Nr.S4?.3«.I»hr». «ezugSvret» t eittttI)IU)rL 9/— Ml. monnft. I frei ins Hau», voran»«ahldar. Po?» bezug: Monatlich ch— Ml. tfft. gu- siellang»g»dlldr. Unter Rrtnjbanb für Deutschlanv und Oesterreich- Ungarn «Lö Ml. für da» lldrrg,«u»>an» 10.23 Mi. bei täglich einmal. Rufte Dung 125 Ml. Poftbeftellungrn nehmen an Dänemarl Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schwei». Eingetragen in die Poft-Zettu»g»-Prei»lift«. Der.Borwärt»� mit der Sonntag» beilage»voll o. gett* erscheint wochentäglich zweimal Sonntag, rmmal Telegramm-Abreft«: �Zozioldeinotrot Berlin". Abend-Ausgabe. Verlinev Volksblsit. Zentralorgan der fozialdcmokratifcben parte» Deutfchlands. AnzetgenprelS: St» achlgefpaltene Nonnareillqell, bftetUBOML«Al-tn»»a,-tg-u». da» feNgedruckte WortlOPfg.(juläfftg > slttgedrulkte Worte), jede» weitere Wort«0 Psg. Stellengefuche and Schlafstellenanzeigen da» erste Wort U> Pfg. lebe» weiter» Wort Z0 Dkg. Wort» über 15 Buchstaben zählen für »wei Worte. Teiterungizuschlag SO»;» Familien» Anzeigen, politische and gewerkschaftliche Lerein»- Anzeigen IJM Rl bi, geil«. Anzeigen für bto Nächste Stummer müssen bi» 8 Ahn nachmittag» im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Linbenftrab« 8, abgegeben «erden,»e offne» von v Uhr früh dt» 6 Uhr abend». Reüaktion unü Expedition: SW. 08, Ltnüenstr.Z. Zhernsprecher: Amt Mortnplah. Nr. IZilSV— RSlv?. Sonnabend, den ÄF. Oktober 1S1V. vorwärts-verlag G.m.b. h., EW. öS, Linüenstr. Z. Fernsprecher: Amt MoriftPIah- Nr.»17 53— 61. Ein letzter versuch. DaS Mitslisb der Sdittlmalverfammlung Professor v. Schulge-Gävernitz bittet uns im Anfchluh an die Verhandlungen im Untersuchungsausschuß um die Aufnahme folgender Mitteilung: Nur eine Riesenkraft hätte Ausgang Januar 1917, nach- dem der rücksichtslose U- B o o t k r i e g�im Großen Haupt- quartier beschlossen worden war, das Steuer noch herum- werfen können, und diese Riesenkraft hätte der leitende Staatsmann nur gewinnen können durch Verbindung mit der Sozialdemokratie bis zum letzten. Dem heranrollenden Verhängnis suchte ich nach schwachen Kräften in allerletzter Stunde mich entgegenzuwerfen, indem ich am Morgen des 30. Januar dem Abgeordneten Ebert nachstehendes Schriftstück unterbreitete und mündlich begrün- detc in Rücksicht auf die Besprechung, die am nämlichen Tage Ebert beim Reichskanzler haben sollte: 1. England kämpft um sein Weltmonopol. Geht Deutsch- land aus dem Kriege als ungebrochene Großmacht hervor, so ist das britische Weltmonopol durchbrochon. Kommen die Friedensverhandlungen üiberhaupt in Gang, so ist Deutschlands Lage um so stärker, als die Gegner wissen, daß ihre Soldaten zur Wiederaufnahme des Kampfe« nicht zu dwngen sind, sobald einmal Waffenruhe eingetreten ist. L. Indem Wilson und mit ihm rni breiter Teil der öftent- lichen Meinung der Bereinigten Staaten fiir einen K o m- promitz.fried.e n eintreten, scheinen unsere vernünftigerweise zu erstrebenden Kriegsiele m i t Wilson und unter dem Schlag. wort der Selbstbestimmung der kleinen Nationen nicht uner- reichbar. 3. Wilson kann den Frieden erzwingen, wenn er will. E» genügt hierzu ein Embargo, das die Ausfuhr von Rphstpffen und Nahrungsmitteln sowie Kriegsmaterialien nach England der- hindert. England kann gegen den Druck der Vereinigten Staaten den Krieg keine zwei Monate fortsetzen. 4. Es besteht eine große Wahrscheinlichkoit, daß Wilson tatsächlich den Frieden erzwingen will unter Anwen- dung der ihm zu Gebote stehenden Druckmittel. Er ist vom Westen und Mittelwesteu auf ein Friedensprogramm gewählt. Ford, der eine große finanzielle und moralische Kraft in den Ver- einigten Staaten bedeutet, trat für Wilsons Wahl als di« Wahl eines FriedenSbringerS sin. In gleicher Richtung avboitet die von Wilson täglich gelesen«„Chicago Daily NewS". Ist«S aber wahrscheinlich, daß Wilson den Frieden erzwingen will, so gebe man ihm Zeit zu zeigen, waS er kann. 6."In Sachen de» U-BootkriegeS ist Wilson durch sein« Er- klärungen gebunden und kann, wenn wir den rücksichtslosen U-Bootkrieg erklären, nicht ander?, als die diplomatischen Beziehungen zu uns abbrechen, womit der Krieg m allernächste Nähe gerückt ist. Insbesondere auch in Anbetracht der inneren Schwäche unserer Bundesgenossen wäre dieser Krieg mir Amerika für Deutschland eine Katastrophe. 6. Es ist damit nicht gesagt,'daß man nicht in vorsichtiger Weis« und ohne davon viel Redens zu machen, bi« Bedingungen unseres U-BoottriegeS schrittweise etwa» verschärfen könnte, ohne den Widerspruch Wilson» hervorzurufen. Jedoch ist hier ein tastendes Vorgehen bis«m die Grenze de« Möglichen dringend geboten, welches Wilson erlaubt, seinen Grundsay fr st zuhalten. Wir haben heute die Hoffnung, m erreichbarer Nähe eine» annehmbaren Frieden» zu stehen und hätten dazu folgende Schritte zu tun: � a) Ausdrücklich« Aufgabe de» geplanten r ü ck f i ch t». losen U-BootkriegeZ und begeisterte Zustimmung Deutschlands zu der Rede Wilsons an den Senat unter besonderer Betonung der„Freiheit der Meere"; Ver- langen der Neutralisierung der Seestraßen sofort; Ersuchen an Wilson um FriedenSvermitllung. b) Sofortige Rücksendung der belgischen Zwangsarbeiter au» Deutschland und Frankreich unter entsprechender Aufmachung. c) Proklamierung der deutschen KriegSziel«. worin die llnverletziheit Frankreichs aber auch Deutschland« und die Wiederherstellung Belgien» voranstehen müssen. Freilich kann die Regierung diese Schritte nur tun unter Gegnerschaft der gesamten Rechten und in offenem Bündnis mit der Sozialdemokratie. Die Sozmldemokratt: war damals neben Ludendorff das einzige selbständige Willenszentrum in Deutschland. Alles andere Kulisse. Herr Ebert stimmte mir lebhaft bei und ver- sprach sein Möglichstes zu tun. aber gegenüber � der straften militärischen Gewalt, die damals in Deutschland gebot, waren seine Machtni ttel beschränkt. Auch war der Kanzler Bethmann Hvllweg durch Umgebung und Ueberlieferung psychologisch zu jrieüe mit allen Völkern! In der Sitzung der Nationalbersammlung vom Frei- tag hat Genosse Scheidemann einige Bemerkungen über unser Verhältnis zu Rußland gemacht, über die nur sehr unvollkommen in der Presse berichtet worden ist. Wir lassen deshalb die Aus- sührüngen unsere» Genossen nach dem Stenogramm hier folgen: Ich bin gewöhnt, getroffene Abmachungen zu halten, respektiere also auch die Vereinbarung d«S ÄeltestenauSschusseS. Ich will mich deshalb darauf beschränken, eine Behauptung des Kollegen Cohn richtigzustellen. Der Herr Minister Müller hat gestern hier Mitteilungen ge. macht über das Verhalten der V o l k S b e a u f t r ag t e n, als die Frage aufgeworfen wurde, ob Beziehungen zur russischen Sowjetregierung aufgenommen werden sollten. Diese Mit- teiluagen des Herrn Ministers Müller waren durchaus richtig. Herr Cohn hat die Mitteilungen heute bestritten. Im Einver- ständniS mit meinem Kollegen Landsberg, der damals mit mir als Volksbeauftragter tätig gewesen, ist, will ich ausdrücklich feststellen: Die Frage, ob mit der russischen Sowjetregierung in Be. Ziehungen getreten werden sollte, wurde von den Volks- beauftragten nach Besprechungen mit Herrn Karl KautSkh, der damals als Beigeordneter im Auswärtigen Amt tätig war, auf Vorschlag KautskyS einmütig abgelehnt.