Nr.S68.3S.I-hr«. Bezugspreis: Bi-rt-ljährl. 10,50 Ml., monatL 3,50 M l. ftii ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich 3A> Ml. exkl-Au» stellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 0,75 Ml, für das übrige Ausland 10,75 Ml., bei täglich einmal. Zustellung 8,75 Ml. Postbestcllungen nehmen an Dänemark. Kolland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Der„Bonnarts* mit der Sonntag»- bellage»Boll u. Zeit' erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags einmal. Morgen-Ausgabe. Telegramm-Adresse! «Sozialdemolral verlin- Berliner Volksblntt (iSpksnnlg) Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonpareillezeilc kostet 1,80 M,, Teuerungszuschlag 00°/�. „Kleine Anzeigen", das fett» gedruckte Wort 75 Psg.(zuISffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 50 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigcn das erste Wort 05 Psg,, jedes weitere Wort 40 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Teucrungszuschlag 50%. Familien■ Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 1,00 Ml. die geile. Anzeigen für die nächste Runinier müssen bis S Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 08, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Dcöffnct von S Uhr jrllh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdcmokratircbcn parte» Deutfcblands Redoftion und Expedition: SW. bö, Lindenstr. Z. isrrnivrrcher: Amt Morispla», Nr.»ZlSV—»äl»7. Donnerstag, den G. November IVIÄ. vorwarts-verlag G.m.b. h., SW. bS, Lindenstr. Z. K-erniprechcr: Amt Dtoritiplatz, Nr. Il.7 33— St. m Arbeiten oder hungern. Streikrecht, Streikpflicht, Streikbruch. II. Solange das Verantwortlichkeitsgefühl in diesein Maße nicht vorhanden ist, mutz die Bevölkerung das Recht haben, sich gegen die Bedrohung ihrer Lebensmöglichkeiten zu schützen. Und ein so leichtfertig, entgegen dem Willen der Bevölkerung und auch der beteiligten Arbeiterschaft geradezu aufgezwungener Streik wie der letzte sogenannte Sympa- thiestreik der Elektrizitätsarbeiter in Berlin zwing� geradezu, sich gegen einen derartigen Mißbrauch des S t r e i k r e ch t s zu schützen. Die Berliner Elektrizi- tätsarbeiter hatten zunächst den Sympathiestreik abgelehnt. In einer späteren Versammlung ist er dann unter der Vor- aussetzung beschlossen, daß auch alle übrigen Arbeiter sich daran beteiligen. Trotzdem das nicht geschah, wurden die Elektrizitätsarbeiter schließlich durch erlogene Nachrichten über anderweitig bereits eingetretene Streiks teilweise zur Arbeitsniederlegung veranlaßt. Unabhängige Arbeiter- räte und Vertreter des Maschinisten- und Heizerverbandes haben sich tapfer an diesen Lügen beteiligt. Von diesem Gesichtspunkt muß die Technische Not- Hilfe betrachtet werden. Die in Berlin errichtete Tech- nische Nothilfe ist keine militärische Organisation. Sie untersteht lediglich verwaltungsmäßig dem Reichswehrmini- sterium, ist aber in ihrem Aufbau und in ihrer Leitung eine rein zivile Arbeitsorganisation. Die Technische Not- Hilfe lehnt es entschieden ab, sich allgemein in rein Wirt- schastliche Streiks einzumischen. Sie zieht auch den Begriff der lebenswichtigen Betriebe, deren Anfrechterhaltung im Notfalle allein ihre Aufgabe ist, so eng, daß sie z'um Beispiel bei einem Streik der Straßenbahn und Hochbahn diese nicht in Betrieb halten würde. Dagegen steht sie auf dem Standpunkt, daß zum Beispiel die E l e kt r i z i t ä t s- werke mindestens insoweit in Betrieb gehalten werden müssen, als durch die Stillegung die Lebensinteressen der Bevölkerung gefährdet werden. Es kann also keine Rede davon sein, daß es sich um eine Streikbrecher-Organisation handelt, sondern es handelt sich um eine Organisation zur Behebung eines zeitweilig entstehenden dringenden Not- ftandes. Die von mir gekennzeichnete» Voraussetzungen für das Eingreifen der Technischen Nothilfe Hägen im Berliner Elektrizitätsstreik vo»'. Der Streik entsprach nicht dem Willen der beteiligten Arbeiter und noch viel weniger der ge- samten Bevölkerung. Er ivar nicht unvermeidlich, um loirt- schaftliche Forderungen der Elektrizitätsarbeiter durchzu- setzen, da diese gar keine Forderungen aufgestellt hatten. Ich kann aber diesen Streik nicht als ein geeignetes Nittel be- trachten, die Metallindustriellen zum Nachgeben resp. zum Verhandeln zu zivingen. Von dem Elektrizitätsstreik betraf- fen wurde die Berliner Bevölkerung, die doch nur durch An- Wendung von Gewalt einen Druck auf die Metallindustriellen lwtte ausüben können. Es ist aber zu bestreiten, daß dieser Streik notwendig war. um die setzt stattfindenden VerHand- lungen herbeizuführen. Das hat die„Freiheit" selbst zu- gegeben, denn in ihrer Nummer vom 18. Oktober teilt sie mit, daß der Streik der Maschinisten beendet sei, da er seinen einzigen Zweck, die Metallindustriellen zu VerHand- lungen zu zwingen, erreicht habe. Und dann fährt sie fort: Das neue Schiedsgericht wird am Sonnabend zusammen- treten. Wir hoffen, daß es unter dem Eindruck der großen, kräftigen Bewegung zu einer Lösung der Streitfragen kommen wird, die es den Arbeitern möglich machen wird, sich der Eni- scheidung des Schiedsgerichts zu beugen, ohne daß bei ihnen das Gefühl der Vergewaltigung zurückbleibt. Die Korrektur am Schiedsspruch vom 21. August wird vor allem darin be- stehen, daß die zu gewährenden Lohnzuschläge auch in der ö. Lohnklasse von 5 auf 10 Pf. erhöht werden. Auf dieser Grundlage. Erhöhung der Löhnzuschläge in der 5. Lohnklasse von 5 auf 10 Pf., hatten sich die Unter- nehmer aber bereits etwa acht Tage vorher zu VerHand- lungen bereit erklärt. Das, was also als der wichtigste Erfolg des Streikes bezeichnet wird, war bereits vorher zugestanden. Und endlich war das Eiygreifen der Technischen Nothilfe gerechtfertigt, weil die für den Streik zuständig« Gewerkschostsorganisation, der Verband der Maschinisten »rnd Heizer, nicht bereit war, die Notstandsarbeiten auszu- führen, die erfdrderlich gewesen wären, um Leben und Ge- sundheit der Bevölkerung zu schützen. Auf diesen Boden haben sich auch einmütig die Funktio- närc und Betriebsvertrauensleute unserer Partei gestellt. volksgenoflen! Ein vrrni chtendrr Streit soll gegen Euch geführt werden! Wir hatten dem Lande daS schwere Opfer der zeitweiligen Einstellung des gesamten Personenverkehrs auferlegen müssen, um im letzten Augenblick Kartoffeln und Kohlen in die Städte zu bringen. Diese für Zehn- tausrnde von Einzelexistenzen außerordentlich harte Anordnung mnßte getroffen werden, um das Gespenst des Hungers, der Külte und der Arbeitslosigkeit fernzuhalten. Sie kann nnr zum Erfolge führen, wen n alle Kräfte angespannt werden, um die freiwrrdcnden Transportmittel auch wirklich bis zum letzten aus- zunutze». Um diesen Erfolg soll das deutsche Volk betrogen werden. Gerade jetzt wird zum politische» Generalstreik aufgerufen! Ein Anschlag auf Leben und Gesundheit wird damit geschmiedet, in seinen Folgen so verhängnisvoll, daß die g e- samte Bevölkerung ihm in einheitlicher Front den cnt- schieden st en Widerstand entgegensetzen muß. Der Kamps der Metallarbeiter ist, soweit er ein w i r t- s ch a f t l i ch e r Kampf war, durch Verhandlungen so gut wie gegenstandslos geworden. Trotzdem soll weiter ge- kämpft werden. So diktiert es eine zum äußersten bereite Minderheit, an ihrer Spitze die von den Radikale» beherrschte Fünfzehncrkoinmission und der unabhängig-kommunistische Rumpf- vollzugsrat. Sie sprechen offen von dem„nun politisch gewordene» Kamps". Das deutsche Volk will Frieden, Ruhr, Ordnung u n d B r o t. Es weiß, daß die Arbeit dieser Tage keinen Aufschub duldet, und es wird sich in seiner überwiegenden Mehrheit gegen Elemente wehren, � die es noch tiefer ins Unglück stürzen. Wir sind verantwortlich für Leben und Gesundheit von 60 Millionen Drntschrn I Wir werden sie mit Aufbietung aller Kraft schützen! Volksgenossen, steht uns in diesen schweren Tagen zur Seite! Es geht um Euch, nm Eure Frauen und Kinder! Berlin, den 5. November 1919. Tie Reichsregierung. Bauer. Schiffer. Dr. Bell. Dr. David. Erzbcrgcr. Dr. Geßler. Giesberts. Koch. Dr. Mayer. Müller. Noske. Schlicke. Schmidt. Die Preußische Regierung. Hirsch. Braun. Fischbcck. Harnisch. Heine. Oeser. Stegerwald. Dr. Südekum. Am Zchnhoff. Heber 800 Männer und Frauen, die täglich in harter Arbeit im Betriebe stehen, die zum Teil jahrzehntelang in der pvli- tischen und gewerkschaftlichen Bewegung tätig sind und die in manchem Kampf ihren Mann gestanden haben, in einer Zeit, als kämpfen noch mehr bedeutete als bloß Maul auf- reißen. Nichts liegt uns allen sicherlich ferner, als der Arbeiterschaft in ihrem berechtigten Streben nach Wirtschaft- sicher Befreiung Hindernisse in den Weg zu legen. Wir sehen diese Hindernisse im Gegenteil gerade in dem Auf- treten der llnabhängigen und Kommunisten, die die Partei- politische Zerklüftung auch in die Gewerkschaften hinein- tragen. Uns treibt bei unserer Stellungnahme allein das Bestreben, die gewerkschaftlichen Organisationen von dem Beschreiten einer schiefen Ebene zurückzuhalten, auf der sie in den Abgrund gleiten müssen. Jeder Versuch, diese Män- ner der Technischen Nothilfe und diejenigen, die hinter ihnen stehen, zu insamieren und sie aus den Gewerkschaften aus- zuschließen, wird daher unseren entschlossenen W i d e r st a n d finden und müßte zu einer schweren Er- schütterung der Gewerkschaften führen. Wir scheuen uns nicht, diesen Kampf aufzunehmen. soll den Gewerkschaften ein maßgebender Ein- fluß auf Streiks in lebenswichtigen Betrieben und auf die Verrichtung von Notstandsarbeiten eingeräumt werden, so setzt das allerdings voraus,, daß sie wirtschaftliche Jnter- essenvertretungen auf gewerkschaftlicher Grundlage und keine parteipolitischen Kampforganisatio- nen sind. Das letztere triff taber zurzeit auf einen Teil der Berliner Gewerkschaftsorganisationen und auch auf die Gewerkschaftskommission und. ihren A u s i ch n ß z». Ist das etwa ein Zeichen von gewerkschaft- lichor Gleichberechsi qung aller Mitglieder und von Solidari- tät, wenn man GewerkschaftSange st eilte, deren gewerkschaftliche Tüchtigkeit man anerkennt, lediglich deshalb hinauswirft, weil sie Mitglieoer der mehrheitssozia- listischen Partei sind? Ist es etwa ein Beweis für die rein gewerkschaftliche Grundlage der Organisationstätigkeit, wenn man Beschlüsse faßt, wonach nur Mitglieder der U. S. P. und der Kommunistischen Partei Funktionärposten in der Gewerkschaft bekleiden können oder nur solche, die sich auf das„unverfälschte Rätesystem" verpflichten? Ist das ein Beweis für die Achtung der Arbeiterrechte, wenn man Zehn- tausend« von Gewerkschaftsmitgliedern in ihren Rechten auf das Schwerste benachteiligt, indem man den„P o r w ä r t s" als Publikationsorgan ausschließt und die Mitglieder dadurch zwingen will, gegen ihre Ueberzeugnng die„Freiheit" zu lesen oder sich von den Veranstaltungen der Organisation ausschließen zu lassen? Eine ganze Reihe von Berliner Organisationen der Gewerkschaften sind heute keine gewerkschaftlichen Organisationen niehr, sondern sie sind lediglich P a r t e i f i I i a l e n der unabhängigen und kommunistischen Partei, wobei man allerdings so gnädig ist, auch von Mitgliedern der mehrheitssogiasistischeii Partei noch Beiträge entgegenzunehmen, ihnen aber alle wesent- lichen Rechte nimmt. Wenn von den Kreisen, die heute die Macht in den Ber- liner Gewerkschaften ausüben, ihre Praktiken damit begrün- det werden, daß der gewerkschaftliche Kampf kein rein Wirt- schaftsicher sein kayn, sondern daß er auch als politischer Kampf geführt werden müsse, so ist daS in gewissem Sinne zuzugeben. Die Gewerkschaften müssen auch politisch kämpfen, indem sie z. B. auf die Gesetzgebung Einfluß zu erreichen suchen. Sie müssen für die Sicherung und den Ausbau der gewerkschaftlichen Arbeiterrechte, des juristischen Arbeiterrechts, der Sozialpolitik und für die organische So- zialisierung des Wirtschaftslebens eintreten. Sie müssen sich dabei der Hilfe derjenigen Parteien bedienen, die bereit sind, fiir ihre Forderungen einzutreten. Und sie werden naturgemäß bei Wahlen auch ihre Mitglieder darauf hin- weisen, daß es darauf ankommt, solche Parteien zu unter- stützen, die im Parlament stets für die Forderungen der Ar- heiter eintreten. Wenn man die politische Betätigung der Gewerkschaften so auffaßt, dann bedeutet sie allerdings eine Förderung des gewerkschaftlichen Kampfes. Dos bedeutet aber auch, daß die Gewerkschaften unter keinen Umständen sich zur Unter- stütznng der kommunistischen Partei hergeben dürfen, die ja nicht nur die Gewerkschaften zerstören will, sondern die auch jede parlamentarische gesetzgeberische Tätigkeit verneint. Das bedeutet ferner, daß die Gewerkschaften sich nicht ein- seitig auf die Unterstützung der unabhängigen Sozialdemo- kratie festlegen dürfen. Gerade die mehrheitssozialistische Partei hat bei der Vertretung der Arbeiterinteressen in den Parlamenten,. soweit wirkliche sachliche Arbeit in Frage kommt, stets die führende Rolle gespielt. Und endlich dürfen die Gewerkschaften die demokratische Gleichberechtigung des gesamten Volkes und die Sozialisierung nicht unmöglich machen durch Eintreten für Räteorganisationen und„prole- tarische Diktaturen", die der Unwissenheit, der Unfähigkeit und dem Politischen Hochstaplertiim die Macht in die Hand geben. Es muß auch verlangt werden, daß bei der Besetzung von Funktionärstellen in den Organisationen nicht das Parteimitgliedsbuch, sondern die gewerkschaftliche Tüchtig- keit und Eignung die entscheidende Rolle spielt. Es spricht nicht gerade für die gewerkschaftliche Tüchtigkeit der Unab- hängigen und Kommunisten, wenn sie, nm gewählt zu wer- den, das Privileg ihres Partei-Mitgliedsbnches in Anspruch nehmen müssen. Für die Anhänger der sozialdemokrati- s ch e n P a r t c i ist die Stellung zu den Fragen gewerkschaft- sicher Taktik sonach klar vorgezeichnet: 1. Aufgabe der Gewerkschaften muß sein, nachdrücklichste Vertretung der Arbeiterinteressen im Arbeitsverhältnis. Weitest- gehende Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage ' der Arbeiter, Sozialisierung der Wirtschaft mit dem Ziele der Beseitigung des kapitalistischen Wirtschaftssystems und seine Ersetzung durch das sozialistische. Eintreten für den Ausbau der Sozialversicherung und des Arbeiterschutzes. 2. Im Nahmen dieser Aufgaben auch Einwirkung auf die Politik; Zusammenarbeiten mit denjenigen Parteien, die für die von der Gesamtheit der freigewerkschaftlichen Organisationen aufgestellten Forderungen eintreten. Jede einseitige parteipolitische Festlegung innerhalb dieser Parteien ist entschieden abzulehnen. 3. Die Ziele der Gewerksclwften sind mit den gesetzlich ge- gebenen und gesicherten Mitteln des Koalitions- und Streit-- rechts sowie des Tarifvertrages zu verwirklichen. Dabei darf der Sjreik nicht Selbstzweck fein, sondern kommt nur als äußerstes Kampfmittel in Betracht, wenn die Organisation den Verhandlungs- und Schlichtungsweg ohne Erfolg gegangen ist. Der Streik darf nur von den beteiligten Arbeitnehmern in ge- heimer Abstimmung mit den von der Organisation vorgeschrie- Benen Mchrheite» beschlosscn und nur nn't Zustimmung der zuständigen gewerkschaftlichen Organisation durchgcsührr werden. 4. Lebenswichtige Betrieb esind von einem Streik auszuschlichen, insoweit durch ihre Stillegung Leben und Ge- sundheit der Bevölkerung gefährdet werden könnte. Durch be- sondere, von Gewerkschafte» und Regierung gemeinsam zu schaffende Instanzen ist den Arbeitern lebenswichnger Betriebe erhöhte Möglichkeit zur friedlichen Durchsehung ihrer Forderungen zu geben und gleichzeitig der Umfang der unbedingt zu verrichtenden Notstandsarbetten zu beftiuiinen. 6. Streiks mit politischen Zielen dürfen von gewerkschaftlichen Organisationen nicht beschlossen, ihre� Durdh- führung von ihnen nicht unterstützt werden. Sie sind vielmehr lediglich Sache der politischen Parteien. Die Beteiligung oder NichtbeteUigung an einem politischen Streik darf nicht zur Bc- vorzugung oder Beeinträchtigung der gewcrkschafllichen Rechte führen. 6. Me in Gewerkschaften bestehenden Beschlüsse, die Be- setzung irgendwelcher Vertrauensposten in der Organisation von der Mitgliedschaft in einer bestimmten Partei abhängig zu machen oder Mitglieder einer bestimmten Partei generell davon auszuschließen, sind aufzuheben. Ebenso Beschlüsse, die die Verpflichtung ans ein sogenanntes Räte- system verlangen. Entschetdend darf lediglich die gewerk- schaftliche Tätigkeit und Tüchtigkeit sein..Aufzuheben sind auch alle Beschlüsse, die einen Abonnements- oder Jnse- r a�t e n- B o h! o t t gegen mehrheitssoz'ialistischs Zeitungen der- hängen.~, i, Nur mif dem Boden dieser Grundsätze ist es möglich, die Gewerkschaften stark und einig zu erhalten. Nur so kann Solidarität verlangt und geübt und dadurch die Arbeiter- schaft unüberwindlich gemacht werden. Schwerster Schaden ist der Arbeiterschaft bereits durch die unabhängig-konimu» nistiiche Taktik der parteipolitischen Zerstückeli'mg der Gewerkschaften zugefügt worden. Das Erstarken der Reaktion und des kapitalistischen Unternehmertums ist die esolge. Milliarden an Werten sind dem deutschen Volke durch die Folgen dieses sinnlosen Krastmeiertums verloren gegangen, nicht zum wenigsten gerade zum Schaden der Arbeiterschaft. So kann und darf es nicht mehr lveitergehen. Pflicht aller besonnenen und wahrhaft s o z i a l i st i s ch denkenden Arbeiter m n st es sein, die G e- w e r k s ch a f t e n wieder ihrem eigentlichen Zweck zuzuführen. Mögen die Anhänger der sozialdemokratischen Partei zeigen, daß noch der alte Geist in ihnen lebt und daß er v e r st e h t, sich siegreich durchzusetzen. Schließt Euch zusammen zur energischen A b»v e h r der u n a b h ä n g i g- k o m m u n i st i s ch e n G e w e r ks ch a f t s v e r n i ch t u n g. Franz Krüger, M. d. N. Vors. d. Bezirksorgaiüsation Groß-Berlin d. S. P. D. die Lonüoner Hungerkonferenz. Aus London meldet Reuter: Die vom Rate zur Be- kämpfung der Hungersnot organisierte internationale Wirt- schaftskonfcrenz beriet gestern über die Wirtschafts- und Finanz- tage Europas. Der Holländer Dr. Wenckebach, der seit Ausbruch des Krieges ein Wiener Spital leitet, gab ein furcht- bares Bild von den Verheerungen, die der Hunger und die Krankheiten in Wie n angerichtet haben. Professor B r e n- t a n o(Deutschland) erklärte, es sei ztvecklos, sorgfältige internationale Vorkehrungen für die Erhöhung des Lebens- standards in der ganzen Welt zu treffen, solange der Standard der großen Massen Zentraleuropas fast auf dem asiatischen Niveau stehe. Sir George P a i f h, der die Verhältnisse in Deutschland untersucht hat, sagte. Europa stehe vor einer unermeßlichen Katastrophe, und wenn der europäische Kredit nicht wiederhergestellt werde, so werde eine gewaltige bolsche- Lichtsthlemmer! Und doch— birt den Armen ihr seufzen Im düstern Kämmerlein? Ikni leuchtet nicht CöuS und nicht Kerze, Nicht sunlelnder Glählichter Schein. Max Kegel. FS ist 6 Ubr nackmittags: ich bin im Norden Berlin»; im Austrage der Krankenkasse besuche ich die Kranken. Ackerstraße; dritter Hof. Ausgang v, drei Treppen links. Mühsam stolpere ich im engen Stiegenhans empor, obne Licht. ES muß gespart werden. und eS ist sa noch nicht rabenfinster auf der Straße. Erst wenn die Straßenlampen brennen, wird hier Licht gemacht. Ich stehe vor der Tür und klopfe auf gut Glück; da? Schild kann ich nicht lesen. .Wer ist da?' rust ein dünnes Sümmchen..Wobnl hier Frau Schulze?' frage ich zurück.