist überhaupt da» Schreckgespenst, mit dem sich die Herren Alldeutschen immer zu wehren suchen, wenn eS ihnen einmal an den Kragen geht. Nützt nicht«, Herr Roesicke, zahlen müsse» Sie doch, und gerade das wird un» am besten vor dem Bolschewismus schützen._ ?h?e GeistesverfaFimg. Der deutsche.Treubund für da» bedrohte Deutschtum in den Grenzmarken" veranstaltete am Freitag einen Konzerlabenb, zu dem der alldeutsche Choni» den lieblichen Zusammenklang schaffte. Zunächst sprach der unvermeidliche Graf Westarp, der, nachdem er monuiolang von der politischen Bildfläche verschwunden war, wieder aufgetaucht ist; hierauf kam«» zu den ebenso unver- merdlichen Huldigungikundgebunlgen für Ludendorff, weicher der Feier— klugerweis« in Zivil— beiwohnte. Da» alles war harmlos, und die Versammlung geriet erst in rechte Stimmung, a!»«in Pfarrer Dr. R u m p da» Wort nahm. Jetzt enthüllten die Schützer de» Deutschtum» ihren Pöbelcharakter und gaben ihrer wahren Gesinnung in stürmische« antisemitischen Kundgebungen bezeichnenden Ausdruck. Zum Schluß wurde»in« schwarze List« aufgestellt, auf der natürlich an der Spitz« Erzberger mtd Scheideman» stehen;«m übelsten kam Prinz Max von Baden davon, der 98 Fürsten um eine Brotstell«— um.Krone und Thron" hieß es in der Versammlung natürlich— gebracht bat. Zum Schluß ermahnte der«cht christlieb« Pfarrer zur Rache und gab der Hoff- nung Ausdruck, alsbald wieder den deutschen Kaiser de- grüßen zu dürfen. Wir schließen un» dieser Hoffnung au» vollem Herzen an. Kleine politische Nachrichten. Die Deutschnationalen auf dem Arheiterfang. Am Mittwoch wurde in Steglitz der„Bund deutscher Arbeiter" gegründet, zu dem angeblichen Zweck,»den nationalen Godanken in unserer Ar- beiterschaft wieder zu Ehren zu bringen". Die Deutschuatiouale Volkspartei wird die Erziehung de» Kindleins übernehmen. Die Werbekrast de« AornmuniSmu». Sinowjew hat in einem Lsitartikel in der.JSwestja" den zahlenmäßigen Bestand der lom- munistischen Parteien Rußland« auf etwa 300 000 Mitglieder an. gegeben. Selbst Dinowjew bezeichnet da» für ganz Rußland al» etwa» wenig, besonder» wenn man berücksichtige, daß die kam- munisten Regierungspartei seien, während die Kommunisten Nor- wegenS lOI 000 und Bulgariens 50 000 Mitgtioder zählten, ohne die Regierung mnezuhaben. In Petersburg zählten die Eolsche- wiki vor einem Jahr noch über 15 000 Mitglieder, von denen vor zwei Monaten nicht mehr al» 78Ö9 überigyeblieben seien. verschämter Gutsverwalter mit besonders markanter Charakteristik hervor. Da» Publikum verhielt sich schweigend. _ Eonrad Schmidt. ,Det vielgeliebte"'. Die im Theater am Rollendorfplatz au» der Taufe gehobene nmt Operette ist von welcher Seit« immer bei'.acht et, ein Schlager; der geradezu pompöse Erfolg bestätigt nur diesen Sinidruck. Der Komponist Künncke offenbar! sich wieder al» vor- nehmer Melodiker und gewiegter Meister g!än»enper Jnstrl'.men- tieruwg» dunst. Nirgend» verfällt er jener manierierten Obcrfläch- lichkeit, di« leiber, mit verfchtt-indend geringen Ausnahmen, zum Kennzeichen de» erschreckenden Tiefstand«» der Operette seit Jahren gehör«. Er schöpft au» eigenem Born, und wa» da zutage tritt, hat echten Wurf und volkstümlickien, einschmeichelnden Klang. Nirgends triefend ölige Sentimentalität. Allenthalben Kernigteit und frischer Humor, der, wenn e» die Siiiualion«rfovdert, auch tolle Grotes?» sprünge macht. Die Partitur dieser Operette reiht ebnen Schlager an den anderen. Ergötzlicher Humor hat die Oberhand. Pracht- voll sind di« Aktschlüsse entwkfcit und aufgebaut. Da» zärtliche Wcrlzerlied von den Frauen bildet gewissermaßen daS Leitmoliv. Und«» ist wahrhaft wirksam in den so reichen wie mamrigfaltigcn Melodierikranz geflochten. Und dieser entspringt der jeweilige« Situation einer von Herman Haller, man darf bekemren, sinnig