Nr.587.3e.Iahrg. Bezugspreis< Mertegährt.•/— Mk> monatL»,— SRI frei ins Hau», voraus tahlbar. Post- bezug: Monatlich ir- Ml. fjtL gu- stellungsgedllhr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 63ö Ml. für da» iidrtg, Ausland I a 25 Ml. bei täglich einmal. Zustellung SL5 Ml. Postbestellungen nehme» an Dänemarl Holland. Luxemdurg. Schweden u. die Schwei,. Eingerragen w die Post-Zetrung»-Preisliste Der„Borwä«»» mtl der Sonntag» beilage.Voll u. Zeit' erscheint wachen. täglich zweimal. Sonntag» einmal Telegramm-Adrefse: »Sozioldentokral varlio». Morgen-Ausgabe. Devliner Volksblstt ( 15 Pfennig) SluzeigenpretS: Di,»chtgelnaltene Nonpareillezell» lostet lLst Ml»klein» Anzeigen«, da« iengedruSte Wort S0 Plg. lzuläfsig 1 iettgedruckte Worte).>cdes weitere Wort«0 Pfg. Stellengesuche und Echlaistellenanzeigen das erste Wort «a Pfg. lebe» wettere Morl M Psg. Wort» llder 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50°/» Familien-Anzeigen, politische und gewerlschaftliche Verein»-Anzeigen L50 Ml die Feile. Anzeigen sür die nächst» Nummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 68. Lindenstraß» 8, abgegeben werden. Geöffnet oon 9 Uhr früh bt» » Uhr abend» Zentralorgan der fozialdcmokratl feben parte» Deutfcblands Neüaktion und Expedition: SW. öS, Linöenstr. Z. Zhernivreitier- Amt Morivvlah, Nr. Iiit90—löl97. Freitag, den 31. Oktober 1919. vorwärts-verlag S.m.b. h-, SW. öS, Lindenstr. Z. Fscrnivrecher: Amt Moritiplali. Nr. 117 SS— ilt. Von einem sozialdemokratischen Abcscordneten, der die Verhältnisse in dem von der X. f r a n z ö s i s ch e n Armee besetzten Gebiet aus eigener Anschauung kennt, wird uns aeschrieben:. Die sozialdemokratische Presse des nichtbesehten Gebietes ist über die Zustände der besetzten Westgebiete nicht genügend unterrichtet. Sie war in ihrem llrteil aus die von den be- kannten Nachrichtenbureaus verbreiteten Informationen und auf die Berichte großer rechtsstehender nationalistischer Blätter angewiesen. Daß die sozialdemokratische Presse diesen Quellen gegenüber Mißtrauen hegt und geneigt ist, vieles von dem, was sie bringen, als tendenziös, übertrieben, der Völker- hetzung dienend zu bezeichnen, ist verständlich. Aber die Verhältnisse in den von den Franzosen besetzten Gebieten sind in der Tat derartig, daß sie gar nicht schwarz genug geschildert werden können. Was die Presse des nicht- besetzten Teutschlands aus dem Befehlsbereich der X. fran- zösischen Armee, deren Befehlshaber General Maugin war, auch immer berichtet hat, gleichviel in welcher Aufmachung, es waren Tatsachen, hartnäckige Tatsachen. Mit den Franzosen zog der Geist der Unduldsa in- k c i t, der B r u t a l i t ä t, der U n g e r e ch t i g k e i t, der Unfreiheit, der kleinlichen Schikane und der giftigsten Gehässigkeit in den Rheinlanden ein. Wenn General Faholle hei seinem Einzug in Mainz den Vertretern der Stadt eine Stand- und Strafpredigt über die deutsche 5lrieg- führung hielt, wenn er ihnen sagte: Ihr habt Euch in Frank- reich betragen wie die Schweine, Ihr habt keinen Krieg ge- führt, sondern gemordet, geraubt und gestohlen, so konnte man diese in einer Aufwallung des Zornes herausgeschleuderte Beleidigung des gesamten deutschen Heeres als eine Entgleisung noch hinnehmen. Wenn aber unter einer vertragsmäßigen Friedens bcsatzuug sich das wiederholt, was Faholle als verdammensiverte„d e iltsch c Kriegführung" bezeichnet, dann kann man dazu nicht fchiveigcn, sondern man muß gerade im Interesse der Völkerversöhuung diese AnS- wüchse oder besser gesagt: dieses System des franzölschen Militarismus genau so scharf und unerbittlich bekämpfeu, wie wir das dem preußisch-deutschen Militarismus gegenüber getan haben. Daß der Militarismus aller Nationen wesensgleich ist und sich höchstens in der Nüanzierung unterscheidet, ist durchaus keine Redensart. Die Bevölkerung der besetzten Gebiete erhält in dieser Beziehung nun schon seit zehn Monß�n einen Anschauungsunterricht, wie er nicht eindring- licher gedacht tverden kann. Der französische Militarismus ist nun eine ganz besondere, dem deutschen Wesen schnurstracks entgegen- stehende Spielart. Neben der bekannten und allgemein üblichen Brutalität pflegt er als raffiniert entwickelte Spezialität die Politik der N a d e l st i ch c und kleinlichster Schikane unter der Begleitmusik heuchlerischer Phrasen von Freiheit, Gerechtigkeit, Humanität, Kultur und Zivilisation. Als General M a n g i n das Regiment in Mainz antrat, erschien er in der Stadtverordnetensitzung, hielt einen Vortrag über Teutschlands militärische Niederlage und über die Pflicht Deutschlands, allen Schaden zu ersetzen. Dann stellte er den Rheinländern, die„ja schon immer gute Beziehungen zu dem revolutionären Frankreich unterhalten" hätten, bessere Be- Handlung bei der Aufbringung der Kriegslasten in Aussicht und schließlich erklärte er sich bereit, Wünsche der Bevölkerung entgegenzunehmen und sie. wenn möglich, zu erfüllen, um ein gutes Einvernehmen zwischen Besatzung und Bevölkerung herbeizuführen. In dem Glauben an die Aufrichtigkeit dieser Worte sandten die.freien Gewerkschaften, die Konsumgenossenschaften und die Sozialdemokratische Partei eine Abordnung zu General Maugin. die versuchte, für den Personen-, Geld- und Lebensmittclverkehr Erleichterungen zu erlangen und die Erlaubnis für Gewerkschaftsversammlungen und Sitzungen für � Parteifunktionäre zu erhalten. Erreicht wurde gar nichts. Die ganze Unterredung tvurde von Mangin dazu ausgenützt, den Arbcitervertrctern unter Beschimpfungen auf Deutschland die französischen Rachepläpc verständlich zu machen. .Ter Rhein ist von jeher die Grenze ziviichcn Barbarei und Zivilisalio» gewesen"....Dculschland hat keine» Krieg geführl, sondern es hat gemordet, gestohlen und verwüstet"... „Die Deutschen sind ein kriegerisches Volk. Deutschland muß so gestrasl werden, daß eö nie wieder die Möglichkrit erlangt, Kriege zu führen"...»ES»st ein durchaus christlicher Grund- satz, Vergeltung zu üben und Sübne zu fordern"....Dos zer« stärle Nordfrankreich sollen sie mit ihren eigenen Hände» wieder aufbauen"....Die d c u l i ch e u Sozialisten und ebenso schuldig am Krieg und an den begangenen Verbrechen, wie der Kaiser Wilhelm und Ludendorfs, denn sie haben die Regierung gestützt; sie hätten früher Revolution machen sollen"... Rückkehr oüer Zahnenflucht! Tic Rcichsregiernilg hat mit Rücksicht darauf, daß die Abtransportc aus dem Baltikum bisher ungenügend sind und das Verhalten zahlreickjer Truppenteile zu den s ch ä r f st c u Maßnahme» zwingt, den Beschluß gcsaßt, daß sämtliche Truppen, die nicht bis zum 11. November die deutsche Grenze passiert haben, als fahnenflüchtig erklärt werden. Sic verlieren die deutsche Staatsangehörigkeit und damit auch selbstverständlich alle Versorgungsansprüche. Neue Drohungen. Tie Pariser Blätter zählen, offenbar auf eine offiziöse Weisung hin, die Punkte des Waffenstillstandes auf, die Teutschland angcb- lich nicht erfüllt haben soll. Teutschland soll nicht alles rollende Material herausgegeben haben. Es soll laut „Journal" 14 Pctrolcumtransportschiffr vom Hafen von Antwerpen ans nicht geliefert und Handelsschiffe an neutrale Mächte verkauft haben. Außerdem habe es sich geweigert, das Brrzeichnis der aus Frankreich und Belgien weggeschafften Werte zu übermitteln. Ter schwerste Borwurf aber, den man i h m z» machen habe, sei die Bernichtung der deutsche» Flotte in S c a p a Flow»nd die Besetzung der baltischen Provinz e-n. Nach einer Ncutcrmeldung sollen die beideu letztgenannten Punkte ge- sondert behandelt werden.„Journal" meint, man müsse sich jetzt sragcn, ab man mit dem Inkraftsetzen des Friedenvrrtragcs von Bcrsaillcs warten wolle, bis General Niessel und seine Kollegen die vollständige R ä» m u» g deS Baltikums von deutschen Truppen festgestellt hätten. Das würde den Tag des Inkrafttretens über den 11. November hinaus verschieben, den Harmsworth im englischen Unterhausc als den wahrscheinlichen Tag der Wieder- Herstellung des Fricdciiszustandes nrit Teutschland bezeichnet hat. „Journal" hält es für sehr wahrscheinlich, daß dieses Tatum über- schritlcn werden wird. Laut„Manchester Guardian" erklärte BonarLaw, er erwarte die v o l l st ä n d i g c Ratifikation des Friedensvertrages und das end- gültige Ziistandetommen des Friedens nicht vor Februar oder März IstLst. Hierzu wird bemerkt, daß dann auch das Datum, an welchem das alte Homerule-Gesetz automatisch in Wirkung treten sollte, aufgeschoben wird, so daß die Regierung Zeit hat, in der jetzt begonnenen Parlamentstagung das neue irische Selbstvcr- waltungsgcsetz diirchzufllhrc». Strafe für Scapa Zlow! Ein am Mittwoch abend aus dem englischen Gefangenenlager Donningtou Hall zurückgekehrter Offizier berichtet der„Schlcfischcn Bolkszritiing": Im Kriegsgefangenenlager Tonniligto» Hall werden gemäß einer Bcrfügung der englische» Regicriing der Führer der deutsche» Scestrciilräsic von Scapa Flow, Adwiral Reuter, ei» Kapiläuleutnant, ein Oberleutnant zur See, drei Londonflieger, ein U-Boots-Kommandant und sechs der Scapa-Flow-Mannschaftc» als Ordonnanzen zurückgehalten werden. Die Offiziere sollen vor ein Gericht gestellt werde». Auch die übrigen etwa ILO Scapa- Flow-Offiziere werden nicht in die Heimat entlassen, sonder» sollen bis nach Erledigung des Gerichtsverfahrens in Toiiniiigton Hall zu- sammcngczoge» werden.(Eine amtliche englische Bestätigung dieser Meldung liegt nicht vor.) Minister Long sagte im Unterhanse, die britische Regierung habe die Abficht, die Auslieferung de? deutschen Unterseeboot- tommaiidnntcn K r e s e w c t t e r zu fordern. Die Frage, wie viele feindliche Niitcrseebootosfiziere ausgeliefert werde» sollten,'gegen die Beweise für ungesetzliche Handlungsweise vorliegen, werde noch er- woge». Tic deutsche Fricdcnsdelcganon in BcrsailleS hat die Angelegen- beit wiederholt, zuletzt Mitte Ottober, zur Sprache gebracht. Eine Antwort auf die wegen Zulassung der baldigen Rückkehr der Scapa- Flow-Lcutc i» die Heimat erhobenen Borstrllun�cn ist bisher nicht erfolgt. Da die Rückkehr der deutschen Gefangenen aus England im übrigen planmäßig vonstatten geht und in absehbarer Zeit b e- endet sein wird, teilt man an zuständiger Stelle die ausgesproche- n«n Befürchtungen bisher nicht, glaubt vielmehr den Beteiligte», die wie so viele«nserrr Bolksgenossen ihre Angehörigen viel z» lange entbehren müssen, anraten zu solle», sich nur no� ein wenig zu gedulden. Die Aufmerksamkeit der Alliierten wird erneut aus diese Angelegenheit gelenkt werden. Das ist so eine Blutenlese aus dem Manginschen Vortrag. Das>uar der Niederschlag von Wilsons 14 Punkte» und seinen Völkerbrindsreden, die damals die Oeffenttichkeit beherrschten. Tiotz aUedem hoffte niair noch. Aber es siellle sich nur zu bald heraus, daß der Geist des französischen Militarismus gesiegt hatte. r ♦ Während in den von Engländern und Amerikanern bc- setzten Gebieten Versammlungs-, Verkehrs- und in beschränktem Maße auch Preßfreiheit herrschte, ivurde in den bon Franzosen besetzten Gebieten der Post- und Eisenbahnverkehr fast gänzlich abgeschnitten. Selbst Beamte der Lebensmittelversorgung er- hielten keine Fahrtcrlaubnis, um Nahrungsmittel abzunehmen. Keine Zeitung kam herein, keine Nachricht; die Zeitungen lvaren ohne jede Information, sie ivarcn vollkommen isoliert. Keine Versammlung konnte stattfinden und kein e Sitzung durfte abgehalten tverden. Selbst die TageS- ordnung der' Stadtverordnetensitzungcn'unterlag_ber Genehmigung des General Mangin. der zu jeder Stadt- verordnctcnsitzung zwei Offiziere zur lieber- wachung delegierte. Die deutschen Beamten der Polizei, der Staats- anwaltschaft und des Gerichts erhielten von den Franzosen Aufträge, und wenn sie sie nicht schnell genug oder nicht ganz im Sinne der Franzosen erledigten, dann erhielten sie Strafen' seinen Monat Gehaltsentzirg usw.) oder ihre Absetzung wurde einfach verfügt. So wurde u. a. auch der' Oberbürgermeister von Mainz abgesetzt. Schier unerfüllbare A n s p r ü ch e wrirde» an die Kommunalverwaltnngen gestellt,' und geradezu unerhört war die Form der Auflagen.„Bis morgen nachmittag besorgen Sie eine Wohnung von 14 Zimmern mit tadelloser stil- gerechter Ausstattung: Möbeln, Teppichen, Kücheneinrichtung, elektrischer Bcleiichtimg usiv." Wenn Unmögliches nicht er- füllt wurde, so betrachteten das die Franzosen als einen „feindlichen Akt" gegen die Bcsatznngstruppen, erteilten Rügen und drohten schärfere Maßnahiüen au. Und es blieb wahr- haftig nicht bei bloßen Androhungen! Im Mainzer Stadttheatcr belegten die Fran- zosen eine Anzahl Plätze,»veitcre 200 Plätze rnußten bis zehn Minuten vor der Vorstellung sür das französische Militär freigehalten werden. Der Billettvcrkehr war dadurch empfind- lich gestört und es entstand naturgemäß ein Einnahineaussall, der das Jahr hindurch in die viele» Taufende geht. Daß die Franzosen auch den Spielplan beeinflußten und französische Theaterensemblcs zu längeren Gastspielen auszwingen, sei nur beiläufig erwähnt. Weit verabschenungswürdiger aber ist das Treiben der französischen Militaristen in p o l i t i s ch er Beziehung. Zunächst wurde die Zensur in dem Sinne geleitet, daß alle kritischen Aeußcrungen über die Entente, einschließlich der Polen, der Tschechen und Slowaken, über den Waffen- stillstands- und den Friedensvertrag unterdrückt wurden. Gegen die Loslösungsbestrebungen und die Helden der Rheinischen Republik durste fast nichts geredet und geschrieben werbe«. Oft wurden die Zeitungen gezwungen. von den Franzosen gelieferte Artikel über Deutschlands Schuld am Kriege aufzunehmen oder Hctzartikcl gegen die Reichsregierung zu bringen mit den Vorwürfen, fie vernachlässige die Bevölkerung des besetzten Deutschland. sie liefere keine Lebensmittel usiv. Diese Artikel dursten nicht als Zuschrift kenntlich gemacht oder mit Oiiellcnangabc versehen werden, damit die Bevölkerung die Maulwurfs- arbeit der Franzosen nicht erkenne! Demselben Zweck diente die Errichtung eines Telegraph cnbureaus. daS direkt unter französischer Zensur arbeitet und alle Nachrichten von Belang im franzö- fischen Sinne frisiert. Nicht genug damit, gründeten sie zwei eigene französische Zeitschristen:„Der Rhein im Bild" und „Das Echo vom Rhein", die beide in wenig verhüllter Form Stimmung für den Anschluß der R h e i n l ä n d e an Frankreich machen. Mit sanftem Druck wurden die Ge- schästsleute zur Aufgabe von Inseraten veranlaßt und die deutschen Zeitungen mußten Waschzettel mit deutsch gehässigem Inhalt zur Propaganda für diese französischen Produkte veröffentlichen. Heuchlerisch verkündeten Mangin und sein Troß, daß sie der rheinischen R e p u b l i k- B e w e g u n g„neutral" gegen- überstehen. In diesem Sinne wird auch die französische Presse unkeriichtet. Aber im ganzen Rheinland lacht man über diese Unverfrorenheit. Als am 1. Iniii d. I. die T o r