(Hört, hörtl bei den Sozialdemokraten und bei den Demokraten.) Als der erste Rätekongreß in Deutschland stattfinden sollte, wurde mitgeteilt, daß Delegierte de» russischen S ow j et k on g r e s se S an diesem ersten Rätelongreß in Deutsch- lqnd teilnehmen sollten. Daraufhin ist einstimmig b e. schlössen worden, daß diese Teilnahme abzulehnen sei. (Hört, hörtl bei den Sozialdemokraten und Demokraten.) Die BolkSbeauftragten haben einmütig beschlossen: Falls die Russen unsere Ablehnung nicht beachten sollten, die. Einreise der russischen Delegierten an der Grenze durch Anrufung unserer deutschen Soldatenräte verhindern zu lassen.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Das sind la uter Tatsachen. Ich stelle sie fest, bitte Sie aber ausdrücklich, mich nicht mitzzuverstehen. Die Tatsachen fallen in eine ganz bestimmte Situation. Wie zu allen Ländern der Welt, wünschen wir selbstverständlich auch zum russischen Volk die denkbar besten Beziehungen. Wir wollen auch mit Ruß. land, das genau so traurig dasteht wie wir selbst und genau so zu leiden hat wie wir. selbstredend in Frieden und F reund. s ch a f t leben.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) sehr gebunden, um die Sozialdemokratie gegen die militärische Autorität auszuspielen. So war denn auch dieser letzte Schritt erfolglos I Am 31. Januar 1917 erfolgte die Erklärung deS rücksichtslosen U-Bootkrieges durch Not« an den Botschafter der Vereinigten Staaten. Am 30. Januar noch- mittags besuchte ich das Auswärtige Amt. Der Staatssekretär war abwesend, aber die Meinung des.Gimtes" vom Unter- staatsjekretär bis zum Assessor war eine einheitliche. Ein Spezialist für die Vereinigten Staaten bemerkte:„Mit der höhnischen Ablehnung unserer Friedensnote vom 12. Dezember 19l6 hätten die Jingos den deutschen Michel in Empörung versetzen und zum rücksichtslosen U-Bootkrieg verführen wollen; aber„heiliger Zorn" sei in der auswärtigen Politik ein schlech- ter, weil blinder Berater." Diese Staatsweisheit vephallte wirkungslos hinter der bekannten Türe der zwei Sphinxe. Draußm aber auf der Wilhelmstraße pfiffen es die Spatzen von den Dächern:„Ge- macht wird er doch!" Der Reichstag, dessen Hauptausschuß am 31. Januar zusammentrat, wurde nicht gefragt. sondern vor die vollendete Tatsache des rücksichtslosen U-Boot- krieges gestellt. Gab es i m Jahre 1917 noch ein Entrinnen? War seit- dem noch die Möglichkeit eines Einlenkens gegeben? Ein her- vorragender Amerikaner schrieb mir im Ottober 1917,„daß Wilson der ftiedlitften Massenstiminung nicht wird widerstehen können, wenn in Deutschland sichtbar und den Amerikanern verständlich eine Parlamentarisierung und Demo- kratisierung eintritt.„Etwas Dramatisches muß geschehen, ein Signal muß gegeben werden." In demselben Sinne erklärte Präsident Wilson am 27. August 1917 in seiner Antwort an den Papst,„er könne das Wort der gegenwärtigen Beherrscher Deutschlands nicht als Bürgschaft für irgendwel- chen dauernden Vertragsschluß gelten lassen, sondern er erwarte einen überzeugenden Beweis des Willens und der Absicht des Volkes selbst". Alles kam darauf an. daß die inneren Reformen Deutsch- landS frei»ei Uta und bei noch günstigem Stande der KriegSkatte erfolgten. EczSungen durch militärischen Zu- sammenbruch kamen sie zu spät. Denn sie fanden alsdann die Vertreter eines gerechten Verständigungsfriedens auf der Gegenseite ihres besten Argunrentes beraubt: der Widerstands- kraft Deutschlands. Auch wurden sie, weil erzwungen, nicht mehr geglaubt. Aber wie weit waren wir 1917 von einer derattigen Lö- sung entfernt! Militärs und Schiverindustrielle, Reaktionäre, welche die preußische Wahlreform fürchteten, Gefühls- Politiker, die über Wilson sich„entrüsteten", hatten das deutsch: Schicksal in der Hand. Für die Verblendung jener Tage hier nur einige Belege: Kapttän z. See v. P u st a u schrieb in der„Täglichen Rundschau" vom 15. Juli 1917:„Unsere Gegner befinden sich ohne Zweifel in der Lage von Wahnsinnigen, sonst würden sie schon seit Monaten eingesehen haben, daß eS gegen den U-Bootkrieg keine Wafte gibt." Tirpitz in der„Deutschen Tageszeitung" vom 15. Dezember 1917:„Der Einwand, wir könnten England und Amerika nicht zwingen, fällt angesichts der wachsenden Fracht- tauBinot unseres rücksichtslosen Todfeindes dahin. In den Lockungen zum vorzeitigen Frieden liegt für unSdieallerschwersteGefahr." In seiner Eigenschaft als Vorstand der- Deutschen Baterlands Partei erklärte Tirpitz am 12. Oktober 1917:„Gegen englische Friedensfühler müssen wir hart sein; denn in absehbarer Zeit werden wir England ganz anders gegen- überstehen." Derselbe Tirpitz schrieb in den„Kieler Neuesten Nach- richten" noch Januar 1918:„Amerikas militärische Hilfe ist und bleibt«in Phantom." Als Ausgang September 1918 die Oberste HeereS- leitung den Bankerott anmeldete', wurde zugleich der Mißerfolg des U-Bootkrieges zugestanden, der nach einer Dauer von zw an zig Monaten nicht die Wirkung gehabt halle, welche nach sechs Monaten versprochen worden war. Erschüttert uns der Rückblick auf die furchtbare Tragik deS Weltgeschehens, so bleibt uns im Ausblick aus trostloser Gegen- wart ein Hoffnungsschimmer: Die deutsche und die amerika- nische Demokratie verfolgten bei aller Mannigfaltigkeit der Probleme und bei aller Verschiedenartigkcit des Ausdrucks daS- selbe Ziel: Weltfreiheit, Meeresfreiheit und Selb st be stimmungsrecht der Völker durch deutsche Freiheit! Diese Tatsache in das Bewußtsein der beiden Völker emporzuheben, ist heute eine der wichtigsten Aufgaben aller Vaterlandsfreunde diesseits und jenseits des großen Wassers. Sie ist die Grundlage einer zukunftsvollen Neuordnung der Menschheit und zugleich die Voraussetzung einer Retusion des undurchführbaren und ungerechten Frie- dens von Versailles. Dem amerikanischen Volke muß die Tatsache bekannt wer- den. wie Deutschland wider den Willen des freiheitlich gerichteten Volksteils in den von vornherein hoffnungslosen Krieg mit den Vereinigten Staaten hineingeführt worden ist. Um j deswillen enthalten vorstehende Ausführungen nicht nur Trümmer zusammengebrochener Vergangenheit, sondern auch Stücke anfzubaiiender Zukunft. öefre'ung vom Religionsunterricht. Der Minister für Wissenfch-zft, Kunst und Volksbildung hat in einem neuerlichen Erlaß vom 15. Oktober die Frage der Befreiung vom Religionsunterricht geregelt. Der Absatz 2 des RunderlasseS vom 22. August 1919, welcher laute:„Die Befreiung vom Religonsunterricht findet zu Beginn des Schulhalbjahres fiir das Schulhalbjahr statt", war viel- fach dahin mißverstanden worden, als solle die' dahingehende Mci- nungSäußerung des Erziehungsberechtigten halbjährlich wiederholt und halbjährlich neu darüber entschieden werden. DaS entspricht selbstverständlich weder dem Sinn, noch der Absicht deS Erlasses. Gemeint ist vielmehr folgende«: Die Schüler und Schülerinnen dürfen naturgemäß nicht das Recht haben, nach Belieben einmal von der Religion fsrtzubleiben, zu der nächsten Stunde wieder zu erscheinen, sondern wer sich ein- mal entschlossen hat, von der DispensationSbefugniS keinen Gebrauch zu machen und also am Religionsunterricht teilzunehmen, der soll so lange daran teizvnehmen verpflichtet sein, bis die Befreiung ordnungsmäßig auf Grund einer Mitteilung des ErziehungSberech- tigten ausgesprochen ist. Dieser Befreiungsantrag soll tun- lichst nur zu Beginn des Halbjahre»« i n g e r e i ch t werden, damit nicht irgendein Vorkommnis während des Religion»- Unterricht«, zum Beispiel ein Tadel oder eine dem Schüler unbe- queme häusliche Aufgabe, zu feiner Einreichung Veranlassung gibt. Wer aKer Ämnal Sefrelt ist, bleibt selbstverstandliH dauernd be- freit.