Nr.844.36.Ichrs. Bezugspreis t WtetenS�cL 9,— Ml. monatLI«— Kl ftri bu Haus, voraus zahlbar. Post» bezug! Monatlich fc— Mi. ejtL gtf »«llungsgedilhr. Unter Kreuzband fttr Drutlchland uud Oesterreich- Ungarn «Lb Ml. für da» lldng« Tu« laut 10 Zb Ml. bei täglich einmal, zustelluna S.25 ML Doltbeftellunae» nehme« an DännnarL Holland. Luremdurg. Schweden u. die Schweiz Eingetragen in die Post-fietrunsts-PretsIist«. Der.Borwärt»' mit der SanntNg» deilage.Volk u. Zeit' erscheint woche»»> täglich zweimal. Sonntag» tmtnaL Telegraonn-Bdreffe: jsojlalbeniafcal Sern«'. Morgen Ausgabe. berliner Vollisblettt. �ISpksnnIo) NnzcigenpretS i Dt»»chtgelvalten, RonpareillezeN» tostet Iba ML»SIeln» Ainzalgen-, da» lettged ruckte Wort«ist Big.(zulässig i> fettgedrulite Worte). lebe» wrller» Wort*0 Lsg Stellengesuch« und Schlasstellenanzeigen das erste Wort A> Big. ledee weitere Wort Z0 Pfg. Worte niict 15 Buchstaben zählen für »wet Wort«. Teuerungszuschlag 50"/» Familien. 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Bethmann Hollweg stand damals vor dem Grafen Bernstorff als ein Abtrünniger, er hatte cnt- gegen seiner besseren Ueberzeugung seinen Kniefall vor den Apostel des unbeschränkten U-Boot-Krieges getan und sühlte sich verpflichtet, sich vor dem früheren Gesinnungs- genossen, den er im Stich gelassen hatte, zu rechtfertigen. Die deutsche Kriegspolitik hatte an einem Kreuzweg gestanden: Entweder sie hielt sich in der Verteidigung, bis ein Aus- gleichsfrieden zu erreichen war, oder sie steuerte unter Wasser auf den„deutschen Frieden" bin. Herr v. Bethmann halte in ungezählten Gesprächen mit Vertretern der sozialdemokratischen Fraktion beteuert, daß der erste Weg wie der ihre so auch der seine sei, und er hatte seinen Bot- schaster in Washington solange ermuntert, auf ihm fest zu bleiben, bis er selber aufhörte, es zu sein. Der Botschafter ist zurückgekehrt, nachdem seine Mission gescheitert ist, er weiß, daß damit alles verloren ist, denn er kennt die un- erschöpflichen Kräfte des neuen Gegners. So mag er mit einem vorwurfsvollen Blick seinen Herrn und Meister ge- troffen haben, als dieser folgende Entschuldigung stammelte: Wilson? Vermittlung ist in Deutschland so unpopulär, daß ich damit im Reichstag nicht durchgekommen wäre. Es würde mir die Sozialdemokratie sich damit emverstaiiden erklärt haben und keine andere Partei. Einen sogenannten faulen Frieden konnte ich auch nickt schließen, ohne die letzte Waffe zu gebrauchen, die im deutschen Volke als die schärfste betrachtet wird, und von der es glaubt, daß sie zum Sieste führt.' So sprach der Mann, der deni Namen nach für Deutschlands Politik im Kriege die Verantwortung trug! Nichts von eigener Ueberzeugung, nichts von Versuchen, sie durch- zusetzen. Nur die tatsächliche Feststellung, daß allein die Sozialdemokratie den Versland behalten hatte, und daß die andern alle mit verrückt geworden waren. Das Volk glaubte an den U-Boot-Krieg. Ja, mit Verlaub, wer hatte denn alles verrückt gemacht, wer hatte das deutsche Volk an den U-Boot-Krieg glauben gemacht? War eS denn dem deutschen Volk überhaupt erlaubt, und war es ihm irgendwie möglich, sich während deS Krieges von der Bedeutung eines KilegsmittelS begründete Vor- stellungen zu machen? Wenn nicht„das Volk", aber doch weitere Kreise des Volkes an den U-Boot-Krieg glaubten, so doch nur deshalb, weil ihm aus dem großen Pumpwerk der öffentliche» Meinung dieser Glauben durch alle Röhren ein- gepreßt wurde. Der ganze Apparat der öffentlichen MeinungS- mache stand aber unter amtlicher Kontrolle. Hätte man die Propaganda des unbeschränkten U-Boot-Kriegs verboten, ja hätte man die Preffe vor ihr gewarnt, statt sie mit allen Mitteln zu fördern, nie wäre daS deutsche Volk diesem Irrlicht nachgelaufen I Wir haben den unbeschxänkten U-Boot-Krieg und durch ihn die Niederlage bekommen, weil die Politik nicht von den ver- antwortlichen Politikern, sondern von den unverantwort- lichen Militärs gemacht worden ist! Der Verstündigilngsfrieden war angesichts der Uebermacht der Gegner gewiß schioer zu erreichen, aber er war keine Illusion, wenn es nur gelang. Amerika aus dem Spiel zu halten. Bald nach der Erklärung des U-Boot-Kriegs erfolgte der Zusammenbruch Rußlands. Gab eS damals keinen U-Boot-Krieg H»b wurde mit Rußland ein Frieden geschlossen, der den Westvölkern ein lockendes Beispiel war und kein ab- schreckendes wie der von Arest-LitowSk, dann war dem Frieden ohne Sieger und Besiegten, dem besten für Deutschland erreichbaren, der Weg gebahnt. Das war die Politik, die die Sozialdemokratie wollte. Die Sozialdemokratie war nicht stark genug, sie durchzusetzen. Ludcndo.rff triumphierte. Er hatte die Sozialdemokratie besiegt und sühlte sich als Sieger, nicht ahnend, daß er durch diesen Sieg seine und Delitfchlands Niederlage besiegelt hatte. Dieser große General, dessen Größe bei näherer Betrachtung immer mehr zusammen- schrumpft, steht am 4. Mai vor Bernstorff und redet daher wie ein eitler Schwätzer:„Sie haben Frieden in Amerika machen wollen?... Ja, aber wir haben nicht ge- wollt. In drei Monaten ist England fertig." Dieses prahlende Gerede vollführt der große General am 4. Mai 1917. ändert- halb Jahre vor seinem Geständnis, daß wir fertig sind. DaS verhaßte Teutschland sammelt die Nufmerksamkeit der Alliierten noch immer. In oiescm Punkte sind sie einig und auch entschlosicn. Ter Skandal der Hungerblockade ist wieder aufgelebt. Wir befinden uns nicht mehr im Kriege mit der Entente. Aber die unschuldige Bevölkerung Deutsch- lands wird erneut durch Maßnahmen, die selbst der Krieg nicht ihres grausamen Charakters entkleiden kann, in Sorge und Not versetzt. Weil im Baltikum deutsche Soldaten den Befehlen der deutschen Regierung nicht gehorchen, weil durch die Schuld der Entente der Regierung alle Machtmittel genommen sind, sich Gehorsam zu erzwingen, wird die deutsche Bevölkerung erneut durch das Verbrechen der Blockierung eines Teiles der deutschen Küsten bedroht. So wird uns gewaltsam jede versöhnliche Regung aus der Brust gerissen, so wird Wasser auf die Mühlen der Chauvinisten uud Rc- vanchepolitiker getrieben. Weil der Gegner, die Ostsee blockiert, hat die deutsche Fischfängerei täglich mehrere Tausend Zent- n e r A u s s a l l. Dadurch werden die Fischer ohne Schuld finanziell und daö.Polk in seinen Ernährungsintcrcsseu ge- schädigt. O st p r e u ß e n läuft Gefahr, für den Winter k e i u e K o h l e n zu haben, wenn nicht sofort die Blockade aufgehoben wird. Wir habru kein Eisenbahnmaterial für den Kohlen- transport nach dem Osten. Bald tritt Frost ein, dann ist auch der Seeweg bis ans weiteres nicht mehr benutzbar. Tic Verschiffung von Kartoffeln für Mittel- deutschland ist nnterbunden. FleiW und Kartoffeln vom Aus- lande bleiben aus. Erze für unsere Industrie sind uicht mehr heranzubringen. Tie Schiffahrt durch den Kieler Kanal ist gesperrt. Uud dabei scheint eS, als ob eine weitere Verschärfung der Lage geplant ist. Denn die Ententekriegsschiffe in der Ostsee sind an Zahl verstärkt worden und in Kopenhagen sind kürzlich 7 Kriegsschiffe für den Handelskrieg in der Ostsee ringe- lausen. Nach Lage der Dinge sind sie für eine Verwendung gegen Rußland unmöglich. Teun dies ist von der Ostsee fak- tisch schon abgeschnitten. Die Entente spielt sich als Friedensbringerin auf. Sie lasse uns in Frieden? Damit würde sie den erste« Schritt für einen wirklichen Frieden tun. Dieser Bramarbas lenkte Deutschlands Schicksal, während der arme Bethmann daneben hilflos zappelte und sich auf das arme, unwissende, absichtlich in Unwissenheit gehaltene Volk ausredete, das den U-Boot-Krieg gewollt hätte. Damals war Amerika schon im Krieg mit uns. Am 14. März, als Bernstorff heimkehrte, war der Krieg noch nicht erklärt, nur die diplomatischen Beziehungen waren abge- brochen. Empfand man im Großen Hauptquartier das Be- dürfniS, den zurückgekehrten Botschafter zu sprechen, um mit ihm zu beraten, wie der drohende Schlag vielleicht doch noch abgewehrt werden könne? I wo! Um die Amerikaner machte man sich keine Kopfschmerzen, die konnten ja erst in einein Jahre da sein, aber in drei Monaten Ivar alles zu Ende! In der Zeit, in der eS in Deutschland noch MajestätS- beleidigungsprozeffe gab, tuschelte man einander die Scherzfrage zu:„WaS ist der Unterschied zwischen dem lieben Gott und Wilhelm II.?" Antwort: „Der liebe Gott weiß alles. Wilhelm II. aber weiß alles besser!" Im Großen Hauptquartier wußte man alle? besser, so lange, bis man weder ein noch aus wußte. Der Botschafter stand sechs Wochen wartend vor der Tür. der Kanzler galt nur, wenn er tanzte, wie gepfiffen wurde. Draußen aber, weit draußen standen die Sozialdemokraten, die„vaterlandslosen Gesellen". Sie hatten das Vaterland retten wollen, und sahen klar, wo alle andern im Taumel rasten. Sic standen draußen und mußten schließlich einsehen, daß ein Vaterland, das s o geführt ivlirde, nicht mehr zu retten>var. Det Sitzungsbericht., In der fortgesetzten Vernehmung de» Grafen Bernstorff bitict Vors. Warmuttz den Grafen Bernstorff nun über die Borgänge nach der S e u a l S b o t s ch a s t zu berichten. Graf Bernstorff: Ich habe ein Telegramm von House be- kommen, möglichst rasch nach New Uork zu kommen. Ueber die Unterredung habe ich lclegraphtsch berichtet. Referent Siuzheimrr verliest das Telegramm. In diesem wird erklärt, daß eine Einmischung in territoriale Fragen seitens Amerikas nicht beabsichtigt sei. ES wird um die Mitteilung der deutschen FrirdenSbedingungen ersucht. Wilson habe erklärt, daß wir moralisch verpflichtet seien, unsere Bedingungen bekannt zu gebe«,«eil fie sonst nicht als ehrlich angesehen würden. Wilson sei bereit, sie der ganzen Welt mitzuteilen, und er sei überzeugt, daß damit der Weg zur Friedenskonferenz ge- ebnet würde. Er wäre sehr erfreut, wenn es auf der Grundlage seiner Senatsbotschaft zu der Friedenskonferenz-kommen würde. Er hoffe, daß das so rasch geschehen würde, daß unnötiges Blut- vergießen vermieden würde. Der Referent Sinzbeimer stellt dann fest, daß dem Grafen B e r n st o r f s am 16. Januar offiziell vertraulich mitgeteilt wurde, daß der U-Bootkrieg beschlossen sei. am 3l. Januar sollte er eine.e n t s p r e ch e n d e Note über» geben. ES heißt in dem Telegramm weiter, daß wenn jetzt der U-Bootkricg ohne weiteres, begonnen würde, der Präsident daS als einen Schlag ins Gesicht empfinden würde, und daß der Krieg mit den Bereinigten Staaten unvermeidlich und eine Beendigung des Krieges unabsehbar sei, da die Machtmittel der Vereinigten Staaten trotz allem, was man darüber sage, sehr groß seien. Durch die Konferenz würden wir einen besseren Frieden erreichen, als wenn sich die Vereinigten Staaten unseren Feinden anschließen würden. Graf Bernstorff: Am 30. Januar habe ich die Friedens- beding», igen sofort dem Obersten House mitgeteilt und am nächsten Tage die Erklärung deS ll-BootlriegeS überreicht. Dann habe ich mit niemand mehr verhandelt. Referent Sinzheimcr verliest dann das Telegramm deS Reichs- kanzlerS von Bethmann Hollweg auf das Telegramm des Grasen B e r n st o r s f. Der Graf wird gebeten, dem Präsidenten den Dank der kaiserlichen Regierung für seine Mitteilungen auszu« sprechen. Wir brächte« ihm v o II e S B e r t r a u en entgegen und bäten ihn, auch uii§ gegenüber das Gleiche zu tun. Deutschland ist bereit, die von ihm vertraulich angebotene FrirdenSvermittlung herbeizuführen und eine direkte Konjercnz der Kricgsührcnde» anzu- nehmen. ES wird seinen Vcrbüudrtcii daS Gleiche empfehlen. Eine öffentliche Bekanntgabe unserer FriedenSbedingungen ist jetzt uu- möglich, nachdem die Entente FriedenSbedingungen veröffentlicht hat, die ans eine Entrechtung und Vernichtung Teutschlands und seiner BundeSgeiioffen hinauslaust», die vom Präsidenten mich selbst als nnmöglich bezeichnet würden; als Bluff könne» wir sie nicht auf- faffen, da sie mit den Reden übereinstimmen, die von den feind- lichen Machthaber» vor- und nachher gehalten worden sind. Solonge diese Bedingungen aufrechterhalten werden, würde eiue öffentliche Bekanntgabe unserer FriedenSbedingungen als Zeichen der Schwäche angesehen werden und zur Verlängerung deS Krieges beitragen. Nm Wilson einen Beweis unseres BertrmienS zu geben, teilen wir ihm ganz ansschließlich für seine Person die Bedingungen mit, unter denen wir bereit gewesen wären, in Friedensverhandlungen eiuzu« trete», falls die Entente»nser Friedensangebot vom 12. Dezember angenommen hätte. Diese Bedingungen sind: Rückerstattung deS von Frankreich besetzte» Teils von Ober- Elsaß. Gewinnung einer Deutschland und Polen gegen Raß- laad strategisch nnd wirtschaftlich sichernden Grenze. koloniale Restitution in Form einer Berständi- gung, die Deutschland einen seiner Bevölkerungszahl und der Bedeutung seiner wirtschaftlichen Interessen entfprclheaden Kolonialbesitz sichert. Rückgabe der von Deutschland besetzten französischen Gebiete unter Borbehalt strategischer uud wirt- schaftlicher Grenzberichtignngen sowie f i n a n- z i e l l r r Kompensationen. Wiederherstellung Belgiens unter bestimmten Garantie» für die Sicherheit Deutschlands, welche durch Berhandlungrn mit der belgische« Regierung frstznsteven wären. Wirtschaftlicher und finanzieller Ausgleich auf der Grundlage des Austausches der beiderseits-eroberten nnd im Friedensschluß zu restituierenden Gebiete. Schadloshaltung der durch drn Krieg geschädigten d c n t- scheu Unter nehmnnge» und Privatpersonen. Verzicht auf alle wirtschaftlichen Abmachungen nnd Maß- nahmen, welche ei» HittderniS für den normalcn Hand et un» Berkehr nach Friedensschluß bilde» würden unter Abschluß cnt- sprechender Handelsverträge. Sicherstcllnng der Freiheit»er Meere. Die Friedensbedingung?» uuscrer Bcrbändeten, so beißt eS weiter, bewegten sich, in Uebereinfiimmung mit unseren Anschau- ungcn, in gleich mäßigen Grenze». ES wird dann weiter erklärt, daß Deutschland bereit sei, in die in der SenatSbotschafl erwähnte iiiternationale Konferenz einzutreten. Ferner wird betont, wenn daS Angebot Wilsons mir wenige Tage vorher eriolgt wäre, io hätten wir den Beginn des neuen U-Bool-KrisgeS vertage» können; jetzt sei eS hierzu aus technischen Gründen leider zu spät. Es seien militärische Vorbereitungen getroffen, die nicht mehr rückgängig zu macknin seien und bereits U-Boote mit neuen Jnstruklionen ausgelaufen. Wir feien jederzeit bereit, den Bedürfnissen Amerikas Rechnung z» tragen. Wir bitten den Präsidenten, seine Bemühungen Wieb« zofzunehmen und fortzu- setzen und find zur Einstellung deS U-Bo»tkriegeS bereit, sobald volle Sicherheit geboten ist. daß die Bcinühungeil des Präsidenten zu einem jür uns annehmbaren Flieden führen könnten. Vors. Warmuth: Wie haben Sie diese Jnstruklion zur AuZ- Dihrung gebrackt? Graf Bcrnstorss: Ich babe alleZ, was sich«mf den Frieden 15c* ?og, sofort dem Obersten Housc mitgeleill, so dost er in der Lage war, den Präsidenten unterrichten. Nach dem Stand der Skr- hältnisse in Amerika war es vollkommen nuSzrschlossen, daß nach der Erklärung des uneingeschränkten U-AootkriegeS nachher noch verhandelt wurde. Bors. Warmuth: Sie haben keine Versuche mehr in dieser Richtung gemacht? Graf Bernstsrff: Ich habe es versucht und in derselben Weise wie immer verhandelt, aber es ist weiter nichts erfolgt. Vors. Warmnth: Exzellenz kehrten dann nach Deutschland zurück? Graf Berustorff: Am 3l. Januar abends habe ich die U-Boot- note übergeben. Ich war