Ur. 342. 36.Iahrg. Bezugspreis: M-tttllShrl.»>— Ml» monail. tr- Ml fr«! hts Hau», ooccu» jahldar. Postbezug; Monatlich V- Ml.«rkl gu- stellimgsgebLhr. Unter«inizdaud str Deutschland und Oesterretch- Ungarn K.A Ml. Ar da» Übrig» Ausland 10 25 Ml. bei täglich etiunal Zustellung 8,25 Ml Postbestellungen nehmen an Dänemarl Holland, Luxemburg. Schweden u. die Schwei». Eingetragen in die Post-Zettvngs-Preisliste. Der»Vorwärts� mit der Sonntag» beiiage.Polt u. g:it� erscheint Wochen- täglich zweimal Sonntag» einmal MorgenAnsgabe. Telegramm-Lldreste: «Saztoldeneatrat verlin». Devlinev Volksblatt. «nzeigeupreiS t Dl« dchtgelpaltene Nonporcillezeil« lostet ILO Ml �tielne Anzeigen». »a» fettgedruckte Wort 80 Pfg.(zulässig i lettgedruckte Worte), sede» welter» Wort«0 Pfg. Stellengesuche und Schiasstellenanzetgen das erst, Wort »0 Pfg» sede« weitere Wo« SO Pfg. Wort« über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%. 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In Amerika behauptet man, den gcrichtsmäßigen Beweis dafür zu besitzen, raiität Amerikas drüben tätig und die an- nicht daß die in dex Zeit der ilteutraiität Amerikas drüben gewesenen Vertreter der deutschen Heeres- Marineleitung förmliche Komplotte gegen innere Ruhe der Vereinigten Staaten gezettelt, daß die von ihnen angestellten Agenten nur zu Streiks und zu Akten der Sabotage aufge- fordert, sondern auch in Handelsschiffe aller Na- tionen Bomben gelegt und Mn nutions- fabriken in die Luft gesprengt hätten. Graf Bernstorff, der in Washington für den Frieden wirkte, während die Attaches v. Papen und Boy Ed in New Jork einer anders gearteten Beschäftigung nachgingen, hat in überaus schonender Form sein Zeugnis abgelegt. Man kann sehr gut verstehen, daß dieser deutsche Botschafter nicht auf bloßes Hörensagen hin seine Landsleute belasten möchte, aber man wird darum auf die Forderung nicht verzichten können, daß v o I l e s L i ch t in diese dunfte Angelegenheit gebracht wird. Die Unterbindung der amerikanischen Munitionsindustrie, die der Entente diente, die Störung des transatlantischen toru Schiffsverkehrs lag im Interesse Ger deutschen Kriegführung. Aber wenn man im Kriege überhaupt noch irgendwelche Gren- zen der Menschlichkeit anerkennen will, dann darf man nicht das Leben har in loser Menschen zerstören, wie das durch Bombenlegen in Schiffe und durch Sprengung von Munitionsfabriken geschehen sein soll. Wer aber im Krieg olle moralischen Bedenken ausschaltet, wird wenigstens die poli- tischen gelten lassen müssen. Der militärische Nutzen, der Teutschland aus solchen Handlungen erwachsen konnte, bedeu- tete nichts, an dem Schaden gemessen, der entstand, sobald dieses Treiben ans Licht kam. Man muß sich in die Lage der Amerikaner versetzen, um die volle Schwere des Falles zu würdigen. Man stelle sich vor, Teutschland hätte als neutraler Staat einer gegen Eng- land kriegführenden Macht Munition geliefert, und dann wären englische Agenten ins Land gekommen, hätten Werke von Krupp in Essen auffliegen lassen und dabei das Leben vieler deutscher Arbeiter vernichtet. Wir wollten sehen, wie die all- deutsche Presse— und in einem solchen Falle nicht nur sie— geurteilt hätte! Haben die Amerikaner Beweise dafür, daß deutsche Agenten so gehandelt haben, so kann man ihre Entrüstung nicht nur verstehen, sondern man muß sie auch teilen und billigen. Es ist nur ein Zeichen von Geistesschwäche oder von schlech- tem Gewissen, wenn die alldeutsche Presse gegen den Untersuchungsausschuß tobt und wenn z. B. die„Tägliche Rundschau" für seine Verhandlungen das schöne Bild findet:„Hundsföttische Knechtsgesinnung schnüffelt nach Material, das sich gegen Deutschland ver- wenden läßt." Wer Wfl Idiot oder kein Mitschuldiger ist, weiß ganz genau, daß es Zweck des Untersuchungsausschusses ist, Licht in die Praktiken zu bringen, durch die Deutschland mo- ralisch diskreditiert, politisch isoliert und schließlich auch mili- tärisch ruiniert worden ist. Bernstorff hat es klar ausgesprochen, daß Amerika durch die Eröffnung des unbeschränkten U-Boot- krieg es in den Krieg gegen Deutschland geradezu gezwungen worden ist. Schon im Söhre zuvor hatte Amerika klipp und klar erklärt, daß es die Beziehungen zu Deutschland abbrechen müsse, wenn nicht auf den unbeschränkten U-Bootkrieg verzichtet würde, seine Wiederaufnahnie im Jahre 1317 bedeutete automatisch den Abbruch und zugleich auch, bei Her in Amerika herrschenden Stimmung, den Krieg. Die Per- schwörungsaffäre führt uns nun mitten in' die Frage hinein, warum in Amerika eine Stimmung gegen Deutschland bestand, die bei bloßem Abbruch der diplomatischen Beziehun- gen unmittelbar auch schon zum Kriege führen mußte. Die Unabhängigkeit der sog.,«Attaches", d. h. Beigeord- neten, vom Botschafter, wie sie in Amerika bestand, hat allge- meines Staunen erregt. Man hat begütigend darauf hinge- wiesen, daß bei den Botschaften anderer Staaten ähnliche Zu- stände bestanden haben sollen: Aber in anderen Staaten gab es wenigstens eine einheitliche Leitung, von der beide Stellen, Botschafter und Attaches, ihre Direktiven erhielten. In Deutschland gab es zwei Zentralen, die politische und die militärische, die gegeneinander arbeiteten, und dos hat dann iii der Politik zu einer doppelten Buchführung Nach Mashington. Die Delegation wird ons 10, höchstens 11 Mitgliedern bestehen, und zwar vier Delegierte, darunter zivei für das Reich, einer für die Arbeitgeber imd einer für die Arbeit- nehmer, zwei Sachverständige für das Reichsarbeitsmini- sterrum, einer für das Auswärtig Anit, siner für die Fragen der Frauenarbeit(Genossin Hanna), ein Mitglied der Ehrisilichon und ein Mitglied der Hirsch-Dunckerschcn Ge- werkschaften. Als Führer der Delegation ist der frühere Staatssekretär Genosse Dr. A u g u st Müller in Aussicht genommen. Die freien Gewerkschaften werden, nachdem der Vorsitzende Regien eine Beteiligung abgelehnt hat, durch den 2. Vorsitzenden Gen. Graßmann(Buchdrucker) vertreten sein. Die Christlichen Gewerkschaften werden Brauer- Köln und die H ir schDun cker scheu Gewerkschaften Erkelenz entfendeii. Der Vertreter der Arbeitgeber ist noch nickt bestimmt, nachdem Herr v. B o r s i g eine Teilnahme abgelehnt hat. Die Führer der Delegationen der neutralen europäischen Länder sind für Holland: Oudegeest, für Dänemark: Madsen, für Schweden: Lindguist, für Norwegen: Lian und für die Schweiz: Dürr. Wie uns ans Wien berichtet wird, werden die deutsch- österreichischen Gewerkschaften eine Vertretung wahrscheinlich nicht entsenden. Nach einer- Meldurtg des Nachrichtenbureaus„Ost-West. Telegraf" funkt Lenin an Alle einen heftigen Protest gegen die Beteiligung an der Washington-Konferenz. Ihr Anstifter Gompers sei ein Antisozialist imd Feind des prole- tarischen Befreiungskainpses. Internationale Arbeiterschutz» gesetzgebung gebe es nicht ohne Welftevolution. Man versteht nur nicht, wozu, das an die Herrschaft gelangte Prole tariat überhaupt noch Schutzgesetze brauchen würde. Soll aber der internationale Aroeiterschutz so lange vertagt werden? Das Erfurter Programm erklärt doch gerade als Hauptaus- gäbe der Sozialdemokratie, das Proletariat kampffähig zu machen. geführt, die einfach unerträglich wir. Wir würden uns wun- dem, wenn Bemstorff drüben auch nur eine Stunde ruhigen Schlafs hätte finden können, da er doch nie wußte, welche Ueber- mschungen ihm am nächsten Morgen„seine Attaches" bereiten würden. Das deutsche Volk aber sah während des Krieges aus erstaunten Augen in eine Welt, die ihm ihren Haß täglich ins Gesicht spie. Man sagte ihm, nur der Neid, den das Ausland gegenüber seinen eigenen herrlichen Eigenschaften empfinde, habe zu diesen Haßausdrücken ge- führt. Nein, es gibt Dinge und es gibt Landsleute, um die -uns das Ausland nie beneidet hat, und wir selber müssen weit von ihnen abrücken. Nach dem„Stahlbad" ist ein Reinigungsbad nötiger denn je, und nur Wahr- h e i t kann es uns bereiten-. Der Sitzungsbericht. (Fortsetzung aus der Abendausgabe.) In der fortgesetzten Ver.iehinung Graf Bemstorffs fragt Prof. Dietrich Schäfer: In der amerikanischen Friedens- note vom 18. Dezember ISIS spricht Wilson von den kleineu unid schwachen- Völkern, die man vor Rechtsbruch und Ver- gewaltigung schützen müsse. Er wird zunächst an Belgien gedacht haben. Hat Graf Bernstorff über diese Frage mit Wilson, L a n s i n g oder H o u s e gesprochen und hat er dabei feststellen können, ob Wilson etwa auch an Griechenland ober Portugal gedacht hat? Vors. Warmuth: Darauf wird später zurückzukommen sein. Der Zeuge hat uns gestern aber gesagt, daß Wilson bereits im August 1911 eine Friedensvermittlun� angeboten hat, daß Gerard darüber mit dem Kaiser gesprochen und daß die Antwort des Kaisers durch Gerard den Weg nach Washington gefunden hat. Welchen Eindruck hat die Antwort deS Kaisers in Washington gemacht? Graf Bernstorff: Bei Kriegsausbruch war ich auf Ur- laub. Ich kam erst am 23.� August wieder nach Amerika. Anfang August hatte Wilson einen allgemeinen Appell an alle kriegführenden Mächte gerichtet. Näheres darüber weiß ich nicht. Ich weiß nur, daß etwa am S. oder 7. September der Staatssekretär Bryan zweimal versucht hat, eine Vermittlung einzu- leiten. Vors. Warmuth: WaS wisse» Sie über die Auskunft des Kaisers? Graf Bernstorff: Ich glaube gar nicht, daß es sich um eine Aeußerimg des Kaiser? handelt, sondern um eine amtliche Antwort der deutschen Negierung. Es liegt hier offenbar ein Miß ver- stand nis vor. Ter Kaiser hatte damals an Wilson wegen der Greuel der belgischen Bevölkerung telegraphiert. Vors. Warmuth: Nach dem Buche Gerards soll«ine Zusammen- kunft des Kaisers mit Gerard im Lustgarten stattge- fundc» haben. Gras Bernstorff: Davon weiß ich nichts. Abg. Dr. Sinzheimcr: Sie sagten gestern, daß in amerikanischen Regierungskreisen das Friedensangebot vom. 12. Dezember als Zeichen der Schwäche gedeutet worden ist. Haben Sie damals auch die Tatsache mitgeteilt, daß dieses Friedensangebot nicht nur vom Auswärtigen Amt, sondern in völliger Uebercinstimmung mit der Obersten Heeresleitung verfaßt worden ist? Graf Bernstorff: Mir ist das Friedensangebot telegraphisch übermittelt worden; irgendwelche Aufträge waren an diese Mit- teilung nicht geknüpft. Abg. Dr. Sinzhcimer: Auf Grund der Akten stelle ich dann fest, dgß das Friedensangebot vom 12. Dezember in voller Uebereinstimmung mit der Obersten Heeresleitung zustande gekommen ist, daß die Oberste Heeresleitung an dem Eni- wurf sogar Verbesserungen vorgenommen hat und daß das Angebot auch in völliger Uebereinstimmung mit dem Kaiser in-die Welt gegangen ist.. t Vors. Warmuth: Wir komme» nunmehr zu der Periode, die mit dem amerikanischen Friedensangebot beginnt. Graf Bernstorff: Wilson hielt trotz unseres Friedensangebotes an der Friedensvcrmittlung fest. Das Wilsonsche Angebot erregte gerade deshalb so großes Aufsehen in Amerika, iveil es direkt auf unser Angebot folgte, so daß der Anschein eriveckt wurde, als sei Wilson dadurch ermuntert worden. Infolgedessen hatte Wilson in seiner Note aufgenommen, daß sein Angebot nichts mit dem deutschen Angebot zu tun hätte, daß es vielmehr schon vor längerer Zeit beabsichtigt gewesen ist. Die öffentliche Meinung in Amerika hat den Schritt Wilsons absolut als prodeutfch angesehen. Die ganze Presse schrieb in diesem Sinne unid die Stim- mung in Washington war ebenso. Ich habe dann Lan sing ge- fragt, wp? er sich den weiteren moäus proceäcnäi vorstelle. Ich habe darüber mit ihm eine eingehende Unterredung gchabt. Jllach meiner jebigen Kenntnis von den Dingen bin ich der Auffassung. daß ein Widerspruch herrschte zwischen der deutschen Antwort auf Wilsons Note und meinen Auffassungen. Ich habe damals an» genommen, daß die deutsche Antwort sagen sollte, daß wir eine Friedcnsvermittlung insoweit wünschten, daß eine Konferenz zu- stände käme, auf der verhandelt werden sollte. Ich habe aber nicht angenommen, daß damit die Wilsonsche Friede nSver- m i t t l u n g been-det werden sollte. Jetzt muß ich allerdings an- nehmen, daß unsere Antwort vom 26. Dezember die Absicht ver- ..folgte, die Wilsonsche Iricdensvermittlung völlig abzuschneiden. Zu meiner jetzigen Auffassung bin ich vor allem gekommen durch ein Telegramm des Kaisers an das Auswärtige Amt, in dem gefragt wird, warum ich noch- von Friedensvermittlungen Wilsons spräche, wahrend eine solche Vermittlung doch gar nicht mehr bestände. Vors. Warmuth: Woraus schließen Sie, daß die deutsche Re- gierung von einer ftriederisvermittlung Wilsons nichts-wissen wollte? In dem Wilsonsche» Friedensangebot heißt es doch aus- drücklich, es solle kein Frieden vorgeschlagen werden, eö biete nicht einmal ein« Vermittlung an, sondern wolle nur das Terrain sondieren. Dann bestand für die deutsche Regierung doch kein Anlaß, diesen Schritt als eine Friedensvermittlung aufzufassen. Wie kommen Sie dazu, der deutschen Regierung die. Absicht zu unterstellen, daß sie einer Friedensvermittlun'g abgeneigt war? Graf Bernstorff: Ich lurbe die Note Wilsons als Frieden?- Vermittlung deshalb angesehen, weil sich dies mit Notwendigkeit aus früheren Ereignissen ergab. Die Note war absichtlich unsicher und tastend gehalten, um eine Ablehnung unmöglich zu machen. Hätte Wilson direkt den Frieden angeboten, er wäre abgelehnt war- den. So aber war eine Ablehnung tatsächlich nicht mög- lich. Ich kann nur wiederholen, daß nach meiner damaligen An- ficht unsere Note vom LS. Dezember nichts änderte an dem Ber- halten unserer Regierung, und daß nur gesagt werden sollte, daß wir eine Einmischung Wilsons in territoriale Fragen nicht wünschten. Heute bin ich aber anderer Auffassung als damals. Vors. Warmuth: Wilson legte auf die Mitteilung der Friedensbedingungen also keinen ausschlaggebenden Wert, so daß die deutsche Verweigerung solcher Bedingungen kein Hinder- nis für den Frieden bedeuten konnte? Graf Bernstorff: Slber Wilson hat natürlich geglaubt, daß wir schließlich unsere Bedingungen mitteilen würden. Abg. Sinzhcimer: Gegenüber dem Abg. Warmuth stelle ich fest, daß daS Kern st ü ck der Note Wilsons vom 18. Dezember die Bitte an alle Kriegführenden ist, konkrete Friedens- beding», igen mitzuteilen. In der deutschen Note, die als Antwort auf dieses Ersuchen abgeschickt ist, wird aber die Bitte Wilsons um Bekanntgabe der Friedensbedingungen überhaupt nicht erwähnt. Daraufhin telegraphierte Graf Bernstorff, daß Lan sing ihn nuiunehr gebeten habe, ihm wenigstens' ver- traulich unsere Friedensbedingungen miizuteilen. Graf Bernstorff: Das ist richtig. Abg. Dr. Sinzheimer: Auf die Uebermittlung dieser Bitte Lansings antwortete Staatssekretär Zimmermann am 1. Januar, also � zwei Tage vor dem U.-Bootkrieg, Graf Bernstorff möge diese Frage dilatorisch behandeln. Graf Bernstorff: Aus diesem Wort habe ich gerade gcschle�- scn, daß alles so bleiben sollte, wie bisher. Abg. Dr. Sinzheimer: Sie sprachen vorhin von einem Tele- gram m des Kaisers. Dieses Telegramm ist vom Ig. Januar lbl? datiert und an den Staatssekretär Zimmermann ge- richtet. Darin heißt es wörtlich: „Seine Majestät lassen Euer Exzellenz für die Auskunft danken. Zum Telegramm bemerkt Seine Majestät, daß Aller- höchst dieselben gar keinen Wert auf Wilson» Friedensangebot legen. Falls Bruch mit Amerika unvermeidlich wäre, ist es nicht zu ändern, eS wird vorgegangen." lBewcgung.) Auf Grund dieses Telegrammes und jetziger Ver- öffentlichungcn sind Sie also zu der Auffassung gekommen, daß die Wilsonsche Friedensvermittlung von uns beseitigt werden sollte? Graf Bernstorff: Jawohl. ,,Vors. Warmuth: Damals hatten Sie diese Auffassung aber nicht, und auch die Instruktionen lauteten anders. Graf Bernstorff: Ich habe die Jnstrktionen so verstanden, daß wir die Wilsonsche Vermittlung weiter wünschten. Professor Bonn: Ich kann feststellen, daß also die Aeuße- rungcn des Kaisers und der Schriftwechsel mit Zimmermann nach Washington nicht zu Ihrer Kenntnis gekommen sind. lGraf Bernstorff verneint.) Damit scheidet die Möglichkeit, von Ihnen Informationen über diese Dinge und ihre Wirkungen zu erhalten, aus. Graf Bernstorff: Das ist vollkommen richtig. Damals nahm ich die Motc als eine Fortsetzung der Friedenspolitik an, während ich heute nach dem Stande der Veröffentlichungen annehme, daß diese Note die FriedenSvermittlung Wilsons beenden sollte. Ich habe die Note damals bedauert, weil sie mir nicht genügend entgegenkommend zu sein schien. Professor Bonn: Sind Ihnen die konkreten Fricdensbedin- gungen vor dem 29. Januar mitgeteilt worden? Graf Bernstorff: Nein. Professor Bonn: Sind Ihnen die deutschen Friedensbedin- gungen in einer nicht konkreten Form mitgeteilt worden? Graf Bernstorff: Mit Ausnahme des Telegramms, in dem gesagt wird, daß Belgien nicht annektiert werden soll, nicht. Vors. Warmuth: Es ist immer gesagt worden, die Friedens- bedingungen seien maßvoll gewesen im Gegensatz zu den un- vernünftigen Forderungen der Entente. Graf Bernstorff: Sie waren sehr maßvoll. In Amerika fragte man sich, warum die Friedcnsbedingungen nicht bekannt- gegeben würden. Ich entgegnete, sie wür-den, da sie so maßvoll wären, im Gegensatz zu den Feinden, den Eindruck der Schwäche hervorrufen. L a n s i n g erwiderte mir, daS verstünde er nicht, warum wir nicht ebensoviel forderten wie die anderen. Man könnte sich dann