- Natürlich soll auch die gedachte Ordnungsvorschrift nicht hin- dern, daß ein aus Gswissensbedenken gestellter Antrag auf Befrei- ung auch im Laufe deS Halbjahrs Berücksichtigung findet. Gleichzeitig bemerkt der Kultusminister ausdrücklich, daß es nicht zulässig ist, den vom Religionsunterricht befreiten Kindern Ersatzunterricht in anderen Unterrichtsfächern zu erteilen� wozu üas alles! Am IV. Oktober hat die Interalliierte Marinekommission angeordnet, daß deutsche Schiffe die Ostsee bei Ge- fahr der Wegnahme nicht befahren dürfen, selbst nicht in den deutschen Küstcngewässern. Die Regierung hat bekanntgegeben, daß sie gegen diese Maßnahme in Paris dringende Vorstellungen erhoben habe. Die Maßnahme ist von den Alliierten ausdrücklich als zeitweise bezeichnet wor- den. Nunmehr sind 14 Tage verflossen, ohne daß sich die Lage verändert hat. Kein deutsches Schiff befährt die Ostsee, wo es selbst während des Krieges sicher war. Ostpreußen schreit nach Kohlen. Zwei Kohlenleichter für Königs- berg, die nicht mehr benachrichtigt werden konnten, sind kurz vor Pillau weggenommen worden. Das gleiche Schicksal wi- derfuhr einem halben Dutzend anderer deutscher Schiffe, die kurz vor der Sperre in See gegangen waren und trotz aller Bemühungen der Marinestellen nicht mehr erreicht werden konnten. Die Fischerboote trauen sich nicht heraus. Die deutsche Fähre Warnemünde— Gsedser fährt nicht. Kar- toffeln und Fleisch aus Dänemark liegen abgangsbereit in deutschen Schiffen, können aber nicht herüber. Die Notlage unseres Güterverkehrs ist bekannt. Trotzdem müssen wir jetzt sogar die Kohle, die wir zu Wasser dorthin fahren kann- ten, in Waggons werfen. Ebenso ist es mit den Kartoffeln. Und wozudasalles? Die Alliierten haben unseren Vorschlag angenommen, sich durch eine eigene Kommission von den Vorgängen im Baltikum und der Redlichkeit unserer Absicht, den Waffenstillstandsvertrag durchzuführen, zu über- zeugen. Irgendwelche militärischen Gründe für die Sperre sind nicht ersichtlich. Eine Blockade des Baltikums wäre vom alliierten Standpunkt noch halbwegs verständlich, nicht aber diese die unbeteiligten deutschen Küstenstriche und das deutsche Wirtschaftsleben treffende Maßnahme. Dabei erschwert die Entente durch diese Maßnahme die ihr zugosagten Kohlenlieferungen. Außerdem hat sie Schiffe angehalten, die auf Verlangen der interalliierten Marine- kommission ihren deutschen Heimatshofen aufsuchen, um zur Ablieferung auf Grund der abgeschlossenen Abkommen fertig- gestellt zu werden. Der französische Finanzminister Klotz hat bei einer De- hatte in der französischen Kammer am 10. September d. I. über die finanziellen Bestimmungen des Friedensvertrages auf die umfassenden Befugnisse der Wiedergutmachungskom- mssiion gegenüber Deutschland hingewiesen und dabei er- klärt, daß diese das Recht haben würde. Repressalien auszu- üben, die bis zu einer Blockade gehen könnten. Es hat den Anschein, als ob die Ostseesperre uns einen gewissen Vor- g e s ch m a ck dafür geben soll,.auf welchem Wege die Alliier- ten die Durchführung des Friedensvertrages überwachen wollen. Seitdem wir den Friedensvertrag von Versailles der Sammlung unserer Gesetze haben einverleiben müssen, dürf- ten alle etwa noch vorhanden gewesenen Illusionen über die Leichtigkeit und. die Aussichten eines wahren Völkerbundes in Deutschland und bei den neutralen Staaten gründlich der- flogen sein. Man kann jetzt nur noch an die Vernunft appel- lieren, die zuweilen doch selbst da siegt, wo im Grunde Steigung ist, ehrgeizigen Machtplänen auf Kosten des besiegten Gegners unbeschränkten Laus zu lassen. Die Ostfeesperre ist unseres Erachtens ein Fall, wo die Vernunft bei unseren Gegnern siegen könnte. Wir haben abtr keine Lust, damit bis zu dem sich immer mehr hinauszögernden Inkrafttreten des Friedensvertrages zu warten. Eine zeitweise Sperre ist keine Sperre mit unbestimmtem Endtermin. Haben die von der Regierung eingeleiteten Schritte nickt in allernächster Zeit Erfolg, so wird nichts übrig bleiben, als deutlich un� vor aller Welt gegen die nutz- lose Vergewaltigung deutscher Interessen erneut Einspruch zu erheben. Es ist zwecklos, jede Maßnahme gleich mit eineni Protest zu beantworten, es ist aber notwendig, immer wieder laut und deutlich zu wiederholen, daß Vergeltungsmaßnahmen ohne Maß und Ziel nur geeignet sind, alle Ansätze zu einer er- acuten Aufnahme vernünftiger Beziehungen zu den früheren Feinden und damit die Wiederherstellung eines geordneten internationalen Lebens nach und nach gänzlich unmöglich zu machen._ fehlerlos kommunistisch� An dieser Stelle ist schon öfter darauf hingewiesen worden. daß der linke Flügel der Unabhängigen in Wirklichkeit einen verkappten Posten der Kommunisten innerhalb der U. S. P. bedeutet, oder wie es in einer Parteigenössischen Zeitschrift hieß: Die Unabhängigen haben den Kommunisten gegenüber noch so viel Selbständigkeit wie ein schon zur Hälfte ver- schlnngener Frosch im Rachen einer Ringelnatter. Wie weit die Entwicklung gediehen ist, zeigt ein Schreiben, das jetzt von der D. A. Z. veröffentlicht wird. Dieses Schreiben ist adressiert an die„teueren Genossen Bncharin und Tschit'cherin" und wurde einem auf der Reise von Deutschland nach Sowjet- rußland befindlichen Kurier der Zentrale der K. P. D. abgenommen. In dem Brief, der von W. Markowski gezeichnet ist, wird zunächst der Uebcrbringer hinreichend legitimiert, um. mit den russischen Kommunisten die Möglichkeiten siir Or- ganilation einer Verbindung durch Flugzeug oder andere Mittel zu besprechen. Außerdem soll über die„Lage der Parteiarbeit" sowohl„der Unabhängigen wie auch der Kommu- nisten" beratschlagt werden. Dann' heißt eS in dem Briefe wörtlich: „Hierbei lenke ich nochmals Ihre Aufmerksamkeit auf den Umstand, daß bei der Veurteilung und den Verhandlungen mit den Unabhängigen eine scharfe Trennung zwischen den Anhängern Hilfferding-Haase und D ä n in i g- M ii l l e r zu machen ist. Letztere Strömung kann man fehlerlos kommunistisch bezeuch- neu. und wenn sie irgendwie mit den oifisiellen Führern der Kommunisten auseinandergeht, so nur in der Taktik und Methode der Erlangung ihrer Ziele— der Diktatur de? Prolc- tarialeS mit Hilfe der Rätemachl. Nach dem Ausicheiden der Scheidemärnrer und Demokraten aus dem Berliner VollglgSrat hat ein o s f e n er Kamps zwischen den K o