erdachten Handlung. d»e hinwtoder Rideamu» durch witzze- tränkt« Bersie zu steigern wußte. Ein juirgcchliger Sprnngin»feld ist nah daran, ein« ZweimU« l«nen«!bschaft an einen Vetter zu verlieren. Wie er den Progeß dank feine» liebwerten Umgang» mit allen Frauen, die seine Bahn kreuzen, gewinnt und di« Liebste dazu, da» wird«izvoll an- gesponnen. Da» Werk hat ein« wundervoll farbig« vildhaktigftit für die Aufführung erfahren. Dagu lommt ein erlesener Krei» erstflasst- ger Gelang» träft« und Darsteller komischer Rallen, die wie Eduard Lichtenstem, Grete Fveund. Tlaive Waldoff, Enzen Rex. ja längst erklärte Lieblinge de» Publikum» sind. Und ferner einig« Vertreter komisch«? Webenrollen, wie Josef Cammer al» Sämeidermeisber Haberstroh, Karl Geppevt, Bruno Wie»ner. Agni Wille und Mizzi Schütz. Die Polonäsen, Gavotten oder sonstigen Ensemble- und GrvteSftSnze wurden durrb Ballet meiste« Negrel einstudiert und entzückend B«ffeben. Ungezählte stürmisch« Hervorruf« der Autoren und Darsteller von Mt zu Ast— kurz: ein sensationeller Erfolg. _ Ernst Kreowski. vorträa». Fron» Dilberg spricht am Vi. Okt., 8 Ubr, Im tm» «ontiimsaat Über„Die Aufgabe de« deutschen Dramaiiker» in dieser Zeit". Dte Werke tyrlebrich Nietzsche« fallen noü in diesem Monat in einer neuen neunbSndiqen Gesamtausgabe bei Altred Kröner in Leipstg erscheinen. Alle«,»a» der Denker und Dichter, der litto starb und lept 7b Jahre alt geworden wäre, druckjerlig hinterließ, wird darin*rt- halten lein. Ueber Bode« nnd Recht wird fllnan, minister Dr. E i> d« k u« K der Technischen Hochschule in dem Vorlraqscytlu« sprechen, den da» Seminar stir Ettdtevau, Wohnung»» und Sledlmegswesen im November »eranstallet. Ter Axel-Juncker-Berlag versendet eine« Besamt-Verlagslatalog sewee Verl«. Inöustrle und Handel. Börse. Di« Bsiscssung htz Berliner Etreif&etoegung förderte die Kauflust an der Börse. Di« Tendenz war wieder ausgesprochen fest und öa§ Geschäft auf einzelnen Gebieten recht lebhaft. Besondere Be- achtung fanden wieder Kolonialwerte, von denen Sloman Salpeter di« Führung hatten und sehr rasch einen KurS von über 1000 Proz. erreichten. Fest waren ferner Pomona-Vnteile, Otavi und ColmanSkop. Petroleumwerte behaupteten ungefähr ibren gestrigen Schluß stand. Auch Canada waren wenig verändert. Am Montanmarkt zeigte sich für Phönix Kausbegehr. Von Schiffahrtsaktien waren Nrgo und Deutsch-Australier gesucht. Auf Farbwerte übte die bekannte KapitaliSerhöhung keinen rrinfluß aus, einzelne, wie Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation, büßten einen Teil der erzielten KriegSgswinne ein. Am Rüstungiaktienmarkt war die KurSentwicklung kein« ein- heitlich«. Banken und Anleihen waren wenig verändert. GroßGeMn HauSfraue», Hauswart« und PortierS! Die Rohrleger und Helfer Grotz-BerlinS befinden sich im Streik. Die Reparaturen an Wofferleiiungen und Abflußröhren, Gasleitung und Heizungs- anlagen werden jetzt vielfach von Streikbrechern ausgeführt, die sich als selbständige Meister, Klempner, Schlosser usw. ausgeben. Vielfach ist da» jedoch nur ein Deckmantel, hinter dem sich zweisel- hafte Existenzen als Streikbrecher verbergen. Wir bitten in jedem Fälle nach der Arbeitsberechtigungskarte zu fragen. Diese ist von roter Farbe mit dem Stempel„Die Streikleitung der Rohr- leger und Helfer Groß-BerlinZ" und der Unterschrift Max Z i e s e vergehen. Wer«ine solche Karte nicht aufweisen kann und trotz- dem obengenannte Reparaturen ausführt, ist als Streikbrecher zu betrachten. Wir bitten in jedem Falle Meldung an die Streit- loitung der Rohrleger und Helfer Groh-Berlins, Engelufer IS, Gewerkschaftshaus, Saal 2 fTel. Moritzplatz 4407) zu erstatten. Die Streikleitun» der Rohrleger und Helfer Groß-BerlinZ. Uebernahme der Einwohnerwehren durch die Gemeinden. Nachdem infolge des Friedensvertrages das Heer auf 