überzeugt, dast keine andere Lö- s u n g mehr möglich war. Ich habe daher den Befehl zur Zerstörung der deutschen Handelsschiffe schon am 31. Januar, früh 10 Uhr auSgesandt, da ich sicher war, daß am Abend e? zu spät sein würde. Um sieben Uhr abends waren sie auch bereits von der amerikanischen Polizei besetzt. Abg. Dr. Sinzheimcv: Am 18. Januar ist Ihnen ein Telegramm Zimmermann zugegangen, in dem Sie gefragt werden, welcher Botschafter die Interessen der Deutschen im Falle des Abbruchs der Beziehungen übernehmen würde. Vors. Warmnth: Faßten Sie da? als Beweis auf, daß man in Deutschland einen baldigen Abbruch der Beziehungen erwartete? Graf Bernstorff: Ich wieS seit eineinhalb Jahren darauf hin, daß der U-Boot-Krieg denBruch bedeutete; ich nahm also doch an, daß man in Berlin daraus gesaßt war. Abg. Dr. Sinzheimer: Am 16. Januar erhielten Sie ein Tele» gramin, in dem es hieß: „Ich bin mir wohl bewußt, daß wir mit unserem Vorgehen Gefahr lausen, den Bruch und möglicherweise den Krieg herbeizuführen. Wir sind entschlossen, dieses Üiisilo auf uns zu nehmen." Der Referent fügt hinzu, man hat also wohl mit der Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit des Bruchs in Berlin gerechnet. Vors. Warmnth: Wahrscheinlichkeit geht wohl zu weit. Graf Bernstorff: Ueber irgend etwas, was in Berlin geschehen ist, kann ich nichts aussagen. Vors. Warmnth kommt dann zurück auf die bereits verhandelten Aeußerungen Wilsons im Senat, die nach dem englischen Original nachgeprüft werden sollten. Es wird sestgestelll, daß Wilson tat- sächlich entsprechend den gestrigen Aussagen die Ansicht geäußert halte, daß Amerika wahrscheinlich sowieso in den Krieg hineingekommen wäre. Referent Dr. Sinzheimer: Es wurde Ihnen ft» der amerikanischen Presse der Borwurf der Doppelzüngigkeit gemacht. Es wurde gesagt, Sie hätten die Verhandlungen über die FriedenSvermittlungen nur geführt, um die Vorbereitungen zum U-Boot-Krieg zu verschleiern. Graf Bernstorff: Es ist klar, daß ich unbedingt an diese Friedensvermitllung geglaubt babe, und daß ich bis zuletzt ge« glaubt habe, daß ich dabei�den Intentionen der deutschen Regierung entspreche. Referent Dr. Sinzheimer: Sie haben in einer Zeitschrist zum Ausdruck, gebracht, daß es sich in Berlin um den Kampf zweier Parteien handelte, von denen die eine den U-Boot- Krieg wollte, die andere nicht. Graf Bernstorff: Ich habe die Meinung hauptsächlich gehabt in der Zeit zwischen dem.Lusitania�- und dem„Silsie�-Fall, weil eS sich da- mals darum handelte, welche Richtung die Oberhand gewänne. Stach dem.Sussex"-Vorfall habe ich allerdings geglaubt, daß die Richtung, mit der ich harmonierte, und die den U-Boot-Krieg nicht führen, sondern mit Amerika verhandeln wollte, endgültig das Uebergewicht gewonnen hätte. Vors. Wnrmuth: Haben Sie bei Ihrer Rückkehr nach Deutsch- land infolge der Art des Empfanges im Hauptquartier geglaubt, Schlüsse ziehen zu können? Graf Bernstorff: Wen» ich unter dem Eid gefragt werde, so muß ich antworten, daß ich allerdings die Erklärung deS U-Boot- Krieges als einen vollkommene» Sieg der miitärische» Richtung au- gesehen habe. Vors. Wnrmuth: In welcher Form haben Sie Gelegenheit ge- habt, Ihre Aussassungen als Botschafter an die höchste Instanz zu bringen? Slätter für Kriegsromantiter. Von Heinrich G o e r e S. Vor dem Anhalter Bahnhof gehen drei italienische Soldaten an nrir vorüber. Der nordische Wind pfeift ihnen rücksichtslos um die Ohren. Trotzdem schwatzen die beiden untersetzten Gemeinen ganz lustig. Der vor ihnen schreitende Chargierte, lang aufgeschossen und tzünn. birgt das dürftige fahlgelbe Gesicht in den Mantelklappen. Schwärzliche Aeuglein stoßen über der stumpfen, durchaus unlalei- nischen Nase spitz und hungrig in die Ferne. Großer Gabriela, teurer Verkünöer des Ruhmes, tvarum schlugst du deine Dichterfänze in die Stadt Finme, ohne mich mitzunehmen? Das tvar nicht gut getan, Herr Rübchen, du hättest tvarten sollen, bis ich von meinem Kommando aus dieser vermaledeiten besiegten Gegend zurück gewesen wäre! Sagten das die suchenden Augen? Oder dachte der Mann gar nicht an das gegen den Kürbis Wilson aufbegehrend! Rübchen, son- dern an eine breithüftige Luzia oder Perpetua, die niedergeschlagen vor dem Madonnonbild kniet und für ihren Gniseppe betet, den das Schicksal in die Wüsteneien der. Barbaren verschlug? Merkwürdig, wie oft diese harmlosen italienischen Menschen sich von posierenden Burschen mißbrauchen, von kindischer und ge- wissenloser Gier nach kriegerischen Ehren in Abenteuer führen lassen. Das Volk blutet und wird ärmer, die Schufte bereichern sich. Aber tver wird sich über Italien erregen? Wird anderswo nicht dasselbe Spiel getrieben? Kehre jeder vor der eigenen Tür. Im vorletzten Winter begegnete ich einem langen Zuge von Landslenten dieses gedankenvollen Sergeanten. Ebensalls in Berlin. Sie wurden als Kriegsgefangene vom Lehrter Bahnhof abtranSpor- ttert. Jeder mit einem Zwillichsack um die frierenden Schultern. Grünbleich und verfallen, wie eine Prozession von Gespenstern, patschten sie wdeSmatt durch den gehässig cm ihnen emporspringendon Schnee kot. Ein erschütternder Anblick. Später sah ich andere, die sorgsame Weisheit zum Aufhacken eisbedeckter Strahenzüge aus- gelvählt hatte. Die mühten sich an der ungewohnten Arbeit mit dem Ausdruck Verurteilter, die vor der Hinrichtung die eigene Grube graben. Heldentum im vorletzten Akt. Weggewischt die Gloriole des Reckentums, hineingezerrt in den Schinutz der Sklaverei. Alt- hergebrachtes Los deZ zu Kriegszügen gezwungenen einfachen Mannes. * Vor einigen Wochen überraschte ein Berliner Jung« plötzlich seine Mutter in ihrer Wohnung. Halbnackt, verhungert, erschöpft kehrte er heim aus italienischer Kriegsgesangenschaft. Mit einigen Kameraden entfloh er. Sie schlvoren sich, eher zu sterben, als sich einsangen zu lassen. Mehrere von dem Dutzend gingen unterwegs zugrunde, einer, ein Familienvater aus Dresden, sprang aus dem fahrenden Zuge, als er gestellt wurde. Seine Leiche blieb in Stücken liegen. Hanptanlaß zur Flucht war andauernde körperliche Mißhandlung. Harte Arbeit, klägliches Essen, Krankheit und Stock- Graf Bernstorff: Ich habe am ersten Abend nach meiner Rückkehr eine Unterredung mit dem Reichskanzler von B e t h- mann Holl w e g gebabt. Vors. Warinuth: War was Wesentliches dabei? Graf Bernstorff: Es ist wohl besser, wenn Herr von Beth- mann das selber angibt. Auf Wunsch des Vorsitzenden gibt aber Graf Bernstorff Auf- schluß: Herr von Bethmann Hollweg hat mir damals die Gründe angegeben, weshalb er die amerikanische Vermittlung nicht ange- nomnren hat. Der erste Grund war, daß Wilsons Vermittlung in Deutschland so unpopulär wäre, daß er damit im Reichstage nicht durchgekommen wäre. Es würde nur die sozialdemokratische Partei sich damit rinverstande» erklärt haben und keine andere.(Bewegung.! Weiter erklärte der Kanzler, er konnte einen sogenannten funken Frieden nicht schließen, ohne die lebte Waffe zu gebrauchen, welche im deutschen Volke als die schärfste und beste betrachtet würde, und von der er glaubte, daß sie zum Siege sühren würde. Vors. Warmuth: Wir werden später noch darauf zurückkommen. Auf eine Anfrage des Abg. Katzen st ein(Soz.) erklärt Graf Bernstorff, daß nach seiner Anficht Wilson vor, der Erklärung des U-Bool-KriegeS die moralische Ueberzeugung von der Ungerechtigkeit des deutschen Krieges nicht gehabt hall Vors. Warmuth: Wann waren Sie beim Kaiser nach Ihrer Rückkehr? Graf Bernstorff: Sechs oder fieven Wochen nach meiner Heim- kehr.(Bewegung und Heiterkeit.) Vors. Warmuth: Schien Ihnen da? ungewöhnlich zu sein bei der Wichtigkeit Ihrer Mission? Graf Bernstorff: Es schien mir damals so. Vors. Warmuth: Glauben Sie, Gründe dafür in der Person des Kaiser? zu kennen? Gras Bernstorff: Es sind mir damals Gründe genannt worden. die ich nicht für sehr ausschlaggebend hielt. ES handelte sich wohl nur um die verschiedene politische Auffasiung. Vors. Warmuth: Sind die Gründe derart, daß sie verdienen, von Ihnen vorgetragen zu werden? Graf Bernstorff: Es handelt sich um zwei Gründe. Als wir von New Dork abrersten, hatte der schwedische Gesandte einen Koffer mit schwedischen Depeschen auf unser Schiff bringen lasien, von dem wir gar nichts wußten. Nachher wurden wir in Halifax 12 Tage angehalten und genau untersucht. Die Engländer beschlag- nehmten den Koffer. Er wurde nach London georacht und dort ge- öffnet. Die englischen Zeitungen behaupteten damals, eS handele sich um einen Koffer von mir. ES hat damals die Vermutung be- standen, daß in diesem Koffer sich auch die Depeschen der Botschaft befanden, und zwar das mexikanische Telegramm Zimmermanns, das dadurch bekannt geworden wäre. Jedenfalls hat der Kaiser geglaubt, daß ich einem Koffer mit solchen Depeschen nicht die ge- nügende Sorgfalt geschenkt habe. Vors. Warmuth: Und der andere Grund? Graf Bernstorff: Der Kaiser hatte mir einmal in Konstant!- nopel auf einer Bosporusfährt den Vorwurf gemacht, daß iw daran schuld wäre, daß ein Mann wie Gerard amerikanischer Botschafter in Berlin geworden sei. Ich habe damals geantwortet, daß die Ernennung Gerards mir erst nach vollzogener Wahl bekannt ge- worden wäre, und daß ich nicht mir der Empfehlung. Gerard abzu- lehnen, eine Verstimmung mit Amerika hervorrufen wollte. Außerdem muß ich doch sagen, daß wir damals noch nicht>m Kriege waren, daß ww den Krieg nicht voraussabetr. und daß mir daher die Persönlichkeit Gerard nicht gefährlich erschien. Abg. Dr. Schäcking(Dem.): Haben Sie Gründe für die An- nähme, daß Ihre ganze Bermittlungstätigkeit in Amerika in Deutsch- land von den Kreisen, die für den unbeschränkten U- Bootkrieg ar- beiteten, mißbilligt worden ist? Haben Sie insbesondere diesen Eindruck gewonnen aus persönlichen Besprechungen mit militärischen Stellen, wie General Ludendorff, oder mit anderen Herren des Hauptquartiers? � Graf Bernstorff: Ich hatte am 4. Mai eine Unterredung mit General Ludendorff, auS der ich den Eindruck gewann, daß ihm meine Tätigkeit uner- wünscht und unsympathisch«ar. Abg. Dr. Schücking fkägt nach näheren Mitteilungen darüber. schlage jeden Tag. Sinnlose Schläge, ohne Grund, mit idiotischer Grausamkeit. Ein beinahe fünfzigjähriger deutscher Sanitätssoldat, aus französischer Gefangenschaft zurück, zeigte mir seinen Rücken. Braun unid brau unterlaufen, mit Striemen, Narben und Verletzungen bedeckt vom Nacken bis zu den Lenden. Hiebe bei Ermattung, bei Unwohlsein, bei mangelnder Nahrung, vor der Arbeit, bei der Arbeit, nach der Arbeit. Ein Offizier, zesiweiliger Kommandant, tat sich so hervor bei dem Prügeln, daß die über seine Schamlosig- keit empörten Bauern ernes französischen Dorfes den Feigling schließlich niederschlugen und fast zerrissen. Glaubt jemand, es werden Einzelfälle hier erzählt? Der er- kundige sich bei den heimkehrenden Gefangenen, und er wird die furchtbare Regelmäßigkeit kennen lernen. Glaubt jemand, nur Italien und Frankreich sollten schlecht gemacht werden? Der erforsche die Wahrheit über die Erlebuiffe der Gefangenen in allen beteiligten Ländern. Wenige rühmliche Ausnahmen wird er finden. Sie sind auch gar nicht rühmlich, es ist nicht bemerkenswert, wenn ein Mitmensch kein Halunke und kein sadistischer Verbrecher ist. Der Franzose Barbusse riß mit entschlossener Faust den Schleier nieder von dem schauerlichen Gebilde des Kriegs unserer Zeit. Stendhal, Zola, Berta v. Suttner versuchten das gleiche früher mit geringerem Erfolg. Wer Augen hat zu sehen und sehen will, muß die Schmach, die Verkommenheit erkennen, die sich hinter den mit mancherlei romantischen Trugbildern bemaltckn Vorhängen birgt. Die an den Gefangenen verübte Niedertracht stinkt zum Himmel. Wird es Maulfechtern, Bänkelsängern, blutigen Ehrgeizigen und steinernen Egoisten nochmals gelingen, die Schleier zu heben und den Moloch zu verdecken, damit neue Opfer blind in seinen Schlund geführt weiden können? * Bei vorurteilsloser Betrachtung schrumpft der Unierschied zwischen der Tat des Mörders, der einen Menschen durch Arsenik auS dem Wege räumt, und dem Bestreben, ganze Bataillone Soldaten mit Giftgasen zu töten.' Die moralische Vergiftung, die sich in den verflossenen fünf Jahren an den Völkern vollzog, steht vor dem Gerichtshof der Gesittung um eine Stufe tiefer. Vor dem Kriege heiratete ein deutscher Beamter eine Französin. Im Jahre 1914. zog er ms Feld. Die Frau brachte unter den in Berlin besonders harten Entbehrungen ihre vier unmündigen Kin- der anständig durch. Ihre eigene Gesundheit geriet dabei ins Wanken. Seit damals kam kein Zeichen zu ihr von dem in Nord- ftankreich lebenden alten Vater, von der ihr stets wohlgesinnten Stieftnutter. Ihre Sehnsucht verzehrte sie fast. Jetzt, da mit dem Frieden der Mann, wenn auch dauernd verletzt, wieder da ist, rich- tele sie sich einigermaßen an der Hoffnung auf. von ihrem Vater zu vernehmen, ihn vielleicht sehen zu können. Wie der Blitz schmettert sie d:e eingehende Botschaft nieder. Die Stiefmutter schreibt, der Vater sei gestorben aus Gram über dw Vernichtung Graf Bernstorff: General Ludenborff empfing mich mit den Worten:„Sie wollten in Amerika den Frieden machen, Sie dachten wohl, wir wären zu Ende." Darauf habe ich erwidert: „Nein, ich glaube nicht, daß wir schon zu Ende sind. Aber ich wollte den Frioden machen,' bevor wir zu Ende sein werden." Darauf hat mir General Ludendorff geantwortet:„Ja, aber wir wolle» nicht.(Bewegung.) Wir werden jetzt durch den A.- Bootkrieg die Sache in drei Monaten beende n."(Bewegung.) Darauf habe ich gefragt, ob er s i ch e r wäre, den Krieg in drei Ättinaten beenden zu können. Er hat er- widert, er hätte wenige Stunden vorh«! ganz bestimmte Nachrichten bekommen, daß England unter keinen Umständen den Krieg länger als drei Monate aushalten könne aus Mangel an Lebensmitteln. General Ludendorff fragte»nich dann, wann nach meiner Ansicht Amerika mit ernsthaften Streitkräften in Europa erscheinen könnte. Ich antwortete, daß dies nach einem Jahr etwa der Fall fein würde. Wenn er glaube, mit dem U.-Bootkrieg den Welttrieg beenden z« können� müsse es vorher geschehen. Darauf antwortete General Ludsn- dorff:„Ein Jahr brauchen w i r nicht, wir werden mit dem unbeschränkten U.- Bootkrieg vorher fertig werden.