Nr.859.36.Iahrg. Bezugspreis: Vierteljährl. 10�0 Mi., m ottatl, 3�0 äi!. frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich Z�0 Ml.,»xkl. f!u- stellmigsgebühr. Unter Kreuzband fiir Deutschland und Oesterreich-Ungarn 6,75 Mt, für das übrige Ausland 10,75 Ml., bei tf-Uch einmal. Zustellung 8,75 Ml. Postbestellungen nehmen a» Dänemarl, Holland. Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Prcisliste. Der„Vorwärts� mit der Sonntags- beilage„Voll u. Zeit" erscheint wachen- täglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adresse: «Sozlalftraiofroi Berlin". Morgen Ausgabe. Nerlinev Volksblstt (15 Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgcspaltene Nonpareillezeile kostet Ml.«kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 75 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 50 Pfg. Stellengesuche und , Schlasstcllenanzeigen das erste Wort 85 Pfg., jedes weitere Wort U) Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen fiir zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%. Familien- Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 1,80 Ml. die geile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 88, Lsirdenstrahe 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. �entralorgan der rozialdernokratirchen Partei Deutfchlands Redaktion und Expedition: SW. 6$, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morihplatz. Nr. 1älS0—»S>S7. Sonnabend, den 1. November 1919. vorwärts-verlag G.m.b.£)., SW. HS, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 117 53—54. Schicksalstragöüie. Theobald v. B e t h in a n n H o l I w e g hat im Unter- suchungsausschuß ein langes, bitteres Klagelied darüber angestimmt, wie die Oberste Heeresleitung seine Politik durchkreuzt und wie ihm der Reichstag nicht ge- Holsen habe. Trei Kricgsjahre hindurch war er Reichskanzler, und nie hatte er eine Mehrheit im Reichstag gehabt: endlich, da er sie gehabt hätte, im Juli 1917, sei er gestürzt worden. Herr v. Bethmann nennt das ein eigenartiges Verhängnis. Wir sind erst ein Jahr lang Republik, aber wir können heute schon nicht inehr begreifen, wie ein Reichskanzler drei schicksalsschwere Jahre lang im Amt bleiben konnte, ohne eine feste Mehrheit im Reichstag zu besitzen. Was Herr v. Bethmann sein Verhängnis nennt, war seine Schwäche, war seine Belastung mit den Traditionen des preu- ßischen Systems. Hat er denn eine parlamentarische Mehrheit haben wollen? Räch drei Jahren Hängens und Würgens hatte die Sozialdemokratie ihn wenigstens so weit gebracht, daß er die preußische W a h l r e f o r m in Angriff nahm. Vor dem Parlamentarismus sträubte er sich wie die Katze vor dem Wasser. Keine Macht der Ueberrcdung konnte ihn dazu bringen, auf diesem Gebiet auch nur einen ersten Schritt zu tun,, und so kam es, daß die Linke im kritischen Juli 1917, als das Militär zuin Generalangriff aus ihn über- ging, kein Interesse daran hatte, ihn zu halten und daß er fiel. Die Einigung auf die Friedensresolution vom 19. Juli 1917, in der sich die damalige parlamentarische Mehrheit zu- sammensand, war, ebenso wie die Resolution selbst, Nichtsein Werk. Erst als die vollendete Tatsache geschaffen war. erklärte er. seine Bedenken gegen sie überwunden zu l)aben. Bethmann gibt sich also einer nachträglichen Illusion hin, wenn er jetzt meint, das Militär hätte ihn nur sticht stürzen sollen, dann wäre vielleicht noch alles gut geworden. Bethmann war nicht ohne Einsicht, aber er war ohne politische JstitiaGve, und darum schwankte' er zwischen den beiden Willenszentren, die es wäh- rend des Krieges gab, zwischen der Obersten Heeresleitung und der Sozialdemokratie, unentschlossen him und her. Die Oberste H e c r e s l e i t u ii g verlangte„Bermel- dung innerpolitischer Kämpfe während des Krieges". Das> heißt ini Innern Aufrechterlialtung des Treiklassenwahlrechts, des persönlichen Regiments, der Militärautokratie: nach außen Kampf bis zum Zerschnietterungsfrieden, Annexionen und Kriegsentschädigungen. Die Sozialdemokratie forderte im Jnnetn Demo- kratie imd parlamentarisches System, nach außen Abwehr eines feindlichen Vernichtungsfriedens, aufrichtiges Bekenntnis zu emem Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen, Daher wollte die O b e r st e Heeresleitung im Win- tcr 1916/17 den unbeschränkten Ü-Boot-Krieg und keine Vcr- mittlung Wilsons. Die Sozialdemokratie wollte die Vermittlung Wilsons und keinen U-Boot-Krieg. Was wollte Bethmann H o l l w e g? Er wäre sehr froh gewesen, wenn es gelungen wäre,� aus dem Krieg, dessen furchtbaren Ernst er kannte, mit einem blauen Auge berauszukomnien. Er war sehr bekümmert, als die Oberste Heeresleitilng den unbeschränkten U-Boot-Krieg durchsetzte, denn er glaubte— eher ja als nein—, daß die Joäche schief gehen würde. Aber Hoffnung, Freude, Kuinmer, Sorge, Furcht sind die Gefühle des Zuschauers im Parterre, der mit den handelnden Personen auf der Bühne mitempfindet, nicht die Willensimpulse eines führenden Staatsmanns. Heute: würde die Tragik eines ganzen Volks nicht das Mitgefühl für Einzelne abstumpfen, so könnte einem dieser Bochmann leid tun. aufrichtig leid tun. Diese einmal regierend gewesene Hilflosigkeit wirkt geradezu rührend. Trotzdem schlich sich in die Verhandlungen des Nach- mittags ein Zug des Humors ein, des»einzigen, der uns noch ansteht, des Galgenhumors. Bethmann hatte am Vorniittag selber seufzend gesagt: „Das Militär griff in alles ein." Nachmittags wurde durch eine Reihe von Fragen, auf die der Zeuge nur mit einem Achselzucken antworten konnte, festgestellt, daß der ganze poli- tische Beeinflussungsapparat sich in der Hand der Militärkaina- rilla befunden hatte und mit wahrer Virtuosität gegen die Politik des Kanzlers, oder was er dafür hielt, in Bewegung gesetzt wurde. Wer Bethmann angriff, saß dick in der Wolle: wer Bethmann helfen wollte, wurde derb angepackt. Köstlich dieses Gespräch des wackern Hans Delbrück mit dem jjestrenyen Militärzensor:„Aber, was ich vertrete, ist ja nur die Politik des Reichskanzler." Antwort:„Ilm so schlimmer fiir den Reichskanzler." Solche tragikomische Zensurschwänke werden noch mehr erzählt, und darauf kam immer wieder die stereotype Verlegen- heitsausrede des Ex-Reichskanzlers: ja, davon wisse er nichts. Konnte es dem obersten Reichsbeamten wirklich unbekannt ge- blieben sein, daß der ganze amtliche Apparat gegen ihn ar- wir werüen zugelaj)en. Die Washingtoner Konferenz hat mit 71 gegen 1 Stimme eine Entschließung angenommen, in der gesagt wird, daß die Konferenz der Zulassung Teutschlands und Deutschösterrcichs zum Völkerbund vorgreife und beschließe, ihre Delegierten auf dieser Konferenz zuzulassen. Dies soll geschehen, wenn sie ihre Bereitwilligkeit bekanntgeben, an der Weltorganisation der Arbeiterschaft mitzuwirken. Sie erhalte« die gleichen Rechte i�nd Pflichten wie die anderen Vertreter der Arbeiterorganisationen. Ter Delegierte der französischen Unternehmer protestierte gegen diese Entschließung. Jouhaux vom französischen Gewerk- schaftsbund erklärte, daß jetzt, ganz abgesehen von Gefühls- regungcn, Deutschland und Dcutschöstcrrcich schon aus prak- tischen Gründen zugelassen werde« müßten. Zum Vizepräsidenten der Konferenz wurde Jouhaux gewählt. Die Liste der dcuffchen Delegierten steht nun endgültig fest. Als Regierungsvertreter reisen: Staats- sekretär a. D. Dr. August Müller, Rcichswirtschaftsminister a. T. Rudolf Wissen, als Vertreter der Gewerkschaften der stellvertretende Vorsitzende des(siewertschaftsbundes Grast- mann, als Vertreter der Unter Nehmerorganisation Direktor Regenbogen, Kiel? als Sachverständige von der Regierung Geheimer Oberregierungsrat Dr. Lehmann, Geheimer Regierungsrat- Dr. von Lewinski, Professor Dr. Ernst F r a n ck e, Professor Dr. Alfred Manes; als technische Berater der Arbeiterverbände sind bestimmt die Arbeitcrsekrctäre Abg. Erkelenz(Hirsch-Dunckcr) und Brauer(Christi.), sowie Genossin Hann a. Beirat für den Untcrnehmcrvcrtretcr ist Dr. T ä n z l e r. Was nützt übrigens die Zulassung, wenn man nichts tut, nm Deutschlands Vertreter über den Teich z» befördern.„Sie können nicht schwimmen, sie können nicht stiegen, sie werden nicht kommen"— wie der Deutschnationale Hergt als Minister einst von den Amerikanern so erschütternd richtig prophezeite. Eine Kette mehr. Im Obersten Rat der Entente beriet man darüber, ob beim In- krafttretrn des Friedensvertrages die Bedingungen des Waffenstill- staudsabkommcns hinfällig würden und man fand, daß einzelne Bc° dingungen, die im Waffcnstillstandsvcrlrag enthalten sind, nicht im Friedensvertrag niedergelegt seien. Um zu verhindern, daß Deutsch- land sich diesen Bestimmungen entziehe, ist beabsichtigt, Deutschland ein Protokoll unterschreiben zu lassen, in dem es sich verpflichtet, die Bedingungen deS WaffenstillstandSvertrages, denen es noch nicht nachgekommen ist und die beim Inkrafttreten des Friedensvertrages kraftlos würden, trotzdem zu erfüllen. Am Sonnabend soll daS weitcrberaten und über eine Schaden- ersatzvcrgütung für die in Scapa Flow versenkten deutschen Schiffe verhandelt werden. Lloyd George erklärte im Unterhaus bei Betrachtung des eng- tischen Defizits, Deutschland sei jetzt außerstande, zu»ahlrn, aber sobald seine Erzeugungskraft wieder gestiegen sei, würden die aus Deutschland eingehenden Beträge das Defizit ausgleiche». beitetel Ja, wenn er nun bemerkte— und das mußte er wohl—, daß er nicht für ihn arbeite, mußte er nicht mit einem Donnerwetter in diese Sanwirtschaft hineinfahren? Um nur ein Beispiel anzuführen: Das berühmte Wiegand- Interview, in dem T i r p i tz den unbeschränkten U-Boot- Krieg ankündigte, war ohne Vorwissen des Reichskanzlers sowohl wie des damaligen Flottenchefs gegeben worden. Und da ging Bethmann nicht zu seinem Austraggeber mit der knappen Erklärung: Er oder ichl Aber sogingesalleTage: Die Zweifarbigen und die Marineblauen machten ihre Politik, und der sogenannte Leiter der Politik rang sich die Hände wund. Es war ein Kampf zwischen einem Skorpion und einem Molch. Was konnte des Reichskanzlers betuliche Sorgsamkeit ausrichten gegen die gepanzerte Energie des Militärs? Und oar es ein Wunder, daß schließlich der große Haufen der Unverständigen mit Hurra Ludendorff nachlies und Bethmann links liegen ließ? Dort war doch wenigstens ein Willel Hemmungslos rannte nun dieser stierköpfige Willen ins Verderben. Merkwürdig, llhon im De- zember 1916 dämmern Ahnungen auf. Ludendorff eiklätt, ohne unbeschränkten U-Boot-Krieg sei der Feldzug nicht mehr zu gewinnen. Ter unbe- schränkte U-Boot-Krieg war also damals schon das Va- banque-Spiel eines Hazardeurs, der sonst keinen Ausweg mehr weiß als einen Spaziergang in dem Park mit dem geladenen Revolver in der Tasche! Und diesem Va- banque-Spiel zuliebe hat man sich Amerika aus den Hals ge- hetzt, von dessen Leistungsfähigkeit man keine blasse Vor- stellung hatte, hat man alle Friedensmöglichkeiten schon uu Keim in den Boden getreten.„S i e wollen Frieden machen? Aber wir wollen nicht! In drei Monaten sind wir fertig!" Heute ist es vollkommen klar: War der Feldzug ohne den U-Boot-Krieg verloren, so war er schon im Winter 1916/17 so gut wie verloren, denn daß er durch den U-Boot-Krieg nicht zu gewinnen war, ist durch Experiment bewiesen. L u- de ndorff ist der bewußten Irreführung der öffentlichen Meinung überführt.- Nach seiner Erklärung vom 22. Dezember 1916 ist es ja ganz undenkbar, daß er seinen Schwindel, er st dieRevolution habe die deuffche Niederlage herbeigeführt, selber glaubt. Das wirk- lich zu glauben ist vielleicht der konservative Abg. v. Gr a c f c bisher scharffinnig genug gewesen, aber auch er wird diesen geschichtlickjen Irrtum setzt korrigieren müssen, wenn er sich nicht nachsagen lassen will, daß er ein gewöhnlicher Lügner sei. Nein, wer sich nicht absichtlich eine Binde vor die Augen legt, der sieht heute harrscharf, wie sich die S ch i ck s a l s t r a- gödie des kaiserlichen Deutschland mit unent- innbarer Notwendigkeit erfüllt hat. Es ist untergeoanaen, wie es untergehen mußte, und feine einstigen Machthaber -wandeln nur noch wie abgestorbene Schatten unter uns. Das Volk aber, w i r V o l k, obgleich aus tausend Wunden blu- tend, obgleich durch einen Frieden ohnegleichen auch heute noch mit Vernichtung bedroht, wir leben noch. Uns hat die Weltgeschichte eine grausame Lektion erteilt, und nur wenn wir imstande sind, aus ihr zu lernen, wenn wir im- stände sind, als reifes Volk selber politisch zu wollen und zu handeln, werden wir so furchtbares Lehrgeld nicht umsonst bezahlt haben. � Wir sehen heute, wie die Vergangenheit, die kurz hinter uns liegt, nur noch Verwesung war. Nie zurück! »* * Der miiüe Mann. Wiederum umsäumen Haufen von Neugierigen den Eingang zum Reichstag. Wiederum drängen sich Journalisten, ehemalige Staatsmänner, Beamte der Reichsämter, Parlamentarier, Gelehrte und Sachverständige im Obergeschoß des Reichstages: Der Unter- suchungsausschuß setzt seine öffentlichen Vernehmungen fort. Dies- mal erscheint Bethmann Holl weg am Zeugen tisch. Noch schwirren Hunderte von Stimmen bunt durcheiimnder, noch streiten sich die Anserwählten im Zuhörervaum, der durch eine Schranke vom übrigen Saal getrennt ist, um die besten Plätze. Längst schon Hai der frühere Kanzler seinen Platz genoimnen. Das akadeenische Viertel ist überschritten. iDe innere Span- nung der Erschienenen schwingt den Stimmenton höher. Endlich! Der Vorsitzende tritt in den Saal.-Stille breitet sich über den Raum und die Nienschen. Ein Helles Klingelzeichen! Die Köpfe ducken sich, als ivollteu die Augen nicht das Bild sehen, das bisher verschleiert,' nunmehr nackt gezeigt werden soll. Wird es häßlich sein oder grausam drohend? Wird eS ein Spiegel unseres eigenen Ichs, unseres Volkes? Schauen wir Niedertracht, Lüge Gemein- heit. Dummheit und Verbrechen derjenigen, die das Land führten in seinen schwersten Jahren, wie sie schicksalsvoller und entbeh- rungsreicher kein Volk der Erde ertragen? „Ich schwöre"... schallt es fest. Und dieser Schwur bringt wieder Sicherheit in den Saal. Der ihn gesprochen, tritt wieder zurück. In seiner großen, massigen Gestalt läßt er sich nieder, sireicht langsam über die Stirn, als verscheuche er die Sorgen, die sein Gedächtnis verdunkeln wollen. Er ergreift sein Manuskript und beginnt mit der Verlesung. Wir sehen die tiefen Falten, die das Geficht Bethmann Hollwcgs durchfurchen und hören seinen Bericht. Seine Vcrtoidi- gung! In wohlgosetzton Worten zeichnet er leise die Lage um die Wende des Jahres llllü. Entwickelt dann, lauter werdend, seine' Pläne, die immer wieder und immer wieder zu nichtc werden, klagt dann erregt seine Feinde an, die Verhältnisse, denen er nicht ge- wachsen, die Heeresleitung, die stärker war als er, den Reichstag. der ihni nicht gefolgt, das Volk, das er nicht gelenkt. Klagt und klagt, hat alles gesehen, alles durchschaut... Unglück... Ver- hängnis.... Dem Mann blühte kein Glück, leuchtete kein Stern, wavd kein Licht, keine Kraft, keine Stütze. Ein menschliches Rühren packt uns, Mitleid mit dem Schwachen, dem Unentschlossenen, der zum Leiter unserer Geschicke berufen war, wo es eines Herkules bedurft hätte. Seine Amtszeit war ein einziger Starrkrampf. Bethmann lebte, sah, hörte, und dennoch waren seine Glieder ge- lähmt, seine Muskeln gebannt, daß er nicht warnen, nicht rufen, nicht schreien, nicht stoßen und nicht schlagen konnte. Alles ließ er geschehen, nahm, tote es kam, unt» eben, als er sich endlich recken wollte, nagelt« man— wie er sagt— den Deckel auf seinen Sarg. Ein erschütterndes Bild. Die Vormittagssitzung bricht ab. Die Zuhörer atmen ttef auf. Am Nachmittag beginnt das Verhör. Das gleiche Bild wie morgens. Diesmal bemerken wir unter'den Zuhörern Karl Kautsky und freuen uns über den Alten. Klein und unschetn- bar sitzt er da und wie gewaltig überragt sein Geist den Riesen Bethmann Hollweg. Ter beantwortet keine Frage, will erst die Akten sehen, sein Gedächtnis erneuern, und ob die Richter und Sach» verständigen kreuz und guer• fragen, eine bestimmte Antwyrt bletbt aus. Man will dem müden Mann Zeit lassen. Die nächste Sitzung wird erst am Dienstag stattfinden. Dann wird Bethmann trotz allem sein schonendes Schwelgen brechen müssen. Bethmann wird die Akten sehen und daraus erkennen, dah er mitschuldig ist. Er, der die zwei Eisen im Feuer haben wollte, der dann philosophierte, welches er zuerst herausziehen sollte, und das Philosophieren fortsetzte, bis das Feuer verlöscht war. Im Saale seheir wir ein großes Bild, das die ganze Wand füllt: Wilhelm I. und Bismarck übers Schlachtfeld rSitend, an toten Menschen vorbei, an Tierkadavern und gesenkten französischen Fahnen. Die rohe Gewalt und Macht, die ans Recht und Mensch- lichkeit trampelt. Es war der Geist, der die Politik des Reiches beherrschte und in dem unser Volk erzogen war. Dieses Volk ist mitschuldig geworden, weil es sich nicht selbst zu regieren verstand, und das nun in seiner tiefsten Not erkennt und begreift, was Recht ist, was Demokratie und Menschlichkeit, und da» In diesem neuen Geiste den dornenvollen Weg beschritten hat zu neuem Auf- stieg und neuem Leben! Deutscböfterreichifther Parteitag. sW teuer Drahtbericht des„Vorwärts'.) Der Parteitag ist sehr stark besucht. In der Eröffnungsansprache gibt der Partetvorsitzende(und Staatspräsident) S e i tz einen Rück- blick auf die Zeit seit der Revolution und gedenkt, während alle Anwesenden sich in tiefer Trauer erheben, des dahingegangenen Viktor Adler. Die Sozialdemokratische Partei Deutschland? ist durch Wel», die Unabhängigen sind durch Crispien und Dr. Hilferding vertreten, die deutsch« Sozialdemokratie der Tschechoslowakei hat Seliger« Teplitz und Dr. C z e ch- Brünn entsandt, die t s ch e» ch i s ch e Sozialdemokratie vertritt Chefredakteur S t i V i n- Prag. Zum Vorsitzenden wird Seitz gewählt.' Seliger verweist in seiner BegrühungSrede darauf, daß der Bertrag von St. Germain noch lange nicht das End« der Geschichte sei. Die Gewalt kann nicht Ewigkeitswert haben, die Friedens- arbeit des Proletariat» wird un« wieder vereinigen wie m einem Baterhause. Keine Macht der Erde wird imstande sein, das zu ver- hindern.(Stürmischer Beifall.) Wel» beneidet die deutschösterreichische Sozialdemokratie insbesondere darum, daß sie ihr« Einigkeit aufrechterhalten hat. Er spricht den Wunsch au«, daß in dieser Beziehung der Parteitag auch eine Rückwirkung aus Deutschland haben möge.(Beifall.) Crtspien erklärt, daß auch die Unabhängigen für die Einigung des Proletariats seien, aber nicht für eine ä u h e r l i ch e, sondern für«ine solche auf dem Boden des Prinzips.(Welches von den gegensätzlichen Prinzipien der U. S. P. er meint, wissen wir nicht. Red> Parteisekretär S k a r e t berichtet über die Tätigkeit der Partei und die Vervielfachung ihrer Mitgliederzahl in diesem Jahre. Seitz referiert über die Arbeit der Parlamentsfraktion.— In der Besprechung begründet Otto Bauer die Notwendigkeit der Koalition mit den Chnsllich-Sozialen und erklärt u. a., daß e» jedem demokratischen Prinzip widersprechen würde, politische Verbrecher iLevien, Kun) auszuliefern;«» würde aber auch der Ehre der Sozial- demokratie widersprechen,«ine Regierung zu unterstützen, die einen politischen Verbrecher ausliesern würde.