nr m u n i st e n und Unabhängigen begonnen. Ich füge hrnzri, daß im Berliner Rat die Unabhängigen alle zur Strömung Müller- Därimig gehören und von irgendeinem E nstuß Haosc-Hilffevding keine Rede sein kann. Viele Mitglieder der Kommumilischen Partei, und ebenso die Mehrzahl der Mitglieder der Fraktion der Kommunistischen Partei de° Berliner RatS haben ihre.U n z u- sriedenheit mit der Taktik der Z. K.» sKommunistischen) Partei zum Ausdruck gebracht, die mit der gesamten unab- hängioen Partei Kamps führt, ohne zwischen Haase und Däumig zu unterscheiden.... Mir persönlich scheint cS. daß die Bewegung in Deutschland durch eine Uebcreinsiimmung der Tätigkeit der Kommunisten mit deu linke» Uiiabhängigcu und eine Beilegung des Kampfes mit der Unab- hängigen Partei nur gewinnen kann. Das schließt natürlich nicht den Kampf gegen die Strömung Haase« Hilfferding ans. Dieser muß fortgesetzt werden. Däumig und Müller, die selbst gegen sie kämpfen, schaffen dadurch eine Plattform, auf der eine Verständigung herbeigeführt werden kann." Die�,, Freiheit" ist über dieses Schreiben sehr wenig er- baut. Sie jammert über die bösen Kommunisten, die ur- sprünglich dio U. S. P. im offenen Kampf hätten vernichten wollen, und nun, dä ihnen dies nicht gelungen sei, versuchten, sie von innen heraus zu sprengen. Für die Kommu- nistische Partei sei das eine Lebensfrage, denn sie befinde sich in ärgster Zersetzung(darin unterscheidet sie sich von der U. S. P. jedenfalls nicht) und hoffe durch eine Ver- schmelzung mit dem linken Flügel der U. S. P. die gesunkene Kraft etwas aufzufrischen. Weiter beschivert sich die „Freiheit", daß die Kommunisten mit ihrer Bekämpfung der U. S. P. nur der Moskauer Losung folgten, denn die Be- schliisse der Moskauer 3. Internationale vom 2. bis 6. März 1919, weiche die„Freiheit" selber einen„Katalog von Beschimpfungen" nennt, verlangen ausdrücklich die „Abspaltung der revolutionärsten Elemente" von dem unab- hängigen Zentrum,„was nur durch schonungslose Kritik und Bloßstellung der Führer zu er- reichen ist". Zum Schluß wirft die„Freiheit" den Kommunisten vor, daß sie mit ihrem Versuch, die U. S. P. zu spalten,„praktisch gegenrevolutionäre Arbeit leisten", wie denn „überhaupt ihre fortgesetzte Schürung des Streits innerhalb des revolutionären Proletariats die Schwäch n ngder Arbeiterbewegung zugun- sten der Bourgeoisie bedeutet". Welch Heroes Ver- dammungsiirteil fällt mit diesen Worten die„Freiheit" über ihre eigene Tätigkeit und die ihrer Partei. D e n n d i e Unabhängigen haben an der Gesamtpartei genau ebenso gehandelt, wie die Kommu- nisten jetzt an ihnen handeln! Aber alles rächt sich, jetzt ernten sie die Früchte ihrer Verhetzungssaat. StimmungsbilSer. Folgende zwei hübsche Geschichten sendet unS eine Freundin unseres Blattes ein. „Am DienStag, den 21. Oktober, war in der Morgenausgabe des„Berliner Lokal-Anzoiger" unter Familienanzeigcn folgendes Inserat zu lesen: Als Verlobte empfehlen sich: Seata Freiin Bs« Wolsf-Frapden Georg Lange Rittmeister der Baltischen Land es wehr Königs. P r e u ß. Leutnant d. Res. Ltvland. Berlin- Mariendorf. ES ist sehr interessant, wie wichtig und vor allem wie sicher sich diese Herren der heldenhaften baltischen Landeswehr, der wir ja sehr vieles zu verdanken haben, fühlen um zu wagen, ihre Titel öffentlich bekanntzugeben. Dazu noch„Königlich Preußischer LeutnantI" Wie wäre eS, wenn ich mich nennen würde: „Ehefrau und überzeugte Sozialdemokratin, ehemals un- aufgeklärte, in den großen Tummheilsstrudel hineingeraiene königlich preußische Tippmamsell d. Res.?" Außerdem bring- ich noch folgewo-s Erlebnis zur Kenntnis: Ort: K u r f ü r st e n d a m m, Ecke Joachim-Friedlichst caße. Ein sehr gut aussehender Herr verlangt beim Zeitungsvcrkäuser die „Deutsche Tageszeitung" oder evtl. die„Vossische Zeitung". Leider ausverkauft. Der Herr:„Na ja, da gibt es nun wieder bloß noch diese Schweineblätter„Vorwärts" und„Freiheit". Ich konnte nicht ruh-g sein und sagte mehr zu'mir als zu dem Herrn:„Es kommt ja immer auf daS Schwein an, das die Zeitung liest." Ein Blick traf mich darauf, der mich umgeworfen hätte, wenn ich nicht durch die bittere Zeit standhaft ge- worden wäre. Also damit Sie es wissen, ich bin, rrotz der geringen Meinung dieses sicher noch echt„königlichen Herrn" Nbonneniin des Schweineblaits„Vorwärts"; das soll mich auch nicht rühren, und ich werde nach wie vor Ihre Zeitung lesen." �rbeiterausftand in Duisburg. Die Arbeiter der Duisburger Metallhütte sind am Freitag in den Ausstand getreten. Sie verlangen außer einer Entschuld iingsbeihilfe von 2W M. Erhöhung des Stundenlohnes um durchschnittlich 1 M. bis 1.20 M. Dem Ausstand haben sich bisher die Arbeiter der Maschinenfabrik AugSburg-Nürnberg angeschlossen._ Das Internationale Bureau der kommunistischen Jugend. bewegung soll nach einei» Beschluß, den der„Avant!" mitteilt, nach Rom verlegt werden. Im Dezember soll ein internationaler Kon- gr e ß dieser Bewegung in Italien stattfinden. Sturmwind Gegenwart. Bon Edgar Steiger. 1835. Im Hochwald trällert seinen Gassenhauer Der Vater Föhn, der trunkne Straßenkehrer. ' Und schiebt die Schneelawine schwer und schwerer Von des Gebirges eiserstarrter Mauer. Die alten Tannen packt ein kalter Schauer: Sie beugen sich wie betende Verehrer,' Dem fluch« und segenspendenden Verherer, DeS Schnauben endet alle Wintertrauer. Doch Ihr, die, schnarchend auf den weichen Kissen Von blödem Schlummersingsang eingelullt, Ein Weckruf jäh vom Psühl emporgerissen, Vernehmt: Zu Ende ging uns die Geduld! Und wollt Ihr nichts vom neuen Frühling wissen, Wir schaffen ihn— doch über Euch die Schuld! Deutsches Künstlerthcatrr. Cyprienne, von Sardou. Das zu Beginn der achtziger Jahre, als die Einführimg der Ehe- scheidung in Frankreich eifrigst debattiert wurde, rasch hingeworfene Schwank-Lustspiel hat unvergleichlich stärkere Lebenskraft als alle die kompliziert erklügelten Jntriguen und Sittenstücke SardouS, die seinerzeit als hochmoderne Theaierkunst gepriesen wurden. Der bereits etwaS brüchig gewordene Lebemann. Priinelle, der sich die Ehe mit Eyprienne,„dem tadellos wohlerzogenen Mädchen", als bequemen Ruhchafen dachte, wird ebenso ergötzlich verspottet wie dies Dämchen seichst, die daS den Herren der Gesellschaft zu- stehende Recht sogenannten SichauSlebenS nun auch für ihr Ge- schlecht verlangt. Der Einfall, daß Prünelle den jungen Rivalen um ChprienneS Gunst, den schönen Ademar, dessen Reize sich darin erschöpfen, daß er Galan, nicht Galle ist. durch einen Umtausch der bisherigen Rollen aussticht, wird in übermütig lustiger Steigerung der Effekt bis zum Endpunkt durchgeführt. Ein vorgebliches Pa- viser Telegramm, da» die Annahm« der Ehescheidung durch die Kammer meldet, gibt ihm Gelegenheit zur friedlichen Erklärung, daß er bereit sei, dem Wunsche Cypriennes nach Scheidung auf der Stelle nachzukommen. Sie möge den geliebten Ademar zum Mann nehmen. Gleich wendet sich das Mätichen. Der nicht mehr ver- boten« Ademar erscheint ihr nunmehr«18 daS, was er ist, als Ausbund öder Langerweile, den mit dem eigenen