auf der Mitte einigen. Professor Bonn: Drängte nicht nur die amerikanische Re- gierung, sondern auch die öffentliche Meinung sehr stark auf eine Bekanntgabe der FricdenSbedingungen? Graf Bernstorfs: Die ganze Presse besonders. Jeder er- wartete«s. Professor Bonn: Tic amerikanischen Zeitungen versuchten, sich � Borstcllurnsn über die Friedcnsbedingungen zu machen. Graf Bernstorff: Jede Zeitung behauptete, Informationen zu haben. Ich kann kategorisch erklären, daß ich in Amerika niemals offiziell die deutschen Bedingungen vor dem 29. Januar 1917 genannt habe. Ich habe wohl in der Unterhaltung davon gesprochen, aber niemals bestimmte Bedingungen genannt. Abg. Cohn: Wann wurden die Bedingungen vom 12. Dezember Übersicht? Graf Bernstorsf: Gleichzeitig mit der Erklärung des ver- schärften U-Boot-Krieges. Vors. Warmut: Das waren doch die Bedingungen, wie sie gewesen wären, wenn das Angebot vom 12. Dezember angenommen wurde. Die Ausfassung, als ob es danach mit Friedens- Vermittlungen vorbei wäre, ist nicht richtig. Es wird ausdrücklich Der Dieb. Von Gottfried Kölwel. Um Allerseelen, wenn die frühen Abendnebel feuchteten, lief Karl Mährin mit andern Kindern in die düster« Kirche, wo die Dämmerung um das ewige Licht schauerte, und schabte von den alten, brandwundigen Betstühle« jenes herrenlose Wachs, das während der Messe von 5en Wachsstöcken der Frauen tropfte. Ob-, wohl er wußte, daß es nicht verlboten war, das zu tun, so fühlte er doch keine völlige Ruhe, solange er allerlei Figuren, Teufel, Haus- wurste und schwarze Hunde daraus knetete. Erst wenn er daS Wachs um einen weißen Bindfaden gedreht und dies« ärmhchen Kerzchen einem armen Weiblein, das in der Nähe seines Eltern- Hauses gebrechliche Schirme mit neuen Spangen versah und flickte, geschenkt hatte, fühlte er Genugtuung. Dasselbe heikle Gefühl für fremdes Gut bewahrte er auch als Lehrling und später als Geselle. Alle Werkzeuge der Schlosser. werkstättc schonte er, als wären eS seine eigenen, ölte besorgt die Maschinen und barg, ehe er die Werkstätte verließ, alles wie sein eigenes Gut. Aber die surrenden Näder und peitschenden Riemen schienen nichts zu fühlen von all der. Güte, die der Geselle im Herzen trug. Hinterlistig wie Raubtiere schnaubten sie auf und erfaßten ihn am Arm. Arg verletzt kam er in daS Krankenhaus. Die Aerzte legten ihn auf den barmherzigen Tisch, betäubten ihn und desinfizierten die blanken Messer. Von dieser Stunde an war Karl Mähnin ein Krüppel. In der Werkstatt schwangen die Hämmer in andern Fäusten, andere Hände nährten die hungrigen Maschinen. Karl Mährin aber kam durch Bermiitlung seines Meisters zu dessen Vetter, der in einer großen Stadt mit fünf Gesellen das Schneidergewerbe übte, und erhielt dort für das Austragen neuer und das Abholen alter Anzüge zwar kargen, aber doch hinlänglichen Tagelohn. Zudem gab es Händ-, in denen mitleidiges Trinkgeld bereit lag, so daß Karl Mährin einige notlose Jahre verlebte. Als aber der Meister starb und das Geschäft in die Hände eines andern überging, verlor Karl sein Brot. Er trachtete nun, irgendwo anders als Austräger unterzukommen, fand auch frei« Stellen, verlor dtefe aber bald wieder, weil er als Krüppel die Geschäfte nicht so vollenden konnte, wie einer mit gesunden Gliedern. Tage deS Hungers brachen über ihn herein, und leere Nächte raubten ihm den Schlaf. An einem späten, nebeligen Winterabend, nachdem Karl Mähvin zwei Tage lang nichts gegessen hatte, wandelte er betrübt durch die düsteren Straßen. Er wußte eigentlich selbst nicht warum. Tieffarbige Orangen lagen in einem Korb, der vor dem Laden einer Lebstlerin stand, und rundeten sich aus der Tiefe, als ver- langten sie nach einer hohlen Hand. « darauf hingewiesen, daß wir den P r ä s i d« n t 6 n bäten, sein« Be- mühungen fortzusetzen, und daß wir zur Einstellung des N-Boot-Kriegs bereit wären, sobald seine Versuche einen Erfolg versprächen. Abg. Cohn: Bezog sich die Erklärung Lansings über die Friedens- bedingungen, daß sie zu innftig seien und man sich auf der Mitte einigen müsse, auch aus Belgien? Graf Bernstorff: Nein. Eine Amerikanische Friedensvermitt- lung ohne Wiederherstellung Belgiens war vollkommen ausgeschlossen. Abg. Dr. Sinzheimer(Soz.) stellt fest, daß die Friedens- bedingungen, die am 28. Januar Wilson micheteilt wurden und die sich auf das Angebot vom 12. Dezember beziehen, nicht den Be- dingringen in den Akten entsprächen. Abg. Cohn sU. Soz.): Ist Ihnen bei der Rückkehr nach Deutsch- land bekannt geworden, daß die Bedingungen, die Sie Wilson mitteilen sollten, andere waren als diejenigen, die am 12. Dezember vereinbart wurden? Graf Bernstorff: Das böre ich heute zum ersten Male. � Im übrigen haben die Friedcnsbedingungen damals keine Rolle mehr gespielt, da ich sie am selben Tage erhalten habe, wie die Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges, und da damit der Abbruch der diplomatischen Beziehungen ausgesprochen war. Abg. Cohn(U. Soz.): Erschienen die mitgeteilten Bedingungen als maßvoll? Graf Bernstorff: Ich habe sie für maßvoll gehalten. Ich legte aber keinen Wert mehr daraus, da ich wußte, daß die diplo- matischen Beziehungen abgebrochen würden. Geheimrat Schäfer: Dachte Wilson, als er von den kleineren und schwächeren Völkern sprach, die er schützen wolle, mir an Belgien oder auch an Griechenland? Graf Bernstorff: Ich persönlich nehme an, daß er Belgien meinte. Es wird dann die Frage der Entcnte-Ablchnung zur VerHand- lung gestellt. Gras Bernstorff: Sotvcit meine Verhandlungen mit dem Ver- treter des Präsidenten Wilson in Betracht kommen, so habe ich mir immer gesagt, daß er die Bedingungen der Entente als nicht e r n st zu nehmen betrachte. Er hat auch ausgesprochen, die Entente habe die Absicht, uns zimr U-Boot-Krieg zu bringen, um die Ver- einigten Staaten in den Krieg hineinzuziehen. Sachv. Professor Bonn: Sic erwähnten, von amerikanischer Seite sei gesagt worden, die Entente versuche, durch maßlose Fricdensbedingungen uns in eine U-Boot-Falle z« locken. Hatten Sie mit dieser allgemeinen Bemerkung eine bestimmte Persönlichkeit im Auge? Gras Bernstorff: Bei den Verhandlungen ist öfter die Auf- fassung laut geworden, die Entente würde unter allen Umständen versuchen, einen Krieg zwischen Deutschland rnid den Vereinigten Staaten zu provozieren, um so den europäischen Krieg zu ihren Gunsten zu entscheiden. Professor Bonn: Das sind Aenßerungen des Obersten House? Gras Bernstorff: Ja. Ich habe in der öffentlichen Meinung alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Frieden-Sbestrebnngen Wilsons zu fördern. Das muß ich betonen, weil in einen: Teil der deutsche» Presse Angrisse gegen mich erhoben wurden, ich detreibe eigene Politik gegen die Regierung. Vors. Warmuth: Vom Staatssekretär Zimmermann ist Ihnen mehrfach nahegelegt worden, einen energischen Druck Wilsons auf England zu veranlassen, namentlich für ein Ausfuhrverbot. Sie sollen daranshiu erklärt haben, das sei nicht gut möglich, weil Wilson Rückficht auf den amerikanischen Handel zu nehmen habe. Mußt« da nicht die Rücksicht auf den Handel zurücktreten gegenüber der viel wichtigeren Frage des Friedens? Graf Bernstorsf: Die Interessen des Handels sind gleichbe- deutend mit denen der Industrie. Die Situation hatte sich wesent- lich geändert, als Wilson tviedergewählt worden war, und zwar auf Grund des Programms, den Frieden erhalten zu wollen und die Kriegsbereitschaft der Vereinigten Staaten zu erhöhen. Unter KriegSbcreitschait war nicht nur die Vennehrung der Armee, son- dcrn auch die Schaffung einer starken Flotte und besonders einer gwßen Handelsflotte zu verstehen. Die Stimmung der Industrie war nicht mehr gegen einen für uns günstigen Frieden feiudlicki gestellt wie früher. Referent Abg. Sinzhcimer sSoz.): War die ehrliche Aussicht vorhanden, daß die E nie nie auf die FviedenSvorfchläge Wilsons eingehen würde? Graf Bernstorff: Daß eine positive Fühlungnahme stattgefunden hat, nehme ich an, beschwören kann ich es aber nicht. Wilson Karl Mährin blieb stehen. Er zitterte, als seine schlaffen Hände zufällig eine Frucht streiften. Sein Herz klopfte ängstlich wie vor einer Verführung. Ließ nicht derselbe Gott, deifden Maschinen befahl, herzlos zu sein, diese Früchte zur Sühne gedeihen? Wollte jener Gott, der die Vögel auf dem Felde nährt, geizig gegen unglückselige Menschen sein? Sollten die hungrigen Spatzen eimst in der Hölle brennen, weil sie den satten Tauben eines Bauern einige Körner stahlen? Ein Gefühl überkam ihn, wie noch nie. Als fühlte er jenen Gott in feinen Fingern, als böge dieser ihm das Gelenk, als zöge er ihm den Arm aus dem Korb, drängte ihn fort, fort-- Er hatte eS doch nicht selbst getan? Es war nicht mehr feine Hand, die diese lachende Frucht umklammert hielt! NomI Nein! Er hatte es nicht getan! Es war eine fremde Hand, die er nie an sich sah, nie fühlte sett seiner Kindheit! Er sträubte sich, dieser Hand zu gehorchen! Zurück! Zurück! Seine Hand sollte die Frucht wiader in den Korb werfen! Seine ehrliche Hand! Im selben Augenblick stürzte die Oebstlerin aus dem Laden und schrie nach der Polizei. Menschen häuften sich um den krüppeligen Mann und versperrten ihm den Ausweg. „Ich habe nicht gestohlen!" sagte er mit matter Stimme. „Ich weiß picht, es war so seltsam, so.. Da wurde er plötzlich' bleich und brach zusammen. Als er wieder aus der Ohnmacht«wachte, sah er die tiesblauen Schergen neben sich. Sie griffen ihm unier den Arm und führten ihn in die Wachstube. Karl Mährin hatte sich wegen Diebstahl zu verantworten. „Ich habe nicht gestohlen," sagte er.„ES war eine andere Hand, nicht die meine!" Der Richter glaubte, einen abgefeimten Dieb vor sich zu haben und verurteilte ihn. In der Zelle erlebte Mährin einen seltsamen Traum: Er sah zwei Hände, die einander nähertrachteten. Die eine hing aus dem Himmel und zerdrückte Brot unter den Fingern. Die andere wuchs aus der Erde und umkrampfte einen Dolch, der nach Rache lechzte. Als Karl Mährin wieder entlassen wurde, stahl er. Amerikas schwerste Iroge. Nageraufstände sind in letzter Zeit des öfteren aus Amerika gemeldet worden, und die wirren Verhältnisse, die gegenwärtig überhaupt in. den Vereinigten Staaten herrschen, werden dadurch außerordentlich verstärkt. Als die schwerste und wichtigste Frage unter allen sozialen Problemen Amerikas wird die Negerfrage von dem Washingtoner Berichterstatter der„Times" bezeichnÄ, der die Entwicklung und Zuspitzung dieses Rassengcgensatzes behandelt. Es gibt in den Vereinigten Staaten gegenwärtig über 10 Millionen Leute, die schivarzeS oder Mulattenblut haben. Diese Nach- kommen der einstigen Sklaven sind mohr und mehr amerikanisiert worden, und in eine je höhere soziale Stellung sie aufrücken, desto hakte mir immer sagen lassen, er würde die Friede nSvermiitkung nur vornehmen, wenn begründete Aussicht auf Erfolg vor- Händen sei. Abg. Sinzheimer: Im Kreuzverhör des Senats soll Wilson die Frage, ob, wenn wir nicht den unbeschränkten U-Boot-Krieg an- gefangen hätten, Amerika doch in den Krieg mit uns eingetreten wäre, bejaht haben. Welche Bedeutung schieben Sie dieser Aeuße- rung zu?. Gras Bernstorff: Diese Frage führt ans das Gebiet der Psycho- logie. Unter meinem Eide kann ich nicht sagen, was Wilson ge- dacht hat. Die Frage an Wilson lautete nach meiner Erinnerung: „Herr Präsident, glauben Sie, daß unsere moralische Auffassung über die deutsche Schulo am Kriege uns auch in den Krieg hinein- gebracht hätte, wenn Teutschland nickt unsere Untertanen und unseren Handel in unrechtmäßiger Weise angegriffen hat:«?" Tarauf har der Präsident geantwortet: „Ich hoffe es." Auf die Frage:„Glauben Sie, daß wir also doch in den Krieg hineingekommen wären, selbst wenn Deutschland sich nicht spezieil gegen uns vergangen hätte," antwortete Wilson:„Ich nehme es an." Meine Anschauung geht dahin, daß der Abbruch der diplo-. matischen Beziehungen zwischen Amerikg und uns gleichbedeutend mit der Kriegserklärung war, die vielleicht noch einige Wochen hätte auf sich ivartcn lassen; sie war aber die unbedingte Folge. In dein Augenblick, wo unsere Botschaft in Washington ausgeschaltet war, waren wir der Deutschland feindlichen Propaganda gegenüber wehrlos. Auf Anregung Pxof. BonnS wird beschlossen, den englischen Text in der morgigen Sitzung vorzulegen und diese Aussprache jetzt zurückzustellen. Professor Bonn: Ist Ihnen bekannt, daß Wilson durch den Er- laß seines Friedensangebotes in den Geruch leidenschaftlicher Deulschlandfteundlichkeit gekommen ist? Bei dieser Gelegenheit soll Staatssekretär Lansing enimal nicht unbedenklich ausgeglitten sein bei dem Bestreben, die Sache etwas zu ebnen. Er soll Interviewern gesagt haben, der Präsident habe das machen müssen, ivenn der Il-Boot-KriegKomme, so bedeute das den Krieg mit Deutschland, und der Präsident wolle keinen Krieg. Eine ähnliche Aeuße rung soll Gerard schon auf dem Schiffe gemacht haben gegenüber einem Ver- tretcr der„New Dork World". Graf Bernstorsf: Wilson wollte einen Augenblick abwarten, wo keiner der beiden Kriegsührendeil nock die Hoffnung hatte, den Sieg zu erringen. Andererseits wußte er, daß die Entente mit dem Ein- tritt Amerikas in deii Krieg rechnete. Deshalb hat er immer ge- sagt, er fange keine Fnedensvermittlung an, solange irgendwelche Kontroverse mit Deutschland vorhanden sei. Vors. Warmuth: Wilson galt doch immer als der Manm, der für Menschlichkeit und Gerechtigkeit eintritt. Hat Wilson sich über diese rein menschlichen Gesichtspunkte geäußert? Graf Bernstorff: Diese Fizpge ist von mir häufig berührt tbor- den, so bei der„Lusttania"- und der„Sussex"-Frlage. Die Hungerblockade hielt er für illegal. Abg. Sinzheimer: Eilauben Sic an den guten Willen Wilsons, den Frieden zu vermitteln? Graf Bernstorff: Ja. Abg. Siiizhrimcr: Sollte es ein Frieden zugunsten der Entente sein? Gras Bernstorff: Wilson sagt am 22. Januar, ein Frieden ohne Sieg solle erreicht werden; ich habe es so verstanden, daß das bedeutet, Teutschland solle seine Weltstellnng in vollem Umfange behalten. Ich hielt Wilson für«inen ehrlichen Makler. Professor Bonn: Im Sommer 1916 hat Wilson sich eine ganze Anzahl Kampfmittel wirtschaftlicher Art. so gegen die Schwarzen Listen, bewilligen lassen. Wir müssen feststellen, ob er versucht hat, sich damit wirtschaftliche Machtmittel gegen die Alliierten zu schmieden. Gras Bernstorsf: Die Rede Wilsons am 22. Januar ist als ein besonders feierliche Akt anzusehen,'denn die Rede wurde schon vor- her nach Europa telegraphiert. Tags zuvor erhielt ich die Mit- teilung, daß der uneingt'chränkte N-Boot-Krirg eröffnet werde. Ich versuchte, im letzten Augenblick�ioch einen Aufschub zu erreichen.?lls ich die Mitteilung übcrbrachteHvnßte er sicherlich noch nichts davon. Auf eine Anfrage deS Abg. Dr. Sinzheim er erklärt Graf Bernstorsf: Niemals ist von amerikanischer Seite mit mir über einen Frieden verhandelt worden, worin auch nur die geringste Abtretung deutschen Gebiets uns zugemutet worden wäre. Tarauf werden die Verhandlungen abgebrochen und aus Donnerstag im gleichen Saale vertagt. größer wird ihre Unzufriedenheit und ibr Haß gegen die Weißes mit denen sie in Wettbewerb treten. Früher wohnte der Teil dieser Neger, die etwa ein Zehntel der Gescrmtbevölkerung aus- machen, in den Südstaaien. So hatte z. B. Alabama 1910 1 200 0 We-iße und 900 000 Farbige. Georgia 1 400 000 Weiße und 1 140 000 Farbige. Mississippi 780 000 Weiße und 1 000 000 Farbige. In 'Nebraska, dessen Hauptstadt Omaha der Schauplatz heftiger Neger- aufstände vor kurzem gewesen ist, gab es 1910 nur 7500 Farbige gegenüber 1 180 000 Weißen. Tie Neger wohnten in festabgegrenz- ten Vierteln der Städte, und sogar in Washington findet man ganze Straßen mitten in der besten Gegend der Stadt, in der nur Far- bige wohnen. Je mehr aber der Neger nach Norden vordrang, um so weniger fühlte er sich an diese eigentlichen Negerviertel ge- bunden; er drang immer mehr in die von Weißen bewohnten Stadtteile ein, und bei der Verachtung, die der weisse Amerikaner dem farbigen gegenüber süM. musste das viel böses Blut machen. Dazu kam noch die Eifersucht des weissen Arbeiters gegen de» neuen Wettbewerber. So war also bereits vor dem Kriege Zündstoff genug ausge- speichert, und er ist während des Krieges sehr vermehrt worden. Di« Neger wurden in großen Scharen nach Frankreich geschickt und dort als Verbündete mit offenen Annen aufgenommen. Hier merkten sie nichts von der strengen Scheidung, die sie im amerikanischen Leben auf Schritt und Tritt zurücksetzt. Sie emvfanden es nun um so peinlicher, daß sie in den Südstaaten in besonderen Straßenbahn- wagen fahren müssen und in jeder Hinsicht als Bürger zweiter Klasse behandelt-werden. Ihr Selbstgefühl hob sich, und sie börien besonders eifrig aus die Stimmen ihrer Führer, die ihnen vorhie!