— Friedrich Adler teilt den Plan eines monarchistischen Pntsches mit, der dadurch bekannt wurde, dah einer der Beteiligten ein wicbtigeS Dokument verloren hat. Alle militärischen Einzelheilen der Aktion waren in dem Plaw enthalten. Hafenbilö. Sin Ostseehafen. Bauch an Bauch passen die breiten plumpen Oderkähne weit auS dem Wasser, wie Fische, die, von einem schlimmen Sturm an daS Land geworfen, in Todesangst vergebens noch Lust schnappen. Zwischen ihnen daS Wasser jauchig, trübe, mit Küchenobfällen be. deckt, grüne Säume zeichnen die Wasserlinie der Schiffsleiber. Ein paar Schiffer teeren, flicken, ihre Frauen waschen oder nähen mit mitzmuttgen, lungernden Bewegungen. Auf dem Bollwerk schlendern Matrosen, Händler, feilschen, tauschen abgebrauchte, durch viele Hände gewanderte Sachen. Die grotzen Speicher lassen durch offen« Fenster und Türen ihr leeres Innere durchlüften, Gerüche von dem, waö sie einst füllte, flattern in der Lttsr wie seufzende, klagende Erinticruitgett. Plötzlich gellt die Biegung des Hafens, über den vor- springenden Pier mit dem hohen Speicher ein durchdringendeö tiefes Pfeifen. Wie ein Frcudengcheul springt es in den inüden tatenlosen Schiffsknäuel, wie ein roher, rüttelnder Weckruf. Schiffer nnd Schifferinnen lassen die Arbeit fahren, richten die Nasen see- wärts. In weitem Bogen, wie ein rauflustiger, breitbriistigrr Seemann dampft ein großer Schlepper herein, dem innersten Pier zu. Ein Kind, daS jauchzend die Haufen welker Blätter aufstöbert, wirst der Schlepper feine Wellen klatschend an die ruhenden Schiffswände, sie zerreißen die faule Wasserschicht, die sich zwischen den Kähnen be. quem macht, sie wirbelt und ersäuft die Küchenabfälle. Sechs riefgeduckt volle Ladung tragende Kähne bringt der Dampfer mit sich, eine fremde Fahne weht an feinem Heck. Die Matrosen und Lader aus dem Bollwerk spucken sich in die Hände:»Jung, jetzt jibt et ArbeetI" Die zweifelhaften Händler blicken scheel, sie ahnen das End« ihres unfruchtbaren Geschäfts. Die Schiffer seufzen:»Wenn wir mal erst Ladung hätten Von den Hafengleisen brüllt, rattert die Antwort daher, eine lange Güterzugschlange saust dort dem Ladekai zu. Die Schiffer ziehen, die Jacken an. Wer zuerst kommt, kriegt die Ladung!_ Eine RrvolutionS-Festfchrift mit reichem BKderschmuck ist so- eben tm Verlage von„Volk und Zeit", Berlin SW. 68, Linden- ftraße 6, im Auftrage des Parteivorstattdes herausgegeben worden. All« Betträge beziehen sich aus die weltgeschichtlichen Ereignisse deS 9. November 1919. Beruiere Politiker und Volksführer kennzeichnen da» Gebot der Stunde, geben Aufschlüsse über in der Oeftentlichkeit wenig bekanntgeworden« Geschehnisse. Philipp©rbeibemarnt dringt Mitteilungen über die Stunden, da Deutschland sich vom Kaiser- reich zur Republik wandelte. Hugo Hinzheimer erläutert ein» dringlich das Weimarer Werk der Verfassung. Robert Schmidt be- Dem Parteivorstand wird Entlastung erteilt, der Fraktion daS Vertrauen ausgesprochen und eine Reihe von Anträgen ange- nommen, darunter auch ein Antrag A b r a m- Innsbruck, die Partei möge eine umfangreiche Agitation veranstalten, damit auf die Entente eingewirkt wird, den lebensnotwendige» Anschluß DeutschöstrrrrichS an Deutschland nicht zu hindern. Iuüenitsch muß weiter rückwärts. Es ist klar, daß die Offensive des Generals Judenitsch gegen Petersburg vorläufig mißglückt ist. Die Bolfchewiki müssen ungeheure Kräfte herangezogen haben und über ein Truppen- Material verfügen, das auch höchsten Ansprüchen geivachsen ist. Anders wäre es nicht erklärlich, daß die sehr gut organisierten Truppen des Generals Judenitsch und die Niesenmengen moderner Kampfmittel, die die Entente geliefert hat, nicht zum Erfolg kamen. Die Offensive ist auf die bolschetvistische Seit« übergegangen, es gibt keinen Zweifel, daß die Spitze der Judenitsch-Armee noch weiter zurückgenommen werden mußte. Es wird gemeldet, daß unter Judenitsch' Truppen schwere und verhängnisvolle Diszi- plinlosigkeitcn und Uneinigkeit zwischen einzelnen skommandanten aufgetreten sind. In seinem amtlichen Heeresbericht vom 29. erkennt General Judenitsch an, daß seine Offensive gegen Petersburg wegen man- gelnder Unterstützung„nicht die erwarteten Folgen" gehabt habe. Der Feind habe seine Angriffe wieder ausgenommen. Während der Nacht seien keine LanbungSabteilungen nach Kronstadt gesandt worden, obgleich die Festung die weiße Flagge gehißt habe. Infolge dieser Nachlässigkeit wehe jetzt wieder die rote Flagge und die Ge- schütze von Kronstadt bedrohten seinen linken Flügel. Pulkviva, ZarSkoje Sselo, Pawlowft und Dasono hätten den Bolschewisteu überlassen werden müssen. Aus Riga wird gemeldet, daß die Truppen der tvcstrussischen Armee, bei der sich auch etwa 85 909 Deutsche befinden, bei Bol- dera unter dem ständigen schweren Feuer der englischen Groß- kampfschiffe liegen. Moskau an üie Cntentevölker. In einem bolschewistischen Funkspruch an die Arbeiter und Bauern von England, Frankreich und Italien heißt cS u. a.: Die gegen uns entsandten Entente-Soldaten, die selber Bauern und Arbeiter sind, ließen sich nicht zur Vernichtung der Revolution gebrauchen. Die großen Mächte unterstützten nunmehr mit all ihrer Macht die zaristischen Generale und entfesseln gleichzeitig gegen unS eine Menge kleiner Staaten, die sich neuerdings aus den unterdrückten Nationen gebildet haben. Aber auch diese Arbeiter und Bauern haben nicht zur Schlachtbank geführt werden wollen, und da« einzig und allein, um der internationalen Finanz und der Reaktion zu dienen. Der Wahrheit zuwider verkündete man, daß die Sowjetregierung die Unterdrückung der Unabhängigkeit Estlands und der benachbarten Völker beabsichtige. Und doch ist ein Hauptgrundsatz deS SowjctprinzipS die An- erkennung der Rechte der Volksmasien aller Nationen. K a m e n e w sagte in einer Rede, daß die Sowjetregierung nichts sehnlicher wünsche, als zum Frieden mit den b a l t i s ch e n Republiken zu kommen. Sie bedaure auf daS lebhafteste, daß die Republiken sogar Judenitsch helfen, gegen Petersburg votzu- gehen._ Luöenöorff als Politiker. Zu per umfangreichen Bibliothek von KriegSerinnerungen ist jetzt noch ein Buch gekommen, das der. Sohn des ehemaligen Reichskanzlers Grasen Hertling, der Rittmeister Graf Karl H e r t l i n g, über seine Erfahrungen in der Reichskanzlei wäh- rend der Kanzlerschaft seines BatcrS gemacht hat. Dieses Buch, daS nicht vom Standpunkt eines ntitverantwortlichen Beteiligten geschrieben ist, sondern von dem eines gutunterrichteten Zuschau- ers, läßt erkennen, wie heillos verfahren und von einem Entschluß zum anderen schwankend die damalige polittsche Leitung Deutsch- lqnds gewesen ist. handelt die Frage der Sozialisierung. Clara Bohm-Schuch wendet sich mahnend uno weckend an die Frauen. Karl Korn spricht über „Die Jugend und Revolution". Gedichte von Karl Bröger und Ernst Preczang feiern den Tag der deutschen BolkSbesreiung. Eine Schau der revolutionären Ereignisse in den bedeutendsten Städten deS Reiche? schließt sich an. Was wir vor Jahresfrist durchlebten, sehen wir auch in zahlreichen Bildern wieder vor uns auftauchen: Die Ausrufung der Republik vom Balkon des Reichstags, die Ab- danknngsurkunoe des Kaisers, die erste Sitzung der VolkSbeanf- tragten, Demonstranten, Straßenversammlungen, Soldaten auf Auto- mobilen, Gruppen markanter politischer Persönlichkeiten, das Grab- geleit der ersten RevolutionSopser n. a. m. Eine Sammlung der revolutionären Flugschriften und Zeitungen jener Tage füllt, zum Bilde zusammengruppiert, zwei Seiten der Festschrift. Das Titel. bitd zeichnete Willibald Krains kraftvolle Kunst: das niedergehaltene Volk zerreißt seine Ketten und steigt auS seinem Kerker empor ans Licht. Ein wuchtiges Bild des Kunstakademieleiters Arthur Kamps stellt einen RevolutionZwagen der Berliner Straße dar. Den bild- liehen Abschluß gibt Mennicrs„Säemann": der Landarbeiter, der Saat ausstreuend Über das Land schreitet. TieseS Gedcnkblatt gc- hört in jEderutamtS Hand. Die Parteiorganisationen werden sich seine weite Verbreitung angelegen sein lassen. Von sozialdemokratischer Erziehung und Sittlichkeit. Mit glühendem Eifer hat sich alsbald nach Ausbruch der Revotutton der entfesselte Reformdrang auf die Arbeit gestürzt, der Erziehung neue Grundlagen zu schaffen. Die Notwendigkeit gesellschaftlicher Um- Wandlung wirkte. Immer haben Revolutionen, die wirklich diesen Namen verdienten, sich so geäußert, und jetzt kommt e« daraus an, die bürgerliche Erziehung sozialistisch umzuformen. DaS gibt na- türlich erneute Wichtigkeit allem, waS im sozialdemokratischen Lager bisher auf diesem Felde gearbeitet wurde, und so kommt das Buch zu rechter Zelt, das vom Verlag der Buchhan-Ruug Vorwärts. Berlin, soeben unter dem Titel„Gott, Glauben, Freiheit. Von sozialdemokratischer Erziehung und Sittlichkeit"(Preis 2 Mk.) auf den Markt gebracht wird. Dies Buch enthält Schriften des deutschen Sozialdemokraten Adolf Donai, eines Kltenburger Lehrer», der in der achtnnd» vierziger Bewegung seinen Mann stand, von der Revolution brot- loS gemacht wurde, nach Amerika auswanderte, dort erst in den Kämpfen gegen die Sklaverei, später in den Anfängen sozialdemo- krattscher Arbeiterbewegung hervorragend tätig war und dann seit den Tagen der ersten Internationale übers Meer herüber auch auf die deutsche Arbeiterschaft einwirkt«. Bon dem Wollen und Wirken dieses energischen Manne? entwirft Franz Di oder ich in der jetzt veröffentlichten Schrift auf einleitenden Blättern ein Bild, da» ein Bettrag zur Geschichte der Anfangszeiten sozialdemo- krattscher Bewegung ist. Zugseich aber gehört dteS Leben dem Gedanken der sozialen Erziehung. WaS Adolf Douai in dieser Richtung dacht«, daS erprob!« er in Schulanstalten, die er gründete, erst in der Heimat und dann wieder und wieder in Amerika. Ilm wahre» Menschentum kämpfte Douai, und daß e» itch ausdrücke im Wissen, nicht im Glauben, diesen Gedanken stellte er voran in der nun nettgcdruckten Abhandlung„ABC des Wissen» für die Denkenden"; diese hat ebenso wie die Schrift„tfitidergarteu und Volksschule als sozialdemokratische Anstalten", ans der bemerketiiswerte Stücke Besonders interessant sind die Stellen, in denen Luden- d o r f s auftritt. Während Gras Hertling zu Hindcnburg in guten und angenehmen Beziehungen stand, ist er Ludendorff, dem„eine politische Ader eigener Art" gegeben war, nie innerlich nahe gekommen,„so sehr er dessen militärische Gaben anerkannte, so wenig konnte ihm dessen persönliches Auftreten an- genehm sein". Einmal hat sich Ludendorff, als er„in sehr ge- reizter Stimmung" war, selbst da? Lachen des Reichs- kanzlerS verbeten. Ter Reichskanzler schien ihm sehr im Wege zu sein. Er fühlte sich auf dem Gipfel seiner Macht und strebte die erste politische Stelle im Reiche an. Es schien, als ob „Ludendorff auf den Konflikt mit der Reichsleitung hinirieb, um nach dem Sturze des Kanzlers die Militärdiktatur einzu- führen". Als aber die Katastrophe näher rückte, wurde endlich auch Ludendorff klar, daß seine machtlüsiernen Hirngespinste kindliche Phantastereien waren. Als nichts mehr zu retten war, machte er im Herbst 1918 die starke Verbeugung nach links.„Es überraschte natürlich sehr, zu hören, daß die Oberste Heeresleitung von einem Tage zum andern sich auf den Boden des Parlamentarismus stellte". Wie eilig es der Manu, der doch alles andere weniger haßte als eine parla- mentarische Regierung, nun hatte, geh aus folgendem hervor: Während sich der Kaiser mit dem abtretenden Kanzler Graf Herr- ling besprach, trat auf einmal Ludendorff unangemeldet ins Zimmer und fragte sofort im Tone größter Erregung:„Ist die neue Regierung jetzt noch nicht gebildet? Tie Re- gierung muß aber sofort gebildet werden, denn das Frie- denSangebot muß noch heute heraus." Der Kaiser bat daraus geantwortet:„Tos hätten Sie mir vor 14 Tagen sagen sollen!" Von solchen Leuten ist damals Deutschland gelenkt worden! Politische Wirrköpfe, die ohne weitausschauenden Blick der Ein- gebung des Augenblicks folgten und den Kopf verloren, hatten die politische Führung in Händen. Wir fühlen leider, mit welchem Erfolge. Oer Toö eines Ru�en. Die Kommission zur Untersuchung der Anklagen wegen völkerrechtswidriger Behandlung Kriegsgefan- gener in Deutschland hielt am Freitag voimittag im Sitzungssaal des Reichsmilitärgerichts eine Spruchkammersitzung unter Vorsitz von Geheimrat Dr. Dave ab. Beisitzer waren Geheimer LegatlonSrat v. Eckardt und KriegSgerichtsrat Ltresse. ZurBerhandlung standen drei Fälle, von denen zwei die Erschießung und Ver- wundung englischer und irischer Kriegsgefan- g e n e r in den Gefangenenlagern in Mücheln und Lim- bürg betrafen. Der zur Sitzung erschienene Chef der eng- lischen Militärkommission Kapitän MinerS stellte den An- trag, ihm die Akten der kriegsgerichtlichen Untersuchung vorzulegen. Die Spruchkammer beschloß so und vertagte die beiden Fälle. Verhandelt wurde dann über den Tod des russischen Feldwebels K o s h e l o s s im Lager von Barnewinkel. Die Kommission zum Schutze russischer Kriegsgefangener hat beim Kriegsministerium Beschwerde eingelegt wegen der Einstellung des Verfahrens gegen den deutschen Unteroffizier P l o e tz, durch dessen Schuß der Tod herbeigeführt worden ist. Die Zeugenaussagen ergaben übereinstintmend, daß Unteroffizier Ploetz nicht absichtlich ge- schössen hat. sondern daß die Waffe sich von selbst entladen hat, als Ploetz einen ungerechtfertigten tätlichen Angriff russischer Kriegsgefangener abwehrte. Die Spruchkammer kam zu der Entscheidung, daß daS Vorliegen einer Völkerrechtswidrigkeit zu v e r n e t n e n sei Sic wollte» marschieren! Bei der Finanzdebatte im Unterhause macht« Lloyd George die bemerkenswerte Mitteilung, daß die FriedenSkonfeteW, bis zum letzten Augenblick nicht gewußt babe, ob Deutschland oen Friedensvertrag unterzeichnen wurde oder nicht, und daß bereits Maßnahmen erwogen wurden, auf welche Weise der Aufmarsch nach Berlin bewerkstelligt werden sollte. in das jetzt veröffentlichte Buch aufgenommen wurden, seit der Mitte der siebziger Jahre in der deutschen Arbeiterschaft weite Ver- brettnng gefunden. DouarS sittliche Weltanschauung, die in Kant wurzelte, ist in diesen Arbeiten in kristallener Klarheit niedergelegt. Die Säst« der klassischen deutschen Erziehung zur Bildung trieb sie empor zu den sozialen Ideen der Neuzeit. In seiner erzieherischen Praxis fußte Douai auf Fröbelschen Ideen, und in Boston, wo er einst den ersten Fröbelschen Kindergarten ins Leben rief, hat et große Schttlanstotten leiten können, in welchen der Kindergarten organisch mit der nötigen Anzahl von Elementar- und Oberklassen verbunden war. Nicht .obrichien", sondern„erziehen", also„den zufälligen Menschen zum wahren Menschen zu entwickeln", das ist sein Ziel gewesen, und so bleibt er uns lebendig. Er drang darauf, der Mensch müsse sich seine Taten im Gewissen anrechnen, und nur als Fortschritts- wescu sei er ein wahrer Mensch: „Jeder einzelne ist frei, insoweit er die Naturgesetze, welche in ihm wirken, auf eine höhere Stufe erhebt. Der aber ist gewiß kein höherer Mensch, welcher von der Gesellschaft mehr nimmt, als er ihr gibt." Pyantasus-Abend. Ter erste von fünf Abenden, die Arno Hplz und seinen Vertoner Georg Stolzenberg nahcsührcn wollen, versammelte am Donnerstag eine kleine Gemeinde in der Sezession. Robert Reß trug ein« Reihe Gedichte vor aus dem Buche„Phantasus", diesem starken Werke, das des Dichters lyrische Welt und rhythmische Kunst so reich bewegt offenbart. Reß verfügt über ein ante» Gedächtnis und über ein« kräftige Stimme; doch dies reicht nicht aus: was ihm fehlt, ist vor allem das Einfache. Er hält den lauten Ton anscheinend für überzeugungstief und wir- kungöreich; dieser Irrtum betrog die Zuhörer um den Zweck des AbendS: um die seelische Vermittlung mit Arno Holz. Auguste Hartme.un-Rautcr sang die Stolze nbergschen Lieder; seltsam, wie diese Musik die koSini sch�T ichtu ng intellektuell umprägt. Aber sie ist geschmackvoll und wurde mit einer Feinfithligkeit vom Komponisten begleitet und von der Sängerin dargebracht, die nach dem allzu kräftigen Robert Reß wohltat. so. Die Bangewerkschul« Neukölln veranstaltet von Mitte der kommen- den Woche ab besondere Abendtuise, in denen über die Berechnung und SluSsÜhrung de? Eisenbeton bauö und über die Statik der B a u k o n st r u k t i o n e n zur Weiterbildung von Technikern au? der Praxis vorgetragen werden wird. Hebungen an Beispielen aus dein Hoch- und Tiefbau unter genauester Beachtung der geltenden mintsteriellen Vor- schrtsten lchlttlien sich an. «Serd Maurer trägt am 5. November, abends 8 Uhr, bei Rcuß und Pollack vor: Tawltrt, eine alte indische Legende,„Der Nachtregcn von Skarasaki-' von Max Dauthendey(mit einer b-gteitcnden Tonmalerei nach Debussh) und„Der Geburtstag oerJnsantin" von OStar Wilde. Karten an der Atendkasse. Die Sprachkurse der Arndt-Hochschule im DIlhelm-Ghmnasium. Bclleouestrasie 15, am Potsdamer Platz, beginnen am 17. November. ES wird Unterricht erteilt in Französisch. Engtisch, Russisch und Lateinisch. Rädere Auskunit durch da« ArdeiisamI, Berlin- Zteglis, Breite Straße 22, geiuiprecher 3675. Der Erforscher der deutschen Gaunersprache, der StrasrechlS. Professor Dt. Ludwig Günther, ist von der philosophischen Fakultät in Eießen wegen seiner Leistungen aus jenem Gebiet zum Ehrendoktor ©orbctL Nr 5Sch ♦ ZH. Jahrgang 1. Heitage öes Vorwärts WM» H>,> W».....«..ilM iWIIIW, Gouasbenö, 1 1 November 1 H? H : j'ijjsur] jf: , fÄ � Tinr, i.- 1• KÜKKS ■ At. il �ottfelatig>«S SetiAt« über den Unter. • suchungSanöschuß aus ocr gestrigen Abend. ausgab«. KeichskaiiHlcr a. D..b. Bethman« Hollwog(forMchrend): In seineu Extremen sührto dieser Cegensatz zu den widerlichsten gegenseitigen Anschuldigungen', welche die Wider- ftandskraft des Volkes ernstlich bedrohte n. Ich habe wiederholt m amtlichen Erklärungen un-d � in meinen Reden'den BerteidigunzScharakter detz Kriegs »nterstrichm..und der leidenschaftliche Haß, mit dem mich die svgen. Äiincxioniston verfolgten, konnte einen Kweifzl über mein« Stellung nicht austonrnren lassen. Trotzdem mutzte ebne abermalige Betonung, daß der Krieg nicht um phantastischer Ziels willen fort- geführt würde, auch iiwterpolitifih nützt ick und nötig erscheinen. Wenn gkickwohl die voltsspaltende Entwicklung ihren Lauf ge- nvmmcn hat, so liegt dar:n der Betocis, daß es gut war. ihr durch augenfällige und N'cht wegzylWgvende Mittel abzuhe.lfen. Zu den tnncren Gründen Samen aber auch autzenpoli tische Gründe für unser Friedensangebot. Ich war bei, neiner ganze« Vvlitik der Auftoffnng, best der Friede nicht erreicht werde« könne dnrch Sondierungen bei den srindlichrn iltegiernnge«, sonder« nur durch Eiuwirkuuge» auf die feindliche« Böller. Die Bewegungsfreiheit aller Regierungen in der. Friedensfroge, auck der z a r i st t s ch e n Regierung, war außerordentlich be- schränkt. Ueberall wurden die vAter zu leidenschaftlichem Has� an« gespornt, in allen Ländern entstanden Qrga«isatio«ich der Krieg?- Leidenschaft, gestützt und geförveri. das liegt rn.der Natur der Diu-Ze, insbesondere von den Gewalten, denen di« militärischen Interessen oblagen. Dies« Maschinerie der Haststiwmuug lähmte sowohl- bei uns wie bei d a anderen MÄtten die Bowe- gungSsreiheit der Regierung. Ich habe das sehr f??.kst/eitig erkannt und dem Kaiser gesagt, der dafür volles Verständnis hatte. Wer meine Reden aus jene: Zeit durchlieft, wird immer auf den Ge- danken stoßen, daß-ich bestrebt war. auf den Friedenswillen der Minderheiten in den andern Ländern zu wirken. ES ist vergeblich qeblkben. Ich habe mich bewußt, und zürar nicht nur in Worten, sondern auch in Handlmugeo dagegon gewichrt, mein« Be« !.te-,r:n�frsiheit durch«ine Entfesselung nicht wieder zu bindender Kräfte und Leidenschaften einschränken zu lassen. Das haben die feindlichen. Regierungen nicht getan. Sie werden in den Akten der Reichskanzlei und de? Auswärtigen Amte mat-che? ZeügniZ hierfür finden, oft Zeugtrisse�mserer Feinde über die ihnen sehr unbequem.: Wirkung meiner Reden. Das Fricdrusangebst vom 12. Dezember lÄll. war ein Glied in dieser. Kette. Es sollte den Stein ins Rollen bringen und war dem Gedanken t�vüdmet, daß ein ö f f e n t« licheS Friedensangebot der Miltelmächie eine tiefe Wirkuvg bei den fvststichen Völkern nickt verfehlen würde. Ich darf daran erinnern, daß in England kurz vorher daS KaÄnett As quith. gestürzt war und ein Kabinett Lloyd George bereitete sich vor. Im Oktober hielt Greh sein« Bankett r ed S, die von seinen Anhängern als eine Tcönvouieruug der Politik.'kloyd Georges au- gesehen wurde. Ende November brachte, Manchester Guardian" de« Gerücht von einer Rekonstruktion des Kabinett? mit Greh, Balfour pnd Lansdowne, durch daS dch Aussichten für Friedensverhandlungen begünstigt' wurden. A,n 80. November brachte.Labour Lea-der" dasselbe Gerücht und fügt« di« Rtnuen von Runeiman»nb Mardonald hinzu."Am 11. Dezember aber war tos Kabinett Lloyd Georg« fertig!