Nr.SSS.g«.I»hrg. BezugSvretS t StertdtaDcL•/- MI. numott. H— SIL frei ins Hau», oocau* iahlbQr. Postbezug- Monatlich K— Ml.«jfl. gu- stellungsgedllhr Unier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 635 Ml. für da» Übrig»«ueland t0 2ü Ml. bei täglich etnmal. gustellung b 25 Mt Postdestellungen nehmen an Dänemarl Holland euxemdurg, Schweben u. die Schweiz Eingetragen tu die Poll-Zettungo-Pretoliste. Der.Porwärto' mit de« Sonntag» deilage.Poll n. geit" erscheint Wochen- täglich zweimal. Sonntag» etnmal. Telegramm-Adresse! »Zozialdamaeral verlla». MorgenAnsgabe. Nevlinev Volksblstt ««zetgenpret» t CM achtgeloaltene«onnar-tllez-ile loste, 1» Ml �tlelae«azeig-a-. da» lettgedruckte Wort Sll Plg. szulässtg I settgedruckle Worte), lede» wetten Wo«*0 Psg Stellengesuch» und Schlatstellenanzeigen da» erste Wort 10 Plg. lebe» weitere Wo« 80 Psg. Wort« Uder lb Buchstaben zählen siti zwei Wo«e. Teuerungszuschlag 00%. ffamilien• Anzeigen, politische und gewerlschastliche verein»- Anzeige» tS0 Ml die Keile Anjetgen für dl, nächste Nummer müssen bis 6 liste nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin EW 68. Lindenstraß» 8. abgegeben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bi» » Uhr abend». Zentralorgan der Ibzialdemokrati fchen parte» Deutfcblands Neüattion und Expedition: SM. 6$, Ltndenstr. Z. Fernsprecher: Amt Morinplati, Nr. tälit?. vorwärts-verlag G.nt.b. h., SV. öS, Ltndenstr. Z. Fernsprecher: Ami Moritsplat»- Nr. 117£>3— al. Verbraucher heraus! Die Vorarbeiten zur Gründung eines R e i: Mit einem Ivehmütigen, schmerz. lichcn Gefühl steht man als Deutscher, der die glanzvolle Periode des Deutschen Reiches miterlebt hat, heute auf diesem Platze, um ausgerechnet zu dem sogenannten Heeresctat zu sprechen. Mit dem Kampfe gegen unsere alte Armee hat das Ringen begonnen, das zur Vernichtung Deutschlands geführt hat. Kautskh hat ausdrücklich erklärt, daß die deutsche Armee nicht siegen durfte, weil damit der Militarismus befestigt worden wäre. (Zustimmung rechts. Lärm bei den Sozialdemokraten.) Man hat mir zugemutet, von dem Artikel Ludendorffs über die Reichs- wehr abzurücken. Ich begrüße diesen Artikel mit Dank, weil er warmherzig das Richtige getroffen hat. Er hat in der Reichswehr lebhaften Widerhall gefunden. Es ist aber bedauerlich, daß es den leitenden Stellen nicht einmal gelungen ist, die Reichsmilitär- gerichtsbarkeit und die Offiziersgerichtc zu erhalten. Das ist allerdings eine Verständnislosigkeit, die öffentlich kritisiert werden muß. Früher hat man gegen staatliche Beeinflussung des Heeres gekämpft. Jetzt werden die Soldaten mit republikanischen Flug- schriften überschwemmt. Gewiß, werden durch unsere Anträge für die Mannschaften und Offiziere große Kosten verursacht. Mag sich die Ii e g i e r u n g den Kopf zerbrechen, woher sie die Mittel dazu nimmt, nicht wir.(Große Unruhe links.) Der Reichswehr- ininister versucht, durch Energie das zu ersetzen, was ihm an Fach- kenntnissen fehlt. Bei der Handhabung der Zensur ist er Willkür� sicher und parteiischer als irgend eine Behörde vor ihm. Das „Deutsche Wochenblatt" ist verboten worden, weil es aufgefordert » haben soll, die Juden auf der Straße totzuschlagen. Der Minister hat mir die Stelle, wo das sieben soll, nicht zeigen können. Ein Blatt ist verboten worden, weil in einem Inserat darin Gummiknüppel angepriesen und ihre Anwendung empfohlen wurde. Dabei werden doch auch bei der Reichswehr Gummiknüppel angewandt. Anstatt daß Sie, Herr Minister, anderen Leuten das Totschlagen vorwerfen, schlagen Sic die freie Meinung nicht selber mit einem Gummiknüppel tot!(Sehr gut! rechts.! Auch das Verbot der „Deutschen Zeitung" toegen des Artikels„We lange noch?" ist unerhört. In dem Artikel wird nur der Rücktritt der Männer ge- fordert, die dem deutschen Volke Versprechungen gemacht haben, die sie nicht halten konnten oder nicht gehalten haben. Herr Scheide- mann, der das Wort von der„verdorrenden Hand" geprägt hat, hat daraus die Konsequenzen gezogen. Er wollte wohl seine Hand für andere Zwecke aufheben. Ter Reichspräsident Ebert hat seinerzeit das Wort geprägt:„Dieser Vertrag wird nicht unterschrieben, komme was da kommen magl" Er hat diese Worte nicht durch die Tat wahrgemacht und istckrotzdem ruhig an seinem Platze geblieben.(Große Unruhe links.� Was hat Er zb e rg er nicht alles versprochen und nicht gehalten. Trotzdem ist er ruhig im Amte geblieben.(Lebhafte Zurufe im Zentrum: Was hat Ludcndorff nicht alles versprochen!— Andauernder großer Lärm.) Die neue Verfassung verbürgt jedem Deutschen des Recht der freien MeinuilgsSußerling. Niemand darf ihn daran hindern. Zu diesem „Niemand" gehören auch Sie, Herr Reichswchrminister; Sie han. dein eben nach dem Grundsatz: Macht vor Recht!(Stürmisches Ge- lächter bei den Sozialdemokraten und den Mehrheitsparteien.) Sie regieren so absolut, wie Sic wollen.(Zuruf rechts: Herr v. Kessel war ein Waisenknabe dagegen!) Kein Kaiser und kein König ist zu irgend einer Zeit so absolut aufgetreten wie Sie. Sie kümmern sich den Teufel um den Parlamentarismus.(Andauern- der Beifall rechts, große Unruhe links.) Ein Mann, der wie Sie Jahrzehnte hindurch das Vertrauen zur Armee u n t e r w ü h l t hat, steht nicht auf seinem richtigen Posten.(Stürmischer Wider. spruch und Zischen links.— Beifall rechts.) Reichswehrminister Noske: Die Ausführungen des Abg. von Gräfe haben der schweren politischen und finanziellen Lage des Reiches nicht Rechnung ge- tragen. Was er trieb, war Selbstmordpolitik. (Sehr richtig! links.) Wir sind im allertiefsten Unglück; aber dieses � Unglück sollte man wenigstens mit Ernst und Würde zu tragen 'wissen.(Sehr gut! links. Unruhe rechts.) Unser Volk ist in allen ! seinen Teilen ehrenvoll aus dem Kampfe gegen fast die ganze Welt hervorgegangen.(Beifall.) Es besteht Hoffnung, daß die , Schwierigkeiten im Baltikum überwunden werden. Leider kann die Eisenbahnverwaltung in Ostpreußen täglich nur zwei Züge. aus dem Baltikum aufnehmen. Ob wir den Abtransport über See ausführen können, hängt von der Entente ab. Nichtswürdig ist die Behauptung, daß wir die berechtigten � Forderungen der Reichswehr nickt erfüllten. Man vergesse nicht, daß Mangel an Rohstoffen und Geld herrscht. Es geht nicht an, daß Angelegenheiten des inneren Dienstes über eine Fraktion an l mich gelangen. Das war auch der Grund für den plötzlichen Ab- ■ schied des einen Offiziers, worüber ein Vorredner Auskunft ver- ! langte. Ich denke nicht daran, mit Offizieren weiter zu arbeiten, � die sich nicht direkt, sondern auf Umwegen über eine Fraktion 'an mich wenden.(Hört, hört!) Der Marineetat ist schon auf 15 000 Mann heruntergebracht. Dagegen ist die Verringerung des Heeres nicht in dein Tempo erfolgt, wie wir es geplant hatten. Bei der Auswahl der Offiziere wird nicht nach der politischen Zu- gehörigkcit stefragt. In der Fahnenfrage hat der Vorredner der Unbotmäßigkeit fcts Wort geredet. Ob es zwcckpiäßig war oder nicht, die alten Fahnen zu ändern, bleibe dahingestellt. Die. Verfassung h a t es getan, und die Verfassung ist.zu beachten. In der Ma r i n e sind 50 Proz. aller Offizier- steilen Ängetörigcp des Mannschaftsstandes vorbehalten.(Bei- fall siiils.) Natürlich muß für eine ausreichende Bezahlung vor- gesorgt werden, Ix notwendiger wir die Reichswehr.brauchen, desto weniger darf man sie zum Parteigczänk machen. Von links wird sie begeifert, von rechts unterwühlt oder umworben. In der Arbeiterschaft herrscht die Bcfiirchtung, sie könnte ein Werkzeug der Gegenrevolution werden. Das zeugt von geringem Vertrauen zur eigenen Kraft. Was das Verbot der„Deutschen Zeitung" anlangt, sei festgestellt, daß sie mit einem solchen Maß von Geschmacklosigkeit in der Kritik' vorgegangen ist, wie es niemals früher von der Gegenseite ge- schehen ist. Dazu kommt, daß das Verhalten der„Deutschen Zei- tung" auch noch illopal ist; in Weimar hatten auch die Vertreter der rechtsstehenden Partei erklärt, daß sie den Anhängern der Un- I terzeichnung die Ehrlichkeit der Ueberzeugung und den besten Willen nicht absprechen wollten. Es charakterisiert Herrn von Gräfe und einen Teil der Rechtspresse, daß sie sich schützend vor I das Blatt stellen, das dieser Abmachung entgegen und gegen alle Loyalität und Anstöndigleit sich erdreistet, einen so ehrenhaften ! Mann wie den ReichspöRsidenten in nichtswürdigster Weise her- 1 unterzureißen.(Sehr richtig! links, Unruhe rechts.) Aber deshalb bin ich nicht gegen das Blatt vorgegangen, sondern weil es in ge- fährsicher Weise versucht hat, das Gefüge der Truppe z» lockern und zur Auflehnung gegen den Reichspräsidenten und die Regie- rung aufzurufen.(Hört, hört!) links, Widersprch rechts.) Seiner- zeit hat der Haupworstand der deutschnationalen Volkspartci er- klärt, ich hätte mich geirrt, er hätte mit der bekannten, in der Druckerei der„Deutschen Tageszeifting" hergestellten Broschüre „Einst und jetzt" nichts zu tun. Herr von Gräfe fügte hinzu, der Besteller wäre dem Hauptvorstand unbekannt. Jetzt ist der Besteller bekannt.(Hört, hört!) links.) Es ist der Generallandschaftsdirektor a. D. Dr. Kapp. (Stürmisches Hört, hört! links und im Zentrum, Lärm rechts.) In der jetzigen Lage kann man mit sentimentaler Gefühlsduselei keine Politik machen. Das Reich ist mehr bedroht als je im Kriege. Deutschland blutet aus tausend Wunden, aber es lebt. Wer das Reich gefährdet, ist als Schädling zu bekämpfen.(Lebhafter Bei- fall bei der Mehrheit, Lärm rechts.) Ich habe jetzt einen Befehl unterzeichnet, indem zum Ausdruck gebracht wird: Je geringer die Truppe ist, um so schärfer wird zugefaßt.(Lebhafter Beifall.) Wenn es gilt, ein Volk von 60 Millionen zu retten, so können auch Späne fliegen, wenn es nicht anders geht.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit— Zischen rechts.) Reichsminister Dr. David: � Wenn man Herrn von Gräfe gehört hat, so weiß man, weS- halb das deutsche Volk in ein so entsetzliches Unglück hineinge- kommen ist. Das ist der Geist, der an dem Zusammenbruch schuld ist.(Zustimmung links.) Diese Leute haben die Einheit zermürbt, indem sie jeden als Vaterlandsverräter hinstellten, der vom Ver- teidigungskriege sprach, der eine Verständigung wollte. Ihr Ziel waren Machterwciterung und Eroberungen. (Abg. Mumm: Wer hat das gewollt?— Große Unruhe links und Zurufe: Sie selbst!) Sie, Herr Mumm, sind hinter der Front umbergereist undHabcn für die Verlängerung des. Krieges gewirkt. Damit haben Sie die Front in der Heimat und draußen durchbrochen.(Zuruf: Vaterlandspartci!) Gleichzeitig haben Sie dafür gesorgt, daß aus dem europäischen Kriege ein Weltkrieg wurde; Sie haben uns Amerika auf de» Hals gehetzt. Herr von Gräfe war damals der lauteste Schröter.(Sehr richtig! links.) Erst nach dem völligen militärischen Zusammenbruch ver- langten Sie auf einmal den Waffenstillstand innerhalb 48 Sinn- den. Von unserm P a r t e i st a n d p ü n k t aus hätten wir damals, als der Zusammenbruch da war, nicht in die Regierung eintreten dürfen, sondern Ihnen den Bankrott überlassen müssen.