abgedankten Gatten zu hintergehen, ihr ein auSbündigeS Vergnügen macht. Im Separee wird die bedrohte Ehe der beiden Gatten wieder repariert. Leoyoldine Konstantins Darstellung der Eyprienne spiegelte den fröhlichen Esprit, mit dem Sardou die Rolle so reich ausgestattet, in hellstem Farbenglanze wieder. Jede Nüance in htm tollen Wirbel wechselnder Launen und naiv weiblicher Unlogik kam sprühend mit verblüffender Treffsicherheit heraus. Die Ergüsse des quecksilbernen PcrsönchenS jagten im Tempo eines auZ- gelassenen Karnevalgalopps vorüber und blieben doch in jedem Wort verständlich. Sie zeigte in den geistvoll ironischen Szenen, bis zu welchem Grade psychologisch feiner Echtheit ihre Virtuosität, die man bisher nur im Rahmen theatralisch stark geschminkter un- garischer Gesellschaft sstücke gesehen hatte, sich zu steigern vermag. Herr Götz als Prünelle hatte nicht ganz die Frische und den Reiz, der ihm in andern Rollen eignete. Indem er die Figur in- timcr individualisieren wollte, erhielt dieselbe, bei mancher Feinheit des Details, doch«inen Einschlag bürgerlicher Solidität, der zu dem Stile der Komödie nicht. recht paßte. Erich Walter war ein guter, jeder hier naheliegenden Versuchuung zur Uebertreibung ausweichender Ademar. Das Publikum folgte dem Spiel in hei- terster Laune. ckt. Ein Slevogt-Diebstahl. Bon Professor Max Slevogts eben voll- endeten neuen Radierwerk, der„Z a n b e r f l ö t e", sind beim Drucker 3 von den un�setzlichen Kupferplatten gestohlen worden. Der Dieb muß aber von semenr Fang keinen rechten Begriff gehabt habe»,, denn er hat die kostbaren Platten für den Materialwert des Kupfers, 6 Mark für die Platte, beim Altwarenhändler verkauft. Der hat sie aber auch nicht mehr— die Platten sind verschwunden. Glücklicherweise sind wenigstens die Probedrucke da, die eben mit der ganzen Folg« bei Paul Casfirer ausgestellt sind. Sie sollen für daS Erscheinen des Werbcs photomechauisch vervielfältigt werden. Noch einmal radieren kann Slevogt solche Platten, die in jedem Strich den Charakter der Eingebung des Augenblicks tragen, nicht. Es handelt sich um Teile der Originalpartitur Mozarts, die photo- graphisch auf die Kupferstichplatte übertragen und dann von dem Künstler zum Motiv seiner Radierung ausgestaltet waren. Der Dieb hat eine Anzahl der schönsten Platten gegriffen, so die zu SarastroS großer Arie„In diesen heiligen Hallen kennt man die Rache nicht", zum Gesang der Damen und des Mohren„Nur stille, stille, stille, stille, gleich dringen wir im Tempel ein", dann den Marsch ist. wie von dort gemeldet wiu, Freitag abend ohne Licht und Kraft. Die Technische ?? o t h i l f e steht bereit, da? schlimmste abzuwenden. Auch die Stromversorgung Berlins ist gefährtet, soweit sie von Bitter- feld ans erfolgt. Kleine politische Nachrichten. Tie„Freiheit" wendet sich gegen Auslassungen der P. P. N. über das Treiben von Agenten der russischen freiwilligen West- arnree in Berlin. Die P. P. N. behaupteten, daß Dr. Oskar Cohn, weil er eS unterließ, seine Kenntnisse über dieses Treiben den Reicbsstellen rechtzeitig zukommen zu lassen, Schuld daran ist. daß die Agenten nicht gefaßt werden konnten. Die„Freiheit" be- hauvtet. daß Noske, Schridemann und David von Dr. Cohn, als er Kenntnis von der Agententätigkeit im Bureau Am Karlsbad 8 erhalten habe, sofort Mitteilungen erhalten haben, die auS- gereicht hätten, um die Werbe zentralen rechtzeitig aufzuheben. Der bulgarische Fricdenskuhhandel. AuS Versailles wird gc. meldet; Oberst Henry hat dem Generalsekretär der Friedens- konferenz die Gegenvorschläge der bulgarisckxn Friedens- delegation überreicht. Das Schriftstück umfaßt 131 Quartfeiten. Der Mimcheuer Geseilenmorü. München, 24. Oktober. Nach den Plädoyers der Verteidiger wird auf Antrag des Staatsanwalts die Beweisaufnahme nochmals auf- genommen und der Zeuge Ascher, einer der Ueberlebenden. über ein von ihm in der Voruntersuchung bekundetes belastendes Ms- ment gegen M a t o w s k i. da» er i-n der Hauptverhandlung nicht erwähnt hat. mxbmals vernommen. Zeuge Ascher bekundet: Als wir uns nach den ersten Schüssen vom Boden erhoben, weil wir uns nicht so erschießen lassen wollten. ürt M a k o w S k i mit einem anderen Soldaten zu uns in die Nische, ich vermute zum Stehlen. Ob er da noch zugeschlagen bat. kann ich nicht sagen. Ich erinnere mich auch nicht mehr, daß ich d ese Asu�ming f ruber gemacht habe. Vors.: Sie haben früher gesagt: er hat mit de» Händen auf rmö eingeschlagen. Zeug e: Heute erinnere ich mich dessen nicht mehr. Staatsanwalt Mugler erklärt dann, daß bei der noch nie dsgewefene« Grausamkeit der Tat, i:r die Höchststrafe am Platze sei. Bezüglich de» Angeklagten Grabasch ist er mit Rechtsanwalt Loewenfeld insoweit ein- verstanden, daß diesem auf dem Gnadenweg« ein Teil der Strafe erlassen werden kann. Zum Schluß richtete der Vorsitzende an beide Angeklagten Müller und MakowSki die ernste Mahnung, ein reu- millünes Geständnis abzulegen: sie würden damit denen, die ihnen beute flinbim, violleicht menschlich näherkommen. Wenn man so GranssgcS begangen, sollt« man doch wenigsten» zum Schluß Reue bezeuge». Der Angesagte MakowSki bleibt bei seinen früheren An- gaben. Er erklärt' Ich habe nicht das Kommando zum Hinlegen gegeben. Es ist möglich, daß ich in der Erregung am Krllereinggng mal verschiedene geschlagen habe. Ich habe auch keinen Revolver gehabt. Anacklaater Müller(vor den Zenacntisch tretend): Ich habe ja das Geständnis abgekopt, daß ich geschossen habe. Wenn ich aewußt bälte, daß es unschuldig« Leute sirtd. wäre keiner umS Leben gekommen. Ich glaub!« meine Pflicht zu tun. Der Ang-e- kla-te schlägt dabei meöre'emal in großer Erregung mit der Faust dröbnend auf den Zeugentisch, was der Vorsitzende entschieden vcr. weist.— Vor f.: Für Sie gab etz doch kerne Pflicht im Keller zu tun. Sie batten da nichts zu schaffen. Angeklagter: Es war uns doch gesagt Warden, daß e» Spartakisten seien, die erschossen werden sollen. Vors.: Sie haben bisher geleugnet, mit dem Seiten» g s w- h r gestoßen zu hoben. Angeklagter: Was ich mit dem Seitengewehr getan habe, .vriß ich nicht. Die Urteilsverkündung wird dann auf Sonnabend nachmittag 4 Uhr festgesetzt. Znöustrie unS Handel. Börse. An der Börse hatte eS zunächst den Zlnschein. als ob die ein- schneidenden Maßnahmen gegen die KapitalSslucht keinen Einfluß ausüben würden. Die ersten Kurse waren aber fast durchweg fest, insbesondere wieder am Kolonial- und Petroleumaktien- markt. Sehr bald traten indessen VerkausSansträgc seitens des Publikum»«in, jie zu einer größeren Abschwächung führten. An- geboten waren namentlich Montanwerte, von denen Phönix über 8 Prozent verloren. Am Schiffahrtsaktienmarkt waren nur Argo Dampfschiffsaktien begehrt und fest. Empfindliche Kursrückgänge erfuhren sodann Färb- und Elektrowerte. Am Rüstungsaktienmarkt war die KurSentwicklung nicht einheitlich. Dankaktien blieben vernachlässigt: heimische Anleihen verkehrten ungefähr auf letztem Stand. Das Geschäft bewegte sich in verhältnismäßig engen Grenzen. GroßSerün Diese Blätter führe» wir nicht. Un» wird