„Frau Schulze? Ja! Wer ist denn da?'„Ter Krankenkontrolleur.' Dann hör' ich's rummeln in der Wohnung; ein Zündholz zischt, und eine bleiche Frau steht vor mir, in der Hand ein Sliimpfchen Licht.„Ich bin Frau Schulze; bitte, kommen Sie herein!' Sie klagt mir ihre Not:„Ach, kein Petroleum gibt'S, und jede Woche bekomme ich nur ein Licht von unserer Kommission bewilligt. Ist da» nicht schrecklich? Dabei soll ich arbeilen; da» bißchen Tag ist jetzt so schnell vorüber. Ach. Gott sei Donk, daß ich jetzt krank bin.'„Ja. kommen Sie doch nochmals ein,' erwidre ich.„Das nutzt ja nichts! Ich habe hier nur diese Stube und die Küche und bin mit meinem Kind allein. Da kriege ich nicht mehr Beleuchtung.' Ein Licht die ganze Woche I Kein Petroleum! Kein GaS! Ich kann das gar nicht glauben, und doch ist's wahr. Ich bin einer Nebenstraße, die nunmehr schon im matten Schimmer der Laternen liegt. Die Laterne zeigt mir die Stummer 12. Durch Weiterzählen finde ich die Nummer 17, dahin ich will- Im dunklen Hofe such' ich mich zurecht und stehe endlich vor der dunklen Tür im vierten Stock.„Wohnt hier Frau Lehmann?' „Nein!' Schwapp ist die Tür schon zu. Ich klopf« an die zweile Tür von fünfen.„Wohnt hier Frau Lehmann?'„Frau.Lehmann? Nein I Soll die denn ISa wohnen?'„Ist hier nicht Nummer 17?' „Nein, da« ist nebenan!' Ich stapfe die vier Treppen wieder ab- wärtS und gehe in das NebenhauS. Da finde ich Frau Lehmann denn im Bett, davor auf einem Stuhl steht eine Kllchenlampe; die Kranke hat gelesen. Im Raum ist eine Luft zum Ersticken, voll Blak und Dunst.„Ja', sagt der Mann,„bei iS der heiiige Petrol- jum, der stinkt so. und er tost' drei Em det Lita! Det bißken, wat et uff Kachten jibt, da kämmt man doch bei Jott nich mit au«; da muß man eben noch hintenrum wat koofen l'' Ja, hintenherum; für schwere» Geld l Das geht mir durch den Sinn den kurzen Weg bis zu der Straßenbahn. Mit Mühe habe ich den Stehplatz inne. Es ist so leidlich hell im Wagen. Ich sah die Seitenarme in der Städtischen verwaist. Die Not der Zeit ge- wistische Erhebung die Folge sei». Professor S t a r l i n g, der an der Regiernngskommission nach Deutschland teil- genommen hatte, erklärte, Deutschland stehe am Rande des Berhungerus. Millionen würden dort diesen Winter sterben. Clemenceau in Straßburg. hilemeneeau hat in einer Rede in Strasburg zu den„befreiten" Briedern gesprochen. Er betonte ausdrücklich, daß er nicht als Kandidat, sondern als Haupt der Regierung spreche.„Endlich ist das BefrciungSwerk vollendet und das von Frankreich loSze- riffene Elsaß-Lothirngen wiedergeboren." Er entwickelt« das Wahl- Programm der Regierung und trat für provinzielle Autonomie ein und hoffte, daß dadurch sein Nachfolger eine große Erleichterung in feinen Regierimgsarbeiten haben wevde. Clemenceau sprach dann sehr energisch gegen den Bolschew's- mus und kritisierte die Haltung der„unifizierten Sozia- listen" auf» schärfste. Er erklärte, sie trieben eine Politik der Missetat. Die heutige Lage in Europa mache es notwendig, daß Frankreich zwei Jahrgänge unter den Fahnen behalte. Was die sozialistischen Fragen betreffe, so-nüss meinte Tle- inenceau, dem dauernden Konflikt zwischen Kapital und Arbeit ein Ende gemacht werden. Er erkenne an, daß die Arbeiter ein Anrecht auf einen größeren Anteil am Gewinn der Unternehmungen hätten. Das Interesse an der Erzeugung erforoere, daß man ihnen einen Teil des Gewinnes zuerkenne. Gehässige Angriffe auf Deutschland hat Clemenceau vermieden. /lrbeiterschutzkonferenz in Washington. Der Ällgeineine Deutsche Gelverkschastsbund, der Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Teutschlands und der Verband der deutschen Gewcrlvereine(Hirsch-Duncker) haben auf die Nach- rich von der Zulassung deutscher Vertreter zur Internationalen Arbeiterschutzkonferenz in Washington nachstehenden Funkspruch an die Konferenz gesandt: „Die deutsche Arbeiterschrft, vertreten durch ihre Berussorgani- q Honen, begrüßt den Beschluß der Washingtoner Arbeitskonferenz, wonach Vertreter Deutschlands mit gleichen Rechten und Pflichten zu den Verhandlungen zugelassen worden sind. Alsbaldige Urber- fahrt unserer Vertreter wird leider«och durch Passageschwierigkeiten behindert. Falls sich diese beheben lassen, werden die deutschen Vcr- treter an den hohen Rufgaben der Konferenz im Interesse der ge- a inten Arbeiterschaft der Welt gen, mitwirken," Die Sozialisierungsfrage. (Eigener Drahtbericht aus Wien.) Auf der Jndustrie-Konferenz sprach UntcrstaatSsekretär Genosse Dr. Ellenbogen für Sozialisierung. Nach ihm ergriff der Staatssekretär für Handel. Ingenieur Z e r d i k. das Wort und iihrte aus, er habe im Gespräch mit verantwortlichen Vertretern des Auslandes die Ueberzeugung gewonnen, daß durch die Pro- paganda für die Sozialisierung im Auslände Mißtrauen gegen Deutichösterreich hervocgerusen werde. Der Verband der sozialdemokratischen Abgeordneten beschäftigte ich heute mit dieser Erklärung ZerdikS. Einmütig wurde festgestellt, daß der Inhalt dieser Erklärung den Vereinbarungen zwischen den koalierten Parteien, auf Grund deren die Regierung gebildet wurde, widerspreche. Der Verband beschloß, von seinen Bertreiern in der StaatSregierung Aufklärung über diesen Widerspruch zu verlangen. �rbeitsruhe am Revolutionstage in München. Die Betriebsräte Münchens beschlossen, die Revolutionsfeier am Sonnabend durch Arbeitsruhe zu begehe». Sie setzten ich mit den sozialdemokratischen Parteien in Verbindung, damit die Münchener Feiern alle am 8.?! o v e m b e r gehalten werden. Die Parteileitung der U. S. P. kam dem Wunsche der Betriebsräte entgegen. bietet Sparsamkeit. Wie war'S doch früher, al» die Pferdebahn»och fuhr? Zwei Lampen nur, petroleumgesüllt. sie gaben trübe» Licht. Und dennoch waren hellere, lichtere Zeiten! Doch weshalb brennen beute noch fünf Lampen an der Decke jedes Wagens? Wo bleibt die Sparsamkeit? Wüiden es zwei nickt auch schon tun? O, arme Seele, warum plagst du dich! Sieh dort da« Kaffeehaus und drüben jenes helle Wirtshaus I Welche Lichterfülle I Die Decken voller Lampen, dazwischend hängend riesenhafte Kronen.mit vielen Lampen, im Saale noch aus kurzen Säulen bunt verhülltes Licht. und jeder Tisch hat seine Lampe extra. Ich schau hinein und zähl« dort die Menschen: acht, zehn, ja zwöts; es ist noch früh am Abend; An wieviel Lichipalästen noch führt mich der Weg vorbei! Ich denke an Frau Schulze, an Frau Lehman», und als ich endlich dann zu Haufe sitze, da schimpfe selbst ich über schlechte GaSbeleuch- tung und gehe zeitig schlafen. Ich träume dann vom Feenreich. wo alle« eitel Lust und Wonne, von einem Glaipalast, der tausend- sältig Licht mir gab. Doch da erwachte ich— und Finsternis umgab mich!— Ja, finster ist das Leben, die Helle ist nur Traum!— Träumt nur, ihr Schlemmer diS Lichts!_____ A. G. Selmar Mehrowitz hat heute schon sein großes Berliner Pubtikum, und hat es als heißbliliiger, temperamenigeladener Tech- niker de« Pulis mit dem gleichen Recht wie als ausipürender. dem Neuem nachtastender Künstler. Ein eigenes, ein große« Talent, auch in der regsamen Gestaltung der Programme. Der erste Abend (Montag) brachte die Fantasie des Jung-Ruffen S tr a w in S k y, die mit Recht„Feuerwerk" betitelt ist. Ein ungemein inleresianles Kolorit, aufzischende Themen, malerische Bewegungen der Jnstru- mente, außergewöhnlich kecke, aber melodisch gute Bläserfiguren, alles blitzschnell eingefangen in eine geniale Formlosigkeit und schon ist daS Feuerwerk abgebrannt. Darauf das Werk eine? jungen Berliners, Max O r a p p. der gewiß eine Zukunft hat. Bor kurzem brachte Strauß seine Lmkonia. giocosa, die kaum eine Sinfonie und sicher keine heitere war. Hier in dem„�ooturno" op. 13 ein fein empfundene?, still ergreifendes, romantisches Stimmungsbild apart in der leisen und durchsichtigen Instrumentation, harmonisch harmlos und ein wenig zu lang geraten. Ein verliebter Einfall, der klingt und leuchtet; Harfe, Streicher, Klavier, einsame Holzbläser; au« aller Mischung klingt Melodie und Freude am Singen. Wagnersche Liebessehnsucht und seliges Verklingen dramatischer Aufwallungen. Ein Glück auf dem jungen Könner! Die solistische Attrakiion de« Abends: P a d l o w k e r. In Siraußschen Liedern, dielleicht über- Haupt aus dem Podium ist er nicht zu Hau«. Er müht sich, voka- lifiert schlecht, singt mit Krampf. Erst das dritte Lied löst ihm die geschmeidigere Zunge: aber auch so findet er viel Beifall. Zum Schluß da« wundervolle Arsenal Straußscher Gedanken« und Melo- dienprägung:„Ein HeldeNleben'. K. S. Untersuchungen über den Ursprung der Menschheit. Bemerkens- werte Untersuchungen, die von zwei Aerzten während des Kriege« bei dein Ententehecr in Mazedonien ausgeführt wurden, werden in der englischen medizinischen Fachzeitschrrst„Äan'ej" veröffentlicht. Schutz lebenswichtiger Setriebe. Amtlich wird bckaiiiitgcgcben: ES hat eine starke Propaganda für einen Generalstreik r» Groß-Berlin eingesetzt. Um die Interessen der Bevölkening zu schützen und jede Gefährdung des Lebeils und der Gesundheit der Einwohner zu unterdinden, tritt ansS ncne der zuerst unter dem 17. Oktober veröffentlichte Erlaß des Obrrkommandierrndrn in Kraft. Diese Verordnung hatte folgenden Wortlaut: Auf Grund des Belagerungszustandes verbiete ich jedwede weitere Betättzsung durch Wort, Schrift»der andere Maßnahme«, die darauf gerichtet sind, lebenswichtige Betriebe zur Stillegung zu bringen, insbesondere: Zerstörungen oder Schädigungen von Be- tricbsanlagen und-leitungen. Zuwiderhandelnde setzen sich einer Bestrafung diS zu einem Jahr Gefängnis and sofortiger Verhaftung auS, soweit nicht nach den allgemeinen Strafgesetzen eine höhere Strafe verwirkt wird. Als lebenswichtige Betriebe im Sinne dieser Brrorduung sind anzusehen: alle Anlagen zur Erzeugung und Lieferung von Gas, Wasser und Elektrizität sowie die öffentlichen Ber- kehrs mittel. Der Oberbefehlshaber,(gez.) Nooke. Hinöenburg für öle„slte Herrlichkeit�. Generalfeldmarschall v. Hindenbnrg hat auf einen Geburtstags- fllückwünlch des Chefs der Admiralilät wie folgt geantwortet: „Eurer Exzellenz und der Reichsmorine danke ich herzlich für das komeradjchastliche Gedenken meines Geburtslage«. Mögen Marine und Landlruppen wie einst in großer Zeil so auch in Zukunft ge- meinsam den Geist der Treue und Manneszucht pflegen, dann ist die Grundlage geschaffen, auf der die alte Herrlichkeip des Reiches wieder errichtet werde» kann!"_ Hackfruchternte. Das Landwirtschaftsministerium(bat never- dings Erhebungen darüber angestellt, wie tveit die Hackfruchternte eingebracht und ob Aussicht vorhanden ist, daß üe restlos geborgen wird. Nach den Berichten der Regierung'sprästdenten nehmen die Bergungsarbeiten überall ungestörten Forlgang. In 28 Be- zirken ist die Einbringung sowohl der Kartoffeln rlS auch cer Rüben gesichert und n kurzer Zeit zu erwarten. In den Regier mgsbezir- fen Allenstein, Marienwerder, Bromberg. Breslau. PokSdam, Mag- deburg und Koblenz waren die Arbeiten durch den Leutemangel«i-f- gehalten. Abhilfemaßnahmen sind eingeleitet. Wenn die Witte- rung wieder günstiger wird und in den nächsten?4 Tagen günstig bleibt, kann— von wenigen Kreisen abgesehen— mit restloser Einbringung gerechnet werden. Die Uebcrwachung der Baltenwerher. Di« in den Morgen- blättern vom Mittwoch veröffentlichte Meldung einer Berliner Lokalkorrespondenz über die Vorgänge, die mit der Person eines MajorS Kaupifch im Zusammenhange stehen, ist unwahr. Die leichtfertig in die Weit gesetzte Meldung ist deshalb so überaus bedauerlich, weil dadurch da» Zusammenarbeiten der deutschen Rc- gierung mit der zu erwartenden Ententekommisston der baltischen Angelegenheit aufs äußerste erschwert werden kann. Zur Sache wird festgestellt: Die Tätigkeit deS MajorS Kaupifch ist vom Reichs. wehrminister durchaus anerkannt. Die bisherigen Erfolge lassen hoffen, daß e» Major Kaupifch bald gelingt, jegliche Unterstützung der westrussischen Regierung durch gewissenlose Personen in Deutsch- land zu verhindern. Gerade das uneingeschränkte B«rtrauen de» ReichSwehrministerS zu Major Kaupifch hat ihn veranlaßt, den ge- nannten Offizier vor einigen Tagen mit umfangreichen Vollmachten ür den Kampf gegen die Baltikumschieber, und zwar nicht nur in Berlin, sondern auch im übrigen Deutschland auszustatten. Die Ernennung eine» Stadtkommandanten von Berlin werde nur durch den Reichspräsidenten und nicht durch den General von Oldershausen erfolgen. Sollte tatsächlich«in Oberst zum Stadt- kommandanten ernannt werden, so handelt es sich dabei lediglich um eine Etatfrage, die mit der Politik und insbesondere mit der Baltikumfrage nicht das geringst« zu tun hat. Wie irrig die Auf- 'assung ist, daß Major Kaupifch in der Ausführung seines Dienstes behindert werden soll, geht daraus hervor, daß ihm ausdrücklich dieselbe Bewegungsfreiheit und dieselben Vollmachten zugesichert bleiben, auch- wenn die Kommandanten stelle durch einen Obersten besetzt wird. Die beide,, Aerzte benutzten die Gelegenheit, daß Vertreter so vieler verschiedener Rassen der Welt hier versammelt waren, dazu, um bestimmte Blutuntersuchungen vorzunehmen, durch die der Grad der Verwandtschaft zwischen den verschiedenen Völkern festgestellt wer. den sollte. Diese Blutuntersuchungen beruhen auf der Tatsache, daß die Blutkörperchen eines Individuums zerstört oder„agglutinicrt werden durch das Blut einer anderen Persönlichkeit, ausgenommen in Fällen einer gewissen Blutverwandtschaft. Es wurde festgestellt, daß zwei Eigenschaften, die mit A und B bezeichnet wurden, in wechselnder Stärke in dem Blut der verschiedene» Rassen vorhanden waren, und nach der größeren oder geringeren Stärke wurd« nun eine Klassifizierung der verschiedenen Völker vorgenommen. E» ergab sich dabei eine Liste, die von den Völkern Nordwcst-EuropaS über die des südöstlichen Teils des Kontinents bis zu den Rassen von Asien und Afrika führt. Engländer und Franzosen erscheinen an dem einen Ende der Liste mit einem„Vorwiegen der Eigen- schaft A", während am anderen End« der Liste die Anamiten und Jndier steydn mit einem..Vorwiegen der Eigenschaft B*. Wenn d:« Verfasser der Arbeit aus diesem Ergebnis ihrer Untersuchungen auf einen doppelten Ursprung der Menschheit schließen wollen, so warnt der„Lan'ct' vor vorschnellen Schlüssen au» diesem Bcobach. Hingen, hie erst noch näher erforscht und weiter geprüft werden müssen. Die Schutzpockenimpsung in Rußland. In einem Bericht der Sowjetrcgierung über ihre hygienischen Maßnahmen wird mitgeteilt, daß seit dem 10. April die allgemein verbindliche Schutzpockcn. impfung in Rußland eingeführt ist. Aus dem Bericht geht weiter hervor/ daß eine großzügige staatliche Organisation des gesamten Gesundheitswesen» eingeführt ist. Der Cholera erlagen 1S18 nur 35 000 Personen gegenüber 200 000 im Jahre 1908. Der Kamps gegen die Grippe wurde mit gutem Erfolge geführt. Der Fleck. typhus ist zurzeit erloschen, nachdem es Prof. Martsinowsky gelungen ist, seinen Erreger zu entdecken. Die Morgenfeiern de« Schauspielhauses. Außer den.Btlbern aus di utschen Zeitaltern' werden an den Matineen(wojlir der bereits eingebürgerte Alloidmoll.Morgenseier' vorzuiplelen ist) auch unbekannt- wertvolle Werke lebender Autoren und Vorträge aus sremden Literaturen geboten werden. Zu Schillers Geburtstag am 10. November liest Friedrich M o e st abends 7'/, Ubr in der Reicherschen Hochschule. Fasanenstr. 38, von des Dichters philosophischen Gedichten sowie die Erzählung„Der Ver. brccher aus verlorener Ehre'. Aus der Bnhnenwelt. Rudols Lettinger ist aus der DolkSbühn« ausgeschieden. Die sozialtftischc Künftlergenossrnschaft setzt ihre HUfstStigkeU zu- aunsten der Metallarbeiter sort. Em sreihändiger Verlaus von Kunstwerken findet Kuisürstenstr. 