(Zuruf links; Dann wären sie heute nicht so frech!) Aber um noch zu retten, was zu retten war, traten wir in die Regierung ei». Jede Woche, die wir die Situation noch hingeschleppt hätten, hätte sie nur berschlimmert. Ein Generaloberst schlug mir damals vor, eine Masscnerftebung des ganzen Voltes hervorzurufen. Er glaubte aber auch, daß wir dann nur noch vier bis fünf Wochen aushalten könnten. Auf meine Frage, ob er glaube, daß die polt« tische Situation dann eine bessere sein würde, blieb er mir die Antwort schuldig, sind diese unsere Lage soll die Entente nicht gekannt haben?(Bewegung.) Die deutsche Niederlage als eine Folge der Revolution hinzustellen, ist also eine grobe Eni- stcllung der Wahrheit, eine Beschimpfung unseres Voltes und unseres Heeres. Der Redner wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. von Gräfe, der jetzt die Männer bekämpft, die den Frieden unter- zeichnen mutzten.(Abg. Schultz(Dnatl.): Warum hat ihn Herr Scheidemann nicht unterzeichnet? Es wird Ihnen nichts von dem Elend erspart, daß Sie vermeiden wollten!) Die Franzosen brannten darauf, einzumarschieren, Deutschland im Westen zu Montrose. 9) Detektivroman von Sven Elvestad. Bei dem Verhör auf dem Polizeiamt, das jetzt folgte, verstärkte sich noch der Eindruck, daß Arnold Singer sich mit Absicht in ein geHeimnisvolles Dunkel einhüllte. Er ließ sich auf keine näheren Angaben ein, blieb nur bei dem einen, daß er Gärtner sei und die letzten Tage in Abbä Montroses karten gearbeitet habe. Seine Absicht war nicht schwer zu durchschauen. Ter einzige Beweis für seine Teilnahme am Verbrechen war die Photographie, die in dem Chaos der Bibliothek gesunden worden war und die er bei der Schlägerei wahrscheinlich aus der Tasche verloren hatte. Wenn es ihm nun gelang, einen glaubwürdigen Grund für die Anwesen- hdit dieser Photographie in der Bibliothek zu geben, hatte er Aussicht, diesen Beweis aus dem Weg zu räumen. Wenn er beweisen konnte, daß er wirklich dort gearbeitet hatte, würde er viel gewonnen haben. Und Arnold Singer schien es tatsächlich für möglich zu halten, daß er es beweisen konnte. Er sagte: ,�zch habe die letzten vier Tage in Abbs Moni- roses Garten gearbeitet, und habe gestern abend meinen Lohn für die Arbeit von Abbä Montrose selbst empfangen. Ich sab, daß der Abb«; die Auszahlung auf einem Stück Papier notierte, das sich vielleicht noch in der Bibliothek befindet. Es war ein Betrag von dreißig Kronen." Dagegen weigerte er sich hartnäckig, nähere Aufschlüsse darüber zu geben, woher die tausend Kronen stammten, die er seinem Schwager in der Nacht gegeben hatte. Auch der Beweggrund zu dieser seiner Weigerung war leicht zu durchschauen: Er wollte Zeit gewinnen, um vielleicht einen Ausweg zu finden, womit er. diesen Umstand ebenfalls erklären konnte. Dies alles überzeugte Keller davon, daß Arnold Singer ein ungewöhnlich schlauer Verbrecher sein müsse. Asbjörn Krag zweifelte ebenfalls nicht an der Verschlagenheit des Mannes, doch war da etwas in dem überlegenen Austreten des Arbeiters, das ihn unsicher machte. Der Tag verging damit, Bestätigungen für die knapp- gefaßten Aufklärungen, die man von Singer erhalten hatte, zu finden. Außerdem hotie Detettiv Keller seine liebe Not, clivas über das frühere Leben des Verhafteten zu erfahren. Singer hatte sich auch auf diesem Punkt in geheimnis- volles Dunkel eingehüllt. Glücklicherweise aber-war Keller hier nicht allein aus den Arbeiter angewiesen.' Er konnte sich vor allen Tingen an die Frau halten, die nicht imstande war, in ihrem Unglück irgend etwas zu verbergen. Außerdem hatte er den Schwager Charlie, der eifrig bemüht war, der Polizei zur Hand zu geben, weil er darauf brannte, die Po- lizei von seiner eigenen Unschuld zu überzeugen. Diese Nachforschungen brachten dem eifrigen Keller son derbare Resultate.. Und während er noch damit beschäftigt war, kamen, die Zeitungen mit ihren Berichten. Die Zeitun gen stellten die Frechheit des Verbrechens stst. Sie konnten mitteilen, daß die ganze Kasse geplündert war und ein mör- derischer Uebcrfall stattgefunden hatte. Alle Zeitungn waren sich darin pinig, daß Abbä Montrose ermordet und seine Leiche zu irgendeinem Zweck fortgeschafft worden war. Ferner waren die Zeitungen sich darin einig, daß die Polizei jetzt ernstlich zwischen den Mysterien des berüchtigten Mayon- naiie-Viertels aufräumen müsse. Zum Schluß konnte nian noch mitteilen, daß der bekannte und in der ganzen Welt be- rühmte Asbjörn Krag an den Nachforschungen teilnähme. So stand die Sache, als Krag und Keller sich an dem Nachmittag im Kontor der Detektiv-Abteilung trafen. Man hatte Abb6 Montroses Notiz über die 30 Kronen, die er an dem Arbeiter Singer ausgezahlt hatte, gefunden. Also bis auf iveiteres waren die Angaben des Verhafteten richtig. „Vorläufig," sagte Keller,„müssen wir über eine Haupt- Person und zwei Nebenpersonen Näheres feststellen. Etwas habe ich schon von ihnen erfahren: Sehen Sie her, hier habe ich die Sache aufgezeichnet. Es ist eine merkwürdige Ge- schichte." v Keller hatte das Ganze schematisch geordnet. Er las vor: I. Arnold Singer, Gärtner. II. Clary Whist, seine Frau. III. Charlie Whist,»ein Schwager, kürzlich aus dem Gefängnis entlassen. Krag saß dabei.und spielte mit dem Halstuch, das man in der geplünderten Bibliothek gefunden hatte, das Halstuch in den„leuchtenden spanischen Farben", in Rat und Gelb. „Sie können noch einen Punkt hinzufügen," sagte er, «nämlich:.- IV.„H. Ch. Andersen." Keller bemerkte:„Mich dünkt, diesen Namen habe ich schon mal gehört." „Sehr wahrscheinlich," antwortete Krag,„denn es ist der Name des berühmten Dichters, der das Märchen von dem„häßlichen grauen Entlein" geschrieben hat." VII. Eine Mannsperson. „Aber," fuhr der Detektiv scherzend fort,„der berühmte Dichter kann nichts dafür, daß er einen Namen trug, der seit zweihundert Jahren in seinem Heimatland Dänemark sehr allgemein war. Sie können sicher sein, daß ein Mann, der Hans Christian Andersen heißt, an den freundlichen dänischen Gestaden zu Hause ist." Krag breitete das spanische Halstuch auf und ließ die Farben im Sonnenschein, der durchs Fenster fiel, leuchten. „Jedenfalls ist es bei dem Besitzer dieses Tuches der Fall," sagte er,„bei Hans Christian Andersen, dem dänischen Leichtmatrosen auf der Brigg„Eddystone". Der ist Nummer IV auf unserer Liste." „Auf diesen Namen bin ich bei der Affäre Montrost noch nicht gestoßen," sagte Keller.„Wo zum Teufel haben Sie den aufgefischt? Steht dieser Name auf dem abscheu- lichen Halstuch?" „Nein," antwortete Asbjörg Krag,„hier steht ein an- derer Name: Cienfuegos, Bilbao." „Ist das vielleicht Nummer IV?" „Keineswegs, das ist nur der Firmenuame. Er steht hier oben in der Ecke. Können Sie sehen, Keller, das Hals- tuch ist ganz neu und von bester Seide. Einer der Verbrecher hat es in der Hitze des'. Gefechts in der Bibliothek verloren. Wahrscheinlich bat er es nur das eine Mal getragen. Es ist ein typisches Seemannshalstnch, wie sie in den spanischen Häfen in den kleinen Hafenläden verkauft werden. Es gehört kein besonderer Scharfsinn dazu, um dies als eine Spur zu erkennen. Im Laufe des Tages habe ich Nachforschunge!' am Hafen anstellen lassen und erfahren, daß das Segelschiff „Eddystone" vor fünf Tagen aus Bilbao gekommen ist und daß einer der Leichtmatrosen gestern zum ersten Male Land- Urlaub grfrnbt hat und mit solch einem Halstuch an Sand ge- gangen ist. Dieser Matrose ist Däne und heißt Hans Christian Andersen, n>as indessen das einzige ist.'was er mit dem Verfasser des„hätzlichen grauen Entleins" gemein hat." „Tonnerwetter," rief Keller, /.das ist ja ein äußerst wichtigen Auffchluß."„........(Fortsctzpng. folgt.) » amputieren und im Süden auseinanderzureißen. Der B ü r gerkrieg in seiner furchtbarsten Form wäre die Folge der Nicht Unterzeichnung gewesen. Da hielten wir die Annahme der feindlichen Beoingungen für das kleinere Nebel, eine Hinausschiebung um 4 Wochen wäre das Schrecklichste für unser Volk gewesen; sie hätte Mausende von Menschci, leben gc- kostet. Darum kann man nur annehmen, daß der Abg. Schultz den ungeheuren Ernst der damaligen Lage nicht erkennt und ebensowenig die Gefahren, die uns jetzt noch drohen. Die Rede des Herrn v. Gräfe ist nur eine Propagandarcde für die Balschewisten. Sie(nach rechts) wollen die Revolution von links und dann kommt die Reaktion von recht?, wie in Ungarn.(Abg. Schultz: Wie kommen Die dazu, uns so etwas zu unterstellen?) Weil das die einzige psychologische Erklärung ist. �decken Sie die Rede des Abg. v. Gräfe mit Ihrer Partei, so wird das Volk dafür mit Ihnen abrechnen. Rette» kann uns nur das Zusammenstehen aller Par- teicn auf der großen einheitlichen Linie; halten wir zusammen, dann sind wir stark genug, der Gefahr von rechts und links zum Trotz den Wiederaufbau unseres Baterlandes zu fördern.(Leb. hafter Beifall.) Aibg. Dr. HaaS(Dem.): Der unbeschränkte U-Bootkrieg und der Krieg mit Amerika haben» uns die Niederlage gebracht. Es ist unerhört, wie Ludendorff durch seine Artikel in der Reichswehr hetzt. Als großen Heerführer haben wir ihn immer anerkannt. £b er ein Freund der Soldaten war, das steht auf einem anderen Blatt. Wenn Sie(nach rechts) von monarchistischem Gewissen sprechen, so will ich Ihnen sagen: Das„Recht" der Wittelsbacher und der Zähringer ist älter als das der Hohenzollem ES gibt aber jetzt gar keine andere Möglichkeit, unseren Staat und unser Volk zu retten, als diesen Staat, den wir jetzt haben, möglichst stark zu erhalten. Wir Domokraten stnd ehrliche Anhänger einer ge- rechten Abrüstung. Als unerträglich müssen wir aber unsere Eni- w a f f n u n g gegenüber der schrankenlosen Bewaffnung der an- deren empfinden.(Zustimmung.) Abg. Jloenen(II. Soz.): Wenn die Reaktion wieder so dreiste Reden hält, wie wir es vom Abg. Graefe erlebt haben, so sind das die Produkte der Verhältnisse, die Herr Noske geschaffen hat. (Nein, Spartakns und U. S. P.! Red.) Die Rechtssozialisten haben genau soviel Schuld an der Verlängerung des Krieges wie die nationalen Parteien. Nur unsere Partei hat v o m e r st e n T age an die Kriegspolitik bekämpft.(Lebhafte Rufe: Wo denn? 17 von den 25 haben für die Kredite gestimmt!) Das ist nicht wahr, ich weiß es ganz genau.(Kunert hat längst festgestellt, daß er als einziger am 4. August 1914 hinausging. Red.) Bei 294 Milliarden Mark Schulden setzt man für die Reichswehr mehr als eine Mil- liarde monatlich aus. Der Militarismus saugt schlimmer als je an dem Mark des Volkes. An amtlichen Stellen glaubt man, die allgemein« Dienstpflicht bestehe immer noch. Auf die Beschwerde eines Vaters erklärte ein Generalkommando, der Sohn könne noch nicht entlassen werden, weil er seiner Dienstpflicht noch nicht ge- niigt habe. Und eine Petition in der Angelegenheit hat der Aus- ichuß der Nationalversammlung für erledigt erklärt.(Zurufe: Der Mann war ja längst entlassen! DaS ist eine bewußte Irreführung!) Die Werbungen für das Baltikum werden bis heut« noch fortgesetzt. Soeben haben wir eine Menge Material darüber den amtlichen Stellen übergeben. Di« falschen Urlaubsscheine, mit denen die Angeworbenen über die Grenze kom- inen, werden in Berlin mit amtlichen Stempeln versehen. Am Montag ist sogar von Tempelhof ein Pferdetransport abge- gangen. Die Werber zahlen den Eisenbahnbcamten Schmiergelder, damit sie die Transport« unterstützen.