- .ten, wie sie in kritischen Zeiten von der weißen Rasse ausgebeutet und dann nachher wieder in ihre Pariastellung zurückgestoßen wer- den. Seit vielen Jahren gibt es zwei verschiedene Wege für die Erziehung des amerikanischen Negers. Die eine Mchfobe sucht ihm nur eine technische Ausbildung zu geben, damit er als Handwerker und als Bauer sein Fortkommen findet. Der andere Weg will ihm dieselbe Ausbildung wie dem Weißen verschaffen, und diese Eröffnung einer besseren.Erziehung hat große Fortschritte gemacht. Es gibt heute Neger, die angesehene RegienmgSstellen innehaben, vortreffliche farbige Aerzte und Rechtsanwälte," und viele tauseud Ryzer sind reich genug, um sich ein eigenes Auto zu halten. So ist z. B. tu New Fo-rk eine blühende farbige Gemeinde entstanden, die in schönen Straßen wohnt, ihre eigenen Theater und sonstige Kul- wrerrungenschaften besitzt. Wer das ist auch die Kehrseite der Medaille. Der gebildete Neger ist der sozialistischen Bewegung besonders zugänglich, und so sind eine groß« Anzahl von Organisationen«nt- standen, die mit den Sozialisten zusammenarbeiten, so die„Liga für Demokratie", ein Bund farbiger Soldaten, die gegen ibr« weißen Offiziere Anklagen erheben, die„Universal Ncgro Jmprovement Affoeration", deren Programm ist. Vas Klassenibewachtism unter den Nogern der ganzen Welt zu stärken und alle farbigen Rassen zu- sammenzuschliessen, der Nationalbund für die werkschaften u-näer den Nogern, die Hamikl�che Welrnga, die Welt- liga der sbbwarzen Völker usw. Alle diese Vereinigungen werden von farbigen Sozialisten gesurrt und versugen über„aufreizende" Blätter, wie d« Newyorker Zeitungen„Messenger" und„CrisiS" Kr. 542 o 36. Jahrgang 7. Seilage öes Vorwärts Donnerstag, 23. Oktober 141 9 Minister Scann rechnet ab. In der Mlllttiochsitzain>g der Preußischen Lande sversammw ng führte Landwirtschaftsministcr Braun aus: Ich bedaure, daß Abg. Graf v. Kamtz bei der Begründung des deutschnationalen Antrages um Aufhebung der Zwangswirtschaft in West- und Ostpreußen gesagt hat, Ostpreußen ?ei van der Regierung bereits aufgegeben. Taten kann keine Rede sein. Wir verkennen nicht die schwierige Lage Ostpreußens und werden, bestrebt sein, mit allen Mitteln seine geistige und Wirt- schaftliche Verbindung mit uns enger zu gestalten. Allen Be- mühungen der Feinde zum Trotz. Wir müssen aber auch eavartcn, daß Ostpreußen sich eins mit Preußen und Teutschland fühlt.(Lebh. Zustimmung.) Ostpreußen ist Ue-berschußgebiet und muß zur Er- Nahrung des Landes westlich der Weichsel beitragen; ebenso ist es selbst aber auf die Lieferung von Kohlen aus"dem Westen an- gewiesen; hier muß also dauernd ein wirtschaftlicher Ausgleich statt- finden. Daß die Verbindung Ostpreußens mit dem Westen durch die Erfüllung des Wunsches nach Aushebung der Zwangswirtschaft inniger gestaltet wird, ist entschieden zu bezweifeln.(Lebh. Sehr richtig! links.) Tie vom Grafen b. Kunitz wieder bemängelte Be- schränkung des Eisenbahnverkehrs im Osten trifft auch Schlesien und andere Landesteile. Di« Kritik an dieser Maßnahme schafft die Tatsache nicht aus der Welt, daß die Versorgung des Westens mit Kartoffeln und des Ostens mit Kohlen gefährdet war und des- !>alb einschneidende Maßnahmen unumgänglich gewesen sind. Gegen- wärtig finden mit Polen Verhandlungen statt über die Wieder- erschließu-ng der alten Verkehrslinien. Wenn dies« Verhandlungen zu einem günstigen Ergebnis kommen, ist Abhilfe möglich. , Die Landwirtschaftskammern sind in der jetzigen Zusammensetzung nicht mehr zeitgemäß. Sie sind keine Vertretung des gesamten landwirtschaftlichen Berns s- stairdcs. Die Reichsregierung bereitet darüber ein Rahmengesetz vor. das von den Landesregierungen ihren besonderen Bedürfnissen ete-p rechend ausgebaut werden muß. Wenn das Reich damit her- auc-kommen wird, werden auch wir baldmöglichst einen Gcsetzent- Wurf über die Reugestaltung der Landwi rtschafts kämme rn einbringen.(Beifall.) Wenn landwirtschaftliche Kreise mit dem Strcikgedankcn spielen, so mache ich arrf die Gefährlichkeit eines solchen Streiks aufmerksam. Der Streik der Landwirte bedeutet Hunger und Elend für das ganze Volk. Man hat behauptet, ich fei der Minister für die Landarbeiter und gegm die Landwirtschaft. Damit stellen die Herren es so dar, als od die Landarbeiter nicht zur Landwirtschaft gehören.(Lebih. Widerspruch rechts und große Unruhe.) Ihre(nach rechts) ganze Tätigkeit ist darauf gerichtet gewesen, die Landarbeiter niederzuhalten. �etzt, wo eine Aenderung eingetreten ist, wo der Minister unparteiisch ist(Lachen rechts), werden solche Vorwürfe erhoben. (Zuruf rechtS: Volksversanunlungsrede!) Die Schimpfereien in Pommern Wer meinen Erlaß zur Sicherstellung der lawdwrrtfchaft- lickien Arbeiten sind lediglich ein Ausfluß der gereizten Stimmung: man hat auf der Rechttn kein anderes wirksames Reizmittel mehr gegen den Landwirtschastsminister und kommt deshalb immer darauf zurück.(Unruhe rechts.) Graf Westarp bat in der„Kreuz- zeitung" erklärt, die Arbeibgeber hätten den Albschluß von Tarif- Verträgen nicht abgelehnt, sondern die Vorbedingung gestellt, daß die Einhaltung des Vertrages auch wirklich gesichert. sein müsse. »crr v. Herzbcrg-Lottiii erklärt in der»Deutschen Tageszeitung", Tarifoerträge mögen für die Industrie notwendig und vorteilhaft sein, für die Landwirtschaft seien sie unzweckmäßig und nicht gleich- mäßig durchführbar. Herr v. Herzberg-Lottin ist der Führer der ganzen Gruppe und muß es wohl wissen. Von Verhandlung zu Verhandlung wurden Beschlüsse von den Arbeitgebern verschleppt» im entscheideivdcn Augenblick hatten sie keine Vollmachten oder aber sie verlangten eine leaution von 300 000 M., um sich gegen Bruch des Vertrages zu schützen. Schließlich erschien ihre Kommission überhaupt nicht, weil sie keinen Auftrag hätte, an dem fraglichen Tage zu verhandeln. Nachher behaupteten sie, der Landarbeiter- verha:Ä habe die Verhandlungen abgebrochen. Die uuwahrhaftige Kampfcsweise hinterpommerscher Edelleute nagele ich hiermit gebührend fest. Auf den Artikel des Grafen Westarp habe ich der„Kreiizzeiiiing" eine sachliche Richtigstellung geschickt; sie ist bis heute noch nicht abgedruckt. Dagegen gab ste v. Herzberg-Lottin und seiner Auffassung wieder Raum. Das ist deutschnati analer journalistischer Anstand! Diese Presse gebraucht Unwahrheiten und Beschimpfungen und unterdrückt dafür die Wahr- heit. Brutal soll es.sein, wenn ich in wenigen Wochen der»gbd- Wirtschaft Tarifverträge aufzwinge? Der Großgrundbesitz hat bis- her mit brutaler Gewalt die Arbeiter niedergehalten. Es muß ge- lingen, der Landwirtschaft den Gedanken der Tarifverträge nud damit friedliche Verhältrvisse so schnell wie möglich zu bringen. Das Vertrauen aller Landwirte werden wir nie erhalten, es genügt, tveun wir das der Millionen Kleinbauern und Landarbeiter gewinnen. Müßte ich das Vertrauen der Rechten gewinnen, würde ich nicht eine Stunde lang an dieser Stelle stehen. Eni- gangenen Konjunkturgewinn bezeichnen die Herren jetzt als Tonderbcsteuerung und unerträgliche Belastung. Was der frühere König als Vrotwuchcr bezeichnete, das treiben st« ungescheut. Aber entgangenen Gewinn eine Sonderbesteuerung nennen, das ist so deistschnational. Ter Abg. Rippel hat gerufen: Fort mit dem Minister!(Abg. v. Kardorff:('Dnat.ft Ja, ja!) Solange ich das Vertrauen meiner Partei(stürmische Heiterkeit rechts. Minutenlanger großer Lärm. Zurufe rechts: Da haben wir ihn!) Solange ich das Vertrauen meiner Partei und der Mehrheit dieses Hauses habe, werde ich diesen Platz nicht verlassen, mögen die An- griffe noch so dicht hageln. Lust und Liebe spielen nirgends«ine so große Rolle wie in der Landwirtschaft.(Ironische Zustimmung rechts.) Darum helfen Sie mit sorgen für den Wirtschaftsfriedeu. Die Tatsache, daß die Landwirtschaft identifiziert wurde mit reak- tionärer Politik, hat zu dem Gegensatz zwischen Land und Stadt geführt.(Zuruf des Abg. Gräf-Anklam: Parteigerede!) Wir stehen vor dem Abgrunde, unserem Volk können wir nur helfen, wenn wir alle Eigennützigkeit und jeden Stveft beiseite stellen. (Stürmischer Beifall.) Abg. v. d. Osten(Dnat. Bp.): Wer hat draußen im Laiche Krieg und Klassenkamps gepredigt? Der Egoismus der Landarbeiter ist von der Linken aufgepeitscht worden.(Große Unruhe links.) Streiken etwa die Agrarier am meisten?(Großer Lärm links.) Wir verlangen die Aufbebung der Verordnung; ja, das ge- nügt uns noch nickst einmal. Wir verlangen auch die Feststellung iboer RechtSungülligkeit. Webe der Staatsrcgierung. die den Rechtsboden verläßt.(Großer Lärm.) Die Sozialdemokraten ver- folgen den Zweck, durch lebhafte Agitatvon aus dem Lande ihre in den Großstädten nach links abschwimmenden Mitglieder durch Ge- winn von Landarbeitern zu ersetzen.(Widerspruch der Sozialdeino- kraten.) Die Landarbeiter sind aber zu vernünftig, um sich durch sozialdemokratische Agitatoren auf die Dauer einsaugen zu lassen. (Andauernde Unruhe.) Die Industrie kann keine Waren aus- führen, nach denen das Ausland hungert, weis die Arbeiter nrcht arbeiten wollen.(Airdauernder Lärm links.) Wir lassen uns den Glauben an Deutschlands Wiederaufstieg nicht nehmen, bezweifeln ober, daß der gegenwärtige Landwirtschastsminister mit seinen Theorien imstande ist, dem Wiederaufbau zu dienen.(Lebhafter Beifall rechts.) Der Staatskommissar für das ErnährungSwcscn erklärt es alS' böse Zeichens daß einzelne Staaten an die Durchlöcherung der Zwmigswirtschaft herangehen.(Zustimmung.) Donnerstag 12 Uhr: Weiterberatung. Schluß b'A Uhr. Der Münchener Gefettenmorö vor Gericht. München, 22. Oktober. Auch das Gesellenvereinsmitglied Schütte behauptet, daß das Garde-Tivisionsgericht parteiisch im Interesse der Angeklagten ver- fahren sei. Gegen den amtierenden Staatsanwalt erhebt der Zeuge den Vorwurf, daß dieser nicht die Anklage auf Mord ansge- dehnt habe, sondern nur wegen Totschlages gegen die vier An- geklagten prozefsierc, neben denen übrigens auch deren Vorgesetzte und viele andere aus der Anklagebank sitzen müßten.(Zustimmung im Zuhörerraum.) Das, was am Karolinenplatz geschehen sei, sei nach der allgemeinen Volksstimmnng entschieden Mord gewesen. Es sei auch nicht richtig, daß man die Gefangenen bis z u l e tz t als Spartakisten betrachtet habe. Er habe vielmehr den Verdacht, daß der Gesellenverein denunziert worden sei uild daß auch die Pa- trouille wußte, um was es sich handelte. Der Zeuge, der sehr aus- geregt ist, beschuldigt vor allem den Angeklagten Matowsky in schwerster Weise. Er habe diesem ausdrücklich seinen Ausweis vorgezeigt und sofort betont, daß eine harmlose Gesellenvereins- An unsere Abonnenten! Die zur Herstellung der Zeitung nötigen Materialen steigen ständig im Preise, her Papierpreis allein ist ab 1. Oktober 1919 um zirka IS�Proz. erhöht worden. Die Gehälter und Löhne unserer Angestellten und Arbeiter, die den in steter' Aufwärtsbewegung sich befindlichen Lebensmittel- und iSedarfsartikel- pr eisen angepaßt werden müssen, bildengleich- falls einen wesentlichen Ausgabeposten in unserem Etat. Wir sind deshalb gezwungen, den monatlichen Abonnementspreis um 50 Pfennig zu erhöhen. Er beträgt daher vom 1. November 1919 ab 3,50 Mk. pro Monat u. Exemplar. Wir hoffen, daß unsere Abonnenten u. Parteigenossen in Würdigung der gegenwärtigen anormalen Verbältnisse trotz der Abonnementserhöhung nicht nur dem„Vorwärts" treu bleiben werden, sondern sich auch bemühen, neue Abonnenten für unser Blatt zu werben und dadurch die Zahl der Verfechter unserer Anschauung vergrößern zu helfen. Verlag des„Vorwärts" // Veranstaltung stattgefunden habe, doch habe sich Makotvsky astf nichts eingelassen und sei wie ein Räuber und Mörder vorgegangen. Durch sein Auftreten und Eingreifen bei dem Marsch der Gesellen zum Karolinenplatz habe M. die bis dahin ruhigen Mannschaften der Patrouille in Erregung gebracht. Schließlich habe dann jeder darauflosgeschlagen und geprügelt. MakotySky war auch derjenige, der am Eingang zum Keller stand, jedem dinzelnen der Gefangenen ins Gesicht schlug und ihn dann mit einem Fußtritt die Kellertreppe hinunterstieß. Der Zeuge erzählt schreckliche Einzelheiten über die Vorgänge im Keller. Er sah- dort zunächst einen Käme- raden, dessen Auge halb aus der Höhlung heraushing, was von einem Schlag mit einem Revolver herrührte. Dann habe der An- geklagte Müller angesangen, das Schichen zu kommandieren. Die Kameraden hätten sämtlich platt auf dem Boden gelegen und nirgends sei ein Versuch des Widerstandes gemocht worden. Als alles tot dazuliegen schien, kam Müller noch einmal in den Keller und stach wie ein Metzger mit dem Bajonett auf die Da- liegeiidcn ein. Der Senior des Vereins, Lang, der bereits schwer verwundet war, versuchte auch in diesem Augenblick noch, den furcht- baren Irrtum aufzuklären, aber da sei Müller mit dem Bajo- nett aus ihn eingedrungen und habe ihm mit einem einzigen Hieb den Schädel gespalten. Auch der Angeklagte K r e i n'e r habe mit dem Bajonett um sich gestochen und habe erklärt, jetzt müsse ein Ende gemackit tverden. Für seine Vermutung, daß die Soldaten genau gelvußt hätten,, wen sie vor sich hätten, führt der Zeuge an, daß die Gesellen durchweg als „katholische Schweinehunde, Schwarze Brut und Sanbayern" bezeichnet wurden. Dagegen sei nicht von Spartakisten gesprochen worden. Das l8 jährige GesellenvereinS-Mitglied Dachhuber gehört ebenfalls zu den wenigen, welche das Glück hatten, bei der Metzelei mit dem Leben davonzukommen. Er gibt zu, daß an jenem Tage das Versammlungsrecht in München noch nicht wiederhergestellt war, die Zusanunentunft habe aber keineswegs politischen Charakter ge- tragen, sondern sei lediglich ein gemütliches Zusammensein der' Mitglieder gewesen, bei i dem man nur über Thcatcrange- lcgenheiten gesprochen habe. Es war bekannt, daß um 9 Uhr Polizeistunde eintrat, und verschiedene Mitglieder waren bereits um%9 Uhr aufgebrochen. Kurze Zeit darauf stürmte alö Erster ein Soldat mit Mütze, also nicht im Stahlhelm wie die Patrouille, in das Lokal mit dem Rufe:„Haben wir Euch endlich, Ihr Hunde!" Während dieser Zeit sei unten auf deckt Hof eifrig in die Luft geschossen(1). worden. Draußen mußten die Mitglieder zu Zweien antreten, die Hände über dem Kopf hoch halten und im Trab laufen. In(Kr Brienner Straße schlössen sich die ersten unbeteiligten Soldaten dem Zuge an. Unter Ma- köwskhs und Müllers Zurufen begannen alsbald die Mißhand- lungen. an denen sich schließlich auch die Mannschaften im Stahlhelm beteiligten. In der Äugustenstraße versuchte der Hausvater Lachermeier die Verhafteten als katholische Gesellenvereinsmitglieder zu legitimieren. Tarauf hieß es:„Ruhig, oder wir schießen Dich zusammen." Es Ivaren verschiedene Offiziere zugegen, die jedoch die Gefangenen nicht gegen die Mißhandlungen schützten. An der Ecke der Brienner und Augusten straße wurde Halt gemacht, weil hier her Hauptmann v. Sntterheim erschien. Er musterte tmS, so bekundet der Zeuge, und ordnete an, daß wir nach Waffen durch» sucht würden. Es wurden aber keine gefunden. Makowskt) ritz mir dabei den Rock entzwei. Mein Kamerad Acher bat den Hauptmann, ihn doch einige Worte sprechen zu lassen. Ter Haupt» mann rief jedoch: „Tie Sache geht mich nichts an." Er muß aber gesehen haben, daß wir schwer mißhandelt wurden, und muß auch gehört haben, daß wir. uns als katholische Gesellen» Vereinsmitglieder zu erkennen zu geben versuchten. Vorsitzender: Was hat Acher gerufen, daß er ein paar Worte reden wollte oder daß Sie katholische Gc se llenve reinsmi t- glieder seien? Zeuge: Der Hauptmann muß beides gehört haben. Der Transport ging dann im Laufschritt weiter und die Miß- Handlungen, besonders seitens Maimvsiys, wurden immer schlimmer. Wir boten nochmals unsere Mitgliedsbarden als Ausweis an, sie wurden jedoch nicht angenommen. Es hieß:„Ach was, Sparta- listen seid Ihr, katholische Schweinehunde, schwarze Brut!" Auf der Mordstätte wurden wir zum zweiten Male nach Waffen durch- sucht. Dabei stahl man mir bereits meine silberne Zigarettendose und eine Bürste. Makowsky mißhandelte, an der Kellertür stehend, jeden» der hineinkam. Im Keller waren an jedem meiner Käme- raden Spuvcn davon zu sehen. Jeder versuchte nochmals sich aus- zuweisen. Vors.: Haben«ie dabei nichts gesagt? Zeuge: Aber selbstverständlich, es wurde laut geschrieen, doch man rief uns zu:„Hinlegen, mit dem Gesicht gegen den Boden!" Keiner ahnte, was boabsichtigt war. Einige b e t e t g n. Daraufhin hieß es:„O I h r H e u ch l e r!" Dann fielen Schüsse. Ich verlor vor Aufregung das Bewußtsein. Als ich wieder erwachte, sah ich, daß sich mehrere der Soldaten an die Leichen herangemacht hatten und diese beraubten. Als an mich die Reihe kam, hieß eS:„Der hat ein Paar schöne Schuhe." Aber bald ließ man von mir ab, mst dem Bemerken:„Tie spartalistische Numnrer ist mir zu klein." Dann hieß es: „Der Hund lebt ja noch," und damit sprang mir ein Soldat mit seinen Absätzen' aus den Leib und trampelte auf mir herum, bis ich den Atem anhielt. Dan« gingen alle auf und davon, weit offenbar die Untersuchung begann. SonO wäre ich auch wohl verloren.gewesen. Ich hebe mich tot gestellt, bis ich wußte, daß keine Gefahr mehr war. Wie ich heraus» gekommen bin, weiß ick kaum. Es hieß zwar, lvcr noch lebte, solle sich rühren. Aber ich wagte es nicht aus Angst, daß es nach mal losgehen würde. Ich hatte einen Kopfdurchschuß und die Kugel mußte mir aus dem Genick herausgeschnitten werden. Ferner hatte ich einen Streifschuß am Arm.