Nr.S4S.3«.I«lM. Bezugspreis t VerteNöhrl. Ml. monall. 1�-- TS. frei in» Hau», voraus zahlbar. Post» bezug: Monatlich e>— Ml. exll. flu- ftellungsgediihr. Unier Kreuzband kllr Deutschland und Oesterreich-Ungarn tää Ml. für da» iidrlge Ausland lv Zi Ml. bei täglich einmab zustellung D2ö ML Postbestellungen nehmen an DänemarL Kolland. Luremdurg. Schweden u. die Schweig. Eingerragen w die Post-Zeinrng»-Preisliste. Der.Borwärts� mit der Sonntag» destage.Poll u. Seit* erscheint wochen- iägliq zweimal Sonntag, einmal Morgen-Ausgabe. Telegramm-Adresset �dozioldemolral Berlin» Berliner Dolksblntt. ( 15 Pfennig} Anzeigenpreis t Die achtgelpaliene Nouparcillezeile loste! IdllML.kleine«zizeigen-. da» leligedruclte Wort SO Mg. szulässig % fellgedruckte Worte), lede» weiter« Wori tv Pfg. Stellengesuch« und Echlasstellenanzeigen da» erste Wort WZ Pfg. ledc» weitere Wort X) Pfg. Wort« Uder 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszufchlag 50°/» Familien- Anzeigen, poliiifche und gewerlfchaftliche Pereins- Anzeigen 1,50 Ml die Reilt Anzeigen für dir nächste Nummer muffen bis i Ahe nachmittags itn Kauptgefchäft. Berlin kW W. Lindenstraße 8. abgegeben werden. Seöffnet von g Uhr früh bis d Uhr abend». Tentralorgan äer rozialcUmokrattfcben Partei Deut Teil lande. Ueöaktion und Expedition: EW. 68, Lindenstr. 3. aernfvrecher: Amt Morrltpla«, Nr. IZIVV— Montag, den Ä7. Oktober 1819. vorwärtseverlag G.m.b. h., Sw. 68, Lindenstr.Z. Fernsprecher: Amt Morinplat!, Nr. 1l7äZ— 24. Küftenfthiffahrt erlaubt. Am 1l). Oktober funkte die alliierte M irinc Waff mstill- standskommission:„Infolge des Augriffs auf Riga ioird die Freifahrterlaubnis für alle Scutschcn Zchifie in der Oftsee vorübergehend aufgehoben, schiffe, dir jetzt in der Ostsee ia See sind, sind zurückzuruien, und es ist keinen anderen die Erlaubnis zu geben auszufahren, solange dies Verbot dauert. Deutsche Schisse, die in der Oktsee angetroffen werden, sind der Beschlagnahme durch die Alliierten unterworfen." Es ist inzwischen festgestellt, dast eine Bekanntgabe dieser Ostsee- sperre an die neutralen Ostseestaatc» nicht stattgefunden hat. Auf das deutsche Ersuchen an die alliierte Marine- Wasfcnstillstandskomulissivn um Bestätigung, dast die deutsche Schiffahrt in den deutschen Küstcngcwässcrn nicht behindert werden wird, antwortete diese, die Aushebung der Freifahrt für deutsche Schiffahrt s ch l i e st e die deutschen K ü st e u g e» w ä s s e r e i n. Unter dem 25. Oktober teilte die alliierte Marinc-Wafsen- ftillstandsroinmisiion mit: Küstengewässer werden jetzt austcrhalb der Beschränkungen stehend betrachtet werden, wie sie im Funkspruch vom Ist. Oktober niedergelegt sind. Es wird also wenigstens in der Trei-Meilen-Zone der Fischfang, der Kohlentransport nach Ostpreusten und die Kar- tosfelzufuhr möglich sein.__ Neue Einmischung? Ter Fllnferrat bcsckiüftigtc sich mit einer Beschwerde der pulni- scheu Telegation, die behauptet, in Oberschlesicn fänden Kommunalwahlen statt, die erst nach Ankunft der inter- alliierten Kommission zur Vorbereitung der Volksabstimmung vor sich gehen könnten. Der Rat besprach alsdann die U n r u h e n, die durch die Entsendung deutscher Truppen s» Flensburg auSge- brachen sind. Der Fünfcrrat befürchtet, daß die dorthin ent- sandten deutschen Truppen unter dem Vorwand, gegen Unruhen vorzugchen, zu Verhaftungen schreiten könnten, die die Volks- abstimmung beeinträchtigen würden. Zusatz des MTB: Bon Unruhen, die infolge det Entsendung deutscher Truppen in Flensburg ausgebrochen sein sollen, kann nicht die Rede sein. In Wirklichkeit haben in der vorigen Woche Ucber- griffe arbeitsloser Elemente stattgefunden, und um solche für die Zukunft unmöglich zu machen, ist ein Bataillon nach Flensburg geschickt worden. Seine Anwesenheit hat genügt, um die Ruhe voll- kommen sicherzustellen. Eingriffe der Truppen sind nicht nötig gewesen. Befürchtungen, daß die Anwesenheit der Truppen die Volksabstimmung beeinträchtigen könnte, sind vollkommen unbc- gründet. Wilsons§iasko. Der Versuch, die an dem Widerstand der Unternehmer gegen Tarifverträge gescheiterte Washingtoner„Jnduftriekonfercnz" durch Weitertagen einer Teilgruppe zu retten, ist mißglückt. Da sich auch die das Publikum vertretende Gruppe bis auf weiteres vertagt hat, ist die Konferenz zu Ende. Wilsons Vertreter, der Vizepräsident Marshall, erläßt, den Schaden besehend, eine Kundgebung, in der es heißt, die Welt könne nur durch eine Regierung der Liebe und des Mitleides wieder zur Ruhe gebracht werden. Nicht einen Gesetzgeber brauche das wirtschaftliche Lehen Amerikas jetzt, sondern einen Prediger des Evangeliums.— Gegen die harten Tatsachen wird frommer Glaube nichts ausrichten. Und wo blieben Liebe und Mitleid gegen die Besiegten? fiuseinanüer! Die Spaltung der Linksradikalen geht weiter. Die„Frei- heit" veröffentlicht den Bericht über die Reichskonferenz der linksradikalen Jugend, die eine volle Woche zuvor in Wei- mar getagt hat. Dort hat die kommunistische Mehrheit nach heftigen rein politischen Debatten den vollen Anschluß an die K. P. D.— es wird nicht gesagt, an w e l ch e—, den schärf- sten Kampf gegen alle anderen Parteien einschliestlich der U. S. P. proklamiert und in schöner Duldsamkeit auch gleich diejenigen, die gegen diesen Antrag stimmten, als nicht mehr zur„Freien Sozialistischen Jugend" gehörig erklärt. Die Herausgeschmissenen wollen mm eine neue„Fr. S. I." grün den, die unbedingt selbständig und von allen Parteien nnab hängig sein will. Bei dieser Gelegenheit bringt die„Freiheit" lange Aus führungen gegen die Hineinziehung der Jugend in den Partei- kämpf und gegen seine Hineintragung in die Jugend. Die U.-S.-P.-Jugend erntet nur, was sie selbst verbrochen hat. Da nun aber die K. P. selbst wieder gespalten ist, wird nian Wohl bald unter den Linksradikalen die neue Wissenschaft von den verschiedenen freien sozialistischen Jugend e n aufkommen sehen. Wenn nicht alle Heichen trügen, dürfte ja auch der U.-S.-P.-Parteitag in Leipzig am 16. November einen— Markstein auf diesem Wege bedeuten. Wir aber erinnern uns jenes in eine herrliche Zukunft weisenden Liedes, das einmal aus andere Prinzipienreiter gemacht wurde und in dem es heißt: Das Vaterland muß kleiner sein, Das Vaterland-- bin ich allein. * In einem Artikel der Wiener„Roten Fahne" Nr. 133 vom 19. Oktober über den Bolschewismus in Norwegen von Dr. Jürgens lesen wir über den Führer Tranmael: Er, wie die übrigen Führer der Syndikalisten gehören nicht selbst der handarbcitenden Bevölkerung an, sondern es handelt sich um echte Literaten und Doktrinäre. Im Gegensatz zu den Gcwerk- schaftsführern, die durchweg selbst einmal das Handwerkszeug ge- führt hailien. Kein Wunder daher, daß die bolschewistischen Ideen bei den norwegischen Syndikalisten mit Begeisterung aufgenommen wurden. Also: nicht Arbeiter, sondern Nichtarbeijer sind die rich- tigen Führer des Proletariats. So offen haben die kommu- nistischen Doktoren selten ihre Wertschätzung des Proletariats geäußert wie hier._ öaltikum und Petersburg. Gegen die Festsetzung dsS deutschen Leutnants Stein durch teitlöndische Behörden und die angedrohte Festhaltung bis zur Frei- laffung einiger von der Bischofstruppe gefangenen Letten ist unter Hinweis darauf, daß die Eiserne Division der deutschen Regierung mcht untersteht, nachdrücklich protestiert und die sofortige bedingungslose Freilassung des deutschen Offiziers verlangt worden. Wo.'ff meldet einen litauischen Angriff auf deutsche Radsahrerpoften, vo« denen 4 getötet worden und 7 vermißt seien. Käme doch endlich die Ententelommission, um dem unheimlichen Rätsel ein Ende zu machen, daß die Litauer den deutschen Abzug, den auch sie wünschen, mit Gewalt hindern sollen!... Der lettische Ministerrat hat beschlossen, dem Volksrat eine GeseheSvorlage vorzulegen über die Beschlagnahme des Eigentums derjenigen Personen, die an den Kämpfen im Heere Awaloff-Bermondts teilnehmen. Wegen der— nur in der Zahl stark übertriebenen— Meldungen der„Freiheit" über das Ausrücken von Thorner Soldaten„in Richtung" Baltikum hat der Gouverneur von Thorn dieses Blatt und wegen des Nachdruckes unser Thorner Parteiorgan auf 3 Tage verboten. Von der Petersburger Front berichtet Fudenitsch zwar noch Fortschritte, aber es heißt in einer Helsingforser Meldung, daß die roie Garnison Krasnaja Gvr'as Judcnitsch gefährde