(Wenn das ein S. P. D. sagte, wäre er ein„schurkischer Verleumder"! Red.) Vor einigen Tagen sollt« der gesamte Bestand des Bahnhofs Mitau verschoben werden. Die Beamten wurden verhaftet, aber von Offizieren wieder befreit. DaS ist die Anarchie unter der Diktatur Noske. In der französischen Kammer haben unsere Genossen offen auSge- sprochen, daß daS deutsche ReichSwehrmmi stet tum gemeinsam mit den französischen Militaristen und Imperialisten die Kämpfe im Baliikum führt.(Heiteikeit.) ES wurde ouck festgestellt, daß .dOOO Maschinengewehre Erzberger auf seinen Wunsch zu dem '.weck überlassen worden seien, um gegen die Revolution gebraucht i werden. Um die Verfügungen deS WehrministcrS kümmert sich in Mensch mehr; daS beweisen die Fälle von der Goltz und Oberst Reinhardt. Hauptmann von Pflugk- Harttung, der im Liebknecht- P>ozeß«ine Rolle geipielt bat, ist immer noch im Dienst. Und andere Mörder sind zu Offizieren befördert worden. Di« Liste der noch im Dienste befindlichen Generale enthält fast auSschlteß- lich feudale Namen. Wenn ein Hohenzoller oder Wittelbacher eine? Tages wiedererschernt und Herrn NoSke absetzt, so hat er sofort wieder einen fertigen Apparat, denn diese Herren werden sich ihnen mit der größten Liebe zur Verfügung stellen. Der Major von Gilsa '.st immer noch die rechte Hand des Ministers; dieser hat eS noch nicht für nötig gehalten, einen Offizier aus seinen Kreisen an seine Stelle zu setzen.(Das Geschrei über Vetternwirtschaft möchten wir hören, wenn das geschehe. Red.) Das Streikrecht, das heiligste Gut, daS wir haben, wollen die reaktionären Generale dem Pro- letariat nehmen.(Abg. Temmler fDnat.j: DaS gilt nur für die Nichtarbeiter!) Und wie die Glieder, so das Haupt. Nach der Ver» fassung darf die Vcrhängung des Belagerungszustandes und das Eingreifen des Militärs nur im Einvernehmen mit den Zivilbe- Hörden durchgeführt werden. Di« Militärs setzen sich aber in Mitteldeutschland, wo Unabhängige die Kreisbehörden beherrschen. über diese Bestimmung hinweg. Wir verlangen Aufhebung des Verbotes der„Republik", des Organs der Arbeiterrät«. Ich frage die Regierung, ob«S richtig ist, daß für den 9. November. besondere Bestimmungen erlassen worden sind. Dieser Revolution«. tag ist für unS schon lange kein Feiertag mehr. Auf dem Königstein ist der Hungerstreik ausgebrochen.(Schlußrufe.— Zuruf: Treten Sie in den Rodestreik ein!) Di« nächsten Worte des Redners gehen in den Schlußrufen verloren.) Sie(zur Rechten) brauchen eine Armee für die Revanche. Wir dulden nicht, daß auf diese Weise Steuer- gelder vcrgeudet werden. Zwischen NoSke und Wilhelm sind mehr große A-hnl:chkeiten. Wir haben 1S70/71 28 009 Tote gehabt, wenn es unS nicht gelingt, die Massen im Zaum zu halten, dann wird dies« Zahl im inneren Krieg bald überschritten sein.(Zuruf: Tpiegelberg, ich kenne dir!) ES führt keine Brücke von den Rechts- sozialisten mehr zu uns.(Zischen bei der Mehrheit. Beifall bei den U. Soz.) (Schluß im Hauvtblaft.) GroßSerlw Ter Mord an dem Ticherheitssoldaten. DaS geheimnisvolle Verbrechen an dem SichcrheitSsoldaten in der Frankfurter Allee scheint seiner Aufklärung«ntgegenzu- gehen. Es ist der Kriminalpolizei gelungen, einige Zeugen zu er- Mitteln, die über den Vorgang wichtiae Bekundungen machen können. Besonders wertvoll ist die Wahrnehmung eines Zeugen, der gegen 4 Uhr vormittags an dem Tatort vorbeigekommen ist. Ihm begegneten an der Petersburger Straße drei Männer, von denen er im Vorbeigehen hörte, wie der eine sagte:..Es schließt nicht!" Sie kamen dann hinter ihm her bis zu dem Hause m der Frankfurter Allee, vor dem der Soldat erschoflen worden ist. Die machten, sich an der Haustür zu schaffen, anscheinend um sie aufzuschließen. AlS sich der Zeuge umsah, riefen sie ihm an, er solle seines Weges gehen und machen, daß er fort- komm c. Dieser versteckte' sich hinter einer Anschlagsäule. Von hier aus sah«r vter Männer heilammeu stehen..Plötz- lich fiel ein Schuß und einer der vier Männer fiel um und blieb liegen, während die drei anderen ruhigen Schritte» nach der Petersburger Straße davongingen. Der Zeuge fand den Sicher- heitssoldaten, aus einer Kopfwunde schwer blutend, besinnungslos aus d«m Bürgersteig liegen. Um ihn herum standen noch mehrere andere Leute, darunter auch etwa 6 b l s 7 Straßenbahner, die erzählten, den Vorgang ebenfalls beobachtet zu haben. Danach scheint der Sicherheitssoldat, Unter- Wachtmeister Otto Hermann, aus dem Njichhausetvege zufällig die Frankfurter Allee an der Stelle überquert zu haben, an der die drei verdächtigen Gestalten sich an der Haustür zu schaffen gemacht hatten. Die drei Männer haben vielleicht angenommen, daß er sich im Dienst befinde. Um einer Verhaftung zu entgehen, haben sie Wohl kurzerhand ihre Schußwaffe gezogen und den Sicherheits- Juristisilje Sprechstunde Sprechzeiten: Montag, Mittwoch, Jreltag 2 bis 5 Uhr Dienstag unü Vonnerstag 3 bis b Uhr Sonnabend 3 bis 5 Uhr = i = i '"UllltlHlllUIIHIIIimillllllllliniHIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIilllllllHilMUllllllMnillllllMItdIilllilllllllllllllllll» soldaten niedergeschossen. Die Kriminalpolizei ist jetzt bemüht, diese drei Männer ausfindig zu machen. Nach der Beschreibung des Zeugen trug der eine einen langen, braunen Gummimantel und «ine Schirmmütze und entweder einen weißen Kragen oder ein weißes Band um den Hals. Er ist etwa 1,74 Meter groß und hat schwarzes Haar. Der zweite ist etwas kleiner, hatte ein unrasiertes Gesicht und einen kleinen, dunklen Schnurrbart. Er trug keinen Mantel, einen dunklen Iackettanzug und einen weichen, dunklen Hut und war ohne Kragen. Der dritte Mann hatte Wittelfigur, ein volles Gesicht und ist etwa 25 Jahre alt, sah aber jünger aus. Er trug einen schwarzen Mantel und ein« blaue Militärmütze, die er nach hinten zurückgeklappt hatte. Zweifellos sind diese Männer die Täter. Wer über sie irgend welcke Angaben machen kann, wird er- sucht, sich bei den Kriminalkommissaren Gennat und Trettin im Berliner Polizeipräsidium zu melden. Die Obduktion der Leiche ergab, daß die Kugel unterhalb des linken Auges in den Kopf eingedrungen und ander Schädeldecke wieder herausgetreten ist. Sie hatte den sofortigen Tod herbeigeführt. Arbeiterturner und Politik. Der 1. Kreis des Arbeiter-Turner- und Sport-Bundes versendet über seinen außerordenilichen Turntag in KottbuS einen Bericht, der geeignet ist, die Oeffenllichkcii irrezusühren, da er wesentliche Punkte verschweig i. In einer Reiolunon LieSke. die von der radikalen Mehrheit des Kreistages mit 154 gegen 74 Stimmen angenommen wurde, heißt es: Der Kreistag erneuert sein Be- kenntniS zur zeitigen Diktatur deSProlerariats. Damit hat er sich auf das Programm der U. S. P. und K. P. fest- gelegt. Dieser sowie ein« Reibe anderer Beschlüsse verstoßen vollständig gegen die Richtlinien de« Bundes, die alle sozialistischen Richtungen für gleich- berechtigt erklären. Der Kreistag hat eine im Sinne des Bundes gehaltene Resolution mit 99 gegen 123 Stimmen abgelehnt t Die größte Torheit aber wurde begangen durch den Be- ickluß, die Mitarbeit an staatlichen und st äd tischen Iugendinstitutionen abzulehnen. Die Folge wird fein, daß in der Mark Bflandenburg die bürgerlichen Turner und Sportler allein darüber beraten, was zur Förderung von Turnen und Sport zu geschehen hat und wie die staatlichen und städtischen Gelder zu verteilen find. Jahrzehntelang bat der Bund für seine Gleichberechtigung gekämpft, und nun er sie hat, verzichtet er großmütig darauf. Dieser Beschluß verstößt gegen die Bundesbestimmungen ebenso wie der nachfolgende: frühere»nd jetzige Angehörige der Reichswehr, Grenzschutz usw. sind den Arbeiter- turnvereinen fernzu hallen. Ueber die Gründe für die Nichtaufnahme der Freien Turnerschaft Berlin in den Bund wird durchaus unvoll- ständig berichtet. In der Resolution Lieske heißt es ausdrücklich, nachdem da» vorstehende unabhängig- kommunistische Programm— wozu noch der Kampf gegen die Kirche kommt— alS maßgebend für den 1. Kreis festqelegi ist: „Wer nach dem 9. November diesen Gebilden nicht de» Kampf an- sagt, stärkt sie. Darum ist die Aufnahme der, Freien T u rnerschoft Berlin in den 1. Kreis abzulehnen." Tatsächlich ist die Aufnahme deshalb abgelehnt worden, weil Ver- ein.Fichte" erklärt hatte, aus dem Bund auSzulxeten, sobald die Aufnahme der Freien Turnerschaft Berlin stallfindet, und nachdem der KreiSvertretcr bereits auf dem BundeSturntag erklärt halte, dieser Berein müsse vernichtet werden. DicseS Vorgehen be- deutet einen TerroriSmuS, der den Streit innerhalb der «rbeiterturnvereine nur noch verschärfen wird. Die Arbeiterturner setzen damit die Unterdrückung und NechtloSmachung weiter fort, die sie vor dem Kriege aufS schärfste bekämpft baben, als sie vom preußischen KuliuSministerium ausgeübt wurde I Die radikale Mehrheit des Kreistages hat sich nur von p o l i- tischen Gesichtspunkten leiten lassen. Den Botteil davon werden aber nicht die Arbeiterturner, sondern die bürgerlichen Turn- verein« haben._ Die Erhöhung der Schulgelder. Der preußische UnterrichlSminister hat im Einvernehmen mit dem Finanzminister für den Bereich der vom Staate zu unter- haltenden, der vom Staat« verwalteten nichlstaatlichen und der vom Staate und anderen gemeinschaftlich unterhaltenden höheren Lehranstalten vom 1. Oktober 1919 ab die Schulgeldsätze allgemein wie folgt festgesetzt: 1. Höhere Lehranstalten für die männliche Jugend: Für die drei Oberllossen Obersetundo, Unterprima und Oberprima der Voll- anstalten(Gymnasien. Realgymnasien und Oberrealschulen) auf 220 M. Für die unteren und mittleren Klassen(Sexta, Ouinta. Quarta. Untertertia und Obertertia) der Vollansialten, für die Pro- gymnasien und die Realgymnasien auf 200 M. Für die Realschulen auf 100 M. Bei den jetzigen Realichulen die mir gymnasialen oder realghmnasialen Lehranstalten verbunden sind und mit solchen einen gemeinsamen Unterbau haben, ist der Schulgeldsatz von 200 M. zu erheben. Hinflchrlich des Schulgeldes bei den noch bestchenden Vorschulen bleibt es bei dem Grundsatz, daß diese sich au? ihren eigenen Einnahmen erhalten müssen. Das Schulgeld darf lS0 M. nicht übersteigen. IL Höhere Lehranstalten für die weibliche Jugend: Für die Studienanstalten auf»00 M. Für daS Oberlyzeum(Wissenschaft- liche Klassen. Seminarklasie und Frauenschule) auf 220 M. Für das Lyzeum, Ober- und Mittelstufe auf 200 2R, Unterstufe auf 130 M. TIT. Für die vom Staate zu unterhaltenden Mittelschulen: Ober- und Mittelstufe aus 92 M., Unterstufe auf 72 M. Soweit höhere Sätze bereits erhoben werden, sind diese beizu- behalten._ Dir«»«ehörige» der Kriegsgefangenen werden darauf hin- «wiesen, daß e» sich zur Vermeidung von Verlusten empfiehlt, an die in englischer, amerikanischer und italienischer Macht befindlichen Gefangenen keinerlei Brief-, Paket- oder Geld. sen düngen mehr abzusenden. An Gefangene, die sich in b r i t i- scher Hand, aber auf französischem oder belgischem Boden befinden, werden Postsendungen überhaupt nicht mehr befördert. Soweit ein Postverkehr möglich ist, können Sendungen an Gefangene in französischer, belgischer, volnischer und rumänischer Gewalt nach wie vor auf- gegeben und befördert werden. AuS dem Fenster gestürzt hat sich ein 1 6 s ä h r i g e r L e h r« ling der Firma Otto Rathge. Er blieb mit zerschmettertem Schädel auf dem Plaster liegen und verstarb auf dem Trans- port nach dem Krankenhaus. Spurlos verschwunden ist seit Montag voriger Woche die 2 9 Jahre alte Seminarist in Hildegard H a e s e, bie in Berlin am Mariannenplatz 27 wohnte. Die Vermißte suchte an jenem Montagnachmittag ihre Schneiderin in der Johannisstr. 