t e n- S i p p s ch a f t glaubte, die Gelegenheit sei günstig für die Proklamation der Rheinischen Republik und die Proklanration an die Plakatsäulen angeschlagen wurde, da arbeitete der ganze Apparat der französischen militärischen Machthaber für die deutschen Hochverräter. General Mangin wußte vorher um den geplanten St aats st reich! Aber nicht nur das allein steht ziveifelSfrci fest, sondern auch, daß er alle Vorbcreitungci, getroffen hatte, jede Gegenbewegung b r�u l a l zu unterdrücke n. Und so geschah es den», daß eine große Anzahl am Generalstreik gegen die Rheinische Republik Beteiligter und der Führung Verdächtigter v e r h a s t e t, zum Teil schwer bestraft und aus dem besetzten Gebiet aus- gewiesen ivurde. Ganz systematisch wurden bei der Ver- folgung Katholiken und Zentrumsleute ge- s ch o n t. Damit sollte der Eindruck erweckt werden, daß alle Katholiken und die ganze Zentrumspartei Anhänger der Rheinischen Republik seien. Eine besondere Seite der Politischen Beeinflussung ist die Einmischung in die Schulangelegenheiten. Der französische Sprachunterricht wurde zwangsweise in allen Schulen eingesührt. Französische Schulen wurden gegründet. Die deutschen Lehrer wurden überwacht und beschnüffelt. In Anstellungs- oder Versetzungsangclegenheiten mästen sich die Franzosen an. das letzte Wort zu sprechen, dasselbe gilt auch für Schutzleute. Trotz der entsetzlichen Wohnungsnot in den besetzten Gebieten dehnt sich die Besatzung immer weiter aus. In den schönsten und grösttcn Räumen der öffentlichen G e- bände, wo ein ganzes Heer von Verwaltungsstellen unter- gebracht werden könnte und früher auch untergebracht war. steht je ein Schreibtisch und abends sind alle Säle, ob sie gebraucht werden oder nicht, verschwenderisch be- leuchtet— trotz der Kohlennot. Für die Angehörigen der Armee werden Wohnungen und eingerichtete Zimmer be- schlagnähmt. Keine Jagdverpachtung darf stattfinden, die nicht vorher französischen Oifizieren angeboten wurde. Jagdgesellschaften sind gezivungen, französische Offiziere auf- zunehmen, wenn sie ihre Reviere nicht verlieren wollen. Den deutschen Behörden ist bis heute noch die Aus- zahlung der N e q u i s i t i o n s g e l d e r im Bereiche der X. Armee untersagt. Die begreifliche Mißstimmung der Be- Völker ung darüber versteht die Besatzungsbehörde auf die deutsche Regierung abzulenken. Entgegen allen sonstigen Gepflogenheiten zeigen sich die Französin äußerst zartfühlend denjenigen deutschen Mädchen und Frauen gegenüber, die sich den französischen Soldaten an den Hals werten. Es handelt sich da meist nicht um so- genannte„reelle Verhältnisse", sondern— von wenigen Ausnahmen abgesehen— um käufliche Liebe, um Prostitution. Wehe, wer einem solchen Mädchen seine Verachtung ausdrückt. sie warnt und zurückzuhalten sucht I Er wird mit den schwersten Strafen belegt! Die Bevölkerung auf dem Lande, die in diesen Sachen sehr empfindlich ist. hat solche Mädchen an den Pranger gestellt, ihre Namen öffent- lich angeschlagen oder ihnen die Zöpfe abgeschnitten. Die Täter erhielten mehrjährige Gefängnis st rasen und Zwangsarbeit auferlegt und die Ortsbehörden erhielten gleichfalls schwere Strafen augedroht, wenn sie den Unfug nicht verhinderten oder sich lässig in der Ermittlung der Täter zeigten. Auf eine Eingabe der Evangelischen Mädchenhilse in Wiesbaden, worin um Einschreiten gegen die Prostitution ersucht wurde, erwiderte die französische Militärverwaltung ablehnend.„Der Chef stellt mit Vergnügen fest, daß sich die Soldaten so schnell zahlreiche Zuneigung zu gewinnen gewußt hätten." Durch diese offenbare Begünstigung werden die Soldaten zu immer schamloserem Vorgehen ermuntert. „Für eine Tafel Schokolade kaust man in Deutschland ein ganzes Schlvein", erzählen sie unter sich. Die Lazarette und Krankenhäuser liegen voll von Geschlechtskranken. Ganz traurig ist es um die Mädchen und Frauen bestellt, die lvegen irgendwelcher geringfügjger Vergehen oder Ueber- tretungen in französische Haft geraten oder zu einer Freiheits- strafe verurteilt werden. Da werden von dem männlichen Aufsichtspersonal alle Mittel der Bedrohung und Verführung angewandt. Selbst vor Vergewaltigungen und der An- Wendung narkotiscker Betäubungsmittel schreckt man nicht zurück, um die Mädchen den Lüsten der Franzosen gefügig zu machen. Soll nian endlich noch an die barbarischen Strafen er- innern, die die Kriegsgerichte wegen lächerlich gering- fügiger Verstöße aussprechen? Die Urteile muten an wie eine widerliche Geldschneiderei. Den ärmsten Leuten werden die u n m ö g l i ch st e n Geldstrafen angehängt. Und wie werden die Untersuchungen geführt? Man wird an das schwärzeste Mittelalter erinnert. Man wäre ver- sucht, die Angaben in das Reich der Fabel zu verweisen, iveun uns nicht von durchaus zuverlässigen Personen ver- Neue Wege künftleristher Volksbildung. Arbeiter Vorstellungen in den Staatstheatern und andere-. Auin erstenmal öffnen die ehemaligen königlichen Thrater ihre Pforten der Arbeiterschaft. Ein nie erfAlter Wunsch unzähliger kunsthungriger Männer und Frauen der Werktätigen Bevölkerung >mrd nun erhört: die Vorstellungen im Schauspielhaus und in der Oper, die in der Vornovemberzeit nur den zahlungskräftigsten Kreisen zugänglich waren, werden nun für annehmbare Eintritts- preise an alle Schichten der Arbeiterschaft an bestimmten Wochen- abenden abgegeben. Während daS segensreiche Wirken der Volksbühnen und die Einrichtungen der Parteien und der Gewerkschaften es den Arbei- tern schon lange ermöglichten, das Schauspiel kennen'zu lernen, war es bis vor etwa 10 Jahren unmöglich, Opernaufführungen zu volkstümlichen Preisen zu veranstalten. Nur ausnahmsweise wurden einzelne Opernvorftellungen, meist in Nachmittagsaufsüh- rungen, zweiter Güte zu solchen Zwecken— und sehr mit Auswahll — vergeben. Damals befriedigte die Gründung des Charlotten- burger Deutschen Opernhauses ein dringendes Bedürfnis: die Ein- richtung ter sehr stark gestaffelten Eintrittsprese(woran Vertreter der künstlerisch orientierten Arbeiterorganisationen mitgewirkt hatten) ließ eine Anzahl Plätze in den oberen Rängen für die Ar- beiterschaft frei. Nun ist die neue Intendanz, im Einvernehmen mit dem Kul- iusministerium und nach Beratungen mit den Dcrirrtern der im Mtionsausschuß zusammen tätigen Beauftragten der Groß-Ber- liner Arbeiterschaft, zu einer grundlegenden Aenderung des bis« herigen Modus gelangt. In beiden Staatstheatern sollen Abend- Vorstellungen an bestimmten Wochentagen für eine relatw geringe Summe an die Organisationen vergeben werden. Dies wird pekuniär dadurch möglich gemacht, daß die bei Premieren erzielten Ueberschüsse hierfür verwendet werden. So erklärt sich, warum die Eintrittspreise zur Erstaufführung des„Pale st ri na" so hoch waren, worüber man schon viel unwillige Bemerkungen hören konnte. Die Kreis« der Theaterbesucher, denen kein EintrittSpveiS hoch genug ist. um bei„Uraufführungen" oder ähnlichen Gelegen. betten(die ja zum Teil eine reine Frage deS gesellschaftlichen Renommees sind) dabei zu sein, tragen dadurch, wenn auck» un- bewußt, da�u bei, daß am nächsten Freitag mehr als löOO Männer and Frauen der Arbeiterklasse dies selbe Werk an derselben Stelle hören können.(Was den Widerspruch gegen jene Chimborassopveü'e natürlich nicht beseitige» kann; denn diese» notwendige Volk»- sichert worden wäre, daß im Saargebiet die Daum- schraube benutzt wird, um Geständnisse zu erpressen Und in Mainz sind einige Lehrer und ein Geweikschaftsvorsitzender, die wegen angeblicher Anteilnahme an dem Generalstreik ver- haftet worden waren, mit F a u st s ch l ä q e n. F u ß t r itten und der Reitpeitsche von dem Untersuchungsoffizier so schwer mißhandelt worden, daß man nach vier Tagen noch deutlich die Spuren sehen konnte. Damit sind nur die g r ö b st e n Umrisse von den Drang- salierungen der Bevölkerung durch die Franzosen gezeichnet. Aber sie genügen, um die Stimmung der Bevölkerung in diesen Gebieten verständlich zu finden. Wenn unter solchen Umständen die nationalistischen Bestrebungen im Sinne der ehemaligen Vaterlandspartei imnrer tiefer Wurzel schlagen und nach alten Methoden alberne Revanchegedanken geäußert werden, so haben wir die Pflicht, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß dem französischen Volke und den s r a n z ö s i s ch e n S� o z i a l i st c n über das gefährliche Treiben ihrer Militaristen im bejetzten Gebiete die Augen g c ö f f n et werden. Zu welcher gereizten Stimmung es bereits gekommen ist, zeigen ja die Streiks und Unruhen in Elsaß-Loth- ringen, im Saargebiet, in der Pfalz, in Birkenfeld und Rheinhessen— kurz überall, wo die französischen Militaristen, die gern mit ihrer Ritterlichkeit prahlen, ihren Wirkungskreis haben. Ihr Wirken und Wüten ist ein schweres Hindernis für die Annäherung und Verständigung der Völker zu beiden Seiten des Rheins. Gegen Sie ölockaöe RußlanSs. Die deutsche Regierung hat in Paris folgende Antwortnote überreichen lassen: Auf die dortige Note Nr. 1849 G vom 25. Oktober beehrt sich die deutsche Regierung Nachstehendes zu erwidern: Die deutsche Regierung hat ständig durch Wort und Tat be- wiesen, daß sie sich der schweren Gefahren voll bewußt ist, die eine Ausbreitung de» Bolschewismus für Kultur und Wirtschaftsleben aller Völker bedeutet. Die deutsche Regierung hat selbst im eigenen Lande nicht unerhebliche kommunistische Bewegungen erlebt und mit Erfolg bekämpft. Sie war deshalb in der Lage, über die Ursachen und die Ausbreitung bolsche- wistischer Strömungen eigene Erfahrung zu sammeln, auf Grund deren sie es für ihre Pflicht hält, daraus hinzuweisen, daß ihr die von den alliierten und assoziierten Regierungen vorge- schlagenen Maßnahmen gegen das bolschewistische Rußland den gewollten Zwecken nicht zu entsprechen scheinen. Das deutsche Volk hat in den letzten Jahren die Wirkungen der Hungerblockade in ihrer ganzen Furchtbarkeit gespürt, es weiß, daß unter ihr in erster Linie Kinder und Greise, Frauen und Kranke, also au der Kriegführung Unbeteiligte, in grausamster Weise gelitten haben. Es weiß auch, daß die Blockade aus die Geistesverfassung der Bevölkerung in zersetzendem Sinne gewirkt und die anarchistischen Bewegungen nur gefördert hat. statt sie zu hemmen. Es steht zu befürchten, daß sich diese Erfahrun- gen in Rußland wiederholen würden. Zwangsmaßnahmen von außen gelten in Rußland immer als Werkzeuge der Reaktion, die von den demokratischen Elementen des Landes bekanntlich noch mehr gefürchtet wird als der Bolschewismus. So werden gerade die demokratischen Kräfte, das stärkste Ele- ment im Kampfe gegen den Bolschetvismus, von ihrem Ziele abgelenkt und gelähmt. Die antibolschewistische Strömung, die sich tiefer in die Ar- beiterkreise hinein erstreckt, als es nach außen hin den Anschein hat, wird nicht durch wirtschaftliche Absperrung, sondern viel- mehr dadurch gestärkt, daß sich der daniederliegenden r u s s i- schen Volkswirtschaft Aussicht auf baldige Hilfe er- öffnet. Nur von der Wiederherstellung des für den ruhigen Wiederausbau Europas so notwendigen Kontakts mit den an- deren Völkern läßt sich eine Ungleichung des politffchen Lebens in Rußland an die europäischen Demokratien erhoffen. Hierzu kommt, daß sowohl nach allgemeinen völkerrechtlichen Grund- sähen wie auch insbesondere nach der Satzung des künstigen Völkerbundes im vorliegenden Falle die Voraussetzungen für knlwrwerk kann in keiner Weise von Vergnügungen eines sozial minderwertigen Luxuspublikums abhängig gemacht werden. D. Red.) Ebenso ist das Schauspielhaus mit einer Aufführung von„Minna von Barnhelm" am Montag zum erstenmal von Arbeitern besetzt. Freilich: die Zahl der Besucher ist sehr gering im Verhältnis zu der Masse der bildungshungrigen Menschen aus der Arbeiter- klasse. Und die neue Intendanz ist sich völlig darüber klar, daß diese und andere Aufführungen, zu denen in kurzen Abständen die beiden Staatstheater uns zur Verfügung gestellt werden, nichts anderes find, als �.Abschlagszahlungen". So find noch andere große Projekte in Beratung, die es ermöglichen sollen, in großem Maßstab der werktätigen Bevölkerung künstlerische Borstellungen zu vermitteln. Das ist in erster Linie eine Frage des Raumes. Und hierfür wird von den Vertretern der beteiligten Kreise seit langer Zeit gearbeitet. Bauen oder Umbauen kostet aber heut solche Summen, daß es erheblich« Schwierigkeiten machen wird, die nötigen Summen zu gewinnen. Es zeigt sich immer deutlicher die Notwendigkeit, ein eigenes Volkshaus in Groß-Berlin zu schaffen, das den Mittelpunkt für alle der Kultur dienenden Be- strebungeu des Volkes bilden muß. Wir brauchen dringend nicht nur Theaterräume, sondern ebenso nötig große und mittlere Säle für Konzerte, für Vorträge(unpolitischer Art), für Kurse und alle mit dem Begriff der Volksbildung, Volkshochschule und ähn- lichen zusammenhängenden Veranstaltungen. Ob sich dies auf genossenschaftlicher Grundlag« oder anders bewerkstelligen läßt, wird noch beraten. Alle Kreise find in gleichem Maße daran interessiert, daß solch ein Mittelpunkt geschaffen wird. Jeder hat das brennendste Jbterefse daran, daß die kapitalkräftige Kino- blanche nicht alle für wichtigere und edlere Bestrebungen vorhan- denen oder zu schaffenden Räume besetzt. Aber vorläufig muß man zufrieden sein, daß wenigstens der erste Schritt gemacht ist; die Staatstheater sind dem Volke ge» öffnet, zum erstenmal hören unsere Arbeiter unter Leitung der ersten Kapellmeister das herrliche Orchester, die auserlesenen Solo- kräfte und das Ensemble der Oper; die großen Meisterwerke der dramatischen und musikdramatischen Kunst werden ihnen für ein Geringes in musterhafter Aufführung zugänglich gemacht. Dr. Zl.