200 000, eventuell auf 100 000 Mann verringert werden muß, ist die Weiter- führung der Einwohnerwehren auf Kosten der Heeresverwaltung unmöglich geworden. Die Militärverwaltung hat den Groß-Ber- liner Gemeinden mitgeteilt, daß sie mit dem 1. November die Zahlungen für die Einwohnerwehren einstellt. Um die notwendige Einrichtung der Einwohnerwehren zu erhalte», werden nun di« Magistratsbehörden von den Stadtverordneten- Versammlungen die Bewilligung der notwendigen Kosten bean- tragen. In Charlottenburg soll die Einwohnerwehr zukünflig aus 0 Offizieren und 1W Mann, in Wilmersdorf aus 8 Offizieren und 130 Mann, in Echvneberg au» 8 Offizieren und 40 Mann bestehen. Steglitz und Friedenau haben ebenfalle 8 Offiziere und 40 Mann vorgesehen.— Als erste der Stadtverordnetenversammlungen Grotz-BerlinS wird sich am kommenden Montag die Schöne- berger mit dieser Angelegenheit befassen. Der Magistrat veran- sckilagt di« Kosten für den Wachtzng in der Zeit vom 1. R o v« m- ber bis 3l. März nächsten Jahre» auf VO 000 Mark. Er weist in der Begründung seiner vorlag« davauf hin, daß die Einwohnerwehren in den letzten Monaten im Verein mit der Sicher. heitZpolizei die Bürgerschaft gegen das anwachsende Verbrechertum, gegen Bandendiebstähle und Plünderungen geschützt haben. Ein- wesentlicher Teil der Patrouillengänge wird durch die Einwohnerwehren ausgeführt, was einen bedeutend«» Rückgang der Zahl der Einbrüche zur Folge hatte. flu» Notwehr erschossen. Gestern nachmitday hatte ein Weißem. sm Beamter 88000 M. hintcrzogene KrivgSgew mnsteuer bei einem geloisscn Schuberj in der Berliner Allee einzuziehen. Kaum hatte der Beamte daS Zimmer bot veten, fpvang Schubert mit geladener Pistole am ibn zu und legte auf ihn am. Der B-rwaltuirgSfekretär schlug die Waffe beiseite, so daß der S chu ß fehl ging. Der Bedrohte wollte nun flüchtvn. Schubert aber schloß die Tür schnell von innen ab. Im Verlauf de» nun folgen- den Ringkampfes gelang«s dem Beamten. Schubert die Waffe zu entreißen und ihn durch«wen Schuß außer Gefecht zu setzen. Leider traf der Schuß so unglücklich, da» Schubert gester» nachmittag seinen Verletzungen erlag. Angeschossen nnd doch entkomme» ist in der vergangenen Nacht ein Einbrecher, der mit drei Helfershelfern auf frischer Tat ertappt und festgenommen worden war. Ein Kriminaloberwachtmeister merkte gegen 3 Uhr nacht», daß in einem Lederwarengeschäft in der Stralsunder Str. lö etwas nicht in Ordnung war. Er schlich sich heran, stellte fest, daß vier Einbrecher eifrig bei der „Arbeit" waren, holte einig« Polizeiwachtmeister zu Hilfe und nahm mit ihnen die ganz« Gesellschaft noch einem vergeblichen Fluchtversuche fest. Auf dem Wege nach der Wache riß sich einer der Verhafteten plötzlich lo» und ergriff die Flucht. Als er auf wiederholten Anruf nicht stand, gaben die Beamten mehrere Schüsse ab und trafen ihn auch. Trotzdem gelang es dem Flüchtigen, in der Dunkelheit zu entkommen. «in ISjähriger Schwindler treibt in Groh-Berlin fein Un- Wesen. Er kundschaftet die Arbeitsstellen von Männern auS, be- sucht dann die Frauen und erzählt ihnen, die Männer hätten Ge- legenheit gehabt, Butter und Fleisch billig zu kaufen, aber nicht genügend Geld bei sich. Sie ließen bitten, ihm den Fehlbetrag mitzugeben, um sich die gute Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Die arglosen Frauen geben dem durchtriebenen Bllrschchen auch nnt, was es»erlangt und find ihr Geld los. Der jugendliche Schwindler trägt eine schwarze Hose mit roter Biese. Post an nnlere Gefangenen. Aach neuerer Mitteilung der drill- >chen BebSrden bleibt»In« viizabl deutscher Ges-ng-ner bei dem»rttischen Heer in Frankreich zurück>ind ist In De- lonaenenkompaznien zulammengeft'It. di« Nummern»on 701 auswärt» «rbalten haben. Seudunzen an(Reiongene bei dielen Kompagnien werde» nach wie vor zur Postbessrderun»«»genommen. Pankow. Die gestrig« Gemei-ndevertr-tersitzung, deren Per- Handlungen sich infolg« Obstruktion der Unabhängigen bi» 1)4 Ühx nacht» hinzog, faßt« mit 88 gegen 13 Stimmen der Unab- bängigen den Beschluß, de« kommunalen Arbeiterrat vom l. November die Finanzierung zu versagen. «rost-verliner Lebensmittel. Tegel. Po« 20. bi» 2». Ott. 200«ramm Granpen(M), 260 Gramm Rc!' ichl(90), 150 Gramm 5«fl0 l»l>. zgeuntgSdarf. Montaa- ve,»«schein« über«00 Gram«»eizenmehl für Leute über 70 yahr«. über» Pak«- Kelz für Kinder unter 2 gabren. 