3 auf. Als sie gegen 5 Uhr wieder wegging, sagte sie der Schneiderin, daß sie einen Spaziergang nach der Iungsernheide machen wolle. seitdem hat sie nichts mehr von sich hören oder sehe» lasse». Auf ihre Ermittlung tft eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.— 300 Mark Belohnung erhält, wer den Ver- bleib deS 22 Jahre alte» Hans Friedrich Walther vom Graf-Rödern-Korso Nr. 2 zu Berlin-Tegel nachweist. Walther ist am ö. d. M. von dem Grundstück Dianastr. 28/28 in Weidmanns- lust weggegangen und seitdem verschtvunden.— Vermißt wird seit vergangenen Freitag der 85 Jahre alte Kaufmann Hugo L i p p s ch ü tz, der sich zuletzt im Sanatorium von Dr. Wehl in Schlachtensee aufhielt. Es wird vermutet, daß er einem Ver- brechen zum Opfer gefallen ist. Es ist aber auch mit der Möglich- kvit zu rechnen, daß er in geistiger Umnachtung Hand an sich ge- legt hat. Di« Angehörigen des Vermißten haben für seine Er- mittlung 300 M. zur Verfügung gestellt. Der Minister für Bolkstvohlfahrt hat die BezirkswohnungS- kommissare angewiesen, auf die Gemeinden einzuwirken, daß sie möglichst viel Land in der Umgebung von Jndustrieorten und vor allem von Städten zu billigen Preisen unmittelbar an die nicht Land besitzende Bevölkerung oder an ge- meinnützige genossenschaftlich« Organisationen zur Anlag« von Kleingärten abgeben. Unentgeltliche Lichtbildervorträge über Tuberkulose finden morgen abend 8 Uhr� an folgenden Orten statt: Charlotten- bürg, Kaiser- Friedrich- Schule. Knelebeckftr. 24. und Herder- Schule, Bayernallee 4; Martendorf, Oderrealschule, Kaiseritr. 17— St; Oberschöneweide, Hindenburg-Schule, Zeppelinstr. 18: Pankow, Realgymnafium, Kisfinger Str. 12; Schöneberg, Thanrisso-Schule, Barbarossaplatz 5; Treptow, Realgymnasium, Neue Krugalle« 6; Tegel, Humboldt-Schulc, Eraf-Roedern-Kofto. Die erste Berliner Kinderlefehalle. die vom Bolksbund zur Bekämpfung de» Schmutze« tn Wort undBUdE. V. in der Marlihalle am A r m i n i u s p l a tz im Winter ISIO/II degründet worden ist, bat Dienstag, den 28. Oktober, den Betrieb wieder auf- genommen. Sie ist Dienstags und Freitags von 4 bis 7 U h r nachmittags geöffnet. Achtung l Mitglieder der Konsumgenossenschaft! Heute 5 Uhr im Lchrerverewshaus! Generaiverfammiung der Konsumgenossenichast. Erscheinen aller Genossen dringend erforderlich. Zentralstelle für Einigung der Sozialdemokratie. Bez. Vörden« Mitglied erverlammlung am 81. Okt., abends 7 Uhr, in Bültner« Festlälen. Gchwedter Straße 28. Di« ursprünglich im Lokal Boltastr. 43 in Aussicht genommene Versammlung fällt au». Aufbau und Werden. Heute abend 7'/, Nbr spricht in der Aula der Gemeindeschule. Stephanftr. 27, Genosse Otto Perz, ehemaliger Vorsitzender der deutschen Arbeiter- und Soldatenräte in Petersburg, über.Sowjet- Rußland und das deutsche Proletariat''. Einttttt frei. Charlottenburg. Die Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch wuvde durch das Auftreten einer Deputation vom Jnter- nationalen Bundcher Kriegsbeschädigten gestört, die verlangte, der Stadtverordnetenversammlung ihre Forderungen und Wünsche unterbreiten zu können. Es entspann sich eine leb- hafte Debatte darüber, ob die Deputation anzuhören ist. Di« Ver- treter aller Parteien erklärten einstimmig, daß die KriegSbeschä- bigten ihre Wünsche auf dem ordnungsgemässen Wege zur Gelhing bringen müßten. Man dürfe unter keinen Umständen zu- lassen, daß sich ähnliche Zustände wie in anderen Stadtverordneten- Versammlungen entwickeln. Nachdem die Zulassung der De- putation abgelehnt worden war, nahm ein großer Teil der eingedrungenen Kriegsbeschädigten auf der Tribüne Platz. Sie ver- suchten durch Zwischenrufe in die Verhandlungen einzugreifen. Die Ermahnungen de? Leiters der Versammlung wurden nicht befolgt und schließlich wurde an die Diener das Ersuchen gestellt, diejenigen Personen von der Tribüne zu entfernen, welche die Per- Handlungen durch Zwiscbenrufe störten. Unter großem Tu- m u l t entfernten sich darauf die auf der Tribüne befindlichen Kriegsbeschädigten. Schließlich mußte die Sicherheitswehr, die inzwischen erschienen war, eingreifen, um die Ruhe wiederherzustellen. Um die Demonstranten nicht durch den Anblick der bewaffneten SicherhcitSleute zu erregen, nahm die Sicherheitstnannschaft im Borr aum zum SihungSsaale Aufstellung. DaS veranlasste die Unabhängigen, einen Antrag auf sofortige Entfernung der S i ch e r h e i t S m a n n- s ch a f t zu stellen, der abgelehnt wurde. Darauf verließen die Unabhängigen geschlossen den Saal und machten sich die draußen trbende Erregung zunutze, um bei den Anwesenden Eroberungen für ihre Pattei zu machen. Neukölln. Ein„weiser Mann" wurde hier dingfest gemacht. Der 32 Jahre alte Kaufmann Georg Kreutzinger auS der Ziethenstr. 8/9 leistet« gegen Entgelt unerlaubt Beihilfe. So nahm er einer jungen Kontoristin für sein«.Hilfe" 230 M. ab. Die Neuköllner Kriminalpolizei nahm ihn fest und führte ihn dem Unter» suchungsrichter vor._ Groh-Berliner Lebensmittel, Berlin. Käse in den vrotkouimissionSbezirken 31—97, 103, 134, 230, 218, 213 und 230.__ Groß-öerliner parteinachrlchten. Aufruf au alle Angestellte« oud Privatbeamten in Handel und Industrie, in Banken und im BersicherungSgewerbe! Die Ereignisse seit 9. November 1918 haben auch in unseren Reiben aufrüttelnd gewirkt. In immer weiieren Kreisen bricht sich die Ueberzengung Bahn, daß nur der Sozialismus uns vorwärts bringen kann. Nun gUt es, sich zu sammeln und neue Anhänger zu gewinnen. Wir wollen als Pattei ohne Unter- schied der Stellung und des Berufes den Sozialismus planmäßig verwirtlichen. Die kommenden Wahlen zu den Betriebs«, Bezirks« und ReichSwirtschaftSräten, de» Gemeindevertretungen, dem Landtag und Reichstag erfordern eine einheitliche Phalanx gegen recht«, aber auch eine einheitliche Aufklärung aller ArbenS- genossen, insbesondere der link» von unS ftebeiiden. welche ohne Rücksicht auf die bestehenden Berhälinisse. wenn auch in guter Absicht, aber zu unser akler Verderben mit dem Kopf durch die Wand wollen. Nicht als Partei in der Partei, sondern zur besseren Erreichung unsere« Ziele« zusammen mit allen auf unserem Boden �stehenden Volksgenossen ist der S. P. D.-Werbeausschust der Angestellten gebildet worden. Kollegen und Kolleginnen, Genossen und Genossinnen, sendet Eure Adressen unter Angabe de» Betrieb». sendet Eure Beitrittserklärungen an da» Bezirkssekretariat der S.P.D. Wcrbeausschuß für Angestellte, Berlin W 9, Bellevuestr. 7. Alle» weitere wird dann bekanntgegeben. Beachtet unsere tn nächster Zeit erfolgenden Anzeigen im.vorwärts". Der®.?. D.-Werbeau«schnß der Angestellte». L4. Abt. Stenographie-AnlängerkurluS. System Stolze-Schrey, ginn morgen abend ö Uhr bei Köhler, GreijSwaldcr Str. 80 b. Be- Gerichtszeitung. Ter Soldatenrat auf der Anklagebank. Die große Streikbewegung in den Kasernen, die im April so erhebliches Aufseben hervorrief, hat jetzt ein gerichtliches Nachspiel gefunden. Nor dem Oberkriegsgericht des II. Armeekorps hatte sich der Soldatenrat des Infanterieregiments Nr. 52 sCottbus) wegen Aufforderung zum Widerstand gegen die Matz- nahmen der Heeresverwaltung und' zur Verweigerung des Gehorsams sowie wegen Aufreizung durch Erregen von Mißvergnügen unter der Truppe zu verantworten. Auf der An- klagebank saßen der Offizierstellvertreter L u p a s ch, der Unter- offizier Menke, der Grenadier Re d i g e r und der Gefreite Dreier. Gemeinsam mit dem Sergeanten Mackensen, der zurzeit im Jrrenhause sitzt, bildeten die Angeklagten den Soldaten- rat des Regiments. Der Anklage lagen folgende Vorgänge zu- gründe: Am 4. April d. I. erschien eine Verfügung des K r i e g S m i n i st e r i u m s, nach der die Mannschaften der Jahr- gänge 98— 1900 mit dem 30. April zu entlassen waren. Durch diese Verfügung wurden gleichzeitig die Gebührnisse der Mannschaften und Unteroffiziere auf den Frie- densstand herabgesetzt. Die Teuerungszulage von 2 M. kam bei 90 Proz. der Mannschaften nicht in Betracht. In ein- zclnen Regimentern war die Erbitterung derart, daß man den Dienst verweigerte. Auch im Regiment Nr. 52 Uetz der Erlaß die Wellen der Erregung hockgehen. Die Vertrauensleute des Regiments wiesen in einer Sitzung den Soldatenrat an, einen geharnischten Aufruf zu verfassen. Dies geschah auch. Es wurde eingangs in dem Schriftstück darauf hingewiesen, daß, falls der Erlaß erfüllt werde, mit dem 1. Mai viele Tau- sende von Vaterlands Verteidigern erwerbslos würden. Die Verfügung der Regierung sei in schmählicher und ungerechter Weise erlassen worden. Eine Aktion des Heeres müsse erfolgen. Nur als allerletztes Mittel wolle man in den Generalstreik eintreten. Dieser Aufruf wurde an sämtliche Soldatenräte der Division sowie an den Korpssaldatenrat abgesandt. Bei ihrer Vernehmung bestritten die Angeschuldigten sämtlich, die Absicht gehabt zu haben, unter den Mannschaften einen Aufruhr hervorzurufen. Sie hätten im Ge- genteil alles nur erdenkliche getan, um einen solchen zu vermeiden. Und während es iw einer Reihe anderer Garnisonen tatsächlich zum Streik in den Kasernen gekommen sei, hätten die Angeklagten diesen in der Garnison Cottbus durch ihr tatkräftiges Eingreifen verhindert. Diese Angaben der Angeklagten wurden in der eingehenden Zeugenvernehmung b e st ä t i g t. Das Ober- kriegsgericht erkannte auf Freisprechung sämtlicher An- geklagten._ Bus aller Veit. Schwere Eisenbahnnngliickc. Nachdem Mittwoch morgen Uhr der Personenzug Naumburg— Erfurt— Bebra die Station Neu- dietendorf verlassen hatte, fuhr ihm ein aus entgegengesetzter Richtung kommender Güterzug in die Flanke. Sieben Wagen des Perionenzuges wurden von der Lokomotive des Güter- zuges umgeworfen und zum Teil sehr schwer beschädigt. Drei Personen wurden getötet und zwar ein Mann, eine Frau' und ein junges Mädchen, deren Persönlichkeiten bis mittag noch nicht fest- gestellt waren. Etwa 20 Personen wurden verletzt, davon 6 bis ö schwer. Wie es heißt, soll der Personenzug ausgefahren sein, ohne daß ihm die Ausfahrt freigegeben war.— Dienstag abend 6 Uhr entgleiste aus der Kleinbahnftrecke KönigShütte— Schwjcn- tochlowitz— Beuthen an einer Kurve ein Motorzug. Der Motor- wagen stürzte um. Drei Personen wurden leicht, eine schwer verletzt.— Auf der Kleinbahnstrecke KönigShütte—-Antonienhütte— Beuthen entgleiste zu gleicher Zeit in BiSmarckhütte ein Beiwagen und stürzte um. 30 Personen wurden leicht verletzt. Die Ursache ist in beiden Fällen Schleifen des Zuges infolge Sprühregens und Beeinträchtigung der Bremsvorrichtung durch starken Laubsall auf dem dortigen Gefälle. Die.bisherige Untersuchung deS furchtbaren Eisenbahnunglücks h e i Kranowitz hat ergeben, daß die Signalanlagen sich in voller Ordnung befanden, und daß wahrscheinlich die U n. a ch t s a m k e i t eines der diensttuenden Beamten die Schuld trägt. Ein ungetreuer Vereinsleiter. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Hamburg des Bundes deutscher Männer und Frauen zum Schutze des Lebens Kaiser Wilhelm» II., dem über 10 000 Mitglieder ange- hören, ein angeblicher Oberlehrer a. D. Berrenberg, ist feit einigen Tagen verschwunden. Er hat bedeutende Geldsummen unterschlagen. Nebenbei legte der Schwindler sich auch auf den Heiratsschwindel, trat vielfach unter falschem Namen auf und verüble auch als .Werbeoffizier des Freikorps Dohna" große Schwindeleien. Grubenunglück. Bei einem Grubenbrand aus Zeche.Freier Vogel" und„Unverhofft" lWestfalen) fanden drei Bergleute den Erstickungstod. Zwei wurden schwer verletzt. Infolge eines Brandes auf„Tremonia" sind zwei Knappen an Gasvergiftung erkrankt. Sportnachrichten. Turnverein Fichte, 11. Jugcndabt.(lt— 18 Jahre), eröffnet am 1. November in der Turnhalle Bclle-Alliance-Str. 80 ihren Turnbetiicb. Turnzeiten: Mittwoch und Sonnabend abends 8—10 Uhr. Gäste herzlich willkommen.— Tourtftenveretn»Die Naturfreunde". Sonntag Bcsichiigung des Märkischen Museums. Treff 10 Uhr Waisenbrücke(Roland). — Ärbriter-Radsahrer-Aerein.Groft-Bcrlin". Sonntag nachmittag UjL Uhr nach Mahlsdorf, Kiekemal, Restaurant Heidckrug. Start: Mariann cnplatz. Sozialdern. Ualstvereln Schöneberg(S. P. D). Am 26. d. M. verschied nach schwerem Leiden unser langjähriges Parteimit- glich 26/19A Hugo Kahle, Teuipclhoser Sie. 1. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Freitag, nachm. 4 Uhr, auf dem ersten städtischen Friedhof, Maxstraße, statt. zahlreiche Beteiligung erwünscht. Oer Vorstaatt. Zentrslverbaiul der stnzelteilken. Bezirk Groß. Berlin. SV 61, Belle■ Alliance» Strohe 7/10. Sonntag, den 26. Oktober ISIS, entschiiefunserKollege, dcrZiranteniassenangestelltc Hugo Kahle, Schüneberg, Tcmpelhofer Straße I. 4/13 Ehre seinem Andenken l Beerdigung Freitag, den 31. Oktober 1919, nachm. 4 Uhr, auf dem städtischen Friedhof in Schonebcrg, Maxuraße. Um rege Beteiligung er- suchi Die Orlsoerwaitung. Kllgemeine IlranZien- und Sterbe- itsiie d. lssclsilZrveiter (ö. a. G). Filiale EchSncberg. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjährige» Mitglied 126, 20A Hugo Kahle, der Uder in Jahre unsere Kassengeschäste siihrte, am Sonntag, den 26. Ottober, nach schwerem Leiden ver- siordcn ist. Ehre seine» Andenke» l ldte Beerdigung findet am Freitag, nachmittag» 4 Uhr. auf dem ersten städtischen Friedhof, Max- slraßc, statt. vre Vorst«,». MM-lMeiilMI fOt MI- M MMkitiiii m-bnlln e J.nUM). Die Genossenschast ladet zu der am vien»tag, den 11. Jtoocmier 1919, in den„Sophienfaien-. Sophien- slrasze 18, nachmittag»«>/. Ahr. stattfindenden KM. GMOWlNNIliM ein._ 248b Tagesordnung: I. Bericht der Ueberwachungokommifston. 2. Bericht der Unter- suchungslammission.». Bericht Uder die Lage der Genossen- schalt: a) finanzieller Seil, b) betriebstechnischer Teil. 4. Be- schluß Uber Abberufung und Neuwahl a) de» Aufstchtsrate», b) de» Vorstandes. 6. Fabrilattonsprogramm. 6. Anträge. Pünktliches Erscheinen jedes Einzelnen erforderlich. Mit- gUed»buch als Ausweis mitbringen. Bufficht,rat: Neuenborf, Sander. Borfland: Reinhold, MUller. Ueberwachnngikommisston: Drew», Huwagel, Schneidraw«. H, SpeTial-vekanSlunx H I* I«*v»lidenstp.l47 VV wlSfSHwl I. Etage, Ecke BergstraOe. Viele Jahre in Krankenhäusern u. Kliniken tätig gewesen. Kostenlose Untersuchong und Beratung über sachgemäße Behandlung. Sprechstunden 10—12 und 4—8, Sonntag» 10—12. HhSpezlal-Behandlung Kühn.pd.a�+ in-ffDaccW 7S I Ecke Breslauer Str., dicht am Schles.Bnf. HiltirClUjir. 10, I Spreche, 10—12, 5—7, Sonnt, geschlossen linrn» und Blutuntersuchunj(en.— i—• ___ Erste und filteste Heil-Anstolt LSser__ SpCSiaUltZt Dir.5: Söser senior ttarn- u. Blutuntersuchungen. RönUen-Durchleuchiung etc Elektrische u. medizin. Bäder.— Erl' Ige, eigene Heilmethode. ,,ar Roscnthaler Str. 69-70, i- 9-1. 4-0, Sonnt 9-l. SpezialsBehandlung■£■ Harn- und Biutuntersuchung, Licht- und Einsen Behandlung. Bestrahlungen. Schnell, sicher, ohne BerulsstSrung. = Oetrennte Wartezimmer für Damen und Herren.= Acrztliche| Scnp Mfinsctr Q nahe Alexenderplatz Heilanstalt LUaCl, lUtlllAOlf.» 9-1.■»-«. Sonnt. 9-1 Spezialarzt Dr. Hascht Svrechstunden 10— 1, 5—8? Sonnt 10—1. weiMlMe 90 am Bahnhof Frt.drichstratze. ' Teilzahlung 1 gestatte«. stilgemeine Ortshr nkentzaNe der Stadt Berlin. Allen Kolleginnen und Kollegen die traurige Räch- richt, daß unfcr lieber Kollege 184, SA Hugo Kahle nach kurzem, aber schwerem Leiden am Sonntag, den 26. Ottober, oerstorben ist Ehr« seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 31. Ott, auf dem städtischen Fried- hos, Schönederg, Max- straße, statt, Um reg, Beteiligung bittet Dmt TSettiebataL S)r. med. Karl Reinhardt Berlin, PoisdamerStr 117(a. d. LQtzowstraBe){ SpezialsArzt bewahrte fachmännische Behandlung- Unentgeltliche Auskunft und aufklärende Gratis- I Broschüren(Beschreibung sämtlich. Heilverlahren) in den Sprechstunden von>/,l2— 2 mittags,>/,o bis '/, 10 Uhr abends, Sonntags>/,lI— I Uhr(Im verschlossenen Brief 1.25 Mk.l.• Dr. med. Hollaender Spezialarzt Aufklärende Broschüre Nr. X. 1,50 M. gegen Nachnahme.» Berlin, Leipziger Str. 108 1 täglich!1— 1,5— 7 Uhr, Hamburg, Kolonnaden 26 f Sonntags U— 1 Uhr. 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Geschäftsbericht, Dividendenpolitik, Grundlagen der Böifenkurse; Bilanzkritik, ihr Wesen, ihre Ausgaben, Möglichkeiten u. Grenzen, Zergliederung einer einfachen Bilanz, Statistik, Volkswirtschaft und Bilanz, Diskussion. Silanz-Krltik. II. Teil. Die Bilanz vom privatwirtschaftlichen Standpunkt aus. 5. Abend: Brauerei-Bilanz(Entstehungskosten), Bilanz einer chemischen 21. 11. 19. Fabrik(Reklame, Unkosten). Maichinenfabrik-Btlanz(Vergleich verschiedener Fahre). Metallwarenfabrik-Bilanz(Vergleich verlchiedener Werke). Spezialitätenfabrik-Bilanz sAklionär-Slandpunkt). Zuckerrübensabrik-Bilanz(WeltmarkipreiS). Genossenfchafls-Bilanzen, Bau-, Konsum- und kommunale Genossenschaften. ioagD HI. Teil. Die Bilanz vom volkswirtschaftlichen Standpunkt au?. Ig is'�ü' � Bilanzen der großen Bank- und WeltverkehrSinstitute. _«enderungen vorbehalten.— Eintritt frei._ UWM" Es empfiehlt sich. Schreibzeug, Papier, Bleistift und Lineal mitzubringen.-tzM> Wir bitten die Arbeiter, insbesondere die Bertrauensleule, um zahlreichen Besuch, Dlesenigen, welche den �stanzen Kursus unentgeiilich zu belegen wünschen, werden UM Mit- teilung ihrer Adresse gebeten. Wegen der übermäßig hoben Kahl der Teilnehmer find wir genistigt. die Borträge zu teilen. Es finden nunmehr an jedem Abend zwei gleiche Borträge statt, der erste von 6 bis 7>/, Uhr, der zweite sWiedcrhoinng) von T/, bis 10 Uhr. Die Teilnehmer, denen der Besuch de» ersten Bortrages'chon möglich ist, werden im Interesse diejenigen Besucher, die erst zum zweiten Bortrag kommen können, dringend gebeten, schon um 6 Uhr(1. Vortrag) zu erscheinen, Um Eiärungen während de» Vortrages zu vermelden, bitten wir um pünttliches Erscheinen. „Ktifbou und Werden'" Gesellschaft für praktische Volksausklärunq, Berlin W 62, Lntherstr. 19. Fiatina zd allerhöchsten Preisen ZahnplaUnutlfte 8.50!ff. bU 48 Mk. HO/Sa* Alte Gebiaao bis lOOO Mark Silber. Oold kault Frau Linke, BIGcherstr. 40, v. II. Orlskrankenkasse für das liaDrergewsrbe zu Berllü. Berlin C. 25, Hankeltraße Nr. 4. Einladung tun zu der i, Dtn7.9 Novbr.tSIS, abends 7 Uhr im Restaurant.Hindenburg", Berlin L, 25, Hanlestr. 4 stattfindenden Nusschuft> Sivung der Bertretcr der Arbeitgeber und Kassenmitglieder. Tagesordnung: l. Festsetzung und Beschluß- iafsuitg über den dem Ber- licherungsami einzureichen- den Voranschlag der Ein- nahmen und Ausgaden für das Eeschästsiahr 1920. 0. Abend: 28. 11. 19. 7. Abend: 5. 12. 19. 8. Abend: 12. 12. 19. Spezialarzt. Erfolgreiche Behandlung. Kfinigstr. 34/36 Alexanderplatz.• 10— 1, 5—8, Sonnt. 10—1. Spezialarzt Dr. med. L/ommor Harn- und filutunlersiKliung Behandl schnell u sicher ohn Berutssißrung Teilzahlung. Brnnnenstr.lfiSaVrÄ Sprechz.9-1 u.4-8. Sonnt. 9-12. so� Santa£ucia ä kbudlch In Apotheken, Drogen-, Kolonialgetchaften Norden 6822. Clroano-Vertrleb. Bergetr. 84. ... 7. Sept 19. Meine Tochter hatte seil 3 Jahr, off. Füße, nichts hat bish. geholf. Da las ich Annonce üb. Crinolsalbe u. ließ mir»ol. I Dose a. d. Apotn. schicken. Bald nach der erst. Anwendg. konnte sie schon mit dem ganz. FuB auftreten, während sie seit der 3 Jahre nur auf den Zehen gehen konnte. Ich spreche Ihnen meinen Dank aus. J. P. Crinolsalbe wird geg. off. Füße, Aderoelne, Flechten, böse Finger, Hautausschi. angew. Dose M. 2,50 in Apoth., wo nicht durch Crlnolwerk Weinböhla-V. Wie i Wider beseitigt oÄ'sHaussalbe ied. HautausschLFIechu. Heut] u ckM bes. Bcinscbad., krampladcrn der Frauen u.dergl, in Originaldosen 6 25,9.75 erhältlich in der „Elekamen-Apotheke" Berlin 213, Leipziger Straße 74(a. Dftnhoifpl i 9ianos Stutztlügel, Harmonien jeder Holz- u, Stilart. Kunstspielapparate. Notenrollen. Gebrauchte Instrumente, In eigener Reparaturwerkstatt wie neu hergestellt, unter voller Garantie. Verkauf nur gegen Kasse, daher billigste Preisberechnung. Annahme von Aularbei- tungen. Reparaturen und Stimmungen.• Max Adam, Münzstraße 16. 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Der Unabhängige K o e n« n hat am Mittwoch im Reichstag die Verhängung des B e l a g e r u n g s z u st a n- des über einen Teil von Thüringen zur Sprache ge- bracht. Er hat es aber'unterlassen, die Vorgängt darzu- stellen, die zu dieser Maßregel den Anlaß gegeben haben. Da diese Vorgänge, namentlich soweit sie den Jndustrieort Zella-Mehlis betreffen, die Oeffentlichkeit interessieren dürften, so seien sie hier nachgetragen. Die Arbeiter in Zella-Mehlis hatten eine Forderung auf 25 Proz. Lohnerhöhung gestellt. Die Arbeitgeber der dorti- gen sehr gut verdienenden Erporrindustrie waren grundsäh» lich zu Verhandlungen bereit. Am 17. Oktober hatte die Lohnkommission zu einer Versammlung um 5 Uhr ituch dem Bahnhofshotel eingeladen. Nach dieser Verstmuistung wurde ein Temonstrationszug gebildet. TnS wertere schildert ein absolut einwandfreier Augenzeuge folgendermaßen! Man ist daraufhin genau so wie im Januar d. F. unter Johlen und Lärmen zuerst vor das HauS des Fabrikanten Jahn gezogen, ist dort eingedrungen, soviel das Haus fassen konnte und hat nach Jahn gesucht, dabei auch Türen eingeschlagen und die beiden Töchter sowie die Schwiegermutter des Herrn Jahn in große Angst und Aufregung versetzt. Ta Jahn nicht gefunden wurde— er war verreist—, hat man das Haus wieder verlassen. Daraufhin wollte der Zug zum Fabrikanten August Jopp. Zu dieser Zeit befand sich der Direktor Schilling mit zwei Herren aus Finnland, die ihn geschäftlich besuchten, unterwegs und lief dem Zug nichtsahnend in die Hände. Unter Schreien und Johlen überfiel man ihn kurzerhand und richtete ihn ganz furchtbar zu. Die beiden Finnländer Herren konnten sich nur mit Mühe retten. Herr Schilling aber hatte zwei große klaffende Wunden im Kopf und noch sonst zahlreiche Ber- lehungen im Gesicht und am ganzen Körper. Man hat ihn dann gezwungen, aus der Straße seine Unterschrift zur Bewilligung der 2Sprozcntigen Lohnforderung zu geben. Der Zug hat sich dann weiderbewegt zu August Jopp, in dessen Haus man ebenfalls eindrang, alles durchsuchte, Türen einschlug usw. Nach erfolgloser Suche ging der Zug nach der Wohnung des Herrn Richard Jopp. Unterwegs wurde