>.rd am 12. De- zeu>ber ging nach reiflicher Ueller legung und in Uebevevnfti mmur.g mit unseren Bundesgenossen und den militärischen Stellen unser Friedensangebot ke�n-uS- Am IL. Dezember schrieb.Mormag.lljZost", e? gebe«in allgemeines Gefühl der Erleichterung diuich das Lgich. da che allgemeine Kabinettskrise vor dem beut- schM Fried«Sraigecvl gelost sei. Bei uuferm Uciedensar�ebot ivar mit ausschlaggeben, daß im englischen Kabinech in der Friedens- frage verschiedene Srrömungen miteii'.ander rangen. Aehnlich lagen die Dinge in Rußland, luv suS innerpoliti» schon Grünben das aus Männern der Rechten bsstehende Kabinett «ud-der-£ Zar der Reizung zu« Friede« bezrhtiat wurden. Nun gebe ich zu, daß wir:nrt dem Friedens- Vorenftvicklung der stets von mir vertretenen Politik bedeutete. Nur fehlte vorher dieser Poliftk eine Mehrheit im Parlament und in der öffentlichen Mginui'g- ES ist für mich ein eigenartiges Verhängnis. daß ich durch eine Verbindung des Parlcwier.t? mit der militärischen Leitung in dem Augenblick gestürzt wurde, als sich mir zum ersterrtnal die Gelegenheit bot, meine politische Linie mit einer Mehr- Veit des Parlaments waiterbin wirksam zu verfolgen. Beklagt hahe ich nur di« Umstände, unter denen die F r i e d e n S e n t s ch I i e- ßu ng zustande gekommen war. Wir standen militärisch nicht gerade aus der Höhe und dann wurde sie verknüpft mtt sensatio- nellen Feststellilngen über FehlschllaV im U-Boot-Krieg, dir fast panikartig gewirkt hatten Und schließlich war sie begleitet mit dem offenkundigen Sieg der MilUärvortci über die gemäßigte Politik des Reichskanzlers. Deshalb hebe ich noch wenige Tage vor meinem Sturz dem Ausschuß zugerufen: Fassen Sie keine schlappe Resolution. Sie müssen alle Tatsachen iu ihren großen Zusammenhängen beurteilen. Dann werden Sie euch die Fatalität erkennen, die in diesem Krieg über der äußeren Und inneren Politik aller Ander lastete. Mari kann sehr zweifel- hast darüber sein, ob unser Friedensangebot vop: 12. Dezember zu einem anderen Erfolg genihrt hätte, wenn nicht am 11. Dezember die Lösung der eng I|f ch e r Kabinettskrise vorangegangen wäre. Es ist möglich, vielleicht auch wahrscheinlich, daß dann die Wirkung des Angebots in England anders geworden wäre. Jüngst bat Graf C z e r n i n mitgeteilt, daß die russische Regierung kurz vor dem Sturze de? Zaren die erste« FriedenSfllhler nach Wien hätte gelangen lassen. Es ist cm kür den Perlauf de? Weltkrieges charakteristisches Perböngnis. daß auch diese Aktion, nicht gelungen ist. Der russischen Revolution vom Mörz 1V17 lag doch de? Gedanke zugrunde, daß die bürger- lichen Parteien, die in Rüß'and unter dem Einfluß der E n. t e n t e di? Dröge r der Kriegsidee waren, nicht ohne Mitwirkung der englischen Politik sich gegen den im Verdacht von Friedens- Neigungen stehenden Zaren und seine Minister wandten. Das Verhängnis der deutschen Politi? in der liier zur Untersuchung stehenden Periode erblicke ich darin, daß die schroff ablehnende ilntwort, die im? die Entente auf unstr Friedensangebot gegeben hat; der volitischen Leitung die Argumente nahm, mit denen allein der verbängnisvdlle Beschluß vom ft. Januar hätte vermieden werden können. Ich fasse zusammen: Da? Ob und das Wann ctitcS W i l- s o n s ch e n Friedensschritte? erschien der Berliner Zen. trale zweikelhafr. Sie zog, um den militärikcken Zeitpunkt nicht zu verpassen und um durch eine öffentliche Aktion zu den Völkern der Entente vorzudringen, den Weg eine? Ssfentlichen Friedensangebotes vor. Es war ein« völlig eindeutige Absage. Der Ton der Note war schroff und beleidigend. Ich wußte nicht, daß damals irgendeine maßgebende Stelle bei uns darin- eine Möglichkeit zu Verhandlungen gesehen hätte. Die allgemeine Auffassung war di« Verneinung sedeS SerstLndigimgSwillrnS. Inzwischen hatten wir die Friedens?! vi- Wilsons dahin beant- wartet, daß wir die Anregung warm begrüßten. Eine öffenillchc Diskussirn der beiderseitige» Kriegs ziele, bevor die Frie- deuSbereitschaft festfiand, wäre ein« Prozedur gelvesen, die eine etwaige BgrhaudlqnßsVrreitschast vernichtet haben würde. Den Beweis dafür bat die Entente mit der Aufzählung ihre, Kriegs. ziele bei Beantwortung der Rote gegeben. Nichts war geeigue- ter, die Möglichkeit eines Verständigungsfriedens in Ivette Ferne zu rücken, als diese? Vernichtung?- und ZertrümmerungSkatalog. Ich wer erstaunt, daß S ou se vorgeschlagen haben soll, daß wir ähnliche Bedingungen stellen und uns dann auf der mittle. reu Linie einigen sollten. Das wäre nur möglich gewesen, wenn auf beiden Seiten der Entschluß, zu einer sch ließ! ich» n Einigung zu kommen, feststand. Wie die Dinge lagen, hatten 'wir aber da? Gegerrtsil erreicht, wenn wir in der ganzen Wfclt KriegSziele proklamiert hätten, die denen der Entente ähnlich wäre». Nun wird gefragt, warum wir unsere Bedingungen nicht vertraulich nach Washington mitgeteilt hättm. Wir sind damals nicht nach den FriedenSbedinguirgen gefragt worden. Bernstorff gab uns als für Wilson wesentlich die allgemeinen Friedensgarantien an: Abrüstung. Schiedsgericht nstv. Wir haben «igebot' eventuell bis'n�'dem FriedensfchrA W Präsidenten Ä Ä*, Wilson Hütten ivarien können; aber abgesehen von der Unsicherheit, � �hingungen a n g e e r.. e t. Der Bot- z« der nach den Sisherigen Erkabpungen mU dem Präsidenten Wilson die Berliner Zentrale döck immerhin berechtigt war und di» sich' darauf grünSete, daß wir nicht wußten» ob dieser Friedens» schritt überhaupt erfolgen und ob er noch»n eine günstige militä- rische Lage fallen würde, war bei uns das Hauptmoment da« Be- streben, auf den Friedenswillen der feindlichen Völker zu wirken. Wsitvzlaustkm daß-diese Wirkung mit dem Friedensangebot vom lS. Dezember bess er sein würde als hei dem schafter ist ermächtigt worden, zu sagen, daß nnsere FrirdenSbedin o. un gen sehr«ästig seien und ssch im Gegensatz zu denen der En. tri!?« in durchaus vernünftigen Grenze« bewogten. DaS gelte inSbesettdere, für Belgien, daS wir nicht zu annektieren wün«ckte'n. Die e l s a ß. l o t h r i u g i s ch« Frage sei für nnS nicht diskutabel. Wilson ließ uns mitteilen, daß um'ere Aeuße- ruugen ihm äußerst wertvoll seien: Die posittv au?ge. Srirttt des Präsidenten?g i l s o n. Mtürlich waren weder ich j sprocheu: Bitte um vertrauliche Mitteilung der Bedingungen fällt rvch meitte Mitarbeite? am IS. Dezember über den mutmaßlichen erst in die allerletzte Periode vor dem Bruch. Wir baben wn Erfolg unsere? Friedensangebots so unterrichtet, wie wir es! Wilson am L9. Januar die KriegSziele mitgeteilt, di« allerdings heute sind. DaS Friedensangebot wurde von unseren Feinden ein wütig abgelehnt. DaS wissen w,r heute, aber da? wußten wir da- mals nickt. Wenn wir aber die Feitungei. aus der damaligen Zeit uacklesen, können wir sehest, wie unbequum unseren Feinden das Angebot gewesen ist. Man sprach von«stier Fall«, mau setzte die Zensur in Beivegung, man ordnete«nrt, daß das Angebot totgeschwiegen würde. ES war doch tnqxlich� daß die Antwort der Allilerteu uirier einem starken Druck von unten so auAs allen konnte, daß es uns möglich gewesen wäre, den Faden weiter zu spinnen und auch dl« widerstrebende» Regierungen an den Verband- lungStlsch zu bringen. Ein« solche Antwort hätte der politischen Leitung deSReuliS die Möglichkeit gegeben, sich der schw.erenEn t- scheiouag. die feit, dem Januar ISIS une ein Damökles- schw e r t über ihr hing, und zwar desto doohen-der hing, je mehr die Zahl der U-Boot« wuchs und di« Te.stn'.k der U-Voot-Waffe sich vcr- vallständtgte. unter Berufung auf I ri cdenSr.; stglichkci len mit Erfolg zu widersetzen. Wir hätten dann den Beschluh vom S. Januar, der von mir für verhängnisvoll gehalten wurde, vermieden. Heute ist eS überaus billig und einiack. dal, was«Kigetreten ist, al» u n- v? t m e i d b a r zu bezeichnen und des in dm: Geschichte Geworden« als des Wsbrßheinliche hinzustellen. Dos FriedeaZangebot vom lÄ. Dezembe'e war der Versuch einer h'inwtrkung aus dir feindlichen Biilkcr und durch die Völker ans die Mgietungen. Sriitc. Wipkung wurde beeinträchtigt durch dt« Form, di« üöy dem Bestreben diktiert war, unferci militärische Lage nicht schevach erschein m zu lassen. Dies« Form ivar ein Kompromiß der militärischen und politischen Stellen. Ich bin auf�dem einmal beschritten«« Wege weftergeqemgen. Im Reichstage ha? ssch im Juli 1 AI?«rfttsalig eine Mehrheit für dies« PolititMunKe.t. und sch lab«»a meiner Nede im Reichs- :<««ausfstmß. kurz vor meinem Stur� hervorgehoben, daß ich gegen von denen vom Dezember in mancher Beziehung abwichen. Wollte»man nicht bis zur Erreichung bestimmter minimaler KriegSziele unter allen Umstanden weiterkämpfen— und das wpllt« ich nickt—, so konnte erst im Augenblick, wo sich Verhatid. luugSmöglichkeitea darbotei:, nach der jeweiligen Gesamt- läge über Friede nSbebingungen entschieden werd«n. und darüber, ob und auf welcher Basis man verhandeln wollte- Alle früheren Festsetzungen waren dann in ein Nichts zerfallen. Das war di« einfache Konseguenz davon, daß wir im Daseinskampf« standen und: einen Koalitionskrieg sühnen, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat. VerhandlungSmöglichbeiten auf einer BasiZ, die das deutsche Volk angenommen hätte, lrib-n sich bi» stabiii niemals geboten, f ästen unsere Feind« im Winter ISlS/I? ernsthafte Verhandlungsbereitschaft gezeigt, dann wäre eS an der Zeit gewesen, sich e in Bild von dem Errttchbaven zu machen und endaültige Entschlüsse zu fassen. Die Eitaatton im Januar, als de» unbeschränkt« U-Boot-Krieg beschlossen wurde, war folgende: Die M a- r.i n e machte sich stark, England bis zur neuen Ernte frir.denS. bereit zu machen, ivenn am i- Februar der U-Dvot. Krieg begönne. Dieser ZertpunS war als äußerster Termin bezeichnet, wenn v>w Die Oberste Heeresleitung verlangte den U-Boot Krieg tnit tvller Entschiedenheit als ein von de? allga.-.ieinen.Kriegslage gebieterisch geforderte? Kumvsuii-tteil. Dockei wurde hervorgehoben. daß e? gegenüber den Spmmekämpfern nicht m:r- sten HoersSleitpna stand ein getoalttger De'.l de» Vo'.k'.s, der seit 'Jahresfrist«hr'ich den Ghackben. hatte, der v-Besi-�«eg. werde>tn». mtt aller.Gewißheit den Sieg bringen. De? Giaube saß so tief teile kmit erhobener Stimme) tn: terit-dl sch mit de,, infam st e n Verleumdungen bekämpfte. Der ilberwie- gende Teil der Presse heckt« mit Hochdruck in demselben Sinne gewirkt. Wiederholte Ausäye, die Presse zu zügeln, wäre« r'one besonderen Erfolg geblieben, weil der U-Doot-Krieg nicht nur von der Armee und der Murine, sonder« euch von.der Mehrheit des Neich'StUgeS getragen wurde. Das Ze n i ru m hatte erklärt, daß ich. zwar dem Reichstag aegenüber allein verantwortlich sei, daß aber meine Entscheidung sich wesentlich auf die Entschließung der Obersten Heeresleitung zu stütze« habe. Falle diese. Entscheidung für die Führung des rücksichtZ- losen U-Bvot-KrieHes ans, so dürfe ich des'Einverständ- uisseS des Reichstages fichet sein. Der Reichstag folgte der Obersten HeerekleitiM!,. Nachtiem die K o n s e r v a i i d e p u>td Nationalliberalen schon vorher unbedingj dafür g«- wesen ivaven, war der parlamesttari sche Ring geschlossen. (Bewegung.) Von militärische«: Seite ist jetzt behauptet worden, ich hätte die Oberste HeeieSlei-tutig sehr gegen ihren Willen m den Streit hineingezogen. Diese Behauptung greift fehi. Es handelte sich um die Anwendung eines Kriegsmittels, das notwendig zum Bruch mit Amerika, möglicherweise zum Konflikt mit cuue- reu Neutraleu führen mußte. Ein solch«? Kriegsmittel konnte nur auf Autrag der Obersten HeeeeSleitang in Anwendung kommen. Di« Oberste Heeresleitung hat im Kriege diesen Standpunkt immer scharf vertreten. Herr v. Bethmnun Hvllwea verlieft ein Schreiben der Obersten HeeveSleitting vom 26. Dezember 1216, in dem erklärt wird, daß di« Oberste Heer«, leitung datür sorgen wende, daß militärisch das geschieht, was st« für richtig hält. Die- Oberste HeerrSfeitung«nb der Admiralstab hatten br- schlösse», de« N-Boat-Krieg zu mache«. Der Kaiser stand auf ihrer Seite. .Gegen das Jahr 1918, wo ick den U-Boot-Krieg verhindert hatte, hatte sich die Lage von Grund aus verändert. Damals hatte ich durchdringen können, weil a. a am 1. Mar» nur 3ö Groß- U-Boote zur Verfügung standen. Jetzt war die.Zahl größer. Dazu kam, daß bei der geringen W e l t e r n i e ein Gelingen plausibler erschien. Ausschlaggebend war, daß Hiudenburg und Ludendorff dafür waren. Das Vertrauen, das diese Feldherren beim gesamten Volle harten, die Tatsache, daß sie wiederholt, sich als Retter des Vaterlandes erwies«,, hatten, und die Feststellung, daß die Mehrheit dcS Reichstags deutlich gezeigr hakte, daß sie H i» d e n v u r a s Votum als entstteidend ansah, waren bezwingend. Erklärten sie sich stark genug, alle Folgen bis zum Eintritt der Wirkung des U-Boot-Krieges zu tragen auch den Bruch mit Amerika, dann tonnk« ich nur widersprechen, wenn ich mich auf ausschlag- gebende Grunde stützen konnte. Hatte tck einen solchen Grund? Der Admiralstab hatte den voraus gesehenen Erfolg ausgebaut auf detaillierten Berechnungen von Mannern, die sich selbst für volkswirtschaftliche Autoritäten hielten, s Heiterkeit.) Diese Berechnungen hatten natürlich keine Beweiskraft. Ich konnte aber auch nickt die E r f o l g l o s i g k e t r des U-Boot-Kriege? nachweisen. Sowohl die Filhrang wie dir Unterlassuna des U-Voot-KriegeS waren ein Experiment. Wurde von der Obersten Hoeresleitung mit vollem Nachdruck behauptet, laß«ine erfalgreiclst Beendigung des Krieges nur dgrch den U-Boot-Krieg möglich sei, dann könnt«, ich nur widersprechet, wenn ich eine andere Beendigung deS 5erieges in Aussicht stellen konnte. Die militärischen Stelle» forderten gebieterisch den U-Vrot- Krieg nah«rtlärten, daß der Aufschub einem Verzicht auf eine glückliche Beendigung des Krieges gleichkäme. Wen» Tirpitz be» stäuptet, daß der N-Voot-Krieg 1!>1n hätte gemacht werden müsse»,. so war«« wir damals dieser Forderung in keiner Weise gmvachseu. Der kriegseintrill Amerikas hätte uns tu einem Augcu-b'lick pe- troffen, w» die mititärische Gesamtlagc durch Verdun nnd Rumä- nie» aufs schwerste belastet war. 1917 war di» Lage ganz anders. Rumänien war erledigt, und im Westen war größer« Sicher- heit geschaffen. Acher auch der entschlossenst« SiegÄswillie könnt« da» brutale Faktum nichi ans der Welt schaffen/ daß gegenüber dem andauernden Antvachsen der feindlichen Uebermach! unser MenflhenersM abnahm und unter der Wirkung der Blockade schlechter ward«. �Bewegung.) EL handelte sich also mn ein .ttriegsuittiel. das von öläasiigett Auiori-tättn und mit solchen Gründen gefordert wurde, di« von der großen Mass« des Volkes in der Heimat und in den Schützengräben geteilt svutden. Die Beraiitwortvug itat ein« ungeheure- Last, die zentnerschwer auf mir lag. Am 0. Januar war es schlechterdings uninSg-ttch. zu sagen: Nein, der U-Boot-Krieg wftd wicht ge.nachi, ich stehe da- für, daß tvre demnächst zü Feieden« Verhandlungen kommen. Ich hotte auch nicht da? Vertrauen, daß eS Wilson ge- finge« würde, die k-utente zur Aufgabe ihre» exorbitanten Kriegs- ziel« zu bringen. Auch andere BerhandlungSmöglichkeiten konnte ich nicht tu Aussicht stellen. Nein Rücktritt wäre am S Januar eine einfache und be. aueme Maßnahme gewesen. Hätte ich annehmen können, daß ich durch mein Ausscheiden der in mir persönlich bekämpfteu Politi! der Regierung- irgendeinen tziewinn hätte schaffen können, ich hätte keinen Augenblick gezögert, dem Kaiser mein Abschiedsgesuch zu unterbreiten. Sa dnrfte ich die Dinge aber nicht sehe». Der telografihisclM Verkehr mtt der Oberiren Heeresleitung konnte mir keine,. Ztveifel lassen, daß von ihrer Seite, der rücksichtslose Einsatz der U-Boote mtt allergrößter Entschlossenheit' betrieben wurde, sobald die Rede Lloyd Georg«? bekannt geworden war. Dies wurde in einem Telegramm LudcndorsfS klar ausgesprochen, wobei er auf Grund seiner persönlichen Eindrücke an der Westfront die Ansicht ans- sprach, daß der II- Boot-Krieg mitofler Schärfe einsetzen muffe. Das Auswärtig« Amt erw-irrrle mit dem Ausdruck seiner ernsten Bedenke», namentlich mtt Rücksicht auf unsere bevor» steheick« Friedensaktion. Es kam der Bescheid, m?n' u-olle nicht drängen, aber es kam doch die präzise Erklärung, daß ohne den rücksichtslosen U-Boot-Krieg der Frldzug verloren sein würde. Alsdann kam ein Telegramm vom Feldmarschall, in dem e? heißt: Die Enten!? führt mtt allen Mitteln den Krieg weiter, nach- dem wir st, akttn Parlamenten«ine so scharfe Absage bekommen haben. Stuch Wilsons Bestrebungen konnten daran aichtS an. der«, wenn sich unsere Gegtwr nicht selbst Lügen Jtrafrii wollten. Der Feld Marschall hielt da? Wilsvasche Angebot als von England h r- vovger-ufen. wir köunwn auS nationalen Gründe:» dw FriedenSentsihließung mchi» emzutvendlu hätte, weil sie nur die l und fest, daß man mich, dv« dem«an wußte, daß ich chn nicht m irl" Ä*«*, c-t'1.«>?-. iit••.n.'C...-Li >' sseu. Mi: starken Worten wjpS.doS Telkgrm.rm sufri-?« --stimulung. in der Armee hin, die den rücksichtslosen Einsatz aller Kräfte erwarhe. Auf mein« nicht zustimme»!)« Antwort kam rt j l ■ e!