®. Eine freiwillige Filmzensnr schlägt der Verein der Lichtbild- tbeaterbesitzer Groß-Berlins seinen Mitgliedern vor. Bis zur Ein- führung einer Reichsfilmzensur soll ein Prüfungsausjchuß eingesetzt werden, der bestehen soll aus zwei Theaterbesitzern, einem Herrn, den der Polizeipräsident von iverttu bestimmt» einem Kultusbvamten die Verhängung einer wirtschaftlichen Blockade nicht gegeben sein dürften. Aus allen diesen Gründen hält die deuffche Regierung nach wie vor die von ihr vertretene Politik der/ Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Rußlands nicht nur für grundsätzlich berechtigt, sondern auch für tatsächlich zweckentsprechend. Daran ändert auch der Um- stand nichts, daß die Beteiligung DeutscküandS an dem von den alliierten und assoziierten Regierungen geplanten Vorgehen nach Lage der Verhältnisse kaum von politischer und wirtschaftlicher Bedeutung sein würde, da Rußland zur See von den alliierten und assoziierten Regierungen blockiert ist und zu Lande eine gemeinsame deutsch-russische Grenze nach Inkrafttreten des Friedens nicht mehr bestehen wird. Die deutsche Regierung ist bereit, sich an einer Bussprache über die in Betracht kommenden Fragen, deren weltpolitische Bedeutung sie gebührend wertet, zu beteiligen. Sie wird sich allen ihr irgendwie zweckmäßig erscheinenden Maßnahmen, die das gemeinsame Ziel des Schutzes gegen den Bolschewismus er- reichen helfen, gern anschließen. Die deutsche Regierung kann jedoch nicht umhin, in ernster Form daraus aufmerksam zu machen, daß ein Zusammenwirken der Mächte nur dann ersprießlich sein könnte, wenn neben der Erkenntnis des gemeinsamen Interesses auch die Achtung und loyale Anerkennung der gegenseitigen Rechte gesichert ist. Daß diese BorauSsevung vorliegt, kann aber solange kaum angenommen werden. alS die alliierten und asso- ziierte» Regierungeu es für angängig, erachten, in demselben Augenblick, in dem sie Deutschland zur Teilnahme an einer Blockade auffordern, über deutsche Küsten und deutsche Schiffe selbst Blockademaßregeln zu verhängen. Die Politik der Entente gegen das bokschewisttsche Ruß- land kann nirgends Bewunderung erregen. Man unterstützt Denikin, Koltschak und Judenitsch, ohne ihnen zu durch- schlagenden Erfolgen verhelfen zu können. Man zwingt die Deutschen erst, gegen ihren Willen, mit den Alliierten gegen die Russen zu kämpfen, befiehlt ihnen dann, das Land zu räumen, und verbängt über das deuffche Volk eine neue Blockade, weil die Räumung nicht so schnell und so vollständig erfolgt, wie das deutsche Volk und die deuffche Regierung selber wünschen. Während man so die schärfsten Mittel an- wendet, um die Teilnahme von Deuffchen an militärischen Operaffonen gegen Rußland zu verhindern, fordert man Deutschland auf, den Kampf gegen Rußland in der Form der Blockade wieder aufzunehmen. Auf gut berlinisch sagt man in solchen Fällen:„Raus aus die Kartoffeln, rin in die Kar- toffelnl" Di« Herstellung des Friedens im Osten ist eine gemeinsame Angelegenheit der Menschheit, die Wiedereingliederung Rußlands in die Volkswirffchaft ist eine brennende Notwendigkeit für Rußland und für die ganze übrige Welt. Sie darf nicht verzögert werden ans übertrie- bener Angst vor der bolschewisffschen Infektion, die kein starkes Vertrauen in die eigene Gesundheit zeigt. Maßnah- men gegen sie sind auch denkbar, wenn russische Rohstoffe nach dem Westen, westliche Jndustrieprodukte nach dem Osten passieren, wenn de? internationale Handel und Wandel wie- der aufgenommen wird. Und wenn mit russischen Häuten bolschewistische Ideen eingeschleppt werden können, warum nicht auch mit englischen Baumwollstoffen und deuffchen In- strumenten demokrafffche? Eine europäische Völkerkonferenz, die die Dinge mit aller Ruhe betrachtet, könnte wohl Nützliches wir- ken. Und so zeigt die deutsche Note den richtigen Weg, um die Lösung des Riißlandproblems herbeizuführen, ohne die eine friedliche Neuordnung der Wtzlt und ihre Erholung von der Erschöpfung des Kriegs nicht möglich ist. Protest gegen Sie(pstseeblockaöe. Die deutsche Regierung hat in Paris ein« Note wegen der in der Ostsee angeordneten Hungerblockade gegen Deutsch. l a ntz überreichen lassen. Darin wird dargelegt, daß die Sperrung der Lltsee und selbst die Blockade der Küstenschiffahrt ein Eingriff ist, d»: nicht nur die Küstenbevölkerung, sondern durch die Unter- bindung der Nahrungsnriitelzufuhr über die Ostsee das ganze und einem Theaterbesitzer als Obmann. Dieser Ausschuß soll eine freiwillige Zensur über sämtliche Films und Darbietungen von Lichtbildtheatern von Groß-Berlin und Provinz Brondenbur« aus- üben. Di« Tbsaterbefitzer sollen verpflichtet werden, mir solche Darbietungen in ihren Lichtspieltheatern zu veranstalten, die von diesem Ausschuß genehmigt sind. Bei Zuwiderhandlungen soll für jeden Fall eine Strafe von 5000 M. verhängt werden. Eine Mit- gliederversmmnlung soll über diesen Vorschlag entscheiden. Wir hallen es für ausgeschlossen, daß eine Körperschaft, in der die Filmtheaterbesitzer die Mehrheit haben, die Beseitigung der an- rüchigen Aufklärungs- und Schundfilme so besorgen wird, wie die geistige Volkspflege es fordern muß. Immerhin ist der Plan des Vereins ein Zeichen, daß die Strömung, die den besagten Filuieu zu Leibe will, von den Lichffpieltapitalisten als beachtenswert an- erkannt wird. Dr. Dreuws, der ehemalige Berliner Polizeiarzt, der 1914 wegen seines wissenschaftlichen Standpunktes in der Salvarsan- ftage vom Polizeipräsidenten v. Jagow gemaßregelt wurde, ist nunmehr vom Wohlfahrtsministerium zum Mitglied des ständi- gen Beirats des Ministeriums zur Bekämpfung der Geschlechts- krankheiten und zur Regelung der Prostitutionsfrage berufen worden. Dreuws hat der Landes- und Nationalversammlung seinen in der Oeffentlichkeit bereits viel diskutierten Gesetzentwurs zur Bekämpfung der GeschlechtÄrankheiten und zur Regelung der Prostitutionsfrage vorgelegt, der— auf der„allgemeinen, gleichen, diskreten Anzeige- und Behandlungspflicht" fußend,— ein völlig diskretes Seuchengesetz schafft. Theaterkunst ist daS Thema einer Ausstellung, die auf An- regung und nach einem Plan des Forschers der Theatergefchichte, Prof. Oskar F i sche l, die Akademie der Künste 1920 in ihren Räumen am Pariser Platz aus öffentlichem und privatem Besitz zu veranstalten beschlossen hat. Sie soll vom Künstlerischen der Szene eine lebendige Vorstellung bieten. Werke bildender Kunst aus allen Jahrhunderten, griechische Terrakotten, gotische Holz- schnitzereien, Porzellane, Gemälde, Graphik des achtzehnten Jahr- Hunderts werden die ältere Zeit repräsentieren. daS erfolgreiche Streben der Künstler unserer Tage zur einheitlichen Gestaltung des Bühnenbildes soll aus ihren Entwürfen zu erkennen sein. Die Entwicklung des Stils, das Sichtbare der Schaubühne und die Rückwirkung deS Theaters auf die bildende Kunst werden so zu lebensvoller Anschauung kommen. A«S Wedekinds Nachlaß, dem unveröffentlichten, trug im Kunst- lerhaus Gustav Herrmann eine Reihe Gedichte vor. Das Wesen deS Dichters wird durch diese Gaben� bestätigt, wie man es kennt. Das zuletzt gesprochene Gedicht, ein Selbstporträt in lockeren deutschen Versen, betont kampfgereckt das Bewußtsein, nie dem Götzen der Feierlichkeit geopfert zu haben. DaS kann immerhin Rezitatoren ein Wink sein, für Einzelnes Wedekmdscher Dichtung ttt. 557 ❖ 35. Jahrgang Heilage des vorwärts §re!tag, 31. Oktober 1919 Abschluß der Etatberatung. Donnerstagsitzung der Nationalbersammlung. (Fortsetzung aus dem Ilbendblatt.) Wg. Mumm(Dnat.): Herr Erzberger hat am 2. September 1914 sogar die Normannischen Inseln sür Deutschland verlangt. Herr Dr. David sollte sich zunächst lieber mit Herrn Erzberger und anderen Mitgliedern seines Äabinetts auseinandersetzen.(Sehr richtig!) Ich kann auch noch als Ohrenzeuge das Wort des Herrn Scheidcmann über die„alten Perücken von 1814" anführen» an deren Grenzsteinfestsetzung er sich nicht zu kehren erklärte. Abg. Scheidcmann(Soz.): Nachdem gestern der Abg. Mittel- mann den total mißglückten Versuch gemacht hat» mich zum An- nexionisten zu stempeln» wird das heute vom Abg. Mumm fort- gesetzt. Gestern war ich überrascht» heute nehme ich die Sache nur noch von der heiteren Seite. Mancher begreift es eben nie» und selbst dann nicht. Dazu gehört Herr Mumm, scheints» auch! (Heiterkeit.) Atzt eine Anfrage des Abg. Dr. Pfeiffer(Z.) erklärt Reirhsminister des Aeutzeren Müller: In Deutschland befindet sich kein belgischer Gefangener mehr.» _ Abg. Lobe(Soz.): Das Reich hat ein Interesse daran'» daß der Msatz nach der Tschecho-Slowakei gefördert wird und wir von deren landwirtschaftlichen Ueberschüssen(die nicht abgeliefert» son- der» verschleichhandelt werden. Ned.s etwas hereinbekommen. Wir bitten dies durch eine Zweigstelle für Ein- und Ausfuhrbewilli- gungen in Breslau zu erleichtern, so daß der Umweg über Berlin vermieden wird. Da wir so viele große Städte im Osten abtreten müssen, bleibt Breslau der einzige große Handelsplatz des Ostens. Oberst Reinhardt: Meine besondere Fürsorge gehört der V e r- p s l e g u n g der Mannschaften Gegenüber dem Abg. Haas muß ich bemerken: Ich weiß persönlich» daß es Ludendorrf stets außer- ordentlich schwer geworden ist» Hartes für die Truppen zu befehlen. Abg. Kahl(D. Vp.) verteidigt die Universitätslehrer gegen die Angriffe» die Abg. Sinzheimer(Soz.) bei der zweiten Lesung gegen sie gerichtet hat. Abg. Dr. Sinzhcimcr(Soz.): Diesenigen Juristen, die nur Juristen sind» sind schlechte Juristen. Zur Fachkenntnis muß die Kenntnis des Tatsächlichen» die Kenntnis der sozialen Zusammen- hänge kommen. Die Praxis allem genügt nicht. Der Sinn dafür muß schon bei den Stirdenten gepflegt werden. Der Jurist muh nicht nur das geltende Recht anzuwenden verstehen, sondern auch rechtspolitisches, gesetzgeberisches Verständnis bekommen. Die Aus- Bildung der jungen Juristen, die später unsere leitenden Beamten sein werden» gehört zu den wichigsten Problemen.(Beifall bei den Soz.) Reichsjustizminister Schiffer: Diese Frage gehört zur Zu- ständigkeii der Länder; doch hat das Reich großes Interesse daran, daß die Juristen einheitlich ausgebildet werben. Daher werden wir Besprechungen darüber mit den Einzelstaaten führen. Abg. Stalten(Soz.): Ich weise auch hier bei der dritten Le- jung aus unsere Resolution hin, die die Regierung ausforderi, den neuen Landcsfinanzämtcrn möglichst bald eine gesetzliche Grundlage zu geben. Nach Möglichkeit muß eine Verständigung mit den Einzelstaaten darüber zustande kommen. Für.Hamburg und Bremen kann das jetzige Provisorium nich bestehen bleiben. Reichsfinanzniinister Erzberger verspricht» bei der zweiten Le- sung der Reichsabgabenordnung einen derartigen Gesetzentwurf vorzulegen. Es folgt die dritte Lesung des Etatsgesetzcs Abg. Schultz-Bromberg(Dnat. Vp): Wir lehnen den Etat ab.(Hört! hört! bei der Mehrheit.) Selbswerständlich müssen die Löhne und Gehälter weiter gezahlt werden, aber w i r können für diesen Etat die Verantwortung nicht übernehmen.(Lachen bei der Mehrheit.) Er gibt keinen Ueberblick über unsere finanziellen Ber- pflichtungen. Wir wissen auch gar nicht, ob die veranschlagten Steuern wirklich einkommen werden. Dann haben wir auch schwerste Bedenken gegen die Zahl und die Besoldung der Beamten Hier fehlt es völlig an der so diel gep-'esenen Sparsamkeit.(Un- ruhe bei der Mehrheit.) Der Etat bringt nicht das Ende der seit der Revolution immer noch gestiegenen Mißwi-t'chaft. Aus fach- Ii che n Gründen lehnen wir den Etat ab.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Heinde(D. Vp.): Die Deutsche Volkspartei hat zahl- reichen einzelnen Posten des Etats zustimmen können. Nach den Gepflogenheiten parlamentarisch regierter Länder bedeutet aber. die Zustimmung zum Etat selbst den Ausdruck des Vertrauens zu der jeweiligen Regierung. Wir werden daher gegen den Gesamt- etat stimmen.(Beifall rechts.) Abg. Seeger(U. Soz.): Wir lehnen den Etat selbstverständlich ab. Eine Regierung, die sich nur stützt auf Gewalt, die jede sozial- politische Maßregel nicht ausführt, die zehn Monate lang den Be- lagerungszustand aufrecht erhält, wird abwirtschaften. Wir lehnen deshalb den Etat ab.(Beifall bei den U. Soz.) Reichsfinanzminister Erzberger: Die ablehnende Haltung der Unabhängigen und der Rechten hat uns nicht überrascht. Die Be- gründung der Dentschnationalen steht aber mit der Wahrheit in Widerspruch.(Zustimmung bei der Mehrheit.) Daß die Stenern nicht einkommen würden, ist kein Grund für die Ablehnung des Etats. Wäre es nach den D e u i s ch n a t i o n a l e n gegangen, so wären die Ausgaben noch höher geworden.(Hört, hört! bei der Mehrheit.) Abg. Pachnicke(Dem.): Ich beneide die Parteien der Rechten nicht um die Gesellschaft, in die sie geraten sind: äußerste Rechte und äußerste Linke innig verbunden!(Lärm rechts.) Abg. Schnlb-Bromberg(Dnat.): Die Steuerschraube ist zu scharf angezogen. An unerfahrene Leute werden Ministergehälter gezahlt. Wir haben nicht nur kein Vertrauen zur Regierung, sondern tiefstes Mißtrauen.(Beifall rechts.) Reichsfinanzminister Erzberger(zur Rechten): Das Miß- trauen beruht auf Gegenseitigkeit. Als Partei polt- tiker könnte ich mich über den großen Fehler der Etatablehnung freuen. Das deutsche Volk wird das nicht so leicht vergessen. Abg. Scheidcmann(Soz.): Der Staatsminister a. D. Heintze und der Vizekanzler a. D. Delbrück lehnen den Etat ab! Das ist eine reizvolle Neuheit! Früher wurden wir als vaterlandslos geächtet, wenn wir das gleiche taten. Wenn von Mißwirtschaft gesprochen wird, so ist das nur die Folge Ihrer(nach rechts) Miß- Wirtschaft. Ich wünsche der Rechten weiterhin gute Besserung. (Heiterer Beifall.) Abg. Dr. Heinde(D. Vp.): Abg. Scheidemann hat unrecht. Die Verhältnisse liegen heute anders. Als die Sozialdemokratie den Etat ablehnte, gab es eine von der Volksvertretung unab- h ä n g i g e Regierung. Heute aber haben wir die parlanienta- rische Regierungsform.(Beifall rechts.) Abg. Schultz-Broniberg(Dnat.): Mißwirtschaft ist, wenn über- flüssige Minister angestellt und die Kriegsgesellschaften nicht abge- schafft werden. In der Gesamtabstimmung wird der Etat gegen die Stimmen der Rechten und der Unabhängigen angenommen. Die Ergänzung des Besoldungsgesetze? wird ange- nommen. Dann werden Petitionen und die Berichte der Aus- schüsse für Volkswirtschaft und für soziale Angelegenheiten er- ledigt. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag, den 20. 91 o- v e m b e r, nachmittags 3 Uhr.