Herr Artur Weißbach in feiner Behausung überfallen, durchgehauen und ebenfalls zur Unterschrift gezwungen. Richard Jopp rettete sich rechtzeitig durch Flucht aus dem Fenster. Dafür wurde seine Wohnung ganz besonder« arg zugerichtet. Man hat dort Türen eingetreten, Fenster durch- schlagen, eine Büste entzwelgehaaen und die Frauen bedroht. Bon da ging der Zug zu Max Schilling, der zu Hause nicht anwesend war. Auch hier wurde das ganze Haus durchsucht, einige Fenster eingeschlagen und dann Max Schilling im Restaurant Bürger gestellt. Unter Trohungen wurde ihm ebenfalls die Unterschrift abgepreßt. Bei I. G. A n s ch ü tz hat man dasselbe versucht, doch war hier keiner der leitenden Herren anwesend, weshalb die Unterschrift von dieser Firma nicht geleistet wurde. Tie Polizei hat alle erkannten Personen, es handelt sich in der Hauptsache um 16. bis 13jährige Burschen, notiert und einem Verhör unter- zogen. Dieses Vorgehen richtet sich wohl von selbst. Leuten, die darin vielleicht die Blüte der„neuen Taktik" erblicken, sei nur gesagt, daß diese Vorgänge einen Rückfall in die a I l e r e r st e n Anfänge der Arbeiterocivegung vor mehr als 70 Jahren bedeuten, wo es noch keine Geiverkschaftsbewe- gung und kein Koalitionsrecht gab. Hauptmanns„Weber" enthalten fast die gleichen Szenen. Am Tag nach diesen Ereignissen rückte ein Detachement von etwa 80 Mann Reichswehr in Z'.lla-Mehlis ein, das aber am Tage darauf wieder abrückte, im inzwischen wieder Ruhe eingetreten war. Dieses Einrücken ist angeächts der vorangegangenen Ereignisse durchaus gerechtfertigt gewesen. Weniger verständlich ist, warum volle zehn Tage darauf, die in absoluter Ruhe verlausen waren, plötzlich ein viel stärkeres Kommando einrückte, die Gebäude besetzte, den Belagerungs- zustand proklamierte und Verhaftungen vornahm. Dieie spätere Besetzung, die von der gesamten Einwohnerschaft der Stadt nicht gebilligt und deren Aushebung schon aus dem Grunde gewünscht wird, weil die kleine Stadt die Lasten einer solchen Einquartierung gar nicht tragen kann, ist nur geeignet, die Erinnerung an die früheren Vorgänge zu verwischen. Sie sollte daher aufgehoben werden. Um dies herbeizuführen, verhandelt augenblicklich eine Kommission, be- stehend anS Vertretern der bürgerlichen Demokraten, der So- zialdemokratie und der Unabhängigen, in Berlin mit dem Reichswehrminister. Aber mag hier auch ein nachträglicher Uebereifer gewisser militärischer Stellen vorliegen, so ist doch das Ganze eine M a h n u n g an die organisierte Arbeiterschaft, aus sich selbst heraus Exzesse unreifer und unbesonnener Elemente mit aller Energie zu unterdrücken, die erst den Vor- wand zu solchen Vorgehen liefern. In einer Versammlung, die am Sonntag nach den Un- ruhen stattfand, wurden die Ausschreitungen denn auch von der Arbeiterschaft beider Richtungen einmütig verurteilt. Nur ein K o m m u n i st namens R e ck n a g e l hat die Vor- kommnisse begrüßt. Es erscheint denn auch nicht unwahr- scheinlich, daß hinter dem Treiben der jungen Burschen kom- munistische Drahtzieher gesteckt haben, die es wie gewöhnlich verstanden, selber unerkannt im Hintergrund zu bleiben. Von solchen Elementen weit abzurücken hat die Arbeiter- schaft alle Ursache.___ Seamte als Heimarbeiter. Bei den Berliner Gerichten häufen sich infolge Beseitigung der seitenwciscn Bezahlung und hierdurch bedingter Ueberaibeit die Kanzleiarbeiten, denn von seinem Verdienst während der Dienst- stunden hätte ein Kanzleibeamter nicht existieren können, Um nun diesem Uebelstande abzuhelfen, greift das Landgericht I zu einem der heutigen Zeit direkt hohnsprechenden Mittel, Den Beamten ist anheimgestellt. Heimarbeit zu leisten und zwar soll die Stunde mit— einer Mark— vergütet werden. Die Kanzleibeamten haben Hausarbeit abgelehnt: mag die Be- Hörde Hilfskräfte einstellen, es gibt genügend stellungslose Bureau- angestellt« in Berlin, die sich für diesen Dienstzweig eignen würden! Bei den Bureaubeamten und den Gerichtsdienern geht ein Zirkular um mit der Anfrage, wer gegen oben genannt« Bezahlung bereit ist, Hausarbeit zu leisten, und tatsächlich haben sich auch Beamte bereit ertlärt, für einen solchen Schandlohn zu arbeiten. Bemerkt mag hierbei noch werden, daß kürzlich 12 Militär- anwärler. welche sich als Hilfsschreiber meldeten, von dem Vorstand dieser Behörde mit der Begründung abgelehnt wurden, es sei äugen- blicklich kein Bedarf vorhanden,_ Kleine politische Nachrichten. Thirn ist noch nicht von den Polen besetzt worden. Kommt noch. Gegen die Aburteilung des Exkaisers dürfte sich daZ Parlament Brasiliens bei der Genehmigung des Friedensvertrages aussprechen. * Der Reichsminister für Wiederaufbau, Dr. Geßler, bat den Dienst übernommen,— Seine Diensträume befinden sich W 8, Wilhelmstraße 62. Telephon: Zentrum 11467/69. „Freiheit"- Märchen. Die nationalliberal- unabhängige Be- haupiung, daß Major v. Gilsa der S, P. D. beigetreten sei, ist naiürlich unwahr. Die neuen Provinzial-. Städte-, Kreis- und Landgemeinde- ordnungcn werden in den nächsten Tagen der preußischen Landes- Versammlung zugehen, nachdem sie die Genehmigung des Staats- Ministeriums«rlialten haben. Die Entwürfe dienen dazu, die Durchführung deS demokratischen Gedankens in der Verwaltung zu geioährleisten. Zu diesem Zwecke sind die alten Gesetze in diesem Sinne neubearbeitet worden. Der Grundgedanke ist, daß jede Provinz, Siadt, jeder Kreis und jede Landgemeinde eine öffentlich- rechiliche Köiperschaft zur Verwaltung der ihr gesetzlich obliegenden oder freiwillig übernommenen eigenen Angelegenheiten oder der ihr zur Ausführung übertragenen Angelegenheilen deS Reiches. Staaies oder anderer öffentlich-rechtlicher Stellen ist. BeamtenrSte. Der interfraktionelle Ausschuh für Beamtenfragen börte einen Bericht des Abg. Remmers über die Bildung von Beamlenräten. Der Berichterstatter schlug eine Entschließung vor, woraus der Ausschuß zur Sicherung einer einheitlichen Regelung des MilbestimmungSi echte« der Beamten die alsbaldige Vorlegung eines Reichsgesetzes über die Bildung von Beamtenräten iür dringend geboten hält und das Reichsministerium ersucht, das Erforderliche zu veranlassen. Ein unterbeschäftigter Staatsanwalt hat sich, angeregt durch einen antisemitischen Verein, bemüßigt gefüblt, gegen den Schrift- steller Waller Steinthal, den Herausgeber der D. M. Z. ein Strafverfahren wegen— Gotteslästerung einzuleiten. Sein frommes Gemüt hat sich daran geitoßen, daß besagte Zeitung kürzlich auf ibrem Titelblatt ein Bild gebracht bat, das einen Mann am Kreuze zeigte, bewacht von zwei römischen Soldaten mit den Jnsignien der Reichswehr. Das we�rig geschmackvolle Bild soll da? Proleiariat darstellen, daS ans Kreuz geheftet und von Soldaten bewacht, nach Besteiung dürstet. Mit den Erlöserbildnissen hat es nicht die geringste A�hnlichkeit. Wenn der Herr Staatsanwalr wüßte, dag außer dem Heiland der Christen noch einige tausend andere Menschen am Kreuze gestorben sind, hätte er nie au? den beute nicht mehr ganz volkstümlichen Gedanken einer Gotteslästerung verfallen können. Wir hoffen, daß sich für daS Verfahren kein pogromeifriger R'chter finden wird. Dem Staatsanwalt aber emp'ehlen wir die Ausnutzung seiner Muse zu kunsthistorischen Studien, damit er sich seine zimperliche Aengstlichkeit abgewöhnt und derartige Darstellungen auch ernsthaft würdigen lernt. Zentrumsmehrheit in Luxemburg. Endergebnis der Kammer- wählen: 27 Katholiken, 7 Radikale, SSozialisten, 3 Mit- g lieber der Partei Prüm und 2 der Volkspartei. deutsche Nationalversammlung. (Schluß aus der Beilage.) Reichswehrminister NoSke: Wenn sich die Unabhängigen über Gewalt beklagen, so wirkt das immer komisch. In Breslau hat im Gefängnis ein Mann fünf Tage lang gehungeri. Er hat eS glänzend überstanden, denn nachts aß er Schokolade.(Stürmische Heiterkeit.) Die An- Weisung, daß Schutzhäftlinge auch mit ihren Verteidigern nur in Anwesenheit eines Beamten sprechen dürfen, ist darauf zurückzu- -führen, daß bei. einem Schutzhäftling ein Kassiber gefunden wurde, auf dem stand: Gib dem Verteidiger ruhig den Brief mit, er ist absolut sicher.(Hört, hört!) Die Frage, ob ich mit den französischen Generalen Dupont und Nolens«inen ge- Heimen Rat für den Krieg in Kurland bilden, erinnert an daSWort, daß jemand mehr fragen kann, als hundert Gescheite zu beant- warten vermögen.(Heitere Zustimmung.) Vielleicht, ist nach Herrn Koenen der ganz« Friedensvertrag nur ein Scheinmanöver! Die französischen Sozialisten greifen jeden Unsinn auf, den W deutschen Unabhängigen verzapfen. Die Zahl der Opfer deS Bürgerkrieges ist entsetzlich. Der Vorredner hat aber toll übertrieben. Für München beträgt die Zahl 566 bis 766, für Berlin in der März- wache etwa 1266. Aber haben wir erwa angefangen? Wir haben nur abgewehrt. Ich werde nie vergessen, was ich als Abgeordneter gesagt habe. Aber eS besteht ein Unterschied zwischen damals und heute. Von einer Umgehung des Friedensvertrages kann keine Rede fein. Die Zeitfreiwilligen sind eine Art Feuer- wehr zur Löschung des Brandes im Innern.(Zuruf bei den U. Soz.i Sie schießen! Feuerwehr mit Maschinengewehren!) Die französischen Sozialisten haben uns während des Krieges emp- fohlen, Revolution zu machen, dann würden wir einen billi- gen Frieden bekommen. Jetzt sagen sie: Deutschland müsse ent- w a f f n e t werden, dann würden sie folgen. Den billigen Frie- den haben wir nicht bekommen, und ich fürchte, wir werden die allgemeine Entwaffnung auch nicht bekommen.(Sehr richtig!) Die Reichswehr muß ein bedingungsloses Werkzeug in der Hand der Regierung sein.(Sehr richtig!— Lärm bei den U. Soz.) Präsident Fehrenbach: Der Reichswehrminister hat von nichts. würdiger Denunziation gesprochen. Wenn er das mit Bezug auf ein Mitglied des Hauses gesagt hat, so muß ich es als ungehörig rügen. Das Gehalt des Reichswehrministers wird hierauf gegen die Stimmen der Unabhängigen und einiger Deutschnationaler be- willigt. Abg. Löbe(Soz.): Die Entschließung Arnstadt(Dnat.), der Oberbcfeblkbaber solle bei der Vcrhängung des Belagerungszu- standeS unparteiisch und nur nach sachlichen Rücksichten verfahren, halten wir für überflüssig und selbstverständlich. Di« Sozialdemo. kratie ist grundsätzlich Gegnerin des Belagerungszustandes, sie verlangt seine Aufhebung, wenn auf die Anwendung von Gewalt zur Erreichung politischer Ziele, sei es von rechts oder von linlS, verzichtet wird. Der Antrag Arnstadt wird abgelehnt. Die Entschließung auf Besserstellung der Reicgswehr wird an- genommen. Damit ist der HeercSetat erledigt. Beim Haushalt für das Reichsmilitärgericht teilt Reichswehrminister NoSke mit, daß ein Gesetzentwurf über die Zlufhebung der Militärgerichtsbarkeit dem Hause nach den Ferien zugehen soll. Haushalt üer Reichsmarine. Abg. Mittelmann(D. Vp.): Nicht wir Mein sind während deS Krieges Annexionisten gewesen.. Abg. Scheidemann hat im Jahre 1915 eine Reichstagsrode gehalten, in der er sagte: DaS Land, in das wir dies« Saat säen, ist unser Land, das wollen wir behalten.(Lachen bei den Soz.) Abg. Stücklcn(Soz.): Di« Freunde des Vorredners sind mit- schuldig an dem Zusammenbruch. ES wird ihm nicht gelingen, durch noch so viel« Griffe in seinen Zitatemack unS zu Annexionist«» zu stempeln.