— Der Zeuge, der drei D!o- nate arbeitsunfähig war und noch jetzt an schweren nervöse« Störungen leidet, erkennt die Angeklagten.Müller, Makowsky und Äreiner als Mittäter wieder. Ein weiteres VeremSmitglied Famberger, der durch einen Stich in den Kopf schwerhörig geworden ist und der mit ge- lähmtem rechten Arm erscheint, bestätigt die Mißhandlungen und ebenso auch, daß man bei ihm rief:„Da lebt noch einer, Revolver her!" Darauf habe ein anderer Mörder geschrien:„Rein, dafür ist ehre Kugel zu schade, stich ihn nieder!" Der Zeuge erhielt dann zwei Stiche in den Kopf. Als er wie tot dalag, zog man auch ihm die Schuhe ab, nahm ihm sein Geld und andere Sachen und ließ ihn liegen. Auch Zeuge Wolfs, Mitglied des katholischen GesellenveremS. bestätigt, daß die Soldaten, die sich an den Transport heran» dränaten, die schlimmsten gewesen seien,, Vorsitzender: Waren es preußische oder bayerische Mannschaften? Zeuge: Es fielen schon preußische Ausdrücke, wie„Sau- bahern, katholische Sauhunde usw.", woraus ich schloß, daß man genau wußte, wen man vor sich hatte. Bei mir hieß eS:„Dem schlägt ja der Puls noch." Darauf erhielt ich d r e i Stiche in die Brust. Als ich auch dann noch Lebenszeichen von mir gab, erhielt ich einen Schuß in den Kopf, worauf ich das Bewußtsein verlor.— Auch dieser Zeuge belastet Müller. Makowsky und Krciner und bekundet, letzterer habe ,hm Schuhe und Strümpfe abgezogen und daS Geld abgenommen. Es tverden dann in langer Reihe verschiedene Soldaten ver- rammen, welche sich ebenfalls an den Zug herandrängten, ursprünglich mit unter Anklage standen, aber wegen Mangels an Be- weisen inzwischen außer Verfolgung gesetzt worden sind. Gerichtszdturcg. Die Heilschc Sülze. (Hamburger Drahtbericht des„Vor wärt S".) Die'Beweisaufnahme wurde am Mittwoch fortgesetzt, und zwar kamen vor allen Dingen die Angestellten Heils zur Verneh- mung. Ein Teil der Angestellten, in der' Hauptsache Mädchen, be- lastete Heil stark, während andere, die daö besondere Ver» trauen des Sülziabrikanten genossen, ihn zu entlasten suchten. Das Ergebnis läßt sich kurz dahin zusammenfassen, daß die Ver- Wendung von Dingen, die als Nahrungsmittel durchaus unge- eignet waren, zur Fabrikation der Sülze als e r lv i e s e n gelten kann. So ist u. a. ein Tierkopf, den einige Zeuginnen zum Ge- sundheitsamt gebracht hatten, einwandftei als Hundekopf er- kannt worden, jedoch machten diese Zeuginnen auch noch Angaben von erheblich unappetitlicheren Dingen, die in die Sülze hinein- gearbeitet wurden. Heil, der einen etwas weniger siegesgewissen Eindruck machte, be st ritt nach wie vor jede Schuld und fand in gewissem Sinne die Unterstützung einiger Zeugen. Die Beweisaufnahme wird am Donnerstag fortgesetzt. In dem großen Mehl- und Zuckerschicbungsprozeß, der eins ganze Woche lang die Strafkammer deck Landgerichts I beschäftigt hat, wurde gestern das Urteil verkündet. Zum Teil noch über den Antrag des Staatsanwalts hinausgehend, erkannte das Gericht gegen Willi Richter aus 6 Jahre Zuchihgus, gegen Hugo Jordan aus 4 Jahre, gegen Alfred Müller auf 3 Jahre, gegen Waltvr Blies auf 3 Fahre» gegen Albert B e e s e auf 2 Jahre und gegen Otto Gneist auf 1 Jahr Zuchthaus, ferner gegen Karl G a n tz e r t auf 3 Jahre G e f ä n g n is, gegen Albert Blankenburg und Georg Billig auf je 10 Mo n a t s und gegen Gustav GierSdorf auf 9 Monate Gefängnis. Der Angeklagte Richard R e e ck wurde aus Grund des von Rechts- anwalt Kurt Pincus angetretenen Entlastungsbeweises frei« gesprochen; gegen zwei weitere Angeklagte wurde das Ver- fahren auf Grund der Amnestie eingestellt. Sriefkasten öer Neöaktion. M. SK. Ja, bei der Versorgungsabieilung des BezirkSkommandoZ, Bülowstr. S3>— E. T. lö. 1. 50,— TO. monatlich. 2. Ja, durch Er, tlärung beim Standesamt. 3. An den Generalvormund.*- H. W. 10. Bemängeln Sie dl« Rechnung, bieten Sie etwa dl« Hälfte an.— C. ft. 98. An das Polizeipräsidium. Entlcheidung ist in einigen Monaten zu erwarten. — W. 100. 1. Bis zu 1500,— TO. im Falle der Bedürstigteit. 2. u. 3. Das liegt an dem detreffenden Pfarrer, der auch die WiederbeitrittSformeln erledigen kann. 4. Das halten wir für zulässig. 5. Für die ganze Zeit- dauer.— G. K. 13. 1. Gegen eine Veranlagung sofortige Beschwerde. 2. Die Beiträge kännen Sie zurückfordern, evtl. sieht Ihnen daS Klazerecht zu.— M.(S. 33. Vors. Kommerzienrat Selberg, NW. 40, Alsenstr. 11; für die Provinz Brand enburg: Landesdirettor. TOatthäitirchstr. 19.— St.«. 33. Fragen Sie beim Berliner Polizeipräsidium an.— Nr. 34. Wenden Sie sich an die Zentrale sür Heimatdienst, Potsdamer Straffe 113 Die Wahrscheinlichkeit der Einziehung zum polnischen Heer liegt nahe' Donnerstag, Freitag, Sonnabend: «»»»»»«»»««»»»»»«»»»«»»»»»»«»»»»»»»»»»»»»»»«»»»»»»«»«»»»»»»»»«»» Im Erdgeschoß: Billiger Verkauf Im ersten Stock: . L. 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Beschwerden und Anfragen, welche Akteneinsicht erfordern. müssen drei Tage vorher dem Vorstand schristUch eingereicht werden. 278/10 Berlin-Wilmersborf, 21. Oktober 1919. ». Engelhardl, Vorsitzender. Zigaretten türt, amerikatt und ägyptische, Schweizer Memphis, o. Mundstück M. 200,- per Mille. Zigarren* 100 Stück 70, 85, loa 120 M. Rauchtabak garantiert rein, üderfeeifch, rippenfrei Pfund Mark 25,—, bei 25 Pstind Mari 23.-. Freitag, den 21. Oktober ••<9(9 Jl* 1919, abends Berlin: Schulaula Jfflandstr. 9/11 Lütticher Straße 47/18 Oderberger Str. 24 Rigaer Str. 8 Zwinglistr. 2 Schulaula Görlitzer Str. 51 „ Greifswalder Str. 24/25 , Grünthaler Str. 5 . Hagelberger Str. 34 und in folgenden Vororten: Charlottanburg, Schulaula, Schillerstr. 125/127 Schönebttg. Schulaula, Belziger Str. 84/89 Steglitz-Friedenau, Bürgersaal des Rathauses, Lauterplatz(Friedenau) Treptow, Rennbahn, Elsenstraße(an der Ringbahn) Wilmersdorf, Schulaula, Pfalzburger Straße(Bismarckghmnasium) Reinickendorf, Schützenhaus, Residenzstr. 1/2 . Die MW Ott zrilm in seoen DenifdiM. Referenten sind folgende Mitglieder der Nationalversammlung beziehungsweise Preußischen LandeZversammlnng: Bohm-Sch»ch, Bollmann, Ege, Gierbig, Hanna, Jaqnct, Jnchacz, Lohdal, Lutze, Pfülf, Quarck, Reitze, Ryueck, Schilling, Wegscheider-Ziegler. Arbeiterinnen, Angest?llte, Beamtinnen, Mutter und Väter, eZ handelt sich um die Grundlage unseres Arbeits- und Familienlebens, um unsere Zulunft! Erscheint in Massen! 21t/isi BezirtSverband Groß-Berlin der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. L. Manheimer, Bergmannsir. 1(n.Kreuzberg). !!!Geld!!! lüt jede Wertsache. Höchste An- tausspreise iür Pfandscheine, Brillanten. Goldgegenstände, Teppiche, Bücher usw. Valtl. Fr>edrichstr.4I III. EckeNochstr. Rechtsrat Wilmersdorf. Str. 125krel„ Reellste S Geiegcnheits-= käufe, Uhren, f Brillanten. 5 N �•ab' Schmucksachen. 19—50°'- um. Ladenpr.> MMöie tum Betrieimoeittaaensieiiie öer MMn(5. 1 3.) Am Donnerstag, den S3. Oktober, nachm. 8 Uhr, im„Schultheiß", Nene Jakobstraße: N Versammlung. � Jeder Betrieb muß vertreten sein! 214/20 Mitgliedsbuch der S. P. T. legitimiert. 214/20 Mitgliedsbuch der«. P. T. leg.t.m.ert.__ M mm Bettmi der GeUlllde-midSlMsmdeiler. Zlllv VlvVl(|V Ortsverwaltung Groß-Berlin. pro Zahn bis 12 M.,. r„,,... Gebine in jjiotin u.®oib tpreitao. den 24. Oktober 1919, abends«Va Uhr, Freitag, den 24. Oktober 1919, abends«'/a Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelnfer IS, groster Saal: General-Versammlung. Tagesordnung: .t vom 3. Quartal- a)«eschiistsbericht d) Naffenberlcht eines Mitgliedes zur Ortsverwaltung. 3. Di- Technische Rothilfe und die Staat»- und«emeindedrbeitet 4. Berbandsangelegenhesten. ---------------------- Ohne eegMmaNon kein Znkrikk.! I. Berich! 2. Wahl Die OrtSverwoltung. V ersteixerunx voll Xrsklvsgen u. lZummibereikullg Am 30. Oktober 1919 und eventuell an den(olgenden Tagen findet bei dem Rclchsverwertungsamt, Verkaufsabteilung für Aulomobilwesen(„Vaubil"), Berlln-Terapelhof, Wettlnerkorso, 9 Uhr vormittags beginnend, eine öffentliche Versteigerung von ca. 184 Fahrzeugen statt Zur Verstelgerung gelangen: ca, 23 Pernonenwagen „ 120 Ijaat- and Lloterwacen ., 5 Krankenwagen „ 12 FahrgCBtelle für Personen- und fjastwagen , 24 Anhänger ferner: ein grUfierer Posten neuer rnsslscher.j Vollgammlberelfnng sowie ein Posten| neuer licderprotektenre i Verzeichnis der Verstelgerungsobsekte nebst Einzelhelten Ober die Versteigerung Ist vom 23. Oktober ab tn der Filiale Berlln-Tempelhok zu erhalten. Dortselbst können die Obiekte am 27., 28. und 29. Oktober von 81/, Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags gegen Hinterlegl-ng einer Bietekaution von 509 Mark In bar pro Person besichtigt werden. Ohne Hinterlegung der Bietekaution kann das Gelände der Filiale am 27. bis 29. Oktober, sowie an den Tagen der Verstelgerung nicht betreten werden. Die Bietekautionskarte der vorigen Versteigerung hat keine Gültigkeit, dieselbe muß neu gelöst werden, Kriegsanleihe wird nur von solchen Käufern In Zahlung genommen, die den lückenlosen Nachweis liefern, daß die in Zahlung angebotenen Stücke aus ihren eigenen Zeichnungen herrühren. Der Nachwels ist den Saücken beiiufügen. Er ist durch eine eidesstattliche Erklärung der Zelchnungs- oder Vermittlungsstelle unter genauer Nummernaulgabe auf den vorgeschriebenen repariert und»»repariert verschiedene OrSBen beiiufügen. Er ist durch eine eidesstattliche Erklärung der Zelchnungs- oder Vermittlungsstelle unter genauer Nummernaulgabe auf den vorgeschriebene- Vordrucken beizubringen. Diese Vordrucke sind bei der Filiale erhältlich. An Zahlungsstatt angenommen und berechnet werden: 1. Zum Nennwert a) die 5 prozentlgen Schuldverschreibungen aller Kriegsanleihen ohne Unterschied, b) die 5 prozentlgen Sehatzanweisungen der 1. 2. und 3. Kriegsanleihe, c) die 41/] prozent. Schatzanweisungen der 6., 7, 8. und 9. Kriegsanleihe; 2. zu 96'/, Prozent d) die fst prozentlgen Schatzanweisungen der 4. und S. Kriegsanleihe (Ausgabe 1916). ------ Die Bezahlung der Bereifung hat In dar zn erfolgen.-------- Der Betrieb Irgendwelcher Geschäfte oder das Feilbieten Irgendwelcher Gegenstände auf dem Versteigerungsgelände ist nicht gestaltet Berlln>Tempelhol, den 20. Oktober 1919. Reichsschatzministeriunie Reichsverwertungsamt. Maufsableilung für Automobilwesen („Vanbll") 71/11 Elektromotore Gleichstrom;: Drehstrom kaust f* IiMleMmu Sehlietiting Berlin W 9, Llnkstr. 10. Tel. Lützow 3705 und 8518, Isolierten Kupferdraht, Litzen und Wachsdratit, kauft höchstzahlend* Ingenieurbureau SchMchtlng Berlin W 9. LlnkstraBe 10 Tel.: Lützow 3705 und 8518. Ar. med. Karl Reinhardt i Berlin. 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Darlfdemegnng.»oferenk»oNege Bnblttz. 2. Bildung der Sektion der Zeltungsangestelltm. 3. Wahl der Eetttonsleltung. �» Srschews» aller Kollase« arforbaaUch. Mitgliedsbuch und Ftrmenausweis ist vorzuzeigen. ZelllliliillllsN»n Mgeslellleii. orksnruppo Serlln.— Berlin SW SI, Belle-Wianeestr. 7 10. vonnorokag. von 23. 0Nabor. avdp.'/?• Ahr. in Haoorland» Zeftfdlau. Neu» Zrledrlchstr. 23: MtglisäsrVsrzsmmlnng sür die Angestellten im Baugewerbe. Tagesordnung: W Stellungnahme zu dem Tarifvertrag. Ss ist Pflicht aller Kollegen itnd Kolleginnen, dort zu erscheinen. Znchgrnpp« IUI. Beamte und Angestellte der Verwaltungsbehörden! Zrelkop. den 2«. 0Nobor, obend» 2 Ahr, Im Spiegel- faul des.wilhelmohoke»-. wllhelmstr. III.«d« Anhaltstruste: Versammlung Tagesordnung: I. Bortrag de» Herrn MoUenbuhr, Mitglied d.Nationalverf. über: Was haben die Beamten und Angestellten zur Demokratisierung der Verwaltung zu tun? 2. Frei« Aussprache. 214/16___ vor«klaberaker. Fette Enten Masthühner... Pfd. 9.95 M. Brathühner...» 7,95 M. Lebende Kaninchen billigsL . Pfd. 9.75 M. Belle. All«. ., aneestr. 98. ». Chart., stais..Friebrtqftr.43. SsiinSssen Belreiung-vlon. Alter u. Geschlecht ang. Ausk. umsonst. Lanla Versand, INSnchen. LMllwiM Schwechten, Mann. Ecke. Schied- mayer. Auswahl ersttlassiger Instrumente. Kunet-n?, vleranberstr. 32-sAlexpL).» liiilge Flielelite' erhalten Prospekt üherMutter- schuti unentgeltlich. Prnu Emma Plscber, Berlin-Wilmersdorf 139, Kaiserallee 169 Junge®8nfc Bekanntmachung. Kohlenkarten! Die In unserer Bekanntmachung vom 8. Oktober 1919, betreffend die Austeilung der Ofcnkarten, festgeseßten Termine müssen durch den Streik der Hilsskriiste folgende Aenderung erfahren: I. Soweit die Abholung der Ofenkarten auf den Brot- kommifstonen durch dte Hausbesißer in der gwiichenzeit nicht schon erfolgt ist, sind die Hausbeflßer verpflichtet, die starten umgehend von den Brottommifsionen ab- holen zu lassen und sie am Tonnerstag. den 23. Oktober 1919 und Freitag, den 24. Oktober 1919 von 9—11 Uhr vormittag» nnd 6— 9 Uhr abrnd» an der von ihnen bekannt zu machenden Eteüe für dl« Mieter zur Abholung bereit zu halten,«arten, dt- dl» Freitag abend von den Mietern nicht abgedvit worden sind, müssen tm Laufe de» Sonnabenb», 25. Oktober, der Brotkommisston zurückgegeben werden. Zusammen . mit diesen nicht abgeholten Kohlenkarten stnd auch dt« Mt-tergulttungsltsten am Eonnad«nd an di« Brot- kommission zurückzusenden. 2. In den übrigen Einzelheiten wird die Bekanntmachung vom 8. Ostoder anstechterhalten. insbesondere bleibt e» dabei, daß Einsprüche gegen die Zuteilungen der Ofen- karten nur durch den Hausbestßer, welcher dafür«inen desonderen Bordruck erhält, geltend zu machen sind, und daß Einsprüche, ob msindlich oder schriftlich, in unserer Zentrale nicht vor dem 12. November bearbeitet werden können. 3. Wegen de« übergroßen Andränge« wird im Interesse geregelter Bearbeitung dringend ersucht. Emsprüch« mog. lichst weit hinauszuschteben. Berlin, den 22. Ostckber ISl«.. Magistrat. Deputation für die Kohleuversorgung. L.«elinli>zr. >1- WM-i- sind sorueplo» durch meine hygi-n. Erfindung. Soll meine Med. Ehren kreuz, Ehrendspl. Stück sahreL brauchd. 5 M. Ausklär. 5 rati». Rückporto erbeten. Frem lephon geb. Engelhurdl. Berlin, Stallsch teiderstr. 22.• Orig. Gold-Flake pr. Mille 288 M. Blue Boys .. 250. TheFIag ,, 260» Alle Zigarest. F.-Band, sofort greifbar s91bD Eevald, SW�WIlhelmstr. 124. Tel: Kurfürst 5329. Unser in der Weisen Das Original aller Nagelpoliersteine � standig nichgeahmt— niemals erreicht, 12/20 ist das ideale Nagelpolier- u. Pflegemittel Cffiz-b- Mb-"J_ Man weise Nachahmungen zurück.— Zu haben in kJ, allen Paifümerien, Drogerien etc. oder direkt durch � KOPP& JOSEPH, Parf umerief abrik, Berlin W 50, Potsdamep Str. 123, Opernhaus. Violetta. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. Peer Gynt. Anfang O'/j Uhr. Direktion Max Reinhardt. IkenttacheH Theater. 7 uhr: Cymbelin. Freitag OVj Uhr; Othello. Kammergpiele. 7 uhr: Iwanow. 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(Leopoldine Konstantin, Grete Feising, Annaliese Halbe, Jo Hegyi, Helene Konschewska, Kurt Götz, Rud. Klein-Rogge, Erich Walter, Franz Weber, Karl Rückert.) Sonnabend und Sonntag V/,: Cyprlenne Walhalla-Theater. 7V, Uhr: Eine Frau wie Du. Rose-Theater. vi, Uhr: Das Gesetz. Künstlerhaus(Bellevuestr.) Heute bis 26.0kt. täjgl. 8 Uhr: Letzte„Lustige Abende*' Marceil SALZER Karten 6— 2 M. Bote& Bock, Wertheim, Künstlerhaus. APOLLO THEATER | Friedrichstraße 218{ Dir.: James Klein |7'/, allabendi. 7'/, I Sonnt J'/, u.• Die Weltl im Jahre 2000!! [.Qr.Varietd-Ausstalt.- schau in 5 Bildern. I in Szene ges.von Dir. I James Klein.! | u.a.: Modenschaul im Jahre 2000 10 Ikarier zu Pferde I 1/ Akrobatische Spiele/ 1 1 Die Lichtfee in der f I Sllbergrotte/Tänze; I 1 F.lfektea.d. Jahre 2000| Santa Süneland j Lude Blattner II. Lamberts-Paulsen I I Alez Stamer I Hedwig; Gltzke usw I | Sonnt 3V, j.Erwachs. I I Kind Ireii Lttts. 3Sna im. MitgL Ihtatar am Koltboser Tor. Tel: Moritzplfttz 14814. Jed. 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Immanuelklrchstr. 24.- Melle, Petersburger Platz 4.— Zinke, Lindenstr. 3,''"— Straße 48,— Lausitzer Platz 14/15. SChÖii6bCF£[* Geiziger Straße 27. Charlotteobnrg: IÄiffler Steglitz: Laden.— loseph. Wilhelmshavener Ziereidecker, Schildhornstraße II. Johannisthal: marasTÄ: Bis* Nenköiln: Heinrich, Neckars traße 2, Nr. 545 ♦ 36. Jahrgang 2. Beilage öes vorwärts Voonerstog, 2Z.Gktober191y Wilhelms Taktlosigkeiten. Der Exkaiser läßt Ferdinand Bonn wegen des Plagiats an seiner Persönlichkeit, begangen durch den von Bonn ver- faßten und gespielten Kaiserfilm, verklagen. Wir fragten schon einmal: was wird Wilhelm machen, wenn Bonn vor Ssrichi den Wahrheitsbeweis für die zahllosen Taktlosig« keilen des einst von ihm vergötterten Monarchen antritt?! In den soeben erschienenen Lebensennncrungcn des Botschaftsrats a. D. Freiherrn v. Eckard st ein(Verlag von Paul Leist. Leipzig) wird einiges Tatsachenmaterial für die politischen Taktlosigkeiten Wilhelms beigebracht, v- Eckard- stein ichildert. wie Wichelm bei seinem Beuuh in Cowes 1895 seine Großmutter, die Königin Viktoria von England, durch seine Taktlosigkeiien erheblich brüskiert hat, was immerhin als Familienangelegenheit, wenn auch nicht ohne politische Bedeutung betrachtet werden kann. Aber Wilhelm führte in Towes noch einen weiteren Zwischenfall herbei, den v. Eckarb-! stein folgendermaßen schildert: „Wilhelm II. hatte sich von den Leiden neuen Kreuzern Wörth und WeißenLurd nach CoweS begleiten lassen, um sich 'einem Onkel und der englischen Merrine gegenüber mit diesen mf da« modernste ausgerüsteten Kriegs fahrzeugeimzu brüsten. Ilm Jahrestage der Schlacht von Wörth hatte er auf dem Kreuzer gleichen Namens eine seiner üblichen herausfordernden Reden gehalten und damit nicht nur in Frankreich, das gerade im Begriff stand, in freundschaftlich« Beziehungen zu Deutschland zu treten, sondern auch in England Anstoß erregt. Tie englische Regierung wie auch die öffentliche Meinung faßten es als einen Mangel an Takt auf. daß Wilhelm ll. sich englische Terr-torialgcwässer für seinen extravaganten Redeschwall ausgesucht hatte. Infolge» dessen erschienen in der englischen Presse, vor allem in dem da.