(Ernoute Bewegung.) Sachverst. Professor Bonn: Welches war das Ergebnis der Untersuchung wegen der mexikanischen Depesche? Graf Bernstorff: Ich glaube, die Untersuchung hat überhaupt kein Ergebnis gehabt. Nachträglich ober ist bei mir kein Zweifel mehr darüber gewesen, baß unsere sämtlichen Depeschen von Eng- land entziffert worden sind. Professor Bonn: Sie glauben also, daß die Entzifferung der Mexikodepesche erfolgte auf dem Wege zwischen Deutschland und Amerika, nicht nachher auf dem Landweg von Amerika nach Mexiko? Graf Bernstorff: Ich kann nur wiederholen, daß England unsere sämtlichen Depeschen abgefangen hat. Abg. Dr. Spahn(Zentr.): Den Mexiko-Zwischenfall hat uns Staatssekretär Zimmer ma n n etwas anders dargestellt. Er wird später darüber zu hören sein. Weshalb konnte England aber die Depeschen entziffern, warum wurden die Chiffren nicht geändert? Graf Bernstorff: Die Chiffren sind selbstberständlich während des Krieges häufiger gewechselt worden als sonst. Aber die Verständigung mit der Heimat war eben schwer. Zuletzt brachte uns die„Deutschland" zweimal neue Chiffren. Abg. Dr. Spahn: Sie kennen den Bericht, den Herr v. Haniel über die amerikanischen Hilfsquellen nach Europa geschickt hat? Graf Bernstorff: Ich war mit Herrn v. Haniel in allen Fragen einer Mekh.ung. Etwa drei Wochen vor dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen richtete er an seinen Verwandten, den Grafen Monis, und an andere Herren Mitteilungen über die amerikanffchen Hilfsquellen. Er hat mir diese Briefe mindestens inhaltlich mitgeteilt, jedenfalls weiß ich, was er geschrieben bat. Abg. Dr. Spahn: DÄs waren also keine amtlichen Mittei- lungen? Gras Bernstorff: Es ist allgemein üblich, amtliche Nachrichten durch Privatbriese zu unterstützen. Abg. Dr. Sinzheimer: Hat General Ludendorff von diesem Bericht v. Haniels Kenntnis bekommen? Graf Bernstorff: Ich glaube, daß Generaffeldmarschall von Hindenburg durch den Grafen Monis Kenntnis davon er- halten hat. Abg. Dr. Sinzheim«: Räch den Akten hat Gen«al Luden- dorff Mitteilung von dem Inhalt dieses Briefes erhalten, ebenso von den Aufzeichnungen des jetzigen UnterstaatSsekeetärs Albert, die darauf hinausliefen, daß die Hilfsquellen Amorikas in jeder Beziehung unerschöpflich wären. Dies« Bericht Alberts war an Dr. Helfferich gerichtet, und Dr. Helfferich hat diesen Be- richt dem Auswärtigen Amt übergeben. Konsul Möller: Die Untersuchung wegen der Mexiko-Depesche hat ergeben, daß mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, die Depesche sei nicht vor dem Abbruch der diplomatischen Be- Ziehungen zwischen Amerika und Deutschland in Amreika bekannt- gegeben worden�sondern erst erheblich später. seines Hauses durch die Deutschen, aus Mangel bei der Vertreibung von seiner Scholle. Sie, die Stiefmutter, wolle nichts mehr tvissen von einer Tochter, die dem„der fluchten" Volle der Zerstörer ihr-s Glücks angehöre. In Straßburg lebte vom Manne eine Schivester, m schöneren Tagen Freundin und Vertraute der Frau. An diese wendet sie sich um Trost. Antwort der von den neuen Herren im Elsaß mit ihrer Familie vertriebenen wird ihoer Existenz beraubten Schwägerin: Mit einer Französin, einer Angehörigen der„verfluchten" Nation, die sie ins Elend stieß, wolle sie nichts mehr zu tun haben. Shakespeare schildert in dem Drama„König Heinrich der sechste" in einer Szene, wie im Gefecht ein Vater den auf der Gegenseite stehenden Sohn erschlägt; ein Sohn tötet zu gleicher Zeit seinen Vater. Der unglückliche Sohn klagt, wie er von der einen Partei, der Vater von der anderen zu dem schlächtermäßigen Hand- Werk gepreßt worden sei. Der den Jammer der beiden Sieger beob- achtende König Heinrich ruft verzweifelnd:„O kläglich Schauspiel, o der blutigen Zeit, wenn Löwen um die Höhlen sich bekriegen, ent- gelten ihren Zwist hannlose Lämmer." Damals kam es noch äste? vor, daß einer der Löwen, also der Anstifter deS Zwistes, mit dein Leben bezahlen mußte, was heute fast undenkbar ist. Auch im der Geschichte zugrunde liegenden Kampf zwischen den Anhängern der rvten und der weißen Rose in England mußten zunächst die Unschuldigen, das arme gepreßte Volk, leiden. Das war ein Bürgerkrieg, höre ich sagen, also Auseinander« setzung von Brüdern. Gibt es Menschen, die n i ch t in dieser Be- Ziehung zueniander stehen? Ist die deutsche Mutter, die ihren tot- geschlagenen Sohn beweint, der französischen Schwester mit gleichem Leid weniger verwandt als dem Nutznießer des Kriegs, der mit ihr in einer Stadt wohnt, sich an ihrer Not fett mästete und nun hoch- mütig auf sie herabsieht? Jeder Krieg ist ein Bürgerkrieg. „Siegfriedler". Dieses in Wien entstandene Wort gegen die- jenigen, die nur nach dem Sieg der Mittelmächte Frieden zu schließen gedachten, gebraucht sogar der Graf Czernin(von Brest- Litowsk und Bukarest) in seinem Tagebuch. Seither haben die Nationalisten in Wien ein neues Wort auf ihre Gegner geprägt, dem man den W'.tz nicht abspreche» kann:„F r i e d s i n g le r". Zum Borsitzenden des Deutschen Werkbnnbes ist' Prof. Hans Pölzig in Dresden gewählt worden. Volkskunst. Die nächste Volkslunsivcranstallung findet am 2S. Ott.. nachm 4 Ubr. in der Philharmonie statt. Prorramm: Schubert; Mit- wirkende: Vera Schwarz von der Staatsoper, Willi Bardos. Karten J,50 M. bei Horsch im MewcrischastshauZ. Die erste der weltlichen Sonntagsfeicrn, welche die Deutsche Me- sellschast sür ethische Kultur in diesem Winter gemeinsam mit der Gesell- ichast zur Pflege reinen Menschentums veranstaltet, beginnt Sonntag, den •>6 Oktober, um 11 Ubr, im Saal des Lvzeumklubs. Llltzoivplatz 8. Ein Handbuch der neuen Neichsversasinng bringt soeben der Verlag Carl �etomann, Berlin, in Form einer Taschenausgabe aus den Markt.(433 Seiten, Preis 10 R.) Alle Artikel find ausgiebig von dem Staaisrcchiprosefsor der Franksurter Univerfilät® i e( e erläutert. Hr. 544 ♦ 36. Jahrgang Heilage öes vorwärts Freitag, 24. Oktober 1419 Unsere Mßenpoliti! 10 6. Sitzung der Deutschen Nationalversamm- lung am Donnerstag, den 23. Oktober, 1 Uhr. Am Regierungstisch: Müller. Das Haus ist sehr schwach besetzt. Ter Haushaltsplan für das Auswärtige Amt. Nach dem Berichterstatter Abg. W a l d st e i n(Dem.) spricht Minister des Auswärtigen Müller: Obwohl Sparsamkeit jetzt das oberste Gesetz ist, sind wir der- pflichtet, Mehrforderungen für den auswärtigen Dienst Fu stellen. Die Ausführung der Friedensbedingungen stellt auch hier finan- ziclle Opfer an uns. Wir hoffen, datz wir bald mit der ganzen Welt wieder in Verbindung treten werden. Dabei müssen unsere Arbeitsmethode« erneuert werden. Die Gleichstellung der diplo- malischen und konsularischen Laufbahn wird weiter betrieben. Es wird geklagt, die Beamten hätten eine zu oberflächliche Kenntnis der AuSlandöverhältnisse', sie berücksichtigen zu wenig die Denk- weise der fremden Völker, hätten nicht genügend Fühlung mit dem Volksleben, zeigten Mangel an praktischen Fähigkeiten. Diese Miststände werden zurückgeführt auf die Herkunft der Beamten, die bisher nur der Geld- und Geburtsaristokratie entnommen wurden. Das mutz natürlich anders werden. Die deutsche Re- publik mutz auf ihre ersten Posten eine Reihe«euer Männer bringe». Aber auch die Grundlage der Auslese muh breiter werden, damit der Nachwuchs aus allen Kreisen herangezogen werden kann. Dabei werden auch Autzenseiter in Betracht kom» men müssen. Bei der Auslese für die Diplomati« wird in erster Linie die sachliche Eignung matzgebend sein. Wer die Absicht hat. gegen die Republik zu agitieren, kann unter keinen Umstän- den einen diplomatischen Posten bekleiden.(Sehr richtig!) Die juristische Vorbildung soll nicht mehr allein ausschlaggebend sein Die AuslandSbcamten sollen Wirtschaftspolitik betreiben, aber nicht die Geschäftsvertreter bestimmter Firmen sein. Sie müssen von ihren Bezügen leben können.(Sehr richtig!) ES gilt, schöpferische Persönlichkeiten auszuwählen, die richtig sehen und das Gesehene mitteilen können. Clcmenceau sagt in seiner letzten Rede:„Der Hah kann keine Lösung bringen! Leider ist das noch nicht zum Grundsatz der französischen Politik geworden. Gelänge eS unseren Gegnern, ans uns mit einer Foltrr die letzte Kraft und den letzten Saft herauszupressen, so würde das den Ruin Europas zur Folge haben.(Sehr richtig!) Cle- tncnceau wirft Wetter den deutschen Sozialisten vor, sie hätten sich mit der Mtlitärpartei verbunden. Bei uns regiert die Militär- Partei nur in den besetzten Gebieten, und zwar die französische, aber nicht die deutsche. Der Friedensvertrag versagt uns das uns zustehende Selbstbestimmungsecht. Clemenceau sagt weiter: „Die Herren sind wir!" DaS sind die Reden der Alldeutschen von vorgestern. Die Franzg- sen werden solche Redensarten so lange gebrauchen, bis es zu einer europäischen Katastrophe kommt. Wir wollen einen wirk- lich'm Völkerbund, dem wir mit unserem Herzen angehören können. Noch immer schmachten 3S0 0C0 deutsche Kriegsgefangene hinter französischem Stacheldraht; wo bleibt da die viclgerühmte Menschlichkeit? Die Mutterherzen der ganzen Welt sollten sich zusammentun zu einem einzigen Schrei der Menschlichkeit, der auch in Paris gehört werden mutz. Wir wollen unsere Gefangenen zurückhaben. lSehr richtig!) Das deutsche Volk will den Frieden. Darum mutz auch doS Baltiknm lo schnell wie möglich von deutschen Truppen geräumt werden. Die ReichSrcgierung mißbilligt das Glückwunschtelegramm d:S Graten v. d. Goltz an den Obersten Awaloff auf das schärfste. Durch die Metboden, die die Entente Sowjet-Ruhland gegenüber jetzt wieder anwende!, wird der Bolschewismus, den auch wir für eine Gefahr ansehen, np: gefördert. Es gehört etwas dazu, von >:nS zu verlangen, uns an dieser Hungerblockade gegen Sowjet- Rutzlond zu beteiligen, denn es leiden in erster Linie die breiten Volkkmassen darunter.— Gegen , die Ostseeblockade losen Verbrechen nur den tiefsten Abscheu. Das baltische Aben teuer war für manche Kreise die letzte Gelegenheit zur Fortsetzung ihrer unwahren Politik. Dieser Sabotage des Friedens gegenüber darf es keine Lauheit und keine Halbheit geben. Wir sprechen uns deutlich gegen eine Blockade Sowjct-NußlandZ . daß da» deutsche Weg nach Aufwärts wieder finden wird. Hoffen wir, daß diese Erwartung sich erfüllt.(Beifall.) Abg. Wels(Soz.): ?Der GesundungSprozeh, den wir in unserem Lande herbei- führen wollen, erfordert festzustellen, wer in den langen Jahren das dcutscbe Volk belogen und betrogen, wer es schlecht und wer es gut geführt hat.(Zuruf rechts: Und wer es nachher be- trogen hat!) Sie(nach recht») haben es betrogen. Lebhafter Protest rechts.) Kein Volk der Welt kann diese Generalbeichte ab- legen, so wie das deutsche Volk, die deutsche Republik. D« Wahrheit ist in Tentschland auf dem Marsch. Wir haben die Hofs» nung, daß unsere Genossen in Frankreich und in England den Weg in die Geheimarchive ihres Lande? zu finden werden wissen. In der kaiserlichen Politik übertraf daS Bündnis der Halbheit mit der Unfähigkeit alle anderen Bündnisse an Haltbarkeit. In den Beratungen des Unterausschusses haben wir ans einem Telegramm ersehen, daß der sogenannte Friedenskaiser keinen Wert auf Friedens- Vermittlung legte:„ES wird vorgegangen'.(Lebhaftes Hört, hört! links.) Diese Mischung von Unfähigkeit und Schnoddrigkeit hat den Untergang des Deutschen Reiches besiegelt.(Lebhafter Bei- fall links, Lärm rechts.) Diesem tragischeu Possenspiel, dieser Halbheit und Unehrlichkeit, die die deutschen Friedensbedingungen und die Note über den rücksichtslosen U.-Bootkrieg am gleichen Tag übergeben liehen, ist das deutsche Volk zum Opfer gefallen. Wir werden nur wieder hochkommen, wenn man an unsere Ehr- l r ch k e i t glaubt. Tie Königsberger„Freiheit' vom 22. Oktober bat durch eine sogenannte Enthüllung die Arbeiten des parlamen- torischcn Untcrnichnn�SaueschusscS zu diskreditieren ver- sucht. Dem dort veröjfentlickten..Geheim Protokoll' sieht man die ausländische Fabrikation auf den ersten Blick an. In einer Sitzung, an der Scheidemann und NoSke teilgenommen haben sollen, soll ein Geheimrat von Simmern Mitteilungen über die Vernichtung und Fälschung der Akten des Auswärtigen Amtes gemacht hoben. Dadurch soll der Untersuchungsausschuß zu dem Urteil von Deutschlands Unschuld gebracht werden. DaS Protokoll dieser Sitzung, die im Juli stattgefunden haben soll, trägt falsche Namen und Amtsbezeichnungen. Ich erkläre im Auftrag des Ge- nosien Scheidemann, daß eine solche Sitzung niemals stattaefunden und daß Scheidemann an einer solchen weder jemals teilgenom- men, noch in ihr eine Rede gehalten hat. Die Frage rst aber, wer in einer so frivolen und gefährlichen Art und Weise, Deutschland vor dem Ausland verdächtig zu machen, interessiert ist. Lenin rät in einem Programm, das allerdings für die Kommunisten be- stimmt ist. alle chauvinistischen Bewegun«e»»»d internationalen Kcnflitte zu schüren.(Hört! hört!) Da» find die Drahtzieher., feie von Moskau dirigiert werde». Wir baden für diese gewissen- j auö. Die Sowjet-Regierung ist ein Unglück für den Sozialismus, aber ein noch grötzereS Unglück wäre ein Sieg der Reaktion in Rußland, der einen jahrelangen Bürgerkrieg zur Folge hätte. Die Ententeregierungen handeln hinter dem Rücken ihrer Völker, denn weder in England noch in Frankreich ist die Blockadenote bisher veröffentlicht worden. Dte französischen Genossen haben genau in derselben Ucberzeugung wie die deutschen Sozial- demokraien am 4. August 1014 die Kriegskrcdite einstimmig b e- willigt. Das mutz gegenüber den Verdrehungen Cle- menceaus festgehalten werden. Wir wollen den Völker- bund. Wir lehnen die Auffassung ab, daß der Völkerbund bloß ein Werkzeug des Kapitalismus sei, an dem ein Sozialdemokrat nicht teilnehmen dürfe. Die zweite Internationale mutz die Basis des Völkerbundes werden. Der Hätz kann keine Lösung bringen, sagt selbst Clemenceau. Wir müssen zusammenarbeiten, das ist das alte Programm der Sozialdemokraten, ihr Wahlspruch gilt auch für die Zukunft: Proletarier aller Länder vereinigt Euch! (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit des Hauses.) Abg. Dr. Pfeiffer(Zentr.): Im Vertrauen auf Wilsons 14 Punkte haben wir den Krieg beendet— jetzt wollen wir auch den Frie- den, der diesen 14 Punkten entspricht. Wir müssen vernünftige Randstaatenpolitik besonders Polen gegenüber treiben. An der Blockade Sowjet-Rutzlands werden wir uns nicht beteiligen. Das Interview des Reichspräsidenten durch einen spanischen Journa- listen bedarf der Aufklärung. Unser Auswärtiges Amt muh sich vor allem der Gefangenen, der Auslandsdeutschen und der Volks- genossen im besetzten, zu besetzenden und abzutretenden Gebiet annehmen. Wir hoffen auf eine bessere Zukunft. Abg. Schultz-Bromberg(Dnat. Vp.): Es ist unerhört, daß nach 3 Monaten Friedensschluß die Gefangenen noch nicht herausgegeben sind. Weshalb hat die Regierung das noch nicht durchsetzen können?(Lärm links, Zurufe: Hetzrede!) Sie hätte sich mehr für die Gefangenen einsetzen müssen.(Zurufe links: Geben Sie doch die Mittel an!) Unsere Regierung mutz vorurteilsfrei sein. Der Minister des Auswärtigen sollte außerhalb des parlamen- tarischen Systems gestellt werden. Für das parlamentarische System gilt der Satz: Mit dem Amt kommt auch der Verstand. Meist ist aber das Amt schon vorüber, wenn der Verstand kommt. Abg. Dr. Geyer(U. Soz.): Di«'rechtssozialistische Partei hat seinerzeit den U-Boot-Krieg unterstützt(1), namentlich der.Vor- wärts" hat unter der Redaktion Stampfer bewutzr für ihn Stim- mung gemacht(l).(Zuruf: Quatsch!) Das Programm der Re- gicrung scheint zu sein: Frieden nach außen und Kampf nach innen gegen die Arbeiter. Wo es sich nicht um Worte, sondern um Taten handelt, da wird der Charakter des Auswärtigen Amtes klar. Der Völkerbund, die organisatorische Zusammenfassung der Jmperia- listen der Welt, ist ein WeltvcrteilungSsyndikat der Sieger mit gegenrevolutionärem Charakter. Sein Ziel ist die Niederschlagung der sozialen Revolution; die Blockade Sowjet-Rutzlands ist seine erste Tat. Aiitzenminister Müller hat sich bereit erklärt, an einer Juterventionspolitik gegen Rußland teilzunehmen(?). Die bürger- lichen Parteien möchten für die Teilnahme cm der Blockade Sowjet- Rußlands die Aushebung der Ostsecblockade erlaufen. Mlitärische Kreise möchten sich sogar aktiv beteiligen. Nach den Ausführungen des Reichspräsidenten gegenüber einem spanischen Journalisten ist anzunehmen, daß er wünsche, daß die deutsche Regierung zur Teil- nähme an der Blockade Sowjet-RutzlandS gezwungen werde. Damit greift er wtderechtlich in die äußere Politik Deutschlands ein. DaS ist das alte persönliche Regime. Dadurch lverden die Bedenken gegen die Einrichtung eines Reichspräsidenten neu gerechtfertigt. Die Aufforderung der Etitente zur Teilnahme an der Blockade hätte durch ein« sozialistische Regierung vor allen Völkern gcbrandmarkt werden müssen. Seinerzeit hat Erzberger sogar erklärt, sich cm einem Kreuzzug gegen Sowjet-Rutzland zu beteiligen. Damals schuf Deutschland seinen Grenzschutz. Die baltischen Matz- nahmen der Regierung kamen durchtvegs zu spät. Unsere Forde- rungen sind Bruch mit der Geheimdiplomatie, Räumung des Baltikums mit allen Mitteln(auch Krieg? Red.), Bestrafung der Schul- digen durch das Gesetz, friedliche Verständigung mit Sowjet-Rutz- land, wa» auch ohne formelle Verträge möglich ist. Wir müssen die friedliche Gesinnung zum Ausdruck bringen, indem wir vor der ganzen Welt erklären, daß wir gewillt sind,.mt Sowjet-Rutzland in Frieden zu leben.