und daß die Gegenangriffe stärker werden. Diese Offensive scheint zu erlahmen und das erklärt die Versuche, Finnland zum Mittun zu veran- lassen. Das Enöe öer Italienfront. Die Wiener Untersuchungskommifsion prüfte die Ursachen des Zusammenbruchs der italienischen Front und der k. u. k. Erklärung des WasfenstillstandS, der noch gar nicht geschlossen war und an den sich die Italiener nicht kehrten, so daß noch hunderttansende Oester- reicher gefangen wurden. Der damalige Generalstabschef v. Arz verweigerte die Aussage, wie ihm seine Heimatsregierung, die ungarische, befohlen hatte. Aus den Zeugenaussagen, insbesondere des Feldmarschalleutncmts Waldstätten und anderer General- stabSoffiz-iere geht nach Blättermeldungen(die Verhandlung war geheim) hervor, daß es unmöglich war, weiterzukämpfen oder Widerstand zu leisten, denn die Truppen wußten von den Waffen- stillstandsverhalldlungen, und die Front begann sich aufzulösen. Die Front war schon am 3. November>1318 durch den Abmarsch der Ungarn und Tschechen zusammengebrochen. Camille ffupsmans unter Anklage. Das große Rennen»ach den Verbrechern, die während des Krieges nicht unbedingt in Deutschenfresserei machten, hat in Bei- gien begonnen. Selbst Eamille Huysmans, der verdienst- volle Sekretär der Internationale, ist davor nicht sicher, wie folgende Mitteilung zeigt Die Debatte in der belgischen Kammer über die Mitarbeiter der während des Krieges in Holland erschienenen Halbwochcnschrift „2e Social ist Belge", die in Französisch und Vlamisch her- auskam, hat, wie Brüsseler Depeschen heute vormittag ankündigen, bereits Folgen gezeitigt. Fustizminister Vandervelde hat Straf. Verfolgung wegen Defaitismus genehmigt gegen die beiden ehe- maligen Redakteure dieses Blattes Jamar und Longville sowie gegen des als Herausgeber der Halbwochenschrift, bezeichneten Cam.lle Huysmans, Generalsekretär des Internationalen sozialisti- scheu Bureaus. Jamar und Longville sowie Huysmans sind Kan- didaten der sozialistischen Partei in Antwerpen für die kommenden Kammerwahlen. Die Weltmarktpreise. Von den Vertretern der Freihandelstheorie wird mit großer Lebhaftigkeit nicht nur die restlose Aufhebung der Zwangswirtschaft gefordert, sondern auch der Preisaus- gleich mit dem Weltmarkt für notwendig erachtet. In der Regel versuchen die Vertreter dieser Forderung den Eindruck zu erwecken, als ob unsere Inlandspreise weit unter dem Niveau derjenigen des Weltmarktes stehen. Diese irrige Auffassung kommt daher, daß man regelmäßig bei � allen diesen Betrachtungen die Valutadifferenz, die zu unseren Lasten zu schlagen ist, als den Weltmarktpreis hm- stellt. In Wirklichkeit sind die Differenzen in der Preisbil- dung zwischen uns und dem Weltmarkt, wenn man die Va- lutadlfferenz ausschaltet, sehr gering, nicht selten sind die Preise bei uns sogar etwas höher als auf dem Weltmarkt. Getreide, Fleisch und andere Lebensmittel stehen in den hauptsächlichsten Ländern, nach dem Werte der Kaufkraft des Geldes genommen, genau auf der Höhe, wie unsere durch Höchstpreise in der Preisbildung beengten Waren. Dagegen haben alle Länder mit ungünstiger Valuta, wenn sie in der Währung ihres Landes auf dem Weltmarkt Zahlung leisten müssen, einen Aufschlag zu begleichen, der bei uns gegen- wärtig rund das Fünffache des Weltmarktpreises ausmacht. An diesen Weltmarktpreis sollen wir nach der Auffässüng des Abgeordneten G o t h e i n, wie er in einem Artikel des „Berliner Tageblatts" vom 19. d. Mts. darlegt, uns schrittweise annähern, wenn wir nicht, wie er prophetisch hinzufügt, dein Staatsbankrott zueilen wollen. Diese liberale Freihandelspolitik, die sich unter so abnormen Ver» hältnisien, wie wir sie gegenwärtig zu verzeichnen haben„ durchsetzen will, wird uns die in Aussicht gestellte Rettung nicht bringen. Im übrigen: wenn jeder Prophezeiung über den wirtschaftlichen Bankrott, der von jener Seite uns angc- droht wurde, zur Tat geworden wäre,- dann wäre Deutsch- land längst am Ende seines politischen und wirtschaftlichen Daseins. Solche Uebertreibungen geben nur dem Ausland Anlaß, sich über unsere inneren Verhältnisse ein sehr unzii- treffendes Bild zu machen und die vom Sluslarrd hier weilenden Fremden sind nur regelmäßig überrascht, wie wenig die Prophezeiung des Zusammenbruchs mit den Tatsachen übereinstimmt. Immerhin tragen solckze Schilderungen, die man ständig in der bürgerlichen Presse antreffen kann, und bald von dieser, bald von jener Jnteressentengnivpe� beein- flußt sind, nicht gerade zur Hebung unseres Kredits im Auslande bei. Wir müssen an den Weltmarktpreis heran, so lautet das Schlagwort, obwohl eigentlich unsere Wirtschaftspolitik vor dem Kriege darauf hinausgegangen ist, insbesondere, auf dem Lebensmittclmarkt uns die K o n k u r r e n z des Weltmarktes durch h o h e S ch u tz z ö l I e v o m H a l i e z u h a l t e n. Wir haben unter diesem System in Deutschland immer unser Brot zu höheren Preisen kaufen müssen, als z. B. der englische Ar- bester. Wenn setzt die Regierung glaubt, das umgekehrte System Aufrecht erhalten zu müssen, so hat sie dafür sehr gute Gründe. Was bedeutet gerade beim Brot die Annäherung an den Weltmarktpreis, wie sie Gothein verlangt? Das von Amerika eingefübrte Mehl kostet der Reichsgetreidestelle pro Kilo ungefähr 4,59 M. Der Preis kommt auf diese Höhe, weil die Valutadifferenz das Fünffache des eigentlichen Preises erfordert. Wir hätten mithin sonst einen Weltmarkt- preis von 9,99 M. das Kilo. Unser inländisches Mehl wird nach der neuen Preisbestimmung ungefähr 9,79 M. pro Kilo kosten. Wir wären also nicht weit entfernt vom Weltmarkt- preis, denn die Differenz, die noch besteht, bilden im wesent- lichen Transportspesen. Nun verlangt der liberale Frei- Handelstheoretiker allmähliche Anlehnung an den Weltmarktpreis von 4.59 M. Das' würde bis zum vollstäudigen Ausgleich einen Preis für das 4�-Pfund-Brot, das gegenwärtig in Berlin gegeben wird, einen Preis von 11.25 M. bedeuten: gegenüber der jetzigen Preislage von- 1,95 M., die vom Magistrat festgesetzt ist, würde eine fünf- k ö p f i g e Familie an Brot allein in der Woche 56.25 M. auszugeben haben. Man braucht mir diese Summe zu nennen, um sich das ganz Unverständliche dieser liberalen Forderung zu vergegenwärtigen. Aber Herr Gothein ver- langt, wir müssen allmählich die Anlehnung an diesen Welt- Marktpreis vollziehen. Darf man annehmen: vielleicht in der Weise, daß monatlich der Brotprcis— sagen wir-r um eine Mark erhöht wird? Wir hätten dann also rund neun Monate lang eine Brotpreiserhöhung von einer Mark jeden Monat durchzusetzen. Angenehme Aussichten für die Negiening, deren„politischer Weitblick" wohl kaum irgendwo Verständnis finden würde. Denn was diese fortgesetzte Preissteigerung für Folgen an politischer Aufreizung, an Lohnbewegungen zeitigen müßte, braucht hier nicht dargelegt zu werden. Aber nun die Rückwirkung auf die Produzenten- kreise. Die Steigerung der Preise der wichtigsten Lebens- mittel um ungefähr das Fünffache wäre so unmäßig, daß keine Regierung diese Verantwortung übernehmen kann und sicherlich auch in den verständigen Kreisen der Landwirtschaft gegen eine so ungesunde Gestaltung der Wirtschaftslage Ein- spruch erhoben würde. Die weitere Folge wäre, daß bei dieser ganz künstlichen Preissteigerung die Kaufkraft de? Geldes im Inland abermals erheblich sinkt, der Umlauf der Zahlungsmittel sich um ein Vielfaches steigern würde und damit erst Er- schütterungen im Wirtschaftsleben eintreten müßten, die alles bisher Dagewesene überschreiten. Herr Gothein wendet sich gegen die Zuwendung der Preissenkung für Lebensmittel aus Staatsmitteln. Gewiß hat diese Z u- Weisung ihre sehr bedenklichen Seiten. Wenn er dagegen erklärt, daß die natürliche Verteuerung der Lebenshaltung � durch entsprechende Löhne und Gehälter ausgeglichen werden müsse, so würde sich dabei die Belastung der Neichskasse, der Einzelstaaten und der Kommunalverbände kaum geringer ge- stalten, als die Aufwendungen heute aus Neichsmitteln. Das Beispiel, daß England und Frankreich Preissenkung ft'ir Brot gleichfalls vorgenommen haben, behagt Herrn Gothein nicht, er glaubt, daß diese Staaten nicht lange mehr diesen Zustand aufrecht erhalten. Gerade dieses Beispiel ist lür uns außerordentlich lehrreich. Beide Staaten zahlen nicht an- nähernd den hohen Preis für Getreide auf dem Weltmarkt wie wir, weil