2 Pwnd Nei» tlir Kinder unter 2 Sabren. DienSta«: Bezugschstn« für Kinder von 2 die 6 Labren über«tu Pfund Kunftbcrni«. ein Paket Zwieback für Kinder bi» zum vollendeten N.Lahr. Mittwoch! 250 Gramm Halerflocken(ch»), 170»ramm Nudeln(A 7). vonner'ta«: 500«ramm Bohnen iB 10) nnd 7»«ramm Pohnenmehl. 000 Gram« Kartoffel» mehl(B 11). Her« Adorf. 8 Pfund Kinderger flemnedl nnd 2 Pfund Haferflocken für Kinder Im 1. und 2. Lebensjahr, für werdende Mütter(vom 4. Monat ab) und Wöchnerinnen. BezuAlchewe gegen Milchkarte st» G«memde- bmeau, Zimmer Nr. 5. ?ugenöveranstaltungen. DewPeldof.Marieudorf. Sonntag 6 Uhr im Schmnaflnm, Kasser- strafe, Elteinabcnv. Gelang, Prolog, Ansprache, Musik, Rezitationen. Karlen 1 M. aus den Bcranslaltungen. Silöungsveranftaltungen. Steglitz. Eonntag, 7 Uhr. im Lyzeum I, Rotbcnburgstrasie, zur Be- xründung der Haeckeifchen Weilanfche.uuni, Lichtbildervortrag de» Genosien L-hrer L e o p» l d über„Der Ursprung des Menscher.'. Karten zu 40 Pf. in den durch Piatale kenntlich gemachten Geschäften und bei den Bezirktführern._ HelverffchapÄewMns Die Suchörucker unö üer Streik. Ä« Sonnabendvormittaq nahm ein« VerkrauenSmännerver- sammlung der Buwdrucker erneut Stellung zu der Frage, ob. nach- dem der Heizerstreik bei Mosse und Scherl ausgebrochen war. in den übrigen, mit Strom aus den städtischen Kraftwerken belieferten Druckereien weitergearbeitet werden darf, lieber diese Frage hat die Bertretung der Buchdrucker am Freitagabend mit der Fünf- zehnerkommission und der GewerkjchaftSkommission verhandelt. A l- brecht, der über diese Verhandlungen berichtet, führte u. a. auS: In der Gewerkschaftskommission war man darüber einig, daß der gesamte, nach der Arbeitsniederlegung der Maschinisten und Heizer gelieferte Strom von Streikbrechern erzeugt sei. MeinungSver- fchiedenbeit herrschte aber darüber, ob nun in allen Betrieben, wo dieser Strom benutzt wird, di« Arbeit niederzulegen ist. Die Me- tallnrbeiter waren dafür, daß die Buchdrucker di« Arbeit nieder» legen sollten. Andererseits wurde aber di« Auffassung vertreten, daß doch die Metallarbeiter, wenn sie zunächst eine Verschärfung deS Streiks für notwendig halten, zunächst alle Metallbetriebe, von denen ja noch viele arbeite«, in den Streik einbeziehen müßten. Man könne von den Buchdruckern nicht verlangen, daß sie sich an dem Streik beteiligen, wenn nicht dasselbe von allen übrigen Arbeitern verlangt werde.— Während der Sitzung wurde bekannt, daß die Metallindustriellen sich zu Verhandlungen bereit erklärt hatten. Darauf erklärten dann die Maschinisten Und Heizer, daß sie den «streik abbrechen, denn durch denselben sollte ja nur erreicht werde», daß die Unternehmer verhandeln. Diese Bedingung sei jetzt er- füllt, also nehmen die Maschinisten und Heizer ine Arbeit wieder auf. Seitens der Fünfzehnerkommission suchte man die Maschinisten und Heizer zur Fortsetzung ihres Streiks zu bewegen. Aber ijer Vertreter der Maschinisten und Heizer erklärte: Wir haben den streikenden Metallarbeitern gcgenüber unser versprechen gehalten, indem wir in den Streik eingetreten sind, wir holten auch unser Versprechen, was wir der Bevölkerung Berlin« gegeben haben, näm- kick den Streik in dem Augenblick abzubrechen, wo sich die Unter- nchmer zu Verhandlungen