(Hundertmal erklärt! Red.) Die Werbungen für die gegenrevoluttonären Formationen müssen eingestellt werden. Die russischen Sckzutzhästlinge müssen entlassen und ihnen die Möglichkeit geboten werden, möglichst schnell nach Hause zurückzukehren. Weil die jetzige Regierung nicht gewillt ist, dies« Forderungen zu erfüllen, streben wir an, dieses Herrschaftssystem zu zertrümmern und an dessen Stelle ein sozialistisches zu setzen. Durch die aus- wärtigen Vertreter mutz die Verbindung mit den ausländischen Arbeitern geschaffen werden. Der entscheidende Kamps des Pro- tariatS gegen den Wcltkapitalismus ist im Gange. Dafür zeugen die schweren sozialen Kämpfe in Italien und Amerika. DaS Ziel der Auslandspolitik müßte es sein, die proletarischen Kräfte aller Länder zusammenzufassen zum Kampfe gegen den WeltkapitallsmuS. Unser Kampf gilt auch der Nationalversammlung, die Eichhorn gegenüber ihre gegenrevalutionäre Gesinnung offen zum Ausdruck gebracht hat.(Gelächter.) Wir alle haben, wenn es die revolutionäre Pflicht erforderte, genau dasselbe getan und werden eS auch weiter- hin tun. Auf der einen Seite stehen wir als die Vertreter de&l klassen bewußten Proletariats, auf der anderen Seite steht die Gegenrevolution, zu der auch die Rechtssozialistcn gehören.(Ge- lächter bei den Soz.) Ich wiederhole...(Gelächter..— Vizepräsident Hantzmann ersucht den Redner, dem Hause die ständige» Wieder- holungen im Interesse der Angestellten, zu ersparen, für die doch der achtstündig« Arbeitstag gelten solle.) Wir erwarten von dem internationalen revolutionären Proletariat dieselbe Solidarität, die wir für Sowjet-Rutzland bekennen, wenn bei uns die große AuSein. andersetzung komnn.(Beifall bei den U. Soz.— Gelächter.) Minister Müller(mit Unruhe empfangen. Zurufe: Achtstundxn- tag): Die Partei des Abg. Geyer war nicht immer für eine Ver- ständigung mit Rußland. D>e Volksbeaustragten einschließlich Haase haben es abgelehnt, die diplomatischen Beziehungen mit Sowjet-Rutzland aufzunehmen. Freitag 1 Uhr: Weiterbcratung.— Schluß 7 Uhr. der Schriftsteller Paul Kampfmeier erschienen. Er war Mit- glied des Aktionsausschusses während der kritischen April- und Mai- tage und wird zunächst vernommen. Er bekundet: Als Mitglieder des Attionsausschusses haben wir uns damals sehr oft mit der Frage der Exekution und Denunziationen befaßt. Der Ausschutz hatte den Zweck, die Vermittlung zwischen der Regierung in Bainberg und dem Militär aufrechtzuerhalten; bor allem aber sollte er die Räteregicrung unter allen Umstän» den st ü r z e n. Nach dem Sturz derselben, den wir aus vollem Herzen begrüßten, sind wir in die Residenz eingerückt und haben unsere Tätigkeit begonnen. Es erschien uns merkwürdig, daß wir vom ersten Tage ab überhäuft wurden mit Beschwer- den über willkürliche Berhaftungen und Hinrichtungen. Wir gingen diesen nach und stießen auf eine ganze Anzahl Fälle, in denen grobe Unregelmäßigkeiten t-orgekommen waren. Ich erinnere besonders an den Fall Gustav Landauer, an den des Redakteurs Peter Lohmer und eine weitere Erschießung im Fall des Stadtkommandanten Eglhofer. Nach unserer Meinung tvaren die Soldaten nicht richtig in» st r u i e r t. Sie sahen fast in jedem Gefangenen sofort einen todeswürdigen Verbrecher. Verstärkt wurde dieser un- haltbare Zustand durch verschiedene unglückliche Erlasse. So war es vor allem ein Erlaß des Obersten Epp, der jeden, der weiteren Widerstand gegen die Regierung Hoffmann leisten würde, m i t Standgericht und Todesstrafe bedrohte, während doch die Exekution nur wegen grober Verstöße gegen das geltende Stvafrecht zulässig erschien. Wir haben diesen Erlaß sofort beim Kriegsministerium beanstandet. Weiter wurde das Standrecht jedem angedroht, der gegen die Regicrnstg Hoffmann hetzte. Ein weiterer sehr unglücklicher Erlaß war der des Generals Mühl. Es hieß darin u. a.:.Wer immer sich in letzter Zeit Roh- hellen, Gewalttätigkeiten hat zuschulden kommen lassen, ist um- gehend anzuzeigen und auszuliefern." Damit war den Denunziationen fragwürdig st er Art Tür und Tor geöffnet. Ich habe sofort in der..Münchener Post" dagegen Stellung ge- nommen, nachdem zwei Redakteure des Blattes dem Befehl be- reitS zum Opfer gefallen waren. Ich bin der Meinung, daß man einmal die Mannschaften nicht richtig instruiert hat, an- dererseits schweres Unheil dadurch anrichtete, daß man eine all- gemeine Denunziationswut entfesselte. DaS kann viel- heilet auch auf die Angeklagten eingewirkt haben.— Vor f.: Ob die Soldaten dahin instruiert waren, wie sie mit Spartakisten ver- fahren sollten, können Sie aber nicht sagen?— Zeuge: Nein.— Rechtscinlvalt Kaufmann: Sind die beiden Erlasse vo? dem 6. Mai erschienen?— Zeuge: Jaivohl.— Rechtsanw. Kaufmann: Die Wendung in dem Erlaß:„solche Elemente sind unschädlich zu massen" spricht doch dafür, daß die Angeklagten glauben konnten, daß sie das Recht zum Abschießen von Spartakisten hattten.— Zeuge: Diese Befürchtung hatte ich auch. Unter größter Spannung des Auhürerrcrnins wird dann der Oberst und Regimc.ntskomamndeur des 31. NeichswehrregimentS K u n d t aus Fürstenwalde aufgerufen. Er bekundet: Ich war damals beim Stab der 3. Jnfanteriebrigade, der im Hotel Mo- rienbad einquartiert war. Abends gegen 10 Ubr wurde dorthin. gemeldet, daß die 1. Koinpognie des AlexanderrcgimentS tn Berlm ausgeschickt worden sei, um ein Spartakistennest im ka- t holt scheu Gesellenvereinshaus auszuheben. Die Alexander hätten ihre Arrestanten in daS Prinz-Georg-PalaiS am Karolinenplatz 5 eingeliefert, dessen Keller als ArresthauS diente. Bei und nach der Eürlllserung seien fremde Doldaton Hinzuge- kommen/hätten die Epartakisten.m ißhandelt und schließlich im Keller hingemordet. Ich hielt daS zunächst für ganz unglaubwürdig, tveil ich meiner Leute ganz sicher war. Ich ging dann sofort hin und traf im Hof Soldaten aller Waffen- , gattungen und Zivilisten an. Gleich am Hoseingang sah ich bereits ' 6 bis 7 Leichen liegen. Ich stieß auf den Oberleutirant v. H ü l- sen in Begleitung von zwei anderen Offizieren. Ich frage sie: Was ist daim hier los? Darauf erklärten sie mir, es wären mit unserem Wachkommando vom Alexanderregiment bayerische Sol- daten mit in den Hof eingedrungen, hätten unsere Wachen zurück- gedrängt und die Gefangenen, angebliche Spartakisten, elsschvsscn. Alle drei Herren rieten mir, unter keinen Umständen weiter vor- der Münchener Gesellenmorö. da» M. Ctimbit. Nach einigen unwesentliche» nehmumge»»Verden dann die sämtlichen inzwischen aufi«ffchkrnenen Zeugen in den Sitzungssaal gcvufen."—».-e,--- K i »i lenwant nicht in der Hand, da sie alle wie t o h s ü ch t i g s i ch gebärdeten. In diesem Augenblick fiel ein Schuß im Keller- Ich rief: Hier geht es um Menschenleben, da können wir nicht zurückbleiben! und stürzte in den Keller. Ich habe viel im Kriege erlebt und gesehen. Aber was ich in diesem Keller sah, war wohl das... Eindruckvollstc, was ich jemals erlebt habe. Der Keller war dunkel, erfüllt von Rauch und Blutgeruch. Ans dem Boden lagen 6 bis 7 Leiche» und die anwesenden Mannschaften schoffen und stachen wie wild um sich. Ich habe in dem ganzen Kellerraum keinen Mann mit Stahlhelm gesehen, konnte also auch nicht an- nehmen, daß einer t/on den Unseligen dabei sei. Nachdem ich mich von meinem ersten Schreck erholt hatte, ging ich zurück auf den Hof und fragte dort, ob die Leute im sieller irgend jemandem bekannt seien. Ein bayerischer Unteroffizier sagte mir, er kenne die Leute auch nicht. Er habe sie vergeblich an dem Mord zu ver- hindern gesucht. Mein Feldwebel Franz ging dann zurück in den Keller und kam mit einem schwcrver mundeten Zivilisten heraus, der furchtbar schrie. Inzwischen hatte sich das ganze Volk auf dem Hof wie mit ein cm Zauberschlag verflüchtigt. Wir erwischten nur stach 5 bis 6 Mann, die ich sofort für verhaftet erklärte. Einer gab zu, geschossen zu haben. Es war eist großer, breitschultriger Mann, der sich in großer Erregung befand. Di« gnderen 3 standen in guier Haltung vor mir und ich' hatte nicht den Eindruck, daß sie etwas angetrunken stween. Ich ließ ihre Namen feststellen und sie zu ihren Truppenteilen abführen. Dann schickte ich zum Regimentsarzt und benachrichtigte General von Oven. Wir zogen dann die Ueberleb enden unter den Toten im Keller hervor und wandten alle Sorgfalt an, indem wir sie sofyrt ins Regimenls- zimmer brachte». Ich selbst schrieb dort meine Beobachtungen als- bald nieder. Um Mitternacht erschien dann das Divisionsgericht. Auch ich geriet allmählich mehr und mehr in Erregung, und alS bei dem Pferdepfleger Latost eines im gleichen Hause wohnenden Hauptmanns gcstoblene Soeben in der Tasche gefunden wurden» befahl ich in der ersten Wallung, daß man den Mann sofort an die Wand stellen und niederschieße» solle. Ich habe diesen Befehl aber sofort wieder zurückgenommen» da ich hierzu nicht berechtigt war. Ich hielt dann allen Verhasteten vor, ob sie denn wahnsinnig oder betrunken seien, da selbst Spartakisten ein Recht auf gerichtliche Erörterung ihrer Taten hätten. Darauf verharrten die Leute im Schweigen.— Sori.: Was wußten Sic von den Verhafteten und ihrer Herkunft? Zeuge: Nichts. Ich txitte keine Ahnung davon; daß es Mi triebet des katholischen GesellenveretnS warcn. Erst als ich svätae esttige der Verwundeten sprach, kam mir ein? Ahnung von de» Neuerlichen Mi ß vSnslÄ�dniS. Von' dem Verhaftete» hatte ich den Eindruck, daß sie allesamt glaubten» gewissermaßen gutes Werk mit der Niederschießung de-c Unglücklichen getan zu haben. Vors.: Wir sind Nattern, das ist unsere Sache? Der ZeuAe erkennt dann den Angeklagten Müller genau als den großen, breitschultrigen Mann wieder. In bezug auf den Ulanen Latosi wird festgestellt, daß er nach Erhebung der Anklage flüchtig geworden ist. Der Vorsitzende fragt dann den RegimentSkomman- deur Kundt, welche Befehle in bezug auf Spartakisten ergangen feien. Zeuge: Gar keine! Es Ivar nur bekannt gemacht war« den, daß, wer beim Plündern betroffen wurde, sofort zu erschießen sei. Ich protestiere öffentlich dagegen, daß man hier den Versuch gemacht hat, meine jwngen Schlesischen Jäger als Mörder zu bezeichnen. Es waren b e s o n- ders gutausgewählte Leute in meiner ersten Kompagnie. Sie waren damals allerdings auch in Erregung, weil ihnen im Haus des Dr. Mühsam eine Falle von seilen der Spar- t a k i st e n gelegt worden war, in der sehr viele von ihnen verwundet und 8 getötet wurden. Daß da eine gc- wisse Erbitterung herrschte, ist wohl begreiflich. Aber all unsere Belehrungen sind immer dahin gegangen, daß die Mannschaften nicht berechtigt seien, einen Mann, der als Spartakist anzusehen sei, ohne weitere? zu erschießen. Das durfte nur geschehen, wenn wir von ihnen im offenen Kampf angegriffen wurden. In allen anderen Fällen war zunächst gerichtliche Aburteilung angeordnet. Vors.: Es ist nun aber auch einer der Ihrigen unter den Tätern, Und zwar der Feldwebel Makowöki. Zeuge: Ja, das sebc ich zu meinem großen Bedauern und schmerzlichen Erstaunen. Mir war bisher nichts Nachteiliges über ihn bekannt. Vors.: Aber er ist gerade einer der schlimmsten gewesen. Er hat wie ein Schlächter gewütet und hat die Gefangenen schon auf dem Transport mißhandelt. Zeuge: MakowS� war an dem kritischen Tage außer Dienst und ich verstehe nicht, waS er da überhaupt zu suchen hatte. Ich habe erst auS den Zeitungsberichten erfahren, daß er hier auf der An- klagebank fitzt. Ich selber habe ihn überhaupt nicht gesehen. Er ist inzwischen vom Regilgpnt entlassen worden, weil er sich einer Unterschlagung schuldig genia cht haben soll. Aber eine Tat, wie diese, habe ich ihm bis heute nicht zugetraut. Vors.: ES ist Wohl anzunehmen, daß er die Vorschrift, wonach Spartakisten nicht ohne weiteres erschossen werden durften, kannte. Zeuge: Ja- Wohl, da? mußte er wissen. Der nächste Zeuge ist der Offtzierstellvcrireter Paul P r i e b e. Er hat die Patrouille geführt, welche die Verhaftung der katho- lischen GesellenvcreinSmitglieder vorgenommen hat und bekundet: Ich bekam an jenem Abend zwischen 7 und 8 Uhr den Befehl, in das Haus des katholischen Gesellenvereins zu gehen und nachzu- sehen, ob dort Spartakisten versammelt seien. Vors.: Der Befehl soll Ihnen schon zwei Tage vorher bekannt gewesen sein und Sie sollen mit Makowski darüber gesprochen haben. Zeuge: Daß ist nicht wahr. Vors.: Wie sind Sie hingegangen? Zeuge: Ich hatte mich etwas Perkleidet, indem ich eine Grenadieruniform und die Feldmütze anlegte. Die Anzeige gegen die Versammelten war von einem mittelgroßen Herrn eingereicht worden, der 10 Minuten vor- her auf das Regimentsbureau gekommen war, und der versicherte, daß es sich um eine geheime Spartakistenvers am m- l u n g handle. Als ich in den Hofraum des Gesellcnhauses eintrat, ging plötzlich das elektrische Licht im Hause aus. Ich ging zurück, meldete dem Hauptmann die Sache und bekam zwei Patrouillen von insgesamt 14 bis 16 Mann mit und ferner den Feldwebel Spam:. Wir gingen nun einzeln hin, damit wir nicht auffielen. Alle Soldaten waren im Stahlhelm, nur ich und der Feldwebel Spann hatten Mützen auf. An der Tür hörte ich«in Gespräch im Saal und stellte fest, daß dort eine Versammlung im Saal abge- halten wurde. Ich verteilte nun meine Leute, riß die Tür auf und befahl Hände hoch. Dann ließ ich die Gefangenen auf den Hof hinaustreten und ging mit dem Trupp auf die Straße. Vors.: Warum sprachen Sie nicht zunächst mit den Leuten. Zeuge-: Ich hatte kein Recht, die Leute zu verhören, oder ihre Lcgitimatwnen zu prüfen. Unterwegs drängten sich fremde Soldaten hinzij und dadurch wurden meine Soldaten unruhig. Ich beobachtete vor allem die Dächer, weil mehrere Schüsse fielen. Deshalb beschleunigte ich auch den Trans- Port. Vor dem Hause Bnennerstr. 