(Die Tagesordnung wird später vom Präsidenten mitgeteilt werden.) Schluß gegen 2 Uhr. » Sitzung ües Neichsrats. _ Die Nationalversammlung hat im Etat Erhöhungen in einer Gesamtsumme von 603 Millionen Mark vorgenomnieii. Der Aus- schuh des Reichsrats hat sich mit diesen Erhöhungen beschäftigt und bemerkt, daß darin keine llntcrstübuiig der Sparsamkeitsbestrebungen der Regierung zu finden sei. Ein Teil der Erhöhungen bezieht sich auf unwesentliche Beträge. Diesem hat der Ausschuß zugestimmt, ebenso den beim Reichsschatzamt eingesetzten Summen. Hier han- delt es sich um die Kosten für die Besatzungen, soweit sie sich be- rechnen lassen. Sie sind eingesetzt worden, damit die Welt sieht, mit welchen ungeheuren Summen wir belastet werden. Mit eini- gen anderen Posten lkagegen hat sich der Ausschuß nicht ohne weite- res eiuberstanden erklären können, da er sie für unberechtigt hält. So bat die 9lationalversammlung zwei vortragende Räte, die der Reichsrat � gestrichen hatte, wieder cingesetzt. � Außerdem konnte die Summe von einer halben Million für Schul- und Er- ziehungs- sowie gesundheitliche Zwecke nicht als im� Augenblicke unbedingt erforderlich anerkannt werden. Wenn der Ausschuß schließlich doch seine Zustimmung gegeben hat. so ist dies aus dem Grunde geschehen, weil die Ablehnung der Beschlüsse einen Koir- f l i k t herbeiführen würde. Darauf könne man es aber nur bei grundsätzlichen Fragen ankommen lassen. Außerdem besteht jetzt. eine Zwangslage, da am 31. die Frist sür den Etat abläuft. Der Vorsitzende, Reichsminister Dr. David, drückte seine Freude darüber aus, daß der Ausschuß seine Zustimmung gegeben hat. Der Wille zur Sparsamkeit ist bei der Reichsregierung vor- Händen, aber bei der sachlichen Begründung für verschiedene Posten können Meinungsberschiedenheiten borkommen. Wenn der Reichs- rat zwischen der zweiten und dritten Lesung in der Ratianalver- sammlung mit dem Etat befaßt wird, so ergeben sich Schwierig? leiten. Die beste Lösung würde sein, wenn der Reichsrat zwischen der zweiten und dritten Leniiig nicht m't dem Rtat befaßt würde. Hierauf wird der Etat angenommen. Nach Erledigung einer Reihe kleinerer Vorlagen stimmte der Reichsrat dem Entwurf einer Verordnung betreffend die Begründung der Zuständigkeit des Reichswirtschaftsgerichts durch Vereinbarung zu, desgleichen mit unwesentlichen Aenderungen dem Entwurf einer Bekanntmachung betreffend' Anforderung von Tieren zur Erfüllung des F r i e- densvertrages(Kosten VA Milliarden! Red.). Nach diesem Entwurf wird den Ländern das Entcignungsrecht und die Be- schlagnahmebefugnis gegeben. Für die Besetzung der zum 1. Januar 1920 frei lverdenhen Stelle des Präsidenten des Reichs- g e r i ch t s wird vom Ausschuß der Unterstaatssekretär des Reichs- justizamis, Heinrich Delbrück, vorgeschlagen. Der Reichsrat erklärt sich damit einverstanden. Groß'J&rM Ter Sicherheitswachtmeister Hermann— ei» Opfer unerhörter Brutalität! Die Feststellungen der Kriminalpolizei haben folgendes er- geben: Hermann ist, von Stralau-Rummelsburg kommend, gegen 3 44 Uhr morgens vor dem Hause Frankfurter Allee 331 in eine Gruppe von mehreren Männern geraten, Von denen der eine ihn als„Noskegardist" hänselte. Er fragte Her- mann, ob er keine andere Beschäftigung gesunden hätte, was Hermann verneinte. Nunmehr zog der Belrcsfende ohne weiteres den Dolch des Hermann ans der Scheide und steckie ihn zu sich. Als der Sicherheitssoldat auf entsprechende Frage den Besitz einer Schußwaffe verneinte, bieli ihn der Täter mit den Wörter::„Aber ich habe eine Schuß wafte!" eine Pistole unmittelbar vor das Ge- ficht und drückt egl eichzeitig ab. Hermann sank lautlos, blutüberströmt zu Boden und starb gleich darauf. Der Täler ging mit zwei anderen Männern, als iei nichts geschehen, durch die Petersburger Siraße dem Bältenplatz zu. Diese drei Männer waren augenscheinlich schon vor der Tat in einem Lokal über die Polizeistunde hinaus gewesen und dürkien nicht nur dort, sondern auch auf der Siraße wegen ibreS I ä r m e ii v e n V e r. Haltens aitigefallcn sein. Sie wollten, wie aus ihren Aeiiße« rungen hervorging, noch ein weiteres Lolal besuchen lind haben anscheinclid zu diesem Zwecke sib an der Tür des Hauses Nr. 331 mit Dietrich oder Schlüssel zu schaffen gemacht. Der Vorfall ist von mehreren Zeugen beobachtet worden, insbe>ondere von zwei Männern, die gleich nach der Tat an der Ecke der Petersburger Straße mit Straßenbahnern über den Vorfall nesprochen haben. Die>e beide» Männer iowie die Begleiter des Tälers. die ja sämtlich mit der Tat nichts zu tun haben, werden in ihrem eigenen Interesse ersucht, sich bei den Kriminalkommissaren Gennai und Trctlin, Zimmer Ol, umgehend zu melden, ebenso die Schankivirle, deren Lokal die be- tchriebenen drei Leute in der Nacht zum Dienstag in früher Morgen- stunde in annnicrter Stimmung verlassen haben. Vemauliche Behandlung aller gemachten Miiteilungeil wird zugesichert. 1.? Stunden lebloS im Sarg. Der Fall der Krankenpflegerin Minna B r a u n, die im Grunewald leblos aufgefunden, und dann zu einem Arzt ge- bracht wurde, der die Einsargung des Mädchens veranlaßie, da er keine Tätigkeit der Atmungsorgane oder des Herzens mehr feststellen konnte, hat nimmehr seine Aufklärung gesunden. Die Krankenpflegerin hat e i n en S e l b st m or d v e r such begaugen. Sie. eignete' sich eine größere Dosis Morphium und Veronal an. Nachdem.sie im G r u n e w a l d st u u d'eirl a n g planlos umhergeirrt war. nabin sie das Gikt'tn einer Dosis, die den Tod eines weniger widerstandsfähigen Mensche» u n w«»g e r l i ch herbeigeführt haben würde. Der Zuüand des jungen Mäd- chenö bat sich im Laufe des TageS so gebessert, daß Hoffnung be- steht, sie am Leben zu erhalten. Zu dem inedizimich lehr inter- Montrose. 10) Detektivroman von Sven Elve st ad. .Bielleicht," murmelte Krag,„nun lassen Sie mich aber etwas Näheres über die römischen Ziffern I, II und III er- fahren." Keller breitete seine Papiere aus und las: „I. Arnold Singer, gibt an, daß er fünfund- dreißig Jahre alt und nicht vorbestraft ist, weder seine Fin- gerabdrücke, noch seine Photographie sind in der Signale- mentabteilung der Polizei vorhanden. Behauptet, nichts von dem Verbrechen bei Abbs Montrose zu wissen. Gibt auf- fallend spärliche Aufschlüsse über sein Leben. Hat Gärtnerei in der Hanöelsgärtnerei bei Hobbemas in Ayisterdam gelernt. Verließ diese, als er siebzehn Jahre alt war, ist später zur See gefahren und hat bald hier, bald dort Arbeit gehabt. Aus die direkte Frage, ob er vor ungefähr drei Jahren als Dekorateur im Hotel„Zum vergoldeten Pfau" gearbeitet hat. gibt er dies ohne weiteres zu.(Siehe unter II.) Gibt an, daß er vorige Woche als Gärtner in Abb6 Montroses Garten gearbeitet und dafür dreißig Kronen erhalten hat. Eine von der Hand des Abb�s gemachte Aufzeichnung bestä- tigt diese Behauptung. Erklärt, daß er während der Arbeit im Garten die Photographie, die später in der Bibliothek ge- funden wurde, verloren hat. Die Photographie zeigt deutliche Fingerabdrllcke und Flecken von Gartenerde. Es sind Arnold Singers Fingerabdrücke.(Kellers private Anmer- kung: Die Polizei muß zugeben, daß die Umstände betreffs der Photographie den Arbeiter Arnold Singer entlasten.) II. Clary W h i st- Si n g e r, Tochter der Wirts „Zum vergoldeten Pfau". Lernte Arnold Singer vor drei Jahren kennen, als er als Dekorateur im Hotel ihres Vaters arbeitete. Heiratete ihn einen Monat darauf. Erklärt, daß sie ihren Mann über alle Maßen liebt, erklärt ferner, daß ihr Mann ein Muster von Ordnung und Fleiß ist. Alle vierzehn Tage gab er ihr von seinem Verdienst genug, um den kleinen Hausstand zu führen. Er war fast den ganzen Tag aus Ar- bcit, sogar häufig des Nachts, wenn er an entlegenen Orten .Arbeit hatte. Gibt. zu, daß sie sich bisweilen darüber gewundert habe, daß Arnold keine feste Arbeit hatte. Geste ht serner, daß sie unruhig war, wenn er mehrere Tage fort blieb und daß sie dann auf den Gedanken verfiel, daß er etwas Geheinr nisvolles an sich habe; sobald er sich aber zeigte, verflog diese Unruhe wieder. Zweimal hatte sie ihn zufällig im Besitz bedeutender Geldsummen gesehen, mehrerer großer Scheine. Als sie ihn aber fragte, wie es mit diesem Geld zusammen- hinge, hat er lachend Ausflüchte gemacht und gesagt, daß er etwas für einen Freund zu besorgen habe. Diesen Freund hatte sie nie gesehen, Arnold verkehrte mit niemandem, und es kam niemand in ihr Haus. Sie bestätigte in allen Punk ten die Erklärung, die ihr Mann von den Ereignissen der Nacht gegeben hatte. Sie glaubte nicht, daß Arnold später als zwei, halb drei Uhr nach Hause gekommen sei(die Ver brecher verließen den Garten um drei Uhr), doch konnte sie es nicht mit Bestimmtheit sagen.(Kellers private Anmer kung: Geht man von dem Verdacht aus, daß Arnold Singer ein Verbrecher ist, stellt sich das Eheleben des jungen Paares als ein typisches Bild der Ehe eines Verbrechers dar. Arnold verheimlicht seiner Frau, daß er von gestohlenem Gut lebt. Wenn er nachts auswärts ist, was Verbrecher oft sein müssen, kommt er mit nichtssagenden Ausflüchten. Von diesem Standpunkt ans betrachtet, ist es auch ganz imtürlich, daß Arnold seiner Frau nicht sagen kann, daß er feste Arbeit bat. Sonst hätte sie ihn leicht auf Lügen ertappen können. Alles deutet darauf hin. daß er seine Verbrechen um jeden Preis vor seiner Frau, die er liebt, verbergen wollte. Er ist der Tyv eines modernen Verbrechers, der ein freundliches Fa- milien- und ein dunkles Verbrecherleben führt, eines dieser schlauen, kaltblütigen Individuen, die eine große Gefahr sür den Staat sind. Mit großer Gefahr versucht er jetzt zu retten, was noch zu retten ist. Es paßte ihm nicht, daß der leicht- sinnige Charlie sich herumtrieb, Charlie konnte ihn leicht in Gefahr bringen, und da sich ein Ausweg bot, ihn los zu werden, benutzte er ihn gern. Er hat ohne Zweifel in Ge- meinschast mit Kameraden das Verbrechen in der Bibliothek begangen. Eine ganz zufällige Spur hat die Polizei zu der idyllischen Villa hingeführt.) III. Charlie Whist, Bruder von II, Sohn des Wirtes Zum vergoldeten Pfau". Ei» leicht. zu durchschauen- des Subjekt,. das eine untergeordnete Rolle mielt.. Er wurde gestern ans dem Gefängstis entlassen,, wo er feine erste.Straftz abgesessen.hatte, und wandte sickf an-die Schwester,' statt an- den Vater, dem er nicht unter die Augen zu treten wagte. Slls er nachts von Singer das Reisegeld erhielt, bekam er gleich den Verdacht, daß ein armer Arbeiter nicht ohne weiteres über solche große Summe verfüge« könne. Und als die Po- lizei morgens auftauchte, schleuderte er das Geld fort, weil er nicht in die' Krallen des Gerichts geraten wollte.(Kollers private Anmerkung: Charlies Darstellung ist Punkt für Punkt durch die Nachforschungen bestätigt worden. Er hatte einen Platz an Bord des Dampfers„Argo" genomnien, der um neun Uhr nach Argentinien abgehen sollte und auch ab- gegangen ist. Die Ereignisse haben ihn zum Auffchub seiner Reise gezwungen)." „Das ist alles." sagte Keller. „Viel ist es ja nicht, dennoch übernehme ich es auf Grund dieser flüchtigen Angaben, Arnold Singers Teilnahme an dem Verbrechen festzustellen. Jetzt gilt es nur nock, seiner Mitschuldigen habhaft zu werden. Und es scheint fast, als ob Sie bereits den einen aufgespürt hätten. Lassen Sie hören." Krag hatte keine Aufzeichnung gemacht, halb scherzhaft aber ging er mündlich auf Kellers Protokollstil ein. Er sagte: „Römische Ziffer IV, H a n s C h r i st i a n A n d c r s e n, Leichtmatrose, auf dem Segler„Eddystone", Besitzer dieses Halstuches in leuchtenden spanischen Farben, das in der Bi- bliothek gefunden worden ist. Hat auf Grund desselben zweifellos an dem Ueberfall auf Abb4 Montrose teilgenom- men. Bekam gestern morgen Landurlaub, hatsichspäter nicht wieder an Bord gezeigt. Als der Kapitän erfuhr, daß die Polizei gerne Hans Christians habhaft werden wollte, antwortet er, das wolle auch er lieber wie gern. Es zeigt sich nämlich, daß der Matrose im stillen alle Wertgegen- stände des Kapitäns mitgenommen hat. Er ist mit anderen Worten durchgebrannt, und muß überall anders als an Bord der„Eddystone" gesucht werden. Hier können Sie," fuhr der Detektiv fort,„als private Anmerkung von Krag hinzufügen: Diese Flucht beweist, daß das Verbrechen in der Bibliothek de? Abbss bereits längere Zeit geplant war. Daß dieser Plan aber auf einen Matrosen an Bord eines Schiffes, das gerade von einer langen Reise zurückgekehrt war,.zurückzuführen ist, macht die Sache noch räffelhafter." Sortf. kolgt-Z eiTantp« Fall flißt Dr. Wagner, der Fräulein Vraun zuerst unleruicbte. folgende Darstellung:.Ich habe die mir im Krankenwagen zugeiührle Unbekannie ärztlich eingebend untersuckit. Jcli fand dieselbe erstarrt, völlig pulSlos, ohne Atmung und ohne naibweisbare Herztätigleit, der Ho rnhouireslex fehlte, eine weitere wisien» srbatilicbe Probe blieb gleickifalls negativ. Au Giund dieses Befundes niustte ich zu der Ueberzeuoung kommen. dag der Tod bereiiS eiuoetreien und wahrscbemlich burch Gift berbeigeführt war. Es ist nur anzunehmen, dag durch Kälte u n d ft a r k e G> f t e i n w i r l u u g zusammen der anscheinend Völlig leblose Zustand eingeireten war, sodaß ich von dem Tod überzenat lein mustie.— Einen gleichlauienden Bericht habe ich an die zuslältdlge Behörde bereits eingereicht." ?is Generalversammlung der Konsumgenossenschaft nahm gestern ein Vorzeitiges Ende. T-er Besuch war so austeroudentlich stark, daß der große Saal des Lehrervereinshoused sich rasch füllte und bei Boginn der Versammlung die Teilnehmer schon bis in� den Vorraum hinein standen. Die Leitung wurde, weil der erste Vorsitzende des Aufsichtsrates erkrankt war, dem zweiten Vorsitzenlden Paul Lange ubertragen. Den Rechen- schastsbcricht über das abgelaufen« Gescl>äftsjahr erstattete der zweite Geschäftsführer C Schnitze. Tie allgemeine Ver- teuerung habe den Gcschäftsgewinn ungünstig be- einflutzt, die BetriebSlasten seien wieder beträchtlich gestiegen, besonders infolge Erhöhung der Ausgaben für GeHalter und Löhne. Em« Zeitlang habe man geglaubt, überhaupt keine Rück- Vergütung mehr auszahlen zu können, doch gestattete das Er- gebnis noch 2 P r o z. Die Erböbung des Eigenkapitals durch schnellere Volleinzaihlung des Geschäftsanteils und eine Stärkung der Res-cvven seien unbedingt nötig, aber nach der Bilanz stehe die Genossenschaft noch gut da. Der Mitgliederzuwachs aus den Kreisen der Beamten und der Staatsarbeiter sei. obwohl seit der Novemberrevolution für sie alle-Äedenken und Hindernisse gefallen sind, noch nicht erheblich gewesen. Während des Referates machte sich eine wachsende Unruhe bemerkbar, bcrvorgerufen durch die Ueberfüllung des Saales, gegen die in Zwischenrufen immer wieder Abhilfe verlangt wurde. Ein Antrag, zu vertagen und eine neue Versammlung nach einem größeren Saal einzube- rufen, wurde abgelehnt. Den Vorschlag, daß die zur Galerie zu- gelassenen Zribörer den stimmberechtigten Genossenschaftsmitgliedern Platz machen sollten, wies der Vorsitzende Lange als schwer durchführbar ab. Es sei, meinte er, sehr fraglich, ob die Zuhörer gehen würden. Die letzten Tische wurden aus dem Saal hinaus- geschafft, aber auch das befriedigte nicht. Ein Versammlungsteil- nehm« bemängelte, daß in einer durch den„Vorwärts" veröffent- lichten, zum Besuch der Versammlung mahnenden Notiz„5 Uhr" angegeben worden sei. sLärm.) Der Vorsitzende erwiderte: Vor- stand und Ausstchtsrat stehen dem völlig fern. Wir können die „Vorwärts"-Leser nicht Krthrn, hier um 5 Uhr ein« Versammlung einzuberufen. Ich glaube, daß wir uns noch in einer Ver- s a m m l u n g der„V o r w ä r t S"- L e s e r befinden.(Gelächter.l (Hiernach scheint der Vorsitzende Paul Lange der Ueberzeugung gewesen zu sein, daß in dieser KonsumgenossenschastS-Generalver- sammlung die Leser des„Vorwärts" und Mitglieder der S. P. D. die Mehrheit hwten. Red. d.„Borw") Zu einer stürmischen Szene kam eS, als Genosse 28 u schick aus die Tribüne eilte und«gen diese Behandlung der Angelegenheit Ein- spruch erheben wollte. Unter anhaltendem Lärm sprachen ein paar Redner zur Geschäftsordnung, ohne daß sie sich verständlich machen konnten. Ein neuer Antrag auf Vertagung wurde da- mit begründet, daß der„Vorwärts"„zu ö Uhr eingeladen" habe. Vors. Lange: Zunächst muß die Versammlung der„Vorwärts"- Leser mal geräumt werden zugunsten der Konfumgenossen- schaftsinitglieder.