bereit erklären. Während in der Sitzung über dies« Angelegenheit diskutiert wurde, traf die Mitteilung über den Erlaß NoskeS ein. Jetzt wurde verlangt, wenn der Erlaß nicht zurückgezogen würde, müsse der Generalstreik proklamiert weide». Nun wurde eine Kommission von sechs Mitgliedern, der auch Albrecht angehörte, zu Noske geschickt Di« Unterhaltung mit NoSke war sehr drastisch. Grobheiten zab eS»uf beiden Seiten. Zunächst wollte NaSke von einer Zurückmihme nichts wissen. Man hielt ihm vor, daß er, sowie d:e Regierung überhaupt, die Fühlung mit den Nr- heitern verloren habe. Ehe ma» mit so tief einschneidenden Maß- nahmen in einen Streik eingreift, solle man sich doch mit den vez- tretern der Arbeiter in Verbinduna setzen. Dieser Erlaß, der un» mittelbar vor dem Eintritt in die Verbandkuncnn der Unternehmer mit den Streikenden herguHaeaeben wurde, müsse doch im höchsten Maß? verbitternd auf die Arbeiter wirken. NoSke hätte doch mit 'dem Erlaß warten können bis 0 Uhr. wo es sich entscheiden mußte, ob die Unternehmer in Verhandlungen eintreten. D>e Unterredung endete damit, daß Nos?« erklärt«, er ziehe den Erlaß in dom Augen. blick zurück, wo die Maschinisten und Heizer die Arbeit in den lebenSm-twendtaen Betrieben wieder aukn-chinen.— Damit war die .Kommission zufrieden. Sic kehrte in die Sitzung der GawerkschastS- kommission zurück, wo noch lange debattiert, aber kein Beschluß ge- faßt Vomtbe. Für die Buchdrucker— sagte Albrecht— ist die Situation nun klar. Dft Maschinisten und Heizer haben am Freitovrtbend 8 Uhr die Arbeit wieder aufaenommen. soweit cS noch nicht geschehen ist. wird es im Laufe de» Tages geschehen. Die Technische Nothilfc wird zurückgezogen, es ka:m also in den Druckereien gearbeitet Worten. Für die Arbeiter anderer Berufe liegt kein Anlaß vor, aktiv in den Kampf der Metallarbeiter einzugreifen. Z w i r n e r teilt« mit, al» am Frertggimchmittag vor der Sitzung der O�werlscbgstskotrnnissirtn di« Kommission der Buch- drncker mit dem GewerkschaftSauSichuß verhandelte und er(Zwirner) mit anderen Kollecwn vor dem Sitzung."lokal wartete, hm ein M't- alied der Fiimzebnrrkommission, �enl�ke, berau? und bemüht« sich. die Buckchrucker zu bewegen, das Erscheinen der Abendzeitungen zu Verbindern. Die Buchdrucker lehnten aber ein vorgehen, ohne daß ein Beschluß der mos-oebend-n Instanzen gefaßt sei, entschieden ab. In der Sitzung der Gewkrksck«afts?omn'.sssion habe Rusch beantragt, die Maschinisten und Heizer sollten so lanae im Streik ausharren. hiß der Noßkesche Erlaß und die Nothilf« zurückgezogen seien. S ch l i ch t I n a der Vorsitzende des Verbände» der Maschinisten und Heizer, habe aber erklärt, der Streik seiner Kollr,rn sei durch hie verflandlnnzSbereitschaft der Metnllindustriellen erledigt. Daraus habe Rusch seinen Antrag zurückgezogen. Di« GewsrkschaftZ- kommission habe eine Untcrkommission von fünf Mitgliedern einge- setzt, welche die Anaelearnleit der Notbilfe prüfen und entscheiden soll, ob aus Anlaß der Rathilf? der Generalstreik eintreten soll. Der Redner protestiert dageacn, daß einer fünfköpfigen Kommission eine so wesiaebende Machtbefugnis gegeben werde. Mühlberg teilt« mit. in der N ackun itiagssi tzung d«S Ge- werkschaftSauSschusseS habe Rusch versucht, die Buchdrucker zur Stillegung der Betriebe zu veranlassen. Andere Redner gnben der Ueberzenguna A u» d r u ck. da? der Metallarbeiterstreik trol, aller pezenteilizen Persicherungen der StreiNeitnng politische Tendenzen habe. Nachdem sich die Unternehmer zu Berbandlnngen bereit erklärt hatten, sei der Sireikleituna d-r Erlaß NoSke» als ein willkomenene» Mittel zur Fortsetzung nnd Verschärwna de« Streik» erschienen. Man baku! den Eindruck gehabt, die Streikleitung habe erwartet, daß NoSke den Erlaß nicht zurückziehen werde. Ueber NoSkeS Zusage sei die StrcMeitung enttäuscht gewesen. Schleffler sagte in einer Sitzung der Gewerkschaftsvor- stände, d!