ihre Valuta sehr viel günstiger steht als die deutsche. Dennoch gewährt Frankreich zur Senkung der Brotpreife einen jährlichen Zuschuß von iyz Milliarden Frank und England senkt den BrotpreiS auf zwei Drittel des natürlichen Wertes. Wenn diese Staaten im Hinblick auf die wirtschaftliche Situation sich zu solchen Maßnahmen gezwungen sehen, so läßt sich die Forderung für Deutschland noch viel nachhaltiger begründen. In einem zweiten Beispiel, das Herr Gothein anführt, kommt er auf unsere Kohlenpreise und will auch diese auf den Weltmarktpreis bringen. Ob diese Doktor-Eisen- bart-Kur unsere deutsche Industrie aushalten kann, erscheint j sehr ftaglich. Wir werden gute amerikanische Steinkohle zum Preise von 800 M. die Tonne beziehen können, das heißt daS Zehnfache d e S I n l a n d v r e i s« S. Kommen nun für unsere Industrien noch die Erhöhungen der Rohstoffe hinzu, so würde sie sehr schnell die günstige Stellung für den Export verlieren. Die Hoffnung, daß durch einen vermehrten Export und damit eine bessere Handels- bilanz unsere Schulden im Ausland schneller abgetragen würden, ist eine arge Täuschung: im Gegenteil, daS Schuldverhältnis könnte drückender werden. Wir würden uns bei langsamer Abtragung einer Schuld durch den Export und ihrem gleichzeitigen Anwachsen durch hohe Preisgestaltung 'auf dem Inlandsmarkt nur im Kreise drehen. Die liberale Wirtschaftstcheorie in ihrer Reinheit, wie sie von Herrn Got- hei und einigen seiner Partei vertreten wird, paßt nicht für die gegenwärtige Zeit. Die Herren übersehen, daß in un- serem Wirtschaftsleben Umwandlungen sich vollzogen haben, die durch ihre alten ehrbaren Theorien nicht zu beseitigen sind........,._,,., j. Die Einrichtung eines halbtoten. Pierre L e n o i r war, wi« fo viele andere, Don einem Pariser Kriegsgericht wegen Einverständnis mit dem Feinde zum Tode verurteilt worden. Nach einem Genfer Bericht des„Berl. Tagodl." berichtet die Pariser Presse über die(von unS schon gemeldete) Hinrichtung: Lenoir sollte schon vor mehreren Wochen erschossen werden, machte aber damals wichtige Erklärungen, so daß man die Hin- richtung verschob. Seit jener Zeit ist Lenoir vollkommen zusammen- gebrochen. Er lag gelähmt im Bett und blieb tagelang ohne Besinnung. Der Entschluß PoincareS, von seinem Gnaden- recht nicht Gebrauch zu mächen, hat deshalb allgemein überrascht. Der Verurteilte mußte, bevor er die Zelle verließ, Morphium bekommen. Dann wurde er von vier Wächtern in? Automobil ge- tragen, daS ihn nach Vincenne» brachte. Am Eingang des Forts hatte sich eine Menge angesammelt, die bei der Einfahrt wütende Schreie ausstieß. Während der ganzen Fahrt saß neben Lenoir ein Arzt, der ihm dauernd den Puls fühlte, ob er überfaupt M————————■ I| JWII Romain Rollanö. E l n Dortrag von Stefan Zweig. Der Wiener Dichter Stefan Zloeig, der dem FricdenSziel während der Blutjahre inbrünstig diente, sprach gestern vormittag in der.Tribüne" über Romain Rolland. Er ging davon aus, wie bei dem großen französischen Dichter Werk und Leben eint Einheit bilden, wie seine Ideen nicht nur Formulierung bedeuten, sondern Erfüllung. Und nun stellte Stefan Zweig in sehr eindringlicher, dabei zartsinmgcr Weise daS Bild eines jungen Menschen vor seine Zubörer, der, 1866 geboren, in einem Lande der Niederlage, der Revanchewünsche Kindheit und Jugend verlebt. Er führte auS, daß man nur an das Geschick unseres eigenen Vaterlandes zu denken brauche, um sich zu vergewissern, von wieviel Zwiespalt Geistigkeit und Idealismus da- mals zerrissen wurden. Aus diesem Gefühl der Zerrüttung führen zwei Wege in die Zukunft: der d:r Revanche und der der Entwertung d«S Unter- legenfetnS durch das Geistige. Diesen aber beschritt Rolland, und zwar gab eS in seinem Leben ein Ereignis, da» ihn dieser Auf- fassung untrüglich verschrieb. Der 2Ljährige Rolland las, glühender Verehrer Tolstois, eines TageS dessen Schrift.Was sollen wir denn tun?", ig der Tolstoi u. a. auch Beethoven verwirft. Rolland. dem Musik alle? bedeutete. Musik, jenes einzige Element, welches loSgelöst ist vom Gefängnis der Sprache, wie Zweig eZ nannte, war verzweifelt, da eS galt, entweder die Musik oder Tolstoi zu der- lieren. In diesem Widerstreit der Empfindungen schrieb er an Tolstoi und empfing�eine 38 Seiten lange Antwort, die die Anrede .lieber Bruder" trug, und idie von dem Bedürfnis getrieben war. dem Zweifelnden zu helfen/ Dieser Brief war es, der in Rolland den Gedanken festigte, auch seinerseits sich der Idee des Helfens zu widmen. Und aus diesem Willen, die Welt barmonisch zu einen, konnten ihn kuck, alle schmerzlichen Erfahrungen nicht reißen, denen er nun ausgesetzt war. Das Helfen wurde sein: Tat. Jahrzehnte- läng blieb er ungehört; ein Unbekannter, dessen Dramen man nicht druckte, nicht aufführte. Da versucht eZ Rolland auf andere' Art, den Menschen dem Menschen zu weisen. Er schreibt seine Mo- graphien über Beethoven, Michel Angela, Tolstoi und hat auch hier zum Erfolg daS Scheitern seiner Wünsche. Ein dritte? Mal ändert er die äußer« Form, und nun schrieb er den zehnbändigen Roman ..Jean Christophe", der einen deutschen Musiker zum Helden hat. der zum Symbol der notwendigen Freundschaft zwischen Deutsch- land und Frankreich werden, der beweisen wollt«, wie die Völker einander bedürfen. Stefan Zweig deckte auf, wieviel Heroismus in dem Beginnen solcher Handlung lag, ein europäisches Buch zu ge- galten, ein Buch m Frankreich, da» den Deutsche» geradezu feierte. noch leb!:. To. der Telinqsent nicht stehen konnte, wurde er an der Hinrichwngsstelle auf einen«cheme! gesetzt und dann der immer wieder zusammenbrechende Oberkprper mit einem vier Meter langen Strick an einen Pfahl geschnürt. ES scheint, daß diese Vorbereitung auf die Soldaten Eindruck gemacht hat. Sie zielten unsicher, und man sah. daß nach der Salve der Körper sich noch bewegt«. Erst ein auf zwck Schritt abgegebener Gnadenschuß in den Unterkiefer führte den Tod herbei. GemeinSeverteeter-Ksufsrenz Ser S. p. V. Die sozialdemokratischen Gemeindevertreter von Groß-Berlin traten an: gestrigen Sonntag zu einer Konferenz zusammen. Der Ausschuß für Schul- und Erziebungsfragen hat sich mit der Fragender Elternbeiräte beschäftigt und Leitsätze auf- gestellt. Sie wurden gestern der Vollversammlung vorgelegt mit einem begründenden Referat des Stadtrats Prof. O e st r e i ch- Schöneberg. Noch kurz vor der Revolution hatte der damalige Kultusminister durch Erlaß vom 1. Oktober 1818 Elternbeiräte und SchnlauSschüsse festgesetzt. Jener durchaus reaktionäre Erlaß toll ersetzt werden durch einen neuen, dessen Entwurf vor wenigen Tagen im Ministerium unter Hinzuziehung von Vertretern der Lehrerschaft beraten worden ist. Im Gegensatz zu den sozialisti- schen Lehrern haben dabei alle Lehrerorganisationen auf die be- sonderen Wünsche der Lehrer Gewicht gelegt. W i r wollen zu den Elternbeiräten die Lehrer nicht als Mitglieder, sondern nur als Gäste zulassen. Der neue Erlaß wird sich im wesentlichen den Fovderungen unseres Schul- und Erziehungsausschusses an- schließen. Der Referent erläuterte dann einige Hauptforderungen der von dem Ausschuß vorgelegten Leitsätze. Zur Umwandlanz der Schulen in lebensvolle ErziehungfSgemeinschaften sollen auch die Elternbeiräte beitragen, indem sie den Eltern eine Mitarbeit und Einflußnahme ermöglichen. Sie find zu schaffen durch völlig demokratische Wahlen, durch geheime Verhältnis- listenwabl aller Eltern der Schüler einer Schule. Sie veiassen sich in öffentlicher Sitzung hauptsächlich mit den baulichen, hygie-. nischen usw. Einrichtungen der Schule, mit der Ausgestaltung des Schulbetriebs(Werkunterricht,. Arbeitsschule, Lehr- und Lern- mittel, Schülerbücherei, Spielfrage usw.), mit der Schulordnung, den Unterrichtsmethoden, der ErziehungSweffe, mit BerufSbera- tnng, Jugendpflege und-fnrsorg«, sozialpflegerisch-n Maßnahmen (Ernährung, Ferienkolonien ustv.), in geschlossener Sitzung unter anderm mit Beschwerden gegen Lehrpersonen, mit eventuellem Einspruch gegen die Wahl des Schulleiters. Den Mitgliedern des Elternbeirats soll das Recht zustehen, dem Unterricht beizuwohnen. Die Richtlinien schen für größere Orte oder Bezirke auch Zu- sammenfassung in Ortselternbeiräten vor, ferner Provinzialeltern- beiräte und einen Staatselternbeirat. Kein Schulgesetz, keine Ver- ordnung, keine Maßnahme oder Verfügung von allgemeinem In- teresse für die Schule soll in Kraft treten, bevor die zuständige In- stanz, der Elternbeirat, darüber gehört worden ist. Der Staat?