141 Donnerstag, Freitag. Sonnabend von 2—5 und Sonntag von 11—2 statt. Wagner-Konzert In de, Garntfonklrche. Da« anfangs Ott» ber und danach von Kapellmeister Carl G i e ß« l mit dem Bluihner-Orchftter und hervorragenden Gesangs- und Jnstiumentalkräflen in der Katfer-Wilhelm- GedächwiS-Kirche veranstaltete Konzert, wird am Sonnabend,?. Ro- oembcr. abends?48 Uhr. in d« alten Garnisontirche sein« vielseitig gc- wünscht« Wiederholung finden. Unter anderem werden Bruchstücke aus „Lohengrin',„Rienzi' und.Parsifal' aufgeführt, Nr. 56$ ♦ 36. Jahrgang 1« Heilage öes vorwärts Donnerstag, 6. November 1�19 Oethmann Hollwegs Schuld am U-Ooot-Krieg. (Schluß aus der Abendausgabe.) Prof. Dietrich Schäfer: An die Möglichkeit eines gewaltsamen Endes des Professor Münsterberg habe ich bis zu diesem Augenblick gar nicht gedacht. Aber ich entsinne mich jetzt der Slelle aus dem Bericht eines englischen Agenten über Münster- berg, an der es heißt, man müsse der göttlichen Vorsehung auch etwas überlassen. Abg. Dr. Sinzheimer: Zimmermann hat davon gesprochen, daß die Wilsonnote unter englischem Einslutz und mit' englischem Einverständnis erlassen worden ist. Stehen Sie auch auf diesem Standpunkt? Graf Bernstorff: New. Aber es ist immerhin möglich, daß vorher bei England Erkundigungen eingezogen worden sind. Das halte ich für möglich. Ich hatte aber den Eindruck, daß die Friedensnote Wilsons England außerordentlich unangenehm war. Abg. Dr. Sinzheimer: Im Mai 1916 hat im Reichsamt des Innern mit Pressevertretern in Anwesenheir von Bernhard, Theodor W o I f f und Maximilian H a r d e n eine Besprechung über die„Sussex"-Note stattgesunden, und von Teilnehmern dieser Konferenz wird be- richtet, daß Staatssekretär Zimmermann aus ihr eine lehr scharfe Acußeruug über Wilson gemacht hat. Sie soll gelautet haben: „Heber die Unverschämtheit und Frechheit Wilson? ist kein Wort zu verlieren. Aber wir haben ihm die Maske vom Gesicht gerissen". Zimmermann: DaS ist mir nicht erinnerlich. Ich glaube nicht, daß ich in Anwesenheit so vieler Herren von der Presse eine solche Aeußerung gemacht habe. Abg. Dr. Sinzhcimer: Dann müssen wir Harden und Theodor Wolfs als Zeugen vernehmen. Vors. Abg. Warmuth: Wir kämen nun zu den Gründen für den Richtempfang des Grafen Bernstorff noch feiner Rückkehr, aus Amerika durch den Kaiser. v. Bethmann Hollweg: Das ist ein Thema, das gegenüber den bisherigen bochpolitischen Feststellungen mehr episodenhaften Charakter trägt. Vors. Abg. Warmuth: Doch nicht ganz. v. Bethmann H-llweg: Die Rückkehr deS Grasen Bernstorff wurde dem Kaiser sofort gemeldet, und der Vertreter des Aus- wärtigen Amtes im Großen Haupiquartier beauftragt, wegen des persönlichen Empfanges des Botschafters durch den Kaiser das erforderliche zu veranlassen. Außerdem habe ich dem Kaiser ein- gehend Vortrag über das gehalten, was Graf Bernstorff mir bc- richtet hatte. Der Kaiser war also vollständig unterrichtet. Vorschläge über unser weiteres Verhalten gegenüber Amerika batte mir Graf Bernstorff nicht gemacht und auch nicht zu machen. Infolgedessen lag auch keine politische Veranlassung vor, auf so- fortigen Empfang zu drängen. Ob infolge äußerer Umstände oder aus welchen Ursachen sonst der Empfang sich verzögert hat, darüber vermag ich abschließende Auskunft nicht zu geben. Jeden- falls stehe ich auch heute noch unter dem Eindruck, daß die Ber- schiebung des Empfanges auf den politischen Gang der Dinge keine Wirkung gehabt hat. Abg. Dr. Cohn: Welchen Eindruck hotten Sie von der Unter- rcdung mit dem Kaiser? Graf Bernstorff: AIS ich ien Mai vom Kaiser empfangen wurde, lvaren alle diese Fragen so vollkommen erledigt, daß ich leine Veranlassung mehr hatte, darauf besonders zu drängen. Ich kann mich daher nicht entsinnen, daß bei dieser Unterredung irgendetwas gesagt wäre, was politische Bedeutung gehabt hätte. Vors. Abg. Warmuth: Wir kommen nunmehr zu der wichtigen Frage deS rücksichtslosen U-Boot-KriegeS und zu den Gründen, welche für die Reichsleitung dafür maß- gebend lvaren. Ich halte dem Zeugen von Bethmann Hollweg die Denkschrift vom 29. Februar 1916 vor, in der er alle wesent- lichcn Gründe gegen den rücksichtslosen U-Boot-Krieg anführt. Zu ihr komant die Verschiedenheit der Auffassung mit der Marine, namentlich mit Adimral von Holtzendorff und dem Staats- sekretär von T i r p i tz zu in Ausdruck. In der Denkschrift wird dann auf die gefährdete, in neutralen Häfen liegende deutsche Handelstonnage hingewiesen. Es wixd zugegeben, daß England durch den U-Boot-Krieg in wirtschaftliche Schwierig- ketten geraten würde, aber bestritten, daß diese Schwierigkeiten eine zerstörende Wirkung haben könnten. Bei besseren Dispositionen über die verfügbare Welttonnage, bei einer Ein- fuhrbeschränkung, bei der Aufgabe des Saloniki- Unter- n eh mens usw. würde'eine gänzliche Absperrung Englands, zu- mal bei der beschränkten Zahl der deutschen U-Boote und ihrem Aktionsradium, nicht möglich sein. Das Reh, das man um England ziehe, werde grobmaschig bleiben. Man müsse ferner in Rücksicht ziehen, daß für die Ernährung Englands täglich vier Schiffe mittlerer Größe genügten, so daß an eine Hungersnot nicht zu denken wäre. Jedenfalls werde der U-Boot-Krieg es England bis zum Herbst nicht unmöglich machen, den Krieg fortzusetzen, zumal, wenn England alles opfere. Es bestehe aber die Gefahr, daß Amerika auf die Seite der Feinde trete. Das bedeute eine starke moralische Unterstützung der Feinde und eine Stärkung ibrer Siegeszuversicht. Ferner verweist die Denkschrift aus die Möglich- keil einer erhöhten Spannung mit den Bundesgenossen und aus 'hie erhöhten Materiallieferungen, die Amerika nach dem Eintritt in den Krieg der Entente zur Verfügung stellen würde. Alle diese Bedenken ließen den rücksichtslosen U-Boot-Krieg als eine Maßnahnie erscheinen, vor der dringend gewarnt werden niüßte. Weiter haben Sie(zu Bethmann Hollweg) in Charleville eine Unterredung mit dem Kaiser gehabt und dabei diese Denkschrift vorgetragen. Sie haben Ihre Bedenken gegen den U-Boot-Krieg nochmals vorgetragen im Gegen- sah zu General von Falke nh ahn, der dabei war. Der Kaiser erwiderte damals, daß die Zahl unserer U-Boot-Streitkräfte n i ch t g e n ü g e. um England niederzuzwingen. Er verwies auch auf die Möglichkeit eines Bruches mit Amerika und aus den nach Erklärung des U-Boot-Krieges sicher gestärkten Willen Eng- lands, auch das letzte Hemd herzugeben. Wir würden also bei Fortsetzung des Krieges nichts gewinnen. Weiter hat am 6t. August 1916 im Schloß zu Pietz wiederum unter Vorsitz des Kaisers eine Besprechung stattgefunden, an der alle maß- gebenden Zivil-, Militär- und Marinedehörden teil- genominen haben. Auch aus diesem Protokoll geht die Gegensätzlichkeit der Auffassungen zwischen den Zivilbehörden und den Militär- und Marinestellen hervor. Sie brachten zum Ausdruck, daß sie in Aussicht genom- men haften, den Reichstag einzuberufen, daß die Parteien selbst Bedenken dagegen gehabt hätten, daß sie aber nicht umhiii ge- tonnt hätten, wenigstens die Führer der Partei zu sich zu berufen. Dabei würde zweifellos die Frage des rücksichtslosen U-Boot- Krieges angeschnitten werden. Sie erklärten, daß sie dabei sagen würden, die Frage sei von allen berufenen Instanzen eingehend geprüft, daß nian aber im Hinblick auf die Kriegslage dazu ge- kommen wäre, die Entscheidung zu vertagen, nachdem auch Generalfeldmarschall von Hindenburg erklärt habe, daß er zunächst die Entwicklung des rumänischen Feld- z u g e s abwarten müsse, bevor endgültig zu der Frage Stellung genommen würde. Weiter ist von Wichtigkeit eine Urkunde vom 23. Dezember 1916 an den Gcneralfeldmarschall von Hinden- bürg über den U-Boot-Krieg. In dieser Urkunde bringen Sie zum Ausdruck, daß Sie die alleinige und nicht übertragbare v e r- sassungsmäßige Verantwortung zu tragen hätten bei der Frage des rücksichtslosen U-Bvot-KriegeS, weil diese Frage unmittelbar in unser Verhältnis' zu den Neutralen eingreift und deshalb ein Akt der auswärtigen Politik ist. Sie sagen in diesem Brief am Schluß, d'aß die Frage des rücksichtslosen U-Boot-KriegeS bejahend nur beantworte! wer- den könnte, wenn unsere militärische Lage mit Sicher- heit darauf schließen lasse, daß die europäischen Neutra- l e n in den Krieg gegen uns nicht eingreifen würden. Sie er- suchten aber, sowohl an der holländischen, wie an der dänischen Grenze Truppen zu versammeln, und es heißt am Schluß, daß bei der Entscheidung über den rücksichtslosen U-Boot-Krieg abgewogen werden müßte, ob seine Vorteile größer seien als die Nachteile, die uns durch einen Bruch mit Amerika zugefügt würden. Hier tritt also zum ersten Mal in aller Schärfe der Satz hervor, daß die Borteile des rücksichtslosen U-Boot-KriegeS größer sein könnten als seine Nachteile. Für den Ausschuß ist es nun von größter Wichtigkeit, festzustellen, welche Gründe maßgebend gewesen sind für die veränderte Stellungnahme zum U-Boot-Krieg, den Sie als Verhängnis- v oll bezeichnet haben. Weshalb kraten Ihre ursprünglichen Be- denken zurück gegenüber den Instanzen, die für den rücksichtS- losen U-Boot-Krieg eintraten, nämlich im wesentlichen die Oberste Heeresleitung, die Oberste Marineleitung, die Reichstagsmehrhcit und die Mehrheit des BolkeS'? v. Bethmann Hollweg: Die sehr umfangreichen Akten über den U-Boot-Krieg liegen dem Ausschuß vollkommen vor. Ich kann nur annehmen, daß aus diesen Akten der Ausschuß eine klare Vorstellung von meiner Stellung zum U.Boot-Krieg in seinen verschiedenen Phasen gewonnen hat. Ich karrrt meine Aufgabe nicht darin er- kennen, nun meinerseits etwa aus meinem Gedächtnis diese sehr komplizierte Materie hier zu rekonstruieren, die akten- mäßig dem Ausschuß bereits bekannt ist. Ich kann meine Aufgabe nur dahin auffassen, daß ich die altenmäßige Kenntnis des AuS- schusses m denjenigen Fragen durch Aussagen ergänze, tvo der Ausschuß glaubt, eine Lücke bezüglich meiner Haltung zu finden. Der Ausschuß wird den Eindruck gehabt haben, daß die Frage des U-Boot-Krieges in den verschiedenen Phasen außerordentlich kompliziert war. Nun wird eine Auskunft über meine Haltung im Winter 1916/17 verlangt. Herr v. Bethmann Hollweg verweist ans seine Aussage vom vorigen Freitag und verliest sie nochmals, Er erklärt dann weiter, die Antwort der Entente war eine apodiktische Absage der Verhandlungsbereitschaft. Auch die nach dem 9. Januar abgegebene Antlvort der Entente aus die Friedensnote Wilsons hat in mir nicht die Ueberzeugung her- vorrufen können, daß ich am 9, Januar Unrecht gehabt hatte, wenn ich bei meiner Hältung davon ausging, daß ich eine Perhand- lungsbereltschaft der Entente in absehbarer Zeit nicht vorführen könne. Abgesehen von einem Kommen des Friedens über Amerika konnte ich auch sonst Aussichten nicht eröffnen. Ich babe den durch- aus unsicheren Termin einer nach der Lage der russischen Verhält- wisse vielleicht wahrscheinlichen Revolution in Rußland angeführt. Ich wüßte nicht, wa? ich meinen Ausführungen vom Freitag noch hinzufügen sollte. Ich habe ein Wort gebraucht, daß ich den Beschluß für einen verhängnisvollen gehalten hätte. Es hing«in ungeheures Verhängnis über diesem Beschlutz, das mußte jedem Menschen klar sein. Denn wenn der U-Boot-Krieg nicht glückte, so mußte er das t BerhängniI Teutschlands sein. Aber, ich wiederhole: Der U-Boot-Krieg blieb ein Experiment. Die Akten darüber sind iwch Kicht abgeschlossen, wie weit die Wirkungen des U-Boot-KriegeS tatsächlich gereicht haben. Wir werden das erst später aus den Akten der E n t e n-t e hören. Ich habe den Eindruck, daß die Wirkungen weitreichende gewesen sind.(Bewegung.) Ich kann mich dem Eindruck nicht verschließen, daß im Mai/Juni die Besorgnisse in England vor den Wirkungen des U-Boot-Kriege! außermdenilich st a r k gewesen sind. Diese Besorgnis ist nach dem Eindruck, den ich um die Wende des Juni/Juli gehabt habe, so stark gewesen, daß ich glaube Verhandln ngs Möglichkeiten waren damals im Wege, sich anzubahnen. Wenn ich diese Bebaup. tuiig aufstelle, so mochte ich daran erinnern.chaß um jene Zeit Llovd George in Paris besorgte Ausspruch O getan hat. Ich glaube. man"hat sich in manchen Kreisen Deutschlands dt« Wirkung des U-Boot-Krieaes optimistischer dargestellt, als e? an sich die politischen Realitäten erlaubt haben. Sah England, daß der U.Boot-Krieg ihm wirklich an die Nieren ging, so bätte es nicht den völligen Zusammenbruch abgewartet, sondern es bätie die Ge» legcnheit gegeben, sckon vorbei, natürlich nicht unter Erklärung der Kapitulationsbedürftigkeit, Verhandlungen anzuknüpfen. Dieser Moment ist dagewesen, diese Wirkung beZ U-Boot-Krieges ist erzeugt worden. Der Beschluß ist trotzdem verhängnisvoll geblieben, weil diese Möglichkeiten mckit zu einem Ziele geführt wurden, wie auch spätere Möglichkeiten'nicht. Er bat uns schließlich vor das Ergebnis gestellt, daß A m e r i ka eine Unmenge von Truppen nach Europa geworfen bat und wir einer erdrückenden Uebermacht gegenüberstanden, welche beim_ gleichzeitigen Zusammenbruch unserer Bundesgenossen die militärisch« Lage so gestaltet chat, wie sie im Herbst 191? war. Also zusammenfassend: Ich wüßte nicht, durch welche Feststellung ich die Zwangslage, in die der 9. Januar nicht nur die politische Leitung, sondern auch die militärische gestellt hat, er- ganzen sollte. Es lag damals die Ueberzeugung der m i l i- tä r i s ch e n Stellen vor: Ohne den rücksichtsloscii U-Boot-Krieg können wir den Krieg nicht / zu einem guten Ende führen! Und für mich lag die Ueberzeugung vor: Ich kann nicht in Aussicht stellen, daß ich den Krieg in an de r e r Weis« beenden werde.(Mit erhobener Stimme:) Da mußte eine E n t sch e i d u n g gefällt wer- den. Gegenüber der Haltung der Mehrheit dos Parlaments, gegen» über einer vom ehrlichen Glauben getragenen Ueberzeugung der weitesten Volksschichten, daß die Unterlassung des U-Boot-KriegeS bedeuten würde, die Zükunft der Nation dem Klei um ur zu ovsern in dieser Lage— und ich bin noch beute der Ansicht, daß ich richtig gebandelt habe— habe ich gesagt:»Euer Majestät, ich kann Ihnen nickt raten, sich n Widerspruch mit dem Votum Ihrer militärischen Ratgeber zu setzen!"— Ei« Geben meiner Person würde an der Sacke nichts geändert haben. Vorsitzender Warmuth: nie Ansicht Euer Exzellenz über die Bewertung der Antwortnote auf unser Friedensangebot wurde nicht durchweg geteilt. Z. B. Kaiser Karl und Graf Czernin haben auf dem Standpunkt gestanden, die Antwort der Entente sab in einem imperativen Ton gehalten, sie schließe aber die Fortsetzung der Ber- Handlungen nicht aus. In Amerika war man der Ansicht, daß es sich um einen Bluff handle. Ihre persönliche Auffassung war aber, daß es zu diesem Zeitpunkt nicht möglich sei, sich mit der Entente an einen Tisch zu setzen, es bliebe nur die ultima ratio des rücksichtslosen U-Boot-Krieges. v. Bethmann Hollweg: Es war meine Ansicht, daß die Friedens- tür zugeschlagen worden sei. und diese Ansicht lvurde von weiten Schichten des deutschen Volkes bis weit in die Sozialdemo- kratie hinein geteilt. Dr. Sinzheimer: Hatte die große Masse des Volkes und die sozialdemokratische Partei Kenntnis davon, daß zu derselben Zeit Wilson sich bereit erklärt hafte, die Friedenskonferenz zustande zu bringen, und daß er bereits zweimal gebeten habe, ihm die Friedensbedingungen wenigstens vertraulich m i t z u- teilen? Bethmann Hollweg: In seiner Gesamtheit hatte das Volk natürlich keine Kenntnis von unseren Aktionen in Washington. Es wäre auch die größte politische Unklugheit von mir gewesen, denn bei der Animosität gegen Amerika wären diese Ausklärun- gen Gegenstand der Verachtung und des Hasses geworden. l??!) Gewiß hat Graf Bernstorff uns mitgeteilt, wir möchten Wilson.unsere Bedingungen vertraulich mitteilen. Ich habe Wilson mitteilen lassen, daß unsere Bedingungen maßvoll sind, und wir haben ausdrücklich gesagt, wir denken nicht daran, Belgien a n n c k- t i e r e n zu wollen. Die erste entscheidende Bekundung von Wil- son, daß er nun an die Friedensarbeit gehen wälle, ist uns erst durch eine Depesche BernstorssS am 28. Januar mitgeteilt worden. Da war es aber zu spät; wäre es früher geschähen, dann hätte vielleicht � noch etwas gemacht werden können. Dr. Sinzhcimer verliest sodann auf Wunsch des Herrn v. Beth» mann den Wortlaut des Tepeschenwechsels über die Vorlegung der Friedeiisbedingungen an Wilson und fragt, ob nicht auf©rund dieser Miitteilungen es möglich gewesen wäre, noch den Versuch zu machen, auf anderem Weg e als mit Hilfe des U-Boot-Krieges zum Frieden zu gelangen Bethmann Hollweg: Ich hatte die Ueberzeugung, daß Wilson Frieden machen wolle. Für mich ist aber entscheidend die Kollektiv- note der Entente vom 13. Februar gewesen. Die Kongreßrede Wilsons vom 17. Januar konnte ich nicht als einen Schritt zu einem von uns akzeptablen Frieden ansehen. Dr. Sinzhcimer: Die Frage ist noch nicht beantwortet worden, ob die Oberste Heeresleitung von den Mitteilungen des Grafen Bernstorss Kenntnis gehabt hat. Bcethmann Hollweg: Mein Gedächtnis reicht nicht aus, um alles sagen zu können, was in den dem Untcrsuchuugs- ausschuß im übrigen vorliegenden Akten enrhalten ist. Dr. Sinzheimcr: Die Oberste Heeresleitung behauptet dies. Bethmann Hollweg: Ueücr die Behauptungen der Obersten Heeresleitung kann ich Heilte Aussagen machen. Jedes Wort der Kollektivnote hätte mich in meinem Innern Lügen gestrast, liätte ich am 9 Januar eine crndete Stellung eingenommen als ich sie eingenommen habe. Dr. Sinzheimer: Tann waren Sie also für den U-Boot-Kricg? Bcthman« Hollwcg: Bitte mich nicht zu zivingen, nun noch» mals hier, sprechen, zu müssen über Dinge, über, die ich bereits for- mulierte Antworten gegeben habe, die zur � Konstruktion eines Widerspruchs benntzt werden könnten.