« dem Metallarbeiterstreik vorau»aing, habe Rusch erklärt. wenn der Metallarbeiterstreis«»»bricht, dann biattzt tt nicht«uf da? lrirtschastliche Gebiet beschränkt. dann geht et nm den Endkampf. Da? spricht deutlich d-ckür, daß ein politischer Streik he- a h s i ch t i a t war. Wenn er trotzdem auf daZ wirtschaftlich? Gebiet bescknäikt wuvbe. so ist da» nur dem Eintritt der Ge- w«rkschaft»?ommission in di« Streikleitung»u danken. Di« Versammlung beschloß, daß. nachde« die Metollindu- stnellen in Ber Handlunge» mit den Streikenden eingetreten sind. die Buchdrucker von weiteren Maßnahmen Abstand nehmen, bei einer etwaigen Verschärfung de» Ka-mpfc» aber den Beschlüssen der Gewerkschaftskommission und der Fünfzehnerkommission Folg« leiste» werden. Ferner wurde«in Antra« gngenomenen. der die Aufbebung der Presseverbote verlangt, nnd«in anderer Antrag, der fordert. daß die Technische Notbilfe von den Gewerkschaften derart geregelt wird, daß die von der Regierung organisierte Technische Nothilfe überflüssig wird. Nach de? Abstimmung sagte ein Redner, in der von Schleffler erwähnten vorständesitzung habe sich Rusch dahin geäußert, ein so großer Streik, wie der in der ganzen Metallindustrie könne leicht auf da» politische Gebiet übergreifen und dann würde e» um den, Endiampf gehen. Daß Rusch den politischen Streik herbeiführen wolle, habe er nicht gesagt. Aber das ist doch dasselbe, wa» Schleffler sagt», wurde dem Redner»on verschiedenen Seite» zugerufen. Wie Streikbeschlüsse zustande kommen. Zu der unter obiger Ueberickrift in der Freiiagabendnummer de?.vorwärts'' veröffentlichten Zuichrift auS dem Betriebe der Firma Eheslädt u. Robert eraalten wir von dem stellver tretenden Branckenvcrtrcter der Berliner Gürtler, Gen. E. Weber, eine Erwiderung, in welcher der im.Vorwärts" dargestellte Hergong zwar nicht bestritten, aber betont wird, daß er, W., die dritte Ab- stimmung über der, Eintritt in den Sire'k nicht veranlaßt, sondern zu derselben gerusen worden sei. Die Tatsache selbst, daß erst durch die dritte Sonderabstimmung nach Berufen der Sircilbeschluß ge- faßt wurde, wird durch die Zuschrtsl nicht bestritten. Sie grast öas§e!ö ab. Die.Freiheit" nämlich. Allemal, wenn eine Bewegung nicht nach den Wünschen der Katastropfienpolüiker vom Sch.ige der »Freiheits'lcute ausläuft, wrrd Ausschau gehalten nach dem Schul- dtgen. Unter mannigfacher Verbrämung sucht dann da» unabbSn« gige Organ, das zwar alle Dummheiten und RücksichtSlosigleiien unverantwortlicher Drahtzieher genau so gut als solche erkennt wie auch wir, aber auS Feigheit vor der radikalen Phrase dieselben nicht zu kritisieren wagt, die Schuldfrag« zu ver'chreben. Kein Wunder, wenn diese» berüchtigte Organ jetzt auch wieder Gift und Galle ipeil und den.vorwärts' bei den streikenden Metall- arbeitern in der bekannten Methode herunterzureißen sucht. Daß die.Freiheit' zu diesem schäbigen Mtriel greifen würde, wenn die Karre nicht nach ihrem Gesckmack läuft, haben wir nach den bisher mit diesem Blatt gemachten Erfahrungen vorausgeahnt. Das unabhängige Organ mag sich beruhlgen. Wir werden in Kürz«, wenn die nun beginnenden EmigungSverhandlungen zu einer befriedigenden Beilegung des Konflikts in der Metallindustrie führen, unsere Stellung zu dieiem Kampf« im Zusammenhang des näheren beleuchten._ Zum Streik der MagistratShifSkräfte in Lichtenberg. Der Magistrat von Lichtenberg teilt mit, baß er nicht rn der Lage fei, den Bureauhilfsarbeitern über den Inhalt de» Berliner Schiedsspruches hinausgehende Zugeständnisse zu machen. Er sei aber bereit, mit den Hilfsarbeitern einen Tarifvertrag abzuschließen, der dem Inhalt des Berliner Schiedsspruches entspricht. Die BureauhrlfSarbeiter werden aufgefordert, den Dienst