« elternbeirat hat das Jniliativrecht für Gesetze in Schul- und Er- ziehungSfragen. Der Referent schloß mit der Forderung, für eine möglich st radikale Schulpolitik zu agitieren. Damit werde unser Minister Harnisch nicht geschwä�. sondern gegenüber dem Zentrum und den Demokraten gestärkt. In der Diskussion wurde die Mahnung deS Referenten, schon jetzt die Wahlen zu den Elternbeiräten vorzubereiten, von meh- reren Rednern unterstützt. Meinungsverschiedenheiten bestanden über die Forderung der Zulassung des Elternbeirats zu den Unter- richtsstnnden. Die Befürchtung, daß da Störungen entstehen könnten, wurde von mehreren Rednern geäußert, von anderen (darunter auch von Lehrern) als unbegründet zurückgewiesen. In Adlershof soll schon in allernächster Zeit in einer Gemeindeschule ein Versuch mit Zulassung von Eltern gemacht werden. Stadiv. Rektor Wille- Neukölln teilte aus dem Ministerium mit, daß der Erlaß vielleicht schon in acht Tagen herauskommt. Alle Aar- derungen der Richtlinien werde er nicht erfüllen können, weil wir eben eine Koalitionsregierung haben. Aber im ganzen werde man damit zufrieden sein können. In der Abstimmung wurden d i e Leitsätze einstimmig gebilligt. Angenommen wurde eine von Oestreich vorgelegte Resolution, die den Minister um so- fortige Außerkrafffetzunp des alten Erlasses vom 1. Oktober 1913 ersucht und für den neuen Erlaß die Forderung deS Verhältnis- Wahlrechts und der Sicherung hinreichenden Einflusses der Eltern betont. Das Ministerium soll aufs schärffte darauf hinweisen, daß Ein Jahr nach der Vollendung de» Werke? brach der Krieg au», und nun konnte Rolland, der in'der Schweiz sich befand, beweisen, daß er für seine Worte stand. Zweig wie? darauf hin, wie erstmalig in diesem Krieg der Geist kapitulierte, auch die Künstler sich vor dem Geschehnis beugten. Rolland indes, bekämpft von aller Welt, ver- achtet von dem LandSleuten, focht einen Kampf um den Sieg der Vernunft, ebenso gegen die Idee Ludendorff wie die ClemenceauS, einen Kampf, dessen Schwierigkeit bereits das Heute nicht mehr zu ahnen vermag, da eS leicht geworden, zugleich vaterländisch und international zu sein. Für diesen Kampf gebührt Rolland unser aller Dank. Zweig? Rusführumgen. an klugen Bemerkungen reich und voll musikalischer Sprachempfindung, ernteten lebhaften Beifall deS bis auf den letzten Platz gefüllten HauseS. Alsdann las Manfred Fürst RollandS den'.hingeschlachteten Völkern" gewidmeten Auf- ruf. Er las ihn leider mit einer Beseelung, die dem Bilde wider- sprach, daS Zweig von RollandS geistigem We'en gezeichnet hatte. Worte, die schon durch ihren Sinn stark sind, braucht man nicht mit gewaltsamen Tönen zu beladen.»o. In der TtaatSov" zeigte der Tenorist T a u b e� vom Dre»- dener Theater als Graf Almavwa(im.Barbier von Sevilla") zum zweitenmal, was er kann und was ihm fehlt. Er besitzt«ine schöne, weiche, klare Stimme, die im Piano und in der Mttteilage auS- drucksvoll klingt, in der Höhe aber zivar nicht an Kraft, so doch an Ausgeglichenbeit und Farbe verliert. Er spricht gut, bewegt sich gezwungen und läßt spielerisch überhaupt noch Freiheit und Selbst- bewußtsein vermissen; eine gesunde Begabung für dos Schönsinaen sollte ihn derpflichten, Schlacken seiner Technik zu beseitigen. Die Aufführung dieses köstlichen, von Laune, Erfindung und Spieldeli- katesse übersprudelnden Werks war matt, um nicht zu sagen: lang- lveilig. Wie Blei hing alles an dem Dirigentenstab Uraks, die Tempi konnten nicht noch mehr verschleppt werden.'Humorlos daZ Kichern und Scherzen der Instrumente, grau die Szene, unze- sschmeidig die Solisten und Chöre. Birgitt Eng'ell könnte ein« Rosine sein, wenn sie nicht zu frei mit Tönen und Verzierungen umginge, so frei, daß zuweilen Sc Melodie gar nicht mehr erkennt» lich wurde. Aber sie hüpfte doch wenigstens und ahnte den Charme ihrer Glanzparrie. Der Figaro Hab ich S war gesanglich und im Zuschnitt der Drolerie nicht graziös genug, der Basilio Schwind? zwar grotesk, aber nicht so erfinderisch in Einzelheiten, wie eZ jet klaftertiefe Baß erlaubt hätte. Einzig der Bartolo Stocks in seiner bärbeißigen, bitter-humorigen Art konnte ganz erfreuen. Wir fühlten sonst nirgends, daß wir in Italien, daß wir bei Rossini, dem Schwan von Pesaro. ja, haß wir in dem alten Opernhaus zu Gaste waren. Und es sollte doch vorwärts-, nicht rückwärtsgehen— war versprochen. Wir hallen uns an den Willen und lehnen liefe Biertelstat ab. IS. S. Ein Dteinzeitmensch in der Gegenwart. Einen sonderbaren Versuch hat«« schwedischer Gutsbesitzer D- Gmedberg durchge- bei den Elle ruhe IratSwahlen die Lehrkräfte sich jeder direkten und indirekten Einflußnahme enthalten müssen. Eine zweüe von Oestreich vorgelegte und gleichfalls angenommene Resolution er- sucht den Zentralvorstand der E. P. D., möglichst bald und jeden- falls noch vor der allgemeinen Reichsschulkonferenz eine K o n f e- renz aller in der Parteiorganisation tätigen männlichen und weiblichen Pädagogen und Btl» d u n g s p o l i ti k e r zur klärenden Aussprache und Beschluß- fassung über das Schul- und Bildungsprogramm der Partei ein- zuberufen. Der Parteivorstand soll dahin wirken, daß zur allge- meinen Reichsschulkonferenz die Vertreter nicht nach der Stärke der zum größten Teil auf die Politik der bürgerlickien Parteien festgelegten Lehrerorganisationen, sondern nach der Stärke der po- litischen Parteien berufen werden. Zugestimmt wurde schließlich noch dem Antrag, daß der Schulausschuß Richtlinien für die EliernbeiratSwahlen ausarbeiten soll. Ueber die Sozialisierung des Schulbuchhandels referierte Stadtv. Dr. Witte- Berlin. Die von ihm erläuterten Leitifütze des Schulausschusses beben hervor die Möglichkeit billigerer und besserer Herstellung, der Besoitigung des Monopols von Schul- buchverlege rn, der Ausschaltung aller kapitalistischen Interessen, der schnelleren Beseitigung chauvinistischer, militaristischer und ton- fessioneller Einschläge, der zielbewußten und systematiichen Ver- besserung der Schulbücher unter Berücksichtigung aller Fortschritte und Reformwünsche. Die Zahl der Schulbücher soll möglichst be- schränkt werden. Die Auswahl soll in jeder Schule in einer Fach- konferemz nach Aussprache mit den Elternbeiräten erfolgen. Mit der Sozialisier u ng des(Efchulbuchhandcls soll die unentgeltliche Lieferung der Bücher für die Schulkinder eingeführt werden. Nach einer kurzen Diskussion, in der auch die finanziellen Schwierigkeiten der Gemeinden betont wunden, fanden die Leitsätze e i n st immige Annahme. Der Sozialisierungsausschutz hat Richtlinien für die Sozialisierung entworfen. Stadtv. Dr. S t r i e m e r- Berlin führte zu ihrer Begründung aus: Bor dem Kriege waren wir uns darüber einig, daß die Sozialisierung- sich einmal von selbst als notwendige Entwicklung ergeben wüvde. Aber zwischen 1814 und 1819 lisch: eine gewaltige Kluft, und manches, was damals richtig war, trifft heute nicht mehr zu. Die wirtschaftl: che n Ver- Hältnisse sind völlig andere geworden, wir haben einon Zusammenbruch erlitten, Deutschland befindet sich sozusagen im Stadium des.Ausverkaufs". Gewiß ist die planmäßige Zusam« menfassung aller Kräfte heute nötiger als je. Aber nicht nur die wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich geändert, sondern auch— was noch furchtbarer ist— dieganze gei st i geVerfassung. die Moral deS Volkes. Dieser Punkt wird von den aller- meisten, die haute mit dem Schlagwort«Sozialisierung" um sich werfen, übersehen. Sozialisierung ist ein« techniseh-ovgmnsatoriscke Ausgabe, erfordert aber ein Menscheumaterial, das willig ist, Opfer zu bringen und sich im Sinsie des Sozialismus um- zustellen zur Bereitschaft, fremde? Eigentum wie da? eigene zu achten und zu behandeln. Wir stehen davor, endlich Hand an die Sozialisierung zu lagen. Ohne Richtlinien werden wir nicht an- fangen können, wenn auch tu der Praxis sich nceh Schwierigkeiten ergeben werden. Die Richtlinien des Ausschusses bestimmen die Sozialisierung als Unterstellung von Teilen der Volkswirtschaft unter einheitliche Leitung, auf die die V o I k s g e s a m t h e i t stündig entscheidenden Einfluß ausübt. Sie kamt durchgeführt werden als Verstaatlichung/ als Kommunalisierung, als Planwirtschaft. Zweck