(Lebhafter Beifabü Vorsitzender Warmuth: Bitte alle Aeußcrungen der Zustiin- mung oder des Mißfallens zu unterlassen. Bethmann Hollwcg: Wenn ich nach meinem besten Wissen und Gewissen die Situation klargelegt habe, so habe ich es natürlich nur in großen Linien tun können. Es kann von mir kaum er- wartet werden, daß ich. darüber hinausgehe. Ich wäre wirklich außerordentlich dankbar, wenn hier nicht Fragen wiederholt würden, die ich bereits ausfiihrlich darzulegen versucht habe. Ob die Oberste Heeresleitung von den Bcrnftorfsschen Depeschen Kenntnis erhalten hat,»ruß aus den Akte n hervorgehen. Heute, nach drei Jahren, bin ich wirklich nicht imstande, unter Eid eine bestimmte Aussage zu mache». Ich weiß, daß von der Obersten Heeresleitung die Ansicht vcr- ireteu worden ist, sie sei über die Friedensäktion in Washington nicht genau informiert worden. Andererseits liegt eine Depesche des Generals Ludendorff vor, die beweist, daß er Kenntnis von diesen Dingen gehabt hat. Dem Ausschuß gegen- über bin ich selbstverständlich zu jeder Zlusknnft bereit, zu der tnicki mein Gedächtnis befähigt. .Mir liegt nichts weiter am Herzen, als den Ausschuß darin zu unterstützen, die Verhältnisse aufzuklären und zur Wahrheit zu kommen. Dr. Sinzheimer: Dem UnlersuchungsonSschuß liegt nicht daran, Sie in Widersprüche zu verwickeln. Ich gebe zu, daß Sie die erforderliche Antwort gegeben haben. Nun hat am 8. oder 9. Ja- nuar Staatkielmär Hetfferich Ihnen telegraphiert, daß die Er- öffnung des U-Boot-Krieges am 1. Februar schädlich sei, Wirt« fchafilich würde England nicht bedrängt, da durch die Brotratio- nierung in Amerika England auch bei einer großen Zahl von Ber- scnknngen genügendes Getreide geliefert werden lönne. Haben Sie auf dieses Telegramm in Ihrem alsbaldigen Vortrag b?im Kaiser Bezug genommen. Bethmann Hollweg: Ich habe dieses Telegramm nicht unmittcl- bar verwertet, weil der Vortrag beim Kaiser bereits am 9. Januar abends stattgefunden hat. Der Obersten Heeresleitung lag die be- stimmte Ansicht der Marine vor, daß der U-Boot-Krieg am l. Fcbiuar beginnen müsse. Der Einwand Helfferichs ent- Vehrte der durchschlagenden Kraft. Mit Ansichten konnten wir nicht operieren, denn den wirtschaftlichen Ansichten konnien jederzeit die Ansichten vyn Heer und Marine entgegengestellt werden. s!?I) Sinzhcimer: Staatssekretär Hetfferich galt doch alö eine Autorität auf wirtschaitlichem Gebiete, lag es nicht nahe. daraufhin weitete Autoritäten zu befragen, um seine Berechnungen nachzupiüfcn? Bethmann-Hollweg: Ich bitte die Herren, zu erwägen, bor welcher Entscheidung ich stand, wenn die Oberste Heeresleitimg sagte, sie sei der innersten Ueberzeugung. daß der Krieg ohne rück- sichtslosen II-Boot-Krieg verloren gehe, und wenn der Reichskanzler dem nicht entgegenhallen kann, er habe eine Möglichkeit, den Krieg anders als auf den Kriegsschauplätzen zu beenden. Da lag eine gewaltige Zwangslage vor, der gegenüber Einwürfe mit statistischen und volkswirtschaftlichen Berechnungen nicht durch- schlaggebe ii d sein konnten. Die großen politischen Fragen, die zur Entscheidung standen, überwucherten und überschatteten diese an sich bedeutungsvollen Ansichten, in diesem Moment mußten sie voll» kommen zur ü ckt r et« n. Minister David: Hetr v. Bethmann hat sich also in einer Zwangslage befunden gegenüber der Machtstellung der Obersten Heeresleitung und der Marine. Er war der Ueberzeugung, daß der U-Boot-Krieg uns die Neutralität Amerikas koste, und daß wir zum Kriege mi: Amerika kommen müßten. Hätte er nun nicht sich im Parlament eine Mehrheit schaffen können, wenn er seine Meinung vollkommen offen ausgesprochen hätte? Zum mindesten häite er die Parreiführer über die Situation informieren muffen. Ich bin der Ueberzeugung, wenn das Parlament damals gewuht halte, datz keine Hoffnung vorhanden sei, die amerikanische Neutra- lität aufrechtzuerhalten, daß die Parlamentsmehrheit fest auf dem Standpunkt gestanden hätte, kein Babanquefpiel eingehen zu sollen. Die S o z sa l d em o kr a ti e hat den U-Boot-Krieg nach wie vor abgelehnt. Konnte er nicht verbindert werden, dann mutzte er wenigstens hinausgeschoben werden. Bcthmann Hollweg: Auch die Oberste Heeresleitung war in einer Zwangsloge. Nun zu der Frage, warum ich das Parlament über die Gefahr des Kriegseintrittes Amerikas nicht unter- richtet habe. Es konnte. damals gar kein Zweifel darüber bestehen, datz der U-Bootkricg Amerika zum Eintritt in den Krieg veranlaffen würde. Jeder Politiker mutzte wisseit, datz Amerika früher oder später in den Krieg einoreifen würde. Minister David: Es ist nicht richtig, datz jeder Politiker da- mal? gewußt hat, Amerika würde in den Krieg eingreifen. Ich verweise auf die Verhandlungen im Hauptau-s schütz, die wir am 23. Januar 1917 in diesem Saale geführt haben und die niemand vergessen wird, der daran teilgenommen hat. Da war hinsichtlich Amerika» die Sache noch nicht entschieden. Gerade die Hoffnung, daß Amerika aus dem Spiel bleiben köimte, hat zur Nachgiebig- keit des Parlaments mit beigetragen. Diese Ansicht wurde bestärkt durch die Ausführungen de» Staatssekretärs Zimmer- mann, der uns die Szene schilderte, die sich zwischen ihm und Gerard bei Ueberreichung der U-Boot-Nots abgespielt hatte. Da sollte Gerard die Sache gar nicht tragisch aufgefatzt und auf die Frage, wie Wilson sich wohl dazu verhalten werde, gesagt haben: All right! Die Unterredung sei dann ohne besondere Erregung zu Ende gegangen. Wir haben sofort gewarnt, sich so burschi- kos über di« Sache hinwegzusetzen. Auch de: Reichskanzler hatte Hoffnung, daß Amerika aus dem Spiel bleiben werde. Sluf meine Partei hat das fa allerdings nicht gewirkt. Schon die 2®aHr- scheinlichkeit, datz Amerika gegen unS auftreten würde, vermuatzte uns, von dem U-Boot-Krieg abzuraten. Es gab also RettungS- wege, wenn man das Parlament über den furchtbaren Ernst de: Lage restlos aufgeklärt hätte. Zimmermann: Ich fragte Gerard, wie Wohl die Aufnahme der Note in Washington sein würde. Er antwortete, er wisse nicht, was m Washington vorgeht. Ich bat ihn darauf, seinen ganzen Emflutz einzusetzen, um eine gute Lösung für uns herbeizu- führen. Da antwortete er:„Sclbswerständlich will ich mein Bestes tun." In diesem Sinne habe ich auch im Hauptausschutz gesprochen. Ich habe aber inimer gesagt, datz dies die Worte Gerards seien, nicht etwa die Auffassung in Washington. Wenn ich in dieser Sitzung meinen Ausführungen eine vielleicht zu optimistische Färbung gegeben habe, so konnte das an den Tatsachen nichts ändern und entsprang taktischen Erwägungen s!). Bethmann Hollweg: Das kann ich nur bestätigen; der Beschlutz für den U-Boot-Krieg war nicht mehr zu ändern. Von einem Vabanque-Spiel möchte ich nicht sprechen. Ein Vabanque- Spiel war der Beschlustz vom 9. Januar nicht, denn der rücksichtslose U-Boot-Krieg hat für uns doch gewisse Wir- küngen gehabt. Gothein: Nachdem der unbeschränkte U-Boot-Krieg erklärt war und der Reichstag nichts daran ändern konnte, trat wohl bei ein- zelnen Parteien der Gedanke hervor, datz man sich hinter die Re- gierung und die Oberste Heeresleitung stellen sollt«. So war e» wenigstens bei der Fortschrittlichen Volkspartei. Inzwischen war aber die Wilsonsche Frieden saktion erfolgt und eS bestand nun in weiten Kreisen die Auffassung, datz damit eine neue Lage geschaffen wäre. Sinzheimer stellt fest, datz in einem Bericht die Ansicht aus- gesprochen wird, datz die schroffe Ablehnung deswegen erfolgt sei, um Deutschland zum U-Boot-Krieg zu bekommen und damit das Eingreifen Amerikas zu erreichen. Gothein: Im Hauptausschutz wurde erivähnt, datz man leicht in einen Krieg mit Amerika hineinkommen könne und datz man dann nicht wisse, wie man hinauskommen solle. Später wurde dieser Standpunkt verlassen, und man stellte den Eintritt Amerikas in den Krieg als belanglos hin. ES wurde sogar gesagt, der Eintritt Amerikas sei militärisch gleich Null, Rull, Null zu bewerten. Eohn: Ist Ihnen bekannt, datz bereits im September oder Okiober 1914 von der Obersten Heeresleitung gegenüber der Poll- tischen Leitung erklärt wurde, datz der Krieg mit m i l i t ä r i- schen Mitteln nicht zu beenden sei, daß politische Mittel ergriffen werden müßten? ES handelt sich um die Bilanz des Rückzugs von der Marne nach dem Zusammenbruch des Kriegs- planS. Bethmann Hollweg: Mir ist es, als ob General von Falken- Hayn und auch später die Oberste Heeresleitung den Standpunkt vertreten hat, datz unsere Flotte mithelfen müßte. Cohn: Jdj bitte um präzise Auskunft, ob die Oberste Heeres- leitung schon im September 1914 erklärt hat, daß der Krieg mit militärischen Mitteln nicht zu Ende zu führen sei, besonders unter dem Eindruck nach dem Zusautmenbruch an der Marne. Bethmann Hollweg: Im Augenblick kann ich mich nicht entsinnen» datz im Herbst 1914 die Oberste Heeresleitung mit solchen Aeutze rungen an mich herangetreten ist. Schücking: Herr von Bethmann Hollweg hat von der Zwangslage gesprochen, in der er sich am 9. Januar befand. Es sei die Alternative gewesen, entweder den Krieg als der- l o r e n aufzugeben oder das Experiment des unbeschränkten U-Boot-Krieges zu machen. Ich kann mir nun denken, daß zwei Auffassungen bestanden: nämlich die eine, datz dieses Experiment, wenn es auch nur wenige Prozent Wahrscheinlichkeit in sich birgt, gemacht werden müsse, da die«.h r e es erfordert, ehe wir den Krieg verloren geben. Und die andere Auffassung, datz angesichts der ungeheuren Not, die aus dem Mißlingen des Experimentes hervorgehen mutz, es nur gemacht werden darf, wenn es nach menschlicher Berechnung mindestens ö0 Proz. Wahrscheinlichkeit des Gelingens für sich hat. Darüber mutzten alle Sachverständi- gen gehört werden. Hat Herr von Bethmann Hollweg mehr auf dem Ehrenstandpunkt gestanden oder auf dem technischen? Bcthmann Hollweg: Ich habe auf diesem Ehrenstandpunkt wobl nicht gestanden. Die Alternative konnte ich auch nicht so auffassen, datz, wenn der U-Boot-Krieg nicht beschlossen wurde, so- fort eine Kapitulation erfolgen mutzte. Unsere Zwangslage bestand darin, datz wir, da wir keine Aussicht auf Frieden hatten. irgend etwas inachen mußten Wir konnten nicht untätig in die Zu- kunfi sehen und ein Kampfmittel unbenutzt lassen, das immerhin gewisse Aussichten auf Erfolg hat. Heile: Was ist geschehen, um dieses äußerste Kampfmittel so tauglich wie möglich zu machen? Tirpitz hat doch gerade negativ gewirkt, und erst nach seinem Abgang hat Bethmann Hollweg den ersten größeren U-Boot-Auftrag gegeben. Bethmann Hollweg: Die Chancen des U-Boot-Krieges waren Anfang 1917 natürlich viel größer als Mitte 1916. Die Zahl der U-Boote war beträchtlich gestiegen. Dr. Sinzheimrr: Der Admiralstab hatte die Denkschrift wissen- schaftlich zu beweisen gesucht, datz der uneingeschränkte U-Boot- Krieg England in fünf Monaten zum Frieden zwinge« würde. Diese Denkschriften sind zur Kenntnis der OeffenMchkeit gekommen und haben für die Schaffung einer U-Boot-Hhpnose die größte Rolle gespielt. Bethmann Hollweg: Darüber kann ich im einzelnen nicht Auskunft geben. Dr. Sinzheimer: Sie haben in schärfster Werse gegen die Veröffentlichung dieser Denkschrift Stellung genommen. Vorsitzender Warmuth: In der Depesche an Wilson ist davon die Rede, datz es technisch unmöglich sei, die einmal cmsge- laufenen U-Äwte zurückzurufen. Von wem stammen die Unterlagen für diese Angabe? Bcthmann Hollweg: Diese Mitteilung wurde vom Admiral v. Holzendorff im Großen Hauptquartier gemacht. Für den Schluß der Sitzung wird, da wiederum Angelegen- heften einer neutralen Macht zur Verhandlung kommen, die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Die nächste Sitzung findet Donnerstag vormittag 19 Uhr statt. Vernommen werden sollen Admiral Koch und Helfferich._ Kriegerische Kommunisten. Die wegen syndikalistischer Tendenzen aus der kommu- nistischen Partei ausgeschlossenen Hamburger erlassen ein von Heinrich Lauffenberg und Fritz Wolffheim unterzeichnetes Manifest, das zum revolutionären Volkskrieg gegen die Entente auffordert. Wer etwa an die friedlichen Tendenzen der Kommunisten geglaubt hat, der wird jetzt gründlich eines anderen belehrt. Glühender und energischer. als hier von kommunistischer Seite der Revanchekrieg gegen die Entente gepredigt wird, haben dies auch die extremsten Mdcutschen nicht getan. Bekanntlich hat schon Radek auf dem Gründungs- Parteitag der Berliner Kommunisten die deuffchen.Proletarier aufgefordert, Schulter an Schulter mit den russischen Bol- schewisten die Revolution gegen die Entente am Rhein zu verteidigen. In dem deutschen Proletariat, das eben erst aus den Greueln den Weltkrieges heraus war, bestand aber keinerlei Neigung zu kriegerischen Abenteuern. Radeks Lluf- forderung wurde von den meisten seiner Zuhörer garnicht ernst genommen, obwohl sie ernst gemeint war, sondern nur als schöne Rhetorik aufgefatzt. Die Hamburger Kommunisten kommen nun mit aller Energie auf das Radekjche Projekt zurück. Noch schärfer, als es die Alldeutschen tun. werfen sie der Revolutionsregierung Landesverrat vor. weil sie den Frieden von Ver- s a i l l e S abgeschloffcn hat. Lauffenberg, wohl der eigentliche geistige Vater des ManifestS, stellt fest, datz am 9. November jene Tendenzen siegten, die im wesentlichen das eine Ziel verfolgten: Frieden um jeden Preis. Damit sei die Nieder- läge Deutschlands, die auf den Schlachtfeldern nicht vollzogen war,' vollendet gewesen. Feige und erbärmlich habe die Regierung nicht den Versuch gemacht, die revolutionäre Volkskraft zum äutzersten Widerstand gegen die Entente zu organisieren. Die Tatsache, datz am 9. November die Förderung des Friedens um jeden Preis siegte, ist richtig. Nur zu Unrecht schiebt Lauffenberg die Schuld der Negierung zu. Tatsächlich wäre nach dem 9. November jede Regierung, die den Krieg sortgesetzt hätte, binnen 24 Stnden von den Volksmassen hin- weggefegt worden, die ihrerseits durch den vierjährigen Krieg so zermürbt, ausgehungert und verelendet waren, datz sie außer dem Frieden kein ernsthaftes politisches Ziel kannten. Außerdem vergißt Lauffenberg, datz der Organisator des revolutionären Verteidigungskrieges zunächst jubelnd bc- grüßt worden wäre von den— Alldeutschen, und schon dadurch im In- und Ausland heillos kompromittiert gewesen wäre. Nichtsdestoweniger nennt Lauffenberg die Politik, die nach Versailles führte, nackten Landesverrat. Er schreibt: Landesverrat war die Propaganda für Völlerbuud und Wilsonfrieden, Landesverrat war bie Herausgabe deutscher Verkehrsmittel und Jndustriemaschincn, Landesverrat, den Hunderl- tauiende mit dem Leben bezahlten, war die Auslieferung land- wirtschaftlicher Produktionsmittel usw. usw. Man glaubt nicht einen Kommunisten, sondern den Grafen Reventlow zu hören. Was will nun Lauffenberg tun? Er will den Frieden von Versailles in Fetzen reißen und im Bunde mit Sowjetrutzland den neue ti Volkskrieg gegen die Entente beginnen. Da- zu fordert er die schärfste und rücksichtsloseste Diktatur. Errichtung der proletarischen Diktatur heißt Auf- bau der Roten Armee. Aufbau der Rw t e n Armee heißt Krieg gegen den Imperialismus der Entente; nichts wäre ver- hängnisvoller, als wenn die Herrschaften des Völkerbundes dies eher begriffen, als daS deutsche Proletariat. Und der Krieg Wider den Imperialismus der Entente, der im Gegensatz zu dem von 1914 bis 1918 ein Krieg um die nackte Existenz ist, erfordert zu seiner glücklichen Durchführung eine noch schärfere Handhabung der Diktatur, als die militärische der ersten Kriegsjahre war. Jeden Widerstand gegen die Kriegführung will Lausten- berg mit eherner Gewalt im Keime ersticken. Die Ein- berufungen zur Roten Armee sollen durch die Betriebs- und Ortsräte so vorgenommen werden, datz kein Diensttauglicher sich vom Militärdienst drücken kann. Gleichzeitig will Lauffen- berg den Widerstand der Bourgeoisie mit rücksichtsloser Ge- walt brechen, indem er namentlich in die lediglich von Wohl- habenden bewohnten Stadtteile Masseneinquarticrungcn von Proletariern legt. Wenn die Bourgeoisie aber mürbe geworden ist, dann winkt ihr zum Lohn für ihre Unterwerfung der Lauffenberg-Kommunistische Burgfrieden: In einem Augenblick, in dem es sich darum handelt, den Krieg wider da? Ausland aukzunehmen. ist gerade die herrschende Klasse, die Arbeiterklasse, am Frieden im Innern ausschlaggebend interessiert. Und unter der Voraussetzung, datz die Bourgeoisie die vom Proletariat vollzogene Machtergreifung rückhaltlos an- erkennt, wäre die proletarische Diktatur an der Aufrichtung eines revolutionären Burgfriedens für die Zeil des Krieges nach außen nicht minder interessiert, wie im umgelehrten Verhältnis weiland Wilhelm IL Der Burgfrieden als revolutionäres Kampfmittel, die Einziehung des letzten Wehrfähigen zum Massenmord als revolutionäres Kampfmittel. Diktatur und Belagerungszustand als revolutionäres Kampfmittel,— warum sind wir nicht gleich bei Wilhelm geblieben? Da hatten wir doch das alles._ vortrage, vereine und Versammlungen. Rcichsimud der Kriegsbeschädigten. Bezirk Wilmersdorf. Morgen'l,b Uhr abends in der Aula de» Bismarckgymnasiums, Psalz- burger Straße: Außerordentliche Versammlung. Alle Hinterbliebenen unb s die aus der Gesangcnschalt heimgelehrten Kameraden smd willkommen.— i Tooriftenverein„Die Naturfreunde"(neutrale Gruppe). Heute abend»Uhr: Mitgliederversammlung Ohmstr. 2.— Deutscher Monisten, buud. Morgen, abends 7 st, Uhr, im.Lhzeum-Klab", Lützowplatz 8: LehrkursuS von Herrn Prof. Dr. Nitolai. Thema:.Soziale Instinkte bei Tieren und Mensche» ZSetteraussichten für das mittlere Norddentschland bis Freitag mittag. Zeitweise aufklarend, jedoch vorwiegend trübe und etwas nebelig mit weit verbreiteten meist geringen, nur im Südwesten etwas liärkeren Niederschlägen, hauplsächlich Regen. Nach ostwärts fortschreitende Erwärmung. f'l Xt«Ä ftfctyaft! \ "•a/s1'3• A tlnd doch können Sie sich von der Tatsache unserer viel bestaunten Leistungssähigkeit leicht an jedem einzelnen Stück unserer enormen Auswahl überzeuge». Königstr. 33 vchausseestr.«3 fttdlta«-Aabttbsk Am Batmbof«lerandervlah Kino M.L Osten MARIANNEN-LICHTSPIELE Wrangelstrafie 11:: Am Marlannenplatz Eröffnung heute Donnerstag, den 6. November 1919 mit der Uraufführung „DIE TOCHTER DES BAJAZZO" Drama in 4 Akten.» Mit Rita Ciermont. Großes Orchester[ VolksMne � u~v Ger Scbwarzkiiiisiler. Öpernbaos. Tiefland. Anfanc 7 Uhr. Schaaspielhans. Maria Stuart* An lang tVa Uhr. Direktion Max Reinhardt. DciitHo.heg Theater 7U.: hüfmann?on Venedig. Freitao, xum l. Male. 7 Uhr: Kaakobs Traum. Kamuierspiele. u�DieBlictise derPaiiöiira Freitag?'/,: Oespenstersonate. Theater I. d. KSmggrgtzerStraSe '/� Uhr; Schloß Wettersteiii Freitat: Kameraden. (Maria Orska. Alfr. Abel. Ernst Dernburg, Frieda Richard, Grete Diercks, Heinz Stieda, Kurt Katsch.) Sonnab. Schloß Wetterstein Sonntag nachm.: Erdgeist (Lutu: Mana Orska.) Abends: Ein Traumsplel Mont.: Schloß Wetterstein Kofflödienhaus fä Liselottv.ß.Pfalz Berliner Theater 7.10 U.- Bnmmel- Studenten. Central-Thenter 7'/, Uhr. Die Fasehingsiee. Oeutsehe» OpernhanH 7 wr: Eugen Onegin. Die Tribüne v/s Uhr:„Die Wandlung." JBden-Thcater vi, u.:„ü. A. w. g" Stg. 3 U.: Prinzessin vom NIL Frledr.-WlIhclmst.Th. vi�r: Gretchen. fLIelnes Theatcp. B Er kann nielit delewl. Kl. Schanauielkau». V/, Uhr; lessing-Theater Direktion: Victor Barnotvskv. 7'/,: Frljulie. D.grüne Kakadu (Tilla Durieux, llka Qrüning, Dagny Servals. Fritz De ius, Hans Fischer, Eugen Klopfer, Emil Lind, Konrad Veidt). Freitag 7: Peer Cynt. Sonnabend und Sonntag 7V3: Frl. Julie. Oer grüne Kakadu. Deatscbes KönslIer-TbEaler Allabendlich?>/,: Cyprlcnne. (Leopoldine Konstantin, Kurt Götz, Erich Walter.) Trianon-Theäter. Bahnhof Frledrichstraße. Untergrundbahn Friedrichs tr. Täglich V�i Uhr: Jftaskeraifc. Von Ludwig Fulda. Regie: Alfred Rotter. ffansl Arnstadt, Eugen Burg, Käthe Dorsch, Paul Bildt. Jul, Falkenstein, Hugo Flink, PaulaLevermann, EmmiWyda. Sonnabend 4 Uhr. kleine Pr.: Aschenbrödel. Sonntag 4 Uhr, kleine Pr.: Johanntsfecer. Walhalla-Theater. 