geschrieben: Als ich gestern auf dem Bahnhof in Halberstadt bei dem Bahnhofsbuchhandler den.Vorwärts" und die.Freiheit" kaufen wollte, erhielt ich die Antwort:„Diese Zei. tungen führen wir nicht!" Unwillkürlich wurde ich da an die Zeiten Vreiienbacks unseligen Angedenken» erinnert. ES dürfte Aufgabe unserer Genossen in Halberstadt sein, dem Herrn Ge- schäftSführer klar zu machen, daß die Zeilen endgültig vorbei sind. in denen sozialdemokratische Zeitungen auf den Bahnhöfen ver- bannt waren._ Die„Gleichheit" ist da» Kampforgan dex um Befreiung rin- genden Frau. Vom Standpunkt der Sozialdemokratischen Partei Teutschlands au» nimmt sie in ihren wöchentlichen Ausgaben Stellung zu allen öffentlichen, wirtschaftlichen, sozialen und bul- turellen Problemen der Gegenwart, unter Berücksichtigung der besonderen Interessen der Frau. Durch ihre Nachrichten über die politischen Vorgänge in Reich. Staat und Gemeinde ist sie das unentbehrliche InformationZorgan ficr politische Aufklärung suchenden Frau. Duxch Berichte auS der Frauenbewegung, besonder» der proletarischen, ist die„G l e i ch h e i t" das geistige Bindeglied der sozialdemokratischen Frauen Deutschland» und der Internationale. In ihren beiden Beilagen bringt sie alles Wissenswerte für die Arbeiterfrau als Mutter und Hausfrau. Arbeiterinnen! Parteigenossinnen! Lest Euer B'.att! Preis monatlich 1,20 Mark, Einzelnummer 80 Pf. Durch die Post be- zogen vierteljährlich ohne Bestellgeld 3,00 Mk., unter Kreuzband 4L» Mark. Friedrichsfelde. KarlShorst. Für Erwerbslose stehen im Bureau oeS Äedeiterrats, Wilhelmstr. 9, eine Anzahl Einlaßkarten für den am Sonntag, den 23. Oktober, �attfindenden Schubertabend. un- entgeltlich zur Verfügung. verloren. Die DersscherungSpollce Kr. SSSllZS, lautend auf den Namen Frieda Keller, ein Spannarienbtock Nr.gmmlung nahm einen außerordentlich st ü r m i s ch e 7. Verlauf. Ter Magistrat halte folgende Vor- läge eingebracht:„Eine Kontrolle der städtischen Verwaltung durch Volkskommissare wird nicht mehr für erforderlich gehalten. Mittel für die Volkskommissare werden nicht mehr zur Vcrfü- gung gestellt, ebensowenig sind ihnen städtische Bureauräume weiter für ihre Tätigkeit zu überlassen". Die Tribünen waren überfüllt, vor dem Rathause hatte sich eine Mensck>enmasse angesammelt.— Thurm (U. S. P. D.) verteidigte die Einrichtung der Vollskommissare und gab in längerer Rede der Ueberzeugung Ausdruck, daß eS nicht gelingen werde, dem Arbeiterrat das Genick zu brechen. Er sagte den rücksichtslosesten Kampf an.— Stadtrat Bora- n o w S k i(S. P. D.) erkannte die Notwendigkeit der vom Ma- aistrat eingebrachten Vorlage an, die durchaus der Demo- kratie entspreche. Die dem Arbeiterrat zur Verfügung gestellten Mittel seien überdies bereits mit 10000 M. über- schritten. Während seiner Rede tobten die Tribünen ununterbrochen und die bekannten Zurufe wie„Noskebrüder" wurden ihm zugerufen. Ohrenbetäubend wurde der Lärm, als unser Genosse den Schreiern zurief:„Wir sind stolz dar- auf, einen NoSke zu haben". Der Redner wies dann auf die verderbliche Politik der Unabhängigen hin, durch die der Zwiespalt in der Arbeiterschaft immer größer geworden ist. Zwischen Diktatur und Demokratie, so meinte unser Genosse, gäbe es keinen Kompromiß. In namentlicher Abstimmung wurde die Magistratsvorlage mit 81 gegen 23 Stimmen angenommen. Unter Schmährufen auf die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung verließen die Unabhängigen im Saal und auf den Tribünen den Sitzungssaal, während die vor dem Rathaus weilende Menge ver« suchte, in den Saal einzudringen. Den unabhängigen Städiverordneten gelang es schließlich, die Menge zu beruhigen und zu zerstreuen. Gross-Berliner SebeuSmittel. Pankow. 500 Gramm auständische Hü!se»sr!i>vtc(71 und 75). Tegel. 150 Gramm ausländische Sülicniiüchte(S3), 500 Gramm Ma melude<27): für Kinder: 250 Gramm Kiudergeriicnmehl und S Bäckcken Puddingpulver(67>: für ältere Leute: 250 Gramm Haferflocken und 2 Päckchen Puddingviilver(14). Briti. 150«ramm Näknmlttel'94)—'/.Pfd. amertk. Mehl(7 M.)— lür Krieasbrii ödigte 1 Pfd. Te-gwaren(6)— inr werdende.Mütter und Kinder Pld. Glied(V)— fftr Yerionen über 60 Jahre Btd. Kinder- gerstenmebl(78)— sür Kinder und Jugendliche 2 Dosen Malzextrakt(791. Dabkem. Bezugsscheine zum Bezug der WIn'erkarlofleln in der Zeit vom 27. bis 31. Ollvber von 9—12 Uhr vornntiaas im KutSbause. Zimmer 9. Lankwitz. 250 Gramm oment Weizenmehl(20)— 75 Gramm Sago— 75 Gramm Buchweizengrütze(93)— 15o Gramm Suppen(91)— 250 Gramm Marmelade(14)— 2 Pfd. K-uchenmedl(15). FricdrickiSfc'de. Kinder vi« zum 14. Iabre S Pakete Keks oder Zwieback— von 3 bis 6 Nabre 1 Dole Malzexlrakt. RowawrS. 250 Gramm amerif. Weizenmehl(X 16)— 150 Gramm Reis(94)— 250 Gramm Maismehl(51)— 150 Gramm Hüliensinchtmehl (52)— 230 Gramm Pflaumen(53)— 260 Gramm Haferflocken(5). GroA- berliner partemachrkchten. 21. Abt. Sonntag, vormittag» 10'/, Uhr: Sitzung der Funktionäre und Betiiebioerlrauensleute bei Kaiser, HauSburgstr. 2. Theater öer Wvche. 23. Oktober vi» Z. November. >olk»blihn«: St., 28., 29., 3. Paul fangt und Thora Paeabtrg. 37., 30. «•Punafetngift. 31. StlnvarzlünfU r. 1. 3. Prcdiqi in Litauen. 2t., 2.-B'mg. ferngist.<3 Uhr.)— Deutfchc, Sdtattt: 27., 3. Rauft ein, 28. ficmlti 2#., 2. Tnmbclin. 30. Clavigo. ZI. Kaufmann von Venedig. 1. Othello.— Kammer. ipitle: 26., 28., SO., 1. Bückist der Pandora. 27. Iwanow. 28. ssrüdling». erwachen. 30. Dtfvtnsterfanale.?t.(2 Ahr) ssrühlingserwachen.— L-lfing» Theater: 27., 29., SO., 3. Christa die Tante. 28., 31. Peer(Sunt. 1., 3. ffritu- lein Julie, der grline Ratadu. 2.{3 Uhr) Der rote Lahn.— Theatee In der RZnigarähee«Strafie: 26., 28., 2ß., 31.. 1. Schlot) Wetterstein.(7 Uhr) 27., 30., 2., 3. Traumspiel. 26.. 2. l3,lZ) Musik.— Staaiaoper: 26. Sttlerdümmerung. 27. Salome. 28. Sinfonie. 29. ssigera. 36. Martha. 31., I. Palestrlna. 2. Monna Lisa. 8. äüaotfrtkicst.— Schanfpielhau»: 18., 28., 89., X., 2. Maria Stuart. 27. Minna v. Barndelm. 29 Prer Kynt. 81. Coriolan. 3. Journalisten.— Deutsche, Opernhan»: 28. Die verkaufte Braut. 29. Cavalleria rufti- eana. Schwilherin von Enragotfa. 36. Undlne. 81. La Traviata. 4. Trau» dadour. 2. ssigaro» Lochzeit. 8. Liebet eure RBnigfn. 2.(2)4 Uhr) ssreischüh. — Echiller-Thrater: 26., 28.. 86., 8. glachsmann af» Erzieher. 27.. 81., 2. Mein- eidbaucr. 20. Biel Litern um nichts. Nachm. 28., 2. Wio es Such gefällt. 29., 1. Braut»an Messtna. I kl g I l ch. Di- Tribüne:(V, Uhr.) Di- Dandtung. 4.(11'', Uhr.) Stevhan zweig tlber Romain Rolland. 2.(3 Uhr.) Die Wandlung.— Dentfchee Künstler- tbeoter: Cyprtenne. 2.. 2<4 Uhr) Zohannlofeuer.— Regbenztheotar: So« biiher« Leben. 29.(4 Uhr.) Rot'äpvchcn. I(t Uhr.) Liwsel und Dretel. 2.(4 Uhr.) Der gute Ruf. — Rrntral-Heater:(7',', Uhr.) Die Fafchlnnafee.— Edentheater: tl. B. w. g. 26. 2.(8 Uhr.) Die Prinzesstn vom Nil.— Kriedrich.Wflbelmftädt. Theater:(7>-, Uhr.) Grelchen. 2.(3 Uhr.) Jugend.— Römisch« Oper.'.,'.auber.— Lnstspirlhau»: 26.-36. So ein Mädel. 21., 1, 2.. 3. Der Er. 26., 2.(?>,, Uhr.) 366 Frauen.— Metropoltheater: SubUl. 2.(Z Uhr.) Charley« Tante.