ist die Beseitigung der Schäden, die in der freien Wirtsehoft an? der Verfolgung der kapitalistischen Sonder- tnteressen auf Kosten der Volksgemeinschaft sich ergeben, die plan- mäßige Bedarfsdeckung nach dem ökonomischen Prinzip des ge- ringsten Aufwandes an Kraft und Zeit, damit die Lebens- Haltung des ganzen Volkes gehoben wird. Mittel zur Sozialisierung sind die geistige Umstellung des Volkes, die Be- seitigtmg des Gegensatzes zwischen privatwirtschafllichen und Volks- wirtschaftlichen Interessen, ferner die prakttsch-orgamsatorisck>e Schassung von Zentralstellen, die den vlanmätzigen Zusammenschluß schnellstens in die Wege leiten und durchführen, weiter gesetzliche Bestimmungen. Der Gang der Sozialisierung ergibt sich für die einzelnen Gewerbe aus dem Grad ihrer Bodeurung für die Allgc- memheit und der Dringlichkeit der Bedürfnisse(Nahrung: Kleidung,' Wohnung usw.). Referent betonte, daß durch die Sozia- lisierung die Bedarfsdeckung. nicht etwa vevschlechiert, andererseits auch das W ir tscha ft s leb e n nicht gestört werden dürfe, Er schlug für Groß-Berlin eine Zentralstelle für Sozialisier ung vor, die vom Magistrat Berlin unter Be- toiligung der übrigen Gemeinden zu schassen wäre. Si« wäre einem Sozialisierungsausschuß aller Gemoinden zu unterstellen, der nach den oben angedeuteten Richtlinien zu arbeiten hätte. Die Debatte und Beschlußfassung wu-rde auf eine nächst« Kon- ferenz vertagt. führt: Er hatte sich vorgenommen, mehrere Monate in der Natur zu leben, ohne andere Werkzeuge als solche aus Feuerstein und dar- aus hergestellte Gerätschaften und Hausgerät, das er sich selber aus Knochen, Holz und Lehm herstellte, zu benutzen. Einige Sommermonate hindurch führte Smedberg das Experiment durch. In einem Vortrag, den er kürzlich in Stockholm hielt, schilderte er, wie er mit her Fcuersteinaxt Bäume fällte, um sich eine dauerhafte Stetnzeithütte zu bauen, und wie er sich mit Feuersteinwerkzeugen Angelhaken ans Knochen und Gerötichaften für die Jagd und den Fischfang herstellte. Aus Lindenbast tlocht er sich Strick? und fertigte Netze an. Aus Holz und Schilfrohr wurde ein Floß für den Fischfang auf dem See gebaut. Sein einziges Haustier war eine Ziege mit zwei Jungen. Außer von der Milch dieser Ziege lebt« Smehberg von Wurzeln, Pilzen, Wild, das er erlegt?, und Fischen, die er angelte. Er zeigte seinen Hörern«ine Anzahl der von ihm hergestellten Gerätschaften; besonderes Jnwresse crweckle die reich« Sammlung von Tonkrügen im reinen Steinzeitstil in originellen Ornamenten.. Die SchnapSschlange. Auch daS englische Nensundland ist, gleich dem übrigen Amerika,»trockengelegt", d. h. jeder Alkoholverkauf ist, außer zu ärztlichen Zwecken, streng verboten. Nack Sr. Johns kam nun eines Tages— so erzählt ein englisches Blatt— ein Fremder, der auch trockengelegt, aber so begierig nach einem Drink war, daß er fast wie ein verschmachtetes 5tamel aussah. «Da? oinziqe Mittel, einen Drink zu erhalten," sagte der Baptistenpredigcr,«ist, sich von einer Schlange beißen zu lassen." «Ja, dann ist man aber ein toter Mann," sagte der Fremde. ,,J bewahr?." antwortete der Prediger.«Zwe-t Häuser von hier wohnt ein Mann, der ein« junge Schlange besitzt, die cbeiffo ungefährlich wie ein Kaminchen ist. Ich habe mich selbst schon oft beißen lassen." Darauf gab ihm der Prediger seine Besuchskarte.„Geben Sie da» dem Besitzer; bezahlen Sie und Sie werden gebissen. Tann laufen Sie sofort in die Apotheke, wo Sie eine Flasche Whisky bekommen." Der Fremde begab sich zu dem Schlangenbesitzer und llopf'.e an die Tür. „Haben Sie eine Schlange, Herr?" ftagie der Fremde. «Ja, ich babe«in sehr hübsches Exemplar. So zart und mit so weichvm Mund wie ein Säugling." „Kann ich einen Biß bekommen. Herr?" „Sehr gern können Sie einen Biß baben; aber Sie müssen so liebenswürdig sein, zu warten; denn die Schlange ist berests für die nächsten sechs Wochen abonniert!" Moissi» klassischer Abend, der drn troßen Saal der Philhar- monie in Anspruch nahm, hatte wohl äußerlich, qber nicht innerlich Fülle. Der Massenzulauf bei Moissi ist Reflexwirkung, steht aber nicht in geradem Verhältnis zu der Leistung, die der Künstler um Vortragsrisch vollbringt. Zwischen dem Bühnendarstcller und dem Gedichtsprecher Moissi(er spricht nicht frei, er liest!) liege» viele Stufen. Hier handelt sichs um zwei Arten künstlern'chcr Gestal- tnng, die ganz verschieden sind. Di« leidenschaftliche Beweglichkeit, die dem Bühnenkünstler suggestive Wirkungen sichert, reicht nicht au» yeerwgens Gespenster. Zu dem in unserer SonntagSuuSgab« erlwähnten Vortrag des Masors von Heeringcn wird uns von zuständiger Stelle folgendes mitgeteilt: Es ist der Regierung hinreichend bekannt, dah sich ansehn- lidye Gruppen unter der Aegide der spartakistischen Bewegung gebildet haben, die ihre zukünftige Aufgabe in der bewaffneten Unterstützung der geplanten Umshirzöeivegung von links erblicken. Entsprechend dieser Absicht sind diese Gruppen auch fortgesetzt bemüht gewesen, sich in den Besitz von Waffen zu setzen. Insoweit enthalten die Mitteilungen de? Majors von Heeringen also einen richtigen Kern. Wenn er jedoch davon sprach, dag man allein für Berlin aus den Reihen des„Revo- lutionären Matrosenbundes" und der»Kampfabteilung klaffen- bewußter � Arbeiter" auf»eine hohe fünfstellige Zahl" von Kämpfern rechnen müsse, die im Falle eines Aufftnndes in Aktion treten wüvden, so müssen doch diese ziffernmäßigen Angaben als außerordentlich stark übertrieben bezeichnet werden. Ter Regierung und den von ihr mit der Wahrnehmung des Schutzes der öffentlichen Ordnung betrauten Stellen wäre es nicht entgangen, wenn diese Kompforganisationen mit Panzer. automobilen ausgerüstet wären. Derartige Kampfmittel lassen sich denn doch nicht so leicht in Arbeiterwohnungen verbergen wie Gewehre, Handgranaten und Maschinengewehre, von denen aus der Zeit der letzten Unruhen zweifellos noch eine Anzahl sich im Besitz putscfilüsterner Elemente befindet. Sollte vielleicht durch Heraufbeschwörung des bolschewisti- s ch e n Gespenstes der Boden für einen kommenden m o n- archistischen Vorstoß bereitet werden? Kleine politische Nachrichte«. Haases Befinden. DaS Befinden des Abgeordneten H a a s e ist nach wie vor sehr bedenklich Dos Fieber war Sonn- abend abend wieder gestiegen, ist jedoch Sonntag vor- mittag etwa? heruntergegangen. Zur Abstimmung in Lbersckilesien. Die»Vereinigten Ver- bände heimatstreuer Oberschlesier" feiten uns mitzuteilen, daß am 29. Okiober im LehrervereinZhauS eine öffentliche Der- fammlung der Oberschlesier zwecks Aufklärung übet Abstim» m u n g S f r a g e n stattfindet. Es wird auf Beieiligung aller ober. ichesiscken Vereine und Verbände gefelliger, politischer und gewerk- fchaftl icher Art gerechnet. In englischer Gefangenschaft. Nach den e-ngkifchen Blättern wurde in der Unterhaus sitzung vom 23. mitgeteilt, daß sich am 29. Oktober noch 72 065 Kriegsgefangene in England befanden. Entlaffung des Braunschweiger Polizeipräsidenten. Die nächt- libeu Vorgänge der leyien Tage, namenll'ch der Handgranaten- angriff auf das KreiSgefängniS, haben zur Entlaffung des Polt- zeipräsidenten Tappe geführt. Zu seinem Nachfolger wurde der KreiSdirekior Hoffmeister in Holzminden ernannt. Mit dem Dreher Tappe ist der letzte Rest der MergeS-Oerterschen Gcloaliherrschaft beseitigt worden. Zwaugsversicherung gegen Arbeitslosigkeit w England. Dem Varlainentsberichierstatter der»Times" zufolge bereitet die britische Regierung einen Gesetzentwurf vor, der die ZwangSversiche« i ung gegen Erwerbslosigkeit auf der Grundlage eines allgemeinen Beitrages vorsiebt. Auf diese Weise hofft die Regierung, das schwierige Problem der Erwcrbslosenunterstützung, daS dem Schatz- aml soviel Geld kostet, zu lösen. Ter Gesetzentwurf betreffend da? RcichSnotopfer wurde am Donnerstag im SteuemuSschutz der Nationalversammlung in zweiter Lesung mit n gegen 4 Stimmen der Dcutschnationalen Volkspartei und der Deutschen Volkspartei angenommen. Schicbcrhandel mit Schlafwagenplätzen. Es dürfte nicht un- interessant fein, festzustellen, baß man Schlafwagenplätze im Schiöberhandel gegenwärtig mit 199 M. bezahlt. Man sollte die Schlafwagengäste ein bißchen revidieren! Rückkehr znr Abstimmung. Die französi sche Regie- r u n g hat Maßnahmen getroffen, daß mehrere tausend Kriegs- und Zivilgerangene, die aus Schleswig