7'/, Uhr; Eine Frau wie Du. bFOLLO� THEATKK 1 FriednchstraCc 218| Dir.: James Klein V/g Uhr: KomlHCke Oper 7v, u: Liebeszauber. Stg. y/t: Schwarzwaldmädel Luatopiellians V/4— Uhr: Xletropol-Theater. 7 Uhr: Sybill Sonntag 3U.: Charleys Tante mit Thielscher. IVeues Operettenhans. t'/zu.: Die Dame fem Zirkus, Schlller-Thent.< Karl. 7-/. uhr: Der Keineiter. Thalia-Theater V/,U. Th.am\bllcn Carl Heinz Ewers My und Hillen Gerda Gerda Hans Scbuch Ab 10 Uhr: TANZ Solot My und Hillen. Mokka, Tee, Schokolade, ff. Kuchen und Weine. Tischbestellg.: Alex. 1706. Anfang; 7 Uhr. t*g°t 5-ühr-Tanz-Tee Probierstube O Gute Küche Naturreine Weine aus der Stadtkellerei Ol» tOrrtaufeprsis« sind ststoeschf burdi blt CfaMerrteeltung Pächter: Julius Schwenk, früher Direktor deS Kurhaus-Restaurants Wiesbaden u.Äotel Esplanade, Berlin Winiös-Ksliöli lizllcd 7'/, vlir- Vzlletö-8p!elplzn Hauchen gestattet! ReichshaH-Tbeater 7»/, Uhr unb Sonntag ' nadim. 8 Uhr: . vXStetüD. Sänger nachm.ennüß.Pr i\X0 plaftn-Slitl- u. plaflenzShae bis 707N.(nach tvewfchfZ. Für plakln den fehlge-- hohen preis! MW: BetüQ W...... täglich 10— BUH», 70/2? Vogler. Serlli i cc co gfmmer 1 . 30-30,(Hotel). —""in. und nlclen anderen, auch schwereren, Hals- ti.Lungenlcibcn sowie bei Grippe erzielten, wie zahlr. Mlffeilungen von Arrzfen. ApofheLmLeidenben rinwanbfret betBclf«n,unfete tiotoliii'Pillei) in Inhrelnnger Praxis— nor,»gliche Erfolge. Srhälflfch zu M.Z,— per Schachtel in allen Apotheken; wenn nicht vor«! ig, auch direkt v. uns durch uns.Bersand-Apoth Ausführliche Brofchüre koffenlos. Ploetz&. Co., Berlin SW 68 Hauptniederlaae für Rotolin-Pillen Samariter. Apotheke per IIa SW, Reuendurger Str. 4L MoritzpL 1815. Spezial-Äbteflung Nmformenfärben, in �ivil umarbeiten in fchmarz. btunn, blau, grün. In 8 tagen lotplz Wenden, Umarbeiten, Ncuarbeiten von Herren- und D amen garder oben in z Tagen. Stoffnenlieiten. 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Werktätige Hevolkerung ües Nordens! H. November, abends 7V2 Uhr sprechen über Sie Reichsfinanzen und der deutsche Arbeiter Will! Vetter im Gefellschaftshaus, Swiaen,«oSer Str. 43. Ernst Greiser in der 11/4* Pfefferberg-Branerei, Schönhauser Atteo � 7S. Sestaitet Siefen vortragsabenö zu einer LNassenkunögebung Segen Wucher— segen Schleichhansell Sürz«, Ztnnsfrsnen, Xonsnrnenten! Am 6. November 1919, abends 7ll, Uhr, im Lehrervereinshaus, Alexanderstr. 41, Oeffentlicher Vortrag n/i* Thema: Valuta u.Teuerung Redner: Hauptschriftleiter Walter iMoszkowski. Bürger, Hausfrauen, Konsumenten! Erscheint in Massen. Es geht jeden an! Sübsn«mW«« for I51II) JaJirn! Wer war Jesus Shristuif la einer alten orlentallichenEiWlothdc ist eiuDc-kumont Befunden vrorden, da» UTV» frenau xnittbilt, wer Jenua Ckrifctui war: einBandeabruier dea Kasiterbundos, einer Art Freimaurcr�orclni�unj. Es ist der Bericht des Ältesten dioae« Bunde« Sa Jerufalcm on don Alterten ia Alexendrien. Ein christlicher Prieater veraucht» hei der Entdeckung das DolCument cu vernichten, da«ich die ganren myatlachea tV ander jcnchichteu ant«iumal grna naiürlich erklären. Die Vernichtuag gehmj? Ihm aber nlcifV Dieser historiocho Berich; lat Ina Deutache überaotxt worden, mit einem Vcrwort über Pontiu« l'jlatu» neubearbeiiot- von Fcrd. Üchmidt. Kclu Jkuhendcr wird das Werk unbefriedigt aus der iland Ie:;«n. Hrci» M, 1,40,«shOu» febumdea VL Kachunhme Ä» Pf. wehr» Düchci'kau.yg gravi*, 0 Croeger Bücherkatalog gratis durch; Albrecht Douath. Verlag, Leipzig 42. i e. G. m. b. H. Zentrale: Lichtenberg, Rittergutstr. KJ— 26. Montag, den 17. November 1019, abendS 6 Uhr 'in der Berliner Bock-Brauerei, Am Tempelhofcr Bere: Generalversammlung. Tagesordnung: l. Jahresbericht a) des ajoti.cxdML b) des Aufilchlsrats. 2.(Entlaitung de» Vorstandes.) 3. Genehmigung der Bilanz. 4. Verteilung des Reingewinne». 5. a) Wahl om: sechs Auffichrsratzmitgliedern, b) Wahl von Grsatzpersouem Konsum-Eenossenschaft Berlin«nd Umgegend. Eingetragene Seuosseaschaft mit beschränkter Haftpflicht. vor AuMchtsra«. Z. A.- p. Vallder. ver rorswnd. fl. Junger. 0. Schulter. W. lamm. A. Mlrus. P. MDiler. Der Eintritt lann nur den eingeirageneu Mitgliedern gegen Vorzeigung der braunen Legitimattonstatte gestattet werden. Wr Ntchtmitglieder lann der Zutritt nicht gestattet werden, da sämtliche Räume silr die Mitglieder reserviert werden müssen. Es liegt im eigene» Interesse der nicht eingetragenen Mitglieder, den Wrg?um Versammlungslolal nicht erst zu unternehmen. Eln kostenloser Kursus für jedermanr. über[3üOb „Volkswirlsebalt uaä lolMürnüclie Redekünsl" berinnt am Oonnersiag, den 13. November, abends 8 Ohr in der Klasse I b des KOnigstädti scher. Gymnasiums, Elisabethsir. 57(Nähe Aiexanderplatz). Eingang über den Hof, III Treppen. Jeden Dienstag und Donnerstag abend 8 Uhr bis gegen Weihnachten. Anmeldungen daselbst Dänische Vollmilch, [pasteurisiert, in Verkäufers Kannen, bei tägl. Abnahmt| [von mindestens 5000 Litern bietet an. 184,!| Berber, KopeaMigcn, N. Farimagsg. 33. __ Telegr.-Adr.: Bergerfix. Zu m höSfleu Vreifen laufe ilh alte �äkne, Gebisse, Platin(auch Abfälle). TJ rennst, st», tlontakte usw. Nur Z Tage! Donnerstag, den 6, Freitag, den 7. und Sonnaden», ben 8. November 1919, von 9—6 Uhr, im Hat»>„preuAtscher©•(", am Muljaltcc Bahnhof. Leder jeder Art fonft ju hohen Preisen e. Hirschselb. Boriin-Pankow, Tiroicr Ett. 37, Eingang Todiacher Etraßt. 2L6b Klenclenci Weiße 2äi:r>e ciurei: chlorockont die wanderbar«rfriachende Zahnpaste Zigaretten StSadlge» Lager, nein orientalische und ägyptische Zigaretten von 220,— Dt. an. Capstans Navy Cut 28S,-M. M. Guttmann, Berlin 0 27,A-TÄ- Wll«» We» — B. Bnlifthflncfti Zriedrichslr. 155, tttfc Auter 6. Linden Oull|UJuU9iq, gegen«» d. 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Wahl des Prüwngs-Aus- schuffes zur Prüfung der Iahresrschnung für das Jahr 1919; 2. Eatu'.ngedndcrunz! 3. Abänderung der Dienst- Ordnung; 4. Erholungsheim; 5. Verfchiedettes. Pcichwerden und Anfragen sind bi» ipatcstettz Dienstag, II d. M., hei der staisenverwal- hing schriftlich einzureichen. Der Borstand der Allgemeinen Ortskranke»- tasse für Berlin-TempelHof, (gez.) Pani ställmer. L Vorsitz. W. welcher gewillt ist, aufs Land zu gehen und in einer kleinen Gemeinde('200 Einwohner) die Eielle eines Gemeinde- dienere u. Nachtwächters zu übernehmen, kann feine Entschädigungsansprüche au borcm(Seide neben ireirr Wohnung einreichen an der. X Gemeindevorsteher Zeck, schluft». Grost-SchSnedeck Mark,. 1033D oü ... 7. Sept. 19. Meine Tochter hatte seit 3 Jahr. oll. FU8e, nichts hat blsln geholt. Da las ich An- nonce üb. Crinolsalbe u. lieg mir sot. 1 Dose a. d. Apcth. schicken. Bald nach der erst. Anwendg. konnte sie schon mit dem ganz. Fug auftreten, während sie seit der 3 Jahre nur auf den Zehen gehen konnte. Ich spreche Ihnen meinen Dank aus. J. P. Crinolsalbe wird geg. off. Füße, Aderbeine, Flechten, böse Finger, Hautausschi, angew. Dose Ist. 2,50 in Apoth, wo nicht durch Ciinolwerk Weinböhla-V. De po ts: Barbarossa-Ap» Kurfürsten- dämm 264. Engel-Ap., Kanonierstr. 44. König- Salomen- Ap., Char- lottenstr. 54. Wittes Ap., Potsdamer Str. 85. Diana-Ap, Turmstr. 28. Ocrmania-Ap., Lothr. Str. 50. Oranien-Ap., Elisab. Ufer 34. Mariannen-Ap., Mariannenplatz 6. Apotheke a SchlesischenTor, Skalitzer Str. 72. Cust-Adolf- Ap, Koloniestr. 1. Ale*and.-Ap., Alexanderpl. 8. Borussia-Ab.,SchOnh. Allee 66. Hohenstaufen-Ap, Cottbuser Damm 12. Oreifsw. Ap., Greils«. Str. 47. Speisezimmer Herrenzimmer, Schlafzimmer, Saloneinrichnitigen, stächen, Leder- tu ISobelin- stiubgarnituren, Standuhren, Sofas, deatsch» nnd echt« Teppiche, Portieren. Ehaisetangne-, Tischdecken w riefig großer Auswahl zo enorm billigen Preisen. 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Telephon: Oberschoneweidc 925. oder 11/12 Vereinigte Berliner Kohlenhändler A.-G., Berlin W 35, Potsdamer Str. 105 Monat erhöht. Ledige erhielten 52 M. Erst unter dem neuen Regime erhielten wir nach schweren Kämpfen die jetzt laufende Teuerungszulage! Die letzte Ausbesserung kam für uns zu spät? denn der größte Teil der Beamienschait ist so in Schulden geiaten, daß alle Zu- lagen und Beihilfen lvohl ein Loch zustopfen, aber keine wirk- liche Besserung bedeuten. Jeder, der arbeitet, ist seines Lohnes wert, und darum rufe ich jedem Arbeiter zu, laßt den Beamten neidlos ihre wohlverdiente Wirnchaiisbeihilfe. Hand in Hand aber wollen wir arbeiten an dem Ziel, das jedem, der nicht mehr arbeiten kann, ein ruhiger Lebensabend beschieden wird. Tas Landespolizeiarnt im Kqmpf gegen die Nepplokale. In der Nacht zum heutigen Mittwoch unternahmen Beamte des Landespolizeiamtes eine Streife durch die nächtlichen Vergnügung?- stätten Berlins. An 10 Orten wurden die Mannschaften zu gleicher Zeit eingesetzt und dadurch verschiedentlich recht gute Ergebnisse erzielt. In dem Weinrestaurant Rietz in der Französischen Straße fanden die Beamten den Betrieb in vollem Gange. Trotz mehr- maliger Aufforderung wurde nicht geöffnet. Die Türen wurden im Gegenteil mit schweren Gegenständen verbarrikadiert, so daß sie unter Anwendung von Gewalt gesprengt werden mußten. Als die Beamten das Lokal betraten, erlcsch sofort das elektrische Licht und ein Teil der nächtlichen Besucher suchte in der Dunkelheit und in der Verwirrung zu entkommen. Sie wurden aber von den draußen harrenden Beamten in Empfang genommen. Erst nach mehreren Versuchen gelang es, die elektrische Beleuchtung wieder einzuschalten. Alle Gaste und der Inhaber des Lokals mußten aus einem Lastauto den Weg zijm Landespolizeiamt antreten, um hier ihre Personalien feststellen zu lassen. Beim Besteigen des Autos kam es noch zu recht erregten Szenen, denn im Handumdrehen hatte sich der ganze Jan- Hagel der Fricdrichstadt eingesunden, der gegen die Beamten Stel- lung nahm. Nur der außerordentlich wirksamen Tätigkeit der Polizeihunde war es zu danken, daß größere Ausschreitungen ver- mieden wurden. Nicht so glücklich lief die Aushebung im E st e r h a z h- K e I l e r in der Friedrichstraße und im„Friedrichskasino" ab. Hier benahmen sich die Gäste, die sich aus Schiebern und ihrem Anhang zusammen- setzten, sehr renitent. Auch hier nahmen Straßenpassanten, die sich in großer Zahl eingefunden hatten, Stellung gegen die Polizei und es gelang mehrfach, die Gäste der ausgehobencn Lokale zu befreien. Die Streife der Polizei erstreckte sich aber besonders auf die Gegend um die Motzstraße und im vornehmen Westen. Hier müssen die Nachtlokale von dem Eingreifen der Polizei Wind bekommen haben, denn man fand verschiedentlich nur geschlossene Lokale vor. Dagegen wurden in der Pierot-Bar einige 20 Personen festgenommen, die sich hier bei Sekt und Tanz aufs angenehmste ver- gnügten. Ferner hob man einen Spielklub am Stadtpark Schöneberg aus. Hier konnten allerdings nur etwa 12 Per- sonen festgenommen werden, da die anderen rechtzeitig über einen Hintsrausgang und die Bodenräume das Weite gesucht hatten. Der Klub wurde versiegelt und die gesamten ziemlich beträchtlichen Porräte in Zucker, Mehl und anderen Lebensmitteln beschlagnahmt. Bemerkenswert sind die Phantasiepreise, die hier für Speise und Trank gezahlt wurden. So forderte man z. B. für eine Vorspeise laut Speisekarte 20 Di., für ein Rührei, bestehend aus zwei Eiern, 25 M., für eine Portion Gänsebraten dagegen 30 M. Einp große Anzahl Sektflaschen ließ aus ein ausgedehntes üppiges Mahl schließen. Der Klub war bereits vor 14 Tagen von der Schöne- berger Einwohnerwehr ausgehoben worden. Die Räume waren auf das eleganteste eingerichtet und nach den bisherigen Festftel- lungcn soll die Einrichtung allein, die raffiniertesten und luxuriösen Geschmack verrät, 300 000'M. gekostet haben. Der Klub nannte sich „Klub der Deutschen Filmkünstler" und das beschlagnahmte Vereins- archiv ergab interessante Einzelheiten über die Bestrebungen und vor allem über die dem Verein angehörenden Mitglieder, unter denen der Adel eine hervorragende Rolle spielt. Der Klub bewohnte die zwei obersten Stockwerke eines Hauses am Schöneberger Stadtpark. Hier vollzog sich die Aus- Hebung ganz ohne Schwierigkeiten. Im" übrigen wird auf Anweisung des Staatskommissars für Volksernährung das Landespolizeiamt in Zukunft den Inhabern und Geschäftsführern von Luxusgaststätten(Bars, Dielen usw.), die sich besonders grober Ueberschreitungen der Polizeistunde zu- schulden kommen lassen, ohne vorherige Verwarnung den Handel untersagen und ihre Betriebe schließen._ Wem gehört das Geld? Um 13 000 M. gebracht, wurde ein hiesiger Bankbeamter durch eine„Beschlagnahme". Der Mann de- saß 13 rotgesteinpelie Tauiendmarkscheine, die er für 1200 M. da? Stück zu verkaufen gedachte. Von dieiem Plane erzählte er i» einem Kaffeehaus einem Kaufmann Fritz Lange. Er besorgte in einem Reisenden Viktor Koserow ski einen„Käufer", der bereit sei, 1250 M. zu geben. Beide bestellten dann einen fnlhercir Beamten der HeereSvolizei namens Manteufsel als„Kriminal- beamten", der die 13 Tausendmarkscheine im geeigneten Augenblick beschlagnahmen sollte. Der Plan gelang auch. Der „Krinunalbcanite" erschien pünktlich an dem verabredeten Orte und zur vereinbarten Zeit, griff ein, als der Verkäufer die 13 Tau'endmarkicheine auf den Tisch legte und nahm sie im Namen des Geictzes an sich. Der Bankbeamte war froh, daß er nicht auch noch festgenommen wurde und empfahl sich ebenso eilig, wie zum Schein auch Lange und Koserowski. Dieie beiden aber irafen sich gleich darauf mit Manteuffel in dessen Wohnung und teilten sich in die Beule. Obwobl der Belrogene keine Anzeige machte, kam die Kriminalvolizsi hinter den Streich, ermittelle die drei Betrüger und nahm sie gestern fest. Koserowski hatte von scincni Anteil schon nichts mehr. Er hatte seiner Braut einen Pelzmantel gekauft und 900 M. geschenkt, die sie auf die Sparkasse getragen hatte. Die beiden anderen besaßen ihren An- teil an der Beute noch ganz. Jetzt weiß man aber nicht, wer der betrogene Bankbeamte ist. Die gestohlenen Automobile der Enteniekommission wurden in Neukölln in zwei Remisen unter Säcken versteckt wieder auf« gefunden. Die von der Kommission gestellten Ersatzansprüche sind somit erledigt. Postsendungen an Gefangene, die sich noch im europäischen Ruß- land bcsinden, können von den Angebörigen d.irekt an daS Rote Kreuz, für Gefangeneniürsorge im Osten Kowno Gedimino G a t V e 11 gerichtet lverden oder durch das Zentralkomitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz, Abteilung 11 Berlin, Tauentzienstraßc 14, nach Kowno eingesandt werden. Ferner werden vom Roten Kreuz, Abteilung für Gefangenenfürsorge im Osten, Nachforschungen nach Vermißten angestellt/ und können daher derartige' Anträge ebenfalls nach Kowno gerichtet werden. Für 36(iOO Mark llmzngSgut wurde einer Witwe F. aus der Alexandrinenstr. 125 aus einein verichlossenc» Eiienbahnwagen auf Montrose. 15] Detektivroman von Sven Elbe st od. Ties alles schien darauf berechnet, einen seltsamen Ein- druck zu machen. Am rätselhaftesten, fast unheimlich wirkte indessen die Stille im Hotel. Das heißt, es war nicht ganz still, aber alle Laute hatten einen unendlich gedämpften Klang, als ob sie durch dicken Nebel zu einem drangen und in diesem Hotel gab es viele verschiedene Sorten Laute. Irgendwo sang eine eintönige Stimme ein trauriges Lied, der Gesang kam von sehr weit her und doch hätten die lauschen- den Polizeibeamten darauf schwören mögen, daß er ganz in ihrer Nähe aus Zimmer 33 kam; auf �iese Weise wurde jeder Laut von Teppichen und filzüberzogenen Zwischentüren ge- dämpft. Aus einer anderen Richtung hörte man Mandvlinen- spiel, hin und wieder erklang das leise Echo von Gelächter, aber es war unmöglich festzustellen, woher es kam. Verein- zelte Wesen schwebten vorbei, Kellner mit Wein in Kühlern, und Gäste, die meistens ein ausländisches Gepräge hatten. Auf einem Korridor begegnete den Detektiven eine ganze Artistenfamilie, die auf dem Wege zum Zirkus zu sein schien, denn sie trugen allesamt schwarze Mäntel über ihren bunten flatternden Kostümen. An der Spitze ging der Mann, gewaltig von Umfang, aber elastischen Schrittes; ihm folgte seine Frau, keineswegs umfangreich, aber schwerfälliger im Gang; dann die übrigen Familienmitglieder, bis zu einem ganz kleinen Jungen herab, einer Vpi denen, die hoch oben in der Luft herumgewirbelt werden und lachend herunter- kommen. Alle schlichen fast lautlos über den weichen Teppich und verschwanden in der Tiefe des Korridors. „Nummer 6, meine Herren." Rudolf riß eine Tür auf. Auf der Schwelle fragte Krag: »Können Sie den Weg zurückfinden, Keller?" „Ohne Zweifel," antwortete Keller,„ich habe einen vor- züglichen Orientierungssinn im Nebel, wir sind die ganze Zeit nach Westen gegangen. Der Rückzug muß also mit öst- lichem Kurs gesteuert werden". „Nummer 8 ist nebenan", sagte Rudolf. 5krag wollte sofort auf das Gitter vor der Heizung zu- steuern, Rudolf aber stellt sich ihm in den Weg. Er legte zwei Anmeldeformulare auf den Tisch. „Ihre Namen, meine Herren", sagte er. Krag nahm den Bleistift. Was sollte er schreiben? Er sah Rudolf fragend an. Rudolf lachte vergnügt. Der Kerl hatte anscheinend Phantasie. Die Namen, die er vorschlug, bewiesen, daß Stoff in ihm zu einen: Verfasser von Abenteuerromanen war. Indem er sich leicht vor Krag verbeugte, sagte er: „Mir ist, als ob der Herr Havanna Jack heißen müßte. Beruf: Trapezkünstler". Krag schrieb ohne Einwendung. „Und ich?" fragte Keller. Rudolf überlegte. „Dieser Herr ist Impresario, Spezialität Boxen," mur- melte er.„Wir müssen etwas Romantisches finden. Es macht mir Freude, ausgefallene Namen in den Büchern zu chaben. Oh, meine Herren, neulich war hier ein Reisender, der Alexis Schrumpenüre hieß. Ich war den ganzen Tag glücklich l Ich schlage vor: Max Landauer. Impresario. Zu- frieden?" "..Sie sind ein Meister," sagte Keller und schrieb. Rudolf nahm die Anmeldeformulare. „Ich trage jetzt Herrn Landauers Reisetasche auf Nummer 8," sagte er,„womit ich die Ehre habe, mich zurückzuziehen. Ich bin die Feinfühligkeit in Person und außerdem fürchte ich das Morgengewölk. Wenn aber der Herr Trapezkünstler aus Havanna tropische Wärme in diesem Zimmer wünscht, so ist die Zentralleitung dort drüben.