41. wo Hauptmann v. Alt- Stutterhcim wohntc, trat dieser heraus. Kurz vorher war ein Schuß gefallen, durch den unser Sanitätssoldat getötet wurde. Hauptmann v. Stutterhcim hielt den Transport an und ließ die Leute nach Waffen durchsuchen. Damit hörte mein Kom- mando auf und ich ging nach Hause und erfuhr erst später, daß die Leute erschossen worden seien. Von irgend welchen Mißhand- lungen auf dem Transport habe ich ni ch t ö gemerkt. Der nächste Zeuge ist Hauptmann v. Alt-Stutter- heim. Er stellt zunächst im Verein mit Oberst Kundt fest, daß ihnen bis heute keinerlei Ladung zu dem Prozeß zugegangen seien, daß sie bielmehr erst allesamt im Anschluß an das vorgestern vom Staatsanwalt mit ihnen geführte telephonische Gespräch als Zeugen nach München gekommen feien. Damit wären alle Angriffe in der Münchener Presse und von einzelnen Zeugen, die gegen siejjerichtet seien, hinfällig. Hauptmann v. Alt-Stutterhein:, der zunächst un- vereidigt bleibt, bekundet, daß er im Regimentsbureau vom Feld- webel Spann die Meldung erhalten habe, daß im Katholischen Ge- sellenhaus eine geheime spartaiiftische Versammlung tage. Die Meldung war angeblich von einem Oberleutnant in Zivil eingereicht. Eine Anmeldung dieser Versammlung lvar nicht erfolgt und der Zeuge erklärt, er habe sich um so mehr vcr- anlaßt gesehen, sofort scharf vorzugehen, da gerade die vaterländischen Parteien in München unter allen Umständen das Versammlungsverbot respektiert hätten und er so nicht annehmen konnte, daß irgend jemand, mit Ausnahme der Spartakisten, da- gegen handeln würde. Ich war also verpflichtet, fährt der Zeuge fort, der Sache nachzugehen und ließ das Lokal überwachen, erfuhr, daß Licht brannte, Leute hineingegangen tvaren und daß Posten ausgestellt seien. Daraufhin gab ich den Befehl zur Auf« Hebung an Prieba Gegen 9 Uhr hörte ich das Schreien und Schimpfen auf der Straße. Ich ging hinaus und sah ein« große Menschenmenge und den Gefangenentransport, von Soldaten aller ReichStoehrtruppen begleitet. Da ich Unruhen be- fürchtete und Mißhandlungen sah, zog ich meinen Revolver und begann die Leute auseinanderzubringen. Leider ist eS mir damäls nicht gelungen, die einzelnen Gefangenen so zu schützen, wie cS wohl notivendig war. Das kam aber daher, daß seit langem die Disziplin in der Armee sttstcmatisch untergraben wird, und wenn daher etlvns Bedauerliches vorgckomn�in ist, so sind eben andere Leute dafür verantwortlich.(Große Bewegung.) Mir wurde dann gemeldet, daß eben ein SanitätS- soldat erschossen worden sei. Vors.: Sie sollen auf den Vorhalt der Leute, daß sie unschuldig seien, erklärt haben, das gehe Sie nichts an. Zeuge: Da? gebe ich ohne weiteres zu. Die Leute hatten aber trotz dos bestehenden Verbotes eine Versammlung abgehalten und da hatte ich einzugreifen. Der Zug kam dann ins Palais des Prinzen Geobg und ich eilte zum Regimentskommandeur, um ihm Meldung zu machen. Mich ging die ganze Sache dann nichts- mehr an, da ich die Leute pflichtgemäß in den vorschriftsmäßigen Gewahrsam hatte bringen lassen und eS weiter nicht» mehr für mich zu tun gab. Vors.: Aber eS sind doch unterwegs noch weitere Mißhandlungen vorgekommen? Zeuge: Davon habe ich nichts gesehen. Ich ging hinter der Kolonne her und sprach mit Spann.(Große Unruhe und � Rufe im Zuhörcrraum. Ter Vorsitzende ersucht um Ruhe und er- klärt, der Zeuge mache hier pflichtgemäß seine Aussagen. Die Un- ruhe im Zuhörerraum dauert jedoch fort und Angehörige der Er- schossenen beginnen wiederum zu weinen, während die vernommenen katholischen Gesellenbereinsmitglieder andauernd durch Zurufe fordern, weitere Zeugenvernehmungen borzunehmen und allerlei Beschuldigungen gegen die Offiziere erheben. Der Staatsanwalt wird fortwährend mit Zuschriften und Zetteln der Angehörigen förmlich bombardiert.) Der Vorsitzende richtete dann an Hauptmann v. Stutterhcim die Frage, wer denn nun nach dem Fortgang Priebes daZ Kommando geführt hätte. Zeuge: Ich war ja stets in greifbarer Näbe und, soweit ich gesehen habe, ist nichts geschehen.(Erneute große Unruhe im Zuhörer. räum.) Einmal wurde allerdings„Laufschritt" kommandiert. Das habe ich aber sofort unterbunden, deyn dann hätte ich auch mit- laufen müssen. Dazu lag nach meiner Meinung kein Anlaß vor. Vors.: Es ist also möglich, daß keiner von den Soldaten gewußt hat, wer eigentlich führte. Zeuge: Das ist möglich. Mißhand- lungen sind jedenfalls nicht vorgekommen.(Erneute Unruhe.) Vors.: Darüber besteht nun kein Zweifel. Denn alle Zeugen be- stätigen, daß gerade auf dem Wege von der Briennerstraße züm Palais die gröbsten Mißhandln ng e n vorgekommen sind. Zeuge: Tann wäre ich nicht fortgegangen, wenn ich auch nur hätte ahnen können, das etwas hätte passieren können. Ge- rade weil ich es vor meinem Hause für brenzlich hielt, habe ich dort �ine Neueinteilung der Kommandos vorgenommen und persönlich für den Weitertransport nach dem Palais gesorgt. Vors.: Es sind doch aber viele Leute mit durch das Gitter gelangt. Zeuge: Das habe ich nicht gesehen, sonst wäre ich seblstverständlich nicht fort- gegangen. Vors.: Aber die Menschenmenge ging doch ständig mit, da mußten Sie doch annehmen, daß sie nachdrängen würde. Zeuge: Vor dem Palais ständen doch aber Wachtposten. Vors.: Haben Sie den Makowski gesehen? Der Zeuge erinnert sich nicht, weiß aber, daß Makowski im Felde verschüttet gewesen ist und in der Erre- gung seiner Sinne nicht immer mächtig war. M. ist später wegen Unterschlagung vom Regiment entlassen worden. * Der Staatsanwalt beantragte gegen Müller und Makowski wegen Totschlag die Höchststrafe von 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust, gegen Grabasch ein Jahr Gefängnis, für Kreiner Freisprechung. Da? Urteil ist wahrscheinlich erst am Sonn« abend zu erwarten. GroßSerlln Die henttge Romansortsehung muhte wegen de» ungeheur.'n Andrangs an wichtigem politischen Stoff zurückbleiben. Ans der Arbeit der K. V. G. Die Kleider-BerwertungS-Gesellschaft Groß- Berlin, die in der KriegSzeit als gemeinnütziges Unternehmen gegründet wurde, um durch die Altkleider-Bewirt- schaftung den Minderbemittelten die Anschaffung von Kleidern zu erleichtern, hat jetzt über ihre Tätigkeit einen Rechenschaftsbericht veröffentlicht. Bon der Eröffnung ihres Betriebes am 1. März 1917 bis zum 31. Juli 1919 erwarb sie in ihren Annahmestellen von Privat- Personen durch Ankauf oder Schenkung 757 651 Kleidungsstücke, ferner durch Beschlagnabme, Enteignung oder Ankauf bei Alt- Händlern, Pfandleihern usw. 503 105 Kleidungsstücke, da» sind zu- sammen 1260 656 Kleidungsstück«, die dann durch Reinigung, Aus« besserung, Umarbeitung usw. für den Wiederverkauf hergerichtet wurden. Vom Beginn der Wiederverkäufe am 5. Juni 1919 bis zum Abschluß des Berichte« am 15. September 1917 wurden 1137982 Kleidungsstücke verkaust, die eine Gesamt- einnähme von 12183923 M. brachten. An dieser Summe waren beteiligt die 7 Monate au« 1917 zunächst nur mit 1 141 109 M., die 12 Monate von 1918 mit 4 130 160 M., die 8'/, Monate auS 1919 mit 6 912 654 M., wobei zu beachten ist. daß die fort- schreitende Aenderung des Geldwertes, der Lobnbeträge usw. natürlich auch die Warenpreise der K. V. G. beeinflußt hm. Der Verkauf ging übrigens noch im Sommer 1919 so flott, daß z. B. im August durchschnittlich 2672 Kleidungsstücke pro Tag verkauft wurden. Die neben den Werkstätten der K. L. G. im Dezember 1917 eingerichtete Schuhwerkstätte der Stadt Berlin, die mitunter 2400 Pa« Schuhe pro Tag zur Reparatur annehmen mutzte, ist am 1. April 1919 ausgelöst worden. Die K. V. G. hält den Weiterbe st and ihres eigenen Be- triebeS für nötig, weil nach Erschöpfung des KleidervorrateS der Reichsstellen s i e für die Heranschaffung billiger Textilwaren werde sorgen muffen. DaS könne sie aber, sagt der Bericht, nur dann, wenn der Altkleiderhandet den Kommunen vor- behalten bleibt. Auch das Pfandleihwesen, daS zur AuS- beutung der DarlehnSnehmer und zum wucherischin Sllfleider- Schleichhandel benutzt werde, müsse kommunalisiert und mit dem Altlleiderhandel der Kommunen verbunden werden. Die Falschgeldzentrale auf dem Wedding. Eine weilverzweigte Verbrecherbande, welche seit Monaten in Berlin und in den von der Entente besetzten deutschen Gebieten falsches Papiergeld vertrieb, ist jetzt durch die Kriminalpolizei unschädlich gemacht worden. ES bandelt sich vorzugsweise um Leute, die früher wegen Ein- bruchs oder gewerbsmätziger Hehlerei mit der Polizei in Konflikt gekommen sind, die sich dann während des Krieges mit der Her- stellung gefälschter Brotkarten besaht hatten und sich nun auf die Her- stellung falscher F ü n f z i g m a r t s ch e i n e gelegt haben. Etwa 20 Ver treiber der Faifchscheine konnten in Berlin oder autzer- halb festgenommen werden, ehe eS jetzt gelang, den Her st ellern auf die Spur zu kommen. Gedruckt sind die Scheine in der TegelerStratze.wo zwei der Verbrecher, der Arbeiter Max Böhlke und der noch flüchtige Kellner Erich Arnold von einer Handelsfrau einen Raum gemietet hatten. Einer der Beteiligten beabsichtigte gerade jetzt dadurch einen großen Schlag zu tun. datz er für 500 000 Mark falsches Geld Gold uud Tausendmarkschcine aus- lausen und mit dem Erlös ins AuSlaud flüchten wollte. Als die von Kriminalkommissar von Lieber mann geleiteten Ermittlungen zu seiner Festnahme führten, hatte er sich gerade aus dem Polizeipräsidium einen Auslandspaß besorgt. Die Fälscher hatten ihre Fabrikat« ursprünglich zum Preis von 25 M. das S t ü ck verlaust, sahen sick aber, als die gesteigerten polizeilichen Nachforschungen nach Falschmünzern die Kurse für falsches Papier» geld herabdrückten, gezwungen, den Preis aus 10 Mark für das Stück herabzusetzen.— Der in einem Vorort Berlins wobnhaste Lithograph Max H. hatte sich aus die Herstellung von Zwei- markdarlehnSkaisensch einen gelegt. Er hatte jedoch erst eine geringe Anzahl von Scheinen vertrieben und befand sich gerade in Begriff, in seiner Wohnung die Falschscheine zu fabrizieren, als Beamte der Berliner FalschgeldbearbeitungSsielle bei ihm eintraten und ihn milten in der Arbeit überraschten. In einem andern Fall wollten Falschgeldvertreiber ihre Falsifikate bei den in Kurland be- findlichen Truppen anbringen. Mit Hilfe der Flugzeug- ftafsel der Sicherheitspolizei, welche der Kriminal- pplizei einen ihrer Fliegeioffiziere zur Verfügung stellte, gelang die Festnahme des Anbieters der Falschicheine. Ein Tisziplinarverfahren an der Handelshochschule. Der im„Vorwärts" am 16. Oktober veröffentlichte Aufruf der Sozialistischen Arbeitsgemeinschaft an der Handels- Hochschule Berlin, betreffend die von dem Studenten Günther, einem Mitglied des Ansschuffes der Studentenschaft, angeregte Kauf- m ä n ni sch e N o t h i lfe, hat zur Einleitung eines Diszipliliar- Verfahrens gegen den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, den Studenten Genossen Berg er, geführt. Demgegenüber hat die ArbeilSgcmeiiischait erklärt, datz nicht ihr Vorsitzender allein, sondern auch drei andere Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für den Aufruf verantwortlich sind, und das Verfahren ist dann auch auf diese Mit- glieder ausgedehnt worden. In den Kreisen der SozialistiiSen Arbeitsgemeinschaft wird angenommen, daß ein regelrechtes Kessel- treiben gegen Sozialisien an der Handelshochschule Berlin beabsichtigt ist. Aus den Ausgang dieses DtsziplinarverfahrenS darf man ge- pannt sein._ Schulen für Bureauzwecke. Der Magistrat beabsichtigt. 18 Berliner Schulen zu Bureau- zwecken zu beschlagnahmen. Hierzu nahm eine von zirka 600 Ell-ru besuchte Versammlung der Schüler und Schülerinnen der 193. und 195. Gemeindeschule in der Manteuffelstraße Stellung. Die Res»- rentin Lehrerin Riedger geißelte unter lebhaftem Beifall der Zu- Hörer in scharfen Worten die Maßnahme des Magistrats. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:„Die am 22. Oktober 1919 versammelten Eltern der Schüler der 195. Knaben- und der Schülerinnen der 193. Mädchenschule erheben energisch Einspruch gegen eine Beschlagnahme deS Schulgcbäudes zur Benutzung für andere als Schulzwecke, auch dann, wenn diese Benutzung nur vor- übergehend sein sollte. Die dauernden Störungen des Unterrichts während der letzten fünf Jahre dadurch, daß unsere Kinder nach- einander in sechs verschiedenen anderen Schulen mit zum Teil weiten Sthulwegen untergebracht worden sind und die Knaben auch heute noch nicht in ihre Bezirksschul« gehen, machen es dem Ma- gistrat zur Pflicht, ungesäumt dafür zu sorgen, daß endlich das ganze Gebäude bezogen und ein geregelter Schulbetrieb aufge- uommen werden kann. Die Versammelten verlangen, daß der geistigen und körperlichen Förderung ihrer Kinder in der durch die Verfassung gewährleisteten Weise Genüge geschieht; sie sind fest entschlossen, wenn ihren Wünschen nicht baldigst Rechnung getragen wird oder wenn eine Beschlagnahme der Schule erfolgt, schärfste Maßregelungen zu treffen." Gleichzeitig wurde ein freiwilliger Elternbeirat gewählt unb eine weitere Resolution eingebracht, welche verlangt, daß durch Gesetz den zurzeit freiwilligen Elternbeiräten die Stellung gegeben werde, welche ihnen gebührt. Kein Sonntagsverkehr. Im EisenbahndirektionSb�irk Magde- bürg fällt ab 26. Oktober an Sonntagen dergesamte Schnell- und Personenzugsverkehr aus. Näheres siehe im Jnse- ratenteil der heutigen Nummer. Di« ständige Nebcrwachnng des Berliner Güterverkehrs durch die Uccherwachungsabteilung der Eisenbahndirektton Berlin hat wiederum zu zwei bemerkenswerten Erfolgen geführt. Durch un- getreue Güterbodenarbciter wurde auf dem Anhalter Güterbahnhof für 25 000 Mark Benzol unterschlagen, da? durch«inen Hehler au einen Kraftdroschkeitbesitzer in Steglitz verschoben werden sollte. Es gelang, die Fälschung zu entdecken und die Täter zu er- Mitteln. Die Ware wurde im letzten Augenblick von den Beamten der Ueberwachungsabteiltlng beschlagnahmt und dem rechtmäßigen Besitzer zugeführt. In dem zweiten Falle handelt es sich um Bandendiebstähle auf dem Schlesischen Güterbahnhof, die durch Rangierer bzw. Arbeiter der BetriebSwerkmeisterei Sehlefischer Bahnhof seit einem halben Jahre an Postbeiwagen und Güterwagen aus dem Schlesischen Bahnhof verübt worden waren, ohne daß es bisher möglich war, den Dieben auf die Spur zu kommen. Meist während des Nachtdienstes wurden dort planmäßig Wagen er- brachen. Nunmehr konnte ein Täter auf frischer Tat ertappt wer- den. Bis jetzt sind in die Angelegenheit 10 Eisenbahnangestclltc verwickelt, die seit langer Zeit Diebstähle an Lebensmittelsendungen, Stoffen und Genußmitteln begingen. Der Schaden beläuft sich auf über 100 0 0 0 Dt._ Tic juristische Sprechstunde findet heute von 3 biS 5 Ahr statt. Groft-Bcrliner Lebensmittel- Pankow. Auf ReichSsletschkarte neben inländischem Frischfleisch ameri- konische Speckwaren und Rindflesschkonserven. Grsß-Serliner partelnachrlchten. 9.— 14. Abt. Am Sonntag veranstaltet der Verein Arbeiter-Jugend Grotz-Berlin im„Rcichenberger Hos'. Reichcnbergcr Slrahe 147. ein Herbstfeft, bestebend auS Gesang. Musik, Rezitationen, Reigentänzen und Aniprache. Karten zu 75 Pf. sind zu haben bei Haft, Harzer Strafte 117 und am Saaleingang. Saalöffnung 5 Uhr. Beginn 6 Uhr. Eisenbahnrr-SSerbeausschuft. Dienstag, nachm. 5 Uhr, General- Versammlung, Prachtsäle Alt-Berlin, Blumenstr. 10. Erscheinen sämllichcr Eisenbattncr, die aus dem Boden der S. P. D, stehen, dringend er- forderlich. Iugenöveranftaltungen. Zentral-Jugcudbeim, Ltndenftr. 3, 2. Hof, l. III. Vortrag: Da» Programm der sozialistischen Parteien. Citcu. Jugendheim, Jugendllubzimmer der 229/255. Gememde-Schulc, Ehrenbewftratze. Besuch der Sternwarte. Iiidru-Tüdweiten. Gemeinde. Schule, WilmZstr. 19, Jugendklub- zimmer. Vortrag: Bismarck und leine Zeit. Pkoadtt. Lokal Schmidt, Wlclcfltr. 17. Vorttag: Die großen Utovisten. Drcptow-Baiimschulcnweg. Jugendheim, Eltenstr. 3 lRingbahnhos Treptow). DiSkusfionsabend: KvmmunisniuS und TcrroriSmuS. Lichtenberg. Jugendheim, Parlaue 19(Ecke MSllcndorsstraße), Dis- kussionSabend. Weise» see. Jugendheim, Doelckprommenade l. Vortrag: Der Wert deS Jugendheims. Sämtliche Veranstaltungen beginne» um 7 Uhr. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Arbeiter-Stenograpbenbund.Jntersystemal". Sitzung jeden Frei- tag von 7—9 im Patzenhoser, Fruchlftr. 