- i�ligen Hauptorxvn der konservativen Partei, dem„Standard", i Artikel, welche das Perhalten de? Kaisers scharf kritisierten und ihm anheimstellten, sich kür seine herausfordernden Reden in Zukunft lieber auf deutsches Territorium zu be» schränken., Freiherr v. Eckardstein schildert dann weiter, bis er zu der berühmten nnd berüchtigten Burendepesche an den Prä- sidenten Krüger kam. Er schreibt: � Allgemein war in England wie in Deutschland die Ansicht vorherrschend. Wilhelm� II. babe das Telegramm während einer Eisenbahnkahrt persönlich verfaßt und unterwegs durch einen Flügeladjutanten absenden lassen. Nach Aussage eines � Augenzeugen, de? damaligen Staatssekretärs deZ NeichSmarine. amrs, Admira! von Hollniann, verhält sich aber der Tatbestand! ganz anders. Der Adiniral schildert« mir den Vorfall wie folgt: „Am Tag« des Pelanntwerdens des Jamesonein falls in die; TranSvaalrepublrk kam der Kaiser vom Neuen PalaiS bei PotS- dam nach Berlin. Ich selbst war an dem Vormittag an welchem der Kaiser in Bersin eintraf, zum Vortrag bekohlen. Gleich nach 'einer Ankunft empfing er mich im königlichen Schloß und nach beendetem Vortrag saptSwer zu mir. ich möchte ihn nach dem Auswärtigen Amt begleiten, denn er werde dort vom Staats» 'ckrctär von Mar'llxill und dem Direktor der Kolonialabteilung. Geheimrat Ka'fer. envartet. um angesichts der durch den Jame» oneinfall ge>ch?ch habe eben d«n Rapport von unserem fliegenden KorvS bekommen. nirgends eine Svnr. obaleich das ganze M-wonnaise- Viertel kreuz und quer durchsucht worden ist."(Mayonnaise- j Viertel wurde in der Polizeisprache jener unruhige und chao- . tische Stadtteil genannt, der hunderttausend mehr oder weni- } ger zweifelhafte Individuen beherbergte und der seine ■ schmutzigen Ausläufer bis zu dem vornehmen Viertel er- streckte, wo die katholische Gemeinde ihre Kirche, ihr Hospital und ihren großen Garten hatte.) Keller schlug mit der zusammengefalteten Zeitung gegen sein Knie. „Wenn ich nur begreifen könnte." sagte er,„was mit der Entführung des Priesters bezweckt wird. Tot oder lebendig haben sie ihn mit sich geschleppt. WaS in aller Welt wollen die Herren Verbrecher damit erreichen? Ist eS ein« Er- pressungsfache, eine Entführung?" „Warum gerade Abbs Montrose entführen, der weder Familie noch Freunde hat?" sagte Krag.„Und gesetzt den Fall, daß die Verbrecher ihn umgebiacht haben.— aus einem Toten kann man doch kein Geld mehr herausschlagen." „Nein eben. Wozu dann aber all diese Umstände? Be- denken Sie. die Verbrecher baben ihn über daS Gartengitter imd mit in die Mayonnaise geschleppt. Ist es nicht auch seltsam, daß keiner Zeuge dieses ungewöhnlichen Schaissviels gewesen ist? Wozu wollen Sie nun greifen? Dem Arrestan- ten noch weiter zu Leibe gehen?" „Nein," antwortete Krag,„ich will ihn bis auf weiteres in Ruhe lassen, �ch erwarte eine Mitteilung vom Hafen. Ich kann nämlich dos alte Seemannslied von den bunten spanischen Forben nicht vergessen."— Dieses Gespräch fand ungefähr um ein Ubr mittags zwischen den beiden Detektiven statt. DoS Gespräch verriet. daß sich etwas Wichtiges ereignet batte: Man hatte eine Ver- Haftung vorgenommen. Tiefe Verhaftung war noch ein Ge- heim"!s für die große Oeffentlichkeit. WaS war es was sich ereignet hatte? Folgendes. A?hsörn Krag und Keller hatten, nachdem der vargeschriedene Rapport mit dem danrnehörigen Ver-eich- nis üher die gefundenen Sachen abaesKlossen war. die Lbri- aen Beamten sortaeschickt � Dürrns hatten die beiden Detek- tivs in einer Konferenz die Umstände zu sammeln versucht. die für die augenblickliche Lag« Bedeutung haben konnten. Es gab genüaend Svuren. Krag batte gesagt: „Eine? ist sicher: Die Verbrecher sind überrascht worden. Ein beftiaer Kamvf hat ftattg-funden. höchstwahrscheinlich 'wischen ihnen nnd dem Abb6. Er bat sich tüchtig verteidigt. Darauf deutet das Aussehen des Zimmer und die Sachen, die die Verbrecher in der Hitze des Gefechts verloren haben. Diese Gegenstände, das Halstuch, die Photographie, der To- baksbeutel usw. verraten gleichzeitig, daß die Perbrecher wahr- scheinlich zwischen dem Pack zu suchen sind, das sich in dem Schlupfwinkel des Mayonnaise-Viertels aufhält. Mehrere dieser Sachen leiten zu direkten Spuren hin, vor allen Dingen die Photographie." „Es ist die Photographie einer jungen Dame." fuhr Krag fort,„eines jener hübschen, sympathischen, jungen Mädchen. wie man ste zu Tausenden in den Zigarren- oder Modege- schästen der Stadt findet. Wahrscheinlich ist sie die Braut eines der Verbrecher und beißt Anni, oder Dolli oder Polli oder dergleichen.— Die Photographie ist augenblicklich der beste Wegweiser, der zur Aufklärung des Verbrechens führen kann. Lassen Sie uns dem Wegweiser folgen. Auf der Rückseite der Photographie steht nämlich Name und Adresse des Ateliers, abgesehen von der Nummer 2.997 und dem bekannten Satz:„Die Platte wird für Nachbestel- hingen aufbewahrt." Ferner ist die Photographie ziemlich schmutzig und scheint seit längerer Zeit von dem Besitzer in der Tasche aetraaen zn sein. Eine genaue Untersuchung wird wahrscheinlich Fingerabdrücke und weitere Merkmale an den Tag bringen." DaS alles war der Grund, weshalb Photograph Aren- dorff bereits morgens um sechs Uhr aus dem Bett geboll wurde und die beiden Herren in sein Atelier begleiten mußte. Eine Minute später war man sich darüber klar, daß die Photographie die Frau des Arbeiters Arnold Singer, Hu- sarenweg 28, darstellte. Um sieben Uhr befanden Krag und Keller sich vor Nummer 28 auf dem.Lmsarenwea. Gier stießen sie auf einen Mann, dem sie die Photographie zeigten, und der sagte: „DaS ist das Bild meiner Frau und die Photographie gehört mir." Die Einzelheiten bei der Begegnung zwischen den Detek- tiven und diesem Mann aber waren derartig, daß sie die arößte Bedeutuno kür die Entwicklug dieser sonderbaren Sache bekommen sollten. Darum ist es nötig, auskührlicher auf das Geschehene einzuaeben. von dem Augenblick, wo die Detektive das Atelier des schlaftrnnkenen BHotogrcpben verließen, bis zu der Be- gegnung mit dem Mann auf dem Husarenweg. Also: Krag und Keller verließen den Pbotogravben.— (Forts, folgt) » toeil Me3 Wer den Rahmen einer persönlichen Bemerkung hinaus- ginge. Der Etat des Reichsschatzministeriums wird in Verbindung mit einem Ausschußantrag über die Militärwerkstätten angenommen. Donnerstag 1 Uhr: Etat des Auswärtigen Amts. Schluß 6� Uhr._ GroßGerlln ver Zplinüer. Diese sonderbare Kopfbedeckung gilt in manchen Geaenden als höchst bourgeo's-reaktionäres Abdeichen. So erregle es einmal bei der Maiseier in Wien gewaltiges AuMchen. als eine Stnjobl Hamburger Zimmerer, die eine Ausstellung mitbauten, in dem großen Arbeiterzug höchst feiertäglich angetan mit Bratenrock und Zylinder mitmartchierten. Hier bei uns ist das anders, und wir erinnern UNS sehr wobl. ibn bei Partei begräbnissen und sonstigen ieicil'cheri Gelegenheiten des ö'teren auf dem radikalen weißen Lockcnbauvt Adolf Hoffmanns thronen geiehen zu haben, wie denn auch die güldne Kette der Stadtverordneten sitr um seinen Paletot schlang. Jetzt auf einmal aber entdecken die Hoffmänner die ganze kapitalistiiche Scheuselig- leit der ehrlichen ollen Angströhre. Ihre.Freie Welt' wenigsienS larrikiert die.Technische Notbilfe" durch einen Zylinder- und Schon- rockträger, so, als ob Arbeiter gar nicht imstande wären, Licht und Wärme für die Haushalte und Kranlenbäuier zu sichern. Indes, was soll sogar der unabhängige Leser denken, wenn ihm in demselben Blatt als Vorkämpfer gegen die englischen Volksaussauger der alte H yndman vorgeführt wird, wie er... in Zylinder und Gehrock kund unter Volizeischntz) öffentlich spricht? Da mag nun die»Freie Welt" melancholisch daß schöne Lied anstimmen: Ach. wie drück, dlilck, drück, drückt mich mein Zylinder....— u. Eine öegrußungsfeier für Sie heimgekehrten Kriegsgefangenen Serlins veranstaltet der BezirkSvrrband Groft-Berlin iunl<2. P. D. am kommenden Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 11 Uhr. Die Veranstaltung findet in dem Siichard-Oswald-Lichtspiel- t h e a t e r, Köpenickcr�Str. 68 lsrübcres Zkationaltlieaterj statt. Der Vizepräsident der Nationalversammlung Lüde wird die Begrüßungsansprache halten. Außerdem hat eine Reihe künstlerischer Kräfte ihre Mitwirkung zugesagt, so daß ein äußerst anregendes Programm zusammengestellt werden konnte. Der Eintritt für ehemalige Kriegsgefangene und ihre Angehörigen ist frei. Karte» köiuicn gegen Ausweis in den Bureaus des B r- zirksverbandes. Bellen n est r. 7 II, nnd Liudenstr. 3, II. Hof IV, Zimmer Nr. 10, in Empfang genommen werden. Da sollte doch...! Zu unserem Artikel.Kartoffclnot" vom Sonntag, IS. Oktober. erhallen wir vom Ausschuß der Gewerkschaslskommission folgende • i Mitteilung: Der Vorsitzende der Gewerkscbaktskommiision setzte sich mit dem Direktor des städtischen Aibeitsnachweises in Verbindung, um Arbeitskräfte zum Ausbacken der Kartoffeln iür Ostpreußen zu beschaffen, der diesem Vorschlage auch bereitwilligst zustimmte. Ehe jedoch an die Bereitstellung von hiesigen Arbeitern gegangen werden konnte, setzte sich die Direktion des Arbeitsnachweises mit dein Ver- band ostpreußischer Arbeitsnachweise in Verbindung, um anzufragen. wo hiesige Arbeiter Verwendung finden könnten und erhielt daraus folgende telegraphische Antwort:»Arbeitgeber lehnen nach den mit großstädtischen Arbeitslosen ge- machten Erfahrungen Berliner Arbeitskräfte ab. Landarboilsamt Königsberg i. Pr* Also, lieber die Kartoffeln in der Erde� verfaulen lassen, als Arbeitslose aus der Stadt zu verwenden. Dieselben Leute sind es aber, die nickt genug schimpfen können über die Unlust der groß- städtischen Arbeiter zur Arbeit. Jagdbare Kohlenkarte. Uns wird gefchrieHen: Ich komme am 1. August mir die Brot- kommWon, um ein Mitglied meiner Familie abzumelden. Tus Fräulein nimmt alle Karten in Empfang, holt dann die Liste �und erklärt mir, ich wohnte gar nicht Nr. 6a— ich wohne, wie gesagt, bereits acht Jahre dort. Auf. meine Bitte, meinen Namen richtig- zustellen, erwiderte sie, das sei ihre Sache. Als kurz darauf die Kohlentarten ausgegeben wurden, wurde mir der Bescheid, mein Name sei verwechselt worden und mein« Karte zurückgegangen. Von der Brotkommission wurde ich schroff an die Kohlenstelle ver- 'wiesen. Dort erhielt ich' keinen Einlaß. Mein Wirt schrieb einen Brief; keine Antwort. Ich ging zum Rektor meiner Brot- kommissiou. Er ließ sich das Fräulein rufen, setzte ihr in meiner Gegenwart einen Brief auf und beschied sie sofort zur Kohlen- stelle. Zwei Tage später sollte ich mir Bescheid abholen. Als ich endlich nach acht Tagen das Fräulein antraf, da reicht sie mir seelenvcrgnügt den Brief des Rektors mit dem Bemerken, ich solle allein zur Kohlenstelle gehen. Dort nahm man mir den Brief ab; ich glaubte nun Erfolg zu haben. Aber nach weiteren acht Tagen kam die Aufforderung, ich solle angeben, wo ich im vorigen Jahr gewohnt habe. Mein Hauswirt setzte nun einen Brief auf, den ich„Eingeschrieben" am 1. Oktober zur Post trug; bis heut aber'habe ich noch keine Ant- wort darauf. Heut ist nun die Ausgabe der zweiten Kohlen- karte erfolgt; auf dieser Liste fehlt mein Name ganz. Nun geht die Jagd nach der Kohlenkarte von neuem los. Wie ich dazu gelange, ich weiß es nicht. Wieder einer von den vielen Fällen, die. den zuständigen Stellen Veranlassung geben sollten, einmal ganz energisch in das vorrevolutionäre Dunkel mancher behörd- lichen Betriebe hineinzuleuchten. Das Ende der Bolletvage«? In der letzten Sitzung der Fetlstelle Groß-Berlin wurde ein Antrag der Milchkleinhändler verbandelt, der dahinging, die heute nicht mehr zeitgemäßen Bollewagen vom 1. November ab außer Betrieb zu setzen. Ein gleiches wurde auch be- züglich der Bolle-Läden verlangt. In ausführlicher Weise wurden, der»Berliner Milchzeitung" zufolge, die gesundbeillichen und Wirt- schafltichen Gesichtspunkte des Antrages begründet, so daß allieits die Berechtigung des Antrages anerkannt wurde. Der ambulante Milckhandel sei eine überlebte Erscheinung, nur müsse die Frage noch eingebend geprüft werden, aus welche Weise die hierdurch frei werdenden Arbeitskräfte ' anderweitig untergebracht werden können. In der Sitzung wurde ferner mitgeteilt, daß die beiden eingetroffenen Probesendungen dänischer Milch als in jeder Beziehung zu- frieden st eilend zu bezeichnen seien. Anlaß zur Klaae babe nur daS außergewöhnlich hohe Schwundmaß von 7� und 10 Proz. geaeben. das sicherlich auf Diebstahl zurückzuführen sei. Jedoch sollen Maßnahmen getroffen werden, um auch diesen Uebelstand zu beseitigen, so daß mit Unterstützung des Reiches ein Abschluß von rund 50000 Liter täglich herbeigeführt werden könne. Jilm-Ziädte bei Berlin. Die deutsche Filmindustrie hat gegenwärtig eine Reihe ganz großer Schöpfungen in Vorbereitung. Da ihr das Ausland für Ausnahmen noch meist nicht wieder zur Verfügung steht, hat sie sich einen Ausland-Ersatz geschaffen, indem sie im Umkreis Berlins die nötigen exotischen Ortschaften aus dem märkischen Boden stampfte. Die größte dieser Anlagen beftndet sich, wie die „L. B. 83." erzählt, in Woltersdorf, wo- die May-Film- Gesellschaft Negerdörfer, indische Tempel und andere fremd- artige Reisebilder für ihren Großfilm»Der Herr der Erde" auibouen ließ; außerdem hat sie bei Potsdam ein ctmiesiüdes Vienel empoiblüben lasten. In Weißeniee, dem nüchternen nördllchen Vorort, ist ein Florenz des 16. Jabrbunderts zu sehen. Noch einige Jahrhunderte Weiler runick gehl man bei Tegel, wo auf den Reh- berae» gar ein Stück ältestes A egypten, nämlich Memphis, zum Filmdaiein erwachen wird. Seit emigen Jahren gibt eS in Neu- babelsbcrg einen onentaliicheli Flecken, und auf dem engeren Ge- lände der Union in Temrelhof. wo mit äußerster NaumaiiSi-ützung Siraße und Play aus dem Spanien Carmens err'chiei woiden, das jetzt sebr geschickt und stilechl in das Revoluiions-Parls für den Dubarry-Film umgewandelt wurde. Ein großer Teppicheinbruch. 6000 M. Belohnung. Für -00 000 M. Tcppiche erbeuteten Einbrecher in einer Villa in der Von--der-Heydt-Siraße. Sie drangen über den Vorgartenzaun und dann durch ein Fenster in die Räume ein, während die ganze Be- Wohnerschaft im tiefen Schlaf lag. Gestohlen wurden im ganzen 10 Teppiche. Für die Wiedcrbeschafsung des gestohlenen Gutes ist eine Belohnung von 6000 M. ausgesetzt.— Für 50 000 Mark Seide und Crepe de Chine wurden bei der Firma Cohn in der Markgrafcnstraße 59 gestohlen. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Für die Wiederbeschassung der Stoffe usw. ist eine B e- lohnung von 10 Proz. des Wertes ausgesetzt.— In der Naumburger Str 56 zu Charlottonburg drangen Einbrecher in die Geschäftsräume von R o s a m ein und stahlen für 43000 Mark Blusen, Röcke, Seiden st offe usw. Auch hier ist für die Wiederbeschaffung eine Belohnung von 10 Proz. des Wertes ausgesetzt. Im Dienste tödlich verunglückt ist gestern der Hilfsweichen- stcller Richard M a r k st e i n auf dem Außengelände des Schlcsischen Bahnhofes. WS er dort an der Weiche arbeitete, wurde er von einem Vorortzuge gefaßt und überfahren und so schwer verletzt, daß er auf der Stelle starb. Zur Kartoffclfrage teilt uns der Schöneberger Magistrat mit: Die Verhandlungen über die Kartoffelversorgung in der Schöne- berger Stadtverordnetenversammlung sind teilweise mißver- ständlich weitergegeben worden. Von allen Seiten ist in der Tl.adtverordnetenversammlung in Schöneberg festgestellt worden, daß die Lage der Kartoffelversorgung auch für Schöneberg durchaus bedenklich ist. Es ist richtig, daß Schöneberg in dieser Woche der 8Zevölkerung eine Menge von 14 Pfund Kartoffeln pro Kopf hat verteilen können. Diese Menge war aber natürlich nicht für eine, sondern für zwei Wochen bestimmt. Irgendeine Kartoffel- rcserve hat Schönebera bisher nicht ansammeln können. M i t Rücksicht auf die Gefabr des Frostes«st es hoch st e Zeit, daß die notwendigen Winterreserven an Kartoffeln in den Großstädten angesammelt werden. Zentralverband der Angestellte«. Sektion der Hotel-, CasS- und Reftaui-alionsangcilelltcn. Die Beitrauensleute versammeln sich am 23. Ol- tober, abends 7'/, Uhr, in der B i e r g I o cke, Beilealliancestr. 106 um den■ Bericht über die schwebenden Tariwerhandlungen cntgegcnzu- nehmen. Jeder Betrieb mutz durch einen Kollegen vertreten lein. Mit- gliedSbuch legitimiert. Quittung. Von der S.-P.»D.- Fraktion der Preußi- schen Landesversammlung wurden dem Parte ivor- stand 7666 M. überwiesen. Kunstgeschichtliche künstlerische Beranftaltungen will da? Staats- tbeaier von November bis Mai bei niedrigen EintriNspreiseli an den Sonntag-Bormiltagen aus der Bühne des Schauspielhauses stat finden lassen. Sie sollen eniwicklungsgest ichUich miteinander verbunden sein. Die emzeinen Programme sind ungesähr gelennzeichnet durch die Stichworle: Cothik, Zlenaissance, Nesormalion und Meislcrsinger. Amüärung und Siurm und Drang, Klassiker, Nvmantilcr von Herne bis Nietzsche und Richard Wagner. An einteilende Vorlräge werden sich Dichtung und Musik reihen. Andere Sonntag-Vonniitage sollen Dichtern der Gegenwart eingeräumt werden. Die preußische Hauptstelle für den«aturwisscnichaftl. Unter- rtcht veranslatlet in diesem Winter Lehrgänge zur Forlbildung der Lehrer und Lehrerinnen Grotz-BerlinZ. Anmeldungen bei der Hauptstelle Berlin W 35, Potsdamer Str. 120. Tie Akademische Orchefter-Bereinigung an der Univerfttät Berlin veraiislaltel demnächst unter Leitung ihres Dirigenten Map Wachsmann ein ikonzerl zum Besten kriegsbeschädigler Berliner Studenten! Neukölln. Tie Stadtverordnetenversammlung begrüßte gestern in ihrer außerordentlichen Sitzung die neuen Stadlräte.