(Sehr richtig! bei den So�.) Nack werteren Ausführungen der Abgg. Bruckhoff(Dem.), Andrä(Zenit.) und Oberfohvcn(Dnat.) gedenkt Vizeadmiral v. Trotha der gefallenen Seeleute und verspricht, daß in der neuen Marine der Mensch zur Geltung tommen solle. Mg. Scheidemann(Soz.): Am 16. März 1915 hat aar keine ReichStagssitzung stattgefun- den, ich kann also an diesem Tage nicht gesprochen haben. Dagegen habe ich am 18. März 1915 von der N o t unseres Landes gesprochen und gesagt, wir sind voll Zubersicht und voll Kraft. DaS Land, irt das wir unsere Saat streuen, ist unser Land, daS wollen wir verteidigen. Dieser Satz hatte also gar keine annexionistische Tendenz. Aber Herr Mittelmann ist Neuling und weiß vielleicht noch nicht, wi>e vorsichtig man bei Zitaten aus annexionistischen Broschüren wie die, die er benutzt hat, fein muß. Ich empfehle ihm für die Zukunft größere Vorsicht.(Heitere Zustimmung.) Die Aussprache schließt. Abg. Mittelmann(D. Vp.) persönlich: Ich werde den B e we i s nicht schuldig bleiben, daß Herr Scheidemaun sich ähnlich ausgc- drückt hat, wie ich gesagt habe.(Zuruf des Abg. Scheidemann: Unglaublich!) Der Marineeiat, die Etats für den Reichstag, den Rechnungs- Hof, die ReichSdruckerei, die Reichsschuld und die allgemeine Finanz- Verwaltung werden genehmigt. Damit ist die zweite Lesung des Haushaltsplanes beendigt. Nach Verabschiedung einiger Vitt- schriften bemerkt Abg. Mittelmann(D. Vp.) persönlich: Herr Scheidemann hat am 3. April 1915 im Reichstage gesagt, es sei nicht an zun eh- m e n, daß nach einem solchen Weltbrand die Grenzsteine un- verrückt bleiben. Abg. Scheidemann(Soz.) persönlich: Dieses Wort war selbst- verständlich nicht in dem Sinne gemeint, daß die Grenzstein? zn unseren Gunsten verrückt werden müßten. Ich glastbe, es ist nicht nötig, noch auf das Unsinnige der Unterstellung hinzuweisen. daß ich jemals Annexionist gewesen sei.(Zurufe: Nein, nein!) Ick habe stets den heftigsten Kamps gegen alle Annexionen geführt. (Lebbaste Zustimmung.)• Donnerstag, Wi Uhr, Branntweinmonopol und dritte Lesung deS Etats. Schluß gegen 9 Uhr._ Wirtschast. Der /lrbeitsmarkt. Ueber die Lage des deutschen Arbeits marktS im September 1919 derichtet das vom Statistischen Reichsamt heraus- gegeben«„Reichs-Arbeitsblatt" in seinem Oktobcrhest wie folgt: Die zwangsweise Wiedereinstellung der Kriegsteilnehmer, Kriegsbeschädigten und neuerdings auch der zurückgekehrten Kriegsgefangenen beherrscht den Arbeitsmarkt in höherem Grade als Angeböt und Nachfrage. Es kann daher nicht überraschen, daß die vorliegenden statistischen Uebersichten durchweg eine Verbesse. rung gegen den Vormonat aufweisen.» Nach den Nachweisungen von 5369 Krankenkassen hat die Zahl der männlichen Beschäftigten um 28 793 oder 6,5 Proz. und die Zahl der weiblichen um 1961 oder 6,1 Proz. z u g e- nommen. Seit dem tiefsten Tiefstand im November 1918 er- gibt sich ein andauerndes Steigen der Beschästigtenziffer. Nach den Feststellungen von 36 Fachvcrbänden, die für 4 249 275 Mitglieder berichteten, waren'im September d. I. nur noch 92 173 oder 2L Proz. der Mitglieder arbeitslos gegen 3,1 Proz. im Vormonat und 2,7 Proz. im September 1913. Die Arbeitslosigkeit ist demnach nicht nur gegen den Vormonat, sondern auch gegen den September 1913 gefallen. Die Zahl der unter st ützunaKckerecht igten Er. werbSlosen ist in 113 Städten, für die der Arboitsmarkt- anzeiger vergleichbare Angaben enthält, von 361 367 am 36. August auf 265 966 am 27. September gesunken. Bei den Männern ist ein Rückgang um 24 457 auf 136 691, bei den Frauen ein solcher um 16 896 auf 79 869 eingetreten. Freilich darf nicht übersehen werden, daß die unterstützungsberechtigten Erwerbslosen lange nicht alle Erwerbslosen umfassen. Nach der Statistik der Arbeitsnachweise kamen im September auf je 166 offene Stellen bei den Männern 143 Ar- beitSgesuche gegen 154 im Vormonat und 166 im September 1913, bei den Frauen 116 Arbeitsgesuche gegen 136 im Vormonat und 99 im September 1913. Hiernach war der Andrang der Männer nicht nur gegen den Vormonat, sondern auch gegen den September 1913 wesentlich kleiner, während bei den Frauen" zwar eine erhebliche Abschwächung des Andranges gegen den Vormonat ein. getreten ist, gegen den September 1913 aber immer noch eine wesentlich größere Andrangsziffer besteht. Zusammenfassend ergibt sich em Bild von seltener Geschlossen- heit: höhere Beschäftigtenzahl, geringere Ar- beitslosen, und Erwcrbslosenzahl und gleich- zeitiges Nachlassen des Andrangs bei den Ar- beitsnachweisen; alles dies gilt, wenn auch in verschiedenem Grade, sowohl für Männer als auch für Frauen. Und doch haftet dem Ganzen infolge der zwangsweisen Wiedereinstcllung ein künst- licher Zug an. Wäre der Arbeitsmarkt frei, so hätte diese Eni. Wicklung unbedingt eine erhöhte Erzeugung wenigstens in den hauptsächlichsten Gewerbezweigen hervorrufen müssen. Das läßt -sich aber nur hegen den Vormonat in geringem Maße bei der Kohlenförderung(Ruhrgebiet 6.51 gegen 6.46 Millionen Tonnen, Oberschlesien 2,39 gegen 1,46 Millionen Tonnen) und Walzwerkserzeugung 1612 564 Tonnen gegen 662 187 Tonnen) fest- stellen, während an Roheisen und Stahl auch gegen den August dieses JahreS und gegen den September 1913 in allen genannten Erzeugnissen erhebliche Minderleistungrn eingetreten sind. Zum Teil hängen sie mit dem andauernden Streikfieber zusammen, daS diesmal besonders in der Berliner Metallindustrie und in dem Seemannsstreik in den Hafenstädten hervorgetreten ist. Größere Beschäftigtenzahlcn bei geringeren Leistungen be. dingen erhöhte Preise. So hat sich im Berichtsmonat eine Welle von Preissteigerungen, angefangen von der Kohle, dem Roheisen, den Stahl- und Walzwerkserzeugnissen über Deutschland ergossen. Der Berichtsmonat brackte zahlreiche Auslands- auftrage. Auch in Arboiterkreisen beginnt die Einsicht sich zu verbreiten, daß wir ein hohes Interesse daran haben, diese Auf- träge rechtzeitig auszuführen und unbedingt mehr sckaffen müssen, um die zahlreichen Schwierigkeiten zu überwinden. Bemerkenswert ist, daß sich in der Düsseldorfer Metallindustrie r u n d 66 666 Arbeiter bereiterklärt haben, wieder gegen Stück. lohn zu'arbeiten, und im mittcldeutfcken Braunkohlenbergbau einzelne Belegschaften freiwillig Sonntagsschichten verfahren wollen, um die große Kohlennot des Landes zu mildern. vie oberschlejische Kohlenförderung. Die Kohlenförderung in Oberscklesien steht im Zeichen einer erfreulichen Zunahme. Am letzten Sonn- abend betrug die Förderung eines Arbeitstage« zum ersten« mal seit der Revolution mehr als 166666 Tonnen. Im Frieden hatte die Förderung rund 146 666 Tonnen arbeitstäg« lick betragen und war dann im Kriege. al>o noch vor der Revo- lution, auf 136 666 Tonnen zurückgegangen. Die bisherigen Leistungen der Kohlenförderung im obcr'chlesischen Revier belicfen sich in den letzten Wochen auf 96- bis 95 666 Tonnen täglich, wo- bei die Ausfälle durch Streik nicht berücksichtigt sind. Die steigende Koblenförderung ist ein weitere« Zeichen für die Besserung der deutschen Wirtschaftslage. Obwohl die TranSportverhältnifie sich nach der Einschränkung deS Personenverkehrs in Oberschlesien gebessert haben, ist infolge ber Mehrförderung eine wesentlich« Erleichterung nicht zu verzeichnen. Die Meldung der.Berliner Börsen-Zeitung", daß über«ine Million Tonnen auf Halden liegen, trifft nicht zu- Nach zuverlässigen amtlichen Schätzungen betragen die Halden- bestände rund 766666 Tonnen. Das ist immerhin noch ge« nug. Deshalb wird es weiter die Aufgabe der Eisenbahnen ein. den Abtransport der Kohlen unter Aufbietung aller Mittel zu -ördern, damit die Steinkohlenproduktio« nicht durch de» stockenden Abtransport gefährdet wird. 77. oröentlscher verbanüstag öes Deutsthen Tabakarbeiter-Verbanöes. B r« m e n, den 28. Oktober 1919. Zweiter Bcrhandlungstag. AIS Delegierter der holländischen Tobakarbeitcr begrübt I. H. ß. E ich els he i m die deutschen Kollegen und wünscht ihren Verhandlungen guten Erfolg, der auch ihnen zum Vorteil gereicht. Am Vortage hatte» die dänischen Kollegen Jensen und Möller den Verbandstag begrüßt. Die Debatte über den Geschäftsbericht wird fort- geseht. Als erster Redner trat R o s e n t h a l- Berlin auf.. Er kritisiert die Zustimmung des Vorstandes zu der körperlichen Unter. suchung der Arbeiter in Zigarettenfabriken und verurteilt sie. Der „Tabal-Arbeiiter" soll nach seiner Ansicht das schlechteste Getverk- schaftsblätt in Deutschland sein. Gauleiter Clement stellt fest, daß die Tabakarbeiter wenig zu den Lohnbetvegungen beigetragen haben, ivcnn nicht'der Vor. stand die Lohnbetvegung eingeleitet und zum Erfolge durchgeführt hätte. Redakteur Niendorf wendet sich gegen die Angriffe, die ihm als Redakteur gemacht worden sind. A st e r» Bischofswcrda bestätigt, daß man früher stets die Tabaksteuer bekämpft hat, aber man muß zugeben, daß die Vex. bandsleitung mit der Zustimmung zur Banderolesteuer das beste gewollt habe. Schmidt- Neufrcistedt berichtet, daß die süddeutschen Kolle» gen mit den Lohnerfolgen während des Krieges durchaus einvcr- standen gewesen sind. V c rg h o l z- Leipzig meint, daß man die Kronen abgeschafft und dafür die Zipfelmütze aufgesetzt hat. Die Lohnbewegungen. haben nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Wir müssen unseren Verband ausbauen im Interesse der Tabakarbeiter. Die Gehälter der Beamten müssen aufgebessert werden. Ein Schlußantrag wurde abgelehnt. F u ch s- Hainburg: Kritik ist gesund. Daß die Mitglicderzahl von 23 099 auf 69 999 gestiegen ist, ist erfreulich, damit können wir aber gewiß noch nicht zufrieden sein. Wir müssen die Tabak- arbeiter noch mehr aufklären. Wir wollen jetzt Einheitskämpfe führen, um die Unterschiede zwischen Süd und Nord auszugleichen. Es ist bedauerlich, daß die Arbeiterbewegung zerrissen ist, w i r wollen die Einigkeit. Jetzt haben wir dke achtstündige Arbeitszeit und hierbei lassen es die Tabakarbeiter noch vielfach vermissen und arbeiten länger. F r a n z- Dresden: In Leipzig ist erst eine erfreuliche Rührig. keit eingetreten nach der Revolution, vorher fehlte es an allem.' Als man in Leipzig streikte und die Firma Entlassung 'nkündigte, liefen die Arbeiter in Scharen in die Fabrik. Es ist 'icht richtig, dem..Tabak-Arbeitcr" vorzuwerfen, er hätte nichts retan, der„Tabak.Arbeiter" hat in feurigen Artikeln oftmals die Arbeiter aufgefordert, zu kämpfen. Das angegriffene Hilfsdienst- gesetz hat uns die Möglichkeit gegeben, die Interessen der Tabak- arbeiter wahrzunehmen; wir haben mit dessen Hilfe in einer Reihe von Orten die Grundlöhne erhöhen können. In der weiteren D-zhatte wird von einigen Rednern die vom Vorstand betriebene Gewerkschaftspolitik bekämpft, von anderen Rednern wird sie befürwortet. Verbandsvorsitzcnder D e i ch m a n n wendet sich im Schluß- Wort gegen die erfolgten Angriffe und insbesondere gegen jene Er- zählung von christlicher Seite, warum man eine Bewegung für WirtschaftSbcihilfen nicht befürwortet hat. Die Kriegszentrale ist hier angegriffen worden, aber wir haben ihr sehr viel zu der- danken, weil sie viel mit dazu beitrug, daß unsere Lohnverein. barungcn überall durchgeführt wurden und loegen dieser Unter. stützung von den Fabrikanten angegriffen worden ist. Gegenüber dem Hinweis, die