7t. Gäste willkommen.— Allgemeine Famtlieusterdekasse. Sonntag Zahl- und»usuahmetag, in den Restaurants Gerichtsw. 12/13 2-6 Uhr, Adalbertstr. 24 2—5 Uhr. Sportaachrichten. Freier Wanderduud. Sonntag Herbstsahil durch dl« Sankower und Granzowcr Forst. Rügenwalde Nachtlager. Ncu-Temmen, peffenhagen-Melzow Fahrgeld etwa 7 SN. Absahrt Sonnabend abend 8 Uhr Stclliner Fern- bahnbos.— StrauSberg-LHIandsee-Tiesensec. Absabrt Schief. Bahnbos. 6 Uhr früh. Heute Mttglicdcrocriainmlung bei Schreiber, Berlin C., Holz- marllslr. 65. Bortrag des Genossen Häbickc.— Der L. Vortragsabend des Märkische« Donristrnktubs 1909. Lichtbildeioorirag„Der Schwarz. wald-, findet am 39. d. Mi«., abends 71/, Uhr, im Berliner Klubhaus, Ohmstr. 2, statt. Käste willkommen. WetterauSsichte» für da» mittlere Rordbcutfchlaud bi» Sounadcild mittag. Zeitweise aufklarend, jedoch überwiegend bcwöilt oder nebelig, m den Tagesstunden ziemlich mild, im Westen besonders an der Küste verschiedentlich etwas Regen. 2 tllcht.. zuverläss. Arbeiter für cedeMövelpolslelMg ln gut bezahlte, dauernde Etel- lung nach IIe1»Iogsoi'«, klau- land, für soft gesucht. Persiwl. Vorstellung m. Zeugnissen Frei- tag, 24., n. Eonuab., 25., vorm. 11—12, Notrl Hobcnzollern, vehrenstr. 18(Portier). 2256 Warum sind 3aekeis„Schlafe patenf-Iöbel seit 35 Jahren so beliebt and gesucht? VLTaII sie üt« einzigen sind, welche sich Im prnktlachen Gebrauch groCcrtlg bewährt haben und weil sie tt vaa der heutigen Wohnungsnot am Wlgsien und sichersten abhelfen.— Illustrierte Preisliste gratis und franko. R. JAEKEL's Patent MobeS Fabrik, EÄ; I anHnOPlrhfcpat �• 1r"'ur' �'helm v. Klrchbaeh LullUycritlllsral gers-r. sprechen Potsdamer Str. IIS. (Lützowstr.) Langjähr. Crtahr. Zuverläss. Rechtsbeistand in Ehe-, Alimenten- u. Vertrauenssach, Gesuche. Verträge, Er- Mittelungen.— Beobachtungen. Tel. Lütiow 24Q4. Spezialarzt Dr. med. Coleman Sprechstunden 9—1, 5— 7'/». Sonntag» 9—1. MMMe 91/92 pÄeen' ♦ l8i�lUR Opernhaus. Der Rosenkavalier. Anfang 6V2 Uhr. Schauspielhaus. Judith. Anfang 7 Uhr. Direktion Max Reinnardt. Deutsche» Theater. 6/, u.: Othello. Sonnabend 7 Uhr: Cymbelln, Kamraerspiele. u�: Die Büchse üerFaüdora Sonnabend 7 Uhr: Iwanow. Theater!• d. RöniggrhtzerStrsße 7 Uhr: Ein Traumspiel. Sonnabd.: Schloß Wetterslein Sonntag nachm.: Musik. Abends: Schloß Wetterstein Montag: Ein Traumspiel KomSdienhaus VjS: Llselott von der Pfalz. Beiiiner Theater 7.10 Uhr: Unniiuel- Htndcntcn. Centrai-Theater t«/, Uhr: Die Fäschingslee. Deutsches Opemiians 7 uhr: Die seiiöae Beiern £(teii-Theatcr 7-/. U.:„ü. A. W. g" Stg. 3U.; Prinzessin vom Nil. Friedr.-WUhclmst.Th. 7',. uhr- firetchen. Kleine» Tbcater. 7v» uhr: Helden. Kl. Schauspielhaus. B Ef kann nicht beiehica. Komische Oper 7'/. u.: liebeszauber. Stg. IV, U.: Schwarzwaldmädel liustspielhans t-/, uhr: So ein Mädel. Metpopol-Theatep. 7 Uhr: Sybill mit Massary und Thielscher, Sonntag 3 U.: Charleys Tante mit Thielscher. Sfeues Operetten hau» 7v,u.:D!eD8nie?DinZiFkus. Schiller-Theat. Charl. 7»/. uhr: Der Beineliibaaer, Thalia-Theater Tt/auJongfer Sonnenschein Th.am Xollendorfplatz 7'/, Uhr; JDcp&tergcfTe'Gte Theater des Westens 7v,u.:DleFraüiinaerni3lin Stg. 3>/, U.: Die lustige Witwe. Theater„Die Trihüne" 7v- uhr:„Die Wanillnng." Theater d. Prledrlchstadt 7Vi Uhr: Dr. Stlezlh» mit Hud.SGhildkraut Wallner-Theater uh? Eine Balinacht. Sonnt 3t/, Uhr; Die Geisha Residenz- Theater. Untergrundb. Klosterstraße. Stadtbahn Jannowitzbrücke. Täglich Heute 970 M9I0 8 Uhr. zum D/il.lIloiü Das lere Lefiea. Von Hermann Sudermann. Regie: Allred Roller. Olga Limburg, Harry Lledtke, Rosa Valettl, Martetta Olly, Emma Ocbner, Uunold, Brenkendarf, Mamelok. Sonnabend 4 Uhr, kleine Pr.; Hansel und Oretel. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr..- Z. 381. Male: Der gute Ruf, Trianon-Theater. Bahnhof Priedrichstraße. Untergrundbahn Friedrichstr, Täglich V� Uhr; JSaskevade. Von Ludwig Fulda. Regie: Alfred Roller. Hansl Arnstadt, Eugen Burg, Kätke Dorsch, Paul Bildt, Jul. Falkenstein, Hugo Flink, Paula Leiermann. Sonnabend 4 Uhr, kleine Pr.: AscbenbrUdel. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr.: _ Johannistcncr. Walhaüa-TheaterT 7V, Uhr: Eine Frau wie Du. Rose-Theater. 7»/, Uhr: Das Gesetz. Kasino- Theater Lothrlngerstraße. Tägi.!/,8 U.: Großstadt-Pflanzen Volkssttick in 3 Akten Vorher: Schwarzwaldbüble. Operettenakt m.ViktorLitzek. Dazu erstklass. Spezialitäten. Sonntag V,4: Mädchenehre. Winter- Garten Wegen des umfangreiche» Oktober-Spielplans — Anfang 7.15— Rauchen gestattet! Thtatse am ttotthaser Tat. TeL. Moritzplatz 14 814. Jcd. Abend?>/, Uhi Slitc- Sänger Ö«vom. M Jtx I. der Stattmer Sä.' ger. �uauunchm 8 Chi «rm&fi FreiseivoU Ahend- ProcranuR) 1 Kind froil• Bauchen gestattet flei-Konzeii. ücg. T.iollhr. Vonwill. U-iVs n. 4— ö Uhr. Volksbühne a�mown. 7'/, Uhr: Paul Lange und Tora Parsberg._ Lessing-Theater Direktion: Victor Barnowsky. 7: Peer Cynt. Sbd. 71/,! Christa die Tante. Sonnt f1/,' Christa die Tante Deatsches KünstMeatcr 7: Zum I.Male! Cyprlenne. (Leopoldine Konstantln.Qrete Feising, Annaliese Halbe, Jo Hegyt Helene Konschewska, Kurt Götz, Rud. Klein-Rogge, Erich Walter, Franz Weber, Karl Rückert.) Sonnabend und Sonntag T1/,: _ Cyprlenne._ ÄPOLLO THJPATBK | Friedrichstraße 218| Dir.: James Klein 7V, allabendl. 7V, Sonnt.SV, u. I jDie Well! Im Jahre 2000! Gr.Varietä-Ausstatt.- schau in 3 Bildern. I 1 In Szene ges.von Dir. j James Klein. |tT.a.: Modenschau! im Jahre 2000 10 Ikarier zu Pferde 1 1 Akrobatische Spiele/ j Die Lichtfee in der r j Silbergrotte/Tänze/ I E Effekte a.d.Jahre 2000 S Senta Süneland j Lucle Blattner H. Lamberts-Paulscn j Alex Stamer j HedwigGltzke uswl I Sonnt. 3'/, j.Erwact«.| 1 Kind frei! m WM Alcxanderstr. 21 Täglich 7.30: H Spezialitäten u. Varletä. Burleske: iliuIi.Kii3igsta[lt-Sasiiio in 3 Bildern. CirmSuscb " Freitag, 24. 10., 7>/, Uhr: JühEl-f 25 N AdI- fieq. „Aphrodite" Tragi komisch. Pantomime von Paula Busch, insz. v. HofbalLmstr. CLBIanvalet Pers. Auftr. d. Verlass. Pania Bnsch. Vorher d.gnZirkus-Progr. am Bhf. Friedrichstr. Schleifenbahn Flgnr-S-Bahn Berg- und Talbahn Taifun-Rad IflpiMiilte! Werktags ab 3, Sonnt. 4 U. Mcrry Ronald Fred Marlon Blenlta | Schlüter-Orünltz j Mary Walter 4 Varadls Irma Traun N'cgrel u. Pola Max Marzelll Paul Stelnitz Conf.: Slegfr. Flatow 'Am Flügel: Henschel 1 Potsdamer Str. 38 Turmstr. 12 Henny* Folien in: »le lebende Tote Friedenau, Rheinstr. 14 Aphrodite. AI exanderplaiz-Passage. Eva Hay in: Irrlicht. Yeute im Berliner Thealer zum 40D, Male: Kümmel- AuiteM. 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Zun! 1919(Relchs-Geseg- blalt S. 535) wird für dm Bezirk der Stadt Berlin angeordnet: Die Pervrdnpng vom 9. Februar 1917 wird wie folgt g«- ändert: 1. Die Uederschrtst«nd»er Eingang erhaltm folgende Fassung: Verordnung über die Abgabe und Entnahme von Brot und Mehl. 58 und folgt Auf Grund der ilgende der Neichs-Getreide- Ordnung slir die Ernte 1919 vom 18. Innt 1919(Reich»-Gesetz- diatt S. 535) wird für dm Bezirk der Stadt Berlin angeordnet 2. Artikel 1 z 3 erhält folgende Fassung: Jede Brotkarte enthält Abschnitte, die insgesamt über ein Ncht von 2350 Gramm lauten. Die Brotkarten und Ihre ewzewm Abschnitte find nicht übertragbar. 3. Artikel i z 8 Abs. 1 erhält folgende Fassung: Grobbrot darf nur im Gewicht von 2000 Gramm. Klein- gedäck nur im Gewicht von 50 Gramm. Krankenbrot nur tm Gewicht von 1850, 1000 und 850 Gramm hergestellt werden. Gebäck darf nur abgeaeben und entnommen werden, tsenn es den Vorschriften des Absatz 1 entspricht. Die« gilt auch für die Abgabe an Bieder» erkäuser. Klringeba-k darf nur auf die über 50 Gramm lautmdm Abschnitte der Brottard» oder auf Rrichs-Brotmarken abgegeben und entnommen werden. 4. Artikel 1 zz 7, 17 fallen weg. 5. Artikel II 5 1 erhält folgende Fassung:• Der Brotprris darf im Kleinverkauf nicht üderfieigm: bei Grobbrot im Gewicht von 2000 Gramm.. 180 Pf. bei Kleinacbäek im Gewicht von 50 Gramm.. 5, bei Krankendrot hn Gewicht von 1850 Gramm. 185„ Bei Abgabe des Gebäcks in Teilen dürfen Bruchteile von Pfennigen als volle Pfennige gerechnet werden. 8. Artikel II h 3 erhält folgende Fassung.- Der Mehlpreis darf im Kleinhandel nicht Lberst eigen: '"~"1 82 �roz....... � Pf. iCOJ. für 1 Pfund für 1 Pfund Roggen m«! für I Pfund Weizenmehl SO,...... für 1 Pfund Welzenmehl 94 Proz........ für 1 Pfund Krankenmehl(Weizenmehl 65 Proz.). für 1 Pfund(Serstenmehl 75 Pro»........ dürfen als 48 42 50 4t volle Pfennige gr- Bruchteile von Pfennigen rechnet werden. 7. Artikel II 8 7 erhält folgende Zuwiderdandlungen gegen diese Perordnung werden gemäß Zss SO.SI der Reichs-Getreideordnung für die Ernte 1919 bestrast. Auch tanr. oeinäßzll daselbst die Schließung des Betriebs erfolgen. Bestellt jemand einen anderen zu einer Berrichtung, so find beide Teile für die Befolgung dieser Perordnung verantwortlich. B. Die Verordnung Uber Abgabe von Beißbrot vom 13. März 1917, die Backverorbnung vom 27. Ottoder 1917, giffer I und U der Verordnung üb.c Mehlpreise vom 10. August 1918, die Verordnung Uder Brotmenge und Brotpreise, sowie den Fortfall der Zusatzbrotkarten vom 27. November I9tS. sowie die Ver- ordnung über Brotpreist vom 25. Marz 1919 werden aufgehoben. c. Diese Verordnung tritt am 27. Oktober 1919 In Kraft. Berlin, den 17. Oktober 1919 14342 Br. I. Magistrat. Bermnth. schnell, Hornhaut, Ballen und Warzen beseitigt man sicher und schmerzlos mit VtScS'" K'>n vielen tausend Fällen fW la. 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Graf Bernstorff: Ich habe auch mit Generalfeldmarschall v. Hindenburg gesprochen. Abg. Dr. Cohn: Ist Ihnen von jemand gesagt worden, daß man dem Kaiser so ernste Sachen nicht mitteilen möchte. Vielleicht von Herren der politischen Abteilung im Hauptquartier? Graf Bernstorfs: Nein. Abg. Dr. Sinzheimer: Halten Sie die Gründe, aus denen Sie heraus vom Kaiser nicht empfangen werden sollten, für echt oder nur für Vor wände? Graf Bernstorff: Vorwände ist ein zu st a r k e r Ausdruck. Ich habe allerdings persönlich angenommen, daß tiefergehende politische Meinungsverschiedenheiten die Ursache waren. Abg. Dr. Sinzheimcr: Haben Sie Anhaltspunkte dafür, daß gewisse Kreise den Kaiser bestünmt haben, Sie nicht zu empfan- gen, weil Sie über die Friedcnsaktion Wilsons genau Auskunft geben konnten? Graf Bernstorff: Bestimmte Anhaltspunkte nicht. Abg. Dr. Sinzheimer: Es fällt auf, daß der'Kaiser sich in dem mehrfach erwähnten Telegramm an Staatssekretär Zimmermann nach einer Frieden saktion Wilsons erkundigt. Er kann doch also nicht unterrichtet gewesen sein. Ist Ihnen bekannt, daß in der deutschen Presse eine Fviedensaktion Wilsons als unpopulär a>b- gelehnt wurde? Haben Sie nicht einmal gefragt, lvarum man die Presse nicht aufkläre über die Astsichten der Reichsregienung? Sie beklagen sich doch einmal über die Haltung der deutschen Presse. Graf Bernstorff: Ich haste angenommen, daß in der Presse künstlich eine Agitation für den U-Boot-Krieg gemacht würde. Da diese künstliche Agitation für den U-Boot-Krieg miei- stens mit Angriffen gegen mich verströmt waren und weil diese(alldeutsch-konservativel Red.) Presse das Auswärtige Amt ebenso scharf angriff wie mich, so haste ich mich allerdings gefragt, ob man die Presse nicht anders hätte beeinflussen können. Bon Amerika aus tonnte ich das aber nicht so genau beurteilen. Vorsitzender Warmuth: Sie sprechen von einer künstlichen Stinrniullgsmache. Ktmnte nicht eine ganz natürliche Stim- mungsmache vorliegen? Graf Bernstorff: Von meinem Standpunkt aus haste ich diese Agitatiou für künstlich gehalten und halte sie noch heute dafür. Ich glaube noch heute, daß, wenn die Sffentliche Meinung in Teutschland zu wählen gehabt hätte zwischen einem möglichen Ber- ftäudigungsfrieden und dem U-Boot-Krieg, sie sich für den Ber- ständigungsfricden entschieden hätte, wenn man sie genau aufgeklärt hätte. Borsitzwtder Warmuth: Das ist aber Ihre rein subjektive Auffassung. Graf Bernstorff: Gewiß, Anhaltspunkte dafür haste ich nicht, ich habe das so angenommen., Professor Bonn: Hasten Sie am 4. Mai, als Sie mit General Ludendorff sprachen, zum erstenmal mit Herren der Obersten Heeresleitung offiziell verhandelt? Graf Bernstorff: Das erste Mal! Professor Bonn: Als Sie am 14. März hier anlarigten, waren die Beziehungen schon astgebrochen. Es spielten oster doch noch allerlei Möglichkeiten, wenn auch sehr unsteftimmte, daß es doch noch nicht zum Kriege zu kommen brauchte. Der Kriegszustand trat ö'.it am 2. April ein. Diese Frist ist von den maßgebenderi Kreisen nicht, ausgenutzt worden, um Sie zu einer persönlichen Bericht- c-;; attung aufzufordern? Graf Bernstorff: Ich könnte mich in'den Daten irren, aber so viel weiß ich: an dein Tage meiner Ankunft waren alle diese Fragen in sämtlichen Phasen bereits erledigt. Auch heute bin ich noch der Ansicht, daß meine Zurückhaltung in Halifax den Zweck gehabt hat, mir die Gelegenheit zu nehmen, hier etwas zu unter- nehmen. Professor Bonn: Haben Sie General Ludendorff zu der- stehen gegeben, daß diese Friedensbemühungen keine deplmnatiscbe Extratour Ihrerseits sei, sondern daß Sie mindestens gutgläubig der Meinung waren, die Politik der Regierung zu vertretet?? Graf Bernstorff: Ja, das habe ich ihm gesagt. Ich entsinne mich auf eine Aeußcrung, die mir vorhin entfallen war, daß General Ludendorff mir auf meine Bemerkung, daß ich den Frieden hätte machen wollen, ehe wir am Ende feien, antwortete: „Uebrigens sind Sie ja wohl zum Teil berechtigt gewesen, wenn Sie geglaubt hasten, in dieser Hinsicht tätig sein zu sollen, denn aus den Jnformationeu konnten Sie wohl den Gedanken herauslesen, daß wir am Ende wären." Auf diese Antwort entsinne ich mich. Professor Bonn: Haben Sie bei der Unterredung mit General Lustendorff die Friedensschritte im einzelnen besprochen? Graf Bernstorff: Im einzelnen, nein. Professor Bonn: Wußte er damals, daß nach dem 22. Januar Wilson durch Oberst House nochmals sein« Friedcnsverinittlung angeboten hat? Graf Bernstorff: Das wußte er. Abg. Dr. Cohn: Ist die Audienz beim Kaiser nach Ihrer Rückkehr erfolgt, weil es üblich war, daß Diplomaten bei ihrer Heimkehr sich meldeten, oder wurde von irgendeiner Seite besonderer Wert darauf gelegt, vielleicht von Ihnen oder vom Reichskanzler? Graf Bernstorff: Es war üblich, daß wir uns immer meldeten, wenn wir nach Berlin kamen, vollends nach Abbruch der diplomati- scheu Bez:e Hungen habe ich es für ganz selbstverständlich gehalten, mich zu melden. Zlbg. Dr. Cohn: Sprachen Sie bei Ihrer ersten Unterredung mit Herrn v. Bethmann darüber? Graf Bernstorff: Ich glaube, der Reichskanzler hat mir gesagt, icü würde demnächst empfanden werden. Auf alle Fälle wur Rede davon, daß cs erwünscht sei. daß der Kaiser mich sehe. Abg. Dr. Cohn: Mich interessiert der technische Gang, wie diese Unterredung hergestellt worden ist. Graf Bernstorff: Es bedurfte dazu der Anmeldung durch das Auswärtige Amt.„ Abg. Dr. Cohn: In drese sofort erfolgt? Graf Bernstorff: Sowe-t ich mich entsinn«, sofort. Nach den Gründen der Verzögerung habe ich mich später erkundigt, das Aus- wältige Amt hat. soweit ich mich ent>inue. meine Vorstellung sofort 1 �r.