— Eine Erhöhung der Kino st euer(bei Kinos bis zu 200 Plätzen 15 statt 10 Proz., bis zu 300 Plätzen 20 statt 10 Proz., bis zu 400 Plätzen 25 statt 15 Proz.. mit mehr Plätzen 35 statt 20 Proz.) wurde genehmigt. Sie soll pro Jahr 400 000 M. mehr bringen- In der Debatte wurde betont, daß die Stadt ihre Einnahmen steigern muß, aber die Einkommensteuer kaum noch steigern kann. — Dem Beamten- und Angestelltenrat wurde für Ge- schäftsunkosten ein« jährliche Entschädigung von 4800 M. bewilligt.— Tie Besoldungsordnung wurde dahin abgeändert, daß nicht nur Beamten- sondern auch»Bediensteten" vei Erkrankung die Besoldung weitergezahlt werden m u ß aber die Kranken- und Unfallunterstützung darauf angc- rechnet wird.— Den Feuerwehrmann schasten wuroe, wie bei.den übrigen Feuerwehren Groß-Berlins, die Beamten- e! g e n s ch a f t zuerkannt. Sie werden als 8?etriebsbeamte auf gegenseitige dreimonatige Kündigung angestellt.— Die Beisitzer des M i e t e i n ig u ng s a m tS werden künftig nach Anhörung der Stadtverordnetenversammlung ernannt. Es wird völlige Neuwahl unter Verteilung der 50 Sitze nach der Fraktions- stärke erfolgen.— Die Errichrung eines Lagerschuppens und einer Bureaubaracke für die B e k l e> v u n g s st e l l e der situ: wurde genehmigt. Die Bürgerlichen brachten hier ihre Klage über die öffentliche Bewirtschaftung aufs neue vor. Auf die Notwendigkeit des Fortbestandes der Bekleidungsshell« wiesen die Redner der sozialdemokratischen Fraktion und der Unabhängigen hin. Sie will die Minderbemittelten mit Kleidung zu erschwinglichen Preisen versorgen.— Am Mariendorfer Weg sollen neben den beschlossenen vier Wohnbaracken noch sechs andere aufgestellt werden, die zusammen 24 Zweizimmerwohnungen enthalten und 450 000 M. kosten.— Die Versammlung stimmte dem Schiedsspruch über die Neufestsetzung der Arbeiterlöhne zu. Bei dieser Vorlage brachte Stadtv. N e u m a n n(Soz9 den Streik der Hilfs- 1 r ä f t e zur Sprache. Unter voller Anerkennung ihres grund- sätzlichen Streitoechts bedauerte er, daß sie nicht vorher alle Mittel der Verständigung erschöpft und auch die Organisation nicht zu Rate gezogen haben. Zu diefsm wilden Streik hätte es i cht zu kommen brauchen, da Neukölln cme sozialistische Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung und auch eine starke Vertretung der Sozialisten im MagistraiSkollegium hat. Auch Stadiv. R a d t k e sU. Sog.) hob hervor, daß der Streik nicht nötig war. — Ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion forderte, daß die Kirche ii steuern nickt mehr durch die Stadt einge- z o g e g werden. Tie Bürgerliche Vereinigung widersprach. Der Antrag wurde angenommen— Ein anderer Antrag der so- zialdemokratischen Fraktion forderte den Magistrat auf, Schritte zur Ermöglichung der Einrichtung st ädti scher Apotheken zu tun. G ü t t l e r sSoz.) legte die Notwendigkeit dieser Maß- regel dar. Bis zur gesetzlichen Regelung der Apothekenfrage und der Kvmmunalisierung der Apotheken sollen Private keine Kon- zeisionen mehr erhalten. Stadtrat Dr. Sil berste in be- dauerte, daß sie nach der Gesetzcsvorlage zurzeit nicht durchführbar sein würde. Das Gefetz sei darin zu ändern, daß Apotheken von Gemeinden geführt werden können. Die Versammlung stimmte dem Antrag zu.— Ein von den Unabhängigen beantragter Protest gegen daS Tumultschädenarsetz, das den Ge» meinden ein Kostendrittel auferlegen will, wurde einstimmig angenommen. Gr betont, eS lei Sache des Reiches, alle Schaden zu decken. Tegel. Gemeindevertretung. Di« Ferienveranstaltungen der Schulen erfreuten sich reger Beteiligung. Die Walderhokungsstätte erforderte einen Zuschuß von 26 000 M. wovon ein Drittel die Ge- meinde tragen muß. Die Gemeinde nimmt von der Errichtung einer Volkshoch'chule Abstand, beteiligt sich aber an den Veranstaltungen Groß-Berlins. In Zw ischen räumen von 3 bis 4 Wochen werden künstlerische Veranstaltungen arrangiert. Am 28. Oktober findet der erste Abend statt, und zwar über„Das Volkslied". Für beiehrende Vorträge wird die Anschaffung eines Kinoapparates beschlossen, der auch den Schulen zur Verfügung gestellt werden soll. Der Eintritt für die Kllnstabende wird-nkl Programm aus 75 Pf. festgesetzt. Die Bibliothek soll ausgebaut und modernistert werden. Ein Dring- lichkeiisantrag für Ankauf der rationierten Lebensmittel seitens der streikenden Metallarbeiter 50 000 M. bereitzustellen wird dem Ge- meindevorstand überwie'en. Zum Brandcnbuvgischen Städierag werden entsandt Bürgermeister Stritte, Schöffe Helfe» sS P. D.), Schösse Beyermann(II. S. P.). Die Eehaltsfrage der nicktständigen Bureauhilsskräfte und des Hilfspersonals war durck ein Provi- sorium geregelt, das Zulagen von 50 bis 100 M. vorsah; wenn in iAerlin eine Regelung stattfindet, so ist diese auch für Tegel maß- gebend. Der Beamtcnausschuß wird anerkannt und ihm das Mitbestimmungsrecht in allen wirt'ckaftlichen und Dienstfragen ge- währt. Ter GaSpreis muß auf 53 Pf. erhöht werden. Ein Be- amter wird als Desinfcftor ausgebildet und angestellt auf Grund des Ortsstaiuts. Das Grundstück Bahnhofstr. 7-8, auf dein sich der Gemeindekiihstall befindet, soll von der Gemeinde für 355 000 Mark gekauft werden._ Grost-Berliner Lebensmittel. Berlin. �Bis Sonnabend für 104., 176., 192. und 216., bis Montag für 87.»ndDsg., bis Dienstag für 86., 88. und 90. Broikommisfion 125-? Käse. FriedrtchZfelde-ztarshorft. Ab Freitag Petroleum für Oktober. Groß-Serliner Parteinachrickten. Stralau. Vorftandsfitzung heute'1,8 Uhr. Gencralversamm lung Sonntag 10 Uhr bei Bollenbach. Hand-»nd Kopfarbeiter der A. E. G.(Z. V.®.). Versammlung am Freitag 4 Uhr im Sovbiengh-miasium. Weinmeisierstr. 15. Er- scheinen der Obleute, Vertrauensleute und Funktionäre tämtlicher aui dem Boden der S. V D. it-benden Hand- und Kovsarbeiter der A. E. G. un» bedingt erforderlich. Mitgliedsbuch der S. P. D. legitimiert. Vortrage, Vereine unü Versammlungen. Achtung. Arbeiter-Saugcr! Auf unsere Anfrage an den Kau- vorstand des Aibeiter-SängerbundeS vom 19. September ist uns mitgeteüt worden, dag sich keine Vereine zur Mitwirkung bei unseren Veranftaltungen am 9. November, vormittags 10 Uhr. gemeldet haben. Wir sordern deS- halb öffentlich die Keiangvercine aus, die sich am 9. November an unteren Veiansialtungen beteiligen wollen, Meldungen an untenstehende Adresse gelangen zu lassen. Bezirksverband Grog-Berlin S. P, D., Belleouestr. 7. O. Frank. Neber die russische Revolution, ihre Ursachen und ihre Bedeutung spricht der Genosse G r i g o r j a n z beute Abend in einem Km iuS der Sozialistischen Bildungsichuke, im Lutveilyzeum, Tempclloser User 2 II (Nähe H»llescheZ Tor), Saal 11. Das Thema ist im Hinblick aus die gegen- wärtigen Votgänge in Rusitand besonders ailuell; Hörer können noch auf- genommen werden.— Zclilcndorf. Freitag 8 Uhr. Lbcrrealsl! ule. Er- öffnnngsversammlimg der Volkshochschule 1. Bortrag. 2. Freie AuS- spräche. Rege Beteiligung erwünscht.— Ltouristenverein»Tic Natur- freunde*. Sonntag, Besichtigung einer Ziegelei in Herzfeide, anichlietzend Wanderung. Abs. Schles, Bahnd. 6.00 nach«trau-bcrg. Gäste lvillkomiiien. —-Auibaü und Werden. Heute abend l'l, Uhr spricht Genosse Artur Saternus in der Aula der Gemeindeschule, Sophienstr. 27, über das Thema-.Praktischer Sozialismiis". Betriebssunltionäre und BertraucnSleuIe sind besonders eingeladen.— Verein ioziaideiiiokratiichcr Justizbcamtcn. Freitag, 7 Uhr. bei Schulz. Ellabctyslr. 50, Versamm- lung. Tagesordnung: 1. Vortrag über»Neuausbau der Beamtenrätc". 2. TiStussioii. 3. Verschiedenes. Da zu Punkt 3 wichtige Azitaiions- angelegenheiten zu ertedigcn find, ist es Pflicht jedes Genossen, zu er- scheinen. Gäste willkommen._. flus aller Welt. Wie„Tommy" am Rhein Geld macht. Wie man Geld auf ehrliche Wense verdienen kann, ohne einen Finger zu rühren, das teilt ein Soldat der englischen Besatzungs- truppe am Rhein den Lesern der..Daily Mail" mit.»Ich wechselte mir in Köln," schreibt er,»einen Scheck über 5 Pfund in der Bank- siliale von Cox ein, und da die Markvaluta gefallen war, so erhielt ich dafür 460 M. Ich wollte am selben Tage Geld nach England schicken und kaufte mir daher auf dem Militärpostamt eine Post- anwessung über 5 Pfund. Dafür mußte ich nur 387 M. zahlen. Ich hatte auf die leichteste und korrekteste Weise von der Welt 73 M. verdient. Zunächst schien mir das zu schön, um wahr zu sein.»Kann ich noch so eine Postanweisung kaufen?" fragte ich den Postbeamten, indem ich mich selbst in den Arm zwickte, um festzustellen, ob ich auch nicht träume.„Natürlich," sagte er,„die anderen tun es auch; die Geschichte scheint sich sehr schnell herum- gesprochen zu haben." Und dies war tatsächlich der Fall. Jeder- mann in der Garnison schien diesen neuen Weg des Geldverdienens für sich entdeckt zu haben. Ms ich wieder zu dem Bankgeschäft von Cox zurückkam, da schien die ganze Rheinarmee in massierten Formationen vor der Tür Aufstellung genommen zu Hoden und die halbe Hohe Straße war voll von Soldaten, die ein solch ein- trägliches Wechselgeschäft machen wollten. Langsam rückten wir zu dem Schalter vor, wo die Beamten so schnell wie möglich das Geld umwechselten. Und die Erklärung für diese merkwürdige Ge- schichte? Sie ist sehr einfach. Soweit sie mir von einem Zahl- meister auseinandergesetzt wurde, sind zwei Prinzipien der Geld- umwcchselung in Geltung: eine börsentechnische, die sich täglich nach -den Kursen richtet und bei der Bank in Anwendung kommt, und eine militärisckn?. bei der der Wert der Mark für einen Monat im voraus festgesetzt wird. Die letzlere Ziffer, die bei den Um- Wechselungen der Militärpost in Anwendung kommt, ist augenblick- lich viel geringer als die der Bank. Auf der Bank- mußte man an dem fraglichen Tage 02 M. für ein Pfund zahlen, während bei der Post der Wert des Pfundes mit 77,40 M. festgesetzt war. So konnte man also beim Umwechseln von 5 Pfund 73 M. verdienen und bei größeren Summen mehr. Kein Wunder, daß die Kölner Soldaten die günstige Gelegenheit ausnutzton!" Bahnschieber. Nachdem jüngst in Berlin eine mit großem Kapital arbeitende Gesellschaft verhastet worden wgr, die Lokomo- tiven und einen ganzen D-Zug nach Polen vertckneben wollte, vno in Friedland in Scklesien ein paar ehrsame Polizei- und Gemeinde- beamt«, die nack Böhmen sckoben, sind jetzt wegen versuchter Ver- schiebung von 66 666 Mil'tärbekleidnngsstücken aus Heeresbestän- den, Tuchen usw. in Münster i. W. der Gütervorsteher Hügel und der Ooerbahnassistent Kaise: verhastet worden. Fünf Meterzentner Schokolade auf der Straße. Die Budapester Polizei veranstaltete gegen Straßenvcrkäufer eine großangelegte Razzia. 240 Personen wurden verhaftet, unter ihnen auch Be- amie und Beamtinnen. Den Verhafteten wurden abgenommen: 30 000 Stück Gebäck, 5 Meterzentner Schokolade, 30 000 Zigarren und Zigaretten und noch sehr viel andere Waren. Wetterausfichten für das mittlere Norddeutschland bis Sonnabend mittag. Zunächst trocken und gröf-tenteils heiter. In den RMaosstundert ziemlich mild. Später im Küstengebiet irneder stärkere Bewölkung. In der Nacht zu Freilag im Binnenlande vielfach leichter Frost. Mgenblicksemörücke. Das hohe und helle, freilich nicht geräumige SitzungSzim�r im Nordbau des Reichstages ist dicht gefüllt mit einer gar seltenen Vereinigung politischer Leute. Im Hintergrund die grüne Tafel mit Sesseln, an der die Mitglieder deS parlamentarischen Untersuchungsausschusses sitzen, und zwar wahllos durcheinander, diejenigen des Hauptausschusses und die des Unterausschusses für die Friedens- Möglichkeiten, da die öffentliche Beweiserhebung beginnt. Der konservative W a r m u t h. Habitus des einfachen deutschen Richters, mit seinem routinierten Durchschnittskopf in der Mitte der Tafel als Vorsitzender. Er beschränkt sich klugerweise auf rein ge- fchäftliche AuSsübrungen und charalterisiert sich selbst ungewollt da- durch, datz er Art. 177 der neuen Reichsverfassung übersieht und absichtlich oder handwerkSmähigerweise Zeugen und Sachverständige auf die neue Möglichkeit aufmerksam zu machen dergiht, datz die Vereidigten unter Weglassung der religiösen Eidesformel einfach er- klären können:»Ich schwöre". Er sagt also die alte Formel herunter und führt dann den Vorsitz mehr als juristischer Techniker, denn als milschaffender Politiker. Links neben ihm der Referent für die Friedensversuche Wilsons, der Rechtsanwalt und Mehrheitösozialist Dr. S i n z h e i m e r. Rechts zum Vorsitzenden G o t h e i n und Spahn, die beiden er- fahrenen Grauköpfe, die sich zunächst ganz gemessen zurückhalten. Zur Abwechselung auf der äußersten Rechten der Unabhängige Dr. Cohn, der schon eifriger, aber immer freundlich als Beisitzer eingreift. Ringsherum die anderen Vorsitzenden der Ausschüsse und Himer den Stühlen Haußmann, David», a. David ganz hingenommen von' der Verhandlung, die einen Teil seiner wichtigsten ilriegsstudien berührt. Vor dem Vorsitzenden im leichten Halbrund deS Untersuchungsausschusses ein Einzeltisch für die Zeugen, an dem an den ersten beiden Tagen als erster der frühere deutsche Botschafter für Nordamerika, Graf B ernst orsf, sitzt. Das Aeußere ganz Kavalier und feudale Korrektheit; im Sprechen und Auffassen aber einfach, klar und klug; unerschütterlich darin, nach allen Unter- brechungen den Faden ruhig an genau derselben Stelle auszu- nehmen, an der er unterbrochen wurde. Unverkennbar Typ des Staatsmanns der alten liberalen Schule, voll starken Glaubens an persönliche Friedensabsichlen Wilsons, deshalb eine ganz kleine Schattierung oppositionell gegen die Regierung Betbmann Hollweg, die glänzende Gelegenheiten zum Frieden durch Wilson nicht hin- reichend benutzt hat. Um diesen Mittelpunkt, dem Zeugentisch herum, gruppiert sich alles übrige. Links von ihin der Sachverständigentisch. 'ir-etzt niit den Experten verschiedenster Richtung. Aus dem Tisch zahlreiche Kriegs- und Memoirenliteratur. Links ein Trsch für weitere direkte Interessenten. An ihm sitzt die mächtige Gestalt -dethmanns, der herbeigekommen ist, seinen Mann zu stehen. Er ist ungebeugt, folgt mit intensivster Aufmerksamkeit der �ernstorffschen Aussage, macht sich Notizen und hört innerlich be- friedigt und still zurückgelehnt zu, wenn der Zeuge schildert, wie Wilson und House bis etwa Ende 1216 an die Friedensbereilschaft der deutschen Regierung glauben konnten... Hoibdramalisch wird am ersten Tage die Beweisaufnahme, als sie sich dem Schluß des Jahres 1Sl6 nähert. Während die deutsche Regierung bis dahin Wilson ständig ermutigt und als Gegenspieler unterstützt in seinem Suchen nach einem Friedens- modus, wird die Sawlage trübe im Dezember 1S16. Man wußte in den v'fizlellen deutschen. Kreisen genau, daß der amerikanische Präsident trotz der U- Bootschwierigkeiten seinen Friedensschritt niacben würde. Plötzlich wartete man ihn nicht mehr ab. sondern verkündete daö bekannte, eigene Friedensangebot und schritt wenige Wochen darauf zum verschärften U-Bootkrieg, während man wußte, daß sich Wilson mit dem Kreuzerkrieg noch abfinden würde. Alles macht vorläufig den Eindruck, als habe eine geheime Macht, die an einen niederschmetternden deutschen Waffensieg glaubt, die Friedensbeziehungen mit Wilson rauh und gewaltsam durchkreuzt. Die Berliner Depeschen an Bernstorff, ein Privatbricf JagowS an diesen, ein Memorandum der dculscken Regierung, von dem Bernstorff sagte, oder den„Boston Guardian", dessen Herausgeber Trotter Doktor der Universität Harvard ist. Auch die radikale Bewegung der„In- dustrial Workers of the World" besitzt unter den Farbigen des Südens eine große Anzahl von Anhängern. Dies« ganze Bewegung � bat ei, re große Macht im politischen Leiben Amerikas erlangt und 'bedroht die gegenwärtige Lage mehr als alle anderen Schwierig- leiten. Berliner Bibliothekswünsche. Die Berliner Staatsbibliothek hat auch von den meistverlangten Werken der neueren Wissenschaft- lichen Literatur nur ein Exemplar. Was daS bei einer Benutzer- zahl von vielen Zehntausenden bedeutet, liegt auf der Hand. Wer solch«in Buch bestellt, bekommt nach ein paar Tagen die Mit- teilung, es sei schon vielfach vorbelegt und daher in absehbarer Zeit nicht verfügbar. Also: man schasse bei den wichtigsten neuen wissen» schaftlichen Werken mehrere Exemplare an und mache die Biblis- t Helen, die jetzt unglaubliche Geduld von den Benutzern erfordern, dadurch erst recht nutzbar. „Industrielle Psychotcchnik." Die 96 Teilnehmer an dem vom Verein, deutscher Ingenieure zusammen mit dem Versuchsfeld für Werkzeugmaschinen und Betriebslehre an der Technischen Hochschule zu Charlottenburg veranstalteten AuSbildungSkursus haben das Arbeitsministerium ersucht, fiir die psychotechnrschen Untersuchungen der in der Industrie notwendigen Arbeitergruppen und Lehrlinge eine wissenschaftliche Zentralstelle zu schaffen. Eine Ehrenerklärung für deutsche Nniversstäten fyrhen eine Reihe von Afrikanern, bi(* ehemals aus deutschen Universitäten studiert haben, ausgestellt. Es wird darin deutscher Wissenschaft, Objektivs- tat und Gastfreundschaft ein rühmliches Zeugnis ausgestellt. Bolksbühne-Konzert. Im V. Konzert des Verbandes der Freien Volksbühnen am 2. November, vorm. 1t'/, Uhr, im Theater am Biilow- plah führt das K I i n g l e r> O u a r t e t t Stretchquartette von Schubert und VrabmS aus. Karten'2 M. einschl. Kleiderablage in den Waren- bäulern von Hermann Tiefe, in der Vollsbübnenbuchhandlung, llvpenicker Sirane 68, und in der Geschäftsstelle des Verbandes der Freien Volks- bühnen. Kunftabeud. v. TwardvwSki spricht am 27. Okt. in der Sezession sKurtürüendamm 232) Wedekind: R. A. Schröder: Dasnislicder; neue Parodie» und eigene Palmströmgedichte. Kunst. Die Ausstellung von Plastiken und Zeichnungen von August Gaul, die Paul Caisirer zur Feier des sünszigsten Geburtstages deS Künstlers veranstaltet, wird am Freitag eröffnet. Das Theater der Junge». Zwitch-n der Direktion des Theaters „Die Tribüne" und der Gesellschaft zur Pflege junger Dichtung„DaS junge Teutschland" E. V. sind Verhandlungen im Gange, die aus eine Vereinigung der beiden Unternehmungen hinzielen. „Der verschwundene Berliner-', die Posse von Zllson» Fedor Cohn, die 1013 bei dem Wettbewerb um die beste Berliner Lotalposse den Preis erhielt, wird in dieser Spielzeit am Koltbuser Stadttheater die Uraufführung erleben. Der Autor war bereits im Jahre 19l2 mit einer sozialen Satire Pegen das Berliner Bauschiebertum unter dem Titel„Kultur- Palast" in der„Freien Voltsbühne" zu Wort gekommen. Die Dbeaterpreiie steigen. Die Eintrittspreise für da? Chartolt«:!