Tabaksteuer belaste das Fabrikat, muß auch gesagt werden, daß die Lohnzulagen die Fabrikate verteuern. Nach der Revolution haben wir zwei Lohnbewegungen durchgeführt und die dritte ist bereits eingeleitet worden. Die Lohnerhöhung habe uns 299 Proz. mehr gebracht, und das solle man doch nicht verkleinern. Wenn die Grundlöhne nicht höher sind, dann sind die alten Bremer, Hamburger, Berliner, Leipziger und Dresdener Tabakarbeiter nicht schuld daran. Wenn früher in diesen Orten versucht wurde, die Löhne zu erhöhen, dann haben die Unternehmer ihre Betriebe in kleinere Orte verlegt und die Bestrebungen nach höheren Löhnen wurden zunichte gemacht. Nun soll man aber nicht den Verband dafür verantwortlich machen. Wir haben alles zu tun, daß es nun anders wird. Er wendet sich gegen die ge- stellten Anträge, besonders gegen den von Gießen, der festlegen will, daß man in allen Fällen gegen künftige Tabaksteuer stimmen soll. Wenn wir einig sind und den Verband ausbauen helfen, dann hat der Verbandstag gutes geleistet. Dem Kassierer wird Entlastung erteilt. Es folgt die Ab. stimmung über die Anträge. Der Antrag, dem Kollegen D e s ch m a n n und Schlüter ein Mißtrauen auszusprechen, weil sie für die Banderolesteuer gestimmt haben, wurde abgelehnt. Die An- Äcllung eines Bezirksleiters in Köln wurde angenommen. Zum Antrag Gießen, der verlangt, daß Mitglieder die Pflicht haben, gegen die Tabaksteuer zu stimmen, wurde in namentlicher Ab- stimmung abgelehnt. Es hatten 39 mit ja und 74 mit nein gestimmt. Der Verbarrdstag trat nun in die Beratung über die Ausge. staltung des Statuts ein. Hierzu referierte Vorstandsmitglied Krohn. In seinen Ausführungen tritt er für eine Erhöhung der Beiträge ein. Nach seinem Referat werden die Verhandlungen vertagt. HewerffchajbbewMng Internationale Konferenz üer Arbeiter öffentlicher Setriebe. Die 4. internationale Konferenz der Gemeinde- und Staats- arbeiter fand vom 29. bis 22. Oktober 1919 in A m st e r d a m statt. Wenngleub es anfänglich schien, als solle auch hier die leidige Kriegsichuldsrage in den Vordergrund der Erörterungen gerückt werden, wurde in der Aussprache doch sehr bald eine volle Ver- ständrgung mit Belgiern und Franzosen erzielt, so daß der weitere Verlauf der Konferenz geradezu als vorbildlich bezeichnet werden kann. Berlieier wären: Holland 7, Belgien 4. Frankreich 2. Eng- land 2, Schweden 2, Norwegen 2, Dänemark 2. Deurschland ö. Als Uebersetzer war u. a. auch Evo F im inen, der internationale Gewerkschaflssekretär, tälig, so daß in allen fünf Sprachen fast reibungslos debaruert werden konnte. Die Vertretung Deulschlands bestand aus H c ck m a n n- Berlin, D i t t m a r- Berlin, Schünemann- Berlin, Schmoll- Stutt- gart, I h I c- Hamburg. Letzterer mußte aber wegen Paßschwierig- ketten wieder umkebren. Nach dem Geschäftsbericht des bisherigen internationalen Sekretärs A. M o h s« Berlin war die Tätigkeit der Internationale öffentlicher Betriebe in den KriegSjabren sehr geringfügig, da Zen'ur und postalische Schwierigkeilen schier unüber- windliche Hindernisse bildeien. In der Diskussion über den Geschäftsbericht foiderten Belgier und Franzosen Auskunst über die DeportationSfrage belgischer Arbeiter während des Krieges. Ferner wurde zu der Erklärung des Gewerkschaftsbundes, der Sassen- b a ch s Ausführungen auf dem internationalen Geweikschaflskongreß in der Form nichl billigt, wiederholt Stellung genommen. Ein Brief der Denischen Generalkommiision an Evo F i m m e n, wonach ausdrücklich ir'chr gegen den Inhalt, sondern nur gegen die Form der- Sossenbachschen Erklärungen Stellung ge nommen ist. vermochte die Gemüter wenig zufriedenzustellen. Für die deutsche Delegation setzte dani, Genosse D i t: m a r-Berlin ausführlich auseinander, daß die Deportation der Belgier von allen Sozialisten bekämpft worden ist, ja daß es dem Be- mühen der G e n e r a l k o m m i s s i o n gelang, weitere Tausende vor dem gleichen Schicksal zu bewahren und dre Deportation rück- gängig zu machen. Der Kriegszustand ermöglichte leider nicht die volle Kraft des Widerstandes. Genau io ist es noch beute in den obsiegenden Ländern, wo man weder den, entsetzlichen Friedens- verlrage beikommen kann, noch die volle Aufhebung der Blockade erzwang. Die rücksichrc-loien Ausweisungen irn Elsaß, das Koalitions- n n d Streikverbot in Saarbrücken beweisen die gleiche Obnmachr unserer französischen Genossen. Wir haben wenigstens das alte kaiserliche Regiment gestürzt. Wollen wir dein Imperialismus und Militarismus zu Leibe, so ist Voraussetzung ein gemeinsamer internationaler Kampfesboden, der wiederum eine möglichst geeinigte sozialistische Arbeiterschaft zur Voraussetzung hat. Nachdem dann noch die Franzosen eine Erklärung gefordert, die deutschen Kriegsdokumente baldmöglichst zu veröffent- lichen und die deutsche Delegation diesen Gedanken gut gebeißen und dabin erweitert, daß in allen Ländern ähnlich verfahren werden soll, war die BerständigungSbasiS gefunden. Engländer iTevenau und Duncanl und Skandinavier sprachen sich energi'ch für Außerachtlassung der Vergangenheit und Arbeit an der Zukunft aus. Eine Resolution der Schweden wurde einstimmig an« genommen, die sich für die E i n h e i t§ o r g a n i s a t i o>, der Arbeiter öffentlicher Betriebe ausspricht. Sie soll allen Landes- zentralen unterbreitet werden. Der Sitz des neuzuschaffenden Sekretariais wurde nach Holland(Amsterdam) verlegt. Für Deutsch- land tritt der Verbandsvorsitzende Heckmann in die vorläufige Kommission, die ein neues Statut ausarbeiten soll. Darin wird über den ftübererr Rohmen hinans auch gegen jeden Revanchekrieg Stellung zu nehmen sein. Der Beitrag beträgt 9 Pf. pro Mitglied und Jahr(Friedenskurs). Alle diese Beschlüsse sind einstimmig ge- faßt worden Als vorläufiger Sekretär wurde auf Vorschlag Heck- mann« der holländische Vorsitzende v a» Hinte gewählt. Die Konferenz hat im Verlauf ihrer Tagung mit seltener Ein- mütigkeit den internationalen Gedanken gefördert. Die Arbeit wird am Donnerstag wieder aufgenommen. einige Firmen soll das Schiedsgericht entscheiden, in welche stufe sie einrangiert werden sollen. Ueber Lohn- Die Maschinisten und Heizer nahmen am Dienstag in einer außerordentlichen Generalversammlung Stellung zur.Technischen Nothilie". Bube vom Hauvlvorstand erläuierte in längeren Aus- sübrungen die Aufgabe der Institution. Wie er behauptere, habe sich beim Streik in den Elektrizitäiswerken gezeigt, daß die Nothilse nicht in der Lage gewesen sei, die ihr gesteckre Aufgabe zu erfüllen. Wenn ihr Eingreifen noch einen Tag länger gedauert Härle, wäre den Betrieben ein unermeßlicher Schaden cnistanden. Im Anschluß an das Referat wurde eine längere Resolution angenommen, die sich mit Entschiedenheit gegen alle Bestrebungen wendet, die eine Einschränkung der Koalitionsfreiheir bezwecken. Da die Maschinisten und Heizer für sich dasselbe Recht in Anspruch nehmen, wie alle anderen gewerkschaftlichen Arbeiter, könnten sie auf das Streikrccht nicht verzichten, daher sei die Schaffung der Technischen Nothilfe ein Eingriff in das Koalilionsrecht. Weiter wird in der Resolution die Tärigkeit der Technischen Noihilfe für überflüssig erklärt, da die Maschinisten und Heizer g r u n d- sätzlich bereit seien, die erforderlichen Noistandsarbeitei, zu verrichten, nur wollen sie selbst e n t i ch e r d e n. was Notsrands- arbeitcn sind. Zum Schlüsse der Resolution wird von den maß- gebenden Srellen verlangt, daß sie vor Ausbruch von weitein- greifenden Konflikren Fühlung nrit der Organisationsleitung nehmen, um eine Schädigung des Allgemeinwohls zu verhüten. Gegen den gegebenen VerwaltungSbericht erhoben sich keine Bedenken und wurde dem Kafsiercr Entlastung erteilt. Kollege M i e r wurde als weiterer Angestellter zur Ortsverwalwng gewählt. Das Eintrittsgeld wurde von 1 M. auf 1,59 M. erhöht, der wöchentliche Beitrag von einer Mark wird beibehalten, es werden jedoch für jeden Monat 5 Wochcnbeiträge geklebt. Die HauSkassierung wird eingestellt; an deren Stelle tritt eine Bezirks-, Lokal und Be- trrebskassierung. Zum Schluß wurde noch beschlossen, allen Kollegen, welche sich seit 5 Wochen im Streik befinden, auch die fünfte Woche die Extraunterstützung in Höhe von 5 M. zu gewähren. Tariftreue der Unternehmer. Zu der von uns veröffentlichten Zuschrift des Bundes der technischen Aiigestelllcn und Beamten über die GehallSverhältnisse der Angestellten der Firma Dr. Max L e V y wird unS von den Angestellte» der Firma mitgeteilt, daß die Ver- bällnisie zur Zufriedenheit der Angestellten ge- regelt seien. Die Regelung sei bereits vor Bekanntwerden der Zuschrift erfolgt. Knorrbremse und»»geschlossene Betriebe 1 Die SMszahlung der Streik- und Extraunterstützung jindet beute Donnerstag von lt— 2 Uhr in solgenden Lokalen statt: G'.uvpe l: Baier, Hauptstr. 90. Eruvpe 2 und 5: Bellevue. GrupveZ: Rostock, Hauptstr. 85. Gruvpc 4: Sacke- vetcr, Alt-Boxhagen 49. Ecke Wühlischstraße. Transportarbeiter: Roski, Gürtclftr. 28. Die AuSzablung der Streikunterstützung findet nnr gegen Vorzeigung des Verbandsbuches statt. F. Werner, LüNowstraste. Die Betriebsversammlung findet am Freilag, den 3l. Lttobcr, mittags 12 Uhr, im.Nalionalhos', Bülowstr. 37, statt. Anschließend Auszahluna der Streikunterstützung. Tenticher DranSportarbeitcr- Verband lBezirk Eioß-Berlin). Kutscher und Milsahrer aus den Wäscherei- und Wäschcoclleihbetriebcn! Brancheiivcriammluiig am Freitag, den 3t. Lilober. abendS 7 Uhr, im Königstadt-Kasino, Holzmarklstr. 72. Erscheinen ist Pflicht. Die Branchenleitung. Telesunken. Am Freitag, den 3t. Oktober 1919, findet in der National-Dicle die Unterschreibunz der Quittung statt. Auszahlung der Streikunterstützung am Montag, den 3. Rovcmder, vormittags 1l Uhr. Silüungsveranftaltungen. Steglitz. Wer an der Führung des Genossen Lehrers Leopold am Sonntag srüh 9 Uhr durch das Museum s ü r N a t u r l u n d e lcilnebmen will, wird erincht, sich beim Obmann dcS Bildungsausschusses, Genossen Artur Stahl, Ringsir. 7, Gartenhaus lll. zu melden.— In unserer Notiz in Nr. b!»3 muß cS richtig heißen: Anmeldungen sind zu sende» an Genossen Stahl, Ringstr. 7. schullokal; Aula der Realschule. Enhe des Streiks der Berliner Herrenmastschneider. Der am Sonnabend begonnene Streik der Berliner Maß- schneider ist am Mittwoch. durch Beschluß einer Versammlung der Streikenden beendet worden. Verhandlungen, die über die Differenzen— die Eingruppierunq der verschiedenen Maßschneider- geschäfte in die einzelnen Lohnklaffen— am Montag und DienStag stattfanden, führten zu einem befriedigenden Resultat. Wettcransstchtcn für das mittlere Norddeutschland bis Freitag mittag. Etwas lälter, zestweiss ausliarend, jedoch noch über- wiegend bewöllt oder nebelig, ohne erhebliche Niederschlage. Verantw. für Den redaktion. Teil!«Isred Schot», Neukölln: für Anzeigen: Theodor Stocke, Berlin Verlag: Vorwörts»Berlag s. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärt«- Buchdruckern und Bertagsanilali Paul Einaer u. Co. in Berlin. Lindenitr. 3. Hierzu 1 Beilage. Wir bitten Sie in Ahrem eigenen Anteretke vsa Ihrem Buchhändler zu verlangen Älraune ruinun von Hann« Heinz Etver« *».i, M. 8.—. M. 10.-(mit 10»(. 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