« schroffe? Telegramm dcS Feldmarschalls, dl? mttMrrftfy Sage i e ganze Autorität der Marine hinter diesen Erfolgen, die den Gwlz des Volkes bildeten. Dazu wirkt« die Anficht de« Groß. ad� ai« von Tirpitz. daß der ll-Soot-Krieg fchieuaigst einsetzen m Main« wiederholtem Berichtlgnngen kber die phantastischen N-Loot'Zastfen konnten nicht öffentlich geyeben werden, so konnten sie auch nicht aus dasVolksleden einwirken, wir dursten unstws retative«stchwäche tncht enthüllen rmd die Mach! der militärische» Zensur unterließ eS. diese Agitation zu hindern. Vogen Amerika bestand im Volte, namentlich wegen der Waffen» und Munition«- lieferungen, große AtrtmosttSt, meine Warnungen. Amerika als Machtfaktor nicht zu unterschätzen, blieben unberücksichtigt. Zeitweise gelarP e« mir, einen Rückgang der Agitation zu erzielen; aber die Hypnose, die durch das Vertrauen zp de« N-Booten ent- stände,! war. war ein stärkere» Argument. Diese Hb'�ose war eine Versündtynng an dem Volke. W« Entscheidung, ob verhängnisvoll, daß kein« BvUsleidenfchift auf sie hät:« olmvirien der U-Dövi Krieg gemach! oder unterlassen werden sollt«, war so dürfen. Da» Wegen teil»st geschehe»: die DolkSüberzeugung war ein Moment, da« darauf begrüudet war, daß Hindrndurg«w mUttärlsch�il Gründen den U-fiJow-ätoiog wolle. Di ose Ansicht mußte ig der Eeel« de« Volkes einen Stachel zurückloyen mit der Ueberzeugimg, daß bri der Ablehnung seine Zukunft zerbrochen worden wäre. Die straffe, einheitliche Zukammcufalsuhs unserer administra- tiv-n und volillschen Kraft änderte sich, al» der Krieg begann. Die militänsche Verwaltung griff überall etn, daß«ntch der letzte Wehrfähige zu den Wassin gerufen wwrd«. All unsere Kraft war ouf da? Moment eingestellt, der kämpfenden Armee zum Siege zu verhelfen. Vielleicht ist dem militärischen Ueb-rgewicht nicht rechtzeitig»nd energisch genug Widerstand geleistet worden, vielleicht hätte ein Mann von der Qualität und Autorität eines«i». marck die Fähigkeit M-ssr». auch w solcher Lage die Einheit, lichkeit der Führung zu erzielen. Räch unserem uomenlose» Znsammenhrnch, der nur«»glich gewesen ist, weil wir alle g-sünd»at hnbrn, übernehme ich e» nicht, die Schuld auf andere abzuwälzen. Mer ich muß doch die Tatsache feststellen: Al» Hindeckburg mit Ludendorfs an di- Spitze der HeereSleituna berufen war. stand für das bürgerliche Deutschland fest, daß ihnen die Gut- sckeidung zustehe, wie der Krieg geführt und beendet Wersen solle. Es stand fest, daß die politische Leitung sich ihnen zu füg«» habe. Der Reichstag, von dem Parlament de, g r ö ß t« n Ein» zelstaateo ganz zu schweiffen. unterwarf sich in frift« Mehrheit von vornherein dem künftigen Votum der Obersven Heeresleitung; in dem offen geführten Kampf gegen die Autorität de« Reichskanzler« fehlte«Z da an allem Gegengewicht. Einen inneren Kampf hätte ich wohl entfesseln können, dieser hätte aber nicht» weiter erreichen können, als einen noch tieferen Riß durch da« Volk zu schaffen. Es muß doch ausgesprochen werden, daß die Mrbrhrit de? deutschen Volke» und sein« gesetzliche vertrriung da» ll gbe rgewlckt der militärischen Leitung smtt stark erhobener Stimmet gewoll» hat. Die Konsequenzen erpeben sich von selbst. Dabei will ich eins zugeben, nämlich daß»ine zu Beginn deö Krieges geschaffen? parlamentarisch« Regierung an sich vielleicht hätte stärker sein»nnen. Die Unfertigkeit unsere, Poll. tischen Zustände ist uns »NM Fluch aewordeu. Auch hier liegt eine Versäumnis vor, aber auch hier vielleicht «ine Kollektivschuld. Kommandirren läßt sich dl« Paria- mentSregieruna nicht, auch wo sie gowollt ist, sie entwickelt sich mit der politischen Reife de» VnkkeS. Wer die historische Wahr. beit. und zwar die gros" wesentliche Wabrhoi: und nickt einzeln« Datsachen, feststellen will, der wirb weder bieieniccen. die die Widerstände nickt zu beseitigen vermochten, noch die Träger dieser Widerstände anklagen können, ohne die au» der G e s ch i ch t« de» deutschen Volke« und seiner politischen Parteien entstanden« Denk. weile zu berücksichtigen. DIeS zu sagen, wird mir erlaubt sein mit Rücksicht auf die großen Komplikaiionen dieses Weltkrieget, di« -ruf wich eiimestiirzi sind, litis wurde entgegengehalten, die En- '«nie sei völlig unschuldig am Kriege, wir seien die allein Schul- di gen. Dagene« vrotestiertrn wir. wir wollten genau so behandelt werden, wie die Entente. Die Entente erwartete, daß Wilson sich ibren Anschauungen anschließe! wir seien keine gleichberechtigte Partei, sondern der zi« bestrafend.» Angeklagte Da» heißt mit anderen Warten: die FriedenSvermitikung wird von»ornherein v a r t e i i sck sein. Die Stellung Wilson» rsar in der.Kongreßbot. fchatt bekundet dahin, daß die FrtedenSaktion ver- wickelt werden soll«; zu den Bedtnaunaen gestörte auch dl« Schjffrnrn rineS«Inigen, unäbstäugigen. sclststäudig-'N P-ken mi! einem Korridor zum Meer. Nester dir Bedeutung der volnischen »roa« hakt« die amerikanisch« Regierung kein NareS Bild, wie ~ 3'■) v..". sizz, d,s Botschafter» te&S gegenük« Stellung ijsti stehiuen. Eirdlich, am A. Januar, kam die Depesch» Sernstariis. wonach Wilson fetzt den, Kr- eben vermitteln m o l le und ihn e r h o f f e. Er bäte deshalb trotz aller Skepsis, den Uevoot-Krieg aufzufchiebe». Dieses Verlangen wurde von dem ! Admiralstob abgewiesen, weil es unmöglich sei, die bereits auS- gefahrenen U-Boote zurückzubeordern. S» blieb mir nichts Übrig, w. � all WKson unsere ftzriedenSbebtngungen mitzuteilen und daS Auf- gelien»e» U-Boot-Kriege» zuzusagen, sobald e» deni Präsidenten , sftlätUe, eine euckfprcchende Gründkäge für die Frtedsvsberirigrm- gen zu erzielen. Nqch der MittilwSpause fragt Vors. Warmuth: Exzellenz trennen in Ihren AuSsüihrungen scharf Friedens»« r m i tt I u u g und Friedens a? t i o n bei den Bestrebungen Wilsons. Sr erscheint hier«ne Klärung not- coeudlg. », Bethmana Hvllwcg: Ich Hab- den Unterschied nur gemacht, um M'bverstSndutssen vorzubeugen, wte sie mir in den bisherigen Sitzungen schon passier! zu sein scheinen. Selbst. verständlich gehLti im weiteren Sinne des Wortes auch die lkätig- keft des Präsidetuen Wilson, die darin bestehen sollte, die Krieg- führenden an einen Tisch zu brftigen, auch zur Friedenkvermitt- kling, ffiö war festgestellt worden, daß Wilson niemals bean- spruchi hatte, bei der Regelung, namentlich bei hen territorialen Fragen, beieitigt zu sein, daß er lediglich bei den allge- meinen, internationalen Fretgen dabei sein wollte. Diese Tätig. ?«it änderte sich mit der Kongrehlbotschaft vom W. Januar. Er formulierte nun ganz bestimmte Bedingungen, w> er sich den Frie- den dachte. Um nun ist der Aussprache die Tätigtet: Mlsons, wie wir sie. ihm von Anfang an zugedacht haben und wie er sie beansprucht hatte, nicht zufammenzu»nerf»n wit seiner veränderten .yaltnng nach der Kongreßdotschaft. schlug ich vor, die Begriff«: Friebensaktion und KriedenSdermitklung anzuwendea. Hrieden»- aktwn ist die Tätigkeit, die wfr khm zugedacht haben, Friedensver- mittlung ein« Tärigkeit» bei de? auch an die materielle Ordnung der FrirdenSbedingnngen gedacht wivd. Vors. Warmuth: Im September IvtS ging der Botschafter Äerard nach Amerika zurück. Hatte er bemal« Frtedensbedin- gungen mitgeteilt erhalten, di« er in Aw-rika vortragen sollte? Ist Gerarb von Ihnen mit Instruktionen versehen worden, di« ihm einen Ueberblick über die verschiedenen Strömungen in Deutschland geben konnten t ». Betbmana Hallweg: Zuerst die zweite Frage. Ich habe in ftchlreicheu Gesprächen mit Gerard, der mich vevhältniSmäßig häufig besuchte, über vi« verschiede»,«» Strömungen, die in Deutschland namentlich hinsichttich deo U-Boot-Krieges bestanden, gesprochen. Gerard bat»« auch selbst seine Deobachtuugeu ange- i-ellt. Die beiderseitigen Beobachtungen deckten sich. Ich habe wiederholt ausgesprochen, daß der Druck auf Herbe-führung bei U-Aoot�lriege» seit dem Herbst IßlO größer wurde. Gerard sagte damals, er seh«, wie mein« persönliche Stellung immer mehr um- stritten»verde. Natürlich fanden diese Bespräche in diplomatischen Ausdrücken statt. . Dann die Frage, eck ich ihn, Frieden obedi-ngungen mitz,«geben hätte. Soviel ich weiß, habe ich ihm kein« konlreten Bedingun- gen mitgeteilt. Gesprochen haben wir natürlich bei verschiedenen Unterredungen über da»,«a« ich bezüglich der deutschen Kriegs. ziele in meinen Reichstogsreven gesagt habe, über etwa» weitere» »seines Wissens nicht. Ich möchte hier eine allgemeine Bemerkna» machen. Ich bin imstande, und nur ich bin imstande, dem Au»« schuß Auskunft zu geben über die Motive und Ziri« meiner Handlungen, über die Kämpfe, die gegen mich gerichtet waren und über die Unterstützung, hie ich gefunden habe. Ich er- kläre mich aber für völlig außerstande, auf-inzeine speziell« Fragen, womögjlich an Daten gekn-üpft, hier zu antwor- ien. Ich möchte doch dem Ausschuß zu bedenke» geben, daß ich seit Haid zwei Jahren keinen Einblick in die Ak'en mebr habe, und daß mir die Akten jetzt erst vor noch nicht ach« Tagen bewilligt worden sind. Diß Zusammenstellung der Wen. die auch dem Ausschuß vorliegen, ist mir erst vor Ii Tagen zugestellt worden. Sehr inter- essante Aktenstücke habe ich erst gestern vormittag erhalten. Ed ist ganz unmöglich, daß ich daö Aftenmateria! im einzelnen, im Wortlaut der Depvschen, in den Daten, bbr gegenwärtig haben und beeidigte Aussagen darüber machen soll. Diese Akten würden auch gar rncht genügen. Ich könnte mich bei allen diesen Fragen auch nicht nur auf die deutfch-amerikanrschen Beziehungen de- schranken. Ich müßte die Kouiplikaiion des ganzen Weltkriege» berücksichtigen. Ich würde unzählige Akten de» Auswärtigen Amte» und der RcickSkansiri noch heranziehen müssen, um die Vor- gänge rekonstruieren zu können, um feststellen zu können, welche politischen Erwägungen, welche Rücksich.cn laktischer Ratur vorge- legen und veranlaßt haben, daß gerade diese Jormulieru»� ge- braucht worden ist. Do» ist mir ganz unmöglich. Wenn der Ausschuß solche sozialisierten Fragen an mich richten will, dann bitte ich Sie, si»; christlich zu formulieren und mir Zeit zu lassen, wenigstens au« den Akten die notwendigen Kenntnisse zu schöpfen, die zu einer zeuaenekdliche:, Beantwortung nortveildiq find. TS ist eine solche Füll« von Sorgen und Ausgeben aus mich eingestürmt, daß:« mir heute, nachdem ich zwei Jahre aus dem Amte bin. rein unmöglich ist, Einzelheiten anzugeben. Borsitzender«lbg. Warmuth: Wir müssen selbstverständlich voraussetzen, daß auf bestimmt« Fragen t«stimmt« Antworten «folgen. Dabei werden vir natürlich, utim eS möglich ist. Ihr Gedächtnis durch Verlese» von Urkunden aufzufrischen suche in Andrerseits geben wir Ihnen selbstverstäMich Gelegenheit, sich zu orientieren und unS in einer späteren Sitzung die bestimmt« Antivovi auf die bestimmte Frag« zu geben. Di« Finge, die ich«m Sm bezüglich de» Botschafter» Gewrd richtete, soll somit ei» erledigt zu betrachten sein? V. Brtvmaim Hovw««: So wie ich eS dargestellt habe. Ich habe übet die Natur unseoer Kriegsziele t'erschiedenklich im KeichS- tag gesprochen, selbstverständlich auch mit verschiedenen Nuancie- Vorsitzender varmuth: Konkrete FriedenSbedingungen hah«n Sie Gerard nicht mitgeteilt» v. Srtbmanv Holl»»«»: Boweii ich»nich entsin«» kann, nicht. Aorsitzender Warmuth: Dann Sitte ich am Auskunft, inwieweit Oesterreich-Unaarn übe? di« Wilsonsche FriedenSaktion. um sie so zu nennen, orianttert war, Bestand zwischen der Obersten .Heeresleitung und Oesterreich-Ungarn eine ft ö n d> g« Fühlung. ,iabme über diese FrieSNiSaktion, soweit sie uns durch den Grafen Bernstorff bekannt rvurde od«? von hier«m» Sr trieben wurde? v. Betdmann Holl»««: Ich kann»rur cmtluorten, daß, soweit mir in diesem Moment pegenwärttg ist. Oesterreich orientiert wurde. Ein« fortgesetzte Orienriermv, wäre Sacke de« AuStvärttgn» Amt», nicht unmittelbar de» ReicktkanqlerS. Wie diefe Vrientie. ru»»g stattgeftlnde» hat. darüber hin ich im Moment vollkommen cmheristmde. rin« Ankunft zu geben. Bei dieser Gelegenheit mockste ich noü', aus die vorige siirag« zurückkommen. SS ist oft unmögiich, auf plötzlich vorgelegte Fragen so au» d«m Gedächtnis heran» die Dinge zu rekonstruieren. Ich beton«, um nichts Falsche» zu sagen: Ich entsinnt mich, daß ich w Gesprächen mit dem B-ckschaster Gerard auch»»hl.. nusere Krieg«, crle erwähn? Hab«. Ich halbe gesagt, in Belgien»»liißtrn»vir Vor. sorge ttessen, daß e« bei den Ententemächten nich! als Sturmbö» oder al» Bollwttt venvend-t wer»?. In meinen Reden habe ich Mes» Forderung negativ gesttllt und von den Garantien go ivrochen, die wir verlangen müßten. Im Anschluß an«in« solch« R«de hat mir Herr Berard die Frage vorgelegt, wa» tck mir unte« 'Entente auch- gesprochen. Soviel ich weiß, hat Geinrd in seinem Buch oiif diese Unterredung Bezug genommen. Dies« Darstellung ist aber nach meinem Gedächtnis falsch."ich habe sie dementiert, Ivo und wie fcfr«» getan Hecke, kann ich im jetzigen Moment, obn« das erfinderische Material zusammengesucht zu haben, hier unter Zeiifleneid nicht sagen. Ich möchte dies später nachholen, möglicherweise crudfc nxh aHer« Dinge, die mit jetzt nicht gegenwärtig sind. Wenn der Ausschuß bereit ist. mir solche Fragen formulier? vor» zulrgen und mir Kit zu laüen, Akten zu studieren— zu Hause habe ich keine Akten, ich habe bei meiner Verabschiedung keine m i t geü.o m m e n, höchstens allgemein zugängliche Sachen, aber keine vertraulichir Natur—, so werde ich darauf zurückkommen. Meiew erste AinSsoze war schon«was„ u 0 r s i ch U g. ich hätte schon da bitten müssen, mir. eine formulierte Frage vorzulegen. Vorsitzender Warmuth: Ich dann wohl das Gedächtnis Etv. Exzellenz bezüglich des Zusammengehens Oesterreich- Ungarns und Deutschlands auffrnchen, wenn ich Sie erinnere, daß am v. Dc> zember Bur'iän den Wunsch anSgesprochen hat. Präsident Wilson möge nicht als FriedenSvermittker auftreten. Da kptelle wohl ein perfönNcher Wunsch BurianS nji«. Ist tkxzcssenz darüber etwas bekannt, daß von her mit Oesterrrich-Nngaru verhanddl! worden ist? v. Bethmaen Hollweg: Fch erkläre mich außerstande, hierüber zu aniwortem Ich wlrrtz« mich in Mutmaßungen ergehen, die keine Grundlage haben. Abg, Dr.: Ginzbetmrr tSo�):«m 13. Oktober haben Sic im Ha»iptquartiir wit Baron Bunan dt« Möglichkeit, zu einem Frieden zu kommen nnd di« Grundlagen zu einem Frikdcneangelwt be- sprockiev. wie at am 12. Dezember erfolgte. Darüber liegt eine ausführliche AukAeichiMn« vor. daß von der polittfchen Reichs leiwng cine Frieden sakfion Silfuns leveit« angeregt fei. Vors. Warmuth: Sie batten also die FriedenSveumitttung Asilfvn» an geragt und ihm auf der«mdern Seit« doch nicht mit- geteilt, baß Sie selbst sin« Friedensakt im» unternehmen wollten? v. Brthmann Howveg: Ich hock« die Vorteil« einer Ailfonschen Friedensaktion und eine» eigenen Friedensangebotes gegenein- c. Icker abgewogen. Ich habe geglaubt, zivri Eisen im Feuer Hecken zu sollen. Vors. Waeumth: Graf Bernstorff hcckte ausdrücklich berichtet, wie möcht?'» nstt unseren FriedenSbedingungen nicht heraus- kommen, weil da« mögliche nveife da» Wilson fcke Unternehmen ungünstig heeinfiussen könnte. Warum haben Sie diesen Wunsch des Grafen Beenstorss nicht beachtet? ». Bethman« chollive«: �ch werde später darvuf antworten. Abg. Dr. idtazheimer: Si, gaben un» ein« sehr ausführliche. tncht sehe günstige Eharvckterisievung Wilsons. Ist dies« Meinung vielleicht inaßgodend getvcsen für sichre und de» Auswärtigen Amtes Haltung m dieser Aoraelegonheit l Und warum haben Sie trotzdem«uf das Wilsonfche Angebot Wert gelegt? v. Bethman« Hellweg: Weil alle Chane tveetvn mußwn. Vors. Warnvnth: Am 26. 5kov«nber ging ei,« Rot« Zimmer- mann» nach Äafhina'.cm ab de» Jnhalit, daß wir die Wilson- Aktion außerordcvUiich gern»eben würden, und am 27. November ging eine Note Guer Exzellenz an Hindenburg ab, des ZnboltS, daß wir mit unserem Fricdmtangebot berauStommen Müßten. Hier liegt also isi einer kurzen Spanne Zoit eine Gegensätzlich- keit de» Handeln« cwr. v. BcthmaNn Hellweg: Dtefc Nsgerckätzkichkrik erklärt sich dar- a«», daß»vir zwei Sifir, im Feuer haben Und behalten ivvllten. Mg. Dr. Sinzheimer:«n zwei aufeinanderfolgen- den Tagen aber kann doch in einer so wichtigen Angelegenheit eine GcgcnsätzNchZeit in den Anffassunzen eigentlich Nickt ent- stehen i v. Setdman« Hvllveg: MN mein«, e»;?er«rventli» geschätzten Staatssekretär Zimmermann habe ich stet» eiaverstöndlich gearbeitet. Kch kann aber»«cht toissen, ivÄchc Gründe Zimmermann bei der Abfassung dieser De- pefche di« Hand geführt haben. Vorst Snnauth; Sine gewiss« Ueberrinsrimmung zwischen Ihnen und Dr. Zimmermann mußt« doch vorhanden kin. U> Betbmann.Hollwez: Die Eggensätzlichkvii erklärt sich da- durckv daß»vir.'oei Eisen im Feuer haben wollten. ncen ausgenutzt Gfläwntie« denke Da» habe ich ihm batgrfept mck über di« even» Ländern verschlechtern Aktion am 12. De�emb«? wurde nicht« griagt. Mußte unter diesen lkm ständen mrsere Aktion nicht ungüusiig auf dt« NUson- Ättivn»virkm»? d> Brthman« Hellweg: Ich kann nur wiederholen, daß die Aktion Wilssick beerd» unser Friedensangebot nicht beeinträchtigt«Vörden ist. Abg. Dr. Siil-.'riimer: Warum wurde Wilson von unserem Angebot nickst iv Kenrini« gesetzt, damit est, gewisse» Zu- s a m m en s b i« l wöglich war? v. Brthrnann Hell weg: Ich weiß nicht mehr genau, wie Ittck:« welcher Form ich darüber mit Burian gesprochen habe. Die Auf. Zeichnung war Notiz für mich. Dokument« sind e« nichi, sic»noch in.« nie Anspruch auf Bollständ-gkett, die Unterredungen haben oft noch weit mehr enthalten. Abg. Dr. Binztze»««»: Eo fassen wir e» auch«ist Abo: Me Frage ist. ob»Urion über nnfet Vorhaben miterrickie» war. v. Bethmann Hullweg: Di« Beaniwortung dieser Frage bitte ich erst in eine: der nächsien Sitzungen geben zu dürfen. Abg. Dr. a,hn(U. Soz-ft In der Aufzeichnung h«.ßt e«, Durian habe gewünsch!, wir sollten n-.ckt die Fr,«h-n»v«xmrttlung eirwS oder de» andetrn Neutralen airrufen, Wohl aber tollten wir die Neutralen bitten, unser- konkret auSgedritate». striedentange. bot« zu übermitteln. Diese Bitte svi an all« Neutralen zu richten. wobei Amerika an erster Stell« gencomt wurde. War da» darauf zurückzilsüWrn, daß Jnefet Ncm-ttaZe»chon mit einer Zsiu«bcu»ot«on » Srthmänn HvMM Hierüber utochtt ich fc einer der nach. strn Sitzung«« Aulkrnst geben, nackdcm»ch name�lich mit dem Staatssekretär de» Auswärtigen Ann» g-fprochm haben werde. Baron Burian hatte di« lkberreichung eine« FriebenSanaebate» «n unsere Feind« im?lug« über»tckk als öttent.ickes Friedens- «ngebot Durch Sfi-tttliche Bekanntgebe dsS Fr,edenSang,Ä-!S in einer ParlawenlSsitzung wollen»mr dem vorbeugen, daß die Enten!« durch Zensurvewh»!' dw B-Scmntgalie vechindere. Wir wollten chen . ans die»Mer wtr�n. Den Vorsckfag Burinick. gWAzeWfi unsere FriedenSziel« den Gegnern jn übenieoen rohe ich tth unvrcntilch gehalten. ». vethman» Hvt-v««: Wir wollten mit uns-rem Friedens- ang-oot vom tL. D?zeckbc>k«in- übevrasch-nde Wirkung auf die fetndlichc« Völker»trzielen. darin konnten wir niemand vorher darüber unterrichten. Wir hatten deshalb strengste Geheimhaltung verabredet. Nur wenige Menschen wußten davon. Auch der Reichs- tag war am lL. Dezenter Völlig Überrascht. Slifl. Dr. Eohu: Slaubcn Sie. daß an manchen Stellen in Deutschland gewünscht wurde, unser FriedcnSangevot solle die FrleSrnSaktion Wilsons beetnteSchtigen? v. Bethmann Hosstue»: Nein. Sack«erständ!ger Bros. Bon»: Wilson war zweifellos ein Zanderer. Da» deutsche Friedensangebot konnte ihn zwina«»», endlich einmal zu handcw. wenn er übertaupt noch zun> SckUß komwen wollt«, stber«» ist begreiflich,»nenn er sich durch da» deutsche Zuvorkommen verstimmt gefühlt hat. v:et wichtiger ist. ob die Wirkung der Wtlsonschcn Friedenvattton bei de» Feinden nicht dadurch SeeinträchHgt worden ist. daß wir ihM zu- vorgekommen sinb. Wilson geriet dadurch in den »erdacht der Dentschlandfrcnndlichkeit, und dtt« mußte die Wirkung seiner«tüm« tuesie handelSpolitifche Ausnutzung Belgien»» säten» bat (Schluß i« Hauvrblatt.) «»» u- ® G&nz Berlin g ■ brennt vor 4* » Neugierde ie>isi;st>aa;29«a ifeersliaas. Palfcstrina. ___ An an° 6 Ühr�, i Schanssloiliasi Maria Stuart. Anianä, tV; Uhr. ÖireKOon Max UeiiÄhrdii- iicntsrJieiC Theater. 7 Uhr: OtjlCilO. Sonntag 7 Ltttf; Cymbelln. ti. h m m I �1 e. SJfi.l2:Nliiiy imctortiaTSnit Z'/a U.: aer W*lh3leiil«h 7 Uhi: lwa%nv. i. TheatetTPST1 V Uhr: Schloß IVettcrfitciUl Sonntag naciira��Mii�ik» Abends: E�n IVaunHtipiol Moniag: lEia TmumspiA DienstlSchioy\Veti»rM«4n ÄUUw.: SchloS WeUcrsteln Soniööienbans VjjS Ll�cloti Vou tf%i PtAlZ« Sonntag IMuMw l>lo 3hre. Berliner Theater 7.10 u.: Eimmel» Studenten Stana�itr.: Die io»eJCcmteÄ. C'entria-T*erttt». 7>/. ümtv-Bte fascüliiDs'eJ. »ent»rhea«perr.hAt* 7 uur:[■?r-'froüii8ric*. Oio Tribüne 7% Uhr:„Sg'VJatliiJSS." B4t-n-Thfater � U.: ,F. i. w. g." Stg. ö U.i PrliUMsl»»aal NU, 9 i'lert r.-WI!!iei.ii!«t.Th. Ghr: Asuh.:nt,rOa«k 7v;in. üietCiieo, W Kloir.. 1« Tht>itt«r. 7»/. Uhr; �ÜSN. Kl.»ohnusi'ii-lbattM. i:r toa M dcleM. Kumi�ehe Ob»V H u.t Liehssjaubö1. Sfg. 3*/«U.?SCft#ir rwa)dnTäni noch kura. Zeltt GroSstadt-Pflaazeß Oatu: seav.«ra Wold bot le. Opereftcnskt(S.Vtktortl'rcy Dazu erstkldsa. Sper ititZion Sta.'M: EIS seuberenKieeMim Rose-Tdeater. ZI/, Uhr: OorarCcchah. Vit Uhr; Das Gesetz; Kioigstadt-Theater 7�0 AltxandcrMr. 21. 7.i0 VaH«M-l>laiC Burleske: Doktor wldenVIl.la •■■MaBaMi«»« ■ Oanz | Berlin ; brennt vor | Neugierde« "■•■■■■■■■■hbI THF.ATKK. PfhdriCfMlTHllc Zlk I .�»r.: J.