�Cohn: Ist Ihre Besprechung mit Hmdenburg und Ludendorkf auch von ivaendeiner Seite, von Ihnen, dem Reichs- kauzler oder dem Auswärtigen Amt veranlaßt worden oder ergab sie sich zusällio? Graf Bernstorff: Da» Zusammentreffen ergab sich von selbst. Ich erhielt ein Telegramm vom Auswärtigen Amt, daß ich mich öu melden hätte. An der Krühstückslafel nahmen auch Generalfeld- Marschall v. Hindenburg und General Ludendorff teil. Da habe ich mich ans reiner Höflichkeit verpflichtet gefühlt, beiden Herren Be-! suche zu machen.' 1 Abg. Dr. Cohn: Die Heeresleitung hat also nicht das Bedürf- ms gehabt, Sie zu sprechen? Graf Bernstorff: Eine Aufforderung habe ich nicht erhalten. Vorsitzender Warmuth: Sie haben nach Ihrer Rückkehr eine Unterredung mit Staatssekretär Zimmermann gehabt. Ist dabei, wie ich als selbstverständlich annehme, auch von den Frie- densvermitUungen Wilsons gesprochen worden, und ist die Ernst- haftigkeit dieser Vermittlungsvorschläge besprochen worden? Graf Bernstorff: Soweit ich mich entsinne, haste ich am Tage nach meiner Rückkehr mit Staatssekretär Zimmermann und dem öste'rreichifch-ungarischen Botschafter gefrühstückt. Bei der Konver- sation wurde über die Sachlage allgemein gesprochen. Abg. Gothcin(Dem.): Sie hasten vorhin gesagt, daß Sie den Eindruck gehabt hätten, daß die Stimmung der Presse auf künst- licher Mache beruhe. War Ihnen das Vorhmrdenfein und dre Tätigkeit des Kriegspresseamtes und der Zensur bekannt, die starken Einfluß auf die Haltung der Presse ausübten? Graf Bernstorff: So genau kannte ich von Amerika aus die Verhältnisse nicht, aber ich habe geglaubt, daß von der Marine- behörde die Presse im Sinne des U-Boot-Krieges beeinflußt werde. Das glaube ich auch heute noch. Positives kann ich natürlich nicht angeben. Abg. Dr. Petersen(Dem.): Ist bei der Unterredung mit dem Reichskanzler trotz des kritischen Stadiums doch noch von dem Ver- such gesprochen worden, erneut mit der amerikanischen Regierung in Fühlung zu kommen oder haben Sie die Ueberzeugung gehabt, daß doch alles unnütz sei? Gras Bernstorff: Ich habe keine Anregung mehr gegeben, weil ich alles für erledigt hielt und fest davon überzeugt war, daß der Krieg erklärt werden würde. Abg. Dr. Petersen: Sie haben also keine Anregungen gegeben, die etwa nicht befolgt worden wären? Gras Bernstorff: Genau kann ich mich nicht entsinnen, was damals gesagt worden ist, aber jedenfalls ist eine Anregung meinerseits mir nicht erinnerlich. Auf weiteres Befragen durch den Abg. Dr. Cohn erklärt Graf Bernstorff, daß ihm im allgemeinen die Tätigkeit des Kriegspresseamtes und die Einrichtung der Pressekonferenz be- k a n n t gewesen sei. Abg. Dr. Sinzheimcr: Fiel Ihnen nicht auf, baß gerade in der Zeit, wo die Friedensaktion Wilsons gewünscht wurde, die schärfste Fehde gegen Wilson zugunsten des U-Boot-Krieges ge- führt wurde? Graf Bernstorff: Aufgefallen ist es mir. Abg. Dr. Sinzheimer: Diese beiden Faktoren stehen doch ein- ander vollständig diametral entgegen. Graf Bernstorff: Ich habe angenommen, daß auf die Presse in diesem Sinne eingewirkt worden ist. Damit schließt die Vernehmung des Grafen Bernstorff. Die nächste Sitzrrng wird am 31. Oktober, 10 Uht vormittags, wahrscheinlich im Plenarsitzungssaal des ehemaligen Herren- Hauses stattfinden. Es wird an diesem Tage der frühere Reichs- kanzler v. Bethmann Hollweg vernommen werden, Graf Bernstorff wird zu eventueller Gegenüberstellung ebenfalls zu dieser Tagung geladen werden. *• * Sis zur Vernehmung Sethmanns. Am Freitag wird eine Plenarsitzung des gesamten Untersuchungsausschusses der Nationalversammlung stattfinden. In seinem einleitenden Referat in ber ersten öffentlichen Sitzung hatte der Berichterstatter Dr. Sinzheimer mitgeteilt, daß bisher nur die Akten de? Auswärtigen Amtes zur Verfügung ge- standen hätten, die Akten der anderen in Betracht kommenden Aemter(Ge ner alftast, Admiralstab usw.) würden noch herangezogen werden. Die Prüfung letzterer Dokumente dürste in der Zeit bis zur nächsten öffentlichen Sitzung am 31. Oktober stattfinden. Da der vierte Unterausschuß, dessen Vorfitz Abg. Lands- berg(Soz.) führt, sämtliche völkerrechtswidrigen Maßnahmen, die sich auf B e l g i e n beziehen, zu prüfen hat, ist mit einer Unmenge von Material zu rechnen. Die Arbeitsmethode dieses Ausschusses ist noch nicht festgelegt. Gegen öie Funker. In der Donnerstagsitzung der preußischen Landes» Versammlung versuchte Landwirtschaftsminister Branu auf die Klage gegen den Abg. von der Osten(D.-Nat.) wegen Be- leidigung des Regierungsverlreters Dr. Grimm einzugehen, wird aber von zahlreichen Abgeordneten der Rechten sofort durch lärmende Zwischenrufe»icdergrbrüllt. Vizepräsident von K r i e s lDnal.) sieht dem gelassen zu. In großer Erregung ruft der Minister schließlich überlaut:.Hören Sie mich doch erst einmal anl" Jetzt dringen auch die Abgeordneten der Linken, sich in großen Scharen den Sitzen der Rechten nähernd, auf diese ein, und verlangen Ruhe. Der Minister führt nun aus: Die Klage- Angelegenheit sollte zunächst in loyaler Weise beigelegt werden, wenn sich die Herren der Rechten nach Kenntnisnahme des Materials zu einer Aenderung ihres Standpunktes bereiifinden würden. Gestern hat aber der Abg. von der Osten die ihm bekannten Tatsachen wieder irreführend dargestellt. Deshalb ist schnellstens Borbeuge getroffen für gericht- liche Klarstellung. Wegen der erheblichen Arbeitelschwierigkeiten kann die Kartoffelernte i» Ostpreußen bisher nicht befriedigend eingebracht werden. Die städtischen Arbe»snachweise treffen leider noch nicht die richtige Answahl für die landwirtschaftlichen Arbeiten. Die jahrzehntelange Praxis der Versendung von jetzt gewaltsam zurückgehaltenen polnischen Arbeitern hat im Osten ein Milieu geschaffen, in dem sich der frei- gewerlschafilich organisierte Arbeiter nicht wohlfühlen konnte.(Lebh. Wideripr. rechts, lebh. Zustimmung linls.) Herr von der Osten hat mir vorgeworfen, ich könnte keine Kritik vertragen. Was Sie(zur Rechten) Kritik nennen, kenne ich seit 20 Jabren. Ihre Kampfes- weise ist von Ihrem Junkcrgenossen Bismarck hinreichend gekenn- wichnet worden.(Beifall lmls.l Sachliche Kritik ist mir im höchsten Grade willkommen. Darunter verstehe ich aber nicht persönliche Beschimpfungen und Verunglrmp'üiigeit. Auch fasse ich Preßfreiheil nicht als Schimpffreiheit auf.sche Zustimmung links, große Unruhe rcchlS.) Sie(zur Rechten) machen wir einen Bor- wurf daraus, daß ich da« Verbleiben aus mei icm Posten von dem Vertrauen meiner Partei abhängig mache. Gerade Sie müssen doch wissen, daß sich früher ein Minister nicht halten tonnte, wenn er damals nicht das Vertrauen der in diesem Hause größten Partei nichl halte.(Zustimmung links.) Jetzt sitzt diese giößte Pariei auf der Linken; das ist doch aber kein Grund, von dem früheren Verfahren abzugehen.(Lehhafter Beifall links.) Abg. Mehrhoff(U. Soz.): Der Verlauf der Aussprache hat be- wiesen, daß die Zloniervativen aus der Geschichte noch immer nichts gelernt haben.(Gelächter rechts.) Aus der Ernährungsnot kann uns nur eine sozialistische landwirtschaftliche Wirtschaftsweise retten. Die Begehrlichkeit der Bauern ist durch die Großagrarier aufgepeitscht worden. Aus den Ernährungsichwierigkeiten würde uns nur die Sozialisierung und Jndustriealisierung der Landwirt- schasr herausreißen.(Beifall b. d. Unabh.) Abg. Held(D. Vp.): Bei der heuligen Wirtschaftsweise ringt der Bauer dem Boden mehr als das Doppelte dessen ab. was die ausländische Landwirtjchast unter viel besseren Verhältnissen leistet. Die Sozialisserung würde keineswegs zur Besserung unserer Er- nährung beilragen. Abg. Petcrs-Hochdonn(Soz.): Es ist das Verdienst des Land- wirtschastsministers, durch seine Verordnung dem Volke dir Ernte gerettet zu haben. In der Landwirtichaftskaminer muß auch der Klein« betrieb und die Arbeiterschaft Sitz und Stimme haben.(Sehr richtig! links.) Wir lehnen die Aufhebung der Verordnung zur Sicherstellung lchndwirtschaftlicher Arbeiten ab. Die agrarische Agi- tation ist an der Zerrüttung unserer wirtschaftlichen Verhültmsse in erster Linie mit schuld.(Zustimmung links.) Abg. Bcrghaus(Dem.): Die jahrelange Agitation des Bundes der Landwirte hat die Landbevölkerung auf materielle Interessen eingestellt.(Sehr wahr! links.) Die Aufhebung der Zwangswirt« schaft fordern wir zwar nicht sofort, aber sobald wie möglich.� Man muß alles tun, um die Landwirtschaft nicht unnötig zu verärgern. (Lebh. Beifall bei den Demokraten.) Freitag 12 Uhr: Weiterberatung. Schluß 6� Uhr. Staötverorönetenversammlung. Stürmische Strcikdcbattc. Der Andrang zur Zuhörertribüne ist wiederum ein so� gewaltiger, daß die Pressevertreter nur mit großer Mühe und auf Umwegen zu ihren Plätzen gelangen können. In Sel�lren sind die Magistrats-Bureauhilfskraste erschienen, um der Verhandlung über den Schiedsspruch vom 11. Oktober und vor allem über die Anträge beizuwohnen, die aus der Mitte der Ver- sammlung gestellt sind, um die nach dem Streik erfolgten Maß- regelungen rückgängig zu machen. Räch Eröffnung der Sitzung durch den Vorsteher Dr. Wehl wird die Erledigung dieser Gegenstände vorweggenommen. Von den U. Soz. ist beantragt, die infolge des Streiks der Hilfskräfte zur Entlassung gekommenen Angestellten ohne Schmälerung ihrer Bezüge und Rechte sofort wieder einzustellen und die als Er- sah neu angestellten Hilfskräfte sofort zu entlassen. Ein drin- gender Antrag Barkowski u. Gen.(Soz.) geht dahin, den Magistrat zu ersuchen, die bei Beendigung des Streiks entstandenen Streitig- ketten über die Wiedereinstellung der Streikenden zum Gegen- stand einer sofortige w Aussprache in der Großen Deputation zu machen. Weise(U. Soz.): 400 Angestellte, darunter 30 Angestellten- Ausschußmitglieder, müssen als gemaßregelt gelten.(Hört! hört!) Nach dem Schiedsspruch hätte man doch die Streitaxt begraben sollen. Der Oberbürgermeister hat ausdrücklich erklärt, daß nicht unnötigerweise nachgeschnüffelt werden solle; in der Deputation sind aber beweislos Fälle von Sabotage von Aktenmaterial usw. vorgetragen worden. Einzelne Bureau- Vorsteher führen eine wahre Paschawirtschaft und haben die Mißliebigen aus den Bureaus gewiesen. Auch wegen Streikpoftenstehens find Maßregelungen erfolgt. Für die Entlassenen hat man wirtschaftlich sehr starke Personen als Ersatz eingestellt und behalten. Redner macht eine lange Reihe von Bureauvorstehern namhaft, die sich solcher Mahregelungen schuldig gemacht hätten und sich dabei allerdings in der guten Gesellschaft des Kämmerers befänden. Das entgangene Gehalt müsse für die Zeit von der Entlassung bis zur Wiedereinstellung nachgezahlt werden. Diese Schlußsorderung wird mit lebhaftem Beifall von der Tribüne und von einem Teil der Versammlung ausgenom- men, während ein anderer ebenso lebhaften Widerspruch erhebt. Der Rede Weises klatscht die Tribüne Beifall. Ritter(Soz.) redet dem baldigsten Abschluß eines Tarifvertrages das Wort, da alle bisherigen Abmachun- gen nur Provisorien seien. Daß es ohne Reibungen_ nicht abgehen werde, sei' zu erwarten gewesen. Es seien tatsächlich an- nähernd 1000 Personen nicht wieder in ihre Stel- lungen zurückgekommen. Einzelne Bureauvorsteher hätten erklärt, den Schiedsspruch überhaupt nicht anerkennen zu wollen. Solche kleinliche Gehässigkeit vollends, wie die BeHand- lung von Wiedereingestellten, die zum Teil schon lange Jahre be- schäftigt waren, als„Neueingestellte" müsse auss schärfste zurück- gewiesen werden. Ueber die Vetternwirtschaft innerhalb der Sub- alternbeamtenschaft wäre hierbei auch ein Wort zu sagen. Stadtrat Dr. Seckt hat bei seinen Auslassungen über den Streik und seinen Verlaus einen harten Kampf mit ber Tribüne, die von den Hilsskrästen besetzt ist, zu bestehen, wo der Lärm und die höhnischen Zurufe zeitweise derart zunehmen, daß der Vor- steher-Stellvertreter Wege sich veranlaßt sieht, die Erwartung ausgusprechen, daß die Angestellten des Magistrats die Würde des Hauses wahren würden.— Die Angestellten hätten einen doppelten, Rechtsbruch begangen; von ihrer Seite, nicht vom Magistrat, sei der rücksichtsloseste Herrenstandpunkt vertreten worden. Der Magistrat habe in der Notwehr gehandelt. In eindringender Darstellung führt der Redner aus, in welche schwere Bedrängnis die Bevölkerung durch die Still- legungderlebenswichtigenBet riebe gebracht worden sei. Der Magistrat sei zu loyalster Liquidierung des Streiks ge- Willi. Es handle sich um etwas übe» 2ö0 Personen, von Maßrege- lung sei keine RÄe, nur von verzögerter Wiedereinstellung.—> Cassel(Dem.) erneuert seinen Protest dagegen, daß der Versamm- lung der Wille eines nicht kompetenten Schiedsgerichts aufge. zwungen wird; dann sei es mit der Demokratie vorbei. Mit dey Entlassung der Ersatzkräste würde der Magistrat die Ehre der� Stadt Berlin preisgeben. Für den Antrag Barkowski wird die demokratische Fraktion stimmen. Der Antrag Wehl trete die Selbstverwaltung geradezu mit Füßen.— Koch(Bg. Vgg.) variiert das Dichterwort„Die Szene wird zum Tribunal" und provoziert einen auch unter den heutigen besonderen Verhältnissen unerhörten Skandal ans dar Tribüne und im Saale, als er die beiden sozialdemokratischen Parteien ausfordert, von „solchen Gesellen" abzurücken. Vorsteher H e i m a n n versucht wiederholt vergeblich, Ruhe zu stiften. Mit Mühe dringt schließ- lich Herr Koch unter Aufbietung eines gewaltigen Stimmaterials durch, um diesen Satz wie folgt zu ergänzen:„die den Bureau- hilfskräfte» sagen: Wenn Ihr nicht streikt, bringen wir Euch aus den Betrieben herausl"— Dr. Lammerich(Z.) Mt den U. Soz. bor, daß sie heute einen Eiertanz ausgeführt hätten und behauptet, unter Heu Magistratshilfskräsicn, die diese Bewegung geleitet hätten, sich ein wegen Unterschlagung mit 1ö Monaten Gefängnis Bestrafter befinde. Die Ausführuatgen dieses Redners beschwören einen neuen Sturm der Entrüstung, besonders bei den U. Soz. und auf der Tribüne herauf.— Da die Erörterung uferlos zu werden droht, beantragt Pfannkch(Soz.) Schluß der Debatte.— Zubeil(U. Soz.) spricht gegen den Schluß: Den Angriffen des Pfarrers Koch darf die Entgegnung nicht abgeschnitten werden.— Der Schlußantrag wird gegen die U. Soz. angenommen. Im Schlußwort geht Zimmermann(U. Soz.) gegen Koch wie gegen den„maßregelnden" Magistrat mit großer Heftigkeit bor. Für den Ausdruck„Lüge", den er nicht zurücknimmt, obwohl er nach dem Zusammenhange auch auf Dr. Lämmer ich bezogen werden muß, erteilt ihm Vorsteher Heimann einen Ordnung-ruf.— Ritter(Soz.) legt dem Magistrat nochmals ans Herz, bei dem nachgeordneten Beamtenpersonal für die Beachtung der gegebe- nen Direktiven mehr als bisher Sorge zu tragen. Der Antrag der U. Soz. wird gegen die Antragsteller abge- lehnt, der Antrag Barkowski einstimmig angenommen. Die Versammlung beschließt noch die Einsetzung einer Depu- tation für Maschinenbau zur Vorbereitung eines einheitlichen städ- tischen Maschinenbauamts. Gegen l-hS Uhr Schluß der öffentlichen Sitzung. In der ge- Heimen steht die Ausnahme einer Anleihe von 20 Millionen Mark zur Beratung. Schlußberkcht öer Generasverfammlung ües Netallarbeiterverbanöes.