vi« Montag, den 20. d. MtS., vormittag» 8 Uhr aufzunehmen, Denjenigen Hilfsarbeitern, welcher dieser Aufforderung nicht nachkommen, kann eine Gewähr dafür nicht gegeben werden, daß ihnen ihre Stellungen weiter offen gehalten werde«!. Bis Montag früh wird der Magi- strar Einstellungen v»n HrlfSlrSsten nicht vornehmen. In der«eneralversaarmlung der GastwirtSgehtlfe« drtanHße SkepSgardh zunächst die Vwinamünder Resolution. Räch kurzer Detxrtre wurde folgande Resolution angenommen:.Die Generalver. sammlung billigt nicht nur da» Verhalten ihrer verbandStagidele- gierten, sondern hätte eS sogar freudig begrüßt, wenn die sogenannte Opposition gegen die Swrnemünder Resolutton schärfere Stellung genommen hätte. Die Generalversammlung stellt ausdrücklich fest, daß in der Riemannschen Resolution von einem Mißtrauen gegen- über den Hauptverwaltungssunktionären keine Rede gewesen ist. Di« Opposition war nur mit der KriegSpolitrk nicht einverstanden. DaS von der Verbandsleitung gebrauchte Wort„Mißtrauen" ist lediglich nur zu demagogischen Zwecken benutz: worden. Die Orts- Verwaltung Berlin darwahrt sich gegen die Ausführungen Hegewald» in der Kommission, daß gegenüber den rechtsstehenden Lokalbeamte« ein TerroriSmuz geübt wird. Die Generalversammlung glaubt« nicht, daß di« Verfasser der Twinemünder Resolution die Tragweite ihreS Antrages erkannt haben. Die Generalversammlung erwartet für die Zukunft, daß auf zukünftigen Tagungen den größten Ber- waltungSstcllen mehr Rechnung getrogen wird. Eine vergewalti- gung der kleineren und mittleren VeNvaktungSstellen hat un» form« gelegen unid wich umSauch in Zukunft fern liegen. Nur dadurch, daß die Ortsverwattung Toleranz üben will, nimmt sie von schär- fevon Mahnahmen Abstand.' Zu Punkt L: Ouartal»b«richt, würbe die Tätigkeit der OrtSver» waltung in längeren Ausführungen durch SkepSgardh be- handelt. Besonders hervorzuheben ist, daß die neuen Räum« de» paritätischen ArboitSnechweiseS voraussichtlich am 1. November er- öffnet werden, die Wahlen zur Krankenkasse, die Gcenzstrertig- keilen mit dem verband der Bäcker und Konditoren, welche teil- weise behoben worden sind. Der Mttglicherbestamd ist von 15 668 auf 18 6 09 gestiegen. W ar n a t gab den Kassenbericht; di« Ein» und Ausgaben balancieren mit Lvl 550,00 M. Der Kassenbestand be- trägt 05 018,00 M. An Notst-nrdSuntrrstütznngen wurden 13 000 M. gezahlt. Knorr stellt« in der Diskussion folgenden Antrag:.Die Delegierten beantragen, den Arbeitslosen von dem bestehenden Kaprtal, welches seinerzeit gesammelt wuche, wieder eine Unter« stützung zur Auszahlung zu bringen und nicht erst bis Weihnachten zu warten.' Derselbe wurde angenommen.— In die Hauptverwaltung wurden gewählt: Eremer, Hohensec, Ziemen. Graß, Al- brecht, Zabel, Wiesecke. In die Revisionskommission SkepSgardh, Donath. Hünecke.— Eine lebhaste Debatte entstand bei der Anstellung von neuen Beamten. Beschlossen wurde die Anstellung eincS SekreiärS und zweier Beamten. Bestätigt wurden die schon zum Tost tätigen Beamten Schräder, Wiefecke, Horn, SvenSson, Hü, neck« und Person.— Die Gehälter wurden wie folgt festgesetzt: Vor» sitzender und Kassierer 800 M., SektionSleiter 850 M., Sektion»- beamten 800 St., Bureaubeamten 550 M. Für die ersten vier Kate- gorien wurden außerdem 100 M. AustvandZentschädigung und 40 M. Fahrgelder pro Monat bewilligt— Zum Schluß gelangte noch ein« Sympathieresolutiou für die streikenden Metallarbeiter zur«in« stimmigen Annahme.__ Wie„überzengte" U. T. P. D.-Mltglieder entstehen! Wie da« gesamte Personal der Hl l st e i Betriebe, hatte vot einigen Togen auch da« kaufmänntlcks Personal die Aufstellung von Kandidaten zum neuzuwäblenden Arbetterrat vorzunehmen. Bei de» kaufmännischen Aneestellten wurde ein Herr Träger vorge- schlage« Als Herr D. aufgef»rdert wurde, lein politisches Glaubensbekenntnis abzirleaen. erklärte er, keiner politischen Partei anzugederen. Er werde jedoch der Partei beitreten, für die sich die Mehrheit der Kollegen entscheiden werde. Di« G. P. D.