(Wie wenn nicht auch die anwesenden„Vor- wärt s"- Leser selber Konsumgenossenschastsmitglieder wären I Selbstverständlich wird in'den Generalversammlungen durch strenge Kontrolle dafür gesorgt, daß nur Mitglieder der Genossenschaft an den Verhandlungen teilnehmen können. Red. d.„Vorw.") Vorstandsmitglied M i r u s: So können wir die Gcsckäfte nicht füh- ren. Bei den Wahlen wäre es kaum möglich, die Stimmzetiel ein- zusammeln. Wir müssen vertagen.(Lärmende Zustimmung und Widerspruch.) Die Leidenschast ist ein schlechter Berater. Wir sind heute verhandlungsunsähig. In der Abstimmung wurde jetzt die 2i e r t a g u n g b e s ck> l o s s e n. Unter großer Unruhe der zum Aufbruch sick anschickenden Versammlung forderte ein Teilnehmer die Mitglieder der S. P. T. aus. noch zusammenzu- bleiben. Von der anderen Seite antwortete erregter Widerspruch und Lärm, der sich noch steigerte, als Genosse W u s ch i ck sich Ge- hör zu verschaffen suchte. Lange dauerte es, bis die Wogen der Erregung sich legten und der Saal sich leerte. Eittsteliung des Autoomnibus-Betriebs. Die Allgemeine Berliner Omuibus-Akncngesellschaft ist ge. nötigt, ihren Kraftomnibusbetrieb jeder Art am Freitag, den 31. Oktober vollständig einzustellen. Sie mutzte deshalb auch dem gesamten Personal ihrer Kraftwagen- hauptiverkstätte kündigen. Die Fahrer und Schaffner des Kraft- betriebS werden im P f e r d e b e t r i c b weiter beschäftigt. Die Arbeitsgelegenheit des gesamten Personals verringert sich da- durch aber in dem entsprechendem Umfange. Der einzige Grund der Einstellung des Autobetriebes ist der Mangel a» Betriebsstoff. Auf die amtliche Mitteilung, daß ein« ausreichende Belieferung nicht mehr möglich ist, hat die Gesellschaft sich angelegentlich bei dem zuständigen Reichs- und Staatsministcrium bemüht, aber wegen der geringen Erzeugung ohne Erfolg. Die Stillegung ist um so bedauerlicher, als die Lieferung von neu bestellten Kraftwagen bevorsteht. SSann der Autvbetrieb«iederaufgenommeu werden kann, läßt sich noch nicht übersehen. ES besteht jedoch Aussicht auf geringe Mengen ausländischer Ware. Bei dem Tiefstand deS Wertes unseres Geldes wird sich aber der Preis dieses Ersatzes sehr hoch stellen, so daß eine Erhöhung der jetzigen Fahrpreise nicht zu umgehen sein wird, um zu versuchen, wenigstens die Selbstkosten zu decken._ Sitzung des Teltower Kreistags. Nach der Einführung eines neu eintreienden Abgeordneten wurde die Wahl der Amtsvoisteber und Stellverireter vorgenommen. Es wurde zunächst über die Vorschläge abgestimmt, auf welche sich der Wahlausschuß geeinigt hatte. Bei der Wahl sür�den Bezirk Ali-Glienicke wurden von der unabhängigen Fraktion plötzlich andere Kandidaten in Vorschlag gebracht. Es kam zu einer lebhaften Debatte, nachdem H e r b st(S. P. D.) eine Darstellung über die wiederholten Verhandlungen vor der Wahl gegeben � batte. Danach ist die Fraktion der S. P. D. an die Unabhängigen bcrangeireten, um diese zu einer gemeinsamen Liste aufzufordern. Da eine Majorität nur unter Einschluß der Demokraten zu erzielen war, sollten auch dieie mit einbezogen werden. Die U.S. P. halte daiauf geantwortet, sie müsse ein gemeinsames Vorgehen mit einer bürgerlichen Partei ablehnen, sie halten aber auch nicht die Abficht, eigene Kandidaten aufzustellen, da ihnen solche nicht zur Verfügung ständen. Auf die Frage, ob sie die Kandidaten der S. P. D. unierstützen würden, wurde geantwortet, sie müßten sich die cinzetzicu Kandidaten ansehen. Von den unabhängigen Rednern PeterS und N e u m a n n wurde diese Darstellung zunächst bestritten. G u t s ch m i d t(S. P D.) konnte demgegenüber darauf hinweisen, daß der unabhängige Reumann bei der letzten Verhandlungssitzung erklärt hat, er werde zum Beispiel,«rnu in «iuem Bezirk Herr». Strachwitz und Herr Roste kaudidirre. für Herrn von Strachwitz stimmen. Diese Darstellung erregle stürmische Heiter« keit und Zurufe. Sie wurde zum Schluß von Neumann zugegeben. Während der Debatte eulichiüpfic Peters(U. S. P.) das Gestand- uis, daß sie die soeben a u s g e st e l l t e n K a u d i d a t e n nur zum Schein aufgestellt haben, um daS volksverräterrsch« Treiben der S. P. D. zu kennzeichnen. Dieses Geständnis wurde unter stürmischem Beifall des HauseS von den nachfolgenden Rednern angenagelt. Erst lehnien es die Unabhängigen ab, eigene Kandidalenauszu stellen underklären, sie hätten keine Kandidaten, dann wollten sie für einen Reaktionär wie Herrn von Strachwitz ftiinmenundichlteßlichstellensieSchelnkandidaten auf, um diejenigen zu verdächtigen, welche verhüten, das durchweg reaktionäceAmtsvorsteber gewählt werden. Zu einer eigentlichen Wahlbandlung kam es nur bei den Amtsbezirken Ziethen, Lüdersdorj, Gloß-Kierny und Rudow, in denen überall jozialdemokralische Aiutsoorlteher gcwähll Ivuiden Das Gesamirehiltal ergab die Wahl sämtlicher von der Fraktion der S. P. D. vorgeschlagenen Kandidaten. Von 30 Amlsbezirken werden daduich 17 Amtsbezirke mit den von der Fraktion der S. P. D. vorgeschlagknen Kandidaten als AmlSvorsteber und 16 Bezirke mit dem Posten des AmtSvorüeber« Stellvertreters beietzt Bon den Demokraten wurden o AmtSvorsteher und 1 Stellvertreter gewählt. In längeren AuZsiibrunge» begründet PeterS eine Jnlerpcllation der unabhängigen Fraktion über die Weigerung der Landwirte, Lebensmittel abzulieiern. Auf die Interpellation erwiderte der Londrot, die Broigetreideabgabe fei in dieiem Jahre wesentlich stärker erfolgt al« im Vorjabre. Die Kartoffel- belieferung der Gemeinden sei mangelhaft infolge Waggonmangel. Er sei bereit, gegen Beamte, welche die Zwangswirtschaft diskredi- tieren, vorzugeben, wenn ihm Angaben gemacht werden würden. Ebenso gegen die Landwirte, welche ihrer Ablieferungspflicht nicht nachkommen. Der von Herrn Peters angeführte einzige Fall im Kreiie liege so, daß die Landwirte eine Abschätz»ngskommiision nicht anerkennen wollten. Diesen Einspruch haben die Beireffenden nach Verhandlung zurückgezogen. Meyer(J0 Liter Sprit, 11 Faß Talg, 3 Ballen Tabak uiw. gestohlen worden find und der Eisenbahn durch diese Diebstähle, die durch die Mitwirkung der eigens zur Ueberwachung des Güterbahnhofes bestellten Beamten auch noch begünstigt worden sind, e i n sehr beträchtlicher Schaden erwachsen worden ist. Treptow- Sternwarte./zö Uhr in Bütluers Festiäleii, Schwedter Str. 23/24. Neuwahl des Bezirksleiters. Mitgliedskarte Ausweis. Soziales. Erwerbsloseufürsorge. Durch Verordnung des ReichsarbeitSministeriumS vom 27. Ok- lober ist unler anderem bestimmt, daß an Erwerbslose, die das 13. Lebensjahr vollendet und in den vorhergehenden 3 Monaten an m i n d e st e n s 60 Tagen die volle Erwerbslolenunterslützuiig bezogen haben, in der Zeit vom 1. November ISIS bis 31. März 1920 eine Winterbeihilfe gewährt werden kann. Der Monatsbetrag für Erwerbslose mit Familie beträgt den vierfachen Tages« satz der Unter st ützung einschließlich der Famtlienzuschläge, bei den übrigen Erwerbslosen den dreifachen T a g e s s a tz der Unterstützung. Die Winterbeihilfe ist monatS weise zu ge- währen und zwar in der Regel nicht in bar. sondern in Sach- leistungen. Ferner wird in der neuen Verordnung die Möglichkeit geschaffen, an Gemeinden, die die sogenannte produktive Erwerbs- losenfürsorge einführen, Zuschüsse aus Reichs- und Staatsmitteln zu leisten_ fius aller Welt. Tie Eisenbahngaiincrcien., In Frankfurt am Main ver- schwanden in den letzten Tagelt vom Haupbahnhofe vier Waggons mit Waren, davon einer mit Kaffee, zwei mit Kakao und einer mit Lcder, nachdem schon vor ein igen Tagen ein Waggon Kaffee, der einen Wert von 230 000 M. besaß, ausgeraubt worden war..Die Waggons sind durch falsche Bezett-lirng, Beseitigung der Origiiialfrachtbriefe und Unterschiebung falscher Briefe von Schi«- bern und Spitzbubeu nach kleinen Bahnhöfen der Umgebung Frank- furts verschoben lvordeu, wo sie dann bestohlen wurden. Dies konnte nur mit Hilfe bestochener Eisenbahnbeamten geschehen. Die Polizei verhaftete den Wirt Josef Haindl, fenier drei ehemalige Angehörige de» Marinesicherheitsdienstes und eine Anzahl Eisen- bahuer. Schnee im Gebirge. Aeußerst starker Schneesall ist im ganzen Ricien- und Ji'ergebirge und im ganzen Hirschberger Tal einge- treten. Der Schnee liegt ini Tal bereits fußhoch und in den im Blätterschmuck dastehenden Obstgärten ist noch mancherlei Schaden angerichtet. Deutsche sterben in Frankreich. Eine französische Meldung sagt: Bei einer Explosion von Munition in Valencieuueö wurden Eiche verflossener Woche eine Anzahl(!) deutscher Kriegs- gefangener getötet. SSetteranSftchteu für das mittlere Norddeutschlaud bis Tonnabend mittag. Ziemlich kalt, zunächst noch überwsegend trübe oder nebelig mit leichten Niederschlägen, später, besonders im Norden, zeitweise aujklarend. öriefkaften der Keüaktion. 3iber für den Briefkasten beMmmten Anfrage füg» man» i n» n Buchstaben und» t n» Nummer bei. Brieflich» Auskunft wich nichi erteilt. Eilig» Au- fragen trage man in der Juristischen Sprechstunde. Lindenstr. S. l. Lok parterre links, vor. Schriktfiücke und Bertriige sind mitzubringen. St. I. 84. 1. Wissen wir nicht; verschasten Sie sick eine Ziebungs- liste. 2. Ja.— B. T.(je. 30. 1. DaS ist zulässig. 2. Etwa 6400 M. 3. Ja, soweit sie noch StaatSaibeiter sind.— F.!.t. Die Ebe ist zulässig. S ie erwerben die Staatszugehörlgleii(Ihres Mannes. Ausreise ist möolich. — Sch. 13. a) Ja, aus Antrag, sofort nach der Berbeiratung. d) Heil- versadren, ev. Rente.— F.<0. 16. 1. u. 2 Marken in einer beliebigen Lobnklasse. auch Üst-Pfennigmarkeii. S. Gesetzlich nicht verboten. 4. Leider nicht.— St. S81S. X. Ja. 2. Unleres ErachlenS nicht. 3. Voraussichtlich ja. 4. Im Gesetz nicht besonders bestimmt. Einmalige. WirtschaktSbeibilfen rechnen unicrcs ErachlenS nicht zum steucrpstichtigeii Einkommen, da mit der Wiederholung nicht zu rechnen ist.— II. S- 76. 1. Ja. 2. Nein. — M. 48. 1. Bczirkskommando, Verjotgungscrtiteilung, Bülowstr. 88. 2. ReichSwehrrrrinistertum, Fürlorgeabte iung. Köntgiir-Augnsta-Str. 38/42 — M. Si. 0. 11, Jnvakidenrentrre.r haben leider keine» Anspruch au' (SrffievB?Io(cjtuittfrftö�u«g.— Frida 74. Falls daZ Denkmal!n feiner Ausführung den Leslünmungen der FriedZbossordnung widerspricht, sind Sie zur Entfernung verpflichtet. Wir empfehlen, mit dem Fiicdboss- Inspektor Rülksprate zu nehmen.— T. B. 3113. Eine dahingehende Gesetzesbestimmung gibt es nicht, im Gegenteil besagt Z KU B.G.B., dag die Vergütung nach Sl b I a u f der Zeitabslände, für die sie vereinbart ist, zu zablen ist. Ast nichts anderes vereinbart, so ist bei monatlichem Ge» halt dieses am Ende des Monats sällig.— P. 7. 1. und 2. Nein. 3. Aa. — M. F. 100. Ihre Frau ist zur Zahlung verpflichtet.— B. G. IS». 1. An die allgemeine Orts- oder Landtinnkenkasse, in deren Bezirt die Wöchnerin wohnt. 2. Wenn das Gesamteinkommen in dem Jahre vor der Nicderiunst den Betrag von 2000 M., der sich für jedes vorhandene Kind unter 15 Jahren um 250 M. erhöht, nicht überstiegen hat.— B. 58. Die erteilte Antwort entspricht dem Gesetz.— Brit» vi. Die HauS- haltungSgegenstände verbleiben sämtlich dem Ehemann, während ihm der übrige'Nachlag zur Hülste gebührt, zur anderen Hülste den Eltern bczw- Geschwistern der Verstorbenen. Kleidungsstücke, Leibwäsche. Schmucksachen, Barvcrmöaen gehören zur Teilungsinasse.— K. B. 1001. 1. U. E. der 28. Juni 191.0. 2. Klage gegen Ihren Hauswirt.— G. M. 11. Ja. — L. L. 3. I. 1. bis 3. Nein. 4. Ja. 5 Nein, da nach Ihrer Dar- stcllung die Gegenstände ja Eigentum Ihres Bruders sind. II. 1. und 2. Nein.— B. 68. 1. Im Falle einer Klage würden Sie allerdings nach- weisen müssen, daß Ihr Bruder zahlungspflichtig ist. Verstreicht geraume Zeit, etwa ein Jahr, so sind Sic u. E. zur Klageerbcbung auch ohne diesen Nachweis berechtigt.— Larrelt III. 1. Berlin, Finanzministerium«per- fönlich). 2. Ersahren Sie dort, cvent. durch Nachfrage beim Auswärtigen Amt. 3. Zurzeit noch zutreffend. ES ist aber eine Abänderung der Be- stimmungc» in Vorbereitung.— W. 40. Entzieht sich unserer Kenntnis. — Vera 12. Die Banken lösen nicht ein; Versuch bei der RcichZbank, oder Verkauf an der Börse zunr Tageskurs.— F. di. 24. Erkundigen Sie sich bei einer größeren Handlung pholographischer Bednrssartitel oder der Agsa, Berlin-Treptow,"Lohmüblenstrahe.— B. Ä. 100. Literatur für Laubenbcsitzer erhallen Sie in der Geschäftsstelle deS Bundes der Laubcnkolonislen, LO 13. Cöpenicker Str. 32a,(Ouergebäude); besonders empsehlenswert das Buch von Hesdörffer.— K. Uns nicht bekannt; sragen Sie beim Bund der KregSbeschädiglcn, Ltndenslr. 114, an. — SÖ. E. M. 5. Zu empfehlen Piaten; für Sg M. zu beziehen durch die Buchhandlung Vorwärts. Gleicblalls empsehlenswert ist Dr. Bock, Der Mensch in gesunden und kranken Tagen.— H. SS. in B. 1. Partei- vorstand. SW 68, Lindenflr. 3, I. Hos. 2. Fragen Sie bei der General- kommission der Gewcrlschastcn, 80 16, Enaelufer 15, an.— M. P. O. Wenden Sie sich an den Magistrat in Neukölln. UnS sind nur Berliner Stiftungen bekannt. Am 28. Oktober verschied nach langem. schwerem Leiden mein lieber, treu- sorgender Mann, mein guter Pater, der Schlosser Fritz Oiibeler Dieflendachstr. 33 im 53. Lebensjahre. 2536 Dies zeigen tiefbelrilbt an ümilie(Zudeler Fritz Gudeler jr. Beerdigung Sonnabend I nachmittags 4 Uhr von der I Halle des neuen Iakobi- ! Kirchhoses, Hermannswaße, aus. Vr.(Lrütsmzx Spezialarzt. Invalidenstraße 35 Ecke Chaussee«traBe am Stettiner Bahnhof.* tO-1.■/;5-V;7. Sonnt, 11—12 Speziatarzt Sanitätsrat Dr. Müller, FrieilfiebstraSe 190 11. Eingang Kronenstraße. Spr. 11-1, 5-7, Sonnl. 11-1. Erfolgreiche Heilmethode., Harn- und Blutuntersucbung. Spezialarzt Dr.ffieö.Wockenfuß FrieilriEliSlr. 125 CÄ Spr. II— I, 6— 8, Sonnt. II— 1 Erfolgreiche Behandlung Harn- u.BIuiuntersQcbnng liHr Deseitipt D�vfhrsHaussalbe ied. hautausschU Flecht., tiautjuck., bes. Belnschad., Krampfadern der Frauen u.qergl. in Originaldosen d 25. Ii 75 erhältlich in der „Eleiamcn- Apotheke" Berlin 213, Leipziger StraBe 74(a. 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Pr.«Rosenau, Aw eider Allee 113-115, vormittags 9 Uhr beginnend, eine öfiemiiehe Versteigerung von ca. 8 Personenkraftwagen „ 86 Lastkraftwagen 13 Anhängern tür Lastkraftwagen „ 3 verschiedenen Motoren „ 450 verschiedenen Wagenfedern „ 10 tragbaren Scheinwerfern ,, 6 Spirituslampen „ 130 Kühlerdecken „ 23 Wagenplanen 124 verschiedenen Magneten, reparierten und unreparierten n 76 Vollgummireifen, brauchbaren und Altmaterial „ 12 Stahlbändern .. 