- burger Teutjche Opernhaus sollen erheblich erhöht werden, um das drohende Riesendesizit auszugleichen. Die Stadtverordnetenversammlung wird das Nähere bestimme». daß es bei Wilson und House ausgezeichnet wirkte, bestätigen bei ihrer Verlesung die Friedensgeneigtheit Deutschlands bis zum De- zember 1916, die auf Wilsons Aktion eingestellt war. Dann sieht es aus, als hätte Wilson mit kräftiger Hand beiseite geschoben werden sollen und man habe sich alles zugetraut— auch ohne, ja gegen Amerikal Steckt da schon Ludendorff seine Krallen aus?... Nach der anderen Seite zeigt die Befragung schon jetzt Wilson in seinen Bedingtheiten, und das ist für uns Sozialisten vielleicht die wichtigste Seite dieser Episode. Wilson zögert die Friedensentscheidung über seine Wiederwahl hinaus, er stößt nicht bloß auf die Eroberungspläne der Entente als gewaltige Hinder- nisse für fein Friedensbemühen, sondern er muß auch fortgesetzt auf jedes Lüftchen in seinem eigenen Lande lauschen. Aus Bern- storffs Bekundungen heraus drängt sich imqier wieder die Tatsache hervor: Wilson war gezwungen, ständig mit dem amerika- nischen Kapitalismus und KriegSlieferantentum zwar nicht zu paktieren, aber mit ihm zu rechnen. Nachdem er die „Neutralität" unter dem furchtbaren Druck jener Mächt« schon so weit ausgelegt hatte, daß Amerika durch seine Waffenlieferung in der Wirkung fast Kriegführender geworden war, hemmte ihn die Auswirkung dieses Zustande? auf Schritt und Tritt in seinen idealen Absichten. Daher offenbar die Verzögerung seiner Ver- gleichsvorschläge und deS Momentes für sein Eingreifen. Durch die Blockade einerseits und Ubootkrieg andererseits spitzten sich die Dinge zu. Wilson hoffte, die Blockade wenigstens mildern zu können, kam aber nicht zu Rande und die Versenkungen der Lufitania und der Sussex waren die deutschen Gegen- N�rkungen dieser Verzögerung. Der amerikanische Kapi- 4alismuS wollte weder auf seine Kriegslieferungen verzichten, noch sie sich durch U-Boote stören läffen und erhielt durch die Tor- pedierungen von Passagierschiffen gute Vorwände zur Agitation gegen Deutschland. So griff Eines ins Andere ein. Wilson blieb unfrei im Handeln, und in Deutschland konnten Kräfte zum verhäng« niSvollen Einfluß gelangen, die über die Versöhnlichen triumphierten, weil die Hoffnung auf Wilson zu trügen schien. Daher vielleicht die furchtbare Wendung seit Ende 1916..... Schon klang in manchen Stellen deutscher RcgierungSdepeschen die Wendung durch, daß man so lange nicht warten könne und eS unter Umständen auch mit Amerika aufnehmen müsse... Die fürchterliche wirtschaftliche Un- wiffenheit der Ludendorffschule fing an zu triumphieren, begünstigt durch die Gebundenheit Wilsons an die Raffgier deS amerikanischen Kapitalismus,„seines" SkelcUS im Hause, wie wir die„Feste Druff"-Leute als unser Skelett im Hause hatten... Das sind erste, unverbindliche Eindrücke, noch kein auch nur entfernt abschließendes Urteil. Die weiteren Forschungstage werden weiteres aus der Welttragödie bringen. Eugen Richters Kopfabguß und das Modell seines Berliner Denkmals schauen verwundert au daS Schauspiel im Raum. Dieser war früher Fraktionssaal der Freisinnigen. Damals lag diesen Politikern die Möglichkeit einer so katastrophalen Entwicklung der Weltpolitik so unendlich fern, daß sie sich schon verwundern dürfen. Aber sie haben zahlreiche Nach- fahren, die jüngst noch nicht viel weiter sehen konnten. Sonst hätten sie mit uns zusammen die Ludendorffe wie die Kriegskapitalisten schon im Kriege niederringen müssen. Ob sie aus der Wahrheit, die hier allmählich von Umhüllungen und Vorhängen befreit werden sollen, jetzt endlich lernen?... Q. •» • Wie die P. P. N. erfahren, wurde beschlossen, daß der 4. Unterausschuß /Vorsitz: Abg. Landsberg), der ursprünglich nur die völkerrechtswidrigen wirtschaftlichen Maßnahmen untersuchen sollte, alle völlerrechtswidrigen Maßnahmen, die während des Krieges in Belgien getroffen wurden, zu prüfen haben wkrd, gleichviel ob auf militärischem oder wirtschaftlichem Gebiete. Ganze Arbeit. Im Münchener Gesellen mordprozeft hat eineo-der wie durch ein Wunder dem Morden entronnenen katholischen Gesellen bei seiner Vernehmung als Zeuge den erregten Ausspruch getan, er verstände nicht, wie gegen diese Täter nur Anklage wegen Totschlags, nicht wegen Mordes erhoben worden sei. Der Staatsanwalt hat sich darauf in hochfahrender Bureaukratenmanier diese Einmischung des Zeugen in seine Befugnisse verbeten. Formell mag der Staatsanwalt Recht haben, aber dieser Zeuge hat nur ausgesprochen, was alle Welt denkt. Es ist vollkommen unverständlich, wie bei einer derartigen grauenvollen Tat die Staatsanwaltschaft sich von vornherein auf den Standpunkt festlegen konnte, daß den Tätern die zum Tatbestand des Mordes gehörende Ueberlegung gefehlt hat.» Auch sonst kommt uns die vorbereitende Arbeit der Staatsanwaltschaft höchst unzulänglich vor. Sind die vier Glngeklagten wirklich alle Schuldigen aus der sicher viel größeren Zahl der Täter, Mittäter und Helfer, deren man habhaft werden konnte? Warum sitzt der famose Hauptmann v. Stutterheim nicht auf der Anklage- dank, der den Oberbefehl über den Transport hatte, und passives Verhalten die grauenvolle Tat erst möglich gemacht hat? Der Platz dieses Mannes ist nicht auf dem Zeugenstand, sondern neben den Angeklagten. Ebenso gehören später in einem besonderen Verfahren auf die Anklagebank die Mitglieder des Kriegs- g e r i ch t s der 2. G a r d e d i v i s j o n, die bei der ihnen obliegenden Aufklärung der Tat vollkommen versagt und nicht einmal die Anfertigung eines Sektionsprotokolls über den Leichenbefund veranlaßt haben. Von miiitärrichterlichen Kreisen wird jetzt systematisch für die Beibehaltung der Kriegs- gerichte Propaganda gemacht. Es wäre sehr gut, wenn das völlige Versagen dieses 5kriegsgerichts in einer so wichtigen Sache durch ein Gerichtsverfahren entsprechende Beleuchtung fände. Ueber die Konsequenzen, die auS diesem Prozeß zu ziehen sind, wollen wir erst reden, wenn das Verfahren seinen Ab- schluß gefunden hat. Heute.verlangen wir vor allem, daß ganze Arbeit gemacht und die Untat r e st l o s g e- sühnt wird, wozu die Anklagcerhebung gegen alle Personen gehört, die sich direkt oder indirekt mit- schuldig gemacht haben._ Der Reichspräsident in Greslau. Nach Besichtigung der Breslauer Ausstellung fuhren der Reichspräsident und die ihn begleitenden Minister zum LandeshauS. Dort wies in seiner Begrüßungsrede Reichskommissar Hör sing darauf hin, daß auch der Reichspräsident die Frie- denSbedingungen loyal durchführen wolle. Aber ein Schrei des Entsetzens über dieses Unrecht gehe durch Schlesien, und deshalb richte er die dringende Bitte an ihn, zu versuchen, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dieses Unrecht noch im letzten Augenblick zu verhindern.(Bravo.) Das gange deutsche Volk solle sich wie ein Mann hinter die Regierung stellen, damit Oberschlesien uns erhalten bleibe. Reichspräsident Ebert versicherte, daß er und die Reichsregierung keine anderen Sorgen kennten, als Oberschlesien Deutschland zu erhalten. Jeder Deutsche müsse die Abtrennung Oberschlesiens vom Reich als schweres klnrecht emp- finden. In den großen Kämpfen, die jetzt bevorstehen, dürsten die oberschlesischen Deutschen sich von ihren deutschen Brüdern nicht verlassen fühlen. Mit Rat und Tat werde er und die Reichsrogie- rung ihnen zur Seite stehen. Vor allem erachte die Reichsvogie- rung es als ihre Pflicht, während der Zeit der Besetzung die Verhältnisse so erträglich wie möglich zu machen, damit jeder seiner Arbeit ruhig nachgehen und die deutsche Werde- kraft sich entfalten könnte. Mit der festen Zuversicht, daß Ober- s ch l e s i e n deutsch bleibe, sehe ef dieser Entscheidung entgegen. Der Reichspräsident appellierte noch einmal an die oberschlesische Bevölkerung alles Trennende zurückzustellen und einig und mt- schlössen und machtvoll zu rufen: Oberschlesien dem Deutschen Reiche! Minister Heine ergriff das Wart namenS der preußi- scheu StaatSregierung und wies aus das Unrecht hin, daß Teile von Schlesien, nachdem daS Selbstbestimmungsrecht proklamiert worden sei, ohne Befragung von Deutschland losgerissen werden solltev. Dem eigenartigen Gebiet von Schlesien und besonders Ober- schlesien solle ein weitgehendes Rech� aus Selbstordnung seiner Angelegenheiten gegeben worden. In den letzten Tagen habe er sich mit der Durcharbeitung der neuen Städte- ordnung beschäftigt, und dabei sei ihm so recht zum Bewußt- sein gekommen, welch starkes politisches Leben in den Kommunal- verbänden pulsiere. Die Revolution habe auch auf diesem Ge- biete die Kräfte befreit. Deshalb sollten die Kommunen erheblich unabhängiger gestellt werden als bisher. Die Gemeinden müßten eine gewisse Finanzhoheit habe« und ihre kulturellen Aufgaben selbst regeln können. Mehr als je müsse jetzt das deutsche Volk zusammenarbeiten mit dem Ziele der Wiederherstellung unseres Vaterlandes, der Schaffung eines neuen Deutschlands, in dein das gemeinsame Ziel herrsche, Deutschland wieder groß und einig zu machen. Monds kehrte der Reichspräsident nach Berlin zurück. Eine Reöe Noskes. Der gestrigen Tagung des ReichstvirtschastSverbandeS deutscher Berufssoldaten wohnte auch Reichswehrminister Noske bei, dem die Wünsche und Beschwerden der Unteroffiziere vorgetragen wur- den. Gefordert wird u. a. eine Reichswehrschule, ferner eme ge- setzliche Vertretung der Berufssoldaten, Anrechnung der in den Ab- Wicklungsstellen abgeleisteten Dienstzeit bei der Anstellung als Beamter oder beim Uebertritt in das Reichsheer, Zahlung der bisher in der Reichswehr bezogenen Gebührnisse an alle in den Abwick- lungsstellen Beschäftigten, vorzugsweise Beschäftigung der Kapitu- lauten in den AbwicklungSstellen neben Kriegsbeschädigten und Kriegerwitwen und Gewährleistung der aus dem Zivilversorgungs- schein sich ergebenden Rechte. Reichswehrminister Noske führte aus, daß er den Sorgen der Unteroffiziere stets besondere Beachtung geschenkt habe, aus Dank- barkeit für geleistete Dienste, und weil es natürlich nicht gleichgültig sein könne, wie hunderttausend kräftige Männer denken. Allerdings ziehe die Finanzlag« des Reiches enge Grenzen. Im Widerstreit der Interessen der Zivilangestellten und Kapitulanten müsse ein AuS. gleich geschaffen werden. Wohlerworbene Rechte aus dem Zivilversorgungsschein müßten selbstverständlich flfeivährleiistet werden. Ohne Zivi lvc rsorgu n gSschei n werde man auch in Zukunft nicht aus- kommen können. Das neue Reichsheer sei nicht denkbar ohne einen Stamm erfahrener Unteroffiziere, denen man nicht zumuten könne, notb einige Jahre weiter zu dienen, wenn ihnen nicht der Zivil- versorgungsschcin zugesichert, werde. Das Abfindungsgesetz sei zu Unrecht so abfällig kritisiert worden. Scharf betont» der Minister, daß er mit äußerstem Mißtrauen den Bestrebungen gegenüber- stände, die darauf hinausliefen, die Reichswehr zu einer Gewerkschaft zu machen und daß er derartigen Bestrebungen auf das entschie- denste entgegentreten werde. Wenn ein solcher Geist in der Truppe herrschte, dann wäre sie nichts wert. Die EntPolitisierung der Reichswehr müsse angestrebt werden. Jedem Soldaten sollen mög- lichst weitgehende Staatsbürgerrechte gewährt werden. Wer es wäre doch ein übler Zustand, wenn z. B. bei Wahlen die Kasernen- tor» von Flugblattverbreitern aller Parteien umlagert, ssie Kaserne zum politischen Diskutierklub werde. Während der zwölf- jährigen Dienstzeit soll den Soldaten eine Ausbildung zutoil wer- den, die sie befähigt, das Rückgrat einer zuverlässigen, von staats- bürgerlichem Pflichtbewußtsein ersiillten Beamtenschast zu werden. In dem neuen Heer wird es OffizicrSaspiranten nicht geben. Nach ein- bis zweijähriger Dienstzeit wird es sich entscheiden, ob der Soldat sich zum Führer eignet oder nicht, und im bejahenden Fall« wird er die Offizierschule beziehen. Der Vorteil der besseren Schulbildung werde sich zwar für die erste Zeit wohl noch geltend machen, bis eben die Einheitsschule geschaffen, aber auch von vorn- herein werde ein begabter und strebsamer Volksschüler die Möglich- feit haben, zu den höchsten Führerstellen zu gelangen. Die künftige Reichswehr soll unserm Staatswesen wieder Halt und Kraft ver- leihen und die Möglichkeit bieten, aus tiefster Erniedrigung wieW zu neuer Blüte und neuem Ansohem zu gelangen. Kleine politische Nachrichten. Das Gesetz gegen die Kapitalflucht ist am Mittwochabend m der dafür eingesetzten Kommission dar Nationalversammlung nach dem Borschlage der Regierung in zweiter Lesung gegen die Stim- men der Demokraten und Deuffchen Vobkspartsi angenommen worden. ES soll mit dem 1. Dezember 1919 in Kraft treten. Ein vertrauenswürdiger Richter. In Frankfurt a. M. fand am Sonnabend eine deutschnatio:mle Versammlung statt, die von dem Landgerichtsdircktor Dr. Held mann mit den Worten eröffnet wurde:«Mit Gott für Kaiser und Reich." Es gibt keinen Kaiser. In der Formel des Dr. Heldmann liegt ausgedrückt, daß er die bestehende republikanische SraatSsorn: nicht anerkennt. daß für ihn der Kaiser noch Herr in Deutschland ist.— trotz des Eides, den er aus die republikanische Staatsverfassung geleistet hat. Wenn Laudgerichtsdirektor Dr. Heldmann es mit seinem Eid vereinbaren kann, den monarchistischen Staatsstreich zu propagieren, so kann auch sein Richiereid, der ihm Treue zu den Gesetzen bei der Urteilsfällung auferlegt, keine Garantie bieten. Tie Bereinigung zur Bekämpfung des Bolschewismus sagt in einem von der„Freiheit" veröffentlichten Werbeschreiben, daß fie „im Auftrage von amtlichen Stellen" eine Nachrichtenorganiftttion unterhalte und zum Zwecke des Ausbaues einer Organisation gegen die Streiks„mit hiesigen Ministerien Fühlung genommen" habe. Hierzu wird amtlich erklärt, daß weder eine Reichs- noch eine preußische Behörde irgendwelche Beziehungen zu dieser Verein" gung unterhalten har noch unterhält. Die amtlichen Stellen des Reichs wie Preußens stehen den Agitationen der Vereinigung nach wie vor ablehnend gegenüber. Die Vereidigung der preußischen Beamten. In der gestrigen Sitzung des Preußischen S t a a t s m i n i st e r i u m s hat die Regierung beschlossen, für die. preußischen Beamten� die gleiche Eidesformel wie im Reiche anzuwenden. Die Beamten sollen noch vor Verabschiedung der preußischen Verfassung zunächst auf die Reichsverfassung vereidigt werden. HewerfflWsbewWmg Fortgang öer verhanSlungen. lieber öie Verhandlungen vor dem Schiedsgericht erhal- > ten wir von der Streikleitung des Metallarbeiterverbandes folgende Bericht: Die Eingruppierung der einzelnen Kate- gorien gestattet sich sehr schwierig, so daß mit der Beendigimg der Einreihung aller Branchen und Gruppen in dieser Woche kaum zu rechnen sein wird. Es finden aus die- sem Grunde Parollelverhandlungen zwischen den VerHand- lungskommissionen des Verbandes der Metallindustriellen und dem Deutschen Metallarbeiterverband statt. Der Haupt- zweck dieser Verhandlungen ist, eine Basis m finden, nach welcher die Wiederaufnahme der Arbeit in An- griff genommen werden kann. Die Unternehmer beabsichtigen bei den Wiedereinstellungen willkürlich zu verfahren. Ganz besonders die Funktio- näre, Arbeiterausschüsse und Betriebsräte' sollen nicht, wie es von unserer Seite gefordert wurde, z u e r st eingestellt wer- den. Wir werden an dieser Forderung festhalten, weil es nach unserer Meinung unbedingt notwendig ist, daß die Be- triebsräte und Arbeiterausschüsse über die Art der Wieder- einstellung in den Betrieben mitbestimmen müssen. Die Unternehmer versuchen auch auf andere Art die Ge- schlossenhert der Streikenden zu durchbrechen. So werden jetzt Postkarten an die Arbeiter versandt, in denen sie zur Auf- nähme der Arbeit aufgefordert werden. Wir fordern unsere Kollegen erneut auf, sich durch derartige Mittel n i ch t i r r e- führen zu lassen und erklären nochmals ausdrücklich, daß in keinem Betriebe auch nur ein Kollege die Arbeit ohne Zustimmung der Fünfzehnxrkommission ausnehmen darf. Jeder Kollege, der anders verfährt, müßte als Streikbrecher betrachtet werden. Wir erklären aber auch weiter, daß von den zirka 160 000 im Ausstand befindlichen Kollegen sich noch niemand gefunden hat, der den Be- mühungen der Unternehmer zum Opfer gefallen ist. Die Kampfesfront der Berliner Metallarbeiter ist nach wie vor eine geschlossene. » Heute, Donnerstag, kommen folgende Gruppen zur Verhandlung: Heizer und Maschinisten vormittags 11 Uhr, Transportarbeiter mittags 12 Uhr, M-etalldrehör- nachmittags 3 Uhr, Eisen- dreher nachmittags 4 Uhr. Am Freitag wird Wer die Einreihung folgender Gruppen der- handelt: Schnittarbeiter vornnttags 13 Uhr, Gürtler und Drücker vormittags 11 Uhr, Motallschleiser und Galvaniseure mittags 12 Uhr, EisenkonstruktionÄ»etriÄ>e nachmittags 3 Uhr, Eisenformer und BerufSgsnossen nachmittags 4 Uhr. Die V erHandlung slornmis sionen, deren Gruppen am Freitag zur Verhandlung kommen, werden ersucht, am Donnerstagnach- mittag, pünktlich um 3 Uhr, im Arbeitsnachweis des Verbands- Hauses, Linienstr. 