-\�c»J\leln 1 Sonnte Wd groit�Virletd-. ! Aussiattiuigs• Schau I Ms Weit lim Jahre 2Qp0lj ScntB SOcelaad H.Luoib.rta-i'aulicn] > Lact. Dlallhrr j Alex Stamer | Hctfwifr aitzk. Lore Ii Famlll*. Ikarier zu Plerde 1 Winter- Harten [ iioyemlÄP-Spielplsfl Tfinik» fi/, C4r E?y Peter t. So!ot«ti*erttt von der Staatsoper Paul Jülich Hurporist ft'ac Türe Komischer Jongleur Anrora Trappe Radfahraki ÜeianWerotll Opernsinger 0' Beruhteigadner Volksstenen, cd. bayr. Bergen Zwei Hugossets LTflhhenluftaKt Dora Kasan In Ihren Tänzen Zwei Tatdas Excentrlk-AKrobaten Gebr. Heilert ScM�udef b'rett Akrobaten Hana Graf Trio mit seinem komischen „Watscnenianz" Lotte König Plston-Virttiosin TttebetActaopke- Jlmr�einoake Moderne Tänze WaMa-Theater. 7 V,"Uhr; Eine Frau wie Do. Citc usjBuscb Sonnabd, I. Nor, hbdt. 7'/, Neue SpezUHISItm u. s. älbao Koytldufer aut HtLita dem Drahtsei! Thailra-Slng, Ind. Fakir Der Kr un m. d. ein. Kopf! Die 3 Luitgrazien Rflchkthr». Stiert elecbl, zpanisetter Reitan Charffitfe Waghcr, Schuir: Dir. Louis Blumenfeld* Fr-ihci(sdretturm Adolf, Franzi o. Jnnion, Spaßmacher, Zum Schluß; W „Aphrodite" TrKikomiscIfaFantominte in 3 Akt v. Paula riusth. 1 htaior.m WowDoccr l.r. Tel.: Moriuplatz 14 614. JN-rf. Abend Vit Ch.: lits-SSaser 8 utirm..VjitgT der siMimer fanser. Somit, uohm St'br rrmtd I'WiMITOil asaaC-Pfoia.Ta!) l Kind frei:• ilaucbtu gestattet. iü-gsKun. a*g 7.1» Uhr. Voitsritf. H- IL« o. d— 4 Ubf. Komödien Haus tfn her StetldjaOhratfe. Heule Suitnahenb, bot 1. Siartmbet, Vjd Uhr: Zum 150. Male: Berliner Eoazerthens Sacemtr 82 Zlmtsonitr. 09-81 , t Heut» and morg« @r. Doppel-Roniert Weinten-*»«« Eigene KonOttorcl k«h»bdNe»M GMlWWW Den wetten Dereinen tutd DerLünden liehen noch»lolo» Sonn- vnb Aestlng« sSr hie MI«ler,'-!ket» u.-.icr zivilen Bebrngunxen zur Pcrfüzuiiz. I » » I I Bctlll! 59, engeldfet 15. ?i/, Uhr uüb Sonntug ,»udim. 1> Uhr: M!L.�sr nodim. ha»" 3i eich» halle .. iwehuh-hrmtl. i»p6lM Bthrccstr. S4-ZA Blee Oeob. f-'ertuaiia Str.bel K'lhe u. M.'VI. Ottmar u. Partner Lc« Morfrcnstern Faul btciolta Brt�BBlInn Sketch mit Prliz Berge r■ Anal Detls i KDn!tlLeit.Ste|tni.PI«fow i Am Flog. Hrnti Hentschef 'MumüNcumann-Konrerte «»»»»«»GYSOG i Bökel §Sohanbühne| Hcritzplatx (Irtlher Buggc.iti*|cnX Ttgltch Vi, Uhr: GroSe yn$9tugtlona!e s GssaniMrüse: 15 000 Mark. •' Vorher der Wesea-Vhrferfprojr, 6 Attraktionen. . AltfaUß i~0 Uhr. AI«i NÄher* durch den 'Igi.ichhn SHulenansct.iap k Uaboat».«.K an, HA» � (IeM-Lo» Kr die UtarirfMtfdaemfeU SSI} Oeldgek, Ur aha« ibi.-aL ZWDW 75 800 30000 I. B.»eri, auch u. 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Ferner............■ •AM loa Heutfi tum Hautet I Haie Mit belspleltosern Erfolg I WRÄNMT Dübarry Doglun:'fiT und'/,a Uh»/ Vetvemaafi tl~t Uhr/ Wen«« üb««rotten Ardnno»- foreleiluag um>,,8 Uhr wird der Be- Vereteilung um>/.? Uhr empfohlen tt____ tu der Vi euch der SW Aricdcnsware! lc- ach aaalLahlfch» IffitOmiun (ftroftc?lnSivavi yiP icpr Viva!| SiäSaiitSiÜftciel Tuchlager ntsffenaiatn ic-is.| i En gros.____ En detail WMW üfhalftp Prospekt OberMutt� >o|iUU ÜncptgeltVich. Pr«u LAHWAdSK« ■ 1 'M'-S' 'edcc Vesucher dtc 1 Aorftetlun» um V«! Ahr erhält ein künftiertsch uosgeführtes Geäenkdlatt BlÄÄNT iah. JOSEF ZULlÜR:- Berün-Charlottenbg., JcacbimsthalerStr. 41 1 Femsprocher: Steinpiatz eC2j* nahe Zoo) zwischen KantstraUe und Kurfürstendamm. oitene FC adcrleldenhciu sogar ueenweueiten Fhlfcn rnju-tt Obcifa sehend. , Vater Philipp. Salbe". Preis und W> i* lli in der Auguste- Viktoria: Ajnitbekt,«r Und Simone-Apoibekc. 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Bewerber«rtt guter MoemF.nblfdnnc und belitifcher«rfrljntnp»lägen sich st'.-iftilch beim i ch-fr-tZr b-r Fraktion, ReichsfazszehSud«, Berlin.» inelben. Fvr oberschleftfche Mrtalizrrßhanbwng werdm Ä tüchtige Metallsortierer iurn sofortiaen Antritt gefncht. BernerdnngrnmU geugnts- absd ri-tm find zu richten miier&. SV on die(fecbition biefc. zeitung., lvlSD| «»»MWMMW-- mm-m bmih iofart aefuchi bei emtw. LohA bauftni« Äeschdftiqun,.«ohn- gel-genh,i» sichergefleM. 126-13 brist strnnnabllb-l sM-senakb.' Ahr�er»,. rsmnge M2icMA?nichio�e7. und Zloorlet er für dauemb Beichdnignnzge-uchL Berliner Mstcliincn-Tri. I6ri< M' Ad. chwarir&Co, IbüBnftr. 171a/l'A •iemcn-Ftbr. lierlbS», ■«01431 Tüchtiger ftir Fabrtf«L'tb. otechnifchee Ar- ÄfrL Gchalter und Sliderunam nsia. fl!r sofort n-fudjf. Än- geböte unter T. 49 an die raubigeschSstsstelle»»fati-, eri-et-n.__ 101 fcS »NM Mkl finden lohnenbr und dauernde Beschä iriaung bei Itt/ltta» i 3. c. piatt, MoyI'achusertS/»!. ZgSK-kvüZMbM aer.angt 10. 1J Ancho.tluxobarnerSer.2S. Hilfsmüdchen f. uilsoeeHcrrmwiischeabteüung verlangt ' ttoa«. m.». H.. nerlangt 10/12 Bach».«»«»»»«««»kr. 23. A««Tf«.K'SU'K»»I»SZR- für den„Vorwärts" *«1�™ warten eiiigntallt in folgenden PBialen � j RAnlfm» Ackerstr 174, am Ko;.-..iipiatz.— f>ri;izens(.-. dl. Hot pari— Fritze, Siegii Puriii», strafk! 37, Uder..— Markus irtr, 36.— DSU, Immanuel kirchnr. 24.— M Petent, urger Platz— Zinke. Lir.danrtr, 3, Lader.— Joseph, WilhctmshiV- Sir.tBe fS.-- LausiUer Platz ii/tS. Schöflebcrö: BrUigar Stratta 27. nheimtr itzer eile, ener dcnoaeoerg: Beixi««str»h Cbariottesbug: Ähr■ Steglitz«Ziaftttdbckcr.ScMUkbnufeU. KeilkOiln Heinrich, Neckarstratta 1 tichtenben: wiÄ�.1. Johannisthal! Qamm�ach� Bia- Nr. 559 5 36. Jahrgang 2. Seilage öes vorwärts Eonnabenö, 1. November 1919 GrofcBerlln Republikanische Schulfeiern. Unter diesem Titel tritt die„Freiheit" für die Nercm- staltung von Schulfeiern am 7. November ein. Sie fordert, daß es zum mindesten allen sozialistischen Lehrern ge- stattet sein soll, mit den„Eltern und Schülern gleicher Sinnes- art, entsprechend wie beim Reformationsfcst, eine Feier" zu veranstalten. Wir sind mit dieser Forderung sehr e i n v e r- standen. Die„Freiheit" stellt nun folgende Fragen: „Wie wird es nun mit dem 7. November, dem Tag der Wiederkehr der Revolution, durch die unsere Republik ihren Aniang nahm? Wird die oberste Schul- bebörde Preußens ihn für wichlig genug ballen, um an ihm eine obligatorische Feier für alle Schulen und Hochschulen, wie früher am Sedanlage, anzuordnen? Ratet mal!—" Was soll es denn da zu raten geben? Die„Freiheit"- Leser könnten sich doch höchstens den Kopf darüber zerbrechen, was die Führer der U. S. P. eigentlich wollen. Bald wollen sie nämlich dies und bald das. Am Mittwoch ruft der Abgeordnete K o e n e n in der Nationalversammlung aus: „Dieser Revolutionstag ist für uns schon lange kein Feiertag mehr", und am Freitag wirft die„Freiheit" der Regierung vor, daß sie keine Feiern veranstaltet. Vor lauter Forderungen wissen die Unabhängigen schon gar nicht mehr, wns sie eigentlich wollen—„Ratet mal!" Auch in diesem Zusammenhang kann das Berliner Organ der U. S. P. seine große Liebe zu Frankreich nicht verbergen.„In Frankreich," so schreibt es,„wird der Bastille- stürm jedes Jahr mit großem Ilufwand gefeiert, aber die da drüben haben ja auch eine Republik." Danach scheint die Republik des„Tigers" Clemeuccau das Ideal der„Welt- revolutionäre" zu sein. Und dabei wollen die Un- abhängigen nach Moskau!— Glückliche Reise! Für die Freiheit der Studierenden: Wir berichteten bereits über die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen die beiden Vorsitzenden der „ S o z i a l i st i i ch e n A r b e i r s g e m e i n s ch a f t" an der Handelshochschule Berlin, Berg er und Wolf, wegen eines Auf- ru'es, der sich gegen die a n g e r e g l e„ K a u f in ä n n i s ch e N o t h i l f e" wandle. Die„Soziali st is che Studenten- partes" sendet uns in dieser Angelegenheit eine Erklärung zu, der wir folgendes entnehmen: „Die Sozialistische Studentenpartei legt gegen dieses beab- sichtigte Diiziplinarveriahren auf das entschiedenste Verwahrung ein, da sie in ihm eine Gefährdung der durch den Artikel 118 der Rcichsverfassung jedem Deutschen gewährleistcreli staatsbürger- lilben Freiheilen für die Studierenden erblickt. Die Sozialistische Studentenpartei, als Organisation der sozialistischen Studierenden der Universität und Technischen Hochschule erklärt sich mit der soziallstischen Arbeitsgemeinschaft der Handelshochschule s o l i- d a r'i s ch in der Verurteilung eines derartigen Dtsziplinarverfabrens, das unzweifelhaft einen Präzedenzfall für politische Maß- regelungen schaffen soll. Sie emvsindel diesen Versuch, den Studierenden das Recht der freien Meinungsäußerung zu be- schränken, als eine unerhörte Provokation. Sie sieht ferner in dem Vorgehen des Senats der Handelshochschule ein charakteristisches Symptom dafür, daß die reaktionären Elemente der Lehrkörper der Berliner Hochschulen, die sich bisbcr auf eine skrupellose Propa- gierung des alten Regiments und eine fortgesetzte Herabsetzung der demokratischen Republik vom Katheder herab beschränkten, nunmehr ihre Zeit für gekommen er- achten, um wieder disziplinarisch gegen ihnen politisch un- bequeme Elemente der Studentenschaft vorzugehen." Wie die Sparsamkeit im Gasverbrauch wirkt. Der Berliner Magistrat teilt jetzt der Stadtverordnetcnvcr- sammlung zur Kenntnisnahme mit, wie hoch im Halbjahr Januar bis Juni 1919 in den Gaswerken der Stadt die Gaserzeugung war. Sie stellt sich diesmal auf 150 379 009 Kubikmeter, das sind 7379000 Kubikmeter weniger als im Halbjahr Januar bis Juni 1918, wo die Berliner Gaswerke 157 758 000 Kubikmeter Gas erzeugten. Die Zerlegung in Monate ergibt, daß in 1919 nur Januar bis April gegenüber denselben Monaten des Vorjahres einen Rückgang aufweisen, der sich auf zu- sammen 8 002 000 Kubikmeter beläuft. Dagegen zeigen Mai und Juni wieder eine kleine Zunahme gegenüber dem Vorjahr, zu- sammen 823 900 Kubikmeter, wodurch sich der Rückgangsbetrag auf die oben angegebenen l 379 000 Kubikmeter ermäßigt. Die Pro- duktionSeinschränkung entspricht dem Rückgang der Gasentnahme, der in diesem Jahre erreicht worden ist. Er ist hauptsächlich durch die Einschränkung desGasverbrauchs d er Haus- hallungen zustande gekommen; denn die weitere Einschränkung der öffentlichen Beleuchtung(von 11 909 Gasflammen um 5862 auf nur noch 6047) spielt gegenüber dem privaten Verbrauch eine un» bedeutende Rolle. Die Kohlenstelle Groß-Berlin, die immer wieder auf die Kohlennot hingewiesen und unter Strafandrohungen zur Sparsamkeit im Gasverbrauch ermahnt bat, wird sich des Er- folaes freuen. Anderer Meinung ist jedoch die„Deutsche Tages- zeitung", die ihren Lesern erzählt, zu dieser Produktions- einschränkung habe„ein bekannter Fachmann" gesagt:„Hier haben Sie die schlagendsten Beweise für die Behauptung: Der Sozia- liSmuS bedeutet die Verringerung der Erzeugung". Daß auf den verschiedensten Gebieten der Industrie die Produktion dringend einer Steigerung bedarf, ist richtig. Aber der Einfall, den er- zwungenen Rückgang des Gasverbrauchs gegen den Sozialismus ausspielen zu wollen, grenzt an Schwachsinn. Auf manche Leute scheint die Sparsamkeit im Gas- verbrauch eine gei st es störende Wirkung ausgeübt zu haben. Niedrigere Brot- und Mehlpreise im Kreise Niederbarnim. Der Niederbarnimer Krcisausschuß hat für die Brotversorgung aus der neuen Ernte eine Verordnung erlassen, die für den nicht zum Lebensmiiteiverband Groß-Berlin gehörenden ländlichen Teil des Kreises in wesentlichen Punkten von der Groß-Berliner Ver- ordnung abweicht und vor allsm niedrigere Preise vorsieht. In diesem Teil des Kreises Niederbarnini werden reine Weizenschrippen im Gewicht von 50 Gramm gebacken. Der Preis für ein reines Roggenbrot von 2000 Gramm beträgt nur 1,55 gegen 1,60 M. in Groß-Berlin, für ein Roggenbrot im Gewicht von 2350 Gramm 1,85 M. Eine Weizenichrippe kostet 5 Pf. Auch die Mehlpreise sind niedriger. 1 Piund Roggenmehl kostet 40 gegen 42 Pf. in Groß-Berlin, ein Pfund Weizenmehl 42 gegen 46 Pf., ein Pfund Krankenmehl 44 gegen 50 Pf. und ein Pfund Gerftenmehl 41 gegen ü Pf._ Die Fürsorge für Schwangcrc und Wvchnerinucn ist bisher von den Gemeinden arg vernachlässigt worden. Da müssen Anstallen von Vereinen als Eisatz diene», aber der ist dann auch danach. Aus der Berliner„Heimstätte" für Schwangere, Wöchnerinnen und Säuglinge in der Drontheimer Straße erhalten wir eine Schilderung, die wieder die ganze Unzulänglichkeit solcher mit dürttigen Mitteln ins Werk gesetzten Notbehelfe zeigt. Die B e- k ö st i g u n g ist in dieser Anstalt so, daß sie— selbst an unseren Hungerrationen der letzten Jahre gemessen— geradezu jammervoll genannt werden niuß. Eine Kost, die in der Hauptsache aus Marmcladestullen, fettarmen Gemüsegerichten und ebensolchen Suppen(gelegentlich mit Maden) besteht und nur selten durch Fleisch und Margarine ausgebessert ist, scheint uns für Schwangere und Wöchnerinnen wirklich nicht die geeignete Nahrung zu sein. Die Pflegeschwestern nehmen ihre Mahlzeiten nichl mit den Anstaltspfleglingen zusammen ein, woraus man den Schluß ziehe» kann, daß sie eine andere und bessere Kost Erhalten. Ganz unbegreiflich »st, daß Schwangeren sogar die Milch, die sie nach Ausweis der von ihnen mitgebrachten Karten erhalten sollten, nicht g�liesert worden ist. Trotz Kärglichkeit der Ernährung muß in der Anstalt kräftig von den Pfleglingen gearbeitet werden— krästiger, als es Schwangeren dienlich scheint. Dabei wird manchen Pfleglingen für die„Wohltaten" dieser Anstalt noch eine nicht zu knapp be> messene Rechnung präsentiert. Eine KindcrerholungSrcise nach der Schweiz. Vom BezirlSver- band Groß- Berlin der sozialdemokratischen Partei Deutschlands wird uns geschrieben: Der„Lokal-Anzeiger" bringt in seiner Nr. 514 von, Montag, den 27. d. M. unter der Uebers'chrift„Nur süi Parteigenossen" eine Notiz, die sich mit einem von uns in die Wege geleiteten Trans- port erholungsbedürftiger Kinder nach der Schweiz befaßt. Der„Lokal-Anzeiger" unterstellt uns darin, daß wir diese vom Staat in die Wege geleitete Wohltat nur Kindern unserer Partei« genossen zugänglich gemacht hätten. Wir stellen fest, daß es.sich bei dem fraglichen Transport, der wegen der Eiienbahnschwierigkeiten nicht stattfinden kann, um eine von Organisation zu Organtialion getroffene Abmachung und nicht um ein vom Staate organisiertes und sinanzierles Unternehmen handelt. Die Mittel sür den Transport werden ausschließlich durch freiwillige Beiträge aufgebracht. Ein gefährliches Nest war die Werkstatt des Klempners Gustav Stefan in der Bärwaldstraße 15. Stefans Betrieb erregte da- durch Verdacht, daß allerlei zweifelhafte Leute Tag und Nacht aus- und eingingen. Tie Hauswirtin und Mieter machten die Polizei auf das Treiben aufmerksam. Als nun die Kriminal- Wachtmeister Michlenbeck und Lehmann zur Kontrolle erschienen, wurden sie gleich mit P i st o l e n s ch ii s sc n empfangen. Sie erwiderten das Feuer und verletzten Stefan durch einen Streif» s ch u ß am Kops. Tie genaue Durchsuchung des Raumes und die Ermiitclungen ergaben jetzt, daß der Verhastete nicht imr ein« spezialWerkstatt sür Einbruchs Werkzeuge betrieb, sondern auch selbst an Einbrüchen eifrig teilnahm. Stefan, ein wiederholt, auch mit Zuchthaus, bestrafter Mensch, hatte sich auf einen Besuch der Kriminalpolizei, den er erwarten mußte, sorgfältig vorbereitet. Er hatte seine eigentliche Werk- statt durch eine Holzwand abgetrennt von einem Arrfenthaltsraum, der ihm Sicherheit gewäbren sollte. Die Holzwand hatte er m_t t Schießscharten versehen, durch die er auch das Feuer io- fori eröffnete, sobald er die Kriminalbeamten eintreten sah. In diesem Aufenthaltsraum versteckt, fand man nachträglich noch Wein, Liköre, Decken usw., alles Sachen, die jetzt von Bestohlcnen als ihr Eigentum wiedererkannt wurden. Die Kohlcnstelle Grotz-Berlin teilt mit, daß die Frist sür Anträge von Personen, welche zurzeit zur Abgabe von Briketts auf Kundenlisten nicht zugelassen sind, jedoch die neuen Vrikettkundenlistcn auslegen wollen, bis zum 5. November einschließlich verlängert wird. » Seminar für Städtebau, WohnuiigS- und Siedluugswesen an der Technischen Hochschule Berlin. Zhklusvorträge von 4—6(nicht 6—8) im Saal 353, Charlottenburg. Berliner Str. 171/172. Beginn deS Zyklus Dienstag: Finanzministcr Dr. Südekum über„Boden und Recht". An den folgenden Nachmittagen bis Freitag, den 14. November, ivrcchen u. a. Eberstadt, Brix, Leyscr über verschiedene Themen des KleinwohnungS- Wesens. Karten zu 4 M. sür einen Vortrag im Sekretariat der Techmjchen Hochschule sowie zu Beginn der Vorträge am Saaleingang erhältlich. Berliner Boltschor. Sonntag, 4 Uhr, in der Singakademie, Hugo- W o I j- Konzert unter Mitwirkung von Paula W e i n b a u m und Gustaf B e r g m a n. Karten zu 1,56 W. au der Kasse. Filnivorträgc der Treptow-Sternwarte. Sonnabeud, den 1. No- vember, 5 Uhr:„Europäische und erotische Jagden". Sonntag, den 2. No- vembcr, 3 Uhr:„Das bayiilche Hochland und die Königsschlösser": 5 Uhr: „Ferientage an der Ostsee, in der Sächsischen Schweiz und im eopreewald": 7 Uhr:„Mit Ozeaudampser von Bremen nach New Jork". TlenStag, den 4. November, 7. Uhr:„Unser Wissen von den Sterncuwelten".(Borwag mit Lichtbilden, von Dir. Dr. Archenhold.) Die Antwort a» die Hausbesitzer aus deren Massenversammlung wird die Micterschafl Groß-BerlinS am Sonntag 0,16 Uhr in sieben vom Mieterbuud Groß-Berlin einberufenen Malsenoersamnilungen erteilen. Die Versammlungen finden in solgeuden lokale» statt: Walhalla-Thcatcr, dl., Weinbcrgsweg 19, Haverlands Fcstsälc, 0, Neue Friedrichslr. 35, KliemS Festsälc, S. 59, Hascnheide 13, Schauburg(früher Hosjäger), SW., König« grätzer Slr. 121, flammcrlälc, SW., Teltower Str. 1—4, Ecke Belle-Alliance« Straße, Brauerei Patzenhoscr, X\V., Turmstr. 25/26, Hindcnburg-Aula zu Wilmersdorf, Am Hindeuburg-Parl, Ecke Auguslastraxe. Fahrplanänderung. Ab 3. November fallen die D-Züge Berlin ab 7.16 Uhr abends, Leipzig an 16,16 Uhr abend», und Leipzig ab 8.12 Uhr abends. Berlin an 11,26 nachts, auS. Wir verweisen aus das Inserat m der vorliegenden Ausgabe. Der Botanische Garten in Dahlem ist während de! WinterS an Soimlagcn und jedem Ersten im Monat von 11—4 Uhr dem allgemeine» geöffnet. Eharlottenburg. Stadtverordnetenversammlung. Von der letzten Sitzung, in die, wie bereits gemeldet wurde, eine Deputation. des Bundes der internationalen Kriegsbeschädigten einzudringen versuchte, ist»och folgendes nachzutragen: Das Fürsorgeamt für Lungenkranke hat für die Anschaffung verschiedener unentbehrlicher Gegenstände 22 500 M. angefordert. Außerdem sind zur Ueberweisung von lungenkranken Personen tu Walderholungsstätten 40 000 M. erforderlich. Die geforderten Bei» träge wurden einstimmig bewiillgt. Ferner wurde eine Aeaderung Montrose. 11j Detektivroman von Sven Elvestad. Keller stieß einen Fluch aus. „Einen durchgebrannten Matrosen in dem überfüllten Hafenviertel aufzuspüren." sagte er,„heißt dasselbe, wie eine Stecknadel in einem Heuhaufen suchen." Krag wiegte sich auf seinem Stuhl hin und her; wie ein Amerikaner hatte er die Beine auf den Tisch gelegt. Er ant- wartete geistesabwesend, als ob seine Gedanken ganz irgend- wo anders seien. „Mir könnte es nie einfallen," sagte er,„eine Nadel in einem Heuhaufen zu suchen. Dieser ewige Heuhaufen ist ein schlechtes Beispiel für die Schwierigkeiten bei Nachforschun- gen. Wer eine Nadel in einem Heuhaufen sucht, muß ver- rückt sein. Das Sprichwort kann also nur von den trüben Erfahrungen eines Verrückten herrühren." Was Keller auf diese Bemerkung erwidern wollte, erfuhr die Welt niemals. Denn in diesem Augenblick wurde die Tür geöffnet, und eine Mannsperson kam wie ein Dieb her- eingeschlichen. Er blickte sich scheu um, als ob er sich verfolgt glaubte und schloß darauf vorsichtig die Tür. „Entschuldigen Sie," sagte diese Mannsperson,„ent- schuldigen Sie, daß ich auf diese Weise hierherkomme, aber ich fürchte, daß ich meinen Platz verlieren könnte." ,�ch glaube, der ist verrückt," meinte Keller. „Vielleicht kommt er geradewegs aus dem Heuhaufen," sagte Krag. „Ich verstehe Sie nicht, meine Herren," lispelte die Mannsperson verschüchtert,„aber ich habe Ihnen eine Mit- teilung zu machen. Ich habe Abb» Montrose gesehen." „Das haben noch andere außer Ihnen,"' antwortete Keller,„aber seit heute nacht um drei Uhr ist der Abbs ver- schwunden." Die Mannsperson antwortete: „Ich aber habe Abb6 Montrose heute morgen um sechs Uhr gesehen, als er von einer weiten Reise kam." Vlir.