123 gefederten Bereifungen für Pkws. „ 13 Sembustoreifen sowie verschiedener anderer) Geräte, von Kraftfahrformationen herrührend: Gießkannen, Spritzenschläuche, Eisen- u. Holzfässer, Scnneeketteu statt 128/17 Genaues Verzeichnis der Versteigerungsobiekte nebst Versteigerungsbesiimmungen sind vom 31. Oktober 1919 von der Filiale zu haben. Die zur Versteigerung bestimmten Gegenstände können am 10, und n. November>919 von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags besichtigt werden. Jeder, der am 10. und 11. November 1919 und an den Tagen der Versteigerung das Gelände betreten will, hat eine BieiekauiF n von 500 Mk. In bar zu hinterlegen. Hierfür wird im Filialgeschäftszimmer cm Ausweis ausgegeben, welcher zum tintritt während der Besichtigungs- und Versteigerungstage berechtigt. Die Bezahlung der gesteigerten Objekte muß sofort erfolgen. Es wird nur deutsche Reichswährung angenommen. Kriegsanleihe wird nur von solchen Käufern in Zahlung genommen, die den lückenlosen Nachweis liefern, daß die in Zahlung angebotenen Stücke aus ihren eigenen Zeichnungen herrühren. Der Nachweis ist den Stücken beizufügen. Er ist eine eidesstattliche Erklärung der Zeichnungsoder Vermittlungsstelle unter genauer Nummernaufgabe auf den vorgeschriebenen Vordrucken beizubringen. An Zahlungsstatt werden angenommen und berechnet: 1. Zum Nennwert: a) die 5 prozentigen Schuldverschreibungen aller Kriegsanleihen ohne Unterschied, b) die 5 prozentigen Schatzanweisungen der f., 2. und 3. Kriegsanleihe, c) die 4V2 Prozent Schatzanwelsungen der 4., 7, 8. und 9. Kriegsanleihe; 2. zu 96V, Prozent: d) die 4Vt prozentigen Schatzanweisungen der 4. und 5 Kriegsanleihe, Ausgabe 1916. Der laufende Zinsschein ist vom Einzahler abzutrennen, er hat die Stückzinsen vom Zahlungstage bis zum Fälligkeitstage des ihm verbleibenden Zinsscheines in bar zu zahlen. Könlsaberx L Pr., den 24. Oktober 1919. Reichsverwertungsamt. Verkaufsabteilung für Automobilwesen (Vanbil) Filiale Königsberg i. Pr.-Rosenan. Bemerkung 1 Es ist erwünscht und den Käufern gestattet, vor Beginn(in den Geschäftsräumen der Deutschen Ban«, Filiale Königsberg i.Pr., Kneiph. Langgasse 1—4, und während der Versteigerung bei der Veistcigerungszahlstelle) eine Summe zu hinterlegen, auf Grund deren die Kauflustigen berechtigt sind, bis zur Höhe dieses Betrages zu steigern. Diese Summe darf nicht überzo en werden. Wer keinen Betrag hinterlegt, hat jedes Los unverzüglich nach dem erfolgten Zuschlag bei der Versteigerungsstelle zu bezahlen. Obstverkauf geschloffen Rittergut Osdorf, KunstspieloPianos und Plfigel Vlrtuola ermöglichen gleichzeitige Wiedergabe der Stücke nach Auffassung d. Künstlers u. Selbstnuancierung. Römhildt A.»G.- Le-,pll*er-str,ße Telephon: Kurfürst gozz «-IM i® % eigene Fabrikatton, nur crstklass.(Sarmitie-Wcrke, in jeder gewünschten Aus- führung offerieren billigst Gedk.Nlle. IS Berlin, Kochstraste 11. Nr. 51. Letzte Neuheit, Tropfsystem f Stets sauber, außerordentlich leicht zum Füllen und Reinigen, nach neuem Patent, mit Milchglasglocke. Preis 29,50 M. Karbidlampen die Hilfe in der Lichtnot! Neue Muster wieder eingetroffen Tischlampen Kücbenlampen Hängelampen in allen Anskübrangen.aucb in Messing plattiert. Verkaol zo Fabrikpreisen! ■n■ Qeschgftszelt von 9—6. r< Fabrikniederlage Franz Borowiez Jletall waren Berlin SO 26, Waldemarstr. 27. Amt Moritzplatz 4675, 4676. 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Zlovember, nachmittags 4 Ahr. in gehlendorl, Pots- damer Stt 2o bei Mifiey statt. Der Aussichtsrat. W. Jakob, Vorsitzender. Brunnenstr.I74,nurnep Qold- gesch. Busse. Friedrichstr. 11, flr.Frankf.Str.112 neb. landorf. Invalidenstr. 164. Cognac! Endlich ein guter, zuckergesüßt., preiswerter, krältlgcr Likör: Körners Original Stonsdorler Zuckergesüßter Sekt,* Echt Schwarze Steinhäger, kräftig. Vorzügl.Rotweine. Süßer Obstschaumwein, Süßer Maitrank, Fl. 3, 5 Mk. Vorzügl. blll. Bowlenweine. Auswärtige Dreeiislerei nimmt noch Ansfräge in Holz» und Horndrvhereicn aller Art entgegen. Aug. Knötzsch, Bitterfeld i. So. Dr. jur. Rft»., 27, cn., Organisator, vorgebildet, sucht baldmöglichst entsprechende Beschästigung.— Offerten unter 0. 39 Haupt» exp ed ition„Botwärt»" erbeten. ■Lömbard-flaus� ? H.üraff.Leipz. Str. 7511 5 — Höchste Beleihung g. =« Diskrete Reellste m s JL(ielegcnheils- x c ÄTl\ käure, LTiren, r« Brillanten, n Schmucksachen. J. 10—50% unt. Ladenpr. 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Stg. nachm.: Die tolle KomtcB. Central-Thcnter 7'/, uhr! Die Fascliingstee. DentsehCH Opernliaa. 7 uhr: La Traviata. Theater„Die Tribüne" 7v. uhr:„Die Wamllfflij" JOdon-TheHtcr 7-�-„II. Ä. W. 0." Stg. z u.: Prinzessin vom MI. t'rtedr.- Willi ein, 7./- uhr. kretehen. Kletnets Theater. vv, uhr-. Helden. Kl. HchauHpIclhau*. B Ep kann niclit DeleWen. Kominche Oper 7V, u: lieheszauber. Stg. 3V.U.: Schwarz« eltimadcl i.natMplclhauK 7V, Uhr: Zum 1. Male! Der GroSslatit-Kavallep. Zletrnp«! Theater. 7 Uhr: Sybiil Sonntag 3U.: Charleys Tante mit Thielscher ük'encis OperettCMhans. 7v,u.:DieBanievoinMas. SehlUer-Thent. Charl. vit uhr: Der HeineiiüiaueF. Thalln-Theiiter 7v,u.:JiinglefSoiinenseliein Th. am X«llcndorf]platB 7'/, Uhr; JDcificfqictYctbfa Theater«Ich WeHteim 7V, u.: Die Frau im Hermelin Sbd. 31/, U.; Max und Moritz. Stg. 3'/« U.: Die lustige Witwe. Theater d. Prledrlchstadt 7V, Uhr; Dr. Stieglitz mit Ruö.Schildkraut Wallner-Thctttcr utlr Eine Ballaacht. Sonntag 3>/« Uhr: Die Seisha mit Mia Werder. »»»»»»»»»»»»»»» » » Ganz Berlin■ brennt » 5 vor ■ Neugierde?■ ■■ «■■■■■■■■■■■■■■ Volksbühne aÄ™.. 7Va Uhr: Paul Lange und Tora Parsberg. Lcssing-Theater Direktion; Victor Barnowsky. 7: Peer Gynt. Sonnabend 7: Zuml.Malel Fränloin Julie. Der grüne Kakadu. (Tilla Durieux, Ilka Urüning, Dagny Servaes, Fritz De ius, Hans Fischer, Eugen Klopfer, Konrad Veidt). Sonntag?>/,: Fräulein Julie. Der grüne Kakadu. Dentsches Kilnstler-Theater Allabendlich 7V, Cyprlenne. (Leopoldine Konstantin, Kurt Götz. Erich Waltet.) CirmSusck Täglich 7V- Uhr: „Aphrodite" T ragiKomisch. Pantomime in 3 Akt v. Paula Busch. Vorher d.gr.Zirkus-Progr. Aicxunderstr. ZI. Täglich 7.30; Spezialitäten u. Varletä. Burleske; in 3 Bilde: n. Residenz- Theater. Untergrundb. Klosierstraüe, Stadtbahn Jannowitzbrücke. i'SS"S 28».Male Das lere Leli. Von Hermann Sudermann. Regie; Alfred Rotter. Erich Kaiser-Titz. Olga Limburg, Harry Liedtke, Rosa Valettl, Manetta Olly, Emma Debner, Uutiold, Mameluk, Brenkendork Sonnabend 4 Uhr, kleine Pr: Ilhnscl und Circtel. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr.: Z. 3S2. Male: Der Rute Ruf. Theat.r am Hottbu,er l.r T L: Muriizplatz 14 814. Jed. Abcn/, ühi: Sitte-Sänger " ü enem. MitglT der Stcttanor Sänger. -iSüimc. ocbni 3 I hr «rmäü Preisetvoll Aüend- Prooramrai 1 Kind frei!• � ßauohtu gestattet blomgen-Konzert. Beg. Uollhr. Yoiverkl. 11— IV» o. 4— 6 Übt ÄilmiFais-Palasl� Allabendlich 8 Uhr: Trianon-Thcater. � Bahnhol Friedrichstraße. Untergrundbahn Friedrichstr. Täglich 7,8 Uhr: Ktesberade. Von Ludwig Fu da. j Regie: Alfred Rotter. Kansl Arnstädt, Eugen Burg, I Käthe Dorsch, Paul Bildt, 1 Ju!. Falkenstein, Hugo Flink, PaulaLevermann. EmmiWyda. Sonnabend 4 Uhr kleine Pr.; Aechciihrötiel. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr.; Johannisfeucr. Rose-Theater. 7V, Uhr: Das Gesetz. IValhalia-Theater. J'i, Uhr. Eine Frau wie Du. Lasivo- Theater Lothringerstraüe. rägi-V«'' U.; Großstadt-Pflanzen Volksstück in 3 Akten. Vorher; Schwarzwaldbüblc. Operettenakt m.Viktorl.itzck. Dazu erstklass. Spc/.ialitäten Stg.7,4: EinsauberesKleeblatt pPOLLO THEATEK Friedrichstraße 218| Dir.: James Klein 7", alhbendl. 7'',' I Sonnt. ß'/o u.»! .Die Weltj lim Jahre! 120001 a Gr.Varlete-A'jsstaft.-S S schau in 5 Bildern.[ | In Szene ges. von Dir. j James Klein. j u.a.: Modenschau! j im Jahre 2000; I 10 Ikarier zu Pferde i I /Akrobatische Spiele/ 1 | Die Lichtfee in der f | Siibergrotte/Tänzc-/ I I Effekte a.d.Jalirc2«(Kji . Senta Süneland ■ Lucie Blattncr \ H. Lamherts-Paulsen I j Alex Stamcr I Hedwig Gitzhe usw 1 1 Sonnt 3'/,{.Erwachs. I 1 Kind freil Kasissriofedeav PÄOLST Da�Ende der Eiuder von Sf. PdUotSj'iuS. SiuartWeM«! Efstfö RsiÄer SchicbcrcJim &€? ZtMSjjpid mii fkuJHädanano ReicJishalL-Tiieatep 7�/, Uhr und(ronntag nad)ni. 3 IIHc: Stettin. Sänger nachm. liolbcTIt. Reich»>)allen-S.: Dftnhoff-Breftl. 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JClMgegenüb.Lebrervereinsh. ■■■■■■■■■■■■■'■¥ ■ ■ Ganz Berlin■ ■ brennt m k vor ■ Neugierde?* deutsche Vol? crufs schwerste schädige. Man hat unsere Schiffe, die die erforderliche Fahrterlaubnis der Miierten hatten, und die wegen Mangel an funkentelegraphischen Einrichtungen nicht recht- zeitig gewarnt werden konnten, in den verschiedensten Teilen der Ostsee festgehalten. Zahlreiche deutsche Schiffe liegen in den deutschen Lstseehäfen fest, unentbehrliche Rohstoffe(Erze usw.) und Lebensmittel, namentlich Fleisch und die in Dänemark gekauf- ten Kartoffeln können nicht herangebracht werden, weil wir keinen Schiffsraum zur Verfügung stellen können. Auch die Kohlen- Versorgung der östlichen Teile Deutschlands kann nicht fortgeführt werden. Die deutsch? Regierung hat zu dieser Blockadematznahme keinen Anlaß gegeben, denn sie hat den Nachweis erbracht, daß sie mit allen Mitteln und größter Energie den Rückzug ihrer Truppen auS dem Baltikum durchzuführen bc- strebt ist. An den Unternehmungen bei Riga waren deutsche militärische Stellen unbeteiligt. „Wenn trotz dieser Sachlage eine Sperr« gegen die deutsche Schiffahrt und weite deutsche Küstenstriche verhängt und dabei so- gar zeitweis« über die nach anerkannten völkerrechtlichen Grundsätzen Deutschland zustehende Gebietshoheit über seine Äüstengewäffer hinweggegangen wurde, so muß die deutsche Regierung geg.n diese ungerechtfertigten Vergeltungsmaßnahmen, durch die zahllose an den Vorgängen im Baltikum gänzlich unbeteiligte Deutsche schwer geschädigt werden, nunmehr feierlichst vor aller Welt Verwahrung einlegen." „Andererseits vermag die deutsche Regierung, worauf von der deutschen Friedensdelegation von vornherein hingewiesen worden ist, irgendwelche militärischen Gründe für den Fortbestawd der drückenden Einschränkungen nicht zu erkennen. Höchstens für eine Absperrung der Küste von der deutschen Grenze bis zur südlichen Grenze FinnlanTS, nicht aber für die Stillegung der ge- samten deutschen Ostseeschiffahrt außerhalb der deutschen Ä ü st e n g e w ä s s e r, könnten Gründe militärischer Art ange- wendet werden. Die deutsche Regierung ersucht daher die alliierten und assoziierten Regierungen nochmals dringend, die Matz- nähme, die bei ihrer Anordnung ausdrücklich als vorübergehend bezeichnet worden ist, nunmehr völlig aufzuheben und Anordnungen zu treffen, daß alle festgehaltenen Sckiiffe, die sich zur Zeit ihrer Festhaltung iu Unkenntnis der angeordneten Sperrung befunden haben, ihren Eigentümer« zurückgegeben werden." « Zwei am 9. Oktober von den Alliierten beschlagnahmte und nach Libau eingebrachte Bremer Seeleichter des Norddeutschen Lloyd mit ihrem Schlepper sind in P i l l a u eingetroffen. Sie bringen etwa 1299 Tonnen Kohlen für Königsberg. Den Schiffen wurde am 28. Ottober in Libau von dem englischen Befshlshaber mitgeteilt, daß die Beschlagnahme aufgehoben sei und sie ihren Bestimmungsort aufsuchen dürften. Die provinziellen Gewalten. Wie sozialistische Lehrer drangsaliert werden, illustriert nachfolgende Zuschrift auS dem schwarzen Münsterlands: Am 12. September d. I. hatte die Schuldeputaticm des Schulverbandes Recklinghausen-Land eine erledigte Lehrerstelle neu zu besetzen. Es handelte sich um eine Stelle an der katholischen Schule zu Bockholt. Der seitherige Inhaber war gestorben. Von den vor- liegenden Bewevbungsschmben fand das des Lehrers L. Berück- sichtigung. Er wurde fast einstimmig gewählt. Nur der Dechant von Recklmghousen stimmte gegen ihn. Lehrer L. vereinbarte mit dem zuständigen Kreisschuliuspektor, die Stelle am 1. November an- zutreten, weil erst zu diesem Zeitpunkt die mit der Stell« verbundene Dienstwohnung durch die Witwe des bisherigen Inhabers geräumt wird. Nichts Böses ahnend, kündigt« der Lehrer L. seinen jetzigen Mietvertrag und traf bereits die Borbereitungen zum Umzug. Doch die Rechnung war ohne den Wirt gemacht, in diesem Falle einige ZentvumSagrarier nebst ihrem geistlichen Beistand. Eine künstliche Setze wurde gegen den sozialistischen Lehrer L. in Szene gesetzt und Vorstellungen bei der Regierung zu Münster erhoben. Am 21. Okiober d. I. hat die Schuldeputation als Antwort auf die künstliche Mache einstimmig— der Dechant war nicht anwesend— erneut festgestellt, daß der Lehrer L. gewählt sei und bleibe, und daß er die Stelle in Bockholt am 1. November antreten solle. Am 22. Ottober morgens traf alsdann die Nachricht der Regie- rung zu Münster ein, die Stelle in B. komme für den Lehrer L. nicht in Frage, da dieselbe als Schulleiterstelle dem Ministerium zur Besetz niig vorbehalten bleibe. den Ton zu regeln. Es bedeutet nicht, daß Wedekind nicht auch sein Pathos gehabt habe. Wer ihn je Szenen seines Lieblingsdramas „So ist das Leben" vortragen hörte, weiß, wie stark es in ihm war; aber es hatte inneren Kraftwert und nichts von bloßem Fassadenschwung. Wedekind setzte sich hart, rücksichtslos, boshaft gegen die Schwächen der vorlaufenden Generation. Daß Gustav Herrmann, der auch die Novelle„Der Brand von Egliswyl"(aus dem Bande„Feuerwerk") vortrug, den Ton Wedekindschen Wesens hörbar gemacht habe, läßt sich nicht behaupten. Er fiel sogar in jenem letztgesprochenen Gedickt in eine Art der Selbstzeichnung, die mit dem erwähnten Ablehnen der Feierlichkeit nicht in Ein- klang war. Aber er liebt offenbar den Dichter, seinen Mannes- drang, Philister trotz, Wirklichkeitsgrift, und dient ihm mit acht- sam ausgerichteter Sprecharbeit. Deren Grenzen zeigten sich an jener Erzählung von dem Bauernknecht, der geivohnt war, daß die Dorftnädchen sich um seine Kammerbesuche rissen, und den dann ein erstes Erleben des Zurückhaltens verwirrt und so ratlos macht, daß er an die Häuser all der willigen, leichtgewonnenen Mädchen den Brand anlegt. Der Erzähler formte kaum mehr als ein Bild des Aeußeren der Vorgänge, unterschätzte aber, daß darauf an- kam, den Bericht eines schlichten Menschen zu geben, und verlor so ein Mittel, die eigentliche Aufgabe zu lösen: gen psychologischen Kern der Vorgänge sichtbar zu machen aus dem Wesen deS Knechts, den Liebeswut in ein Schicksal treibt. Zum Gedächtnis der riisüichcn Revolution findet am 2. November, nachmitlags 4 Ubr, in der Pdilbmmoni« eine Feier statt. Zum Vortrage gelangen Dicklungen rulfischcr Schriftsteller, geleien von Karl de Vogt, und da? Tichailowskyiche Trio: Zinn Gedächtnis eines großen Mannes, auS- gcfübrt von der Triovereinigung Dessau, Sbwarz-Stegmann. Karten bei Harsch, Gewerkichaftshaus, sowie Luisensir. 