(Er zeigte auf das Messtnggitter unter dem"Fenstcr.> Was sich sonst in diesem Zimmer befinden mag. habe ich vergessen. Vergessen Sie auch mich, meine Herren, bis es ans Trink- geldzahlen geht. Leben Sie wohl". Darauf verschwand er mit einer eleganten Verbeugung. Eine Minute später hatte Krag das Gitter geöffnet. Er zog ein schwarzes, zerdrücktes Zeugbündel heraus und wickelte es auf. Es war ein Priesterrock. Er hielt den Rock ins Licht. Unten war ein Riß, der zu dem abgerissenen Fetzen paßte, den die Schutzleute auf Abbe MontroseS Gartengitter gefunden hatten. „Es ist kein Zweifel mehr möglich," sagte Koller,„»vir befinden uns ans der richtigen Spur, dies ist Abbe Moni- roses Priesterrock, und fühlen Sie hier, Krag, und hier, und hier—" Krag strich mit der Hand über das zerknitterte Klei- ! dungSstiick. „Noch feuchte Flecke, und rote Flecke— daS ist Blut, mein Lieber." „Ohne Zweifel," antwortete Krag,„das Schicksal des guten AbHö macht mir Sorge," fügte er ernst und gedankcn- voll hinzu. „Wie meinen Sie das?" „Ich fürchte, daß er nicht mehr am Leben ist." „Diese Schweinehunde," rief der grobe Keller mit einem Kraftausdruck.„Alle Spuren führen auf dieses seltsame Hotel zu. Der verhaftete Arnold Singer war hier angestellt. Seine Frau, dieses heuchlerische kleine Wesen ist die Tochter des Morgengewölks. Und nun finden wir hier im Hotel des Morgengewölks diese» blutbefleckten Rock." Er sann nach. „Ich nehme an, daß wir das Hotel mit fünfzehn Mann überrumpeln können," sagte er nach einer Weile,„sie in ihrem eigenen Rattenloch fangen, das Morgengewölk und Thomas Uitt und das Gefängnisgesicht und den Trapezkünstler und Boxer und die ganze Bande." „Erstens", antwortete Krag scharf,„muß ich aufs ent- schicdenste protestieren, daß Clart) Singer ein heuchlerisches Wesen ist. Sie sind sehr energisch und tüchtig, Keller, es fehlt Ihnen aber an Geduld und Menschenkenntnis, und ohne diese beiden Eigenschaften kann man dieser seltsamen Affäre nicht auf den Grund kommen. Zweitens: was wollen Sie mit einer Erstürmung dieses Hotels erreichen? Wir kennen ja nur diesen einen Eingang." „Genügt das nicht, um einzudringen?" „Zum Eindringen allerdings, aber Sie können überzeugt sein, daß das Hotel mehrere Ausgänge hat." Plötzlich wurde die Tür ausgerissen, und Rudolf zeigte sich vom neuem. „Hallo", rief Krag, und sah den Kellner interessiert an. „endlich mal ein menschlicher Ausdruck in diesem Komödianten- gesicht. Er ist erstaunt. Was ist geschehen?" „Der Abb<," stammelte Rudolf,„Abbe Montrose ist hier." „Meinen Sie Herrn Thomas. Uri?" „Nein, den nicht, sondern den Abbe selbst.. Er singt." „Er singt?" fragte Krag. „Ja," antivortete Rudolf,„er singt. Das tirn viele hier im Hotel."(Forts, folgt.). b«m SKfesisiRen Babnhos pkstohlen. und Leidwntcki� Kleidungsstücken und J. S. und H. S. gezeichnet. Es kcsteki aus Bett. Tisch- -chmucksachen. Die Wäsche»st Tic Wanderausstellung Vau Kunstwerken der Stadt Berlin wird am lommriide» Sonnabend in der Aula der(L e m e i n d« I ch u I« in der Anton st raste, nahe d-m Vedding(Eingang Plantagenslrastc) eröffnet. Tic Besuchszeit ist werkläglich von 2-«, Sonntag« von lv— SUHr; Führungen und Voitriioc bei freiem Eintritt Sonntags um U Uhr, Dienstag« und Freitags abends uin S Uhr. In der Antonstraiie bleibt die Aus- stcllung b>S 2l. Dezember. Keine Personenbeförderung in Giiterziigen. Von dem in Au« ficht genommenen Verkehr von Pcrsonenmagen i»(flüterzüge» ist endgilllig ZI b st a n d g e n o i» in c n worden. Von gut untcriichtcter Seile ersnbrcii wir hierüber folgendes i Von Berlin aus verkehren während der VcrtebrS- sperre eine ganze Reihe von Güterzügen, zu denen je nach Bcdars Deisviien- wagen angehängt werden sohrii. Tiefe Personenwagen sind jedoch N u r für Flüchtlinge lau« den Ostmorlen) und sür h e i m t e h r e u d c KrlegSgefangcne bestimmt. Für diese Züge werden stahrkarten nicht verlaust, da die Flüchliinge wie auch die Heimkehrer nur aus Gut- scheinen bezw. Mililnisnhrichciimi ahgeseitigt werden. Diesen geben über die verkcbtcnden Güicizüge mit Personcnbcsörderung dl« Ankniilt«. bahnbösc Auskunst. Für den allgemeinen öffeiiliichen Verkehr sind diese Rcisegclegenhcitcn nicht bestimmt. Neukölln. Um den kommiiiialen Arbriterrat. Die sozialdemo- kratifche Siadtveiordneteiisrakiion bat zu der am Frettag tagenden Siadlverordnetensitziing nachstehenden Antrag eingebracht: Wir bitten zu bcschtiesten, dast dem hiesigen Kommunalen Arbeiterrat jedwede Mittel von dsr Gemeinde Neukölln gesperrt werden. Den städtischen Ärbeitern, Angestellten und Beamten wird das Recht eingeräumt, in alle ziiständigen Kommissionen und Depu- talionen je einen Vertreter zu entsenden, dem beschließende Stimme zu gewähren ist. Um der gesamten Bevölkerung Gelegenheit zu geben, Beschwer- den anzubringen oder AiiSkunst zu erlangen, wird der Magistrat er- stickt, schleunigst im Rathause eine öffentliche Auskunft und Be- schwerdestelle einzurichieri. Gegen diesen Antrag ist bereits von dem umstrittene» Arbeiter» rat eine lebhafte Propaganda entfaltet worden. Zu Freitag nach- mittag'/zfl Uhr Hai er nach zwei Lokalen öffentliche Volksversamm- lungen einberufen. Es besteht auf dieser Seite die Absicht, aus der Stadtverordnetenversammlung wieder ein« Radauveesammlung zu machen. Ob man glaubt, mit der geistigen Waffe des Skandals und des Terrors die anderen überzeugen zu können? Schöncbcrg. Vorsicht beim Wohnunquiieten! Die Anordnung des WohnungSverbandeS Groh- Berlin vom 6. Oktober bringt der Magistrat zur Kenntnis mit dem BSstiigen, daß die I n a n s p r n ch- nähme sämtlicher angemeldeten Wob nun gen und vermietbaren Räum« anderer Art(auch Läden) erklärt wird. Eine rechtSgüliige Vermietung kann daher nur an einen vom städtischen WohnungSnachweiS zugewiesenen, mit AuSweiS versehenen Mieler erfolgen, es sei denn, daß das Wohnungsamt(WohnungS- nachweiS) dem Bermieler schriftlich erklärt hat, daß er die Wohnung oder sonstigen vermirlbaren Räume zur selbständigen Bermieiung freigibt. Steglitz. Aus der Gemeindevertretung. Der zur Einrichiung eines Wohlfahrtsamtes eingesetzte Ausschutz unterbreitete der Versammlung am Freitagabend das Resultat seiner Beratungen, Es wurde folgende Gliederung angcnomnren: 1. Wvh- uungsamt, 2. Arbeilsamt, 3. Jugendamt, 4. Waisenamt, 5. Gesundhuteamt, 6. Armcnamt, 7. Krieger-Wittven- und Waisenfursor�e und sonstige außerhalb der Armenpflege liegende HlifStätigkeit, 8. Kriegsbcschädigienfürsorge, ö. Volksbildung. Für dir Errichtung von drei Bureaubaracken auf dem RathauSgrundstück wurden LOOOOV M. bewilligt. Beschlossen wurde die Anstellung eines Schularztes Im Hauptamt, einer Schulärztin im Reben- amt und einer S ch u l s ch w« st e r. Die Erbauung eines Jugendheims forderte ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion. Tie vom Genossen Skubich gegebene Beglründung wurde sowohl vom Gemeiudeborstand wie von den übrigen Frak- tionen voll getvürdigt, doch hielr man angesichts der Baustoffknapp- beit die Ausführung zurzeit für unmöglich. Der Antrag wurde schließlich dem Jugendamt überwiesen. Zum Schluß wurde ein« Entschließ»? angenommen, die im Hinblick auf das Sand- g r a n a t e n u n g l ü ck in der S ch i l d h o r n st r a tz e die Re- gicrunq ersucht, das Tragen von Handgranaten innerhalb der Stadt ans die allerdringendsten Fälle zu beschränken und das überschnelle Fahren von Militärautos und Motorrädern zu verbieten. Treptow-Baumschulcnweg. Gemeindevertretersitzung. Vier Vor- lagen über Lohnerhöhungen erfordern im lausenden Etat?- jähr außerbalh des Etats über eine halbe Million Mark, das sind etwa SO Proz. deS Staatseinkommensteuersolls. Da» Mehr der\ Löhne der Gemeindearbsiter nach dem neuen Tarif macht für den> Rest d.-s StatSjahres 142 S00 M., die neuen Zuschläge stOO M.| monatlich) der Bureauhilfskräfte 70 000 M. Den Volksschullehrern wird gestattet, die jetzt fällige Rückzahlung eine» im Sommer ge- wäbrten Vorschüsse» von zusammen 01000 M. auf einen für sie günstigeren Zeitpunkt zu verschieben, Glttchzeitig damit ist von de» Volksschnllehrern ein neuer Antrag auf«ine einmalig« Beihilfe von je 1200 M. eingegangen, der zur Vorberaiung an einen Ausschutz geht. Die Festangestellten und Beamten fordern«ine einmalige Bei-. Hilfe von 1200 M. ohne IfnlerTchied, die ihnen nach lebhafter Aus- einandersetzung durch MchrhcitSbeschlutz unter dem Namen cmcS „Vorschusses auf kommende Gehaltserhöhungen" zugesprochen wurde. Die Kosten dafür betragen sofort 264 OOO M. Die Mehrheit der Beamten steigt damit über die Berliner Sätze einschließlich Zulagen. Die bürgerliche Seite des Hauses machte dabei in sittlicher Entrüstung. weil unsere Genossen diese Vorlage nicht so b«- dingungslos schlucken wollten und bei dem Vergleich von ÄrbeiwrlLhnen und Beamtengehältcrn auf den hohen mate- riellcn Wert der Pensionsberechtigung hinwiesen. Unsere Genossen, die in der Mehrheit, um den niedrig Besoldeten sofort zu helfen, schließlich für die Vorlage stimmten, knüpften daran die Bedingung, daß nach dieser Freigwbigkeit nun aber auch die bisher zurückge- stellten sozialen Forderungen noch im laufenden EtatSjabr erfüllt würden. In Betracht kommen dabei u a. unentgeltliche Lieferung dep Lernmittel, Unsntgeltlick-kcit des Bcstattungswesens, Schularzt, Schulzahnpflege, Mrtschaftsbelhil''n an notleidende Einwohner einschließlich der Invaliden, der Kriegsopfer und der Ortsarmen. Eine allseitig von hohem Ernst getragen« Debatte rief dann noch ein Antrag der Unabhängigen hervor, der für die durch den Streik in Rot geratenen Metallarbeiter die Lebensmittel von der Gemeinde unentgeltlich verlangte und hauptsäckilich mit den Verhältnissen der vielen Unorganisierten begründet wurde. Unsere Genossen konnten sich bei aller Sympathie sür die Opfer des Kampfes nicht für ein solches Eingreifen der Gemeinde aussprechen. Die Aus- spräche endete mit der Zusicherung de» Bürgermeisters, daß not- leidende Einwohner stets Hilfe bei der Gsmeinde finden, im übrigen aber mit der Ablehnung des Antrages in dieser Form. Eine an- genehme Mitteilung war der Abschluß des Steuerjahres 1918, daS einen Ueberschuß von 1 867 000 M. ergeben hat. trotzdem bei der Lebensmittelversorgung seit 1919«in Defizit von 567 000 M. gc- deckt worden ist. ?ldlcrSh»f. Bus der lßemcindcvertretnns. An Stelle der wegen Krankheit ausgeschiedenen Genossin Gracser wurde die GenoüV. W o r m neu eingeführt. Ein Antrag der U. S. P.. den Volks- bücherciausschuß zu einem Bildunasausschuß auszugestalten, fand Annahme- Ein Antrag der U. S. P., die ReligionSstunden an den Sebluß deS Schulunterrichts zu verlegen, wurde auf Antrag des Berichwrstattcrs, Gen. Schmalz, dahin abgeändert, daß diese Stim- den an den Ansang»der Schluß deS Unterrichts zu lege» sind. In der Debatte über den Antrag wurde wieder Klage geführt, daß den Kindern, die vom Religionsunterricht befreit sind, allerhand Schmie- rigkeiten bereitet werden. Unsere Vertreter gaben durch Genossen Schmalz bekannt, daß sie einen Antrag vorbereiten, mjch welchem alle vom Religionsunterricht btfrciten Ge- meindeschüler der drei Gemein beschulen zusam- menge faßt werden sollen. Da die Zahl dieser Kinder 500 bereits übersteigt, wäre die Gründung einer weltlichen Schule somit mißAich. Zum Ausbau der SanitätSvaracke in der Hackenberg- straß«, welche den Zwecken der Säuglings- und Tuberkulosenfürsorge dienen soll, wurden 11000 M. bewilligt! auch der Anmietung eines weiteren Müllabladeplatzes wurde zugestimmt. Für die Beschaffung von Wandschmuck in den Gemeindrscktilcn wurden 1500 M. bewilligt. Die Schuldevutaiion hatte beschsossen, daß noch eine An- zahl Bilder au« den Schulräumen entfernt werden sollten. Bürger- meistcr Dr. Sporleder und die bürgerlichen Gemeindevertrcter und ein Teil der Lehrerschaft vertreten die Aufsassuna. daß nach dem Erlaß des Kultusministers Haenisch nur die Bilder Wil- Helm» ll. und des Kronprinzen entfernt werden dürften Dem- gegenüber präzisiert.' G«n. Schmalz den Standpunkt der sozialdemo- kratischen Mehrheit der Schuldeputation dahin, daß es der Ver- tretunq überlassen bleiben müsse, wie sie ihre Schulräume auS- schmücken wolle und daß die in dem Erlaß des Kultusministers benannten Bilder unbedingt entkernt werden müßten. Diesem Stand- winkt schloß ficfi dann auch die Mehrheit an.— Der mehr als sseben- stündtaen öffentlichen Sitzung, die erst nach Mitternacht ihr Ende erreichte, folgte eine nichtöffentliche Sitzung, in der als Hauptpunkt die Kleinhaussiedluna auf der Tagesordnung stand. Ferner wurde beschlossen, die Kirchensteuer nicht mehr wie bisher durch die Pol!- tische Gemeinde zu erheben. Pankow. Gemeindevertretung. In der letzten Sitzung wurde Genosse Keller gegen di« Si'mmen der Unabhängigen zum Schiedsmann geivählt. Für die Tagung der größeren preußischen Landgemeinden am 15. und 16. d. M. im Rathaus zu Schöneberg wurde Genosse W o I f f für die S. P. D. bestimmt. Einstimmige Annahme fand nach kurzer Aussprache ein« Vorlage, welche 5000 ivt. zur BekämpfungderTuberkulose forderte. Für die B e- schaffung von Brennmaterial(Holz und Torf) wird ein Betriebsfonds von 200 000 M. angefordert und bewilligt. In der Debatte wurde wirksamere Kontrolle bei der Abgabe des Holzes ge- fordert, um. wie es vorgekommen fein soll, Verschiebungen des Holzes nach Berlin vorzubeugen. Zum Zwecke der Gewährung wirtschaftlicher Beihilfen für heimkehrende Kriegsgefangene in den Fällen, wo die vom Reich zu tragende Beihilfe 300 M. übersteigt— die Beihilfen können bis zur Höh« von 600 M. gezahlt werden— und der überschießende Betrag dann zur Hälfte aus Gemeinde- oder sonstigen Mitteln zu decken ist, werden 30 000 M. bewilligt Eine Anfrage unseres Genossen K el- ler, ob dem Gemeindevorstand bekannt sei, daß die Verfügung über die Befreiung vom Religionsunterricht in den hiesigen Gemeindeschulen zu umgehen versucht werde und waS er dagegen zu tun gedenke, gab Anlaß zu einer ausgedehnten R e l i- gionSdebatte, in welcher die Bürgerlichen recbt unsSaldSvoll und überempfindsam und die Unabhängigen wie das bewußte Tier im Porzellanladen operierten. Unser Genosse M ö b u s verstand es meisterlich, den hier gebotenen Ton und damit allgemeine Zu- | stimmung der Gemeindevertretung wie auch eines Teils des radi° ' kalen Elements der wieder kräftig mitwirkenden Tribüne zu finden. Vom Gemeindevorstand wurde zugesagt, für Beachtung der mini- steriellen Verfügung wirkungsvoll Sorge zu tragen. Groft-Berliner Lebensmittel. Neukölln. Tie älteren LckenSniittclfurten bis Abiibnitt 66, die gelben HauSbolliingSkarten mit Abschnitten£.—8, die(Min) WorciibezugSkartcn mit Abschnitten Ißt— 204 und siübere und ichllcsilich die Abschnitte Üi 6 und M 12 der älteren Eiiisuhrzusgtstcntcii können mmchlct weiden. Auszu- bewahren sind jedoch noch die Selsen lartcn. In Ziikmiit kommen nur noch iolgende Karten für die Entnahme von Lebensmitteln in Frage: Brot-, Fleiich«, Fett-, Kartoffel- und Kartoffeiioiiderkarten. Zlickcrtarten und Zucker- iulatzkarlen jür Kinder, Einsubrzu'atzlarlen mit den'Abchnitteir F 18— M 20 lind N 21— Z 24, Lcbensmittelfai ten mit den Abschnitten 67—00, 91— 114 und 1—24, Waienbezugskarlen(rot) mit den Abschnitten 205—248, HauS- haltungSkarten mit den Abschnitten B— 1-, AuSbiltS-, Plerdefleych- und Lebensinstieikarten sür Jugendliche im Alter von 7—17 Jahren. Groß-Serliner parteinachrichten. 15. Abt. BertranenSlcute. BozirkSsuhrer und Gruppenführer. Freitag abend 7 Uhr: Sitzung bei Krüger, Langestr. 25. Tagesordnung wichtig. 19., 20., 21. u. 22. Abt. Henie abend 7>/, Uhr Versammlung bei Heinrich, Große ivrankiurier Straße 30. Vortrag des Genosien Schlegel. Jiingiozialisiische Bereinigung(S. P. D.). Heule Vi, Uhr im Saal der jimflischcii Sprechliundc, LiuLenstr. 3: Vortragsabend. Um 7 Uhr ssitzung des Arbctisausichiiffes. ZLerboniisschiitz sür Poit und Telcgraphir. Freilag. 8 Ubr. in der Aula Rigacr-air. 8; BetriebSvcriammIung der Gruppe 6(Poilimter O 17, O 34) O 112, Lichtenberg, ZiummelSburg, FriedrichStclde, Hoppe- garten. Kaulsdort, MablSdort, Biesdorf, Stralau). Gen.(v r o n e f e l d spricht über„Monarchie oder Rcpublil". Angestellte des PokctPoitaiutS. Freitag, 7',', Uhr, In Keller» Fest- fälen, Bergilr. 69: Leffcntliche Verfaminiimg. Thema:.Die Grundidee des Sozlaitsmus und das Bcamteutlim". Gälte und Frauen willkommen. Achtung t Schlvartzkopffwerke Berlin und Wildau l Morgen, nachm. 4 Uhr: Sitzung iämtlicher Funktionäre der Schwartlopstwerk«, die aus dein Boden der P. D. siehe», Bellevueslr. 7, II recht». Erscheinen ist unbedingt crsordcrtich. Wittenau. Frauenabend bei Böhm. Oranienstr. 60, 7'/, Uhr, Res. Genosse Lehrer Meise:«MuIIerichutz und Jugendichutz", Lanlivip. Frauenabend im Varadiekgar.'cii, Mühleiistraßi.?'/, Uhr. Res. Genossin Todenhagen:„Die Frauen und die Versassung". Jugenöveranftaltungen. Abt, Nord-Ost. Werneuchener Schloß, Werneuchen«»' Elbingcr Straße, heule st, 8 Uhr: Milgliederversammlunz. ötraße, Ecke Mus aller Welt. Bom Kommunismus zum Idiotismus. Der Erfurter.Kommunist" bringt in seiner Nummer vom 4. November unter dem Rubrum.AuS Thüringen" folgende» Stimmungsbild: „Es will uns Kommunisten dünken, als wäre die totale politische Soniienfinsterni» tnr Lager der hinter dem Mond wandelnden Scheinsozialisten beendigt, während die Programm« drkoraieure, die Uncibbängigon, an politischer Unklarheit zunebmen. Eine zweifelhafi« GelbstversiänMichkesl ist es, wenn der Arbetter- rallvorsipende in diesen.RegferungSapparat", der doch niemals, wie«S hätte sein müssen, funktionierte, zahnradähnlich in die Zähne des Zeitenradeö eingegriffen hat. Null perfeotum«et! (Niemand ist vollkommen.) Auch der vor der RevolutionSleichenhalle stehende Jlmenauer Atbeilerrat. Jene Schreier aber, die nicht selten krakelten, der Vorsitzende des RrbeiterralS sei ein Flaumacher, die vermochten nicht besser zu machen, waS jener unterließ. Nunmehr, wo der Arbeiterrot Ilmenaus auf der Leichenbahre der verstümmelten Revolution Platz machen muß. beulen und plärre» die schwachtöpfigen ver- nieinilichen Bessermacher, daß ste um Amt und deren Würde kommen. Wir Kommunisten verweigern die Annahme de» Schlafrock» und der Zipfelmütze, di« die..Btssermacher' b«t der Ausübung ihre» Amte» getragen bähen. Wir eiwanen aber, daß man uns aus dem.Weg nach Moskau' nicht angähnt, wie es politische Schiäser zu tun Pflegen, sondern wir boffcn. mit gläubig gl- wordenen Kämpfern den Sieg de» Kommunismus zu erzwingen. Uns will es dünken, daß eS besser wäre, der Schreiber der Notiz nähme leinen Weg nicht nach Moskau, sondern pilgerte lieber nach Dalldorf I Automobil-Versteigerung beim Reichsverwcrtungsamt, Vertnufsabtcilung für Automodilwrscn. Filiale Königsberg i. Pr., tSSÄl," 24. November..... Dr. med. Hollaender Hpezlalarxt Aufklärende Broschüre Nr. I. 1,80 M. gegen Nacbnahme Berlin, Lcipzlcer Str. 108\ Hamburg, Kolonnaden 2b j Sonntags täglich 7Uhr, 11-1 Uhr. Dr. med. Karl Keinhardt 1 Berlin, PoUdamerStr lITia.d.LützowstraOe)| SpeziaUArzt bewahrte fachmannlscbe Behandlung. Unentgeltl. Auskunlt u. aufkiar. Oratls-Broschüre Ueschreib. sämtlich. Heilvertahren(ver«chloss.Brie(| 1.50 M.). Sprechstund, v.