- Von Haas und Genossen lSukt folpende Ent'chliebung ein: Die erste Borbedingung sür den Erfolg unseres Verbandes ist seine organisatoriiclie Geschloffenbeit und qaklenmätzige Stärke. Aus diesem Grunde hat die 14. Generalversammlung beschlossen� die Vereinigung aller in der Meiallindustrie Beschäftigten mit ganzer Kraft zu fördern. Diese Bestrebung aber wird erschwert, wenn nicht gan, vereitelt, durch die AbsplitterungSveriuche sogenannter Syndikalisten und Kommunisten. Seit einiger Zeil wird in steigendem Mäste von Mitgliedern, als auch von austerbalb des Verbandes stehenden Personen, Syndikalisten. und Kommu- nisten— in Wort und Sckrift zum Austritt auS dem Verband und zur Gründung von Sonderorganisationen aufgefordert. In An» betracht dieser Tat'achen fordert die 14. Generalversammlung des Deutschen Melallarbeiter-BerbandeS den Vorstand wie die Mit- glieder auk. diesen Bestrebungen der Syndikalisten und Kommunisten mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Wer solche Bestrebungen unterstützt oder ihnen Vorschub leiste«, ist als Schädiger der Vsr- bandSinteressen zu bebandeln. Niemand kann gleichzeitig Mitglied des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes und einer Konkurrenz- organisation sein. Der nächste VerbandStag findet in Jena statt. Nach einer Schlustrede von Brandes wurde die General- Versammlung geschlossen._ HewerkschaflsbewMng Generalversammlung öes Metallarbeiterverbanües. In der am Donnerstag abgehaltenen äuherst stark besuchten Generalversammlung deS Metallarbeiterverbandes gab Tost einen Belicht über die gegenwärtige Situation. Die Hoffnung, bei den Verbandlungen in den Gruppen zu einer Verständigung zu kommen, hat sich nicht erfüllt. Dir Hartnäckigkeit, mit der die Unternehmer an ihren Forderungen festhalten, ist noch nicht gebrochen. Aber die jetzig« Zusannnensetzung deS Schiedsgerichts läßt erwarten, daß die Lohnsrage zugunsten der Arbeiter geregelt wird. Nun ist aber wegen der Wiederaufnahme der Arbeit ein scharfer Gegen« s a tz zwischen den Unternehmern und den Arbeitern hervorgetreten. Die Unternehmer verlangen, dah ste allein bestimmen, welche Ar- besten zuerst aufgenommen werden und welche Arbeiter deshalb zunälbst wieder eingestellt werden. Demgegenüber verlangen wir. dah die Vertreter der Arbeiter das volle Mitbestimmungsrecht in dieser Frage zu betätigen haben. Als die Unternehmer von ihrem Standpunkt nicht ablassen wollten, erklärten wir: Der Kampf dreht sich jetzt nicht mehr um die Lohnfrage, denn die wird ja durch das Schiedsgericht entschieden. Jetzt wollen die Unternehmer eine Machtprobe veranstalten. Wenn es so westergeht, dann muffen wir leider den Kampf um die Wiederein- stellung aufnehmen.(Lebhafter Beifall.) Nach dieser Erklärung wurden die Unternehmer entgegenkommender. Sie schlugen uns folgende Vereinbarung vor: Der Streik wird als beendet erklärt. Die Betriebe werden die Arbeiter nach Maßgabe der Betriebsverhältniffe mir mög- lichstcr Beschleunigung wieder einstellen.— Die allgemeinen Arbeitsbedingungen bleiben bestehen.— Bor dem 15. Dezember dürfen betriebsfremde Arbeiter in einer Werkstatt nicht eingestellt werden, sofern Arbeiter dieser Werkstatt, die der betreffenden Kategorie angehören und leistungsfähig sind, am Streik teil« (jenommen haben und noch arbeitslos sind.— Mahregelungen ollen nicht stattfinden. Darunter ist zu verstehen, dah die Wieder- einstellung nur nach sachlichen Gesichtspunkten stattfindet.— Arbeiter, die während des Streiks gearbeitet habe««, und solche, die neu eingestellt sind, dürfen in keiner Weise belästigt oder be- nachteiligt werden. Wir haben— fuhr Tost fort— den Unternehmern erklärt, dah wir diese Bedingungen unserer Generalversammlung zur Ent- scheidung vorlegen. Wir haben uns nun die Frage vorzulegen, wie es in den Kreisen unserer Kollegen aussieht. Ist die Stimmung gut, dann genügt es, dah wir das Schriftstück der Unternehmer einfach zur Kenntnis nehmen.(Zuruf: Reiht doch das Ding kaputt I) Ist die Stimmung nicht gut, dann haben wir darüber zu diskutieren, was zu geschehen hat, um den Widerstand der Unternehmer zu brechen, ohne dah unsere Kollegen weitere materielle Opfer tragen müssen. Die Ueberweisung der WiedereinstellungSfrage einem Schiedsgericht zu unterbreiten, haben die Unternehmer abgelehnt. Wir werden uns an de» Arbeitsminister wenden, damit diese Frage durch ein Schiedsgericht entschieden wird. Lehnen die Unternehmer da« ab. dann zeigen sie vor aller Welt, dah sie den erneuten Kampf wollen.— Die Unternehmer sagen, die Betriebsräte seien mit den Streikenden entlaffen, sie könnten also bei der Wiedereinstellung nicht mitreden. Die Unternehmer wollten aber nach der Wieder- einstellung neue Betriebsräte wählen laffen und sie befragen. Da« bedeutet, die Unternehmer wollen erst die ihnen gefügigen Arbeiter nach eigenem Ermeffen einstellen> und von diesen ebenso gefügige Betriebsräte wählen laffen. Darauf können wir natürlich nicht eingehen.... In der Diskussion wurde übereinstimmend betont, dah die WiedereinstellungSbedingungen der Unternehmer nicht angenommen werden können, und jeder Versuch, noch im letzten Augenblick Un- einigkeit in die Reihen der Arbeiter zu tragen) mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden muh. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die Fünfzehnerkommission besitzt das volle Vertrauen der Generalveriammlzing. Wir erwarten von ihr. dah sie die Mah- nahmen der Unternehmer, wonach die Arbeil ohne Mitwirkinig der Arbeiterausschüsse und Betriebsräte aufgenommen werden soll, ablehnen wird. Die Kollegen sind gewillt, die Arbeit nicht eher aufzunehmen, ehe die Unternehmer ihre Haltung aufgeben. Die Generalversammlung erwartet von der Fünfzehneilommission. dah sie alle Mittel anwendet, um die Haltung der Unternehmer zu durchkreuzen. Zum Netalkrbeiterftrdk. Die Streikleitung berichtet: Die Verhandlungen vor dem SctlichtungSauSschuh werden heute ausgesetzt, weil der Schlichtungsausschuh zur Fällung der SchiedZ- spräche für die bereits verhandelten Gruppen das vorliegende Ma- terial zusammenstellen muh. Die für Freitag vorgesehenen Ver- Handlungsgruppen werden in derselben Reihenfolge am Sonnabend zur Verhandlung kommen: die Gruppe der Schnittarbciter vor- mittags 1» Uhr, die Gruppe der Gürtler und Drücker vormittags 11 Uhr, die Gruppe der Mctallschleifer und Galvaniseure mittags 12 Uhr. die Gruppe der Eisenkonstruktionsbetriebe nachmittags 3 Uhr, die Gruppe der Eisenformer und Berufsgenossen nachmittags 4 Uhr. Wie bereits aus dem Bericht der Generalversammlung zu ersehen ist, sind in den Verhandlungen über die Wiederaufnahme der Arbeit infolge dee Hartnäckigkeit der Unternehmer noch keine Fortschritte zu verzeichnen. Tie Generalversammlung hat die ein- mutige Entschlossenheit der Berliner Metallarbeiter erneut zum Ausdruck gebracht, nicht dem Diktat der Unternehmer zu folgen. Kein Kollege darf die Arbeit ohne Zustimmung der Fünfzehncr- kommission aufnehmen. Die Front der Berliner Metallarbeiter muh nach wie vor eine geschlossene bleiben. Der Kampf geht weiter. Nicht die Firma, sondern der Arbeiterausschuh entlüht! Die Unabhängigen und Kommunisten betonen bekanntlicki«n Versammlungen, dah das Unternehmertum momentan wieder oben- auf sei. Wie sehr diese Behauptung sich als eine absichtliibe Ueber- treibung erweist, lediglich dazu bestimmt, der Parteiagitolion zu dienen. lehrt folgender Vorgang aus dem Betrieb der Firma A r n h e i m, Geldschranlfabrik, Bgdstrahe. Derdortige auSU.S.P.-undK.P.'Leuicn zusammengesetzte Betriebsnusicduh führt ein Regiment, das noch- gerade für die Arbeiter anderer Auffassungen unerträglich zu werden beginnt. Es soll hier nicht besonders erwähnt werden, wie sich dieser«usslbuh zum Vormund aufschwingt darüber, welrbe Preffe die Arbeiter deS Betriebes lesen sollen, auch soll nicht be« sonders betont werden, dah in den Betriebsversammlungen radikale Grohmäuler papageienhaft den.Vorwärts'— den sie natürlich nur vom Hörensogen kennen— beschimpfen, sondern wir wollen an Hand uns gemachter Mitteilungen nur zeigen, wie die Herrschaft einer bestimmten Rxbtung im Betriebe nachgerade in eine solche der Tyrannei auszuarten beginnt. Ein Arbeiter, der bereits seil mehreren Jahren bei der Firma beschäftigt ist. erhielt vor einigen Tagen vom Meister die Mitteilung. dah er aufhören müffe. Aus die Frage weshalb, wird ihm er- widert, dah dies der Arbeiterauöschuh angeordnet habe. Dah gegen die Leistungen des Arbeiter« Einwendungen nickit erhoben werden können, wird demielben auf Vorstelligwerden auch von der Betriebs- leitung bestätigt. Der ArbeiterauSschnh verlangt feine Entlastung, heiht eS hier ausdrücklich. Warum verlangt erste? Darüber wird uns von diesem Arbeiter und einem feinerKollegen e>ne Auskunft gegeben, wonach daS mebr alS son- derbare Vorgehen des ArbeiterauSichusses ihm gegenüber in seiner an- der» gearteten politischen Anschauung und in seinem Verkalten in Betriebsversammlungen zu sucken ist. Dieser Arbeiter besitzt noch etwa» Ehre und möchte sich, nachdem die Tyrannei des allen Re- gimeS beseitigt ist, nickt einer viel schlimmeren GewiffenStyrannei aussetzen. Und als sich der vor der Entlassung Gestellte beim Arbeiterausschuh selbst nach den Gründen seiner Entlastung er- kundigt, erhält er die lakonische Antwort, dah er ja den ganzen Krieg über gearbeitet Hab« und jetzt einmal ein anderer an seine Stelle treten lönne. Bemerkt sei, dah der Arbeiter eine starke Familie hat und dah auher ihm noch zahlreicke jüngere Kräfte gleickfallS schon jahrelang bei der Firma besckäftigt sind. Die Entlafimtg der letzteren hält der ArbeiterauSschnh deshalb nicht sür erforderlich, weil dieselben nach seiner Pfeife tanzen. Neben dem hier in Frage kommenden Arbeiter soll bereits am kommenden Sonnabend ein anderer Arbeiter entlaffen werden, der gleichfalls sich noch eine eigene poliriscke Ueberzcngung bewahrt hat. Gegen diesen Gewissenszwang, wie er nicht nur in diesem, sondern auch in zahlreichen anderen Beirieben mehr und mehr zur Anwendung kommt, muh systematisch vorgegangen werden. Wie eS möglich ist, dah der Arbeiterausschuh selbständig und aus den hier angeführten nichtssagenden Gründen Entlassungen verfügen kann, ist uns überdies ein Rätsel._ Arbeiierratswahl bei Ullstein. Die am Mittwoch und Donnerstag der vorigen Woche statt« gefundene Neuwahl der Arbeiterräte kür daS technische Personal bei Ullstein u. Co. hatte folgendes Ergebnis: Abgegebene Stimmen 2167; eS erhielt die Liste der S. P. D. SOS Stimmen, die Line der U� S. P. D. 1264 Stimmen, ungültig waren 5 Stimmen. Die Wohlbeteiligung des technischen Personals betrug LS Proz. Von den Zeitungsfrauen wählten von 2600 nur 550. Die von den Un- abhängigen gebegte Hoffnung, die S. P. D. zu verdrängen, hat sich nickt erffillt Es erhielt.jede Fraktion' zwei Vertreter.— ES zeigt sich auch wieder, dah festes Vertrauen und endliches Aufraffen aus der bisherigen Gleichgülffgksit gegen die zerstörenden Bestrebungen der U. S. P. D. und Kommunisten von Erfolg fein muh. Die Arbeitszeit der Bankbeamten. Vom Allgemeinen Verband der Deutschen Bankbeamten wirb uns geichrieben:- In der HanVelSzeitung deS„Berliner Tageblatts' Nr. 500 be« findet sich die Mitteilung, dah der Börsenvornand heule über die Schließung der Börse am Sonnabend berät. Anlaß zur Erörterung dieser Frage geben die Brbeilsrückitände in den Banken, die eine Folge der verkürzten Arbeitszeit der Bank» b e a m t e n feien. Gegen diese Verdrehung der Tvitiachen muh entschieden Ein« ipruck erhoben wurden. Die regelmäßige Arbeitszeit der Beamten der Grotzbanlcn hat keine Verkürzung erfahren. Dagegen sitzen dre Beamten im Jmeresie der Jnstiime ieit Wochen bis tief in die Nackt, um die enorme Arbeitslast zu bewältigen, die in erster Linie durch die Ueberfluiung der Börse mit Spekulanten zweifelhoner Natur und die krankhafte Spielwnr weiter Kreise ins Gigantische gesteigert worden ist. Dieser rieienhaiien Mehrarbeit steht keine nennenswerte Vergrößerung des Personals in den Banken gegen« Über. Die Beamten empfinden es als Herausforderung, wenn ihrer opfcrvollen Mehrarbeit in dieser Weise gedankt wird. Sckon vor 14 Tagen hat der Allgemeine Verband der Deutschen Bankbeamten den Böisenvorstand gewarnt, die damals geplante Verlängerung der Bvrsenzeit zu beschliehen. Der Allgemeine Verband wird sich weiter bemühen, eine Gesundung dieser Verhältnisse herbeizuführen und hofft auf verständnisvolle Unterstützung aller maßgebenden Faktoren einschließlich der Presse. Zum Metallarbeiterstreik. St. Borstg, Tegel. Freitag. 24. 10., von S— 12, werden in den be» kannten Meldestellen die Quittungen unterschrieben Sonnabend, d. 25. 10., vorm 11'/,— l''j, findet die Auszahlung der Unterstützung statt. Die unter- schriebencn Ouillungen find von den Kunktio klären am Freitag in der Betriebsversammlung abzugeben. Knorr- Bremse und angeschlossene Betriebe. Freitag von 11 bis 2 Uhr: Auszahlung der Streik« und Crlraunterslützung. Gruppe 2 und S, sowie Unorganisierte Cofä Bellevue. Gruvpe 3 und 4 bei Rostock, Haupt- stratze 85, Gruppe 1 bei Meyer, tzauptstr. SV. Transportarbeiter bei Rohli, Gürtelllr. 28. Tchwarttkopssarbeiter 33. M. A.®. Wildau. Sonnabend, den 25. Ok- tober, vormillagS 11 Uhr: Betriebsversammlung im Kasino. Unter- schreiben der Quittungen zur 2. Auszahlung der Unterstützung. Streik- karten mitbringen. Qsram- Werk. Im Metall- Arb.-Verb, organifierte Kollegen und Kolleginnen, Freitag und Soimabend, den 24. und 25. Oktober, Quittung- unterschreiben von 3—1 Uhr.— Freitag, den 24. Oktober, mittags 12 Uhr Betriebsversammlung Im bekannten Strcitlokal. Betrieb AlbarroS, Johannisthal. Sonnabend früh 10 Uhr im .Lindenhos' Auszahlung und Ouittungunlerschreiben. C. Lorenz, Trmpelhof. Die Kontrollkarten sämtlicher Verbände sind Freitag und Sonnabend im Streitlotal Reimer, Tempclhos, abzugeben. Telesunkcu! Unterschreiben der Quittungen heute(Freitag) 11 Uhr National- Diele, Kommandantenftr. 62. Tr. Paul Meyer A.- G. Sonnabend vorm. 10 Uhr bei Sachs«, L tndowcr Etr. 26, Zusammentunst aller VerlrauenSIeute der S. P. D. Bccrniann, Hirschhorn, Richm«. Söhne, Riooedorf n. Hoch- Häusler. Sonnabend natbmittag 1'/, Uhr findet im GewertschastshauS, Engeluscr 15, eine Versammlung der Arbeiter, Arbeiterinnen und Auge- stellten obiger Firmen statt. Wichtige Tagesordnung. Kluomufiker. Sonnabend, den 25. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Mustter-BercmLhause: Vertrauensmänner- Versammlung. Mitgliedsbuch und Ausweis legitimiert. Tagesordnung: Stand der Tarisverhandlunge». Gerichtszeittmg. Die Heilst Sülze. (iHa«Siirger Drahtvericht de?.Vorwärts".) Am Donnerstag wunden die Sachverständigen sowie einzelne: Personen vernommen, die als Entlastungszeugen benannt worden waren. Die Situation hat sich für den Angeklagten insofern er- heblich verschlechtert, als durch die Zeugenaussagen festgestellt er- scheint, dah sich sogar nicht näher zu bezeichnende Teile von Pferden unter den zur Sülzefabrikation verwendeten Abfällen befunden haben. Der Angeklagte Heil macht entgegen seinem Auftreten bei Befiinn des Prozesses einen sehr niedergeschlagenen Eindruck. Das Urteil dürste Freitag abend oder Sonnabend gefällt werden. Hilöungsveranstaltungen. Bezirksverband Groh-Berlin. Montag, den 27. Oltober, abends 7 Uhr.„Minna von Barnhelm', Schauspielhaus, am Gcndarmenmarlt(StaatStbeater). Karten zum Preise von 2 M einschließlich Personenzettel find im Bureau deS BczirkSblldungS- auSschuficS, Lindenstr. 3, 2. Hos, 4 Treppen, zu haben. Verantw. sllr den redattion. Teil: Alfred Schot,. Reutiilln; fllr Anzeigen! Tbeobo, Sloile, Berlin Perlag: LorwSrts.Pcrlc'g<5. m. b.©.. Berlin. Druck: Porwiirt». Buchdruckerei und Berlagsanstali Paul Einaer u. Co. w Berlin. Lindenstr.». Hierzu t Beilage. 5V>r direon 8» Ahrem eigenen Anrerette ron Ihren» Luobli-aäl-r zv verlatptn Wilhelm K ch ä k e r Erzählende Schriften in 4 Banden Geh. M. 30.—. geh. M. 4J.—(mit l0�/g Lvohh.-�vi-ehla� Georg MütierVenag München