stammen, heimgeschickt wer- den können, um an der Abstimmung in Nordschleswig teilnehmen zu können. -un Vortragstisch, wo die Stimm: alles allein bewältigen muß. Moiffi ist kein Kainz. DaS Schwellen. Wogen, Drängen, fiebern feiner Stimme kann wohl Farbe geben, aber es trifft nicht die seelische Handlung, die jedem guten lyrischen Gedichte einwohnt::nd stimmlich in ihrer eigenartigen Architektur hevausgeformt werden muß. Deshalb ist Moiffi nur wirksam, wo gesühlsmächtige Stim- mung einheitlich vorherrscht, und er wird gering, wo sich Vorgänge einer reich bewegten Handlung ztvcigen. So wurde denn ein Ge- dicht wie Goethes»Gott und die Bajadere" ein Gemisch von Star! und Schwach, und Scknllers»Kraniche des Jbhkus" blieben gestalte- riäh Mittelmaß. Aber auch die tiefe Innerlichkeit so wunder- sanier deutscher Liedlyrik wie EiitendorffS»ES schienen so golden die Sterne" und wie Goethe»„Mailied" konnte Moiffi nicht auf- keimen lassen; sie verdarb an seiner rauschflackernden Leidenschaft- lichkeit(und an dem sündhaften Mißgriff, solche feinleuchtenden Gespinste einem Riesensaal einweben zu wollen). Wie ein« Probe auf den Geist de» Publikums, das den Raum bis in fernste'Winkel anSfüllte. wirkte die Heinesche Satire»Der tugendhaste Hund". Die Einstellung in dieses Programm war brav und konnte wohl gelten als ein Zeichen von Moissis geistigem RcvolutionSgewinn. Das Publikum aber ging auf diese Spott- sabel mit dem stärksten Beifall dcS Abends ein. Wie groß der Ab- stand der Vortragsart Moissis von eigentlicher Vortragskunst ist, ließ sich indes gerade bei diesem Gedicht empfinden: in Erinnerung an andere, die es jüngst hier gesprochen haben. Und der folgende Abend brachte den lebendigen Vergleich mit einer anderen Voll- kommcneii deS lyrischen Vortrags: mit Rest Lanzer, dir im Meistersaal das fatanisdb-dreiste erotische Naturbekennen der Lyrik Frank WcdekindS in bildhafte Gestalten nachdichtete. Hier erhneS der Respekt vor der Dichtung sich in einer AuSdruckskunst,' die de?- halb stark überzeugend wirkte, weil sie in einem Ergreifen und AuS- schöpfen der organischen eigenartigen Natur jedes Gedichtes wurzelt«. zd. Wie Neide Ick, mein Kind? Diese Frage beantwortet da? Zentral- institut für Erziehung und Unterricht durch eine Sonderausstellung, die den Bedürfnissen unserer Tage Rechnung zu tragen versucht, Sie ist im großen Saale des Gebäudes, Potsdamer Str. 120, eingerichtet. Ueler Frank Wedekind und fein Schauspiel»Schloß Wettersiein" spricht Theodor Kapp st ein am 2g. Oktober, abends 7 Uhr, i» per Aula des WilbelmSgymnasiums, Bellevuestr. 15. Ein Schrei nach Wagner. Räch dem„Etoile Belge" hat in einem der Konzerte Lamoureur in Pari« ein»esueher plötzlich mit Stentor- stimme gefragt:»Ich möchte wissen, wann nja» sich dazu entschließen wird, Wagner zu spielen?" Tarauf sei im Saal applaudiert und gepfiffen worden. Kapellmeister Chevillard habe sich dem Publikum zugewandt und geanttvortet:»Man wird bald Wagnev spielen Ein Denkmal Adalbert Stister», ein Werk von ff. Philipp, ist in Wien enthüll, worden. Weithin sichtbar steht e« im Türkenschanzpart und stellt den Dichter im Mantel, den Schlapphut in der Hand, an einem Felsblock lehnend dar. Der Sockel zeigt zwei Kindergestalten im Relief, einen lesenden Knaben und ein Mädchen, das Blumen in der erhobenen Hand trägt. Das?veal Stifters war die Erziehung des Volke? und besondet» der Jugend zu de» Idealen der Kunst und des Ente». Vize- bürgernreister Winter erklärte, daß die Stadl Wien das Denkmal treu( bewahren werde als das eines Riaanes, der durch seine nie versagende> Liebe zu den Menschen ein Vorbild eines Führer« sei. 1 GroßSerün Gegrußung üer heimgekehrten Kriegsgefangenen. Die Bezirksorganisation Groß-Bcrlin veranstaltete am Sonntag vormittag im Nichard-Oswald-Lichtspieltheater eine eindrucksvolle Begrüßungsfeier für die heimgekehrten Kriegsgefangenen, denen ein hochpoertiges rünstlerisckies Programm von ersten LHinstlern gehören wurde. Die-Festrede hielt der Vizepräsident der Nationalversammlung Öenosse Loebe-Breslau. Er führte u. a. aus: Wenn der deutsche Arbeiter im kommenden Früh- jähr bei den Wiederaufbauarbeiten in Frank- reich mit dem französischen Bauer zusammenarbeiten werde, würden beide oft auf klaffende Schädel und Er- kennungsmarken stoßen, die ihnen zeigen, daß dort die Ueberreste eines deutschen Kriegers geruht haben. Man darf nur wünschen, daß die Heimgekehrten recht bald die Brücke zu den veränderten Verhältnissen in der Hei- mat- finden mögen. Loebe gedachte des schwer leidenden A b- geordneten Haase und fuhr fort: Ter 9. November ist nicht von einer Organisation gemacht worden, sondern man hatte nur nötig, die Macht, die dem alten Ne- gime ans den Händen gefallen war, auszuheben. Tie deutschen Fürsten haben damals nicht nur ihre Krone, sondern teilweise sogar ihr Vaterland verlassen. So wurde die Bahn frei für die n e u e S t a a t s g e w a I t. Aus wirtsdhaftlichem Gebiet ist freilich einstweilen noch an keine Wiederauferstehuny zu denken. Man kann in dieser Beziehung nicht einmal auf eine baldige Befreiung hoffen. Die Regie- rung hat im Verein mit der Volksvertretung alles M e n« ich e n m o g l i ch e getan, um die Kriegsgefangenen frei zu bekommen, aber Machtmittel standen dem Reich nicht zur Ver- fügung. Tie Armee hat seit der Augustossensive t a g t ä g- l i ch 19 999 Mann an Gefangenen verloren. Am Schluß bat Loebe die heimgekehrten Krisgsgefcmgenen herzlich, mitzuarbeiten a m Wiederaufbau des Reiches und mit der Regierung und dem gesamten deut- scheu Volk dahin zu wirken, daß nun schnell der letzte deutsche Kriegsgefangene nach Deutschland zurückkehre. Tie Unterbringung der Ententekommissione». Von den ZeitungSmelbungen über die Beschlagnahme von Hotels zur Unterbringung von Entyntekom- Missionen ist ein wesentlicher Teil unzutreffend. Selbst- verständlich hat die Regierung von vornherein versucht, die Unter- bringung der Kommissionen angemessen, aber auch zugleich die schwere Finanzlage de» Reiches berücksich- tigend vorzunehmen Sie hat aber bei den Vertretern der Ententckommiffionen kein besonderes Entgegenkom- men gefunden. Es wurde verlangt, daß die Kommissionen schon im Interesse ihres eigenen inneren Betriebes wirklich gc- schlössen untergebracht werben. Gute mittlere Hotels wurden abgelehnt, für die Unterbringung der Offiziere nur erst- klassige Hotels verlangt; unter den zur Verfügung stehenden Zimmern wurde eine sehr kritische Auswahl getroffen. Im Interesse der Reichsregierung liegt es, die Kommisswncn möglichst geschlossen unterzubringen und zwar aus Gründen der Sicherheit, des Verkehrs und der Ver- p f l c g u n g. Daher sah sich die Regierung veranlaßt, zwei erstklassige Hotels, den Kaiserhof und das Edenhotel mit Beschlag zu belegen. Für die Unter- bringung ihrer nicht im Offiziersrang stehenden Mitgsieder haben die Entcntekommissionen Kasernen abgelehnt; infolge- dessen mußten die Hotels Saxonia und C a r l t o n beschlag- nahm! werden. Entgegen einer Zeitungsmeldung ist festzustellen, daß eS der Regierung selbstverständlich bekannt war, daß das Carlton-Hotel außer Betrieb ist. ES sollten aber nach Möglichkeit die arbeitenden Hotel? geschont werden; es wurde da- her auf solche zurückgegriffen, die bereits jetzt dem Fremden- verkehr entzogen sind. Wenn bei dieser Anforderung auch auf da? Personal Bezug genommen wurde, so sollte vorgebeugt werden, daß das vorhandene Fahrstuhl- und Haus-wortpersonal seine Stellungen verliere. Uebrigcns ist zu bemerken, daß die beiden für die Mannschaften in Aussicht genommenen.Hotels nach der Ansicht der Ententekommissionen nicht ausgereicht bätten; infolgedessen wurde das Carlton-Hotel freigegeben und dafür das größere Tiergartenhotel beschlagnahmt. Aber auch diese Maßnabme ha! sich als ungenügend berauSgestellt, da bereits eine neue Anforderung von Räumen für weitere hundert Mann vorliegt. Auch an Ofriziersräumen ist eine neue Forderung angemeldet mit der Begründung, daß die Räum« deS Kaiserhofes nicht ausreichen. Angesichts dieser Umstände erscheint eS unwahrscheinlich, daß«in englischer Oberst die deutsche Regierung wegen ihrer VerschwendungS- sucht getadelt haben sollte. Es bleibt zu hoffen, daß die zu einem Teil durchaus zu begrei- sende Kritik, die an den geplanten Maßnahmen der Rc- gierung geübt worden ist, die Möglichkeiten schafft, eine Nach- Prüfung der Nachrichten vorzunehmen. ES wäre wün- ichenswert, die Ententekommissionen so unterzubringen, daß be- sonders in den großen Hotels wenigstens ein Teil des Betriebes für Zwecke des F remd en ve r k ehrS f re ige ha lte n werden könnten. Das würde allerdings worauSsetzen, daß die Ententekommissionen aus ihre deß öfteren ausgesprochene For- derung, daß in den von ihnen bewobnten Hotels keinerlei Restauration?» oder Kaffeebetrieb oder auch nur Verkehr anderer Art sein dürfe, endgültig verzichteten. Lösung des Konflikts im Berliner RettungSwesen. Zur Sckiffchlung der zwiffben dem Groß-Berliner Verband für da? RettungSwesen nnd den Rettungsärzten ichwebenden Differenzen war die Vermittlung des Herrn Oberbürgei meister« Dr. Mermuth angerufen worden. Unter seinem Vorsitz hat kürzlicli eine Verhandlung staltgesunden, an der Vertreter des beteiligten Verbandes und Vertreter der Groß-Berliner VcrtragSkomm'ksion teilnahmen. E« wurde sehr bald eine Einigung über die wesentlichsten Streit- punkte erzielt und zwar auf folgender Grundlage: Bis zu einer etwaigen Neuregelung de» ärztlichen Dienste» beim Rcltunaöweien, die infolge des UebergangeS des Rettung?