83/85, zu erscheinen. • Die außerordentliche Generalversammlung der Berliner Verwaltungsstelle findet heute nachmittag 3 Uhr rn der Patzenhofer Brauerei, Eingang Fidicmsteaße, Ecke B elleall iance- straße, statt. Tagesordnung: Bericht über die gegenwärtige Lage. Wir machen darauf aufmerksam, daß Obleute und Streikleiter, die nicht im Besitz« der Ver traueus männerka rte sind, zur General- vsrsamanlung keinen Zutritt haben. Die Ortsverwaltung. « Der Beamten- und Arbeite raus schütz des Pake tp o sta m t s hat in einer Sitzung den streikenden Metall- arbcitern seine volle Sympathie ausgesprochen und ersucht alle Postbeamten und Aushelfer, durch Entnahme von Streik- marken, die zum Preise von.l, 5 und 10 M. im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, und im Metallarbciterverband, Linienstr. 83/85, er- hältlich sind, ihre Solidarität zu betätigen. Ter Streik der Müllkutscher erfolgreich beendet. Der Streik der Kutscher, Mitfahrer und Berladearbeiter bei der WirtschaftSgenosienschaft ist beigelegt. Die Arbeit ist am Mittwoch früh in vollem Umfange wiederaufgenommen worden. Am Dienstag, den 21. d. MtS., hat nochmals eine Ver- Handlung mit der Direktion und dem Aufsichlsrat stattgefunden, wobei eine Einigung auf folgender Grundlage zustande kam: Die Arbeitszeit beträgt für alle Arbeiternehmer acht Stunden. Das Arbeitspensum ist für jedes Gespan» 3 Touren mit je 33Vz Kasten bezw. 100 Kasten pro Tag. Der Lohn beträgt für Kutscher pro Woche 15S,90 M., für Schaffner 145,00, für Verlade- arbeiter 125,10 M., für Stalleute 115.20, Hofarbeiter 95,10 M., Monteure und Kraniührer 135 M. pro Woche. Kutscher, welche mit drei respektive vier Pferden fahren, erhalten 5 M. mehr Lohn pro Woche. DaS Putzen und Reinigen der Pferde an Sonntag Vormittagen erfolgt in wechselnder Reihe olle 14 Tage, und erhalten die Kutscher für diese Tätigkeit S bezw. 9 M. Für das Beschlagen der Pferde werden 2 M. pro Pferd und Monat vergütet. Urlaub wird gewährt nach einem Jahr 6 Tage, dann für jedes weitere Dienstjahr ein Tag mehr bis zu 15 Werktagen. § 816 des B.G.B, findet sinngemäße Anwendung nach den Be- ftimmungen des SchwerfuhrwerksbetriebeS. Außerdem werden den Arbeitnehmern nach vierwöchentlichem Dienstantritt je zwei Arbeits- blusen unentgeltlich geliefert. Für sanitäre Einrichtungen wird Sorge getragen. Der Tarif, welcher auf dieser Grundlage ge- schaffen ist, hat Gültigkeit vom 21. Oktober 1919 bis zum 80. April 1920. Ferner hat noch eine Verständigung zwischen den Streikenden und der Direktion betr. des während des lötägigen Streiks liegen- gebliebenen Mülls auf den Grundstücken dahin stattgefunden, daß die Arbeiterschaft sich verpflichtet hat, diesen Müll innerhalb 14 Tagen mit beseitigen zu helfen. Die WirtschaftS- genoffenfchaft zahlt für diese Mehrarbeit 79 Proz. des jetzt bewilligten Wochenlphnes an jeden Arbeitnehmer. Von diesen 70 Proz. werden den Arbeitnehmern am Dienstag, den 28. Oktober, zunächst 100 M. Vorschutz gezahlt. Den restlichen Teil erhalten die Arbeiter nach 14 Tagen nach Beseitigung deS angehäuften Mülls. Zusammenschluß«ach Gewerbe- oder Industriezweigen. Die Arbeitsgemeinschaft freier Anaeitelltenverbände schreibt unS: DaS Ortskariell Berlin der Afa bat sich in einer Sitzung eingehend mit den vom Vollzugsrat in letzter Zeit deranlaßten organisa- torischen Zulammenschiüffen der Angestellten und Arbeiter einzelner Gewerbezweige eingebend befaßt und isi auf Grund der Funktionär- Versammlungen, wie sie im Lebens- und Gemißmittelgewerbe sowie in der Textil- und Bekleidungsindustrie stattgefunden haben, zu folgendem Ergebnis gelangt: Es wird durchaus anerkannt, daß die Gewerkschaften in ihrem Aufgabenkreis und ihrem Aufbau den neuzeitlichen Bedürfnissen an« gepaßt werden müffen. Die Gewerkschaften sollen vor allem nicht nur Berufsverbände, sondern Klasienkampsorganiiationen sein. Auch mutz der Gedanke der Betriebssolidarität in der Organisationsform mehr als bisber zum Ausdruck kommen. Zu diesem Zwecke haben die freien Angestelltenverbände Fachgruppen gebildet, die alle Angestellten der einzelnen Gewerbezweige erfaffen. Die Gliederung der Fachgruppen soll in allen Verbänden der Afa gleichmätzig durch- geführt werden, so datz die Handlungsgehilfen. Techniker. Werk- meister usw. bestimmter Industriezweige innerhalb der Afa zur engsten Zusammenarbeit befähigt werden. Im Handel wird nach denselben Grundsätzen wrfahren. Der an sich gesunde Gedanke de» Jndultrieorganisation wird hier also verwirklicht, ohne datz die Berufsverbände als solche aufhören, für deren Beibehaltung eine Reihe wichtiger Gründe sprechen. Die organisatorische Verbindung der freien Angestelltenverbände mit den Ärbestergewerkschaftcn soll gleschialls ausgebaut werden. Alle dieie Reformen müsien sich aber innerhalb der Gewerkschaften vollziehen und es wird als grundsätzlich veneblt und bedenklich erachtet, datz neuerdinas auf Beireiben des VollzugsrateS neben den aewerkschastlichen Verbänden neue Arbeit- nebmerorganisationen geschaffen werden. Die bei den Gründung?» Versammlungen abgegebenen Erklärungen, datz eine Zer- trümmerung der Gewerkschaften nicht beabsichtigt sei, ändert nichts an der Tatsache, datz zunächst mindestens eine st a r k e Verwirrung unter den Ange st eilten und Arbeitern angerichtet wird und datz bei einer Fortfiibrung dieser Orgonisaiiansbewegung die gewerkschaftliche Aktionskraft der ge- samten Arbeitnehmerschaft eine bedauerliche Schwächung erfahren mühte._ Tar ifverhandlungen im Malergewerbe. Kürzlich fanden im ReichsarbeitSminilterium erneut Verband- lunaen über eine weitere TeuemnaSzulage im Maleraewerbe statt. Noch umfangreichen Auseinandersetzungen kam eine Vereinbarung zustande, über die die Arbeitgeber- und Gehil'enoraanilationen sich bis 30. Oktober beim R. A. M. erklären sollen. Danach erhalten die Gehilfe» des Malergewerbes in Lohngebieten über 100000 Ein- wobner 40 Pf., in Lohngebieten unter 100000 Einwohner 30 Pf. je Stunde; für Landstädte über 25000 Einwohner, soweit sie nicht Kur- und Badeorte oder Industriestädte sind. 20 Ps.— In 22 Lohngebieten, in denen bisher besonders grotze Unterschiede zwischen den Maler- und Bauarbeiterlöhnen bestanden, wird ein weiterer Zuschlag von 10 Ps. gewährt. Zu diesen Gebieten gehören Berlin, Brandenburg, Waldenburg, Weitzwasier, Geesthacht. Lüneburg. Rostock. Schwerin. Bremen. Hamburg, Altenbura, Meiningen, Weimar. Zeitz, Zittau, Zwickau, Ludwigsburg. Zuffenhausen, Mann- heim-Ludwigshafen, München, Reichenhall. Garmisch-Partenkirchen. Die Lohnerhöhungen sollen bis zum 1. November in Kraft treten. » Magistrats-Hilfskräste. Der Zentralverband der Angestellten schreibt unS: Uns werden Schreiben vorgelegt, unterzeichnet vom Vorstand der Zeniral-Streik- leitnng und dem Angestcllten-Ausschutz der Gemeinde Adlershof, inhaltlich welcher die Kollegen aufgefordert werden, zu den Un- kosten des Streiks bestimmte Beträge einzuzahlen, da.die Kaste der Streikleitung leer ist". Wir erklären hiermit, datz wir mit dieser Aufforderung nichts zu tun haben. Wir warneu im Gegenteil unsere Kolleginnen und Kollegen, sich an diesen Samm- lungen zu beteiligen. Soweit Mitglieder unseres Verbandes in Frage kommen, empfehlen wir ihnen, sich an unS zu wenden. Um eine Kontrolle für die noch aus ge sperrten Kollegen stattfinden zu lasten, gleichzeitig auch, um das gesamte Material für deren Wiedereinftellung zu bekommen, findet am Frei- tag. den 24. Oktober, nachmittags 2 Ubr, eine Versammlung aller noch ausgesperrten Kolleginnen und Kollegen in der Aula des Köll- nilchen Gymnasiums, Jnselstr. 2—5. statt. Es ist Pflicht aller aus« gesperrten Kollegen, dort zu erscheinen. * Die Nichteinsiellung eines Teiles der Bureauhilfskräfte wird in der nächsten Sitzung der Berliner Stadtverordneten- versan�mlung zur'Sprache kommen. Sowohl die Fraktion unserer Parteigenossen wie auch die Fraktion der Unabhängigen haben dahingehende Anträge gestellt. � Tarifbewegung der Angestellten in der Verbandstoff- brauche. Auf Grund der vom Zentralverband der Angestellten bereits Mitte Augilst eingereichten Forderungen wurden endlich in den letzten Tagen vom Arbeilgeberverband der Berbandsmittelherftelle Grotz-BerlinS Verhandlunaen aufgenommen. Zu dem Angebot der Arbeitgeber hat eine am Mittwoch stattgefundene Vollversammlung der Angestellten Stellung genommen. DaS Angebots wurde ein- stimmig abgelehnt und der Zentralverband der Angestellten beauf- trogt, alle werteren Matznahmen zur Erreichung der gestellten Forderungen einzuleiten. Die Verhandlungen sollen heute Donners- tag fortgesetzt werden. Wir hoffen, datz die Arbeitgeber in letzter Stunde die berechtigten Forderungen der Affgestellten anerkennen. damit die von ihnen so sehr gewünschte Ruhe und Ordnung in den Betrieben aufrechterhalten werden kann. Ta�ifabschlnsi der Gastwirtsgehilfen im besetzten Gebiet. In verschiedenen Städten des Reiches versuchen die gastwirt- schaktlichen Unternehmer, die ihnen im ersten Ansturm entriffenen Positionen zurückzuerobern und gehen daran, die.trinkgeldlosen" Tarife zu kündigen, un, an deren Stelle das Prozentsystem, eine Art Akkordarbeit, einzufiihren, die das Trinkgeldsystem verewigen würde, da ja die Kellner die Prozente oder das.Bedienungsgcld* selbst kassieren sollen. Teilweise sind die Gegenangriffe der Unter« nehmer bereits abgeschlagen, an anderen Stellen schweben die Ver- Handlungen noch; aber im be'rzten Gebiet, insonderheit in Köln, konnte die Gehilfenschaft ihrerseits unter Führung des Verbandes der Gastwirtsgehilfen einen entscheidenden Schritt vor» wärts wagen und das Trinkgeldsystem durch Abschlutz eine? Tarifs restlos beseitigen, wobei auch nicht übersehen wnrde, die Frage der Arbeitszeit, der Arbeitsvermittlung und ähnliche Dinge in einer Weise zu regeln; welche den seit der Revolution erzielten Fort- schritten durchaus angepatzt ist. Einem einheitlichen Tarifabschlutz für daS gesamte besetzte Gebiet, welcher ursprünglich beabsichtigt war, standen begreiflicherweise un- iiberwindliche Schwierigkeiten entgegen; doch ist immerhin der für Köln abgeschlossene Tarif inzwischen auch in Bonn in Kraft ge- treten, während in Wiesbaden vor kurzem in einem der ersten Hotels am Platze das gesamte Personal die Arbeit niedergelegt hatte, um sie nach 2 Stunden mit dem Erfolg wiederaufzunehmen. datz seitens der Besitzer die restlose Erfüllung der früher tariflich übernommenen Verpflichtungen zugesichert wurde. Gewerkschaftsmitglieder! Eintrittskarten zur Vorstellung.M inna von Barnhelm" von Lessing für das.Deutsche Theater zum Sonntag, den 26. Ok- tober. nachmittags 2 Uhr. sind zu ermätzigten Preisen in unserm Bureau, Engelufer 16, 1 Treppe, Zinimer Nr. 15, von vormittags 9'/, Uhr bis nachmittags 3Vz Uhr in Empfang zu nehmen. Berliner Gewerkschafts-Koimnission. Von der italienischen Gewerkschaftsbewegung. Die italienische GewerkschastSzentrale beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Anregung, die gewerkschaftlichen Mittel in einem einzigen Bankinstitut zu vereinen, Weiter wurde die Not- wendigkeit betont, bei in Aussicht, stehenden grötzeren Kämpfen vor- her einzugreifen, sowie während derselben eine Kontrolle aus- zuüben und die Leitung zu übernehmen. Man könne nicht niehr damit zufrieden sein, nachdem der Kampf ausgebrochen und das unabweisbare Bedürfnis noch Unterstützung vorliege, nur als Rotes Kreuz in Anspruch genommen zu werden. Die Frage soll dem nächsten Gewerkschaftskongreß vorgelegt werden. Zum Metallarbeiterstreik. Ilutowerk, Siemensstadt. Betriebsversammlung am Sonnabend, den 25. Oktober, vormittags 11 Uhr, bei Kant, Herzstratze. Anschlietzend AnSzabluna. Daimler-Werke. Freitag, 24. d. M., 12 Uhr: Betriebsversammlung im Speisesaal; Funktionäre 10 Uhr: Sperlingslust. Nach der Versammlung Ouittungsunterzeichnung. Bcrgmannwerke Rosenthal. Alle abgegebenen Kontrollkarten find beute bei Emvfang der vrstraimtcrstüvung im Lokal Bohne abzuholen; ferner haben alle Streikenden bei Ablauf der dritten Streikwoche ihre Sweikkarte sofort abzugeben. Kleinbau, Siemens-Schlickert. Heute(Donnerstag): Quittungen unterschreiben und alle Strerkkarten spätestens bis Freitag um l2 Uhr abgeben wegen der Extraunterstühung von 10 M. Geldzahlung Sonnabestd von 1t— 3 Uhr in den bekannten Lokalen. Nachzügler müssen bis Ende nächster Woche warten. Vertrauensleute: DomrcrStag pünktlich lli9 Ubr im Streiklokal. Maffet-Dchwarbkopf-Wildau. Sonnabend, 26. d. M.> vormittags 9 Ubr: Verlanunlung und Zahltag. N. A. G. Am Freitag, nachmittags 2 Uhr, w.MörnerS Blumen- garten", Oberfchöneweidc: Betriebsversammlung. 12 Uhr: Funttionärfitzung im.Bürgerpart", Oberschöncweide. Glüblampenwert 2.«. H. Sonnabend, vormittags: Betriebsversammlung in der.Krone", Ancrlicht. Am Freitag, um 12 Uhr mittags, Warschauer Str. 43/44: Quittungen unterschreiben geben. H. F. Eckert. Am Freitag, mittags 12 Uhr, findet in der Bürgerheim- Straße(Turnballe) eine Betriebsversammlung statt. Voraussichtlich AuS- Zahlung der Slreikgeldcr. Zl. Borfig. Tegel Am Frettag, den 24. d. M., nachmittags 2 Ubr, findet in Hartmmms Brauerei, Rcinickcndois-Wcft, eine Betriebsverlamm- lung statt. Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist dringend erforderlich. LcgiiimationSkarten sind mitzubringen. Wernerwerk Siemens u..Halske! Sämtliche Streikende müssen Freitag, den 24. 10., in ihren Stempelstellen In Siemensstadt die Quittungen unterschreiben. Nur aus unterschriebene Quittungen wird ausgezahlt. Kriegsbesrhädigte des Wcrucrwerts. Versammlung Freitag '/jS Ubr bei Lange. Nonnendamm-Allec, Ecke RciSstrastc. iv.esfingwerk Reinickendorf. Freitag, den 24, 1 Uhr mittags: Versammlung bei Muster, Rtinickcvdors-West, Berliner Str. Deutscher Trausportarbciter-Berband. Transport-, Lagerarbeiter nsw. der Grost-Berltuer Metall- indnstrte. Grohe Streit- und Mitgliederversammlungen am Sonntag, den 26. Ollober 1913 vormittags S>/, Ubr in nachstehenden Lokalen: Für Oberfchöneweidc und Umgegend in Mörners Blumengarten. Over- schöneweide, Ostendltratze; für Lichtenberg und Umgegend j„ Casb Bellcvue, Hauptstt. 2; sür Berlin Osten in den Prachtsälen de» Ostens, Frankfurter Allee 4?; lür Berlin Zentrum GewerkschastSbauS, Engel- ufer 14/15 Saal 4; sür Berlin Norden in FeibelS Festsälen, Kolbcrgcr Str. 23, Brauerei Patzcnboser, Chausseesttatze Ecke Liesenslratze; sür Berlin Süden und südliche Vororte Bockbrancrei, Fidicinstr. 2/3 großer Saal; sür Charlotten bürg und Umgegend VolkShauS, Ro- sinenstr. 3. Zutritt zur Versammlung erhält, wer sich durch seine Streik- karte und Mttglietsbuch ausweisen kann. Ohne Legittmatton keinen Einlaß. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Achtung! Maler»sw. Heute Donnerstag, den 23. Oktober, findet Im GewerklchastshauS, Engcluser 15, abends 7 Uhr, eine Versammlung der Filiale Berlin statt. Aus der Tagesordnung steht die Wahl der Angestellten ES ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. 25. 10. IS.. 10 Uhr . Alt-Moabit. in NeubertS Bicrballen, und Stempeltarten ab- Verantw. kür den redaktian. Teil: Alfred Scholz, Neukölln: kör Anzeigen: Theodo» Stock«, Berlin Verlag: Barwärts-Borlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Borivärts- Buchdruckerei und Berlagsanftall Paul Eiiiaer u. Co. in Berlin, Lindeustr. 8. Hierzu 2 Beilagen. Die Herbst- Preisliste Wird nach ausWirts liqslenfrei zugesandt. Leipziger Straße Ktfnlgstraße Moritzplatz Phologr. Ateliers Porträts Kinder auf nahmen Korsette Korsette ersme Baumwollstoff mit IQ 75 Langetto.........................*€? Korsette ersme Baumwollstoff, extra syjSO lang.......................... �• Korsette ertme Baumwollstoff mit Q1SO Spitzen-Garnitur 2 Halter.......... 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