-Auvänger halten aber zu einem solch.überzeuoungS- »reuen' Vertreter der Angestellten-Jnteresien nichl da« nötige vertrauen und stellten deshalb einen Gegenkandidaten auf der aller« ding» bei der jetzt statigefundenen Wahl nicht die Mehrheit er- langte. Wir gratulieren der U. V. B. zu ihrem neuesten Mitgliede und der»Freiheit' zu ihrem neuesten Abonnenten. Krise in der TamenwSsche.Jndnstrte. Zu der Berliner DamenwSlche-, Schürzen- nnd Unterrock» Industrie berrscht unter den Angestellten aroße Erbitterung über di« in dieier Branche gezahlten miserablen Gehälter. Die Arbeitgeber beruf«» sich auf de«»o« einem Kachverband de» GewerljchaitS« kartellS der BelleldunflSiudustrie akgesKlssienen, feit dem KV. Tep- lember aber abgelaufenen Tarifvertrag, welcher die Angestellten driekt in� Elend gelrieben hat. Die Stimmung der Angestellten kam explosionsartig in einer am 16. d. M. stattgefundenen Be- lrieböversammlung des Personals der Firma S. Bendit zum Ausdruck. M e tz n e r vom Zeniralverband der Angestellten und Sa« lewsti vom Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäsche- arbciler wieien die Angestellten darauf hin, datz sie noch eine des Kampfes ungewohnte Scbor sind, dafe sie aber starte Organlsationen als Führer baben und daß die Sympathie der öffentlichen Meinung auf ihrer Seile sei. D e Angestellten formulierten ihre Forderung einer Wirtschafts- Bühilie in einer einstimmig angenommenen Nesolulion, in welcher sie einzig und allein den Zentralverband der Augestellleii für ihre berufene Jniercssenveriretung erklälten und zum Ausdruck brachten, daß sie eutschlosseu sind, mit allen gewerkschaftlichen Mitteln für die Durchsetzung ihrer berechtigten Forderungen einzutreten. KTKita•. a;iv«im™»"-"-' Die gewerblichen Arbeitnehmee stellten sich ebenfalls auf den Boden der Resolution und gelobten volle Solidarität, wenn ihnen der Kampf durch das Verhalten der Firma aufgezwungen werden sollte. Wirtschaftsbeihilfen— tarifwidrig.' Eine über den'Rahmen des Einzelfalles wert hinausgehend« Entscheidung, die von prinzipieller Bedeutung für weite Kreise>es Handels und der Industrie ist, fällte am Freitag der aus Arbeit- gebern und Arbeitnehmern paritätisch zusammengesetzte Schlich- tungsauAschutz Groß-Berlin. Die gesamte Arbeiterschaft der Firma Rudolf Masse hatte beim Schlichiungsausschuß gegen die Firma Klage auf Zahlung einer gestaffelten Wirischaftsbeihilfe m Höhe von 500, 300, 200 und 100 M. erhoben, mit der Begründung, daß bei der Teuerung nnd den jetzt zu zahlenden Steuern das allgemeine Einkommen nicht ausreiche. Der SchlichwngSausschuß lehnte die Klage der Arbeiter einstimmig ab, mit der vegrstntzung. daß die Firma Rudolf Masse durch Tarifverträge gebunden sei, in denen nichts von einer Wirtschaftsbeihilfe stehe. Deutscher Metallarbeiterverbaud. Morgen Sonntag, vormittags. 10 Ubr, in Boekers Festiäten, Web-rüraße 17: Generalveriammluna der Schmiede und Hammersührer Kroß Berlins. Tagesordnung: 1. Unter- stützungsjrage der Mctallaroeiter. 2. Branchenangetegenhelten. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert I Wernerwcrk! Siemens u. Halske. Betriebsversammlung am Montag, den 20. Oktober, nachrtiittags 2 Uhr, im Volkshause, Rosinen- strotze 3. N. A. G. Montag den 20. 10, 10 Uhr, Versammlung sämtlicher Holzarbeiter der R. A.<3. bei Stich; zur selben Zeit Versammlung samt- licher TranSport-Hllfslagerarbcrtcr, Kontrollcure, Konlrolleurwncn im Bürgerparl Oberschöneweide. Berantai. für den redaition. Teil: Alsrcd Scholz, Neulolln: für Anzeigen: Tdeodo» Stocke, Berlin Verlag: Lorwärts-Verlag E. m. b. 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