„Z u m vergoldeten P f a u" I. ..Sie sind Kellner?" sagte Krag. Das war nicht schwer zu erkennen, die schwarzen Hosen und die weiße, fleckige Hemdbrust verrieten ihn. Statt des Kellnerfracks trug er einen großkarierten Mantel. Er sah aus wie ein Schauspieler, der mit geübter Maskicrungskunst einen Kellner aus einem kleinen Wirtshaus darstellen will. Alles an diesem Mann war von durchwachten Nächten und Trunk geschwächt. Durch den gelben und dünnen Bart sah man die blasse Haut. Tie Neste seines Haares waren mit anerkennenswerter Oekonomie und mit Hilfe von Pomade zierlich geordnet, um den zunehmenden Mond zu verbergen, wenn es angebracht ist, bei diesem Schädel einen Vergleich mit der hohen Astronomie zu wagen. Der Blick seiner Augen war matt und trübe und erinnerte an den schmierigen Glanz eines schlecht abgewaschenen Schnapsglases, die Zdase war spitz und hatte jenes verfrorene Aussehen, das Menschen, die schon längere Zeit Bacchus angebetet haben, kennzeichnet. Er sprach in einem leisen, vertraulichen Zoif und verbeugte sich immerzu, als ob er diskret fragte, ob er die Rechnung brin- gen dürfe. „Ja, ich bin Kellner," flüsterte er,„und fürchte sehr, daß ich meinen Platz verlieren könnte." „Wie heißen Sie?" fragte Keller. „Rudolf." „Und wo sind Sie Kellner?" „Das kann ich den Herren erst sagen, wenn Sic mir ver» sprechen, mich nicht zu verraten."> „Das versprechen wir." „Denn wenn mein Prinzipal erfährt, daß ich auf die Polizei gegangen bin, o du mein Himmel, dann jagt er mich gleich fort." „Hat Ihr Prinzipal solche Angst vor der Polizei?" „Nein, nein, so war's nicht gemeint, er mag nur nicht, daß die Polizei sich in seine Angelegenheiten mischt. Die Polizei hat in einem anständigen Geschäft nichts zu suchen, sagt mein Prinzipal immer." „Da hat er recht," sagte Keller,„und wir wollen Sie auch nicht in Verlegenheiten bringen. Also, Ivo sind Sie an- gestellt?" „Im Hotel ,Zum vergoldeten Pfau'." Keiner der beiden Detektive verriet durch das leiseste Mienenspiel die Ueberrafchung. die sie bei diesen Worten fühlten. Die kleine Pause aber, die entstand, zeigte, daß sie beide au de» unerwarteten Zufall dachten, der die Fäden abermals auf dieses Hotel zuführte. „Und in diesem Hotel sind Sic Abbe Montrose be- gegnet?" „ SÖ. „Heute morgen um sechs Uhr?" „Gleich nachdem ich aufgestanden war, und ich stehe immer Punkt sechs Uhr auf." „Kaunten Sie denn Abbe Montrose von früher?" „Nein." „Woher wußten �ic dann, daß er es sei?" „Das erfuhr ich auch erst später— als ich die Zeitung gelesen hatte." Keller machte ein mißmutiges Gesicht. „Da haben wir es," murmelte er,„wenn ein Mensch ver- schwindet und die Zeitungen eine Sensation daraus machen, kommen immer eine Menge Menschen, die uns Dummheiten einbilden wollen." „Vergessen Sie nicht das Hotel„Zum vergoldeten Pfau", sagte Krag. „Das ist wahr", gab Keller zu.„Wir müssen Näheres erfahren. Sagen Sie mal. Herr Rudolf, Sie meinen also den Abbe nach den Beschreibungen der Zeitungen zu er- kennen?" „Freilich," antwortete Rudolf,„der Priesterrock... der Priesterrock mit dem Riß darin." „Hallo", fiel Krag freundlich ein.„Kommen Sie näher und setzen Sie sich..." Und Krag zog seine Füße vom Tisch herunter. „Der Priesterrock", sagten beide Detektive wie aus einem Pfunde,„war der Abbö denn in Amtstracht?" „Nicht als er kam," antwortete Rudolf,„er hatte sie aber bei sich. Er kam vom Bahnhof mit einer braunen Hand- tasche. Ich ließ ihn herein, denn der Wirt war noch nicht aufgestaiiden." „Einen Augenblick," unterbrach Keller.„Hatten Sie diesen Mann schön früher gesehen?" „Nein, nie." «Gut. fahren Sie fort." „Er fragte, ob er ein Zimmer bekommen könne, denn er wolle einige Stunden ruhen, er käme von einer langen Reise, sagte er. Ich wies ihm ein Zimmer an, und er ging gleich zu Bett, nachdem er mir ausgetragen hatte, ihn um zwei Uhr zu wecken. Er ichrieb seinen Namen ins Fremdenbilch, Thomas Uri, Schiffsmakler. Ein komischer Name, finden Sie nicht auch, meine Herren?" Sorts. folgt) BeS StromlieferungZvsrtrages mit der Großen Berliner Straßen- bahn beschlossen. Es handelt sich bor allen Dingen uni die Fest. setzung der Rabattsätze für die zu liefernde Energie. Die festge- setzten Ermäßigungen betragen bei 1 Million Kilowattstunden L Proz. und steige» bi» aus 12 Proz, bei 30 Million Kilowattstunden. Der Verein„Jung-Brunneii, Märkische Schweiz" errichtet in Uchtcn Hagen eine Wanderherberge. Au den Kosten soll die Stadt Eharlottenburg 25 000 M. beitragen. Dafür erhält die Stadt für die Hälfte aller Tage im Jahr das Heim zur Benutzung frei. Die geforderte Summe wurde einstimmig bewilligt. Der neuen Kanali- fationSorduung wurde zugestimmt. Die Ülendcrung gegenüber der alten Ordnung besteht darin, daß die Berechnung der Gebühr nicht mehr nach der GrundstückS-Straßensront borgenommen werden soll, sondern nach dem Maßstabe des Nutzungswertes der Gebäude. Die Qauptfeuccwache soll a» die Fernheizung des Eloktrizitäts- Werkes angeschlossen werden, weil die jetzt vorhandenen offenen Feuerungen in der Nähe des Benzinfeuerlöschzuges eine große Gefahr bilden. Bei der Vorlage betr. Vergütung für Reben- leistungen der Lehrkräfte entspann sich eine lebhafte Debatte. Van sozialdemokratischer Seite wies Genosse Rektor Blum darauf hin, daß Religion Privatsache sei, und die Gläubigen die Kosten, die sich zur Erteilung des Religionsunterrichts nötig machen, selbst auf- bringen müßten. Tie Vorlage wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Unabhängigen angenommen. Der Abschluß eines neuen Lohntarifs mit den städtischen Arbei. t e r n wurde zur Kenntnis genommen. Für männliche ungelernte Arbeite� werden gezahlt 2,30 bis 2,60 M. pro stunde, für unge- lernte Schiverarbeiter 2,10 bis 2.70 M. Für solche mit besonderer Verantwortung 2,50 bis 2.80 M. Handiverker erhalten 2,60 bis 2,90 M., Jugendliche 1.20 bis 1,70 M. Weibliche ungelernte Ar- beitcrinnen erhalten 1,40 bis 1,80 M. pro Stunde. Solche mit be. sonderer Verantwortung 1,80 bis 1.90 M., Jugendliche 1 bis 1,20 M. Minder erwerbsfähige 0,90 M. llebcrstunden und Sonniagsarbeit werden durch prozentuale Aufschläge bis zu 60� Proz. besonders vergütet. Einreihung der Arbeiter i» die eirizelnen Klassen wird durch Beratung eines Mitgliedes des Magistrats mit den zu- ständigen Arbeileraussckmsscn vorgenommen, lieber die Auslegung des Begriffes Handwerker sind ebenfalls besondere Bestimmungen festgelegt. Soweit Frauen vollständig gleichwertige Mänucrarbeit leisten, erhalten sie denselben Lohn wie die Männer. Die Wert- berechnung für Sachbezüpe soll einheitlich für Groß-Berlin festgesetzt werde». Dienstbereitschaft im Betriebe gist als Dienst. Die Er- höhung der Eintrittspreise für das Deutsche Opernhaus wurde nach Vorschlügen dcS Magistrats und der Direktion festgesetzt. Leider war eine Erhöhung der niederen Plätze, welche in der Hauptsache von der minderbemittelten Bevölkerung denutzt werden, nicht zu umgehen. Eine Schöneberger Kunstausstellung. Im Schönebcrgcr Rat. hause wird am Montag, den 3. November, eine Ausstellung v�on Kunst werken aus dcni Besitz ber Stadt Berlin- Schöneberg eröffnet. Vor allem soll dabei die im Frühjahr erworbene Gemäldesammlung von Dr. Levmstein zum ersten Male öffentlich gezeigt werden. Daneben werden Kunstwerke zur Schau gestellt, die die Städtische Kunstdcputation in den letzten Jahren angekauft oder bestellt hat. Di« Ausstellung, deren Dauer bis zum 19. November einschließlich bemessen ist, ist in der großen Halle des Rathauses bei freiem Eintritt wochentäglich von 12 bis 6 Uhr, Sonntags und am Bußtage von 10 bis 2 Uhr, geöffnet. An den Sonntagen und am Bußtage sind zugleich die„Brandenburg- Halle" mit den Wandgemälden Berliner Künstler, und der„Alt- Sclwneberger Saal" der Besichtigung zugänglich. Für Vorträge und Führungen wird Sorge getragen. Biesdorf. Gemeindevertretung. An Stelle des zum Schöffen ge- wäblicii Genossen Dame wurde Gen. Pech eiugeiührt. Es wurde beschlossen, jedem Gemeindevcrtreter für jede besuchte Sitzung 3 M., de» 3 Schöffen je 50 M. inonailich zu zableu. Die Buregustiinden sind an einem Tage der Woche geteilt und 3 Stunden auf den Nachmittag von 1—7 Uhr verlegt. Die Schöffen sollen Gelegenheit haben, mit dem Personal mehr zusammenarbeite» und sich'orien- tiere» zu können. Den Einwohnern soll so auch Gelcgenhcir ge- geben werden, mit den Schöffen sprechen und ihre Angelegenheiten, ohne wie Arbeit zu versäumen, zu erledigen. Der kollegiale Gemeinde- vorstand ist gebildet, jeder Schöffe har ein Dezernat. Die Steuer- einschätzungStommission und die Verwaltungsausschüsse wurden neu gewählt._ Groh-Berliner Lebensmittel. Berlin. Ab 10. November erkalten alle Kriegsbeschädigten mit einem Crwerbsoerlnst von 30 Proz. und m�kr eine Näbrmtttelzulage von 1 Pjund monatlich. Die Bezugskarlen sind vom genannten Fage ad bei den zu- ständigen Brotkommiiiioncn gegen Vorzeigung der Rentenausweise crbäitdch. Zchöneberg. 250 Gramm Suppen(92), 150 Gramm ansl. Hülfen. fr lichte(93), 250 Gramm Marmelade(26), Süßstoff(29 und 30). Voranmeldung für 250(Sranrni ansl. Hiilfenfrlichtc(71), 250 Gramm amcrik. Weizenmehl(L 20)._____ Groß-Serliner Partemachrichten. ArSeitcgrmeinfchaft sozialdeinokratifcher Lehrer rtnd Lehrerinnen. Die Verfammlnng findet heute nicht Jugendheim, fonderu im Studicnsaal, Förbringerür. 23. statt. Vereinigung sozial Istiiciicr Lehrer Grost-Berliiis(I. P. D.- Fraktion). Sitzung heute 6 Uhr Hinter der Garnisontirche. 1. Wahl eines Porfttzenden. 2. Wir und die Ard-ilSgemeünch ift. Eharlottcnburg. Heute von 5—6 Uhr im Selrctariat. Rosinenür. 3 (Boitshaus). zurislifchc Sprechilunde. Das Parteijelrelqriat ist jeden Dienstag, Donnerstag, Sonnabend von 5—7 Uhr im Volkshaus geöffnet. Silöungsveranftaltungen. Steglitz, Der Sonderkurlns. der am Montag mit einer Venhugs- reihe des Gen. Alfred Moe glich beginnen sollte, wird umständchalder um einige Wochen verschoben._ Iugenöveranstaltungen. Wedding. Heute 7 Whr bei Sachse, Lmdower Str. 26, Funklionär» sihung mir wichtiger Tagesordnung. Abt, Pankow. Heule 8 Uhr Lichtbildervortrag: Bon der Postkutsche zum Flugzeug, in der Aula der 5. Gcmeindejchule, Wollankstraße 131. Eiiilrill 50 Pf._ Vorträge, vereine und Versammlungen. Vereinigung sozialistischer Lehrer Wilmersdorf. Montag 8st, Uhr Monatsvcriammluiig bei Schäfer, Ecke Brandendurgifche und Mannheimer Straße. Wichtige Tagesordnung.— Reichobuud der Kriegsbeschädigte», Bezirk Osten. Gcmeinlame Versammlung am 1. November ff, 8 Uhr in der Viehhossbvrse, Eidcnaer Str. 37. Res. Pjändncr: Kommunale Kriegs- beschädigieu- und Hinlerbliebcncniürjorge.— Reichsbund der Invalide», Ortsgruppe Groß-Berlin. Am Montag fällt die spicchstunde in unserer Gefchästsslelle, Stubbcntammerstr. 6, aus.— Der Bund„Nene Schute« veranstaltet am 1. November abends 7ff, Uhr in den Aula öiijabethschule, Höchste. 65, seinen zweiten Etternsprechsaal. ' in der Aula des Albrechl-Dürer-Nealgymnasiums, Emscr Slraße. Am Miliwoch wird die 3. Jugcnd-Abieilung m der Weiscstraßc ercfsnct. Turn- zeit 8—10 Uhr abends. Die 2. Ichüler-Abteilung turnt von jetzt ab im Realgymnasium Kaiscr-Friedrich-Slraße. Turnzeiten Montag und Mittwoch von ff.S— ffz8 Uhr.—'Arbeiter- Wasterjport- Berband. Krsis I Mittwoch abend ff, 7 Uhr«ladtbad Ncutölln Kreisichwiinmwarlsüdungs- stunde. Mitgliedsbuch legitimiert. Anschließend Sitzung bei Zimmermann, Ka!ser-Friedrich-Str. 83. Gerichtszeitung. Tic Beraubung der Go»eralkriegskasse in Berlin um einen Betrag von 1 1 800 0 Mark führte den Kellner Walter Möller vor die Strafkammer des Landaerichts II. Am 13. Februar sollten von der Generallriegskasse die Werte, bestehend ans Bargeld, Wert- papieren. Wertsachen usw., zwecks demnächstiger Auslieferung an die französischen Eigentümer aus dem Anhalter Güterbahnhofe in eine» Waggon verladen werden. Dein Transport wurde ein Begleit- kommaido beigegeben. Seitens der Generalkriegskasse waren 6 A n- g e st e l 1 1 e, die sich gegenseitig ablösten, mit der Aussicht beim Ver- laden betraut, da runter befanden sich der Angeklagte Möller unp der gleichfalls mitangetlagte. aber jetzt nicht auffindbare Schriftsetzer Georg Arnold. Nach Verabredung der Heiden Letztgenannten verstand es Möller, einen Sack mit 118 600 Mk. unbemerkt ver- schwinden zu lassen. Er suchte dann in einem Lokal am Mcpanberplatz den Händler Herzog aus und übergab diesem das ganze Geld mir dem Auftrage, die Tausendmarkschcine unauffällig an den Mann zu bringen, ihm 50 000 Wk. davon zurückzugeben und den ganzen Rest für sich zu behalten. Das ganze Geld wollen die Angeklagten i in wenigen Wocken in der unvernünftigsten Weise in Set ige- Klagen und in Gesellschaft mit Weibern verjubelt haben. � Bei Herzog wurden nur noch 1000 Mk. gefunden. Für letzteren ! machte R.°A. Dr. Kurt Pincus als mildernden Ilmstand die große Versuchung geltend, der er bei dem Anblick des plötzlich in seinen Machtbereich hineingeschneiten großen Schutzes unterlegen sei. — Das Gericht verurteilte thn zu 2 Jahren Zuchthaus, den Dieb Möller zu 3 Jahren Gefängnis. Sportnachrichten. Dnrnzeite» der Freien Dnrnerschaft, Berlin. Ziidbezirk: 1, Männer-Abt. Montag und Donnerstag 8—10 Uhr Turnhalle Britzer Straße(Koilb. Brücke). 1, Jugend-Abt.(11—17 Jahre) wie vor. 1. Knaben-Abt. wie vor, aber von 6— 8 Uhr. 1. Frauen-Abt. Diestenbachstraße 60, Dienstag und Freitag von 8—10 Uhr. 1. Mädchen-Abt. wie vor, aber von 6—8 Uhr. Norddczirk: 2. Männer-Alu. Dienstag und Freitag 8—10 Uhr Demmmer Str. 27. 2. Jugend-Abt.(11—17 Jahre) wie vor. 2. Knaben-Abt. wie vor. aber von 6—8 Uhr. 2. Mädchen-Abt. Montag und Donnerstagb— 8 Uhr in der gleichen Turnhalle.— Freie Durnerichaft NcntoUu.BrtN. Heute abend 7ff, Uhr Bercinsversammlung Mus aller Welt. Schwerer SchaöenbranS. Ein Großfener hat in der vergangenen Nacht die Krcismühle in Gelnhausen eingeäschert, in welcher die gesamten Ge- tr ei d e v o rr ä t e für die Versorgung des Kreises Gelnhausen lagerten. Auch einige Nachbargebäude, auf die das Feuer über- griff, sind niedergebrannt. Zwei Personen wurde» schwer, mehrere weitere leicht verletzt. Der Schaden beläutt sich auf mehrere Millionen Mark. Die EntstchungSursache des Brandes ist noch un- bekannt._ Hochschnler in den Kohlengruben. Letzten Sonntag haben 198 Hörer der G r a z e r Universität von 8 Uhr trüh bis 3 Uhr nach- mittags in den Gruben gearbeitet. Sie förderten und verluden in dieser Zeil 35 Waggon« Kohle. Das Eisen hatten sie sich mitgebracht. Die Studentenschaft hat e« durch ihre Arbeit ermög- licht, daß die Kohlen, die aus der normalen Förderung für die beiden Hochschulen hätten abgegeben werden müssen, dem allge- meinen Verbrauch zugeführt werde konnten. An den Kohlenarbeiten habe» auch der Retloc der Technischen Hochschule Ingenieur Paul, sowie mehrere Profefforen teilgenommen. Ms Partiesührer waren Kohlenarbeiter tälig._ Wetterausstchten für das mittlere Norddeutschland bis SNontag mittag. Zeitweise aufklarend, jedoch kalt und überwiegend be- wölkt, bei irischen östüchen bis nor döftliche» Winden, im Norden, besonders an der Küste, nur vereinzelte, im Süden noch ziemlich geringe Nieder- jchläqe..* gmmmmmuvmmmmmtBmmmmmtmmmammmmmmsirnmmmBmm Die glückliche Geburt ihres Zßch&i» MöM zeigen hocherfreut an 10, ll Dr. Germann Kochan uirau Marthcrlta geh. Casatta. NW, Tite.Wardcuderg.Etr. 36. MMMW am Scnotag, den 2. November, abends 7 Uhr, im Bert. Stadthaus, Klosterstr. Ecke Srralauer Str. Referent: Herr Ernst Oäumij. Thema: Selbsthilfe gegen kirchliche Reaktion. Diskussion. Eintrittspreis 20 Pf. Freireligiöse Gemeinde Berlin. i. A: A Ho if mann. Aufruf. D U 20 und vertu, tvewerbe zu Berlin. Einladung zu der am Vemewratag, 1 J.JIonemhec 1919. abeult»* Ahr, im tBciPctHo.wjtatjane, Cngcl- ufsr 15, Saal U, ttettfindenden Ordcuttiche» LlusschuWtzung. Tagesordnung: 1. Pratokollverlesiing. 2. Festsetzung des Voran- schlage- für 1920. 3. Satzungsänderung§ 18, 28, 31 und 47. 4. Aenderung ber Dienst. rrdnuug. 5. Wahl der Prüfungskom- Mission zur Abnahme der Iahresrechnuitg ISIS. 6. Vcrlchiedenes. Der vorstohh. 278/19 Ä. Datteotnami, Vorsitzender. Fr. Keefe, Schtlstsiihrcr. Fli rplliitäiidkrung. Vom Momog, den 8. Novem- ber d. 3s. ab fallen die Schnell- lüge 128/10 ' 22 vrrlln ab 7'°- CeiBjiH an 10° und Cfipjia ab- 3cnin an II30 wegen Kotzlenniangels bis auf weiteres lort. Dagegen wird zur Anstecht, rhailung der Worgenrerbindung Berlin- Leipzig der Schnellzug v 44 BUterietd ab 10«>— Leipzig an II« zum Anschluß an den Schnellzug 0 4 Bertin ab 8°° — Dittcrfeld an 10-°— Erturt — Cassel«an gcncnulsra Tags rü neu vorgcsehc». Halle(Saale), im Ostorer 1919. Eifenbnhndircktion. ligaretfen tllrl., amerilan. und ägyptische, Capftan Navy Cut 285 Mark. Zigarren 103 Stück 70, 85, 100, 120 M. Rauchtabak garantiert rein, überseeijch. rippenstei' Pfund 2o.— Mark, bei>0 Pfund 23,- Mark. L. Manhelmer, Berlin, Beramannstr. 1(n.Kreuzberg). stmgemsozialisti- {jl schon Lehrer zur Fortsetzung seiner ötudien aus der Universität 10 000 St.? Ost-rtenmiler l'.zs an die Ex- d. Bk. Lebmeveffich. ist vor Mieterdund Groft- Berlin E. B. vrrlla w 35, Dotsdnmer Skr. SS. Sorkeahaus II _ Fernruf: Amt Rollendorf Rr. Mi. lelBiiiSreSÄ! Der Kampf gegen die erdrückenden Miels- steigeningen iomm: zur Enischeidung. Die HauS- besiyer versuchen alles, um die sozialen Absichten der Regierung zu durchkieuzen. Mieter von Grotz-Berlin k Jeder mnst belsen! Wir iotdcrn: Höchftmteten. Mieterl röte, Gxntissiouvverdor. Die überragende Macht des Hausbefitzcs muß zertrümmert werden. Darum kommt alle in unsere Protestveriammlungen Sonntag, den 2. November 101», vormittag» ff, 10 Uhr. in solgenden Lokalen: Walhalla-Tbcater, verlin N., WeinbergSwcg 19. Haverlnndo Jeftfüle, Berlin L., Neue Feie« drichfliaße 35. 2656 Klienis Jsstjäle. Berlin S. 59. Haienbelde 13. Schauburg tfriiher Hofjäger), Berlin EW., Zkönlaarützer Straße 12t. Kammersälc, Berlin SW., Teltower Straße 1—1 (Ecke B-lleallianceslraße). Brauerei Patzenhoscr. Berlin NA., Tnrmstr.25lS. Hindenburgaula zu Wilmersdorf, Am Hinden- burgpart(Ecke'.äugustajlraße). Ter Bundesvorstand. Alle ehemals bei de» Vsrkehrotruppen(Eisenbahn-, Telegraphen-, Fernfprech-, Fliegertruppen und den Uraltfahr- Iruppcn) aktiv oder während des Krieges bei einer diese» For- maiwnen gediente\ Offiziere, Saniiaisolfiziere, Beamte, Unter- ofWere und Mannschaitcn werden hieruüi gebeten, zwecks Auf- nähme in den Verein ehem. Zlameraden der Berkchrstruppeu zu Berlin, ihre genaue«Nichriftau den Vorsitzenden iinzufendenund diesen Aulruf an tetr.mUe Kameraden weiterzugeben. vi» Sitzungen»es Varel»» finden laden Zweiken Sonnabend nach den. Ersten leben Monats, abends 8 Ahr, in Berlin, im„Alken Askanter-, Anhakkstr. 11. steti, wozu die Kameraden hieemü eingeladen werden. Ver Vorstand. Z S g er, Vorsitzender. 221/1 Bcrlin-Schänedcrg, Koihenstr. 39!!._ Quecksilber I Kilo Jetzt wieder bberall ..tuktlch. Rlark 50. kaun Metallkontor, Alte dakobstraBc US MoristplaU 12858). billig 2.95, 4.90. 10,00, 15,00 Prima Brenner! Banner. Nadeln, Easatz'eile für alle Arten Karbid in Körnung billig Eugen Schmidt, Ramlerstr.37, Ecke Brunnenstr. Fahrgelegenheit: 5, 8, 27, 35, 42, 90, Stadtbahn. letxt wieder uberall kliufl'ch n Apotheken Droron Fe'nljo«,' anrt aneen. Gencral-Dcpot N 4, Bergslrasse 34, Horden 8822. Spezial=Behandlung Mai n- und Biuluntersuchung, Licht- und Flnsen BehanalüTig. Bestrahlungen. Schnell, sicher, ohne Berufsstörnni. Getrennte Wartezimmer für Damen und Herren. Aerttliche| Kn/jii ItsNn,«j» 0 nahe Alesenderplalz Heilanstalt liüötil, IkNUl/öll. O 0-1.4-8. 