>/,I2— 2 mittags, st,b bis __ 0 ehends.?6nntags Vill— 1. di SpezialxBehandlung: H A«'«f f aSmaam# Inralidensitr. 147 %S)t VW Kf>. Etage, Ecke Bergstraße. Viele Jahre in Krankenhfiusern u. Kliniken tätig gewesen. Kostenlose Untersuchung und Beratung über sachgemäße Behandlung. S prechstunden 10—12 und 4 8, Sonntag» 10—11, ÜMAWACeMa kiet, Beistand, mäßige Preise. Teil- rrflZcSAC rämung, Ehe-, Ahmenten-, Straf- e» wMwwww) sachen, Eingaben, Gnadengesuche. Lendgerlcbtsrat Dr. r. 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Es ist der rigoroseste Eingriff in den gesamten Verkehr auf hosten aller nicht unbedingt lebenswichtigen Gewerbezweige. Wir brauchen in den Großstädten K a r t o f f e l n, ehe die schweren Fröste konimen, für das Volk, und K o h l e für die industriellen Betriebe. Die Haldenbestände, die im Westen und in Oberschlesien angswach- sen lind, müssen abtransportiert, die Läger aufgefüllt werden, Millionen von Großstadtbewohnern wissen nicht, woher sie den nötigsten Zk o h l e n b e d a r f für den Hansbrand decken sollen. Aedes Kind versteht, daß die Einstellung des Per- soncnverkehrs zugunsten des Güterverkehrs nur unter dem Drucke der schwersten Not erfolgt ist, daß ein forcierter Güter- Verkehr unbedingt nötig ist, um zur Sicherstellung der Er- nährung und Kohlenversorgung und zur Steigerung der Kohfenfövderung eine Erleichterung im gesamten Verkehrs- Wesen zu schaffen. Schon heute läßt es sich voraussagen, daß diese Personenvertchrssperre nicht genügen wird, um den Ab- transport der Kohlen und der Lebensmittel für die Dauer zu gewährleisten. Man mutz mit Bcstinimtheit damit rechnen, daß erhebliche Einschränkungen des Personenzugverkehrs auch nach dem 15. November bestehen bleiben werden. Die Personenverkehrssperrc ist also eine soziale Maßnahme im Interesse der notleidenden m i n d e r b e m i t t e I t c ii Bevölkerung. Der reiche Schieber und der Kapitalist holt sich seine Kohle und seine Kartoffeln, wenn s sein muß, höchst persönlich mit dem Auto ab— er kann es sich leisten. Aber das Proletariat kann das nicht. Wenn der Generalstreik in Kraft tritt, müssen sich in Berlin die Wagen stauen, der ganze Zweck der groß- zügigen Maßnahme ist verfehlt. Darauf speku- Heren die unabhängigen und kommunistischen Drahtziek>er. Freilich: die„F r e i h e i t" hält schon jetzt den Zeitpunkt für gekommen, sich vor den Konseguenzen zu drücken und be- hauptet in ihrer gestrigen Abendausgabe zum allgemeinen Erstaunen,„daß es sich nicht um einen politischen Streik handelt, sondern einzig und allein darum, daß die Ar- beiter nicht gewillt sind, ihre Vertrauensleute maßregeln zu lassen". Es ist jedoch nicht anzunehmen, daß der Gehirn- schwund bei den Lesern der„Freiheit" in demselben Maße fortgeschritten ist wie am Schiffbauei-dalmn. Denn diese werden sich sehr deutlich daran erinnern, daß in dem Ausruf der Berliner Parteileitung der U. S. P. D., der K. P. D. und der Fünfzehnerkommission, der gestern morgen in der„Frei- heit" abgderuckt war, wörtlich stand:„Die sozialrevolutio- nären Parteien, die U. S. P. D. und die K. P. D. unterstützen den jetzt politisch gewordenen Kampf." Ein Generalstreik in diesem Moment wäre eine Sab o- tage des Proletariats. Er würde die großstädtische Bevölkerung rücksichtslos dem Hunger und der Kälte preis- geben und damit die Stimmung für Putsche, aus die es die „sozialrcvolutionären" Parteien abgesehen haben, ohne ein- zugestehen, schassen. Wenn nun die Regierung mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln eine Ausbreitung des Streiks, insbesondere auf den Transport, niederzuhalten be- strebt ist, so ist das nichts anderes als ihre verfluchte Pflicht und Schuldigkeit. Ablehnung üurch üie Gewerkfchasts- kommWon. Nach siebcnstünbiger Sitzung lehnte die am Mittwochnachmiitag tagend- Plenarversammlnng der Berliner EcwcrklchaftSkommission de» Eintritt in den Gencralstriük mit«K gegen 66 Stimmen ab. Dagegen gelangte ein Antrag Schmidt zur Annahme, wonach der Ausschuß der G.'wcrkschaftskommission beauftragt wird, mit den inafigebcndrn Behörden zu verhandeln, um die Maßregelungen der bisherigen BetrirbövertraurnSleute rückgängig zu machen. Die Funktionäre öer sozialüemokratischen unü üemokratischen Partei zum Generalstreik Zur Frage deS Generalstreiks nahm Mittwoch abend eine Ber- sammlung der Funktionäre und Arbeiterräte der Sozialdemokratischen und Demokratischen Partei Stellung. Der Referent, Genosse Brolat, gab ein« Darstellung der Verhandlungen, an denen neben der Streikleitung die Vertreter der politischen Parteien teilnahmen. Alle Teilnehmer dieser Sitzung, die am Sonnabend stattfand, waren darüber einig, daß Grund- rechte der Arbeiter von den Unternehmern nicht angetastet werden dürfen und Rechte, welche die Arbeiter vor dem Streck in den Betrieben hatten, auch nach Beendigung deS Streiks weiter bestehen bleiben und ausgeübt werden. Darauf fand eine Besprechung der Partcivertreter mit den Unternehmern statt. Da wurden Einzelfälle angeführt, aus denen hervorging, daß Arbeiterräte ihre Funktion zum Schaben der Arbeiterschast ausgeübt haben. Die Vertreter der Parteien arbetteten unter sich einen Entwurf für die Bedingungen der Arbeitsaufnohme aus, welcher der Streik- leitung vorgelegt wurde. Hierzu erklärte R u s ch, er sei bereit, diese EinigungSbed''nyungcn der Generalversammlung zur Annahme zu empfehlen. Der Entwurf erhielt dann durch die Abänderung�- anrräge der Unternehmer die Form, in der er in der Presse ver- ossentlicht wurde. Auch zu diesem Entwurf erklärte Rusch, c r w e r d c ihn der Geieralver sammlung zur Annahme emp. fehlen. Auch der Unabhängig- Koencn sagte, nachdem die Unternehmer zu weiterem Entgegenkommen nicht mehr zu beivegen waren, man solle eß bei den Bedingungen lassen, der Kampf könne nicht fortgesetzt werden. Auch der Unabhängige Brühl war für den Abbruch des Streiks unter den vorg-eschla- genen Bedingungen. Den Unternehmern gegenüber hat Rusch, wie das für einen Gewerkschaftsvertreter selbstverständlich keine bin- dende Erklärung über die Wiedereinstellungsbedingungen abgegeben, aber im übvigen ließ seine Haltung keinen Zlveifel, daß er die Bedingungen in der Generalversammlung zur Annahme empfehlen wollte.— Was die Modalitäten der Einstellung betrifft, so sind die Unternehmer bereit, alle Streikenden, die vor dem Streik Ver- traucnsmänner waren, bis zum 15. Dezember wieder einzustellen. Diejenigen, die infolge der Teilstreiks in den Betrieben nicht weiter- arbeiten konnten, sollten aussetzen. Die Streikleitung verlangte aber, die Arbeiter sollten- mit dem Aussetzen nicht einverstanden sein. Darauf wurden sie entlassen. Soweit sich unter den End- lassenen Arbeiterräte befinden, haben sie nach dem Gesetz ihre Funktion verloren. Darauf berufen sich die Unternehmer. ES soll also nach der Wiedereinstcllun,, der Entlassenen eine Neuwahl der Arbeiterräte vorgenommen werden. Es liegt also bei den Arbeitern selbst, Männer ihres Vertrauens zu wählen. B r o- l a t machte weitere Mitteilungen über Vorgänge aus der Sitzung, die die Parteivertrctcr mit der Streikleitung abhielten. Auch hier haben sich— wie der Redner betonte— Rusch und R i ch. Müller für den Abbruch des Streiks unter den vorgeschlagenen Bedingungen erklärt. Es ist eine einzig dastehende Un- Verschämtheit, daß Rusch in der Generalversammlung des Metallarbeiterverbandes den in. der Arbeiterbewegung ergrauten Parteigenossen Molkcnbuhr, der die Haltung Ruschs richtig dargestellt hat, einen Lügner genannt hat. Im Metallarbeiterstreik sind manche Dummheiten und Sta- tutenwidrigkeiten begangen. Doch das geht uns hier nichts an. Darüber zu befinden, ist Sache der Metallarbeiter. Der Vollzugs- rat der Unabhängigen und Kommunisten hat nun in der„Freiheit" die gesamte Arbeiterschaft zum Generalstreik aufgefordert. Wir lehnen die Teilnahme an diesem Generalstreik ab. (Sehr richtig.) Wir sprechen jene» Leuten, die ien Aufruf erlassen haben, das Recht ab, im Namen der Arbeiterschaft zu sprechen. Die Spielerei mit dem Generalstreik muß ein Ende nehmen.(Lebhafte Zustimmung.) In der jetzigen Lage könnte keine größere Dummheit gemacht werden als ein General- streik. Solche Dummheit machen wir nicht mit.(Lebhafter Beifall.) Fischer(Demokrat) bezeichnet die Ausführungen, die Brolat über die Haltung von Rusch und Rich. Müller gemacht hat, als durchaus zutreffend. Dr. Michaelis(Demokrat) ist mit den Ausführungen dcS Referenten einverstanden. So wie die Sache jetzt von der andcnen Seite eingeleitet wird, muß sie zu einem schweren Fiasko führe». Es ist eine Gewissenlosigkeit, jetzt einen Generalstreik ins Werk zu setzen. Wir müssen der Generalstreikparole mit aller Entschiedenheit entgegentreten.(Lebhafter Beifall.) Cohen: Wir haben«ine ernste Frage zu entscheiden. Im Kampf stehen unsere Arbeitsbrüder. Wenn die Unternehmer glau- den, wir könnten uns durch unsere Entscheidung aus ihre Seite stellen, dann irren sie sich. Unser Herz als Arbeiter ist bei den Streikenden.(Lebhafter Beifall.) Wir erwarten, daß auch die Unternehmer sich bereit finden, durch weiteres entgegenkommen die Differenz, die doch nur noch gering ist, aus der West zu schaffen. Wer seit Wochen im schweren Kampf steht, wie die streckenden Metall- arbeiter, verdient die volle Anerkennung eines jeden Arbeiters.(Beifall.) Die Streikenden stehen fest, nur wenige sind bis jetzt abgebröckelt. Diese Disziplin ist das Resultat jahrelanger Erziehung, die nicht diejenigen geleistet haben, die jetzt an der Spitz« stehen, sondern ihre' Vor- g ä n g« r.(Zustimmung.) Die jetzigen Leiter der Gewcrkschast mißbrauche» die Disziplin der Arbeiter und dagegen protestieren wir.— Andere als die Dtreckenden haben über das Streikobjekt nicht zu entscheiden. Aber nachdem wir zum Generalstreik aufgefordert sind, haben wir nach sachlicher Prüfung deutlich auszusprechen: Das Objekt, das Veranlassung gegeben hat, zum Generalstreck' auszuforder», ist viel zu gering, um den Eintritt tn den Generalstreik zu rechtfertigen.(Sehr richtig!) Wenn Grundrechte der Arbester auf dem Spiel stehen, sind wir selbstverständlich bereit, unsere Person, unsere ganze Existenz ein- zusetzen für die Rechte, die wir in jahrzehntelangen Kämpfen und seit dem L. November errungen l)aheu. Aber in solchen Kanrpf treten wir nur ein» wenn wir dazu aufgefordert werden von denen, die wir cm die Spitze der politischen und gewerkschaftlichen Körper- schaften gestellt haben. Das ist Disziplin. Die Kommmüsten, Spar- takistcn und Syndikalisten suchen seit Jahren die Disziplin in unseren Organisationen zu untergraben und die Arbaster für ihre Zwecke zu mißbrauchen. Wir müssen den Kommunisten und Spartakisten zeigen, daß die Zeiten ihrer Putsche vorüber sind. Wir stehen zu den von uns gewählten Leitern und werden»ur ihrem Ruf zum Kampf Folge leisten.(Zustimmung.) Wer der Meinung ist, die kämpfenden Metallarbeiter brauchen die Hilf« der übrigen Arbeiterschaft, der soll sich an die zuständigen Vertreter der Arbeiterschaft wenden.— Vor vier Wochen wurde im„Vor- w ä r t s" der Vorschlag gemacht, die Arbeit aufzunehmen und die Streitfragen, die damals bestanden, durch Schiedssprüche entscheiden zu lassen. Wäre der Vorschlag befolgt worden, dann wären die Metallarbeiter gar nicht in die jetzige Situation hineingekommen. Ich bin eS, der diesen Vorschlag gemacht hat, denn ich weiß aus Erfahrnng, was die jetzigen Schwierigkeiten der Wiederein st ellung zu bedeuten haben. In der„Freiheit" wurde mein Vor- schlag verhöhnt, er habe der Streikleitung ein« vergnügte Viertel- stunde bereitet, hieß es. Heute wird man wohl bereuen, daß man ans diesen Vorschlag nicht eingegangen ist. Hätte man'es getan, dann wären die gegenwärtigen Schwierigkeiten nicht entstanden. Aber der Vorschlag stand ja im„Vorwärts", er ging von einem flussen. Unsere Haltung in der gegenwärtigen Situation dient der Gesamtheit. Sie schädigt die Streikenden nicht. Jetzt stehen die Dinge so, daß man zur Feier des 7. und 9. November unter allen Umständen einen Generalstreik haben will.(Sehr richtig!) Plan kann sich vom politischen Joch doch nicht dadurch be- freien, daß man dem Wirtschaftsleben einen schweren Schlag ver- setzt. Die Gewerkschaften haben auch jetzt und in Zukunft noch wich- tige Ausgaben im Interesse der Arbeiter zu erfüllen. Darum dür- sen sie nicht in unverantwortlicher Weise mißbraucht werden. Wir lehnen ei ab, unvc rckntw ortilchen Personen zu folgen.(Lebhafter Beifall.) Hierauf wurde Schluß der Diskussion beschlossen und folgende Resolution einsttmmig angenommen: Die am 5. November 1919 in der Bockbrauerei tagende Ver- sammlung der gesamten Funktionäre der sozialdemokratischen und demokratischen Fraktion Groß-BerlinS nahm Stellung zu dem am Montag gefaßten Beschluß der Generalversammlung der OrtSvrrwaltung Berlins des deutschen Metallarbeiterverbandes. In diesem werden die noch in Arbeit stehenden Metall- arbeiter Groß-Bcrlins aufgefordert, sofort in einen Sympathie- streit für die im Streik Befindlichen zu treten und die gesamte Arbeiterschaft Groß-BerlinS wird nach Ablauf des den Unter- nehmern gestellten Ultimatums zn einem allgemeinen General- streik für daS ganze Groß-Berliner WirtsckmftSgebiet aufgefordert. Dazu beschließt die Versammlung: Den Unterzeichnern des heute in der„Freiheit" veröffentlichten Aufrufs an die Berliner Arbeiterschaft zum Generalstreik spricht die Versamm. lung daS Recht ab, im Namen der gesamten Berliner Ar- bciterschaft zu spreche» und zu handeln. Zum Metallarbriterstreit erklärt die Versammlung, daß bei geeignetem Vorgehen der Streikleitung das noch bestehende Streitobjekt in einer für die Arbeiterschast befriedigenden Weise erledigt werden könnte. Obwohl der Shmpathiestreikbeschluß den statutarischen Bestimmungen des Verbandes widerspricht, er- klärt die Versammlung, den Metallarbeiterstrekk a l s eigene AngelegenheitderMetallarbeiter. Die im Metallarbeiterstreik noch vorliegenden Differenz- punkte können deshalb für die Arbeiter und Angestellten Groß- Berlin? keineBeranlafsungbieten.tn einen General- streik einzutreten. Die Arbeiterschaft Groß-BerlinS hat um so mehr Anlaß, sich mit aller Entschiedenheit gegen die gewissen- lose Generalstreikhetze derer zu wenden, die durch sie die Niederlage der unfählgen Streikleitung verbergen wollen, als der Generalstreik nach dem heutigen Aufruf in der„Freiheit" ausdrücklich als politischer Kampf gekennzeichnet wird. Die Versammlung for- dort die Arbeiterschaft auf, der General st reikparole unverantwortlicher Hetzer nicht zu folgen, son- dern sich geschlossen hinterdie berufenen Körper- schaften(Gewerkschaftsbund und Parteivorständr) zu stellen und lediglich nach deren Parole zu handeln. Der Vorsitzende Fischer(Dem.) schloß die Versammlung mit dem Ausdruck der Erwartung, daß der gefaßte Beschluß im Interesse der Allgemeinheit in die Tat umgesetzt werde. Streikagitation bei öer Straßenbahn. Nachdem am Monlag die Arbeiter der Hauptwerkstatt ohne Slellung irgendwelcher Forderungen in eine» Sympalhiestreil für die Meiallarbeiter eingetreten sind, ist in« Laufe des Dienstag- vormittag von einer Minderheii. hinter der in der Haupiiache der große Arbeiterausschnß steht, mit allen Mitteln veriuwr worden. den Straßenbahnverkehr zum Erliegen zu bringen. So erschien vom Montag zu Dienstag nacht auf sämtlichen Bahnhösen der Großen Berliner Straßenbahn der folgende Ausbang: Beilin, den t. November 1019. Kollegen und Kolleginnen! Auf Grund des Anschlags der Direklioi? gegen den Arbeiter« o»s!ch»ß hat am Donnerstag eine Bollversammlung einstimmig folgende Resolution angenommen: Di- heute am 90. Okiober 1919 tagende Vollversammlung de« gesamten Verkehrswesens nimmt mil Entrüstung Kenntnis von der herausfordernden Behandlung und Androvuna der Eni- lossniig des AebeiterausschusseS der G. B St. von ieiien der Dtrekiton. Sie verurteilt weiter, daß sich der Aufsichisral der G. B. St. in Verireiung durch Herrn Proiessor Gieie mit dieser Erklärung der Direktion, die sich nicht»ur gegen den Arbeiter- ousschuß richtet, sondern auch als ein Anschlag gegen die geiamte Arbeiterickaii belrachiet wird, einverstanden erklärte. Sie fordert, daß die Vertreter der Arbeiterschaft, wenn die Ertläniiige» aufrecht erhalten werden, aus dem AnisichtSrat auszutreten baden. Die Versammelten erklären, daß sie zn ihrem Arbeilerausschnß volle? Vertralien haben. Wir haben e? sür selbst- verständlich gehalten, daß die ArbeiterauSichüsse der Ver- kebrsbelriebe bei schnellen wichtigen Akiiaiien, ohne die Massen zu befrage», eintreten, um die berechtigten Interessen der Masse» zn wahren. (Es folgt dann Einverständniserklärung, Dank für das Ein« treten und Ausdruck des Vertrauens für weilcre Arbeit.) Unterschrift: Baron. Schaumburg. Die Bersammlung, in der die vorstehende Entschließung ge- faßt worden sein soll, hat also bereits am Donnerstag, den 80. v. M., stattgefunden. Wenn diese Entschließung erst Dienstag zum Aushang gebracht woiden ist, so geht daraus denllich hervor, daß sie dem Zwecke dienen soll, den-besonnenen Teil der Arbeitenchafl, der nicht gewillt ist. sich in einen Streik hineintreiben zu lasten, gegen die Betriebsleitung aufzuputschen. Auflöinng von Strastenbalttter-Versammlunge». Der ArbeitermiSschuß der Straßenbahner hatte zu Mittwoch abend jSahichofSversammlungen einberufen, die über die Beteilt-> gung am Generalstreik Beschluß fassen sollten. Die Versammlungen waren zum Teil von betriebssreindeii Leuten besucht, die durch inten- sive Agitation mittels Flugblättern und Ansprachen die Stimmung für den Generalstreik zu beeinflussen suchten. Die Flugblätter ent- dielten in der bekannten Weis« eine Verherrlichung . � der russischen Mitgliode der S. P. D. aus, und das war Grund genug, nicht auf �Revolution und forderten zur Sympathieerklärung für die russische ihn einzugehen.