28. Die Ausstellung für Kultur und Arbeit in cberschleste« wird vielleicht eine Wanderausstellung werden. In Kattowip stillte man sich in einer Beratung unter Vorsitz dcS Oberpräfidenten aus den istaudpuiill, den oberschlefischen Interessen wäre am meisten gedient, wen» die Aus- stellung zunächst nach Berlin überführt würde. Tcheater. Im Deutschen Tbeater findet am nächsten Freitag die Erst- aussührung der Dichtung„IaüiobS Traum" von Richard Beer- H o f m a n n statt. Das Werk wird von Max Reinhardt in Szene gesetzt. Mozart- Abend deS Blüthner- Orchesters. Am 2. November wüten als Solisten mit: Edilha Fleisch«(Sopran) und Konzertmeister Lambinon(Biotine). Sie bringen die Arte„II ro pusrors" für Sopran, Violtnlolo und Orchester zum Vortrag. Dirigent: Paul Schelnpfiug. Die Martin-Brandenburg-Ausstellung im KünsUerhause wird am 2. November, 1t Uhr, eröffnet. Keine Einschränkung des Frauenstudiums. Das Berliner Kartell der Auskunstsstellen für Frauenberufe teilt mit. daß Preffenachrtchten, die eine solche Einschränkung in Aussicht stellten, nichl zutreffen, ich veideiberg ist im iepreu Frühjahr tati schlich die Nemmmatnlulierung von Frauen auf zwei Semester verboten worden; die Verfügung wurde aber Wied« ausge» hoben, als Einspruch geschah. Dazu sei festgestellt: 1. Die Stelle ist nach den übereinstimmen-' den Ansichten der Deputation und der Schulaufsichtsbehörde (Inspektor) eine Lehrerstelle(nicht einmal die erste Lehrerstelle) an einer dreiklassigen Schule, ihre Besetzung daher der Deputation vorbehalten. 2. Der sozialistische Lehrer mutz wieder mal für seine Gesinnung büßen. Was ist zu tun? Die Entscheidung des Ministers anrufen? Ja. wenn der berühmte„Instanzenweg" nicht wäre! Bis die Antwort ans ein entsprechendes Gesuch zurückkommt, sind Mo- nate verstrichen. Am 1. Januar aber ist der betreffende Lehrer ohne Wohnung. Und wohin dann? Das alles sind Fragen, die eine Regierung in Münster nicht berühren. Sie verfügt einfach, zumal wenn es sich„nur" um sozia- listifche Lehrer handelt, unbekümmert um die Not und Bedrängnis der betroffenen Familien. Geöeukf&riften zur Revolution. Die Verlagsbuchhandlung..Vorwärts" läßt soeben eine Schrift von Genossen Friedrich Stampfer erscheinen:„Der 9. No- vember.— Gedenkblätter zu seiner ersten Wiederkehr." Di« zweieinhalb Bogen starke Schrift gibt eine lebendige Tai stellung der dramatischen Vorgänge, die zum Sturz de? Deut- schon Kaiserreichs führten und enthält viel neues Material zu ihrem genaueren Verständnis. Das Ereignis des 9. November wird in seinen historischen Zusammenhängen und in seiner Ve- deutung für den Klassenkampf des Proletariats grundsätzlich beleuchtet. Ein Ausblick auf die späteren Ereignisse, die Ge- fährdungder Revolutionsergebniffe durch die inneren Kämpfe der Arbeiterbewegung, beschließt die Schrift. Der Preis beträgt 1 M „Sturmvögel der Revolution" ist der Titel einer zweiten Broschüre, welche die Verlagsbuchhandlung„Vorwärts" zum ersten Jahrestag der Revolution herausbringt. In ihr wird der Beweis geführt, daß die Sozialdemokradifche Partei nicht u n- tätig die Revolution abgewartet hat, um sich dann an ihre Spitze zu stellen, sondern daß sie die Revolution kommen sah und seit dem Ottober tatttäftig förderte. Schon damals hat sie die Abdankung Wilhelms II. und das Ende der Monarchie verlangt. Das wird durch den Abdruck von Artikeln.der sozialdemokratischen Presse nachgewiesen, d.ie sich auch heute noch durch Frische und re- volutionären Elan auszeichnen. Auch werden bedeutsame Akten- stücke zur Vorgeschichte der Revolution in Erinnerung ge. bracht. Bestellungen auf die Schrift, die Adolph Braun ver- saßt Hai, werden schnell erbeten an die Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 63, Lindenstr. 3. Die Washingtoner Konferenz eröffnet. Der Sekretär des Arbeitsamtes, Wilson, hat die iuter- uatiovale ArbeitSkonfereuz im Name« deS Präsidenten der Bereinigten Staaten eröffnet und erklärt, die Konferenz stelle den ersten gemeinsamen Versuch in der Geschichte dar, das Arbeitsproblem in fortschrittlicher Weise zn behandeln(??). Nuter den Delegierten befanden sich die Vertreter von 36 Ländern. Die"Botschafter und Gesandte» zahlreicher Länder nahmen Ehrenplätze zu beiden Seiten der Präsidententribüne ei«. Obwohl die Vereinigten Staate» wegen des Verbots des Kongreffes nicht offiziell teilnehmen, waren mehrere amerikanische Vertreter, unter ihnen G o m p e r s, anwesend. Genoffe Wissel! reist als Vertreter des Reichöarbeits- Ministeriums nach Washington. Den Vertretern Deutschlands ist bisher noch nicht einmal der Zeitpunkt der Abreise mit- geteilt. Gegen den drohenden Riesenstreik der Bergarbeiter dürfte sich die Regierung des Gesetzes über die Nahrungsmittel- Versorgung nud die Steiukohlenförderung bedienen. Dieses Gesetz bezeichnet die Unterbindung der lebensnotwendigen Arbeiten als Verrat. Bei Eröffnung des Bergarbeiterkongrefles er- klärte der Vorsitzende Lewis, der Kongreß sei nicht zu dem Zweck einberufen worden, um de» Streikbcfehl aufzuheben, sondern um die Streiklänge zn erörtern. Einen Beweis, wie man von allen Seiten sich bereit macht, den Bergarbeiterstreik zu bekämpfen, gibt eine Kundgebung des Präsidenten des Lehrer- Verbandes an sämtliche Jntellektnelle, in der er sie auffordert, die Bücher ruhe» zn lassen und Spaten und Hacke zur Hand zn nehmen. Die Eisenbahner erklärten dem Generaldirektor, daß die Koste» des Ledeusmittelunterhaltes durch die Regicrungsmaß- nahmen keineswegs verringert worden seien, so daß sie auf ihrer Forderung nach höheren Löhnen nach wie vor bestehen müssen. Etwa lOOOOO Mitglieder der Gewerkschaften veranstalteten einen Demonstrationszug durch Washington. I» einer Versammlung erklärte darauf Gompers, das Kapital schmiede ein Komplott, um den Arbeitern eine entscheidende Niederlage zu bereiten. Die Haltung des Stahltrusts �beweise das zur Genüge._ Die Mti- �ungerkonferenz. »Daily Mail" zufolge hat der Staatssekretär des Innern alle Namen auf der Liste der vom Anti-Hungerönot-Komilee einer Konferenz nach London eingeladenen Deutschen und Oesterreicher bis auf die folgende» gestrichen: B e r n st e i n, Professor Brentano. Oppenheimer, Kautsky, Bauer, Ellenbogen und Professor v. Wieser. „Telegraaf" meldet: In Belgien hat die Meldung von der Zu- sommenkunst der Deutschen und Oestcrreicher mit Engländern, die den Zweck verfolge, über die Lebensmittelnot in den Zentralreichen zu verhandeln, Aufsehen erregt, da man darin den Versuch er- blickt, Deutichland von seiner Verpflichtung der Ablieferung der Milchkühe zu entbinden. Die Ablieferung, die am IS. Oktober beginnen mußte, sei immer noch nicht erfolgt. Ein Protest der belgischen Regierung stehe bevor�_ RuMcher Rätekongreß. Tie Sowjct-Regierung hat in Anbetracht der gefährdeten Lage de» 7. Kongreß aller Sowjets auf den 2. Dezember nach Moskau einberufe». Judenitsch berichtet mit gedämpftem Trommrlklang. Der rote Terror ist angeblich noch verschärst worden! es solle« Offiziere wegen unbefriedigender Tätigkeit im Felde verhastet worden sein. Tie englische Regiernng erklärte im Unterhaus, Koltfchak nicht mehr zu unterstütze» und nicht eine zeitlich unbeschränkte Unter- stütznng Tenikins zu beabsichtigen. Tie lettische Regierung beruft acht weitere Jahrgänge ein. Bom estnischen Großgrundbesitz sind bereits 100 000 Hektar ent- eignet, 200 000 weitere sollen im Frühjahr besiedelt werden. 5rau Lorö. Das englische Unterhaus hat mit 171 gegen 84 Stimmen beschlossen, daß künftig auch Frau«» im Hause os Lords Sitz haben können. kleine politische Nachrichten. Münchener Sozialdemokratie gegen Reichswehrgruppenkom- mando. Laut„Münchener Post" haben Aktionsausschuß und Bor st and der sozialdemokratischen Partei München? eine Entschließung angenommen, in der gegen den Erlaß des Gruppenkommandos gegen die Revolutionsfeiern schärfstens Protest erhoben und dessen sofortige Zurücknahme gefordert wird. Ein gleichzeitig ernannter Ausschuß forderte beim Gruppenkommando die Zurücknahme des Erlasses. Ein Ausschuß der Betriebsräte Münchens erhob dort die gleiche Forderung. Der Attentäter Boß, der den Anschlag aus Hanse verüble, befindet sick im Uulerinchungsgeiängnts in Moabit. Die llnlersuckung auf seinen Geisteszustand wird veranlaßt werden. Die Ankinge lautet auf„veriiickien Totichlag". Die weiicren Vernebmungcn de§ Attentäters müssen de» Eindruck veistärken, daß es sick»ichr nur um einen geistig minderwertigen, jondein sogar um einen geistes- gestörten Menstben handelt. Zur Noskc-Rcde vom Mittwoch bemängelt die„Freibeii", daß wir--- denselben Beiicht gebracht haben wie sie. Hat man Worte?! Sie bringt nachträglich einen auS'ühriicheren Bericht und papageit wieder, wir müßien ihn nachdrucken. Sieh mal an: sonst ist sie gegen den„parlameniaiiichen Kretinismus" und setzt kann sie von Parlamentsberichten nichr genug kriegen. Uns aber genügen sie und wir sagen mit dem Münchener:„Mir war's g'nua".— Wir wollen aber leibst der„Fr." gegenüber so loyal sein, mitzuterien, daß sie erklärt, die Rede Heeringens abgedruckt zu haben. Die Deutschbürgerliche» in Posen haben sich zu einer„Deutschen Partei" vereinigt. Preßfteihrit in Polen. Im„Kujawischen Boten" vom 24. Oktober finden wir eine ganze Reibe weißer Stellen. Am meisten amüiant ist es, daß mehrere Stellen aus einem Artikel gestrichen sind, der in harmlo-er Weise im Plauderton schildert, wie sich die Ver- Hältnisse in den Restaurants der Stadt Poien ungüiistig gestaltet haben, wo die Preiie steigen, und in der Lebensmitielveriorgung überhaupt. Die polnische Zensur streicht al>o den deutschen Blättern die barmlosesten Sachen. Würde die deutsche Zensur ähnlich vor- aeben, so hätten die polnischen Zeitungen in Westpreußen seit einem Jahr kaum»och 190 Zeilen drucken können. Der Ausschuß zur Förderung der deutschen Sparprämien- anleihe veröffentlicht einen Aufruf zur Zeichnung der Anlerhe, die in den nächsten Wochen aufgelegt wird. Der Aufruf weiß darauf hin. daß der deutsche Sparer mit der Zeichnung die?lussicht auf große Losgewinne ohne jede Gefährdung des Einsatzes er- hält. Er fordert das gesamte deutsche Volk auf, zum Wiederaus- bau der gesamten Volkswirtschaft und zur Wiederherstellung deS ausländischen Vertrauens in die deutsche Wirtschaft für die Zeich- nung der Anleihe einzutreten. Der Tiefstand der Valuta. Die deutsche Valuta hat wieder ein- mal einen Tiefenrekord erreicht. 199 M. kosten heute nur noch 18 schweizer Franken oder 8,59 holländische Gulden, und das. ob- wohl alle Anzeichen für ein Wiedererwachen deS Arbeitswillens und eine, wenn auch noch geringe, Steigerung der Produktion in Deutsch- land vorhanden sind. Ob es allmählich den„Praktikern" dämmert, daß hier Spekulationsmomente mitspielen, die mit dein berühmten „Vertrauen in die deutsche Wirtschaft" nichts zu tun haben? StaStverorönetenverfammlung. Die Wahl der unbesoldeten Stadträte. Vom Gewerkschaftsbund der Ange st eilten ist eine Einladung zu einer am 5. November stattfindender, Versammlung eingegangen, in welcher über daö Betriebsrätegesetz referiert und diskutiert werden soll. Der Vorsteher Dr, Wehl fragt Brück- nex(Soz.), ob er die Stadtverordnetenversammlung vertreten will; 'der Beftagte verneint, da er kein Interesse habe, die „Gelben" zu besuchen. Die städtischen Zuwendungen an einzelne gemeinnützige Ver- eine sollen erhöht, eine Anzahl neuer derartiger Zuwendungen vollzogen werden. Die bezüglichen Eingaben werden dem Ans- schütz zurückgegeben. In Erweiterung der Anträge der beiden soz. Fraktionen wird beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, 50 090(statt wie beantragt 25 999) Mark zur Verfügung zu stellen, aus welchen Fonds Ver- gütungen an diejenigen Arbeiter, Angestellten und Beamten der städtischen Werke und Verwaltung gezahlt werden, die p r a i- tisch verwendbare, technische oder organisatorische Anre- gun gen geben, welche die Ausgaben verringern. Mit 5 gegen 3 Stimmen ist in der Ausschußberatung der Antrag Wehl, den Magistrat um Uebernahme aller in den städtischen Betrieben vorkommenden Jsolierungsarbeiten sowie der Beschaffung des hierzu notwendigen Materials in städtische Regie zu ersuchen, angenommen worden. In der heutigen Beratung bekämpft ihn Fuhrmann(Dem.) init großer Lebhaftigkeit als einen Schritt auf dem Wege zur Vernich- tung des Mittelstandes. Der Vertreter der Bürgerliche» Vereinigung gibt ein« gleiche ab-ehnende Erklärung ab. Der Antrag wird mit den Stimmen der beiden soz. Fraktionen zum Beschluß erhoben. Die Erhöhung der Kanal, sati on s geb ühr um ein halbes Prozent auf 2M, Prozent des Grundstücknutzungsweri es ist vom Ausschusse einstimmig gutgeheißen worden. Gegen de» Einspruch und gegen die Stimmen der Bg. Bgg. wird entsprechend beschlossen. Hierauf wird in gemeinschaftlicher Sitzung beider städtischen Behörden unter Vorsitz deS Bürgermeisters Dr. Reicks die Wahl von 8 Mitgliedern und 8 Stellvertretern für den St euer aus- schuß der Gewerbesteuerklasse I des BeranlagungSbezirkS Berlin für 1920— 1922 vorgenommen. Im Anschluß daran schreitet das Haus zur Wahl von 18»nbesoldeten Stadträten. Eingegangen sind Wahlvorschläge von den 11.©03., den Soz., der Demokratischen Partei, der Bürgerlichen Vereinigung und vom Zentrum. Die Listen der Demokraten und des Zentrunis sind ver- irnnden. Das Wahlergebnis ist folgendes: Von 149 Stimmen entfallen auf die Liste Fröhlich(Soz.) 44, auf Lifte Seckelfohn (U. Soz.) ebenfalls 44, auf die Lifte Wege(Bg. Vgg) 29, auf die Liste Maas(Dem.) 28, auf die Liste Esdevs(Zentril 8 Stimmen. 1 Stimme war ungültig. Gewählt sind: Bon den Sozialdemokraten Fröhlich. Koblenzerz Kunze. Pötzsch, Ritter; wiedergeiväbli Stadtrat Sassenbach. Von der ll. S. P. Stadtra: Seckelfohn(wiedergewählt), Wurm, Frau Clara Wehl, Hintze. Ranke, Weise. Von den Demokraten die Stadträte Maas und Wie wer(wiedergewählt), Rosenow. Von der Bg. Bgg. Wege(Dnat. Vp.), Benecke(D. Vp.). Vom Zentrum Direktor ESderS. Die Wahl von 226 Bürgerdeputierten wird durch Atkla- m a t i o n vollzogen. Unter den neuen Magistratsvorlagen befindet sich auck diejenige betreffend Ankauf eines Röntgen- apparats für das V ir ch o w- K r a n k e n ha u s. Dr. Weyl bringt hierbei zur Sprache, daß Röntgenanfnähmen in nnse- ren Krankenlstiufern anscheinend nicht zu jeder Tages- und Nacht- zeit vorgenommen werden können. Stadtmedizinalrat Dr. W e- her erklärt solche Notwendigkeiten zur Nachtzeit als sehr seltene Ausnahmefälle. Dr. Weyl wünscht dringend, daß in dringenden Fällen auch die Chefärzte nachts eventuell telephonisch erreichbar sein sollen.