« weienS auf Groß- Berlin eintreten könnte, werden die zurzeit beim RettungSwesen tätigen Aerzte weiter beschäftigt werden. ES wird ein paritätisches Schiedsgericht zur Schlichtung aller entstehenden Streitigkeiten eingesetzt. Zwei im RrtiungSdienste tätige Vertreter der Reituna-ärzte sollen an den Sitzungen dc» VerbandSauS'chnsie« de« Groß-Berliner Verbände« für das Rettung«- Wesen mit beratender Stimme teilnehmen. Als Honorar werden die von der Groß-Berliner BcrtragSkommisfion gewünschten Sätze ab 1. Oktober bewilligt. Mit dieser Lösung, die dem Interesse aller Beteiligten geiecht wird, dürfte ein dauernde? gedciblicheS Zuiaiiimenwirken zwischen dem Groß-Berliner Verband für daS RettungSwesen und den bei ihn, tätigen Aerzlen gesichert sein. Die Dummen werden nicht alle. Einem großzügigen Abonnement s'schwindel hat die Kriminalpolizei in Lichterfelde ein Ende gemacht, durch den rund 2 9 9 9(> Angehörige der r e ch t sst c h c n d c n P a r- t e i c n geschädigt worden sind, Mai dieses Jahre» entstand in Lichterfeldc der E u le n» Be r l ag, dessen Inhaber eine Frau Gakomon war, während ihr Mann als Geschäfts führ er zeichnete. Der Eulenverlag versandte zu Tausenden ein Propa- gandaschreiben, das sich an notionalge sinnte Kreis« wen- oete und in dem die Gründung eines neuen Witzblattes „Der H o f n a r r" angekündigt wurde. Wie eS in dem Werbe- schreiben hieß, sollte der„Hofnarr" in der Form eines Witzblattes den monarchischen Gedanken wieder in weiteren Kreisen zur Erstark ung bringen. Meichzeitig wurden auch Flugschriften und Broschüren empfohlen, die im Eulenverlag bereits erschienen waren, und die sich ebenfalls mit der Wieder- Herstellung der Monarchie befaßten. Auf da» Propagandaschreiben meldeten sich rund 29 999 Per- sonen. welche das angekündigte Witzblatt bestellten und den Jahres- beirag von 8,29 Mk. im voraus einsandten. DaS Erscheinen.de? „Hofnarren" verzögerte sich jedoch von Monat zu Monat, und als die ungeduldigen Abonnenten schließlich Aufklärung über die Gründe des Nichterscheinens zu haben wünschten, erklärt« die in die En�e gedrängte GeschäitSlettung, daß sie erst Anfang nächsten Jahres die erste Nummer herausbringen könne. Hiergegen erhoben zahlreiche Abonnenten Einspruch und erstatteten bei der Ttaatsanwalischai: Anzeige wegen Betrugs. Freitag erschien die Kriminal- Polizei im Eulenverlag und verhaftete das Ehepaar Salomom. den Schriftleiter Markus und einen angeblichen Hauptmann Hage meister, um sie o~m Untersuchungsrichter vorzuführen. Eine Prüfung der Bücher ergab, daß von den eingegangenen 139999 Mark für den„Hofnarren" lediglich noch 12 99 übrig waren. Den Rest will die Gcschäftsleitung für unausfind- bare künstlerische Beiträge und„Spesen" ausgegeben haben. Da Solomon ein Jahresgehalt von 29999, Markus ein solche» von 1 S 9 0 9 Mark bezog, so wollte es den Kriminalbeamten nicht einleuchten, daß der Verlag bisher ftir das Nichterscheinen des Witzblattes über hunderttausend Mark Spesen gehabt haben soll. Die genarrten Abonnenten des„Hofnarren" dürften inzwischen zu der Erkenntnis gekommen sein, daß eS töricht war—„Eulen»ach Lichtersclde zu tragen"._ Grosi-Bcrliner Lebensmittel. Ceriin. vollmilchlartea für Dezember werben zur Sinder im 1.. u. 2. Lebensjahre am 22. u. AZ. Okt., für Kinder im Z. u. 4. Lebensjahre am 31. Okt. u. 1. Nov., für Kinder im b. u. S. Lebensjahre am 3. u 4. Nov. zusammen mit den Rahrungsinitrelbezuasscheinen verausgabt. Steglitz. 250 Kr. a/nerik Mehl, 259 Gr. Graupcnmehl. Je ein Päckchen Milchsüs: speise u. Milchpudoingpulver.— Kriegsbeschädigte, oie über 39 Proz. erwerbsunfähig sind, erhalten von jetzt ab-t Pfd. Nähr- mittel. Dahlem. 299 Gramm Schmalz(F 18). Marienbsrf-Sudendr, 3 Päckchen Milchsühlpeifen(82). Karten bis Dienstag vorlege». 25. Olk. bis 8. Noo. 259 Gramm amcrik. Weizenmehl (L 29). J 19 verliert am 25. Okt. leine Gültigkeit, K 20 und L 20 an: 8. Nov. Sin Stelle drö amenk. Meble» kann 91 proz. inländ. ffieizcnmelil entnommen werden. Montag an Groß- und Klcinviehhatter Slriusloh, Zentner 19 M., jede Menge. Bezahlung Zimmer 29/21 Rathaus 12-2. Ausgabe 1—3 Torfftr. 34. Tewpelhof. 27. Ott bis 2. Nov. 259 Gramm ansl. Lililserisrüchto (70), 150 Gramm ausl Kartoficlilärtemehl(87>. 590 Gramm Roggcnmehl (37). Für Kinder im 5. und ö. Lebensjahre 500 Gramm Hajcrstocken und 599 Gramm Teigwaren(l? I und 0 II). Anmeldung: 159 Gramm Graupcnmehl(89), 260 Gramm Graupevmehl k9l). Verkaus: 259 Gramm Kunsthonig(II). Anmeldung: Eerealmehi je 250 Gr.(W 24, X 24, Z 24». Stralau. 250 Gr. MaiSniehl(92), 300 Gr. ttzaserslockcn(93 u 91), 500 Gr.«artoffetwalzmetzl(2), 500 Gr. amcrik. Mehl(S 16 u, Z 16). Lichtenberg. Boranmclduiig: 250 Gramm Ma-ssabrikale(92). Für Jugendliche 290 Gramm Weizengrieß<44 3i. je 5 Suppenwürfel<413). Obiie Voranmeldung: Je 259 Gramm inl. oder ausl. Weizenmehl(J 19) und(K 20), l Päckchen Vanillin-Milchzucker(409), Pfd. Geioürzkuchen (406 G). Auf Utlauberbezugttarten: 100 Gramm Nährmittel und 290 Giamm Marmelade. Für heimgekehrte Krieg»- und Zivilzefangene 200 Gramm aus Ii Hülsenfrüchte(1 o bis 6 c). Fricdrichssrlde. 1 Pfd. Maismehl(92), 1 Pfd. Kakao(23), 150 Gr. Reis(96), 1 Büchse Konserven(22). Pautow. Ab 27. Oktober werden die von der Firma Svekowsky dc- lieferten Geschäfte die l-LUerkarten mit'/. Liter, die»/.-Literkarlen mit '1, Liter und die ff,-Lite> karten mit'I, Liter Milch beliefern. Die'/«»Liier- Krankenkarlcn können bis auf weiteres nur einen Tag um den anderen mit Frsschmilch beliefert werden. AdlerShof. 250 Gr. Marmelade(77), 250 Gr.-«er». MeSl(19). 150 Gr. Graupenmehl(94), 150 Gr. Reis(95), 150 bis 250 Gram'». Weizengrieß>2ck Krankealarit), 1 Tose Malzextrakt für Kinder vis 2 Jahr«. Ausl. Kleie im Zimmer 90 de? Lebensmittelamtes. Att-Glirnicke. 125 Gr. Reis(94), 250 Gr. Morgemrank(95), 260 Gr. amenk. Mehl(K. 20). 250 Gr. Marmelade(34). 250 Gr. S-ubcynen(35), 250 Gr. Reis für Kriegsbeschädigte; Haserslocken für Kranke. Hroß-Serttner parteinachrkchten. Werbeausschuh für Post und Telegraphie. Die für die Beamtinnen der Post- und Telcgraphenverwaltung anberaumte Versammlung sindc» heute abend 7 Uhr in der Aula des Sophien-LyzeumS, Weinmcislcr- straßc 19(17 III. statt. Vorträge, verekne unA Versammlungen. ReichSbund der Kriegsbeschädigten. Ortsgruppe Neukölln. Dienstag abend. 7 Uhr. im Restauraat Karlsgarten, Karlsgartcnstraße, außer- ordentliche Eeneralversammlung. Mitgliedskarte legitimiert. Reuaus- nahmen am Eingang des Saales. Stenographen. Verein„Galictöbrrgcr". Uebungen von 7—9 Uhr abends in der Frtediich-Werderscheu Qberrealschule, Niederwallstr. 12. Ttenographenvcrcin Stolze Schrcv. Roidose Bezirk. Donnerstag abend, 7M> Uhr, 69. Gemeindeschule, Kl. Frankfurter Sir. 6. Ehemalige Kilegsgesangenc Mittwoch abend 7'4 Uhr, Lokal Schmidt, Michaelkirchstr. 