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Dr. Cohn: Bestand bei gewissen Stellen in Teurschland nicht doch die Absicht, das Friedensangebot vom Z2. Dezember in Verbindung zu bringen mit einer Aendcrung der Taktik im U-Boot-Ärieg? v. Bcthmann Hollweg: Ich kann nur über das Auskunft geben, was i ch gewollt habe. Abg. Dr. Cohn: WaS Sie gewollt haben, ist einem Telegramm an den Freiherrn von Grünau, den Vertreter des Reichskanzlers bei der Obersten Heeresleitung vom 1. Oktober zu entnehmen, wonach eine Ablehnung des Friedensappells durch England uns die Grundlage schaffen würde, um die in der„Sussex"-Notc gegebene Zusage, den U-Boot-Krieg nur als K r c u z e r k r i e g zu führen, zurückzuziehen und diese Zurückziehung mo r a l i s ch vor der Welt zu rechtfertigen. v. Bethman» Hollweg: Wir hatten in der„Sussex"-Note der- sprachen, den U-Boot-Krieg nur nach der Prisenordnung zu führen, aber ausdrücklich betont, daß wir frei wären, wenn Amerika England zur Londoner Deklaration nicht zurückbringen würde. Dies mutzte durch irgendein Ereignis festgestellt werden, und ein solches Ereignis war eine etwaige Ablehnung eines Friedensangebots von uns oder von Wilson. Abg. Dr. Cohn: Also sollte die Ablehnung des Friedensappells dazu benutzt werden, die Anwendung eine? Kriegsmittels zu ändern oder zu erweitern? v. Bethmann Hollweg: Das ist ein Trugschluß. Wir hatten unS freie Hand getassen. ES konnten auch andere Ereignisse eintreten, aber e i n Ereignis war auch die Ablehnung eines Frie- denSangebots. Abg. Dr. Jinzhcimer: Wilson hatte durch Oberst House auS- drücklich den Wunsch aussprechen lassen, es möchte bei uns mög- lichst wenig vom Frieden gesprochen werden. Konnte da unser Friedensangebot bei Wilson nicht das Gefühl der B r ü Z t i e- r u n g hervorrufen? v. Bethmanu Hollweg: DaS ist möglich. Aber trotzdem hat Wilson seine Friedensaktion f o ausgeführt, wie er es im Novem- ber geplant Imtte. Sachv. Prof. Dietrich Schäfer: Graf Bcrnstorff hat erklärt, dt? Erschwerung der Stellung Wilsons durch unser Friedensangebot hätte darin bestanden, daß unser Angebot bei den Feinden den Eindruck der Schwäche hervorrufen mußt«. Sachv. Prof. Bonn: Bei der ganzen Sache sollte natürlich ciwas herauskommen. Dadurch, daß durch das Vorwegnehmen de» deutschen Angebots Wilson in den Verdacht geriet, ein Agent Deutschlands zu sein, ist es möglich geworden, daß die Hahmaschinerie in ganz anderer Weise wieder in Bewegung gesetzt werden konnte, als es s o n st hätte geschehen können. Deshalb ist die Psyche Wil- sonS hier nicht entscheidcird. Ii. Bcthmann Hollweg: Das ist in mancher Beziehung richtig. Ich glaube aber, die größere Hinneigung der Vereinigten Staaten zur Entente war in allen Ländern der Entente so be- k a n n t. daß der Vorwurf der Deutschlandfreundlichkeit gegen Wilson nicht allzu ernst zu nehmen war. Sachv. Prof. Hoehsch: Wäre es nicht richtiger gewesen, die amerikanische Aktion erst einmal auslaufen zu lassen und dann mit dem deutschen Vorstoß zu kommen? v. Bcthmann Hollwcg: Ein brauchbarer Friedensschritt konnte nur gvmacht werden zur Zeit eines militärischen Höhe-. punkteS; darüber mutzten w i r entscheiden. Wir konnten n: ch t darauf rechnen, daß Wilson gerade diesen Zeitpunkt benutz'.» würde. Wir hatten Anfang Dezember Czernawoda und Bukarest genommen. Oberst House hatte ja gesagt, daß er unser Friedens- angebot für ein Zeichen der S ch w ä ch e gehalten hat. Wenn Amerika glaubte, wir wären in dem Moment so schwach, so hätte Wilson auch feinevscitS den Appell nicht in diesem Moment er- gehen lassen, denn er mußte gewärtig fein, daß die Entente auf einen Friedensappell nicht eingehen würde, wenn sie uns in eine: schlechten militärischen Lage glaubte. Ich konnte mich auf Wilson nicht verlassen. Es bestand die Gefahr, daß er den Zeitpunkt der militärischen Höhe verpassen und daß so die Möglichkeit zu einer FricdenSaküon aufs Unbestimmte vertagt würde. Ich habe mit voller Absicht den Grafen Bernstorff gebeten, die Aktion in Amerika w e i i e r zu be- treiben, weil ich nicht wußte, wann Wilson heraustreten würde. Jetzt nachträglich sich zurechtlegen, was besser gewesen wäre, ist unfruchtbar. Prof. Bonn: Eine militärisch günstige Lay« ist doch nicht eine Frage von 3— 4 Tagen. Gewiß war Wilson ein Zauderer. Dann hätte man bei ihm doch aber anfragen können, wann er heraus- zukommen gedenke und ihm mitteilen können, daß w i r ihm f o n st zuvorkommen würden. o. Bethmann Hollweg: Ich habe alle Möglichkeiten gegenei.'- ander abgewogen. Eine solck)? Mitteilung an Wilson aber hätte ich politisch nicht für klug gehalten. Abg. Dr. Cohn: Sie sagten, daß die Form unseres Angebotes ein Kompromiß war. Worüber bestanden gegensätzliche Auf- fassungcn? v. Bethmann Hollweg: Hierüber hat sich General Lude.,- d o r f f in seinem Buche ausgesprochen. E r legte Wert darauf, daß unsere auSsichtSvollr militärische Lage in dem Angebot zum Ausdruck gebracht wurde. Das ist wohl in etwas zu starker Weise geschehe«. Vors. Warmuth: Was haben hier Exzellenz getan, um die deutsche Oeffentlichkeit über die Absichten der Reichs- Politik aufzuklären? v. Bethmann Hollweg: Zu diesem Zweck habe ich meine Reden im Reichstag gehalten. Ich habe natürlich gehofft, daß die Presse einstimmen würde. Aber eZ ist ja bekannt, daß schon damals ein großer Teil der Presse nicht geneigt war, mein« Gedanken weiter- zuverfolgen. Abg. Gothcin(Dem.): Unter dem 5. Februar 1916 haben sich Ew. Exz. beim General v. Falkenhayn darüber beschwert, daß die Zensur gegen die Presse nicht vorgehe, insbesondere nicht gegen die„Deutsche Tageszeitung', die,'Kreuzzeitung" und die „Kölnische Volkszeitung", ivelche die Absichten der Reichsleiwng, zu einem Ausgleich mit Amerika zu koinmcii, durchkreuzten. General v. Falkenlmyn bat daraus geantwortet, daß er nicht fin- den könne, daß die Haltung dieser Zeitmigen irgendwie gefähr. l i ch wäre, und daß er es nicht für richtig tmlte, einieitig«in« bestimmte Richtung zu unterbinden. Daraus geht doch hervor, daß ein starker Gegensatz zwischen Ew. Exz. und der Obersten Heeresleitung hinsichtlich der Zensur bestand. v. Bcthmann Holkweg: Gegen die Agitation für den U-Boot» Krieg bin ich wiederholt mit allen mir zugänglichen Mitteln vor- gegangen, sowohl in Telegrammen wie in mündlichen Unterband- lungen mit dem Hauptgnartier. Ich habe auch die Gründe an- geführt, ans welchen die Agitation doch immer wieder aufgelebt ut. Weite Kreise de» deutschen BoAes waren der ehrliche» Uebor- zeugung, daß der unbeschränkte U-Boot-Krieg das einzige Mittel sei, uns zu retten. Eine solche Usberzeugung läßt sich auch durch Zensnrmaßnahmcn nicht totmachen, diese könnten nur die übel- sten Wirkungen herbeiführen. Abg. Schiicking(Dem.): Wenn in allen Völkern die Kriegs- stimmung gleich gefährlich war, hätte man sie dann nicht durch eine Plättform, die allen Völkern gemeinsam wäre, überwinden können, vielleicht im Sinne der Bölkerüundsidee? Ist es Exz. be- kannt, daß durch Maßnahmen der Zentfur alle Schriften unterdrückt wunden, die sich mit dieser Idee— auch rein wissenschaftlich— in Deutschland beschäftigten, ist Ihnen bekannt, daß den Trägern dieser Idee durch Androhung von Schutzhaft und Gefängnis- st rasen verboten war, sich auch nur theoretisch darüber zu äußern und daß diese Zemsuroerbote auch fortdauerten, nach- dem der Reichstag die F r i ed e n s r e so l u t i o n angenommen hatte? Hat Exz. Versuche gemacht, gegen diese Maßnahmen der Zensur einzuschreiten? v. Bethmann Hollweg: Es ist mir nicht klar, wie diese Frage mit dem Thema in Verbindung steht. Vorsitzender Warmuth: Vielleicht meint Professor Schücking, daß die Friedens st immung dadurch im Lande eine Förde- rung erfahren hätte und daß Ihre Friedensaktion dadurch wesent- lich unterstützt worden wäre? v. Bcthmann Hollweg: lieber Details, wie sie Prof. Schücking gestreift hat, kann ich heute im einzelnen nichts sagen. Ich glaube auch nicht, daß ich aus den Akten Wesentliches feststellen kann. Prof. Ouidde ist ja wohl drangsaliert worden, cr hat cm mich geschrieben, und ich glanbc, er ist auch von mir und von Staats- sekretär Zimmermann empfangen worden. Die Berfolgungcn waren nicht in meinem Sinne. ?lbg. Gothein: Hatte die politische Leitung überhaupt keine Möglichkeit, der Zensur direkte Anordnungen zu geben, war sie immer genötigt, sich zunächst an die Oberste Heeres- leitung zu wenden? v. Bcthmann Hollweg: Anch diese Frage kann ich heute nicht beantworten. Bei all den großen Sorgen des Weltkrieges habe ich solche Dinge nicht selbst bearbeiten können. Abg. Dr. Sinzheimcr: Waren Presse und Reichstag darüber informiert, daß Sie die FriedenSaktion WlsonS forderten? Was haben Sie getan, um Reichstag und Presse in Parallele zu bringen zu l>«m, was Sie beabsichtigten? v. Bethmann Hollweg: Diese zwar sehr prägnant ausge- sprochene Frage ist doch eine allgemein politisch«, die nur durch allgemeine Ausführungen beantwortet werden kann. Wir haben zu Anfang deS Krieges mit einer starken A n i m o s i- tat der Parteien und der öffeiulichen Meinung zu kämpfen gehabt. Ich habe wiederholt in vertranlichen Besprechungen mit Reichstagsabgeordneten auf die Gefahr der Propagierung dieser Feindlichkeit hingewiesen und auch Anweisung gegeben, auf die Presse in dieser Beziehung beschwichtigend zu wirken, bin aber immer dem Vorwurf begegnet, den Eindruck der Schwäche zu machen. Im preutzifchcn Abgcordnctcnhause wurde mir der Vor- wurf gemacht, aus Kleinmut nicht gegen Amerika vorzugehen. Das sind allgemeine Strömungen im Volke gewescn, gegen die ich gekämpft Hab«, aber die Frage, was ich dagegen getan habe, ist doch sehr schwer zu beantworten. Abg. Dr. Sinzheimer: Es ist sicher, daß Sie damals pessi- mistisch, sorgenvoll über den Ausgang des Krieges gedacht haben. Als General Ludendorff den U-Boot-Krieg als einzige Rettung, den Krieg zu gewinnen, bezeichnet hatte, Hütten Sie da nicht d,e Oeffentlichkeit durch rücksichtslose Aufklärung für Ihre Politik ge- Winnen können? v. Bcthmann Hollweg(mit Nachdruck): P e s s i m i st b i n ich nicht gewesen, das will ich ausdrücklich feststellen, um nicht durch die Feststellung des Herrn Berichterstatters hinsichtlich meiner Ausfassung einer falschen Beurteilung zu verfallen. Ich habe vom ersten Tage an die Lage ernst, sehr ernst auigefaßt; Ernst und Pessimismus sind aber zwei ganz verschieden« Ding«. Warum ich das Volk über den Ernst der Lage nicht voll ausgeklärt hätte? Ja, ist es denn unbekannt, goß ich von den Parteien, von der öfscnt« lichen Meinung gerade um deswillen die schärfste Opposition zu er- dulde» gehabt habe? Diejenigen Herren des Reichstages, mit denen ich vertraulich über die Sache gesprochen habe, werden sich ent- sinnen, daß ich ihnen nie ein rosiges Bild vorgeführt habe, niemals. Der verstorbene Abg. Bassermann hat sich einmal darüber beklagt, wenn er persönlich beim Reichs- kanzler gewesen sei, dann komme cr immer so e r n st heraus. Härte ich im Reichstag den Pessimismus vertreten, dann wären wir sofort zusammengebrochen. Da mußte ich den Mut ausrecht erhalten, das war meine Pflicht gegenüber dem Volk, gegenüber der Armee. Ich birie. meine Reden darüber nachzulesen, obwohl ich selbstbewußte und zuversichtliche Worte ge- sprachen habe— goldene Berge habe ich niemals vor dem beut- scheu Volke aufgerichtet. Abg. Dr. Cohn: Die Pressekonferenzen wurden zunächst vom Major Dcutelmoser vom Großen Generalstab, später durch einen anderen Offizier geleitet. Herr Dcutelmoser wurde in das Auswärtige Amt als Cbef der Prcsseabteilung oder der politiscknui Abteilung berufen. Wen» nun ine Differenzen zwischen politischer und militärischer Reichsleitung bestanden, wie ist es dann gekommen, daß ein Mann, der selbsiverstän-dlich von seinem militärischen Standpunkt ausgehend die Dinge betrachtet, in die zivile Reichsleitung berufen werden konnte? Wurde doch dadurch der Einfluß der militärischen Stellen auf da? Auswärtige Amt und die Oesfenilichkeit nur noch verstärkt.> v. Bethman» Hottweg: Der Einfluß de» Militärs ist durch die Berufung Deutelmosers nicht verstärkt worden. Ich habe mich mit der Berufung Deutelmoscrs, den ich als geeigneten Beamten erkannte, aus Vorschlag des Auswärtigen Amtes einverstanden erklärt, lieber meine Gründe hierzu glaube ich hier mich nicht äußern zu müssen. ReichSminister Dr. David: War die Oberste Heeresleitung dar- über informiert, daß von der politischen Leitung im Herbst Wilson zu einer FriedenSaktion angeregt war? Zu gleicher Zeit wurde von der Obersten Heeresleitung und ihrem- Presseapparat diese Amerikahetz: und die Wilsonhcpe von Tag zu Tag ins Volk hineingetrieben. Ist von der politischen Leitung etwas geschehen, um die Oberste Heeresleitung-daraus aufmerksam zu machen, daß damit diese politische Aktion, die Wilson zu einer FriedenSaktion hm»igen sollte, durchkreuzt und ernsthast bedroht werde? Ist die Oberste HeereSleiwng nicht veranlaßt worden, durch ihre Pressemaschine darauf hin. zuwirken, daß diese Durchkreuzung-der geplanten Aktion auf- höre und richtige Einstellung der Presse erfolge? Haben Exzel- lenz nicht die Frage erwogen, ob eS damals möglich gewesen wäre, die führenden Parteien oder wenigstens die Führer der Parteien, von denen Sie annehmen durften, daß bei ihnen Ihre Politik auf Verständnis stoß:, in vertraulicher Form darüber zu insor- mieren, daß eine solche Aktion, wie sie bei Wilson in Vorberei- tung sei, auch ihrerseits für di« öffentliche Meinung in daö richtige Fahrwasser gebracht werde? v. Bcthmann Hollweg: Tie Hetze gegen Amerika Hai auf unser« FriedenSaktion keinen Einfluß gehabt, ich habe sie auch nicht als unser Motiv bezeichnet. Di« Oberste Heeresleitung habe ich von unseren Schritten unterrichte t. Die Wirksamkeit der Wilsonschcii FriedenSaktion braucbte bei der deutschen Re- giornng nicht gestärkt zu werden. Wir haben sein« Friedens- notc mit warmen Worten de» Dankes beantwortet und so seinen Friedensappell angenommen, ohne uns durch die Animosilät im deutschen Bolle stören zu lasse«. Abg. Gothein: Nach den Bekundungen des Grafen Bernstorff haben Exzellenz nach dessen Rückkehr aus Amerika ihm gesagt, Sie hätten, wenn Sie die Vcrmiillung Amerikas angenommen hätten, ohne zum U-Boot-Krieg gegriffen zu haben, den Reichstag nicht hinter sich, höchstens die sozialdemokratische Partei. Ist Ihnen nicht bekannt, daß die Forischr. Vp. ebenfalls den Standpunkt vertreten hat, den U-Boot-Krieg zu bekämpfe», weil er zum Krieg mit den Bereinigten Staaten führen müsse? v. Bethmann Hollweg: Natürlich ist mir da? bekannt gewesen. Meine Aufgabe war«S, nachdem der U-Boot-Krieg einmal be- schloffen war, allen gegenüber die Wirksamkeit des U-Boot-Krieges nickt irgendwie in Zweifel zu ziehen, ich mußte immer be- tonen, daß wir damit etwas erreichen würden. Deshalb habe ich in den Gesprächen mit dem Botschafter nicht die Falten meines Herzens aufgedeckt, sondern die Momente angegeben, die für den Erfolg des U-Boot-KriegeS sprachen. Abg. Dr. Sinzheimer: General Ludendorff hat, als er den rücksichtslosen U-Boot-Krieg als einziges Mittel bezeichnete, um nicht den Foldzug zu verlieren, unsere Lage als hoff- nungslos angesehen. Wenn Sie anderer Ueberzeuguna ge-- Wesen sind, hätten Sie da nicht dein Reichstag und der Presse gegenüber eine starke Waffe in der Hand gehabt? v. Bethmann Hollweg: Ich habe heute früh diese Depesche selber verlesen. Es hätte wohl nock? eine Möglichkeit bestanden, auch mit dem unbeschränkten U-Boot-Kricg den Krieg zu einem guten End« zu führen, ich Hab: nur'imner die große Gefahr vor Äugen gehabt, das Risiko, das wir übernahmen, erschien mir ungeheuer. Abg. Kayenstein: Welche Gründe haben Exz. veranlaßt, trotz der Auffassung LudendorffS sachlicher Gegner des unbe- schränkten U-Boot-Kriegs zu sein? v. Bethmann Hollweg: Ich bin darauf sehr ausführlich ein-- gegangen. Man sollte mir das Eingehen auf einzelne Fragen ersparen. Vorsitzender Warmuth: Ich lege auch keinen Wert darauf. Abg. Heile(Dem.): Ich bin durch die militärische Zensur verhindert worden, in der Presse die Politik des Reichskanzlers zu unterstützen.. v. Bcthmann Hollwcg: Daß die Oberste Heeresleitung abstcht- lich ihre Zensur angewiesen hätte, meine Politik zu durchkreuzen, ist mir nicht bekannt. Abg. Dr. Cohn: Auch Prof. Hcms Delbrück wurde durch das Oberkommando Berlin gehindert, ähnliche Artikel zu schrei- beu. Aus seine Eimuendung. daß der Artikel in Uebereinstinnirnng mit dem Reichskanzler geschrieben sei, wurde ihm erwidert: „Desto schlimmer für �en Reichskanzler." v. Bethmann Hollweg: Daß Prof Delbrück Schwierigkeiten hatte, weiß ich, w»Z die Zensurbehörde ihm erwiderte, weiß ich natürlich nicht. Auf eine Frage des Abg. Dr. Spahn(Zsntr.) erklärt v. Bethmann Hollweg, er habe das heute früh erwähnte Schreiben deS Zentrums dahin aufgefaßt, Hindenburg solle bestim- men, ob er den U-Boot-Krieg fiir notwendig halte, das Zentrum wünsche, daß der Reichskanzler sich seiner Ansicht anschließe, dann würde er beim Zentrum Deckung finden. Um 614 Uhr wird die weitere Vernehmung v. Bethmann Holl- Wegs aus Dienstag, 4. November, 10 Uhr vormittags, vertagt. kleine politische Nachrichten. Die Finanzlage der ReichJbetricbe. Wie die P, P. N. aus der Verwaltung der Reichsbetriebe Spandau, Kiel und Wilhelmshaven hören, sind die Einnahmen für dieses Jahr nur auf zwei Millionen Mark angesetzt worden, denen Ausgaben von 495 Millionen Mark gegenüberstehen. Das Münchcnrr Bersammsungsverbot. In einer ergänzenden Verfügung in der Angelegenheit der Beschränkung der Re- volution sfeiern teilt das Gruppenkommando mit, daß die Genehmigung zur Abhaltung vo» Versammlungen auSnah ms- weisecrteilt werden könne, wenn nachweislich aus zwingenden Gründen Versammlungen an anderen als an den verbotenen Tagen nicht stattfinden können und wenn die Garantie gegeben erscheine, daß eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit nicht zu cr- warten sei. Amerikaner gegen Schieber. Die amerikanischen Behörden haben laut.Fr. Ztg." in Coblcnz eine Durchsuchung verschiedener Häuser, in denen Schieber zu verkehren pflegen, veranstaltet und dabei über 20 Schieber s e st g e n o in m e n. Diese tnerden morgen nach- mittag zusammen öffentlick zum Bahnhof Ehreubreitensteiii gejührt und nach dem unbesetzten Deutschland abgeschoben. Wirtschast. Enttäuschungen. Jedesmal, wenn der Zwangswiriichast unterliegende Lebensmitteln verdorben sind, erbob sick ein Geschrei der Händler, die be- baupteten. daß so etwas im freien Handel nicht möglich sei. Sehr lehrreich für die Tiefgründigkeit dieser Behauptungen sind jetzt Klagen, die aus Kreisen der Fischhändler kommen, Der Fisch- Handel ist bekanntlich seit einiger Zeit freigegeben. Jetzt macht man die Entdeckung, daß die Sochgespaiinlen Er- wariungen, die an die Fieigabe des Fischhandels geknüpft Warden, sich zum großen Teil nicht erfüllt haben. Größere Mengen von Fischen sind verdorben. So mußten z. B. in Berlin innerhalb dreier Tage etwa 10 bis 12 Waggons See- f i s ch e der Abdeckerei zugeführt werden, da sie stir den mensch- lichcn Genuß nicht zu verwenden waren. Ein noch größeres Quantum, das noch ohne Schädigung für die menschliche Gesund- best zu genießen war, aber den üblichen Anforderungen nicht ent- sprach, konnte nur noch zu bedeutend herabgesetzten Preisen ver- kaust werden. Es wurden für 1 Pfund solcher Ware nur SO bis 60 Pf. erzielt. Schätzungsweise dürste der Verlust, der dem Berliner Fischhandel hieraus erwachsen ist, in jenen drei Tagen fast eine Viertelmillion betragen. Ganz ahn« liche Ersahrungen hat man auch in Hannover ge- mockt. Da es dainat» noch sehr heiß war, mußten auch dort die Fiiche mit niedrigeren Preisen als üblich verkaust werden, um zu verbiudern, daß die ganze Ladung den Dünger- fabriken zugeführt wurde. Diese Verhältnisse haben dahin geiührt, daß viele Händler, die den freien Fischhandel mir allen erdenklichen Mitteln propagiert hatte», bereits jetzt anderer Ainchauung geworden find. In jedem Falle ist der Beweis erbracht, daß der un- vermittelte Uebergaiig von amtlicher Bewirtichastung zum freie» Handel sich stets mit gewissen Störungen vollzieht und nicht so leicht von stalten geht, wie man in weilen Kreisen anzunehmen pflegt._ „Wir kaufen uns tot." Zn unserem Artikel unter diesem Titel in Nr, 537 de?