— Ein Arbeiterführer muß den Mut haben, in der Versammlung die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie den Zuhörern unangenehm klingt. Auf Personen darf dabei keine Rücksicht ge- nommen werden. Diesen Mut habe ich bei denen, die den Streik leiten, nicht gesehen.(Zustimmung.) Nur Vernunstgründe, nicht Phrasen, dürfen die Entscheidung über einen Streik bcein- Sowjetrepublik auf. Die Versannnlungen wurden jedoch kurz vor Beendigung durch ReichSwehrtruPpfn aufgelöst, so daß eine Abstim- mung. die im übrigen, auch nicht in den vorgeschriebenen Formen — d. h. geheim— vorgesehen war, nicht erfolgen konnte. Die Stimmung war jedoch allgemein gegen eine Beteiligung am Generalstreik, so daß zu erioarten ist, daß der Straßenbahnbetrieb voll aufrechterhalten werden wird. Deutsche Spar-Prämienanleihe 1919 10. bis 26. November )le llebensmittelsorge vor öer Landes- Versammlung. Auf der Tagesordnung der Mitlwochsitzung der Preußischen 2 a n d e S v e r>' a m m l u n g steken die Abstimmungen über den Landlvirtschaftshaushalt und die dazu vorliegenden Anträge. DaS Eehalt des Ministers wird gegen die Stimmen de: Deutschnationalen und der Unabhängigen bewillige lGroste Heiterkcin) Danach erfolgt die Annahme des Land- wirtichaflshaushalis und der dazu vorliegenden Anlräge des Siaars- haushaltungSausichusses über die Sicherung und Steigerung der Lebensmittelerzeugung, über die Bewirtschaftung und Verteilung der Lcbensniiiiel und über die Preis- be stimm u ng für landwirtschaitliche Erzeugnisse. Dabei stimmten die D e u t s ch n a t i o n a l e n und die U n a b- häng igen gegen die Organisierung von ArbcitSgemein- sch a sten der Landwirte zu gegenseitiger Hilfe. Deutschnationale und Deutsche Bollspartei gegen die zwangsweise B e w i r t- schastung brachliegender Felder, die Deutübnationalen gegen das vorläufige Festhallen an der öffentlichen Be- wirtschastung der für die Bolksernährung wichtigsten Lebens- mittel und gegen die Bereitstellung der Ueberschüste der Vieh- Handelsverbände zur Abgabe von Lebensmitteln zu billigeren Preisen an die bedürftigen Kreise der Bevölkerung. Aus der Abstimmung ist ferner hervorzuheben, dah der deutsch- nationale Antrag gegen die Verordnung über die Sicherstellung landwirtsckiastlicher Arbeiten gegen die Stimmen der Deutsch- nationalen abgelehnt wird. Es folgt die Abstimmung über das Gesetz betreffend die Er- leichterung des Austritts»uS der Kirche und ans den jüdischen Synagogengcmeinden. die gestern infolge der Beschluß- Unfähigkeit ergebnislos verlaufen war. Adolf Hoffmann sll. Soz.) beantragt namentliche Abstimmung über den demokratischen Antrag aus Zurückverweisung des Gesetzes an den RechlSauSschuh Präs. Leinert lästt namentliche Abstimmung nicht zu, mit der Begründung, daß die Abstimmung bereits gestern begonnen habe und der Antrag Adolf Hoffmann geschäftSo-rdnungmäßiq nach erfolgter Aufforderung zur Abstimmung nicht mehr zulässig sei. Adolf Hoffmann widerspricht dieser Auffassung. Die Abgg. Dr. Porsch lZtr.) und Dr. von Krause sD. Vp.) unterstützen dagegen die Auf- sassung deS Piäiidenlen unter Berufung auf die bisherige Uebung des HauseS. In einfacher Abstimmung erfolgt die Annahme des demokratischen Antrages gegen die Stimmen der beiden sozialdemokratischen Fraktionen. Danach wird die Beratung deS Antrages Fricdbrrg lDem). über die Verschiebung von Getreide und andelen Lebens- Mitteln nach dem A u s l a n d e fortgesetzt. Heller(Soz.): Trotzdem die Regierung manches gegen die LebensmitteUchiebungen unternommen bat, ist eine wesentliche Beste- rung noch nicht eingetreten. Zur wirksamen Bekämpsung der un- haltbaren Zustände bedarf eS einer mit diktatorischer Ae- Walt ausgerüsteten Stelle. Konsumenten und Produzenten müssen in Gemeinschaft mit den Kommunalverbänden in F e st st e I l u n g S- ausschüsien auf dem Lande wirken. Auch die Eisen- bahnaussicht muß anders organisiert werden. Daß die Unter- kuchungsaklen über die verbrecherischen Zustände im Düsseldorfer Bezirk bei der Staatsanwaltschaft einfach verschwunden find, ist ein Zustand, der zum Himmel stinkt.(Sehr wahr') Hier muß energisch zugepackt werden, besonders gegen die wilden Auf- k ä u f e r, die den Bauern Getreide und Kartoffeln abkaufen und ins Ausland verschieben. KüsterS(Z.s: Der Schieberhandel ist eine der trüben Folgen, die die Revolution gezeitigt hat.(Widerspruch links, Zurufe: Nein, der Krieg I> Wir können un§ nicht mehr den LuxuS leisten, das billigste Brot der Welt zu essen.(Lebbaiter Beifall rechts und im Zentrum.) Jansen(Dem.): Alle unsere Maßnahmen bleiben wirkungslos, wenn wir nicht endlich U n t e r st ü tz u n g durch die Entente bekommen. Diese will aber den furchtbaren Zustand, der uni'ern wirtschaftlichen Zusammenbruch herbeiführen muß, dauernd erhalten. Ich rufe die Solidarität der anständigen Leute diesseits und jenseits der Grenze zum Schutz gegen dieses Verfahren auf. Neuhaus sdnat.): Düsseldorf und andere Städte haben sich zu reinen Schieberbörsen ausgebildet. Das BestechungS- wesen hat ungeheure Ausdehnung angenommen; für die Bestechung der Ei s e n b a h n b»e am t en hat sich sogar ein Tarif auSge- bildet. Mit der Einrichtung von Wuchergerichten find wir einverstanden. Christange(U. Soz.): Wir erkennen an. daß der Staatssekretär für das ErnährungSweien tatkräftig zugreift. Aber die Getreideschicber. die bei Wein und Weibern das dem hungernden Volke ausgepreßte Geld verprasien, sind Landesverräter und müssen als solche behandelt werden. Die Not der Landwirt- schaft ist durchaus nicht groß; mancher Landwirt läßt die Kartoffeln ganz gern erfrieren, um dann Spiritus daraus �u machen. Im besetzten Gebiet erfüllen die Landwirte ihre Ablieferungspflicht nicht, sondern liefern ihre Erzeugnisie, besonders Getreide, zu Wucherpreisen den Schiebern aus.(Lebhaftes hört, hört!) Die Arbeiterräte sollten mit Polizeibefugnissen ausgestattet werden: denn sie allein können bei Zusammenarbeit mit den Berbraucherorgani- sationen den berufsmäßigen Schiebern das Handwerk legen. Der Regierung ist es bisher n i ch t gelungen, und deshalb wird sich das Volk eines Tages gezwungen sehen, zur S e l b st h i l f e zu schreiten. Held(D. Vp.): Mit Gewaltmitteln ist nichts zu erreichen; vor allem ist notwendig, daß die Landwirte höhere Preise be- kommen. Danach wird der demokratische Antrag, der von dcr Staats- regierung Maßnahmen zur Verminderung des Schmuggels mit Ge- treibe und anderen Lebensmitteln nach dem Auslande verlangt, ein st immig angenommen. Nach einer Besprechung der Leuchtmittelnot, die keinerlei Er- gebnis zeitigt, folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die Erweiterung der Selbständigteitsrechle der Provinzial- verbände, in Verbindung mit der zweiten Beratung des An- träges Dr. Ruer(Dem.) auf Annahme eines Gesetzes über die Sonderrechte der Provinz Schleswig-Holstein. Ein Regiernngsverlreier stellt nach der Debatte darüber mit Freuden das Einverständnis aller in den wesentlichsten Dingen fest: E i n h e i t s st a a t bei selbständiger Entwicklung der Provinzen. Danach vertagt sich das Haus auf Donnerstag 12 Uhr: Weiterberatung, Berghaushalt. GewerffchaflsbewWung Zur Wirtschastsbeihilfe öer Eisenbahner. Ani Dienstag, den 4. November, fand auf Grund einer Ein- ladung der sozialdemokratischen Fraktion der Preußischen Landes- Versammlung eine Besprechung mit der Fraktion und den Vor- standsvertretern Scheffel und Tbielemann vom Deut- schen Eisenbahn er- Verb and im Preußischen Abgeord- netenhaus statt. Es bandelt sich um die Frage der an die Eisen. babuer gezahlten Wirtschastsbeihilfe, die in einigen Teilen durchaus nicht die Zustimmung der Mitglieder des D. E. V. und des Vor- standes derselben gesunden hat. Vor allem muß es als eine große Härte bezeichnet werden, daß alle Bedienstete, die noch kein volles halbes Jahr am 3. September ISIS beschäftigt waren, von jeglicher Zuwendung ausgeschlossen wurden. Ein? Eingabe des Vorstandes des D. E. V. mit dem Inhalt, auch diesen Leuten eine nach der Dauer ihrer Beschäftigung abgestufte Beihilfe zu gewähren, war der hauptsächlichste Gegenstand der Verhandlung. Eine Reihe von Abgeordneten hielt die Eingabe im wesentlichen für berechtigt und ' ihre Durchführung für geboten. Die Verkchrsschtvierigkeit und die gesunkene Leistungsfähigkeit in den Eisenbahnbetrieben wurde gleichfalls erörtert. Die Vorstandsvertroter legten die Gründe dar, die sie veran- laßten, die Eingabe den beiden sozialdemokratischen Fraktionen des Abgeordnetenhauses zu übermitteln und verwiesen besonders daraus, daß es sich hauptsächlich um wirtschaftlich ungünstig gestellte Leute bandelt, Kriegsteilnehmer und Arbeitslose, die unbedingt berück- sichtigt werden müssen. Vom Eisenbahnministerium wird soviel ge- klagt über den Rückgang der Leistungssäbigkeit, und dabei wird die Hauptschuld aus die Lässigkeit der Eisenbahner geschoben; auch die bürgerliche Presse schreit fast alltäglich in die Welt hinans, daß die Eisenbahner nicht mehr arbeiten wollen. Demgegenüber ist als Tatsache festzustellen, daß die Funktionäre der Grtverkschastsorgani- sationen in den Betrieben selbst mit aller Energie gegen Lässigkeit und Faulbeit vorgehen, aber der Hauptgrund an den Verkehrs. schwierigkciten und dem Rückgang der Leiswngsfähigkeit ist auf anderem Gebiet zu finden. Ohne eine gründliche technische und soziale Reform der Betriebe und Einräumung der notwendigen Rechte an die Eisenbabner kann die Leistungsfähigkeit unmöglich gehoben werden. Es muß ferner baldigst mit den Verhandlungen über den eingereichten Tarifentwurf begonnen und die vom Ministerium seit langer Zeit zugesagte Einführung der Betriebsräte erfüllt werden. Man sollte an maßgebender Stelle mit mebr Klug- heit und taktischem Geschick verfahren, der Organisation mehr Eni. gegenkommen zeigen, und dann würden auch bald bessere Verhält- nisse entstehen. Die Fraktion der Landesversammlung hat den Vorstandsver- tretern zugesagt, den Antrag auf Verbesserung der Wirtschasts- beihilse auszunehmen und zu unterstützen. Es ist dringend zu wünschen, daß die zuständigen Stellen die unbedingte Notwendigkeit der Durchführung der Reformen anerkennen und baldigst im ge- wünschten Sinne erledigen mögen. Zum Streik im Eisenhandel ist zu berichten, daß am 3. Noveinber im Reichsarbeitsministerium unter Vorsitz des Herrn Dr. M. W e i g e r t ein SchlichtungSaus- schuß getagt bat. Der einstimmig vom SchlichtungsauSichuß ge- machte Vermittlungsvorschlag wurde von beiden Parteien dahin- gebend angenommen, daß die anwesenden Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich verpflichteten, in ihren Mitgliederversamm- lungen für diesen Vorschlag einzutreten. Die entscheidenden Ber- sammlungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer finden im Laufe deS 6. November statt._ Achtung, Stukkateure! Eine im GewerkschaslShaus tagende Versammlung der Stukka- teure nahm Stellung zu dem Resultat dcr Verhandlungen der Schlichtungskommission. Nach reger Diskussion wurden folgende Lohnsätze mit 171 gegen 13 Stimmen angenommen: Einhcitsstundenlohn für Baustukkateure 3,40 M., für Werkstattstukkateure 3,30 M. Für Auslösung bei aus- wältigen Arbeiten ist ein Mindestlohn von täglich 8,40 M. zu zahlen; für Akkordarbeiten ein Aufschlag von l7>/z Prozent. Diese Lohnsätze treten vom!. Noveinber ab in Kraft. Für Baustellen, wo die Arbeit bis zum 1. November noch nicht beendet ist. bleiben die eventuellen besseren Lohn- und Arbeitsbedingungen bis zur Be- endigung der betr. Arbeiten bestehen. Alsdann nahmen die Ver- sammelten eine Resolution an, in welcher den streikenden Metall- arbeitern die vollste Sympathie ausgesprochen wird. Ter Branchenstreik der Bürstenmacher ist beendet. Am Montag, den 3. November, ist durch Schiedsspruch folgendes Urteil gefällt worden: � Der Mindestlohn beträgt für Facharbeiter 2,33 M. die Stunde, iw Frauen 2,40 M. Tie Aklordpreise sind für Männer und Frauen gleich. Die Berechnung der Aklordpreise erfolgt auf folgender Grundlage: Bei gewöhnlicher Ware werden 300 Bündel beim Ein- ziehen und 130 Bündel beim Pecken pro Stunde gerechnet. ES würden also für 1000 Bündel gewöhnlicher Ware beim Einziehen 8,50 M. und beim Pecken 17,— M.�zu berechnen fein, alle andern Arbeiten entsprechend höher. Der Schiedsspruch ist von den Arbeit- nchmern angenommen, von den Arbeilgebern abgelehnt worden. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen werden aufgefordert, nicht unter diesen Lohn- und Alkordsätzen zu arbeiten. Die Streikleitung. Verwaltungsstelle Berlin des Deulschen Holzarbeiter- Verbandes. Hungerlöhne in den Schuhtvarcnhäusern! Mit der größten Wut und Verbissenheit arbeiten die Herren Arbeitgeber im Schuhwarenbandel gegen ihre streikenden Auge- stellten. Nach geheimer Verabredung gehen sie mit Kündigungen und Entlassungen gegen das im Ausstand bcfindlickie Personal vor, um es zum Verräter an ihren Kollegen zu machen. Es wird ihnen nicht gelingen, ebensowenig werden sie imstande sein, die kämpfen« den Angestellten zu zersplittern, sie einzeln abzufangen, um ihnen später das unter dem Druck der Verhältnisse Gebotene wieder streitig zu machen. Leuien vom Schlage dieser Unternehmer, die ihr Wort, zu ver- handeln, schriftlich gegeben, es wieder zurückziehen, dann nochmals gebe» und dann wieder zurückziehen, kann man nicht zutrauen, daß sie es ehrlich meinen. Die Firma R. Dorndorf z. B. setzte kurzerhand zwei Mitglieder des AngestelllenauSschusieS, die sich beiondeiis verdient um ihre Kollegen gemocht hatten, auf die Straße, trotzdem ein Spruch des Schlichiungsausichnsses Groß- Berlin sie zwang, die Betreffenden weiter zu beschäfligen. In der schofelsten Weise behandeli man Angestellte, die 10, 13 Jahre und noch länger bei einer Firma waren. Hungerlöhne auf der einen Seite, bis 30.— M. monatlich ab- wärtS, Millionenprofite auf der anderen Seite. Schon unter der Zwangswirtschaft halten die Unternehmer 33 Pro,, durchschnittlich Verdienst. Nach Aufhebung der Zwangswirtschaft stiegen die Preise um das Drei- und Viersache. Der Verdienst war im Dulchjchnilt 33'/, Proz., für Lackschuhe usw. 40 Proz. Daraus geht hervor, daß sich der Profit um das Dreisache mindestens erhöhte. Trotzdem Schundgehäller, Hungerlöhne. Beamten u. dergl. gab man die Schuhwaren zu Spottpreisen, das Personal mußte die vollen Preise bezahlen. Herr Wolff von der Firma R. Dorndorf und Herr Levh vonder Firma Salamander Schuh-Gek. m. b. H. gehen aufs Ganze. Die Schutzmannschaft wurde gegen die Angestellten mobil gemacht, Sireikposten wurden verhaftet und stundenlang im Gewahrsam be- halten. Die. Herren Millionäre stehen aus der Straße und werden zu Volksrednern gegen ihre hungernden Angestellten. Arbeiter, Prole- tarierbrüder, unterstützt die um ihre Menschenrechte kämpfenden Steikenden. Hoch die Solidarität! Zentralverband ger Angestellten. Fachgruppe VH. Zum Metallarbeiterstreik. Achtung. Obleute der Streitenden! Nächste Sitzung Freitag vor- mittag, 3'/. Uhr, in den.Sophiensälen". Dynamowerk. Donnerstag, 8ff, Uhr früh, Sitzung der Vertrauens- leute im Streiklokal. Erscheinen ist Pflicht. Deutsche Werk-.H«tten-Gescllschaft Hohenschönhausen. Freitag. den 7. November, kS Uhr, Bctriebsvci sammlung und Zahltag der Extra- uliterstützung im Restaurant.Zum Herschleb". jllcinbau Siemens- Schuckcrt. Heute Donnerstag Quittungen unterschreiben von S— 1 Uhr im Streiklokal— Sonnabend von 9— 1 Uhr Auszahlung der Streikunterstützung in den bekannten Lokalen. Nachzügler müssen bis Ende nächster Woche warten. Berlin-Anhaltische Maschinenbau- Akt.-Ges. Donnerstag, den 6. 11., nachmittag? 1 Uhr, Betriebsoersammlung in der Kronenbrauerei, Wt-Moabst 48. Im Anschluß Quittungen unterschreiben im Sirelt lokal. Siemens Block-Wert. Donnerstag, früh 11 Uhr, Versammlung im .Eiadtpart", Jungsernheide. Bcrgmann-Roscnthal. Freitag, 7. November, 1k Uhr, Quittungen unterschreiben. 1 bis 1500 bei Lohne, 1501 bis Schluß bei Feind. A. Borslg, Tegel. Donnerslag, den 0. November, nachmittags 2 Uhr. in Harlmanns Brauerei, Reinitfen-West, Betriebsversammlung sämtlicher Kollegen. Die Funktionäre treffen sich um 1 Uhr im selben Lotole. Kontrollkarte legitimiert. Sattler! Heute nachmittag S Uhr findet im GewerkfchastShauS sür alle in der Metallindustrie streikenden und ausgesperrten Sattler eine Versammlung statt. Decker u. Co., Dempclhof. Freitag, vormittag 9'/, Uhr, Zu- sammenlunst im Lokal.Metallarbeiter", Linienstr. 195. Verbandsbuch mit- bringen!_ Zcntralverband dcr Fleischer. Mitgliederversammlung Freitag, den 7. November, abends 7'/, Uhr, Bezirk Remickendors, Wittenau, Tegel, bei Pähl, Reinickendorf, Provinzstr. ll3.— Bezirk Spandau: Nachmittags ö'l, Uhr, im.Alten Ratskeller", am Markt. Damen- und Ztrohbutarbeiter und'Arbeiterinne«. Am Frei- tag, den 7. 11., nachm. 5 Uhr, Versammlung, Gewcrljchastshaus, Saal 1. Bund der techn. Angestellten und Beamten. Ortsgruppe Ober» schöneweide. Die nächste Milglicderversammlung iindet am Freitag, den 14. d. M., abends 7 Uhr, im bekannten Lokal statt.— Ortsgruppe Steglitz. Donnerstag, den 0. November, abends 8 Uhr, Monatsvcr- sammlung lni Wirtshaus»Zum Stern", Steglitz, Kieler Str. 7. Gold- und Silberarbeiter! Heute, Donnerstag, Branchenversamm- iung im.Dresdener Garten", Dresdener Straße 45. Berantw. für den redakttva. Teil: Allred Scholz, Neukölln: sür Anzeigen: Theodor Stocke, Berlin Verlag: Borwäris-Verlag 9. in. b. K.. Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckerei und Bcrlagsanliali Baut Einacr u. Co. in Berlin. Linbenstr. S. Hierzu 2 Beilagen. 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