— Rene» Vvetrttenhan»: Die Dame vom Zirkus. 26, 2. fZ>/, Ufr) Di» keusch» Susanne.— ThaNatheater: Jungs« Sannenschein.— Theat« am Oloflenborfp!«*: Der Siek- getteb:-. 26.(SO, Uhr.) Die Puppe. 2 K'l, Uhr.) Drei alte Schachlefiu 2», 36., 1.(31/, Uhr.) Romeo und Julia.— Theat« de, Westen»! Die ssrou Im Lermelln. 26.. 2. Die lustige Witwe. I Max und Morst,.— Theater der Ariedrichftgdt: Dr. Stteglig.— Balln«thrater: Ein« Ballnacht. 26.. 2.(3 Uhr) Die ffieitha— Walhalla theater: Eine Frau wie Du. 26.. 2.(3'/, Uhr.) Da« Gefeh. 29.(■>", Uhr.) Dorurdochen.— Rosetheat«: Dai Defeh. 26., 2.(8 Uhr) Kabale und Lieb» t.faUtir.) Daruräschen.— Kastnotheater:«rostfindivstonzen. 26.(3>,, Uhr.) Mädchenehre. 2.(35, Uhr.) Ein saubereo RIceblait— Lulsentheatrr: Da« Miidef vom Ballett. 26.. 2.(3 Uhr.) Die neue Heimat.— Rlelneo Theat«: Helden. 26., 2. l?'» Uhr.) Jvhannioseuer.__ Gerichtszeitung. Ter Prozeß gegen die„Borwärts'befatzung. Da» Urteil. Di« Angcklagien Haberland, Kraule, Wollnh, O st e r m a n n und Braß werden schuldig befunden des An- schlusse» an«inen bewaffneten Hausen; Wollny außerdem de« schweren und Braß de« einfachen Land- friede nsbruchs. Verurteilt wurden: Haberland. Krause, Pierot, Ostermaun zu je sechs, Wollnh zu neun und Braß zu sieben Monaren Gefängnis. Osiermann wurden vier Monate der Untersuchungshaft ongerech»-t. während die Strafen der übrigen Angeklagten durch die Untersuchungshaft als für verbüßt angesehen werden. GewerfflWsbeivVMlg Wegen die Zersplitterung der Bergarbeiter. Im Braunkohlenrevier Leipzig. Borna ist von Mitglie- dern der unabhängigen und kommunistischen Partei ein« söge- nannte NäteorZanisation gegründet worden. Dem Bergarbeiter- verbände wurden m eintgen Zahlstellen die Beiträge ge- sperrt und glaubten die Drahtzieher, das ganze Revier für die alleinseligmachende Näteorganisatton zu gewinnen. Ueberall wurde von den Agitatoren der Räteorganisation schon gesagt, daß der Verband völlig zusammengebrochen sc.i unb keinerlei Unterstützen- gen mehr zahlen könne. Gegen diese Treibereien nahm am Sonntag, den IS. Oktober. eine von 70 Personen besuchte Konferenz der Vertrauensleute und Betriebsräte Stellung. Nach eingehenden Berichten über die Ge- toeikfchaften und Betriebsräte und der Situation im Retter wur- len die Vorkommnisse der letzten Wochen und Monate einer scharfen aber sachlichen Diskussion unterzogen. Schließlich ende!« die Aussprache durch einstimmige Annahme folgender Entschließung: „Di« Konferenz der Vertrauensleute und Betriebsräte stellt sich einmütig auf oen Boven d.r freien Gewerkschaf- ten. Sie verurteilt mit aller Entschiedenheit jede Zersplitterung der Bergarbeiter durch die Gründung neuer Organisationen, mögen sie nun Freie Vereinigung, Bergarbeiter-Union oder Räie- ovganisaiion heißen. Durch jede Zersplitterung t>er Bergarbeiter werden rmr die Geschäfte der Unternehmer und e>er sonstigen Gegner der aufwärtsstrebenden Arbeiterschaft be orgt. Die Gewerkschaften haben auch in der Zukunft noch groß« Aus- gaben zu erfüllen. Sie haben mitzuwirken bei der Denwkratisie- rung und Sozialisicrung unseres Wirtschaftslebens. Dies ist mög- lich durch weitgehende Rechte und Scyulung der Betriebsräte. Ter Ausbau de? TarifvertragSwefenS im Bergbau erfordert weiter eine starke fest geschlossen« Bergärbessterorgani- sation und gemeinsame» Arbeiten der Betriebs» rät« mit den Gewerkschaftsleitungen. Auf den Werten dorkommende Differenzen müssen durch Zufammentvirken der Organisation und Betriebsräte geschlichtet werden. Aus allen diesen Gründen fordert die Konferenz all« Arbeiter im Braunkohlenbergbau auf, mit aller Kraft an der Festigung de» Verbände« mitzuwirken und jede Zersplitterung zu bekämpfen, denn diese führt zum Ruin der Bergarbeiterschaft. Di« Bezirksleitung wird beauftragt, durch Einrichtung von Kurfsn, Halten von Vorträgen usw. die Betriebsräte, OrtSver- waltungsn und Mitglieder zu schulen und fortzubilden. Dem für die mitteldeutschen Brannkohlenreviere vereinbarten Lohniarifvertrag wird zugestimmt und werden die Belegsck�afieii ersucht, ebenfalls zuzustimmen." Gewerkschaften nud„Technische Nothilfe". DaS Eingreifen der»Techni schein Nothikfe" in den Streik der Berliner Metallarbeiter und d-i« im Zusammenhang damit«rgange- nen Erlasse des LHerlommar.doS Noske haben den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Angestellten verbände veranlaßt, die Frage deS Streikrechts in lebenswichtigen Betrieben «nout einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Als Ergebnis dieser Beratungen wird folgende Stellungnahme bekanntgegeben: Die Afa erblickt im Etveikrecht aller Arbeitnehmer ein un- entziohbares Grundrecht, dessen allgemeine Anerkennung in Deutschland eine der wichtigsten Errungenschaften de: Revclutton ist. Es muß deshalb in Währung der elementarsten gewerkschaft» lichen Grundsätze mit Entschiede»hott dagegen Einspruch erhoben werden, daß das von der Regierung bisher unangetastete dedin- gungslosc Koalitionsrecht durch militärbehördlich« Streikverbote Beschränkungen erfährt. Ebenso muß jede mittelbare oder un- mittelbare behördliche Unterstützung von Opgamsationen verurteilt werden, deren Aufgabe darin besteht, daS Streikrecht bestimmter Arbe i t ne hm erg ru ppen unwirksam zu inachrn. Der für das Bestehen der.Nothilfe" angeg.'brne Grund, daß zur Aufrcchterhaliung bestimmter lsbenSwichtiger Betriebe die Leistung von NotstandSarbeitsn gesichert werden müsse, ist nicht haltbar. Die gewerkschaftlichen Verbände haben auch bei de» schärfsten wirtschaftlichen Kämpfen stets die Gesetze der Menscht lichkeit gewahrt, ohne daß e» dazu eme» Eingreifen» von Regie- ruugSseite bedurft hätte. ES muß aber unter allen Umständen erwartet werdon, daß sich die Behörden in Fällen, in denen ihnen aus Gründen der cftcnilichen Sicherheit ober aus Erwägungen sanitärer Ar! ein Eingreifen notirnndia erscheint, über die �.u- lassung von Ztotstandsaubeiten mit dvn beteiligten Gewerkschaften verständigen. Unerträglich erscheint un» eine Handhabung, dir die völlige Ausschaltung der Gewerkschaften bedeutet. Auch die Gemeinde- und Staatsarbeiter naibmen in ihrer am Freitag abgehalttnen Generalversammlung Stellung zur Technischen Nothilft. Nach einem Reftrat Palewski» und üb- hafler Diskussion wurde folgende Resolution einstimmig ange- nommen: Die Generalversammlung der Filiale Groß.Berlin de» Vcr- bandeS des Geinoinde. und Staatsavbeiier als Vertretung von mehr als 40 000 organisierten Gemeinde- und Staatsarbeitern Groß-Berlins erhebt schärfsten Protest gegen'int Errichtung dcc Technischen Nothilft und deren Eingreife:! in die Lohnkämpfe der Arbeiterschaft. Im besonderen aber bedeutet da» Bestehen und die Tätigkeit der Technischen Nothilft eine Bedrohung und letzten Endes di/ Lahmlegung der gewerkschaftlichen Tätigkeit der Gemeinde- und Staatsarbeiter und damit eine Beschränkung und Behinderung des durch die Verfassung gewährleisteten KoalitionS- rechtes. Di« Gemeinde, und Staatsarbeiter Groß-Berlinö sind sich ihrer Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber wohl bewußt und haben bei