— Ter Ankauf wird beschlossen. Die Vorlage wegen Erhebung eines Zuschlags von 1 Proz. zur Grunderwerbsstener wird nach längerer Aussprache angenommen. GewerffchaflsbewMng Der Kampf in öer Metallinüustrie. � Nachdem die Einigungsverhdndlungen zu einem Aus gleich der wirtschaftlichen Streitfragen geführt, drohen die selben an der Frage der Arbeiterausschüsse zu scheitern. Die Arbeitgeber haben am 29. Oktober einen Vorschlag gcniacht wonach sie die Arbeiter nach Maßgabe der Arbeitsverhältnisse mit möglichster Beschleunigung Uncder einstellen. Vor dem 15. Dezeinber darf der Platz eines aus Anlaß des Streiks noch) arbeitslosen Arbeiters nicht durch betriebsfremde Arbeiter besetzt werden. Die A r b e i t e r r a ts m i t g l i e der, die nicht entlassen wurden, sollen ihre Tätigkeit sofort wieder auf- nehmen. An Stelle der Entlassenen/ treten Stellvertreter. Wenn die gesetzliche Zahl der Arbeiterratsmitglieder nicht vorhanden ist, findet eine Neuwahl statt. Die Unternehmer gehen von der Voraussetzung aus, daß das Amt des Arbeiterausschußmitgliedes mit dem Ausscheiden .aus der Beschäftigung erlischt und daß daher für sie keine Verpflichtung besteht, zwischen Arbeiterratsmitgliedern und sonstigen Arbeitern in der Frage sofortiger Wiedcrbeschästi guug Unterschiede zu machen. Die Unternehmer betonen weiter, daß die Arbeitemus schüsse in ibrer gegenwärtigen Zusammensetzung das Ver trauen der Arbeitnehmer nicht mehr finden. Diese Auffassung der Unternehmer hat den entschiedensten Widerstand der Streikleitung gefunden. Es wird aus dieser Haltung der Unternehmer gefolgert, daß es ihnen nunmehr nur den aus ankomme, die mißliebigen Ärbeiterräte los zu werden,«o sehr wir in den letzten Monaten über das Ver halten zahlreicher unabhängig-konnnunistischer Arbeiteraus schüsse Klage zu führen hatten, möchten wir uns doch ganz entschieden dagegen wenden, wenn ihnen aus Anlaß dieses Streiks durch die Unternehmer das Lebenslicht ausgeblasen werden' sollte. Wir haben das felsenfeste Vertrauen, daß die wiedereintretcnde Selbstbesinnung der Arbeiterschaft an dem zuweilen allen sozialistische» Grundsätzen ins Gesicht schlagenden Verhalten eines wilden Radikalismus eine heilsame Korrektur vornehmen wird. Das, was�die Unternehmer aber in einem für sie günstig scheinenden Stadium des Kampfes durchsetzen wollen, muß die gesamte Arbeiterklasse gegen sie ausbringen. Sie erblickt in diesen Forderungen der Unternehmer die An- Haftung eines durch die revolutionäre Umwälzung geschaffenen Rechtes. Ein Attentat auf dieses Recht würde den nun bereits sechs Wochen dauernden Kampf auf eine noch breitere Basis stellen zum unermeßlichen Schaden unserer gesamten Volks- Wirtschaft. Wir mahnen daher die Unternehmer dringend zur Einkehr und fordern die Wiedereinstellnng der Arbcsterrats- Mitglieder. Andererseits müssen wir aber auch verlangen, daß jene Kreise in der Arbeiterschaft, die so schnell das Wort General- streik in die Oeffentlichkeit schleudern und denen jede Gelegen- heit günstig zu sein scheint, ibre ersehnte Räteherrschaft zu etablieren, nicht tonangebend in einem Kampfe sind, in welchem Besonnenheit und gewerkschaftliche Erfahrung ganz besonders am Platze sind. Wir richten diese Mahnung m> die Arbeiterschaft selbst auf die Gefahr hin, von der„Freiheit" erneut verdächtigt zu werden. * Bericht der Streikleitung. In der„B. Z." vom Donnerstag, den 30. Oktober, wird in einem Artikel:„Treibereien im ivtetallarbciterstreik" behauptet: „Im Vcvband der Berliner Metallindustriellan denkt niemand daran, die Rechte der Arbeiter irgendwie zu beeinträchtigen." Dom- gegenüber stellen wir fest: 1. Tie Arbeitgeber find bereit, die Ar- beitercmsschüsse, soweit dieselben nicht entlassen sind, ihre Funktio- neu aufnehmen zu lassen. 2. In den Betrieben, in denen die Ar- beiterausschüsse entlassen sind, sollen die Stellvertreter die Funktio- neu übernehmen. 3. In den Betrieben, in denen weder Arbeiter- ausschußmitglieder noch Stellvertreter vorhanden sind, sollen sich die Arbeiter des Betriebes freie Kommissionen wählen, die die Jnter- essen der Arbeiter vertreten, die Obliegenheiten der Arbeitcraus- schußmitglieder ausüben. Zum Punkt 3 stellten wir durch Fragen fest, daß diese Wahlen nur von den in den Betrieben Beschäftigten vorgenommen werden sollten. Der Zeitpunkt, wann diese Wablcn vorgenommen werden sollen, bleibt der Arbeiterschaft überlassen. Die streikenden Arbeiter der Betriebe sollten also von den Wahlen ausgeschloffen sein. Aus deen oben Gesagten geht klar und deutlich hervor, daß es den Unternehmern darum zu tun ist, die Rechte der Arbeiter in den Betrieben selbst zu schmälern. Unsere Forderung, den streikenden Arbeitern bei der Wiederaufliahme der Arbeit dieselben Rechte zu gewähren, wie sie diese beim Ausbruch des Streiks in den Betrieben hatten, wird in keiner Weise berücksichtigt. In den einzelnen Betrieben hatten die Arbeiter über die ihnen zustehenden gesetzlichen noch weitere mit den Unternehmern ver- eiirbarte Rechte. So waren in den Betrieben Arbeiter- und Be- triebsräte vorhanden, ohne daß für diese Vertretungen der Arbeiter eine gesetzliche Grundlage bestand. Diese üblen bisher unbean- standet ihre Funktionen aus. Das ist der Gruild, warum die Fünf- zehnerkommission und die Obleutekonserenz nicht auf die Vorschläge der Unternehmer zur Wiederaufnahme der Arbeit eingeben können. Weiter sagt der oben angezogene Artikel der„B. Z.", daß eine neue Streikaktion ans Kosten der Arbeiterschaft entfesselt werden soll, um Neutvahlen der Betriebsräte(gemeint sind wohl die Ar- beiterauSschüffe) zu verhindern. Wir erklären ausdrücklich, wir sind uns de» Vertrauens der Arbeiterschaft so geioiß, daß wir uissern Arbeiterausschüssen, Betriebs- und Arbeiterräten auch dann empfehlen würden, sich einer Neuwahl zu unterwerfen, wenn nur von einer Mmorität des Betriebs der Wunsch nach Neuwahlen nach Wiederaufnahme der Arbeit ausgesprochen werden würde. Aus Raummangel sind imr leider nicht in der Lage, im Rahmen der tag- lichen Berichte der Stveikleituiigen, die uns von allen Seiten zu- gehenden Vertrauenskundgebungen veröffentlichen zu können. Am Donnerstag haben Vorbesprechungen der von der Fünf- zehnerkommission eingesetzten Kommission mit den Parteileitungen stattgefunden. Eine weitere gemeinsame Sitzung der Fünfzehner- kommission und des Ausschusses der Berliner Gewerkschaftskom- Mission sotvie der Vertreter der Parteileitungen wird Freilagnach- mittag stattfinden. Eine Konferenz von Vertretern der Unabhän- gigen Partei des ganzen Reichs hat sich Donnerstag über den Stand der Metallarbeitcrbewegung in Berlin Bericht erstatten lassen und zugesagt, im ganzen Reiche darüber zu berichten und die Partei- genossen aufzufordern, den Streik der Berliner Metallarbeiter durch Aufbringung der benötigten Geldmittel sicherzustellen. Vom Hauptvorstand des Deutschen Metallarbeitervcrbands sind weitere 0 Millionen Mark eingetroffen. Weitere Bericht« werden den Obleuten in der am Sonnabend- vormittag ö Uhr in den Sophiensälen(großer Saal) stattfindenden Konferenz mitgeteilt. Die Fünfzehnerlommission. Das Metallkartell. * Arbeiterräte und Betriebsvertrauensleute der Metallindustrie.. Heute, Freitag, nachmittags 3 Uhr, Versammlung aller Ar- beiter- und Betriebsräte der Metallindustrie in Wilkes Fest- s ä l e n, Sebastian ftr. 39. Tagesordnung: Dicgeplante Entrechtung der Arbeiter-« nd Betriebsräte in der Metallindustrie. Vollzähliges Erscheinen unbedingt erforderlich. Mitgliedsbuch legitimiert. Tie S.-P.-D.-Fraktion des Vollzugs rats. Tas Streikrecht der Strahenbahuer. In einer stark besuchten Versammlung der Straßen- bahn er, die am Donnerstagabend ini„Luckauer Hof" tagte, wurde der Bericht des Ausschusses über die Differenzen mit der Direktion gegeben, die aus dem Teilstreik der Straßenbahner am 18. Oktober bestehen. Aus dem Bericht ging hervor, daß die Be- triebsleitung der Anschauung ist, daß bei Arbeitsniederlegung«ine Zweidrittelmehrheit vorhanden sein muß und nicht die Parole des Arbeiterausschusses für den Streik ausschlaggebend sein darf. Aus den Ausführungen d«S Berichterstatters wie auch der Diskussions- redner muß festgestellt werden, daß g e w e r k s ch a f t l i ck e Er- fahrung und Disziplin bei ihnen noch viel zu wünschen übrig lassen. So wurden von den Diskussions- rednern wiederholt die Direktoren als die Vertreter einer apitalistenbande bezeichnet, trotzdem die Straßenbahner wissen müßten, daß das Unternehmen in den Besitz einer Stadt übergegangen ist, die von einer sozialdemokratischen Mehrheit re- giert wird. Ein Redner bekam es sogar fertig, zu erklären: die Arbeitsleistung müsse auf ein Mindestmaß heruntergedrückt werden, um die Forderungen der Arbeiter- chast restlos durchzusetzen. Ein anderer Redner glaubte, durch Empfehlung der Prügelstrafe anders denkende zur So- lidarität erziehen zu können. Diese Ausführungen gingen selbst dem Vertreter des unabhängigen Vollzugsrats W« g m a n n zu weit. Er meinte, daß, wenn schon Prügel verteilt werde, die Pro. pagandisten d?r Prügelstrafe sie bekommen müßten. Seine AuS- mhrungen wurden vielfach durch Zwischenrufe„Bremser" und der. gleichen unterbrochen. Wegmaun war dadurch gezwungen, den Straßenbahnern ibr unsolidarisches Verhalten im Januar t918 in Erinnerung zu bringen, das sie gerade nicht gualifiziert, sich setzt als Elitettnppe aufzuspielen. Eine Resolution, die dem Slrbeiter- ausschuß für zukünftige Fälle das Recht gibt, nach eigenem Er- messen den Betrieb lahmzulegen, wurde angenommen. Zur Lage des Hilfspersonals im GasttvirtSgewerbe. Der Verband der GastwirtSgehilfen schreibt uns: Auck heute noch ist�in vielen Betrieben das von jeher am meisten gedrückte HilsSp�ional vollständig der Willkür deS Unternehmers preis» gegeben. Die mittleren und kleineren Pensionate in Berlin ZV kümmern sich nicht im geringsten um gesetzliche Bestimmungen. Wagt daS Hilfspersonal sich dagegen zu wehren, so wird der„Herr im Hause" hervorgekehrt. In dem Pensionat Hardenberg Eck, Inhaber Herr Müller, kam es deshalb zum Streik. In diesem Betrieb muß das Personal täglich 13— 1ö Stunden arbeilen. Die Bezahlung ist weit unter dem Tarif für das GastrvirtSgewerbe. Tie Kücheumädchen erhalten monatlich den sürstlichen Lohn von 60 M., die Zimmermädchen 100 M. Ausgang gibt es in diesem Betriebe nur einen halben Tag in der Woche. Alle Klagen des Personals bleiben unberücksichtigt. Da alle in Betracht kommenden Mädchen organisiert waren. Verhandelle die Organisation mit dem Inhaber. Herr M ii l l e r aber lehnte ftde Verbandlung ab. Als dem Personal von der Ansicht deS Herrn Müller Mitieilung gemacht wurde, trat es geschlossen in den Streit. Seineu Äerger darüber machte der Inhaber in groben Beschimpfungen der Streikenden Luft. Da die private Stellenvermittlung trotz gesetz- lichen Verbots immer noch besteht, gelang es Herrn Müller, einige Mädchen zu engagieren. Von den Streikenden aufgeklärt, ver- zichteten die ersten. Nun ließ Herr Müller ein Auto mit Sicher- beitswehr oiissahren, auch das nützte nichts, erst unter persönlicher Eskorte gelang es ihm, Streikbrecher in den Betrieb zu bringen. Daß Herr Müller wohl in der Lage wäre, sein Personal besser zu bezahlen, beweist folgendes: Herr Müller erhebt in dem Pensionat und der Weinhandlung 6 rcip. 10 Prozent Zuschlag für die Ablösung des Trinkgeldes. Diese Prozente sollten doch nun lediglich für die Entlohnung derjenigen Angestellten dienen, die vorher auf Trinkgeld angewiesen waren. Das übrige Personal mußte doch von jeher von dem Betrieb bezahlt werden. Bis vor kurzem wurden in dem Pensionat von Herrn Müller 3 Proz. Zuschlag erboben, die von dem früher auf Trinkgeld angewiesenen Personal eingezogen wurden. Dabei hatte das Zimmermädchen, das 2 Proz. davon erhielt, ein Einkommen von monatlich 200 bis 2S0 M. Trotz Erhöhung der Zuschläge baben die Zimmermädchen also jetzt ganz erheblich niedriges Einkommen, während Herr Müller durch die Ablösung des Trinkgeldes noch einen größeren Ver- dienst hat. Gegen derartige Willkür kann sich das Hilfspersonal nur schützen, wenn es sich bis zum letzten Mann der Organisation an- schließt, um solchem Unternehmer in geschlossener Kampffront ent- gegentreten zu können. Verband der Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Groß-Berlin. F. Wiesele. Sektionsleiter. Elcktrodroschkenführer! Die Arbeiter und Handwerker der Akkulumatorenwerke„Asa" in der Hannoverschen Slraßc sind am Metallnrbeiterstreik beteiligt. Unsere Kollegen sind dadurch in Mitleidenschaft gezogen und babcu beschlossen, sich solidarisch zu erklären, indem sie jede Streikarbeit ablebnen. Die Droickkenführer befinden sich dort somit ebenfalls im Streik und ist Zuzug fernzuhalten. Jeder Droschkenführer, der dort seinem Berufe nachgebt, ist als Streikbrecher zu bezeichnen. Deutscher TranSportarbeiter-Verband. Bezirk Gr.-Berlin. Sektion IV. Deutscher Mctallarbeitcr-Vcrband. Am Freitag, den 31. Ottober, abends 6 Ubr, findet in K I i e m S F« st s ä l e n, Hasenbeide 16— 12, die Fortsetzung der Süden- bczirtsversammlung statt! Tagesordnung: 1. Dislussion über den Verbandstag. 2. Anträge zur Generalversammlung. Milzliedsbuch legitimiert! Kollegen und Kolleginnen, erscheint alle vollzählig! Zum Metallarbeiterstreik. Sicmcns-Halske, B I o ck w- r k. Sonnabend früh 10 Uhr i Belriebs« Versammlung„Stadtpark", Jungfernhewe. Daselbst Auszahlung der Streit« Unterstützung A. Borstg. Tegel. Heute, nachmittag 2 Uhr. Betriebsversammlung in Hartmanns Brauerei. Reinickendorf. Strcikkarte legitimiert. Hasse u. Wrede. Heute, nachm. 3 Uhr, Versammlung im Glaskasten, Prinzen-Allee. Bergmann, Rosenthal. Arn Freitag, 31. Okt., findet Ilm 11 Uhr im Lokal von Bohne eine BetnebSversammlinig der Streikenden statt. Er- scheinen ist Pslicht. Lindstriim Konzern. Heule, nachm. 2 Uhr, in den Commeniussälen, Memeler Slr. 67, Versammlung der Streikenden. Betrieb Albatros, Johannisthal. Freitag, 3l. Okt., srüb 7 Ubr. müssen sich jolgende Kollegen melden: Karten» ummern 51—33, 56, 58, 5S, 62, 63. 61. 66. 67. 68, 69. 76, 7t. 72: UNI II Ubr: Nr. 73, 74. 76. 7g. 81. 82. 81, 85. 86, 87, 83, LS, 96, 91, 92. Pünktlich erscheinen. Sonnabend srüh Auszahlung. Lsran,-Werke. Freitag, miitags 12 Uhr. Betriebsversammlung bei Schonert, All-Stralau. Für die im Mctallarbeiterverbaud Organisierten Freitag und Sonnabend von 9—1 Uhr Quittungen unterichrcibe». Kletiibau Stemens-Zchuckm. Heute Freitag von 12— 1 Ubr findet die Auszahlung der SIreitunIerstützung in den bekannten Lokalen statt. Nachzügler müssen bis Ende nächster Woche warten. Knorrbremie. Freitag, den 3t. Okt.. vorm. 9 Uhr, Funktionär- s i tz u n g bei Mitzschtc, Gürtel- Ecke Tossestraßc. ES ist Psticht eines jeden Fun klionärs, zu erscheinen Daimler-Wcrt. Freitag. 3t. Okt.-, vorm. 11 Mr. Bettiebsversamm» lung im Speisesaal. Funllionärversammlung 9 Uhrsvorlsliegcr wird den Flugapparat stcuecn.— Ter Arbeiter- schwimniverciu Neukölln hält am Sonntag, 2'/, Uhr, ln der städtischen Badeanstalt. Ganghoserilraßc, sein Hallenschwimmfest ab. Zur Lorsührung kommen Damen- und Männerichiviinme», Springen, Tauchen, Reigen, Mannschastskämpfe und Waverballipiele. Zahlreiche Meldungen Groß. Berliner und auswärtiger Arbeiterschwimmvcrcine sind eingelaufen und veriprechen anregende und spannende Kämpft. Eintrittskarten a 1,50 25. sind vor Beginn des Festes am Eingang zur Ichwimmhalle erhältlich. Verantw. slle den redaktion. Teil: Allred Scholz Neutölln: für Anzeigen: Theodoe Siecke, Berliv Verlag: Vorwärts-Verlag S. m. d. S.. Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckern und Verlaasanstalt Baul Singer u. Do. in Berlin. Lindenstr. 8. Hierzu 1 Beilage. m w Berlin 0. 17