„Vor- loärls" erhalten wir eine Zuschrift des GekchäflSführerS des Ver- bände» deutscher Getreidekaffeesabrrianten Dr. Glier, tn dein daraus Hingelviesen wird, daß Weizen und Korn schon seit Jahren nicht mehr zur Herstellung vo» Ecsatzkastee ver- wandt werden darf, während in Gerste die letzte Lieferung vor dreiviertel Jahren erfolgt ist. Wa» jetzt davon angeboten ist, ist meist Schieberkasfee, der zum Teil aus Heeresbeständen stammt, zum Teil aber nur unter diesem Vorwande gehandelt wird. Infolgedesicii ist eS gar nickt möglich, für den Bohnenkaffee, der im Ausland einackauil wird, Ertatzlafise zu fabrizieren. Denn der Einfuhr von Kaffee wirklich enigegengetreten werden soll, so ist es nötig, daß die Getreidekaffeefabrikanten erst einmal genügend Getteid» für den Kaffee-Ersatz sreibelommeu. 17. oröentlicher verbanöstag öes Deutzen Tabakarbeiter-Verbanües. Bremen, den 8». Oktober 1919. Vierter Berhundlungstag. Die Beratung über die Anträge aum Statut werden fortgesetzt. Nach Schluß der Debatie werden die besprochenen Anträge der Stalulenberatungskoinmiision übergeben. Es folgt das Referat über die zukünftige Lohnpolitik des Verbandes, das von H u s u n g, Vorstandsmitglied, er- stallet wurde. Wie Redner«mssührle, haben die Lohnbewegungen, wie sie früher üblich waren, uns nicht den gewüiifchlen Erfolg ge« bracht; es kommt bei den künftigen Lohnbeivegungen darauf an. daß olle Tabakarbeiter davon erfaßt werden. AuS diesem Grunde steht der Verband auf dem Boden eines ReichSlohntarifS. Wenn es geling», einen folchen Tarif fertigzustellen, dann darf eS in Zukunft nicht vorkommen, daß die Mitglieder an einzelnen Orten noä» eigene Lohnbewegungen»nachen. In Eisenach haben am 1. Oktober Verhandlungen mit Vertretern des Reichsverbandes deutscher Zigarrenhcrsteller stattgefunden. Dieser Tarif wird ein Manteltarjf fein, der Arbeitszeit. Lohn und Ferien regeln soll. Der Lohn, der darin festgesetzt wird, wird nur ein M i n d e st- lohn sein, zu dem den Verhältnissen entsprechend regionale Zuschläge komme» müsse». In der sehr ausgedehnten Debatte, die sich über den ganzen Tag erstreckt, werden von den einzelnen Rednern zu dem Tarif verschiedene Verbesserungsanträge gestellt. Ein Schlußantrag »rächte der Debatte ein Ende und bekam Husung das Schlußwort, der ersucht, durch Beschlüsse die BcrbandlungSleiter nicht festzu- legen. Der Verbandstag überwies alle gestellten Anträge dem Vorstand als Material, in dem besonders der Wunsch her- vortrat, daß nach Möglichkeit versucht werden soll, den Mindestlohn auf b9 M. zu erhöhen. Es folgt noch eine Abendsitzuug. GewersschafisbewWng Das Mitbestimmungsrecht in öen Metallbetrieben. Gegen das Bestreben der Unternehmer in der Metall- industrie, den streikenden Metallarbeitern das Mitbestimmungs- recht zu rauben, wandte sich eine am Freitag nachmittag tagende überfüllte Versammlung der S.-P.-D.-Arbeiterräte und Betriebsvertrauensleute der Metallindustrie. H a b a k und Knopf als Mitglieder der Fünfzehnerkommission er- statteten Bericht über die augenblickliche Streiksituation. Von den beiden Referenten sowohl wie auch von sämtlichen Diskussionsrednern wurde übereinstimmend betont, daß der Ver- such der Unternehmer, den Arbeitern gelegentlich des Streiks das Mitbestimmungsrecht anzutasten, mit allen Kräften a b- gewehrt werden muß. » Bericht der Streikleitung. Die Verhandlungen vor dein im Reichsarbeitsministerimn tagenden SchlichtungSausschuß führten seinerzeit zu der Verab. redung. daß während der Verhandlungen eine Verschärfung des Kampfes nicht eintreten dürfe. Dieses von beiden Seiten ge- gebene Versprechen ist seitens der Unternehmer durchbrochen wor- den. In Tausenden von Exemplaren werden den streikenden, aus- gesperrten und entlassenen Arbeitern der Betriebe folgende Karten zugesandt: Siemens.Schuckertwerke G. m. b. H. Kleinbauwerk. 39- Oktober 1919. Wir teilen Ihnen mit, daß Sie am 31. Oktober 1919, vor- mittags 7,39, die Arbeit wieder ausnehmen können. Zum Aus- weis wollen Sic diese Karte beim Betreten des Werkes dem Pförtner vorzeigen. Ohne diese Karte ist bis auf weiteres der Zutritt zum Werk nicht aestattet.. r »Siemens u. Halske Akt.-Ges. Siemens-Schuckertwerke G. m. b. H. Kollegen und Kolleginnen! Ter Versuch der Unternehmer, unsere geschlossene Front zu durchbrechen, muß zurückgeschlagen werden. Kein organisierter Metallarbeiter darf diesem Rufe Folge leisten! Wir fordern, alle streikenden und ausgesperrten Kollegen auf, die an sie ergangenen Schreiben und Karten, in denen sie zur Arbeitsaufnahme aufgefordert werden, an die Streikleitungen der Betriebe abzugelten. Die Streikleitungen werden aufgefordert, die- selbe» an die Fünfzehnerkommission abzuführen. Die Arbeilen des Schlichtungsausschusses zur Einrangierung in die Lohnklasscn nähern sich ihrem Ende. Es ist zu erwarten, daß die Schiedssprüche anfangs der nächsten Woche verkündet werden. Auf Antrag der Füuszehiurkommisstou hat eine Sitzung mit den Vertretern folgender Parteien stattgefunden: der Unabhängigen sozialdemokratischen Partei, der Sozialdemokratischen Parte:, der Kommunisten und der Demokratischen Partei. Ferner war der Ausschuß der Berliner Gewerkschastskommtssum und der Vollzug,-- vat Groß-Berlin vertreten. In der Konferenz kam zum.lusdruck. daß alle Parteien bereit sind, für die Wahrung der Grundrechte der Arbeiter einzutreten. Um das zu ermöglichen, soll an die gesamte Arbeiterschaft Deutschlands ein Aufruf veröffenllicht werde»». Es ist zu diesem Zwecke eine Redaktionskonrmission angeätzt worden, die ihre Tätigkeit sofort aufgenommeu hat. Eine zweite Kommisfion wurde gebildet»nit dem Auftrage,� sich an das Reichsarbeits- Ministerium zu weiiden. Die Fortsetzung dieser Tagung sin» et heute abend statt. Den Obleuten der Streikleitungen und der am Sonniag stattfindenden Generalversammlung wird weiterer Be- richt erstattet werden. �, ,, Die Fünfzehnerkommission. Das Metallkartell. Was ist ein„Henjerkschastsbonze*! Im Sprachschatz unserer neuesten gewerkschaftlichen Ausdrücke ist feit etwa einem Jahre das Wort Gcwerkschaftsbonze aufgetaucht, das vielen ein beliebtes Mittel ist, ihre Verachtung gsgen das auszudrücken, was die Führer sprechen, tnn, vorschlage»», in Aussicht stellen oder auch mir anzudeuten wagen. Dabei ist manchem, der dieses Kosewort gebraucht, gar nicht recht klar, was cr damit meint, welchen Sinn es eigentlich haben soll. Zunächst was ist ein Gewerkschaftsbonze? Die„D'achdecker-Zeitung", der wir diesen Beitrag zur Naturgeschichte des Bonzen entnehmen, schildert ihn so: Er ist fast immer einer, der der Sozialdemokrati- schen Partei angehört und im Kriege die Politik der General- ko mmislicm vertrat, weil er glaubte, damit seiner Gewerkschaft am besten zn dienen. Meistens ist der Bonze schon so lange geWerk- schastlich urid politisch organisiert, wie die anderen noch nichteinmalaltsind. Er wurde schon gemaßregelt, mit seiner Familie oft aus der Heimat vertriebe»», als die, die ihn heute beschimpfen, noch mit dem Finger aus„so einen" zeigten, der schon in den neunziger Jabrcn des vorigen Jahrhunderts seine Haut zu Markte trug. Das ist rein äußerlich ein Gewerkschafts- Pfaffe. Er hat besondere Kennzeichen an sich. In der Regel wurde er schon ein dutzendmal einstimmigwiedergewählt, so daß er in vollem Maße das Vertrauen seiner Kollegen besitzt. Wenn man in alten Protokollen nachliest, findet man sogar von radikalen Redner»» bestätigt, daß so ein Bonze auch etwas von der praktischen Arbeit versteht— früher natürlich. Da er aber seiner Ueberzeu- gung treu bleibt und nicht gleich aus Angst,„brotlos" zu werden, zu einer radikaleren Richtung hinüberwechselt, ist er heute ein dummeS Luder, das sich den lliiteri»ehmern verkaust, sich von der Regierung bestechen läßt. So ein verächtlicher Gewerkschaftsangestellter hat meistens seit Jahrzehnten schon den Kampf für seine Mitarbeiter als seines Lebens höchstes Ziel betrachtet, bat vielfach auf Fanrilienleben und Erholung nach Feierabend verzichtet, um sich etwas Wissen anzu- eignen und nicht bloß Unsinn zu schwätzen, wenn er mit Unter- nehmcrn oder Behörden zusammenkommt. Er gab sein Geld für Bücher aus, um sich zu bilden. Deshalb habe»» die, die auf alles das pfeifen, doppellen Grund, auf ihn zu schimpfen, da, wenn er spricht, die anderen nachdenken müssen und nicht bloß vom Phrasen- brei benebelt werden. So ein Priester der Gewerkschaften, der seit dreißig Jahren für den Achtstuirdentag gekämpft hat, der aber selbst täglich IS Stunden schafft, Sonntags und abei»ds auf der Bahn liegt, voi» den Unter- neljinern gefürchtet, von den Kollegen verachtet wird, kann den Geist der neuen Zeit nicht verstehen. Das können nur die, die noch nicht soviel Marken im Verbandsbuch haben, um Krankenunter- ftützung zu bekommen, weil sie dazu schon zwei Jahre organisiert sein müßten, obgleich sie im Schwabenalter sind. Wenn dann der Bonze kommt und sich darüber aufhält, daß sie früher die alten Ge- werkschafter allein haben kämpfen lassen, deshalb heute nicht alles auf einen Schlag bekommen können, weil die Revolution nur ein militärischer Znsammenbruch war und noch nicht die wirtschaftliche Gleichheit bringen konnte, weil die Rebolutio»» erst den Boden ge- ebnet hat, aus dem wir uns der Ketten entledigen können, dann heben sie die Hand, sehen den Bonzel» mitleidig an, betrachten seine Schädelform uird sagen fein lächelnd:„Das verstehst du nicht, dazu bist du viel zu dumm.. Das also ist ein GeWerk schaftsbonze. Es gibt Leute, die das Schimpfwort bei jeder Gelegenheit verwenden, manche, ohne seinen Sinn zu verstehen. Denen ein wenig aus die Strümpfe zu helfen, ist diese Erläuterung geschrieben. Am voll- ständig zu sein, erwähnen wir noch, daß es auch„Oberbonzen" gibt. Aber über die redet man schon lieber gar nicht... Streik der Musiker i» den N.-T.- Lichtspielen. Seit März dieses Jahres steht die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Musikerverbandes mit dem Verband der Lichtspieltheater- Besitzer Groß-Berlins in Tarifverhandlungen. Zweimal wurden Verhandlungen geführt, die eine» Tarifvertrag zeiligten, der jedoch von der Vollversammlung des ArbeitgeberverbandeS wieder umgestoßen wurde. Zu,n driireu Male kam ein Tarifverlrag in voller Uebereinstimmung beider Parleien zustande, nur das Mit- bestimmungsrecht der Musiker stieß auf Schwierigkeiten. Hier sollte der SchlichtungSausschuß enrscheiden. Nach Fällung deS Schiedsspruchs über diese Frage machten die Arbeitgeber unter Führung der U.-T.-Lichii'viele erneut Einwendungen und diesmal gegen die Tarifsätze der Musiker in den großen Lichtspiel- thearern. Diese wollten ihren Musikern die gleichen niedrigen Sätze zahlen, die in den kleinen Kinos gezahlt werden sollen. Eine Einigung konnte trotz weitgehendsten Entgegenkommens de« Musiker- Verbandes nicht erzielt werden, und so sind am Freitag die Musiker in den ll-T.-Lichtfpielen in den T e i l st r e i k eingetreten. Ein skandalöser Arbeitsvertrag. Sehr sonderbare Anschauungen über das. was man den Angestellten in der deutschen deinokratischen Republik bieten kann, scheinen in den Amtsstuben der Abwickelungsstelle der Gewehrfabrik in Spandau zu herrschen. Die dort als Betriebs fchreiber Eingestellten müssen Bedingungen unterschreiben, die heute nach der gesetzlichen Einführung der acht- stündigen Arbeitszeit kein Privatunternehmer seine« Arbeitern und Angestellten bieten dürfte. So heißt es beispielsweise»n den uns vorliegenden Bedingungen für die gegen monatliche Kündigung an- gestellten Betriebsschreiber: „Die tägliche Beschäftigung richtet sich nach den gesetzlichen Bestimmungen und dauert»u der Regel acht Stunden. Die Ar- beitSzeit kann jedoch»ach Elfordernis und ohne Beschrän- kung der Zeitdauer auf 19 Stunden täglich verlängert und in dringenden Fällen auch aus Sonn- und Fe st tage ausgedehnt werden. Eine besondere Vergütung der Ueberstundrn sowie für Arbeiten an Sonn- und Festtagen wird nicht gewährt." Damit die Betriebsschreiber nun nicht etwa zu der Aussassüng kommen, daß ihnen der entgangene Lohn für die Sonderleistungen vielleicht in Form von Teuerungszulagen bezahlt wird, ist an einer anderen Stelle ausdrücklich bestimmt: „TeueruligSzulageu iverden nicht gezahlt. Etwaige lieber- stundenarbeit und Arbeit an Sonn- und Festtagen iv i r d nicht besonders vergütet, sie ist in der MonatSvergütung ent- halteir." Vielleicht könnte einem der Betriebsschreiber einmal die Galle überlaufen und er seinein Vorgesetzten ein Kapitel lesen über die sozialen Ausgaben des Unternehmers und des Staates im besondere»». Auch für diese» Fall ist vorgesorgt. Nach den Bedingungen, denen sich jeder zu„untcriverfen" hat, wird.unangemessenes Betrage»» gegen Vorgesetzte mit Verweis oder»nit Orb« nungSstrafe von 1— 39 Mark oder in besonderen Fällen mit Entlassung ohneEinhaltunz dcrKündigungS- fr ist bestraft". Wer solche skandalösen Verträge, die ein einigermaßen anständig denkender Privatunternehmer seinen Angestellten heule nicht mehr zuinutet, verlangt, darf sich auch nicht wundern, wenn die Arbeiter mit Unlust und Gleichgültigkeit ihre Tätigkeit verrichten. ES ist doch gerade der Wunsch aller einsichtigen VolkSwrrtschaftler: dcnr Arbeiter wieder die L i e b e z u r A r b e i t, die F r e u d e an seiner B e r u f S t ä t i g k e i t zu geben. Wir möchten wünschen. daß die vorgesetzte Behörde der Abwicklungsstelle der Gewehrfabrik etwas von diesem»»oderncir Geiste verspürt und den skandalösen Dienstvertrag beseitigt. Die Angestellten auS de» Waren-, Kaufhäusern und Spczial- geschäftcn nahmen in zwei von etwa 10 999 Angestellten beiuchten Versammlungen in den Sälen der Börse Stellung zu der von den Unternehmern abgelebnten Anschaffungsbeihilfe von 1909 M. für Verbeiratete, 809 M. für Ledige und 199 M. für jedes Kind. Räch einem Reierat der Kollegin Licht und darauffolgender Diskussion wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die da« Angebot der Ilntenrehmer, eine verdoppelte Zahlung der geringen TeuerringS- zulage bis zum Tamabichluß. ablehnt. Die Resolution verlangt als Mindestmaß der Forderungen die Zahlung der oben erwähnten AnschassungSbeihilse und erwartet in diesem Sinne den Abschluß der Verhandlungen zwischen dem Zentralverband der Angestellten und dem Arbeitgeberverband bis spätestens 39. November d. I. Der Elektrizitätsstreik in Bitterfeld. Ans wird geschrieben: Als d-e technische Abi eilung am Sonnabendmiitag 1 Uhr in B» t t e r s e l d eintraf, fand sie die Grube Leopold in einem derartigen Zustand vor, daß der Strom kaum»»och ausreichte, um Licht für die Grube und die von ihr abhängigen andern Gruben zu schaffen. Bitterseld war schon seit dein vorigen Tage ohne Licht und Kraft. Auch die andern Gruben sowie die Grube „Leopold" selbst waren dem Ersaufen nahe. Die Arbeiter batten nicht einmal die notwendigsten Notstandsarbeiten geleistet. Die technische Abteilung griff sofort ein x-nd mit ihr im Verbände die Technisch? Nothilfe, die kurz daraus aus Weimar ein. traf. Das Kesselhaus und die Turbinen wurden besetzt. Noch im Lause des Nachmittags konnte an die andern Gruben Strom ge- liefert werden und im Laufe des Abends an das ElektrizitätS- wert in Bitterseld, so daß die Stadt Bitterfeld wieder Licht»md Kraft hatte. Das Singreifen der Technischen Nothilse ist völlig ohne jede Reibung vor sich gegangen. Ihre Mitglieder sind überhaupt nicht mit den Arbeitern des Werkes in Berührung gekommen. Es ist eine Lüge der„Freiheit" und des„Halleschcn Volksblattes", daß sich die Technische Nothilfe als völlig unfähig erwiesen haben soll, einen komplizierten Betrieb aufrechtzuerhalten. Ebenso ist es eine Luge, daß sie nur Schaden im Betriebe angerichtet habe. ES ist nicht der gering st e Schaden entstanden, und � der Betrieb ist bollkommen aufrechterhalten worden bis zum Montagmorgen, wo die Arbeiter des Werkes früh 8 Ubr die Arbeit aufgenommen haben. Die in die Welt hinausgestreute Lüge wird vermutlich darauf zurückzuführen sein, daß ein Vertreter des Heizer, und Mn- schinistenverbandes, der sich in seinen radikalen Zielen schon m Berlin beeinträchtigt sah, ebenfalls bei diesem Streik in Bitterfeld aufgetaucht ist und hier die gleichen Lügen gegen die Technische Nothllft ausgestreut bat. wie wenige Tage zuvor in Berlin, indem er dort erklärte, daß die Technische Nothilfe bei dem Elektrizität?- arbeitcrstreik auch nicht einen Tag länger die Arbeit in den Werken bätte aufrechterhalten können. Das Gegenteil ist sowohl in Bitterfeld wie in Berlin der Fall. Je länger die Arbeit der Tech- nischen Nothilfe dauerte, desto eher drang in die Arbeiterkreise der Gedanke der Technischen Nothilse ein. daß über dem Streikrecht das Lebensrecht steht. So meldeten sich in Berlin wäbrend der vier Streiktage allein 1090 neue Mitglieder, so daß die Technische Nothilse gerade durch den Streik der Elektrizitätsarbeiter gekräs. tigt und erst reckt in den Stand gesetzt wurde, lange Zeit in vielen lebenswichtigen Betrieben die Arbeit voll aufrechtzuerhalten. Zum Metallarbeiterstreik. Firina Fertigguß, Tetnpelbo». Betriebsversammlung am Sonn- abend, den l. November, im bekannten Lokal nachm. 2 Ubr. E. Zwietusch u. En. Heute Sonnabend bis 2 Ubr Quittungen miicrschreibcn bei Arnswald, Cbarlottenburger User 64. Ebenfalls resticrende Beiträge zilr Krankenkasse bezahlen, sowie noch Nachmcldunaen. Deutsche Delepbonwerte. Sonnabend nachmistag 2>/, Uhr Funk. tionänitzung bei Hellmuth. Görlihcr Skr. 58, Ecke Sorauer Stranc Da- selbst sindet von jert ab die Ailszabliniq der Streikunterslützung slatt' Ain Dienstag für die Nummern 1— 699 von g— 2 Ubr. am Mittwoch 699 bis Schluß von 9-2 Uhr. Auszahlung für Nachzügler Donnerstag von 19 bis 2 Uhr. Unterschreiben der Ouitlungen Sonnabend von 19—2 Ubr. ®' Gluftlampcnfabrik. Sonnabend, 1. November, von 12 1 üb»'. Auszahlung der Streikunterstützung in den bekannten Lokalen. Buttke«. Co., Ritterstraße. Heute 9—19 Uhr Slrcikkarten abliefern »m Strciklokal. Metallformer und Berufskollegen Südost. Versammlung mn 3. November Wäldemarstr. 75. Bericht von der Verhandlung im Reichs- arbeitsministerium. Deutscher TranSvortarbeiterverband. SandelShilfSarbeiterinnen der Textilbranche und Bekleidungsindustrie. Am DienStag, 4. November. abends 6 Uhr, im Königstadt-Kasmo, Holzmarktitr. 72. Branchenversamm lung. Tagesordnung: Tie Lohnverbältnisse der weiblichen gewerblichen Angestellte»! im Handelsgewerbc(Tarisverträge). Deutscher Dransportarbeitervcrband. Gewerbliches Personal der KriegSorganilationci». Am Montag, 3. November, abends 6'/, Ubr, im Gewerlschaitshaus, Engeluser 14/15, Saal 4, Branchenversammlung. Tagesordnung: Stellungnahme zu einem Tarijvertrag. Zentralverband der Angestellten. Sektion der PoflauShelser und -Helferinnen. Sonntag vormittag 19 Ubr im LehrervcreinshauS, Alerander. platz, Versammlung. Diensiausweise sind am Eingang vorzuzeigen." Berantw. fiir bin redaktion. Teil: Alsrev Scholz, Neukölln» siir A»zeigen: Theodor »blocke, Berlin Verlag: Borwärto-Verlag G. m. b. H.. Perlin. Druck: Vorwärto- Buchdruckerei und Lerlagsanslalt Paul Ginacr u. Co. in Berlin. Lindcnilr. 3. Theodor Hierzu 2 Bcttagen. \ I I inen Interetle f Wir bitten Ihrem eige............... � von Ibrem Bucbbänllcr ru verlangen g Ärtur Landsberger I Berliner Romane in/ Bänden» Jeder Band lieb, M 10.—(mit 10�'/« Bac(ib.~Aa£«ckia?i Georg Mü/ier�er/ag München � �55155 das rein natürliche Mineralwas)er„Staat!. Zachingen" ist wieder, mit alten guten verschlügen versehen, sofort lieferbar, von heilwirkenüem Einfluß bei Gicht, Rheumatismus, Diabetes, Nieren-, Glasen- unü Harnleiden, Sodbrennen usw. 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