28, Miizliederversatninlung. Dort Aufnahme neuer Mitglieder._ Mus aller Welt. Da« Prager Femgericht. Wie das.Prager Tagblatt' meldet, fand bor dem Präger D i v i s i o n s g e r i ch t am 13. d. M. wider den SJjährigen Zivilisten Emanuel Suczek aus Tesche» die Straf- Verhandlung statt. AI« Belastungszeuge erschien ein Zivil- spitze!, de: in einem Osfiziersmante! steckte, eine Militärkappe aus hatte und derart vermummt war, man nur serne Augen sah. Ein andcrer Zeuge wurde nicht vernommen. Ter Angeklagte wurde zum Tode durch den Strang verurteilt... Tie tschechischen sozialdemokratischen Abgeordneten nennen in einer Jnierpellation die Prager Mikiiärjüstiz ärger als die österreichische Justiz im Kriege! GewerffchaflsbewWng' der �lchtstunüentag der Sühnenarbeiter. Der deutsche Bühnenderein(Organisation der Theatcrunter- nebmer) fordert in einer Einggbe un die Regierung,.>aß die TlK' aterbctriebe vom Achtstundentag befreit werden. Diese Forderung wird mit der Behauptung begründet, eine Umfrage habe ergeben, daß der Achtstundentag auf die Tbeatevbetricbe ruinös gewirkt habe. M«t derartigen Behauptungen haben sich die Unternehmer stctS gegen jede Verkürzung der Arbeitszeit gewehrt, aber die Tat- jachen haben bewiesen, daß noch kein Betrieb durch den Achtstunden. tag ruiniert worden ist, und was die Theaterunternebmungen b.'- trifft, so lehrt doch der Augenschein, daß sie gegenwärtig recht gut florieren, trotz dcS Achtstundentages. Uebrigen» bestätigt der Bühnenverein in der durch die Presse verbreiteten Begründu ig seiner Eingabe selbst, daß emc kleine Anzahl von Theatern mit dem Achtstundentag gute Erfahrungen gemacht hat.. Dazu ist zu sagen: Was einer kleinen Anzahl von Theatern möglich ist, das muß den anderen bei gutem Willen auch möglich fein. T-ie Bühn-enarbeiter, die doch von diesen Dingen such etwas verstehen, berufen sich darauf, daß sich— wenigstens in Berlin— der Achtstundentag allgemsin gut bewährt hat. Besonders wenden sie sich gegen die Behauptung des Bühnenvereins, datz die Bühnen. arbeiter während der achtstündigen Arbeitszeit möglichst wenig arbeiten, um nachher UeberstuNden machen zu können. Erstens ist ein solches Verhalten der Arbeiter wegen der ganzen Art des Theaterbetriebes gar nicht ausführbar, und dann haben die Arbeiter auch gar kein Verlangen, den Achtstundentag, den sie mit Freuden begrüßen, durch Ueberstunden zu verlängern. Der Biühnenverein rechnet auf die Unkenntnis des Publikums, wenn er es so darstellt, als ob die Arbeitszeit der Bühnenarbeiter eigentlich nur aus einer Reihe größerer Pausen besteht, zwischen denen kurze Zeit gearbeitet wird. Selbst wenn das richtig wäre, dann ist doch die Zeit, wo der Arbeiter im Theater anwesend sein muß, keine freie Zeit, sondern Arbeitszeit öder Arbeitsbereitschafi Aber so ist es gar nicht. Die Bühnenarbeiter haben ja nicht nur auf der Bühne mit Ausstellung der Dekorationen zu tun, sondern sie haben auch bei Herstellung derselben in den Werkstätten des Theaters zu arbeiten. Wo sich während der Aufführungen für den Arbeiter auf der Bühne größere Pausen ergeben, werden sie durch Werkstattarbeit ausgefüllt. Bei den mit Dreh- und Schiebebühnen ausgestatteten Theatern gibt eö auch während der Aufführung keine Pausen für die Arbeiter, son» dern da muß sogar recht kräftig gearbeitet werden. Der Bühnenverein möchte den Achtstundeniag derart geändert wissen, datz nur die wirkliche Arbeiiszeit, aber nicht die sich durch die Art des Betriebes ergebenden Pausen angerechnet werden. Das würde, wo solche Fälle vorkommen, für die Arbeiter einen Arbeits- tag von etwa 1s Stunden ergeben. Gegen einen solchen„Acht- stundentag" werden sich die Arbeiter mit größter Entschiedenheit wehren. Tie Akkordarbeit und die Eisenbahner. Mit welchen Mitteln die Unabhängigen versuchen, Mißtrauen bei den Eisenbahnern gegen Regierung und gegen die Führer der sozialdemokratischen Partei zu entfachen, zeigt wieder ein Vor- gang, der uns aus Tempelhos berichtet wird. Am Sonntag Vormittag sollte dort eine Mitgliederversammlung des deutschen EisenbahnerverVandes stattfinden. Um bei den Eisenbahnern die richtige Stimmimg ftir dw Versammlung zu erzeugen, wurde von unabhängiger seile an der Tafel für Bekanntmachungen der Eiseilbahner folgender Anschlag veröffentlicht: „Der Abgeordnete Leinert will den Eisenbahner zwingen, durch Verfügungen und Erlasse die Akkordarbeit, auch die Ueber- stunden und Sonntagsarbelten einguftihren. Darum ist e? Pflicht eines jeden, zu erscheinen." Wenn sich auch aus dem ganzen Inhalt des Anschlages ergibt, daß es Unsinn ist, was der Verfasser behauptet, so hat der An- schlag doch seine Wirkung nicht verfehlt. Die Eisenbahner sind empört über den Genossen Leinert, der aus eigener Machtvoll- kommenheit Verfügungen und Erlasse zum Schaden der Eisen- bahner erlätzt. Und das war wohl auch nur der Zweck der Uebung. Tarifabschluh mit der evangelischen Stadtsynode. Nachdem es dem Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter gelungen war, mit der jüdischen Gemeinde Grotz-Berlin einen für deren Friedhofsbetriebe geltenden Tarif abzuschließen, konnte auch ein solcher mit der evangelischen Berliner Stadtsynode abgeschlossen werden. Seinen Geltungsbereich bilden alle Kirchhöf« der dem Stadtsynvdalbezirk Berlin angehörenden Kirchengcmeinden. An Löhnen sind festgesetzt pro Stunde: für Gärtner und Handwerker 2,90 M., angelernte Arbeiter 2,70 M, Arbeiter 2,00 M., Gärtne- rinnen und Binderinnen 2,10 M. und Arbeite«innen über 17 Jahre 1,85 M. Am 1. Januar 1920 tritt in allen Gruppen ein Zuschlag von 10 Pf. ein. Daneben wird noch Urlaub von 3 Tagen noch halbjähriger Tätigkeit bis zu 21 Tagen. Krankenlohn bis zu 20 Wochen gewährt. Ein Unterschied z w-iiche n Sommer- und Winter- avbeitern darf nicht gemacht werden, die Dienstzeit der Sommerarbeiter wird ohne Kürzung angerechnet. Für Umbettungen werden 15 M. pro Mann und Deiche gezahlt ausschließlich der Aus- Hebung der neuen Gruft. Endlich erhalten alle am 23. August 1919 im Dienste der KirchhofSverwoltung beschäftigt Gewesenen eine Ausgleichszulage. Sie wird in Form eines Lohnaufschlages von 20 Pf. pro Stunde gewährt. Während es uns also gelang, nrft den jüdischen und evangeli- schon Kirchengemeinden einig zu werden, vermochten wir nicht, die katholischen Gemeinden zu Verhandlungen mit uns zu bewegen. Die katholischen Kirchenväter und an ihrer Spitze der Fürstbischof- liche Delegat haben aus der Revolution nichts gelernt. Sie können ' es mit wenigen lobenswerten Ausnahmen nicht verstehen, daß andere Zeiten herrschen, daß sie jetzt nicht mehr den„Herrn-im- Hause-Standpunkt" vertreten dürfen mit dem bekannten B«- geschmack patriarchalischen Wohlwollens. Aber sie werden lernen müssen I Verbamd der Gärtner und Gärtnereiarbeiter. Zum Streik der Bürstenmacher. Die Bürstenmacher beftnden sich immer noch im Streik. Ihre Forderungen sind von den Unternehmern abgelehnt worden. Es wird nun versucht, durch Inserate in den Zeitungen Frauen als Streikbrecher zu bekommen. Wir bitten daher alle Frauen be- sonders, keine Arbeit in der Bürstenindustrie anzunehmen und da- durch den im Streik stehenden Bürstenmachern in den Rücken zu fallen. Die Streikleitumy. Magistratshilfskräfte! Da der Magistrat einen Teil der Streikenden immer noch nicht eingestellt hat, fordern wir hiermit diejenigen Kollegen auf, welche noch ausgesperrt und Mitglied unseres Verbandes sind, sich am Montag, den 27. Oktober, in der Zeit von 10 bis 11 Uhr, in unserem Berbandsbureau, Berlin, Bellealliancestr. 7/10 zur Kontrolle und Regelung der Unterstützung zu melden. Zentralverband der Angestellten, Bezirk Groß-Berlin. Achtung! Taubstumme Holzarbeiter! Die taubstummen Kollegen des Deutschen Holzarbeiterver- bandes haben den Arbeitsnachweis in der Königswusterhausener Strasse 20/21 streng zu meiden. Zuständig ist der paritätische Ar beitsnachweiS der Holzindustrie, Rückertstr. 9. Deutscher Holzacbsiterverband, Sektion der Taubstummen. Wernerwerl, EicmenS-Halslc! Dienstag. 2 Uhr, Betriebsversamm lung w den.Moabiter Prachtsälen", Wiclesstr. 24. Wetterbericht biS Dienstag mittag. Im Westen zeitweise heiter und in den Tagesstunden ziemlich mild; im Osten noch überwigend bewölkt oder nebelig und besonders an der Küste noch öfter etwa Regen. Bcrantw. für den redaltion. Teil: Alfred Scholz, Neukölln: für Anzeigen: Theodo. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts. Verlag G. m. b. i)., Berlin. Druck: Voro�ärtr Buchdruckerei und Berlagsanftalt Paul Einger u. Co. in Berlin, Lindenstr. Z. Milch, Eier, Hutter unö Ileijch sind knapp. Unsere dadurch bedingte Unterernährung durch physiologisches Näbrsalz „Pfeifferol" zu beseitigen, ist Pflicht gegen uns und unsere Kinder. 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