ihre» gewerkschaftlichen Akt onen da» Wohl der Allgemeinheit niemals außer acht gelassen. Unter schärfsten Eni- behrungeu bei niedriger Entlohnung und langer Arbeitszeit haben di« Geme-inde- und Staat sarbeiter Groß'BcrlmS vor und wahrend des Krieges ihre Pflicht erfüllt. Das Bestehen der Technischen Nothilft ist geeignet, Beunruhigung unter die Arbeiterschaft zu tragen und damit die ruhige Fortvittwicklung der Gemeinde- und Staatsbetriebe zu stören. Die Gemeinde, und StaatSarbeiter Groß-DerlinS aller Partei richtungen lehnen entschieden die Technische Nothilft ab. Sie erwarten und verlangen von der Reichsregierung di« Brach- tung der in der Verfassung festgelegten Rechte der ArHeiftrschaft. Die Ortsvcrwaltung und die Berbandsleitung werden braus-' tragt, alle Schritte zu unternehmen, um daZ schwer- bedrohte Koalitionsrecht der Gemeinde- und Stttatsarbett«r zu schützen. Unseren Standpunkt zur.Technischen Nothilft" haben wir wieder- holt dargelegt. Er deckt sich durchaus mit den Anschauungen, die aus der letzton Konferenz der sozialdemokratischen Funktionäre und BetriebSvettrausnöleute einmütig zum Ausdruck i.imen, und die im Gegensatz zu der im obigen Enischlttetzungen niedergelegten Stellungnahme sticht._ Streik der Korbmacher. Die tm Deutschen Holzarbeitor-Verband organisierten Korbmacher Groß-BerlinS haben, nachdem sie mit den Unternehmcin mehrere Wochen vergeblich verhandelten, am Montag, den 20. d. M. die Arbeit eingestellt. Die Ottsoerlvaltung des Korbhersteller- Verbandes sowft der Reichsverband der Innungen hatten die For- derungen— eine Teuerungszulage von 25 Pf. vom 22. September ab und weiter« 10 Pf. ab November, außerdem 3 Tage Ferien für all« Beschäftigten— der Brancl�nkommission bereit? zuge- sagt, aber die Gesamtversammlung der Unternehmer hat sie ab« gelehnt. Vor allem sind es die Unternehmer der Grünbranche, die erklären, der Korbmacher könne sich mit anderen Berufen nicht vergleichen und könne nicht dasselbe beanspruchen, was Arbeiter anderer Beruft verdienen. In der Tat gehen auch die Arbeiter dieser Spezialbranche(Koblenkörbe usw.) mit 80 bis 100 M. pro Woche nach Häuft. Die Firma Franz Müller. Spandauer Straße 36, zahlt ihren Aroeitern den horrenden Wochenlohn von 50 bis 60 M., den Wer!- führet dabei miigerechnej.©le STt�eft« mit NuSnah�i 6on einem Kollegen erklärten dem Branchenobmann, als er sie auf ihr schänd- liches Tun aufmerksam machte, er solle sich um etwas anderes bekümmern, als sich diese Wege zu ihnen von der Organisation bezahlen zu lassen. Die Firma erhält ihre Aufträge von der Reichspost sowie anderen Behörden. Sollten diese Acmter so niedrige Preise zahlen, datz es nicht möglich ist, einen cmigermahen auskömmlichen Lohn zu erreichen? ES wäre er- wünscht, daß bei solchen Vergebungen auch die Vertreter der Ar- bester gehört würden. Ausserdem erhält die Firma Aufträge von der Wäscherei Spindler. Auch hier nehmen wir an. datz die Arbeien ausreichend bezahl werden, so dass es möglich ist, vernünftige Löhne den Arbeitern zu zahlen. Die Konjunktur ist gut und die Kollegen sind bereit, den Kampf mit den Unternehmern aufzunehmen. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Lohnbewegung der Wachangcstellten. Von dem Nachtwachinstitut„Nord- West", Berlin, PritzwalZer Straße 12, ist rückwirkend aib 1 Oktober der Tarif anerkannt worden. Ebensalls ist mit dem Nachtwachinstitut der Grundbesitzervere ine de? Foankfurtertoribezrrks, Berlin, Frankfurter Mee S2, gültig a5 1. Oktober, ein neuer Tarif zum Abschluss gelangt. Deutscher Transporarbeiterverband, Branche der Wächter. N. 2t.@. Kollegen, die 18—24 abgestempelt auf der Karte baben, Karte abgeben zwecks Auszahlung der Extraunterstützung. Auch sind samt- liche Quittungen am Alontag im Bitrgerpark, Oberschöneweide, zu unter. schreiben. Firma Sigmund Borchert. Montag nachmittag 2 Uhr: Betriebs- Versammlung sämllicher Streikender Urbanstr. 29 bei Reim. Deutscher Trausportarbeiter, Verband, Blanche der Theater- und Kinoangcstelltcn. Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 9'/, Uhr, im Ge- werkschastsbans, Engelufer 15, Saal 4, eine Trepve: Mitgliederoersamm- lung. Tagesordnung: 1. Die Sozialisierung des Theaters. Ref. Dr. Seelig, 2. Branchenangelegenheiten, Die Branchenleitung. Obleute der Grosi-Berliner Metalliuduftrie, Fachgruppe 12, 13, 14, 15: Versammlung Dienstag, 28., 5 Uhr. Sovbicnsäle. Tagesordnung: 1. Eingruppierung in den Tarifvertrag. 2. Verschiedenes. Wiix£> Genest. Montag. 1 Uhr: Versammlung. Auszahlung auch für Unorganisierte. Schlotzbrauerei Schöneberg. Dcut'cher Werlmcifter-Verbaud, Porteseuiller- und Lederwaren- Werkmeister. Wersammlung nicht Montag, sondern Dienstag 5 Uhr: ?llexandrinenftr. 37. Bericht der Tariskommilfion. Mus aller Welt. Ein Todesurteil. DaS ausserordentliche Kriegsgericht in Essen verurteilte den Bergmann MarluS, der am IS. August die Ehefrau des Bureaubeamten Röttgen in Gelsenkirchen ermordet und Geld und Bekleidungsgegensiände und anderes geraubt hatte, zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte._ Eine Handgranatenexplosion. Freitag nachmiitag ereignete sich, wie aus Düsseldorf ge- meldet wird, auf einer Militärwache ein Unglücksfall. Auf bisher unaufgeklärie Weife explodierte eine Hand- g r a n a t e beim Nachsehen und verletzte acht Personen teils leicht, teils schwer. Eine Untersuchung ist eingeleiiet. Berantw. für den ridaklion. Teil: Alsred Scholz, Neukölln: für Anzeigen: Theodor Slock«, Berlin Verlag: Borwärto-Verlag E. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärls» Buchdruckerei und Berlaasanftalt Bau! Einaer u. To. in Berlin Lindenktr. S. Neu erschien i« 46. Anflöge Die LelüIMSIte der Frauen Aerztliche Ratschläge und Beobachtungen au? dem • Leben von Frauenarzt Dr. med, gckel, Berlin. Dieses Werk, dessen Inhaltsangabe sich für hier nicht eignet, wird von Dr. med. E u r, n g er in der„Augsburaer Bostzeitung" u. a. wie folgt deurteilt:„Nirgends berühren sich die Extreme enger als in der heutigen Ehe, Auf der einen Seite ungezügelte Gesiihlsbetonung und Leidenschaftlichkeit bis zur Raserei, aus der anderen Marmorkälte und Empfindungslossgleit bis zum Ekel und zur Verachtung. Diesem Kapitel ist das äusserst ver- d:cnswolle Buch gewidmet, cm aus dem praktischen Leben herausgewachsenes Dokument menschlichen Leiden», geschrieben mit dem Herzblut des humanen Arztes. Mit erschütternden Beispielen ans d. Praxis belegt Berf. seine Ausführungen usw. Bezug gegen Einsendung von n. 2,— oder Nachnahme durch Aledizl». Verlag Dr. Schmelzer,«61.305, Berlin JIDJ 87. Wie kräftige ich meinen Körper? von Dr. Rieb. WelB. Sonderabdruck aus:.Blätter für Volksaufklärung", auf Anfrage frei von Dr. Rieb. WelB, Berlin C 2, Rrobststr. 13/14. Wintermäntel für Damen, Flausch, Ulster von 56,00 M. an, auch Kostüme, sehr preiswert. 16/7* vlohstr. 51 n Hüls. Kuhla- ffanos Verlauf im Fabrikmag azm dl 31, Wnttstr. 17/18. Rechtsbeistand Dresdener Str. III Aufgang 2. Merbilligfte Prozessführ. Alt- menten-, Ehescheidung»-, Straf- sachemBeobacht. Ermittelungen. 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